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Riskanter Rausch durch Hortensien-Joints

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Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) hat eine Warnung veröffentlicht: Beim Rauchen von Hortensien,  die eine ähnliche Wirkung wie Haschisch oder Marihuana haben sollen, werde eine größere Menge Blausäure freigesetzt. Das sagte Dr. Heidemarie Lux, Oberärztin am Klinikum Nürnberg und BLÄK-Vizepräsidentin. Die Atmungskette werde blockiert, das zentrale Nervensystem werde zerstört, und das könne zum inneren Ersticken führen, also zum Tod. Auch seien die Langzeitfolgen des Hortensien-Konsums nicht bekannt. Lux hält es für schwierig, die Gefahr einzudämmen. Werde eine Marihuana-Plantage entdeckt, werde sie von den Behörden sofort zugemacht. Es werde jedoch niemand auf die Idee kommen, Hortensien in den Vorgärten zu verbieten.

Seit etwa zehn Jahren werden immer wieder Hortensien aus Gärten geklaut. Das sei oft eine Sache des Preises, sagt Lux. Verglichen mit dem Kauf von Opiaten oder von Cannabis sei es natürlich spottbillig, Hortensien aus dem Vorgarten zu stehlen. Es seien aber nicht nur Jugendliche, die zur Hortensie greifen, auch Ältere berauschten sich an der Naturdroge.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=46044&Nachricht_Title=Nachrichten_Rauchen+von+Hortensien%3A+Achtung%2C+Blaus%E4ure%21&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Hortensien-Joints sollen Wohlbefinden, Euphorie und Halluzinationen auslösen sowie sedierend wirken. Es ist aber nicht geklärt, ob es sich dabei um pharmakologische Wirkungen oder um einen Placebo-Effekt handelt. Psychoaktive Substanzen, die in den Hortensien als Wirkprinzip fungieren könnten, sind jedenfalls bisher keine bekannt. Die beim Verbrennen freigesetzten Blausäure-Verbindungen sind aber sehr real.

Heikel ist bei solchen Naturdrogen unter anderem, dass Konsumierende manchmal naiverweise davon ausgehen, dass ein solches Naturprodukt sicher schon sanft und harmlos sei.

Der französische Arzt und Botaniker Ph. Commerson (1727 – 1773) soll auf einer Weltreise im fernen China in einem Tempelhof auf die ihm bis dahin unbekannte Pflanze gestossen sein. Er war von dem Gewächs so entzückt, dass er es nach seiner Braut Hortense nannte, die ihn auf seiner Weltumsegelung begleitete.

Eine weniger romantische Erklärung liefert allerdings Wikipedia:

„ Der Begriff Hortensie entspringt dem lat. hortensius (abgeleitet von hortus für Garten) mit der Bedeutung ‚zum Garten gehörig, Garten-‚.“

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Kleopatrabad bei Neurodermitis und trockener Haut

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Wer an Neurodermitis und/oder trockener Haut leidet, dem wird oft empfohlen, anstelle eines Vollbades eine kurz Dusche zu nehmen, weil diese die Haut weniger entfettet.

Wer trotzdem ein Vollbad nehmen möchte, sollte für eine rückfettende Wirkung sorgen.

Dazu kann man ein Spezialbad für Neurodermitis-Patienten in der Apotheke kaufen oder ein rückfettendes Bad selber herstellen.

Das geht sehr einfach mit einem traditionellen Hausmittel mit dem verheissungsvollen Namen „Kleopatrabad“.

Das Magazin „Stern“ hat kürzlich Alltagstipps für Neurodermitis-Patienten veröffentlicht und dabei auch das Kleopatrabad empfohlen:

„Dafür mischen Sie 40 Milliliter Olivenöl mit 20 Milliliter Milch, schütteln es kräftig, bis eine Emulsion entsteht, und setzen diese nach fünf Minuten dem Badewasser zu. Auf der Haut bildet sich ein dünner Ölfilm, der rückfettend wirkt.“

Nach dem Bad die Haut an der Luft trocknen, sonst landet der Ölfilm im Handtuch, und der Effekt geht verloren.

Quelle:

http://www.stern.de/allergie/vorbeugen/atopisches-ekzem-alltagstipps-fuer-neurodermitis-patienten-585265-e3a97b4519108477.html

Kommentar & Ergänzung:

Zum Mischungsverhältnis gibt es in den Quellen unterschiedliche Angaben. Ich selber empfehle zwei Esslöffel Olivenöl zu mischen mit einer Tasse Milch. Es muss Vollmilch sein, weil Milchdrink zuwenig Fettanteil hat, um eine gute Emulgierungswirkung zu gewährleisten.

Der Ölfilm vermindert die Abdunstung von Wasser aus der Haut und erhöht damit deren Feuchtigkeitsgehalt.

Der Name „Kleopatrabad“ geht natürlich auf die ägyptische Königin Kleopatra (69 – 30 v.u.Z) zurück, die in Eselsmilch gebadet haben soll.

Heute wird natürlich aus praktischen Gründen in der Regel Kuhmilch verwendet, doch hat die Eselsmilch als Badezusatz und Hautpflegemitttel eine lange Geschichte.

„Eselsmilch wird heute in Heilbehandlungen für Hauterkrankungen und Allergien verwendet. In erster Linie soll Eselsmilch von Allergikern getrunken werden. Reine Eselsmilch ist auch ein Kosmetikprodukt. Bereits in der Antike soll Kleopatra in Eselsmilch gebadet haben. Von Kaiserin Elisabeth und Joséphine Bonaparte sind ähnliche hautfreundliche Bäder überliefert.

In der Nähe der Stadt Agrigent in Italien entsteht nun die erste größere europäische Produktionsstätte für Eselsmilch. Da Eselsmilch eine natürliche Alternative für Babys und Kleinkinder mit einer Allergie gegen Kuhmilch darstellt ist die Nachfrage nach diesem teuren Naturprodukt hoch.“

(Quelle: Wikipedia)

Und zur Zusammensetzung der Eselsmilch:

„ Eselsmilch ist genau wie Stutenmilch der menschlichen Muttermilch sehr ähnlich, wobei der Anteil an Lipiden auffällig niedrig und der Lactose-Anteil hoch ist. Sie wurde früher häufig als natürlicher Muttermilchersatz angewendet. Die Molken derselben enthalten viel Milchzucker und schmecken süß.“

(Quelle: Wikipedia)

Noch vor der Kuhmilch, der Ziegenmilch, der Stutenmilch oder der Schafsmilch war Eselsmilch zudem die Ersatzmilch erster Wahl für mütter- und ammenlose Säuglinge.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Malaria: Artemisia-Pflanze möglicherweise wirksamer als isoliertes Artemisinin

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Die Artemisia-Pflanze (Einjährige Beifuß, Artemisia annua) wirkt möglicherweise weit besser gegen Malaria als das auf diesem Kraut hergestellte Medikament mit isoliertem Artemisinin.

Eine US-Studie mit Mäusen zeigt, dass die zermahlenen Blätter von Artemisia annua die Malaria-Erreger eher abtöten als der isolierte Wirkstoff im Medikament. Diese Erkenntnis könne die Malaria-Behandlung wesentlich günstiger machen und Entwicklungsländern auch eine ökonomische Perspektive bieten, schreiben die Wissenschaftler um Stephen Rich von der University of Massachusetts in Amherst in der Zeitschrift „PLOS ONE“.

Hunderte Millionen Menschen leiden weltweit an einer Infektion mit Malaria-Parasiten der Gattung Plasmodium. Im Jahr 2009 starben nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mindestens etwa 800.000 Menschen an der Krankheit. Zur Therapie angewendet werden hauptsächlich auch Präparate mit dem Wirkstoff Artemisinin, der auf dem Einjährigen Beifuß (Artemisia annua) basiert. Zur Produktion dieser Medikamente wird Artemisinin aus der Pflanze in einem aufwendigen Verfahren isoliert. Die Medikamente, die häufig noch mit anderen Wirkstoffen kombiniert werden, sind gerade für Entwicklungsländer zu teuer. Deshalb prüften die Wissenschaftler, wie gut die natürliche Pflanze gegen die Infektionskrankheit hilft.

Dazu verglichen sie die Wirkung von reinem Artemisinin und getrockneten zermahlenen Blättern von Artemisia annua an Mäusen, die den Erreger Plasmodium chabaudi trugen. Dieser befällt zwar Nagetiere, teilt jedoch zahlreiche Eigenschaften mit den Erregern, die den Menschen infizieren. Nach der Einnahme tötete das Naturprodukt in den Mäusen im Zeitraum von 12 bis 72 Stunden deutlich mehr Parasiten ab als reines Artemisinin – bei identischem Wirkstoffgehalt.

Die Wissenschaftler führen dies zum einen darauf zurück, dass nach Gabe des Pflanzenmittels im Vergleich zum Pharmaprodukt etwa 40 Mal mehr Artemisinin im Blut der Nager zirkulierte. Darüber hinaus weisen sie darauf hin, dass in den Blättern der Pflanze neben Artemisinin auch noch andere Substanzen vorkommen, die gegen Malaria wirken.

Die an der Studie beteiligte Biologin Pamela Weathers vom Worcester Polytecnic Institute sagt, dass die Blätter von Artemisia eine Vielzahl von Stoffen enthalten, die interessant sind wegen ihrer offenkundigen, aber schwächeren Wirkung gegen Malaria. Dazu zählen nach ihren Angaben mindestens sechs Flavonoide, von denen gezeigt worden sei, dass sie mit Artemisinin zusammenwirken, um Malaria-Parasiten abzutöten. Die verschiedenen Wirstoffe könnten sich in ihrem Effekt gegenseitig verstärken, schreiben die Wissenschaftler.

Zudem betonen sie, dass der Einsatz zermahlener Blätter auch wesentlich kostengünstiger sei als der Kauf teurer Medikamente. Artemisia könne in den meisten Klimazonen angebaut und die Blätter gut geerntet, getrocknet, auf ihren Wirkstoffgehalt untersucht und in Kapseln verpackt werden. Dies könnte Menschen in Entwicklungsländern eine Perspektive geben und auch die dortige Wirtschaft fördern.

Quelle:

http://www.n-tv.de/wissen/Pflanze-uebertrumpft-Medikament-article9867161.html

Kommentar & Ergänzung:

Diese Studie ist sehr interessant für die Phytotherapie.

Die „normale“ Arzneimittelforschung neigt stark dazu, synthetische oder auch pflanzliche Wirkstoffe isoliert zu untersuchen und anzuwenden. Das kann Vorteile bieten, zum Beispiel bei Arzneistoffen mit kleiner therapeutischer Breite, wenn also die wirksame Dosis und die toxische Dosis nahe beieinander liegen. Ein isolierter Wirkstoff lässt sich genauer dosieren als Extrakte aus der ganzen Pflanze.

In der Phytotherapie kommt in der Regel ein ganzes „Team“ von Wirkstoffen zur Anwendung.

In diesem Zusammenhang ist oft die Rede von einer Multi-Target-Therapie.

Siehe dazu:

Phytotherapie – auf die Mischung kommt es an

Die beschriebene US-Studie scheint jedenfalls als Beispiel zugunsten der Multi-Target-Therapie zu sprechen. Wobei allerdings bei einer Studie mit Mäusen noch offen bleibt. Ob und wie weit sich die Ergebnisse auch auf die Anwendung am Menschen übertragen lassen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Nasensalbe Rüedi – ein Naturheilmittel?

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Vor kurzem fragte mich eine Teilnehmerin an einem Kräuterkurs, ob die bekannte „Nasensalbe Rüedi“ eigentlich ein Naturheilmittel sei.

Die Nasensalbe Rüedi mit den Wirkstoffen Pfefferminzöl und Campheröl ist ein Medikament zur örtlichen Behandlung von Erkrankungen der Nasenschleimhaut. Sie ist als Fertigarzneimittel im Handel oder kann in einer Apotheke produziert werden. Bei Säuglingen darf die Nasensalbe Rüedi nicht eingesetzt werden.

Im Handel ist als Fertigarzneimittel die Nasensalbe Rüedi Spirig erhältlich. Die Salbe kann jedoch auch in einer Apotheke hergestellt werden.

Zusammensetzung der Nasensalbe Rüedi

Die Nasensalbe Rüedi enthält Pfefferminzöl, Campheröl, Wollwachs und Hilfsstoffe. Als Salbengrundlage sollte wegen der Gefahr einer exogenen Lipidpneumonie kein Paraffin oder Vaseline eingesetzt werden.

Wirkungen der Nasensalbe Rüedi

Die Nasensalbe Rüedi wirkt kühlend, schmerzlindernd, juckreizlindernd, erfrischend und schleimhautpflegend. Zur dient der Befeuchtung der Nasenschleimhaut.

Wann wird die Nasensalbe Rüedi eingesetzt?

Die Nasensalbe Rüedi wird bei geschädigter Nasenschleimhaut, trockener Schleimhaut, trockenem Nasenkatarrh und bei Reizungen der Nasenschleimhaut angewendet.

Dosierung

Für Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren gilt: Mehrmals pro Tag in die Nasenöffnungen geben und die Nase leicht massieren.

Kontraindikationen

Nicht bei Säuglingen anwenden. Gemäss Packungsbeilage darf die Nasensalbe Rüedi bei Kleinkindern nur mit Vorsicht aufgetragen werden. Aufgrund des enthaltenen Kampfers sollte sie vorsichtshalber nicht bei Kindern unter 6 Jahren eingesetzt werden.

Unerwünschte Wirkungen

Es können Reizungen und Atemstörungen vorkommen. Wollwachs ist ein bekanntes Kontaktallergen und kann allergische Hauterkrankungen auslösen. Nasensalben sollten aufgrund der Gefahr einer exogenen Lipidpneumonie nur zeitlich begrenzt angewandt werden.

Quelle: Pharmawiki

Kommentar & Ergänzung:

Die Nasensalbe Rüedi ist ein „Klassiker“.

Als Naturheilmittel würde ich sie nicht bezeichnen. Jedenfalls handelt es sich – vor allem wenn man auch die Hilfsstoffe und die Salbengrundlage anschaut, nicht um ein reines Naturprodukt. Aber natürlich enthält die Nasensalbe Rüedi Komponenten, die aus der Natur stammen wie Pfefferminzöl und Campheröl.

Pfefferminzöl enthält als Hauptbestandteil Menthol, das kühlend wirkt und dadurch „Luft gibt“.

Campheröl (auch: Kampferöl genannt) wird hergestellt durch mischen von Campher (Kampfer) mit Erdnussöl.

Siehe auch:

Schnupfen: Eukalyptusöl, Pfefferminzöl, Latschenkiefernöl

Was ist Kampfer? Welche Wirkung hat Kampfer?

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen gegen Prostatabeschwerden

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Zu Beginn eines Benignen Prostatasyndroms (BPS) genügen häufig Maßnahmen wie Blasentraining oder Abnehmen. Heilpflanzen-Präparate können unterstützend wirken.

Typisch für das Benigne Prostatasyndrom (BPS) ist eine Trias aus Prostatavergrößerung, Symptomen des unteren Harntrakts (LUTS) und Blasenauslass-Obstruktion. Zwischen ihnen bestehe kein fester Zusammenhang, erklärte Professor Klaus Höfner beim Uro Update in Düsseldorf.

So könne bei einem Patienten eine Veränderung allein auftreten, bei anderen zwei oder auch alle drei, wobei die Symptome von milde bis stark reichen.

Über die einzuleitenden Maßnahmen entscheiden Arzt und Patient gemeinsam, empfehlen Fachgesellschaften Deutscher Urologen in ihren Leitlinien zum BPS und stellen dafür einen Algorithmus bereit (Der Urologe A. 2009; 48: 1503). Als Hauptkriterien für die Behandlung haben sich herauskristallisiert: Wie stark ist die Blasenauslass-Obstruktion? Schreitet die Krankheit fort, und wie gross ist das Risiko von Komplikationen?

Für die Indikation zu einer Behandlung sei die individuelle Progression einzuschätzen, empfahl der Urologe aus Oberhausen. Im ersten Stadium sind Medikamente häufig nicht unbedingt nötig („Watchful Waiting“). Dabei ist es gut zu wissen, dass sich die Prognose der Prostata-Obstruktion sich durch dieses kontrollierte Zuwarten nicht verschlechert.

Es eignet sich für Patienten mit leichten Beschwerden, kaum eingeschränkter Lebensqualität, kleiner Prostata, niedrigem PSA, wenig Restharn und gutem Harnfluss. Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind Bestandteil dieses Konzepts, genauso wie Änderungen des Lebensstils: Regulieren der Flüssigkeitszufuhr, wenig Alkohol und Kaffee, Blasentraining und für Übergewichtige Abnehmen, weil das die Beschwerden verringert.

Eine Option bei milden BPS-Symptomen sind pflanzliche Präparate (Phytopharmaka), in Deutschland hauptsächlich Extrakte aus Sägezahnpalmenfrüchten (Serenoa repens, Sabal serrulata), Brennnesselwurzeln (Urtica dioica), Kürbissamen (Cucurbita pepo), Roggenpollen (Secale cereale) sowie Phytosterole aus der afrikanischen Wurzel Hypoxis rooperi, aus Kiefer und Fichte (Pinus und Picea).

Für einige Phytotherapeutika (Harzol®, Azuprostat®, ProstaFink®, Permixon® und Prostagutt®) ergeben sich aus randomisierten Studien Hinweise auf Wirksamkeit.

Eine Übersicht der Cochrane Collaboration zu β-Sitosterol-haltigen Präparaten haltigen Präparaten zeigt: Sie werden gut vertragen, die Beschwerden bessern sich, der Harnstrahl wird kräftiger.

Seit 2004 müssen Patienten diese Phytotherapeutika in Deutschland selbst bezahlen. Die Konsultation in der Praxis ist jedoch über EBM abzurechnen.

Die Präparate bestehen aus einer Arzneipflanze oder aus mehreren. Die Hersteller verwenden unterschiedliche Extraktionsverfahren, so dass die Heilpflanzen-Präparate in ihrer Zusammensetzung variieren, selbst wenn sie aus derselben Pflanze stammen, erklärte Höfner. Resultate aus Grundlagenforschung und klinischen Studien zu Wirkung, Bioverfügbarkeit und Pharmakodynamik sind nicht von einem Präparat auf ein anderes übertragbar, auch wenn beide aus der gleichen Heilpflanze produziert werden.

Zudem sei noch nicht erforscht, ob die Heilpflanzen-Präparate langfristig wirken, ob sie das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen und Harnverhalt oder Operation vorbeugen. Dennoch erscheine der Ansatz interessant und solle weiter beobachtet werden, sagte Höfner.

Er stellte eine neue Studie zu einer Serenoa-repens-Zubereitung vor: Im Tiermodell hemmte sie, additiv verstärkt durch Selen und das in Tomaten vorkommende Lycopin, die Entzündung und Hyperplasie, die mit der Obstruktion einhergehen (Urology 2011; 77: 248).

Ein Naturprodukt, das bereits bei Harnwegsinfekten getestet wurde, schlagen Wissenschaftler jetzt für die BPS-Behandlung vor: ein Pulver aus Cranberries. Teilnehmer einer Studie waren 42 Männer mit LUTS, erhöhtem PSA und chronischer, nicht-bakterieller Prostatitis. 21 nahmen sechs Monate täglich 1500 mg des Pulvers.

Danach hatten sich die Werte auf dem Internationalen Prostata Symptomen-Score IPSS, Lebensqualität, Uroflow und Restharn signifikant stärker gebessert als bei den 21 nicht-behandelten Prostata-Patienten (Br J Nutr 2010; 104: 1181).

Quellen:

http://journals.cambridge.org/action/displayAbstract?fromPage=online&aid=7912891&fulltextType=RA&fileId=S0007114510002059

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/656555/pflanzen-prostatabeschwerden.html

Kommentar & Ergänzung:

Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in der Schweiz einige Phytopharmaka zur Linderung der Beschwerden bei Gutartiger Prostatavergrösserung (Benigne Prostatahyperplasie) die von den Krankenkassen via Grundversicherung bezahlt werden, wenn eine Ärztin oder ein Arzt sie verschreibt.

Wichtig ist bei allen Heilpflanzen-Präparaten in diesem Bereich, dass sie langfristig eingenommen werden sollten, idealerweise mindestens über sechs Monate.

Die erwähnte Anwendung von Cranberries bei Prostatabeschwerden (nicht-bakterielle Prostatitis) ist eine ziemlich neue Idee. Die beschriebene Studien ist zwar interessant, ihre Aussagekraft allerdings nur schon wegen der kleinen Zahl der Teilnehmer sehr begrenzt.

Ansonsten erwähnt der Bericht die wichtigsten Prostatapflanzen: Sabalfrüchte, Kürbissamen, Brennnesselwurzel, Roggenpollen.

Erstaunen mag, dass der in der traditionellen Pflanzenheilkunde  häufig angewendete Weidenröschentee nicht erwähnt wird. Das hat damit zu tun, dass zur Wirkung des „Kleinblütigen Weidenröschens“ gegen Prostatabeschwerden im Gegensatz zu den aufgeführten Heilpflanzen keine fundierte Dokumentation vorliegt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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