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„Naturheilkunde: Wenn Eltern ihre Kinder gefährden“

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Unter dieser Schlagzeile publizierte die „Süddeutsche“ kürzlich einen Bericht zur Verhandlung des Bundesgerichtshofes gegen eine Mutter und ihren Lebenspartner, die ihren Kilian mit stundenlanger Meditation, strenger Diät und Ananas-Papayasaft, aber ohne wirksame Medikamente gegen seine Krankheit kämpfen liessen, wodurch seine Lunge mehr und mehr verschleimte. Der Junge litt an Mukoviszidose und wäre dringend auf Medikamente angewiesen gewesen.

Ausserdem musste Kilian immer wieder fasten, obwohl bei Mukoviszidose kalorienreiche Ernährung nötig ist. Er wog schließlich nur noch knapp 30 Kilogramm – 20 Kilo weniger als für seine Größe normal.

Nur die Flucht zu seinem leiblichen Vater habe den damals 15-Jährigen vor dem sicheren Tod bewahrt, so der Richter – und die Medikamente, die er dann wieder bekam.

Die Mutter und ihr Lebensgefährte hätten sich der schweren Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig gemacht, fand das Gericht. Sie müssen wegen Misshandlung ins Gefängnis.

Der Angeklagte ist als „Guru von Lonnerstadt“ bekanntgeworden. Er bezeichnet sich selbst als „Lehrer der zeitlosen Weisheit“. Offenbar waren er und seine Partnerin davon überzeugt, die Krankheit mit ihren Naturheilverfahren heilen zu können – was sich als fataler Irrtum erwies.

Eingesehen haben sie ihren Irrtum und ihre Schuld aber noch nicht.

Und hier kommt die Schlagzeile der „Süddeutschen“ ins Spiel: Können Eltern ihre Kinder durch Naturheilkunde gefährden?

Eine Antwort darauf gibt im Beitrag Edzard Ernst, emeritierter Professor für Alternativmedizin an der Universität im britischen Exeter:

„Viele Alternativbehandlungen sind harmlos. Aber leider sind die Behandler nicht immer harmlos.“

Nämlich dann, wenn sie ihre Kompetenzen überschreiten, Diagnosen verkennen oder lebensrettende schulmedizinische Behandlungen unterlassen.

 

Quelle:

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/naturheilkunde-glauben-mit-nebenwirkungen-1.2594935

http://www.infranken.de/regional/erlangenhoechstadt/Guru-aus-Lonnerstadt-erneut-vor-Gericht;art215,1109588

 

Kommentar & Ergänzung:

Edzard Ernst bringt es auf den Punkt: Es sind weniger die Behandlungen selbst, die mit Risiken verbunden sind (obwohl auch das möglich ist). Entscheidender ist die Haltung der Behandlerinnen oder Behandler. Und dazu muss ich sagen, dass mir im Verlaufe von rund 30 Jahren, in denen ich mich in den Bereichen Naturheilkunde, Komplementärmedizin und Alternativmedizin bewege, wirklich viele Behandlerinnen und Behandler über den Weg gelaufen sind, bei denen ich grosse Zweifel habe, ob sie ihre Grenzen kennen. Ich vermisse in diesen Bereichen über weite Strecken eine ernsthafte Auseinandersetzung und Diskussion über Grenzen der eigenen Methoden. Ich treffe auf Allmachtsvorstellungen noch und noch und auf narzisstisch verstiegene Guru-Figuren wie diesen unsäglichen selbsternannten „Lehrer der zeitlosen Weisheit“, der in seiner Verblendung das Leben eines Kindes aufs Spiel setzt.

Konsumentinnen und Konsumenten kann man da nur entschieden zu kritischer Wachsamkeit raten. Je grösser die Versprechungen, desto unseriöser in der Regel das Angebot.

Siehe auch:

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Naturheilkunde: Sorgfältig prüfen lernen

Komplementärmedizin: Woran erkennen Sie fragwürdige Aussagen?

Heilpflanzenkurse: Die Checkliste – so prüfen Sie Qualität

Komplementärmedizin: Mehr Argumente, weniger fraglose Gläubigkeit

Pflanzenheilkunde: Kritische Reflexion statt Missionarismus

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

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Palliative Care: Myrrhentinktur bei Mucositis (Mundschleimhautentzündung)

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Prof. Karin Kraft vom Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Rostock hat in der Zeitschrift für Phytotherapie (Nr. 4 / 2013) einen informativen Beitrag publiziert zur Anwendung von Phytotherapie in der Palliative Care. Ein Abschnitt in diesem Beitrag ist der Mucositis gewidmet. Darin wird auch die Myrrhentinktur erwähnt:

„Myrrhe (Commiphora myrrha) wirkt antibakteriell, entzündungshemmend und analgetisch. Studien zur Anwendung bei Mucositis liegen nicht vor. Empirisch wird die unverdünnte Tinktur mit einem Wattestäbchen oder einer Fingerkuppe auf die entzündete Stelle aufgetragen. Für eine Mundspülung werden 5-10 Tropfen, bei guter Verträglichkeit 20-30 Tropfen Myrrhentinktur mit ca. 200 ml lauwarmem Wasser verdünnt.“

Kommentar & Ergänzung:

Myrrhentinktur eignet sich selbstverständlich auch für Mundschleimhautentzündungen ausserhalb der Palliative Care.

Mir selber ist bei Mucositis die Tormentilltinktur näher. Sie enthält adstringierende Gerbstoffe (nur kurzzeitige Anwendung). Man kann aber auch Myrrhentinktur und Tormentilltinktur 1 : 1 mischen.

Interessant ist die Beschreibung der medizinischen Wirkung der Myrrhe auf Wikipedia:

„Als Myrrhentinktur hat die Myrrhe heute pharmazeutische Bedeutung bei Entzündungen der Mundschleimhaut. Sie wirkt auf der Haut desinfizierend, zusammenziehend und fördert die Narbenbildung. Sie besitzt eine blutstillende Wirkung. Myrrhe wirkt auch krampflösend und wird deshalb bei Darmerkrankungen eingesetzt. Die alte Heilpflanze setzt den Spannungszustand der glatten Darmmuskulatur herab. Dadurch verringert sich die Zahl der Darmkontraktionen und Darmkrämpfe werden gelindert. Innerlich angewendet wirkt sie bei Bronchitis und bei Darmentzündungen. Die Anwendung erfolgt durch Zerkauen (bitter) oder Einnahme von Myrrhepräparaten in Tablettenform. In Kombination mit Kaffeekohle und Kamille wird Myrrhe zum Beispiel bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn angewendet. Eine klinische Studie hat gezeigt, dass diese pflanzliche Therapie zur Erhaltung der schubfreien Phase bei Colitis ulcerosa vergleichbar wirksam ist wie die Standardtherapie mit Mesalazin.“

Bemerkenswert an dieser Beschreibung ist:

1. Der Hinweis auf entzündungswidrige Wirkungen bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

2. Der Hinweis auf krampflindernde Wirkungen bei Darmkrämpfen.

Da bei der auf Wikipedia erwähnten klinischen Studie ein Kombipräparat aus Kamille, Kaffeekohle und Myrrhe untersucht wurde, lässt sich daraus nicht auf die Wirksamkeit der Myrrhe allein schliessen.

Hier die Quellenangabe zur Studie:

Langhorst J, Varnhagen I, Schneider SB, Albrecht U, Rueffer A, Stange R, Michalsen A, Dobos GJ. Randomised clinical trial: a herbal preparation of myrrh, chamomile and coffee charcoal compared with mesalazine in maintaining remission in ulcerative colitis – a double-blind, double-dummy study. Aliment Pharmacol Ther. 2013 Jul 4

Myrrhentinktur wird üblicherweise im Mundraum eingesetzt und nicht eingenommen. So fehlen auch Angaben zur innerlichen Anwendung und zur Dosierung in der aktuellen Fachliteratur. Vor geht 20 Jahren bin ich allerdings auf einen Hinweis gestossen, in dem bei Dysmenorrhoe (Menstruationskrämpfe) empfiehlt: Tinctura myrrhae, alle 2 Stunden 10 Tropfen einnehmen. Quelle: Contactamed für Naturheilverfahren, 5. Auflage 1997).Das passt zur erwähnten krampflindernden Wirkung.

Siehe ausserdem:

Tipps für Krebskranke aus der komplementären Onkologie

Palliative Care / Onkologiepflege: Honig bei Mucositis / Mundschleimhautentzündung

Honig gegen Mundschleimhautentzündung (Mucositis) bei Chemotherapie / Bestrahlung

Vorbeugung gegen Mukositis bei Chemotherapie

Was ist Myrrhentinktur?

Heilpflanzen bei Mundschleimhautentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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„Arbeitsgemeinschaft Zukunft Phytotherapie“ mit neuer Website

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Eine neue Webseite liefert Apothekern, Ärzten und anderen Interessierten Informationen rund um pflanzliche Arzneimittel. Das neue Projekt wird getragen von der Arbeitsgruppe „Zukunft Phytotherapie“ – einem 2006 ins Leben gerufenen Bündnis von Ärzten, Herstellerverbänden, Wissenschaftlern und Apothekern. Sie engagieren sich dafür, dass die Phytotherapie den ihr gebührenden Platz in der öffentlichen Wahrnehmung wie auch in der ärztlichen Therapie bekommt.

Die neue Website soll Health Professionals Wissenswertes rund um die Phytotherapie bieten. Dazu zählen unter anderem Zusammenfassungen der aktuellen Gesetzeslage in Deutschland. Zudem werden Inhaltsstoffe von Arzneipflanzen beschreiben und Behandlungsmöglichkeiten vorgestellt. Auch die Marktbedeutung von Phytopharmaka soll ein Thema sein. Zudem wurden die Adressen von Krankenhäusern mit naturheilkundlichen Abteilungen zusammengestellt. Darüber hinaus gibt es eine Linkliste mit Ansprechpartnern aus Forschung und Lehre, wissenschaftliche Fachgesellschaften, Behörden, Institutionen oder Verbänden. Eine Extra-Rubrik gibt es auch rund um das Grüne Rezept.

Das Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ umfasst folgende Organisationen:

– Arbeitsgemeinschaft für Naturheilverfahren im Akutkrankenhaus,

– Ärztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde e.V. – Ärztliche Vereinigung für Komplementärmedizin, Ärztegesellschaft für Präventionsmedizin und klassische Naturheilverfahren, Kneippärztebund e.V.,

– Bundesverband der Arzneimittelhersteller e.V.(BAH),

– Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V.(BPI),

– Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft e.V.(DPhG),

– Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoff-Forschung e.V.(GA),

– Gesellschaft für Phytotherapie, Hufelandgesellschaft e.V. – Dachverband der Ärztegesellschaften für Naturheilkunde und Komplementärmedizin,

– Komitee Forschung Naturmedizin e.V.(KFN),

– Kooperation Phytopharmaka GbR,

– Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin e.V.(ZAEN).

Die neue Website ist hier zu finden:

http://www.zukunft-phytotherapie.de/

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2013/07/23/neue-webseite-zur-phytotherapie/10612.html

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Projekt ist natürlich stark auf die Situation in Deutschland ausgerichtet und daher nur beschränkt auf die Schweiz übertragbar, zum Beispiel was die Gesetzeslage angeht.

Aber grundsätzlich ist jede Öffentlichkeitsarbeit zugunsten der Phytotherapie sehr begrüssenswert und nötig. Vergleicht man Lobbying, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit, so ist die Phytotherapie kaum wahrnehmbar, vor allem auch im Vergleich zu Methoden der Komplementärmedizin wie beispielsweise der Homöopathie.

Bemerkenswert ist im übrigen, dass in der „Arbeitsgemeinschaft Zukunft Phytotherapie“ auch der  Bundesverband der Arzneimittelhersteller, der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie und die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft vertreten sind. Das zeigt, dass der oft konstruierte scharfe Gegensatz zweier feindlicher Lager – Pharmaindustrie gegen Naturheilmittelproduzenten – jedenfalls im Bereich der Phytotherapie nicht existiert. Die Phytopharmaka-Hersteller sind bestens in die Verbände der Pharmaindustrie integriert (die Homöopathie-Hersteller übrigens auch).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Zur Neubesetzung des Lehrstuhls für Naturheilkunde an der Universität Zürich

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Die Universität Zürich sucht einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Professor Reinhard Saller auf den Lehrstuhl für Naturheilkunde.

Im Rahmen dieser Neubesetzung fand am 30. August 2012 am Universitätsspital Zürich ein Symposium statt, an dem  BewerberInnen sich mit einem Fachvortrag vorstellten.

Vortragende und Themen waren:

Prof. Dr. med. Benno Brinkhaus

Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und

Gesundheitsökonomie Charité – Universitätsmedizin Berlin

Thema: Integration von Naturheilkunde / Komplementärmedizin in die

konventionelle Medizin am Beispiel Akupunktur

Prof. Dr. med. Jost Langhorst

Innere Medizin V – Naturheilverfahren und Integrative

Medizin Kliniken Essen Mitte – Knappschaftskrankenhaus

Thema: Naturheilkunde und Integrative Medizin am Beispiel chronisch

entzündlicher Darmerkrankungen

PD Dr. med. Florian Pfab

Präventive und Rehabilitative Sportmedizin

Klinikum rechts der Isar; Technische Universität München

Thema: Nadeln, Chilli, Drachenblut oder gar Haschisch gegen Juckreiz?

Prof. Dr. med. Claudia Witt, MBA

Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie

und Gesundheitsökonomie Charité – Universitätsmedizin Berlin

Thema: Forschung zur Komplementärmedizin – eine internationale Perspektive

PD Dr. med. Ursula Wolf

Institute of Complementary Medicine, Universität Bern; Inselspital

Thema: Forschung in der Komplementärmedizin

Kommentar & Ergänzung:

Tobias Füchslin und Marko Kovic besuchten die Veranstaltung und haben sie in einem Podcast kritisch kommentiert.

Den Podcast können Sie hier hören.

Bei Prof. Reinhard Saller war die Phytotherapie ein zentraler Schwerpunkt. Es wäre natürlich aus meiner Sicht begrüssenswert, wenn der Nachfolger oder die Nachfolgerin auch einen „Draht“ zur Phytotherapie mitbringen würde.

Wichtiger aber noch scheint mir, dass eine Person gewählt wird, die Wissenschaft nach den besten Standards betreibt.  Die Methoden von Komplementärmedizin und Naturheilkunde sollen ergebnisoffen erforscht werden. Das ist in diesem Bereich nicht so selbstverständlich, wie es sein sollte. Wenn aus politischen Gründen komplementärmedizinische Forschung an Universitäten durchgedrückt wird, entwickelt sich daraus nicht selten eine einseitige Bestätigungs- und Rechtfertigungsforschung, die wissenschaftlich zurecht nicht mehr ernst genommen wird.

Ein Beispiel für einseitige Zugänge ist wohl die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder mit dem „Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften“, das mit wissenschaftlich fragwürdigen Lehrveranstaltungen und skurilen Forschungsarbeiten in die Kritik gekommen ist.

Siehe:

Europa-Universität Viadrina: Esoterik-Institut vor dem aus

An der Europa-Universität Viadrina wird der Lehrstuhl von Harald Walach durch den Homöopathika-Hersteller Heel finanziert. Harald Walach ist der diesjährige Preisträger des „Goldenen Bretts“:

„Das «Goldene Brett vorm Kopf 2012» geht an Harald Walach, Professor an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder…..Das gab die Gesellschaft für Kritisches Denken bekannt.

Die Verleihung der Preise für den «erstaunlichsten pseudowissenschaftlichen Unfug» fand…..im Naturhistorischen Museum Wien statt. Der Komplementär-Mediziner Walach wurde dabei für sein «einzigartiges Bemühen, wissenschaftsbefreite Theorien in die akademische Welt hineinzubringen», gewürdigt.“

Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Goldenes-Brett-vorm-Kopf-fuer-Erich-von-Daeniken/story/26845575

Forschung muss sich an den besten Standards orientieren – auch die Forschung im Bereich Komplementärmedizin und Naturheilkunde. Je mehr sich Forschung an dehnbareren, „weicheren“ Standards orientiert, desto grösser wird der Interpretationsspielraum. Und das dient letztlich weder der Wissenschaft noch der „Komplementärmedizin“.

Siehe auch: Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

Das Berufungsverfahren für den Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Zürich hat bisher in der Schweiz kaum Wellen geschlagen. Erstaunlicherweise geht nun die „Die Süddeutsche“ in einem ausführlicheren Beitrag darauf ein:

Der Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Uni Zürich ist etwas Besonderes: Er ist im deutschsprachigen Raum der einzige, der nicht durch Interessengruppen finanziert wird. Ausgerechnet hier hat die Kandidatur einer deutschen Homöopathie-Forscherin nun zum Eklat geführt. Edzard Ernst, einer der renommiertesten Kritiker der Komplementärmedizin, wurde aus der Berufungskommission gedrängt.“

Mir war nicht bewusst, dass der Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Zürich im deutschsprachigen Raum der einzige ist, der nicht von Interessengruppen finanziert wird.

Bei der deutschen Homöopathie-Forscherin, die sich für den Lehrstuhl in Zürich bewirbt, und auf welche die „Süddeutsche“ hinweist, handelt es sich um Prof. Claudia Witt von der Charité Berlin. Ihr Lehrstuhl wird von der Carstens-Stiftung finanziert, einer Organisation zum Zwecke der Homöopathie-Förderung. Meinem Eindruck nach bemüht sich Claudia Witt um Ergebnisoffenheit und um differenzierte Stellungnahmen, aber sie laviert manchmal auch. Es sind an der Charité allerdings zudem einige Studien durchgeführt worden, die viel Interpretationsspielraum offen lassen und von der „Homöopathie-Szene“ sofort als Beweis für die Wirksamkeit ihrer Methode gefeiert wurden, eine Schlussfolgerung, welche die Studien nicht ansatzweise hergeben.

Im Artikel der „Süddeutschen“ wird die Forschungsarbeit von Claudia Witt kritisch kommentiert von Edzard Ernst, ehemaliger Professor für Komplementärmedizin in Exeter,  und von Jürgen Windeler vom unabhängigen Institut für Qualitätskontrolle und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG).

Den ganzen Artikel finden Sie hier:

Alternative Heilverfahren an Hochschulen: Wissenschaft in homöopathischen Dosen

An der Universität Rostock gibt es noch den Lehrstuhl für Naturheilkunde, der mit Prof. Karin Kraft besetzt ist. Sie befasst sich intensiv mit Phytotherapie und publiziert dazu auch in Fachzeitschriften. Ihr Forschungsarbeit kann ich nicht beurteilen, ihre Fachartikel sind aber sorgfältig und fundiert geschrieben.

Auch der Lehrstuhl an der Universität Rostock ist eine Stiftungsprofessur, wobei mir aber scheint, dass die Stifter und Sponsoren etwas breiter angesiedelt sind als bei der Stiftungsprofessur an der Charité und an der Vaidrina.

Arzneipflanzenkunde ist an Universitäten gut etabliert

Aus phytotherapeutischer Perspektive könnte noch ergänzt werden, dass es im Pharmazie-Studium eine ganze Reihe von Lehrstühlen im Bereich der Pharmazeutischen Biologie gibt, die sich gut etabliert mit Lehre und Forschung zum Thema Arzneipflanzenkunde befassen.

Um beispielhaft und unvollständig ein paar Namen ehemaliger oder aktiver Persönlichkeiten zu nennen:

Rudolf Hänsel (Universität Berlin), Hildebert Wagner (Universität München), Rudolf Bauer (Universität Düsseldorf), Theo Dingermann (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Georg Schneider (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Ilse Zündorf (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Otto Sticher (ETH Zürich), Jürgen Reichling (Universität Heidelberg), Michael Wink (Universität Heidelberg), Max Wichtl (Universität Marburg), Elisabeth Stahl-Biskup (Universität Hamburg), Rudolf Bauer (Universität Graz) sowie last, aber ganz sicher nicht least: Heinz Schilcher (Freie Universität Berlin).

Phytotherapie hat keine eigene Diagnostik. Daher ist für die Phytotherapie die Arzneipflanzenkunde, wie sie in der Pharmazeutischen Biologie erforscht und vermittelt wird, absolut zentral.

Und die aufgeführten Beispiele zeigen, dass Phytotherapie bestens in die Wissenschaft integriert ist und damit auch nicht zur Komplementärmedizin gerechnet werden kann.

Siehe auch: Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

Phytotherapie ist ein Teil der Naturheilkunde und damit ein (randständiger) Teil der Medizin.

Siehe: Naturheilkunde – was ist das?

Zu hoffen ist, dass bei der Besetzung des Lehrstuhles für Naturheilkunde an der Universität Zürich eine Person gewählt wird, die gute Forschung gewährleisten kann und auch wirklich im Bereich der Naturheilkunde – und damit auch der Phytotherapie – „zuhause“ ist.

Eine Stellungnahme zu den Vorgängen rund um die Neubesetzung des Lehrstuhle für Naturheilkunde ist gerade erschienen auf skeptiker.ch

Wenn Sie interessiert sind daran, Begriffe wie Komplementärmedizin, Alternativmedizin, Naturheilkunde vertiefter zu verstehen, dann bekommen Sie Informationen dazu im Tagesseminar „Komplementärmedizin verstehen und beurteilen“, am 18. November 2012 in Winterthur. Der Kurstag vermittelt auch Orientierungspunkte und Kriterien, mit denen man im weitläufigen Dschungel der Komplementärmedizin die Spreu vom Weizen unterscheiden kann.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Weidenrinde kann Kopfschmerzen reduzieren

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Bereits der griechische Arzt Hippokrates setzte auf die Kraft der Weidenrinde bei Schmerzen aller Art – und das nicht ohne Grund: Weidenrinde enthalte Salicin, eine Vorstufe der im Schmerzmittel Aspirin verwendeten Acetylsalicylsäure und habe deshalb entzündungshemmende, schmerzlösende und fiebersenkende Eigenschaften, sagt Miriam Ortiz, Ärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren an der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Allerdings warnt sie wegen der ungewissen Wirkstoffmenge davor, Weidenrinde aus dem eigenen Garten zu verwenden.

Sie rät bei leichten Schmerzen bekannter Ursache unter anderem zu Weidenrindentee oder zu Weidenrinden-Präparaten aus der Apotheke: Erwachsene dürfen bei akuten Beschwerden bis zu fünfmal täglich eine Tasse als Aufguss von einem Teelöffel Weidenrinde (ca. 1,5 g) zu sich nehmen, sagt die Expertin Die Tagesdosis bei Fertigpräparaten liege bei 60 bis 120 Milligramm. Bei akuten Beschwerden sei kurzfristig eine Steigerung auf bis zu 240 Milligramm pro Tag möglich.

Dauerhaft solle man Weidenrinde – wie alle Arzneipflanzen – nicht einnehmen, betont die Allgemeinmedizinerin: Weidenrindentee und Weidenrinden-Präparate empfiehlt sie auch nicht für Kinder bis zwölf Jahren und bei einer bekannten Salicylsäureüberempfindlichkeit. Gerinnungsstörungen wie beim Aspirin werden in Untersuchungen zur Weidenrinde zwar nicht beschrieben. Trotzdem sollte die Einnahme bei zusätzlicher Therapie mit gerinnungshemmenden Arzneimitteln mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/weidenrinde-kann-kopfschmerzen-lindern-054147039.html

Kommentar & Ergänzung:

Erwähnenswert ist meines Erachtens noch, dass die Wirkung von Weidenrinde im Vergleich zu Aspirin langsamer einsetzt und dafür länger anhält.

Salicin ist keine Vorstufe von Acetylsalicylsäure (ASS), sondern eine verwandte Substanz, die im Organismus ebenfalls zu Salicylsäure umgewandelt wird, die ihrerseits entzündungswidrig, fiebersenkend und schmerzlindernd wirkt.

Salicin beeinflusst aber die Thrombozytenaggregation nicht. Weidenrinde ist deshalb ungeeignet als Ersatz für Aspirin Cardio.

Salicin ist im übrigen wohl nicht der einzige Wirkstoff in der Weidenrinde. An der Wirkung dürften Polyphenole mitbeteiligt sein.

Weidenrinden-Extrakt wird auch eingesetzt bei leichteren Gelenkschmerzen, zum Beispiel bei Arthrose.

Siehe auch:

Weidenrinde lindert Kopfschmerzen und Rheumabeschwerden

Phytotherapie bei Spannungskopfschmerzen, Migräne, Pfefferminzöl, Weidenrinde, Pestwurz

Weidenrinde und Aspirin nicht in einen Topf werfen

Naturheilmittel: Weidenrinde in der Schmerztherapie

Phytotherapie & Arthrose: Weidenrinde, Teufelskralle & Co.

Phytotherapie: Weidenrinde gegen Kopfschmerzen, Fieber, Rheumabeschwerden

Rheuma-Behandlung: Teufelskrallenwurzel und Weidenrinde empfohlen

Weidenrinden-Extrakte lindern Arthritis

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wickel, Kompressen / Auflagen – Heilpflanzen-Anwendungen für Palliative Care, Spitex, Pflegeheim, Klinik….

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In der Phytotherapie werden Heilpflanzen in unterschiedlichen Anwendungsformen eingesetzt.

Neben innerlichen Anwendungen wie Kräutertee, Pflanzentinkturen oder Pflanzenextrakte spielt die äusserliche Anwendung als Wickel, Kompressen / Auflagen eine wichtige Rolle.

Beispiele sind die Senfkompresse („Senfwickel“), die Meerrettichauflage, die Ingwerkompresse, die Zwiebelauflage („Zwiebelwickel“), die Leinsamenkompresse.

Interessant sind auch Kompressen mit ätherischen Ölen:

Lavendelöl-Kompresse (bei Nervosität, Unruhe, Schlafstörungen)

Melissenöl-Kompresse  (bei Nervosität, Unruhe, Schlafstörungen)

Thymianöl-Kompresse (bei Erkältung mit Husten)

Eukalyptusöl-Kompresse (bei Erkältung mit Husten)

Das zeigt die Vielfältigkeit von Heilpflanzen-Anwendungen in der Phytotherapie.

Und es ergeben sich daraus auch Chancen für die Anwendung von Naturheilverfahren in Spitex, Spital, Pflegeheim, Psychiatrischer Klinik, Palliative Care.

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Studie zeigt Chancen für Naturheilkunde im Pflegeheim

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Ein Pilotprojekt zum Einsatz von Naturheilverfahren in der stationären Langzeitpflege zeigt positive Resultate.

Naturheilverfahren werden erfolgreich in den Pflegealltag zur Gesundheitsprävention von Bewohnern in Seniorenwohnheimen integriert. Diese Verfahren haben das Potential, die Lebensqualität von Bewohnern sowie die Arbeitszufriedenheit der Pflegekräfte zu verbessern. So lautet die Schlussfolgerung eines Pilotprojekts der Charité – Universitätsmedizin Berlin in Kooperation mit der Universität Bern, dem Kneipp-Bund e.V. und der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege.

Die Pilotstudie hatte zum Ziel, den Gesundheitszustand von pflegebedürftigen Bewohnern und Pflegekräften in vier zertifizierten Kneipp®-Senioreneinrichtungen zu untersuchen. Außerdem wurden die subjektiv wahrgenommenen Veränderungen durch den Einsatz von naturheilkundlichen Maßnahmen erfasst.

„Naturheilkundliche Verfahren führen zu mehr Zufriedenheit bei den Pflegekräften. Dieses Studienergebnis weist eine Chance: Denn Arbeitszufriedenheit und Gesunderhaltung werden immer wichtiger angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels in der Pflege“, erklärt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege. Die Einzelresultate der Pilotstudien zeigen, dass die Einbindung naturheilkundlicher Maßnahmen in den Pflegealltag ein Zukunftsmodell für die Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen sein kann: Gegenüber Vergleichspopulationen anderer Studien wiesen die pflegebedürftigen Bewohner in den Kneipp®-Senioreneinrichtungen einen überdurchschnittlich guten Gesundheitszustand auf. Zudem deuteten die Untersuchungen darauf hin, dass die Schmerz- und Beruhigungsmedikation nach Anwendung der Kneipp-Maßnahmen bei den pflegebedürftigen Bewohnern vermindert werden kann. Die eingesetzten Naturheilverfahren wurden von 89 Prozent der Bewohner als insgesamt positiv für das eigene Wohlbefinden bewertet.

Auch für die Pflegekräfte ergaben sich Vorteile aus der Integration der Naturheilkunde: 90 Prozent der Pflegefachleute gaben an, dass sich das Verhältnis zu den Bewohnern durch die therapeutischen Möglichkeiten verbessert habe; die Gesamtsituation sowie die Arbeitszufriedenheit wurde von den Pflegenden als insgesamt hoch beurteilt. Der emotionale Gewinn und die dadurch geringere psychische Arbeitsbelastung sei auch auf die zufriedeneren Bewohner und den größeren Handlungsspielraum zurückzuführen, gaben die Pflegenden an.

Quelle:

http://www.kneippbund.de/no_cache/aktuelles/eintrag/pflege-profitiert-von-naturheilverfahren/kneipp-bund-ev/

Kommentar & Ergänzung:

Die Carstens-Stiftung kommentiert die Studie so:

„Die positiven Ergebnisse dieses Pilotprojektes sollten ein Anreiz für Pflegeeinrichtungen sein, naturheilkundliche Maßnahmen stärker in den Pflegealltag zu integrieren.“

Eine fundierte Basis für die Integration von Naturheilkunde in die Pflege bietet die Phytotherapie-Ausbildung für Pflegepersonen in Winterthur.

Professionelle Heilpflanzen-Anwendungen haben sich bewährt in Spitex, Pflegeheim, Spital, Palliative Care und Psychiatrischer Klinik.

Im „Dokument Phytotherapie in der Pflege“ finden Sie Argumente  für die Integration von Heilpflanzen-Anwendungen in Pflegeinstitutionen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Deutschland: Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ gegründet

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In Deutschland haben sich verschiedene Organisationen im Umfeld der Phytotherapie zu einem Bündnis zusammengeschlossen, das sein wichtigstes Ziel im Namen trägt: „Zukunft Phytotherapie“.

Worum geht es?

In einer Pressemitteilung des „Komitees Forschende Naturmedizin“ (KFN) steht dazu:

„Seit Jahren bestätigen alle Umfragen das große Vertrauen der Bevölkerung in die pflanzlichen Arzneimittel. Mehr als 80 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sie gut wirksam sind, jeder zweite lobt sie wegen ihrer geringen Nebenwirkungen. Die Evolution hat offenbar dafür gesorgt, dass in Heilpflanzen günstige Wirkstoff-Mischungen entstanden, die neben der Wirksamkeit auch eine gute Verträglichkeit sichern. Die meisten Phytopharmaka sind genau deshalb rezeptfrei.“

Und wodurch sieht das KFN die Zukunft der Phytotherapie bedroht?

„Ausgerechnet diese positiven Eigenschaften waren es aber, die dazu führten, dass pflanzliche Arzneimittel weitgehend aus der Leistungspflicht der Krankenkassen herausgenommen wurden: Seit 2004 werden nicht verschreibungspflichtige Medikamente – und damit auch die meisten Phytopharmaka – bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr erstattet.

Pflanzliche Arzneimittel werden aber noch von einer anderen Seite bedrängt: Es gibt immer mehr pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt. Sie sind rechtlich Lebensmittel und deshalb ausschließlich zur Erhaltung der Gesundheit geeignet, erwecken aber oft den Eindruck, als seien sie mit pflanzlichen Arzneimitteln vergleichbar. Diese Entwicklung bedroht z. Zt. die Phytotherapie in der ganzen EU massiv.“

Am Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ beteiligen sich folgende Organisationen:

– die Deutsche pharmazeutische Gesellschaft,

– die Gesellschaft für Arzneipflanzenforschung,

– die Gesellschaft für Phytotherapie,

– das Komitee Forschung Naturmedizin,

– die Kooperation Phytopharmaka,

– die Hufelandgesellschaft

– Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und

– die beiden Arzneimittelherstellerverbände BPI und BAH

Das Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ will sich intensiv mit den anstehenden Problemen beschäftigen.

Quelle:

http://www.phytotherapie-komitee.de/News/KFN_10-2011.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Pressetext spricht wichtige Herausforderungen an, denen die Phytotherapie gegenüber steht. Dazu ein paar Anmerkungen:

1. Die sehr stark eingeschränkte Erstattungsfähigkeit von Heilpflanzen-Präparaten durch die Krankenkassen scheint in Deutschland tatsächlich ein Problem zu sein.

In der Schweiz ist die Lage anders:

Viele Phytotherapeutika, welche ihre Wirksamkeit so wie synthetische Medikamente  mit Studien belegen können,  werden von der Krankenkasse aus der Grundversicherung bezahlt, wenn ein Arzt oder eine Ärztin sie verschreibt.

2. Ein grosses Problem für die Phytotherapie ist tatsächlich, dass zahlreiche Heilpflanzen-Produkte als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt kommen. Nahrungsergänzungsmittel  dürfen offiziell nicht mit Aussagen zu Heilwirkungen werben und müssen dementsprechend auch keine Wirksamkeit belegen. Darum wird für sie auch weniger in Forschung investiert. Trotzdem werden sie oft sehr intensiv mit Heilanpreisungen beworben.

Das schadet den Phytotherapeutika, die als Arzneimittel registriert sind,  dadurch stärker kontrolliert werden  und mehr Forschungsaufwand haben.

3. Auffallend ist, dass im Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ auch die Verbände der Pharma-Industrie (BPI und BAH) mitwirken.  Das zeigt unter anderem, wie absurd die Verschwörungstheorie ist, die davon ausgeht, dass die böse Pharmaindustrie nichts unversucht lässt, um die Phytotherapie fertig zu machen. Das letzte Mal ist diese Verschwörungstheorie in die mediale Öffentlichkeit gelangt im Zusammenhang mit der unsinnigen Petition gegen ein angebliches Heilpflanzenverbot in der EU.

Dieser Text des KFN über das Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ zeigt im übrigen, wo die realen Probleme und Bedrohungen einer fundierten Phytotherapie liegen: Bei den Herstellern von pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln, aus deren Kreisen auch jene sehr fragwürdige Petition lanciert wurde.

Ein Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ wäre meines Erachtens auch für die Schweiz sinnvoll.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Sport vorbeugend gegen Menstruationsbeschwerden

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Regelmäßige sportliche Betätigung kann Menstruationsbeschwerden nicht nur lindern, sondern auch präventiv dagegen wirken. „Körperliche Bewegung führt allgemein zu einer verbesserten Durchblutung des Beckens. Dadurch können die Verkrampfungen der Gebärmutter gelöst werden, die den Regelschmerz verursachen“, sagt Dr. Klaus König, Vorstand des Berufsverbandes der Frauenärzte e. V. (BVF). „Besonders geeignete Sportarten vor und während der Periode sind Fahrradfahren und Walking – im Grunde ist aber fast jede Form der Bewegung günstig.“

Auslöser für Menstruationsbeschwerden sind körpereigene Schmerzbotenstoffe, die Prostaglandine. Sie verursachen das Zusammenziehen der Muskulatur der Gebärmutter, wodurch die Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut ausgelöst wird. Als Folge dieser Muskelkontraktion wird die Gebärmutter schwächer durchblutet, was schließlich die Beschwerden verursacht.

Auch Wärme und die zusätzliche Aufnahme von Magnesium können dazu beitragen, die Muskulatur zu entkrampfen. „Bei heftigen Schmerzen während der Regel empfiehlt sich die Einnahme von Ibuprofen, das die Bildung von Prostaglandinen hemmt. Allerdings sollte von einem Frauenarzt zuvor unbedingt abgeklärt werden, ob die starken Schmerzen nicht etwa durch eine organische Erkrankung wie beispielsweise Endometriose, Myome oder Zysten verursacht werden. Für derartige Krankheitsbilder sind heftige Schmerzzustände typisch und diese müssen meist behandelt werden“, erklärt Dr. König. „Bei starken Menstruationsschmerzen kann es unter Umständen auch sinnvoll sein, die Pille zu nehmen. Sie trägt dazu bei, den Hormonhaushalt zu regulieren, wodurch die Beschwerden oft verschwinden oder zumindest deutlich gelindert werden.“

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/sport-beugt-menstruationsbeschwerden-vor-220019100.html

Kommentar & Ergänzung:

Nichtmedikamentöse Behandlungsstrategien werden oft zu Unrecht in ihrer Bedeutung unterschätzt. Das hat wohl damit zu tun, dass dafür kaum eine nennenswerte Lobby existiert. Weil niemand gross daran verdient, wenn Frauen vor oder während der Menstruation Fahrrad fahren oder zügige Spaziergänge machen, gibt es dafür auch keine Werbung und nur wenig Forschung.

Dabei gehört „Bewegung“ zu den klassischen Naturheilverfahren und zu den fünf Säulen der Kneipptherapie nach Sebastian Kneipp, neben Heilpflanzen-Anwendungen, Ernährung, Hydrotherapie und Ordnungstherapie.

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde – was ist das?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Interessiert an einer Naturheilkunde-Ausbildung?

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Wenn Sie interessiert sind an einer Ausbildung in Naturheilkunde, dann lohnt es sich genau zu klären, was Sie lernen möchten.

Naturheilkunde ist nämlich ein Begriff, der sehr ungenau und ziemlich willkürlich benutzt wird.

Versteht man den Begriff Naturheilkunde auch von seiner Geschichte her, bezeichnet er ein Spektrum verschiedener Methoden, welche die körpereigenen Fähigkeiten zur Selbstheilung (Spontanheilung) aktivieren sollen und die sich vorzugsweise in der Natur vorkommender Mittel oder Reize bedienen. Dazu zählen (nach einer Definition von Alfred Brauchle 1952) die Sonne, das Licht, die Luft, die Bewegung, die Ruhe, die Nahrung, das Wasser, die Kälte, die Erde, die Atmung, die Gedanken, die Gefühle und Willensvorgänge. In einem weiter gefassten Verständnis gehören auch “natürliche” Arzneimittel, vor allem Heilpflanzen und deren Zubereitungen zur Naturheilkunde.

Zur “klassischen” Naturheilkunde werden im Allgemeinen die folgenden Naturheilverfahren gezählt:

– Hydrotherapie und Balneotherapie (Wasseranwendungen)

– Bewegungstherapie

– Diätetik (Unterstützung der Behandlungen durch eine gesunde Ernährung und eine dem

dem Krankheitsbild angepasste Diät)

– Ordnungstherapie (ausgewogene Lebensführung im regelmäßigen Rhythmus und im Einklang mit

der Natur)

– Phytotherapie (Einsatz von Heilpflanzen)

Diese fünf Naturheilverfahren sind auch bekannt geworden als die fünf Säulen des Sebastian Kneipp.

Grundsätzlich sind diese Methoden kompatibel mit dem wissenschaftlichen Weltbild.

Oft werden auch folgende Methoden der Alternativmedizin zur Naturheilkunde gezählt, die aber auf eigenen Lehrgebäuden basieren und darum nicht so leicht mit medizinischem Denken und Handeln zu verbinden sind:

Homöopathie

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Ayurvedische Medizin

Anthroposophische Medizin

(Quelle: Wikipedia, Artikel „Naturheilkunde“, gekürzt und überarbeitet)

Siehe auch:

Naturheilkunde – was ist das?

Es gibt im Bereich der Naturheilkunde-Ausbildungen keine Qualitätsstandards und keine verbindlichen Lehrpläne.

Wenn Sie sich Fragen stellen zur Qualität einer Naturheilkunde-Ausbildung – und das ist sehr wichtig, wenn Sie einer Ausbildung in diesem Bereich machen wollen –  dann hilft Ihnen vielleicht folgende Checkliste weiter:

Naturheilkunde-Ausbildung: Was sie wissen sollten

Ausserdem:

Naturheilkunde-Ausbildung: Mehr kritisches Denken – weniger blinden Dogmatismus

Falls Sie aus diese weiten und vielfältigen Feld der Naturheilkunde eine Ausbildung oder Weiterbildung im Teilbereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde ins Auge fassen, finden Sie dazu meine aktuellen Angebote oben unter dem Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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