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Phytotherapie-Ausbildung – Häufige Fragen und Antworten (FAQ)

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Hier entsteht ein Text mit FAQ (Frequently Asked Questions) zur Phytotherapie-Ausbildung am Seminar für Integrative Phytotherapie (SIP) in Winterthur (Schweiz). Der Text wird im Laufe der Zeit mit weiteren Fragen und Antworten erweitert.

Brauche ich Vorkenntnisse im Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde? Wie stark muss ich mich mit Heilpflanzen schon auskennen?

Für diesen Lehrgang brauchen Sie weder phytotherapeutische noch botanische Vorkenntnisse. Wir bauen das Wissen von den Grundlagen her systematisch und sorgfältig auf. Wenn Sie aber schon Vorkenntnisse haben, ist das schön, nützlich und keineswegs störend.

Wieviele Teilnehmende hat es pro Klasse?

Maximal 16 Teilnehmende.

Ich arbeite in der Pflege, aber an meinem derzeitigen Arbeitsplatz kann ich Heilpflanzen-Anwendungen nicht einsetzen. Kann ich trotzdem teilnehmen?

Das geht problemlos. Wir haben in der Phytotherapie-Ausbildung neben Teilnehmenden, die mit einem Auftrag ihrer Pflegeinstitution kommen, immer auch Pflegende, die den Lehrgang erst einmal für sich machen. Manchmal zeigt sich dann im Verlaufe des Lehrgangs eine Möglichkeit im bisherigen Team oder an einer anderen Arbeitsstelle.

Ich arbeite in der Pflege. Kann ich damit rechnen, dass mein Arbeitgeber sich an den Kosten der Phytotherapie-Ausbildung beteiligt?

Das ist sehr unterschiedlich. Wir haben Teilnehmende, die den Lehrgang selber bezahlen und die Kurstage in ihrer Freizeit besuchen. Wir haben aber auch Pflegende, bei denen der Arbeitgeber die Kosten ganz oder teilweise übernimmt und/oder die Kurstage als Arbeitszeit angerechnet werden.Es lohnt sich meiner Erfahrung nach in vielen Fällen, bezüglich einer Beteiligung der Institution mit den Vorgesetzten das Gespräch zu suchen.

Es gibt gute Argumente für Phytotherapie in der Pflege. Unterstützung für die Gespräche mit Vorgesetzten finden Sie in den folgenden Unterlagen:

– Phytotherapie in der Pflege (PDF). Argumente für Phytotherapie in der Pflege. Aussagen von Pflegedienstleitungen aus Institutionen, die Phytotherapie integriert haben.

– Phytotherapie in der Pflege. Kurztext mit Argumenten für Phytotherapie in der Pflege.

– Phytotherapie in der Palliative Care. Artikel von Martin Koradi in der Zeitschrift palliative.ch mit Infos und Argumenten für Phytotherapie in der Palliative Care.

Ich strebe eine EMR-Anerkennung an. In der Ausschreibung steht, dass es für die dazu nötigen 300 Stunden zwei Zusatzmodule braucht. Was sind das für Module, und was bedeutet überhaupt EMR?

Das Erfahrungsmedizinische Register (EMR) entscheidet für Krankenkassen, wer als NaturheilkpraktikerIn über Zusatzversicherung abrechnen kann und stellt dazu Kriterien auf.

Bei den Zusatzmodulen handelt es sich um die beiden Kurse in Lenk und Mürren. Wer diese Kräuterwanderungen zusätzlich zum normalen Lehrgang absolviert und die Abschlussprüfung der Phytotheerapie-Ausbildung besteht, bekommt von mir ein 300-Stunden-Zertifikat. Beachten Sie aber bitte, dass Sie allein mit einem solchen 300-Stunden-Zertifikat noch nicht über Zusatzversicherung abrechnen können, weil es dazu zusätzlich Nachweise über andere Methoden und medizinische Grundlagen braucht. Informationen dazu finden Sie auf der Website des EMR.

Falls Sie ein solches EMR-kompatibles 300-Stunden-Zertifikat ins Auge fassen, können wir gerne am Telefon besprechen, ob das in Ihrer Situation Sinn macht oder eher nicht.

Im Lehrgang hat es zwei Exkursionsteile mit Kräuterwanderungen. Wie fit muss ich dazu sein?

Die Exkursionen in Feldis und Trin setzen Wanderfähigkeit und eine normale Trittsicherheit voraus. Sie können an bestimmten Punkten bei Bedarf auch individuell abgekürzt werden, zum Beispiel, indem anstelle eines Abstiegs der Bus benützt wird. Falls Sie unsicher sind bezüglich dieser Frage, rufen Sie mich an. Telefonisch lässt sich das besser klären.

Ich habe keinen medizinischen Grundberuf. Komme ich mit im Unterricht und was kann ich nachher mit dem erworbenen Wissen anfangen?

Im Unterricht drücke ich mich als Dozent verständlich aus. In den Kursunterlagen kommen aber auch medizinische Fachausdrücke vor. Wenn Sie damit nicht vertraut sind, müssen sie mit einem gewissen Mehraufwand rechnen, um mal das eine oder andere nachzuschlagen oder nachzulesen. Ansonsten ist es meiner Erfahrung nach vor allem eine Motivationsfrage: Wer interessiert und motiviert ist, kann sich das vermittelte Phytotherapie-Wissen auch ohne medizinischen Grundberuf aneignen. Ich habe schon exzellente Abschlüsse von Leuten ohne medizinischen Hintergrund erlebt.

Beachten Sie aber unbedingt, dass dieser Lehrgang allein nicht dazu qualifiziert, in einer Praxis Patienten zu behandeln. Dazu fehlt Ihnen ohne medizinische Ausbildung die Diagnostik. Für Pflegefachleute, die zum Beispiel in Pflegeheimen oder in der Spitex Heilpflanzen-Anwendungen einfliessen lassen, ist die Situation anders, weil dort die medizinische Diagnostik sichergestellt ist und dazu Dokumentationen vorhanden sind.

Für Teilnehmende ohne medizinischen Hintergrund gibt es allenfalls seriöse Anwendungsmöglichkeiten im Bereich Bildung (Kurse, Exkursionen). Es gibt aber auch Teilnehmende ohne medizinischen Grundberuf, die Phytotherapie-Wissen einfach für sich so fundiert wie möglich erwerben möchten. Um solche Fragen zu klären setze ich für Interessierte ohne medizinischen Grundberuf ein telefonisches Vorgespräch voraus. Rufen Sie mich also gegebenenfalls an.

Kann ich auch einzelne Themenblöcke aus der Phytotherapie-Ausbildung buchen?

Nein. Das wäre für mich zwar lukrativ, weil ich immer wieder solche Anfragen habe und viele Einzelmodule verkaufen könnte. Ich will aber mit einer Klasse arbeiten und Schritt für Schritt aufbauen den Stoff vermitteln. Für die Klasse wäre es hinderlich, wenn bei jedem Thema Teilnehmende reinkommen, die mit den Grundlagen und mit dem vorhergehenden Stoff nicht vertraut sind. Aus diesem Grund bin ich kein Anhänger des Modulsystems.

Der Lehrgang vermittle eine „Integrative Phytotherapie“, heisst es in der Kursausschreibung. Was ist gemeint mit „Integrativ“?

Integrative Phytotherapie versteht sich als Brücke zwischen Naturheilkunde und Medizin. Damit verbunden ist Kooperationsbereitschaft und Kooperationsfähigkeit im Verhältnis zur Medizin, das Bestreben nach fundierter Begründung von Aussagen, eine selbstkritische Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen phytotherapeutischer Anwendungen und die Absage an Heilslehren und Dogmen aller Art. Die Grundhaltung der „Integrativen Phytotherapie“, wie sie am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur vermittelt wird, schafft optimale Voraussetzungen für die Integration von professionellen Heilpflanzen-Anwendungen in Spitex, Pflegeheime und Kliniken.

Siehe dazu auch: Integrative Phytotherapie verbindet Medizin und Naturheilkunde.

(Dieser FAQ-Text wird bei Gelegenheit mit weiteren Fragen und Antworten ergänzt)

Hier gehts zur Kursausschreibung der Phytotherapie-Ausbildung.

 

 

 

 

 

 

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Lymphe reinigen mit Schachtelhalm?

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Kürzlich wurde ich gefragt, ob es stimme, dass man mit Schachtelhalm die Lymphe reinigen könne. Auf meine Gegenfrage, woher sie diese Idee habe, sagte die Person nur, sie habe das so in ihrer Naturheilpraktiker-Ausbildung gelernt.

In der Phytotherapie-Fachliteratur, die sich auf Studien und dokumentierte Erfahrungen stützt taucht bei Schachtelhalm nirgends eine Wirksamkeit zur Reinigung der Lymphe auf. Im Internet findet man diese Angabe aber nicht selten, allerdings immer ohne nähere Erklärung dazu, wie dieser Effekt zustande kommen soll – und ohne eine auch nur einigermassen plausible Begründung.

Um die Glaubwürdigkeit einer solchen Behauptung beurteilen zu können, müsste ich den Weg wissen, wie sie zustande gekommen ist. Wer hat eine solche Wirkung von Schachtelhalm auf die Lymphe festgestellt? Mit welchen Methoden? Wie soll die Wirkung zustande kommen? Von welchen Schadstoffen soll der Schachtelhalm die Lymphe reinigen? Welche Wirkstoffe sollen an dieser Wirkung beteiligt sein?

Mit solchen Fragen läuft man beim Thema „Lymphe reinigen mit Schachtelhalm“ völlig ins Leere.

Die Phytotherapie-Fachliteratur schreibt dem Schachtelhalm eine leicht harntreibende Wirkung zu (genauer: Die Ausscheidung von Wasser steigt). Darüber hinaus ist ein hoher Gehalt an Kieselsäure für den Schachtelhalm charakteristisch. Der Kieselsäure wird eine stärkende Wirkung auf Bindegewebe zugeschrieben, was aber fraglich ist. Überzeugende Argumente dafür fehlen jedenfalls. Eine Reinigung der Lymphe lässt sich damit nicht begründen.

Das ist zusammengefasst ziemlich unspektakulär und bescheiden. Da tönt es schon viel bedeutender, wenn gesagt wird, dass Schachtelhalm die Lymphe reinigt.

Aber darf man einfach ungeprüft etwas erzählen, nur damit Bedeutsamkeit erreicht wird? Darf eine Heilpflanze nicht auch unspektakulär und bescheiden daher kommen? Muss alles super toll sein?

Interessant sind die Schachtelhalme durch ihre wichtige Rolle in der Entwicklung der Pflanzenwelt. Sie schafften es zusammen mit Farnen und Bärlappgewächsen, in grossem Stil die Landmassen der Erde zu besiedeln und damit der Pflanzenwelt den Sprung vom Meer aufs Land zu ermöglichen. Vor etwa 300 Millionen Jahren in der „Karbon-Zeit“ gab es Schachtelhalme und Farne mit 30 Metern Höhe und 1 m Stammdurchmesser. Aus den Überresten dieser Wälder entstanden Steinkohlelager (Daher: Karbon-Zeit). Wie die Farne und die Bärlappe bilden die Schachtelhalme keine Blüten und Samen, was auf ihr hohes entwicklungsgeschichtliches Alter hinweist. Erst die später folgenden Nadelhölzer entwickelten Blüten & Samen.

Der Kieselsäuregehalt der Schachtelhalme hat zur Folge, dass man sie als milde Scheuermittel verwenden kann, zum Beispiel zur Reinigung von Pfannen – daher kommt der Volksname Zinnkraut für den Schachtelhalm.

Als Heilpflanzen wir übrigens nur der Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense) verwendet.

An feuchteren Stellen trifft man den Sumpf-Schachtelhalm an (= Equisetum palustris), der für Weidevieh giftig ist. Wikipedia schreibt dazu:

„Der Sumpf-Schachtelhalm ist aufgrund seiner Inhaltsstoffe für Weidevieh giftig. Für die Giftwirkung sind hauptsächlich zwei Stoffe verantwortlich: Erstens eine Thiaminase, die das Vitamin B1 zerstört und vor allem auf Pferde giftig wirkt und ein Taumeln der Tiere auslöst. Zweitens das Piperidin-Alkaloid Palustrin (0,01–0,3 %), das auch im Heu über Jahre hinweg erhalten bleibt und das bei Rindern zur Abnahme des Milchertrags und zu Lähmungserscheinungen führt.

Beim Menschen sind keine Vergiftungen bekannt; trotzdem sollte der Sumpf-Schachtelhalm nicht in Tee-Mischungen enthalten sein.“

Hübsch anzusehen ist der Riesen-Schachtelhalm (Equisetum maximum, Equisetum telmateia). Mit einer Grösse von bis zu 150 cm ist er die grösste in Mitteleuropa heimische Schachtelhalm-Art.

P.S. Wenn Sie diese Schachtelhalmarten unterscheiden lernen wollen, dann zeige ich Ihnen die Erkennungsmerkmale gerne auf einer Kräuterwanderung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Heilpraktiker-Ausbildung in der Kritik

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Für die Ausbildung zum Heilpraktiker oder zur Heilpraktikerin gibt es weder Qualitätsstandards noch gesetzliche Regelungen. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch für die Schweiz, wo anstelle von „Heilpraktiker“ eher von „Naturheilpraktiker“ oder „Naturarzt“ die Rede ist. Entsprechend wird dann auch eher von „Naturheilkunde-Ausbildungen“ gesprochen. In der Schweiz gibt es aufgrund der Volksabstimmung 2009 inzwischen eine Höhere Fachprüfung Komplementärtherapie, die zwar gesetzlich geregelt ist, aber ebenfalls ohne auch nur annähernd fundierte Qualitätsstandards auskommt, und daher eine Qualitätssicherung vorspiegelt.

Wir haben es jedenfalls hier mit einem veritabler Begriffssalat und einem intransparenten Wirrwar zu tun.

Die Zeitschrift „Annabelle“ hat ein Interview veröffentlicht mit der deutschen Autorin Anousch Mueller. Sie wollte Heilpraktikerin werden, doch während der Ausbildung an der Berliner Paracelsus-Schule beschlichen sie immer grössere Zweifel. Über ihre Erfahrungen hat sie ein Buch geschrieben („Unheilpraktiker“, Riemann Verlag 2016)

Zum Interview geht’s hier.

Auch wenn die Kritik hart klingen mag. Sie trifft in einer ganzen Reihe von Punkten glasklar zu.

Zu Recht kritisiert wird meiner Erfahrung nach zum Beispiel:

– Die weit verbreitete, völlig unkritische Glorifizierung von allem, was als traditionelle Naturheilkunde gilt. Tradition hat dann einen Wert, wenn man sich sorgfältig, offen, aber auch kritisch mit ihr auseinandersetzt. Tradition hat jedoch nicht immer Recht. Siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

– Das weitgehende Fehlen einer auch nur einigermassen ernstzunehmenden Qualitätssicherung in Ausbildung und Praxis.

– Die nicht selten völlig überzogenen Versprechungen.

– Die Verwendung von Begriffen wie „Energie“, „Schwingungen“, „Ausleitung“ in völlig undefinierter Form, so dass sie willkürlich quasi als „Dienstmagd für alles“ zur Erklärung von x-Beliebigem eingesetzt werden können. Zu Recht sagt Anousch Mueller im Interview: „Wenn etwas nach Geschwurbel klingt, sollte man es kritisch hinterfragen. Das ist meine Botschaft.“

– Verbreitete Indoktrination mit irrationalen Theorien in der Ausbildung.

– Verbreitete pauschale Verteufelung von medizinischen Massnahmen, die in manchen Fällen richtig, wichtig oder gar lebensnotwendig sind (Kortison! Impfen! Chemotherapie!).

 

Ich will nicht generalisieren. Es gibt auch in diesem Bereich Leute, die ihre Arbeit sorgfältig machen, keine pauschalen Feindbilder gegen die böse „Schulmedizin“ und „Pharmaindustrie“ kultivieren und ihre Grenzen kennen. Aber das sind nach meiner Erfahrung eher die Ausnahmen als die Regel. Und das muss man klar benennen – vor allem, weil diese „Heilerszene“ meistens so sanft, ganzheitlich und menschenfreundlich daher kommt, was leider oft irreführend ist.

Im Interview wird Anousch Mueller gefragt:

„Sie halten die Naturheilkunde für rückständig?“

Antwort:

„Allerdings. Paradoxerweise wird der Schulmedizin ja immer vorgehalten, sie sei rückständig und orthodox. In Wahrheit ist es genau umgekehrt.“

Diese Aussage scheint mir zu pauschal. Sie mag ja vielleicht auf die Erfahrungen der Autorin mit der Paracelsus-Schule zutreffen….

Vor allem liegt dieser Aussage aber meinem Eindruck nach ein unklarer Begriff von „Naturheilkunde“ zugrunde, wie er heute leider weit verbreitet ist. Viele der Methoden, von denen Anousch Mueller im Interview spricht – zum Beispiel Bioresonanz, Kinesiologie, Homöopathie, Bachblüten, Schüsslersalze – gehören nicht zur Naturheilkunde, wenn man den Begriff genau verwendet.

Die Naturheilkunde hat, so wie dieser Begriff entstanden ist, ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert. Die Idee der Naturheilkunde-Begründer war, Faktoren für die Gesundwerdung direkt aus der Natur zu nehmen. Im Kern bestand diese klassische Naturheilkunde aus dem, was später mit den 5-Säulen der Kneipptherapie umschrieben wurde:

Hydrotherapie (Wasseranwendungen)

Ernährungstherapie

Heilpflanzen-Anwendungen

Bewegung, Luft, Licht

Lebensordnung

Grundsätzlich sind diese fünf Verfahren kompatibel mit Medizin und Wissenschaft. Sie sind wissenschaftlicher Forschung zugänglich, lassen sich mit wissenschaftlichen Begriffen und Theorien beschreiben und allfällige Effekte im menschlichen Organismus sind messbar.

Wenn man nun diese Verfahren genau so anwendet, wie das vor allem im 19. Jahrhundert oder in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gemacht wurde, dann sind sie tatsächlich veraltet. Zu diesem Blödsinn wird aber niemand gezwungen:

Hydrotherapie lässt sich auf neueren Erkenntnissen begründen und wird dann anschlussfähig an Physiotherapie.

Ernährungstherapie kann sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützen (auch wenn Ernährungsstudien oft wenig fundiert sind, siehe dazu: Viele Ernährungsstudien mit wenig Aussagekraft.

Heilpflanzen-Anwendungen sind ein Spezialbereich der Pharmakologie. Pflanzliche Wirkstoffe lassen sich im Labor testen. Effekte von Heilpflanzen-Präparaten können in klinischen Studien an Patienten überprüft werden

Altes Wissen kann so durch neue Forschung bestätigt oder als Irrtum verworfen werden. Diese erneuerte Form der Heilpflanzen-Anwendung nennt sich dann Phytotherapie.

Die hohe Bedeutung von Bewegung für die Gesundheit ist in den letzten Jahren durch zahlreiche Studien dokumentiert worden.

Lebensordnung als angejahrter Begriff kann mit neuen Inhalten gefüllt werden, nennt sich dann vielleicht psychosomatische Medizin oder „Lifestyle-Modifikation“ und gehört zur Psychologie.

Voilà. Wir kommen so vom Methodischen her schon ziemlich nah an eine keineswegs veraltete, sondern zeitgemässe Naturheilkunde.

Was es dann noch braucht für eine seriöse Anwendung sind vor allem Elemente, die mit einer bestimmten Grundhaltung verbunden sind. Zum Beispiel:

– Erkennen von Grenzen der eigenen Methoden.

– Vermeiden von pauschalen Feindbildern und Verschwörungstheorien gegen „Schulmedizin“ und „Pharmaindustrie“ (was nicht Kritiklosigkeit heisst, aber Kritik muss auf Argumenten basieren und konkrete Punkte in Frage stellen).

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde-Ausbildung – was Sie wissen sollten (…wenn Sie sich für eine Naturheilkunde-Ausbildung interessieren)

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/10/18/naturheilkunde-ausbildung-was-sie-wissen-sollten.html

Naturheilkunde: Sorgfältig prüfen lernen

Naturheilkunde-Ausbildung: Mehr kritisches Denken – weniger blinden Dogmatismus

Komplementärmedizin: Genauer Nachdenken, differenzierter argumentieren

Naturheilkunde – was ist das?

Pflanzenheilkunde: Kritische Reflexion statt Missionarismus

Komplementärmedizin: Mehr Argumente – weniger fraglose Gläubigkeit

 

Mehr Kontroverse in Komplementärmedizin, Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde

Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde: Nachfragen statt blind glauben

Naturheilkunde: Selber denken statt blind glauben

 

Pflanzenheilkunde / Komplementärmedizin: Vom Wert des Zweifels

Naturheilkunde und Medizin – kein Entweder-oder

…….huch, das ist ja ein ganz schöner Marathon, aber er zeigt, dass mir das Thema ernst und wichtig ist.

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Pharmazieprofessoren kritisieren industrielastige Weiterbildung der Apotheker

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Acht Pharmazieprofessoren kritisieren in einem offenen Brief an den Präsidenten der Bundesapothekerkammer (BAK), Dr. Andreas Kiefer, sowie den Landesapothekerkammern die Nähe zu Pharmaunternehmen.

Die Unterzeichnenden verlangen, dass sich die Kammern wieder auf ihre „elementaren Aufgaben besinnen“ sollten.

In dem Brief werden von Pharmaunternehmen moderierte Fortbildungsveranstaltungen beanstandet. Bei den Seminaren trete der Anspruch einer wissenschaftlich fundierten und von wirtschaftlichen Interessen der Industrie und Ärzten entkoppelten Arzneimittelversorgung in den Hintergrund, erklären die Professoren. Auch die sachgerechte Beratung der Patienten über die Therapie sehen sie dadurch in Gefahr.

Dass diese Sorge berechtigt sei, zeige zum Beispiel eine Fortbildungsveranstaltung der Apothekerkammer Mecklenburg-Vorpommern zum Thema Schüßler-Salz-Salben. Als Referent sei ein Mitarbeiter des Karlsruher Unternehmens Deutsche Homöopathie Union (DHU) geladen worden, kritisieren die Wissenschaftler.

Eine „als Fortbildung verbrämte und zertifizierte“ Veranstaltung der Industrie steht nach Ansicht der Professoren im „Gegensatz zur Notwendigkeit eines wissenschaftlichen Apothekerstandes“. Für Schüßler-Salze existiere außerdem kein wissenschaftlich belegter Wirksamkeitsnachweis.

Die Kammern sollten sich auf ihre ursprünglichen Aufgaben konzentrieren, verlangen die Professoren. Dazu gehöre insbesondere die Pflicht, für die Qualität der Berufsausübung sowie die der Fort- und Weiterbildung zu sorgen.

Unterzeichnet haben den offenen Brief die Professoren Dr. Theodor Dingermann (Frankfurt), Dr. Bernd Clement (Kiel), Dr. Ulrike Holzgrabe (Würzburg), Dr. Ernst Mutschler, Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz (Frankfurt), Dr. Dieter Steinhilber (Frankfurt), Dr. Angelika Vollmar (München) und Dr. Werner Weitschies (Greifswald).

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/politik/nachricht-detail-politik/fortbildung-pharmazie-professoren-kritisieren-apothekerkammer/

Kommentar & Ergänzung:

Das ist meines Erachtens eine sehr gute Initiative, die auch in der Schweiz nachahmenswert wäre.

Dass die Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Apotheken und Drogerien weitgehend durch Veranstaltungen erfolgt, die von Pharmaherstellern finanziert und durchgeführt werden, ist fragwürdig und gefährdet eine fachlich unabhängige Beratung. Die Tendenz zu solchen firmengesponserten Weiterbildungskursen ist nicht nur zu beobachten bei der „klassischen Pharmaindustrie“, sondern auch bei Produkten aus Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin.

Das gleiche Problem haben wir selbstverständlich auch mit firmengesponserten Weiterbildungen und Kongressen der Ärzteschaft und bei den NaturheilpraktikerInnen.

Mehr Unabhängigkeit wäre sehr wünschenswert.

P.S.: Ich biete Ihnen in meinen Heilpflanzenkursen und in der Phytotherapie-Ausbildung firmenunabhängiges Wissen. Wir nehmen die Hersteller und ihre Produkte genau unter die Lupe und ich bin kein Propagandist für irgendwas oder irgendwen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Bärlauchtinktur für mehr Durchsetzungskraft

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Bärlauch weiss was er will und setzt sich durch. Das sieht man daran, wie souverän der Bärlauch den Winter überwindet.

Deshalb hilft Bärlauchtinktur Menschen, die sich nicht entscheiden können und Menschen, denen es an Durchsetzungskraft fehlt.

Mit dieser schönen Geschichte begründete ein Naturheilpraktiker vor kurzen die Verordnung von Bärlauchtinktur an eine Patientin mit Entscheidungsproblemen.

Solche Geschichten sprechen Menschen oft an. Und wer könnte nicht einen solchen Helfer brauchen. Und manche Geschichten sind auch wertvolle Kulturschätze.

Aber die Geschichte von der Bärlauchtinktur als Helfer bei Entscheidungschwäche und Durchsetzungsmangel ist sehr funktional: Bärlauchtinktur als Problemlöser. Einfach, schnell, käuflich, konsumierbar. Passt gut in unsere Zeit.

Bei Geschichten müsste man zudem auch hinschauen, was sie genau aussagen.

Die Fähigkeit des Bärlauchs, zu wissen was er will und sich durchzusetzen, soll sich offenbar auf Menschen mit Entscheidungsproblemen übertragen. Wie das genau gehen soll bleibt offen.

Bärlauch hat aber keine Entscheidungsprobleme, weil er gar keine Wahl hat. Er entwickelt sich fraglos nach einem Programm, das in seinen Genen festgelegt ist.

Man könnte also auch sagen, Bärlauch ist ein Vorbild für die Erfüllung eines vorgegebenen Plans (wie jede Pflanze).  Soll die Bärlauchtinktur also diese Fähigkeit auf den Menschen übertragen? Dann gute Nacht!

Die Annahme, dass Bärlauch weiss, was er will, setzt voraus, dass er ein Bewusstsein von sich und seinen Wahlmöglichkeiten hat.

Und ja, Bärlauch setzt sich durch – unter den Bedingungen seiner ökologischen Nische, an die er seit Millionen von Jahren angepasst ist.  Menschen sind aber nicht derart festgelegt auf eine ökologische Nische. Zum Glück. Vielleicht hat es auch darum der Bärlauch etwas einfacher.

Zudem täuscht der oberflächliche Eindruck: Wir sehen eben nur diejenigen Bärlauch-Exemplare, die sich durchgesetzt haben. Die um ein Vielfaches zahlreicheren Exemplare, welche schon im Samenstadium eingehen, sehen wir nicht.  Soll ich jetzt daraus schliessen, die Mehrzahl der Bärlauche seien Versager?

Solche Vermenschlichung von Heilpflanzen halte ich für eine üble Tendenz. Lassen wir bitte schön die Pflanzen doch einfach Pflanzen sein – und freuen wir uns gerade deswegen an ihnen.

Den Pflanzen werden hier nämlich menschliche Phantasien unterschoben, die mit ihnen nichts zu tun haben.  Ohne dass den Produzenten dieser Fantasien das bewusst zu sein scheint.

Und wenn auf der Basis solcher Fast-Food-Psychosomatik Menschen behandelt werden, ist das meines Erachtens total fragwürdig und willkürlich.

Patienten mit echten psychischen Problemen werden so schlicht und einfach verarscht.

Das sage ich nicht zuletzt als jemand, der zwei mehrjährige Psychotherapie-Ausbildungen absolviert hat, während denen mein Respekt vor der Komplexität psychischer Prozesse stark gestiegen ist.

Eine ähnliche Thematik finden Sie hier:

Huflattich stärkt den Willen und die Durchsetzungskraft

Bärlauch ist als Heilpflanze und für Bärlauchpesto durchaus interessant:

Knoblauch, Bärlauch, Zwiebel & Co.

Aber nicht verwechseln mit Maiglöckchen („Meierisli“) oder Herbstzeitlose:

Bärlauch, Maiglöckchen oder Herbstzeitlose?

Unterscheidungsmerkmale: Bärlauch, Maiglöckchen, Herbstzeitlose

Tödliche Verwechslungen von Bärlauch und Herbstzeitlose

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Naturheilkunde-Ausbildung: Mehr kritisches Denken – weniger blinden Dogmatismus

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Ich arbeite seit über zwei Jahrzehnten als Dozent für Phytotherapie in Naturheilkunde-Ausbildungen und Naturheilkunde-Weiterbildungen mit. Und ich habe über Heilpflanzen-Kurse und Heilkräuter-Exkursionen auch häufig Kontakt mit ausgebildeten Naturheilpraktikerinnen und Naturheilpraktikern.

Mich erschüttert dabei immer wieder, wie unkritisch und zum Teil dogmatisch viele Naturheilkundler nachbeten, was ihnen offenbar in ihrer Ausbildung oder Weiterbildung aufgetischt wurde.
Es ist meiner Erfahrung nach eine klare und kleine Minderheit, welche zu selbstkritischer Reflexion der eigenen Therapiemethoden fähig ist (es gibt aber eine solche Minderheit).

Meines Erachtens deutet dies auf gravierende Mängel in der Naturheilkunde-Ausbildung hin. Dabei geht es weniger um die Inhalte der Ausbildung als um die vermittelte Grundhaltung.

Meiner Ansicht nach wären folgende Punkte wichtig:

– In Naturheilkunde-Ausbildungen sollen vermehrt auch Risiken, Grenzen und Defizite der jeweiligen Methoden thematisiert werden. Es ist zu stark, zu fraglos, zu blind und zu einseitig von wunderbaren Wirkungen die Rede.

– In Naturheilkunde-Ausbildungen braucht es mehr Begründungen und weniger dogmatische Behauptungen.

– Lernende in Naturheilkunde-Ausbildungen sollen vermehrt angeleitet werden, die präsentierten Lerninhalte auch in Frage zu stellen und nicht nur blind nachzubeten (Wer? Was genau? Wie genau? Wo? Warum? etc. ). Eine solche Grundhaltung ist Basis für einen sorgfältigen Umgang mit vermitteltem Wissen.

– Die Bereitschaft zur Kooperation mit der Medizin darf in der Naturheilkunde-Ausbildung nicht nur ein Lippenbekenntnis sein.
Eine solche Pseudo-Kooperationsbereitschaft liegt meines Erachtens vor, wenn die Medizin im Unterricht permanent und undifferenziert abgewertet wird – im Sinne von Schwarz und Weiss, bzw. Gut und Böse. Meiner Erfahrung nach gibt es im Bereich Naturheilkunde / Komplementärmedizin eine starke Neigung, das eigene Lager fraglos als gut, moralisch überlegen, lebens- und menschenfreundlich zu sehen – im Kontrast zur menschen- und lebensfeindlichen Medizin.

Dieses allzu simple Schwarz-Weiss-Denken ist durch eine differenziertere Betrachtung abzulösen, welche Schwachpunkte und Stärken beider Bereiche präzis thematisiert und gegebenenfalls kritisiert.

Ich bin überzeugt davon, dass eine vermehrte Berücksichtigung dieser Punkte für die Entwicklung der Naturheilkunde fruchtbar wäre.
Zudem scheint mit klar, dass die Naturheilkunde hier auch in der Verantwortung steht gegenüber ihren Patientinnen und Patienten., sind doch die erwähnten Punkte meines Erachtens zentral für die Qualitätssicherung.

Weitere Infos diesem Thema:

Naturheilkunde: Sorgfältig prüfen lernen!

Naturheilkunde: Kritisch nachfragen statt blind glauben!

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung!

Phytotherapie-Ausbildung – Gedanken zur Qualitätssicherung

Naturheilkunde-Ausbildung – was Sie wissen sollten

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Komplementärmedizin-Abstimmung: Fragwürdige Versprechen zur Qualitätssicherung

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Fragen an Ständerätin Simonetta Sommaruga (SP, BE), Präsidiumsmitglied des JA-Komitees.

Sehr geehrte Frau Sommaruga

Sie versprechen bei einer Annahme des Verfassungsartikels zur Förderung der Komplementärmedizin am 17. Mai mehr Patientensicherheit, Qualitätssicherung und die Ausschaltung von Scharlatanen durch Schaffung nationaler Diplome für nichtärztliche Therapeuten.

Ich bin seit über 25 Jahren Ausbildner im Bereich Naturheilkunde und kann nur unterstreichen, wie wichtig Qualitätssicherung im Bereich Komplementärmedizin wäre.
Ihre Forderung dürfte wohl viele Menschen überzeugen.

Nur macht es mir bisher nicht den Eindruck, dass Sie und andere BefürworterInnen aus der Politik sich vorstellen können, wie schwierig eine Umsetzung dieser grossen Versprechen wäre.
Ich jedenfalls kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie das gehen sollte.

Völlig abstrakt darüber geredet ist es leicht, Qualitätssicherung zu versprechen. Die Schwierigkeiten fangen aber erst an, wenn es konkret wird.

Bisher läuft die Qualitätssicherung im nichtärztlich-komplementärmedizinischen Bereich über Privatfirmen wie das Erfahrungsmedizinische Register (EMR). Dieses legt nach freiem Ermessen fest, wie viele Ausbildungsstunden es in einer bestimmten Methode für eine Anerkennung braucht, die dem betreffenden Naturheilpraktiker dann erlaubt, via Zusatzversicherung mit den Krankenkassen abzurechen.

Für Phytotherapie sind das zurzeit 300 Stunden. Für den Inhalt dieser 300 Stunden interessiert sich das EMR allerdings nicht. Auch das Prüfungsniveau, die Prüfungsfragen, die Qualität der Dozierenden – alles egal. Es wird also nur (quantitativ!) die Stunden gezählt. Inhaltliche (qualitative) Qualitätssicherung fehlt vollkommen.

Ich kritisiere nicht, dass das EMR keine inhaltliche Qualitätssicherung macht. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, wie so etwas im Bereich Komplementärmedizin ohne wissenschaftliche Kriterien gehen sollte. Wenn allerdings dieses quantitative Vorgehen gegenüber der Öffentlichkeit als Qualitätskontrolle dargestellt wird, halte ich das für eine eklatante Täuschung der Patientinnen und Patienten.

Nun stellt sich die Frage:
Bleibt es bei dieser quantitativen “Qualitätssicherung”, wenn das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) einen Ausbildungsgang mit Prüfung und Diplom aufgleist? Eine solche Patiententäuschung darf sich der Staat meines Erachtens nicht leisten, wenn er seine Glaubwürdigkeit behalten will.

Soll das BBT reale und nicht nur fiktive Qualitätssicherung machen, stellen sich jedoch sogleich zahlreiche schwierigen Fragen:

Wer entscheidet nach welchen Kriterien, ob zum Beispiel Irisdiagnose ein Fach ist, das in einen Naturheilkunde-Lehrgang gehört und daher auch geprüft werden soll?
Die Irisdiagnose geht davon aus, dass sich Krankheiten auf der Regenbogenhaut (Iris) im Auge erkennen lassen.
Siehe: http://www.aok.de/bund/rd/136183.htm

Für viele nichtärztliche Komplementärtherapeuten ist die Irisdiagnose wichtig und sie gehört zum Programm vieler Naturheilkunde-Ausbildungen.
Wissenschaftlich gesehen ist Irisdiagnose wertlos. Schickt man dieselbe Person zu mehreren “Augendiagnostikern”, kommen sehr unterschiedliche “Diagnosen” heraus. Schickt man Personen mit klar definierten und belegten Krankheiten zu Irisdiagnostikern, finden sie diese nicht, oder jedenfalls nicht häufiger als es via Zufall zu erwarten ist. Das haben Dutzende von Überprüfungen ergeben. Zudem gibt es mehrere unterschiedliche “Landkarten” der Iris, auf denen die Krankheiten eingezeichnet sind.

Wendet man nun wissenschaftliche Qualitätskriterien an, wird es die Irisdiagnose niemals in eine Komplementärmedizin-Ausbildung bzw. an eine Diplomprüfung schaffen.
Nur: Mit diesen wissenschaftlichen Kriterien werden Sie auch niemals eine komplementärmedizinische Ausbildung zustande bringen.

Aber nach welchen Kriterien sonst, Frau Sommaruga, nach welchen Kriterien entscheiden Sie für oder gegen die Irisdiagnose? Und wer entscheidet das?

Das ist auch eine ethische Frage. Es spricht sehr viel dafür, dass mit Irisdiagnose oft riskante Krankheitsprozesse übersehen werden. Und es werden Leuten Krankheiten “unterschoben”, die so gar nicht existieren – und dann werden diese angeblichen Krankheiten “therapiert”.
Da existiert ein breites Feld für Selbsttäuschung der DiagnostikerInnen und Täuschung der PatientenInnen. Wie und nach welchen Kriterien soll also entschieden werden?

Ein zweites Beispiel:

Wie entscheiden Sie, was eine qualitativ gute Phytotherapie-Ausbildung ist, wenn Sie wissenschaftliche Kriterien weglassen? Wer und nach welchen Kriterien soll dies entschieden werden?

Phytotherapie stammte ursprünglich aus der Medizin und orientierte sich an Wirkstoffen und wissenschaftlichen Vorstellungen. Der Begriff ist aber nicht geschützt und wird heute viel breiter gebraucht. Gemeinsam ist eigentlich nur noch, dass Pflanzen verwendet werden. Es gibt unter dem Begriff Phytotherapie keine gemeinsame Theorie mehr, auch keine Kriterien für Stoffinhalte, Qualifikation von Ausbildnern etc.

Es gibt Leute in der Phytotherapie, welche sagen, die Pflanze, die in deinen Garten kommt, ist diejenige, die dir helfen wird.
Akzeptieren Sie das in Ihrer Qualitätssicherung oder nicht? Nach welchen Kriterien?
Wer soll das entscheiden?

Es gibt Leute, die in ihrer Phytotherapie-Ausbildung gelernt haben, dass die Kardenpflanze gegen Borreliose hilft, weil sie einen rötlichen Blütenkranz hat, welcher der Wanderröte in Frühstadium der Borreliose ähnelt. Ist das akzeptable Phytotherapie oder nicht? Nach welchen Kriterien?
Es gibt Leute, die aufgrund einer solchen Ausbildung im Frühstadium der Borreliose von Antibiotikabehandlung abraten und stattdessen Kardentinktur verschreiben. Es gibt meines Erachtens keinen plausiblen Hinweis für eine Wirksamkeit der Karde, auch in der (wissenschaftlichen) Fachliteratur nicht. Ich halte diese Empfehlung für kriminell, weil sie Patienten einem Invaliditätsrisiko aussetzt. Sie wollen die Patienten ja vor Scharlatanen bewahren, Frau Sommaruga. Das wäre meiner Ansicht nach fraglos ein solcher Fall.

Nur: mit welchen Kriterien machen Sie das, wenn nicht mit wissenschaftlichen. Karde gegen Borreliose ist in der nichtärztlichen Phytotherapie breit akzeptiert. Ich habe noch keine Einwände dagegen gehört, schon gar nicht von Verbänden (ich selber kritisiere dieses hochriskante Vorgehen mit zahlreichen Argumenten seit Jahren im Internet).

Wenn ein Arzt einen Borreliose-Patienten statt mit Antibiotika mit Kardentinktur behandeln würde, müsste er bei einer Schädigung mit einer Anklage wegen Verletzung der ärztlichen Sorgfaltspflicht rechnen (nach Auskunft BAG).

Würde das auch bei diplomierten Komplementärtherapeuten /-innen gelten? Gibt es (juristisch) eine komplementärärztlich Sorgfaltspflicht? Dazu muss es aber Behandlungsstandards geben, damit Patienten bei Fehlbehandlungen klagen können. Wie werden die festgelegt? Von wem?
Von den Berufsverbänden? Aber die müssen Kriterien haben. Sonst wird sich einfach die Überzeugung etablieren, die am stärksten ist, das beste Lobbying drauf hat, am lukrativsten ist oder ideologisch am kompatibelsten.
In der Phytotherapie gibt es zu mindestens in Teilbereichen wissenschaftliche Daten, Dokumentationen und Studien, falls Sie sich darauf stützen möchten. Aber die naturheilkundlichen Berufsverbände werden damit kaum einverstanden sein, weil der Rückgriff auf wissenschaftliche Kriterien ihrer Ideologie widerspricht. Welche der verschiedenen Theorien in der Phytotherapie wird sich also durchsetzen? Wirklich die sicherste und wirksamste? Oder die ideologisch Kompatibelste? – Wohl letzteres, wenn es keine Kriterien gibt. Aber was hat das dann mit Qualität zu tun?

Auch in der Homöopathie gibt es sehr unterschiedliche Strömungen, die sich zum Teil widersprechen. Dort gibt es nicht einmal wissenschaftlichen Daten, um diese Differenzen zu klären und Qualität festzulegen. Von TCM und Ayurvedischer Medizin lässt sich ähnliches sagen.
Wie entscheiden Sie? Wer mehr Macht hat, wird sich durchsetzen? Aber was hat das dann mit Qualität zu tun?

Oder prüfen Sie einfach nur die medizinischen Grundlagenfächer und tasten den ganzen komplementärmedizinischen Teil bezüglich Qualitätssicherung nicht an?
Das wäre dann etwa so wie wenn der Konsumentenschutz ein Waschmittel auf seine Zusammensetzung hin untersucht, aber nach der einfacher zu analysierenden Hälfte seine Bemühungen einstellt – ohne das zu kommunizieren – und dann trotzdem eine Qualitätsaussage für das ganze Waschmittel macht. Konsumententäuschung eben.
Könnten Sie als engagierte (und verdienstvolle) Konsumentenschützerin zu einer solchen Täuschung Hand bieten?

Nur die schulmedizinischen Grundlagen zu überprüfen, würde jede Qualitätssicherung zur Farce machen. Ich habe genügend Erfahrung als Ausbildner in diesem Bereich, um festzustellen, dass man so Scharlatane nicht im Ansatz ausscheiden kann. Scharlatane absolvieren medizinische Fächer schon, wenn sie dafür eine Zulassung bekommen. No problem.

Wissenschaftliche Aussagen sind nicht immer richtig, aber sie müssen so formuliert sein, dass andere sie überprüfen können. Das lässt immerhin potenziell Qualitätssicherung zu. Viele Bereiche der Komplementärmedizin basieren dagegen auf einem religiös inspirierten oder säkularen Offenbarungsmodell der Erkenntnis. Sie entziehen sich jeder Überprüfbarkeit. Das sind ausgesprochen schlechte Voraussetzungen für Qualitätssicherung.

Der heikelste Punkt für den Schutz vor Scharlatanen oder Scharlataninnen ist aber ein ganz anderer:
Das grösste Risikopotenzial liegt meines Erachtens nicht im Bereich fehlenden Wissens und auch nicht bei der angewandten Methode, sondern in einer Grundhaltung, die von Dogmatismus, Heilslehren und rigiden Feindbildern gegenüber der Schulmedizin geprägt ist.

Das betrifft nicht alle nichtärztlichen Therapeutinnen und Therapeuten, aber einen durchaus grossen Teil.
Es sind gegen-abhängige Therapeuten und -Therapeutinnen, die nicht in der Lage sind, situativ auch medizinische Diagnostik und Therapie beizuziehen, weil sie in ihren Feindbilddenken und in einer Lagerhaltung gefangen sind. Brisant wird es, wenn gegen-abhängige Therapeuten auf gegen-abhängige PatientInnen treffen. Ein solches Duo versteht sich meist ausgesprochen gut, die Patienten sind hoch zufrieden mit der Behandlung, aber das Risiko, notwendige Massnahmen zu verpassen läuft immer mit. Soll ich Beispiele erzählen?

Gegen solch hoch problematische Phänomene würde es eine kritische Auseinandersetzung in der “Heiler-Szene” selber brauchen, dann wäre sie kompatibler mit der Medizin – auch ohne neuen Verfassungsartikel.

Ohne diese Auseinandersetzung wird dieser Verfassungsartikel nicht zur Überbrückung der Gräben beitragen. Er wird sie meines Erachtens eher verstärken.

Mit anderen Worten: Die Komplementärmedizin – um auch einmal diesen pauschalen Begriff zu verwenden – müsste meisnes Erachtens zuerst ihre Hausaufgaben machen und im eigenen “Laden” aufräumen. Dazu sehe ich leider bisher keine Ansätze. Wieviel einfacher ist es doch, sich stattdessen mit Hilfe eines politischen Entscheides durchsetzen zu wollen.

Ich bin sehr ernsthaft daran interessiert, wie Sie sich die Qualitätssicherung in diesem Feld und die dazu gehörigen Kriterien vorstellen. Meine Fragen sind ernsthaft gemeint und nicht einfach als Provokation. Ich werde darum an diesem Thema auch dranbleiben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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