Artikel mit Schlagwort ‘Natur’
Dienstag, April 3rd, 2012
Das Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Schaumkräuter (Cardamine) und zählt zur Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Foto bei Wikipedia.
Wiesen-Schaumkraut dominiert mit seinen weiß bis zart violetten Blüten ab Ende April bis Mitte Mai häufig das Erscheinungsbild nährstoffreicher Feuchtwiesen.
Die Blüten des Wiesen-Schaumkrautes sind sehr nektarreich und werden von zahlreichen Insekten besucht. Der Nektar ist allerdings nur Bienen und Schmetterlingen zugänglich. Schwebefliegen nutzen den Pollen als Eiweissnahrung.
Aurorafalter
Gemeinsam mit der Knoblauchsrauke (Knoblauchhederich, Alliaria petiolata) ist das Wiesen-Schaumkraut die bevorzugte Nahrungspflanze der Raupe des Aurorafalters (Anthocaris cardamines). Der Aurorafalter, der das Wiesen-Schaumkraut auch als Nektarpflanze nutzt, legt seine Eier meist an der Blattunterseite ab. Die Raupen fressen an diesen Pflanzen bis Juli oder August, verpuppen sich zu einer sogenannten Gürtelpuppe und überwintern dann.
Auffällig und unverwechselbar sind im Frühling die Männchen des Aurorafalters mit ihrer orange-weissen Färbung (Foto bei Wikipedia).
Auf dem Wiesen-Schaumkraut lebt auch die etwa 5 bis 6 Millimeter lange und variabel gefärbte Wiesenschaumzikade.
Sie legt an ihrer Wirtspflanze ihre Eier ab, aus denen im April und Mai Larven schlüpfen, die den Pflanzensaft saugen. Durch Einpumpen von Luftbläschen aus der Atemhöhle in eine eiweißhaltige Flüssigkeit, welche die Larven aus dem After abscheiden, wird ein Schaum produziert.
Foto bei Wikipedia.
Der Schaum schützt die darin sitzende Larve vor Feinden, erhält jedoch in erster Linie die für die Weiterentwicklung nötige Feuchtigkeit und Temperatur. Diese auffälligen Schaumnester sind auch an der Kuckuckslichtnelke an Gräsern und anderen Pflanzen zu finden.
Der Name Wiesen-Schaumkraut oder einfach Schaumkraut bezieht sich möglicherweise auf das Vorkommen solcher Schaumnester der Schaumzikaden (Aphrophoridae) an dieser Pflanze. Diese im Frühjahr häufigen Schaumnester werden im Volksmund auch als „Kuckucksspeichel“ oder „Hexenspucke“ bezeichnet.
Das Wiesen-Schaumkraut hat aber auch eine ganze Reihe von Volksnamen, die nicht gerade schmeichelhaft sind, zum Beispiel „Bettseicher“ oder „Schisgelte“.
Das Wiesen-Schaumkraut enthält als Inhaltsstoffe Senfölglykoside, Bitterstoffe und Vitamin C.
Zur Wirkung der Senföglykoside siehe auch:
Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? Welche Wirkung haben sie?
In der Volksmedizin wird Wiesen-Schaumkraut gegen Rheuma und andere Schmerzzustände verwendet. Heilwirkungen sollen vor allem auf dem enthaltenen Vitamin C sowie den Senfölglykosiden beruhen, die insbesondere auf Niere und Leber anregend wirken. Es fehlen aber konkrete Belege für diese Wirkungen.
Die im Wiesen-Schaumkraut enthaltenen Wirkstoffe können in grösseren Mengen den Magen und die Nieren reizen, so dass man es mit der Einnahme nicht übertreiben sollte.
Die jungen Blätter, die vor der Blüte gesammelt werden, sowie die jungen Pflanzen sind essbar und schmecken wegen des enthaltenen Senfölglykosids ähnlich wie Kresse und leicht scharf. Sie werden daher auch ähnlich wie die Brunnenkresse (Nasturtium officinale) genutzt und gerne in Salaten, in Kräutersuppen, als Gewürz für Quark und Frischkäse sowie in Saucen verwendet.
Wenn Sie Pflanzen und Tiere in der Natur kennen lernen möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilkräuterexkursionen und Naturseminare.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
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Sonntag, April 1st, 2012
Jetzt im Frühling fällt er besonders auf: Der Schlehdorn ( = Schwarzdorn. Prunus spinosa). Seine Blüten erscheinen vor den Blättern, so steht er strahlend weiss in der Landschaft (Foto auf Wikipedia).
Der Schlehdorn ist eine Pflanzenart aus der Gattung Prunus, der zur Tribus der Steinobstgewächse (Amygdaleae) innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) gehört.
Der Schwarzdorn gilt als Stammform der Kulturpflaume.
Weil die weißen Blüten des Schlehdorns bereits im März und April lange vor dem Laubaustrieb erscheinen, lässt er sich in diesem Zeitraum leicht vom Weißdorn unterscheiden, dessen Blüten erst nach den Blättern gebildet werden.
Charakteristisch für die Schlehdornblüten ist ihr leichter Mandelduft. Die Innenseite des Blütenbechers sondert reichlich Nektar ab, so dass die Schlehe für viele Insekten im zeitigen Frühjahr eine wertvolle Nahrungsquelle darstellt. Der Schwarzdorn wird von Insekten bestäubt.
Später entwickelt sich eine kugelige, dunkelblau bis schwarze, stark bereifte Steinfrucht, die sehr sauer und herb schmeckt und erst nach einem Frost schmackhafter wird. Sie reift von Oktober bis November und verbleibt den Winter über am Strauch. Tiere, die den Samen der Frucht wieder ausscheiden, besorgen die Ausbreitung.
Schlehdorn – eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten, Vögel und Säugetiere
Die Schlehe gehört zu den wichtigsten Wildsträuchern für Tiere.
Schon in der ersten wärmenden Frühlingssonne finden Honigbienen, Wildbienen (z. B. Sandbienen, Mauerbienen, Kuckucksbienen, Hummeln, Schwebefliegen und zahlreiche andere Insekten in den Schlehdornblüten reichlich Nektar und Blütenstaub.
Einige früh im Jahr fliegende Schmetterlinge schätzen den energiereichen Nektar der Schlehe ebenfalls (Tagpfauenauge, C-Falter, Grosser Fuchs, Kleiner Fuchs).
Die später im Jahr erscheinenden Schlehdornblätter werden sogar von über 100 Schmetterlingsarten zur Eiablage genutzt, einige von ihnen sind sogar fast ausschliesslich auf Schlehdornblätter angewiesen. Von den Tagfaltern sind bekannte Beispiele der wunderschöne Segelfalter, der Baumweissling und mehrere Zipfelfaltern (Schlehenzipfelfalter, Birkenzipfelfalter, Pflaumenzipfelfalter). Von den Nachtfaltern nutzen die Schlehe unter anderem Schlehen-Grünwidderchen, Kupferglucke, Schlehenspinner, Silberspinner, Wollafter, Gelbes Ordensband, Kleines Nachtpfauenauge.
Neben 73 Kleinschmetterlingsarten wurden als ständige oder vorübergehende Gäste der Schlehe ermittelt: 23 Rüsselkäferarten, 15 Bockkäferarten, 14 Blattwespenarten, 7 Blattlausarten, 5 Wanzenarten.
Für die Früchte, Blätter und Triebe der Schlehe interessieren sich zudem bis zu 18 Säugetierarten.
Schwarzdornhecken bieten darüber hinaus ausgezeichnete Nistplätze für Vögel. Die Dornen wehren Räuber ab.
Bis zu 20 Vogelarten errichten als Buschbrüter im Schlehdorn ihr Nest – zum Beispiel Neuntöter, Dorngrasmücke, Zaungrasmücke, Gelbspötter. In der dichten Vegetation zu Füssen des Schlehdornstrauchs nisten Goldammer, Rotkehlchen, Rebhuhn.
Die Schlehdornfrüchte werden im Winter zum Beispiel gerne gefressen von Rotkehlchen, Kohlmeise, Kernbeisser, Fichtenkreuzschnabel, Amsel, Singdrossel, Misteldrossel, Wacholderdrossel.
Verwendung in der Volksmedizin
„Die Blüten, Rinde und Früchte wirken adstringierend (zusammenziehend), harntreibend, schwach abführend, fiebersenkend, magenstärkend und entzündungshemmend. Ein Blütenaufguss wird besonders bei Kindern bei Durchfallerkrankungen, bei Blasen- und Nierenproblemen und Magenbeschwerden eingesetzt. Schlehenelixier gilt als geeignetes Stärkungsmittel nach Infektionskrankheiten.“
(Quelle: Wikipedia)
Verwendung für Nahrungsmittel und Getränke
„Die Früchte können unreif wie Oliven eingelegt werden, reif zur Herstellung von Marmeladen, Fruchtsäften, Fruchtweinen und als Zusatz zu Likör (Sloe Gin, Schlehenfeuer), Branntwein (Schlehenbrand) und anderen Spirituosen verwendet werden. Schlehenwein ist ein Fruchtwein, der nur auf den Früchten des Schlehdorns basiert. In manchen Gegenden werden die Früchte auch in geringen Mengen dem Apfelwein zugesetzt, wodurch dieser aufgrund der Gerbstoffe in den Schlehenfrüchten einen etwas weinähnlicheren Charakter erhält.
Die Früchte werden erst nach dem ersten Frost am Strauch geerntet. Durch die Frosteinwirkung am Strauch wird ein Teil der bitter schmeckenden und adstringierend wirkenden Gerbstoffe in den Früchten enzymatisch abgebaut. Dabei sinkt der Gerbstoffgehalt im Fruchtsaft von ca. 10 g/l auf unter 5 g/l. Dieser Vorgang kann nicht durch Einfrieren der Früchte in der Tiefkühltruhe ausgelöst werden. Ein vollständiger Abbau der Gerbstoffe ist hingegen unerwünscht, da sie wesentlich zum Geschmack der Produkte beitragen.“
(Quelle: Wikipedia)
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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Freitag, März 30th, 2012
Jetzt im Frühling kann man auf den Blüten des Löwenzahns gut Wildbienen beobachten.
Ich weiss nicht genau warum das so ist, aber mir fallen im Frühling die Wildbienen auf dem Löwenzahn jedenfalls speziell auf.
In Deutschland, Österreich und die Schweiz leben rund 730 Wildbienenarten. Sie „hören“ auf so spezielle Namen wie Sandgängerbienen, Kurzhornbienen, Steppenglanzbienen, Sandbienen, Harzbienen, Wollbienen, Pelzbienen, Kraftbienen, Hummeln, Buntbienen, Keulhornbienen, Scherenbienen, Kegelbienen, Seidenbienen, Hosenbienen, Zweizahnbienen, Glanzbienen, Schmuckbienen, Filzbienen, Langhornbienen, Furchenbienen, Löcherbienen, Maskenbienen, Steinbienen, Schenkelbienen, Mörtelbienen, Blattschneiderbienen, Trauerbienen, Sägehornbienen, Schwebebienen, Wespenbienen, Schienenbienen, Steppenbienen, Mauerbienen, Scheinlappenbienen, Zottelbienen, Schmarotzerhummeln, Graubienen, Schlürfbienen, Blutbienen, Düsterbienen, Spiralhornbienen, Fleckenbienen, Holzbienen.
Und wohlverstanden: Jede dieser Bezeichnungen gilt einer Gattung, die ihrerseits eine grosse Anzahl von Wildbienenarten umfassen kann.
Gut 40 Jahre meines Lebens war mir gar nicht klar, dass es Wildbienen gibt. Seither staune ich jeden Sommer über die Vielfalt der Wildbienenarten.
Wie erkennt man Wildbienen?
Wildbienen sind nicht einfach verwilderte Honigbienen. Sie unterscheiden sich im Aussehen oft sehr deutlich von Honigbienen.
Ein erster Schritt zur Entdeckung von Wildbienen ist es darum, sich das Aussehen der Honigbiene gut einzuprägen. Dann ist es nicht mehr so schwer, Abweichungen zu bemerken – zum Beispiel bei den Besucherinnen der Löwenzahnblüten.
Auch Laien können sich ein gutes Stück weit mit diesem faszinierenden Gebiet vertraut machen und eine weitgehend unbekannte Welt entdecken.
Einen Einstieg bietet das Buch von Heiko Bellmann:
Heiko Bellmann: Bienen, Wespen, Ameisen, Kosmos Naturführer
Eine gute Einführung in die Wildbienenkunde findet sich auf Wikipedia.
Und wenn Sie Pflanzen und Tiere in der Natur kennen lernen möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilkräuterexkursionen und Naturseminare.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Freitag, März 30th, 2012
Das Museum für Verhütung & Schwangerschaftsabbruch (MUVS) ist weltweit das einzige Museum, das sich ausschließlich den Schwerpunkten Empfängnisverhütung, Schwangerschaftstests und Schwangerschaftsabbruch widmet.
Das Museum befindet sich in Wien, ist aber auch mit einer informativen Website im Internet präsent.
Seine Zielsetzung beschreibt das MUVS so:
„ Aufgabe ist es, jederfrau / jedermann wissenschaftlich korrekte Informationen über die Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Verhütung, Schwangerschaftstests und Schwangerschaftsabbruch anzubieten. Damit soll die ‚Wucht der Fruchtbarkeit’ greifbar gemacht werden: Durchschnittlich 15 Schwangerschaften pro Frauenleben sind ‚natürlich’, ‚naturgewollt’. Von den etwa 10 Geburten haben früher rund sieben Kinder überlebt. Das ist den meisten Menschen aus wirtschaftlichen, sozialen oder anderen Gründen aber zu viel, früher wie heute. Die Beschränkung der Kinderzahl war und ist daher für alle Generationen und die meisten Kulturen ein wichtiges Thema.“
Im Abschnitt „Kräutergarten der Natur“ werden Pflanzen beschrieben, die als Abtreibungsmittel gebraucht wurden und zum Teil mit grossen Risiken verbunden waren (das sind aber keine Anleitungen für Experimente):
Aloe vera
Alraune
Beifuss
Eibe
Haselwurz
Lorbeer
Mutterkorn
Mutterkraut
Petersilie
Poleiminze
Rainfarn
Römische Kamille
Rosmarin
Safran
Tollkirsche
Sadebaum
Weinraute
Wermut
Die historischen Beschreibungen zu diesen Abtreibungs-Pflanzen sind interessant, wobei ich noch nicht alle im Detail gelesen habe. Ein Irrtum ist mir allerdings aufgefallen: Wacholder und Sadebaum werden quasi gleichgesetzt. Wacholder (Juniperus communis) und Sadebaum (Sefi, Juniperus sabina) gehören zwar der gleichen Gattung Juniperus an, doch unterscheiden sie sich in ihren Inhaltsstoffen sehr deutlich.
Der Sadebaum enthält ein ätherisches Öl mit Sabinen, Sabinylacetat, Thujon und weiteren Monoterpenen, ferner das zytotoxische Podophyllotoxin, ein Lignan, das als Mitosehemmer wirkt.
Wacholder dagegen enthält vor allem Wacholderöl mit alpha-Pinen, beta-Pinen, beta-Myrcen, Sabinen, Limonen, Terpinen-4-ol.
Mit Wacholderöl muss man selbstverständlich auch sorgfältig umgehen. Wacholder hat aber nicht im Ansatz das gleiche Giftpotenzial wie die Inhaltsstoffe des Sadebaums. Mir ist bisher auch kein Hinweis unter die Augen gekommen, dass Wacholder als Abtreibungsmittel Bedeutung gehabt hätte.
Link zum Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch: http://de.muvs.org/
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Dienstag, März 27th, 2012
Zur Zeit blüht das Scharbockskraut mit seinen goldgelben Blütensternen.
Fotos finden Sie hier und hier.
Das Scharbockskraut (Ficaria verna, Syn.: Ranunculus ficaria L., = Feigwurz, = Frühlingsscharbockskraut) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Scharbockskraut ist ein Frühjahrsblüher. Sein Name leitet sich von Scharbock (Skorbut) ab. Seine Vitamin-C-haltigen Blätter sollen früher gegen diese Mangelerscheinung eingenommen worden sein.
Scharbockskraut ist hauptsächlich in Nordeuropa und Mitteleuropa beheimatet. Es wächst meist in feuchten Wiesen, Gebüschen, Hecken, Gärten, in Laubwäldern und an Laubwaldrändern. Dort bildet Scharbockskraut zumeist die erste grüne Bodenschicht (Krautschicht), noch bevor die Bäume ihre Blätter entwickeln.
In südlichen Gegenden sowie nach milden Wintern zeigt sich das Scharbockskraut schon Ende Februar; normalerweise jedoch gegen Ende März. Bereits im Mai beendet dieser „Frühjahrsgeophyt“ seinen Lebenszyklus bald nach der Blüte.
Ein botanischer Sprinter also.
Ähnlich wie der Bärlauch (Allium ursinum) und das Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) zieht das Scharbockskraut anschliessend alle oberirdischen Teile der Pflanze unter die Erde zurück.
Scharbockskraut als Wildsalat / Wildgemüse vorsichtig nutzen:
„Scharbockskraut kann – mit Einschränkungen – als Nahrungsmittel verwendet werden. Der Verzehr der Pflanze, insbesondere der Wurzel und Brutknöllchen, kann zu Erbrechen und Durchfall führen. Unterschiedliche Angaben zur Giftigkeit sind auf saisonale Änderungen der Inhaltsstoffe und unterschiedliche Verträglichkeit bei verschiedenen Menschen zurückzuführen. Im Frühjahr, vor der Blütezeit, können die Blätter verzehrt werden. Die Blütenknospen werden ähnlich wie Kapern verwendet. Später im Jahr lassen sich Brutknöllchen und Wurzelknöllchen ernten.
Der giftige Inhaltsstoff Protoanemonin – ein fünfgliedriger Lactonring – bildet sich in höheren Konzentrationen erst nachdem die ersten Blüten erschienen sind. Faustregel für den Genuss der Pflanze ist daher: Vor der ersten Blüte gegebenenfalls in Maßen, nach Erscheinen der ersten Blüten nicht mehr genießen. In der Mehrheit der Kräuterbücher wird auf den hohen Vitamin-C-Gehalt der Pflanze hingewiesen.
Scharbockskraut gehörte früher zum Reiseproviant auf Seereisen und wurde von Seefahrern gegessen, die meist kein frisches Gemüse und Obst zu Verfügung hatten. Scharbockskraut enthält sehr viel Vitamin C und verhinderte dadurch Skorbut, eine Vitamin C-Mangelkranheit die Seefahrer früher auf ihren langen Reisen bedrohte. Der Name Scharbockskraut leitet sich von Scharbock ab, eine alte Bezeichnung für Skorbut.“
(Quelle: Wikipedia)
Die Angabe, dass die Scharbockskrautblätter als Frühlingssalat nur vor der Blüte genutzt werden sollen, weil sich danach Giftstoffe bilden, findet sich auch in anderen Quellen, zum Beispiel in Siegfried Schlosser / Lutz Reichhoff / Peter Hanelt: „Wildblumen Mitteleuropas – Nutzung und Schutz“ (Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin 1991).
Der Hinweis auf den hohen Gehalt an Vitamin C findet sich häufig, doch sind mir bisher keine konkreten Angeben dazu unter die Augen gekommen.
Bei Hahnenfussgewächsen halte ich generell eine gewisse Vorsicht bezüglich dem Konsum als Wildsalat / Wildgemüse für angebracht.
In dieser Pflanzenfamilie gibt es sehr starke Giftpflanzen wie Eisenhut (Aconitum) mit dem Alkaloid Aconitin.
Nach Wikipedia enthalten alle Hahnenfussgewächse das giftige Protoanemonin. Gemäss „Giftpflanzen“ von Dietrich Frohne und Hans Jürgen Pfländer (1997) ist Protoanemonin vor allem enthalten in den Gattungen
- Ranunculus (Hahnenfuss),
- Anemone (Windröschen, z B. Buschwindröschen, Leberblümchen),
- Pulsatilla (Kuhschelle, Küchenschelle)
- Clematis (Waldreben)
- Helleborus (Nieswurz; z. B. Christrose, Schwarzer Nieswurz)
Beim Trocken der Pflanzen wird Protoanemonin allerdings in ungiftiges Anemonin übergeführt.
Aber im Moment gerade würde ich empfehlen, sich an den glänzend gelben Blütensternen des Scharbockkrautes zu erfreuen. Man muss ja auch nicht immer alles gleich essen….
Und wenn Sie die Natur im Jahreslauf kennen lernen möchten, kommen Sie doch einfach mit auf eine meiner Heilpflanzen-, Alpenblumen-, Natur- oder Kräuterexkursionen. Die Daten finden Sie oben unter „Kurse“.
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Samstag, März 24th, 2012
Die Phänologie teilt das Jahr nicht nach den kalendarischen vier Jahreszeiten ein, sondern nach Phänomenen in der Pflanzenwelt. Sie ist darum eine gute Möglichkeit, die Natur im Jahrslauf zu beobachten.
Üblicherweise teilen wir das Jahr in vier Jahreszeiten ein. Es gibt jedoch auch noch eine feinere Einteilung in zehn biologisch begründete “phänologische Jahreszeiten”. Im Unterschied zu den astronomischen oder kalendarischen Jahreszeiten sind die phänologischen Jahreszeiten nicht auf den Tag genau festgelegt, sondern abhängig von den Jahr für Jahr zu unterschiedlichen Terminen einsetzenden Entwicklungen in der Natur. Jeder phänologischen Jahreszeit sind darum Zeigerpflanzen zugeordnet. So fängt der Vollfrühling mit der Apfelblüte an – und die tritt von Jahr zu Jahr und auch von Gegend zu Gegend zu unterschiedlichen Terminen auf.
Hier eine Übersicht der phänologischen Jahreszeiten in Mitteleuropa:
„Vorfrühling
Der Vorfrühling beginnt meist Ende Februar oder Anfang März. Er wird angezeigt durch die Erste Blüte von Haselnuss, Schneeglöckchen, Schwarz-Erle und Salweide, die Vollblüte des Winter-Jasmins, in den Alpen den Austrieb des Bergahorn. Sobald die überschüssige Winterfeuchtigkeit von den Böden verschwunden ist, beginnt die landwirtschaftliche Tätigkeit, die mit der Aussaat des Sommergetreides endet.
Erstfrühling
Der darauffolgende Erstfrühling äußert sich durch die Blüte von Forsythie, Stachel- und Johannisbeere, später von Kirsche, Pflaume und Birne, von Schlehdorn und Ahorn. Das Sommergetreide geht auf, Dauergrünland ergrünt. Blätter treiben, zunächst Rosskastanie und Birke, etwa eine Woche später auch Rotbuche, Linde und Ahorn. Die Bauern beginnen mit der Aussaat von Kartoffeln und Futterrüben.
Vollfrühling
Der Vollfrühling ist durch die Blüte von Kulturapfel und Flieder, später auch der Himbeere gekennzeichnet. Der Vollfrühling startet meist Ende Februar im Südwesten von Portugal und erreicht ca. 90 Tage später das etwa 3.600 km entfernte Finnland. Er zieht in Europa also mit ca. 40 km pro Tag nordwärts. Die Stieleichen treiben Blätter. Auf den Feldern gehen Futterrüben, Kartoffeln und Wintergetreide auf.
Frühsommer
Der Frühsommer fällt meist in den Juni. Es blühen Gräser, Wiesen-Fuchsschwanz, Schwarzer Holunder, Weißdorn, Wald-Geißbart und Türkischer Mohn. Während der Winterroggen bereits blüht, zeigen sich bei den anderen Getreidearten die ersten Ähren und Rispen. Der Frühsommer ist auch die Zeit der Heuernte und für viele Allergiker der Beginn der Heuschnupfen-Saison.
Hochsommer
Im Hochsommer blühen Sommer-Linde, Wegwarte und Kartoffel; in den Gärten reifen die Johannisbeeren. Wichtigstes landwirtschaftliches Ereignis ist die Getreideernte, die mit dem Schneiden des Winterrapses beginnt. Es folgt die Ernte der Wintergerste, am Ende schließlich die von Winterroggen und Hafer.
Spätsommer
Im Spätsommer reifen bereits zahlreiche Früchte wie Frühapfel, Felsenbirne und Frühzwetschge, aber auch die Vogelbeere. Zeitgleich beginnt die Blüte des Heidekrauts und der Herbst-Anemone. Die Getreideernte ist weitgehend abgeschlossen; die zweite Heuernte (Grummet) findet statt.
Frühherbst
Zeigerpflanzen für den beginnenden Frühherbst sind schließlich die nun blühende Herbst-Zeitlose sowie die einsetzende Reife von Schwarzem Holunder und Haselnuss. Geerntet werden nun unter anderen Birnen und Zwetschgen.
Vollherbst
Erst im Vollherbst reifen Stieleiche, Rosskastanie, Quitte und Walnuss. In dieser Zeit beginnen auch viele Wildbäume ihr Laub zu verfärben, unter anderem Rosskastanie, Rotbuche, Eiche, Esche und Selbstkletternde Jungfernrebe („Wilder Wein“). Bei den Kulturbäumen (Obstbäume) fallen bereits die Blätter. Geerntet werden nun Spätkartoffeln, Rüben und Äpfel. Es beginnt die Aussaat des Wintergetreides.
Spätherbst
Sobald auch die Wildbäume (Stieleiche, Rosskastanie) ihr Laub abwerfen, beginnt der Spätherbst. Das Wintergetreide geht auf. Mit Absinken der Temperaturen wird in der Landwirtschaft die Arbeit allmählich eingestellt. Mit dem Ende des Laubfalls endet der Spätherbst meist Mitte/Ende November
Winter
Im Winter haben alle Bäume ihr Laub verloren (abgesehen von frühjahrsabwerfenden Bäumen, wie manche Eichen oder Buchen, und vereinzelten wintergrünen Laubgehölzen). Das Wintergetreide läuft auf. Im Übrigen herrscht weitgehend Vegetationsruhe. Der phänologische Winter geht ungefähr von Ende November/Anfang Dezember bis Mitte/Ende Februar.“
Quelle: Wikipedia
Phänologie bietet spannende Entdeckungen und ist zu Unrecht kaum bekannt.
Während der astronomische Kalender mit seiner Orientierung an den Gestirnen für uns Menschen relativ abstrakt bleibt, verbindet der phänologische Kalender mit den Entwicklungsvorgängen der Tier- und Pflanzenwelt im Laufe des Jahres. Phänologie schult die Wahrnehmung für die Natur in unserer Umgebung und fördert damit den Naturkontakt.
Auf einer sehr fundamentalen Ebene scheint mir dies wertvoll für Gesundheit und Lebensqualität. In einem ähnlichen Sinne wirkt das Interesse an Heilpflanzen, Wildgemüsen und Wildsalaten. Falls Sie an einer kleinen oder längeren “Lehrzeit” interessiert sind, um vertrauter zu werden mit der Natur, dann finden Sie dazu auf www.phytotherapie-seminare im Kurskalender aktuelle Daten für Heilpflanzen-Exkursionen und Natur-Seminare.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
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Montag, März 19th, 2012
Seit einiger Zeit werden Nahrungsergänzungsmittel mit Chlorophyll propagiert zur Entschlackung und Entgiftung – zum Beispiel in Form von Getränken.
Hat die Einnahme von Chlorophyll als Nahrungsergänzung einen günstigen Effekt?
Diese Frage wurde im Expertenforum der Pharmazeutischen Zeitung gestellt:
„Wirkt Chlorophyll entgiftend, vitalisierend und hält gesund? Und wenn ja, wie und in welcher chemischen Form? Gibt es Studien darüber?“
Die Antwort von Professor Dr. Theo Dingermann:
„Gute, seriöse Studien zu einem möglichen Gesundheitspotenzial von Chlorophyll gibt es nicht. Wir nehmen substanzielle Mengen zu uns, wenn wir viel Gemüse und Obst essen. Eine Substitution ist nicht notwendig. Wegen seiner geruchsneutralisierenden Wirkung ist Chlorophyll als Mittel gegen Mund- und Körpergeruch in Drageeform erhältlich. Als Lebensmittelzusatzstoff erhielt Chlorophyll die Kennnummer E 140. Weitere, dem Chlorophyll zugesprochene Eigenschaften sind hinsichtlich ihrer physiologischen Relevanz nicht belegt.“
Quelle:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=40157
Kommentar & Ergänzung:
Chlorophyll, also Blattgrün, ist wohl eines der wichtigsten Moleküle für das Leben auf der Erde. Pflanzen sind durch Chlorophyll in der Lage, mit Hilfe von Licht aus Wasser und Kohlendioxid Traubenzucker (Glukose) zu produzieren, also Photosynthese zu betreiben.
Wie das oft bei Nahrungsergänzungsmitteln der Fall ist, sind die Gesundheits- und Heilungsversprechungen bei der Vermarktung von Chlorophyll sehr überzogen.
Vor allem wenn „Entschlackung und Entgiftung“ versprochen wird, kann man getrost von Konsumententäuschung ausgehen.
Siehe dazu:
Entschlackung – was ist das?
Entschlackung – unnötig und ungesund
Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere
Entgiften und entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen
Entschlackung: Illusionäre Hoffnung auf Gewichtsreduktion
Ein kritischer Kommentar zu Chlorophyll als Nahrungsergänzung:
„Chlorophyll wird in Form von Tabletten, Pulvern, Tropfen und Säften als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Dabei werden verschiedene Aussagen zu gesundheitsfördernden Wirkungen bzw. zur Steigerung des allgemeine Wohlbefindens gemacht, wie z.B. als Einsatzstoff in der Krebstherapie, zur Hemmung von Körpergerüchen und Beseitigung von Schwermetallvergiftungen bzw. allgemein zur ‚Entgiftung’, zur ‚Verjüngung’, zur ‚Darmsanierung’, sowie als antibakterielle und antivirale Mittel. Dabei soll einerseits der Phorphyrinring Schwermetalle als Chelatkomplex binden, andererseits soll das im Chlorophyll enthaltene Magnesium gesundheitlich positive Wirkungen haben. All diese Wirkungen sind wissenschaftlich nicht oder nicht ausreichend untermauert.
Die Wirkung gegen Mundgeruch sowohl beim Menschen als auch im veterinärmedizinischen Bereich soll auf dem desodorierenden Effekt beruhen, allerdings fehlen kontrollierte Studien dazu.
Chlorophylle selbst gelten als unbedenklich. Da diese aber, nach Entfernen eines großen Anteils des Magnesiums aus dem Chelatkomplex größtenteils unverdaut in Form von Phäophytin ausgeschieden werden, ist eine entgiftende Wirkung durch Chelatkomplexbildung mit Schwermetallen allerhöchstens auf das Darmlumen beschränkt. Eine Wirkung auf das Körperinnere ist ausgeschlossen.
Hergestellt werden Chlorophyll-Produkte meist aus Algen der Gattungen Chlorella und Spirulina, der Afa-Alge (ein Cyanobakterium) aber auch aus Spinat, Luzerne und anderen krautigen Pflanzen.
Eine Tablette Chlorophyll (Stozzon) enthält 20 mg. Das Römpp-Lexikon gibt als Chlorophyllgehalt für einige Pflanzen folgende Werte an:
Brennesseln 6-7,5 g/kg
Broccoli 8-12 g/kg
Gräser ca. 7 g/kg“
(Quelle: http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Chlorophyll#Anwendung_in_der_Pseudomedizin)
Diese Angaben aus dem Römpp-Lexikon ermöglichen eine interessante Rechnung.
Stozzon Chlorophyll-Dragees enthalten 20 mg Chlorophyll pro Dragee. Blattgrün 1001 Tabletten enthalten 21 mg Chlorophyll pro Tablette.
Dann enthalten etwa 2 g Broccoli soviel Chlorophyll wie eine Chlorophyll-Tablette.
Da spricht doch alles dafür, ganz einfach „Grünzeug“ aus der Natur zu essen. Schon mit geringen Mengen an Salat und Gemüse übertrifft man die Chlorophyll-Zufuhr via Dragee.
Und dann besteht zum Beispiel Broccoli ja nicht nur aus Chlorophyll, sondern enthält auch noch eine ganze Reihe anderer gesunder Substanzen. Siehe hier:
Glukosinolate aus Brokkoli und Rosenkohl schützen vor Darmerkrankungen
Brokkolisprossen hemmen Helicobacter-pylori-Bakterien im Magen
Brokkoli-Inhaltsstoff günstig bei Asthma
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Donnerstag, März 15th, 2012
Gerbstoffe sind wichtige Wirkstoffe in der Phytotherapie. Sie bestimmen die Wirkung vieler Heilpflanzen.
Hier einige ausgewählte Infos über Gerbstoffe aus Wikipedia mit Kommentaren und Ergänzungen von mir.
„Ein Gerbstoff ist ein Stoff, der sich bei Kontakt mit Eiweiß (Protein) mit diesem verbindet. Die Eigenschaften der Proteine werden dadurch verändert.
Das in den Proteinen gebundene Wasser wird durch die Gerbstoffe verdrängt und es kommt zu einer Entwässerung.
Die Proteine können durch Mikroorganismen nicht mehr oder nur mehr sehr schwer abgebaut werden.
Das Quellvermögen in Wasser, Säuren und Laugen ist stark vermindert.
Die Temperaturbeständigkeit wird erhöht.
Biologisch aktive Eiweißstoffe werden durch Gerbstoffe denaturiert und sind nicht mehr biologisch aktiv.
Strukturierte Eiweißstoffe z. B. Kollagen der Haut, behalten ihre natürliche Struktur. Die Strukturen werden aber durch die Gerbstoffe mehr oder weniger stark vernetzt. Unstrukturierte Eiweißstoffe z. B. das Eiweiß eines Hühnereies, werden ausgefällt.
Diese Veränderungen können allgemein als Gerben bezeichnet werden. Eine abgezogene Tierhaut wird so in Leder umgewandelt, was z. B. die Fäulnis verhindert.
Es gibt in der Natur vorkommende Gerbstoffe und künstlich hergestellte Gerbstoffe.“
(Quelle: Wikipedia)
Das ist eine gute Beschreibung davon, wie Gerbstoffe auf Eiweisse einwirken. Um die adstringierenden (zusammenziehenden), entzündungshemmenden und antimikrobiellen Wirkungen gerbstoffreicher Heilpflanzen zu verstehen, sind diese Vorgänge wichtig.
Zum Vorkommen von Gerbstoffen in Pflanzen
„Gerbstoffe kommen häufig in Pflanzen vor…..Zum Beispiel in:
Blättern, Hölzern, Rinden, Früchten und Wurzeln von Kastanien, Eiche, Fichte, Mimosa, Quebracho, Tee, Kaffee.
Auch pflanzliche Abbauprodukte wie z. B. Torf enthalten Gerbstoffe. Weintrauben enthalten Gerbstoffe (Tannine) als Bestandteile aus Stielen, Kernen und Beerenhäuten, die zum Geschmack des Weines (insbesondere des Rotweines) beitragen. Der Tanningehalt stellt somit einen Qualitätsfaktor des Weines dar, sofern er in einem ausgewogenen Verhältnis zu den anderen Geschmackskomponenten (Säure, Restzucker) und Aromen steht.“
(Quelle: Wikipedia)
Zur Wirkung der Gerbstoffe in der Phytotherapie
„Die Gruppe der Gerbstoffe nimmt einen wichtigen Platz unter den therapeutisch wirksamen Bestandteilen von Heilpflanzen ein. Sie wirken zusammenziehend, entzündungshemmend, antibakteriell, antiviral und neutralisieren Gifte. In höherer Dosierung wirken sie jedoch oft selbst schädlich.“
(Quelle: Wikipedia)
Wichtig zu wissen ist aber, dass Gerbstoffe lokal wirken auf Haut und Schleimhäuten und im Verdauungstrakt. Sie werden aber kaum in den Körper aufgenommen und haben daher keine systemischen Fernwirkungen.
Beispiele von Heilpflanzen, die Gerbstoffe enthalten:
“Galläpfel (Gallae) aus Quercus infectoria
Hamamelisblätter (Hamamelidis folium) aus Hamamelis virginiana = Zaubernuss
Walnussblätter (Juglandis folium) aus Juglans regia
Eichenrinde (Quercus cortex) aus Quercus robur….
Ratanhiawurzel (Ratanhiae radix) aus Krameria lappacea
Blutwurzwurzel (Tormentillae rhizoma) aus Potentilla erecta
Heidelbeeren (Myrtilli fructus) aus Vaccinium myrtillus
Volksmedizinische Verwendung finden auch:
Catechu
Brombeerblätter von Rubus fruticosus
Gänsefingerkraut von Potentilla anserina
Erdbeerblätter von Fragaria vesca
Odermennigkraut Agrimonia eupatoria
Frauenmantelkraut von Alchemilla xanthochlora
Breitwegerichblätter von Plantago major
Spitzwegerichblätter von Plantago lanceolata
Rosenblüten von Rosa gallica
Wiesenknopfblätter von Sanguisorba officinalis“
(Quelle: Wikipedia)
Eine wichtige Heilpflanze mit hohem Gerbstoffgehalt fehlt hier:
Schwarztee / Grüntee.
Damit genügend Gerbstoff in den Tee übergeht, müssen Schwarztee und auch Grüntee allerdings lange ausziehen (etwa 8 Minuten).
Chemischer Aufbau der Gerbstoffe
„Auf Grund des chemischen Aufbaues, kann die pflanzlichen Gerbstoffe in folgende zwei Gruppen einteilen:
Hydrolysierbare Gerbstoffe, z. B. Gallotannine, Grundbausteine sind Gerbsäuren z. B: Gallus- oder Ellagsäure in Verbindung mit Glukosen
kondensierte Gerbstoffe, z. B. Pyrocatechine, Grundbausteine sind aromatische Polyhydroxiverbindunge wie z. B. Catechin“
(Quelle: Wikipedia)
Das ist insofern relevant, als hydrolisierbare Gerbstoffe ungeeignet sind zur Behandlung von Durchfall, weil sie nicht genug tief im Darm wirken.
Zur Wirkung der Gerbstoffe
„Medizinisch nutzbar sind Gerbstoffe durch den Prozess der Gerbung. Das Gewebe kann so oberflächlich verdichtet werden, und eine schützende Membran bildet sich aus, z. B. auf einer Schleimhaut. Die Gerbstoffe entziehen also durch ihre zusammenziehende (adstringierende) Wirkung Bakterien den Nährboden, die sich auf Haut und Schleimhaut angesiedelt haben. Schmerz und Wundsekretion werden vermindert, Entzündungen gehemmt, kapillare Blutung gestillt, Bakterien und Giftstoffe können nicht mehr tiefer eindringen.
Gerbstoffe haben antimikrobielle Eigenschaften und werden eingesetzt bei Magen- und Darmentzündungen, leichten Durchfällen, Entzündungen im Mund und Rachenraum, als blutstillendes Mittel, zur schnellen Wundheilung und bei leichten Verbrennungen und Frostschäden.“
(Quelle: Wikipedia)
Heikel finde ich die Empfehlung „zur schnellen Wundheilung“. Gerbstoffe können in der Wundbehandlung nur in ganz bestimmten Situationen eine Rolle spielen, zum Beispiel bei nässenden Wunden (Reinigungsphase) als Eichenrindenumschlag oder Eichenrindenbad. In der Granulationsphase der Wundheilung würde ich aber Gerbstoff-Anwendungen nicht empfehlen. Gerbstoffe können das Gewebe austrocknen und in der Granulationsphase muss die Wunde feucht bleiben.
Zu den wichtigsten Eigenschaften der Gerbstoffe
„Zusammenziehend, schmerzlindernd, stopfend bei Durchfall, blutstillend, sekretionshemmend, schleimhautschützend, keimhemmend, bakterizid, fungizid, entzündungshemmend, austrocknend, Gegengift bei Schwermetall- oder Alkaloidvergiftung“
(Quelle: Wikipedia)
Manche Gerbstoffe wirken auch gut lokal gegen Viren, zum Beispiel die Lamiaceen-Gerbstoffe aus der Melisse gegen Herpesviren (Fieberbläschen).
Nebenwirkungen der Gerbstoffe
„Bei Langzeitanwendung können Leberschäden entstehen. Bei zu hohen Dosen kann es zu Magenschleimhautentzündung oder Brechreiz kommen. Gerbstoffe vermindern die Resorption basischer Arzneimittel sowie mancher Mineralstoffe wie Eisen. Nicht bei Verstopfung, trockenen Ekzemen oder trockenen Schleimhäuten anwenden. Nicht länger als 5–10 Minuten köcheln. Es empfiehlt sich für die innere Anwendung, sie mit Schleimstoffen zu kombinieren.“
(Quelle: Wikipdedia)
Eine Heilpflanze, in der Gerbstoffe und Schleimstoffe schon kombiniert vorliegen, ist Malva silvestris / Malva neglecta, verwendet als Malvenblätter ( = Chäslichrut) zum Beispiel bei Mundschleimhautentzündung, zur Wundheilung und bei Furunkeln. Allerdings enthalten die Malvenblätter sowohl Gerbstoffe als auch Schleimstoffe eher in tiefer Konzentration.
Es gibt tatsächlich einzelne Berichte von Leberschäden durch Gerbstoffpflanzen bei sehr hohen Dosierungen über lange Zeit, zum Beispiel bei exzessivem Konsum von Schwarztee. Aber normalerweise werden Gerbstoffe ja nicht in relevanten Mengen resorbiert.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Freitag, März 9th, 2012
Sie sollen verkalkte Adern freiputzen und das Herz nachhaltig stärken. So oder ähnlich werden im Internet Nahrungsergänzungsmittel auf der Basis von „Taigabeeren“ propagiert. Taigabeeren – das tönt nach Wildnis mit einem Hauch von Exotik. Vor allem Esoterikerinnen und Esoteriker fliegen auf dieses Image und stellen sowieso kaum je kritische Fragen, wenn es um Naturheilmittel geht. Sie sind ja so froh um alles, was nicht „chemisch“ ist und aus dem uralten Wissen von Naturvölkern stammt. Damit hat man sie schon in der Tasche – eine einträglichere Kundschaft gibt es wahrlich nicht……
Verblüffend nur, dass die Taigabeeren (auch: Essigbeeren) von der Gemeinen Berberitze (Berberis vulgaris) stammen, dem Sauerdorn. Und dieser Strauch kommt ja bei uns häufig vor. Wie der Name schon sagt, sind die Berberitzenfrüchte sehr sauer. Konfitüre hat man aus den Berberitzenfrüchten schon seit langem hergestellt.
Berberitze enthält das giftige Alkaloid Berberin, die reifen Früchte sind aber fast alkaloidfrei.
Zur Verwendung schreibt Wikipedia:
„Die roten Früchte der Berberitze sind weitgehend frei von Berberin und Berbamin und daher essbar. Sie sind sehr vitaminreich und schmecken säuerlich. Traditionell werden sie in Europa zur Konfitürenbereitung genutzt. Getrocknet werden sie wie Rosinen z. B. in Müsli gegessen. Die Beeren der Berberitze werden in orientalischen Ländern, vor allem im Iran zum Kochen verwendet. Dort werden sie vor allem zum süß-sauren Würzen von Reis (z. B. Sereschk Polo „Berberitzenreis“), aber auch von Fisch und Braten verwendet. Allein in der Region Chorasan, dem Zentrum des Anbaugebietes im Nordosten des Iran, werden pro Jahr etwa 4.500 Tonnen Früchte geerntet.“
Das ist ja sehr verwirrend: Die Taigabeere ist sowohl exotisch (Taiga, Iran) als auch einheimisch (Riehen, Trin, Feldis….). Ein einheimischer Exot sozusagen.
Also: Die nächste Gelegenheit, um der wunderbaren Taigabeeren-Pflanze in der Natur in ihrem kraftvollen Lebensraum zu begegnen, ist meine Frühlingsexkursion in die Rheinschlucht. Dort wimmelt es nämlich von Taigabeeren-Pflanzen (äh: Berberitzen).
P.S.: Der leichte Hauch von Eso-Bissigkeit, der in diesem Beitrag aufschimmert, stammt daher, dass meiner Erfahrung nach sehr viele Esoterikerinnen und Esoteriker zwar kritiklos auf Heilmitteln oder Heilmethoden abfahren, die als natürlich propagiert werden, dass sie aber mit der konkreten, gewöhnlichen Natur, selbst wenn sie mitten in der Natur stehen, kaum Kontakt haben, weil sie nur mit ihren esoterisch aufgeladenen Vorstellungen von der Natur in Kontakt sind (sorry für diesen Bandwurmsatz…).
Und so kommt es eben, dass man auf die wundersame Taigabeere fliegt und sie teuer im Internetshop kauft, aber an der banalen Berberitzenbeere vielleicht täglich achtlos vorbei geht……
Teure Placebos waren übrigens schon immer wirksamer als billige Placebos.
Siehe:
Überraschender Placebo-Erfolg bei der Schmerztherapie
Und zum Schluss: Im Expertenrat der „Pharmazeutischen Zeitung“ hat vor kurzem Prof. Theo Dingermann Stellung genommen zur Frage, ob Taigabeeren wirksam seien zur Arteriosklerose-Prophylaxe:
„Ich würde dringend von dem Einsatz von Taigabeeren, in welcher Zubereitung auch immer, als Mittel gegen Arteriosklerose abraten. Für diesen Einsatz gibt es keinerlei Evidenz. Es handelt sich hier um eine Modeerscheinung, die durch alle möglichen Blogs und Medien geistert.
Taigabeeren sind die Früchte von Berberis vulgaris. Das ist, wie Sie wissen, eine Alkaloid-Pflanze mit einem beachtlichen Vergiftungspotenzial. Zwar sind die Früchte fast alkaloidfrei und können daher verzehrt werden (man soll eine sehr schmackhafte Marmelade daraus machen können), aber das bedeutet auch, dass ihnen das eigentliche pharmakodynamische Prinzip (das hier allerdings im Wesentlichen ein toxikologisches Prinzip ist) fehlt. Vielleicht ist es das, was «reizt»: ein akzeptabel ungiftiger Pflanzenteil einer Giftpflanze!“
Quelle: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=40502
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Sonntag, März 4th, 2012
In Deutschland gelangen täglich mehrere Tonnen an Arzneimitteln in die Umwelt. Mehrere Forschungsprojekte konnten entsprechende Rückstände in Böden, Gewässern und auch im Trinkwasser nachweisen. Eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zeigt besonders problematische Medikamente auf.
Insgesamt stellte das UBA 156 Arzneimittelwirkstoffe in der Umwelt fest. 24 davon wurden mit hoher Priorität eingestuft, das heisst, dass diese Substanzen besonders schädlich für Umweltorganismen sind. Allein die Hälfte der mit hoher Priorität gelisteten Arzneimittel sind Antibiotika, darunter auch Sulfamethoxazol. Sowohl in Oberflächengewässern, als auch im Grund- und Trinkwasser waren Konzentrationen von 0,1 bis 1 Mikrogramm pro Liter des Sulfonamids nachgewiesen worden. Zudem wurden die Makrolide Clarithromycin und Erythromycin sowie die Tetracycline Doxycyclin und Oxytetracyclin gefunden.
Messungen zeigten, dass auch verschreibungsfreie Analgetika in hohen Konzentration in die Umwelt gelangen. Neben Paracetamol wurden auch Naproxen und Diclofenac in Oberflächengewässern und im Grundwasser entdeckt. Ihre Konzentration bewegte sich im Bereich von einem Mikrogramm pro Liter. Für Diclofenac ist schon bekannt, dass es Nierenschäden bei Fischen auslösen kann. Weitere Medikamente mit einem hohen ökotoxikologischen Wirkpotenzial sind Metoprolol, Cabamazepin, Primidon und die Estrogene Norethisteron, Ethinylestradiol und Estradiol.
Vorkommen und Folgen von Medikamenten in der Umwelt werden nach Ansicht des UBA unterschätzt. Laut UBA wird die Konzentration von Humanarzneimitteln in der Umwelt aufgrund des demographischen Wandels noch weiter ansteigen. Deshalb will die EU die EG-Wasserrahmenrichtlinie um weitere umwelttoxische Substanzen erweitern.
Wie sich diese problematischen Stoffe auf die Umwelt auswirken, wird bislang nicht systematisch untersucht. Das UBA verlangt deshalb ein zulassungsbegleitendes Umweltmonitoring. Die Vorsorge beim Umgang mit Arzneimittelrückständen müsse verbessert werden, denn diese Stoffe könnten problematisch für die Umwelt sein, forderte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Eine bessere Überwachung soll helfen, Belastungsschwerpunkte und ökologische Folgen von Arzneimitteln zu erkennen und die medizinische Versorgung umweltverträglicher zu gestalten.
Quelle:
http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/wissenschaft/tonnenweise-arzneimittel-im-abwasser
Kommentar & Ergänzung:
Ich bin kein fundamentalistischer Gegner synthetischer Medikamente. In vielen Fällen sind sie die beste Option und manchmal retten sie Leben.
Aber die zunehmenden Arzneimittelrückstände in der Umwelt sind besorgniserregend und verlangen Wachsamkeit.
Bei der Entwicklung von Medikamenten wird oft speziell Wert auf eine lange Haltbarkeit gelegt. Dies gewährleistet, dass das Medikament nicht abgebaut wird, bevor es seine Wirkung entfalten kann. Viele Pillen sind zum Beispiel so konstruiert, dass sie die Magensäure unbeschadet überstehen und erst im Darm ihren Wirkstoff freisetzen.
Als Folge davon sind viele Arzneien sehr stabil und werden größtenteils unverändert wieder ausgeschieden. Und in der Natur sind solche Moleküle schwer abbaubar.
Mit Natursubstanzen, wie sie in Heilpflanzen-Präparaten vorkommen, kann die Natur besser umgehen. Das spricht meines Erachtens dafür, wo immer möglich auf Phytopharmaka zu setzen.
Siehe auch:
Natur als Medikamenten-Deponie
Entzündungshemmer Diclofenac mit ökologischen Nebenwirkungen
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