Artikel mit Schlagwort ‘Natur’

Blick ins Pflanzenlexikon: Wolfsmilch

Montag, Mai 21st, 2012

Wolfsmilch (Euphorbia) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae).

Weltweit betrachtet ist die Mehrheit der krautigen Euphorbia-Arten ist in den gemäßigten bis tropischen Zonen verbreitet. Strauchige, baumförmige und sukkulente Arten sind dagegen fast ausschließlich in den Tropen und Subtropen beheimatet.

Bei uns ist wohl am häufigsten anzutreffen die Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias). Foto auf Wikipedia.

Als Frassschutz und Wundverschluss enthalten Euphorbia-Arten  einen weissen  Milchsaft, der unter Druck steht und schon bei kleinsten Verletzungen austritt. Bei Luftkontakt gerinnt er innerhalb weniger Minuten.

Unter den Inhaltsstoffen des Milchsaftes befinden sich eine Vielzahl von Diterpenestern und Triterpenestern. Sie machen den Milchsaft je nach Art gering bis sehr stark ätzend und hautreizend und können insbesondere an den Schleimhäuten (Augen, Nase, Mund) Entzündungen hervorrufen, die stärkste Schmerzen verursachen. Im Umgang mit Wolfsmilch-Arten ist deshalb erhöhte Vorsicht geboten. Auf die Haut gelangter Milchsaft sollte sofort und gründlich abgewaschen werden.

Der Milchsaft darf nicht mit dem Auge in Berührung kommen! Er ist daraus nur schwer zu entfernen und kann Bindehautentzündung und Hornhautentzündung verursachen.

Kleinkinder und Haustiere sollten grundsätzlich keinen Kontakt zu Euphorbia-Arten bekommen.

Einige Wolfsmilch-Arten sind beliebte Zierpflanzen. Am bekanntesten sind Christusdorn (Euphorbia milii) und  Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima).

Die Blüten der Zypressen-Wolfsmilch werden gerne besucht von Honigbienen, Wildbienen, Fliegen, Schwebfliegen und Blattkäfern. Das Blatt bietet Nahrung für die Raupen von Wolfsmilchschwärmer, Graue Moderholzeule, Ampfereule, Wolfsmilchwanze, Erdwanze.

Ingenol, ein Wirkstoff aus der Garten-Wolfsmilch Euphorbia peplus, ist Gegenstand von Forschungen zur Behandlung von aktinischer Keratose. Siehe:

Wirkstoff aus Gerten-Wolfsmilch gegen aktinische Keratose getestet

Wenn Sie Pflanzen und Tiere in der Natur kennen lernen möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilkräuterexkursionen und Naturseminare.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Was blüht gerade? – Ährige Teufelskralle

Sonntag, Mai 13th, 2012

In Wäldern und Hochstaudenfluren blüht zur Zeit die Ährige Teufelskralle ( = Ährige Rapunzel, Phyteuma spicatum).

Foto auf Wikipedia

Die Pflanze ist unverwechselbar. Ihre Blüten werden gerne von Schwebfliegen bestäubt. In den Bergen gibt es mehrere blaue Teufelskrallenarten.

Die Phyteuma-Arten gehören zur Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae).

In der Pflanzenheilkunde hat die Ährige Teufelskralle heute keine Bedeutung.

Die Blätter eignen sich aber gut als Wildgemüse („Waldspinat“). Ebenso ist der Wurzelstock essbar und die Blütenknospen.

Die jungen Triebe und Blätter werden von April bis Mai als Brotbelag, zu Salaten oder Gemüsegerichten genutzt. Die Blüten von Mai bis Juni für Wildsalate und Gemüsegerichte. Phyteuma-Wurzeln von September bis in den Winter für Gemüsegerichte. Die noch geschlossenen Blütentriebe nutzt man im Mai zu Spargelgemüse.

Der Name Teufelskralle kommt von den krallenförmig gebogenen Einzelblüten bzw. Griffel. Unsere einheimische Ährige Teufelskralle hat nichts zu tun mit der Teufelskralle Harpagophytum procumbens, die in Südafrika und Namibia in der Wüste wächst und in der Phytotherapie als Heilpflanzen-Präparat bei Arthrose eingesetzt wird.

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Blick ins Pflanzenlexikon: Schafgarben

Sonntag, April 22nd, 2012

Die Schafgarben (Achillea) sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Ihr botanischer Name Achillea leitet sich von dem griechischen Helden Achilles ab, von welchem behauptet wird, dass er mit dieser Pflanze Wunden behandelt habe. Pflanzenarten aus der Gattung „Schafgarben“ finden als Heilpflanzen Verwendung. In China wurden Schafgarbenstängel zu Orakelzwecken verwendet, um Hexagramme zu bestimmen (I Ging).

Die Gattung Schafgarbe umfasst etwa 115 – 200 Arten. In der Schweiz sind es 9 Arten.

Wichtige Beispiele:

Gemeine Schafgarbe (= Gewöhnliche Schafgarbe, Achillea millefolium)

Achillea millefolium ist diejenige Schafgarbenart, die bei uns als Heilpflanze verwendet wird (Foto auf Wikipedia)

Nimmt man es botanisch genauer, kann man noch 6 Kleinarten unterscheiden, die sich auch im Wirkstoffgehalt unterscheiden können.

Schafgarbenkraut enthält Sesquiterpenlacone (Bitterstoffe), ätherisches Öl (je nach Kleinart mit Proazulenen, wie sie auch im Kamillenöl vorkommen) und Flavonoide.

Schafgarbe ist ein pflanzliches Bittermittel, das hauptsächlich innerlich bei Appetitlosigkeit und Verdauungsstörungen angewendet wird, vor allem als Schafgarbentee oder Schafgarbentinktur.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde wird Schafgarbentee auch angewendet bei Menstruationskrämpfen (Dysmenorrhoe).

Mit den Schafgarbenblättern lässt sich Wolle gelb oder braun färben. Junge Blätter sind als Wildsalat oder Wildgemüse verwendbar.

In früheren Zeiten dienten Schafgarbenblätter ausserdem als Ersatz für Muskat, Zimt, Tabak oder sogar Hopfen.

Schafgarbe ist für Wildpflanzengärten geeignet. Sie ist für Insekten bis in den Herbst hinein eine gute Nahrungsquelle.

Grossblättrige Schafgarbe (Achillea macrophylla)

Die Großblättrige Schafgarbe wächst in sickerfrischen Hochstaudenfluren und Gebüschen der subalpinen Stufe. Die Art ist nährstoffanspruchsvoll und meidet Kalkböden.

Schwarzrandige Schafgarbe ( = Hallers Schafgarbe, Achillea atrata)

Die Schwarzrandige Schafgarbe gehört zu den Alpenblumen und wächst auf Kalk.

Moschus-Schafgarbe (Achillea erba-rotta)

Sie bevorzugt steinige, saure Böden zwischen 1500 und 3400 m ü.M. Moschus-Schafgarbe enthält Bitterstoffe wie Ivain, Moschatin, Achillein, Harzsäure und das stark aromatische, pfefferminzähnliche Ivaöl.

In der Volksheilkunde der Bergregionen wird die Pflanze bei Appetitlosigkeit, Erkrankungen von Magen, Darm und Leber, bei Nervenschwäche und äußerlich als Wundmittel verwendet. „Iva“, der romanische Volksname der Moschus-Schafgarbe, leitet sich vom lat. abigere = abtreiben her und deutet auf eine Verwendung als Abortivum (Abtreibungsmittel). In der Schweiz wird daraus seit über 100 Jahren ein Alpen-Kräuterlikör, der sogenannte „Ivabitter“ oder Iva-Schnaps hergestellt.

Sumpf-Schafgarbe (Bertram-Schafgarbe, Achillea ptarmica)

Sie wächst auf feuchten Wiesen, an Gräben und Ufern.

Eine gefüllte Form mit weissen Blüten ist in manchen Gegenden charakteristisch für alte Bauerngärten.

Gelbe Schafgarbe (Achillea tomentosa)

Sie wächst auf Trockenrasen und in Felsensteppen (z. B. Lötschberg Südrampe).

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Botanica – Woche der Botanischen Gärten der Schweiz – 16. – 24. Juni 2012

Sonntag, April 22nd, 2012

23 Botanische Gärten aus allen Regionen der Schweiz laden vom 16. bis 24. Juni 2012 zum sechsten Mal ein zur Botanica – der Woche der Botanischen Gärten.

Sie umfasst mehr als hundert Veranstaltungen der verschiedensten Art: Workshops, Begegnungen mit Gärtnern und Botanikern, Führungen, Brunchs, Konzerte, Pflanzenmärkte, nächtliche Führungen, Kurse, Vorträge.

Die Botanica 2012 steht unter dem Motto «Zurück zur Natur». Dieses Thema verstehen die Veranstalter als Hommage an Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) anlässlich seines 300. Geburtstags:

„Der Philosoph Jean-Jacques Rousseau und die botanischen Gärten der Schweiz haben eines gemeinsam: eine grosse Liebe zur Botanik. Mit BOTANICA möchten die Gärten diese Liebe zur Natur mit dem Publikum teilen und Ihnen zeigen, dass ein «zurück zur Natur» ganz einfach ist. Besuchen Sie uns also – vielleicht barfuss, mit einem Lächeln!“

Quelle und weitere Infos: http://www.botanica-week.org/page.php?p=accueil

Die Veranstaltungen finden in fast allen Regionen der Schweiz statt. Auf untenstehender Liste können Sie nachschauen, ob auch ein Botanischer Garten in Ihrer Nähe mitmacht.

Deutschschweiz:

Basel

Bern

Brüglingen

Davos

Freiburg

Grüningen

Schynige Platte

St. Gallen

Wädenswil

Zürich

Westschweiz:

Aubonne

Bourg-Saint-Pierre

Champex-Lac

Freiburg

Genf

Lausanne

Leysin

Meyrin

Neuenburg

Pont de Nant

Porrentruy

Prangins

Tessin:

Isole di Brissago

Kommentar & Ergänzung:

Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778) war tatsächlich ein grosser Pflanzenfreund. Je schwieriger seine Beziehungen zu Menschen wurden, desto intensiver widmete er sich seinen botanischen Studien. Den ihm oft zugeschriebenen Ausspruch „Zurück zur Natur“ findet man so allerdings nicht in seinen Schriften.

„Natur“ ist bei Rousseau jedoch klar ein positiver Bezugspunkt:

„Lernen wir, zwischen uns und ihr zu verweilen und uns von der Müssigkeit und von der Langeweile zu heilen. Verschaffen wir uns leichte, unschuldige und liebenswerte Vergnügungen, die uns davon abhalten, verderbliche, verbrecherische und unsinnige zu suchen. Das Studium der Pflanzen reinigt mir die Seele. Das ist mir genug, ich will gar keine andere Arznei.“

(Zitat aus: Fragmente zur Botanik)

Schön gesagt, Monsieur Rousseau.

Im Einklang mit Jean-Jacques Rousseau kann ich daher nur raten:

Wenn Sie sich von verderblichen, verbrecherischen und unsinnigen Vergnügungen abhalten wollen, dann kommen Sie doch einfach mit auf meine Pflanzenexkursionen……Und als Zugabe reinigt das Pflanzenstudium auch noch die Seele. Was will man mehr.

Ich würde natürlich niemals wagen, meine Pflanzenexkursionen mit so grossen Versprechungen anzupreisen. Aber wenn Meister Rousseau das sagt, dann bitte:

Die Daten und Orte finden Sie hier.

Im Ernst: Ein guter Naturkontakt kann durchaus eine Quelle für Lebensqualität sein und eine Ressource für unsere physische und psychische Gesundheit.

Zu Rousseau wäre allerdings noch anzumerken, dass er, wenn er von „Natur“ spricht, meistens die menschliche Natur meint, den Naturzustand des Menschen.

Darum ist es irreführend, wenn der ihm untergeschobene Ausspruch „Zurück zur Natur“ nur im Sinne einer Rückkehr zu Ökologie, Umweltschutz und Naturschutz verwendet wird.

Und ein Programm zur Rückkehr zum Naturzustand des Menschen wäre eine ziemlich schwierige Angelegenheit, weil nur schon geklärt werden müsste, was mit der Natur des Menschen genau gemeint ist.

Wenn auf der „Botanica“-Website erwähnt wird, dass ein „Zurück zur Natur“ ganz einfach sei, dann mag das vielleicht stimmen, wenn damit der Besuch in einem Botanischen Garten gemeint ist. Das ist natürlich ganz einfach und empfehlenswert.

Nimmt man die Forderung „Zurück zur Natur“ aber umfassender ernst in dem Sinne, wie Rousseau es gemeint haben könnte, dann tut sich ein ganzer Katalog von Fragen auf.

Naturphilosophische Fragen sind im Übrigen auch ein Element im Kurs „Naturerlebnis Oberengadin“ vom 13. – 17. August 2012.

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Kümmeltee lindert Magenkrämpfe und Blähungen

Montag, April 16th, 2012

Kümmel kann bei Völlegefühl, Blähungen und Magenkrämpfe Linderung verschaffen. Die kleinen Kümmelfrüchte sollten mit einem Mörser oder dem Rücken eines Esslöffels gequetscht und dann mit heißem Wasser zu einem Tee aufgegossen werden, empfiehlt Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg.

Nur so könne das ätherische Öl aus dem Kümmel in das Teewasser übergehen und seine krampflösende und keimhemmende Wirkung entfalten.

Zur Linderung von Beschwerden bei Säuglingen oder Kleinkindern solle Kümmelöl zu zehn Prozent mit Olivenöl vermischt und vorsichtig in die Bauchhaut um den Nabel eingerieben werden, rät der Experte. Nebenwirkungen sind gemäss Mayer bei Kümmel nicht bekannt. Er empfiehlt zudem, immer genügend Zeit für eine Mahlzeit einzuplanen und das Essen langsam und gründlich zu kauen. Grob zerkleinerte Speisen würden schwerer verdaut, Gase könnten sich entwickeln und den Bauch aufblähen. Ursache für Magen-Darm-Beschwerden ohne organische Erkrankung seien häufig auch mangelnde Bewegung und schweres Essen.

Quelle:

http://www.infranken.de/nachrichten/ratgeber/Kuemmel-hilft-bei-Magenkraempfen-und-Blaehungen;art186,242568

Kommentar & Ergänzung:

Kümmelfrüchte kann man bei Völlegefühl nach den Mahlzeiten auch direkt kauen und schlucken. Ähnlich wie Kümmel wirken Fenchelfrüchte, Dillfrüchte und Anisfrüchte, aber auch Korianderfrüchte und Kardamomenfrüchte.

Kümmel ist wohl den meisten Menschen in Mitteleuropa als Gewürz bekannt. Dass man Kümmel als einheimische Heilpflanze vor allem in den Voralpen und Alpen auf Wiesen und Weiden oft in grosser Zahl antreffen kann, wissen aber längst nicht alle.

Falls Sie also die Kümmelpflanze in der Natur kennen lernen möchten, können Sie das gerne auf einer meiner Kräuterwanderungen (Termine und Orte hier). Kümmel ist da nicht gerade immer, aber sehr häufig anzutreffen.

Fenchel, Anis, Dill, Koriander und Kardamom sind dagegen keine einheimischen Wildpflanzen.

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Ungesunde TCM-Kräuter

Montag, April 16th, 2012

Zwei Studien zeigen Risiken bei manchen Heilpflanzen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

Krebserkrankungen des Harntrakts kommen in Taiwan ungewöhnlich oft vor. Eine neue Studie kommt zu Schluss, dass höchstwahrscheinlich Pflanzenzubereitungen aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) bei zahlreichen Betroffenen die Tumoren ausgelöst haben dürften.

Ein internationales Forscherteam um Chung-Hsin Chen vom National Taiwan University Hospital in Taipeh hat mithilfe von Genanalysen 151 Krebserkrankungen der oberen Harnwege untersucht. Eine besondere Gensignatur ist charakteristisch für Tumoren, die unter der Einwirkung von sogenannter Aristolochiasäure entstanden sind. Diese Signatur entdeckten die Forscher bei 60 Prozent der Fälle.

In der Fachzeitschrift PNAS berichten die Wissenschaftler, dass zwischen 1997 und 2003 ein Drittel der taiwanischen Bevölkerung Aristolochia-Präparate einnahm. Sie basieren auf der sogenannten Gewöhnlichen Osterluzei (Aristolochia clematitis) und verwandten Pflanzen, die  in der TCM über lange Zeit als Heilmittel galten.

Dass zahlreiche Taiwanesen durch Aristolochia-Präparate an Harnwegstumoren erkrankten, erkläre auch, weshalb sich die Verteilung dieser Krebsformen dort von der in anderen Staaten unterscheide, meinen die Wissenschaftler. Bei 35 Prozent der Patienten in Taiwan entwickeeln sich die Tumore nicht in der Blase, sondern in Harnleiter oder Nierenbecken. Weltweit sei dies bei weniger als zehn Prozent der Patienten der Fall. Auch erkrankten Frauen in Taiwan überdurchschnittlich häufig an diesen Tumorformen – und sie bekamen auch häufiger Aristolochia-Präparate verordnet als Männer.

Aristolochiasäure schädigt auch die Nieren, was im schlimmsten Fall zu Nierenversagen führen kann. In Belgien erkrankten in den neunziger Jahren mehrere Frauen an Nierenversagen, die die Präparate im Rahmen von Diätkuren eingenommen hatten.

Hierzulande sind Präparate, die Aristolochia-Säure enthalten, bereits länger untersagt. Auch in China und Taiwan wurden sie m Jahr 2003 verboten.

Während also das  Problem mit den Aristolochia-Präparate mittlerweile auch in China vom Tisch ist, geben andere TCM-Präparate, die weiterhin im Handel sind und nun von australischen Wissenschaftlern untersucht wurden, Anlass zu berechtigter Sorge. Die Forscher fanden in den vom Zoll beschlagnahmten Präparaten Extrakte von total 68 verschiedenen Pflanzenfamilien, und einige davon sind alles andere als risikolos.

Einige der Mixturen enthielten beispielsweise Pflanzenbestandteile der Gattung Ephedra (Meerträubel) und Asarum (Haselwurz), die bei falscher Dosierung toxisch sind. In den Packungsbeilagen fehlte der Hinweis auf diese heiklen Inhaltsstoffe und die potenzielle Gefährlichkeit.

In ihrem Artikel im Fachplan PLoS Genetics weisen die australischen Wissenschaftler jedoch noch auf ein weiteres Problem hin: In einigen der analysierten TCM-Proben fanden sie Spuren von Tieren, die gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht sind, wie der Kragenbär oder die asiatische Huftierart Saiga.

Quelle:

http://derstandard.at/1334132463824/Giftig-und-krebserregend-Ungesunde-TCM-Inhaltsstoffe

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,826636,00.html

http://www.pnas.org/content/early/2012/04/03/1119920109

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Beispiel zeigt, dass Tradition nicht immer Recht hat. In diesem Sinn kann man auch für die westliche Pflanzenheilkunde viel daraus lernen.

Siehe:

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

Erfahrung allein zeigt Irrtümer und Risiken nur sehr unzulänglich.

Siehe:

Naturheilkunde: Vom sorgfältigen Umgang mit Erfahrung

Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung

Naturheilkunde: Erfahrung genügt nicht als Begründung

Daher reicht es nicht zu sagen, diese Heilpflanze ist seit Tausenden von Jahren im Gebrauch, ergo ist sie wirksam und harmlos.

Manche Zusammenhänge sieht man erst, wenn man systematisch danach sucht. Dem sagt man dann Wissenschaft.

Aus diesem Grund verknüpft eine seriöse Phytotherapie die Erfahrungen traditioneller Pflanzenheilkunde mit den Erkenntnissen moderner Arzneipflanzenforschung.

Diese Kombination ist unverzichtbar zum Schutz von Patientinnen und Patienten.

Leider ist der Begriff „Phytotherapie“ nicht geschützt und deshalb laufen unter diesem Begriff inzwischen auch Vorstellungen mit, welche die wissenschaftliche Überprüfung der Wirksamkeit und Sicherheit  von Heilpflanzen-Präparaten ablehnen, und sich statt dessen lieber an ihren eigenen Überzeugungen von der ausschliesslich heilenden und sanften Natur festhalten. Das ist meines Erachtens aber eine zu einseitige und riskante Betrachtungsweise.

Eine fundierte, seriöse Phytotherapie verbindet Tradition und Wissenschaft. Sie verlässt sich nicht einfach auf die Fantasien irgendeines Kräutergurus (wie heisst eigentlich die weibliche Form von Guru? Guresse?).

Das Beispiel mit den ungesunden TCM-Kräutern zeigt auch, wie wichtig eine staatliche Kontrolle des Heilmittelmarktes ist. Vor ein paar Monaten gab es einen Wirbel im Internet über ein angebliches Verbot der Heilpflanzen durch die EU, dabei ging es nur um ein Registrierungsverfahren für pflanzliche Arzneimittel.

Dazu ein Zitat von Reinhold Rathscheck:

„Der Nachweis der Wirksamkeit ist von jedem neuen Mittel zu fordern, das den Anspruch erhebt, ein Arzneimittel zu sein. Hiervon wird man nicht die Mittel ausnehmen dürfen, deren Unschädlichkeit  zwar keineswegs bezweifelt wird, deren Wirkung aber einzig und allein auf dem Glauben beruht. Sonst müsste auch ein Placebo, ein Scheinarzneimittel, das keinen arzneilich wirksamen Stoff enthält, beim Bundesgesundheitsamt registrierbar sein, fehlen ihm doch toxische Effekte mit Sicherheit, wogegen psychische Wirkungen durchaus nachweisbar sein können.

Hier trägt der Staat eine Mitverantwortung: Ein Staat, der einerseits mit Recht Arzneimittelsicherheit fordert, hat seine Bürger andererseits vor Arzneimitteln zu schützen, die keine sind. Er hat kranke Menschen davor zu bewahren, dass Gutgläubigkeit oder Verzweiflung dank staatlicher Mithilfe ummünzbar werden in Profit, ohne dass eine wirkliche Aussicht auf Heilerfolg besteht.“

(aus: Konfliktstoff Arzneimittel, Suhrkamp 1974)

Klar ist aber auch, dass solche Registrierungsverfahren und Kontrollen verhältnismässig sein müssen und dass Entscheide der Arzneimittelbehörden aus fachlicher Sicht auch kritisiert werden dürfen und sollen (z. B. im Fall Kava-Kava)

Das Aristolochiasäure-Problem scheint zumindestens in Europa durch das Verbot entsprechender Bestandteile in Arzneimittel unter Kontrolle zu sein. Bei TCM-Kräutern, die unkontrolliert im Internet gehandelt werden, wäre ich da nicht so sicher.

Und zudem sind die generellen Qualitätsprobleme bei TCM-Kräutern nicht vom Tisch. Anbaubedingungen und Verarbeitungsbedingungen sind oft alles andere als einfach zu kontrollieren. Und ob in den entsprechenden Kräutermischungen auch drin ist, was drauf steht, bleibt oft fraglich – sofern überhaupt etwas draufsteht.

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Zitat von Juli Zeh zum Thema “Zurück zur Natur”

Sonntag, April 15th, 2012

Der Tages-Anzeiger publizierte ein Gespräch mit der Schriftstellerin Juli Zeh. Eine interessante Passage dreht sich um das Thema „Zurück zur Natur“.

Frage Tages-Anzeiger:

„Der Trend zurück zur Natur äussert sich auch in einer gesteigerten Impf-Skepsis – und zwar vor allem bei gut ausgebildeten Eltern.“

Antwort Juli Zeh:

„Das ist komplett reaktionär. Und ganz simpel gesagt, ist dieses übersteigerte Natur-Denken auch rechts. Konsequent müsste man doch sagen: Wenn die Natur immer recht hat, ist Selektion ein angemessenes Mittel, über die Lebenstauglichkeit zu befinden. Der äussere Rand der Öko-Bewegung ist rechts, obschon sich diese Leute politisch nach wie vor dem linken Spektrum zuordnen und sich als sehr fortschrittlich begreifen. Ich empfinde die neue Natur-Hörigkeit oft als degeneriert und dekadent und undankbar. Man muss ja nur ein Buch über die Pest lesen oder über die Zustände, die herrschten, bevor es Penicillin gab, dann kann man sich noch mal fragen, ob die Natur wirklich alles so toll eingerichtet hat. Ich kämpfe zwar gegen überbordende Gesundheitssysteme, aber auch hier geht es wieder darum, dass andere zu wissen meinen, was gut für mich sei. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich hab nichts dagegen, wenn jemand persönlich nicht impft. Was mich an diesem ganzen Thema stört, ist, dass es so religiös daherkommt, so missionarisch.“

Quelle:

http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Es-gibt-nichts-Teureres-als-ein-langes-Leben/story/10144823

Kommentar:

Zum Thema „Impfungen“: Ich finde eine kritische Haltung gegenüber Impfempfehlungen durchaus angebracht (genauso wie auch in allen anderen Bereichen kritisches Nachhaken nötig ist). Eine kritische Haltung sollte sich aber auf Argumente stützen. Und an diesem Punkt teile ich die Kritik von Juli Zeh voll und ganz. Es gibt eine missionarisch gefärbte Impfgegner-Szene, die sich nicht auf Argumente, sondern auf Verschwörungstheorien stützt. Das führt manchmal zu sehr drastischen Aussagen wie „Jede Impfung ist eine Kindsmisshandlung“.

Solche fundamentalistischen Positionen sind meines Erachtens ziemlich bescheuert, borniert und ignorant.

Zum Thema „Natur-Hörigkeit“:

Obwohl (oder vielleicht gerade weil) ich ein leidenschaftlicher Naturliebhaber bin, teile ich die Kritik von Juli Zeh hier voll und ganz.

Es gibt heute eine Idealisierung der Natur, die nur möglich ist aus grosser Naturferne.

Als Städter kann man die Natur in den Bergen leicht romantisch verklären. Ein Bergbauer, der das ganze Jahr auch mit Naturgefahren lebt, sich täglich mit  „Natur“ auseinandersetzt und ihr den Lebensunterhalt abringen muss, sieht das wohl etwas anders.

“Wer eins mit der Natur werden will, beginnt damit am besten während einer Naturkatastrophe.”

Bertrand Russel  (Brit. Philosoph u. Mathematiker, 1872 – 1970)

Die Idealisierung der Natur schlägt sich auch nieder im Bereich Komplementärmedizin / Naturheilkunde, nämlich dort, wo der „Natur“ (was ist da genau gemeint?) die Heilung jeder Krankheit zugetraut wird.

Das zeigt sich zum Beispiel in Aussagen wie:

„Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen“

Siehe dazu:

Ist wirklich gegen jedes Übel ein Kraut gewachsen?

Pflanzenheilkunde: Ist gegen jede Krankheit ein Kraut gewachsen?

Fragwürdig sind auch Aussagen wie: Die Natur hat immer Recht (Maurice Mességué). Recht haben oder Unrecht haben – das sind menschliche Kategorien, die auf die Natur nicht so einfach angewendet werden können. Und zudem müsste man entgegnen, dass ein Tumor oder ein Malariaerreger auch Natur sind und dann genauso Recht hätten, wenn sie den Menschen umbringen.

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Naturkunde: Was blüht gerade? – Knoblauchhederich / Knoblauchrauke

Samstag, April 7th, 2012

Die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), auch Knoblauchskraut, Lauchkraut, Knoblauchhederich genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Sie ist in Europa weit verbreitet. Die deutschen Namen beziehen sich auf den Knoblauchduft, der beim Zerreiben der Blätter entsteht.

Knoblauchrauke ist eigentlich eine Pflanzenart der Laubwälder, gedeiht jedoch besonders gut in Gebüschen und Hecken sowie an Mauern und Wegrainen, in Gärten und auf Schuttplätzen (Ruderalstellen). Sie befindet sich dort oft in der Gesellschaft von Brennnesseln. Wie die Brennnessel schätzt der Knoblauchhederich frische, stickstoffreiche Lehmböden. Heute ist die Pflanze häufig auch in schattigen Parkanlagen und in Gehölzen im städtischen Raum zu finden.

Foto bei Wikipedia

Knoblauchhederich ist ein Frühblüher (April), doch dauert die Blühzeit bis in den Juli.

Der Knoblauchhederich bietet den Nektar, der sich an der Basis der Blüte sammelt, frei zugänglich an. Dadurch kommen neben Bienen auch die kurzrüssligen Fliegen und Schwebfliegen zum Nektar. Als Bestäuber wirken unter anderem Frühjahrsmücken (Bibio).

Knoblauchhederich als Nahrungsquelle für Schmetterlinge

Der Tagfalter Waldbrettspiel (Pararge aegeria) saugt gern am Nektar des Knoblauchhederichs. Er dient auch dem Aurorafalter (Anthocharis cardamines) als Nektarpflanze und zugleich neben dem Wiesenschaumkraut dessen Raupen als Futterpflanze. Als Futterpflanze nutzt  außerdem der stark gefährdete Mehlfarbene Raukenspanner (Lithostege farinata) den Knoblauchhederich. Die Raupen der Achateule (Phlogophora meticulosa) und des Grünader-Weißlings (Pieris napi)ernährend sich polyphag von der Knoblauchsrauke, das heisst, sie fressen noch viele andere Pflanzen.  Oligophag sind die Raupen des Kreuzblütler-Blattspanners (Xanthorhoe designata) und Gemeinen Blattspanners(Xanthorhoe fluctuata) auf Knoblauchhederich angewiesen.

Knoblauchrauke – eine alte Heilpflanze

Die Knoblauchrauke enthält Glukosinolate (Senfölglykoside), wie andere Pflanzen aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae), insbesondere Sinigrin und geringe Mengen Glucotropaeolin. Die Wirkung der Pflanze ist bisher nicht gründlich geklärt worden. In der traditionellen Pflanzenheilkunde  wurde sie bei Erkältungskrankheiten sowei bei Rheuma und Gicht angewendet, sowie äusserlich als frisch zerquetschtes Kraut bei schlecht heilenden Wunden und Geschwüren. Senfölglykoside haben breite antimikrobielle Wirkungen.

Knoblauchrauke als Gewürz

Im Mittelalter wurde die Knoblauchsrauke mit ihrem pfeffrig-knoblauchartigen Geschmack hauptsächlich von der ärmeren Bevölkerung genutzt, die sich die teuren Gewürze nicht leisten konnte. Knoblauchrauke wurde im Mittelalter aus diesem Grund sogar in Gärten angebaut. Zum Essen werden die Blätter zwischen April und Juni gesammelt. Beim Kochen verflüchtigt sich jedoch der pfeffrig-knoblauchartige Geschmack. Knoblauchsrauke muss deshalb Speisen in rohem Zustand beigegeben werden. Die Wildkräuterküche hat die Knoblauchsrauke wiederentdeckt und mischt die feingehackten Blätter in Salatsoßen und Quark- oder Frischkäsemischungen. Die geschmacksintensiven Blüten werden verwendet, um salzige Sorbets und Salate zu dekorieren. Auch die Samen können zum Würzen verwendet werden.

In Frankreich wird Knoblauchhederich als Salatpflanze genutzt.

Sie eignet sich für Wildpflanzengärten, breitet sich aber aggressiv aus.

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Löwenzahn entgiftet

Samstag, April 7th, 2012

….schreibt die „Berliner Zeitung“.

Quelle: http://www.bz-berlin.de/ratgeber/ernaehrung/salate-oder-kraeuter-die-vitalstoffbomben-article1417232.html

Sie sagt uns aber leider nicht, um welche Art von Giftstoffen es sich hier handeln soll. Auch bleibt unklar, wie der Löwenzahn denn entscheidet, welche Stoffe als Giftstoffe raus müssen, und welche auf keinen Fall ausgeschieden werden dürfen, weil sie im Organismus eine wichtige Funktion haben. Wie erkennt Löwenzahn „Giftstoffe“? Und wie genau scheidet Löwenzahn „Giftstoffe“ aus? Auf welchem Weg?

Löwenzahn ist fraglos ein gesunder Frühlingssalat und die Vorstellung, dass durch eine Löwenzahnkur all die zwar unbekannten, aber ganz bestimmt bösen Giftstoffe quasi ausgewiesen werden, ist zweifellos beruhigend. Mehr als eine Vorstellung ist es aber nicht.

Ich finde, wir sollten uns angewöhnen, nicht mit leeren Worthülsen zu hantieren und leere Worthülsen auch nicht fraglos hinzunehmen. Sonst werden wir auch in der Politik anfällig für leere Worthülsen und das ist dann tatsächlich „Gift“ für jede offen-demokratische Gesellschaft.

„Entgiftung“ und „entgiftend“  sind – bezogen auf Löwenzahn – solche leeren Worthülsen.

Wenn Sie leeren Worthülsen begegnen – also Ausdrücken, denen ein Inhalt fehlt – dann empfiehlt es sich, immer schön nachzufragen:

Was genau? Wie genau? Wann genau? Wer genau?

Egal ob in der Politik, in der Komplementärmedizin, in der Medizin, im Sport….:

Sich mit leeren Worthülsen bedienen zu lassen ist tendenziell unwürdig, weil Sie als Gegenüber nicht ernst genommen werden.

Löwenzahn ist aber tatsächlich nicht nur ein gesunder Frühlingssalat, sondern auch eine Heilpflanze. Durch seine Bitterstoffe wirkt er verdauungsfördernd, indem er Magensaftproduktion und Gallefluss anregt. Ausserdem wirkt Löwenzahn harntreibend, wahrscheinlich durch den hohen Kaliumgehalt.

Und Löwenzahnhonig ist ganz einfach lecker.

Das will ich noch gesagt haben, damit ich keine Vorwürfe zu hören bekomme, ich mache den Löwenzahn schlecht…..

Im übrigen kann man sich am Löwenzahn freuen, ohne dass man ihn als grossen „Entgiftungskünstler“ inszeniert. Das ist ja doch eine ziemlich menschenbezogene Vorstellung. Wer die Natur hauptsächlich durch die Brille des Nutzens für den Menschen betrachtet – kann man diese Pflanze essen? Wogegen hilft sie? – läuft mit einem ziemlich eingeschränkten Blick umher. Löwenzahnblüten sind im Frühling beispielsweise eine sehr wertvolle und wichtige Nahrungsquelle für Honigbienen und für viele Wildbienenarten. Ob Löwenzahn „entgiftend“ wirkt, dürfte den Honigbienen und Wildbienen ziemlich egal sein.

Siehe dazu:

Naturkunde: Löwenzahn & Wildbienen

Und zum Thema “Entgiftung”:

Entgiften und Entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Naturkunde: Was blüht gerade? – Buschwindröschen

Freitag, April 6th, 2012

Im Wald blüht jetzt das Buschwindröschen (Anemone nemorosa), eine Pflanzenart aus der Gattung der Windröschen (Anemone) in der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae).

Fotos auf Wikipedia hier und hier.

Buschwindröschen ist ein Frühblüher in krautreichen Wäldern und Bergwiesen, vor allem in Buchenwäldern. Mancherorts bedeckt die Pflanze den Waldboden im Frühling fast völlig. Die Pflanze kann sich auch vegetativ vermehren durch Verzweigung des Rhizoms (=Wurzelstock). Nicht selten gehören über 100 Blütentriebe zu einer Buschwindröschen-Pflanze. Das würde man gar nicht vermuten, wenn man die Pflanze einfach von oben sieht.

Buschwindröschen ist in allen Pflanzenteilen gering giftig (Protoanemonin).

Die Pflanze ist auch giftig für Tiere (Pferde, Hunde und Katzen sowie für Nager, wie Hasen und Kaninchen, Meerschweinchen und Hamster).

Alle Hahnenfuß-Arten sollen für Landschildkröten giftig sein.

Protoanemonin (auch Anemonol oder Ranunculol) kommt als Toxin in allen Hahnenfußgewächsen vor.

Die Substanz wird bei Verletzung der Pflanzen freigesetzt und bei Kontakt mit der Haut oder Schleimhaut kommt es zu Vergiftungserscheinungen wie Rötung, Juckreiz oder gar Blasenbildung auf der Haut (Hahnenfußdermatitis). Bei der inneren Aufnahme beeinflusst Protoanemonin das Nervensystem: Es kann zu Erbrechen, Durchfall und Schwindelanfällen kommen, aber auch zu Krämpfen und Lähmungserscheinungen.

Beim Trocknen der Pflanze wird Protoanemonin in das ungiftige Anemonin umgewandelt.

In intensiv durch Erholungssuchende genutzten Waldgebieten sind beim Buschwindröschen Wachstum, Blütenbildung und Samenproduktion vermindert. Die Buschwindröschen reagieren auf die durch Trittbelastung und Bodenverdichtung ausgelöste Stresssituation, indem sie sich fast nur noch über Wurzelbildung vermehren. Diese Umstellung von geschlechtlicher auf ungeschlechtliche Vermehrung kann tiefgreifende Folgen auf das längerfristige Überleben der Buschwindröschen-Bestände in unseren Wäldern haben. Das haben Untersuchungen am Institut für Natur-, Landschafts- und Umweltschutz der Universität Basel gezeigt. Deshalb sollte man nicht wie ein Elefant in Buschwindröschen-Beständen herumtrampeln.

Wenn Sie Pflanzen und Tiere in der Natur kennen lernen möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilkräuterexkursionen und Naturseminare.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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