Artikel mit Schlagwort ‘Natur’
Montag, Januar 16th, 2012
Das schreibt die Boulevardzeitung „Krone“ und rät ihren Leserinnen und Lesern:
„Von wegen Unkraut! Um überschüssigen Kilos den Kampf anzusagen, empfiehlt sich nämlich Brennnessel-Tee. Er enthält Mineralsalze, Kiesel- und Essigsäure sowie Vitamin E und treibt Giftstoffe aus dem Körper. Einen gehäuften Teelöffel Brennnesselblätter (gibt’s in der Apotheke) mit kochendem Wasser übergießen und fünf Minuten ziehen lassen. Drei Mal täglich eine Tasse trinken und schon werden die Kilos purzeln.“
Quelle:
http://www.krone.at/Gesund-Fit/Beauty-Elixier_Tee_So_schoen_machen_Rooibos_und_Co.-Rundum_gepflegt-Story-308056
Kommentar & Ergänzung:
Eine glatte Lüge, dieser Ratschlag mit den purzelnden Kilos. Und Brennnesseltee enthält tatsächlich Essigsäure?
Beeindruckend. Kann ich damit vielleicht auch gleich die Blutgefässe entkalken? 100%ig korrekt ist hingegen, dass Brennnessel Vitamin E enthält – in den Brennnesselsamen. Aber wo kommen wir denn hin, wenn wir solche Unterscheidungen machen. Die Welt ist ja sonst schon komplex genug. Und welche Giftstoffe soll die Brennnessel denn genau aus dem Körper treiben? Und was mach ich dann mit den ausgeschiedenen Giftstoffen? Doch nicht etwa ins Klo?
Gar auf die Sondermülldeponie? – Schliesslich kommen da ja mehrere Kilos Giftstoffe zusammen, wenn die Kilos wirklich purzeln sollen.
Im Ernst: Brennnesseltee hat eine leicht harntreibende Wirkung. Genauer gesagt, wird dank Brennnesseltee mehr Wasser ausgeschieden. Und daraus folgt: Je mehr Brennnnesseltee man trinkt, desto mehr Wasser geht weg.
Erleichtert wird man dadurch kein Gramm.
Der Ratschlag der Kronenzeitung ist eine einzige Verarschung.
Um Missverständnissen vorzubeugen, sei aber noch erwähnt, dass ich gar nichts gegen Brennnesseltee habe und auch keinesfalls ein Brennnessel-Feind bin. Bewahre!
Nur solche völlig hohlen Versprechungen, die finde ich gar nicht nett.
Vertiefende Informationen zur Entschlackologie:
Mit Heilfasten und Entschlackungskuren ins Neue Jahr 2012
Darmreinigung: Mehr Schaden als Nutzen durch Entgiftungskur
Unsinnig und Irreführend: Sidroga® Wellness Entschlackungstee
Fasten und Entschlacken
Entschlackung – unnötig und ungesund
Entgiften und Entschlacken – Höchst fragwürdige Versprechungen
Entschlackung – illusionäre Hoffnung auf Gewichtsreduktion
Die Kronen-Zeitung hat übrigens ihren Leserinnen und Lesern schon einmal wirre Brennnessel-Entschlackungsfantasien vorgesetzt:
Frühjahrskur mit Brennnessel – Fragwürdige Tipps der Kronen-Zeitung
Der „Kurier“ ist aber auch nicht besser:
Begriffssalat um Schulmedizin Komplementärmedizin – Alternativmedizin
Reiner Zufall, dass es sich da um zwei Zeitungen aus unserem östlichen Nachbarland Österreich handelt. Ich schwörs! Ich habe auch gar nichts gegen Österreich…..
Und nun zur „Ehrenrettung“ der Brennnessel:
1.) Hinweise aus der Phytotherapie-Forschung deuten auf günstige Effekte von Brennnesselmus bei Rheuma hin aufgrund einer entzündungshemmenden Wirkung:
Brennnesselkur gegen Rheuma
2.) Die von der Kronen–Zeitung empfohlene Brennnessel-Anwendung ist nach gegenwärtigem Wissensstand harmlos und ohne Nebenwirkungen.
3.) Ich finde, wir sollten im Umgang mit der Natur und den Pflanzen nicht immer nur unseren eigenen Nutzen im Kopf haben.
Am wichtigsten sind Brennnesseln nämlich für Schmetterlinge:
„Für die Raupen von rund 50 Schmetterlingsarten sind bestimmte Brennnessel-Arten eine Futterpflanze.
Die Schmetterlingsarten Admiral, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs (auch als Nesselfalter bekannt), Silbergraue Nessel-Höckereule, Dunkelgraue Nessel-Höckereule, Brennnessel-Zünslereule (Hypena obesalis) und das Landkärtchen sind dafür sogar auf die Brennnessel angewiesen, andere Pflanzen kommen für diese Arten nicht in Betracht (Monophagie). Trotzdem scheinen sich diese Schmetterlingsarten kaum gegenseitig Konkurrenz zu machen, denn sie bevorzugen jeweils andere Wuchssorten der Brennnessel oder sind relativ selten.“
Quelle: Wikipedia
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde
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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
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Samstag, November 26th, 2011
Das Magazin „focus“ brachte eine Serie zum Thema „ Mit Hausmitteln Erkältungen lindern“.
Ein Abschnitt daraus war der Kapuzinerkresse gewidmet, wobei der Ausdruck „Breitbandantibiotika“ im Titel etwas gar stark aufgetragen ist. Kapuzinerkresse ist aber tatsächlich eine sehr interessante Heilpflanze gegen Infektionen.
Zitat:
„ Kapuzinerkresse
Die Pflanze mit den runden saftigen Blättern und den leuchtenden Blüten steht dem Meerrettich in nichts nach. Ihre antibiotische Wirkung macht sie zu einem hervorragenden Mittel gegen Husten, Bronchitis, Fieber, Hals- und Rachenentzündungen. Wer die Pflanze isst, nimmt die stark antibiotisch wirkenden Öle auf und scheidet sie anschließend über die Harn- und Atemwege wieder aus. Auf diese Weise gelangen die Wirkstoffe in einer hohen Konzentration in den Nasen- und Rachenraum und hemmen dort die Vermehrung der Keime.“
Kapuzinerkresse enthält wie die Meerrettichwurzel Glukosinolate (Senfölglykoside) mit antibakterieller Wirkung. Kapuzinerkresse wirkt auch hemmend auf Viren.
Ein weiteres Anwendungsgebiet für Kapuzinerkresse ist die unterstützende Behandlung bei Blasenentzündung.
Zur Anwendung der Kapuzinerkresse wird empfohlen:
„Die Blüten und Blätter kleinhacken und beispielsweise zum Würzen von Salaten, Quark oder Kartoffeln verwenden. Die leicht scharfen Blätter schmecken auch auf Brot.“
Eine weitere Anwendungsform ist die Kapuzinerkressentinktur (1:10, Tagesdosis 90 – 250 Tropfen, am besten in mehreren Portionen über den Tag verteilt, da die Senfölglykoside rasch ausgeschieden werden. In Deutschland gibt es auch ein Kombi-Präparat mit Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel (Angocin).
Zu Risiken und Nebenwirkungen von Kapuzinerkresse:
„Nicht zu viel essen. In großen Mengen kann Kapuzinerkresse Magen und Darm reizen.“
Ja, die Senfölglykoside können in grösseren Mengen Magenreizungen auslösen.
Eine Kapuzinerkressenbehandlung soll nicht länger dauern als 4 – 6 Wochen.
Wegen der möglichen Schleimhautreizung nicht einnehmen bei akutem Magengeschwür, akutem Darmgeschwür, akuter Nierenentzündung.
Während der Therapie keinen Alkohol trinken, weil die Alkoholtoleranz durch Benzylsenföl reduziert wird.
Quelle:
http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/erkaeltung/tid-12543/sanfte-therapie-breitbandantibiotika-aus-der-natur_aid_348263.html
Siehe auch:
Kräuter und ihre Wirkung: Kapuzinerkresse
Phytotherapie: Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenza-Viren
Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger
Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Donnerstag, November 24th, 2011
Naturnahe Gärten bieten dem Igel für den Winterschlaf Unterschlupf
Jedes Jahr im Herbst und beim Winterbeginn gehen vermehrt Anrufe besorgter Bürger bei Naturschutzverbänden und Tierheimen ein, die vermeintlich zu kleine, herumirrende Igel im Garten gefunden haben und nun wissen wollen, wie man die Tierchen am besten über den Winter bringt. Doch die Sorge um das beliebte Stacheltier ist oft unbegründet. Erst mit dem Wintereinbruch besteht für untergewichtige oder kranke Igel die Gefahr, dass sie für den Winterschlaf nicht genügend gerüstet sind. Der NABU NRW rät deshalb von einem vorsorglichen Einsammeln der Tiere ab. Wer Jungtiere unterstützen wolle, der könne regelmäßig ein Schälchen Katzenfutter bereitstellen und Unterschlupfmöglichkeiten im Garten anbieten.
Während Altigel Ende Oktober bereits ihr Winterquartier vorbereiten, sind viele Jungigel je nach Witterung noch bis weit in den November hinein unterwegs, um sich die nötigen Fettreserven anzufressen. Entgegen ihren sonstigen Gepflogenheiten sind sie dabei auch tagsüber aktiv. Auch im nahrungsärmeren Spätherbst finden die jungen Igel in einem naturnahen Garten meist noch ausreichend Regenwürmer, Schmetterlingslarven oder Schnecken, um den Winter aus eigener Kraft unbeschadet zu überstehen.
Ihre Winterquartiere beziehen Igel erst bei anhaltenden Bodentemperaturen um null Grad. Erst ab diesem Zeitpunkt sollten noch herumirrende Igel, die einen kranken oder unterernährten Eindruck machen, aufgenommen werden.
Einen solchen Pflegling sollte man einem Tierarzt oder einer Igelstation vorstellen. Wird dort festgestellt, dass der Igel keiner menschlichen Unterstützung bedarf, so muss er unverzüglich wieder am Fundort freigelassen werden, denn gesunde, kräftige Igel überleben den Winter ohne menschliche Hilfe. Im Haus überwinterte Igel haben nämlich im Frühjahr oft erhebliche Anpassungsschwierigkeiten, wenn sie wieder in die Natur entlassen werden.
Wer einen Garten besitzt, der kann Igeln am besten über den Winter helfen, in dem er den Garten igelfreundlich herrichtet. Gärten sind für die stacheligen Tiere nämlich wichtige Lebensräume. Ein naturnah gestalteter und bewirtschafteter Garten mit Hecken, Teichen, Obstbäumen, Steinmauern oder Wiesen bietet dem Igel ganzjährig einen attraktiven Lebensraum. Der Verzicht auf Mineraldünger und chemische Bekämpfungsmittel sowie eine Bepflanzung mit heimischen Gewächsen sorgen dafür, dass das Stacheltier auch reichlich Nahrung vorfindet. Das ideale Winterquartier lässt sich dann rasch bereitstellen: Es besteht aus einem Haufen totem Holz, Reisig und Laub. Der NABU rät daher, die häufig üblichen herbstlichen Aufräumaktionen in Gärten lieber auf das Frühjahr zu verschieben. Neben den natürlichen Unterschlupfmöglichkeiten könne man darüber hinaus ein Igelhäuschen aufstellen.
Quelle:
http://nrw.nabu.de/presse/pressemitteilungen/index.php?popup=true&show=651&db=presseservice_nrw
Kommentar & Ergänzung:
Der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) setzt sich für Pflanzen, Tiere und Lebensräume ein. Auf der Website www.nabu.de findet man zu diesen Themen reichhaltige Informationen.
Zum Thema Igelschutz gibt es fundierte Informationen bei www.pro-igel.ch.
Wer die Natur in der Natur und nicht nur im Internet kennen lernen möchte, kann das auf erlebnisreichen Naturbeobachtungen an meinen Naturseminaren.
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Mittwoch, November 23rd, 2011
Das Magazin „focus“ brachte eine Serie zum Thema „ Mit Hausmitteln Erkältungen lindern“.
Ein Abschnitt daraus war dem Meerrettich gewidmet, wobei der Ausdruck „Breitbandantibiotika“ im Titel etwas gar stark aufgetragen ist. Meerrettich ist aber tatsächlich eine sehr interessante Heilpflanze gegen Infektionen.
Zitat:
„Die unscheinbare Wurzel zeigt erstaunliche Heilkraft. Dank der antibiotischen Inhaltsstoffe Allicin und Sinigrin, wirkt Meerrettich ähnlich wie Penicillin. Er hilft bei allen Erkältungssymptomen, Schnupfen, Husten, Bronchitis, Mandelentzündung, Nasennebenhöhlen- und Stirnhöhlenentzündungen, Kopfschmerzen und Fieber. Zudem stärkt er das Immunsystem und nimmt es sogar mit Grippeerregern auf.“
Kommentar M.K.:
Allicin ist ein Hauptinhaltsstoff im Knoblauch und wird hier irrtümlich dem Meerrettich zugeordnet. Meerrettich enthält vor allem Glukosinolate (Senfölglykoside) wie das erwähnte Sinigrin.
Diese Glukosinolate scheinen tatsächlich nach der Aufnahme in den Körper in den Harnwegen (bei Blasenentzündung) und in den Bronchien (bei Bronchitis) antibakteriell zu wirken. Weil die Glukosinolate schon im Dünndarm resorbiert werden, bleibt im Gegensatz zur Behandlung mit Antibiotika die für die Verdauung und das Immunsystem so wichtige körpereigene Dickdarmflora unbeeinflusst.
Gegen Kopfschmerzen, Nasennebenhöhlenentzündung und Stirnhöhlenentzündung wird Meerrettich äusserlich angewendet als Meerrettichauflage.
„Anwendung: Die frische Wurzel ganz fein reiben und sofort verwenden, denn die ätherischen Öle verfliegen innerhalb einer Viertelstunde. Den geriebenen Meerrettich kann man einfach auf Brot essen, in anderen Gerichten weiterverarbeiten oder als Wickel benutzen. Für den Wickel die geriebene Masse etwa einen Zentimeter dick auf ein Tuch streichen und an den Seiten umschlagen. Gegen Kopfschmerzen das Päckchen auf den Nacken legen. Bei Bronchitis in Lungenhöhe auf dem Rücken platzieren.“
Kommentar M.K.:
Als Tagesdosis wird 20 g Meerrettichwurzel empfohlen. Weil die Glukosinolate rasch ausgeschieden werden ist es empfehlenswert, diese 20g in mehrere Portionen über den Tag zu verteilen.
„Risiken und Nebenwirkungen: Meerrettich enthält Senföle, die Hautreizungen verursachen können. Die Wickel deshalb nicht länger als ein paar Minuten einwirken lassen. Zum Schutz die Haut vorher mit Melkfett oder Vaseline einreiben.“
Kommentar M.K.:
Meerrettich nicht in Augennähe applizieren.
Innerlich kann Meerrettich Magenbeschwerden oder Darmbeschwerden auslösen.
Daher mit der nötigen Sorgfalt anwenden.
Quelle:
http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/erkaeltung/tid-12543/sanfte-therapie-breitbandantibiotika-aus-der-natur_aid_348263.html
Siehe auch:
Phytotherapie: Senföe aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenza-Viren
Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger
Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und Blasenentzündung
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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Mittwoch, November 23rd, 2011
Seine Wurzel wird für Lakritze, Kräuterliköre und Kräutertees verwendet – und in Zukunft vielleicht sogar für Medikamente gegen Virusinfektionen: Das Süßholz ist zur Arzneipflanze des Jahres 2012 erkoren worden. Das schreibt der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg, der seit 1999 die Arzneipflanze des Jahres wählt.
Das Süßholz (Glycyrrhiza glabra) ist eine Staude, die einen Meter hoch wachsen kann. Heimisch ist Glycyrrhiza glabra im Mittelmeerraum, in Kleinasien und im Kaukasus bis Iran, Afghanistan, Zentralasien und Südrussland. Zwei weitere Glycyrrhiza-Arten sind in Ostasien heimisch: . Glycyrrhiza inflata und Glycyrrhiza uralensis. Süßholz wird einerseits fast überall in der Natur gesammelt, für die Arznei- und Genussmittelherstellung in der Türkei, China, Russland, Bulgarien, Italien, Spanien und Südfrankreich aber auch angebaut.
Verwendet wird die Süssholz-Wurzel mit ihren Ausläufern. Sie besitzt zahlreiche Inhaltsstoffe: 400 verschiedene Inhaltsstoffe sind bisher beschrieben worden. Zu den wichtigen Inhaltsstoffen der Süssholzwurzel zählen Saponine (bis zu 15 Prozent) wie das Glycyrrhizin, das fast die 50fache Süßkraft von Rohrzucker besitzt, ausserdem Flavonoide, Cumarine und Schleimstoffe. Aus diesen Inhaltsstoffen erklärt sich die Anwendung als entzündungshemmende, schleimhautprotektive und auswurffördernde Heilpflanzen gegen Husten, Katarrhe und Entzündungen der oberen Atemwege sowie Gastritis und Magengeschwüre in der westlichen Heilkunde.
Ohne Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin soll Süßholzwurzel nicht länger als vier bis sechs Wochen angewendet werden. In hohen Dosen hat die Heilpflanze mineralcorticoide Effekte wie Natrium- und Wasserretention sowie Kaliumverlust mit Bluthochdruck und Ödemen. Die Tagesdosis von 15 Gramm Süßholzwurzel beziehungsweise 600 Milligramm Glycyrrhizin darf deshalb nicht überschritten werden. Eingedickter Süssholzsaft, also Lakritze, darf nicht mehr als 200 Milligramm Glycyrrhizin pro 100 Gramm enthalten. Pro Tag sollte nicht mehr als 50 Gramm Lakritze verzehrt werden. Kontraindiziert ist die Anwendung von Süßholzwurzel bei cholestatischen Lebererkrankungen, Leberzirrhose, arterieller Hypertonie, Hypokaliämie, schwerer Niereninsuffizienz und Schwangerschaft.
„Süßholz raspeln“ – das sagt man, wenn sich jemand einschmeicheln will. Diese Redewendung spielt direkt auf die arzneiliche Wirkung der Süßholzwurzel an, wie Johannes Mayer vom Würzburger Studienkreis erklärt: „Eine Abkochung von zerkleinerter Süßholzwurzel als Tee getrunken, hilft sehr schnell bei rauer Stimme und Hustenreiz.“ Denn der Inhaltsstoff Glycyrrhizin wirke unter anderem entzündungshemmend und schleimhautschützend.
In der Antike nutzten die Ägypter und Griechen Süssholz unter anderem gegen Husten, Heiserkeit, Asthma und Brustbeschwerden. Im Mittelalter schrieb die Äbtissin Hildegard von Bingen dem Süßholz eine günstige Wirkung auf die Psyche zu – Hildegard zufolge soll es den Menschen „mild stimmen“. Unter der Bezeichnung „gan cao“ ist Süßholz bis heute ein fester Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Süssholz gehört dort zu den so genannten 50 Basiskräutern.
Außer in China wird Süßholz gegenwärtig in zahlreichen anderen asiatischen Ländern medizinisch verwendet, etwa in Japan, Korea und Vietnam. In Ostasien setzt man Süssholz mit weiteren Stoffen auch bei Leberleiden wie Hepatitis und Leberzirrhose ein. „Zahlreiche Forschungsaktivitäten weltweit geben Anlass zu der Hoffnung, dass die Süßholzwurzel in Zukunft auch für andere Anwendungsgebiete eingesetzt werden könnte, zum Beispiel bei Virusinfektionen“, erklärt Johannes Mayer.
Allein auf dem deutschen Markt werden jährlich etwa 100 Tonnen Süßholzwurzel als Bestandteil von Kräutertees konsumiert. „Generell ist Deutschland in Europa die Nummer eins unter den Nutzern und Händlern von Heilpflanzen. Weltweit gesehen, sind die Deutschen sowohl beim Import als auch beim Export unter den Top fünf“, so Johannes Mayer.
Die Süßholzwurzel und zahlreiche andere Arzneipflanzen werden nicht nur kultivert, sondern auch in der Natur gesammelt. Daraus entstehen Probleme der Nachhaltigkeit. Um darauf hinzuweisen, stellt der Würzburger Studienkreis die Arzneipflanze des Jahres erstmals in Kooperation mit dem World Wide Fund for Nature (WWF) und dessen Partnerorganisation Traffic vor. Der WWF hat Traffic im Jahr 1976 zusammen mit der Weltnaturschutzunion IUCN gegründet, um „den internationalen Ausverkauf der Natur zu stoppen“. Traffic bedeutet „Trade Records Analysis of Flora and Fauna in Commerce“.
Bei Wildsammlungen von Heilpflanzen soll die ortsansässige Bevölkerung eingebunden werden. Aus der Natur sollen nur so viele Pflanzen geerntet werden, wie nachwachsen können. Nur auf diese Weise kann der Bestand auf lange Zeit genutzt werden und eine Einkommensquelle für die ländliche Bevölkerung gewährleisten. Diese Art der Rohstoffgewinnung nennt sich „kontrollierte, nachhaltige Wildsammlung“.
Seit Kurzem existiert die Möglichkeit, verbindliche Managementpläne für Arzneipflanzen aufzulegen und nachhaltige Wildsammlungsprojekte zertifizieren zu lassen: Der vom WWF und Traffic mitentwickelte „FairWild“-Standard soll eine „nachhaltige Wildsammlung unter Erhalt der natürlichen Ressourcen mit einem fairen Preisgefüge“ gewährleisten. Dem Verbraucher wird das mit einem entsprechenden FairWild-Siegel signalisiert.
Der Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg kürt die Arzneipflanze des Jahres seit 1999. Bisher wurden folgende Pflanzen gewählt: Buchweizen, Arnika, Stechender Mäusedorn, Artischocke, Pfefferminze, Arzneikürbis, Thymian, Hopfen, Gemeine Rosskastanie, Fenchel, Efeu und Passionsblume.
Quelle:
Julius-Maximilians-Universität Würzburg
http://www.journalmed.de/newsview.php?id=35906
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=40093&Nachricht_Title=Nachrichten_S%FC%DFholz+ist+Arzneipflanze+des+Jahres+2012&type=0
Kommentar & Ergänzung:
Süssholz ist eine interessante Heilpflanze. Der „Süssholzstängel“, den man in der Drogerie als Kind bekommen hat, ist eine verbreitete Kindheitserinnerung. Dass es sich dabei um eine Süssholzwurzel handelt und dass aus Süssholz Lakritze („Bärendreck“) gewonnen wird, ist weniger bekannt.
Siehe auch:
Süssholzwurzeltee bei Magenbeschwerden
Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern
In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden
Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung
Lakritze schädlich in der Schwangerschaft
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Dienstag, November 8th, 2011
Die guten alten Hausmittel sind Teil eines traditionellen Heilwissens, das im Sinn eines UNESCO-Übereinkommens als „immaterielles Kulturerbe“ gilt, welches allerdings in seinem Bestand gefährdet ist.
Spricht man von „Weltkulturerbe“, so beschränken sich diesbezügliche Assoziationen meist auf eindrückliche Denkmäler und historische Stätten. Vergessen häufig die Ebene des „Immateriellen Kulturerbes“, welches in einer unglaublichen und schillernden Vielfalt in lebendigen Traditionen – noch! – erhalten ist. Zur Bewahrung dieses Kulturerbes hat die UNESCO bereits 2003 ein Übereinkommen beschlossen, welches seit 2006 in Kraft ist und neue Standards im Umgang mit kulturellem Erbe setzen soll. Im Sinn dieser Konvention gehören fünf Bereiche – deren Übergänge fließend sind – zum immateriellen Kulturerbe, nämlich:
- mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen
- darstellende Künste
- gesellschaftliche Bräuche, Rituale und Feste
- traditionelle Handwerkstechniken
- Wissen und Praktiken im Umgang mit Natur und Universum
Heimisches Heilwissen anstelle von TCM und Ayurveda
Zum immateriellen Kulturerbe zählt das norwegische Strickmuster genauso wie das indische Kutiyattam Sanskrit Theater oder der Innviertler Landler. Wobei anfänglich die UNESCO-Konvention hauptsächlich als Angebot an die Entwicklungsländer verstanden wurde – die ja auf der Welterbeliste nur wenig vertreten sind –, ihren Traditionen und Bräuchen einen entsprechenden Stellenwert zu geben. „Viele westliche Industriestaaten haben sich zuerst nicht angesprochen gefühlt, gab es doch genügend Dokumentationsarbeiten über die eigene Kultur“, sagt Mag. Maria Walcher, Leiterin der Nationalagentur. Auch in Österreich sei leider ein Manko an Respekt und ein schlechter Zugang zum traditionellen Erfahrungswissen festzustellen, stellt die studierte Volkskundlerin und Musikwissenschafterin fest. Bei näherer Betrachtung enthalte jedoch die Konvention Bereiche, die für alle Gesellschaften von Interesse sein könnten.
Beispielsweise das Wissen um die Praktiken im Umgang mit Natur und Universum. Jener Bereich also, zu dem die traditionellen Heilmethoden und Heilmittel zählen. „Wir importieren zwar Heilsysteme aus Indien und China, aber was ist mit unseren Heilsystemen, dem Heilsystem unserer Vorfahren? In früheren Zeiten gab es längst kein flächendeckendes Gesundheitssystem, und die Leute mussten selbst etwas tun. Das Wissen um die guten alten Hausmittel habe seit den 70ern stark abgenommen, bedauert Maria Walcher. Und sie fragt, wer denn heute noch Ölfleck, Zwiebelwickel, Essigpatschen kenne.
Die jungen Mütter wüssten das alles nicht mehr, und die Ärzte verordnen es auch nicht. Ein Rezept gehe schneller. Die jahrzehntelange Strategie des Auslagerns von Zuständigkeiten – auch was den Umgang mit Gesundheit und Krankheit betrifft – habe zu einem rasanten Verlust von Eigenverantwortung und individueller Kompetenz geführt, stellt Mag. Walcher fest. Das zeigt nun auch im Gesundheitssystem dramatische Auswirkungen. Umgekehrt sei jedoch das Bedürfnis nach „Erfahrungsmedizin“ stark gewachsen.
Quelle:
Pharmaceutical Tribune Nr. 2 2010
http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=102986&dspaid=844998
Kommentar & Ergänzung:
1. Traditionelles Heilwissen ist meines Erachtens wirklich ein wertvolles Kulturgut.
In diesem Sinne sind die Bemühungen der Unesco zur Erhaltung dieser Heiltraditionen begrüssenswert. Es gibt allerdings in der Komplementärmedizin eine ziemlich weit verbreitete naive Traditionsgläubigkeit, die darauf baut, dass altes Wissen immer auch wahres Wissen ist. Das ist natürlich Bullshit – Tradition hat sich auch unzählige Male geirrt – und das zum Teil über Jahrhunderte. Also geht es darum, sich mit der Tradition kritisch auseinanderzusetzen, zu prüfen, was davon nützlich und sinnvoll, und was überholt oder schlicht falsch ist.
Vorbildlich in dieser Auseinandersetzung mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist die Forschergruppe Klostermedizin an der Universität Würzburg.
Fazit: Traditionelle Pflanzenheilkunde gehört nicht einfach ins Museum, weil sie auch wertvolle Erkenntnisse enthält.
Traditionelle Pflanzenheilkunde soll aber in der Gegenwart auch nicht einfach unbedacht 1:1 angewendet werden, weil man sonst Patientinnen und Patienten auch 1:1 mit allen Irrtümern der Vergangenheit behandelt.
Ein solchermassen differenzierter Umgang mit der Tradition ist auch ein wichtiges Qualitätsmerkmal, an dem man die Seriosität von Therapeutinnen und Therapeuten, Ausbildnern etc. messen kann. Fragwürdig ist in jedem Fall, wer Tradition undifferenziert übernimmt und als absolute Wahrheit verkauft..
Siehe auch:
Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?
2. Mag. Walcher schreibt, dass das Bedürfnis nach „Erfahrungsmedizin“ stark gewachsen sei.
Erfahrungsmedizin ist aber auch so ein fragwürdiger Begriff……
Er suggeriert, dass „Erfahrung“ uns zeigt, was wirksam ist und was nicht.
„Erfahrung“ zeigt aber nicht einfach was ist. Erfahrung muss interpretiert und verarbeitet werden. „Erfahrung“ als Legitimation von Therapieempfehlungen ist genauso schwach wie „Tradition“ allein schwach ist.
Siehe dazu:
Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung
Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung
3. Heimisches Heilwissen statt TCM und Ayurveda?
Natürlich ist es merkwürdig, wenn unser einheimisches Heilwissen in Vergessenheit gerät und stattdessen alte Heilsysteme aus China und Indien importiert werden. TCM und Ayurveda sind sehr interessante Heilsysteme die aber nicht so einfach ohne “Verstümmelung” aus ihrem kulturellen Rahmen gerissen werden können. TCM und Ayurveda, so wie sie bei uns angeboten werden, sind auf westliche Bedürfnisse zugeschnittene Exportprodukte, die nur noch wenig mit den ursprünglichen Heilmethoden in China oder Indien zu tun haben.
4. Wenn Mag. Walcher bedauert, dass das Wissen um die Hausmittel abgenommen hat, dann teile ich dieses Bedauern. Wer keine einfachen Hausmittel mehr kennt, wird unnötig schnell abhängig vom „medizinisch-pharmazeutischen System“. Ich betrachte es als eine wichtige Bildungsaufgabe, das Wissen um die einfachen Hausmittel in der Bevölkerung zu fördern und gleichzeitig auch auf die jeweiligen Grenzen der Selbstbehandlung hinzuweisen.
(siehe dazu mein Kursprogramm: www.heilpflanzen-info.ch/cms/kurse)
Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Montag, November 7th, 2011
Im „Dritten Reich“ wurde die Naturheilkunde stark gefördert. Vollwerternährung und Vegetarismus wurden staatlich stark propagiert.
Führende Nationalsozialisten wie Rudolf Hess, Heinrich Himmler und Julius Streicher standen der Homöopathie oder Anthroposophie nahe und förderten entsprechende Projekte. Im KZ Dachau erstellten und bewirtschafteten Häftlinge unter brutalen Bedingungen riesige Heilpflanzen-Plantagen. In den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald wurden schlimme Menschenversuche mit Naturheilmitteln durchgeführt.
Ziel war die Vereinigung von „Naturheilkunde“ und „Schulmedizin“ zur „Neuen Deutschen Heilkunde“.
Nationalsozialismus und Naturheilkunde hielten beide „Natur“ und „Ganzheit“ für hohe Werte und trafen sich auch in vielen Vorstellungen über Gesundheit und Krankheit. Die Frage, warum Naturheilkunde & Nationalsozialismus so gut zusammen passten, ist auch heute noch brisant und erhellend.
Ein Tagesseminar am 13. November 2011 in Winterthur informiert über die vorhandenen Fakten, nennt Personen, Firmen, Vorgänge und Verbindungen. Davon ausgehend geht es aber auch um einen Blick in die Gegenwart. Im Grenzbereich von Naturheilkunde und Esoterik taucht fast unbemerkt und kaum hinterfragt antidemokratisches, menschenverachtendes oder gar „braun“ angehauchtes Gedankengut auf. Genau hinzuschauen ist gerade auch für Menschen sinnvoll, die den Bereichen Naturheilkunde / Komplementärmedizin / Alternativmedizin verbunden sind weil sich daraus viel lernen lässt für die heutige Zeit und weil diese “Szene” resistenter werden sollte gegen menschenverachtende Ideologien.
Info: Tagesseminar Naturheilkunde & Nationalsozialismus
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Samstag, Oktober 22nd, 2011
Verschiedene Heilpflanzen verbessern die Wundheilung, lindern Hautentzündungen oder wirken abschwellend. Es sollten jedoch nur Heilpflanzen verwendet werden, deren Wirkung wissenschaftlich belegt ist. Eine Fachperson erläutert, welche Kräuter das sind und welche Wirkung sie haben.
Ob Kamille, Fenchel oder Salbei: Viele Heilpflanzen eignen sich als Kräutertee für die Selbstbehandlung.
«Die klassische Kräutermedizin – in der Natur selbst Pflanzen sammeln und daraus zum Beispiel einen Tee kochen -, hat den Nachteil, dass die Inhaltsstoffe oft unterdosiert sind», sagt Andreas Kiefer, Vorstandsmitglied der Bundesapothekerkammer in Berlin.
Außerdem sei beim Selbstsammeln die Gefahr von Allergien höher, denn viele Wildpflanzen enthalten allergieauslösende Substanzen. Eine gute Alternative seien daher moderne pflanzliche Arzneimittel. Diese Heilpflanzen-Präparate leiten sich von der traditionellen Kräutermedizin ab. Industriell produzierte, standardisierte Extrakte werden als Salben, Cremes oder Tinkturen eingesetzt.
Eine der bekanntesten Heilpflanzen ist die Kamille bzw. die Kamillenblüte. Äußerlich angewendet wirken ihre Extrakte entzündungshemmend und wundheilungsfördernd. Im klassischen Kamillentee sind allerdings nur die wasserlöslichen Inhaltsstoffe zu finden. Alkoholische Kamillenextrakte enthalten weitere entzündungshemmende Inhaltsstoffe. «Deshalb sind diese bei medizinischen Anwendungen einem Tee überlegen», erklärt Kiefer.
Eichenrinde: gute Wirkung bei entzündeter Haut
Gerbstoffe entfalten eine zusammenziehende Wirkung auf entzündete Haut. Arzneipflanzen mit Gerbstoffen sind beispielsweise Eichenrinde oder die Zaubernuss (Hamamelis). Die feinen Gefäße in der Haut werden weniger durchlässig, wodurch Entzündungen und Juckreiz gemildert werden. Gerbstoff-Umschläge oder Bäder sind wirksam gegen Ekzeme, Schweißfüße oder Hämorrhoiden. Zaubernuss-Extrakte wirken auch bei leichten Hautverletzungen.
Breiumschläge mit Bockshornklee- oder Leinsamen erweichen die Haut. Um sie herzustellen, werden die pulverisierten Samen mit Wasser verrührt und aufgekocht. Solche Breiumschläge aus Leinsamen oder Bockshornkleesamen machen die Haut geschmeidig und helfen gegen lokale Entzündungen wie Furunkel.
Bei Hautkrankheiten ist nicht nur der Inhaltsstoff wichtig, auch die Hilfsstoffe und die Zubereitung der Präparate spielen eine große Rolle. Bei akuten Hauterkrankungen wie nässenden Entzündungen wirken die Pflanzenextrakte besser, wenn sie in eher wässrige Grundlagen eingearbeitet sind. Bei chronischen Ekzemen hingegen sind fettreiche Zubereitungen besser wirksam.
Grüntee beziehungsweise Schwarztee ist zwar keine Heilpflanze. Er wird dennoch wegen seines Gehalts an Gerbstoffen gegen nässende Ekzeme angewendet: aus dem im Handel erhältlichen Grüntee oder Schwarztee einen starken Tee kochen und zehn Minuten ziehen lassen. Umschläge mit Grüntee oder Schwarztee sollten mehrmals täglich erneuert werden.
Quelle:
http://www.ruhrnachrichten.de/leben/gesundheit_und_wellness/gesundheit/Pflanzen-koennen-der-Haut-helfen;art364,1434760
Kommentar & Ergänzung:
Die Aussagen im Text auf ruhrnachrichten.de sind erfreulich fundiert.
Einzig die Aussage, dass beim Sammeln von Heilpflanzen in der Natur ein höheres Allergierisiko besteht, weil „viele Wildpflanzen….allergieauslösende Substanzen“ enthalten, kann ich nicht nachvollziehen. Ob ich zum Beispiel Schafgarbe oder Malvenblüten in der Natur sammle oder in der Apotheke oder Drogerie kaufe, macht meines Erachtens keinen eindeutigen Unterschied bei allergieauslösenden Stoffen in dem Sinne, dass Apothekenware grundsätzlich weniger Allergene enthalten würde. Vielleicht spricht aus dieser Aussage eher der Apotheker, der die Heilpflanzen gerne verkauft.
Am heikelsten beim Selbersammeln von Heilpflanzen scheint mir, dass man die Pflanzenwelt gut kennen muss, um Verwechslungen auszuschliessen.
Wichtig in diesem Text ist der Hinweis, dass bei der Behandlung von Hauterkrankungen nicht nur die Inhaltsstoffe wichtig sind, sondern auch die Zubereitungsform (wässrig / fetthaltig).
Gefreut hat mich, dass Schwarztee und Grüntee als Gerbstoffpflanzen erwähnt werden. Sie gelten oft nur als Genusstee und ihre Qualitäten als Heilpflanzen gehen daher leicht vergessen. Das ist schade, weil Schwarztee oder Grüntee oft im Haushalt greifbar sind und wenig kosten.
Zum Thema „Heilpflanzen bei Hauterkrankungen und Wunden“ gibt es ein kompaktes, informatives Tagesseminar.
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Mittwoch, Oktober 12th, 2011
So betitelt das Yahoo-Newsportal einen Bericht über pflanzliche Beruhigungsmittel. Nachfolgend ein paar Zitate daraus mit dazwischengeschalteten Kommentaren von mir:
„Bei Aufregung oder Anspannung greifen viele Menschen zu pflanzlichen Beruhigungsmitteln, die es freiverkäuflich in jeder Apotheke oder Drogerie gibt. ‚Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, allerdings sollten diese Präparate nicht zur Dauerlösung werden’, sagt Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater (BVDP).“
Einverstanden, ich finde auch, dass pflanzliche Beruhigungsmittel keine Dauerlösung sind.
„Ob Hopfen, Melisse, Johanniskraut oder Baldrian: Vielen Pflanzen wird eine beruhigende Wirkung nachgesagt. Manche erzielen nur einen Placebo-Effekt, manche wirken tatsächlich”, sagt die Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie aus Andernach. Die freiverkäuflichen Produkte seien in der Regel so niedrig dosiert, dass keine Probleme zu erwarten seien.“
Stimmt, es gibt grosse Unterschiede, was die Wirksamkeit von Heilpflanzen-Präparaten angeht.
„Problematisch könne die Einnahme jedoch werden, wenn die Pflanzenwirkstoffe dauerhaft geschluckt werden. ‚Auch Naturprodukte können dann zu unerwünschten Nebenwirkungen führen.’“
Einverstanden, auch Naturprodukte können zu unerwünschten Nebenwirkungen führen.
„So sei zum Beispiel von Johanniskraut bekannt, dass es zu Leberschäden und einer gefährlichen Lichtempfindlichkeit führen kann. Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sollten unbedingt ernst genommen werden: “Wer bereits regelmäßig Tabletten nimmt, sollte die zusätzliche Einnahme von pflanzlichen Präparaten unbedingt mit seinem Arzt absprechen”, rät die Medizinerin. Generell sei es ratsam, pflanzliche Beruhigungsmittel ohne Rücksprache mit einem Arzt nicht länger als drei Wochen einzunehmen.“
Sobald es ins Detail geht, werden die Aussagen in diesem Artikel fragwürdig.
Die Phytotherapie-Fachliteratur und auch die von den Arzneimittelbehörden bewilligten Beipackzettel erwähnen für Johanniskraut keine Leberschäden. Solange diese Aussage also nicht begründet und dokumentiert wird, gehe ich von einer falschen Unterstellung aus. Vielleicht entstand diese fragwürdige Aussage, weil Johanniskraut tatsächlich auf die Leber einwirkt. Es beeinflusst ein fremdstoffabbauendes Leberenzym, wodurch gewisse Medikamente schneller abgebaut werden. Das ist die Ursache für viel diskutierte Wechselwirkungen von Johanniskraut mit anderen Medikamenten. Das ist aber etwas anderes als Leberschäden.
Und von einer „gefährlichen Lichtempfindlichkeit“ durch Johanniskraut zu sprechen, ist ziemlich dramatisiert. Beobachtet wurde diese erhöhte Lichtempfindlichkeit bei Weidetieren, die Johanniskraut in grossen Mengen frassen.
Ich zitiere aus dem “Leitfaden Phytotherapie“:
„Bisher wurde die aus der Tiermedizin beim Abweiden von grossen Mengen Johanniskraut bekannte Photosensibilisierung beim Menschen nach der Einnahme von Johanniskrautpräparaten sehr selten beobachtet, da die hier zur Anwendung kommende Menge an Gesamthypericin vermutlich zu gering ist. Weder in mehreren Anwendungsbeobachtungen mit hochdosierten Johanniskrauttrockenextrakten (meist 900mg Extrakt als Tagesdosis) noch in zwei gezielt auf eine Photosensibilisierung ausgerichtete Studien mit STW3-Extrakt (Laif® 600) und STW3-VI-Extrakt (Laif® 900) konnte eine signifikant erhöhte Lichtempfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht bzw. UVA-Licht beobachtet werden. Die Studiengruppe kam zu dem Ergebnis, dass hypericinhaltige Johanniskrautpräparate in der üblichen Dosierung uneingeschränkt zu jeder Jahreszeit eingenommen werden können…Dennoch als mögliche Vorsichtsmassnahme eine intensive UV-Bestrahlung während der Behandlung vermeiden.“
Johanniskraut wird gegen leichte und mittlere Depressionen angewendet und auf depressive Menschen hat Licht einen günstigen Einfluss. Daher ist es unsinnig, die Gefahr der Photosensibilisierung durch Johanniskraut zu dramatisieren und dadurch Depressive möglicherweise vom Aufenthalt im Freien und an der Sonne abzuhalten.
Den Hinweis, dass bei der Anwendung von Johanniskraut allfällige Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachtet werden müssen, unterschreibe ich aber wieder gerne.
Fazit 1: Dass Beruhigungsmittel aus Heilpflanzen wie Hopfen, Melisse und Baldrian sowie das Antidepressivum Johanniskraut keine Dauerlösung sind, scheint mir offensichtlich. Es sind zwar bei diesen Heilpflanzen-Präparaten keine Schäden oder konkrete Risiken durch Langzeitanwendung bekannt, doch geht es hier auch um eine Grundhaltung. Es ist einfach nicht sinnvoll, sich auf einen medikamentengestützten Lebensstil einzustellen, wenn das nicht aus medizinischen Gründen unumgänglich ist.
Fazit 2: Nicht gerade selten trifft man in Naturheilkunde & Komplementärmedizin eine ziemlich naive, idealisierte Vorstellung der Natur, in der die Heilpflanzen uns nur wunderbarerweise gesund machen und niemals irgendjemandem schaden können. Das ist Unsinn und der Beitrag auf Yahoo-News weißt zurecht darauf hin, dass auch Heilpflanzen unerwünschtem Nebenwirkungen haben können.
Aus anderen Kreisen kommt aber manchmal eine Dramatisierung solcher Nebenwirkungen, die genau so wenig der Realität entspricht – wie eben beispielsweise die „Leberschäden“ und die „gefährliche Lichtempfindlichkeit“ im kommentierten Yahoo-Text. Schön wäre es, wenn Ärztinnen und Ärzte sich via Phytotherapie-Fachliteratur oder Beipackzettel über den Stand des Wissens informieren würden, bevor sie vor unerwünschten Nebenwirkungen von Heilpflanzen-Präparaten warnen.
Quelle:
http://de.nachrichten.yahoo.com/baldrian-hopfen-und-johanniskraut-sind-keine-dauerlösung-065447567.html
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Freitag, September 23rd, 2011
Das „Philosophische Radio“ auf WDR 5 sendete vor kurzem ein interessantes Radiogespräch mit dem Zoologen Frans de Waal über die Entwicklung von Empathie bei Menschen und Tieren.
Das Gespräch kann hier nachgehört werden:
Zu Frans de Waal:
„Fransiscus Bernardus Maria (Frans) de Waal (* 29. Oktober 1948 in ’s-Hertogenbosch, Niederlande) ist ein Zoologe und Verhaltensforscher, der sich seit Anfang der 1970er Jahre speziell mit Schimpansen und Bonobos befasst, aber auch mit Makaken, Kapuzineraffen, Elefanten und Buntbarschen.“
(Quelle: Wikipedia)
Zum Forschungsbereich von Frans de Waal:
„Die Schwerpunkte von de Waals Arbeiten liegen in der Erforschung der tierischen und menschlichen Entwicklung von Kultur, Moral und der Entstehung von Empathie und Altruismus als einer der Grundlagen der Sozialisation innerhalb von Gruppen und im speziellen der sich daraus später entstehenden besonderen Aspekte der Menschwerdung. De Waal geht dabei davon aus, dass die Entstehung von Moral und Kultur keine rein menschlichen Leistungen sind und sich daher auch vermehrt im Tierreich herausgebildet haben müssen. De Waal sieht dabei die Moral als einen evolutionären Prozess an, der geschaffen wurde, um soziale Normen untereinander zu entwickeln, um dadurch die Befähigung zu erhalten, Konfliktlösungsstrategien und Mechanismen zur gegenseitigen Hilfe in sozialisiert lebenden Gruppen herauszubilden.“
(Quelle: Wikipedia)
Zum „Prinzip Empathie“ von Frans de Waal:
„Gier ist out, Empathie ist in. In der Natur tobt ein Kampf ums Überleben, in der Evolution herrscht das Recht des Stärkeren. Zumindest, wenn man Darwins Theorie verkürzt betrachtet. Frans de Waal, der große Humanist unter den Verhaltensforschern, widerlegt diese These. Seine Beobachtungen an Hunden, Katzen und Schimpansen zeigen: Offenbar erkennen auch Tiere in ihrem Gegenüber eine verwandte Kreatur und zeigen Empathie und Solidarität. Auf den Menschen übertragen, heißt das: Kooperation gehört zu unserer Grundausstattung. Engagiert und anschaulich erklärt de Waal, warum Stärke allein nichts zählt und was wir von der Natur für eine bessere Gesellschaft lernen können.“
Quelle: Beschreibung des Hanser-Verlags zum Buch „Das Prinzip Empathie“ von Frans de Waal.
Das Thema „Empathie“, so wie Frans de Waal es im Gespräch vertritt, ist für die Philosophie wichtig im Bereich der Ethik.
Heute dominiert in vielen Kreisen eine Haltung, die Konkurrenz als alleiniges Organisationsprinzip menschlicher Beziehungen betrachtet und dies evolutionsbiologisch zu begründen versucht.
Diese Haltung dürfte nicht wenig zur Finanzkrise 2008 beigetragen haben. Frans de Waal belegt, dass neben Konkurrenz auch Kooperation bereits in der evolutionären Entwicklung angelegt ist.
P.S. Wenn Sie sich für philosophische Fragen im Bereich von Gesundheit & Krankheit interessieren, dann schauen Sie mal ins Kursprogramm im Bereich „Forum Naturheilkunde & Philosophie“.
Ich bin überzeugt davon, dass wir mehr philosophische Reflexion rund um Gesundheit und Krankheit brauchen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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