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Birkenblätter zur Blutreinigung?

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„Die Presse“ veröffentlichte kurze Beschreibungen von verschiedenen Heilpflanzen. Untenstehend die Zitate mit Kommentar:

„Die Blätter der Birke enthalten Flavonoide, Gerb- und Bitterstoffe. Als Tee verabreicht erhöhen sie die Harnausscheidung, wirken blutreinigend und fiebersenkend.

Äußerlich finden Tinkturen aus Birkenblättern bei Haarausfall und Schuppen Anwendung. Die Frühjahrsblätter können auch einfach als Salat gegessen werden.“

Quelle:

http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/series/game/vote.do?id=1492126

Kommentar & Ergänzung:

Birkenblättertee wirkt harntreibend – und dies ohne Reizwirkung auf die Nieren.

Für diese Wirkung dürften Flavonoide verantwortlich sein, die über eine ACE-Hemmung und eine Hemmung des Abbaus des Atrialen Natriuretischen Peptids eine verstärkte Natrium- und Wasserausscheidung induzieren.

Die Anwendungsbereiche von Birkenblättertee: Durchspülungstherapie als Begleitbehandlung von Harnwegsinfekten, bei Harnsteinen und Nierengriess.

Die erwähnte fiebersenkende Wirkung ist sehr fraglich und die Angabe „blutreinigend“ ist ist in diesem Zusammenhang eigentlich immer skurril, weil niemand genau und plausibel erklären kann, was damit gemeint ist.

Siehe dazu:

Naturheilmittel: Ärgernis Blutreinigungstee

Pflanzenheilkunde: Fragwürdige Blutreinigungstee

Fragwürdig ist auch die Wirksamkeit gegen Haarausfall.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Abführmittel im Überblick

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. /  2012) hat einen kurzgefassten Überblick zu gebräuchlichen Abführmitteln publiziert. Ich stelle hier einzelne Abschnitte als Zitat vor mit Ergänzungen dazwischen:

Quellmittel:

„Der Wunsch nach einem Abführmittel (Laxans) sollte vorderhand mit nebenwirkungsarmen Substanzklassen erfüllt werden. Dazu zählen Weizenkleie, Leinsamen oder indische Flohsamen, die durch Quellung das Darmvolumen erhöhen und den Defäkationsreiz auf mechanische Weise auslösen. Aber Achtung: Ohne Wasserzufuhr bleibt der Effekt aus.“

Den stärksten Quelleffekt haben die Flohsamen, beziehungsweise – noch stärker –  die Flohsamenschalen.

Osmotische Abführmittel:

„Auch die Laktulose zählt zu den nebenwirkungsarmen Laxantien. Sie gelangt unverändert in den Dickdarm und erhöht dort den osmotischen Druck, wobei als mögliche Nebenwirkung Gasbildung auftreten kann. Die Anwendung salinischer Abführmittel (Glaubersalz und Bittersalz) eignet sich eher zur einmaligen vollständigen Darmentleerung. Die Wirkung erfolgt durch Erhöhung des osmotischen Drucks.  Bei Dauereinnahme von Glaubersalz kann es aufgrund der enthaltenen Menge an Natrium zu einer Blutdrucksteigerung kommen und ist deswegen bei einer bestehenden Hypertonie nicht empfehlenswert.

Bei länger andauernder Obstipation sollte rektalen Entleerungshilfen der Vorzug gegeben werden, um den Darm schonend zu entlasten. Klistiere, Mikroklistiere und traditionelle Einläufe zählen zur Gruppe der salinischen Laxantien und sind nebenwirkungsarm.“

Lactulose ist ein halbsynthetisches Disaccharid aus Galactose und Fructose. Lactulose ist der Wirkstoff in den Präparaten Gatinar® und Duphalac®.

Bittersalz (Magnesiumsulfat) und vor allem Glaubersalz (Natriumsulfat) werden oft genutzt zur Darmentleerung vor Fastenkuren.

Stuhlweichmacher & Gleitmittel:

„Glycerinzäpfchen wirken bei Kontakt mit der Rektumschleimhaut einerseits als hypertone Lösung, andererseits auch durch den Schmiereffekt defäkationsauslösend…..Paraffinöl wird aufgrund der Nebenwirkungen nicht mehr angewendet.“

Glycerinzäpfchen sind in Handel als Bulboid®-Suppositorien. Paraffinöl ist noch Bestandteil im Kombinationspräparat Paragar® (zusammen mit Agar und Phenolphthalein).

Kohlendioxid-Suppositorien:

„Hydrogencarbonathaltige Zäpfchen wirken rasch aufgrund der Gasbildung (CO2-Freisetzung).“

Das Präparat dazu heisst Lecicarbon®.

Anthranoide aus Heilpflanzen:

„Anthraderivate aus Sennesfrüchten sind gebräuchlich in Tees und zur Coloskopievorbereitung. Sie können jedoch bei regelmäßigem Gebrauch (wenige Monate) eine Dunkelfärbung der Dickdarmschleimhaut hervorrufen.“

Sennesfrüchte und auch Sennesblätter sind oft Bestandteil von Abführtees und manchmal auch von sogenannten (fragwürdigen) „Blutreinigungstees“. Bei höheren Dosierungen kann es zu schmerzhaften Darmkrämpfen kommen. Dauergebrauch besser vermeiden oder dann nur mit sehr klarer Indikationsstellung.

Ein milderer Vertreter der Anthranoide ist die Faulbaumrinde.

Weitere Dickdarmlaxantien:

„Meistverwendete Substanzen sind Bisacodyl und sein Schwefelsäureester Natriumpicosulfat. Oral angewendet braucht Bisacodyl eine gewisse Zeit (8 bis 12 Stunden), bis es wirkt, da erst Stoffwechselschritte in Dünndarm, Leber und Dickdarm den Wirkstoff aktivieren. Rektal angewendet, tritt die deutliche Wirkung dagegen rasch ein, meist innerhalb von 20 bis 30 Minuten.“

Bisacodyl ist der Wirkstoff von Dulcolax®, ein sehr häufig verwendetes synthetisches Abführmitttel. Nur bei kurzfristiger Verstopfung anwenden.

In der Phytotherapie werden vor allem zwei Gruppen von Heilpflanzen gegen Verstopfung angewendet:

– Quellmittel wie Leinsamen und Flohsamen;

– Pflanzen mit Anthranoiden wie Senna und Faulbaum.

Nur noch selten zum Einsatz kommt Rizinusöl, das aber im Gegensatz zu früheren Zeiten nun auch in Kapselform erhältlich ist, was die Einnahme sehr erleichtert.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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WHO-Empfehlung: Salzkonsum möglichst tief halten

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Ohne Salz funktioniert der Wasser- und Nährstoffhaushalt des menschlichen Organismus nicht. Doch ein zu hoher Salzkonsum ist ungesund.

Erwachsene sollten nicht mehr als fünf Gramm Salz täglich konsumieren. So lautet die neue Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. In fünf Gramm (g) Salz sind 2000 Milligramm (mg) Natrium enthalten. In Deutschland haben Fachleute bislang empfohlen, nicht mehr als sechs Gramm Salz täglich einzunehmen.
Die WHO empfiehlt Erwachsenen zudem, mindestens 3510 Milligramm Kalium pro Tag aufzunehmen. Wer zu viel Natrium und zu wenig Kalium aufnimmt, läuft nämlich Gefahr, dass sein Blutdruck sich erhöht. Das steigere das Risiko von Herzerkrankungen und Schlaganfällen, den häufigsten Ursachen für Tod und Behinderung.

Viel Natrium steckt hauptsächlich in verarbeiteten Lebensmitteln und Fertigprodukten. Brot enthält gemäss den Angaben der  WHO etwa 250 mg Natrium pro 100 g, dieselben Mengen Schinken oder Popcorn rund 1500 mg und Sojasoße etwa 7000 mg. Auch unverarbeitete Lebensmittel enthalten Natrium, allerdings in kleinerem Maß, beispielsweise Milch oder Eier (etwa 50 beziehungsweise 80 mg pro 100 g).

Kaliumreich sind hauptsächlich Hülsenfrüchte (Erbsen und Bohnen etwa 1300 mg pro 100 g), Nüsse (zirka 600 mg pro 100 g) oder Gemüse wie Spinat oder Kohl (etwa 550 mg pro 100 g). Sobald Lebensmittel industriell verarbeitet werden, reduziert sich der Kaliumgehalt, schreibt die WHO.

Quelle:

http://www.cellesche-zeitung.de/website.php/website/story/342861

Kommentar & Ergänzung:

Keine Frage, dass vor allem Fertigprodukte eigentliche „Kochsalzbomben“ sind und dass der durchschnittliche Salzkonsum in Mitteleuropa ungesund hoch ist.

Wirklich notwendig ist eine Zufuhr von nur einem Gramm Kochsalz pro Tag.

Ein bisschen mehr Zurückhaltung beim Salzkonsum dürfte also sinnvoll sein.

Eine salzarme Ernährung bedeutet allerdings für viele Menschen eine große Umstellung. Viele Gerichte können jedoch auch ohne Salz ganz hervorragend schmecken. Zahlreiche pflanzliche Gewürze können das Salz überflüssig machen und häufig noch feiner und stärker als Salz wirken. Eine Vielfalt an Möglichkeiten bieten bereits Ingwer, Dill und Senf. Möglich ist auch das Würzen mit speziellen kochsalzsparenden Diätsalzen.

Es spricht allerdings auch einiges dafür, dass beim Thema Blutdrucksteigerung durch Kochsalzzufuhr nicht jeder Mensch gleichermassen empfindlich reagiert.

Jeder zweite Bluthochdruck-Betroffene reagiert auf eine salzarme Ernährung. Durch eine Reduktion der Kochsalzzufuhr auf etwa 5-6 g/Tag sinkt der Blutdruck bei diesen kochsalzsensitiven Personen etwa um 5 bis 8 mmHg.

Die These, dass Kochsalz generell für einen hohen Blutdruck mitverantwortlich ist, und darum unbedingt reduziert werden muss, wird deshalb heute in Frage gestellt. Bluthochdruck-Patienten sollten daher testen, ob sie zur kochsalzsensitiven Gruppe gehören.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Süssholzwurzeltee schützt Magenschleimhaut

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Das Magazin „Focus“ schreibt zur Wirkung von Süssholzwurzel:

„Die Süßholzwurzel hemmt Entzündungen, schützt die Magenschleimhaut und entkrampft den Magen. Hauptwirkstoff ist das Saponin Glycyrrhizin, das auch der Lakritze ihren charakteristischen Geschmack verleiht.

Für den Tee die Süßholzwurzel in kleine Stücke schneiden und kurz aufkochen lassen. Wer mag, kann auch etwas Fenchel dazugeben. Dann fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Je süßer der Tee werden soll, desto länger muss er ziehen. Schluckweise über den Tag verteilt trinken.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/verdauung/magen/tid-21554/hausmittel-magenkraempfe-entspannung-fuer-den-magen_aid_605248.html

Kommentar & Ergänzung:

Das ist soweit korrekt. Häufiger als bei Magenschleimhautentzündung wird Süssholz allerdings als schleimlösendes Mittel bei Husten eingesetzt.

Süssholz ist ein häufiger Bestandteil von Hustentee-Mischungen („Brusttee“), beispielsweise zusammen mit Thymiankraut, Schlüsselblumenblüten, Spitzwegerichkraut, Anisfrüchten, Malvenblüten oder Königskerzenblüten.

Die Süssholzpflanze (Glycyrrhiza glabra) gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) und ist im Mittelmeergebiet und in Westasien beheimatet (Abbildung auf Wikipedia).

Mit verschiedenen Varietäten besiedelt die Pflanze eine große Region vom südöstlichen Europa über Vorderasien, Ukraine, Mittelrussland, südliches Sibirien, Afghanistan bis zum westlichen China.

Die stark süß schmeckende Süssholzwurzel enthält Glycyrrhizin, ein Triterpensaponin, das etwa die 50-fache Süßkraft von Rohrzucker (Saccharose) besitzt.

Die Wurzeln werden zur Gewinnung von „Süßholzsaft“ (Liquiritiae succus) verwendet, der in die weltweit beliebten Lakritz-Süßwaren eingearbeitet wird. Zu diesem Zweck werden die frischen Wurzeln zerkleinert und mit Wasser viele Stunden ausgekocht. Der so gewonnene Saft wird anschliessend ganz langsam bis zur zähflüssigen Konsistenz eingedickt. Bei diesem Vorgang bildet sich das so charakteristische Lakritzaroma. Der zähflüssige Extrakt wird zu 5% bis maximal 50% zusammen mit Zucker, Mehl, Stärke und/oder Gelatine sowie Geruchs- und Geschmacksstoffen zu Lakritzwaren verarbeitet.

Bei längerer Anwendung und höherer Dosierung kann Lakritze Störungen im Mineralstoffhaushalt bewirken: mineralokortikoide Effekte in Form einer Natrium- und Wasser-Retention, Kaliumverlust mit Bluthochdruck, Ödeme (Wasseransammlung in Geweben) und in seltenen Fällen Myoglobinurie (Eiweiß des Muskelgewebes im Harn).

Während der Schwangerschaft ist Lakritze zu meiden.

Siehe auch:

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze schädlich in der Schwangerschaft?

Und sonst noch zu Süssholz bzw. Lakritze:

Amorfructine aus Süssholz gegen Diabetes

Fundstück: Rezept für hausgemachte Lakritze

Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt

Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern

Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung

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Inhalation mit Salzlösung – die ideale Begleittherapie bei Husten

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Die Österreichische Apothekerzeitung (Nr. 21 / 2012) weist auf die Inhalation mit Salzlösungen als ideale Begleittherapie bei Husten hin:

„Um die Atemwege gut zu befeuchten und den körpereigenen Reinigungsmechanismus zu unterstützen, ist eine begleitende Therapie in Form von isotonischen Kochsalzlösungen zur Inhalation oder Emser Salz durchaus sinnvoll. Dabei sollten Wasserdampfinhalationen etwa 20 Minuten dauern, wobei eine Wassertemperatur von 43 °C ausreicht, um eine Linderung der Beschwerden zu erzielen.“

Kommentar & Ergänzung:

Eine isotonische Kochsalzlösung (0,9% Kochsalz) enthält 9 g Kochsalz auf einen Liter Wasser.

Daher nimmt man für die Salzlösung 1 gestrichenen Teelöffel Kochsalz ( = 5 Gramm) auf einen halben Liter Wasser. Inhalation mit isotonischer Kochsalzlösung ist sinnvoll bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit.

Was ist Emser Salz?

Emser Salz ist die Marke für das Salz, welches seit 1925 aus der heißen Mineralquelle im Kurort Bad Ems gewonnen wird.

Dabei wird aus 350 ml Thermalwasser durch Verdampfen ein Gramm Emser Salz gewonnen. Das Salz enthält mehr als 20 verschiedene Mineralien und Spurenelemente, wobei als Hauptbestandteile vor allem Natrium-, Chlorid- und Hydrogencarbonat-Ionen vorhanden sind.

Zur Anwendung und Wirksamkeit schreibt Wikipedia:

„ Emser Salz wird bei Erkrankungen der oberen Atemwege verwendet. Die Anwendung erfolgt durch Inhalation des salzhaltigen Wassers bzw. durch Nasenspülungen mit dem aufgelösten Salz.

Nach Angaben des Herstellers wirkt die Mineralsalzmischung schleimlösend sowie entzündungshemmend und unterbindet die Infektionsneigung offener Wunden. Als Besonderheiten der Salzmischung werden der besonders hohe Anteil an Hydrogencarbonat-Ionen und eine ausgewogene Mischung der verschiedenen Mineralsalze angegeben. Eine gegenüber Kochsalzlösung erhöhte Wirksamkeit ist jedoch nicht wissenschaftlich belegt.“

Ich selber ziehe simples Kochsalz vor. Meiner Ansicht nach braucht es keine spezielle Mineralsalzmischung.

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Zur Wirkung von Glaubersalz (Natriumsulfat / Natrium sulfuricum)

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Glaubersalz (Natriumsulfat, Natrium sulfuricum, Na2SO4 ) wurde 1625 von dem Chemiker und Apotheker Johann Rudolph Glauber als Bestandteil von Mineralwasser entdeckt und beschrieben.

Glaubersalz ist ein salinisches Abführmittel.

Es hält osmotisch Wasser im Darm zurück und steigert so den Flüssigkeitsanteil im Stuhl. Durch das vergrösserte Volumen wird der Entleerungsreiz ausgelöst.

Medizinisch wird Glaubersalz nur noch selten angewendet, doch ist es durchaus effektiv zur kurzfristigen Anwendung bei Verstopfung und zur kompletten Darmentleerung vor chirurgischen und diagnostischen Eingriffen.

In der Alternativmedizin kommt Glaubersalz oft beim sogenannten Heilfasten zur Anwendung und soll zur Entschlackung beitragen.

Diese Vorstellung ist allerdings irreführend. Der Begriff Schlacke beschreibt einen Verbrennungsrückstand. Solche Rückstände im menschlichen Körper nicht an. Schlacke ist ein Abfallprodukt der Erzverhüttung. Im menschlichen Organismus entgiften Leber und Nieren die im Rahmen der Stoffwechselvorgänge anfallenden Substanzen. Eine Ablagerung von Schlacken ist im menschlichen Körper nicht nachweisbar und niemand hat bisher konkret sagen und zeigen können, woraus diese Schlacken bestehen sollen.

Siehe dazu:

Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere

„Karriere“ gemacht hat Glaubersalz in letzter Zeit allerdings vor allem als Schüssler Salz Nr. 10 Natrium sulfuricum. Wie bei Schüssler Salzen üblich wird Glaubersalz unter ritueller Verreibung 1 : 1 Million mal gestreckt mit einer Trägersubstanz und dann für eine grosse Zahl von Krankheiten empfohlen.

Für Schüssler Salz Nr. 10 Natrium sulfuricum wird zum Beispiel genannt:

Abstillen, Akne, Angespanntheit, Appendicitis chronica, Aszites, Aufgedunsenes, Gesicht, Aufgeschwemmtheit, Ausdauer, Ausleitung, Ausscheidungsgastritis, Authentizität, Beharrlichkeit, Belastungs-Inkontinenz, Beliebtheit, Besserwisserei, Bewegungsmangel, Blasenschwäche, Blockierung, Brechdurchfall, Cellulite, Cholangitis, Cholelithiasis, Cholezystitis, Chronische Blinddarmentzündung, Chronische Hepatitis, Chronische Leberentzündung, Cluster-Kopfschmerz, Commotio, Darmträgheit, Denkblockade, Desinteresse, Diabetes, Diabetischer Fuss, Diarrhoe, Dogmatismus, Drehschwindel, Drüsenschwellung, Durchfall, Durstmangel, Dyspepsie, Eigenverantwortung, Eitriger Hautausschlag, Eklampsie, Emphysem, Entscheidungsschwäche, Erbrechen, Erfrierung, Ernährungsfehler, Fanatismus, Fersenschmerz, Fettleber, Fettstoffwechselstörung, Fokalgeschehen, Gallenblasenentzündung, Gallengriess, Gallenschwäche, Gallenstauung, Gallenstauung, Gallensteine, Gallenwegsentzündung, Gebärmutterrückbildung nach der Geburt, Gehirnerschütterung, Gelbsucht, Gelenk-Knacken, Gerechtigkeitssinn, Geschwollene Füsse, Geschwollene Hände, Geschwulst, Glaukom, Gleichgewichtsstörungen, Grippe, Grüner Star, Harninkontinenz, Harnträufeln, Harnverhaltung, Hautauswüchse, Hautjucken, Hautwucherungen, Hepatitis, Herd-Entzündungen, Herzensgüte, Herzlichkeit, Heuschnupfen, Hohe Cholesterinwerte, Hyperhidrosis, Hühneraugen, Ikterus, Infektiöse Mononukleose, Inkontinenz, Juckreiz, Knieschmerzen, Kollaps, Kopfschuppen, Kreislaufkollaps, Lebenskraft, Leberentzündung, Leberflecken, Leberschwäche, Leukämie, Lippen-Herpes, Lippenbläschen, Lymphangitis, Lymphgefässentzündung, Magen-Darm-Grippe, Mallorca-Akne, Mattigkeit, Meniskus-Schwäche, Missmut, Missstimmung, Morbus Meniere, Nasenröte, Nebenniereninsuffizienz, Neurodermitis, Nieren-Kopfschmerzen, Nierenbeckenentzündung, Nierengriess, Nierenschwäche, Norovirus-Infektion, Obstipation, Pfeiffersches Drüsenfieber, Pfortaderstauung, Phlebitis, Pickel, Pigmentflecke, Polyarthritis, Portale Hypertension, Pruritus, Psoriasis, Pusteln, Pyelonephritis, Rechthaberei, Rheuma, Roemheld-Syndrom, Rote Nase, Salmonellen-Infektion, Sauerstoffmangel, Schlecht heilende Wunden, Schnupfen, Schuppenflechte, Schwangerschaftskopfschmerzen, Schweissausbrüche, Schweisshände, Schwindel, Schwitzen, Schädel-Hirn-Trauma, Selbstversorgung, Sodbrennen, Sonnen-Empfindlichkeit, Sonnenallergie, Spröde Haare, Stabilität, Stauungsgastritis, Stauungsleber, Steinleiden, Stoffwechselschwäche, Thrombophlebitis, Trägheit, Tränende Augen, Tränenfluss, Tumor, Ulcus cruris, Unterschenkelgeschwür, Verdauungsbeschwerden, Verdriesslichkeit, Verstopfung, Wachsamkeit, Wasserbauch, Wassereinlagerungen, Wucherungen, Xanthelasmen, Zuckerkrankheit, Zuckerstoffwechsel, Zurückhaltung, Zusammenbruch, Ödeme, Übelkeit, Überdruss, Übergewicht, Überheblichkeit.

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/mittel/natrium-sulfuricum.htm

Diese sehr umfangreiche und heterogene Liste zeigt sehr schön, wie ein ausgesprochen einfaches, billiges Mittel wie Natriumsulfat mit Heilungsvorstellungen aufgeladen wird.

Für keine dieser Heilungsversprechungen gibt es auch nur den Hauch eines Beleges. Wir haben es mit reinen Behauptungen zu tun.

Die Liste zeigt auch eine Stärke von Komplementärmedizin und Alternativmedizin, die für wirklich jede psychische oder körperliche Lebenslage eine ganze Auswahl an Heilmitteln anbieten. Von Missmut über Schweissausbrüche bis zum Zusammenbruch und zum Tumor. Das nennt sich dann Ganzheitlichkeit – ist aber in Wirklichkeit eine Medikalisierung aller Lebenslagen.

Siehe auch:

Fragwürdige Ganzheitliche Medizin

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Keine Blasenreizung durch saure Früchte

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Zitrusfrüchten und Tomaten sollen die Harnblase irritieren und so Inkontinenz begünstigen. So jedenfalls lautet eine verbreitete Ansicht. Falsch, sagen nun US-Forscher.

Ob Frauen viel oder wenig Früchte mit hohem Säuregehalt konsumieren, hat nach einer Subanalyse der Nurses‘ Health Study (NHS) keinen Einfluss darauf, ob sie an Harninkontinenz leiden oder nicht (Int Urogynecol J 2012; online 10. August).

Für die Studie waren 65.168 kontinente Frauen im Alter zwischen 37 und 79 Jahren zu ihrer Ernährung befragt und dann während vier beobachtet worden.

Selbst Frauen, die die meisten sauren Früchte und Fruchtsäfte einnahmen (fünf Portionen am Tag), wurden im Beobachtungszeitraum nicht häufiger inkontinent als Frauen mit dem tiefsten Konsum (eine Portion pro Tag).

An diesem Null-Ergebnis änderte sich auch nichts, wenn das Auftreten von Dranginkontinenz, Belastungsinkontinenz und geringfügiger Harninkontinenz einzeln erfasst wurde.

Es zeigte sich auch keine Verschlechterung bei bestehender Harninkontinenz durch saure Früchte. Das zeigte die Überwachung von 23.063 erkrankten NHS-Teilnehmerinnen.

Eine Verschlimmerung der Beschwerden trat innert zweier Jahre bei den Frauen mit dem höchsten und dem niedrigsten Konsum mit der gleichen Häufigkeit auf.

Die Studie erfasste unter dem Begriff „saure Früchte“ Zitrusfrüchte, Pflaumen, Trauben, Äpfel, Beeren sowie Tomaten und Tomatenprodukte.

Aber auch bei separaten Auswertung für die einzelnen Fruchtsorten, zum Beispiel für Zitrusfrüchte und Tomaten, zeigten sich keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit der Entwicklung oder dem Fortschreiten einer Harninkontinenz.

Frauen, die sich Sorgen machen sind wegen Inkontinenz, müssen daher nicht den Konsum von sauren Früchten einschränken, konstatieren die Studienautoren um Mary Townsend vom Brigham and Women’s Hospital in Boston.

Die Angst vor der Säure in den Harnwegen beim Konsum saurer Früchte ist sowieso nicht berechtigt.

Die meisten säurehaltigen Früchte machen wegen ihres Gehalts an Karbonaten, Natrium und Kalium den Urin nämlich gar nicht sauer, sondern heben den pH sogar an.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/821334/saure-fruechte-mythos-blasenreizung.html

http://www.pnas.org/content/early/2012/08/31/1202056109

Kommentar & Ergänzung:

Zu hören ist auch immer wieder die Ansicht, dass saure Früchte den Körper generell sauer machen, was aus den erwähnten Gründen ebenso falsch ist.

Eine Harninkontinenz, also die mangelnde Fähigkeit, Urin sicher in der Harnblase zu speichern und selbst Ort und Zeitpunkt der Entleerung zu bestimmen, ist eine komplexe Störung, die unterschiedliche Ursachen haben kann. Darum braucht es eine sorgfältige ärztliche Abklärung der Ursachen, damit eine sinnvolle Behandlung möglich wird.

Viele Betroffene scheuen sich allerdings, das Thema beim Arztbesuch oder gegenüber von Pflegenden anzusprechen.

Es wäre aber wichtig, die Blasenschwäche zu enttabuisieren und die Betroffenen zu ermuntern ihre Scham zu überwinden und offen über ihre Probleme zu sprechen.

Informationen gibt es bei der Schweizerischen Gesellschaft für Blasenschwäche, http://www.inkontinex.ch/index.html

Im Bereich der Phytotherapie taucht beim Thema Harninkontinenz als Idee und auch in der Forschung immer wieder Kürbissamen auf, doch ist ihre Wirksamkeit bei Inkontinenz bisher völlig ungesichert.

Immerhin sind Kürbissamen ein gesunder Bestandteil der Ernährung und schaden nicht.

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Löwenzahn als Schlankheitsmittel

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„Löwenzahn macht schlank. Er enthält Kalzium, Natrium und Magnesium, das den Energiestoffwechsel fördert – dadurch werden alte Schlacken schneller aus dem Körper ausgeschieden.“

Quelle:

http://madonna.oe24.at/gesund/So-macht-Loewenzahn-schlank/74334535

Kommentar & Ergänzung:

Das Webportal Madonna schreibt hier wieder einmal einfach, was viele Leute gerne hören wollen – unabhängig vom Realitätsgehalt. Wäre doch allzu schön, wenn Löwenzahn schlank machen würde , einfach so.

Aber Kalzium, Natrium und Magnesium hat es auch in vielen anderen Wildpflanzen – weshalb solche Mineralstoffe schlank machen sollen, ist schleierhaft und Madonna erklärt es auch nicht. Genauso nebulös ist die Versprechung, dass Löwenzahn „alte Schlacken“ ausscheiden soll. „Schlacken“ gibt es bei der Erzverhüttung, aber nicht im Organismus.

Immer wenn von „Schlacken“ oder „Entschlackung“ die Rede ist, stürzt die Glaubwürdigkeit der entsprechenden Aussagen in den Keller.

Hier weitere Infos aus Wikipedia:

„Entschlackung (von Schlacke, einem Verbrennungsrückstand) ist in der Alternativmedizin ein Ausdruck für Maßnahmen, die mutmaßliche Giftstoffe und vermeintlich schädliche Stoffwechselprodukte ausscheiden sollen. Die Wirksamkeit dieser Verfahren ist nicht gegeben, die angenommenen Wirkungsweisen lassen sich nicht nachweisen.

Unschärfen bestehen sowohl in der Definition der Substanzen, die unter diese Schlacken fallen, als auch bezüglich der Maßnahmen, die als Entschlackung gelten sollen. Meist werden unter „Entschlackung“ bestimmte im Rahmen der Alternativmedizin eingesetzte Maßnahmen verstanden, die unter dem Begriff ausleitende Verfahren zusammengefasst werden, zum Beispiel Schröpfen, Cantharidenpflaster, Einläufe, Schwitzkuren, Abführmittel (Laxantien) und Fastenkur. Einige Verfahren behaupten, auch Quecksilber (beispielsweise von Amalgamzahnfüllungen), Impfstoffe oder andere Schlacken ausleiten zu können.

Ein allgemein anerkannter Nachweis, dass der Körper in diesem Sinne therapeutisch „entgiftet“ oder „entschlackt“ werden könne oder gar solle, liegt nicht vor. Während einer Fastenkur steigt sogar die Schadstoffbelastung des Blutes. Das subjektive Erleben von Heilerfolgen durch Patienten ist durch Empfindungen wie den Placeboeffekt erklärbar. Im weiteren Sinne fallen auch medizinische Therapieformen hierunter, wie etwa das Entfernen harnpflichtiger Substanzen aus dem Blut in der Dialyse durch Blutwäsche. Auch Ammoniak, der bei einer leberbedingten Hirnerkrankung im Rahmen einer Leberzirrhose vermehrt anfällt und dessen Produktion durch eine antibiotische Darmdekontamination und Lactulosebehandlung verringert wird, wäre ein Beispiel in diesem Zusammenhang.“

Und ausserdem: Wenn Löwenzahn schlank macht, dann müsste man das doch den Kühen auf Löwenzahn-reichen Wiesen ansehen……warum nur ist mir das noch nie aufgefallen?

Siehe auch:

Löwenzahn entgiftet?

Entschlackung – was ist das?

Fasten & Entschlacken

Entschlackung – unnötig und ungesund

Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere

Entgiften und entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

Entschlackung – illusionäre Hoffnung auf Gewichtreduktion

P.S: In der Phytotherapie sind als Anwendungsbereiche von Löwenzahnwurzel / Löwenzahnkraut anerkannt:

Störungen des Gallenflusses; zur Anregung der Diurese (Wasserausscheidung über die Nieren); Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden.

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Amorfructine aus Süssholz gegen Diabetes

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Süssholz enthält Wirkstoffe mit einem für den Typ-2-Diabetes hochinteressanten Profil: Die neu entdeckten Inhaltsstoffe Amorfrutine reduzieren am Tiermodell den Blutzucker durch Steigerung der Insulinsensitivität und wirken gegen Entzündungen.

Seit Jahrtausenden werden Inhaltsstoffe der Süssholz-Pflanze (Glycyrrhiza glabra) medizinisch angewendet, und zwar hauptsächlich als Tee bei Atemwegs- und Magenerkrankungen. Nun haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin in der Süßholzwurzel eine neue Wirkstoffklasse entdeckt: die Amorfrutine.

Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass die Amorfrutine gezielt an den PPAR-gamma-Rezeptor (Peroxisom-Proliferator-Aktivierter Rezeptor) andocken und Ihn aktivieren. Da PPAR-Rezeptoren viele Stoffwechselvorgänge beeinflussen, ist das medizinische Interesse an ihnen seit einigen Jahren sehr groß.

Der gamma-Untertyp spielt eine bedeutende Rolle im Glucose- und Fettstoffwechsel. Eine Aktivierung des PPAR-gamma steigert die Empfindlichkeit von Muskelzellen, Fettzellen und Leberzellen für Insulin. Glucose sowie freie Fettsäuren werden darum verstärkt von den Zellen aufgenommen und aus dem Blut abgezogen.

Auch bei der Differenzierung von Adipozyten (Zellen des Fettgewebes) scheint der PPAR-gamma eine Rolle zu spielen, und schließlich ist die Aktivierung des Rezeptors mit antientzündlichen Wirkungen verbunden.

Insulinsensitivität wird erhöht

Im Einklang mit diesen Erkenntnissen der Grundlagenforschung stehen die Resultate, die die Max-Planck-Wissenschaftler mit Amorfrutinen am Mausmodell für Adipositas und Tpy-2-Diabetes gewonnen haben: Mit den neu entdeckten Pflanzenstoffen ließ sich die Insulinsensitivität deutlich erhöhen. Der Blutzucker wurde reduziert und auch die Konzentration freier Fettsäuren im Blut verminderte sich. Die Amorfrutine konnten im Experiment sogar der Entwicklung einer Fettleber vorzubeugen. Außerdem war eine Verminderung verschiedener Entzündungsparameter festzustellen.

Dieses interessante Profil wird gemäss den experimentellen Daten durch eine sehr gute Verträglichkeit vervollständigt. Damit, so die Forscher, weisen Amorfrutine einen entscheidenden Vorteil gegenüber synthetischen Liganden des PPAR-gamma auf. Denn die vor einigen Jahren in die Diabetesbehandlung eingeführten Glitazone binden an diesen Rezeptor. Allerdings ist Rosiglitazon schon wieder aus dem Handel verschwunden und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte rät Medizinern, keine weiteren Patienten auf Pioglitazon einzustellen. Dass die natürlichen PPAR-gamma-Liganden offenbar frei sind von unerwünschten Wirkungen synthetischer Liganden, ist laut den Wissenschaftlern auf die größere Selektivität zurückzuführen, mit der Amorfrutine durch die Bindung an den Rezeptor relevante Gene anschalten.

Amorfrutine passen ins Konzept der Diabetestherapie

Das Profil der Amorfrutine ist darum so interessant, weil es metabolische und antientzündliche Effekte verbindet. Entzündliche Vorgänge spielen nach dem aktuellen Konzept in der Pathogenese des Typ-2-Diabetes eine wichtige Rolle und könnten ein bedeutendes Bindeglied zwischen Adipositas (Fettleibigkeit), Diabetes und Arteriosklerose sein.

Bei Adipositas können Fettzellen auf ein Mehrfaches ihrer gewöhnlichen Größe anwachsen, und diese hypertrophen Fettzellen schütten große Mengen von Entzündungsmediatoren aus. Dadurch werden Immunzellen wie Makrophagen angelockt, die in das Fettgewebe einwandern und die Lage weiter aufheizen, bis sich mit der Zeit eine chronische Entzündung (low grade inflammation) entwickelt. Man konnte zeigen, dass die Überschwemmung mit Entzündungsmediatoren an insulinabhängigen Geweben eine Insulinresistenz auslösend beziehungsweise fördern kann, die Ausgangspunkt ist für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Und auch bei der beschleunigten Arteriosklerose – als Folge von metabolischem Syndrom und Typ-2-Diabetes – sind entzündliche Vorgänge mit im Spiel.

Man müsste allerdings viel Süßholz einnehmen, um die Wirkungen der Amorfrutine in der Diabetesbehandlung nutzen zu können – die bisher angebotenen Zubereitungen hauptsächlich in Tees sind viel zu niedrig dosiert. Die Berliner Wissenschaftler haben bereits großindustriell anwendbare Extraktionsverfahren entwickelt, mit dem sich Amorfrutine anreichern lassen. Das medizinische Potenzial dieser interessanten Pflanzeninhaltsstoffe, die auch in den Früchten des in Amerika heimischen Strauches Amorpha fruticosa entdeckt wurden, sehen die Max-Planck-Forscher in einer sowohl therapeutischen als auch vorbeugenden Anwendung.

Quelle:

Weidner, C: Amorfrutines are potent antidiabetic dietary natural products, Proceedings of the National Academy of Sciences 2012, doi: 10.1073/pnas.1116971109

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41709&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Süssholz ist eine interessante Heilpflanze und dieses Beispiel mit den Amorfrutinen zeigt wieder einmal, dass die Pflanzenwelt eine ergiebige Quelle für Arzneistoffe ist.

Zum Hinweis darauf, dass mit Süssholztee die Amorfrutine nicht in genügender Dosierung zugeführt werden können, lässt sich noch sagen: Mit eingedicktem Süssholzsaft – also mit Lakritze – könnten wohl grössere Mengen zugeführt werden (sofern die Amorfrutine das Einkochen bei der Lakritzeherstellung überstehen).

Das Problem liegt aber an einem anderen Punkt: Süssholz / Lakritze in so hohen Dosen hätte wohl auch gravierende Nebenwirkungen. Bei längerfristiger Einnahme und hohen Dosen wäre zu rechnen mit: Mineralocorticoiden Wirkungen, Pseudohyperaldosteronismus mit Wasser- und Natriumretention, Oedemen, Kaliummangel und Bluthochdruck. Für diese Wirkungen sind die Inhaltsstoffe Glycyrrhizinsäure bzw. Glycyrrhetinsäure verantwortlich.

Darum ist es im Fall der Amorfrutine sicher sinnvoll, wenn die Wissenschaftler sich auf die Gewinnung und Anwendung der isolierten Stoffe konzentrieren und nicht – wie es in der Phytotherapie gebräuchlich ist – ein möglichst vollständiges „Wirkstoffteam“ aus der Pflanze extrahieren.

Zu ergänzen ist zudem, dass die vorliegenden Laborergebnisse und Resultate aus Tiermodellen noch weit entfernt sind von der Anwendung in der Diabetes-Behandlung beim kranken Menschen. Ob sich ein neuer Ansatz in der Therapie bewährt, zeigt sich erst in klinischen Studien mit Patientinnen und Patienten.

Zum Süssholz (Glycyrrhiza glabra) siehe auch:

Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt

Fundstück: Rezept für hausgemachte Lakritze

Süssholzwurzeltee bei Magenbeschwerden

Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze schädlich in der Schwangerschaft

Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Hausmittel: Rettichsirup gegen Husten

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Das Magazin „focus“ publizierte eine Reihe von Beiträgen zur Behandlung von Erkältungen mit Hausmitteln:

„Schwarzer Rettich ist ein altbewährtes, hilfreiches Hustenmittel. Der Saft enthält Schwefelöle die desinfizierend wirken und die gereizten Atemwege beruhigen.

Anwendung: Den Rettich aushöhlen und mit Honig füllen. Nach drei bis fünf Stunden kopfüber in eine Schüssel stellen und den „Hustensaft“ auffangen. Zweimal täglich nach dem Essen ein Gläschen trinken.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/erkaeltung/tid-12543/sanfte-therapie-das-immunsystem-mobilisieren_aid_348252.html

Kommentar & Ergänzung:

Rettich enthält Senfölglykoside (Glucosinolate) mit antimikrobieller Wirkung. Rettichsaft löst den Schleim bei produktivem Husten.

„Ein normaler Rettich deckt den Tagesbedarf eines Erwachsenen an Vitamin C, er liefert etwas Eiweiß, Carotin, einige B-Vitamine, reichlich Kalium, Natrium, Magnesium, Kalzium, Phosphor, Eisen und Enzyme, vor allem aber ein schwefelhaltiges Öl, das Raphanol, sowie mehrere Senfölglykoside und Bitterstoffe, die eine antibiotische Wirkung haben, gallentreibend sind und in den Atemwegen Schleim lösen. Allerdings empfinden manche Menschen den Geruch von Rettich als unangenehm. Außerdem kann Rettich Mundgeruch verursachen.“

(Quelle: Wikipedia)

Der Schwarze Winter-Rettich, oder auch nur Schwarzer Rettich, soll der wirksamste Rettich gegen Husten sein:

„Zu medizinischen Zwecken wird der Rübe mit Zucker der Saft entzogen. Dieser Sirup hat deutlich antioxidative Wirkung. Der Rettichsaft der schwarzen Sorten ist der am besten wirksame.“

(Quelle: Wikipedia)

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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