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Bei Rhinosinusitis Nasenspülungen oder Dampfinhalationen?

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Bei chronischer oder wiederkehrender Rhinosinusitis (Nasenebenhöhlenentzündung) werden als Hausmittel oft Nasenspülungen mit Salzwasser oder Wasserdampfinhalationen empfohlen. Dampfinhalationen erwiesen sich in der Studie als weitgehend wirkungslos, während Nasenspülungen immerhin eine moderate Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität bewirkten.

Die Studie war randomisiert, das heisst, die Probanden wurden per Zufallsentscheid auf vier Gruppen unterteilt (das ist ein Qualitätsmerkmal für Studien).

Es beteiligten sich 871 Erwachsene mit chronischer oder rezidivierender Rhinosinusitis und einem „mittelschweren bis schweren Einfluss von Sinussymptomen auf die Lebensqualität“.

Die teilnehmenden Personen wurden in ihrer Hausarztpraxis instruiert, sechs Monate lang täglich entweder die Nase mit 150 ml 2%iger Kochsalzlösung zu spülen (n = 219) oder fünf Minuten lang unter einem Handtuch Wasserdampf zu inhalieren (n =232) bzw. beide Maßnahmen durchzuführen(n=210). Die Kontrollgruppe (n = 210) bekam keine dieser Empfehlungen (n sagt aus, wieviele Probanden in dieser Gruppe sind).

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/917299/hausmittel-test-spuelungen-dampf-rhinosinusitis.html

CMAJ 2016, online 18. Juli

http://www.cmaj.ca/content/early/2016/07/18/cmaj.160362

 

Kommentar & Ergänzung:

Grundsätzlich ist es schon mal positiv zu werten, dass einfache Hausmittel wie Nasenspülungen und Dampfinhalationen in einer doch recht grossen Studie untersucht wurden. Weil sich an diesen Hausmitteln kaum etwas zu verdienen lässt, ist es in der Regel schwierig, solche Studien zu finanzieren.

Wie bei praktisch jeder Studie bleiben auch hier eine Reihe von Fragen offen.

Die Anleitung zur Nasenspülung erfolgte zum Beispiel nur über ein kurzes Video. Haben die Teilnehmenden diese Massnahmen wirklich konsequent über 6 Monate durchgeführt? Da habe ich doch ein bisschen Zweifel.

Interessant ist auch, dass mit 2%iger Kochsalzlösung gespült wurde (hypertone Lösung). Als Spüllösung werden sonst meistens isotone Salzlösungen verwendet (0,9% NaCl-Lösung, physiologische Kochsalzlösung) verwendet. (etwa neun Gramm Kochsalz = zwei gestrichene Teelöffel auf einen Liter Wasser.

Hier gibt es aber einen weiteren Bericht über eine positive Studie mit hypertoner Salzlösung:

Rhinosinusitis: Hypertone Salzlösung unterstützt Behandlung

Siehe ausserdem hier:

Nasenduschen mit Salzwasser günstig bei chronischen Rhinosinusititen

Hypertone Salzlösungen bei Schnupfen

Akuter Schnupfen bei Kindern: Nasenspülungen sind wirksam

 

 

Bei den Dampfinhalationen wurden in der Studie aus Southampton offenbar mit Wasserdampf inhaliert. Hier wäre interessant, ob die Inhalation mit Kochsalzlösung (isotonisch? hypertonisch?) allenfalls besseere Resultate gebracht hätte.

Siehe:

Inhalation mit Salzlösung – die ideale Begleittherapie bei Husten

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2012/11/13/inhalation-mit-salzlosung-die-ideale-begleittherapie-bei-husten.html

Ausserdem lassen sich Dampfinhalationen mit Wasserdampf oder mit Kochsalzlösung zusätzlich mit Heilpflanzen anreichern. Man kann zum Beispiel eine Mischung von Kamillenblüten und Thymiankraut mit dem kochenden Wasser beziehungsweise Salzwasser übergiessen und damit inhalieren. Dabei wirkt Kamille mehr entzündungswidrig und Thymian mehr antimikrobiell.

Interessant ist zudem die Idee von Ingwer-Inhalationen. Siehe dazu:

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen

Heiserkeit: Inhalieren mit Kamille und Salbei

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

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Weihrauch als Tee gegen Rheuma?

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Kürzlich wurde ich an einem Kurs gefragt, ob Weihrauch gegen Rheuma als Tee verwendet werden könne. Das geht nicht, aber Weihrauchharz lässt sich sehr unterschiedlich einsetzen. Daher hier ein Blick ins Weihrauch-Thema:

In der indischen Medizin (Ayurveda) wird Weihrauch als „Salai gugal“ seit langem bei vielen Beschwerden eingesetzt.

Die Phytotherapie-Forschung hat diese Tradition aufgenommen und im Labor und mit klinischen Studien überprüft.

Es gibt Studien mit positiven Ergebnissen bei Arthritis, Colitis ulcerosa, Asthma bronchiale, Morbus Crohn, Arthrose. Allerdings sind die Ergebnisse nicht eindeutig genug für eine abschliessende Beurteilung.

Am besten abgesichert ist offenbar, dass Weihrauchkapseln Bewegungseinschränkungen bei altersbedingter Abnützung (Arthrose) der Kniegelenke lindern können. Der Effekt ist nicht besonders groß, jedoch merkbar und gut abgesichert.

Quelle: http://www.medizin-transparent.at/weihrauch-heilig-und-heilsam

Dieser Hinweis von „Medizin Transparent“ auf eine Wirksamkeit von Weihrauch bei Arthrose ist vor allem deshalb interessant, weil die Phytotherapie-Fachliteratur bisher Weihrauch eher im Bereich Arthritis ansiedelt.

Alle diese Studien haben Weihrauch peroral untersucht – also die Einnahme von Weihrauchpulver oder Weihrauchextrakt. Inzwischen gibt es auch Weihrauchsalbe und Weihrauchbäder, doch gibt es keine plausiblen Hinweise darauf, dass die Wirkstoffe durch die Haut aufgenommen werden.

Weihrauchharz ist aber selbstverständlich auch seit Urzeiten ein Räuchermittel.

Weihrauchharz (in Tränenform) kann pur gekaut werden bei Schleimhautentzündungen des Mundes (Quelle: Teedrogen und Phytopharmaka, Max Wichtl, 2009, Seite 472, anzuschauen im Buchshop).

Dann gibt es noch das ätherische Weihrauchöl. Seine Zusammensetzung unterscheidet sich sehr von derjenigen des Weihrauchharzes. So muss auch von einer unterschiedlichen Wirkung ausgegangen werden.

Über die Wirkung von ätherischem Weihrauchöl zirkulieren sehr unterschiedliche und vor allem sehr spekulative Angaben.

So zählt zum Beispiel Christian Wabner im „Lexikon der Aromatherapie“ folgende „Körperliche Indikationen“ auf:

„Akne, Asthma, Blutungen, (chronische) Bronchitis, chronischer Durchfall, Geschwüre, Gonorrhoe, Grippe, Harnblasenentzündung, reife, trockene oder faltige Haut, Hautpflege, Husten, Immunschwäche, Karbunkel, Katarrh, Kehlkopfentzündung, Krampfadergeschwür, Menstruationsschmerzen, Narben, Nasennebenhöhlenentzündung, Pickel, Rachenentzündung, Rheumatismus, Schnupfen, Schwangerschaftsstreifen (auch vorbeugend), Skrofulose, Spermatorrhoe, Verdauungsstörungen, Verletzungen, Weissfluss, Wunden, Zwischenblutungen.“

Das ist eine sehr weitläufige Aufzählung. Wie kommt sie zustande?

In der Einleitung schreibt Wabner, dass die Indikationen „der zum Teil jahrhundertealten Literatur entnommen und um eigene Erfahrungen ergänzt“ wurden.

Nun sind Tradition und jahrhundertelange Anwendung noch keine Garanten für Wirksamkeit. Tradition kann sich auch jahrhundertelang täuschen und die Medizingeschichte zeigt, dass Irrtümer sich sehr zäh über lange Zeit halten können.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

Auch die eigene Erfahrung, auf die sich Wabner beruft, ist täuschungsanfällig.

Siehe:

Pflanzenheilkunde -Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung

In der Einleitung schreibt Wabner, dass die aufgeführten Eigenschaften und Indikationen „allgemeine Hinweise“ darstellen und „keinesfalls als Rezepturvorschläge zu verstehen“ sind.

Gut, aber was nützen denn „allgemeine Hinweise“, die offenbar nicht als Empfehlung aufgefasst werden sollen? Was fängt der Leser oder die Leserin damit an, vor allem wenn Fachkenntnisse fehlen, die eine eigene Einschätzung möglich machen würden?

Und die Aufzählung steht unter dem Titel „Körperliche Indikationen“.

„Indikationen“ sind aber nicht einfach „allgemeine Hinweise“!

Wikipedia definiert „Indikationen“ so:

„Der medizinische Begriff Indikation (von lateinisch indicare „anzeigen“), Synonym: Heilanzeige, steht grundsätzlich dafür, welche medizinische Maßnahme bei einem bestimmten Krankheitsbild angebracht ist und zum Einsatz kommen soll: Bei Krankheitsbild „X“ ist das Heilverfahren „Y“ indiziert, also angebracht.“

Stutzig macht auch ein weiterer Hinweis in der Einleitung:

„Es ist zu beachten, dass eine Anzahl von Eigenschaften und Indikationen aus der Phytotherapie übernommen wurden, wo sie meist für die Anwendung der ganzen Pflanze geschrieben sind.“

Das ist ein sehr problematischer Fehler, der in Aromatherapie-Büchern nicht selten anzutreffen ist. Indikationen (Anwendungsbereiche) oder Wirkungen aus der Phytotherapie, die sich auf die ganze Pflanze zum Beispiel als Tee oder Extrakt beziehen, auf die Anwendung von ätherischen Ölen in der Aromatherapie zu übertragen, führt meistens zu irreführenden Angaben.

Die ganze Pflanze – zum Beispiel als Kräutertee oder Pflanzenextrakt verwendet, enthält in der Regel eine ganze Reihe von Wirkstoffen, die nicht flüchtig und daher im ätherischen Öl nicht vorhanden sind – zum Beispiel Gerbstoffe, Schleimstoffe, Glykoside.

Daher kann man die Wirkungen und Indikationen nicht gleichsetzen!

Bei der oben aufgeführten Indikationsliste für Weihrauch sind also offenbar Angaben aus Phytotherapie (die sich in der Regel auf Weihrauchharz beziehen) und Angaben für Weihrauchöl vermischt. Es ist unklar, auf welche Anwendungsform sich die Angaben beziehen, doch werden die meisten Leserinnen und Leser wohl davon ausgehen, dass es sich um Angaben für das ätherische Öl handelt. Denn schliesslich stehen sie ja im „Taschenlexikon der Aromatherapie“.

Dazu kommt noch:

Keiner der Anwendungsbereiche in der Indikationsliste für Weihrauch ist auch nur einigermassen glaubwürdig belegt.

Und viele der Angaben sind vollkommen fragwürdig – zum Beispiel die Indikation (Heilanzeige!) Gonorrhoe (Tripper) für Weihrauch.

Wie genau soll ich mir das vorstellen? Ätherisches Weihrauchöl einatmen oder einreiben? Weichrauchharz einnehmen? Räuchern? – Auf keinem dieser Wege ist eine Wirksamkeit von Weihrauchöl gegen Tripper auch nur ansatzweise plausibel.

Und dann ist Gonorrhoe eine ernste Erkrankung, die antibiotische Behandlung genötigt. Meiner Ansicht nach müsste das erwähnt werden.

Solche Fragen könnte man fast zu jeder Indikation auf der Liste stellen.

Die Liste ist besonders deshalb irritierend, weil das Buch einen wissenschaftlichen Anspruch erhebt und der Autor einen Professorentitel führt.

Daraus kann man lernen, dass ein Professorentitel noch keine Qualitätsgarantie ist.

Auf dem Cover des „Taschenlexikons der Aromatherapie“ wird Aromatherapie als eigenständiger „Bereich der Phytotherapie“ bezeichnet. Aber die Qualitätssicherungssysteme der Phytotherapie (z. B. Monografien von Kommission E und ESCOP) spielen in dem Buch keine Rolle. Fundierte Phytotherapie würde sich auf die Indikationen Arthritis, Colitis ulcerosa, Asthma bronchiale, Morbus Crohn und Arthrose beschränken – Bereiche, für die es zu mindestens Hinweise auf eine Wirksamkeit gibt – wenn Weihrauchharz eingenommen wird.

Aber die Liste der Indikationen im „Taschenlexikon der Aromatherapie“ kommt sehr viel eindrücklicher daher (Gonorrhoe! Krampfadergeschwür!…).

Es braucht sehr viel mehr kritische Auseinandersetzung mit solchen Aussagen (was ich hiermit versucht habe…).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Medikamentencheck für Erkältungsmittel: Sinupret

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Spiegel online veröffentlichte eine Beurteilung von „chemischen“, pflanzlichen und homöopathischen Erkältungsmitteln. Als Experte fungierte dabei Peter Sawicki. Der Internist und Diabetologe war von 2004 bis 2010 Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln.

Eines der beurteilten Erkältungsmittel ist Sinupret. Das Präparat enthält Eisenkraut, Enzianwurzel, Gartensauerampferkraut, Holunderblüten und Schlüsselblumenblüten. Sinupret forte wird bei akuter Nasennebenhöhlenentzündung eingesetzt und ist das am meisten verkaufte pflanzliche Arzneimittel in Deutschland.

Zu Sinupret schreibt Peter Sawicki:

„Das Präparat ist eine Mischung aus verschiedenen Pflanzenextrakten ohne nachgewiesenen Nutzen bei Virusinfekten und Infekten der oberen Atemwege. Grundsätzlich ist das Medikament (mit Ausnahme des Sirups) nur zur Behandlung der Infektion der Nasennebenhöhlen zugelassen – also nicht bei grippalen Symptomen“

Quelle:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/erkaeltung-was-hilft-gelomyrtol-umckaloabo-echinacea-im-test-a-954781.html

Kommentar & Ergänzung:

Ein hartes Urteil zu einem Präparat, das so häufig gekauft wird. Man könnte argumentieren, dass ein so häufig gekauftes Präparat auch wirksam sein müsse. Aber so einfach ist die Wirksamkeit nicht beurteilbar, weil eine akute Nebenhöhlenentzündung in der Regel nach ein paar Tagen auch von selbst abklingt.

Es gibt eine ganze Anzahl klinischer Studien zu Sinupret, die dem Präparat eine Wirksamkeit zuschreiben. Allerdings ist die Qualität der meisten dieser Studien nicht gerade hoch. Wikipedia führt eine neuere Studie an, die ein positives Resultat zeigte:

„Das 2012 zugelassene Sinupret extract wurde in einer doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten klinischen Studie an 386 Patienten untersucht. Das Hauptzielkriterium (ein Symptomwert, der nasale Sekretion, retronasale Sekretion, Verstopfung der Nase, Kopfschmerz und Gesichtsdruck berücksichtigt) war nach Behandlung mit Verum signifikant verbessert gegenüber der Behandlung mit Placebo.“

Die Studie wurde hier veröffentlicht.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23193534?dopt=Abstract

Die „Medical-Tribune“ beschrieb 2012 die Studie so:

„Prof. Bachert berichtete über eine multizentrische Phase-III-Studie mit der Prüfsubstanz BNO 1016 (seit 1. Oktober als Sinupret® extract im Handel), die doppelblind, randomisiert und placebokontrolliert (DBRPC) mit 380 Patienten durchgeführt wurde. Sie erhielten über rund 15 Tage täglich entweder Placebo oder 480 mg BNO 1016 (3 x 2 Drg.).
Die Wirksamkeit wurde anhand des Major Symptom Score (MSS) bewertet, der fünf Symptome umfasst (anteriore bzw. posteriore Rhinorrhö, nasale Verstopfung, Kopfschmerz, Gesichtsschmerz). Ab dem dritten Behandlungstag zeigte sich ein deutlicher Unterschied zugunsten des Verums.

In dieser laut Prof. Bachert ersten DBRPC-Studie mit einem Phytopräparat bei akuter Rhinosinusitis waren Patienten unter der Phytotherapie 3,8 Tage früher geheilt als Angehörige der Placebogruppe. Der MSS zeigte sich am Tag 15 signifikant reduziert, was durch Sonographie der Nasennebenhöhlen bestätigt wurde.“

Quelle:

http://www.medical-tribune.ch/medizin/fokus-medizin/artikeldetail/rhinosinusitis-antibiotikum-oft-unnoetig.html

So wie eine einzelne Schwalbe noch keinen Frühling macht, macht eine einzelne gute Studie allerdings noch keine eindeutig belegte Wirksamkeit.

Leider. Auf diesem Hintergrund ist das harte Urteil des Experten nachvollziehbar, wenn die Kriterien der evidenzbasierten Medizin als massgeblich betrachtet werden.

Die Studie wurde mit „Sinupret extract“ durchgeführt, während im Spiegel von Sinupret oder Sinupret forte die Rede ist.

Das ist aber ein grosser Unterschied, der vielleicht bei dieser Beurteilung im Spiegel nicht oder zuwenig berücksichtigt wurde:

Sinupret Drg.:

Enzianwurzel (6 mg), Primelblüten (18 mg), Sauerampferkraut (18 mg), Holunderblüten (18 mg), Eisenkraut (18 mg)

Sinupret Forte Drg:

Enzianwurzel (12 mg), Primelblüten (36 mg), Sauerampferkraut (36 mg), Holunderblüten (36 mg), Eisenkraut (36 mg)

Sinupret und Sinupret forte enthalten getrocknete, pulvierisierte Heilpflanzen in einem Dragees und das in eher geringer Menge, wobei der Gehalt in Sinupret forte doppelt so hoch ist.

Sinupret extract enthält dagegen laut Beipackzettel pro Tablette 160,00 mg Trockenextrakt  aus Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten, Eisenkraut. Durch die Verwendung eines Trockenextraktes kann eine etwa vierfach höhere Konzentration an Wirkstoffen erreicht werden. Sinupret extract ist in Deutschland auf dem Markt, leider aber nicht in der Schweiz. Sinupret extract ist überzeugender und ich würde es vorziehen – jedenfalls für Erwachsene. Das Präparat kann in der Schweiz via Apotheke auch aus Deutschland besorgt werden.

Eigenartig finde ich die Verwendung von Schlüsselblumenblüten, weil Schlüsselblumenwurzel etwa 4mal mehr wirksamkeitsbestimmende Saponine enthält. Für Schlüsselblumenwurzel ist ein schleimlösender Effekt relativ gut dokumentiert. Auch sonst habe ich einige Fragezeichen zur Zusammensetzung von Sinupret. Für Enzianwurzel, Holunderblüten und Ampferkraut postuliert der Hersteller schleimlösende und antivirale Wirkungen, die jedoch hauptsächlich durch Tierversuche und Experimente mit Zellkulturen belegt werden. Solche Ergebnisse lassen sich nicht einfach auf die Anwendung am Menschen übertragen.

Mein eigenes Fazit: Sinupret und Sinupret forte überzeugen mich nicht (Sinupret, Sinupret forte) oder mässig (Sinupret Extrakt).

Sehr positiv bewerte ich, dass Bionorica als Hersteller von Sinupret ein mittelständischer Betrieb ist, der viel in Forschung und Entwicklung zugunsten von Phytopharmaka investiert. Ich schätze das auch bei anderen Herstellern (z. B. Schwabe, Zeller). Trittbrettfahrer haben wir genug. Wer in Forschung und Entwicklung investiert, sollte auch von Konsumentinnen und Konsumenten unterstützt werden.

P. S.

Ich selber bevorzuge im Übrigen bei Nasennebenhöhlenentzündung und Bronchitis eher Gelomyrtol®.

Siehe:

Myrtol / Gelomyrtol bei Husten und Bronchitis

Phytopharmaka: Gelomyrtol / Gelodurant / Sibrovita – was ist der Unterschied?

Myrtol bei Bronchitis und Sinusitis

Neu in der Schweiz: Gelomyrtol gegen Bronchitis und Sinusitis

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Chronische Rhinosinusitis: Hypertone Salzlösung unterstützt Behandlung

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Unter einer Rhinosinusitis versteht man eine gleichzeitige Entzündung der Nasenschleimhaut („Rhinitis“) und eine Entzündung der Schleimhaut der Nasennebenhöhlen („Sinusitis“).

Zur Symptomlinderung bei chronischer Rhinosinusitis können außer spezifischen Medikamenten unterstützend hypertone Salzlösungen lokal eingesetzt werden. Der osmotische Effekt bewirkt eine schonende Abschwellung der Nasenschleimhäute.

Eine Schädigung der Nasenschleimhaut, wie sie als Nebenwirkung bei der längerfristigen Anwendung klassischer Nasensprays zur Abschwellung auftreten kann, sei mit diesen Präparaten nicht zu befürchten, sagt Professor Ludger Klimek vom Zentrum für Rhinologie und Allergologie Wiesbaden.

Der Nasenschleimhaut wird durch die erhöhte Salzkonzentration überschüssiges Wasser entzogen, was die Schleimhäute abschwellen lässt. Durch die frei werdende Flüssigkeit lösen sich zudem zähes Sekret und Verkrustungen.

Das lässt den Patienten wieder besser durchatmen. Dieser lokale Effekt unterstützt die Selbstreinigungs- und Abwehrfunktion der Nasenschleimhaut auch bei längerfristiger Anwendung.

Auch die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie erwähnt die lokale Anwendung hypertoner Salzlösungen zur Beschwerdelinderung.

Eine kontrollierte Studie mit 211 Patienten belegte bei zweimal täglicher Anwendung einer hypertonen Salzlösung eine Verminderung der Beschwerden. Ein Cochrane Review bestätigte den Nutzen einer topischen Salzlösung als unterstützende Maßnahme bei chronischer Rhinosinusitis.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hno-krankheiten/article/851517/chronische-rhinosinusitis-kochsalzloesung-unterstuetzt-therapie.html

Kommentar & Ergänzung:

Im Handel sind zum Beispiel Präparate mit hypertoner Kochsalzlösung 2,7%ig.

Das kann man mit Leitungswasser auch selber herstellen. 27 g Kochsalz auf einen Liter Wasser = 2,7%. Ein gestrichener Teelöffel Kochsalz gilt als 5 Gramm. Allerdings sind mit dieser Standardangabe wohl eher die früher üblichen „tieferen“ Löffel gemeint und nicht die heutigen flachen.

Die meisten der heute als Nasenspray oder Nasenspüllösung verkauften Salzlösungen sind nicht hyperton, sondern isotonisch ( = 0,9%, „physiologische Kochsalzlösung“).

Salzlösung – das ist eine sehr einfache Sache, aber die Studienlage ist ziemlich komplex.

Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde kommt zum Schluss, dass bei akuter Rhinosinusitis weder isotone noch hypertone Salzlösungen hilfreich sind.

Bei chronischer Rhinosinusitis  gibt die Leitlinie eine starke Empfehlung für hypertone Lösungen ab mit der Begründung, sie könnten zu mindestens eine Beschwerdelinderung bewirken. Isotone Kochsalzlösung, Emser Salz und Leitungswasser (hypoosmolar) zeigten dagegen gemäss „Leitlinie“ keine therapeutische Effekte.

Quelle:

http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/017-049l_S2k_Rhinosinusitis_2011-07.pdf

(Seite 39)

Gegen eine tägliche Langzeitanwendung von Salzspülungen wandte sich allerdings 2009 der  US-Allergologe Talal Nsouli. Er hatte in zwei Studien über 24 und 12 Monate bei Patienten mit chronischer Nasennebenhöhlenentzündung erhöhte Raten an akuten Infektionen der Nebenhöhlen festgestellt. Die Studien sind allerdings klein und wurden nicht in einer Fachpublikation veröffentlicht. Sie haben daher nur begrenzte Aussagekraft.

Quelle:

http://ml.spiegel.de/article.do?id=879276

Der Allergologe Nsouli sagte an einem Kongress, die nasale Schleimhaut sei nicht nur eine Quelle der Verschleimung, sondern diene offenbar auch als erste Verteidigungslinie gegen eindringende Erreger. Spüle man diesen Schleim zwei Mal täglich mit Salz weg, dann beraube man seine Nase um diese Abwehrtruppe. Seiner Meinung nach spreche nichts dagegen, einige Wochen lang täglich oder auch zwei Mal pro Tag zur Nasendusche zu greifen, aber nicht für längere Zeit.

Quelle:

http://news.doccheck.com/de/2179/rhinosinusitis-kalte-dusche-fur-therapie/

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Mütze tragen schützt Ohren und Nasennebenhöhlen gegen Infektionen

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Bei kalten Temperaturen kann hauptsächlich der Kopf schnell auskühlen, was zu einer Mittelohrentzündung oder Nasennebenhöhlenentzündung führen kann. Bei Wind oder tiefen Temperaturen sei es unbedingt ratsam, eine Kopfbedeckung zu tragen. Sie schütze davor, dass die Stirnhöhle oder die Ohren auskühlen und empfindlicher für Krankheitserreger werden,  erklärt Dr. Matthias Lohaus, Landesverbandsvorsitzender Berlin vom Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte. Kälte verenge die Blutgefäße und verlangsame den Blutfluss.

Die Schleimhäute der Atemwege und der Ohren seien dann schlechter durchblutet und verfügten entsprechend über weniger Abwehrstoffe. Das ermögliche Bakterien und Viren leichter in den Körper einzudringen und Entzündungsreaktionen auszulösen, sagt der niedergelassene HNO-Arzt aus Berlin. Hauptsächlich Patienten mit Nasennebenhöhlenentzündungen und Mittelohrentzündungen sollten sich warm einpacken, um einer Infektion vorzubeugen.

Neben der warmen Verpackung sei es sinnvoll, dass Immunsystem mit ausgewogener, fettarmer Ernährung, ausreichend Bewegung und viel Schlaf zu stärken. Für die Schleimhäute in Nase, Nasennebenhöhlen und Ohren sei es zudem wichtig, viel zu trinken. Am besten eigne sich Wasser, Tee oder Saftschorle. Eine genügende Flüssigkeitsaufnahme von etwa 1,5 Litern täglich halte die Schleimhäute feucht, den Nasenschleim dünnflüssig und schütze dadurch vor Infektionen. Vor allem bei trockener Heizungsluft sollte man ausserdem viel trinken! Auch eine Anfeuchtung des Raumklimas könne helfen, genauso wie meersalzhaltige Nasensprays oder Dampfinhalationen mit ätherischen Ölen bzw. Nasenduschen mit Salzlösung, empfiehlt Dr. Lohaus.

Quelle:

http://www.hno-aerzte-im-netz.de/news/hno-news/muetze_schuetzt_ohren_und_nasennebenhoehlen_vor_infektionen.html

Kommentar & Ergänzung:

Den Nutzen einer Mütze zur Vorbeugung von Nasennebenhöhlenentzündungen kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Simples, fast kostenfreies Mittel, nur dran denken muss man….

Zu den Kochsalz-Spülungen siehe auch:

Hypertone Salzlösungen bei Schnupfen

Inhalation mit Salzlösung – die ideale Begleittherapie bei Husten

Salzwasser-Inhalationen als Mittel gegen Erkältungen, Schweinegrippe & Co.

Akuter Schnupfen: Bei Kindern Nasenspülungen sind wirksam

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Hausmittel bei beginnender Erkältung

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Erstes Anzeichen für eine Erkältung sei ein kratzendes, brennendes Gefühl hinter der Nase, erklärt Prof. Roland Laszig, Hals-Nasen-Ohrenarzt (HNO) und Direktor der Universitäts-Hals-Nasen-Ohrenklinik in Freiburg im Breisgau. In den meisten Fällen handle es sich dabei um eine Virusinfektion, die man in der Regel nicht mehr abwenden könne.

Um die Beschwerden zu lindern, empfiehlt Laszig bewährte Hausmitteln: „Halten sie sich in gut gelüfteten Räumen auf, trinken sie heiße Milch mit Honig, gurgeln sie mit Salbeitee und warten sie in Ruhe ab.“

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/kratzen-im-hals-hausmittel-lindern-beginnende-erkältung-083404476.html

Kommentar & Ergänzung:

Das ist meiner Ansicht nach ein sinnvoller Ratschlag.

Laszig rät allerdings auch, es mit Nasenspray zu versuchen. Das habe abschwellende Wirkung und fördere die Durchblutung der Schleimhäute. Damit könne man den Viren den Saft entziehen.

Das halte ich für eine eigenartige Vorstellung. Abschwellende Nasensprays verengen nämlich die Blutgefässe in der Nasenschleimhaut.  Schwer vorstellbar, dass sie gleichzeitig die Durchblutung anregen sollen. Verengte Blutgefässe werden normalerweise weniger durchblutet. Und dass durch abschwellende Nasensprays den Viren der Saft entzogen wird, scheint mir auch nicht pausibel. Von einem antiviralen Effekt solcher Nasensprays habe ich jedenfalls noch nie gehört. Laszig schreibt zudem ja selber, dass man die Virusinfektion in der Regel nicht mehr abwenden kann.

Abschwellende Nasensprays enthalten als Wirkstoff in der Regel ein α1-Sympathomimetikum als Vasokonstriktivum, zum Beispiel Tramazolin, Oxymetazolinhydrochlorid oder Xylometazolinhydrochlorid. Es handelt sich hier um bekannte Produkte wie Nasivin (Iromedica), Otrivin (Novartis), Triofan (Vifor), Vibrocil (Novartis), Xylo-Mepha (Mepha), Vicks Sinex (Procter & Gamble). Sie können durch die abschwellende Wirkung dazu verhelfen, dass wieder durch die Nase geatmet werden kann. Aber ich würde solche Mittel nur in Betracht ziehen, wenn die Nase wirklich ernstlich verstopft ist, zum Beispiel wenn sich eine Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) anbahnt. Und oft reicht bei solchen Nasensprays auch für Erwachsene die Kinderdosierung.

Abschwellende Nasentropfen sind nämlich nicht ohne Risiko:

„ Eine Anwendung von abschwellenden Nasensprays über mehr als eine Woche kann bereits zur Schädigung der Nasenschleimhaut führen und damit zu einer Daueranwendung verleiten. Durch eine Abnahme der Dichte von α-Rezeptoren schwillt die Haut ohne Einnahme des Sprays gar nicht mehr ab, eine dauerhafte Anwendung wird nötig (Rhinitis medicamentosa, Privinismus). Im weiteren Verlauf kann es zur atrophischen Entzündung der Nasenschleimhaut kommen. (Rhinitis atrophicans).“

Quelle: Wikipedia

Bei einem banalen Schnupfen ist ein NaCl-Nasenspray (Kochsalzlösung) eine gut verträgliche Alternative zu den abschwellenden Nasensprays.

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Mit Thymian gegen Erkältungen

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Thymian sei kein Wundermittel. Aber er helfe gegen Erkältungen. Bei trockenem Husten wirke er am besten kombiniert mit der Eibischwurzel. Gegen Schnupfen empfehle sich das Inhalieren mit Thymianöl. Schon zwei Tropfen Thymianöl in eine Schüssel Wasser seien dafür ausreichend.

Wer seine Erkältung mit Naturheilkunde in den Griff bekommen wolle, solle zu Thymian greifen. Die Heilpflanze eigne sich dazu, verschiedene Stadien und Beschwerden einer Erkältung zu behandeln, erklärt Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg. Bei trockenem Husten empfiehlt der Experte Thymian zusammen mit einer Pflanze, die viele sogenannte Schleimstoffe besitzt, welche die angegriffenen Schleimhäute schützen. Die Eibischwurzel sei dafür zum Beispiel geeignet. Der Thymian wirke in diesem Hustenstadium krampflösend und antiviral.

Bei Husten mit Auswurf dagegen unterstütze Thymian den Abtransport des Hustensekrets. Außerdem wirke er einer bakteriellen Infektion entgegen, die zum viralen Infekt einer Erkältung hinzukommen könne, erläutert Mayer. Bei Schnupfen oder einer Nasennebenhöhlenentzündung empfiehlt er die Inhalation mit Thymianöl. Auf einen Liter heißes Wasser werden zwei Tropfen Thymianöl in eine Schüssel gegeben und mit einem Handtuch zugedeckt inhaliert. Anschliessend sollte man Zugluft meiden.

Thymian steckt in zahlreichen Heilpflanzen-Präparaten gegen Erkältungen, ist jedoch auch einzeln etwa in Hustenmitteln zu bekommen. Die Thymian enthält laut Mayer hochwirksames ätherisches Öl, Gerbstoffe und Flavonoide. Thymian-Extrakte und das Thymianöl bekämpfen Bakterien, Viren und Pilze. Das ätherische Öl und die Flavonoide wirken ausserdem krampflösend. Auch eine entzündungshemmende Wirkung sei nachgewiesen, erklärt Mayer.

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/magazin/wellness/2867626/erkaeltungen-thymian-loswerden.story

Kommentar & Ergänzung:

Thymian ist in der Phytotherapie bei produktivem Husten und krampfartigem Husten gut etabliert.  In der Wirkung mit dem Thymianöl vergleichbar sind Eukalyptusöl und Anisöl.

Auch die bei trockenem Husten von Johannes Gottfried Mayer empfohlene Eibischwurzel ist ein guter Tipp (Eibischwurzeltee als Kaltauszug zubereiten).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Phytotherapie: Kapuzinerkresse zur Arzneipflanze des Jahres 2013 gewählt

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Der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg hat die Grosse Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) zur Arzneipflanze des Jahres 2013 erkoren. Foto auf Wikipedia.

Die Blätter und Blüten dieser Pflanze enthalten Glucosinolate (Senfölglucoside). Aus diesen Wirkstoffen wird Benzylsenföl freigesetzt, das die Vermehrung von Bakterien, Viren und Pilzen hemmt. Daher wird die Kapuzinerkresse seit Jahrzehnten zur Behandlung von Infekten angewendet. Zudem hat eine durchblutungsfördernde Wirkung. Präparate aus der Kapuzinerkresse werden zur Behandlung der Bronchitis und von Harnblasenentzündungen (Zystitis) eingesetzt.

Glucosinolate kommen in Kreuzblütlern (Brassicaceen) vor,  hauptsächlich in verschiedenen Kressen, im Senf und im Meerrettich, aber auch in der Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) aus der Familie der Kapuzinerkressengewächse (Tropaeolaceae). Die aus den Glukosinolaten enzymatisch freigesetzten Senföle schmecken scharf. In der Kapuzinerkresse kommt hauptsächlich das Benzylsenföl (Benzylisothiocyanat) vor.

In drei Kohortenstudien zeigte ein Fertigarzneimittel, das Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel enthält, Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Bronchitis und akuter Blasenentzündung. Das geprüfte Produkt erwies sich als gleichwertig zu einer Behandlung mit Antibiotika.

Die Grosse Kapuzinerkresse ist in den Anden Perus und Boliviens heimisch. Schon die Inka nutzten sie als Heilpflanze, und zwar hauptsächlich als Schmerzmittel und Wundheilmittel. Darüber berichtete der Jesuit Bernabé Cobo (1582–1657), der sich mit der Heilkunde der Indianer befasste. Bereits vor 1600 gelangte die Kapuzinerkresse nach Europa. Eine Abbildung findet man schon in dem berühmten Gartenpflanzenbuch Hortus Eystettensis aus dem Jahr 1613.

Die Kapuzinerkresse ist auch heute noch eine beliebte Zierpflanze wegen ihren großen, orangefarbenen, gespornten Blüten, welche die Spanier an die Kapuzen von Mönchskutten erinnert haben. Sie ist allerdings anfällig für Blattläuse. Die Blätter und Blüten sind essbar und können zur Verschönerung  von Blattsalaten genutzt werden.

Quellen:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2012/10/24/kapuzinerkresse-ist-arzneipflanze-des-jahres-2013/8587.html

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=43913&Nachricht_Title=Nachrichten_Kapuzinerkresse+zur+Arzneipflanze+des+Jahres+gek%FCrt&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Die Kapuzinerkresse hat die Auszeichnung „redlich verdient“.

Senfölglykoside aus Kapuzinerkresse und Meerrettich zeigen interessante Wirkungen.

Das erwähnte Fertigpräparat  mit Kapuzinerkresse und Meerrettich heisst Angocin®, doch kann, wer die Schärfe geschmacklich verträgt, die Glukosinolate auch direkt mit Kapuzinerkresse oder Meerrettich aufnehmen. So lassen sich sogar grössere Mengen an Glukosinolaten zuführen.

Allerdings muss auch festgehalten werden, dass Kapuzinerkresse / Meerrettich / Angocin® nicht in jedem Fall Antibiotika ersetzen können!

Weiter Informationen zu Kapuzinerkresse / Meerrettich:

Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse hemmen Grippeviren vom Typ H1N1

Senfölglycoside gegen Infektionen

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? Welche Wirkung haben sie?

Kapuzinerkresse – Breitbandantibiotikum aus der Natur

Meerrettich – Breitbandantibiotikum aus der Natur

Kräuter und ihre Wirkung: Kapuzinerkresse

Phytotherapie: Senföl aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenza-Viren

Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger

Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und  Blasenentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytopharmaka: Gelomyrtol / GeloDurant und Sibrovita – Unterschied?

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An einem Kurs wurde ich vor ein paar Tagen gefragt, welcher Unterschied zwischen Gelomyrtol und Sibrovita bestehe.

Das ist ganz einfach – es gesteht kein Unterschied.

GeloMyrtol® ist in Form magensaftresistenter Weichkapseln im Handel – es wurde in der Schweiz im Oktober 2011 neu registriert, in Deutschland ist es schon seit Jahren auf dem Markt. GeloMyrtol® entspricht GeloDurant®, das früher unter dem Namen Sibrovita® vertrieben wurde.

Gelomyrtol / GeloDurant ( = früher Sibrovita) enthält Myrtol, ein Destillat aus einer Mischung von Eukalyptusöl, Süssorangenöl, Myrtenöl und Zitronenöl. Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen zählen die Monoterpene Limonen, Cineol und α-Pinen.

Die Kapseln werden angewendet bei akuter und chronischer Bronchitis und akuter und chronischer Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) bei Erwachsenen und Kindern ab 4 Jahren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Meerrettich: Breitbandantibiotikum aus der Natur

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Das Magazin „focus“ brachte eine Serie zum Thema „ Mit Hausmitteln Erkältungen lindern“.

Ein Abschnitt daraus war dem Meerrettich gewidmet, wobei der Ausdruck „Breitbandantibiotika“ im Titel etwas gar stark aufgetragen ist. Meerrettich ist aber tatsächlich eine sehr interessante Heilpflanze gegen Infektionen.

Zitat:

„Die unscheinbare Wurzel zeigt erstaunliche Heilkraft. Dank der antibiotischen Inhaltsstoffe Allicin und Sinigrin, wirkt Meerrettich ähnlich wie Penicillin. Er hilft bei allen Erkältungssymptomen, Schnupfen, Husten, Bronchitis, Mandelentzündung, Nasennebenhöhlen- und Stirnhöhlenentzündungen, Kopfschmerzen und Fieber. Zudem stärkt er das Immunsystem und nimmt es sogar mit Grippeerregern auf.“

Kommentar M.K.:

Allicin ist ein Hauptinhaltsstoff im Knoblauch und wird hier irrtümlich dem Meerrettich zugeordnet. Meerrettich enthält vor allem Glukosinolate (Senfölglykoside) wie das erwähnte Sinigrin.

Diese Glukosinolate scheinen tatsächlich nach der Aufnahme in den Körper in den Harnwegen (bei Blasenentzündung) und in den Bronchien (bei Bronchitis) antibakteriell zu wirken. Weil die Glukosinolate schon im Dünndarm resorbiert werden, bleibt im Gegensatz zur Behandlung mit Antibiotika die für die Verdauung und das Immunsystem so wichtige körpereigene Dickdarmflora unbeeinflusst.

Gegen Kopfschmerzen, Nasennebenhöhlenentzündung und Stirnhöhlenentzündung wird Meerrettich äusserlich angewendet als Meerrettichauflage.

„Anwendung: Die frische Wurzel ganz fein reiben und sofort verwenden, denn die ätherischen Öle verfliegen innerhalb einer Viertelstunde. Den geriebenen Meerrettich kann man einfach auf Brot essen, in anderen Gerichten weiterverarbeiten oder als Wickel benutzen. Für den Wickel die geriebene Masse etwa einen Zentimeter dick auf ein Tuch streichen und an den Seiten umschlagen. Gegen Kopfschmerzen das Päckchen auf den Nacken legen. Bei Bronchitis in Lungenhöhe auf dem Rücken platzieren.“

Kommentar M.K.:

Als Tagesdosis wird 20 g Meerrettichwurzel empfohlen. Weil die Glukosinolate rasch ausgeschieden werden ist es empfehlenswert, diese 20g in mehrere Portionen über den Tag zu verteilen.

„Risiken und Nebenwirkungen: Meerrettich enthält Senföle, die Hautreizungen verursachen können. Die Wickel deshalb nicht länger als ein paar Minuten einwirken lassen. Zum Schutz die Haut vorher mit Melkfett oder Vaseline einreiben.“

Kommentar M.K.:

Meerrettich nicht in Augennähe applizieren.

Innerlich kann Meerrettich Magenbeschwerden oder Darmbeschwerden auslösen.

Daher mit der nötigen Sorgfalt anwenden.

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/erkaeltung/tid-12543/sanfte-therapie-breitbandantibiotika-aus-der-natur_aid_348263.html

Siehe auch:

Phytotherapie: Senföe aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenza-Viren

Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger

Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und Blasenentzündung

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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