Artikel mit Schlagwort ‘Nahrungsergänzungsmittel’

Apfel-Pektine fördern Verdauung

Samstag, Januar 23rd, 2010

Eine Untersuchung an Ratten veranlasst Forscher zu der Annahme, dass der Genuss von Äpfeln auch das Verdauungssystem von Menschen stärken kann.

Der regelmäßige Konsum von Äpfeln stärkt das Verdauungssystem und damit die Gesundheit von Ratten – und wahrscheinlich auch von Menschen. Zu diesem Resultat sind Mikrobiologen um Tine Rask Licht vom Lebensmittel-Forschungsinstitut der Technischen Universität Kopenhagen gekommen, nachdem sie ihren Versuchstieren eine systematische Apfel-Diät in jeder nur erdenklichen Form verabreicht hatten: Die Ratten frassen über einen längeren Zeitraum ganze Äpfel, Apfelsaft, Apfelmus und auch Pressrückstände von Apfelsaft.
Pektine fördern nützliche Bakterien
Die Wissenschaftler sehen die in Äpfeln und anderen Früchten enthaltenen Pektine als mögliche Ursache. Pektine sind für den Menschen unverdauliche Ballaststoffe, können jedoch von manchen Bakterien genutzt werden. Die pektinreiche Ernährung habe die Menge nützlicher Bakterien im Verdauungstrakt der Nager erhöht, berichten die Wissenschaftler im Fachjournal “BMC Microbiology”. Diese Bakterien stellten zum einen bestimmte Buttersäure-Ester her, welche den Zellen der Darmwand als Treibstoff dienen. Wenn Äpfel über längere Zeiträume gegessen würden, schienen die Bakterien zudem die Herstellung kurzkettiger Fettsäuren zu fördern, was eine günstige Balance von Mikroorganismen im Darm sicherstelle.
Es brauche allerdings noch weitere Forschungsarbeiten, um zu klären ob auch das Verdauungssystem von Menschen in ähnlicher Weise reagiere wie dasjenige der Nagetiere. Die bisherigen Resultate legten jedoch bereits nahe, dass “Europas beliebteste Obstsorte einen wohlverdienten Platz in unserer Fünf-pro-Tag-Strategie einnimmt”. “Fünf-pro-Tag” ist der Name der internationalen Kampagne der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit der Aufforderung, fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu verzehren.
Quelle:
http://www.n-tv.de / dpa

Kommentar & Ergänzung:
Für Äpfel als Gesundheitsprodukt wird wenig Propaganda gemacht. So gerät der Spruch “An apple a day keeps the doctor away” etwas in Vergessenheit.
Damit will ich den Apfel nicht als Universalheilmittel darstellen. Aber angesichts der unaufhörlichen Propagandawelle für Nahrungsergänzungsmittel scheint mir ein gelegentlicher Hinweis auf den Wert von ganz gewöhnlichen Lebensmitteln nützlich. Neben Pektin bietet ein Apfel auch Vitamine und Flavonoide wie beispielsweise Quercetin, das zu den Antioxidantien zählt und als Radikalfänger wirkt.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde und auch in Phytotherapie und Naturheilkunde werden Apfel-Pektine bei akutem Durchfall (Diarrhoe) eingesetzt:
“Pektin wird gegen akute Diarrhoe eingesetzt. Die einfachste Form, dem Organismus Pektine zuzuführen, ist die Moro-Apfeldiät: 1 – 1,5 kg rohe, geriebene Äpfel über den Tag verteilt essen. Zur Verhütung der Bräunung kann Zitronensaft zugesetzt werden.” (Theodor Dingermann / Rudolf Hänsel / Ilse Zündorf; Pharmazeutische Biologie, Springer Verlag 2002).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

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Phytotherapie: Hagebutte bei Rheuma, Arthrose & Co.

Sonntag, Januar 10th, 2010

Hagebuttenpulver wird seit einigen Jahren gegen Rheuma und insbesondere bei Arthrose angewendet. Inzwischen existieren mehrere Studien zur Wirksamkeit, doch bleiben auch noch viele offene Fragen.
Die “Zeitschrift für Phytotherapie” (Nr. 5/2009) publizierte eine Übersicht zum Stand des Wissens. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:

- Zum antientzündlichen Wirkungsmechanismus der Hagebutte

Das antientzündliche Wirkspektrum der Hagebutte ist vergleichbar mit demjenigen der synthetischen Schmerzmittel. Wässrige Extrakte aus der Hagebuttenscheinfrucht und der Schale waren in den In-vitro-Tests (also im Labor, im Reagenzglas) unwirksam. Im Gegensatz dazu waren lipophile Extrakte aus den Schalen der Hagebutte im COX-1- und COX-2-Assay wirksamer als Extrakte aus den Scheinfrüchten und hemmten darüber hinaus auch die LOX (Lipoxygenase).

Kommentar Koradi: Es geht hier um die Hemmung von Entzündungsstoffen (Prostaglandine, Leukotriene).

Bei Patienten mit entzündlichem Rheuma reduzierte sich der krankhaft erhöhte Wert des Entzündungsparameters CRP signifikant unter der Einnahme von Hagebuttenpulver, stieg jedoch nach Beendigung der Einnahme wieder auf die Ausgangswerte an.
In Hagebuttenpulver wurden als wirksamkeitsmitbestimmende Inhaltsstoffe neben Polyphenolen und Vitamin C auch ein Galaktolipid und verschiedene ungesättigte Fettsäuren identifiziert.

- Zur Wirksamkeit von Hagebuttenpulver

Zum Hagebuttenpulver existieren 5 Studien: 3 Doppelblindstudien bei Arthrosebeschwerden, eine Anwendungsbeobachtung bei akuten Exazerbationen chronischer Rückenschmerzen und eine Doppelblindstudie bei Patienten mit rheumatoider Arthritis.

Kommentar Koradi: Exazerbation = Verschlechterung im Krankheitsverlauf einer chronischen Erkrankung.

Ein 2006 publiziertes systematisches Review analysierte 4 Veröffentlichungen zur Wirksamkeit eines Hagebuttenpulver-Präparates bei Patienten mit Arthrosebeschwerden. Beim Auflisten der Qualitätsmerkmale dieser Studien vermuteten die Autoren, dass es sich bei den 2 Kongressbeiträgen um Subgruppenanalysen der bereits veröffentlichten Originalarbeit handelte. Ein anschließend publiziertes Review schloss sich dieser Vermutung an. Eine Meta-Analyse schloss aber die beiden Subgruppenanalysen (insgesamt 126 Patienten) als separate Studien in die Berechnung ein, sodass die Wirkgröße des Hagebuttenpulver-Präparates überschätzt wurde. Die später veröffentlichte Originalarbeit stützte sich auf 3 Originalarbeiten.

Eine Nachforschung zeigte, dass die von Rein und Mitarbeitern bei einem Kongress im Jahr 2004 präsentierten Daten nach Auskunft eines der Autoren doch eine separate Studie gewesen sein soll. Bei der Ethikkommission wurde aber nur ein Studienprotokoll ohne Amendment (Änderung, M.K.) eingereicht, obwohl die Studienpopulation und die Messinstrumente in den beiden Studien sich unterschieden. Auch sind die Kollegen des zweiten medizinischen Zentrums, das zur Studie beigetragen hatte, im Manuskript nicht erwähnt.

Die Beweislage für die Wirksamkeit des Hagebuttenpulvers Litozin® bei Arthrosebeschwerden ist auf der Grundlage von 2 oder 3 explorativen Studien »mäßig« und muss bei entzündlichem Rheuma bzw. bei Rückenschmerzen wegen der Existenz von nur je einer explorativen Studie als »schlecht« eingestuft werden. Wörtlich schreiben die Autorinnen und der Autor dann: “Dennoch besteht an der Wirksamkeit des Hagebuttenpulvers in Anbetracht der nachgewiesenen antioxidativen und antientzündlichen Wirkung kein Zweifel.”

Einen indirekten Hinweis auf Wirksamkeit sehen sie auch aus dem Vergleich der Responder in den Jahresstudien mit dem Hagebuttenpulver Litozin® und dem wässrigen Teufelskrallenwurzelextrakt Doloteffin® . In diesen Studien wurde dasselbe Studienprotokoll verwendet und das Konsens-Kriterium der amerikanischen Orthopädiegesellschaften OMERACT und OARSI eingesetzt. Dieses Kriterium soll zum Einsatz kommen, damit die Wirkgrößen von Arzneimitteln besser verglichen werden können. Der Prozentsatz an OMERACT-OARSI-Respondern unterschied sich zwischen den Studien nicht, sodass Litozin® Hagebuttenpulver bei Unverträglichkeit von Doloteffin® oder als Ersatz bei der Langzeitbehandlung rheumatischer Beschwerden verwendet werden könnte.

Die Autorinnen und der Autor halten jedoch fest: “Dennoch muss betont werden, dass zunächst dringend die Durchführung konfirmativer Studien erforderlich ist, um die klinische Bedeutung der beobachteten Wirkung einschätzen zu können, auch unter dem Aspekt, ob dem Hagebuttenpulver ein Platz in den von Leitlinien empfohlenen Behandlungsstrategien zusteht.”
(konfirmativ = Bekräftigend, befestigend, M.K.)

- Allgemeine Hinweise zum Hagebuttenpulver

Der Artikel schliesst mit allgemeinen Hinweisen zum Hagebuttenpulver:

Als unerwünschtes Ereignis könne während der Einnahme von Hagebuttenpulver gelegentlich eine Allergie auftreten. Eine allergische Reaktion mit einem generalisierten Hautausschlag und gastrointestinalen Beschwerden habe sich auch nach Trinken eines Hagebuttentees gezeigt.

Die ansonsten aufgetretenen gastrointestinalen Beschwerden seien teilweise durch eine nicht angepasste Flüssigkeitszufuhr bedingt. Bei Reizdarm mit Verstopfung sollen 300-500 ml Flüssigkeit bei Einnahme des Hagebuttenpulvers getrunken werden, weil die Pflanzenfasern in der Flüssigkeit quellen, wodurch das Stuhlvolumen steige und der Darmtransport im Sinne einer abführenden Wirkung angeregt werde. Bei Reizdarm mit Durchfall würden die Pflanzenfasern bei geringer Flüssigkeitszufuhr den flüssigen Darminhalt aufsaugen und linderten dadurch die Beschwerden.

Wie für alle Präparate aus pflanzlichen Fasern gelte auch für die Einnahme von Hagebuttenpulver, dass ein Abstand von 2 Stunden zwischen der Einnahme des Pulvers und der Zufuhr anderer Medikamente eingehalten werden solle, um einer verzögerten Aufnahme von Medikamenten vorzubeugen.

Quelle:
Zeitschrift für Phytotherapie 2009;
30: 227-231
DOI: 10.1055/s-0029-1242924
Sigrun Chrubasik, Cosima Chrubasik, Elena Neumann, Ulf Müller-Ladner;
Zur antientzündlichen Wirksamkeit von Pulver aus der Hagebutte

Kommentar & Ergänzung:

Dass Hagebutten plötzlich eine Bedeutung bekommen in der Behandlung von Rheuma bzw. Arthrose – wer hätte das vor ein paar Jahren gedacht. Erfreulich ist zudem, dass es wissenschaftliche Bestrebungen gibt, um die Wirksamkeit des Hagebuttenpulvers fundiert zu belegen. Allerdings sind die Verkaufsaktivitäten losgaloppiert, bevor auch nur im Ansatz die wichtigsten Fragen geklärt wurden. Auch sind die Hagebutten-Präparate als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, nicht aber als Heilmittel angemeldet. Eine Wirksamkeit ist daher gegenüber von Heilmittelbehörden nicht dokumentiert worden.

Auch die im Artikel beschriebenen Ungereimtheiten in der Hagebutten-Forschung legen eine vorsichtige Einschätzung der Hagebutten-Wirkung nahe.

Die Autorinnen und der Autor schreiben ja:
“Dennoch besteht an der Wirksamkeit des Hagebuttenpulvers in Anbetracht der nachgewiesenen antioxidativen und antientzündlichen Wirkung kein Zweifel.”

Ich vermute aufgrund der vorliegenden Daten ebenfalls, dass Hagebuttenpulver eine günstige Wirkung hat im Bereich Rheuma bzw. Arthrose. Dass aber kein Zweifel mehr besteht, scheint mir doch etwas stark ausgedrückt. Laborexperimente mit antioxidativen und antientzündlichen Effekten sagen noch wenig über tatsächliche Wirkungen an Rheumapatienten aus.

Das als wichtiger Wirkstoff der Hagebutte herausgehobene Galaktolipid soll übrigens fettliebend (lipophil) sein. Das spricht gegen eine gute Wirksamkeit von Hagebuttentee, weil sich das Galaktolipid im wässrigen Milieu wohl schlecht lösen wird.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Quercetin zur sportlichen Leistungssteigerung?

Samstag, Oktober 31st, 2009

“Fitness ohne Training durch ,Phytodoping‘?”, fragt die “Ärztezeitung” und fügt bei: “Ganz ohne Trainingsanstrengung die körperliche Fitness verbessern – diese ,bequeme‘ Leistungssteigerung scheint mit dem Wirkstoff Quercetin möglich zu sein. Ein neuer Fall für die Dopingkontrolleure?”

Quercetin gehört zu den Polyphenolen – sein Name verweist auf eine Beziehung zur Eiche (lateinisch Quercus) – und kommt in höherer Konzentration etwa in Zwiebeln, Äpfeln oder Brokkoli vor. Dem Pflanzenfarbstoff werden starke antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben.
Ein US-Wissenschaftlerteam um Dr. J. Mark Davis an der Universität in Columbia hat seit einiger Zeit eine weitere potenzielle Wirkung im Auge. Tierexperimentell fand die Gruppe Anhaltspunkte dafür, dass Quercetin auch die Biogenese der Mitochondrien, die als biochemische “Kraftwerke” der Zellen gelten, verbessern kann. In der Studie war die Verbesserung der mitochondrialen Biogenese mit einer erhöhten Ausdauerkraft verbunden.
Kann man also mit dem Polyphenol Quercetin auch bei Menschen die Fitness ohne die Mühsal eines schweißtreibenden Ausdauertrainings verbessern? Die Antwort brachte kürzlich eine kleine Studie bei zwölf gesunden, aber sportlich untrainierten Versuchsteilnehmern. Diese bekamen jeweils sieben Tage lang entweder zweimal täglich ein Präparat mit 500 mg reinem Quercetin oder Placebo. Am Anfang und am Schluss der einwöchigen Behandlungsperiode stand jeweils ein Belastungstest auf dem Fahrradergometer.
Die Einnahme von Quercetin war mit einer moderaten Verbesserung der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2) um 3,9 Prozent verbunden, schreiben die Forscher im “International Journal of Sport Nutrition and Exercise Metabolism”. Deutlicher war die Verbesserung beim Parameter Zeit bis zur Erschöpfung (time to fatigue), welche um 13,2 Prozent verlängert wurde. Die Autoren ziehen den Schluss: Quercetin verbesserte bei Untrainierten die Ausdauerleistung in einem Maße, wie es sonst nur durch konsequentes Training erreichbar ist.
Ob das neue Möglichkeiten nicht nur zum Doping, sondern auch zur Krankheitsverhütung eröffnet, bleibt abzuwarten.

Die Ärztezeitung schreibt: “Äpfel essen als Phytodoping? Da müssten es schon knapp 100 Stück täglich sein.”

Quelle: www.aerztezeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

“Und wie viele Zwiebeln?”, würde ich da weiterfragen…..
Im Ernst: Quercetin ist ein interessanter Inhaltsstoff und auch in vielen Heilpflanzen enthalten.
Quercetin ist ein gelber Naturfarbstoff, der in vielen Pflanzen vorkommt, zum Beispiel inm der Färbereiche oder im Apfel. Ebenso ist Quecetin im Wein enthalten. Da Quercetin vor allem in der Traubenschale vorkommt, sind die Gehalte in Rotweinen höher als im Weißwein. Daneben trägt auch eine Holzfasslagerung zum Quercetingehalt bei, weil die Substanz während der Lagerung langsam vom Holz in den Wein übergeht.
Das Polyphenol Quercetin ist ein Flavonoid. Es ist weit verbreitet im Pflanzenreich und somit auch in der Nahrung. Große Quercetin-Mengen können in Zwiebeln, Äpfeln, Brokkoli oder grünen Bohnen gefunden werden, die je nach Art der Zubereitung aber teilweise zerstört werden. Auch das Schälen von Obst und Gemüse reduziert den Flavonoid-Anteil drastisch, denn speziell in den farbigen Schalen (Flavonoide sind Pflanzenfarbstoffe) ist der Flavonoidgehalt hoch. Quercetin werden weitreichende, physiologisch günstige Effekte zugesprochen. Hervorzuheben wird dabei eine krebshemmende Wirkung, welche hauptsächlich auf das antioxidative Potenzial zurückzuführen sein soll. Quercetin wirkt wie die Vitamine A, C und E als Radikalfänger.
Die tägliche Aufnahme von Quecetin mit der Nahrung soll in westlichen Ländern geschätzte 25 mg betragen. Obwohl der Stoff also verbreitet in der Nahrung vorkommt, können auf diesem Weg die in der Studie verabreichten 1000mg Quercetin pro Tag nicht zugeführt werden. Es stellt sich aber sowieso die Frage, ob derart hohe, unphysiologische Quercetin-Mengen nicht auch negative Effekte auslösen könnten. Grundsätzlich sind Flavonoide gut verträgliche Wirkstoffe, die auch leicht wieder ausgeschieden werden. Das spricht für gute Verträglichkeit. Allerdings gibt es inzwischen einige Studien, in denen unnatürlich hohe Gaben von Antioxidantien negative Folgen zeigten. Ein breites Angebot an verschiedenen Radikalfängern, wie es eine abwechslungsreiche Ernährung am besten sicherstellt, ist wohl sinnvoller als die Einnahme eines einzigen Stoffes in sehr hoher Dosis.

Im übrigen wird die Schlagzeile “Fitness ohne Training durch Phytodoping” ziemlich relativiert durch eine Meldung im “Ärzteblatt”, die ich hier modifiziert anfüge:

Energiedrinks mit Quercetin anderen Getränken nicht überlegen

Energydrinks mit Quercetin als Inhaltstoff sind nicht wirksamer andere Getränke dieser Gattung. Zu diesem Resultat kommt eine Studie von Forschern der University of Georgia. Das Journal of Applied Physiology publizierte die Untersuchung (2009; 107: 1095-1104).??Das Polyphenol Quercetin erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Es wird vermarktet als leistungssteigernder Nahrungsmittelzusatz. So wirbt zum Beispiel Lance Armstrong für einen sogenannten Energy Drink, dem dieses Antioxidanz beigefügt ist. Quercetin findet sich als Naturfarbstoff in vielen Pflanzen und kommt auch in Nahrungsmitteln wie Äpfeln oder Wein vor.?

Forscher des UGA College of Education testeten nun Quercetin in einer Doppelblindstudie an 30 Versuchspersonen. Die Fallgruppe bekamen über 16 Tage viermal täglich 250mg Quercetin, während die Kontrollgruppe ein Placebo einnahm. Die Wissenschaftler erfassten dabei zahlreiche Parameter wie den maximalen Sauerstoffverbrauch, Kraftverlust im Verlauf einer Übung, Leistungsfähigkeit auf dem Fahrradergometer oder die Fähigkeit der Muskeln, Energie zu synthetisieren. ??“Wir konnten keine Verbesserung der Leistungsfähigkeit durch Quercetin feststellen. In gewisser Weise hat uns das Ergebnis enttäuscht, da unsere Hypothese auf vorangegangenen Untersuchungen an Mäusen fußte. Diese hatten uns ein positives Ergebnis vermuten lassen”, hielt Kirk Cureton fest, Leiter der Abteilung für Kinesiologie.
Quelle: www.aerzteblatt.de

Originalpublikation:
http://jap.physiology.org/cgi/content/abstract/107/4/1095

Kommentar & Ergänzung:
Alles unklar und offen, könnte man hier also schlussfolgern. Nichtsdestotrotz wird Quercetin als Nahrungsergänzungsmittel heftig vermarktet.
Mit nur 12 und 30 Teilnehmenden sind im übrigen beide Studien nicht sehr gewichtig.
Also doch lieber trainieren – schliesslich profitiert der Organismus von Bewegung auf den verschiedensten Ebenen…..

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Test zeigt: Cranberry-Produkte oft unterdosiert

Samstag, Oktober 3rd, 2009

Gegen Harnwegsinfektionen können die Inhaltsstoffe von Cranberrys gut helfen. Seitdem verschiedene Studien die Wirkung dieser Früchte bestätigen, kommen immer mehr Heilpflanzen-Präparate mit Cranberry-Extrakten auf den Markt, die gegen Blasenentzündungen bzw. Harnwegsinfektionen helfen sollen. Ihre Wirksamkeit hängt allerdings stark von der Menge des Wirkstoffes im eingesetzten Produkt ab.

Zu diesem Resultat kommt eine Untersuchung von 24 Cranberry-Präparaten durch die Zeitschrift “Öko-Test”. Nur drei der überprüften Mittel schlossen mit dem Gesamturteil “gut” ab. Der Rest der getesteten Cranberry-Produkte schnitt deutlich schlechter ab: Elf Präparate bekamen ein “ausreichend”, ein Mittel wurde mit “mangelhaft” beurteilt und neun Präparate schnitten als “ungenügend” ab. Für die schlechten Noten waren hauptsächlich ein nicht ausreichender Cranberry-Gehalt verantwortlich, in einigen Produkten jedoch auch die gefundenen Pestizidspuren oder andere bedenkliche Inhaltsstoffe.

Quelle:
http://de.news.yahoo.com/

Kommentar & Ergänzung:

Getestet wurden deutsche Cranberry-Produkte, doch dürften die Ergebnisse in der Schweiz nicht wesentlich anders sein.
Cranberry heisst auf deutsch Grossfrüchtige Moosbeere (Vaccinium macrocarpon). Heilpflanzen-Präparate aus Cranberry und auch aus der einheimischen Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) sind nur als Nahrungsergänzungsmittel bzw. als Lebensmittel im Handel und nicht als Arzneimittel registriert. Sie müssen daher keine Wirksamkeit belegen und auch keinen Mindestgehalt an wirksamen Inhaltsstoffen aufweisen. Aus dieser fehlenden Qualitätskontrolle ergeben sich die grossen Qualitätsunterschiede.

Proanthocyanidine (PAC) gelten gegenwärtig als wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoffe der Cranberrys. Doch bis heute existiert keine allgemein anerkannte Methode zur Bestimmung des PAC-Gehaltes in Cranberry-Produkten. Alle Methoden sind störanfällig und liefern stark unterschiedliche Resultate.

Zudem ist es sehr schwierig, wirklich begründete Dosierungsempfehlungen zu finden.

Die französische Agentur für Lebensmittelsicherheit AFSSA geht von einer erforderlichen Mindestmenge von 36 mg PAC oder 29 g frischen Cranberrys in einer Tagesportion aus, um die Anzahl der Harnwegsinfektionen zu reduzieren (nach: www.oekotest.de).

Dies ist wieder einmal ein Beispiel dafür, dass es in der Phytotherapie / Pflanzenheilkunde nicht nur darauf ankommt, welche Heilpflanze für welche Krankheit geeignet ist. Genauso wichtig ist die Frage, in welcher Form die ausgewählte Heilpflanze zur Anwendung kommt.

Siehe auch:

Phytotherapie: Cranberry-Saft wirkt wie Teflon

Pflanzenheilkunde: Preiselbeersaft wirkt gegen Blasenentzündung

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Heilpflanzen-Präparate in den USA im Aufwind

Samstag, September 26th, 2009

Die Einstellung von amerikanischen Ärzten und Patienten zu Heilpflanzen-Präparaten ändert sich gegenwärtig. Hauptsächlich bei Erkältungskrankheiten erobern Phytotherapeutika den Markt.
Phytotherapie hat in den USA einen ganz anderen Stellenwert als in Europa. Das Wissen um wirksame Heilpflanzen-Präparate war in den USA bisher kaum entwickelt. Weil es in diesem Bereich dort keine ausreichende Qualitätskontrolle gibt, wurde der Markt mit billigen Importen etwa aus Fernost überschwemmt.

Seit einiger Zeit ändert sich in den USA jedoch einiges. So fördern die National Institutes of Health die Erforschung von Heilpflanzen-Präparaten mittlerweile mit dreistelligen Millionen-Dollar-Beträgen pro Jahr. Und auch US-amerikanische Ärzte sind mehr und mehr an Evidenz-basierten Phytopharmaka interessiert, insbesondere im Bereich der Erkältungskrankheiten. In diesem Indikationsbereich wurden einige synthetische Arzneimittel wegen unerwünschter Wirkungen vom Markt genommen, darunter Mittel zur Abschwellung der Nasenschleimhaut.

2007 warnte die US-Gesundheitsbehörde FDA sogar ausdrücklich davor, frei erhältliche synthetische Medikamente gegen Husten und Erkältungskrankheiten bei Kindern unter sechs Jahren anzuwenden.
Diese Situation stellte US-Ärzte vor ein Dilemma, weil viele Medikamente nach der FDA-Warnung nicht mehr zur Verfügung standen. Pflanzliche Mittel galten zudem als gefährlich. In den USA müssen erst einmal viele Ärzte aufgeklärt werden, dass es bei vielen Erkrankungen ernst zu nehmende Heilpflanzen-Präparate gibt.

Quelle: www.aerztezeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Problematisch ist unter anderem, dass in den USA “Herbals” nicht als Arzneimittel gelten, sondern überwiegend als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden. Sie sind daher auch kaum staatlich reguliert und kontrolliert, was erhebliche Qualitätsprobleme verursacht. Das ist ein grosser Unterschied zur Situation in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hier konnten qualitativ hochstehende Heilpflanzen-Präparate ihren Status als offiziell anerkannte Heilmittel verteidigen oder gar ausbauen. Phytopharmaka, deren Wirkungen gut durch Studien belegt ist, werden daher in der Schweiz von den Krankenkassen über die Grundversicherung bezahlt. Das ist ein Unterschied zu Homöopathika und Anthroposophika, die aufgrund politischer Entscheidungen vom Wirkungsnachweis befreit sind und daher von der Grundversicherung bezahlt werden, ohne dass ihre Wirkung belegt werden müsste.

Für europäische Verhältnisse beneidenswert hoch ist der finanzielle Aufwand des National Institutes of Health zur Förderung der Heilpflanzen-Forschung. Allerdings fehlt es in den USA ganz offensichtlich wegen der mangelnden Erfahrung im Umgang mit Heilpflanzen-Forschung oft an Phytotherapie-Fachleuten, die solche Studien auch sach- und fachgerecht durchführen können. Wir müssen uns dann in Europa mit amerikanischen Grosstudien herumschlagen, die manchmal ziemlich weit weg von der hiesigen Phytotherapie-Praxis liegen, und zum Teil auch grobe Fehler enthalten. Jedenfalls gibt es durch diese Resultate aus den USA in der “Phytotherapie-Szene” immer wieder anregenden bis heiss debattierten Diskussionsstoff.
Und das ist ja auch eine der Stärken der Phytotherapie, dass sie ein offenes Feld ist und kein geschlossenes System, das Gültigkeit für alle Ewigkeit beansprucht. So setzen sich immer wieder neue Erkenntnisse durch. Neue Wirkungen von Heilpflanzen werden entdeckt, aber auch alte Irrtümer über Bord geworfen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Kalorienreduktion verbessert Gedächtnisleistung

Sonntag, Februar 22nd, 2009

Eine Senkung der Kalorienzufuhr um 30 Prozent über drei Monate verbessert das Gedächtnis und reduziert die Insulinkonzentrationen bei älteren Menschen deutlich. Für Nagetiere war dies schon seit einiger Zeit bekannt. Nun haben Wissenschaftler um Agnes Flöel von der Universität Münster untersucht, ob dieser Zusammenhang auch bei Menschen besteht. An der Studie waren 50 Personen im Alter von durchschnittlich 60 Jahren beteiligt, welche in drei Gruppen aufgeteilt wurden: Eine behielt ihre bisherige Ernährungsweise bei, eine zweite nahm verstärkt ungesättigte Fettsäuren zu sich, eine dritte Gruppe senkte die Kalorienzufuhr um 30 Prozent.

Die Teilnehmer mit der Kalorienreduktion schnitten in Gedächtnistests nach drei Monaten um 20 Prozent besser ab als vor der Diät, berichten die Forscher im Fachjournal «PNAS» (Doi: 10.1073/pnas.0808587106). Bei den Teilnehmenden aus den anderen beiden Gruppen verbesserte sich die Gedächtnisleistung nicht. Die Diätgruppe zeigte zudem niedrigere Blutglucose- und Insulinspiegel als vor der Ernährungsumstellung, was die verbesserten kognitiven Fähigkeiten erklären könnte. Denn tiefere Werte waren in früheren Untersuchungen mit einer verbesserten Hirnfunktion in Verbindung gebracht worden.

Quelle: www.pharmazeutische-zeitung.ch, 27.01.2009 l

Kommentar:

Eine zwanzigprozentige Verbesserung ist fast unglaublich.
Zur Verbesserung des Gedächtnisses werden unzählige Nahrungsergänzungsmittel empfohlen, aber auch Heilpflanzen-Präparate zum Beispiel auf der Basis von Ginkgo-biloba-Extrakten oder Ginseng-Extrakten. Es geht dabei immer darum, was wir alles noch zusätzlich einnehmen könnten, um die Gedächtnisleistung zu verbessern. Interessanterweise legt diese Studie das Gegenteil nahe, nämlich nicht mehr, sondern weniger.
Dass tiefere Blutglukose- und Insulinspiegel mit einer verbesserten Hirnfunktion zusammenhängen sollen, scheint mir auch sehr interessant.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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