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Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser bewertet

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Die Deutsche Apotheker Zeitung berichtet über die Bewertung von Erkältungsmitteln durch die „Stiftung Warentest“ und vergleicht die Empfehlungen mit der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Bei den Hustenmitteln haben dabei die Phytopharmaka (Heilpflanzen-Präparate) eine überraschend gute Stellung.

Werden Schleimlöser oder Hustenstiller gewünscht, können laut Stiftung Warentest bei Reizhusten Dextromethorphan oder zur Schleimlösung Acetylcystein (ACC) oder Ambroxol zur Anwendung kommen.

ACC und Ambroxol allerdings nur mit Einschränkung, da ihre Wirksamkeit nicht bewiesen sei. Aus dem selben Grund rät die DEGAM-Leitlinie „Husten“ von ACC und Ambroxol ab, für Hustenstiller sieht sie nur in Ausnahmefällen eine Berechtigung, zum Beispiel nachts, um besser schlafen zu können.

In der Bewertung der „Stiftung Warentest“ finden sich auch Phytopharmaka, nämlich Spitzwegerichextrakt gegen Hustenreiz und Schleimlöser mit Efeu oder Thymian. Aber auch sie werden nur mit Einschränkung empfohlen, da sie nicht ausreichend erforscht seien.

Die DEGAM-Leitlinie dagegen steht den Phytopharmaka offener gegenüber. Sie anerkennt insbesondere für Myrtol Hinweise auf positive Effekte. Myrtol wird von der „Stiftung Warentest“ gar nicht erwähnt. Auch Kombipräparaten von Thymianextrakt mit Efeuextrakt beziehungsweise Thymianextrakt mit Primelwurzel-Extrakt wird in der DEGAM-Leitlinie durchaus ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis zugeschrieben. Sie schreibt deshalb, dass bei entsprechendem Therapiewunsch des Patienten diese Phytopharmaka zur moderaten Symptomlinderung bzw. – verkürzung bei Erkältungshusten bzw. akuter Bronchitis erwogen werden können.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2015/erkaltungsmittel-gut-und-gunstig-und-leitliniengerecht

Kommentar & Ergänzung:

Dann will ich mal versuchen, nachfolgend bei den aufgeführten Hustenmittteln Phytopharmaka und synthetische Mittel gegenüber zu stellen.

Die Hustenstiller:

Bei Hustenstillern und insbesondere bei Schleimlösern stehen die Phytopharmaka im Vergleich mit den synthetischen Wirkstoffen gut da, was die wissenschaftlichen Belege und die Sicherheit angeht.

Mag sein, dass Spitzwegereichextrakt als Hustenstiller nicht ausreichend erforscht ist. Aber schauen wir uns einmal die synthetische Alternative Dextromethorphan an. Die Wirksamkeit von Dextromethorphan ist zumindestens fragwürdig. Der WDR hat den Forschungsstand am 15. 12. 2014 zusammengefasst und beruft sich dabei auf die renommierte Cochrane Collabortion:

„Die Cochrane Collaboration hat insgesamt 26 Studien zu Codein- und Dextromethorphan-haltigen Präparaten beurteilt. Das Fazit: Die Studienlage ist insgesamt uneinheitlich: Oft zeigten unterschiedliche Studien widersprüchliche Ergebnisse. Daher kann das Expertengremium keine wirkliche Empfehlung für oder gegen Hustenstiller aussprechen. Zudem wirkte Honig in vielen Studien sogar besser als Dextromethorphan.“

Quelle: http://www1.wdr.de/themen/wissen/erkaeltungsmittel114.html

Sehr überzeugend tönt das nicht, wenn sogar Honig besser wirkt als Dextromethorphan.

Spielstand Hustenstiller: Spitzwegerichextrakt : Dextromethorphan 1:1

Dazu kommt aber noch die Frage nach den Risiken: Beim Spitzwegerichextrakt sind Risiken nicht bekannt und auch nicht zu erwarten.

Bei Dextromethorphan sieht das ganz anders aus:

„Nebenwirkungen treten unter Dextromethorphan in geringer Dosierung relativ selten auf. Bei einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung (je nach Quelle 1 %-10 %) findet sich jedoch eine pharmakogenetische Schwäche des Cytochrom-P450-Enzyms CYP2D6, so dass bereits bei therapeutischer Dosierung Halluzinationen, Realitätsverlust und psychotische Episoden auftreten können. Gelegentlich sind Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen zu beobachten. Bei einigen Personen kann auch eine niedrige Dosis Juckreiz auslösen. Bei einer Überdosierung kann es zu Halluzinationen und psychotischen Episoden kommen.“

Quelle: Wikipedia

Dextromethorphan zeigt zudem Wechselwirkungen insbesondere mit bestimmten Antidepressiva und mit Alkohol.

Und dann gibt es noch ein Missbrauchsrisiko:

„Dextromethorphan wird auch missbräuchlich eingenommen, da es in hohen Dosen dissoziative und anderweitig berauschende Effekte hat (ähnlich der bei niedrig dosiertem Ketamin). Der Missbrauch von Dextromethorphan kann eine Drogenpsychose nach sich ziehen, unkontrolliertes Verhalten kann zur Selbst- oder Fremdgefährdung führen. Regelmäßige missbräuchliche Einnahme kann zur Suchterkrankung führen, unter Umständen ist auch mit Hirnschäden zu rechnen.

Direkt durch Dextromethorphan bedingte Todesfälle sind theoretisch möglich, dafür aber müsste es in einer derart hohen Dosis eingenommen werden, wie es in der Praxis kaum möglich ist. In der Kombination mit Paracetamol sind jedoch Todesfälle bekannt. Zum Missbrauch vom Dextromethorphan sind nur wenige Studien verfügbar. Die bekannteste Arbeit zum Thema stellt wohl die DXM-FAQ von William E. White, einem amerikanischen Dextromethorphan-Forscher, dar. Seine Thesen stützen sich teilweise auf Berichte von mehreren Hundert Konsumenten.“

Quelle: Wikipedia

Das spricht gegen Dextromethorphan und für Spitzwegerichextrakt.

Fazit:

Spielstand Hustenstiller: Spitzwegerichextrakt : Dextromethorphan 2:1

Und nun zu den Schleimlösern:

Halten wir fest: Die Wirksamkeit der oft konsumierten synthetischen Wirkstoffe Acetylcystein und Ambroxol ist nicht belegt.

Acetylcystein ist beispielsweise enthalten in ACC Sandoz® (früher ACC eco®), Ecomucyl®, Fluimucil®, Mucostop® und Solmucol®;

Ambroxol beispielsweise in Mucosolvon® und Bisolvon Ambroxol®.

Gut belegt sind dagegen verschiedene Phytopharmaka als Schleimlöser:

Kombipräparate von Thymianextrakt mit Efeuextrakt beziehungsweise Thymianextrakt mit Primelwurzel-Extrakt, ausserdem Myrtol (enthalten in Gelomyrtol®).

Spielstand Schleimlöser: Phytopharmaka : Acetylcystein / Ambroxol 1 : 0

Fazit Hustenmittel insgesamt: Phytopharmaka : Synthetika 3 : 1

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Phytopharmaka in der Europäischen Leitlinie zur Behandlung von Rhinosinusitis

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Die europäische Leitlinie zur Behandlung der Rhinosinusitis ist gegenwärtig die aktuellste Therapieempfehlung von HNO-Ärzten für die Behandlung viraler Atemwegsinfektionen (»Erkältung«). Sie enthält auch Empfehlungen für pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka), die in einem Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ beschrieben werden:

„Cineol und Myrtol, aber auch Pelargonium-Extrakte kommen zur Therapie viraler Atemwegsinfekte infrage….. In klinischen Studien konnten im Vergleich zu Placebo die Symptome bei einer akuten viralen Rhinosinusitis ab dem vierten Tag gelindert werden Auch die Kombination aus fünf Pflanzenextrakten (Enzian, Schlüsselblume, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut) konnte in einer neueren, Placebo-kontrollierten klinischen Studie positive Effekte auf die Symptome einer akuten Rhinosinusitis zeigen. Die Effektstärke war vergleichbar mit der Stärke der Wirkstoffe, die in der europäischen Leitlinie bereits diskutiert wurden (Cineol, Myrtol, Pelargonium)“

Die Effektstärke der genannten Therapeutika sei in den Studien nicht sehr groß gewesen und die Wirkung sei erst mit Verzögerung (vier bis sieben Tage) eingetreten.

„Dennoch gelten diese ausgewählten pflanzlichen Arzneimittel als angemessene und wirksame Apothekenempfehlung, auch ergänzend zur akut symptomatischen Therapie.“

Für die traditionelle chinesische Medizin spricht die Europäische Leitlinie aufgrund unzureichender Daten explizit keine Empfehlung aus.

Für Echinacea-haltige Präparate schätzt sie die Datenlage als widersprüchlich ein und empfiehlt sie aus diesem Grund ebenfalls nicht.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=59826

Kommentar & Ergänzung:

In die Leitlinien aufgenommen zu werden ist so etwas wie eine Auszeichnung, weil es dazu positive Ergebnisse aus klinischen Studien braucht.

Und damit solche Ergebnisse zustande kommen, braucht es Firmen, die Geld in die Forschung stecken. Das ist nicht ganz einfach für Phytopharmaka, weil grosse Investitionen in die Forschung sich nur lohnen für patentierte Produkte. Die Mehrzahl der Heilpflanzen-Präparate ist aber nicht patentiert.

Leitlinien sind für die Phytotherapie meines Erachtens nicht das einzige oder letzte Mass. Sie bieten aber trotzdem eine wichtige Orientierung.

Bei der in den Leitlinien erwähnten Kombination aus fünf Pflanzenextrakten (Enzian, Schlüsselblume, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut) handelt es sich im „Sinupret®“. Die Zusammensetzung dieses Präparats ist nicht sehr plausibel, doch gibt es dafür positive klinische Studien. Myrtol ist als „Gelomyrtol®“-Kapseln im Handel, Pelargonium als „Umckaloabo®“ und „Kaloabo®.

Siehe auch:

Phytopharmaka gehören in die Leitlinien

S3-Leitlinie bestätigt Empfehlung für Johanniskraut als Erstlinientherapie der unipolaren Depression

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Gemeinsame Strategie gegen Antibiotika-Resistenzen

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Im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen bringt die Politik alle Beteiligten in ein Boot. Zudem werden Kooperationen in der Forschung unterstützt.

2001 hat die Weltgesundheits-Organisation (WHO) eine globale Strategie zur Eindämmung antimikrobieller Resistenzen publiziert, die in den EU-Ländern in unterschiedlichem Maße umgesetzt wurde.

16 Berater einigten sich im August 2010 im Namen der WHO auf einen strategischen Aktionsplan für Europa mit sieben Punkten.

Um die Resistenzentwicklung zu bremsen und neue Antibiotika zu entwickeln, ist die Einbindung aller beteiligten Bereiche im sogenannten „One-HealthAnsatz“ nötig: Humanmedizin, Veterinärmedizin, Landwirtschaft und Umwelt.

Denn 2013 wurden mit 1452 Tonnen doppelt so viel Antibiotika an Tierärzte abgegeben wie im humanmedizinischen Bereich.

Erst seit dem Jahr 2011 werden die Antibiotikaabgaben in der Veterinärmedizin erfasst.

Dabei existiert ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen dem Antibiotikaeinsatz bei Zuchttieren und Resistenzen von Salmonellen und Campylobacter, aber auch MRSA-Keimen. Zudem mehren sich die Hinweise für eine Assoziation mit ESBL-Keimen.

Dringenden Handlungsbedarf sieht die WHO bezüglich Förderung der Forschung.

Es braucht zuverlässige Diagnosetests, die breit und schell verfügbar sind, um Antibiotika gezielter einzusetzen, sowie neue Antibiotika und insbesondere neue Antibiotikaklassen.

In den letzten 30 Jahren sind nur zwei wirklich neue Antibiotikaklassen dazugekommen, Oxazolidinone und zyklische Lipopeptide. Sie sind aber beide nur wirksam gegen grampositive Bakterien.

Die Entwicklung neuer Antibiotika kostet viel Geld, bringt aber nicht entsprechende Gewinnaussichten. Forschung in diesem Bereich ist daher für Pharmafirmen nicht sonderlich attraktiv.

Bund und EU-Kommission setzen zwecks Förderung der Forschung in diesem Bereich nun verstärkt auf Kooperationen zwischen Forschungseinrichtungen und Industrie (Private Public Partnership). Beispiele dafür sind „New Drugs 4 Bad Bugs“ (ND4BB), gefördert von der Europäischen Kommission, und „InfectControl 2020″, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/atemwegskrankheiten/article/893912/one-health-ansatz-gemeinsam-antibiotika-resistenzen.html?sh=13&h=1911711750

 

Kommentar & Ergänzung:

Er geht besorgniserregend langsam, dieser Kampf gegen die Antibiotika-Resistenzen.

Siehe auch:

Europäische Fachleute warnen vor Antibiotika-Resistenz

Warnung vor zunehmenden Antibiotika-Resistenzen

WHO schlägt Alarm wegen Antibiotikaresistenzen

Kinderärzte warnen vor Antibiotikaresistenz

Heilpflanzen-Anwendungen können in vielen Anwendungsbereichen Antibiotika nicht ersetzen. Die Medizin braucht wirksame Antibiotika.

In manchen Fällen sind aber Antibiotika-Gaben schlicht unnötig und unsinnig, zum Beispiel bei viralen Erkrankungen. In genau begrenzten Situationen kann mit Heilpflanzen-Anwendungen darum durchaus ein Antibiotika-Einsatz vermieden werden.

Siehe beispielsweise:

Akute Bronchitis: Myrtol meist sinnvoller als Antibiotika

Nicht sofort die Antibiotika-Keule

 

Ätherische Öle gegen Antibiotika-resistente Bakterien

Antibiotika bei Sinusitis: Nutzen in Frage gestellt

Kapuzinerkresse – Breitbandantibiotikum aus der Natur

Meerrettich – Breitbandantibiotikum aus der Natur

Korianderöl bekämpft gefährliche Bakterien

Ätherische Öle gegen Bakterien

Senfölglykoside hemmen multiresistente-Erreger (MRSA)

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Europäische Fachleute warnen vor Antibiotika-Resistenz

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Problematisch sei nicht nur die zu häufige und falsche Verschreibung, sondern auch der intensive Einsatz in der Landwirtschaft.

In Europa sei zwischen 2010 und 2013 der Anteil gegen Antibiotika resistenter Bakterien teilweise gestiegen. Das zeigt der neueste Bericht des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle (ECDC) in Stockholm.

ECDC-Direktor Marc Sprenger unterstrich in diesem Zusammenhang die komplexen Ursachen von Antibiotikaresistenzen. Dazu gehören insbesondere zu viel Verwendung, auch bei „falschen“ Krankheiten (Virusinfektionen), in der Humanmedizin, nicht ausreichende Dosierung und Einnahmedauer richtig verschriebener Antibiotika und die Verwendung in großen Mengen für Humanmedizin-fremde Ziele.

Letzteres betrifft hauptsächlich die Agrarindustrie. Eine spezielle Problematik sind dabei auch Spitalhygiene und sogenannte Spitalkeime, die besonders häufig Resistenzen aufweisen. Obwohl der größte Teil des Antibiotikaverbrauchs außerhalb von Kliniken stattfinde, sei der Antibiotikagebrauch in den Kliniken der hauptsächliche Faktor für die Verbreitung multiresistenter Bakterien, die Infektionen im Gesundheitseinrichtungen selbst auslösen, erläutert Sprenger.

Die Situation sei unterschiedlich von Antibiotikum zu Antibiotikum und von Keimart zu Keimart. Gleichzeitig seien Antibiotikaresistenzen häufig lokaler (nationaler) Natur, weil sie direkt mit der häufig sehr unterschiedlichen Verwendung in Verbindung stehen. Ein Beispiel sei der Anteil der Klebsiella pneumoniae-Keime, die zum Beispiel gegen die häufig verwendeten Fluorchinolone, Cephalosporine der dritten Generation und Aminoglykoside unempfindlich geworden sind.

Die früher als „Wunderantibiotika“ für den Spitalsbereich bezeichneten Carpabeneme sind eine der letzten Möglichkeiten bei sonst resistenten Klebsiella pneumoniae und E. coli-Keimen. Hier zeichnet sich haupsächlich bei den Klebsiellen eine Verschlechterung der Situation ab.

In den vergangenen 20 Jahren sind als Spitalkeime auch die sogenannten methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Bakterien (MSRA) wichtig geworden. Hier haben in den vergangenen Jahren entsprechende Gegenmaßnahmen für eine Reduktion der Problematik gesorgt. Die Verminderung des Anteils der resistenten Erreger zwischen 2010 und 2013 in Europa war jedoch geringer als davor.

ECDC verlangt in diesem Zusammenhang einen vorsichtigen Gebrauch der Arzneimittel von der Versorgung von Patienten mit bakteriellen Infektionen im Akutfall bis hin zur Langzeitpflege sowie entsprechende Hygienemaßnahmen, um Infektionen überhaupt zu vermeiden.

Quelle:

http://derstandard.at/2000008243550/Europaeische-Experten-warnen-vor-Antibiotika-Resistenz

 

Kommentar & Ergänzung:

Eine Massentierhaltung, die auf die flächendeckende, kontinuierliche Antibiotika-Gabe angewiesen ist, ist nicht nachhaltig und gehört in dieser Form abgeschafft. Schärfere Regeln sind nötig. Das gilt allerdings auch für die Medizin, die wider besseres Wissen offensichtlich nicht in der Lage ist, falsche und unnötige Antibiotika-Verschreibungen von sich aus in den Griff zu bekommen. Es braucht hier harte gesetzliche Regelungen, wenn möglich weltweit.

Das schreibe ich nicht aus Feindschaft gegenüber den Antibiotika, sondern weil ich den unschätzbaren Wert dieser Medikamente anerkenne. Und dass sich Antibiotika nicht einfach durch Heilpflanzen ersetzen lassen, braucht gar nicht erst speziell betont zu werden.

In ganz bestimmten Teilbereichen könnten Heilpflanzen allerdings schon zur Reduktion des Antibiotika-Verbrauchs beitragen. Jedenfalls kommen mir dazu einige Möglichkeiten in den Sinn. So könnte beispielsweise die gute antimikrobielle Wirkung vieler ätherischer Öle bei örtlicher Einwirkung besser genutzt werden (z. B. Korianderöl, Lavendelöl, Teebaumöl).

Senfölglykoside (Glukosinolate) aus Meerrettich, Kapuzinerkresse und Brunnenkresse entfalten antibakterielle Wirkungen bei Infektionen der Harnwege (Blasenentzündung) und der Atemwege (akute Bronchitis) und lassen sich gut einsetzen, wenn man auch ihre Grenzen kennt. Und die Kapland-Pelargonie (Umckaloabo®) ist ein bewährtes Mittel bei unkomplizierter, viraler Bronchitis, einem Krankheitsbild, bei dem immer noch Antibiotika eingesetzt werden, obwohl diese bei viralen Erkrankungen gar nicht wirksam sind.

Eine weitere Option ist Myrtol / Eukalyptusöl in Kapselform (Gelomyrtol®) – vor allem bei Infektionen der Atemwege (Bronchitis, Sinusitis).

Siehe auch:

Jedes dritte Antibiotikum unnötig verordne

Phytotherapie: Infektabwehr aus der Natur (Pelargonium-Extrakt) 

Übersichtsstudie zu Umckaloabo zieht positives Fazit 

Kinderärzte warnen vor Antibiotikaresistenz 

Akute Bronchitis – Myrtol meist sinnvoller als Antibiotika 

Myrtol / Gelomyrtol bei Husten und Bronchitis

Metaanalyse zeigt: Umckaloabo lindert Atemwegsinfekte 

Senfölglycoside gegen Infektionen

Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger

Meerrettich – Breitbandantibiotikum aus der Natur 

Kapuzinerkresse – Breitbandantibiotikum aus der Natur 

Myrtol bei Bronchitis und Sinusitis

 

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Medikamentencheck für Erkältungsmittel: Sinupret

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Spiegel online veröffentlichte eine Beurteilung von „chemischen“, pflanzlichen und homöopathischen Erkältungsmitteln. Als Experte fungierte dabei Peter Sawicki. Der Internist und Diabetologe war von 2004 bis 2010 Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln.

Eines der beurteilten Erkältungsmittel ist Sinupret. Das Präparat enthält Eisenkraut, Enzianwurzel, Gartensauerampferkraut, Holunderblüten und Schlüsselblumenblüten. Sinupret forte wird bei akuter Nasennebenhöhlenentzündung eingesetzt und ist das am meisten verkaufte pflanzliche Arzneimittel in Deutschland.

Zu Sinupret schreibt Peter Sawicki:

„Das Präparat ist eine Mischung aus verschiedenen Pflanzenextrakten ohne nachgewiesenen Nutzen bei Virusinfekten und Infekten der oberen Atemwege. Grundsätzlich ist das Medikament (mit Ausnahme des Sirups) nur zur Behandlung der Infektion der Nasennebenhöhlen zugelassen – also nicht bei grippalen Symptomen“

Quelle:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/erkaeltung-was-hilft-gelomyrtol-umckaloabo-echinacea-im-test-a-954781.html

Kommentar & Ergänzung:

Ein hartes Urteil zu einem Präparat, das so häufig gekauft wird. Man könnte argumentieren, dass ein so häufig gekauftes Präparat auch wirksam sein müsse. Aber so einfach ist die Wirksamkeit nicht beurteilbar, weil eine akute Nebenhöhlenentzündung in der Regel nach ein paar Tagen auch von selbst abklingt.

Es gibt eine ganze Anzahl klinischer Studien zu Sinupret, die dem Präparat eine Wirksamkeit zuschreiben. Allerdings ist die Qualität der meisten dieser Studien nicht gerade hoch. Wikipedia führt eine neuere Studie an, die ein positives Resultat zeigte:

„Das 2012 zugelassene Sinupret extract wurde in einer doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten klinischen Studie an 386 Patienten untersucht. Das Hauptzielkriterium (ein Symptomwert, der nasale Sekretion, retronasale Sekretion, Verstopfung der Nase, Kopfschmerz und Gesichtsdruck berücksichtigt) war nach Behandlung mit Verum signifikant verbessert gegenüber der Behandlung mit Placebo.“

Die Studie wurde hier veröffentlicht.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23193534?dopt=Abstract

Die „Medical-Tribune“ beschrieb 2012 die Studie so:

„Prof. Bachert berichtete über eine multizentrische Phase-III-Studie mit der Prüfsubstanz BNO 1016 (seit 1. Oktober als Sinupret® extract im Handel), die doppelblind, randomisiert und placebokontrolliert (DBRPC) mit 380 Patienten durchgeführt wurde. Sie erhielten über rund 15 Tage täglich entweder Placebo oder 480 mg BNO 1016 (3 x 2 Drg.).
Die Wirksamkeit wurde anhand des Major Symptom Score (MSS) bewertet, der fünf Symptome umfasst (anteriore bzw. posteriore Rhinorrhö, nasale Verstopfung, Kopfschmerz, Gesichtsschmerz). Ab dem dritten Behandlungstag zeigte sich ein deutlicher Unterschied zugunsten des Verums.

In dieser laut Prof. Bachert ersten DBRPC-Studie mit einem Phytopräparat bei akuter Rhinosinusitis waren Patienten unter der Phytotherapie 3,8 Tage früher geheilt als Angehörige der Placebogruppe. Der MSS zeigte sich am Tag 15 signifikant reduziert, was durch Sonographie der Nasennebenhöhlen bestätigt wurde.“

Quelle:

http://www.medical-tribune.ch/medizin/fokus-medizin/artikeldetail/rhinosinusitis-antibiotikum-oft-unnoetig.html

So wie eine einzelne Schwalbe noch keinen Frühling macht, macht eine einzelne gute Studie allerdings noch keine eindeutig belegte Wirksamkeit.

Leider. Auf diesem Hintergrund ist das harte Urteil des Experten nachvollziehbar, wenn die Kriterien der evidenzbasierten Medizin als massgeblich betrachtet werden.

Die Studie wurde mit „Sinupret extract“ durchgeführt, während im Spiegel von Sinupret oder Sinupret forte die Rede ist.

Das ist aber ein grosser Unterschied, der vielleicht bei dieser Beurteilung im Spiegel nicht oder zuwenig berücksichtigt wurde:

Sinupret Drg.:

Enzianwurzel (6 mg), Primelblüten (18 mg), Sauerampferkraut (18 mg), Holunderblüten (18 mg), Eisenkraut (18 mg)

Sinupret Forte Drg:

Enzianwurzel (12 mg), Primelblüten (36 mg), Sauerampferkraut (36 mg), Holunderblüten (36 mg), Eisenkraut (36 mg)

Sinupret und Sinupret forte enthalten getrocknete, pulvierisierte Heilpflanzen in einem Dragees und das in eher geringer Menge, wobei der Gehalt in Sinupret forte doppelt so hoch ist.

Sinupret extract enthält dagegen laut Beipackzettel pro Tablette 160,00 mg Trockenextrakt  aus Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten, Eisenkraut. Durch die Verwendung eines Trockenextraktes kann eine etwa vierfach höhere Konzentration an Wirkstoffen erreicht werden. Sinupret extract ist in Deutschland auf dem Markt, leider aber nicht in der Schweiz. Sinupret extract ist überzeugender und ich würde es vorziehen – jedenfalls für Erwachsene. Das Präparat kann in der Schweiz via Apotheke auch aus Deutschland besorgt werden.

Eigenartig finde ich die Verwendung von Schlüsselblumenblüten, weil Schlüsselblumenwurzel etwa 4mal mehr wirksamkeitsbestimmende Saponine enthält. Für Schlüsselblumenwurzel ist ein schleimlösender Effekt relativ gut dokumentiert. Auch sonst habe ich einige Fragezeichen zur Zusammensetzung von Sinupret. Für Enzianwurzel, Holunderblüten und Ampferkraut postuliert der Hersteller schleimlösende und antivirale Wirkungen, die jedoch hauptsächlich durch Tierversuche und Experimente mit Zellkulturen belegt werden. Solche Ergebnisse lassen sich nicht einfach auf die Anwendung am Menschen übertragen.

Mein eigenes Fazit: Sinupret und Sinupret forte überzeugen mich nicht (Sinupret, Sinupret forte) oder mässig (Sinupret Extrakt).

Sehr positiv bewerte ich, dass Bionorica als Hersteller von Sinupret ein mittelständischer Betrieb ist, der viel in Forschung und Entwicklung zugunsten von Phytopharmaka investiert. Ich schätze das auch bei anderen Herstellern (z. B. Schwabe, Zeller). Trittbrettfahrer haben wir genug. Wer in Forschung und Entwicklung investiert, sollte auch von Konsumentinnen und Konsumenten unterstützt werden.

P. S.

Ich selber bevorzuge im Übrigen bei Nasennebenhöhlenentzündung und Bronchitis eher Gelomyrtol®.

Siehe:

Myrtol / Gelomyrtol bei Husten und Bronchitis

Phytopharmaka: Gelomyrtol / Gelodurant / Sibrovita – was ist der Unterschied?

Myrtol bei Bronchitis und Sinusitis

Neu in der Schweiz: Gelomyrtol gegen Bronchitis und Sinusitis

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Tipps für die Hustensaison

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In der Nordsee-Zeitung gibt der Lungenarzt Dr. Thomas Mutz vom Medizinischen Versorgungszentrum im Klinikum Bremerhaven nützliche Tipps aus der Phytotherapie zur Behandlung von Husten:

„Wenn einen tatsächlich eine Erkältung plagt, sind Ruhe, körperliche Schonung und unterstützende Maßnahmen wie Inhalationen, fiebersenkende und schmerzlindernde Medikamente sinnvoll. Hilfreich sind auch naturheilkundliche Therapien („Phytotherapie“) und alte Hausmittel wie Thymian, Efeu, Spitzwegerich, Isländisch Moos, Myrtol und Primel. Sei es nun als Inhalation, Arzneitee oder in anderer Darreichung. Zu bedenken ist aber auch stets, dass Husten immer auch ein natürlicher Schutzreflex ist und mit Antitussiva (Hustenstoppern) nicht komplett unterdrückt werden sollte. Eines ist sowieso klar: Ob mit oder ohne zusätzliche Therapien braucht der Mensch zur Regeneration mindestens eine Woche.“

Quelle:

http://www.nordsee-zeitung.de/nachrichten/wirtschaft_artikel,-Die-Hustensaison-hat-begonnen-_arid,811412.html

Kommentar & Ergänzung:

Die empfohlenen Heilpflanzen sind gut gewählt. Präzisieren müsste man nur den Satz: „Sei es nun als Inhalation, Arzneitee oder in anderer Darreichung“. Man könnte ihn nämlich so verstehen, als komme es auf die Darreichungsform nicht so an, als könne man die aufgeführten Heilpflanzen so oder so anwenden, zum Beispiel als Kräutertee oder als Inhalation.

Das wäre aber eine irrige Interpretation. Es kommt sehr darauf an, in welcher Form!

Interessant ist zudem die Frage, welche der erwähnten Heilpflanzen bei welcher Art von Husten geeignet ist.

– Thymian: Am sinnvollsten dürfte die Inhalation mit Thymianöl sein. Schleimlösend bei produktivem Husten.

– Efeu: Nur in Form von Efeuextrakt empfehlenswert. Schleimlösend, krampflösend auf die Bronchien.

– Spitzwegerich: Als Kräutertee oder als Bestandteil von Kräutertee-Mischungen („Brusttee“, Hustentee), für Inhalationen ungeeignet. Enthält Schleimstoffe. Eher bei trockenem Reizhusten.

– Isländisch Moos: Als Tee, der allerdings sehr bitter ist. In Hustenpastillen mit ungeklärter Wirksamkeit. Enthält Schleimstoffe, eher bei trockenem Reizhusten.

– Myrtol: Gemeint ist wohl „Gelomyrtol®“, ein Präparat, das ein Destillat aus einer Mischung von Eukalyptusöl, Süssorangenöl, Myrtenöl und Zitronenöl enthält und schleimlösend bei produktivem Husten wirkt. Es handelt sich um magensaftresistente Weichkapseln.

– Primel: Schlüsselblumenblüten und Schlüsselblumenwurzel enthalten enthalten Saponine mit schleimlösender Wirkung bei produktivem Husten. Bestandteil von Hustentee bzw. „Brusttee“ und von Hustensirup. Ungeeignet für Inhalationen, weil die Wirkstoffe nicht flüchtig sind.

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Erkältungen: Honig hilft gegen Husten

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Bei akutem Erkältungshusten werden zahlreiche Arzneimittel angewendet, aber nur wenige sind wirklich indiziert und hilfreich. Antibiotika werden zwar sehr oft verordnet, aber der Husten klinge durch sie nicht früher ab, erklärte Dr. Peter Kardos, Frankfurt, beim Pharmacon in Meran.

Ansonsten gesunde Patienten mit akutem Husten nach einem bakteriellen Infekt hätten ebenfalls keinen Nutzen von Antibiotika, sagte Kardos. Anders verhalte es sich bei bakteriellen Sekundärinfekten, doch trete auch hier der Effekt nicht unmittelbar ein.

Positive Studiendaten für Honig, Efeu / Thymian, Umckaloabo und Cineol

Für das Hausmittel Honig liege eine Studie vor, die für einen Nutzen bei nächtlichem Husten von Kindern zeigt, sagte der Experte, der federführend an der Ausarbeitung der aktuellen Husten-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie 2010 beteiligt war. Auch für einige Phytopharmaka, beispielsweise Zubereitungen aus Thymian & Efeu (ein Kombinationspräparat), Pelargonium sidoides (Umckaloabo) oder Cineol, lägen positive Studiendaten vor. Der Arzt bedauerte allerdings auch, dass es viele Vorurteile gegenüber Phytopräparaten gebe. Sie würden trotz Studien oft nicht in Leitlinien aufgenommen.

Bei einem akuten Erkältungshusten, der definitionsgemäss bis zu acht Wochen anhalten kann, sind Sekretolytika und Antitussiva wie Codein laut Kardos kaum wirksam.

Codein sei in der 60-mg-Dosierung als Arzneimittel aber nützlich bei nicht-erkältungsbedingtem Husten.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=46625&Nachricht_Title=Nachrichten_Erk%E4ltungshusten%3A+Honig+hilft&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Beim Erkältungshusten gibt es einige Phytopharmaka, die mit Studien gut belegt sind, und es diesbezüglich mit synthetischen Wirkstoffen aufnehmen können.

Siehe dazu auch:

Wirkstoffkunde: Was ist Cineol / 1,8-Cineol?

Myrtol / Gelomyrtol® bei Husten und Bronchitis

Phytopharmaka: Gelomyrtol / Gelodurant und Sibrovita – Unterschied?

Myrtol bei Bronchitis & Sinusitis

Akute Bronchitis: Myrtol meist sinnvoller als Antibiotika

Phytotherapie: Eukalytusöl / Myrtol bei Husten

Phytotherapie: Umckaloabo-Studien

Phytotherapie: Umckaloabo (Pelargonium sidoides) bei Erkältungen

Phytotherapie bei Husten: Wirksamkeit in Studien nachgewiesen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Phytotherapie: Pflanzenmedizin gegen Husten

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ ( Nr. 7 / 2012) fasst aktuelle Empfehlungen bezüglich Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten zusammen:

„Atemwegsinfekte sind der häufigste Anlass für Krankschreibungen. Gerade gegen Husten bietet die Pflanzenmedizin aber gut verträgliche Hilfen an, deren Evidenz inzwischen auch in Leitlinien wissenschaftlicher Gremien Anerkennung fand. So hat die Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin gleich zwei Pflanzenkombinationen in ihre Therapieempfehlungen aufgenommen, die in der Leitlinie zu »Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten« genannt werden. Sie stufte die Wirksamkeit von Thymiankraut und Efeublättern und Thymiankraut und Primelwurzeln als wissenschaftlich nachgewiesen ein. Ursache eines akuten Hustens sind fast immer Viren. Eine antibiotische Therapie – die bekanntlich nur gegen Bakterien wirken kann – ist deshalb nur in Ausnahmefällen indiziert. Die pflanzlichen Präparate bewirken dagegen erwiesenermaßen eine schnellere Linderung des Hustens im Vergleich zu Placebo.

Als schleimlösende Mittel (Expectorantien) werden von den Lungen- und Atemwegsspezialisten Extrakte aus Anis, Myrtol, Pfefferminz, Eukalyptus, Thymian, Efeublättern und Primelwurzeln aufgezählt. Hustenstillende Eigenschaften weisen laut Leitlinie Extrakte aus Thymian, Spitzwegerich, Drosera und Wollblumen auf. Allerdings entsprechen längst nicht alle Präparate, die derartige Pflanzen enthalten, den geforderten wissenschaftlichen Qualitätskriterien. Fragen Sie dazu Ihren Apotheker. Pflanzliche Hustenmittel gelten auch in der Behandlung von Kindern als besonders geeignet.“

Kommentar & Ergänzung:

Diese Empfehlungen in den Leitlinien sind erfreulich und nachvollziehbar. Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten können es jedenfalls oft auch aus einem wissenschaftlichen Blickwinkel bei einer Gesamtbetrachtung durchaus mit synthetischen Präparaten aufnehmen.

Bei den synthetischen Expectorantien (Schleimlöser) ist zum Beispiel beim Klassiker N-Acetylcystein (Fluimucil) die Studienlage sehr widersprüchlich und die Wirksamkeit nicht eindeutig belegt, obwohl das Präparat oft verkauft und eingenommen wird.

Bei den synthetischen Antitussiva (Hustenstiller) unterscheidet man Opioide (Wirksamkeit ungenügend geklärt, Risiko von Nebenwirkungen) und Nicht-Opioide (Wirksamkeit ungenügend geklärt):

– Opioide Antitussiva wie Codein, Dextromethorphan, Dihydrocodein, Pholcodin, Hydrocodon, Noscapin, Ethylmorphin und Opium sollen den Hustenreiz zentral im Gehirn blockieren. Insbesondere Codein und Dextromethorphan sind in zahlreichen Medikamenten enthalten und werden oft angewendet. Ob sie jedoch tatsächlich wirksam sind, ist umstritten und in klinischen Studien bisher nicht zweifelsfrei belegt. Opioide können unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Atemdepression und Verstopfung verursachen. Ausserdem kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.

– Nicht-opioide Antitussiva wie Butamirat, Butetamat, Levodropropizin und Morclofon sind chemisch nicht mit den Opioiden verwandt und sind daher frei von opioiden unerwünschten Wirkungen. Sie sind jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend dokumentiert und moderne Zulassungsstudien fehlen.

Berücksichtigt man sowohl Wirkungen als auch unerwünschte Nebenwirkungen für die Beurteilung, so schneiden die erwähnten Heilpflanzen-Anwendungen im Vergleich zu den synthetischen Substanzen gut ab.

Allerdings stimmt auch der Hinweis im Zitat, dass längst nicht alle Präparate, welche die erwähnten Heilpflanzen enthalten, den geforderten Qualitätskriterien genügen.

Es gibt sehr grosse Qualitätsunterschiede bei Heilpflanzen-Präparaten.

P.S.

– Mit Drosera ist Sonnentau gemeint, eine insektenfressende Pflanze, die im Hochmoor wächst.

– Efeublätter nicht als Tee verwenden, sondern nur als Fertigpräparat, das auf einen bestimmten Wirkstoffgehalt eingestellt ist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytopharmaka reduzieren bei akuter Sinusitis den Sekretstau

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Im Phyto-Forum der Ärztezeitung wurde die Frage gestellt, welche Alternativen es gebe, wenn Patienten bei akuter Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung) die eigentlich unverzichtbaren Nasentropfen oder Nasensprays mit α-Sympathomimetika ablehnen.

Beantwortet hat die Frage Professor Jürgen Reichling.

Er hält den Einsatz von Phytopharmaka bei akuter Sinusitis für äußerst sinnvoll.

„Sie können entweder mit α-Sympathomimetika kombiniert oder aber auch als alleinige Therapieoption eingesetzt werden.“  Es komme dabei zum Abschwellen der Schleimhaut, zur Sekretolyse und Förderung der Sekretomotorik. Durch diese Maßnahmen werde ein Sekretstau verhindert.

Klinische Studien zum Einsatz von Phytopharmaka bei akuter Sinusitis liegen gemäss Reichling für die Fertigpräparate GeloMyrtol® (Myrtol = Gemisch eines ätherischen Öls), Soledum® (isoliertes 1,8-Cineol) und Sinupret® (Kombinationspräparat aus Extrakten von Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut) vor.

Bei chronischer Sinusitis sollten Phytopharmaka allerdings nur als Begleittherapie zur Anwendung kommen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/phytotherapie/article/814714/akute-sinusitis-phytopharmaka-verhindern-sekretstau.html?sh=14&h=-1654080400

Kommentar & Ergänzung:

Weitere Infos siehe:

Wirkstoffkunde: Was ist Cineol / 1,8-Cineol?

Myrtol / GeloMyrtol® bei Husten und Bronchitis

Phytopharmaka: Gelomyrtol / Gelodurant und Sibrovita – Unterschied?

Neu in der Schweiz: GeloMyrtol® gegen Bronchitis & Sinusitis

Soledum® ist in Deutschland im Handel, nicht aber in der Schweiz.

Sehr erfolgreich im Markt ist Sinupret®, obwohl die Kombination von Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut sehr ungewöhnlich und nicht so ohne weiteres nachzuvollziehen ist.

Enzianwurzel zum Beispiel wird wegen den Bitterstoffen bei Völlegefühl und Appetitlosigkeit eingesetzt. Die Belege für eine schleimlösende Wirkung sind ziemlich schwach.

Schlüsselblumenblüten sind wegen ihrem Gehalt an Saponinen in der Phytotherapie als schleimlösend anerkannt. In den Schlüsselblumenwurzeln wäre der Gehalt an Saponinen aber etwa viermal höher. Auch Holunderblüten wirken schleimlösend, doch würde ich dann eher Holunderblütentee empfehlen, weil so höchstwahrscheinlich eine wesentlich höhere Zufuhr an Inhaltsstoffen erreicht werden kann als mit den Sinupret-Dragées.

Auch bei Ampferkraut und Eisenkraut sind die Belege für einen Nutzen bei Sinusitis spärlich.

Prof. Reichling schreibt betreffend Sinupret von Extrakten aus Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut. Extrakte sind allerdings nur im Präparat „Sinupret extrakt“ enthalten, das punkto Inhaltsstoffe daher etwa 4mal konzentrierter ist als die Sinupret forte Dragées, welche nur getrocknete Heilpflanzen enthalten. „Sinupret extrakt“ ist in der Schweiz allerdings bisher nicht im Handel (in Deutschland jedoch schon).

Wikipedia fasst die Datenlage zur Wirksamkeit von Sinupret so zusammen:

„ Eine sekretolytische Wirkung wurde im klassischen Percy- und Boyd-Modell bestätigt. Positive Ergebnisse wurden aus verschiedenen Blindstudien gewonnen. Ein substanzspezifischer positiver Beitrag von Eisenkraut liegt für die Kombination der Pflanzenextrakte nicht vor. Der Arzneiverordnungs-Report kritisierte eine fehlende pharmakologische Zuordnung der fünf Wirkstoffe, die antiviral, antiinflammatorisch und sekretolytisch wirken sollen. Das Medikament habe 1997 die Nachzulassung erhalten, ohne dass die eingereichten Daten einer streng wissenschaftlichen Überprüfung standhalten konnten.

Das 2012 zugelassene Sinupret extract wurde in einer doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten klinischen Studie an 386 Patienten untersucht. Das Hauptzielkriterium (ein Symptomwert, der nasale Sekretion, retronasale Sekretion, Verstopfung der Nase, Kopfschmerz und Gesichtsdruck berücksichtigt) war nach Behandlung mit Verum siginifikant verbessert gegenüber der Behandlung mit Placebo.“

(Quelle: Wikipedia, Literaturangaben dort)

Ich nehme ein Präparat wie Sinupret durchaus ernst, doch bleiben eine ganze Reihe von Fragen zu diesem Phytopharmaka offen.

Markterfolg ist jedenfalls noch kein Beleg für Wirksamkeit. Markterfolge gibt es nämlich beispielsweise auch für Nashornpulver bei Potenzproblemen….

Siehe: Traditionelle Medizin gefährdet Nashörner

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Myrtol (Gelomyrtol®) bei Husten und Bronchitis

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Die Österreichische Apothekerzeitung (8. Oktober 2012) geht bei Thema Hustenbehandlung auf den pflanzlichen Wirkstoff Myrtol ein:

„Myrtol (Gelomyrtol®) zählt zur Wirkstoffgruppe der schleimlösenden Mittel und besitzt als ätherisches Öl sowohl sekretolytische als auch mukolytische Eigenschaften. So verhilft es zum erleichterten Abtransport des zähen, keimlastigen Schleims aus den Bronchien und Nebenhöhlen.  Des Weiteren ist der Wirkstoff für seine antibakterielle sowie antiinflammatorische Wirkung bekannt. In der Regel wird der als ätherisches Öl vorliegende Wirkstoff in Form von magensaftresistenten Weichkapseln verabreicht, die mit kalter Flüssigkeit eingenommen werden sollten. Damit wird eine frühzeitige Freisetzung der enthaltenen Wirkstoffe und damit Beschwerden im Bereich des Magen-Darmtraktes vermieden.“

Was genau ist Myrtol?

„Myrtol ist kein eindeutig definierter Begriff; er wird teilweise mit dem ätherischen Öl der Myrte (Myrtus communis), eines immergrünen Strauches, der im Mittelmeergebiet und in Vorderasien verbreitet ist, in Zusammenhang gebracht. Die exakte Bezeichnung dafür ist Myrtenöl.

In Arzneimitteln wird ein standardisiertes pflanzliches Mischdestillat als Myrtol bezeichnet, das laut Herstellerangaben nicht weniger als 25 Prozent Limonen, 25 Prozent Cineol und 6,7 Prozent (+)-α-Pinen enthält. Dieses Stoffgemisch….wirkt auswurffördernd und wird daher bei akuten und chronischen Bronchitiden sowie bei einer Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis) angewandt.“

Quelle: Wikipedia

Das in den Gelomyrtol-Kapseln enthaltene Stoffgemisch namens Myrtol besteht aus einer Mischung von Eukalyptusöl, Süssorangenöl, Myrtenöl und Zitronenöl.

Hauptanwendungsgebiet der Kapseln sind produktiver Husten / Bronchitis und Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis).

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