Artikel mit Schlagwort ‘Myrrhe’

Phytotherapie bei Xerostomie (Mundtrockenheit)

Montag, August 4th, 2014

Im Phyto-Forum der „Aerztezeitung“ beantwortete Prof. Karen Nieber die Frage nach phytotherapeutischen Optionen bi Xerostomie (Mundtrockenheit). Nieber ist Professorin am Institut für Pharmazie der Universität Leipzig (Lehrstuhl Pharmakologie für Naturwissenschaftler)

Gute Erfolge bei trockenem Mund seien durch Spülung mit Salbeitee erzielt worden, schreibt Nieber. Es gebe weitere Optionen.

Ein trockener Mund sei kein seltenes Symtom. Bei Personen über 60 Jahren seien Schätzungen zufolge etwa 40 Prozent betroffen. Mundtrockenheit sei eine häufige Nebenwirkung von Arzneimitteln wie Anticholinergika, Diuretika oder Psychopharmaka.

Mögliche Ursachen könnten beispielsweise auch Erkrankungen wie Sialadenitis, Sjögren-Syndrom / Sicca-Syndrom oder Heerfordt-Syndrom sein, aber auch Strahlentherapie, fieberhafte Allgemeinerkrankungen oder chronischer Stress mit gesteigertem Sympathikustonus, eine vermehrte Mundatmung oder eine Pilzinfektion.

Eine systemische Therapie sei nicht bekannt. Die Behandlung bestehe vor allem aus ausreichendem Trinken zum Beispiel von Wasser, Früchte- und Kräutertees. Gute Erfolge seien erzielt worden durch eine Spülung mit Salbeitee.

Prof. Nieber schreibt weiter:

„Um Reizungen oder Entzündungen im Mundraum vorzubeugen beziehungsweise zu lindern, eignen sich Abkochungen aus Eibischwurzel oder das Lutschen von Isländisch Moos Pastillen. Die Schleimstoffe in der Pflanze besitzen kühlende und befeuchtende Eigenschaften, die zudem eine schützende Wirkung auf die Schleimhäute ausüben.

Schädliche Keime können mit Salbei-, Myrrhen- und Kamillentinktur abgeschwächt oder abgetötet werden. Weiterhin gibt es eine Reihe von Sprays mit Pflanzeninhaltsstoffen (zum Beispiel Santakraut), die helfen sollen. Allerdings gibt es dafür keine klinische Evidenz.“

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hno-krankheiten/article/849575/trockener-mund-erfolge-salbei-tee-tinktur.html?sh=5&h=-1550275562

 

Kommentar & Ergänzung:

Bei allem Respekt: Das scheint mir doch ein ziemliches Sammelsurium an Empfehlungen.

Klar ist, dass es in diesem Bereich keine valablen Studien gibt, auf die sich Empfehlungen abstützen könnten. Diese ziemlich wirre Aufzählung ist aber auch nicht gerade nützlich.

Gute Erfolge seien erzielt worden durch Spülung mit Salbeitee. Der Verweis auf „gute Erfolge“ ist eine schwache Argumentation. Wer hat wann, wo und wie diese Erfolge festgestellt?

Der Verweis auf positive Erfahrungen reicht nicht als Begründung.

Siehe:

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung

Von einer Professorin für Pharmakologie würde ich mir eine pharmakologischere Argumentation wünschen. Von den Inhaltsstoffen her ist eine günstige Wirkung von Salbeitee bei Mundtrockenheit nämlich nicht sehr plausibel.

Salbeiblatt enthält Bitterstoffe (Diterpene, z. B. Carnosol = Picrosalvin). Von ihnen könnte man erwarten, dass sie die Speichelproduktion anregen, was bei Mundtrockenheit günstig wäre. Salbei enthält aber auch Gerbstoffe (vor allem den Lamiaceen-Gerbstoff Rosmarinsäure). Sie hemmen eher die Sekretionstätigkeit von Schleimhautdrüsen und wirken austrocknend.

Die Anwendung von Eibischwurzel als Schleimzubereitung ist eine gute Idee, die Empfehlung als Abkochung aber fragwürdig. Die Phytotherapie-Fachliteratur empfiehlt bei der Eibischwurzel eine Zubereitung als Kaltauszug, weil die Eibisch-Schleimstoffe hitzeempfindlich sind weil die Stärke in den Wurzeln beim Erhitzen verkleistert, wodurch sich weniger Schleim löst.

Das Lutschen von Isländisch Moos Pastillen kann wohl den Speichelfluss anregen, so wie viele andere Lutschtabletten auch. Dass die Schleimstoffe bei der Anwendung in Form von Lutschtabletten wirksam sind, würde ich bezweifeln.

Der Hinweis auf schädliche Keime, die durch Kamillentinktur, Salbeitinktur und Myrrhentinktur abgeschwächt oder abgetötet werden können, ist mir ein Rätsel.

Bei Mundtrockenheit spielen schädliche Keime meines Wissens keine Rolle. Sie hat ganz andere Ursachen. Als Wiederholung:

„Mundtrockenheit ist eine häufige Nebenwirkung von Arzneimitteln wie Anticholinergika, Atropin bzw. Hyoscyamin, Diuretika oder Psychopharmaka. Ursachen können auch Erkrankungen wie die Sialadenitis, das Sjögren-Syndrom, das Sicca-Syndrom oder das Heerfordt-Syndrom sein. Außerdem können die Entfernung von Speicheldrüsen, eine Strahlentherapie, fieberhafte Allgemeinerkrankungen, die Einnahme von Tetrahydrocannabinol oder chronischer Stress mit gesteigertem Sympathikotonus zu Mundtrockenheit führen. Eine weitere Ursache von Mundtrockenheit kann eine vermehrte Mundatmung sein. Der bei Mundtrockenheit entstehende hochvisköse Speichel kann Entzündungen in den Ausführungsgängen der Speicheldrüsen hervorrufen, besonders betroffen ist hierbei die Unterzungenspeicheldrüse (Glandula sublingualis).“

(Quelle: Wikipedia)

Weshalb also antimikrobielle Pflanzentinkturen?

Solche Empfehlungen ähneln mehr therapeutischen Rundumschlägen und sind meines Erachtens fragwürdig. Dann lieber zugeben, dass man keinen sicheren Pfeil im Köcher hat, und die Empfehlungen beschränken auf das, was am plausibelsten scheint.

 

Meiner Ansicht nach wäre das bei Mundtrockenheit:

- Gerbstoffe meiden, weil sie auf Schleimhäute austrocknend wirken können.

- Pflanzen mit Schleimstoffen anwenden, die schützend und befeuchtend auf die Schleimhäute wirken.

Im Vordergrund steht dabei Eibischwurzel, weil für Eibischschleim zu mindestens in Laborexperimenten gezeigt werden konnte, dass die Schleimmoleküle den Stoffwechsel der Schleimhautzellen günstig beeinflussen.

Siehe:

Phytotherapie: Eibischwurzel-Extrakt schützt Epithelzellen

Phytotherapie: Polysaccharide – Wirkstoffe mit Potenzial 

(Hier auch der Hinweis auf stark bioadhäsive Effekte von Lindenblütenextrakt)

Wirkungsweise von schleimhaltigen Heilpflanzen entschlüsselt

Neben dem Eibischschleim hat sich auch Lindenblütenschleim als bioadhäsiv erwiesen, d. h.: Der Schleim heftet sich gut als Schutzschicht auf die Schleimhäute.

Lindenblüten (Aufguss) oder Eibischwurzel (Kaltauszug) können zu Spülungen verwendet werden. In Betracht ziehen könnte man aber auch eine Anwendung via Spühflacon, zum Beispiel in der Palliative Care.

- Bitterstoffpflanzen sollen den Speichelfluss fördern und können bei Xerostomie einen Versuch wert sein. Rein vom Bitterstoffeffekt her dürfte es dabei keine entscheidende Rolle spielen, welche Bitterstoffpflanze angewendet wird.

Isländisch Moos (Cetraria islandica) wäre dabei interessant, weil es Bitterstoffe und Schleimstoffe enthält. Tee (Heissaufguss) würde ich den Lutschtabletten aber entschieden vorziehen.

Siehe dazu auch:

Weiterbildung Palliative Care & Onkologiepflege: Schleimstoffe bei Mundschleimhautentzündung

- Als Lutschtabletten empfehle ich Emser Pastillen ohne Menthol, ein Präparat, das sich zur Anregung des Speichelflusses bzw. zur Befeuchtung der Mundschleimhaut eignet (Emsersalz zum Lutschen).

Das ist zwar auch nicht mit Studien belegt, doch gelten Emser Pastillen als bewährtes Befeuchtungsmittel bei RednerInnen und SängerInnen.

Da bei längerdauernder Mundtrockenheit ein erhöhtes Kariesrisiko besteht, wären wohl auch Kaugummi und Lutschtabletten mit dem Zuckeraustauschstoff Xylit nützlich.

Siehe dazu:

Xylitol-Kaugummi reduziert Risiko für Mittelohrentzündung bei Kindern

(Dort auch Informationen zur Antikaries-Wirkung von Xylit)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

Palliative Care: Myrrhentinktur bei Mucositis (Mundschleimhautentzündung)

Sonntag, März 30th, 2014

Prof. Karin Kraft vom Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Rostock hat in der Zeitschrift für Phytotherapie (Nr. 4 / 2013) einen informativen Beitrag publiziert zur Anwendung von Phytotherapie in der Palliative Care. Ein Abschnitt in diesem Beitrag ist der Mucositis gewidmet. Darin wird auch die Myrrhentinktur erwähnt:

„Myrrhe (Commiphora myrrha) wirkt antibakteriell, entzündungshemmend und analgetisch. Studien zur Anwendung bei Mucositis liegen nicht vor. Empirisch wird die unverdünnte Tinktur mit einem Wattestäbchen oder einer Fingerkuppe auf die entzündete Stelle aufgetragen. Für eine Mundspülung werden 5-10 Tropfen, bei guter Verträglichkeit 20-30 Tropfen Myrrhentinktur mit ca. 200 ml lauwarmem Wasser verdünnt.“

Kommentar & Ergänzung:

Myrrhentinktur eignet sich selbstverständlich auch für Mundschleimhautentzündungen ausserhalb der Palliative Care.

Mir selber ist bei Mucositis die Tormentilltinktur näher. Sie enthält adstringierende Gerbstoffe (nur kurzzeitige Anwendung). Man kann aber auch Myrrhentinktur und Tormentilltinktur 1 : 1 mischen.

Interessant ist die Beschreibung der medizinischen Wirkung der Myrrhe auf Wikipedia:

„Als Myrrhentinktur hat die Myrrhe heute pharmazeutische Bedeutung bei Entzündungen der Mundschleimhaut. Sie wirkt auf der Haut desinfizierend, zusammenziehend und fördert die Narbenbildung. Sie besitzt eine blutstillende Wirkung. Myrrhe wirkt auch krampflösend und wird deshalb bei Darmerkrankungen eingesetzt. Die alte Heilpflanze setzt den Spannungszustand der glatten Darmmuskulatur herab. Dadurch verringert sich die Zahl der Darmkontraktionen und Darmkrämpfe werden gelindert. Innerlich angewendet wirkt sie bei Bronchitis und bei Darmentzündungen. Die Anwendung erfolgt durch Zerkauen (bitter) oder Einnahme von Myrrhepräparaten in Tablettenform. In Kombination mit Kaffeekohle und Kamille wird Myrrhe zum Beispiel bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn angewendet. Eine klinische Studie hat gezeigt, dass diese pflanzliche Therapie zur Erhaltung der schubfreien Phase bei Colitis ulcerosa vergleichbar wirksam ist wie die Standardtherapie mit Mesalazin.“

Bemerkenswert an dieser Beschreibung ist:

1. Der Hinweis auf entzündungswidrige Wirkungen bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

2. Der Hinweis auf krampflindernde Wirkungen bei Darmkrämpfen.

Da bei der auf Wikipedia erwähnten klinischen Studie ein Kombipräparat aus Kamille, Kaffeekohle und Myrrhe untersucht wurde, lässt sich daraus nicht auf die Wirksamkeit der Myrrhe allein schliessen.

Hier die Quellenangabe zur Studie:

Langhorst J, Varnhagen I, Schneider SB, Albrecht U, Rueffer A, Stange R, Michalsen A, Dobos GJ. Randomised clinical trial: a herbal preparation of myrrh, chamomile and coffee charcoal compared with mesalazine in maintaining remission in ulcerative colitis – a double-blind, double-dummy study. Aliment Pharmacol Ther. 2013 Jul 4

Myrrhentinktur wird üblicherweise im Mundraum eingesetzt und nicht eingenommen. So fehlen auch Angaben zur innerlichen Anwendung und zur Dosierung in der aktuellen Fachliteratur. Vor geht 20 Jahren bin ich allerdings auf einen Hinweis gestossen, in dem bei Dysmenorrhoe (Menstruationskrämpfe) empfiehlt: Tinctura myrrhae, alle 2 Stunden 10 Tropfen einnehmen. Quelle: Contactamed für Naturheilverfahren, 5. Auflage 1997).Das passt zur erwähnten krampflindernden Wirkung.

Siehe ausserdem:

Tipps für Krebskranke aus der komplementären Onkologie

Palliative Care / Onkologiepflege: Honig bei Mucositis / Mundschleimhautentzündung

Honig gegen Mundschleimhautentzündung (Mucositis) bei Chemotherapie / Bestrahlung

Vorbeugung gegen Mukositis bei Chemotherapie

Was ist Myrrhentinktur?

Heilpflanzen bei Mundschleimhautentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Was ist Myrrhentinktur?

Freitag, November 9th, 2012

Myrrhentinktur ist eine gelblichbraune klare Flüssigkeit, die zur Behandlung leichter Entzündungen der Mundschleimhaut und der Rachenschleimhaut eingesetzt wird.

Sie wird hergestellt aus Myrrhe, dem Harz des Baumes Commiphora myrrha (syn. Commiphora molmol, Balsambaumgewächse). Nach Verletzung der Zweige und Stämme des Myrrhenstrauchs tritt ein Gummiharz aus, das getrocknet wird (Myrrha).

Hergestellt wird die Myrrhentinktur aus 1 Teil Myrrhe und 5 Teilen 90 %igem Alkohol (Äthanol) durch Mazeration.

Historische Erwähnungen der Myrrhe als Heilmittel gehen bis in das 15. Jahrhundert zurück, wo sie in der Andechser Apothekenliste erwähnt wird.

Inhaltsstoffe

Myrrhentinktur enthält hauptsächlich Furanosesquiterpene wie Furanoeudesma-1,3-dien (Hauptbestandteil), Furanoeudesma-1,4-dien-6-on, Lindestren, Curzerenon, Furanodien, 2-Methoxyfuranodien und 4,5-Dihydrofuranodien-6-on, zusammen mit Sesquiterpenen wie alpha-Copaen, Elemen und Bourbonen. Furanoeudesma-1,3-dien zeigte analgetische Wirkungen, die durch Naloxon wieder aufgehoben werden konnten, was auf eine Bindung an Opioidrezeptoren hindeutet. Des Weiteren konnten wachstumshemmende Wirkungen bei verschiedenen Bakterien nachgewiesen werden.

Anwendungsbereiche

Myrrhentinktur wird hauptsächlich bei Entzündungen von Zahnfleisch und Mundschleimhaut (Gingivitiden, Stomatitiden) eingesetzt. Auch Prothesendruckstellen können mit Myrrhentinktur behandelt werden. Sie wird unverdünnt auf die entsprechenden Stellen aufgetupft oder mit Wasser verdünnt zum Spülen oder Gurgeln im Mund und Rachenbereich eingesetzt.

Quelle: Wikipedia

Kommentar & Ergänzung:

Myrrhe wird schon sehr lange als Heilmittel genutzt:

„Im alten Ägypten nutzte man bereits vor 3000 Jahren Myrrhe zur Einbalsamierung. Das getrocknete, gelb-braune Harzgranulat wird seit Jahrtausenden vor allem in Jemen, Äthiopien, Sudan und Somalia verwendet. Im Judentum gehörten Myrrhe und Aloe zur ordnungsgemäßen Bestattung des Leichnams; sie waren aber auch Bestandteil von kultischen Salbungen (griechisch: „Χριστός“, latinisiert „Christus“ – hebräisch: „Messias“ bedeutet „der Gesalbte“). Vor Christus wurde Myrrhe unter anderem als Aphrodisiakum verwendet. Frauen und Männer trugen es als Parfum, Betten wurden vor dem Geschlechtsverkehr damit beträufelt.“

(Quelle: Wikipedia)

Zusammensetzung des Harzes:

2-10 % ätherisches Öl (zum grossen Teil Sesquiterpene)

Harz mit Phenolen, Triterpenen, Proteinen, Schleime.

Wasserlösliche Gummen zwischen 30 und 60 %.

Wirkung:

Adstringierend (= zusammenziehend) und desinfizierend..

In der Phytotherapie wird Myrrhentinktur bei Mundschleimhautentzündung, Rachenschleimhautentzündung und Aphthen eingesetzt, gerne auch 1:1 gemischt mit Tormentilltinktur (aus Potentilla erecta, Aufrechtes Fingerkraut, Blutwurz).

Myrrhe ist auch Bestandteil des altehrwürdigen Zeller Balsams, zusammen mit Weihrauch (Olibanum), Wermutkraut (Absinthii herba), Zimtrinde (Cinnamomi cortex), Guajakholz (Guaiaci lignum), Schafgarbenkraut (Millefolii herba), Klatschmohnblüten (Rhoeados flos), Blutwurz (Tormentillae rhizoma), Tolubalsam (Balsamum tolutanum), Benzoe (Benzoe tonkinensis).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Weihrauch-Forschung: Boswelliasäuren hemmen Entzündungen

Montag, Juli 9th, 2012

Weihrauch gehörte bereits zu den Geschenken der drei Weisen aus dem Morgenland: Neben Myrrhe und Gold brachten sie für das neugeborene Jesuskind auch Weihrauch mit. Seit der Antike zählt der aromatische Duft des verbrennenden Weihrauchharzes zu verschiedensten religiösen Zeremonien und ist bis in die Gegenwart in der Kirche Ausdruck besonderer Festlichkeit. Weihrauch kann aber noch mehr: „Das aus dem Stamm des Weihrauchbaumes gewonnene Harz enthält entzündungshemmende Substanzen“, erklärt Prof. Dr. Oliver Werz von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Diese machen Weihrauch als Arzneimitten unter anderem für die Behandlung von Krankheiten wie Asthma, Rheumatoider Arthritis oder Neurodermitis hochinteressant.

Allerdings sucht man Arzneimittel mit Weihrauchwirkstoffen in deutschen Apotheken bislang vergebens. Denn die pharmakologischen Grundlagen der Wirkung des Weihrauchs sind erst wenig untersucht. „Auch wenn Weihrauchharz schon seit Jahrtausenden beispielsweise in der ayurvedischen Medizin genutzt wird, reichen die bisher durchgeführten klinischen Studien für eine Zulassung in Deutschland und Europa nicht aus“, sagt Prof. Werz.
Das könnte sich nun aber ändern. Im Rahmen eines Verbundprojekts mit Partnern der Uni Saarbrücken und einem Startup-Unternehmen sind Prof. Werz und sein Team dem Wirkmechanismus des Weihrauchs auf der Spur. Dabei konnten die Wissenschaftler zeigen, an welcher Stelle die für die Wirkung des Weihrauchharzes verantwortlichen Inhaltsstoffe, die Boswelliasäuren, in den Entzündungsvorgang eingreifen.

„Boswelliasäuren interagieren mit verschiedenen Eiweißen, die an entzündlichen Reaktionen beteiligt sind. Insbesondere jedoch mit einem Enzym, das für die Synthese von Prostaglandin E2 verantwortlich ist“, erklärt Oliver Werz. Prostaglandin E2 zählt zu den Vermittlern der Immunantwort und spielt unter anderem im Entzündungsvorgang sowie bei der Entstehung von Fieber und Schmerzen eine entscheidende Rolle. „Boswelliasäuren hemmen dieses Enzym sehr potent und verringern so die Entzündungsreaktion“, sagt der Jenaer Pharmazeut. Damit sei nicht nur ein gezielter Einsatz in der Behandlung von Entzündungserkrankungen vorstellbar. Boswelliasäuren ließen auch weniger Nebenwirkungen erwarten, als gegenwärtig verwendete  Entzündungshemmer wie Diclofenac oder Indometacin. Diese wirken weniger spezifisch und können bei längerer Anwendung das Risiko für Magengeschwüre steigen und die Nierenfunktion stören.

In ihrer aktuellen Studie haben die Wissenschaftler um Prof. Werz zudem das Harz verschiedener Weihraucharten verglichen und in seiner entzündungshemmenden Wirkung untersucht. Weltweit kommen mehr als zehn verschiedene Arten von Weihrauch vor. Am bekanntesten und verbreitetsten sei der in Nordindien und Zentralindien beheimatete Weihrauch Boswellia serrata. „Wie wir jetzt gesehen haben, ist jedoch das Harz von Boswellia papyrifera um den Faktor zehn wirksamer“, nennt Prof. Werz ein weiteres Resultat der Untersuchung. Diese Weihrauchart kommt hauptsächlich im Nordosten Afrikas (Äthiopien, Somalia) und auf der arabischen Halbinsel (Jemen, Oman) vor.

Ob sich Weihrauch als Medikament in Zukunft tatsächlich durchsetzen kann, hängt allerdings nicht nur vom Ausgang der noch ausstehenden klinischen Überprüfung ab. „Boswelliasäuren kommen ausschließlich im Harz des Weihrauchbaumes vor und lassen sich nur schwer synthetisch herstellen“, betont Werz. Damit sind diese Bäume die einzige Quelle für den aussichtsreichen Wirkstoff. Weihrauchbäume sind in ihrem Bestand aber stark bedroht. Vielerorts werden sie einfach als Brennmaterial genutzt. Prof. Werz warnt deshalb: „Ohne nachhaltigen Schutz sind damit nicht nur Pflanzenarten vom Aussterben bedroht, sondern es gehen der Medizin auch vielversprechende Wirkstoffe verloren.“

Quelle:

Friedrich-Schiller-Universität Jena

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=38018

Kommentar & Ergänzung:

Interessant scheint mir vor allem die Aussage, dass Boswellia papyrifera 10mal wirksamer sein soll als der Indische Weihrauch. Das bekannteste Weihrauchpräparat, Gufic H15, besteht nämlich aus Indischem Weihrauch.

Bezüglich dem Wirkungsmechanismus des Weihrauchharzes  gibt es in den Forschungsergebnissen und in der Phytotherapie-Fachliteratur unterschiedliche Erklärungsansätze. Boswelliasäuren galten vor allem auch als Leukotrien-Hemmer.

Eine Zusammenfassung der Diskussion gibt es im Pharmawiki:

„Lange Zeit war die 5-Lipoxygenase, das Schlüsselenzym der Leukotrienbiosynthese, als selektiver Angriffspunkt der Boswelliasäuren identifiziert worden. Allerdings wurde in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die Hemmung der 5-Lipoxygenase nicht das zugrunde liegende Wirkprinzip des Weihrauchs ist. Zwar hemmen die Boswelliasäuren die Leukotrienbildung in vitro, aber die dazu notwendigen Konzentrationen sind sehr hoch und in vivo kaum erreichbar, insbesondere wegen der starken Bindung an Plasmaproteine. Die folgenden Angriffspunkte werden für die entzündungshemmenden Eigenschaften der Boswelliasäuren verantwortlich gemacht:

Hemmung der 12-Lipoxygenase

Hemmung der Leukozytenelastase

Hemmung des NFκB-Signalwegs

Hemmung des Cathepsin G

Die antientzündliche Wirkung kann also über ein weites Spektrum an entzündungshemmenden Einflüssen erklärt werden. Ein Angriff an direkt entzündungsfördernden Proteinen wie den Lipoxygenasen und auch Cyclooxygenasen scheint im Organismus eher von untergeordneter Rolle zu sein. Ein Eingriff in den NFκB-Weg stellt im Gegensatz zum direkten Angriff an den Lipoxygenasen eine indirekte Hemmung der Entzündung durch Modulation der „Steuerung“ des Entzündungsgeschehens dar. So werden Botenstoffe, die zur Ausweitung der Entzündung von Immunzellen ausgeschüttet werden, durch Hemmung des NFκB-Weges vermindert gebildet…… Vermutlich ist nicht ein einzelner Angriffspunkt für das Wirkungsbild von Weihrauchharzextrakten verantwortlich, sondern es werden mehrere Mechanismen der Entzündungsregulation beeinflusst, die dann gemeinsam zu einer Entzündungshemmung führen. Trotzdem wird bis heute weitläufig die Hemmung der Leukotriensynthese durch Boswelliasäuren als „das Wirkprinzip“ des Weihrauchs angeführt.“

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Weihrauch

Möglicherweise verschieben die Arbeiten an der Universität Jena dem Focus nun verstärkt auf die Prostaglandinhemmung.

Entscheidender als die Erforschung des Wirkungsmechanismus im Labor ist allerdings die Wirksamkeit in klinischen Studien mit Patienten.

Im Zentrum solcher Studien steht die chronische Polyarthritis, aber auch Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn.

In diesen Bereichen liegen positive Studienresultate vor, die allerdings wegen methodischer Diskussionspunkte kontrovers beurteilt werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Bei Aphthen – Tormentill, Rathania, Myrrhe, Salbei, Rhabarberwurzel….

Mittwoch, August 17th, 2011

Die Pharmazeutische Zeitung publizierte einen fundierten Beitrag zum Thema Aphthen.

Darin werden auch Heilpflanzen-Anwendungen erwähnt:

„Tormentillwurzelstock, Rathania, Myrrhe, Salbei…..Rhabarberwurzel (etwa Repha-OS®, Pyralvex®, Salviathymol®) haben sich durch ihren adstringierenden und entzündungshemmenden Effekt bewährt. Zudem ist Propolis-Urtinktur ein möglicher Beratungstipp. Bevor das jeweilige Präparat aufgetragen wird, empfiehlt es sich, die betroffene Region mit einem Wattestäbchen oder Papiertuch trocken zu tupfen. Dann erst das Gel oder die Tinktur mit einem frischen Wattestäbchen entnehmen und dünn auf die Wunde aufstreichen.“

Quelle: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=39008&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Alle im Artikel der Pharmazeutischen Zeitung erwähnten Heilpflanzen sind für die Behandlung von Aphthen geeignet. Die erwähnten Heilpflanzen-Präparate stammen aus Deutschland und sind – ausser Pyralvex – in der Schweiz nicht im Handel.

Man kann aber auch gut Tormentilltinktur, Rathaniatinktur, Myrrhentinktur oder Salbeitinktur auftragen, wobei Pflanzentinkturen aus getrockneten Heilpflanzen meist einen höheren Wirkstoffgehalt haben als Frischpflanzentinkturen.

Wegen des hohen Alkoholgehalts können unverdünnte Pflanzentinkturen auf der Mundschleimhaut brennen (allenfalls 1 : 2 mit Wasser verdünnen).

Propolis ist Bienenkittharz.

Propolis wirkt antimikrobiell. Der Grundstoff für die Herstellung von Propolis wird von Honigbienen als harzige Substanz an Knospen und teilweise an Wunden verschiedener Bäume (hauptsächlich Birken, Buchen, Erlen, Fichten, Pappeln, Rosskastanien und Ulmen) gesammelt (etwa 55 % Naturharz und Pollenbalsam).

Und was genau sind Aphthen?

„Eine Aphthe…..ist eine schmerzhafte, von einem entzündlichen Randsaum umgebene Schädigung der Schleimhaut des Zahnfleischs, der Mundhöhle, der Tonsillen oder der Zunge und in Einzelfällen auch anderer Schleimhäute, z. B. im Genitalbereich. Es handelt sich dabei um ein Ulcus mit weißlichem Fibrinbelag.“

(Quelle: Wikipedia)

Und was sind die Ursachen von Aphthen?

„ Ursachen (Ätiologie) und Entstehungsmechanismus (Pathogenese) der rezidivierenden Aphthose sind weitgehend unklar. Eine multifaktorielle Entstehung mit genetischer Komponente wird angenommen.

Mögliche assoziierte Faktoren sind Verletzungen der Mundschleimhaut, Zusammenhänge mit verschiedenen Nahrungsmitteln, Nahrungsdefiziten (Vitamin B12-, Eisen- oder Folsäuremangel) sowie Veränderungen des Hormonhaushaltes. In schweren Fällen können Systemerkrankungen wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Zöliakie, Morbus Behçet oder HIV-Infektionen zu Grunde liegen.

Es wird keine Verbindung zu Menstruationszyklus, Schwangerschaft oder Menopause gesehen. Eine Assoziation mit Stress wird diskutiert, ist aber nicht nachgewiesen.

Chemische Irritation durch Inhaltsstoffe wie beispielsweise Natriumlaurylsulfat (SLS), das häufig in Zahnpasta enthalten ist, wird als möglicher Auslöser diskutiert.

Raucher sind seltener betroffen als Nichtraucher. Rauchverzicht kann das Auftreten von Aphthen negativ beeinflussen. Als Ursache wird die Hyperkeratose der Schleimhaut bei Rauchern vermutet.“

(Quelle: Wikipedia)

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Heilpflanzen bei Pilzerkrankungen (Mykosen)

Montag, Juni 13th, 2011

Im „Phyto-Forum“ der Aerztezeitung wurde vor kurzem folgende Frage gestellt:

„Gibt es Pflanzenextrakte gegen Hautpilze? Ich habe vor einiger Zeit etwas von Lavendelöl gehört. In welcher Form oder Zubereitung bei welchen Mykosen wäre das denn geeignet – falls ich mich recht erinnere.“

Auf diese Frage antwortete Professor Jürgen Reichling. Hier die wichtigsten Aussagen und dazu kurze Zwischenbemerkungen von mir.

Wer verursacht die Mykosen?

„Pilzinfektionen der Haut können durch Dermatophyten (Fadenpilze), Hefepilze (zum Beispiel Candida-Arten) und Schimmelpilze (zum Beispiel Aspergillus niger) verursacht werden. In den Zehenzwischenräumen und an den Nägeln der Finger und Zehen treten bevorzugt Fadenpilzerkrankungen hervor.“

Und wie zeigen sich die Pilzerkrankungen der Haut?

„Typisch für den Pilzbefall der Haut sind umschriebene, scharf begrenzte, leicht schuppende und randständig gerötete Herde, die leicht jucken.“

Wie steht es mit Untersuchungen zur Wirksamkeit von Heilpflanzen-Präparaten bei Pilzerkrankungen?

„Bisher gibt es keine zugelassenen pflanzlichen Antimykotika. Andererseits haben in experimentellen In-vitro-Studien vor allem verschiedene ätherische Öle fungizide Eigenschaften gezeigt. Sie waren besonders gegen Fadenpilze und Hefepilze wirksam.“

Tatsächlich zeigen sehr viele ätherische Öle pilzhemmende oder pilztötende Wirkungen. Beispiele sind Teebaumöl, Lavendelöl, Eukalyptusöl, Kümmelöl, Thymianöl.

„Bisher konnte allerdings die Wirksamkeit von pflanzlichen Antimykotika nur in wenigen standardisierten klinischen Studien belegt werden. In einer Beobachtungsstudie konnte etwa für Teebaumöl gezeigt werden, dass das ätherische Öl die Symptome einer Nagelpilzinfektion an Fingern und Zehen signifikant reduziert. Die Patienten berichteten übereinstimmend, dass vor allem die Hautrötungen und der Juckreiz stark gemildert wurden. Der Nagelpilz selbst konnte allerdings nicht abgetötet werden.“

Das entspricht meinen eigenen Beobachtungen bei Nagelpilz-Erkrankungen. Der Pilz ist hier für die ätherischen Öle schwer erreichbar und daher kaum wirksam zu bekämpfen.

„Die Symptomlinderungen lassen sich mit der Beobachtung erklären, dass viele ätherische Öle neben hautregenerierenden auch entzündungshemmende und juckreizstillende Eigenschaften aufweisen.“

Einverstanden. Im Gegensatz zum Nagelpilz kann aber bei Fusspilz oder Vaginalpilz mit ätherischen Ölen durchaus eine wirksame pilzhemmende oder pilztötende Wirkung erreicht werden.

„Aus der Erfahrungsheilkunde weiß man, dass bei Fußpilz- und Nagelpilzerkrankungen zum Beispiel Bäder und Einreibungen mit ätherischen Ölen von Teebaum, Thymian, Rosmarin, Lavendel, Nelke, Kümmel, Kamille und Myrrhe fungizid wirken.“

Hier wird die Differenzierung zwischen Nagelpilz (kaum erfolgreich mit ätherischen Ölen behandelbar) und Fusspilz (mit ätherischen Ölen oft gut behandelbar) wieder verwischt. Ausserdem scheinen mir Bäder – also ätherische Öle in Wasser gemischt – nur beschränkt fungizid (pilztötend) wirksam. Einreibungen von ätherischem Öl gemischt mit fettem Öl dürften wirksamer sein.

„Im Handel gibt es antimykotische Nagelprotektor-Stifte, die verschiedene ätherische Öle (etwa Lavendel- und Teebaumöl) und pflanzliche Extrakte (etwa Niembaumextrakte) enthalten und die gut zur Pflege eingesetzt werden können. Ätherische Öle können auch in Form von Lösungen, Cremes und Gelen auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden. In jedem Fall muss beachtet werden, dass ätherische Öle nur verdünnt (1-3 Prozent) verwendet werden sollten, da sie prinzipiell hautreizend sind. Menschen mit bekannter Duftstoffallergie ist von der Verwendung ätherischer Öle abzuraten.“

Grundsätzlich finde ich auch, dass man mit ätherischen Ölen sorgfältig umgehen soll und dass daher eine Verdünnung empfehlenswert ist. Für eine vergleichsweise gut verträgliches ätherisches Öl wie Lavendelöl scheint mir aber eine 1 – 3 %ige Konzentration sehr tief. In manchen Situationen kann man Lavendelöl auch pur verwenden.

„Außer den oben genannten ätherischen Ölen haben sich auch Bäder mit Eichenrinde oder auch Einreibungen mit Propoliszubereitungen bewährt. Generell ist allerdings zu beachten, dass die antimykotische Wirksamkeit von pflanzlichen Zubereitungen eher als begrenzt anzusehen ist.“

Bei Fusspilz eignet sich ein Fussbad mit Eichenrinde vor allem in einem nässenden Stadium und wenn die betroffenen Hautstellen offen sind. Erst anschliessend würde ich ätherische Öle empfehlen.

Das Bienenkittharz Propolis wirkt gut fungizid, doch muss auch hier auf die Verträglichkeit geachtet werden, da es zu Allergien führen kann.

„Pflanzliche Pilzmittel stellen daher immer nur eine begleitende therapeutische Maßnahme dar, nie eine alleinige.“

Das würde ich so absolut nicht sagen. In leichten Fällen sind ätherische Öle bei Mykosen durchaus erfolgreich. Wichtig ist es allerdings, dass die Behandlung genügend lange fortgesetzt wird, weil bei zu frühzeitigen Therapie-Ende ein Rückfall droht.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/647854/pflanzliche-pilzmittel-immer-nur-zusaetzlich.html

Kommentar & Ergänzung:

Zum Thema Lavendelöl & Pilzerkrankungen siehe auch:

Lavendelöl wirksam gegen Hautpilze

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Phytotherapie bei Erkältungskrankheiten – was hilft?

Sonntag, Oktober 24th, 2010

Heilpflanzen-Anwendungen sind bei Erkältungskrankheiten / Atemwegserkrankungen beliebt und wirksam. In der „Grünen Apotheke“ wird der Stellenwert der Phytotherapie in diesem Bereich wie folgt umschrieben:

„Die Behandlung von Atemwegserkrankungen ist eine Domäne der Phytotherapie. Da die meisten dieser Krankheiten durch Viren hervorgerufen werden, ist keine kausale Therapie möglich. Im Vordergrund steht folglich die Linderung der Symptome, wofür pflanzliche Heilmittel besonders gut geeignet sind. Es existiert ein grosses Spektrum wirksamer Pflanzen, die nicht nur die Beschwerden bessern, sondern auch die körpereigenen Reinigungsmechanismen unterstützt und die natürliche Immunabwehr anregen. Dabei sind kaum Nebenwirkungen zu befürchten, so dass auch eine Langzeitanwendung bei chronischen Entzündungen möglich ist.“

Es geht in diesem Bereich der Pflanzenheilkunde / Phytotherapie zum Beispiel um Schnupfen, Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Bronchitis,  Reizhusten, Asthma bzw. Bronchialasthma,  Fieber, Rachenentzündung, Mandelentzündung, Mundschleimhautentzündung, Zahnfleischentzündung.

Die wichtigsten Heilpflanzen beim Thema Atemwegserkrankung / Erkältung sind laut der „Grünen Apotheke“:

Anis, Arnika, Efeu, Eibisch, Eukalyptus, Fenchel, Fichte, Gewürznelke, Heidelbeere, Holunder, Kamille,  Kampfer, Kapland-Pelargonie / Umckaloabo, Kiefer, Linde, Mädesüss, Myrrhe, Primel (Primelwurzel, Primelblüten, bzw. Schlüsselblumenwurzel, Schlüsselblumenblüten), Salbei, Sonnentau, Spitzwegerich, Süssholz, Thymian, Tormentill / Blutwurz, Malvenblüten, Sonnenhut.

Das Buch „Grüne Apotheke“ können Sie anschauen und kaufen im Buchshop. Dieses Heilpflanzen-Buch ist fachlich fundiert und verständlich geschrieben auch für Menschen ohne medizinischen Grundberuf.

Wer sich umfassender über die erwähnten Heilpflanzen informieren will,  kann sich dazu aktuelles Phytotherapie—Wissen erwerben im Tagesseminar „Heilpflanzen bei Erkältungskrankheiten und grippale Infekte“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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[Buchtipp] Biogene Nahrungsergänzungsmittel, Mit Nutzen/Risiko-Bewertung von Hans-Peter Hanssen, Angelika Koch, Rita Richter

Montag, September 20th, 2010

Verlagsbeschreibung

Nahrung sinnvoll ergänzen! Grünlippmuschel, Schwarzkümmelöl, Rotes Weinlaub der Kunde will wissen, ob diese Mittel halten, was die Werbung verspricht. Dazu liefert das Autorentrio Ihnen für über 100 pflanzliche und tierische Ausgangsmaterialien sowie Pilze und Mineralien Informationen über Herkunft, Beschreibung, Inhaltsstoffe, Verwendung und Verzehrempfehlung. Zusätzlich wird jedes Präparat hinsichtlich Nutzen/Risiko kritisch bewertet. Farbige Abbildungen veranschaulichen, was sich hinter den oft exotischen Namen verbirgt. Übersichtliche Tabellen zeigen die wichtigsten Anwendungsgebiete auf einen Blick. Nahrung ergänzen, ja und zwar mit Verstand! Zum Shop

Kommentar

Biogene Nahrungsergänzungsmittel

Gemäss einer rechtlichen Definition sind Nahrungsergänzungsmittel „Erzeugnisse, die Vitamine, Mineralstoffe oder andere Substanzen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung in konzentrierter Form enthalten und zur Ergänzung der Ernährung mit diesen Stoffen dienen.“

Simpler ausgedrückt handelt es sich um Produkte, die als besonders gesund propagiert werden, ohne aber den Status eines Arzneimittels zu haben. Nahrungsergänzungsmittel müssen keine Wirksamkeit nachweisen, dürfen jedoch auch keine Heilung von Krankheiten versprechen.

Das ist eine ständige Gratwanderung. Viele Hersteller nutzen alle Tricks, um Heilwirkungen zu suggerieren, ohne dabei so konkret zu werden, dass die Heilmittelbehörden einschreiten können bzw. müssen. Oft enthalten Nahrungsergänzungsmittel auch Heilpflanzen und werden in Apotheken und Drogerien verkauft. Das hat zur Folge, dass Konsumentinnen und Konsumenten irrtümlich davon ausgehen, dass es sich um Arzneimittel handelt. Dabei ist aber oft die Qualität und auch der Gehalt an wirksamen Inhaltsstoffen in den Nahrungsergänzungsmitteln viel tiefer als in Arzneimitteln aus den gleichen Heilpflanzen.

Viele Nahrungsergänzungsmittel sind so populär, dass man von Modewellen sprechen kann.

Dieses kompakte Nachschlagewerk von Hanssen, Koch & Richter beschreibt und bewertet über 100 pflanzliche und tierische Ausgangsmaterialien für Nahrungsergänzungsmittel sowie Pilze und Mineralien. Es stellt jedes der besprochenen Nahrungsergänzungsmittel vor mit Herkunft / Gewinnung, Beschreibung, Inhaltsstoffe / Nährstoffe, Einsatzgebiete / Verwendung, Handelsprodukte, Verzehrempfehlung, Bewertung. Auch Warnhinweise und weitere interessante Informationen kommen an manchen Stellen vor.

Alles in allem ergibt sich daraus eine wertvolle Nutzen-Risiko-Bewertung.

Um welche Art von Produkten es genau geht, zeigt wohl am besten ein Inhaltsverzeichnis mit einer Aufzählung der beschrieben Nahrungsergänzungsmittel:

Aus dem Bereich der Heilpflanzen:

Acerola, Alfalfa, Aloe vera, Ananas, Apfelessig, Aprikose, Artischocken,

Bärentraube, Bärlauch, Baldrian, Banane, Basilikum, Bittermelone, Blütenpollen, Bockshornklee, Borretsch, Boswellia (Weihrauch), Brennessel, Broccoli,

Caiguafrucht, Citrusfasern, Cranberries, Cystus,

Feige,

Garcinia, Gerste, Giersch, Ginkgo, Ginseng, Goldrutenkraut, Grapefruitkerne, Guarana,

Hagebuttenkerne, Hagebuttenschalen, Heidelbeeren, Holunder, Hoodia,

Ingwer,

Johanniskraut,

Kidney Bohnen, Knoblauch, Kohlsuppe (Weisskohl), Konjac, Kudzu-Bohne,

Leinsamen,

Maca, Mariendistel, Melisse, Mistel, Mutterkraut, Myrrhe / Myrrha,

Noni (Morinda citrifolia), Nopal,

Olivenblätter, Orangenfasern,

Papaya, Passionsblume, Portulak, Preiselbeeren,

Reiskörner, Rosenwurz (Rhodiola), Rosskastanie, Roter Kürbis, Rotes Weinlaub, Rotklee,

Sägepalme, Sanddorn, Schinus, Soja, Sonnenhut, Spargel, Spinat, Süssholz,

Teufelskralle, Topinambur, Traubenkerne,

Venuskicher, Vitamin B 15 (Pangamsäure), Vitamin B 17 (Aprikosenkerne),

Wegwarte, Weissdorn, Weizengrad,

Yamswurzel, Yucca,

Zimt, Zwiebel.

Dazu kommen noch als Tee: Grüntee und Pu Erh Tee.

Aus dem Reich der Algen:

AfA-Algen, Chlorella, Rotalgen, Fucus, Spirulina.

Aus dem Pilzreich:

Agaricus blazei, Austernpilze, Cordyceps, Hefen, Kombucha, Maitake, Reishi, ShiitakAus dem Tierreich: Austern, Bienenhonig, Chitosan, Gelée Royal, Grünlippmuschel, Milchprodukte (Kuh-Erstmilch / Stutenmilch).

Dazu kommen noch eine ganze Reihe von Fetten / Ölen:

Essenzielle Fettsäuren, Vitamin F, Pflanzenöle, Borretschsamenöl, Distelöl, Leinsamenöl, Nachkerzenöl, Perillaöl, Schwarzes Johannisbeersamenöl, Schwarzkümmelöl, Sonnenblumenöl, Walnussöl, Fischöle, Lachsöl, Lebertran.

Aus dieser Aufstellung dürfte die Vielfalt dieses Buches ersichtlich werden. Es informiert kompakt und fundiert auch über viele Heilpflanzen, die in Fachbüchern aus dem Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde nur am Rande oder gar nicht erwähnt werden, weil sie eben weniger als Arzneimittel sondern mehr als Nahrungsergänzung Bedeutung haben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schwedenkräuter / Schwedenbitter – kein Wundermittel

Donnerstag, Juni 3rd, 2010

Als Schwedenkräuter (auch Schwedenbitter) wird eine bestimmte Kombination verschiedener Heilkräuter bezeichnet. Diese Heilkräuter werden angeblich nach dem Rezept eines schwedischen Mediziners namens Dr. Claus Samst, der im 17. Jahrhundert lebte, zusammengemischt. Das Heilkräuter- Rezept soll innerhalb der Familie Samst lange verwendet worden sein. Aber auch der Arzt, Naturforscher und Theologe Paracelsus hat schon ähnliche Mischungen zubereitet, hauptsächlich zur Förderung der Verdauung, aber auch als Mittel, das Leben zu verlängern. Die österreichische Kräuterbuch-Autorin Maria Treben hat dieses Rezept in ihrer Publikation „Gesundheit aus der Apotheke Gottes“ bekannt gemacht und es Claus Samst zugeschrieben. Über diesen Claus Samst ist ansonsten nichts weiter bekannt, nicht einmal seine Lebensdaten sind überliefert, so dass immer wieder verbreitete Behauptungen, er sei über 100 Jahre alt geworden, jeder Grundlage entbehren.

Andere Quellen schreiben die Kräutermischung dem schwedischen Arzt Urban Hjärne (1641-1724) zu, dessen Daten und Biografie überliefert sind; er war der Leibarzt des schwedischen Königshauses und Anhänger von Paracelsus. Von Urban Hjärne ist jedenfalls das Rezept für eine Mixtur namens Elixir amarum Hjaerneri (ad longam vitam) überliefert, also ein Mittel zur Lebensverlängerung. Diese Kräutermixtur wurde ab 1796 im Deutschen Reich als Kronessenz verkauft und galt als Wundermittel. Urban Hjärne wurde nachweislich 83 Jahre alt.

Anwendung von Schwedenbitter

Den Schwedenkräutern werden neben der Förderung der Verdauung (auf Grund der Bitterstoffe) verschiedene weitere heilende Wirkungen zugeschrieben. Obwohl die Kräutermischung unter anderem zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit empfohlen wird, wird sie neuerdings auch als Fatburner propagiert. Außerdem soll die äußerliche Anwendung unter anderem bei Neurodermitis und Muskel- und Gelenkschmerzen wirksam sein. Darüber hinaus soll durch die Einnahme von Schwedenkräutern das Immunsystem gestärkt werden.

In einer alten Handschrift werden 40 Indikationen aufgeführt, zum Schluss heißt es: „Wer täglich diese Tropfen früh und abends nimmt, braucht keine andere Medizin, denn diese stärken den Körper, erfrischen die Nerven und das Blut, nehmen das Zittern der Hände und Füße. Kurz sie nehmen überhaupt alle Krankheiten.“

Quelle: Wikipedia

Kommentar & Ergänzung:

Schwedenkräuter / Schwedenbitter – das ist ein typisches Beispiel für ein angebliches Wundermittel, das gegen fast alle Beschwerden und Krankheiten helfen soll.

Solche Wundermittel werden medizinhistorisch als Panazeen bezeichnet und die Tatsache, dass jede Zeit ihre Wundermittel hat, ist ein Hinweis dafür, dass dadurch wohl dringende menschliche Bedürfnisse befriedigt werden. Wie erleichternd ist es doch, ein Mittel in der Hand zu haben, das uns gegen alle Gebresten schützen kann. Das ist nicht zuletzt wohl ein Schutz gegen die Ohnmachtsgefühle, welcher wir in der Konfrontation mit Krankheiten oft begegnen.

Aus welchen Heilpflanzen setzen sich Schwedenbitter / Schwedenkräuter überhaupt zusammen?

Hier ein Rezept für den Kleinen Schwedenbitter:

Kleiner Schwedenbitter

Die folgenden Angaben beziehen sich auf eine Menge von 2,5 Liter Branntwein, Kornschnaps oder Ähnlichem.

16,7 g Aloe (es kann auch Enzianwurzel oder Wermutpulver verwendet werden)

8,3 g Myrrhe

0,33 g Safran

16,7 g Sennesblätter

16,7 g Kampfer (nur Naturkampfer)

16,7 g Rhabarberwurzel

16,7 g Zittwerwurzel

16,7 g Manna cannelata

16,7 g Theriak venezian

8,3 g Eberwurzwurzel

16,7 g Angelikawurzel

Soweit also das Rezept. Kommentar dazu:

- Der Schwedenbitter enthält Bitterstoffpflanzen (z. B. Angelikawurzel) mit verdauungsfördernder Wirkung.

- Aloe, Sennesblätter und Rhabarberwurzel enthalten Anthranoide. Das sind stark abführende Wirkstoffe, die bei Langzeitgebrauch zu Abhängigkeit führen können. In einem solchen Rezept sind diese Anthranoid-Heilpflanzen problematisch.

- Warum Aloe durch Enzianwurzel oder Wermutpulver ersetzt werden kann, ist nicht nachvollziehbar. Die Wirkung von Aloe und Enzianwurzel bzw. Wermut ist total unterschiedlich. Diese Angabe ist willkürlich.

- Manna cannelata, aus dem süßen Saft der Manna-Esche ist ein mildes osmotisches Abführmittel. Auch hier ist der Sinn dieses Schwedenbitter-Bestandteils für die ganze Palette der Heilungsversprechungen fraglich.

- Kampfer ist ein Analeptikum, ein belebendes, kreislaufanregendes Mittel. Kampfer in sehr limitierten Dosen eingenommen hebt den Blutdruck an bei Hypotonie (niederem Blutdruck). Aber dazu gibt es Heilpflanzen-Präparate mit Kampfer, die nicht wie die Schwedenkräuter auch noch blödsinnigerweise Abführmittel enthalten.

- Bitterstoffe können bei bestimmten Verdauungsbeschwerden nützlich sein, doch ist die Kombination mit starken Abführmitteln unsinnig. Wer Bitterstoffe nutzen will, tut dies wohl besser ohne Schwedenkräuter, zum Beispiel mit einem Heilpflanzen-Präparat aus Artischockenblätter.

Fazit: Hier wird mit einem angeblichen Wundermittel den Konsumentinnen und Konsumenten das Geld aus der Tasche gezogen. Aber sehr viele Menschen brauchen offenbar ein solches Wundermittel, koste es was es wolle.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie im Verdauungstrakt – ein Überblick

Samstag, Mai 30th, 2009

Phytotherapie bzw. Pflanzenheilkunde hat eine lange Tradition bei Erkrankungen und Beschwerden im Magen-Darm-Trakt. Hier eine überarbeitete und gekürzte Zusammenstellung aus der Universität Duisburg-Essen mit den wichtigsten Heilpflanzen für den Bereich Gastroenterologie.

Appetitlosigkeit
Wirkprinzipien: Anregung der Sekretion von Magensaft und Verdauungssaft durch Bitterstoffe
in Bitterstoffpflanzen (Amara). Zu den Bitterstoffen gehören hauptsächlich Iridoidglykoside
und Mono- und Sesquiterpenalkaloide. Viele Bitterstoffe sind hitzelabil, darum die
Heilpflanzen nur kurz überbrühen oder kalt ansetzen. Den Tee eine halbe Stunde vor der Mahlzeit trinken.
Bitterstoffpflanzen sind beispielsweise:
- Wermut (Artemisia absinthium)
- Tausendguldenkraut (Centaurium erythraea)
- Gelber Enzian (Gentiana lutea)
- Schafgarbe (Achillea millefolium), zusätzlich auch verdauungsfördernd und
krampflösend im Gastrointestinaltrakt.
- Zichorie (Wegwarte), auch verdauungsfördernd, enthalten zum Beispiel in
Kaffeesurrogaten
- Artischockenblätter (Cynara scolymus), auch gallentreibend.
- Löwenzahnwurzel (Taraxacum officinale), auch gallentreibend.

Keine Anwendung bei Magengeschwüren und Zwölffingerdarmgeschwüren, relative Kontraindikation bei Gallenabflussstörungen.

Blähungen, Krämpfe
Angewendet werden sogenannte Carminativa. Hauptsächlich Anis-, Kümmel-, Fenchelsamen,
auch Dillsamen, wirken entkrampfend und entblähend. Verantwortlich für die Wirkung
sind vor allem die ätherischen Öle.
Entkrampfend auf die Muskulatur , weniger entblähend wirken Pfefferminzblätter (Menthae piperitae folium), Galgantwurzelstock(Galangae rhizoma) und Melisse (Melissae folium).
Ganz überwiegend krampflösend sind Kamillenblüten (Matricariae flos).
Die Samen von Fenchel, Kümmel, Anis und Dill müssen vor Verwendung frisch angequetscht werden. Die Zubereitung als Tee wirkt auch über die zugeführte Wärme entkrampfend.

Magenschleimhautentzündung und Magengeschwüre
Gewählt werden schleimbildende, den Magenschleimhautschutz verstärkende Heilpflanzen
(Muzilaginosa) und entzündungswidrig wirkende Heilpflanzen.
Zu den Muzilaginosa gehören
- Eibischwurzel (Althaeae radix)
- Malvenblätter (Malva silvestris, Malvae folium)
- Leinsamenschleim (Lini semen; geschrotet)

Entzündungswidrig und gleichzeitig krampflösend wirken Kamillenblüten, die auch als
sogenannte Rollkur eingesetzt werden (reichlich Kamillentee trinken, jeweils 10 – 15
Minuten auf dem Rücken, der rechten und linken Seite sowie dem Bauch liegen).
Die Süßholzwurzel (Liquiritiae radix) wirkt gleichzeitig schleimhautschützend,
entzündungswidrig und keimhemmend auf Helicobacter pylori. Bei längerer Anwendung oder höherer Dosierung des wirksamen Inhaltsstoffes Glycyrrhizin ist jedoch der mineralokortikoide
Effekt (Natrium-Retention mit entsprechenden Folgen) zu beachten.

Verstopfung (Obstipation)
Empfehlenswert sind nach einer angemessenen Nahrungsumstellung, reichlicher
Flüssigkeitszufuhr und regelmäßiger Bewegung Quell- und Füllstoffe, um die Peristaltik
anzuregen. Dazu soll reichlich getrunken werden (200-250 ml Wasser je Esslöffel).
- Leinsamen (geschrotet)
- Flohsamen (indischer und afrikanischer)
- Weizenkleie
- Fruchtfasern
Quell- und Füllstoffe dürfen über längere Zeit eingenommen werden. Kontraindika-
tionen sind allerdings Passagehindernisse. Zu beachten ist eine mögliche Absorption und damit Wirkungsherabsetzung gleichzeitig eingenommener Medikamente.

Stärkere Abführmittel (Laxanzien) wirken nicht über eine Vermehrung des Darminhaltes, sondern über eine Reizung des Darmes und eine antiabsorptive Wirkung. Das Darmepithel sezerniert mehr Flüssigkeit und die Muskularis kontrahiert sich. Laxanzien gehen bei Langzeitanwendung mit dem Risiko eines Kaliumverlustes einher, wodurch wiederum die Obstipation verstärkt werden kann. Sie sind hauptsächlich für eine akute Verstopfung über wenige Tage geeignet. Diese stärkeren Abführmittel werden vor allem durch die
Gruppe der Anthrachinonpflanzen gebildet.
Anthrachinonpflanzen sind zum Beispiel:
- Rhabarberwurzel
- Faulbaumrinde, Amerikanische Faulbaumrinde (stärker wirksam)
- Cascararinde
- Sennesfrüchte (Cassia senna)
- Aloe (Extrakt) (Aloe vera)
Als mögliche Nebenwirkungen können auftreten: Elektrolytstörungen, krampfartige Magen-Darm-Schmerzen, Albuminurie, bei chronischem Gebrauch eine Schwarzfärbung der
Darmschleimhaut (Pseuodmelanosis coli).
Kontraindikationen sind entzündliche Krankheiten des Magens und Darms, Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder unter 12 Jahren und abdominelle Schmerzen unbekannter Ursache.

Akuter Durchfall (Diarrhoe)
Bei Durchfall werden vor allem gerbstoffhaltige Heilpflanzen eingesetzt, um den Flüssigkeitsverlust via Darmschleimhaut über eine adstringierende Wirkung aufzuhalten. Auch
Quellstoffe sind günstig.
- Grüntee oder Schwarztee (für Kinder den 2. Aufguss eines Teebeutels
verwenden, für Erwachsene mindestens 5 Min. lang gezogener Tee)
- Heidelbeeren oder Heidelbeermuttersaft (erste Wahl in der Pädiatrie)
- Pektine, zum Beispiel in rohem, geriebenem Apfel
- Bananen, Karotten
- Tormentilla (Blutwurz)

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
Die Phytotherapie hat hier gegenwärtig nur eine untergeordnete Bedeutung.
Entzündungshemmende Wirkungen wurden
- Weihrauch (Boswellia serrata)
- Myrrhe (Myrrha)
- Flohsamen (Plantago psyllium)
zugeschrieben. Je nach Beschwerden können auch Heidelbeeren bei Durchfall, Ingwer bei
Übelkeit und Gelbwurzel (Curcuma) bei Verdauungsstörungen versucht werden.

Übelkeit und Erbrechen
Die Ursache sollte geklärt werden, damit eine gezielte Wahl getroffen werden kann. Bei Kinetosen (Reisekrankheit) hat sich Ingwerwurzel bewährt. Übelkeit ausgelöst durch eine gestörte Leber- und Gallenfunktion spricht auf Kamille, Pfefferminz- und Artischockenblätter an. Gegen Motilitätsstörungen ist ebenfalls Pfefferminze bewährt, auch als ätherisches Öl.

Gallenwegstherapeutika
Choleretika steigern die Synthese und Sekretion von Galle in der Leber. Cholekinetika
steigern den Gallenfluss aus der Gallenblase. Etliche Phytotherapeutika dieser Art wirken zugleich auch krampflösend
Bewährte Phytotherapeutika sind
- Artischockenblätter (Cynarae folium)
- Erdrauchkraut (Fumariae herba)
- Curcuma (Gelbwurz)
- Löwenzahnkraut und -wurzel (Taraxaci radix cum herba/radix)
- Schöllkraut (Chelidonii herba)
Eine Gallenabflussstörung muss vor Anwendung dieser Heilpflanzen ausgeschlossen sein.
Am stärksten krampflösend wirken Erdrauch- und Schöllkraut, am stärksten cholagog
Curcuma, Gelbwurz und Erdrauchkraut sowie Rettichwurzel.

Lebererkrankungen
Mariendistelfrüchte (Silybum marianum) können bei chronischen Leberkrankheiten
unterstützend eingesetzt werden. Silymarin als Wirkstoff aus der Mariendistel dient als leberschützendes Mittel bei Knollenblätterpilzvergiftung. Bei akuter Hepatitis (Leberentzündung) sind Mariendistelfrüchte ungeeignet.
Bewährt haben sich auch Artischockenblätter.

Quelle:

http://www.uni-due.de/naturheilkunde/de/uploads/8_Phytotherapie.pdf

Kommentar:
Diese Übersicht der Universität Duisburg-Essen fasst die wirksamsten Heilpflanzen und Indikationen für den Bereich Gastroenterologie im Grossen und Ganzen gut zusammen, auch wenn sie natürlich nicht vollständig ist und über einzelne Punkte immer diskutiert werden kann.
Es kann allerdings nicht genug betont werden, dass es nicht nur darauf ankommt, die richtige Heilpflanze für eine bestimmte Krankheit zu finden. Ebenso wichtig ist es, in welcher Form die Heilpflanze zur Anwendung kommt (z. B. Tee, verschiedene Varianten von Tinktur oder Extrakt).
Es ist nämlich eine ganze Anzahl von Heilpflanzen-Präparaten im Handel, von denen ausgesprochen fragwürdig ist, ob sie überhaupt eine Wirkung haben – neben fundierten Produkten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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