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Neurologen warnen vor Falschdiagnosen und Übertherapie der Neuroborreliose

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Vor einer unzureichenden Diagnostik und einer falschen Behandlung der durch Zecken übertragenen Erkrankung Neuroborreliose warnt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie. „Viele Patienten, die wegen einer vermeintlichen chronischen Borreliose zum Teil über Monate hinweg Antibiotika bekommen, sind gar nicht daran erkrankt“, erklärte der Neuroinfektiologe Sebastian Rauer vom Universitätsklinikum Freiburg auf der Jahrestagung der Fachgesellschaft in Mannheim.

Gemäss Rauer ist die vermeintliche chronische Borreliose jedoch eine umstrittene Krankheit. Zahlreiche Patienten und auch eine Reihe von Ärzten machten eine nicht erkannte oder unzureichend behandelte Infektion mit Borrelien für die unterschiedlichsten Beschwer­den verantwortlich. Von Zecken übertragene Krankheitserreger sollen noch Jahre nach dem Zeckenstich bei den Patienten zu Erschöpfung führen, hinter Konzentrationsstörungen und Gedächtnisproblemen stecken, auf die Stimmung drücken, Kopfschmerzen, wandernde Gelenkschmerzen oder Muskelschmerzen und zahlreiche weitere schwer fassbare Beschwerden auslösen.

Die vermeintliche chronische Borreliose werde jedoch häufig mit Labortests abgesichert, die nicht genügend geprüft seien, sagte Rauer.

Der Spezialist für Neuroinfektiologie unterstrich in Mannheim, dass die Infektion mit einer zwei‐ bis dreiwöchigen Antibiotikatherapie gemäss Studienlage in den meisten Fällen folgenlos ausheilt. Auch Ralf Gold, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) sieht keine Anhaltspunkte, dass eine längere Therapie oder eine Kombination von Antibiotika einen Vorteil bringt.

Die Neurologen raten ausdrücklich von einer Langzeittherapie mit Antibiotika  ab. Die Übertherapie setze die Patienten einem unnötigen Risiko aus.: „Wenn die Antibiotika nach zwei bis drei Wochen nicht anschlagen, bringen auch weitere Wochen oder gar Monate nichts“, sagt  Rauer. Das sei eher ein Hinweis, dass keine Neuroborreliose, sondern etwas anderes hinter den Beschwerden stecke, erklärt der Neuroinfektiologe.

Quelle: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/70644/Neurologen-warnen-vor-Falschdiagnosen-und-Uebertherapie-der-Neuroborreliose

Kommentar & Ergänzung:

Die Diagnostik der Borreliose und die Interpretation der verschiedenen Laboruntersuchungen scheint oft alles andere als einfach zu sein. Die Borreliose mit ihrem vielfältigen Beschwerdebild bietet sich auch gerade zu an, unterschiedliche und oft diffuse Beschwerden mit dem Etikett „Borreliose“ zu erklären. Die Unerklärlichkeit von Beschwerden ist oft schwer auszuhalten. Da erleichtert manchmal eine Diagnose, auch wenn sie falsch oder schwerwiegend ist.

Ergänzend noch Anmerkungen zur Borreliose aus phyt0therapeutischer Sicht:

Heilpflanzen-Anwendungen können bei Borreliose in manchen Fällen unterstützend wirken und symptomatisch Beschwerden lindern, zum Beispiel durch Schmerzreduktion, Entzündungshemmung oder Verbesserung der Befindlichkeit. Eine ursächliche Behandlungsmöglichkeit durch Eliminierung der Borrelien mittels Heilpflanzen-Anwendungen ist nicht bekannt. Für die von Wolf-Dieter Storl als Borreliose-Heilmittel propagierte Kardentinktur gibt es auch nach vielen Jahren, in denen sie von zahlreichen Menschen ausprobiert wurde, immer noch keine einzige bestätigte Heilung und auch keine glaubwürdige Erklärung, wie eine Wirksamkeit zustande kommen könnte. Kontrollierte Studien mit Patienten haben die Karde-Propagandisten keine vorgelegt. In Laboruntersuchungen zeigte Karde eher eine wachstumsfördernde Wirkung auf Borrelien.

Heilungsberichte mit Kardentinktur, wie sie immer wieder mal im Internet auftauchen, basieren mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf Placebo-Effekten, auf dem natürlicherweise schwankenden Verlauf der Erkrankung, wodurch jede Besserung der Symptome als Heilung interpretiert werden kann, auf Fehldiagnosen (es liegt gar keine Borreliose vor) oder auf der Tatsache, dass eine Borrelieninfektion bei einer grösseren Zahl von Menschen auch ohne Behandlung zum stehen kommt. Die Antibiotika-Behandlung im Frühstadium (zum Beispiel bei einer „Wanderröte“) macht man für diejenigen Personen, bei denen die Infektion nicht von selber zum stehen kommt, wobei man eben im voraus leider nicht weiss, wer zu welcher Gruppe gehört.

Ein paar kritische Fachtexte, die ich vor einigen Jahren zum Thema Karde & Borreliose geschrieben habe, finden Sie hier.

Ich habe auf diese Texte zwar eine ganze Reihe von bösen Mails bekommen – am beliebtesten war die Frage, wieviel mir die Pharmaindustrie für diese Beiträge bezahlt hat. So einfach kann man es sich machen…. Fundierte Argumente, die die Kritik in Frage stellen oder die Wirksamkeit der Kardentinktur belegen, sind jedoch bisher keine gekommen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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Olbas Tropfen – ein Gemisch von ätherischen Ölen – getestet auf antimikrobielle Wirkung

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Olbas Tropfen – ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel – enthalten ein Destillat aus einer Mischung von Pfefferminzöl, Cajeputöl, Eukalyptusöl, Wacholderbeeröl und Wintergrünöl im Verhältnis von 53 : 21 : 21 : 3 : 2.

Das Präparat wird traditionell zur Einnahme und Inhalation bei Erkältungskrankheiten (Husten, Schnupfen, Heiserkeit) empfohlen, zur Einnahme bei leichten Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, zur äußerlichen Anwendung bei leichten Kopfschmerzen, beispielsweise bei Verspannungszuständen, sowie zur äußerlichen Anwendung bei umschriebenen (lokalen) Muskelschmerzen nach Überanstrengung / Fehlbelastung. Darüber hinaus ist es auch bekannt für seine Anwendung bei diversen Sportverletzungen.

Die „Pharmazeutische Zeitung“ hat den Stand der Forschung zu Olbas zusammengestellt. Daraus lassen sich interessante Schlüsse ziehen. unter anderem auch bezüglich der antimikrobiellen Wirkungen der einzelnen ätherischen Öle, die Bestandteil der Olbas-Mischung sind.

Zahlreiche Laboruntersuchungen (in-vitro) belegen zweifelsfrei die antimikrobielle Wirkung von ätherischen Ölen. Viele Bakterien, Pilze und Viren reagieren äusserst sensibel auf ätherische Öle.

Solche positiven Resultate lassen den unterstützenden oder zum Teil alleinigen Einsatz von ätherischen Ölen in der Phytotherapie und Aromatherapie bei Haut- und Wundinfektionen sowie bei Erkältungskrankheiten plausibel erscheinen.

Eine In-vitro-Studie untersuchte das antimikrobielle Potenzial von Olbas im Vergleich zu seinen individuellen Basisölen (Cajeputöl, Eukalyptusöl, Pfefferminzöl, Wacholderbeeröl und Wintergrünöl). Die Ergebnisse zeigen, dass Olbas ein relativ breites Wirkungsspektrum mit insgesamt guter bis sehr guter antimikrobieller Wirkung gegen alle Testkeime besitzt, einschließlich Methicillin-resistenter (MRSA) Stämme und Vancomycin-resistenter Enterococcus (VRE) Stämme. Besonders hervorgehoben wird von den Autoren die relativ hohe Sensibilität der Bakterien Acinetobacter baumanii, Escherichia coli und Pseudomonas aeruginosa sowie des Hefepilzes Candida albicans gegen Olbas. Die genannten Bakterien bewirken Wundinfektionen sowie Spitalinfektionen und erweisen sich oft als multiresistent gegen verschiedene Antibiotika. Im Fall der erwähnten Untersuchung war Pseudomonas aeruginosa gegen die Antibiotika Ampicillin und Vancomycin resistent. Interessant ist die Wirksamkeit gegen Pseudomonas aeruginosa, weil dieser Keim gegen zahlreiche ätherische Öle eine stark verminderte Sensibilität aufweist. Dies hängt damit zusammen, dass Pseudomonas aeruginosa über sogenannte MDR-Effluxpumpen verfügt, die in der Lage sind, eingedrungene Monoterpene (= Bestandteile vieler ätherischer Öle) wieder aus der Zelle zu schleusen.

Vergleicht man die Wirksamkeit der einzelnen Basisöle mit derjenigen der Olbas-Kombination, dann sind nur die antimikrobiellen Aktivitäten von Pfefferminzöl und Cajeputöl erwähnenswert. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die antimikrobielle In-vitro-Wirkung von Olbas weitgehend auf derjenigen von Pfefferminzöl beruht.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=51283

Kommentar & Ergänzung:

Für mich sind vor allem die Vergleichswerte der verschiedenen ätherischen Öle interessant. Die detaillierten Werte sind im Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ in einer Tabelle zusammengestellt.

Bemerkenswert ist für mich die klare Überlegenheit von Pfefferminzöl gegen Bakterien. Nur gegen Pseudomonas aeruginosa ist Cajeputöl sehr deutlich und Eukalyptusöl deutlich wirksamer. Und gegen Streptococcus pyogenes und Streptococcus oralis ist Pfefferminzöl gleichauf mit Cajeputöl an der Spitze. Auch gegen Hefepilze (Candida albicans) zeigt Pfefferminzöl von den untersuchten Einzelöle die beste Wirkung.

Cajeputöl (aus Melaleuca leucadendra) ist botanisch verwandt mit Teebaumöl (aus Melaleuca alternifolia).

Generell muss zu diesen Untersuchungsergebnissen gesagt werden:

Dass ätherische Öle zum Teil bemerkenswerte antimikrobielle Wirkungen haben und in dieser Hinsicht angesichts zunehmender Antibiotika-Resistenzen vermehrte Beachtung verdienen, steht ausser Frage.

Man muss aber wissen, dass solche eindrücklichen Ergebnisse wie in der beschriebenen Untersuchung im Labor stattfinden, in dem ätherische Öle in eine Bakterien- oder Pilzkultur appliziert werden. Das ist ein sehr direkter Kontakt mit hoher Konzentration.

Mir fällt einfach auf, dass in der Aromatherapie-Literatur solche In-vitro-Ergebnisse oft sehr schnell auf die Anwendung von Aromaölen im Alltag übertragen werden. Beispielsweise wird dann einem ätherischen Öl, das im Labor in einer Bakterienkultur einen Spitalkeim abtöten kann, auch zugetraut, dass es diesen Spitalkeim genauso hemmt, wenn man es im Spital als Duft einsetzt. Das sind aber zwei völlig unterschiedliche Kontexte und es wird beim Verdunstenlassen im Raum einfach nicht annähernd die Konzentration erreicht, die in der Bakterienkultur direkt wirksam wird.

Der Kontext, in dem eine Erkenntnis gewonnen wurde, darf bei der Beurteilung nicht ausser acht gelassen werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Desinfektion: Mit Zitronensaft gegen Noroviren?

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Hinter heftigen, plötzlich einsetzenden Magen-Darm-Beschwerden stecken oft Krankheitserreger aus der Familie der Noroviren. Sie sind die überwiegenden Auslöser von Gastroenteritis-Ausbrüchen in Kranken­häusern oder Schulen oder etwa auf Kreuzfahrtschiffen.

Die Krankheitssymptome entwickeln sich innerhalb weniger Stunden bis Tage und bestehen hauptsächlich aus einer Gastroenteritis mit plötzlich auftretendem Durchfall und Erbrechen, die zu markanten Flüssigkeitsverlusten (Exsikkose) führen können. Deshalb sind vor allem Kinder und ältere Menschen gefährdet. Meist entwickelt sich ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen.

Forscher aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) berichten nun, dass Zitronensaft sich als sicheres, gesundheitlich unbedenkliches Desinfektionsmittel gegen Noroviren eignen könnte. Das schreiben sie in der Zeitschrift Virology (doi 10.1016/j.virol.2015.07.009).

Das Norovirus ist sehr ansteckend und wird fäkal-oral übertragen, also über kontaminierte Hände oder verunreinigte Lebensmittel.

Daher sei es wichtig, ein sicheres und gesundheitlich unbedenkliches Desinfektionsmittel zur Verfügung zu haben, erklärt Grant Hansman, der Leiter der sogenannten C.H.S.-Nachwuchsgruppe Noroviren am DKFZ und der Universität Heidelberg.

Das Wissenschaftlerteam konnte zeigen, dass Viruspartikel durch die Bindung an Citrat ihre Gestalt verändern. Per Röntgenstrukturanalyse fanden die Forscher heraus, dass das Citrat – aus Zitronensaft oder aus Citrat-haltigen Desinfektionsmitteln – genau an die Stelle bindet, mit der das Virus beim Infektionsvorgang mit den Körperzellen in Kontakt tritt.

Die Resultate zeigen laut den Wissenschaftlern, warum Citrat die Infektionsfähigkeit von Noroviren vermindert.

Hansmann schätzt, dass die Citratmenge im Saft einer Zitrone genügen könnte, um etwa die Hände zu dekontaminieren.

Vielleicht seien ja die paar Tropfen Zitronensaft, die man üblicherweise auf eine Auster träufelt, eine guter Infektionsschutz“, spekuliert der Forscher. Seine Arbeitsgruppe will nun untersuchen, ob Zitronensäure auch bei schon erfolgter Norovirus-Infektion die Symptome lindern kann.

Quellen:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/63966/Zitronensaft-koennte-Noroviren-ausschalten

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=59435

Kommentar und Ergänzung:

Dass Zitronensaft möglicherweise wirksam ist als Desinfektionsmittel gegen Noroviren, ist sehr überraschend. Natürlich sind an diesem Punkt noch viele Fragen offen, aber wenn ein derart einfaches Mittel wie Zitronensaft sich als effektiv erweisen würde, wäre das sehr erfreulich.

Interessant wäre zudem die Frage, ob eine solche Desinfektionswirkung auch bei anderen Virenarten erwartet werden könnte.

 

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Pfefferminzöl als Appetithemmer?

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Die österreichische Zeitung „Die Presse“ hat kürzlich über Aromapflege berichtet.

Der Artikel ist ein gutes Beispiel für schlechten Journalismus – mit zahlreichen Fehlinformationen und leeren Behauptungen.

Schauen wir uns nur ein kurzes Zitat daraus genauer an:

„Und wer mit ätherischen Ölen abnehmen oder keinesfalls zunehmen will, wähle Pfefferminzöl. Dessen Duft soll appetithemmende Wirkung haben und kann zusätzlich die Gallenproduktion anregen, die für die Fettverbrennung verantwortlich ist.“

Quelle:

http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/4630761/Aromapflege_Die-Therapie-der-Tropfen?_vl_backlink=/home/leben/gesundheit/index.do

Kommentar & Ergänzung:

1. Hat Pfefferminzöl als Duft eine appetithemmende Wirkung?

Nie gehört. Nie in der Phytotherapie-Fachliteratur davon gelesen.

Im Fachbuch „Aromatherapie“ von Wabner / Beier (Hrsg.) steht zu Pfefferminzöl:

„Erfahrungsheilkundliche Anwendungsgebiete: Pfefferminzöl kommt zur Anwendung bei Appetitlosigkeit, Mundgeruch, Zahnschmerzen, Muskelschmerzen, Asthma, Durchfall, Ohnmacht, Schock, Schwindel, Tuberkulose, Gelbfieber, Cholera.“

Diese Aufzählung ist zwar in den meisten Punkten sehr zweifelhaft (Tuberkulose! Cholera!…). Aber was steht denn da als erstes Anwendungsgebiet? Ausgerechnet Appetitlosigkeit! Dann müsste Pfefferminzöl ja appetitsteigernd wirken!

Die Behauptung, dass Pfefferminzöl appetithemmend wirkt, steht sehr im luftleeren Raum. Und wer eine solche exotische Behauptung in die Zeitung stellt, sollte genauer darlegen, wie die Aussage zustande kommt. Wer hat das wo, wann und wie festgestellt? Nur so kann man sich als Leserin oder Leser eine eigene Meinung bilden, ob die Aussage glaubwürdig ist.

2. Kann Pfefferminzöl-Duft die Gallenproduktion anregen?

Sehr unwahrscheinlich. Die Phytotherapie-Fachliteratur schreibt den Pfefferminzblättern bzw. dem Pfefferminztee eine Steigerung der Gallenproduktion zu, wobei für diese Wirkung vor allem Inhaltsstoffe verantwortlich sein sollen, die nicht flüchtig sind – die Phenolcarbonsäuren Chlorogen- , Kaffee- und Rosmarinsäure. Und was nicht flüchtig ist geht bei der Wasserdampfdestillation auch nicht ins ätherische Öl über.

Es spricht sehr viel dafür, dass mit dieser Aussage – Pfefferminzöl als Duft regt die Gallenproduktion an – ganz simpel Wirkungen des Pfefferminztees bei Anwendung im Verdauungstrakt auf die Anwendung von Pfefferminzöl als Duft übertragen worden sind.

3. Ist die Gallenproduktion für die Fettverbrennung zuständig?

Nein, das ist medizinisch total falsch. Die Gallenflüssigkeit trägt zur Fettverdauung bei. Mit der Fettverbrennung hat sie nichts zu tun.

Fazit:

– So viel Fragwürdiges in nur zwei Sätzen – das ist kaum zu übertreffen. „Die Presse“ sieht sich als Qualitätszeitung. Dieser Artikel erfüllt den Anspruch nicht.

– Niemals einfach glauben, was in den Medien und im Internet geschrieben wird. Sich zur Gewohnheit machen, kritische Fragen zu stellen.

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Schlafmittel können natürlichen Schlaf nicht ersetzen

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Bei Schlafstörungen sorgen Schlaftabletten zwar meist für die ersehnte Nachtruhe, doch ist diese grundsätzlich nicht so erholsam wie natürlicher Schlaf. Das trifft auf die meisten Schlafpräparate zu.

Durch Schlaftabletten lässt sich der natürliche Schlaf nicht ersetzen.

Manche Patienten hoffen zwar, durch einen Wechsel des Schlafmedikaments lasse sich das ändern.

Das sei jedoch nicht richtig, erklärt die Landesapothekerkammer Hessen.

Über längere Zeit eingenommene Schlaftabletten können zudem dazu führen, dass der Betroffene Konzentrationsschwierigkeiten entwickeln oder unsicher im Straßenverkehr werden. Außerdem besteht bei rezeptpflichtigen Schlafmitteln ein Risiko, nach kurzer Zeit davon abhängig zu werden.

Empfehlenswert ist es grundsätzlich, die Ursachen für Einschlafstörungen oder Durchschlafprobleme so früh wie möglich zu erkunden. Neben Stress, chronischer Erschöpfung und einer ungesunden Lebensweise kommen auch Krankheiten als Ursache in Frage. Schlaftabletten sind dann häufig nicht das angemessene Mittel gegen die Probleme mit der Nachtruhe. Wer beispielsweise wegen Muskelschmerzen oder rheumatischer Beschwerden nicht schlafen kann, sollte besser eine Schmerztherapie ins Auge fassen, empfiehlt die Landesapothekerkammer. Auch bei Kopfschmerzen, die zum Aufwachen führen, könnten andere medizinische Möglichkeiten sinnvoller sein. Darüber hinaus können auch andere Medikamente für den gestörten Schlaf verantwortlich sein.

Quelle:

https://de.nachrichten.yahoo.com/wechsel-des-schlafmittels-verbessert-schlafqualität-nicht-145107503.html

Kommentar & Ergänzung:

Hier fehlen Optionen der Phytotherapie. Mit pflanzlichen Schlafmitteln lassen sich nicht alle Schlafstörungen erfolgreich behandeln, aber als Option, als Wahlmöglichkeit, sollten sie ernst genommen werden. Schliesslich gibt es bei pflanzlichen Schlafmitteln kein Risiko von Abhängigkeit, keine erhöhte Sturzgefahr, kein Hang-over am nächsten Tag und keine relevante Störung der Schlafarchitektur.

Zudem bietet die Phytotherapie bei Schlafstörungen verschiedene Ansatzpunkte:

– Kräutertees wie Orangenblütentee oder Zitronenmelissentee. Zwar gibt es für Kräutertees keine klinischen Studien, weil hier mangels Patentierbarkeit niemand Geld investiert. Doch Kräutertees haben ihre eigene Qualität nicht zuletzt dadurch, dass sie sich gut als Abendritual eignen und sinnliche Aspekte nutzen (warmes Teewasser, Duft).

– Ätherische Öle wie Lavendelöl und Melissenöl können auf verschiedene Arten zur Anwendung kommen (inhalativ, als Bad, als Einreibung).

– Trockenextrakte zum Beispiel aus Baldrian, Hopfen und Passionsblume eignen sich zur Anwendung als Schlafdragée, wobei oft Kombipräparate Baldrianextrakt / Hopfenextrakt oder Mono-Präparate aus Baldrianextrakt eingesetzt werden.

Hier gibt es für einige Kombi-Präparate und Mono-Präparate klinische Studien, die eine Wirksamkeit zeigen, wobei es allerdings in der Regel 2 – 3 Wochen geht, bis die Wirkung der Heilpflanzen-Extrakte besser ist als bei einem Scheinpräparat (Placebo).

 

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Capsaicin bei neuropathischen Schmerzen / Polyneuropathien

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Im Phyto-Forum der Ärztezeitung publizierte der Pharmakologe Dr. Rainer C. Görne interessante Informationen zur Wirkungsweise von Capsaicin bei neuropathischen Schmerzen / Polyneuropathien.

Der Scharfstoff Capsaicin ist ein Alkaloid aus der Paprikafrucht (Capsicum annuum, Capsicum frutescens u. a. aus der Pflanzenfamilie der Nachtschattengewäche (Solanaceen).

Die Früchte der meisten Paprika-Arten enthalten in sehr unterschiedlicher Konzentration Capsaicin (Methylvanillylnonenamid), eine lipophile ( = fettliebende) Substanz, die für den scharfen Geschmack verantwortlich ist.

In den 80er Jahren habe man die pharmakologische Wirkung von Capsaicin mit der Depletion von Substanz P aus den sensorischen afferenten Nervenfasern zu erklären versucht, schreibt Görne.

(„Depletion“ ist die Entfernung von Substanzen aus dem Körper beziehungsweise den pathologisch gesteigerten Verbrauch dieser Substanzen durch den Organismus)

Görne weiter:

„Inzwischen konnte geklärt werden, dass der pharmakologische Wirkmechanismus von Capsaicin auf der Interaktion mit dem TRPV1-Rezeptor, einem Transmembran-Rezeptor-Ionenkanal-Komplex, beruht. Dieser wird auch als Vanilloid-Rezeptor bezeichnet.

Physiologisch wird der TRPV1-Rezeptor durch Temperatur, pH-Wert und endogene Lipide aktiviert. So erfolgt eine direkte Aktivierung bei Temperaturen von 43°C oder höher oder pH-Werten von unter 6. Aus der Aktivierung resultiert durch kurzzeitige Öffnung der Membran eine Depolarisation von sensorischen Nerven (meist C-und Ad-Fasern) durch den Zustrom von Natrium- und Calcium-Ionen.“

Diese Aktivierung werde als lokale Wärme, Brennen, Stechen oder Jucken empfunden.

Am TRPV1-Rezeptor wirken pharmakologisch neben Capsaicin verschiedene andere Substanzen (z.B. Anandamid, N-Acyldopamin, bestimmte langkettige ungesättigte Fettsäuren, Lipoxygenase-Verbindungen und mehrere Oxide der Linolsäure) als hoch selektive Agonisten (Der Begriff „Agonist“ bedeutet „der Handelnde“ und bezeichnet eine Substanz oder Struktur, die im Hinblick auf eine bestimmte Aktion verursachend wirkt).

Bei chronischen, neuropathischen Schmerzen kommt es zur kutanen (= zur Haut gehörenden) Überempfindlichkeit.

Bei der topischen (=lokal-örtlichen) Gabe von Capsaicin, das in Salben und Pflastern enthalten sein kann, werden kutane Überempfindlichkeit und die neuropathischen Schmerzen gedämpft. Dies wird durch einen Vorgang vermittelt, der am besten als „Defunktionalisierung“ von Nozizeptor-Fasern beschrieben werden kann.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/schmerz/default.aspx?sid=859001&sh=86&h=-1625197168&ticket=ST-8537-SId3WdHFalIKL1YpRnseD9WmxkY6EgLgrCG-20

 

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Text erklärt vor allem die Wirkungsweise von Capsaicin, er setzt aber einiges voraus an Kenntnissen in Anatomie und Physiologie.

Capsaicin ist aber fraglos ein interessanter Naturstoff zur Behandlung von Juckreiz und neuropathischen Schmerzen.

Die ESCOP empfiehlt Cayennepfeffer bzw. Capsaicin für folgende Anwendungsbereiche:

 

„Zur Linderung von Muskelschmerzen, z.B. Rückenschmerzen, und zur Behandlung von Schmerzen bei degenerativen Gelenkerkrankungen (Arthrose) und rheumatoider Arthritis; weiterhin zur Behandlung von Nervenschmerzen, wie sie z.B. als Folge einer Gürtelrose auftreten können oder bei schmerzhafter diabetischer Neuropathie; außerdem gegen den Juckreiz verschiedener Ursache, z.B. im Zusammenhang mit Schuppenflechte oder Blutdialyse und bei Kontakt mit Wasser.“

Quelle:

http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/cayennepfeffer.php

Siehe auch:

Schmerztherapie: Capsaicin aus Cayennepfeffer 

Rheumapflaster mit dem Paprika-Wirkstoff Capsaicin

Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

Paprika-Wirkstoff Capsaicin bald als Patch

Chili-Pflaster lindert Schmerzen 

Chili-Pflaster gegen Nervenschmerzen

 

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Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

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Am Deutschen Krebskongress in Berlin stellte Privatdozentin Dr. Karin Jordan vom Uniklinikum Halle an der Saale neue Entwicklungen im Bereich der Antiemetika vor. Antiemetika sind Medikamente gegen Übelkeit und Brechreiz.

Die Referentin ging bei dieser Gelegenheit auch auf das pflanzliche Antiemetikum Ingwer ein.

Zitat aus der „Pharmazeutischen Zeitung“:

„Auch Ingwer habe sich unter anderem in einer 2012 in «Supportive Care in Cancer» veröffentlichten Studie als gut wirksam gegen Erbrechen bei Krebstherapie gezeigt. Die 576 teilnehmenden Patienten erhielten darin zusätzlich zur leitliniengerechten Antiemese über sechs Tage entweder Ingwerkapseln oder Placebo, beginnend an Tag drei vor der Chemotherapie. 500 oder 1000 mg Ingwer täglich erwiesen sich dabei als geeignete Dosierungen. «Ich denke, dass Ingwer in der Antiemese einen zunehmenden Stellenwert haben kann», so die Einschätzung Jordans.“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=46922&Nachricht_ID=51241&Nachricht_Title=Nachrichten_Krebs:%20Neue%20Antiemetika%20in%20Sicht&type=0

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21818642

Kommentar & Ergänzung:

Ingwer (Zingiber officinale) wird traditionell gegen Verdauungsbeschwerden und bei Erkältungskrankheiten angewendet. Die Wirksamkeit gegen Übelkeit und Brechreiz konnte in den vergangenen Jahren zunehmend mit Studien belegt werden.

Siehe auch:

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

Schwangerschaftsübelkeit: Ingwer. Frischluft und Vitamin B6

Phytotherapie: Ingwer gegen Infektionen

Ingwer bei Erkältungen

Ingwertee gegen Übelkeit und Erbrechen

Ingwer schädigt Prostatakrebszellen

Reisekrankheit: Dimenhydrinal, Ingwer

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen?

Ingwer lindert Muskelkater

Ingwer vermindert Muskelschmerzen

Ingwer: Inhalationen gegen Schnupfen

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen?

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Schmerztherapie: Capsaicin aus Cayennepfeffer

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In der Österreichischen Apothekerzeitung (Nr. 4 / 2014) publizierte Mag. Pharm. Stefanie Lair einen informativen Beitrag zum Thema Schmerztherapie. Dabei geht die Autorin auch auf pflanzliche Anwendungen ein – unter anderem auf Capsaicin aus dem Cayennepfeffer.

Zitat:

„Zubereitungen zur äußerlichen Anwendung von Capsicum annuum L., Capsicum frutescens zeigen eine außerordentich gute Wirkung bei Muskelschmerzen, Hexenschuss sowie bei Nervenschmerzen. Es handelt sich dabei um die Inhaltsstoffe Capsaicin, ätherisches Öl, Farbstoffe und fettes Öl. Es entsteht primär ein Wärmegefühl, das bestimmte Botenstoffe in den Nervenzellen hemmt und somit die Schmerzempfindung herabsetzt. Capsaicin wirkt als Agonist an TRP-Ionenkanälen und aktiviert Nozirezeptoren, die Neuropetptide, die beispielsweise die Substanz P freisetzen. Diese Freisetzung bewirkt Juckreiz, Brennen und Gefäßerweiterung. Nach wiederholten Anwendungen kommt es zur Desensibilisierung und einer Unempfindlichkeit der Nervenfasern gegenüber Reizen, so auch gegen Schmerzen. Allerdings ist im Umgang mit Cayennepfeffer Vorsicht geboten. Da die Inhaltsstoffe kaum wasserlöslich sind, reizen sie extrem die Schleimhäute und Augen. Verursachen diese Präparate Reizungen auf der Haut, sollte man sie mit Öl entfernen.“

Kommentar & Ergänzung:

Gute Zusammenfassung und Erklärung der Wirkungen des Alkaloids Capsaicin.

Für die Phytotherapie ist Capsaicin ein wichtiger Wirkstoff für die Behandlung von Schmerzen und Juckreiz.

Mehr zu Capsaicin:

Rheumapflaster mit dem Paprika-Wirkstoff Capsaicin

Chilipflaster lindert Schmerzen

Chili-Wirkstoff Capsaicin senkt den Blutdruck

Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

Chilipflaster gegen Nervenschmerzen (Qutenza)

Paprika-Wirkstoff Capsaicin bald als Patch

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Schwangerschaftsübelkeit: Ingwer, Frischluft, Vitamin B6

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Angesichts der schweren Schwangerschaftsübelkeit der Herzogin Kate in London kommt auf n-tv.de Christian Albring zu Wort, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte. Betroffene Frauen sollten ausschließlich das essen, was ihnen wirklich schmeckt. Essen sie andere Dinge, müssen sie sich meist sehr schnell wieder übergeben.

Auslöser für die Übelkeit sind die hormonellen Veränderungen im Körper einer Schwangeren. Oft ist ihr morgens schlecht, der Zustand kann jedoch laut Albring auch den ganzen Tag anhalten. Die meisten Schwangeren leiden zwischen der sechsten und vierzehnten Schwangerschaftswoche unter den Beschwerden. Danach treten sie nur noch sehr selten auf.

Ebenfalls selten kommt es vor, dass Übelkeit und Erbrechen so stark sind, dass eine werdende Mutter wie Herzogin Kate ins Spital muss. Das sei nur bei zwei bis drei Prozent der Frauen so“ erläutert der Frauenarzt. Die normale Übelkeit, das normale Erbrechen müssen nicht im Spital behandelt werden. Als Risikofaktoren für übermäßige Übelkeit gelten Mehrlingsschwangerschaften, die erste Schwangerschaft einer Frau sowie leichtes Übergewicht.

Wenn Frauen sehr oft erbrechen, verlieren sie dabei so viel Flüssigkeit und lebenswichtige Nahrungsbestandteile, dass sie Infusionen in der Klinik brauchen. Das übermäßige Erbrechen sei gefährlich für die Mutter und dann auch das Kind, und zwar abhängig von der Dauer, erklärt Albring. Unproblematisch sei, wenn die Beschwerden nur einen Tag schlimm sind. Leide eine Frau jedoch über mehrere Tage darunter, müsse sie im Krankenhaus zunächst mit Infusionen ernährt werden, um Magen und Darm zu entlasten. Dann werde langsam immer etwas festere Kost dazugegeben, bis sich die Frau daran gewöhnt habe.

Um mit einer leichten Übelkeit besser klarzukommen, könne eine Schwangere auch das als Nahrungsergänzungsmittel frei verkäufliche Vitamin B6 nehmen. Eine weitere Möglichkeit sei Ingwer in Mengen von ein bis vier Gramm. Albring empfiehlt zudem, reichlich zu trinken. Die Schwangere sollte darüber hinaus viele Kohlenhydrate beispielsweise aus Süßigkeiten essen und eher wenig fett- oder säurehaltige Lebensmittel.

Ganz wichtig sei ausserdem, dass sie sich nicht dem Geruch beispielsweise von gekochten Speisen oder dem Kühlschrankinhalt aussetze, erklärt Albring. Darüber hinaus sollte die betroffene Frau sehr viel lüften, denn vielfach werde die Übelkeit allein durch Gerüche ausgelöst.

Quelle:

http://www.n-tv.de/wissen/Uebelkeit-in-der-Schwangerschaft-article9685441.html

Kommentar & Ergänzung:

Aus Sicht der Phytotherapie interessant ist die Empfehlung von Ingwer gegen Schwangerschaftsübelkeit.

Die Situation rund um die Anwendung von Ingwer bei Schwangerschaftsübelkeit und Schwangerschaftserbrechen ist etwas komplex.

Einerseits gibt es kleinere Studien, die eine Wirksamkeit zeigen und bei denen keine Zwischenfälle auftraten.

Andererseits ist aber ein Ingwerpräparat (Zintona Kapseln), das gegen Reisekrankheit zugelassen ist,  mit der Kontraindikation „Schwangerschaft“ versehen, weil die Sicherheit dieses Präparates in der Schwangerschaft nicht zweifelsfrei geklärt wurde.

Aus einem ähnlichen Grund findet sich auch in der Phytotherapie-Fachliteratur beim Ingwer meist die Kontraindikation „Schwangerschaft“.

Von Gynäkologinnen und Gynäkologen kommen aber durchaus immer wieder Empfehlungen für Ingwer bei dieser Indikation, wie hier in diesem Beitrag vom Präsidenten des Berufsverbandes der Frauenärzte.

Am besten untersucht ist die Wirkung von Ingwer gegen Reisekrankheit (Kinetosen).  Darüber hinaus gibt es auch Studien gegen Erbrechen nach Operationen. Beliebt ist darüber hinaus Ingwertee bei Erkältungen. Ingwerkompressen werden in der Krankenpflege eingesetzt zum Beispiel bei Muskelverspannungen und Gelenkschmerzen.

Siehe auch:

Ingwertee gegen Übelkeit und Erbrechen

Reisekrankheit: Dimenhydrinat oder Ingwer

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschftserbrechen

Übelkeit in der Schwangerschaft

Ingwer vermindert Muskelschmerzen

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen?

Manchmal hilft übrigens auch das Lutschen von Eiswürfeln, die aus Pfefferminztee hergestellt worden sind.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Was sind Heublumen?

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Heublumen sind abgesiebte, kleine Grasbestandteile, vor allem Grasblüten.

Bunte Blumen sollte man in den Heublumen also eher nicht erwarten.

Breit in die Volksmedizin eingeführt wurden Heublumen durch Sebastian Kneipp.

Es handelte sich dabei vor allem um den Bröckelverlust, der auf dem Heuboden liegen bleibt, wenn alles Heu verfüttert wurde.

In der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie publizierte Reinhard Länger letztes Jahr einen Beitrag zu den Heublumen und ging dabei auch auf die Inhaltsstoffe ein:

“In der Literatur werden als wesentliche Inhaltsstoffe (Wirkstoffe?) Cumarine und ätherische Öle genannt. Cumarine, die für den typischen „Heugeruch“ verantwortlich sind, entstehen während des Welkevorgangs beim Trocknen aus geruchlosen Vorstufen (Cumaringlykosiden) durch enzymatische Spaltung. Sie kommen sowohl in manchen Grasarten (z.B. Ruchgras, Anthoxanthum odoratum) als auch in bestimmten zweikeimblättrigen Pflanzen, wie etwa dem Steinklee (Gattung Melilotus), vor.“

Und zur Wirksamkeit schreibt Länger:

„Aus heutiger Sicht stellen Heublumen einen sehr guten Wärmespeicher dar. Ein essentieller Beitrag von Pflanzeninhaltsstoffen zur Wirksamkeit konnte wissenschaftlich bislang nicht belegt werden. Die Erfahrung in der Praxis zeigt aber, dass sich mit Heublumen (unabhängig von der Zusammensetzung) bessere Effekte erzielen lassen als mit anderen üblichen Wärmeanwendungen (z.B. Moorpackungen).“

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/PHYTO_2-11_1-20_web.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Der Heublumensack wird eingesetzt als lokale Wärmetherapie vor allem bei Muskelverspannungen, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Menstruationskrämpfen. Nicht anwenden bei akut entzündlichen Prozessen, nicht bei Personen mit Pollenallergie (Heuschnupfen).

Es ist wohl tatsächlich so, dass Heublumenwickel vor allem eine intensive Form der Wärmetherapie sind. Feuchte Wärme wirkt jedenfalls viel intensiver als trockene Wärme. Der typische Heuduft, für den das Cumarin verantwortlich ist, dürfte zudem eine leicht beruhigende und entspannende Wirkung haben.

Siehe auch:

Heublumenwickel: Was sind Heublumen?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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