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Phytotherapie als Standardtherapie bei funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen

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An der Dreiländertagung Phytotherapie 2016 befasste sich Olaf Kelber in einem Vortrag mit dem Thema „Phytotherapie als Standardtherapie – Wunsch oder Wirklichkeit“.

Der geläufigen Auffassung nach liege Phytotherapie als Standardtherapie 200 Jahre zurück, in einer Zeit, als chemisch definierte Arzneimittel noch nicht erfunden waren.

Doch habe es sich durchaus als möglich erwiesen, dass pflanzliche Präparate auch heute noch zur Standardtherapie avancieren, wenn gewisse Voraussetzungen gegeben sind – wie insbesondere eine gute Studienlage.

Ein aktuelles Beispiel erwähnt Kelber die Therapie der funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen:

„Als Standardtherapie hatten sich in den 80er- und 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Prokinetika durchgesetzt, also Präparate wie Cisaprid, Metoclopramid und Domperidon, die insbesondere an Serotoninrezeptoren angreifen. Im Jahr 2000 fiel hier Cisaprid, 2014 Metoclopramid und Domperidon wegen seltener schwerwiegender Nebenwirkungen weg. Das Phytopharmakon Iberogast, für das in Studien schon 1984 die Vergleichbarkeit mit Metoclopramid, 2002 mit Cisaprid gezeigt worden und das schon 1999 bzw. 2001 in die ärztlichen Leitlinien aufgenommen worden war, nimmt nun in vielen Fällen den Platz dieser Therapien ein.“

Quelle:

Zeitschrift für Phytotherapie 2016; 37 – V02

DOI: 10.1055/s-0036-1584427

 

Kommentar & Ergänzung:

Iberogast ist tatsächlich eine Erfolgsgeschichte, was die Aufnahme in ärztliche Leitlinien betrifft. Bei Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, Blähungen, Magen-Darm-Krämpfen, Übelkeit und Sodbrennen bewährt sich das Präparat.

Speziell an Iberogast ist seine Zusammensetzung aus neun verschiedenen Heilpflanzen:

 

Schleifenblumen-Extrakt

Engelwurz-Extrakt

Mariendistel-Extrakt

Kümmel-Extrakt

Schöllkraut-Extrakt

Süssholz-Fluidextrakt

Kamillenblüten-Fluidextrakt

Melissenblätter-Fluidextrakt

Pfefferminzblätter-Fluidextrakt

 

Das ist ungewöhnlich, weil moderne Phytopharmaka in der Regel nur noch aus 1 – 2 Heilpflanzen-Extrakten zusammengesetzt sind. Mischt man zu viele Pflanzen in ein Präparat, werden die Wirkstoffe der einzelnen Pflanzen nur noch in ungenügender Menge zugeführt. Konzentriert man sich dagegen auf einen oder wenige Bestandteile, erreicht man für die einzelnen Wirkstoffe höhere Spiegel.

Bei Iberogast funktioniert aber offenbar diese Mischung aus neun Pflanzen. Das zeigen jedenfalls klinischen Studien.

Es handelt sich dabei um eine typische Multi-Target-Therapie.

Siehe dazu:

Phytotherapie: Auf die Mischung kommt es an

Der Referent Olaf Kelber ist im Übrigen nicht ohne Interessensbindungen bezüglich Iberogast. Er arbeitet für den Iberogast-Hersteller Steigerwald.

Steigerwald gehört zu den bedeutenden Phytopharmaka-Herstellern in Deutschland und wurde 2013 von Bayer übernommen. Das war eine freundliche Übernahme. Die Besitzerfamilie wollte Bayer als Käufer.

Siehe dazu:

Bayer übernimmt Phytopharmaka-Hersteller Steigerwald

Das Beispiel zeigt übrigens, dass es nicht die scharfe Trennlinie zwischen Naturheilmittelherstellern einerseits und der „Pharmaindustrie“ andererseits gibt.

Und es ist auch nicht so, wie es leicht verschwörungstheoretisch angehaucht oft dargestellt wird, dass die böse Pharmaindustrie die Naturheilmittel-Hersteller kaputt machen will. Die Pharmaindustrie hat keine ideologische Feindschaft gegenüber Naturheilmitteln. Sie verkauft auch Phytopharmaka, wenn sie darin ein lohnendes Geschäftsfeld sieht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Forschung zum Wirkungsmechanismus von Traubensilberkerze bei Wechseljahrbeschwerden

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Die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren führt häufig zu Beschwerden wie Wallungen, die gerne alternativ zu konventionellen Therapien mit Präparaten der Traubensilberkerze (Actaea racemosa, Syn. Cimicifuga racemosa) behandelt werden.

Einem Team von Forschenden um Sophia Khom vom Department für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Wien ist nun ein bedeutender Schritt zur Aufklärung der möglichen Wirkmechanismen der Traubensilberkerze gelungen. Die neuen Erkenntnisse wurden vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift „Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics“ publiziert.

Die Wirksamkeit der Traubensilberkerze wird in klinischen Studien unterschiedlich beurteilt. In manchen Studien scheint durch ihre Einnahme eine Besserung der subjektiven Symptomatik hauptsächlich bei Beschwerden wie Schlafstörungen, Hitzewallungen oder Unruhe einzutreten. Die wirksamen Inhaltsstoffe sind jedoch weitgehend unbekannt. Vermutet wird bereits seit einiger Zeit, dass Inhaltsstoffe verschiedene Botenstoffsysteme im zentralen Nervensystem modulieren. 

Einer der Inhaltsstoffe der Traubensilberkerze verstärkt die Wirkung des wichtigsten hemmenden Botenstoffes (γ-Aminobuttersäure; kurz GABA) im Gehirn an sogenannten GABA(A) Rezeptoren. Dieser Rezeptor ist hauptsächlich als molekulares Ziel ärztlich verordneter Schlafmittel wie Zolpidem, Diazepam, Anästhetika, Tranquilizer oder Antiepileptika bekannt.

 

Inhaltsstoffe vermindern Angst und Stress


 

Die Pharmakologinnen Sophia Khom und Barbara Strommer untersuchten zuerst die Wirkung des Naturstoffes an neun verschiedenen GABAA Rezeptor Subtypen, die in Eizellen des afrikanischen Krallenfrosches exprimiert wurden. Besonders auffällig war in der Studie, dass der Naturstoff keine Selektivität zeigt und alle untersuchten GABA(A)-Rezeptor-Subtypen gleichermaßen beeinflusst, erklärt Sophia Khom, Leiterin der experimentellen Untersuchungen an der Universität Wien.

 

Die maximale Wirkung sei im Vergleich zu etablierten Substanzen wie Diazepam etwa sechsmal stärker ausgeprägt. Daraus könne man schließen, dass die Substanz vermutlich an allen im Gehirn vorkommenden GABA(A)-Rezeptoren angreife und dadurch signifikant die Erregbarkeit von Nervenzellen im gesamten Hirn reduziere.

 

Eine solche Wirkung vermindert Unruhe, Angst oder Stress, führt jedoch auch zu unerwünschten Wirkungen wie Sedierung – also einer Dämpfung der Funktionen des zentralen Nervensystems –, zu Schlafbedürfnis und dem Verlust der Kontrolle über die Muskulatur. Untersuchungen zeigten tatsächlich angstlösende und Stress reduzierende Effekte, jedoch auch eine starke Beruhigung, die im Einklang mit dem festgestellten Wirkungsmechanismus des Inhaltsstoffes steht.

 

Diese beruhigende Wirkung könne bei Gabe von Traubensilberkerzen-Präparaten zu einer erwünschten Linderung von Nervosität in der Postmenopause beitragen, vermutet Sophia Khom.

Es brauche aber entsprechende klinische Studien, um zu klären, ob dies wirklich der Fall sei.

 

Mit der beobachteten Sedierung können jedoch auch unerwünschte Wirkungen verbunden sein, schreibt die Universität Wien in der Pressemitteilung. Ob es bei wiederholter Einnahme zu einer übermäßigen Sedierung und zum Beispiel zur Beeinträchtigung der Verkehrstüchtigkeit kommt, können die ForscherInnen noch nicht mit Sicherheit sagen.

 

Sie glauben, dass ihre Arbeit einen möglichen Wirkungsmechanismus der Traubensilberkerzen-Extrakte aufzeigt.

Quelle:

http://medienportal.univie.ac.at/presse/aktuelle-pressemeldungen/detailansicht/artikel/macht-die-traubensilberkerze-muede/

Publikation in Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics
Strommer B., Khom S., Kastenberger I., Stuppner H., Schwarzer C., Hering S.: A Cycloartane Glycoside Derived from Actaea racemosa L. Modulates GABA(A) Receptors and Induces Pronounced Sedation in Mice. Aug. 26 2014 / 2014 Nov; 351(2):234-42. DOI: 10.1124/jpet.114.218024.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25161170

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Forschung. Je besser wir die Wirkungsmechanismen der Heilpflanzen verstehen, desto präziser und wirksamer kann man sie anwenden und desto eher sind potenzielle unerwünschte Nebenwirkungen voraussehbar.

Festzuhalten ist aber, dass es sich hier um reine Laborexperimente an Zellen handelt. Ob entsprechende Wirkungen an GABA-Rezeptoren auch in einer „ganzen“ Frau stattfinden und eine Rolle für die Wirkung des Traubensilberkerzen-Extrakts spielen, ist völlig unklar. Den Forscherinnen und Forschern ist das klar, doch geht diese Einschränkung in der Medienberichterstattung und manchmal sogar in der Fachliteratur nicht selten unter.

Im Labor an isolierten Zellen oder Geweben lassen sich leicht irgendwelche Vorgänge beobachten und als Wirkungsmechanismen interpretieren, die in der Anwendungssituation oft gar nichts mit der Wirkung zu tun haben.

So gibt es für Traubensilberkerzen-Extrakt aus dem Labor bereits Hinweise auf ganz unterschiedliche Wirkungsmechanismen:

„Die Wirksubstanzen haben verschiedene Angriffspunkte. Neben einer selektiven Estrogen-Rezeptor-Modulation (→SERM) durch die Cycloartanderivate wurde ein zentraler Angriff, z. B. an Regulationszentren für die Körpertemperatur sowie an Serotonin-, Dopamin-, GABA- und Opioid-Rezeptoren, gezeigt.“

Quelle: Teuscher / Melzig / Lindequist, Biogene Arzneimittel, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 2012

Da stellt sich natürlich die Frage, welcher von diesen auf der Basis von Laborergebnissen postulierten Wirkungsmechanismen relevant ist.

Im „Leitfaden Phytotherapie“ (2010) von Schilcher / Kammerer / Wegener steht als Zielstruktur der Hypothalamus in Zentrum:

„Wirkmechanismus: Dämpfung des hypothalamischen LHRH-Pulsgenerators, damit verbunden eine Senkung pulsatiler LH-Sekretion und Hemmung der Aktivität hypothalamischer Temperatur- und Herz-Kreislauf-regulierender Nervenzellen, dadurch Hemmung von aufsteigenden Hitzewallungen und tachykarden Anfällungen.“

Möglich wäre auch, dass mehrere Wirkungsmechanismen beteiligt sind.

Dann hätten wir es mit einer Multi-Target-Therapie zu tun, was in der Phytotherapie nicht selten der Fall sein dürfte: Es werden mehrere Zielstrukturen durch das gleiche Präparat beeinflusst. Aus diesem breiten Ansatz ergibt sich nicht selten eine gute Verträglichkeit.

Von daher ist aber auch die Spekulation über stark sedierende Eigenschaften, die möglicherweise bis zur Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit gehen, eher fragwürdig. In der Phytotherapie-Fachliteratur taucht eine sedierende Wirkung von Traubensilberkerzen-Extrakt nicht auf, und bei klinischen Studien wäre eine stark sedierende Wirkung wohl aufgefallen.

Interessant an dieser ganzen Diskussion rund um Wirkungsmechanismen des Traubensilberkerzen-Extrakts ist eine Veränderung über die Zeit hinweg: Während anfänglich vor allem hormonelle Wirkungsweisen im Vordergrund standen und als Wirkstoffe Phytoöstrogene postuliert wurden, gehen heute viele Fachleute von einer Beeinflussung der Wechseljahrsymptome im Zentralnervensystem aus.

Die Zeitung „Der Standard“ veröffentlichte die Pressemeldung der Universität Wien im übrigen unter dem Titel „Pflanzliches Präparat gegen menopausale Beschwerden wirksam“ – was völlig irreführend ist. In der beschriebenen Forschung geht es nicht um Wirksamkeit, sondern um Wirkstoffe und potentielle Wirkungsmechanismen. Um eine Wirksamkeit zu belegen, sind klinisch Studien nötig, also Untersuchungen mit Frauen, die an Hitzewallungen leiden. Die gibt es, doch sind die Ergebnisse für Traubensilberkerzen-Extrakt widersprüchlich. Es dürfte unter anderem wohl sehr darauf ankommen, welche Präparate jeweils untersucht worden sind.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Johanniskraut: Hyperforin als Basis für neue Antidepressiva im Fokus

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Der antidepressive Wirkstoff Hyperforin aus Johanniskraut (Hypericum perforatum) soll weiterentwickelt werden, teilt die Universität Erlangen-Nürnberg mit.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstütze das Vorhaben im europäischen Forschungsverbund „HYPZITRP“ für die kommenden drei Jahre mit 184.000 Euro.

Hyperforin unterscheidet sich im Wirkungsmechanismus von den anderen Antidepressiva, die sich gegenwärtig auf dem Markt befinden. Es reguliert Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin, indem es einen Ionenkanal, den TRPC6-Kanal, aktiviert.

Allerdings ist Johanniskraut-Extrakt nicht so intensiv wirksam, dass er auch starke Depressionen lindert, sondern maximal mittlere. Außerdem verstärkt er die Bildung des Enzyms CYP3A4 in der Leber, das Fremdstoffe abbaut. Dadurch kann es zu problematischen Wechselwirkungen mit manchen Medikamenten kommen, die schneller abgebaut werden. Zudem ist Hyperforin instabil, wenn es aus dem Extrakt isoliert wird.

Deshalb wollen die Wissenschaftler Hyperforin-Analoga entwickeln, die deutlich stabiler und wirksamer sind als der natürliche Wirkstoff und weniger Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zeigen.

Die Wirksamkeit soll unter anderem an Zellmodellen und im Tierversuch untersucht werden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/depressionen/article/870103/depression-johanniskraut-basis-neue-antidepressiva.html?sh=8&h=1429287594

 

Kommentar & Ergänzung:

Bin sehr gespannt, wie das raus kommt.

In der Phytotherapie werden in der Regel die Wirkstoffe einer Heilpflanze als „Team“ oder als „Orchester“ eingesetzt.

Dadurch können mehrere Zielstrukturen im Organismus beeinflusst werden. In diesem Zusammenhang ist häufig die Rede von einer Multi-Target-Therapie (Target = Ziel). Dieser breite Ansatz bei moderater Intensität könnte ein Grund sein für Vorteile von Phytopharmaka in Bezug auf die Verträglichkeit. Die Forscher in Erlangen-Nürnberg wollen also nun einen „Solisten“ aus dem „Wirkstoffteam“ des Johanniskrautes – Hyperforin – isoliert optimieren. Die Phytotherapie dagegen orientiert sich am Grundsatz: „Der Extrakt ist der Wirkstoff“. An der antidepressiven Gesamtwirkung des Johanniskraut-Extraktes sind mehrere Inhaltsstoffe mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen verantwortlich. Neben Hyperforin tragen auch Hypericin und Pseudohypericin zur Wirkung bei. Proanthocyanidine, Flavonolglykoside und das Biflavonoid Amentoflavon unterstützen die Gesamtwirkung zum Beispiel durch Lösungsvermittlung. Der Gesamtextrakt ist daher offenbar in der Wirksamkeit einzelnen Inhaltsstoffen mit klarem pharmakologischem Profil überlegen.

Daraus folgt meines Erachtens:

Falls es den Forschern an der Universität Erlangen-Nürnberg tatsächlich gelingen sollte, aus einem veränderten Hyperforin-Molekül ein neues Antidepressivum zu entwickeln – was noch ein langer Weg ist – dann wird sich dieses Medikaments fundamental in seiner Wirkung von Johanniskraut-Extrakt unterscheiden. Es wird ein anderes Wirkungsprofil haben, vielleicht stärker wirken, aber möglicherweise auch Nebenwirkungen aufweisen, die beim Hyperforin im Kontext des Johanniskraut-Extraktes nicht auftreten.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Was sind Phytopharmaka?

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Das Nachschlagewerk „Pharmawiki“ hat vor kurzem einen neuen und informativen  Artikel publiziert zum Stichwort „Phytopharmaka“. Mit dem Ausdruck „Phytopharmaka“ werden Arzneimittel pflanzlichen Ursprungs bezeichnet.

Der Artikel beschreibt den Unterschied zu chemisch definierten Medikamenten so:

„Im Unterschied zu den chemisch definierten Arzneimitteln, die in der Regel nur einen oder wenige Wirkstoffe enthalten, sind Phytopharmaka Vielstoffgemische, die aus hunderten unterschiedlichen Substanzen bestehen. Von diesen werden einige als pharmakologisch aktiv und andere als inaktiv angesehen. Die Wirksamkeit resultiert aus der komplexen Interaktion der Inhaltsstoffe mit molekularen Zielstrukturen, also z.B. mit Rezeptoren, Enzymen und Transportern.“

Man spricht bei Phytopharmaka auch von einer Multi-Target-Therapie.

Siehe dazu:

Phytotherapie – auf die Mischung kommt es an

Als Beispiele für Phytopharmaka, die wie schulmedizinische Medikamente in doppelblinden, randomisierten und kontrollierten klinischen Studien überprüft wurden, führt Pharmawiki auf:

„Johanniskraut zur Behandlung von depressiven Verstimmungen

Pestwurz gegen Heuschnupfen

Ginkgo zur Behandlung von Einbussen der mentalen Leistungsfähigkeit

Traubensilberkerze zur Behandlung von Wechseljahrbeschwerden

Weissdorn zur Behandlung von Herzbeschwerden

Baldrian und Hopfen zur Behandlung von Schlafstörungen.“

In einem speziellen Abschnitt wird der Unterschied zwischen Phytopharmaka und Homöopathika erklärt:

„Phytopharmaka enthalten aktive pharmazeutische Wirkstoffe, die mit Strukturen im Organismus, den sogenannten Drug Targets, interagieren. Sie unterscheiden sich deshalb wesentlich von den homöopathischen Mitteln, welche so stark verdünnt sind, dass fast oder überhaupt nichts mehr von der Ausgangssubstanz vorhanden ist. Die Homöopathie hat im Unterschied zur Phytotherapie keine wissenschaftliche Basis. Ihr Wirkprinzip ist demjenigen der modernen Arzneimitteltherapie fundamental entgegengesetzt.“

Gut verständlich erläutert der Artikel zudem, wie und weshalb heute in der Phytotherapie oft standardisierte Extrakte zur Anwendung kommen:

„Weil Phytopharmaka Naturprodukte sind – wie Kaffee, Wein oder Kakao – hängt ihre Qualität von vielen Faktoren ab. Beispielsweise von der Pflanzensorte, dem Anbauklima, dem Erntezeitpunkt, der Trocknung und der weiteren Verarbeitung. Deshalb ist es möglich, dass die für die Wirkung verantwortlichen Inhaltsstoffe in zwei Tees in sehr unterschiedlicher Konzentration vorhanden sind. Aus diesem Grund werden heute vermehrt Extrakte (Auszüge) hergestellt, die auf die wesentlichen Substanzen eingestellt sind – also immer definierte Mengen der Stoffe enthalten. Dabei können auch unerwünschte Stoffe, welche Nebenwirkungen verursachen, entfernt werden. Extrakte verschiedener Hersteller sind deshalb nur bedingt miteinander vergleichbar. Aus den Extrakten werden verschiedene Darreichungsformen wie Tabletten, Tropfen oder Salben produziert.“

Quelle der Zitate und weitere Informationen zum Thema:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Phytopharmaka

 

Kommentar & Ergänzung:

Es gibt allerdings noch einen weiteren Grund, weshalb von den Phytopharmaka-Herstellern oft Extrakte vorgezogen werden: Produziert man sie nach einem Spezialverfahren, können sie in der Regel patentiert werden. Dadurch lässt sich sicherstellen, dass die Forschungs- und Entwicklungsausgaben dem eigenen Produkt und nicht der Konkurrenz zugute kommen.

Wer an Naturheilmitteln interessiert ist, sollte mit Vorteil die Unterschiede verstehen zwischen Phytopharmaka, Homöopathika, Bachblüten und synthetischen Medikamenten. Mir fällt auf, dass das Wissen über diese Unterschiede in weiten Kreisen minimal, fehlend oder schlicht falsch ist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Malaria: Artemisia-Pflanze möglicherweise wirksamer als isoliertes Artemisinin

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Die Artemisia-Pflanze (Einjährige Beifuß, Artemisia annua) wirkt möglicherweise weit besser gegen Malaria als das auf diesem Kraut hergestellte Medikament mit isoliertem Artemisinin.

Eine US-Studie mit Mäusen zeigt, dass die zermahlenen Blätter von Artemisia annua die Malaria-Erreger eher abtöten als der isolierte Wirkstoff im Medikament. Diese Erkenntnis könne die Malaria-Behandlung wesentlich günstiger machen und Entwicklungsländern auch eine ökonomische Perspektive bieten, schreiben die Wissenschaftler um Stephen Rich von der University of Massachusetts in Amherst in der Zeitschrift „PLOS ONE“.

Hunderte Millionen Menschen leiden weltweit an einer Infektion mit Malaria-Parasiten der Gattung Plasmodium. Im Jahr 2009 starben nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mindestens etwa 800.000 Menschen an der Krankheit. Zur Therapie angewendet werden hauptsächlich auch Präparate mit dem Wirkstoff Artemisinin, der auf dem Einjährigen Beifuß (Artemisia annua) basiert. Zur Produktion dieser Medikamente wird Artemisinin aus der Pflanze in einem aufwendigen Verfahren isoliert. Die Medikamente, die häufig noch mit anderen Wirkstoffen kombiniert werden, sind gerade für Entwicklungsländer zu teuer. Deshalb prüften die Wissenschaftler, wie gut die natürliche Pflanze gegen die Infektionskrankheit hilft.

Dazu verglichen sie die Wirkung von reinem Artemisinin und getrockneten zermahlenen Blättern von Artemisia annua an Mäusen, die den Erreger Plasmodium chabaudi trugen. Dieser befällt zwar Nagetiere, teilt jedoch zahlreiche Eigenschaften mit den Erregern, die den Menschen infizieren. Nach der Einnahme tötete das Naturprodukt in den Mäusen im Zeitraum von 12 bis 72 Stunden deutlich mehr Parasiten ab als reines Artemisinin – bei identischem Wirkstoffgehalt.

Die Wissenschaftler führen dies zum einen darauf zurück, dass nach Gabe des Pflanzenmittels im Vergleich zum Pharmaprodukt etwa 40 Mal mehr Artemisinin im Blut der Nager zirkulierte. Darüber hinaus weisen sie darauf hin, dass in den Blättern der Pflanze neben Artemisinin auch noch andere Substanzen vorkommen, die gegen Malaria wirken.

Die an der Studie beteiligte Biologin Pamela Weathers vom Worcester Polytecnic Institute sagt, dass die Blätter von Artemisia eine Vielzahl von Stoffen enthalten, die interessant sind wegen ihrer offenkundigen, aber schwächeren Wirkung gegen Malaria. Dazu zählen nach ihren Angaben mindestens sechs Flavonoide, von denen gezeigt worden sei, dass sie mit Artemisinin zusammenwirken, um Malaria-Parasiten abzutöten. Die verschiedenen Wirstoffe könnten sich in ihrem Effekt gegenseitig verstärken, schreiben die Wissenschaftler.

Zudem betonen sie, dass der Einsatz zermahlener Blätter auch wesentlich kostengünstiger sei als der Kauf teurer Medikamente. Artemisia könne in den meisten Klimazonen angebaut und die Blätter gut geerntet, getrocknet, auf ihren Wirkstoffgehalt untersucht und in Kapseln verpackt werden. Dies könnte Menschen in Entwicklungsländern eine Perspektive geben und auch die dortige Wirtschaft fördern.

Quelle:

http://www.n-tv.de/wissen/Pflanze-uebertrumpft-Medikament-article9867161.html

Kommentar & Ergänzung:

Diese Studie ist sehr interessant für die Phytotherapie.

Die „normale“ Arzneimittelforschung neigt stark dazu, synthetische oder auch pflanzliche Wirkstoffe isoliert zu untersuchen und anzuwenden. Das kann Vorteile bieten, zum Beispiel bei Arzneistoffen mit kleiner therapeutischer Breite, wenn also die wirksame Dosis und die toxische Dosis nahe beieinander liegen. Ein isolierter Wirkstoff lässt sich genauer dosieren als Extrakte aus der ganzen Pflanze.

In der Phytotherapie kommt in der Regel ein ganzes „Team“ von Wirkstoffen zur Anwendung.

In diesem Zusammenhang ist oft die Rede von einer Multi-Target-Therapie.

Siehe dazu:

Phytotherapie – auf die Mischung kommt es an

Die beschriebene US-Studie scheint jedenfalls als Beispiel zugunsten der Multi-Target-Therapie zu sprechen. Wobei allerdings bei einer Studie mit Mäusen noch offen bleibt. Ob und wie weit sich die Ergebnisse auch auf die Anwendung am Menschen übertragen lassen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Naturheilmittel: Weidenrinde in der Schmerztherapie

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In der „Frankfurter Rundschau“ äusserte sich Prof. Karin Kraft (Lehrstuhl für Naturheilkunde, Universität Rostock) zum Thema Heilpflanzen-Anwendungen gegen Schmerzen:

„’Für Teufelskrallenextrakt, Weidenrindenextrakt, Brennnesselkrautextrakt und Beinwellextrakt liegen inzwischen sehr spannende Forschungsergebnisse vor’, sagt die Rostocker Naturheilkundlerin. ‚So vermutete man lange Zeit, es seien die Salicylate, die bei der Weidenrinde schmerzstillend wirken. Heute gehen wir davon aus, dass es nicht so sehr die nebenwirkungsträchtigen, aber nur in geringer Konzentration vorkommenden Salicylate sind, sondern vielmehr die darin enthaltenen Polyphenole.’ Nur durch diese Kombination lasse sich die gute Wirksamkeit erklären. Bei der Phytotherapie, so Karin Kraft, ‚arbeitet in der Regel ein ganzes Konzert von Wirkstoffen zusammen’.“

Quelle:

http://www.fr-online.de/wissenschaft/sicherheit-aus-dem-kraeutergarten/-/1472788/8436546/-/view/asFirstTeaser/-/

Kommentar & Ergänzung:

Teufelskrallenwurzelextrakt, Weidenrindenextrakt und Brennnesselkrautextrakt werden innerlich angewendet, Beinwellextrakt dagegen in Form von Beinwell-Salbe oder Beinwell-Gel.

Das von Karin Kraft erwähnte „Konzert von Wirkstoffen“ ist ein Charakteristikum der Phytotherapie. Und bei der Weidenrinde ist es tatsächlich auffallend, dass die klinische Wirkung sich nicht nur mit dem Gehalt an Salicin erklären lässt.

Siehe auch:

Phytotherapie bei Schmerzen

Phytotherapie: Teufelskralle bei Rheuma

Phytotherapie: Heilpflanzen zur Schmerzbehandlung

Phytotherapie: Weidenrinde gegen Kopfschmerzen, Fieber, Rheuma-Beschwerden

Phytotherapie & Arthrose: Weidenrinde & Teufelskralle

Rheuma-Behandlung: Teufelskrallenwurzel und Weidenrinde empfohlen

Brennnesselkur gegen Rheuma

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2011/06/22/brennnessel-kur-gegen-rheuma.html

Weidenrinden-Extrakte lindern Arthritis

Zum Thema „Konzert der Wirkstoffe“ (oder fachlicher: Multi-Target-Therapie):

Phytotherapie: Auf die Mischung kommt es an

Falls Sie unter chronischen Schmerzen leiden, könnte auch das folgende Tagesseminar für Sie interessant sein:

Phänomen Schmerz besser verstehen und damit umgehen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

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Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

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Im Zusammenhang mit der Abstimmung vom 17. Mai 2009 über den Verfassungsartikel zur Förderung der Komplementärmedizin wurde im Parlament immer von fünf dazu gehörenden Methoden gesprochen: Homöopathie, Traditionelle chinesische Medizin (TCM), Anthroposophische Medizin, Neuraltherapie und Phytotherapie.
Diese fünf Methoden wurden als “Päckli” mit dem Etikett Komplementärmedizin bezeichnet.

Dieses “5er-Päckli” ist meines Erachtens ein reines Lobbying-Konstrukt. Fachlich gesehen scheint mir alles dafür zu sprechen, dass Phytotherapie nicht zur Komplementärmedizin gehört:

– Die Phytotherapie hat sich von ihrem Ursprung her aus einem medizinisch-ärztlichen Kontext heraus einwickelt. Der Begriff “Phytotherapie” wurde vom französischen Arzt Henri Leclerc (1870 – 1955) in die medizinische Wissenschaft eingeführt – als naturwissenschaftliche Fortsetzung der bis dahin praktizierten vorwissenschaftlichen “Kräutermedizin”.
Im deutschsprachigen Raum war der Internist Rudolf Fritz Weiss in den Anfängen der Phytotherapie eine zentrale Person.

– Phytotherapie in diesem Sinne strebt schon seit jeher danach, ihre Aussagen wissenschaftlich zu begründen, zu überprüfen und zu dokumentieren.

– Phytotherapie basiert auf Wirkstoffen und bewegt sich damit innerhalb der Regeln der Pharmakologie – bspw. bezüglich Wirkungsmechanismen, Resorption, Verstoffwechselung und Ausscheidung.

– Phytopharmaka müssen, damit sie von den Krankenkassen via Grundversicherung bezahlt werden, ihre Wirksamkeit genauso belegen wie synthetische Medikamente. Das unterscheidet sie fundamental von komplementärmedizinischen Präparaten aus Homöopathie und Anthroposophie, welche vom Wirkungsnachweis befreit sind.

– Alle relevanten Phytotherapie-Fachbücher sehen die Phytotherapie als Teil der Medizin. So beispielsweise Schilcher et. al. im “Leitfaden Phytotherapie” (2007):
“Moderne Phytotherapie ist keine “Alternativ-Medizin”, sondern Teil der heutigen naturwissenschaftlich orientierten Schulmedizin….Die Phytotherapie verfolgt ein naturwissenschaftliches, kausales oder symptomatisches Therapieprinzip und basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.”

– Phytotherapie hat keine eigene Diagnostik. Sie stützt sich auf medizinische Diagnostik.

Aufgrund dieser Facts scheint mir sonnenklar, dass Phytotherapie nicht zur Komplementärmedizin zu rechnen ist.

Dann stellt sich allerdings die Frage, wo Phytotherapie überhaupt steht.
Phytotherapie ist nämlich auch nicht völlig deckungsgleich mit Medizin und Pharmakologie. Beispielsweise handelt es sich bei Anwendungen der Phytotherapie immer um eine Multi-Target-Therapie. Siehe dazu:
Phytotherapie: Auf die Mischung kommt es an

Ausserdem zeichnet sich die Phytotherapie aus durch ihren Naturbezug und durch die vielfältigen kulturhistorischen Bedeutungen der Heilpflanzen.

Am ehesten gehört Phytotherapie zur Naturheilkunde und ist damit ein (randständiger) Bereich der Medizin.

Siehe: Was ist Naturheilkunde?

Phytotherapie eignet sich aufgrund dieser Stellung ausgezeichnet als fundierte Verbindung zwischen Naturheilkunde und Medizin.

Dass Phytotherapie ins 5er-Päckli der Komplementärmedizin-Methoden integriert wurde, ist ein geschickter Lobbying-Schachzug, hat aber mit der Realität kaum etwas zu tun.

Diese Irreführung der Stimmberechtigten wurde möglich, weil die Schnürer des Päcklis – allen voran, leider, die Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SPS) und die Grüne Partei der Schweiz (GPS) – dessen Inhalt gar nicht prüf(t)en, sondern Beliebigkeit und Populismus zur Handlungsmaxime machen. Würden die Propagandisten des 5er-Päckli ihre Aufgabe ernst nehmen, müssten sie sich meines Erachtens mit Unterschieden innerhalb dieser Methoden auseinandersetzen. Es würden sich dann Fragen stellen wie:
– Welche Elemente von Komplementärmedizin wollen wir?
– Welche Weltanschauungen stecken hinter den einzelnen Methoden?
– Sind diese Weltanschauungen demokratieverträglich und kompatibel mit einer offenen Gesellschaft?

Siehe auch:
Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck
Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck

Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Bregriff
Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

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Phytotherapie: Wirksame Behandlung bei Reizdarm und funktioneller Dyspepsie

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Für eine fixe Kombination aus Extrakten von Angelikawurzel, Süßholzwurzel, Bitterer Schleifenblume, Kümmelfrüchten, Mariendistelfrüchten, Kamillenblüten, Schöllkraut, Melissenblättern und Pfefferminzblättern ist die Wirksamkeit bei Reizdarm und funktioneller Dyspepsie in mehreren randomisierten klinischen Doppelblindstudien belegt (Multi-Target-Therapie).
Die Inhaltsstoffe des Heilpflanzen-Präparates reduzieren die gastrointestinale Hypersensibilität, wirken krampflösend auf verkrampfte und tonisierend auf atonische Muskulatur. Auch wurde eine entzündungswidrige Wirkung gezeigt.

Quelle: www.aerztezeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Unter einer Multi-Target-Therapie versteht man eine Behandlungsform, die gezielt an unterschiedlichen Ansatzpunkten gleichzeitig ansetzt. Mit “Target” bezeichnet man dabei die Zielstruktur, an welcher ein Wirkstoff im Organismus seine Wirkung entfaltet.
Da Heilpflanzen immer eine grosse Anzahl von potenziellen Wirkstoffen enthalten, hat das Multi-Target-Konzept für die Phytotherapie grosse Bedeutung. Insbesondere Krankheiten mit komplexer Pathophysiologie lassen sich effektiver und mit weniger Nebenwirkungen durch Wirkstoff-Kombinationen behandeln als durch einen einzelnen hoch dosierten Reinstoff (Monosubstanz).
Reizdarm und funktionelle Dyspepsie gehören zweifellos zu diesen Erkrankungen, an denen verschiedene gestörte Funktionen zusammenwirken und die Störung verursachen. Es überrascht daher nicht gross, dass die Phytotherapie hier wirksame Therapieoptionen anbieten kann. Schon jede einzelne Heilpflanze hat wegen der Vielzahl ihrer Inhaltsstoffe das Potenzial für Multi-Target-Effekte. Das auf www.aerztezeitung.de beschriebene Heilpflanzen-Präparat besteht sogar aus einer Kombination von mehreren Heilpflanzen-Extrakten. Allerdings können sich zu viele Komponenten in einer solchen Kombination auch wieder eher ungünstig auswirken. Rasch fällt dann die Konzentration einzelner Heilpflanzen und ihrer Wirkstoffe unter einen wirksamen Wert. Der Entscheid, ob für eine bestimmte Behandlung eine einzelne Heilpflanze oder eine Heilpflanzen-Kombination besser geeignet ist, braucht deshalb fundiertes Wissen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Pflanzenheilkunde-Preis für Phytohormon-Expertin

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Hormonexpertin Dr. Dana Seidlová-Wuttke von der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universität Göttingen hat für ihre Forschungen den mit 10.000 Euro dotierten Phytoneering-Preis der Internationalen Gesellschaft für Phytotherapie bekommen.
Für ihre wissenschaftlichen Forschungsarbeiten zur Wirksamkeit von Extrakten aus der Wurzel der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) ist die Hormonexpertin, Frauenärztin und Forscherin Dr. Dana Seidlová-Wuttke jetzt mit einem internationalen Preis für Pflanzenheilkunde ausgezeichnet worden. Sie erhielt den mit 10.000 Euro dotierten Bionorica Phytoneering-Preis 2009 von der Internationalen Gesellschaft für Phytotherapie. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben und würdigt hervorragende Forschung zur Entwicklung und Anwendung von Phytopharmaka. Der Preis wurde verliehen auf dem diesjährigen 57th International Congress and Annual Meeting of the Society for the Medicinal Plant Research in Genf/Schweiz.

Die Forschungsresultate der Göttinger Wissenschaftlerin bestätigen, dass ein Extrakt aus der Wurzel der Traubensilberkerze charakteristische Wechseljahrsbeschwerden von Frauen wie aufsteigende Hitzewallungen, Herzjagen und Stimmungsschwankungen wirksam lindern kann. Außerdem konnte sie (tierexperimentell und in klinischen Studien) belegen, dass der Heilpflanzen-Extrakt günstige Wirkungen am Knochen hat und so wechseljahrsbedingten Knochenschwund (Osteoporose) verhindern hilft.

Ebensolchen heilsamen Effekten des Wurzelextrakts für die Männer ist die Forscherin noch auf der Spur. Erste Untersuchungen von Dr. Seidlová-Wuttke deuten darauf hin, dass Extrakte der Traubensilberkerze auch zur Prophylaxe und Therapie von altersbedingten Veränderungen der Prostata wirksam sein könnten. Dies soll in weiteren Untersuchungen geklärt werden.

Dr. Dana Seidlová-Wuttke ist gebürtige Tschechin und studierte Medizin an der Karls-Universität in Prag. Ihre Ausbildung zur Frauenärztin machte sie in Prag und Göttingen. Seit 1997 befasst sie sich an der Universitätsmedizin Göttingen klinisch und wissenschaftlich mit Hormonforschung. Wissenschaftlerin ist Mitglied der Arbeitsgruppe Endokrinologie unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Wuttke. Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Problemen altersbedingter Erkrankungen, deren Ursachen oft in einer Unterproduktion von Hormonen zu suchen ist.

Quelle:
http://idw-online.de

Kommentar & Ergänzung:

Die Wirksamkeit verschiedener Extrakte aus Traubensilberkerze zur Linderung von Wechseljahrbeschwerden – insbesondere Hitzewallungen – konnte in klinischen Studien durch mehrere Forschungsgruppen aufgezeigt werden. Es handelt sich hier um das am besten belegte Anwendungsgebiet der Traubensilberkerze.

Besonders zu beachten bei der Anwendung von Traubensilberkerzen-Extrakten ist der langsamere Wirkungseintritt im Vergleich zur Hormonersatztherapie. Mit ersten Effekten kann frühestens nach etwa 2- bis 4wöchiger regelmäßiger Einnahme gerechnet werden. Darauf müssen die Patientinnen unbedingt aufmerksam gemacht werden, und eine Einnahme über mindestens drei Monate sollte empfohlen werden.

Die Hinweise auf eine günstige Wirkung am Knochen zur Vorbeugung von Osteoporose sind zwar interessant. Es müsste sich hier aber wohl um eine jahrelange oder gar jahrzehntelange Behandlung handeln. Ob dies sinnvoll wäre, müsste meines Erachtens sehr kritisch geprüft werden. Auch wenn es sich um ein Heilpflanzen-Präparat handelt, scheint mir die Vorstellung einer solchen Langzeitbehandlung nicht gerade als erstrebenswert. Jedenfalls nicht, wenn diese Anwendung pauschal allen älter werdenden Frauen empfohlen würde. Das würde dann einer Medikalisierung dieser Lebensphase nahe kommen.

Interessant und für die Phytotherapie neu ist die mögliche Wirkung von Cimicifuga-Extrakten auf den Mann, zum Beispiel bei der gutartigen Prostatavergrösserung (BPH). Allerdings scheint dieser Aspekt der Cimicifuga-Forschung noch sehr in den Anfängen zu stecken, so dass es für konkrete Empfehlungen noch viel zu früh ist. Es gibt aber mit Sabal (Zwergpalme), Kürbissamen und Brennesselwurzel andere Heilpflanzen, die bei gutartiger Prostatavergrösserung (Benigne Prostatahyperplasie) bereits günstige Wirkungen gezeigt haben.

Traubensilberkerze scheint im übrigen ein gutes Bespiel zu sein für eine Multi-Target-Therapie, die an mehreren Zielstrukturen im Organismus gleichzeitig wirkt. In pharmakologischen Untersuchungen zeigt die Heilpflanze nämlich sowohl verschiedene Wirkungen an Östrogenrezeptoren, also hormonähnliche Effekte, als auch Wirkungen auf der Ebene des Zentralnervensystems, in die Dopamin-, GABA-, Serotonin- und Acetylcholinrezeptoren involviert sind.
Zum Multi-Target-Ansatz in der Phytotherapie siehe auch:

Phytotherapie: Auf die Mischung kommt es an

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Auf die Mischung kommt es an

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Ein pflanzliches Vielstoffgemisch wirkt meist stärker als die Summe seiner Einzelteile“, sagt Professor Hildebert Wagner .

Die Idee hatte er bereits vor vielen Jahren: “Wenn meine Doktoranden aus zunächst hochwirksamen Pflanzenextrakten einen Einzelstoff isoliert haben, nahm die pharmakologische Wirkung meist deutlich ab”, erzählt der ehemalige Direktor des Instituts für Pharmazeutische Biologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. “Haben wir dann mehrere Einzelsubstanzen miteinander kombiniert, potenzierte sich deren Wirkung.”

Dieses Wissen besaßen offenbar schon unsere Vorfahren. “Durch Erfahrung haben sie herausgefunden, dass Teegemische aus mehreren Arzneipflanzen meistens besser wirken als ein einzelnes Heilkraut”, erläutert Wagner. Doch Mediziner belächelten pflanzliche Kombinationspräparate über lange Zeit. “Sie haben nur mit einzelnen Wirkstoffen gearbeitet”, sagt Wagner, “und uns nicht ernst genommen, weil wir in der Phytotherapie komplexe Substanzgemische verwenden.”

Allmählich findet aber ein Umdenken statt: In der Krebs-, Aids- und Rheumatherapie setzen Ärzte längst Wirkstoffkombinationen ein. Diese greifen an verschiedenen Stellen im Krankheitsgeschehen an. Sie wirken an mehreren sogenannten Zielstrukturen – auf Englisch “Targets” – und bekämpfen so gleichzeitig verschiedene Ursachen und Begleitsymptome. Wissenschaftler bezeichnen dies als Multi-Target-Therapie. “Arzneimittel-Kombinationen verursachen oft weniger Nebenwirkungen”, betont Wagner, “weil sie verschiedene Angriffspunkte haben und sich die Dosis der einzelnen Wirkstoffe verringern lässt.”

Pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka) sind Gemische aus Hunderten von Naturstoffen. “Wenn man mehrere Heilpflanzen kombiniert, lassen sich noch mehr Zielstrukturen erreichen, oder die Effekte an einzelnen dieser Strukturen verstärken sich”, stellt Wagner fest. “So wirkt eine Kombination aus Baldrian, Hopfen und Passionsblume stärker beruhigend als die Einzelpflanzen, weil die Hauptwirkstoffe verschiedene Ziele haben.”

Noch wissen die Wissenschaftler nicht genau, wie solche sogenannten Synergieeffekte zustande kommen. “Wir vermuten, dass manche Substanzen auch als Türöffner wirken und anderen Stoffen den Eintritt in die Zelle erleichtern”, erklärt Wagner.

Quelle: Apotheken Umschau; 20.08.2009

Kommentar & Ergänzung:

Professor Hildebert Wagner ist einer der profiliertesten und erfahrendsten Wissenschaftler im Bereich der Phytotherapie-Forschung. Die Multi-Target-Therapie ist ein spannendes Thema innerhalb der Phytotherapie.

Allerdings würde ich die Kombinationspräparate aus mehreren Pflanzen auch nicht unkritisch in den Himmel loben (was ich Wagner aber hiermit nicht unterstelle). Es gibt auch sehr viele völlig willkürlich zusammengesetzte Kombinationspräparate aus Heilpflanzen. Schon eine einzelne Heilpflanze ist ja ein Vielstoffgemisch.

So spricht auch einiges für den Einsatz von Mono-Präparaten, die nur jeweils einen Extrakt aus einer einzelnen Heilpflanze enthalten. Da weiss man dann einigermassen, was man hat. Neben den vielbeschworenen Synergien zwischen verschiedenen Heilpflanzen könnte es ja genauso gut auch unerwünschte Antagonismen geben.

Kombiniert man allzu viele Heilpflanzen, sinkt zudem der Wirkstoffgehalt aus der einzelnen Pflanze oft unter ein wirksames Mass.
Ich würde also empfehlen, weder die Kombinationspräparate noch die Mono-Präparate zum Dogma zu erheben, sondern je nach Situation das Passendste zu wählen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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