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Honig lässt Wunden rascher heilen

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Durch seinen hohen Zuckergehalt und andere Inhaltsstoffe wirkt Honig antibakteriell. In seiner Wirksamkeit übertrifft Honig sogar manche Antibiotika, kann sie aber nicht gänzlich ersetzen.

Elisabeth Presterl, Leiterin der Krankenhaushygiene an der Medizinischen Universität Wien, sagt in einem Gespräch mit science.ORF.at.:

„In der Wundpflege gibt es den sogenannten ‚medizinischen Honig‘. Man konnte bei chronischen Wunden und oberflächlichen Verbrennungen zeigen, dass er nicht nur einen anti-bakteriellen Effekt hat, sondern auch zur Verbesserung der Wundheilung und Verkleinerung der Wunde führt.“

An der Medizin-Uni Wien wird der medizinische Honig darum bei genau solchen schlecht heilenden Wunden eingesetzt, die etwa durch Gefäßstörungen ausgelöst werden.

Die Zusatzbezeichnung „medizinisch“ bekommt dieser in der Klinik verwendete Honig, weil er bezüglich Feuchtigkeit und Zuckergehalt ein genau genormtes Produkt ist und frei von Verunreinigungen sein muss. Medizinischer Honig wird also noch genauer kontrolliert als normaler Honig.

Für die positive Wirkung von Honig auf Wunden gibt es mehrere Gründe, erklärt Elisabeth Presterl, und verweist als Erstes auf den hohen Zuckergehalt:

„Zucker ist ein Konservierungsmittel und kann Bakterien abtöten. Darüber hinaus gibt es aber noch andere Inhaltsstoffe wie Polyphenole, Aminosäuren und Substanzen, die etwa Immunzellen stimulieren – das alles könnte in Kombination die Wirksamkeit von Honig ausmachen.“

Antibiotika könne man in der Wundpflege sicherlich nicht generell durch Honig ersetzen, erklärt die Ärztin. Gerade bei schweren Wundinfektionen hält sie es nicht für sinnvoll, wenn diese nur lokal behandelt werden. In solchen Fällen brauche es eine ergänzende Einnahme von Antibiotika.

Bei den leichteren Fällen sei es jedoch sinnvoll, eine Wunde zuerst einmal oberflächlich mit dem salbenähnlichen medizinischen Honig zu behandeln: „Wir verabreichen noch immer viel zu oft und zu rasch Antibiotika.“

Honig sei eine Möglichkeit, um den Antibiotikaverbrauch auf das unbedingt nötige Maß zu reduzieren, ist Presterl überzeugt.

Für den medizinischen Honig sieht sie auch eine Rolle im Kampf gegen gefährliche Krankenhaus: „Es gab Versuche im Reagenzglas, laut denen Honig auf multiresistente Keime wirken kann.“

Im Labor konnte Honig demnach Bakterien abtöten, bei denen Antibiotika versagt hatten.

Nicht zuletzt aus diesem Grund ist medizinischer Honig in der Hygienerichtlinie der Medizin-Uni Wien zum Thema MRSA aufgeführt – also jenen multiresistenten, potenziell tödlichen Bakterien, die zuletzt in deutschen Krankenhäusern für Probleme sorgen.

Dafür, dass eingenommener Honig auch gut für die Gesundheit ist, dafür gebe es keine harte Evidenz, sagt Presterl.

Studien haben zwar gezeigt, dass Honig nach Mandeloperationen bzw. bei Halsweh die Schmerzen vermindert, ein Placebo hatte jedoch die gleiche Wirkung – ebenso wie ein richtiges Schmerzmittel. Und auch bei Angina fehlen nach Presterl Belege, dass geschluckter Honig antibakteriell wirkt.

Quelle:

http://sciencev2.orf.at/stories/1759705//index.html

Studien:

„Evaluation of the antibacterial activity of selected Pakistani honeys against multi-drug resistant Salmonella typhi“, BMC Complementary and Alternative Medicine 2015;

http://www.biomedcentral.com/1472-6882/15/32

 

„Honey: an immunomodulator in wound healing“, Wound Repair and Regeneration 2014

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/wrr.12117/abstract

 

„Honey for acute cough in children“, Cochrane Database of Systematic Reviews 2014;

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22419319

 

Kommentar & Ergänzung:

Gerade weil Antibiotika in vielen Fällen lebenswichtige Medikamente sind, muss jede Möglichkeit genutzt werden, sie durch andere wirksame Behandlungsstrategien zu ersetzen, damit das rasant zunehmende Problem der Antibiotikaresistenzen sich nicht weiter verschärft. Honig zur Wundbehandlung ist eine prüfenswerte Alternative. Allerdings braucht es dafür noch deutlich mehr Forschung und weil Honig nicht patentierbar ist, gibt es nur wenige Firmen, die dafür viel Geld investieren. Als medizinischer Honig kommt meist ein Manuka-Honig aus Neuseeland zur Anwendung, der unter der Bezeichnung „Medihoney“ als eingetragene Warenmarke registriert und als Medizinprodukt zugelassen ist. Darum gibt es hier offensichtlich Geld für Forschung. Manuka-Honig enthält als wichtigen Inhaltsstoff neben den Zuckern des Honigs in wechselnden Mengen das antibakteriell wirksame Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal (MGO). Der Methylglyoxal-Gehalt von Manuka-Honig soll bis zu 100fach höher sein als in konventionellen Honigsorten. Allerdings soll das Methylglyoxal auch für die Schmerzentwicklung verantwortlich sein, einem Hauptproblem in der Wundbehandlung mit Manuka-Honig. Das ist ein Grund dafür, dass die Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e.V. in ihrer S3-Leitlinie zur Lokaltherapie chronischer Wunden von der Verwendung von Manuka-Honig abrät.

Honig ist ein sehr heterogen zusammengesetztes Produkt und es braucht wohl noch intensive Forschung, bis ein optimal zusammengesetztes Produkt gefunden ist.

Honig wurde als Wundheilmittel sowie für verschiedene andere Anwendungsbereiche allerdings schon verschiedentlich untersucht.

Siehe dazu auch:

Honig verhindert Mundschleimhautentzündung / Mukositis

Palliative Care & Onkologiepflege: Honig bei Mucositis / Mundschleimhautentzündung

Honig zeigt Wirkung gegen multiresistente Bakterien

Naturheilmittel: Wundbehandlung mit Manuka-Honig

Honig als Wundheilmittel

Honig gegen Mundschleimhautentzündung bei Chemotherapie

Wundheilmittel: Honig gegen resistente Bakterien

Honig – altes Wundheilmittel im Aufwind

Honig verkürzt Wundheilung bei Brandwunden

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

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Olbas Tropfen – ein Gemisch von ätherischen Ölen – getestet auf antimikrobielle Wirkung

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Olbas Tropfen – ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel – enthalten ein Destillat aus einer Mischung von Pfefferminzöl, Cajeputöl, Eukalyptusöl, Wacholderbeeröl und Wintergrünöl im Verhältnis von 53 : 21 : 21 : 3 : 2.

Das Präparat wird traditionell zur Einnahme und Inhalation bei Erkältungskrankheiten (Husten, Schnupfen, Heiserkeit) empfohlen, zur Einnahme bei leichten Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, zur äußerlichen Anwendung bei leichten Kopfschmerzen, beispielsweise bei Verspannungszuständen, sowie zur äußerlichen Anwendung bei umschriebenen (lokalen) Muskelschmerzen nach Überanstrengung / Fehlbelastung. Darüber hinaus ist es auch bekannt für seine Anwendung bei diversen Sportverletzungen.

Die „Pharmazeutische Zeitung“ hat den Stand der Forschung zu Olbas zusammengestellt. Daraus lassen sich interessante Schlüsse ziehen. unter anderem auch bezüglich der antimikrobiellen Wirkungen der einzelnen ätherischen Öle, die Bestandteil der Olbas-Mischung sind.

Zahlreiche Laboruntersuchungen (in-vitro) belegen zweifelsfrei die antimikrobielle Wirkung von ätherischen Ölen. Viele Bakterien, Pilze und Viren reagieren äusserst sensibel auf ätherische Öle.

Solche positiven Resultate lassen den unterstützenden oder zum Teil alleinigen Einsatz von ätherischen Ölen in der Phytotherapie und Aromatherapie bei Haut- und Wundinfektionen sowie bei Erkältungskrankheiten plausibel erscheinen.

Eine In-vitro-Studie untersuchte das antimikrobielle Potenzial von Olbas im Vergleich zu seinen individuellen Basisölen (Cajeputöl, Eukalyptusöl, Pfefferminzöl, Wacholderbeeröl und Wintergrünöl). Die Ergebnisse zeigen, dass Olbas ein relativ breites Wirkungsspektrum mit insgesamt guter bis sehr guter antimikrobieller Wirkung gegen alle Testkeime besitzt, einschließlich Methicillin-resistenter (MRSA) Stämme und Vancomycin-resistenter Enterococcus (VRE) Stämme. Besonders hervorgehoben wird von den Autoren die relativ hohe Sensibilität der Bakterien Acinetobacter baumanii, Escherichia coli und Pseudomonas aeruginosa sowie des Hefepilzes Candida albicans gegen Olbas. Die genannten Bakterien bewirken Wundinfektionen sowie Spitalinfektionen und erweisen sich oft als multiresistent gegen verschiedene Antibiotika. Im Fall der erwähnten Untersuchung war Pseudomonas aeruginosa gegen die Antibiotika Ampicillin und Vancomycin resistent. Interessant ist die Wirksamkeit gegen Pseudomonas aeruginosa, weil dieser Keim gegen zahlreiche ätherische Öle eine stark verminderte Sensibilität aufweist. Dies hängt damit zusammen, dass Pseudomonas aeruginosa über sogenannte MDR-Effluxpumpen verfügt, die in der Lage sind, eingedrungene Monoterpene (= Bestandteile vieler ätherischer Öle) wieder aus der Zelle zu schleusen.

Vergleicht man die Wirksamkeit der einzelnen Basisöle mit derjenigen der Olbas-Kombination, dann sind nur die antimikrobiellen Aktivitäten von Pfefferminzöl und Cajeputöl erwähnenswert. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die antimikrobielle In-vitro-Wirkung von Olbas weitgehend auf derjenigen von Pfefferminzöl beruht.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=51283

Kommentar & Ergänzung:

Für mich sind vor allem die Vergleichswerte der verschiedenen ätherischen Öle interessant. Die detaillierten Werte sind im Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ in einer Tabelle zusammengestellt.

Bemerkenswert ist für mich die klare Überlegenheit von Pfefferminzöl gegen Bakterien. Nur gegen Pseudomonas aeruginosa ist Cajeputöl sehr deutlich und Eukalyptusöl deutlich wirksamer. Und gegen Streptococcus pyogenes und Streptococcus oralis ist Pfefferminzöl gleichauf mit Cajeputöl an der Spitze. Auch gegen Hefepilze (Candida albicans) zeigt Pfefferminzöl von den untersuchten Einzelöle die beste Wirkung.

Cajeputöl (aus Melaleuca leucadendra) ist botanisch verwandt mit Teebaumöl (aus Melaleuca alternifolia).

Generell muss zu diesen Untersuchungsergebnissen gesagt werden:

Dass ätherische Öle zum Teil bemerkenswerte antimikrobielle Wirkungen haben und in dieser Hinsicht angesichts zunehmender Antibiotika-Resistenzen vermehrte Beachtung verdienen, steht ausser Frage.

Man muss aber wissen, dass solche eindrücklichen Ergebnisse wie in der beschriebenen Untersuchung im Labor stattfinden, in dem ätherische Öle in eine Bakterien- oder Pilzkultur appliziert werden. Das ist ein sehr direkter Kontakt mit hoher Konzentration.

Mir fällt einfach auf, dass in der Aromatherapie-Literatur solche In-vitro-Ergebnisse oft sehr schnell auf die Anwendung von Aromaölen im Alltag übertragen werden. Beispielsweise wird dann einem ätherischen Öl, das im Labor in einer Bakterienkultur einen Spitalkeim abtöten kann, auch zugetraut, dass es diesen Spitalkeim genauso hemmt, wenn man es im Spital als Duft einsetzt. Das sind aber zwei völlig unterschiedliche Kontexte und es wird beim Verdunstenlassen im Raum einfach nicht annähernd die Konzentration erreicht, die in der Bakterienkultur direkt wirksam wird.

Der Kontext, in dem eine Erkenntnis gewonnen wurde, darf bei der Beurteilung nicht ausser acht gelassen werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Gemeinsame Strategie gegen Antibiotika-Resistenzen

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Im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen bringt die Politik alle Beteiligten in ein Boot. Zudem werden Kooperationen in der Forschung unterstützt.

2001 hat die Weltgesundheits-Organisation (WHO) eine globale Strategie zur Eindämmung antimikrobieller Resistenzen publiziert, die in den EU-Ländern in unterschiedlichem Maße umgesetzt wurde.

16 Berater einigten sich im August 2010 im Namen der WHO auf einen strategischen Aktionsplan für Europa mit sieben Punkten.

Um die Resistenzentwicklung zu bremsen und neue Antibiotika zu entwickeln, ist die Einbindung aller beteiligten Bereiche im sogenannten „One-HealthAnsatz“ nötig: Humanmedizin, Veterinärmedizin, Landwirtschaft und Umwelt.

Denn 2013 wurden mit 1452 Tonnen doppelt so viel Antibiotika an Tierärzte abgegeben wie im humanmedizinischen Bereich.

Erst seit dem Jahr 2011 werden die Antibiotikaabgaben in der Veterinärmedizin erfasst.

Dabei existiert ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen dem Antibiotikaeinsatz bei Zuchttieren und Resistenzen von Salmonellen und Campylobacter, aber auch MRSA-Keimen. Zudem mehren sich die Hinweise für eine Assoziation mit ESBL-Keimen.

Dringenden Handlungsbedarf sieht die WHO bezüglich Förderung der Forschung.

Es braucht zuverlässige Diagnosetests, die breit und schell verfügbar sind, um Antibiotika gezielter einzusetzen, sowie neue Antibiotika und insbesondere neue Antibiotikaklassen.

In den letzten 30 Jahren sind nur zwei wirklich neue Antibiotikaklassen dazugekommen, Oxazolidinone und zyklische Lipopeptide. Sie sind aber beide nur wirksam gegen grampositive Bakterien.

Die Entwicklung neuer Antibiotika kostet viel Geld, bringt aber nicht entsprechende Gewinnaussichten. Forschung in diesem Bereich ist daher für Pharmafirmen nicht sonderlich attraktiv.

Bund und EU-Kommission setzen zwecks Förderung der Forschung in diesem Bereich nun verstärkt auf Kooperationen zwischen Forschungseinrichtungen und Industrie (Private Public Partnership). Beispiele dafür sind „New Drugs 4 Bad Bugs“ (ND4BB), gefördert von der Europäischen Kommission, und „InfectControl 2020″, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/atemwegskrankheiten/article/893912/one-health-ansatz-gemeinsam-antibiotika-resistenzen.html?sh=13&h=1911711750

 

Kommentar & Ergänzung:

Er geht besorgniserregend langsam, dieser Kampf gegen die Antibiotika-Resistenzen.

Siehe auch:

Europäische Fachleute warnen vor Antibiotika-Resistenz

Warnung vor zunehmenden Antibiotika-Resistenzen

WHO schlägt Alarm wegen Antibiotikaresistenzen

Kinderärzte warnen vor Antibiotikaresistenz

Heilpflanzen-Anwendungen können in vielen Anwendungsbereichen Antibiotika nicht ersetzen. Die Medizin braucht wirksame Antibiotika.

In manchen Fällen sind aber Antibiotika-Gaben schlicht unnötig und unsinnig, zum Beispiel bei viralen Erkrankungen. In genau begrenzten Situationen kann mit Heilpflanzen-Anwendungen darum durchaus ein Antibiotika-Einsatz vermieden werden.

Siehe beispielsweise:

Akute Bronchitis: Myrtol meist sinnvoller als Antibiotika

Nicht sofort die Antibiotika-Keule

 

Ätherische Öle gegen Antibiotika-resistente Bakterien

Antibiotika bei Sinusitis: Nutzen in Frage gestellt

Kapuzinerkresse – Breitbandantibiotikum aus der Natur

Meerrettich – Breitbandantibiotikum aus der Natur

Korianderöl bekämpft gefährliche Bakterien

Ätherische Öle gegen Bakterien

Senfölglykoside hemmen multiresistente-Erreger (MRSA)

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Glucosinolate aus Brokkoli & Co. im Fokus der Forschung

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Glucosinolate ( = Senfölglykoside) kommen vor allem in Pflanzen aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) vor – als Heilpflanzen bekannt sind Meerrettich, Rettich, Kohl, Brunnenkresse. Auch Kapuzinerkresse (Kapuzinerkressengewächse) wird in der Phytotherapie verwendet.

Hauptsächlich die Gemüsepflanzen aus der Gattung Kohl sind aber auch als Lebensmittel wegen ihrem Gehalt an Senfölglykosiden interessant.

Intensiv erforscht wird in dieser Hinsicht in den letzten Jahren der Brokkoli ( = Broccoli, Brassica oleracea var. Italica).

Glucosinolate aus Brokkoli wehren Schädlinge ab

Fressen Raupen oder andere Insekten an glucosinolathaltigen Pflanzen wie Brokkoli, kommen die Glucosinolate in Kontakt mit dem Enzym Myrosinase. Dieses Enzym setzt die Senföle frei, die dann Schädlinge vertreiben.

Die Pflanzen setzen dieses Abwehrsystem aber nur im Notfall ein. Die stechend riechenden und scharf schmeckenden Senföle etwa werden erst freigesetzt, wenn die Pflanze zum Beispiel durch ein fressendes Insekt verletzt wird. Erst dann kommen die Vorstufen der Senföle, die Glucosinolate, mit der Myrosinase in Kontakt, die die Senföle freisetzt.

Pflanzen synthetisieren solche besonderen Inhaltsstoffe also zum eigenen Schutz und nicht für uns Menschen. Trotzdem können wir viele dieser Pflanzenstoffe zugunsten unserer Gesundheit nutzen.

Senföle stehen beispielsweise im Ruf, die Entstehung von Krebs zu hemmen. Von Broccoli ist bekannt, dass seine Inhaltsstoffe das Bakterium Helicobacter pylori abtöten, das Magengeschwüre und Magenkrebs begünstigen kann.

Hungrige Insekten haben es hauptsächlich auf die nahrhaften Blätter und Samen abgesehen. Die Pflanze häufen daher in diesen Teilen besonders große Mengen von Glucosinolaten an. Die Blätter können die Abwehrstoffe selber herstellen, die heranreifenden Samen jedoch nicht. Sie müssen die Glucosinolate importieren, was nicht ohne spezielle Transportproteine geht.

Über diese lebenswichtigen Transporter und ihre Gene war bisher fast nichts bekannt. Doch ein Wissenschaftlerteam aus Kopenhagen, Würzburg und Madrid hat sie jetzt identifiziert. Die Resultate sind in der Zeitschrift „Nature“ und damit sehr hochrangig publiziert – denn sie könnten weitreichende Auswirkungen auf die Agrarwirtschaft haben.

Damit steht nämlich der Weg offen, um gezielt Pflanzen zu züchten, deren Glucosinolat-Gehalte und Zusammensetzung auf die Gesundheit des Menschen zugeschnitten sind. Denkbar seien beispielsweise Brokkoli-Pflanzen, die für die Bekämpfung des Magenbakteriums Helicobacter optimiert sind, erklären die Forscher.

Untersuchungsobjekt Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana)

Als Analyseobjekt hat das internationale Wissenschaftlerteam übrigens die Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) verwendet. Das Erbgut der Ackerschmalwand ist vollständig bekannt; zudem ist sie eine „kleine Schwester“ von Kohl, Senf und Raps – und enthält wie diese Glucosinolate samt deren Transportern.

Publikation:

“NRT/PTR transporters essential for allocation of glucosinolate defense compounds to seeds”, Hussam Hassan Nour-Eldin, Tonni Grube Andersen, Meike Burow, Svend Roesen Madsen, Morten Egevang Jørgensen, Carl Erik Olsen, Ingo Dreyer, Rainer Hedrich, Dietmar Geiger, and Barbara Ann Halkier, Nature (2012), online publiziert am 5. August, DOI: 10.1038/nature11285

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news490946

Kommentar & Ergänzung:

Diese Grundlagenforschung hat für die Phytotherapie keine unmittelbare Bedeutung. Senfölglykoside (Glukosinolate) sind aber eine Wirkstoffgruppe mit grossem Potential.

Ob die Strategie aufgehen wird, Pflanzen mit besonders hohem Glukosinolat-Gehalt zu züchten, ist eine ganz andere Frage. Jedenfalls ist damit zu rechnen, dass solche „Turbo-Pflanzen“ auch entsprechend schärfer im Geschmack werden. Senfölglykoside wirken in höheren Konzentrationen auch reizend auf Haut und Schleimhäute.

Sicher fährt aber nicht schlecht, wer Brokkoli, Blumenkohl, Kohl, Radieschen, Rettich und andere verwandte Gewächse regelmässig in die Ernährung intgriert.

Siehe auch:

Senfölglycoside gegen Infektionen

Brokkoli-Wirkstoffe unterstützen Krebstherapie

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? Welche Wirkung haben sie?

Kapuzinerkresse: Breitbandantibiotikum aus der Natur

Glukosinolate aus Brokkoli und Rosenkohl schützen vor Darmerkrankungen

Meerrettich: Breitbandantibiotikum aus der Natur

Kräuter und ihre Wirkung: Kapuzinerkresse

Phytotherapie: Senföl aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenza-Viren

Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger (MRSA)

Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und Blasenentzündung

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Zur Wirkung von Korianderöl

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Die Zeitschrift für Phytotherapie (Nr. 1 / 2012) publizierte einen Beitrag zur Wirkung von Korianderöl. In der Zusammenfassung heisst es dort:

„Das ätherische Öl der Früchte gilt als mildes und in der äußeren Anwendung sehr gut verträgliches Mittel gegen Darmkrämpfe und es regt die Verdauung an. Zudem wirkt es antimikrobiell und hat sich in der unterstützenden äußerlichen Behandlung von Impetigo, Candidose, Intertrigo, Neurodermitis und Juckreiz bewährt.“

Koriander (Coriandrum sativum L.) ist eine krautige Pflanze, die zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae) gehört. Obwohl andere Doldenblütler wie Kümmel, Anis und Fenchel in der Phytotherapie eine wichtige Rolle spielen, wird Koriander trotz seiner jahrtausendelangen Verwendung durch den Menschen nur wenig medizinisch genutzt.

Der Koriander ist eine typische Kulturpflanze und stammt wohl aus den Gebirgen des östlichen Mittelmeergebietes. Wildvorkommen haben kaum Bedeutung.

Korianderöl wird durch Wasserdampfdestillation aus den getrockneten, reifen Korianderfrüchten gewonnen. Die farblose bis blassgelbe Flüssigkeit besitzt einen blumigwürzigen Geruch und besteht zu 60-75% aus Linalool, zu jeweils 3-6% aus Geraniol, Borneol, Kampher, Limonen und α-Pinen sowie zu je 1% aus Camphen, Cineol, Geranylacetat, β-Pinen und γ-Terpinen.

Gut untersucht ist die antimikrobielle Wirkung von Korianderöl. Die Zeitschrift für Phytotherapie (1 / 2012) schreibt dazu:

„Korianderöl wirkt gegen Pseudomonas aeruginosa, Bacillus subtilis, Salmonella typhosa, Campylobacter jejuni, Mycobacterium avium, β-hämolysierende Streptokokken und Staphylococcus aureus, inklusive methicillinresistenter Stämme (MRSA). Korianderöl wirkt außerdem antimykotisch gegen Aspergillus aegypticus, Penicillium cyclopium, Penicillium interdigitatum, Trichoderma viride, Epidermophyton interdigitale und Microsporum canis. Ausführlich untersucht wurde die Wirkung von Korianderöl gegen Candida albicans: Es hemmte die Biofilm-Bildung durch den fakultativ pathogenen Hefepilz genauso wirksam wie Nystatin und Fluconazol.“

Gegenüber dem antimikrobiell ebenfalls sehr wirksamen Thymianöl habe Korianderöl den Vorteil, dass es nicht so streng riecht.

Korianderöl sei ein mildes und in der äußeren Anwendung sehr gut verträgliches ätherisches Öl. In einer Konzentration von 1-5% in fettem Pflanzenöl gelöst entkrampfe es äußerlich aufgetragen die glatte Muskulatur, löse Darmkrämpfe und rege die Verdauung an. Aufgrund seiner stark blähungstreibenden und beruhigenden Eigenschaften sei das Öl bestens geeignet für Bauchmassagen, auch bei kleinen Kindern oder alten Menschen.

Korianderöl verdient meines Erachtens vermehrte Beachtung.

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Korianderöl bekämpft gefährliche Bakterien

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Ätherisches Öl aus Koriander hat das Potenzial, Nahrungsvergiftungen und Medikamenten-resistente Infektionen zu bekämpfen. Denn es macht gefährliche Bakterien unschädlich, schreiben portugiesische Wissenschaftler im „Journal of Medical Microbiology“.

„Korianderöl könnte künftig Lebensmittel vor Verderb durch Bakterien schützen und in Lösungen, Mundspülungen oder Pillen Infektionen mit multi-resistenten Bakterieninfektionen entgegenwirken“, erläutert Studienleiterin Fernanda Domingues von der Universität Beira.

Koriander ist mit seinem intensiven Aroma fester Bestandteil der Küche Südeuropas. Doch auch das ätherische Öl, das aus den Samen der Gewürzpflanze gewonnen wird, zählt zu den weltweit am häufigsten verwendeten ätherischen Ölen. Die Vorteile und Heilwirkungen von Koriander  bzw. Korianderöl ist in der Volksmedizin schon lange bekannt, darunter die Schmerz- und Krampflinderung, die Hilfe bei Übelkeit, die Unterstützung der Verdauung sowie die Behandlung von Pilzerkrankungen.

Die Wissenschaftler testeten die Wirkung einer Lösung mit 1,6 Prozent Korianderöl auf zwölf verschiedene Bakterien, darunter Stränge von Escherichia coli, Bacillus cereus, Salmonellen sowie vom Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA). Alle getesteten Stränge wurden im Wachstum gehemmt und großteils auch abgetötet. „Korianderöl zerstört die Membran um die Bakterienzelle und verhindert dadurch deren Atmung, was in letzter Folge das Bakterium tötet“, erklärt Domingues.

Dass Korianderöl oder Naturprodukte ähnlicher Wirkung bald im Spital Einzug halten, glauben allerdings Spezialisten für Infektiologie nicht. „Es könnte nach erfolgreichen klinischen Tests durchaus als Beiwerk zu Antibiotika angewendet werden, wird diese jedoch nie ersetzen. Die Verantwortung, die man hier übernehmen müsste, ist zu groß“, sagt dazu Stefan Breyer von der Infektionsambulanz der Medizinischen Universität Wien.

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=35063

http://jmm.sgmjournals.org/content/early/2011/08/23/jmm.0.034157-0

Kommentar & Ergänzung:

Natürlich kann Korianderöl nicht als genereller Ersatz für Antibiotika eingesetzt werden.

Antibiotika könne auch systemisch wirken, Korianderöl dagegen hauptsächlich lokal.

Korianderöl zeigt aber in vielen Tests tatsächlich eine gute Wirkung gegen Bakterien und auch gegen Hautpilze.

Ein Vorteil von Korianderöl ist zudem sein sehr geringes Risiko für Photosensibilisierung und Allergisierung.

Siehe auch:

Phytotherapie: Zur Wirkung von Koriander / Korianderöl

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

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Madentherapie zur Wundbehandlung

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Die Wundreinigung mithilfe von Fliegenlarven (Maden) wird immer häufiger in Kliniken eingesetzt.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die ersten wissenschaftlichen Erfahrungsberichte zur Wundtherapie mit Fliegenlarven veröffentlicht. Während man es früher den Schmeißfliegen überließ, ihre Eier in die unverbundene Wunde zu legen, aus denen sich dann die Maden entwickelten, spezialisierten sich später Firmen auf die Züchtung und den Vertrieb von Fliegenmaden. Der Siegeszug der Antibiotika seit den 1940er Jahren beendete jedoch ziemlich rasch die Anwendung der Madentherapie.

Erst Jahrzehnte später zeigte sich, dass Fliegenlarven den Antibiotika in mancher Hinsicht überlegen sein können. Dazu erklärt Sebastian Debus, Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: „Die Wunden sind häufig schlecht durchblutet, deshalb gelangen die Antibiotika über den Blutkreislauf erst gar nicht dahin, wo man sie benötigt. Eine lokale Aufbringung von Antibiotika auf die Wunde ist in diesen Fällen meist ungünstig, weil sich besonders rasch Resistenzen bilden.“ Debus therapiert rund jeden fünften Patienten mit Fliegenmaden. Nur etwa ein Viertel der Patienten lehnt dieses Behandlungsverfahren ab.

Und für Joachim Dissemond an der Hautklinik des Universitätsklinikums Essen ist die Wundreinigung mithilfe von Fliegenmaden das Mittel der Wahl, wenn eine Wunde nicht chirurgisch gereinigt werden kann, weil der Patient eine Narkose nicht verträgt

Quelle:

Das Comeback der Maden. FAZ vom 10.8.2011.

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2011/08/10/madentherapie-gehoert-eindeutig-zum-repertoire-der-schulmedizin.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Madentherapie ist eine interessante Option in der Wundbehandlung, aber nicht ein Wundheilmittel für alle Fälle, wie auch der Beitrag in der DAZ und in der FAZ zeigt.

Detailliertere Infos zur Fliegenmadentherapie liefert Wikipedia (Literatuarangaben siehe dort unter „Madentherapie“).

Hier ein paar Zitate aus Wikipedia mit Zwischentiteln:

Worum geht’s bei der Madentherapie?

„Bei der Madentherapie (auch Biochirurgie genannt) werden in Speziallaboren gezüchtete, keimfreie Maden eingesetzt, um chronische Wunden von nekrotischem (abgestorbenem) Gewebe und Bakterienbefall zu befreien. Vornehmlich kommen Maden der Goldfliege (Lucilia sericata) zur Anwendung. Lange wurde angenommen, dass die Maden nur oder überwiegend abgestorbenes Gewebe als Nahrung aufnehmen – dadurch wurde der medizinische Einsatz als Therapie möglich. Unterstellt wurde, dass das intakte Gewebe verschont bleibt. Dieser Arbeitshypothese widersprechen jüngere Publikationen im renommierten British Medical Journal. Eine exakte Dosierung (Anzahl und Größe der Maden), die stete Kontrolle durch medizinisches Personal und die Einhaltung der richtigen Anwendungsdauer kann dafür sorgen, dass intaktes Gewebe geschont wird. Sobald Schmerzen auftreten, wird lebendes Gewebe von den Maden angegriffen.

Die Maden der Goldfliege besitzen eine extrakorporale Verdauung (extraintestinale Verdauung), sie geben also Verdauungssäfte ab um die Nahrung zu verflüssigen, die anschließend aufgenommen wird. Sie werden entweder als „Freiläufer“ eingesetzt, das heißt, sie befinden sich frei beweglich in der Wunde, oder in einem Beutel aus Gaze, der auf die Wunde aufgelegt wird. Die Abgabe der Verdauungssäfte in die Wunde und die Aufnahme des angedauten, verflüssigten Gewebes erfolgt dann durch die Gaze hindurch. Die Verwendung von Maden in Beuteln führt allerdings zu einer deutlichen Verringerung der Wirksamkeit.

Die Madentherapie wurde erstmals im amerikanischen Bürgerkrieg gezielt eingesetzt. In den 1930er Jahren erreichte sie eine gewisse Verbreitung, verschwand aber mit dem Aufkommen der Antibiotika wieder. Erst seit den 1990er Jahren ist eine Wiederbelebung des Verfahrens zu vermerken. Eine großangelegte Studie im Jahr 2009 verglich die Madentherapie mit einer herkömmlichen, modernen Methode der Wundheilung, der Auflage eines Hydrogels zur Behandlung von offenen Wunden. Es zeigte sich, dass die Madentherapie zwar zu einem schnelleren Abbau der nekrotischen Gewebe führte, dass es aber bei beiden Methoden etwa gleich schnell zur Heilung durch Wundverschluss kommt, bei etwa gleich hohen Kosten.“

(Quelle: Wikipedia)

Zu Wirkung  und Anwendung der Madentherapie

– Madentherapie baut nekrotische Wundbeläge ab

„Viele chronische Wunden sind von einem Belag aus abgestorbenen Zellen und Wundsekret bedeckt. Diese Beläge behindern die Wundheilung, da sie zum einen ein mechanisches Hindernis bei der Wundbehandlung darstellen und zum anderen vom Blutkreislauf und somit vom körpereigenen Immunsystem abgeschnitten sind. Die Wundbeläge stellen ideale Nährböden für Bakterien dar, die ihrerseits die Wundheilung behindern. Durch den Bakterienbefall kann eine Gangrän genannte Form der Gewebenekrose hervorgerufen werden, und in Extremfällen kann es zu einem Multiorganversagen kommen, wenn aus der Grenzzone zwischen nekrotischem und intaktem Gewebe toxische oder immunsuppressive (Immunreaktionen unterdrückende) Stoffe in den Blutkreislauf gelangen.

Da die Goldfliegenmaden sich zuerst von nekrotischem Material ernähren, stellen die Wundbeläge eine ideale Nahrungsquelle für sie dar. Die Goldfliegenlarven werden auf die zu behandelnde Wunde aufgebracht und scheiden dort Verdauungssäfte aus. Die darin enthaltenen Enzyme dauen nur das Gewebe an und verflüssigen es. Dabei wird lebendes Gewebe nur dann nicht angegriffen oder geschädigt, wenn es für die Maden unerreichbar abgedeckt wird. Das sich bildende Gemisch wird von den Goldfliegenmaden aufgesaugt und verdaut. Dabei nehmen die Goldfliegenmaden in wenigen Tagen um das Hundertfache zu. Dann stellen sie die Nahrungsaufnahme ein und müssen gegen neue, frisch geschlüpfte Goldfliegenmaden mit entsprechendem Appetit ersetzt werden. Nach mehreren Anwendungen bleibt eine vom nekrotischen Wundbelag befreite Wunde zurück, die dann weiterbehandelt werden kann. Eine beschleunigte Wundheilung ist durch die Wundreinigung nicht zu erwarten.“

(Quelle: Wikipedia)

– Selektive bakterizide Wirkung der Fliegenmaden

„Die Goldfliegenmaden beseitigen Bakterien, indem sie eine eigene Gruppe von antibakteriellen Stoffen (Defensine) und Seraticin produzieren und den pH-Wert in der Wunde durch Ausscheidung von Ammoniak und Ammoniakderivaten auf ein für Bakterien wenig verträgliches Niveau anheben. Danach werden die abgetöteten Bakterien zusammen mit dem angedauten, abgestorbenen Gewebe aufgesaugt und verdaut. Dabei ist unerheblich, ob die Bakterien gegen einzelne Antibiotika resistent sind oder gar Multiresistenzen besitzen. Aus diesem Grund wird die Madentherapie auch bei Wunden angewandt, die mit MRSA-Stämmen oder anderen multiresistenten Bakterien infiziert sind.

In einer Laborstudie stellte sich heraus, dass Lucilia sericata-Larven empfindlich auf Pseudomonas aeruginosa-Bakterien reagieren und absterben können, also nicht alle Bakterien beseitigen können, die in Wunden vorkommen können.“

(Quelle: Wikipedia)

Nebenwirkungen der Madentherapie

„Etwa 20 bis 35 Prozent der Patienten mit Wunden empfinden zusätzliche Schmerzen und benötigen Schmerzmittel (Analgetika). Gelegentlich verursachen die Maden aber auch nur kribbelnde und juckende Gefühle. Schmerzen gelten als Zeichen für den Abbau von lebendem Gewebe, was durch die Anwendung von zu vielen Maden (Überdosierung) vorkommt. Nach dem vollständigen Verzehr des nekrotischen Gewebes wird auch gesundes Gewebe angegriffen. Auch bei Durchblutungsstörungen im benachbarten nicht-nekrotischen Gewebe kann es durch das Verdauungssekret der Maden zu Schädigungen kommen.“

(Quelle: Wikipedia)

Anwendungsbeispiele der Madentherapie

„Neben der Knochenmarksentzündung (Osteomyelitis) und der diabetischen Gangrän, bei der Gewebe abstirbt, wird die Madentherapie auch bei Unterschenkelgeschwüren (Ulcus cruris) und bei entzündlichen Druckstellen (Dekubitus) angewendet.“

(Quelle: Wikipedia)

Vergleich mit anderen Methoden der Wundbehandlung

„Eine randomisierte Studie aus dem Jahr 2009 an 267 Patienten mit einem Ulcus cruris (offenes Bein) verglich die Madentherapie mit Lucilla sericata und eine konventionelle Therapie, bei der ein Hydrogel aufgelegt wurde. Zwar wurde abgestorbenes Gewebe bei der Madentherapie schneller abgebaut (Débridement; zwei bis drei statt zehn Wochen), die Dauer der Wundheilung war jedoch nicht signifikant unterschiedlich, der Medianwert lag jeweils um 240 Tage. Dies galt unabhängig davon, ob die Maden frei oder in einem Gazenetz auf die Wunde aufgebracht wurden. Patienten der Madentherapie hatten gegen Ende der ersten Anwendung der Maden signifikant mehr Wundschmerzen. Die verursachten Kosten waren vergleichbar. Die Autoren der Studie empfehlen daher, bei der Entscheidung für eine Therapie den Patientenwunsch und deren Schmerzerfahrung mit den Maden zu berücksichtigen.“

(Quelle: Wikipedia)

Eingesetzte Fliegenarten

„Lucilia sericata wurde seit der Studie von Baer 1931 am weitaus häufigsten eingesetzt. Die Verwendung von anderen Calliphoridae-Arten wurde jeweils in nur vier (Phormia regina), zwei (Lucilia caesar) oder einer Studie beschrieben (Calliphora vicina, Chiysomya rufifacies. Lucilia caesar, Lucilia cuprina, Lucilia ilhatris, Protophormia terraenovae). Ebenfalls in einer Studie wurde die Sarcophagidae-Art Wohlfahrtia nuba verwendet.

Stand 2009 ist in den USA eine bestimmte Zuchtlinie (Stamm LB-01) der Art Lucilia sericata zum Verkauf zugelassenen.

(Quelle: Wikipedia)

Zur Geschichte der Madentherapie

– Die Madentherapie bis zum 19. Jahrhundert:

„Von mehreren Völkern sind Berichte überliefert, dass sie Maden zur Wundreinigung einsetzten. Dazu gehören die Ngemba, ein Stamm der Aborigines in New South Wales, Völker im nördlichen Burma bis in die chinesische Provinz Yunan und die Maya, die mit Tierblut getränkte Tücher erst in die Sonne und, nachdem Fliegen ihre Eier darauf gelegt hatten, auf die Wunden gelegt haben sollen.

Seit dem 17. Jahrhundert sind in Europa sporadische Berichte über einen Nutzen von Fliegenlarven bei der Wundheilung überliefert, beispielsweise von Hieronymus Fabricius (1537-1619) und 1829 von Dominique Jean Larrey. Larrey, Feldarzt in der französischen Armee, konnte seine Patienten jedoch nicht davon überzeugen, die Maden in den Wunden zu belassen. Im amerikanischen Bürgerkrieg setzte John Forney Zacharias, Arzt der konföderierten Armee, Fliegenmaden gezielt zur Behandlung von Wundbrand ein. Zacharias beschreibt neben einer schnellen und effektiven Wundheilung durch die Maden auch eine hohe Überlebensrate der Verwundeten:

“I am sure I saved many lives by their use, escaped septicemia and had rapid recoveries.”

„Ich bin mir sicher, ich rettete viele Leben durch ihre [der Maden] Anwendung, vermied Blutvergiftungen und erzielte schnelle Genesungen.“

John Forney Zacharias

Auch andere Feldärzte in diesem Krieg bemerkten die vorteilhaften Auswirkungen der Infestationen der Wunde. Zu einer weiter verbreiteten gezielten Anwendung kam es jedoch nicht. Die Madentherapie wird daher auch heute noch von Militärärzten empfohlen, wenn keine Alternativen verfügbar sind. Beim Auftreten von Schmerzen wird allerdings auch dem verwundeten Soldaten empfohlen, die Behandlung abzubrechen, um kein gesundes Gewebe zu verlieren.

Eines der auftretenden Probleme war die richtige Zuordnung der Larven zu verschiedenen Fliegenarten, insbesondere bei unerwartetem Madenbefall. Es gibt solche, die sich in lebendes Gewebe aktiv einbohren und dieses dabei schädigen, wie beispielsweise die Neuwelt-Schraubenwurmfliege (Cochliomyia hominivorax). Man spricht dann von Myiasis, der Fliegenmadenkrankheit. Lucilla sericata, die Goldfliegenlarve hingegen, kann sich nicht auf glatter menschlicher Haut festhalten, benötigt ein Fell als Hilfe und befällt daher nur Kleintiere wie Kaninchen oder Schafe, die durch eine geächtete Amputation des Schafsschwanzes (Mulesing) hiervor geschützt werden sollen. Der Blowfly Strike, der tödliche Angriff von Lucilia-Fliegenmaden auf Schafe, ist in den Ländern mit Schafzucht gefürchtet. Außerdem wurde Ende des 19. Jahrhunderts die Keimtheorie entwickelt und erkannt, dass Fliegen Krankheitserreger übertragen können.“

(Quelle: Wikipedia)

– Madentherapie im frühen 20. Jahrhundert

„Auch im 20. Jahrhundert fiel die positive Wirkung von Fliegenmaden zunächst im Krieg, bei schlechter medizinischer Versorgungslage auf. Die Sterberate bei offenen, infizierten Wunden lag über 70%. Der US-amerikanische Chirurg Wiliam S. Baer war im Ersten Weltkrieg Feldarzt in Frankreich. Er berichtete später, dass er zwei Soldaten behandelt habe, die sieben Tage verwundet auf einem Schlachtfeld gelegen hatten, und in deren Wunden sich tausende Fliegenmaden befanden. Nachdem Baer diese entfernt hatte, stellte er fest, dass die Wunden sauber waren und erstaunlich schnell und ohne Komplikationen heilten. 1929 war Baer Professor für orthopädische Chirurgie an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, Maryland. Hier suchte er nach Therapien für Patienten mit Osteomyelitis (Knochenmarksentzündung), darunter viele Kinder. Bei 21 Patienten mit bis dahin therapieresistenter, chronischer Osteomyelitis setzte Baer in die eröffneten Läsionen über mehrere Wochen alle vier Tage Maden einer heimischen Schmeißfliege ein. Nach zwei Monaten konnten alle 21 Patienten als geheilt entlassen werden.

Ein Problem bei der weiteren Anwendung war die Verseuchung der Maden mit Clostridium tetani, dem Erreger des Wundstarrkrampfs (Tetanus) und Clostridium perfringens, dem häufigsten Erreger des Gasbrands. Um sterile Zuchten zu erhalten, sterilisierte er Eier und gab diese dann zu sterilisiertem Futter, bis sie die gewünschte Größe erreichten. „Surgical maggots“ (chirurgische Maden) der Arten Lucilla sericata und Phormia regina wurden schließlich von Pharmaunternehmen angeboten. Zwischen 1930 und 1940 wurden über hundert medizinisch-wissenschaftliche Publikationen zum Thema Madentherapie veröffentlicht. In über 300 amerikanischen Krankenhäusern wurde die Madentherapie in der Praxis angewendet.

Durch die Einführung von Sulfonamiden und Penicillin standen plötzlich andere Mittel zur Wundbekämpfung zur Verfügung und der Fortschritt in der Madentherapie kam zum Erliegen. Zwischen 1940 und 1990 erschienen lediglich vereinzelte Artikel, in denen beschrieben wurde, wie die Madentherapie als letzte exotische Behandlung bei hoffnungslosen Fällen eingesetzt wurde. 1988 wurde die Madentherapie von Milton Wainwright für tot erklärt:

“Fortunately maggot therapy is now relegated to a historical backwater, of interest more for its bizarre nature than its effect on the course of medical science … a therapy the demise of which no one is likely to mourn.”

„Glücklicherweise ist die Madentherapie heute verbannt in eine historische Provinz, von Interesse eher wegen ihrer bizarren Natur als wegen ihres Einflusses auf die medizinische Wissenschaft. … Eine Therapie, deren Ableben niemand nachtrauert.“

Milton Wainwright

– Das Wiederaufleben der Madentherapie ab den 1990er Jahren

„Ende der 1980er Jahre untersuchten Ronald Sherman und Edward Pechter, Ärzte am Medical Center der University of California, Los Angeles, bei einem Patienten eine zufällig mit Maden infestierte Wunde und beobachteten deren Sauberkeit. Sherman baute darauf hin im Veterans Administration Hospital in Long Beach (Kalifornien) eine Fliegenzucht auf, um sterile Maden zu produzierten, die zur Wundbehandlung eingesetzt wurden. Erste Studien in den 1990er Jahren zeigten einen schnelleren Abbau von nekrotischem Gewebe als andere Methoden.

1995 wurde in Wales eine erste europäische Produktionsstätte für Goldfliegen-Larven aufgebaut. Zoobiotic lieferte innerhalb von 3 Jahren über 5000 Einheiten an Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte. In Deutschland hat sich die Firma Biomonde als Hersteller und Vertreiber von Fliegenmaden etabliert. Biomonde wurde am 4. Mai 2010 von ZooBiotic übernommen. 2002 wendeten über 1000 Kliniken, Krankenhäuser und Arztpraxen die Madentherapie an. Seit 2008 können Apotheken auch die keimfreien Eier der Goldfliege erhalten und daraus Fliegenmaden züchten. Die Anwendung der Maden in der Wundbehandlung liegt allein in der Verantwortung des behandelnden Arztes,  da die in Europa als Arzneimittel geltenden Maden in Deutschland nicht zugelassen sind und nur bis zu einer späteren Zulassung angeboten werden dürfen, siehe Arzneimittelgesetz § 141 Satz 4.

Die Wirksamkeit der Madentherapie gegen Wundinfektionen – beispielsweise bei der postoperativen Wundbehandlung – ist 2004 von der Food and Drug Administration (FDA), der amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde, anerkannt worden.“

(Quelle: Wikipedia)

Die Madentherapie lässt sich natürlich nicht zur Phytotherapie zählen – im weiteren Sinn zur Naturheilkunde aber schon.

Es ist sehr zu begrüssen, wenn genauer erforscht wird, für welche Art von Wunden eine Madentherapie geeignet ist und für welche nicht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Ätherische Öle gegen Bakterien

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Viele ätherischen Öle hemmen das Wachstum von Bakterien. Sie könnten in manchen Fällen eine Alternative zu Antibiotika sein.

Patrick Warnke, Professor für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, hatte als Student in Australien beobachtet, dass unangenehm riechende Klimaanlagen durch Einsprühen von Eukalyptusöl geruchfrei wurden.

Daran erinnerte er sich an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel und probierte die gleiche Strategie bei Patienten mit übel riechenden Tumoren im Gesichts- und Halsbereich.

„Zweimal täglich wurden die Geschwüre mit einer Mischung aus ätherischen Ölen gespült, die überwiegend Eukalyptus enthielt. Schon am dritten oder vierten Tag war der faulige Geruch verschwunden. Auch die Entzündungen gingen zurück.

Die Kranken mussten nicht mehr isoliert werden und konnten wieder nach Hause zu ihren Angehörigen. Für die Patienten war dies ein großer Gewinn an Lebensqualität.
Der Kieferchirurg entschloss sich dazu, der Sache auf den Grund zu gehen. Am Kieler Institut für Infektionsmedizin ließ er verschiedene ätherische Öle auf ihre antimikrobielle Wirksamkeit untersuchen und mit herkömmlichen Antiseptika wie Chlorhexidin und Polyvidon-(PVP-)Jod (z. B. Betadine) sowie mit 70-prozentigem Alkohol vergleichen.
Die Tests zeigten, dass manche ätherische Öle das Wachstum von Bakterien und Pilzen hemmen, erläutert der Kieler Mikrobiologe Professor Rainer Podschun. Wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift für Zahnärztliche Implantologie berichten, zeigen die ätherischen Öle von Eukalyptus, Teebaum, Thymian, Zitronen, Zitronengras und Nelken deutliche Hemmeffekte bei Staphylokokken, Streptokokken und Candida-Pilze.
Ätherische Öle wirksam gegen Problemkeime
Professor Warnke, sieht seine Vermutung bestätigt, dass die geruchsstoppende Wirkung der ätherischen Öle auf ihren antimikrobiellen Eigenschaften basiert. Besonders beeindruckend sei die intensive Wirkung gegen klinische Problemkeime wie den Methicillinresistenten Staphylococcus aureus (MRSA), die auf herkömmliche Antibiotika nicht mehr ansprechen. Diese Keime verursachen häufig gefährliche Wundinfektionen. Auch der Pilz Candida krusei, der bei immungeschwächten Patienten zu lebensbedrohlichen Infektionen führen kann, wurde im Laborexperiment gehemmt.

Mit ihrer Studie bestätigen die Kieler Wissenschaftler naturheilkundliche Erfahrungen:

Die Ureinwohner Australiens etwa verwenden Teebaumöl seit Jahrhunderten als Wundheilungsmittel, Nelkenöl nutzten bereits unsere Vorfahren als Hausmittel bei Zahnschmerzen und Entzündungen der Mundschleimhaut.

Ätherische Öle können aber noch mehr,  erklärt Professor Hildebert Wagner vom Zentrum für Pharmaforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München: „Sie wirken nicht nur antimikrobiell, sondern auch entzündungshemmend und krampflösend“. Daher eignen sie sich ausgezeichnet zur Behandlung von Atemwegsinfekten und können eine Antibiotikatherapie sinnvoll unterstützen.
Gegen Erkältungskrankheiten existieren viele Fertigpräparate mit ätherischen Ölen zum Einnehmen, Gurgeln, Inhalieren und Einreiben. „Für viele ätherische Öle, beispielsweise aus Eukalyptus und Thymian, liegen umfassende wissenschaftliche Daten vor“, erklärt Heilpflanzen-Experte Wagner.

Die Wirksamkeit von Teebaumöl dagegen wurde längere Zeit kontrovers beurteilt. „Mit unserer Studie konnten wir aber zeigen, dass es tatsächlich wirkt“, erklärt Warnke. „Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten der Wundbehandlung.“
Ätherische Öle – interessant für die Zahnmedizin
Hauptsächlich ihre Effizienz gegen Problemkeime macht die ätherischen Öle als Alternative zu herkömmlichen Antibiotika therapeutisch interessant. Allerdings eignen sich ätherische Öle bisher ausschliesslich zur lokalen Anwendung.

„Äußerlich angewandt, könnten sie zur Therapie von oberflächlichen Wundinfektionen dienen oder die Zahl der Problemkeime auf Schleimhäuten reduzieren“, erklärt Mikrobiologe Rainer Podschun.

Er sieht aber noch viel Forschungsbedarf: „Bisher haben wir nur die Wirkung auf bestimmte grampositive Bakterien getestet, aber nicht auf gramnegative und anaerobe Keime“, stellt Podschun fest. Aus Laborversuchen könne zudem nicht abgeleitet werden, wie ätherische Öle wirken, wenn sie beim Menschen zur Anwendung kommen.

Auch für die Zahnmedizin ergeben sich interessante Perspektiven. Ätherische Öle könnten zur Desinfektion eingesetzt werden – zum Beispiel, wenn bei Zahnimplantaten Infektionen an der Kontaktfläche auftreten. Weil zunehmend mehr Implantate gesetzt werden, treten auch solche Infektionen häufiger auf, sagt Kieferchirurg Warnke. Bisher gebe es dafür noch keine überzeugende Therapie.

Zahnmediziner suchen darum nach Alternativen. Sollten sich die antimikrobiellen Wirkungen bei den entsprechenden Keimen bestätigen, könnten die ätherischen Öle für ein neues Therapiekonzept zur lokalen Behandlung implantatbedingter Entzündungen zur Anwendung kommen. Problematisch bei der Anwendung in der Mundhöhle sei allerdings der starke, oft bittere Eigengeschmack.

Fertigpräparate mit ätherischen Ölen für die Wundbehandlung wird es so rasch nicht geben, weil das teure und aufwendige Studien erfordern würde, die gegenwärtig niemand finanzieren möchte. Für die traditionellen Anwendungsgebiete, wie Erkältungen, Zahnschmerzen, kleinere Wunden, oder auch nur als Wohlfühlduft sind in der Apotheke hochwertige ätherische Öle und Mischungen erhältlich.

„In seltenen Fällen verursachen sie jedoch Allergien und Hautreizungen“, sagt der pharmazeutische Biologe Wagner. Stark riechende Substanzen wie Eukalyptusöl und Pfefferminzöl können bei Säuglingen und Kleinkindern zudem lebensbedrohlichen Atemstörungen führen auslösen. Auch Zahnarzt Warnke rät: „Lassen Sie sich vor der Anwendung ätherischer Öle in Ihrer Apotheke beraten.“

Zur Qualität der ätherischen Öle:

Bei handelsüblichen ätherischen Ölen sind große qualitative Unterschiede festzustellen: „Duftmischungen enthalten oft synthetische Aromastoffe und zeigten in unserer Studie keine antibakterielle Wirksamkeit“, erklärt Kieferchirurg Professor Patrick Warnke. In der Apotheke werden ätherische Öle angeboten, welche die strengen Anforderungen des Deutschen Arzneibuchs erfüllen.

Quelle:

http://www.apotheken-umschau.de/Alternative-Medizin/Aetherische-Oele-gegen-Bakterien-106113.html

Kommentar & Ergänzung:

Dass sehr viele ätherische Öle gute antimikrobielle Eigenschaften haben ist schon seit langem bekannt.

Trotzdem braucht es noch viel Forschung, um offene Fragen zu klären, beispielsweise bezüglich der Verträglichkeit und der optimalen Konzentration der Anwendungen.

Für den Entscheid, welches ätherische Öl in einer bestimmten Situation vorzuziehen ist,  ist neben der Wirksamkeit gegen die vorliegenden Keime auch die Verträglichkeit bedeutsam.

Zu begrüssen ist meines Erachtens, wenn man dabei nicht immer nur auf dem trendigen Teebaumöl verharrt, sondern auch andere antimikrobielle ätherische Öle einbezieht wie Thymianöl oder Eukalyptusöl.

Das ist in den beschriebenen Untersuchungen geschehen.

Der Text wird am Schluss etwas gar stark zu Apothekenpropaganda – nicht besonders erstaunlich für eine Apothekenkundenzeitschrift. Ich würde jedenfalls nicht so weit gehen zu sagen, dass man nur in der Apotheke ätherische Öle in guter Qualität kaufen kann – und ebenso wenig, dass man in der Apotheke ausnahmslos gute Qualität bekommt.

Tatsache ist aber: In Apotheken und Drogerien (ich Rede von der Schweiz) kann man ätherische Öle in Arzneibuchqualität kaufen – wenn man dies verlangt. Viele Apotheken und Drogerien verkaufen aber auch ätherische Öle, die nicht den Vorschriften des Arzneibuches für Arzneimittel entsprechen.

Die Vorschriften des Arzneibuches kann man tatsächlich als eine Qualitätssicherung betrachten. Sie sagen allerdings nichts über die Anbaubedingungen aus (Bio oder nicht) und leider gibt es nur eine relativ beschränkte Zahl von ätherischen Ölen nach den Vorschriften des Arzneibuches. Aber zum Beispiel bei Thymianöl, Pfefferminzöl, Eukalyptusöl und Lavendelöl ziehe ich Arzneibuchqualität vor.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Phytotherapie: Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenza-Viren

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Senföle sind bei bakteriellen und viralen Infekten von Harn- und Atemwegen eine Behandlungsmöglicheit. Offenbar können sie auch der Vermehrung von Influenza-Viren entgegen wirken: Eine Gießener Wissenschaftlergruppe konnte in In-vitro-Untersuchungen eine Hemmung um 90 Prozent feststellen.

Die Vermehrung von Influenza-Viren (Grippe-Viren) kann auch phytotherapeutisch reduziert werden. Das legen In-vitro- Untersuchungen mit einem Heilpflanzen-Präparat nahe, das bislang bei bakteriellen und viralen Infekten der Atemwege und der Harnwege eingesetzt wird.

Als wichtige Wirkstoffe des standardisierten Extraktgemisches aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel gelten Senföle wie zum Beispiel Benzylisothiocyanat, 2-Phenylethylisocyanat und Allylisothiocyanat. Das erklärte Professor Stephan Pleschka vom Institut für Medizinische Virologie der Universität Gießen.

Die scharfschmeckenden Senföle dienen den Pflanzen als Abwehrmittel gegen Keime, Parasiten und Fressfeinde.

Senföle entstehen akut, wenn bei einer Verletzung pflanzlicher Gerüststrukturen Glucosinolate als inaktive Senfölvorstufe mit dem Enzym Myrosinase in Kontakt kommen.

Senföle beziehungsweise senfölhaltige Pflanzen und Pflanzenextrakte werden traditionell gegen bakterielle und virale Infekte von Harn- und Atemwegen eingesetzt – und zum Teil sind sie auch bereits in Studien geprüft, sagte Pleschka auf einer Veranstaltung des Komitees Forschung Naturmedizin e.V. (KFN) in München.

Eine gute bakteriostatische und dabei „resistenzresistente“ Invitro-Aktivität von Senfölen aus Meerrettich und Kapuzinerkresse – auch gegen Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) – wurde bereits in früheren Studien belegt.

Die Arbeitsgruppe um Pleschka hat nun untersucht, inwieweit diese Senföle in vitro auch gegen Influenza-Viren wirksam sind. Dabei stellten sie fest, dass jedes der drei genannten Senföle die Virusvermehrung in mit pandemischen H1N1-Viren infizierten Kulturen humaner Lungenepithelzellen um rund 90 Prozent vermindert.

Dabei wurden Senfölkonzentrationen eingesetzt, bei welchen in Voruntersuchungen keine toxischen Effekte auf kultivierte Lungenepithelzellen zu beobachten waren. Solche Senföl-Konzentrationen ließen sich bei oraler Verordnung entsprechender Präparate durchaus im Zielgewebe erreichen, erklärte Pleschka.

Auf welche Art die Senföle die Virusvermehrung hemmen und inwieweit sich der beim Schweinegrippe-Virus festgestellt Effekt auch bei anderen Influenza-Viren reproduzieren lässt, ist ein Thema von Nachfolgeuntersuchungen.

Pleschka und seine Mitarbeiter gehen davon aus, dass die Senföle nicht direkt das Virus angreifen, sondern störend in die Wirtszelle-Virus-Interaktion eingreifen –  zum Nachteil des Virus. Ein solches Wirkprinzip wäre auch besser als ein direkter antiviraler Angriff vor viralen Resistenzentwicklungen gefeit, erklärte Pleschka.

Quellen:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/633700/influenza-viren-phytotherapie-bekaempfen.html

Komitees Forschung Naturmedizin e.V. (KFN)

Kommentar & Ergänzung:

Senföl-Glykoside (Glukosinolate) kommen vor allem in Pflanzen aus der Familie der Brassicaceae (Kreuzblütler) vor. Meerrettichwurzel wird in der Phytotherapie-Fachliteratur schon seit längerem empfohlen bei bakteriellen Infektionen der Bronchien und der Harnwege (Blasenentzündung). Rettichwurzel ist gemischt mit Honig oder Kandiszucker ein traditionelles Hausmittel bei Erkältungen.

Dass inzwischen auch nach einer Wirksamkeit von Senfölen gegen Schweinegrippe-Virus geforscht wird, ist nicht weiter erstaunlich. Beim Nachweis von antibakteriellen oder antiviralen Effekten im Labor (invitro) stellt sich allerdings immer die Frage, ob sich die Wirkungen auch bei der Anwendung im lebenden Organismus von Infekt-Patienten zeigen. Entscheidend sind dabei zwei Fragen:

Wird der Wirkstoff überhaupt aus dem Verdauungstrakt aufgenommen?

Lassen sich im Organismus die nötigen Konzentrationen erreichen, ohne dass gleichzeitig das Gewebe geschädigt wird.

Bei Senfölen ist gut belegt, dass sie in relevanten Mengen aufgenommen, allerdings auch rasch wieder ausgeschieden werden (daher in Portionen über den Tag verteilt einnehmen).

In der vorliegenden Meldung ist meines Erachtens vor allem die Aussage von Prof. Pleschka interessant, dass die im Labor verwendeten wirksamen Konzentrationen auch im Körper erreichbar sind.

Trotzdem: Entscheidend dafür, ob sich Senföle als Mittel gegen Influenza-Viren in der Phytotherapie durchsetzen, werden nicht Laborexperimente sein. Überzeugend sind letztendlich nur erfolgreiche Doppelblind-Studien mit Grippepatienten – und diese stehen meines Wissens noch aus.

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Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger

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Der Problemkeim MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) verursacht immer größer werdende Probleme. Dass hier zu den chemischen Antibiotika wirksame pflanzliche Alternativen existieren, belegte das Team um Dr. Andreas Conrad vom Universitätsklinikum Freiburg schon im Jahr 2006. Mithilfe eines speziellen Gastests konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass Senfölglykoside aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel gegen 13 Bakterienstämme eine ausgeprägte, keimhemmende Wirkung, sogar gegen MRSA, besitzen (Arzneimittelforschung 56, 2006, 842). Die neueste Untersuchung der Freiburger Forscher belegt nun, dass sich hier keine wesentlichen Wirkungsunterschiede zwischen den multiresistenten und den korrespondierenden nicht-resistenten Phänotypen zeigen (Conrad et. al 2009, Veröffentlichung in Planta Medica in Vorbereitung). Sie ziehen daraus den Schluss, dass die Senfölglykoside auch beim Nachweis von resistenten beziehungsweise multiresistenten Erregern eine wirksame Behandlungsoption darstellen. Zumindest bei unkomplizierten viralen und bakteriellen Infektionen sollten die untersuchten Senfölglykoside den Studienautoren zufolge als Alternative zu den chemischen Antibiotika in Betracht gezogen werden.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=33795

Beitrag erschien in Ausgabe 19/2010

Kommentar & Ergänzung:

Senfölglykoside (Glukosinolate) aus Meerrettich und Kapuzinerkresse (und aus anderen Kreuzblütlern) zeigen tatsächlich interessante Wirkungen gegen diverse Bakterienarten. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass es sich bei den erwähnten Untersuchungen an MRSA-Keimen ganz offensichtlich um Laborexperimente handelt.  Und im Labor sind antibakterielle Effekte einfacher zu erzielen als im lebendigen Organismus eines Infekt-Patienten. Senfölglykoside zeigen auch ausgeprägte Reizwirkungen auf Haut und Schleimhäute. Da fragt sich zum Beispiel, ob es möglich ist, in einem lebenden Organismus eine ausreichend hohe Konzentration zu erzielen. In einem Laborexperiment ist das jedenfalls sehr viel einfacher.

Trotzdem ist aber natürlich diese Forschung im Bereich MRSA interessant und wichtig und Meerrettichwurzel zum Beispiel wird schon seit längerer Zeit empfohlen zur unterstützenden Behandlung bei bakterieller Bronchitis  und bei Blasenentzündung (Zystitis).

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