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[Buchtipp] „Die Fake-Jäger“, von Tom Wannenmacher und Andre Wolf

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Fake-JaegerVerlagsbeschreibung

Stimmt es, dass Facebook für jeden Share eines Bildes Geld für die Behandlung eines kranken Kindes zahlt? Oder dass die Organmafia Kinder in weiße Bullis zieht und entführt? Sind die Kondensstreifen am Himmel in Wahrheit Chemtrails, also Chemikalien, die uns im Auftrag einer Regierung vergiften sollen? Und kann ich den neuen Facebook-AGB widersprechen, indem ich eine Bockwurst auf Facebook poste? Solche und ähnliche Meldungen verbreiten sich in den sozialen Netzwerken oftmals wie Lauffeuer und werden tausendfach geteilt. Aber sind sie fake oder wirklich wahr?
Der Verein „Zuerst denken, dann klicken“ ist die internationale Koordinationsstelle zur Bekämpfung von Internetmissbrauch und zentrale Anlaufstelle für Internet-User, die verdächtige Internetinhalte melden möchten. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, Meldungen auf Facebook nachzugehen und Internet-Fakes aufzudecken. Selbst die Bundesregierung und die Polizei weisen auf ihren sozialen Netzwerken immer wieder auf ihre Artikel und Recherchen hin.
In ihrem Buch veröffentlichen die Betreiber Tom Wannenmacher und Andre Wolf ihre skurrilsten Fälle und zeigen, wie man selbst zum Fake-Jäger wird.

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Zu den Autoren Tom Wannenmacher und Andre Wolf

Die Kommunikationsexperten Tom Wannenmacher und Andre Wolf sind die Masterminds hinter einer der meist geklickten deutschsprachigen Facebook-Seiten „Zuerst denken, dann klicken“. Der Höhenflug war von Beginn an steil: Am 8. März 2011 ging die Seite zur Aufdeckung von Internetmissbrauch auf Facebook online, wenige Tage später zählte sie 4900 Fans. Heute sind es über 650.000, Tendenz steigend – stark steigend.“Mimikama“ ist Suaheli und bedeutet „gefällt mir“, beschreibt also das Wesensmerkmal von Facebook, einer „Like-Gesellschaft“ in der User Interessantes, Unterhaltsames und Aufregendes mit nur einem Klick ihren Freunden weiterempfehlen können.

Kommentar von Martin Koradi

Immer mehr Menschen verbringen immer mehr Zeit im Internet und insbesondere auf Facebook. Aber unser Wissen und unser Verständnis dazu, wie diese angeblich sozialen Plattformen funktionieren und wie man sich auf ihnen sicher bewegt, hat mit der Bedeutung dieser digitalen Räume nicht Schritt gehalten.

Der Verein „Mimika“ der beiden Autoren Tom Wannenmacher und Andre Wolf leistet hier wichtige praktische Informationsarbeit. Sie vermitteln notwendiges Wissen, das vor Missbrauch im Internet schützt – das kommt den einzelnen Userinnen und Usern zu gute, aber auch der Gesellschaft als Ganzes, die durch Fake-News im Netz angegriffen wird.

Link zur Website von Mimikama: https://www.mimikama.at

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytoherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

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Lavendelöl-Präparat (Lasea®) bei Ängstlichkeit und Unruhe – jetzt auch in der Schweiz zugelassen

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Lasea® ist ein Phytopharmakon auf der Grundlage von Lavendelöl, welches bei Ängstlichkeit und Unruhe zur Behandlung von Erwachsenen angewendet wird.

Lasea® ist schon seit mehreren Jahren in Deutschland als Arzneimittel auf dem Markt und nun auch in der Schweiz zugelassen.

Angstlösende und beruhigende Eigenschaften konnten für das Lavendelöl-Präparat in zwei placebokontrollierten Studien nachgewiesen werden: Patienten, die Lasea® eingenommen hatten, erzielten im Vergleich zur Placebogruppe bessere Resultate in der Hamilton Anxiety Scale (HAMA) bezüglich Ängstlichkeit und Unruhe.

Lasea® löst keine Sedierung aus, ist gut verträglich und frei von Missbrauchspotential.

Literatur:

– Fachinformation Lasea®

– Deutsche Apotheker Zeitung, 2/2010

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5416&NMID=5417&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Bei leichten generalisierten Angststörungen ist Lasea® eine gute Option. Hilft vielleicht nicht in jedem Fall, ist aber viel sicherer als Tranquillizer, die bei den Indikationen Ängstlichkeit und Unruhe zu häufig verschrieben werden und oft zu Abhängigkeit führen.

Siehe auch:

Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln Lasea® bei Angststörungen

BfArM wehrt sich gegen Kritik an der Zulassung des Lavendelöl-Präparats Lasea®

Arznei-Telegramm kritisiert Lavendelöl-Präparat Lasea®

Lavendelöl-Kapseln gegen Angst und Depressionen

Lavendelöl-Präparat bei Angststörungen

Lavendelöl: Keine Interaktionen mir der „Pille“

 

Lavendelöl-Kapseln reduzieren Angst bei Depressionen (Fallstudie)

Studie: Lavendelöl lindert Angststörungen

Lavendelöl reduziert Angst und bessert den Schlaf

Phytotherapie: Lavendelöl als Angstlöser

 

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

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Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser bewertet

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Die Deutsche Apotheker Zeitung berichtet über die Bewertung von Erkältungsmitteln durch die „Stiftung Warentest“ und vergleicht die Empfehlungen mit der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Bei den Hustenmitteln haben dabei die Phytopharmaka (Heilpflanzen-Präparate) eine überraschend gute Stellung.

Werden Schleimlöser oder Hustenstiller gewünscht, können laut Stiftung Warentest bei Reizhusten Dextromethorphan oder zur Schleimlösung Acetylcystein (ACC) oder Ambroxol zur Anwendung kommen.

ACC und Ambroxol allerdings nur mit Einschränkung, da ihre Wirksamkeit nicht bewiesen sei. Aus dem selben Grund rät die DEGAM-Leitlinie „Husten“ von ACC und Ambroxol ab, für Hustenstiller sieht sie nur in Ausnahmefällen eine Berechtigung, zum Beispiel nachts, um besser schlafen zu können.

In der Bewertung der „Stiftung Warentest“ finden sich auch Phytopharmaka, nämlich Spitzwegerichextrakt gegen Hustenreiz und Schleimlöser mit Efeu oder Thymian. Aber auch sie werden nur mit Einschränkung empfohlen, da sie nicht ausreichend erforscht seien.

Die DEGAM-Leitlinie dagegen steht den Phytopharmaka offener gegenüber. Sie anerkennt insbesondere für Myrtol Hinweise auf positive Effekte. Myrtol wird von der „Stiftung Warentest“ gar nicht erwähnt. Auch Kombipräparaten von Thymianextrakt mit Efeuextrakt beziehungsweise Thymianextrakt mit Primelwurzel-Extrakt wird in der DEGAM-Leitlinie durchaus ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis zugeschrieben. Sie schreibt deshalb, dass bei entsprechendem Therapiewunsch des Patienten diese Phytopharmaka zur moderaten Symptomlinderung bzw. – verkürzung bei Erkältungshusten bzw. akuter Bronchitis erwogen werden können.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2015/erkaltungsmittel-gut-und-gunstig-und-leitliniengerecht

Kommentar & Ergänzung:

Dann will ich mal versuchen, nachfolgend bei den aufgeführten Hustenmittteln Phytopharmaka und synthetische Mittel gegenüber zu stellen.

Die Hustenstiller:

Bei Hustenstillern und insbesondere bei Schleimlösern stehen die Phytopharmaka im Vergleich mit den synthetischen Wirkstoffen gut da, was die wissenschaftlichen Belege und die Sicherheit angeht.

Mag sein, dass Spitzwegereichextrakt als Hustenstiller nicht ausreichend erforscht ist. Aber schauen wir uns einmal die synthetische Alternative Dextromethorphan an. Die Wirksamkeit von Dextromethorphan ist zumindestens fragwürdig. Der WDR hat den Forschungsstand am 15. 12. 2014 zusammengefasst und beruft sich dabei auf die renommierte Cochrane Collabortion:

„Die Cochrane Collaboration hat insgesamt 26 Studien zu Codein- und Dextromethorphan-haltigen Präparaten beurteilt. Das Fazit: Die Studienlage ist insgesamt uneinheitlich: Oft zeigten unterschiedliche Studien widersprüchliche Ergebnisse. Daher kann das Expertengremium keine wirkliche Empfehlung für oder gegen Hustenstiller aussprechen. Zudem wirkte Honig in vielen Studien sogar besser als Dextromethorphan.“

Quelle: http://www1.wdr.de/themen/wissen/erkaeltungsmittel114.html

Sehr überzeugend tönt das nicht, wenn sogar Honig besser wirkt als Dextromethorphan.

Spielstand Hustenstiller: Spitzwegerichextrakt : Dextromethorphan 1:1

Dazu kommt aber noch die Frage nach den Risiken: Beim Spitzwegerichextrakt sind Risiken nicht bekannt und auch nicht zu erwarten.

Bei Dextromethorphan sieht das ganz anders aus:

„Nebenwirkungen treten unter Dextromethorphan in geringer Dosierung relativ selten auf. Bei einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung (je nach Quelle 1 %-10 %) findet sich jedoch eine pharmakogenetische Schwäche des Cytochrom-P450-Enzyms CYP2D6, so dass bereits bei therapeutischer Dosierung Halluzinationen, Realitätsverlust und psychotische Episoden auftreten können. Gelegentlich sind Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen zu beobachten. Bei einigen Personen kann auch eine niedrige Dosis Juckreiz auslösen. Bei einer Überdosierung kann es zu Halluzinationen und psychotischen Episoden kommen.“

Quelle: Wikipedia

Dextromethorphan zeigt zudem Wechselwirkungen insbesondere mit bestimmten Antidepressiva und mit Alkohol.

Und dann gibt es noch ein Missbrauchsrisiko:

„Dextromethorphan wird auch missbräuchlich eingenommen, da es in hohen Dosen dissoziative und anderweitig berauschende Effekte hat (ähnlich der bei niedrig dosiertem Ketamin). Der Missbrauch von Dextromethorphan kann eine Drogenpsychose nach sich ziehen, unkontrolliertes Verhalten kann zur Selbst- oder Fremdgefährdung führen. Regelmäßige missbräuchliche Einnahme kann zur Suchterkrankung führen, unter Umständen ist auch mit Hirnschäden zu rechnen.

Direkt durch Dextromethorphan bedingte Todesfälle sind theoretisch möglich, dafür aber müsste es in einer derart hohen Dosis eingenommen werden, wie es in der Praxis kaum möglich ist. In der Kombination mit Paracetamol sind jedoch Todesfälle bekannt. Zum Missbrauch vom Dextromethorphan sind nur wenige Studien verfügbar. Die bekannteste Arbeit zum Thema stellt wohl die DXM-FAQ von William E. White, einem amerikanischen Dextromethorphan-Forscher, dar. Seine Thesen stützen sich teilweise auf Berichte von mehreren Hundert Konsumenten.“

Quelle: Wikipedia

Das spricht gegen Dextromethorphan und für Spitzwegerichextrakt.

Fazit:

Spielstand Hustenstiller: Spitzwegerichextrakt : Dextromethorphan 2:1

Und nun zu den Schleimlösern:

Halten wir fest: Die Wirksamkeit der oft konsumierten synthetischen Wirkstoffe Acetylcystein und Ambroxol ist nicht belegt.

Acetylcystein ist beispielsweise enthalten in ACC Sandoz® (früher ACC eco®), Ecomucyl®, Fluimucil®, Mucostop® und Solmucol®;

Ambroxol beispielsweise in Mucosolvon® und Bisolvon Ambroxol®.

Gut belegt sind dagegen verschiedene Phytopharmaka als Schleimlöser:

Kombipräparate von Thymianextrakt mit Efeuextrakt beziehungsweise Thymianextrakt mit Primelwurzel-Extrakt, ausserdem Myrtol (enthalten in Gelomyrtol®).

Spielstand Schleimlöser: Phytopharmaka : Acetylcystein / Ambroxol 1 : 0

Fazit Hustenmittel insgesamt: Phytopharmaka : Synthetika 3 : 1

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Schlafmittel-Abhängigkeit: Bis zu zwei Prozent der deutschen Bevölkerung betroffen

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In Deutschland werden jährlich 230 Millionen Tagesdosen an Benzodiazepinen von den gesetzlichen Krankenversicherungen abgerechnet und etwa die gleiche Menge wird zusätzlich über Privatrezepte verordnet.

Benzodiazepine sind wichtig Wirkstoffe, die in der Notfallmedizin, in der Anästhesie oder bei psychiatrischen Notfällen oft von grossem Wert sind. Verbreiteter ist jedoch ihre Anwendung als Schlaf- und Beruhigungsmittel, wie zum Beispiel in Form des klassischen Valiums. Jede zweite Person, die eines dieser Medikamente einnimmt, schluckt es zur Linderung von Schlafstörungen und jede Vierte gegen innere Unruhe, Nervosität, Erregungs- oder Spannungszustände.

Benzodiazepine zeigen zwar eine gute Wirksamkeit, haben jedoch auch bekanntermaßen ein hohes Missbrauchs- und Abhängigkeitsrisiko. Die Arzneimittelrichtlinie legt in der Regel einen Einnahmezeitraum von bis zu vier Wochen fest. Die tatsächlich verkauften Tabletten deuten jedoch darauf hin, dass häufig ein Langzeitverbrauch stattfindet.

Die genaue Zahl der Benzodiazepin-Abhängigen ist bisher nicht bekannt, liegt jedoch etwa zwischen 128.000 bis 1,6 Millionen Menschen in Deutschland.

Die Problematik des Missbrauch und der Abhängigkeit von Benzodiazepinen sind seit über 40 Jahren bekannt und vieldiskutiert.

Die Bedeutung des Abhängigkeitsrisikos wurde von der Pharmaindustrie über lange Zeit verharmlost.

Seit rund 40 Jahren sind Missbrauch und Abhängigkeit von Benzodiazepinen aber bekannte Probleme.

 

Pharmazeutische Unternehmen und die deutsche Zulassungsbehörde haben deshalb seit den 1980er Jahren die Anwendungsdauer auf in der Regel zwei bis vier Wochen beschränkt.

 

Katrin Janhsen et al. haben nun in einer aktuellen Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt (Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 1-7) gezeigt, wie die hohe Verschreibungszahl der Benzodiazepinen zu Stande kommt und worauf bei der Entgiftung zu achten ist.

 

Muss ein Benzodiazepinen-Abhängiger entwöhnt werden, braucht es dazu einen langwierigen Entzug. Starke Medikamentenabhängigkeit setzt für den Entzug sogar eine stationäre Behandlung voraus, wie die Autoren anhand eines Ablaufschemas darstellen. Sie unterstreichen, dass Ärzte unsachgemäße Langzeitverordnung vermeiden sollen und über die Vorbeugung und Behandlung von Arzneimittelabhängigkeit intensiver fortgebildet werden müssten.

 

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/61345/Bis-zu-zwei-Prozent-der-deutschen-Bevoelkerung-von-Schlafmitteln-abhaengig

Die Übersichtsstudie:

Probleme der Dauertherapie mit Benzodiazepinen und verwandten Substanzen – Verschreibungspraxis, Epidemiologie und Entzugsbehandlung

Kommentar & Ergänzung:

Der Langzeitkonsum von Benzodiazepinen bei Beschwerden, für die sie wegen des Risikopotenzials nicht geeignet sind, ist tatsächlich schon seit vielen Jahren ein Thema.

Da Appelle an Ärzte und Patienten offenbar nur sehr beschränkt wirksam sind, wären schärfere gesetzliche Regelungen meines Erachtens überfällig.

Zu erwähnen wäre gleichzeitig aber auch, dass es eine Reihe von pflanzlichen Schlafhilfen gibt, die keine Abhängigkeit, kein Hang-over und keine erhöhte Sturzgefahr bewirken.

Pflanzliche Schlafhilfen wie Baldrian, Melisse, Passionsblume, Hopfen oder Lavendel / Lavendelöl helfen zwar nicht in jedem Fall. Sie sind aber eine Option, die in vielen Situationen sinnvollerweise in Betracht zu ziehen ist. Manchmal, aber nicht immer, lassen sich Benzodiazepine durch pflanzliche Schlafhilfen vermeiden oder ersetzen. Wobei aber das Absetzen von Benzodiazepinen nach längerem Gebrauch ärztlicher Unterstützung bedarf. Benzodiazepine schlagartig absetzen und durch pflanzliche Schlafmittel zu ersetzen – das würde mit grösster Wahrscheinlichkeit schief laufen.

Besser ist es, bei harmloseren Beschwerden gar nicht erst in eine Benzodiazeptin-Abhängigkeit hinein zu schlittern.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Neues Cannabis-Medikament in der Schweiz

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Die Arzneimittelfirma Hänseler aus Herisau vertreibt ab 1. November 2014 schweizweit eine ölhaltige Cannabis-Lösung. Das sogenannte Sativa-Öl soll hauptsächlich Schmerzen lindern.

Die Abgabe ist rechtlich aufwendig, weil die Cannabis-Pflanze unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Der behandelnde Arzt muss für jeden einzelnen Patienten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine Ausnahmebewilligung zur Verschreibung von THC einholen. Im Gesuch ist genau zu begründen, warum kein anderes Medikament verwendet werden kann.

Immer mehr Untersuchungen zeigen, dass Cannabis Schmerzen und Spastiken (Muskelverspannungen) lindern kann. Als alkoholische Tinktur und als synthetisches Dronabinol werden Cannabispräparate von Ärzten bereits verschrieben und abgegeben, wenn eine Bewilligung des BAG vorliegt.

Verschiedene Presseberichte melden, dass ab dem 1. November nun erstmals auch ein THC-haltiges Öl erhältlich sei. Die Hänseler AG aus Herisau verfüge seit dem Frühjahr schweizweit als erste über eine Ausnahmebewilligung zur Herstellung des sogenannten Sativa-Öls.

Apotheken können das Präparat als Magistralrezeptur beziehen. Solche Arzneimittel werden auf ärztliches Rezept für eine bestimmte Person durch die Apotheke selber hergestellt oder bei spezialisierten Betrieben bestellt.

Die St. Galler Pflegefachfrau Bea Goldman, die das Öl vor sieben Jahren entwickelt hat, instruiert und begleitet mit dem Produkt hauptsächlich Patienten mit der unheilbaren Nervenkrankheit ALS.

Nach Goldmann zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre, dass das Öl sehr gut wirkt. Im Gegensatz zu bestehenden Cannabinoid-Medikamenten sollen etliche Patienten durch das Sativa-Öl die Krankheit besser bewältigen können.

Die ölige Trägersubstanz habe zudem eine längere Wirkungsdauer. Gegen einen Missbrauch der öligen Lösung spreche die THC-Konzentration von nur einem Prozent. Um in Zukunft mehr Patienten behandeln zu können, plant Goldmann zusammen mit dem Neurologen Markus Weber die Lancierung der ersten Cannabis-Sprechstunde am St. Galler Kantonsspital.

Quelle:

http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/ostschweiz/tb-os/Neues-Cannabis-Medikament-aus-Herisau;art120094,3979111

 

Kommentar & Ergänzung:

Grundsätzlich finde ich es begrüssenswert, wenn es mehr Varianten gibt für die Anwendung von Cannabis als Heilmittel. Etwas überzogen scheint mir allerdings, wenn in diesen Meldungen geschrieben wird, dass nun erstmals ein THC-haltiges Öl erhältlich sei.

Dronabinol-Tropfen sind ebenfalls auf einer öligen Basis, wobei allerdings das THC nicht aus Cannabis stammt.

Von diesem Sativa-Öl habe ich noch nie etwas gehört und auch keine Unterlagen dazu gesehen. Darum kann ich es nicht einschätzen. Vermutlich wurde dieses Präparat bisher eher „diskret“ eingesetzt.

Bei medizinisch begründeten Cannabis-Anwendungen ist es zentral, dass die verschreibenden Personen die Präparate gut kennen. Das wird bei Bea Goldmann und dem Sativa-Öl der Fall sein. Und es ist auch ein interessantes Projekt, wenn am Kantonsspital St. Gallen eine Cannabis-Sprechstunde entstehen soll.

Ansonsten ist meines Erachtens der Apotheker Manfred Fankhauser aus Langnau im Emmental die Fachperson in der Schweiz, die sich am besten mit legalen Cannabis-Produkten für medizinische Anwendungen auskennt.

Siehe dazu:

Cannabis für Patienten in der Schweiz legal erhältlich?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Welche Bedeutung hat Cannabis für die Medizin?

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Vor kurzem hat das Verwaltungsgericht in Köln entschieden, dass in begründeten Einzelfällen der Eigenanbau von Cannabis zu therapeutischen Zwecken erlaubt ist.

Näheres siehe dazu hier:

Gericht erlaubt Schmerzpatienten Eigenanbau von Cannabis  (auch mit Informationen zur arzneimittelrechtlichen Situation in der Schweiz).

In der „Deutschen Apothekerzeitung“ publizierte Prof. Dr. Thomas Herdegen daraufhin eine Einschätzung bezüglich der Bedeutung von Cannabis in der Medizin:

„Auch wenn, insbesondere aus den USA, immer wieder neue Anwendungsgebiete für Cannabis propagiert werden, beschränken sich die Indikationen, für die es Hinweise auf einen belegbaren Nutzen gibt, auf Schmerzhemmung, Schmerzen und Spastik bei multipler Sklerose, Anti-Emesis und Appetitsteigerung bei Kachexie.“

Grundsätzlich seien Cannabinoid-haltige Arzneimittel zwar in der Regel gut verträglich, doch zeigten sie große individuelle Unterschiede in der Wirksamkeit. Je nach Indikation würden sie oft in ihrer Wirkung von Arzneistoffen der ersten Wahl übertroffen.

Obwohl in manchen Studien nur gering verbesserte Mittelwerte oder schwache klinische Effekte gezeigt werden konnten, sei nicht auszuschließen, dass gewisse Subgruppen der Patientinnen und Patienten von Cannabinoiden profitieren.

Nach Prof. Herdegen stellen sie daher in der Hand von erfahrenen, im Umgang mit Cannabinoiden vertrauten Therapeuten für einige Erkrankungen eine sinnvolle Therapieoption dar, wobei sie aber meist 2. Wahl seien.

Prof. Herdegen geht auch auf Risiken und Nebenwirkungen ein:

„Die gefürchteten psychogenen Wirkungen mit Missbrauch, Einschränkung kognitiver Fähigkeiten und Entzug beim Absetzen treten, ausgenommen von Einzelfällen, weit jenseits der therapeutischen Dosierungen auf. Beim medizinisch indizierten Einsatz kommt es vor allem zu folgenden, nicht-psychogenen Nebenwirkungen: Müdigkeit, Aufmerksamkeitsstörung, Schwindel, Hypotension, Mundtrockenheit, vermindertem Tränenfluss sowie gastrointestinalen Irritationen. Generell unterliegen die Nebenwirkungen aber einer mehr oder weniger raschen Toleranz (Beginn nach Tagen bis Wochen), was den Verdacht nahelegt, dass das auch bei den Wirkungen der Fall sein könnte.“

Zusammenfassend hält der Experte fest, „dass aus medizinischer Sicht die Cannabinoide zum ‚therapeutischen Arsenal’ gehören, wenn auch als Mittel der zweiten Wahl.“

Gerade in der Schmerztherapie könne dieses Arsenal aber nicht groß genug sein und auch die Standard-Therapeutika wie COX-Inhibitoren und Opioide seien im Umgang nicht weniger problematisch.

Die Kosten für standardisierte Cannabinoid-Arzneimittel sollten daher von den Krankenkassen übernommen werden, wenn ihre Anwendung medizinisch begründet ist, schreibt Herdegen.

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2014/08/01/wann-cannabis-helfen-kann/13472.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Ich teile die Stossrichtung dieser Einschätzung voll.

Cannabis sollte klar zum „therapeutischen Arsenal“ der Medizin gehören.

Und der medizinische Einsatz von Cannabis sollte kritisch diskutiert werden und auf Indikationen begrenzt, für welche ausreichend dokumentierte Wirksamkeit vorliegt. Fragwürdig ist es jedenfalls, Cannabis als Heilmittel für alle möglichen Beschwerden zu propagieren.

Schmerzkranke und Menschen mit Spastik, zum Beispiel bei Multipler Sklerose, sollten aber einen legalen Zugang zu Cannabis als Arznei haben, wenn sie damit ihre Beschwerden lindern können.

Dasselbe gilt für Krebspatienten zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen, die als Begleiterscheinung von Chemotherapien auftreten können, sowie zur Linderung von Appetitlosigkeit.

Zum Urteil des Verwaltungsgerichts siehe auch:

Cannabis-Eigenanbau: Pharmazeutische Bedenken 

Und weiteres zur medizinischen Anwendung von Cannabis:

Cannabis als Arznei 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kava-Kava: Verwaltungsgericht Köln beurteilt Widerruf der Zulassung als rechtswidrig

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Extrakte aus der polynesischen Heilpflanze Kava-Kava (Piper methysticum) wurden in der Phytotherapie bei Angst- und Spannungszuständen eingesetzt. Im Jahr 2002 widerrief das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erstmals die Zulassungen von Kava-Kava und Kavain-haltigen Arzneimitteln. Ausgenommen wurden dabei homöopathische Zubereitungen mit einer Endkonzentration ab D5 und Arzneimittel, die nach der spagyrischen Verfahrenstechnik nach Zimpel hergestellt werden. Sie dürfen weiterhin verkauft werden.

In der Schweiz wurde die Zulassung im Jahr 2003 durch die zuständige Arzneimittelbehörde aufgehoben. Auch die Arzneimittelbehörden Frankreichs (AFSSAPS), der Niederlande (CBG)und die britische MHRA schlossen sich dem Widerruf an (während beispielsweise in den USA wie auch in den meisten Teilen Australiens Kava-Präparate frei erhältlich sind).

Grund dieser Massnahmen war der Verdacht, dass diese Arzneimittel schwere Leberschäden auslösen können.

Zwischen den Herstellern und dem BfArM entwickelte sich eine jahrelange Auseinandersetzung über Nutzen und Risiko der Kava-Kava-Präparate. Nun nimmt der Fall eine überraschende und für die Phytotherapie wichtige Wende: Das Verwaltungsgericht Köln hat entschieden, dass der Widerruf der Zulassung rechtswidrig war. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Im Jahr 2001 hatte das BfArM aufgrund von Berichten über Leberschädigungen bei acetonischen Kava-Auszügen ein Stufenplanverfahren  eingeleitet. Darauf folgte der Widerruf der Zulassungen für die Phytopharmaka mit dem Kava-Kava-Wurzelstock-Trockenextrakt. Dagegen legten die betroffenen Hersteller Widerspruch ein, worauf das BfArM sodann das Ruhen der Zulassungen anordnete. In dieser Zeit sollten die Firmen weitere Studien vorlegen können, die für ihr Arzneimittel sprachen. Doch nachdem zwischen den Unternehmen, ihren Verbänden – hauptsächlich dem Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) – und dem BfArM über die Art des vorzulegenden wissenschaftlichen Erkenntnismaterials keine Einigung erzielt werden konnte, widerrief das BfArM die Zulassungen im Dezember 2007 erneut. Erst im Februar 2012 wies die Behörde die Widersprüche der pharmazeutischen Unternehmer zurück. Dagegen klagten mehrerer Hersteller. Nun fällte das Verwaltungsgericht Köln die erstinstanzlichen Urteile.

Verwaltungsgericht hält die Klagen für begründet

Das Gericht hält die Klagen der Hersteller für begründet und führt aus, dass eine arzneimittelrechtliche Zulassung zu widerrufen sei, wenn sich das Nutzen-Risiko-Verhältnis des Präparates nachträglich als ungünstig erweise.

Bloße Zweifel an der Wirksamkeit reichten jedoch nicht aus. Die Bewertung des Risikos verlange den begründeten Verdacht auf Nebenwirkungen. Hypothesen und nicht verifizierbare Vermutungen seien dazu nicht geeignet. Nutzen und Risiko müssten schlussendlich in einem dritten Schritt gegeneinander abgewogen werden.

Die Bewertung, ob dieses Verhältnis ungünstig sei, unterliegt der vollständigen gerichtlichen Überprüfung, stellt das Gericht fest und sieht für die Behörde – also das BfArM – keinen eigenen Beurteilungsspielraum. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis Kava-Kava-haltiger Arzneimittel erweise sich nicht als ungünstig. Das BfArM habe eine „gewisse“ Wirksamkeit der Kava-Kava-Präparate in höherer Dosierung konstatiert, sodass nicht davon auszugehen sei, das Präparat wäre unwirksam.

Ausführlich belegt das Gericht unter Bezugnahme auf die vorgelegten Monographien, Studien und Fallberichte (insbesondere der WHO), dass die Voraussetzungen für den Widerruf der Kava-Kava-Zulassungen nicht vorgelegen hätten.

Darüber hinaus prüfte das Verwaltungsgericht, ob risikoärmere Alternativen zu Kava-Kava-haltigen Arzneimitteln existieren. Es nimmt dazu einen Vergleich mit Benzodiazepin-haltigen Medikamenten vor, die sich im Anwendungsbereich mit Kava-Kava-Präparaten überschneiden. Das Gericht weisst auf die hohe Missbrauchsrate bei Benzodiazepinen hin, die offensichtlich nicht einmal durch die Verschreibungspflicht auszuräumen sei.

Von den Benzodiazepinen gehen aus Sicht der Richter „erhebliche Gefahren“ aus: Sie haben ein hohes Abhängigkeitspotenzial und gelten als Medikamente mit der höchsten Missbrauchsrate. Seit dem Jahr 2002 habe es knapp 4500 Meldungen zu Nebenwirkungen gegeben.

Deshalb könne von einer risikoärmeren Alternative nicht ausgegangen werden.

Das Gericht stellt zudem fest, dass bislang die Anhaltspunkte für ein leberschädigendes Risiko der Kava-Kava-Produkte nicht mit der genügenden Sicherheit verifiziert werden konnte.

Die Zahl der Meldungen zu Nebenwirkungen ist aus Sicht der Richter nicht ungewöhnlich hoch: Allein in Deutschland seien in den zehn Jahren vor dem Verbot 250 Millionen Tagesdosen Kava-Kava-Präparate abgegeben worden – weltweit habe es 110 und in Deutschland 48 Meldungen gegeben. Das vorliegende Fallmaterial hält das Gericht inhaltlich für „ebensowenig konsistent“. Von den 48 Meldungen aus Deutschland würden nur 26 Fälle als ausreichend gut dokumentiert angesehen.

Der Bundesverband der Arzneimittelhersteller begrüsst den Entscheid

Der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) begrüßt die Entscheidung des Verwaltungsgerichts und erklärt gegenüber der DAZ.online: „Der BAH hat den Widerruf beziehungsweise das Ruhen der Zulassung von Anfang an für nicht sachgerecht gehalten“. Aus Sicht des BAH hätte es geeignete Alternativen gegeben – etwa die Unterstellung unter die Verschreibungspflicht.

Noch sind die Entscheidungen des Verwaltungsgerichts nicht rechtskräftig. Das BfArM geht in Berufung.

Die Phytopharmaka-Hersteller, die damals Kava-Kava-Präparate im Sortiment hatten, reagieren auf den Entscheid des Verwaltungsgerichts zurückhaltend. Einige Hersteller haben sich von Kava-Kava verabschiedet. Die Firmen Müller Göppingen und Bionorica prüfen eine Neuauflage. Die Firma Wilmar Schwabe, mit „Laitan“ damals ein wichtiger Kava-Kava-Hersteller, setzt inzwischen auf Lasea (Lavendelöl-Kapseln).

Quellen:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/recht/news/2014/06/20/kava-kava-widerruf-der-zulassung-war-rechtswidrig/13143.html

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/phytopharmaka-verwaltungsgericht-koeln-widerruf-der-zulassung-fuer-kava-kava-rechtswidrig/?L=0%3Ft%3Ft%3D1%3Ft%3D1%3Ftx_ttnews%5Bttnews%5D%3D15353%3Ft%3D1%3Ft%3D1%3Ft%3D1&cHash=85444e436bb016e0891564214e25b1e0

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/phytopharmaka-hersteller-pruefen-kava-kava/?L=0%3Ft%3Ft%3D1%3Ft%3D1%3Ftx_ttnews%5Bttnews%5D%3D15353%3Ft%3D1%3Ft%3D1%3Ft%3D1&tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=1&cHash=d537242908a95baa9462275467fca040

Urteile des Verwaltungsgerichts Köln vom 20. Mai 2014:

http://www.justiz.nrw.de/nrwe/ovgs/vg_koeln/j2014/7_K_2128_12_Urteil_20140520.html

Kommentar und Ergänzung:

Keine Frage: Auch bei Heilpflanzen ist das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen zu beachten. Dass beim Widerruf der Zulassung von Kava-Kava-Präparaten die Abwägung von Nutzen und Risiken fragwürdig vonstatten gegangen ist, zeigt das Verwaltungsgericht eindrücklich auf. Für mich war es schon immer stossend, dass Benzodiazepine (Valium, Temesta, Seresta, Lexotanil…) mit ihrem hohen Missbrauchs-, Nebenwirkungs- und Abhängigkeitspotenzial massenhaft verschrieben und konsumiert werden können, während Kava-Kava-Präparate aufgrund von verhältnismässig wenigen Meldungen von Leberschädigungen, bei denen der ursächliche Zusammenhang mit der Kava-Kava-Einnahme in den meisten Fällen nicht ausreichend belegt ist, vom Markt verschwinden mussten. Kava-Kava-Präparate waren bei leichten Angst- und Spannungszuständen durchaus eine risikoarme Alternative zu Benzodiazepinen (nicht aber bei schweren Fällen).

Unnötige Verschwörungstheorien

Im Zuge der Auseinandersetzungen rund um den Widerruf der Zulassung von Kava-Kava-Präparaten war immer wieder die Rede von der „Pharmaindustrie“, die hinter diesem Verbot stecke und die Pflanzenheilkunde fertig machen wolle. Ich habe diese Ansichten aus mehreren Gründen immer als Teil einer unreflektierten Verschwörungstheorie gehalten.

Erstens hat der BAH als Verband der Pharmaindustrie den Widerruf schon damals sofort kritisiert und die Hersteller gegen das BfArM unterstützt.

Zweitens würden Pharmafirmen im Fall, dass ihnen Kava-Präparate ernsthaft Konkurrenz machen würden, ein eigenes Kava-Präparat auf den Markt werfen oder eine Firma aufkaufen, die ein Kava-Präparat im Sortiment hat. Den Pharmafirmen ist relativ egal, womit sie ihr Geld verdienen. Sie haben keine Berührungsängste zur Phytotherapie. Ein aktuelles Beispiel dafür ist Bayer mit der Übernahme von Steigerwald. Siehe hier:

Bayer übernimmt Phytopharmaka-Hersteller Steigerwald 

Auch wenn es meiner Ansicht nach keine plausiblen Gründe gibt für eine „Pharma-Verschwörung“ gegen Kava-Kava zeigt das Urteil des Verwaltungsgerichts detailliert auf, dass die Abwägung von Nutzen und Risiko auf sehr fragwürdige Art von statten ging. Hier zeigen sich wohl schon unterschiedliche Machtverhältnisse, gerade im Hinblick auf den Vergleich mit den viel risikoreicheren Benzodiazepinen.

Fragwürdige Bevorteilung von Homöopathie und Spagyrik

Nicht unkommentiert lassen möchte ich den Aspekt, dass die Arzneimittelbehörden homöopathische Zubereitungen aus Kava-Kava ab D5 (1:100 000 verdünnt) und spagyrische Zubereitungen nicht vom Markt genommen haben. Das ist folgerichtig. In der homöopathischen Zubereitung ab D5 hat es nur noch marginalste Spuren von Kava-Kava drin, so dass ein Risiko ausgeschlossen werden kann. Und in der Spagyrik werden alle relevanten Inhaltsstoffe durch grosse Hitze verglüht. Auch hier ist eine Gefahr undenkbar.

Wo kein Kava-Kava mehr drin ist, kann von Kava-Kava auch kein Risiko ausgehen. Bei den phytotherapeutischen Kava-Kava-Extrakten basiert die Wirksamkeit nach gegenwärtigem Kenntnisstand aber auf dem Gehalt an Kavapyronen.

Meiner Ansicht nach ist es sehr unwahrscheinlich, dass man das toxikologische Risiko durch hochgradiges Verdünnen oder durch Zerstörung der Inhaltsstoffe eliminieren, die Wirksamkeit dabei aber erhalten kann.

Nichtsdestotrotz füllen spagyrische und homöopathische Präparate (z. B. von Similasan) bis heute die Lücke, die durch den Widerruf der phytotherapeutischen Kava-Präparate entstanden ist. Sie profitieren davon, das homöopathische und spagyrische Präparate durch die Arzneimittelbehörden vom Wirksamkeitsnachweis befreit und damit privilegiert sind. Eine Firma wie Similasan beispielsweise kann ihr Kava-Kava-Präparat (D12 / D15 / D30), das durch eine Verdünnung von mindestens 1 : 1 000 000 000 000 (= D12) praktisch frei von Kava-Kava ist, ohne Forschungsaufwand und ohne Wirksamkeitsnachweis auf den Markt bringen, während die phytotherapeutischen Kava-Kava-Hersteller sich mit aufwendigen Studien um den Wirksamkeitsnachweis für ihre Präparate bemühten, um eine Zulassung zu bekommen.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie Präparate aus Homöopathie und Spagyrik durch die Arzneimittelbehörden mittels Befreiung vom Wirksamkeitsnachweis gegenüber Phytopharmaka und synthetischen Medikamenten krass bevorteilt werden.

Siehe auch:

Studie stellt Beurteilung der Lebertoxizität von Pflanzenextrakten in Frage 

Phytotherapie: Kava-Extrakt hilft gegen Angststörungen

Neue Kava-Studie zeigt Wirksamkeit wässriger Extrakte

Passionsblume und Kava-Kava lindern Angstzustände

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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Schlafmittel: Risiko Benzodiazepin-Abhängigkeit

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Benzodiazepine sind Wirkstoffe mit angstlösenden, krampflösenden, beruhigenden und schlaffördernden Eigenschaften. Sie werden unter anderem gegen Angst-, Erregungs- und Spannungszustände, Schlafstörungen und Epilepsie angewendet und zählen zu den am häufigsten verschriebenen Psychopharmaka.

Hier eine Liste mit Wirkstoffen / Präparaten aus der Gruppe der Benzodiazepine (Quelle: Pharmawiki):

Alprazolam (Xanax®), Bromazepam (Lexotanil®), Chlordiazepoxid (Librium®), Clobazam (Urbanyl®), Clonazepam (Rivotril®), Clorazepat (Tranxillium®), Cloxazolam (ausser Handel), Diazepam (Valium®, Stesolid®), Flunitrazepam (Rohypnol®), Flurazepam (Dalmadorm®), Ketazolam (Solatran®), Lorazepam (Temesta®), Lormetazepam (Loramet®, Noctamid®), Medazepam (Rudotel®, D), Midazolam (Dormicum®), Nitrazepam (Mogadon®), Oxazepam (Seresta®, Anxiolit®), Prazepam (Demetrin®), Temazepam (Normison®), Tetrazepam (in der Schweiz nicht im Handel), Triazolam (Halcion®).

Solche Schlaf- und Beruhigungsmittel machen recht schnell süchtig. Als Folge einer Benzodiazepin-Abhängigkeit können Stürze, Gedächtnisverlust und emotionaler Rückzug auftreten. Menschen, die über längere Zeit Benzodiazepine einnehmen beschreiben oft, dass sie sich wie in Watte eingepackt fühlen.

Der Benzodiazepin-Missbrauch ist nicht tödlich, aber schädlich, weil er unerwünschte Wirkungen hat. Ein Drittel bis die Hälfte aller Oberschenkelhalsbrüche passiere aufgrund einer Niedrigdosisabhängigkeit, sagt Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer in Deutschland.

Diese Medikamente seien grundsätzlich hochwirksam und bei psychiatrischen Erkrankungen sehr hilfreich, doch hätten sie aufgrund ihres Wirkmechanismus ein hohes Abhängigkeitspotenzial und sollten deshalb nicht länger als vier Wochen angewendet werden.

Benzodiazepine wirken zentral im Gehirn als Angstlöser und Beruhigungsmittel. In Deutschland sind gemäss Schätzungen 1,2 Millionen Menschen von Benzodiazepinen abhängig, wovon viele von ihnen älter als 70 Jahre sind. Betroffene besorgen sich häufig ihre Rezepte über mehrere Ärzte – damit der Missbrauch nicht auffällt. Meist benötigen die Abhängigen nur eine geringe Dosis: Eine halbe Tablette am Tag reicht aus, weil die Mittel so wirksam sind.

Wer allerdings ein solches Mittel dauerhaft nimmt, ist auch tagsüber schläfrig, unkonzentriert und hat eine geringe Muskelspannung, was Stürze und damit Knochenbrüche gerade bei älteren Menschen fördert.

Als weitere Merkmale einer Abhängigkeit können Gedächtnisverlust, sozialer und emotionaler Rückzug und Abgestumpftheit auftreten. Wer Benzodiazepine über längere Zeit einnimmt nimmt, fürchtet oft, dass Angst und Unruhe zurückkehren, wenn er die Medikamente absetzt. Doch Andreas Kiefer sagt, dass die Ängste beim Entzug völlig überschätzt werden, der Vorteil der Abstinenz dagegen unterschätzt.

Benzodiazepine sollten allerdings niemals auf eigene Faust abgesetzt werden, denn das führt häufig zu einer Wirkumkehr und kann Zittern, Angst und Depressionen auslösen. Betroffene sollten daher mit dem behandelnden Arzt, der behandelnden Ärztin einen sogenannten Abdosierungsplan erstellen. Man könne es in drei Monaten schaffen, davon loszukommen, sagt Kiefer.

Quelle:

http://www.welt.de/gesundheit/article128195362/Wenn-das-Schlafmittel-zur-Gefahr-wird.html

Kommentar & Ergänzung:

Auch beim Thema „Benzodiazepine“ halte ich es für wichtig, nicht in Schwarz-Weiss-Denken zu verfallen. „Niemals Chemie!“ ist eine recht einseitige, undifferenzierte Haltung – und zudem einfach falsch (auch Pflanzen bestehen aus „Chemie“).

Es gibt meines Erachtens zweifellos Krankheiten und Zustände, bei denen Benzodiazepine sinnvoll und wirksam als Medikament eingesetzt werden können. Wer alles mit Heilpflanzen behandeln zu können glaubt, macht sich und anderen etwas vor.

Es steht aber auch ohne Zweifel fest, dass Benzodiazepine zum grossen Teil fahrlässig und unsinnig verschrieben und eingenommen werden.

Die Warnungen vor diesem Missbrauch stehen schon seit Jahren im Raum, scheinen aber nicht viel zu nützen. Da stellt sich unter anderem die Frage, ob die Qualitätssicherung in der Medizin an diesem Punkt versagt (die fehlende Qualitätssicherung in der Komplementärmedizin habe ich schon oft kritisiert).

Angesichts der Risiken, die mit einer Langzeiteinnahme von Benzodiazepinen verbunden sind, ist die Frage nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten bei Schlafstörungen wichtig. Und da sind Heilpflanzen-Anwendungen vor allem aus Baldrian, Hopfen, Passionsblume, Melisse und Lavendel eine gute Option.

Heilpflanzen-Anwendungen lösen Schlafprobleme nicht in jedem Fall. Wenn sie diese aber lösen, dann ohne die Risiken der Benzodiazepine.

Und nicht zu unterschätzen: Neben Wirkstoffen, welche die Schlafbereitschaft fördern können, lassen sich viele Heilpflanzen-Anwendungen in ein Abendritual einbauen, das auch seine günstige Wirkung hat (z. B. Kräutertee trinken, Einreibungen mit ätherischen Ölen, Lavendelsäckli verteilen im Pflegeheim, Duftanwendungen, Abendbad mit Lavendelöl).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Hirndoping: Forscher befürchten langfristig negative Folgen

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Immer mehr Schüler und Studenten setzen Medikamente ein, um ihre geistigen Leistungen zu steigern.

Besonders für junge Erwachsene kann dieses Hirndoping jedoch nachhaltige Folgen haben, warnen nun Wissenschaftler.

Gerade das oft zu diesem Zweck missbrauchte ADHS-Mittel Methylphenidat (Ritalin) hemme längerfristig die Plastizität des Gehirns. Diesen Schluss legen jedenfalls Versuche mit Ratten nahe. Darunter sollen die Lernfähigkeit und die Flexibilität des Verhaltens leiden.

Methylphenidat – der Wirkstoff des Medikaments Ritalin – wird zur Behandlung der Aufmerksamkeitsstörung ADHS verschrieben, ist jedoch gleichzeitig eine der am häufigsten zu Hirndoping eingesetzten „Smart drugs“, die auf dem Schwarzmarkt an High Schools und an Universitäten gehandelt wird.

Allein in den USA verwenden 1,3 Millionen Jugendliche und junge Erwachsene Methylphenidat als Mittel zum Hirndoping, sagt eine aktuelle Studie.

Dieser Wirkstoff wird eingesetzt, um auch nachts noch lernen oder bei Prüfungen klarer denken zu können. Gerade junge Erwachsene seien einem zunehmenden Druck ausgesetzt, immer mehr Leistung zu bringen und seien deshalb in Versuchung, entsprechende Mittel zu nehmen, erklären Kimberly Urban von der University of Delaware in Newark und Wen-Jun Gao vom Drexel College in Philadelphia.

Dieser schon weit verbreitete Missbrauch unter Heranwachsenden ist nach Ansicht der beiden Forscher besorgniserregend. Denn in diesem Alter sei ein entscheidendes Zentrum des Gehirns besonders anfällig für solche Manipulationen: der präfrontale Cortex. Diese Hirnregion – erklären die Wissenschaftler – sei das Steuerzentrum für unser Urteilsvermögen, die Kontrolle der Gefühle, des Verhaltens und der Entscheidungsfindung.

Im Unterschied zu anderen Hirnarealen ist der präfrontale Cortex bei Teenagern und Twens noch nicht ausgereift. Er entwickelt sich noch bis zum Alter von rund 30 Jahren weiter – und ist in dieser Phase speziell empfindlich gegenüber Schwankungen wichtiger Hirnbotenstoffe wie Dopamin und Norepinephrin. Wenn man dann eine Substanz wie Methylphenidat einnehme, die diese Neurotransmitter verändere, dann könne das die Reifung des präfrontalen Cortex stören und bleibende Verhaltensänderungen nach sich ziehen, warnen die Forscher.

Experimente mit Ratten, die Urban und Gao durchgeführt haben, zeigten folgendes: Bekamen Jungratten niedrige Dosen von Methylphenidat, veränderte sich die Erregbarkeit ihrer Hirnzellen im präfrontalen Cortex – die Aktivität der Neuronen war gedämpft. Dadurch wiederum wird die Ausschüttung von Botenstoffen beeinflusst, welche Gefühle und Verhalten prägen.

Darüber hinaus könnte auch die Plastizität des Gehirns durch Hirndoping mit Methylphenidat, aber auch mit dem Narkolepsie-Medikament Modafinil, langfristig gestört werden, warnen die Wissenschaftler. Eine wichtige Eigenschaft des präfrontalen Cortex sei seine hohe Plastizität, welche die Basis ist für das Arbeitsgedächtnis und die aktive Entscheidungsfindung. Grundlage dieser Plastizität sei ein gegenüber anderen Hirnarealen sehr hoher Anteil eines bestimmten Rezeptortyps.

Doch genau diesen Rezeptortyp können die „Smart Drugs“ verändern, wie die Versuche der Forscher mit Ratten zeigten. Bekamen die Tiere in ihrer Jugend niedrige Dosen Methylphenidat oder Modafinil, dann sank dieser Rezeptortyp selektiv ab. Das wiederum förderte zwar kurzfristig die Aufmerksamkeit, hemmte jedoch langfristig die Flexibilität und Lernfähigkeit, wie die Wissenschaftler erklären.

 

Langfristige Folgen möglicherweise auch bei irrtümlicher ADHS-Therapie

 

Die Einnahme von Methylphenidat könnte deshalb für gesunde Jugendliche und junge Erwachsene langfristige Folgen haben – und dies auch bei den Kindern, die dieses Mittel irrtümlich gegen ADHS bekommen, ohne tatsächlich an dieser Störung zu leiden.

Scheinbar wäre diese Behandlung bei den Jugendlichen dann zunächst erfolgreich: Sie folgen dem Unterricht aufmerksam, sind weniger hyperaktiv und lernen besser, erklären die Forscher.

 

Tests des Arbeitsgedächtnisses und der Flexibilität des Verhaltens dieser Kinder könnten aber subtile Defizite zeigen, die ihr gesamtes weiteres Leben beeinträchtigen. Denn bereits bei so simplen Fertigkeiten wie dem Autofahren oder im Sozialverhalten sei es wichtig, flexibel reagieren zu können, sagen Urban und Gao.

 

Nach Ansicht der Forscher sind dringend weitere Studien zur Wirkung dieser Mittel bei jungen Menschen nötig. Schon jetzt gebe es eine hohe Nachfrage für Methylphenidat an Schulen und Universitäten, deshalb seien viele junge Erwachsene der unkontrollierten Einnahme dieser Substanz ausgesetzt, warnen sie. Um den Risiken des Hirndopings besser vorbeugen zu können, brauche es mehr Verständnis dafür, welche Veränderungen im Gehirn stattfinden und wie sie das Verhalten und die Hirnplastizität beeinflussen.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-17553-2014-05-14.html

http://journal.frontiersin.org/Journal/10.3389/fnsys.2014.00038/abstract

(Frontiers in Systems Neuroscience, 2014; doi: 10.3389/fnsys.2014.000

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Dass Hirndoping nicht ohne Risiken zu haben ist, zeichnet sich immer deutlicher ab.

Siehe auch:

Hirndoping an Universitäten verbreitet 

Warnung vor Hirndoping 

Das Thema „Hirndoping“ wirft aber auch zahlreiche grundsätzliche Fragen auf.

Sollte tatsächlich einmal eine wirksame „Hirnpille“ ohne gravierende Nebenwirkungen entwickelt werden und sollte sich diese durchsetzten, so kämen möglicherweise „Nicht-Anwender“ zunehmend unter Druck.

Und was soll nun genau mit „Hirndoping“ optimiert werden? Die Verarbeitungsgeschwindigkeit im Gehirn? Die Merkfähigkeit? Die Müdigkeitsresistenz?

Sind das nicht ziemlich quantitative Aspekte? Und wäre es nicht sinnvoller, die Qualität von Denkprozessen weiterzuentwickeln? Das könnte zum beispielsweise bedeuten: wir streben nach möglichst sorgfältiger Urteilsbildung und Entscheidungsfindung, nach präzisem, differenziertem Denken…….

Und dazu braucht es meinem Eindruck nach Übung und allenfalls ein Stück Anleitung – aber wohl kaum Medikamente.

Es gibt auch Heilpflanzen-Präparate, die im Gehirn eine Leistungssteigerung bewirken sollen. Im Vordergrund stehen dabei Ginkgo biloba, Rosenwurz (Rhodiola rosea) und Ginsengwurzel (Panax ginseng). Diese Heilpflanzen entfalten ihre Wirkung langsam, was unter anderem auch dazu beiträgt, dass kein Abhängigkeitsrisiko besteht.

Ob und wie stark ein gesundes Hirn von Heilpflanzen wie Ginseng, Rosenwurz und Ginkgo profitieren kann, ist allerdings trotz entsprechender Studien nicht eindeutig geklärt.

Zu Rosenwurz siehe:

Rosenwurz (Rhodiola rosea / Orpin rose) gegen Stress & Müdigkeit

Ein ganz anderes Thema wie „Hirndoping“ ist die therapeutische Anwendung von Ritalin bei ADHS. Darüber herrscht eine heftige Auseinandersetzung.

Meinem Eindruck nach gibt es Situationen, in denen die Anwendung von Ritalin sinnvoll und wirksam ist. Aber dass man mit diesem Mittel vorsichtig und sorgfältig umgehen muss, und es nicht unnötigerweise einsetzen darf, scheint mir ebenso gewiss.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Antitussiva (Hustenstiller / Hustenblocker) bei trockenem Husten

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Was hilft bei trockenem Husten?

„Trockener Husten ist meist das erste Symptom eines Virusinfekts der oberen Luftwege oder tritt in Kombination mit anderen Erkältungssymptomen auf. Diese Art des Hustens erfolgt manchmal nur als Hüsteln oder Räuspern gemeinsam mit Heiserkeit, vor allem in den ersten Tagen einer Erkältung. So genannte Antitussiva – Hustenstiller – dienen zur Unterdrückung des Hustenreizes und werden bei trockenem Husten eingesetzt. Sie werden in der Regel 2 bis 3 Tage lang eingenommen. Zu den pflanzlichen Antitussiva zählen Spitzwegerich, Eibischwurzel, Königskerze, Isländisch Moos, während die Wirkstoffe Pentoxyverin, Benproperin oder Dextromethorphan zu den chemischen Antitussiva zählen. Ebenso können Lutschtabletten zur Minderung des Hustenreizes herangezogen werden, wie etwa pflanzliche Pastillen oder Lokalanästethika. Generell sollten Sie auf ausreichend Luftfeuchtigkeit achten – feuchte Handtücher auf der Heizung können helfen – sowie auf das Sprechen mit normaler, nicht lauter aber auch nicht flüsternder Stimme.“

Quelle: „Die Apotheke“ Nr. 9 / 2012

Kommentar & Ergänzung:

Zu den pflanzlichen Antitussiva würde ich noch die Malvenblüten (von Malva silvestris) hinzufügen.

Ein bewährtes Hausmittel sind zudem Inhalationen mit Kamillenblüten und Thymiankraut 1 : 1 gemischt oder mit Kochsalz.

Dazu zwei Liter Wasser zum Kochen bringen. Entweder eine Handvoll der Mischung von Kamilleblüten und Thymiankraut oder drei gehäufte Esslöffel Kochsalz dazugeben. Gesicht über die Schüssel halten, mit Handtuch abdecken und zehn Minuten inhalieren. Die Kamille wirkt desinfizierend und dämpft Entzündungen. Kochsalz wirkt schleimlösend.

Von den erwähnten synthetischen Wirkstoffen kommt in der Schweiz als Hustenblocker häufig Dextromethorphan zur Anwendung. Beispielsweise in Bexin®, Bexomed®, Calmperphan®, Clemesin®, Dextro-Med®, Pretuval® Pulmofor®, Vicks Medinait®.

Bei starkem Reizhusten kann Dextromethorphan temporär Sinn machen, die Anwendung in einem Kombipräparat wie Pretuval oder Vicks Medinait ist allerdings fragwürdig.

Siehe:

Erkältungsmittel: Hände weg von Kombipräparaten

Dextromethorphan kann allerdings problematische Nebenwirkungen haben, die zu wenig bekannt sind:

„ Nebenwirkungen treten unter Dextromethorphan in geringer Dosierung relativ selten auf. Bei einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung (je nach Quelle 1 %-10 %) findet sich jedoch eine pharmakogenetische Schwäche des Cytochrom P450 Enzyms CYP2D6, so dass bereits bei therapeutischer Dosierung Halluzinationen, Realitätsverlust und psychotische Episoden auftreten können. Gelegentlich sind Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen zu beobachten. Bei einigen Personen kann auch eine niedrige Dosis Juckreiz auslösen. Bei einer Überdosierung kann es zu Halluzinationen und psychotischen Episoden kommen.“

Quelle: Wikipedia

Infolge der erwähnten pharmakogenetischen Schwäche des Cytochrom P450 Enzyms CYP2D6 gibt es einen geringen Prozentsatz von Menschen, die den Wirkstoff Dextromethorphan sehr langsam abbauen. Dadurch verlängert sich die Plasmahalbwertszeit von Dextromethorphan, so dass schon bei therapeutischen Dosen ein starker Rauschzustand ausgelöst werden kann, der einer Psychose ähnelt.

Der Missbrauch von Dextromethorphan kann eine Drogenpsychose zur Folge haben, wobei unkontrolliertes Verhalten kann zur Selbstgefährdung oder Fremdgefährdung führen kann. Bei regelmäßiger, missbräuchlicher Einnahme kann sich eine Suchterkrankung entwickeln, unter Umständen muss auch mit Hirnschäden gerechnet werden.

Dextromethorphan sollte nicht in der Schwangerschaft angewendet werden, da es in Verdacht steht, die fetale Hirnentwicklung negativ zu beeinflussen.

Für ein rezeptfrei verkauftes Arzneimittel sind das ziemlich happige Risiken, die zur Vorsicht mahnen.

Möglichst zu meiden sind synthetische Hustenblocker bei produktivem Husten (= Husten mit Auswurf), weil sie das Abhusten des Schleims behindern.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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