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Zitronenmelisse-Extrakt beruhigt nervöse Herzen

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Melissenextrakt hilft laut einer iranischen Studie bei Herzstolpern.

Die Melisse (Melissa officinalis) wurde früher oft auch „Herztrost“ genannt und ihre beruhigende Wirkung wurde bereits von Ärzten des Altertums und Mittelalters wie Theophrastos und Paracelsus beschrieben. Daher ist es naheliegend, diese altbewährte Heilpflanze auch im Hinblick auf eine mögliche Wirksamkeit bei nervösen Herzbeschwerden zu untersuchen.

Inwiefern ein Melissenextrakt Patienten mit regelmäßig auftretendem gutartigen Herzrasen helfen kann, untersuchten nun Wissenschaftler im Iran mit einer kleinen Studie. Die Teilnehmer wurden per Zufallsentscheid in zwei Gruppen unterteilt, die über den Studienzeitraum von zwei Wochen entweder zwei Mal täglich eine Kapsel mit 500 mg Melissenextrakt oder aber Placebokapseln erhielten.

Erfasst wurden psychische Symptome wie Angstgefühle, depressive Verstimmungen, Schlaflosigkeit, Somatisierung und psychosoziale Belastungen.

Bei den Patienten in der Melissenextraktgruppe konnten die Vorfälle des Herzrasens um mehr als ein Drittel vermindert werden. Auch die Angstzustände und damit verbundene (Ein-)Schlafstörungen gingen bei diesen Patienten im Vergleich zu jenen, die Placebokapseln bekamen, deutlich zurück. Der Melissenextrakt wurde von den Probanden insgesamt gut vertragen.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/zitronenmelisse-beruhigt-nervoese-herzen.html

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378874115000781?via%3Dihub

http://dx.doi.org/10.1016/j.jep.2015.02.007

 

Kommentar & Ergänzung:

Herzbeschwerden brauchen natürlich eine ärztliche Untersuchung. Bei nervös bedingten, funktionellen Herzbeschwerden können beruhigend wirkende Heilpflanzen wie Melisse oder Lavendel durchaus sinnvoll als Teil einer Behandlung eingesetzt werden.

Die Studie aus dem Iran ist interessant, wirft aber eine ganze Reihe von Fragen auf. An der beruhigenden Wirkung von Melisse dürfte das ätherische Melissenöl beteiligt sein, insbesondere sein Bestandteil Citronellal. Allerdings wird Melissenöl im hier untersuchten wässrigen Trockenextrakt aus Melisse kaum in relevanter Konzentration vorhanden sein. Darüber hinaus gibt es Hinweise aus Tierexperimenten, wonach Rosmarinsäure beruhigende und antidepressive Effekte auslösen kann. Ob sich diese Erkenntnisse auf die Anwendung beim Menschen übertragen lassen, ist aber ungeklärt. Rosmarinsäure kommt zudem nicht nur in Melisse vor, sondern auch in anderen Lippenblütlern wie Salbei oder Rosmarin, die dann eigentlich auch beruhigend wirken müssten.

Siehe dazu:

Was ist Rosmarinsäure?

Ich kann die Qualität und Aussagekraft der iranischen Studie nicht detailliert beurteilen. Klar ist allerdings, dass die Zahl der Teilnehmenden mit 71 ziemlich klein ist. Zudem haben nur 55 davon die Studie bis zum Abschluss mitgemacht. Diese Aussteigerquote von 16 scheint mir etwas gar hoch.

Ich habe zudem bei Studien aus dem Iran immer ein Wort von Roman Huber in Erinnerung. Der Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Uniklinik Freiburg wies in einem Interview darauf hin, dass aus dem Iran genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen kommen. Das ist nicht sehr vertrauenserweckend (Interview siehe hier).

 

Die untersuchten Melissenextrakt-Kapseln sind bei uns nicht im Handel.

Ein wässriger Trockenextrakt aus Melisse ist Bestandteil von Baldriparan (zusammen mit Baldrianextrakt und Hopfenextrakt). Ein alkololischer Trockenextrakt aus Melisse ist Bestandteil von Dormiplant (zusammen mit Baldrianextrakt). Ich würde bei nervösen Herzbeschwerden aber durchaus auch Melissentee empfehlen, auch wenn es dafür keine Belege aus Studien gibt. Das kostet fast nichts und hat noch einen Ritualcharakter.

Klosterfrau Melissengeist enthält mir zuviel Alkohol. Siehe dazu:

Klosterfrau Melissengeist & Alkoholismus

Wenn ich in deser Art auf kritische Punkte von Studien hinweise, werde ich manchmal gefragt, warum ich das mache. Ich könne doch froh sein, dass Studien gemacht werden und dadurch die Phytotherapie an Stärke gewinnt.

Die Phytotherapie gewinnt aber nur wirklich durch starke, gut gemachte Studien. Es ist sehr wichtig sich klarzumachen, dass es viele Studien gibt, die nur sehr geringe Aussagekraft haben und zum Teil einfach von schlechter Qualität sind. Das gilt für Studien in der klassischen Pharmaforschung mit synthetischen Arzneistoffen genauso wie für Studien im Bereich von Komplementärmedizin und Naturheilkunde.

„Eine Studie hat gezeigt, dass……“ ist also eine Satz, die noch gar nichts aussagt, wenn man sich nicht die Qualität der Studie anschaut.

Siehe dazu auch:

Qualitätssicherung in der Phytotherapie

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Aromatherapie und Massage zur Linderung von Symptomen bei Krebspatienten

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Menschen mit Krebs können unter Symptome wie Schmerzen, Angstzustände oder Stress leiden. Massagen mit oder ohne Aromatherapie können zur Linderung dieser Symptome beitragen. Massagen bestehen in der Anwendung von Druck auf den Körper. Dabei kann ein fettes Massageöl verwendet werden. Werden dem fetten Öl ätherische Öle wie zum Beispiel Lavendelöl oder Rosenöl zugegeben, wird diese Anwendung Aromatherapie-Massage genannt.

Im August 2015 suchte eine Gruppe von Forschenden nach klinischen Studien, die die Wirksamkeit von Massagen mit oder ohne Aromatherapie zur Symptomlinderung bei Krebspatienten untersuchen.

Sie fanden 19 kleine Studien (1274 Teilnehmer) von sehr niedriger Qualität.

Schlussfolgerung der Wissenschaftler:

„Einige kleine Studien deuteten darauf hin, dass Massage ohne Aromatherapie die Linderung von kurzfristigen Schmerzen und Angstzuständen bei Krebspatienten unterstützt. Anderen kleinen Studien zufolge kann die Aromatherapie-Massage eine mittel- oder langfristige Linderung dieser Symptome bewirken.“

Die Qualität der Evidenz sei jedoch sehr niedrig und die Resultate nicht schlüssig. Die Autoren schreiben abschliessend:

„Wir können nicht sicher sein, dass diese Behandlungen einen Nutzen bringen.“

Quelle:

http://www.cochrane.org/de/CD009873/aromatherapie-und-massage-zur-symptomlinderung-bei-krebspatienten

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD009873.pub3/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Die Cochrane Collaboration ist ein weltweites, renommiertes Netz von Wissenschaftlern und Ärzten mit dem Ziel, systematische Übersichtsarbeiten (Meta-Analysen) zur Bewertung von medizinischen Therapien zu erstellen, sie aktuell zu halten und zu verbreiten. Dass Cochrane sich dem Thema Massage und Aroma-Massage annimmt, ist eher überraschend.

Natürlich sind von Massgen und Aromatherapie-Massagen bei Krebspatienten keine Wunder zu erwarten. Dass sie aber vielen Betroffenen gut tun können, liegt meines Erachtens auf der Hand und muss nicht noch speziell durch Studien belegt werden.

Trotzdem wäre es selbstverständlich wünschenswert, wenn die Wirksamkeit besser belegt werden könnte.

Es ist jedoch eher unwahrscheinlich, dass zu dieser Fragestellung grosse und aufwendige Studien gemacht werden können. Im Gesundheitswesen wird vor allem dort in grossem Stil in die Forschung investiert, wo Firmen dadurch patientierbare Produkte auf den Markt bringen können. Nur so lässt sich ein hoher Forschungsaufwand wieder hereinspielen. Dass die Qualität der Studien zum Thema Massage und Aromatherapie-Massage gering ist, dürfte daher nicht zuletzt mit den geringen finanziellen Anreizen zusammenhängen.

Zudem ist es kaum möglich, solche Studien doppelblind mit Placebokontrolle durchzuführen und damit die höchsten Standards der klinischen Forschung zu erfüllen.

Für eine Tablette lässt sich ein identisches Placebo herstellen für die Vergleichsgruppe, für eine Massage nicht.

Das erwähnte Lavendelöl ist bewährt als beruhigender Zusatz in Massageölen. Lavendelöl ist sowohl in der Aromatherapie als auch in der Phytotherapie eines der wichtigsten ätherischen Öle.

Weitere Informationen zur Wirkung und Anwendung von Lavendelöl finden Sie in der Broschüre „Ätherische Öle in der Pflege“.

Echtes Rosenöl ist sehr teuer. Es besitzt eine ausgeprägt antimikrobielle Wirkung. Zu Rosenöl siehe auch:

Aromatherapie / Phytotherapie: Rosenöl

Für Aroma-Massagen eignen sich neben Lavendelöl und Rosenöl eine ganze Reihe von weiteren ätherischen Ölen, zum Beispiel Jasminöl, Melissenöl, Rosmarinöl, Sandelholzöl, Wacholderöl oder Mandarinenöl. Die Auswahl des angewendeten ätherischen Öls wird beeinflusst von unterschiedlichen Wirkungen und von den Vorlieben und Abneigungen der behandelten Person. Die ätherischen Öle werden in der Regel nicht unverdünnt angewendet, sondern in einer Konzentration von meisten etwa 1 – 3 % gemischt mit einem fetten Trägeröl (z. B. Mandelöl, Jojobaöl).

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Melisse als Beruhigungsmittel

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Das Magazin „Focus“ befasst sich mit den Wirkungen der Melisse:

„Das Hauptanwendungsgebiet der Melisse ist die Beruhigung des Nervensystems. Ein Tee aus frischen Melissen-Blättern kann sich bei Stress und Nervosität als wahres Wundermittel erweisen, denn die in ihm enthaltenen ätherischen Öle wirken entspannend und angstlösend.“

Diese Empfehlungen sind nachvollziehbar, auch wenn der Begriff „wahres Wundermittel“ grundsätzlich fragwürdig ist.

Wer Melisse im Haus habe, brauche sich vor schweren Prüfungen keine Sorgen zu machen, schreibt „Focus“ weiter.

Das kann man probieren, doch gibt es bei Prüfungsangst bzw. Prüfungsstress Heilpflanzen, die ich vorziehen würde. Zum Beispiel als leicht angstlösende Präparate hochdosierten Passionsblumenextrakt oder Lavendelöl-Kapseln (Lasea). Und eher für längerfristige Anwendung zur besseren Stressbewältigung Adaptogene wie Ginseng (Ginsana) oder Rosenwurz (Vitango).

Ausserdem empfiehlt „Focus“:

„Vor dem Zubettgehen getrunken, kann auch ein Gläschen vom berühmten Kräuterschnaps Melissengeist beim Einschlafen helfen.“

Hier würde ich den Melissentee kombiniert mit einer Lavendelöl-Anwendung eindeutig vorziehen. Melissengeist hat mir zuviel Alkohol und zuwenig Melisse. Zudem enthält der Melissengeist neben Alkohol und Melissenblättern eine ganze Reihe von Heilpflanzen, die ihn eher als Mittel gegen Verdauungsbeschwerden prädestinieren: Alantwurzelstock, Angelikawurzel, Ingwerwurzelstock, Gewürznelken, Galgantwurzelstock, Schwarze Pfefferfrüchte, Enzianwurzel, Muskatsamen, Pomeranzenschalen, Zimtrinde, Zimtblüten, Kardamomensamen.

Die Melisse überrasche aber mit weiteren ungeahnten Heilkräften, schreibt „Focus“ weiter:

„Neben ihren ätherischen Ölen enthält sie Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide und Mineralsalze. Insbesondere die Gerbstoffe haben erstaunliche Fähigkeiten. Sie attackieren Herpes-Viren und schützen die Haut vor einer erneuten Infektion. Melissenextrakt gilt heute als anerkanntes Mittel gegen die lästigen Lippenbläschen.“

Korrekt. Der Melissenextrakt wird zu diesem Zweck in eine Creme eingearbeitet (Lomaherpan). Das Präparat muss wie alle lokal anzuwendenden antiviralen Herpesmittel bei den ersten Symptomen eingesetzt werden. Es kann die Dauer der Herpeserkrankung leicht verkürzen – vergleichbar mit anderen Fieberbläschensalben.

Ähnlich lokal antiviral gegen Herpesviren wirken Melissenöl und Pfefferminzöl. In der Schweiz gibt es zudem Parsenn Herpescreme aus Salbeiextrakt und Rhabarberwurzelextrakt, in kassenzulässiger Form als Phytovir.

Quelle:

http://www.focus.de/kultur/videos/melisse-melisse-zur-beruhigung-des-nervensystems_id_5294391.html

 

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Phytopharmaka bei Schlafstörungen

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Die „NZZ am Sonntag (21. 2. 2016) veröffentlichte einen Artikel zum Thema „Besser schlafen“. Dabei kommen auch pflanzliche Schlafmittel zur Sprache:

„Bei leichten Schlafstörungen können Phytopharmaka versucht werden. Dazu gehören Baldrian, Lavendel, Hopfen und Melisse. Die Effekte treten allerdings erst nach rund zwei Wochen ein. Bei Frauen ist daran zu denken, dass die Medikamente nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden dürfen.“

Kommentar & Ergänzung:

Diese Angaben müssen präzisiert werden. Bei Baldrianextrakt sieht man in klinischen Studien, dass die Baldrian-Gruppe erst nach etwa 14 Tagen besser schläft als die Placebo-Gruppe. Jedenfalls spricht einiges dafür, dass man das volle Potenzial von Baldrianextrakt erst ausnutzt, wenn man ihn über eine gewisse Zeit einnimmt.

Auch bei anderen Extrakten scheint mir eine kurzfristig eintretende schlafanstossende Wirkung unwahrscheinlich – zum Beispiel bei Melissenextrakt und Hopfenextrakt. Anders sieht es aber aus, wenn ätherische Öle über die Duftebene zur Anwendung kommen (Lavendelöl, Melissenöl). Düfte wirken über Geruchsrezeptoren und Geruchsnerven direkt ins Limbische System. Da kann eine Wirkung schon in wenigen Minuten eintreten. Ein solcher Dufteffekt könnte möglicherweise auch bei Baldriantinktur oder Baldriantee zu einer kurzfristig eintretenden Wirkung führen.

Denn bei den klinischen Studien, bei denen eine Wirkung erst nach etwa 14 Tagen eingetreten ist, wurde der Baldrianextrakt in Kapseln oder Dragees verabreicht. Der Duft war dort also eliminiert.

Auch der oft als Schlaftee verwendete Orangenblütentee wirkt möglicherweise über die Duftebene. Studien zur Wirksamkeit von Orangenblütentee fehlen allerdings.

Zu diskutieren wäre auch der Hinweis, dass Phytopharmaka gegen Schlafstörungen nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden sollen.

Generell ist Zurückhaltung bei der Anwendung auch von pflanzlichen Präparaten in der Schwangerschaft zu empfehlen. In der Phytotherapie-Fachliteratur fehlt aber zum Beispiel bei Baldrian unter „Kontraindikationen“ ein Hinweis auf Schwangerschaft. Das gilt auch für andere Phytopharmaka gegen Schlafstörungen. Denkbar sind in der Schwangerschaft zudem auch schlafanstossende Anwendungen über die Duftebene.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schlafmittel können natürlichen Schlaf nicht ersetzen

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Bei Schlafstörungen sorgen Schlaftabletten zwar meist für die ersehnte Nachtruhe, doch ist diese grundsätzlich nicht so erholsam wie natürlicher Schlaf. Das trifft auf die meisten Schlafpräparate zu.

Durch Schlaftabletten lässt sich der natürliche Schlaf nicht ersetzen.

Manche Patienten hoffen zwar, durch einen Wechsel des Schlafmedikaments lasse sich das ändern.

Das sei jedoch nicht richtig, erklärt die Landesapothekerkammer Hessen.

Über längere Zeit eingenommene Schlaftabletten können zudem dazu führen, dass der Betroffene Konzentrationsschwierigkeiten entwickeln oder unsicher im Straßenverkehr werden. Außerdem besteht bei rezeptpflichtigen Schlafmitteln ein Risiko, nach kurzer Zeit davon abhängig zu werden.

Empfehlenswert ist es grundsätzlich, die Ursachen für Einschlafstörungen oder Durchschlafprobleme so früh wie möglich zu erkunden. Neben Stress, chronischer Erschöpfung und einer ungesunden Lebensweise kommen auch Krankheiten als Ursache in Frage. Schlaftabletten sind dann häufig nicht das angemessene Mittel gegen die Probleme mit der Nachtruhe. Wer beispielsweise wegen Muskelschmerzen oder rheumatischer Beschwerden nicht schlafen kann, sollte besser eine Schmerztherapie ins Auge fassen, empfiehlt die Landesapothekerkammer. Auch bei Kopfschmerzen, die zum Aufwachen führen, könnten andere medizinische Möglichkeiten sinnvoller sein. Darüber hinaus können auch andere Medikamente für den gestörten Schlaf verantwortlich sein.

Quelle:

https://de.nachrichten.yahoo.com/wechsel-des-schlafmittels-verbessert-schlafqualität-nicht-145107503.html

Kommentar & Ergänzung:

Hier fehlen Optionen der Phytotherapie. Mit pflanzlichen Schlafmitteln lassen sich nicht alle Schlafstörungen erfolgreich behandeln, aber als Option, als Wahlmöglichkeit, sollten sie ernst genommen werden. Schliesslich gibt es bei pflanzlichen Schlafmitteln kein Risiko von Abhängigkeit, keine erhöhte Sturzgefahr, kein Hang-over am nächsten Tag und keine relevante Störung der Schlafarchitektur.

Zudem bietet die Phytotherapie bei Schlafstörungen verschiedene Ansatzpunkte:

– Kräutertees wie Orangenblütentee oder Zitronenmelissentee. Zwar gibt es für Kräutertees keine klinischen Studien, weil hier mangels Patentierbarkeit niemand Geld investiert. Doch Kräutertees haben ihre eigene Qualität nicht zuletzt dadurch, dass sie sich gut als Abendritual eignen und sinnliche Aspekte nutzen (warmes Teewasser, Duft).

– Ätherische Öle wie Lavendelöl und Melissenöl können auf verschiedene Arten zur Anwendung kommen (inhalativ, als Bad, als Einreibung).

– Trockenextrakte zum Beispiel aus Baldrian, Hopfen und Passionsblume eignen sich zur Anwendung als Schlafdragée, wobei oft Kombipräparate Baldrianextrakt / Hopfenextrakt oder Mono-Präparate aus Baldrianextrakt eingesetzt werden.

Hier gibt es für einige Kombi-Präparate und Mono-Präparate klinische Studien, die eine Wirksamkeit zeigen, wobei es allerdings in der Regel 2 – 3 Wochen geht, bis die Wirkung der Heilpflanzen-Extrakte besser ist als bei einem Scheinpräparat (Placebo).

 

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Aromatherapie / Phytotherapie: Ätherische Öle bei Schlafstörungen

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Ätherische Öle können bei milden Schlafstörungen eine Alternative zu Schlaftabletten sein und werden zu diesem Zweck in Aromatherapie und Phytotherapie eingesetzt.

Forscher haben nun in einer aktuellen Übersichtsarbeit, in der 15 Einzelstudien zusammengefasst worden sind, den Nutzen von ätherischen Ölen bei Schlafstörungen aufzeigen können. Am häufigsten wurde Lavendelöl in den Studien eingesetzt (10 Studien).

Berichte über Nebenwirkungen gab es dabei nicht.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/schlafen-im-duftparadies.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24720812

Lillehei AS, Halcon LL. A systematic review of the effect of inhaled essential oils on sleep. J Altern Complement Med. 2014 Jun;20(6):441-51.

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Meldung sagt insgesamt nicht viel aus und die Qualität dieser Übersichtarbeit kann ich nicht beurteilen. Klar ist aber, dass Lavendelöl am besten untersucht und belegt ist zur Behandlung von Schlafstörungen. Daher wird Lavendelöl in Aromatherapie, Aromapflege und Phytotherapie auch oft angewendet für diesen Indikationsbereich.

Interessant zur Behandlung von Schlafstörungen ist auch Melissenöl aus Melissa officinalis (Zitronenmelisse). Melissenöl ist aber viel teurer als Lavendelöl.

Wenn in der Übersichtsstudie steht, dass keine Nebenwirkungen berichtet wurden, heisst das nicht, dass Nebenwirkungen ausgeschlossen sind. Ätherische Öle können zum Beispiel Allergien auslösen. Dieses Risiko ist unterschiedlich bei den verschiedenen ätherischen Ölen. Lavendelöl gilt als in der Regel gut verträglich, doch kann es auch hier vereinzelt zu allergischen Hautreaktionen kommen.

Zu den Wirkungen und Anwendungsbereichen von Lavendelöl finden Sie hier eine Broschüre:

Ätherische Öle in der Pflege – Grundlagenwissen über ätherische Öle – Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Lavendelöl

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Aromatherapie / Aromapflege: Ätherische Öle mit antiviraler Wirkung

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Auf springermedizin.at veröffentlichte Wolfgang Steflitsch einen Beitrag mit dem Titel „Ein medizinischer Blick auf die Aromatherapie“. Ein Abschnitt in diesem Artikel geht auf die antivirale Wirkung von ätherischen Ölen ein:

„Aber auch die antivirale Aktivität zählt zu den Domänen von ätherischen Ölen. Besondere Einsatzgebiete sind dabei Herpes- und Influenza-Viren. Bewährte ätherische Öle in dieser Indikation sind Ingwer (Zingiber officinale), Kamille deutsch (Matricaria recutita), Manuka (Leptospermum scoparium), Sandelholz (Santalum album), Melisse (Melissa officinalis), Teebaum (Melaleuca alternifolia), Ravintsara (Cinnamomum camphora Ct. Cineol) und Ysop (Hyssopus officinalis).“

Quelle:

http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/komplementaermedizin/?full=41341

Komplementärmedizin Nr. 2 / 2014

 

Kommentar & Ergänzung:

Viele ätherische Öle zeigen antivirale Wirkungen. Das ist eine interessante Eigenschaft dieser Wirkstoffe aus Heilpflanzen.

Auf welchen Kriterien sich die obige Auswahl begründet, ist unklar. Mir fehlt hier zum Beispiel Pfefferminzöl, das gut wirksam ist gegen Herpesviren.

Es gibt allerdings einen wichtigen Aspekt, der bei diesem Thema zu beachten ist:

Im Labor können ziemlich leicht antivirale Wirkungen von ätherischen Ölen erzeugt und festgestellt werden. Entscheidend ist aber die Frage, ob solche Effekte auch in der konkreten Erkrankungssituation auftreten. Bei Herpes ist das plausibel, wenn Melissenöl oder Pfefferminzöl im Frühstadium lokal aufgetragen wird. Bei Influenza (Grippe) ist das schwieriger. Ätherische Öle kann man mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht in so hohen Dosierungen einnehmen, dass sie eine Konzentration erreichen, die im ganzen Körper antiviral wirkt. Und auch beim Verdunstenlassen in der Raumluft ist fraglich, ob eine wirksame Konzentration erreicht wird. Allenfalls könnte man durch direktes Inhalieren von ätherischen Ölen einen lokalen antiviralen Effekt in den Atemwegen bewirken, aber es stellen sich hier noch sehr viele offene Fragen.

Meinem Eindruck nach gibt es in der Aromatherapie bzw. Aromapflege eine Tendenz, allzu schnell von Laborwirkungen auf Wirkungen in der Erkrankungssituation zu schliessen. Da würde ich mir mehr Differenzierung wünschen.

Siehe auch:

Antivirale Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl gegen Herpes-simplex-Viren

Herpesviren mit Melissenöl und Teebaumöl stoppen 

Melissenöl hält Herpesviren in Zellkulturen in Schach

 

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Antivirale Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl gegen Herpes-simplex-Viren

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In einer Dissertation untersuchte Dr. med. Anja Schuhmacher die Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl gegen Herpesviren.

Herpes simplex Viren sind weltweit verbreitet und zählen zu den häufigsten Krankheitserregern. Sie verursachen beim Menschen in der Regel schmerzhafte, bläschenförmige Hautläsionen in und um die Mundhöhle (Lippenherpes, Fieberbläschen) und im Genitalbereich (Genitalherpes), können jedoch auch insbesondere bei Immunsupprimierten zu lebensbedrohlichen systemischen Infektionen führen.

Für zahlreiche ätherische Öle wurde bereits eine hohe antibakterielle und antimykotische (= pilzhemmende) Wirksamkeit nachgewiesen. Über eine mögliche antivirale Wirkung von ätherischen Ölen finden sich dagegen bisher nur wenig Informationen.

Anja Schuhmacher untersuchte  die antivirale Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl gegen Herpes simplex Viren Typ 1 und Typ 2 in der Zellkultur und charakterisierte sie im Hinblick auf den Wirkmechanismus genauer.

Zur Bestimmung der antiviralen Wirkung wurden Plaquereduktionsversuche in verschiedenen Varianten eingesetzt. Sie ergaben eindeutig eine antivirale Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl bei einstündiger Inkubation von Virus und ätherischem Öl. Dieser Effekt war abhängig von der Ölkonzentration.

Herausragend war insbesondere die starke Wirkung von Melissenöl gegen HSV-2, die möglicherweise den in Melissenöl in großer Menge vorkommenden Aldehyden zuzuschreiben ist. Vergleichbar tiefe Wirkstoffkonzentrationen wurden bisher nur für ein anderes ätherisches Öl beschrieben.

Gezeigt werden konnte außerdem die Abhängigkeit der antiviralen Wirkung von der Einwirkungszeit der ätherischen Öle auf die Viren. Bei Einwirkzeiten ab 3 Stunden wurden durch die maximalen nicht-zytotoxische Ölkonzentrationen umehr als 99 % der Viren inaktiviert, was für eine direkte viruzide Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl spricht.

Durch Zugabe der ätherischen Öle zu verschiedenen Zeiten des Infektionszyklus der Herpesviren, konnte nachgewiesen werden, dass Pfefferminzöl und Melissenöl nach erfolgter Viruspenetration keinen Einfluss mehr auf die Virusvermehrung haben und auch nicht über eine Beeinflussung der Wirtszellen antiviral wirken. Die stärkste Wirkung zeigte sich bei Behandlung der Viren mit ätherischem Öl vor der Infektion. Bei Ölzugabe während der Infektion wurde ein schwächerer antiviraler Effekt ermittelt.

Diese Resultate zeigen, dass Pfefferminzöl und Melissenöl einen direkten antiviralen Effekt auf Herpes simplex Viren haben, und sie stützen die Theorie, dass ätherische Öle nicht die Virusreplikation hemmen, sondern einen früheren Schritt der Virusvermehrung. Die lipophilen (= fettliebenden) Eigenschaften ätherischer Öle machen eine Wechselwirkung mit der Virushülle wahrscheinlich, die zur Verhinderung der Virusadsorption oder In dieser Arbeit wurde außerdem erstmals die antivirale Wirkung von zwei ätherischen Ölen gegen HSV-1 Viren nachgewiesen, die gegen Aciclovir (Zophirax®) resistent sind. Pfefferminzöl und Melissenöl zeigten sich in der Lage, in den maximalen nicht zytotoxischen Konzentrationen bei einstündiger Inkubation von ätherischem Öl und Viren die Zahl der resistenten Viren um über 99 % zu reduzieren.

Diese Resultate bestätigen die in Überlieferungen der traditionellen Medizin postulierte antivirale Wirkung ätherischer Öle und deren potentiellen Nutzen in der lokalen Behandlung von Herpes simplex Infektionen. Auch wenn in diesen ätherischen Ölen noch keine Einzelsubstanz als Träger der antiviralen Eigenschaften ausfindig gemacht werden konnte und auch der Wirkmechanismus noch detaillierter untersucht werden muss, können Pfefferminzöl und Melissenöl als vielversprechende Kandidaten für eine topische (= lokale) antivirale Therapie bei Herpes simplex Infektionen angesehen werden.

Quelle:

http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/4359/1/Zusammenfassung.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Das sind interessante Laborergebnisse, die unter anderem bestätigen, dass eine antivirale Anwendung von ätherischen Ölen nur im Frühstadium Sinn macht. Das gilt im übrigen auch für andere pflanzliche Fieberbläschen-Präparate, wie zum Beispiel den  Melissenextrakt, wie er im Fertigpräparat „Valverde® Fieberbläschensalbe“ zur Anwendung kommt. Als wirksamer Bestandteil gilt dort der Lamiaceen-Gerbstoff, der an Virusproteine andockt.

Gute antivirale Effekte auf Herpesviren wurden auch mit einem Kombipräparat aus Salbeiextrakt und Rhabarberwurzelextrakt erzielt (Parsenn-Herpes Creme®, Phytovir®).

Wenn Melissenöl und Pfefferminzöl beide gegen Herpesviren wirksam sind, dann ist der Preisunterschied nicht unwesentlich. Melissenöl ist sehr viel teurer.

Anzufügen wäre dazu allerdings noch, dass sich antivirale Effekte im Labor wohl leichter erzielen lassen als im menschlichen Gewebe. Dort hat es jedenfalls nicht nur Viren, sondern auch jede Menge anderer Proteine.

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Lindernde Massnahmen für Schreikinder

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Bei Kindern mit exzessivem Schreien können Maßnahmen wie Ernährungsveränderungen oder Akupunktur lindernd wirken.

Forscher haben im Auftrag des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) verschiedene Ansätze untersucht, die exzessives Schreien bei Kindern reduzieren sollen.

Zu den dabei betrachteten Schreiambulanzen finden die Wissenschaftler keine Studiendaten, die deren Wirksamkeit nachweisen, teilte das DIMDI mit.

Für einzelne Maßnahmen existieren jedoch Belege für positive Effekte aus Studien: So könnten gewisse Ernährungsveränderungen, Akupunktur oder psychologische Ansätze zu einer Verbesserung des Schreiverhaltens beitragen.

Die Wissenschaftler fassen ihre Resultate in einem HTA-Bericht zusammen (Health Technology Assessment, wissenschaftliche Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien). Für ihren Bericht identifizierten sie 23 wissenschaftliche Studien.

Diese Studien zeigen, dass unter anderem eine angepasste Ernährung das Schreien der Kinder vermindert.

Lindernd wirkten demnach eine pflanzliche Mischung aus Fenchel, Kamille und Melisse, eine Fenchelsamen-Emulsion, allergenarme Kost, Kräutertee und hydrolisierte Kost sowie ein Verzicht auf Kuhmilchprodukte. Auch für die Akupunktur zeigen Studien günstige Effekte.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/news/article/830213/schreikinder-hilft-eltern-babys.html

Eine Zusammenfassung des Berichts ist abrufbar auf:

http://portal.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta338_zusammenfassung_de.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Ein Säugling gilt dann als Schreikind, wenn er die sogenannte Dreierregel erfüllt: Er quengelt oder schreit anhaltend und ausdauernd mindestens drei Stunden pro Tag, an mindestens drei Tagen in der Woche und mehr als drei Wochen lang.

Das Schreien wird manchmal durch bestimmte Auslöser wie Hunger oder Müdigkeit verursacht. Oft sind aber keine bestimmten Gründe zu erkennen. Solcherart unspezifisches Schreien tritt typischerweise in den Abendstunden auf.

Schreit ein Säugling sehr häufig ohne ersichtliche Ursache, ist eine ärztliche Untersuchung nötig, um ernsthafte Auslöser auszuschliessen (zum Beispiel einen Harnwegsinfekt oder eine Mittelohrentzündung).

Wirklich wirksame Massnahmen für Schreikinder sind oft nicht einfach zu finden. In der Phytotherapie werden vor allem blähungswidrige Mittel (Karminativa), krampflösende Mittel (Spasmolytika) und beruhigende Mittel (Sedativa) empfohlen.

Die oben erwähnte Melisse gehört zu den Sedativa und wird als Melissentee innerlich und als Melissenöl (via Einatmung) angewendet. Beruhigend via Einatmung ist auch Lavendelöl anwendbar.

Neben Fenchelfrüchten werden in der Phytotherapie-Fachliteratur als Spasmolytika und Karminativa auch Kümmel bei Schreikindern empfohlen, wenn die Verdauung als wesentlich daran beteiligt zu sein scheint.

Im „Leitfaden Phytotherapie“ (2010) von Schilcher / Kammerer / Wegener: „Kümmelöl (Carvi aeth.): 2 – 3 Tr. in etwas Wasser oder besser in Milch verteilt zu den Mahlzeiten“. Mir selber ist das etwas zu stark für Säuglinge. Für die äusserliche Anwendung bei „Dreimonatskoliken“ empfiehlt der „Leitfaden Phytotherapie“ eine 10%ige Lösung von Kümmelöl in Olivenöl. Davon sollen einige Tropfen auf den Bauch und insbesondere in der Nabelgegend im Uhrzeigersinn eingerieben werden. Eine weitere Option für Säuglinge sind Dillfrüchte. Sie sind milder, aber auch schwächer als Fenchelfrüchte und Kümmelfrüchte.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Aromatherapie / Phytotherapie: Teebaumöl giftig für Katzen

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Die „FAZ“ stellt das „Wundermittel“ Teebaumöl in Frage und verweist auf Vergiftungen bei Hunden und Katzen:

„Besonders herbe Kritik an der unreflektierten Verwendung des Wundermittels kommt aber von amerikanischen Veterinärmedizinern. Sie sammelten über zehn Jahre Fälle von fast 450 Hunden und Katzen, die mit Teebaumöl in Kontakt gekommen und dadurch massiv vergiftet worden waren. In neunzig Prozent der Fälle hatten die Halter ihre Tiere absichtlich mit dem Mittel besprüht, offenbar, um sie auf „natürliche“ Weise zu entflohen. Die Tiere litten unter Lähmungen und Krämpfen; ihre Entgiftungssysteme sind der Substanz nicht gewachsen.“

Quelle:

http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/glosse-die-neue-teebaumoel-skepsis-hilft-gegen-alles-12750479.html

Kommentar & Ergänzung:

Dass Teebaumöl für Katzen gefährlich werden kann, ist eine gut gesicherte Erkenntnis, die leider nicht allen Katzenbesitzerinnen und Katzenbesitzern bekannt ist. Es wird aber auch von Vergiftungen bei Hunden berichtet. Leider fehlen im „FAZ“-Artikel Angaben dazu, wo in den USA und von wem diese Fallsammlung erstellt wurde.

Das Institut für Veterinärpharmakologie und –toxikologie der Universität Zürich schreibt zur Toxizität des Teebaumöls und zum Unterschied zwischen Hund und Katze:

„Die Toxizität des Teebaumöls ist mit der anderer terpenhaltiger ätherischer Öle (z.B. Eukalyptusöl) vergleichbar. Katzen sind aufgrund geringerer Glukuronidierungsfähigkeit und intensiveren Putzverhalten empfindlicher als Hunde (Bischoff 1998).“

Quelle:

http://www.vetpharm.uzh.ch/reloader.htm?wir/00006864/7734_08.htm?wir/00006864/7734_00.htm

Teebaumöl ist ein interessantes Naturheilmittel, aber bezüglich Verträglichkeit und Allergiepotenzial nicht unproblematisch. Meines Erachtens gibt es für die meisten Anwendungsbereiche andere ätherische Öle, die besser verträglich, geruchlich angenehmer und betreffend Wirksamkeit ebenbürtig sind.

Siehe auch:

Aromatherapie / Phytotherapie: Zur Wirkung von Teebaumöl

Jasminöl, Teebaumöl und Minzöl gegen Scheidenpilz untersucht

Teebaumöl – ein Naturheilmittel macht Karriere

Herpesviren mit Melissenöl und Teebaumöl stoppen

Teebaumöl als Naturheilmittel

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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