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Zitronenmelisse-Extrakt beruhigt nervöse Herzen

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Melissenextrakt hilft laut einer iranischen Studie bei Herzstolpern.

Die Melisse (Melissa officinalis) wurde früher oft auch „Herztrost“ genannt und ihre beruhigende Wirkung wurde bereits von Ärzten des Altertums und Mittelalters wie Theophrastos und Paracelsus beschrieben. Daher ist es naheliegend, diese altbewährte Heilpflanze auch im Hinblick auf eine mögliche Wirksamkeit bei nervösen Herzbeschwerden zu untersuchen.

Inwiefern ein Melissenextrakt Patienten mit regelmäßig auftretendem gutartigen Herzrasen helfen kann, untersuchten nun Wissenschaftler im Iran mit einer kleinen Studie. Die Teilnehmer wurden per Zufallsentscheid in zwei Gruppen unterteilt, die über den Studienzeitraum von zwei Wochen entweder zwei Mal täglich eine Kapsel mit 500 mg Melissenextrakt oder aber Placebokapseln erhielten.

Erfasst wurden psychische Symptome wie Angstgefühle, depressive Verstimmungen, Schlaflosigkeit, Somatisierung und psychosoziale Belastungen.

Bei den Patienten in der Melissenextraktgruppe konnten die Vorfälle des Herzrasens um mehr als ein Drittel vermindert werden. Auch die Angstzustände und damit verbundene (Ein-)Schlafstörungen gingen bei diesen Patienten im Vergleich zu jenen, die Placebokapseln bekamen, deutlich zurück. Der Melissenextrakt wurde von den Probanden insgesamt gut vertragen.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/zitronenmelisse-beruhigt-nervoese-herzen.html

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378874115000781?via%3Dihub

http://dx.doi.org/10.1016/j.jep.2015.02.007

 

Kommentar & Ergänzung:

Herzbeschwerden brauchen natürlich eine ärztliche Untersuchung. Bei nervös bedingten, funktionellen Herzbeschwerden können beruhigend wirkende Heilpflanzen wie Melisse oder Lavendel durchaus sinnvoll als Teil einer Behandlung eingesetzt werden.

Die Studie aus dem Iran ist interessant, wirft aber eine ganze Reihe von Fragen auf. An der beruhigenden Wirkung von Melisse dürfte das ätherische Melissenöl beteiligt sein, insbesondere sein Bestandteil Citronellal. Allerdings wird Melissenöl im hier untersuchten wässrigen Trockenextrakt aus Melisse kaum in relevanter Konzentration vorhanden sein. Darüber hinaus gibt es Hinweise aus Tierexperimenten, wonach Rosmarinsäure beruhigende und antidepressive Effekte auslösen kann. Ob sich diese Erkenntnisse auf die Anwendung beim Menschen übertragen lassen, ist aber ungeklärt. Rosmarinsäure kommt zudem nicht nur in Melisse vor, sondern auch in anderen Lippenblütlern wie Salbei oder Rosmarin, die dann eigentlich auch beruhigend wirken müssten.

Siehe dazu:

Was ist Rosmarinsäure?

Ich kann die Qualität und Aussagekraft der iranischen Studie nicht detailliert beurteilen. Klar ist allerdings, dass die Zahl der Teilnehmenden mit 71 ziemlich klein ist. Zudem haben nur 55 davon die Studie bis zum Abschluss mitgemacht. Diese Aussteigerquote von 16 scheint mir etwas gar hoch.

Ich habe zudem bei Studien aus dem Iran immer ein Wort von Roman Huber in Erinnerung. Der Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Uniklinik Freiburg wies in einem Interview darauf hin, dass aus dem Iran genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen kommen. Das ist nicht sehr vertrauenserweckend (Interview siehe hier).

 

Die untersuchten Melissenextrakt-Kapseln sind bei uns nicht im Handel.

Ein wässriger Trockenextrakt aus Melisse ist Bestandteil von Baldriparan (zusammen mit Baldrianextrakt und Hopfenextrakt). Ein alkololischer Trockenextrakt aus Melisse ist Bestandteil von Dormiplant (zusammen mit Baldrianextrakt). Ich würde bei nervösen Herzbeschwerden aber durchaus auch Melissentee empfehlen, auch wenn es dafür keine Belege aus Studien gibt. Das kostet fast nichts und hat noch einen Ritualcharakter.

Klosterfrau Melissengeist enthält mir zuviel Alkohol. Siehe dazu:

Klosterfrau Melissengeist & Alkoholismus

Wenn ich in deser Art auf kritische Punkte von Studien hinweise, werde ich manchmal gefragt, warum ich das mache. Ich könne doch froh sein, dass Studien gemacht werden und dadurch die Phytotherapie an Stärke gewinnt.

Die Phytotherapie gewinnt aber nur wirklich durch starke, gut gemachte Studien. Es ist sehr wichtig sich klarzumachen, dass es viele Studien gibt, die nur sehr geringe Aussagekraft haben und zum Teil einfach von schlechter Qualität sind. Das gilt für Studien in der klassischen Pharmaforschung mit synthetischen Arzneistoffen genauso wie für Studien im Bereich von Komplementärmedizin und Naturheilkunde.

„Eine Studie hat gezeigt, dass……“ ist also eine Satz, die noch gar nichts aussagt, wenn man sich nicht die Qualität der Studie anschaut.

Siehe dazu auch:

Qualitätssicherung in der Phytotherapie

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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www.phytotherapie-seminare.ch

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Salbei bei Demenz?

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Eine systematische Übersichtsarbeit findet Erfolge bei der Anwendung von Salbei bei Gesunden und bei Demenzpatienten.

Unter den insgesamt 900 Arten des Salbeis sind vor allem der Echte Salbei (Salvia officinalis) und der Lavendelblättrige oder auch Spanische Salbei (Salvia lavandulifolia) für ihre Heilwirkungen bekannt. Den Salbei schätzte man schon im Altertum, aber auch in traditionellen Heilsystemen wie der Ayurvedischen und Chinesischen Medizin als Heilpflanze bei Verdauungsproblemen, Entzündungen und Harnstau.

Forscher haben nun in einer systematischen Übersichtsarbeit klinische Studien ausgewertet, die die erwähnten Salbeiarten auf ihre Effekte auf die Gedächtnisleistung untersuchten. Die Übersichtsarbeit umfasste sowohl Studien mit gesunden Probanden als auch solche mit Alzheimerpatienten beziehungsweise Patienten mit schwacher bis moderater Demenz.

Acht Studien wurden ausgewertet. Beide Salbeiarten sollen dabei unter dem Strich erfolgreich die Gedächtnisleistung sowohl gesunder Patienten als auch Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer erhöht haben.

Der Salbei wurde in den ausgewerteten Studien oral verabreicht, nur in einer Studie geschah die Aufnahme des Salbeiöls über die Atemwege im Rahmen einer Aromatherapie.

Schwerwiegende Nebenwirkungen traten in den Studien nicht auf. Die günstigen Ergebnisse werden allerdings dadurch eingeschränkt, dass in den Studien verschiedene Salbei-Zubereitungen verwendet wurden, was einen direkten Vergleich der Resultate erschwert. So wurden unter anderem verschiedene Extrakte oder aber ätherisches Öl verwendet. Die pharmakologisch wirksame Zusammensetzung der Präparate bleibt somit unklar.

Die Ergebnisse werfen die Frage auf, ob Salbei eine nebenwirkungsarme Perspektive für Demenzpatienten sein könnte. Um das zu klären, wären allerdings weitere Forschungen nötig.

 

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/salbei-verhindert-gedaechtnisverlust.html

Miroddi M, Navarra M, Quattropani MC, Calapai F, Gangemi S, Calapai G. Systematic review of clinical trials assessing pharmacological properties of Salvia species on memory, cognitive impairment and Alzheimer’s disease. CNS Neurosci Ther 2014; 20: 485-495

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24836739

 

Kommentar & Ergänzung:

Diese Ergebnisse bezüglich einer möglichen Wirkung von Salbei auf die Gedächtnisleistung sind interessant, lassen aber noch viele Fragen offen.

Wie lange hält die Wirkung an?

Wie stark ist sie?

Welche Wirkstoffe sind dafür verantwortlich?

Sind die Wirkstoffe flüchtig und damit im ätherischen Öl vorhanden, oder nichtflüchtig und deshalb eher im Salbeitee oder Salbeiextrakt zu erwarten. Sind sie wasserlöslich oder fettlöslich – also eher in wässrigem Lösungsmittel (Salbeitee) oder in alkoholischen Zubereitungen (Salbeitinktur, alkoholischer Salbeiextrakt)?

Für Salbeiöl gibt es einen interessanten Hinweis im Fachbuch „Hänsel / Sticher, Pharmakognosie – Phytopharmazie, Springer Verlag“ (2010):

„Salbeiöl hemmt in vitro und in vivo die Acetylcholinesterase und verbessert die Stimmung und die kognitive Leistungsfähigkeit …Inwieweit diese Erkenntnis eine Bedeutung zur Behandlung bei fortgeschrittener Demenz haben, ist im Augenblick nicht absehbar.“

Salbei enthält ein ätherisches Öl mit dem Hauptbestandteil Thujon. Salbeiöl und alkoholische Salbeizubereitungen sollten daher nur nach genauer Dosierung und nicht über längere Zeiträume eingenommen werden.

Forschungen zur Wirksamkeit bei Demenz gibt es auch bei der Melisse (Melissa officinalis), wobei Melissenextrakt und getrocknete Melisse in Kapselform zur Anwendung kamen. Das deutet dann weniger in Richtung ätherischem Öl als Wirkstoff, sondern eher auf Rosmarinsäure (Lamiaceengerbstoff), die auch in der Salbei vorhanden ist und im Labor neuroprotektive Effekte zeigte. Tierversuche mit Rosmarinsäure deuten zudem auf sedative und antidepressive Wirkungen von Rosmarinsäure hin. Aber auch da stellen sich Fragen der Dosierung und der Resorbierbarkeit.

Siehe dazu:

Heilpflanzen: Melisse gegen Herpes, als Beruhigungsmittel und für’s Gedächtnis

Und abschliessend: Was immer auch diese Studien genau aussagen, darf man sich beim Thema Demenz nicht allzu viel versprechen. Jede medikamentöse Beeinflussung dieses Krankheitsprozesses ist bisher leider sehr begrenzt wirksam.

 

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Aromatherapie / Phytotherapie: Ätherische Öle bei Schlafstörungen

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Ätherische Öle können bei milden Schlafstörungen eine Alternative zu Schlaftabletten sein und werden zu diesem Zweck in Aromatherapie und Phytotherapie eingesetzt.

Forscher haben nun in einer aktuellen Übersichtsarbeit, in der 15 Einzelstudien zusammengefasst worden sind, den Nutzen von ätherischen Ölen bei Schlafstörungen aufzeigen können. Am häufigsten wurde Lavendelöl in den Studien eingesetzt (10 Studien).

Berichte über Nebenwirkungen gab es dabei nicht.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/schlafen-im-duftparadies.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24720812

Lillehei AS, Halcon LL. A systematic review of the effect of inhaled essential oils on sleep. J Altern Complement Med. 2014 Jun;20(6):441-51.

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Meldung sagt insgesamt nicht viel aus und die Qualität dieser Übersichtarbeit kann ich nicht beurteilen. Klar ist aber, dass Lavendelöl am besten untersucht und belegt ist zur Behandlung von Schlafstörungen. Daher wird Lavendelöl in Aromatherapie, Aromapflege und Phytotherapie auch oft angewendet für diesen Indikationsbereich.

Interessant zur Behandlung von Schlafstörungen ist auch Melissenöl aus Melissa officinalis (Zitronenmelisse). Melissenöl ist aber viel teurer als Lavendelöl.

Wenn in der Übersichtsstudie steht, dass keine Nebenwirkungen berichtet wurden, heisst das nicht, dass Nebenwirkungen ausgeschlossen sind. Ätherische Öle können zum Beispiel Allergien auslösen. Dieses Risiko ist unterschiedlich bei den verschiedenen ätherischen Ölen. Lavendelöl gilt als in der Regel gut verträglich, doch kann es auch hier vereinzelt zu allergischen Hautreaktionen kommen.

Zu den Wirkungen und Anwendungsbereichen von Lavendelöl finden Sie hier eine Broschüre:

Ätherische Öle in der Pflege – Grundlagenwissen über ätherische Öle – Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Lavendelöl

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Aromatherapie / Aromapflege: Ätherische Öle mit antiviraler Wirkung

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Auf springermedizin.at veröffentlichte Wolfgang Steflitsch einen Beitrag mit dem Titel „Ein medizinischer Blick auf die Aromatherapie“. Ein Abschnitt in diesem Artikel geht auf die antivirale Wirkung von ätherischen Ölen ein:

„Aber auch die antivirale Aktivität zählt zu den Domänen von ätherischen Ölen. Besondere Einsatzgebiete sind dabei Herpes- und Influenza-Viren. Bewährte ätherische Öle in dieser Indikation sind Ingwer (Zingiber officinale), Kamille deutsch (Matricaria recutita), Manuka (Leptospermum scoparium), Sandelholz (Santalum album), Melisse (Melissa officinalis), Teebaum (Melaleuca alternifolia), Ravintsara (Cinnamomum camphora Ct. Cineol) und Ysop (Hyssopus officinalis).“

Quelle:

http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/komplementaermedizin/?full=41341

Komplementärmedizin Nr. 2 / 2014

 

Kommentar & Ergänzung:

Viele ätherische Öle zeigen antivirale Wirkungen. Das ist eine interessante Eigenschaft dieser Wirkstoffe aus Heilpflanzen.

Auf welchen Kriterien sich die obige Auswahl begründet, ist unklar. Mir fehlt hier zum Beispiel Pfefferminzöl, das gut wirksam ist gegen Herpesviren.

Es gibt allerdings einen wichtigen Aspekt, der bei diesem Thema zu beachten ist:

Im Labor können ziemlich leicht antivirale Wirkungen von ätherischen Ölen erzeugt und festgestellt werden. Entscheidend ist aber die Frage, ob solche Effekte auch in der konkreten Erkrankungssituation auftreten. Bei Herpes ist das plausibel, wenn Melissenöl oder Pfefferminzöl im Frühstadium lokal aufgetragen wird. Bei Influenza (Grippe) ist das schwieriger. Ätherische Öle kann man mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht in so hohen Dosierungen einnehmen, dass sie eine Konzentration erreichen, die im ganzen Körper antiviral wirkt. Und auch beim Verdunstenlassen in der Raumluft ist fraglich, ob eine wirksame Konzentration erreicht wird. Allenfalls könnte man durch direktes Inhalieren von ätherischen Ölen einen lokalen antiviralen Effekt in den Atemwegen bewirken, aber es stellen sich hier noch sehr viele offene Fragen.

Meinem Eindruck nach gibt es in der Aromatherapie bzw. Aromapflege eine Tendenz, allzu schnell von Laborwirkungen auf Wirkungen in der Erkrankungssituation zu schliessen. Da würde ich mir mehr Differenzierung wünschen.

Siehe auch:

Antivirale Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl gegen Herpes-simplex-Viren

Herpesviren mit Melissenöl und Teebaumöl stoppen 

Melissenöl hält Herpesviren in Zellkulturen in Schach

 

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Melisse zur Duftpflanze des Jahres 2014 gewählt

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Die Vereinigung für Aromapflege und gewerbliche Aromapraktiker (Vaga) hat die Melisse (= Zitronenmelisse, Melissa officinalis) zur Duftpflanze des Jahres 2014 gewählt.

„DiePresse“ geht auf die medizinischen Wirkungen der Melisse ein und zitiert dazu Prof. Rudolf Bauer, Vorstand des Instituts für pharmazeutische Wissenschaften, Department Pharmakognosie, der Karl-Franzens-Universität Graz:

„Melissenextrakt hat einen leicht cholesterinsenkenden Effekt, auch der Zuckerspiegel geht damit herunter.“ Zu diesem Schluss soll eine Studie aus Deutschland gekommen sein.

Ich kenne diese Studie nicht und in der gängigen Phytotherapie-Fachliteratur taucht eine Reduktion von Cholesterin und Blutzuckerspiegel als Wirkung von Melissenextrakt nicht auf. Ob diese Angaben für Patientinnen und Patienten relevant sind, kann ich daher nicht einschätzen. Interessant sind diese Angaben aber schon.

Bekannt seit der Antike indes sei die beruhigende Wirkung von Melisse, schreibt „DiePresse“, und fährt fort:

„Den Lippenblütler kennen wohl viele auch durch Klosterfrau-Melissengeist, seit dem 17. Jahrhundert beliebtes Volksarzneimittel, das bei Magen- und Darmbeschwerden, Erkältung, Appetitlosigkeit und innerer Unruhe eingesetzt wird.“

Eine wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung habe die mehrjährige Pflanze – etwa in Form von Tee, Badezusatz oder Extrakt – unter anderem auch bei nervös bedingten Einschlaf- sowie bei psychovegetativen Störungen.

Die Anwendung als Beruhigungsmittel und als Hilfe bei Einschlafstörungen ist der etablierteste Einsatzbereich der Melisse.

Bauer ergänzt:

„„Die Rosmarinsäure und gewisse Gerbstoffe der Melisse wirken zudem antibakteriell und antiviral.“ – Darauf beruht die Anwendung von Melissensalbe bei Fieberbläschen (Herpes-simplex-Infektion), wobei nur im Anfangsstadium eine Wirksamkeit erwartet werden kann.

Quelle:

http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/1563184/Gekurte-Pflanzenstars-mit-viel-Wirkung?_vl_backlink=/home/leben/gesundheit/index.do

Kommentar & Ergänzung:

Zu Wirkungen der Melisse siehe auch:

Heilpflanzen: Melisse gegen Herpes, als Beruhigungsmittel und für’s Gedächtnis

Die Beschreibung der Melissen-Wirkungen in „DiePresse“ ist fundierter als die letztjährige Präsentation von Thymian als Duftpflanze des Jahres 2013 in der selben Zeitung.

Siehe:

Thymian zur Duftpflanze des Jahres 2013 gewählt

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Lavendel und Melisse als „Stresskiller“

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Der NHV Theoprastus, ein Verein zur Förderung traditioneller Heilkunde, empfiehlt uns:

„Wer bei den Weihnachtsvorbereitungen einen Stresskiller braucht, kann es mit einem Tee aus Lavendel oder Melisse versuchen. Die beiden Heilpflanzen gelten als beruhigend für gereizte Nerven.“

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/tee-aus-melisse-oder-lavendel-als-stresskiller-081300427.html

Kommentar & Ergänzung:

Lavendel (Lavandula angustifolia) und Melisse (Melissa officinalis) sind beides Heilpflanzen, die zur Entspannung beitragen können.

Die Bezeichnung Stresskiller ist im zweiten Teil des Wortes allerdings schon ein bisschen gar hart .

Beide Pflanzen verdanken ihre beruhigende Wirkung dem ätherischen Öl, also dem Lavendelöl bzw. dem Melissenöl.

Lavendelblüten werden eher selten als Tee verwendet. Bewährt haben sie sich als Lavendelsäckchen, das man unters Kopfkissen legt. Häufiger wird das Lavendelöl genutzt:

– Als Lavendelduft eingeatmet,

– gemischt mit Mandelöl oder Bodylotion eingerieben oder

– als Lavendelbad (8 Tropfen in etwas Kaffeerahm gemischt ins Badewasser).

Melissenblätter eignen sich gut als beruhigender Tee. Allerdings verlieren sie beim Trocknen und Aufbewahren rasch ihr ätherisches Öl. Dem Melissentee fehlt dann sein charakteristisches Aroma. Tee aus frischen Melissenblätter wäre besser, ist aber im Winter nicht so einfach greifbar.

Melissenöl wirkt wie Lavendelöl entspannend und ist in gleicher Weise anwendbar (Einatmen, Einreiben in Bodylotion, als Melissenbad). Allerdings ist Melissenöl viel teurer als Lavendelöl.

Ganz abgesehen von der Wirksamkeit spricht für die Anwendung von Kräutertee gegen Stress auch das Teeritual, das schon für sich allein genommen einen entspannenden Effekt hat.  Wichtig wird dabei auch sein, welchen Tee man vom Geschmack her mag.

Verveine (Zitronenverbena, Wohlriechendes Eisenkraut) ist in dieser Hinsicht sehr beliebt und wirkt leicht beruhigend.

In manchen Ländern ist als Abendtee die Kamille Favorit. Bei uns allerdings hat Kamillentee ein „Imageproblem“. Wer als Kind im Krankheitsfall immer Kamillentee trinken musste, wird dieses Aroma lebenslänglich mit elenden Zuständen verbinden.

Tipp: Probieren Sie den Kamillentee mal mit etwas Zitronensaft. So lässt sich sein Aroma modifizieren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen: Melisse gegen Herpes, als Beruhigungsmittel und für’s Gedächtnis

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Die „Welt online* stellt verschiedene Heilpflanzen vor, darunter auch die Zitronenmelisse (Melissa officinalis):

„Melisseöle hemmen das Wachstum von Viren; Herpesbläschen verschwinden schneller, wenn man sie täglich mehrmals damit abtupft. Vergleichsstudien belegen zudem, dass Melissebäder (60 g Melisseblätter per Leinensäckchen in der Badewanne deponieren) als Beruhigungsmittel wirken. Was nicht heißen soll, dass die Pflanze uns einnebelt. Laut Studien der englischen Northumbria-Universität mobilisiert sie den Hirnbotenstoff Acetylcholin und dadurch das Denk- und Erinnerungsvermögen.“

Quelle:

http://www.welt.de/wissenschaft/article13771012/Weihrauch-ist-eine-Wissenschaft-fuer-sich.html

Kommentar & Ergänzung:

Melissenöl zeigt im Labor tatsächlich eine gute Wirkung gegen Herpesviren, die Fieberbläschen auslösen. Das billigere Pfefferminzöl entfaltet diesen Effekt aber auch. Alle lokal aufgetragenen antiviralen Massnahmen bei Fieberbläschen sind allerdings nur in Anfangsstadium wirksam und ob die Infektion bei Lippenbläschen mit Melissenöl oder Pfefferminzöl konkret gestoppt oder der Verlauf relevant verkürzt werden kann, ist nicht eindeutig belegt.

Antiviral bei Herpesinfektion wirkt auch eine Salbe mit Melissenextrakt, wobei in dieser Anwendungsform der Lamiaceen-Gerbstoff als Wirkstoff gilt.

Der Tipp mit dem Melissenbad zur Entspannung, als Beruhigungsmittel und auch als Abendbad bei Einschlafstörungen ist sinnvoll.

Die Meldung über die Forschungen mit Melisse an der Northumbria-Universität betreffend Mobilisierung des Hirnbotenstoffs Acetylcholin ging schon vor Jahren durch die Medien. Melisse soll einem Experiment zufolge das Denk- und Erinnerungsvermögen verbessert haben. Wegen dem Einfluss der Melisse auf den Hirnbotenstoff Acetylcholin wurde in diesen Meldungen eine mögliche Anwendung bei Alzheimer in den Raum gestellt.

Bei den erwähnten Experimenten an der Northumbria-Universität wurde diese Wirkung allerdings an gesunden Studenten festgestellt , denen getrocknete Melisse in Kapselform verabreicht wurde. Im Vergleich zu Placebo sollen die „Melisse-Studenten“ Stunden später in Gedächtnistests besser abgeschnitten haben.

Abstract der Studie: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12888775

Das ist interessant, aber von einer Einmaldosis bei jungen, gesunden Studenten hin zu einer erfolgreichen Anwendung bei Alzheimer-Patienten sind es dann schon noch ein paar Schritte….

Es gibt allerdings auch eine kleine klinische Studie aus dem Iran zur Anwendung von Melisse bei Patienten mit beginnender Demenz vom Alzheimer-Typ. Dabei zeigte sich bei innerlicher Anwendung von Melissenextrakt über vier Monate im Vergleich zu Placebo eine bessere kognitive Leistung und weniger Unruhe.

Abstract: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1738567/

Dazu kommt mir jedoch ein Satz von Roman Huber in den Sinn, dem Leiter des Zentrums für Naturheilkunde an der Uniklinik in Freiburg im Breisgau:

„Bei derartigen Untersuchungen sollte man vorsichtig sein, denn aus dem Iran kommen genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen.“

Siehe dazu: Phytotherapie: Passionsblume – Studien mit unterschiedlicher Qualität

Deshalb gilt in der Wissenschaft der Grundsatz, dass ein Studienresultat erst überzeugt, wenn es von anderen, unabhängigen Wissenschaftlern durch eine Reproduktion der Studie bestätigt wurde. Das ist meines Wissens mit der Studie aus Teheran bisher nicht geschehen.

Festgehalten werden muss auf jeden Fall, dass an der Northumbria-Universität und auch in der iranischen Studie Melissenblatt bzw. Melissenextrakt verwendet wurde, nicht Melissenöl.

Daher spricht einiges dafür, dass es sich um einen nichtflüchtigen Wirkstoff handeln müsste.

Im Zusammenhang mit der Behandlung von Demenzerkrankungen wurden in den letzten Jahren neben der Melisse auch zwei weitere Vertreter der Lippenblütler (Lamiaceen) intensiver untersucht, nämlich Salbei (Salvia officinalis) und Rosmarin (Rosmarinus officinalis). Das Spektrum an Inhaltsstoffen, die für eine neuroprotektive Wirkung verantwortlich sein könnten, ist in bei den Lippenblütlern sehr ähnlich. Die Blätter der drei erwähnten Pflanzen produzieren ein ätherisches Öl, das reich an Monoterpenen mit schwacher Acetylcholinesterase-hemmender Wirkung ist, beispielsweise Citral. Für die nichtflüchtigen Phenylacrylsäuren wie die Rosmarinsäure konnte nachgewiesen werden, dass sie verschiedene Ereignisse vermindern können, die durch β-Amyloid verursacht werden, wie etwa die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies und Tau-Hyperphosphorylierung. Nach der Anwendung von Lamiaceaen-Präparaten konnten zwischenzeitlich günstige Effekte bei kleineren Gruppen von Alzheimer-Patienten gezeigt werden. Rosmarinsäure wäre also ein Kandidat für eine positive Wirkung auf das Gedächtnis bzw. bei leichten Formen von Alzheimer. Sie wurde zum Beispiel nachgewiesen in Pfefferminzblatt (3,5 – 4,5%), Salbeiblatt (2 – 6%), Rosmarinblatt (1 – 2 %), Melissenblatt (0,5 – 1,8%) und Thymianblatt (o,2 – 1,4%). Tierversuche mit Rosmarinsäure deuten auf eine antidepressive und sedative Wirkung hin. Fraglich scheint mir allerdings, ob und allenfalls in welchem Mass Rosmarinsäure überhaupt peroral in den menschlichen Organismus aufgenommen wird. Dazu finde ich in der Phytotherapie-Fachliteratur keine Angaben.

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Verveinetee gegen Nervosität – stimmt’s?

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„Die Pflanze ist auch unter dem Namen Zitronenverbene oder Zitronenstrauch bekannt. Die Blätter enthalten ein feines, frisch nach Zitrone duftendes ätherisches Öl, das beruhigend bei Nervosität und Schlaflosigkeit wirkt……Für einen Tee 1 TL getrocknete Verveine­blätter mit 200 ml kochendem Wasser aufgießen, 10 Minuten ziehen lassen. Alternative: Frische Blätter mit kochendem Wasser übergießen und eine halbe Stunde ziehen lassen.“

Quelle:

http://madonna.oe24.at/gesund/Die-besten-Heilkraeuter-fuer-die-Seele/83718451

Kommentar & Ergänzung:

Verveine (Aloysia triphylla, Lippia citriodora) stammt aus Südamerika ( Argentinien und Chile) und ist eine beliebte Gartenpflanze, Zierpflanze und Teepflanze in warmen und gemässigten Klimaregionen. Vor allem in Frankreich wird Verveinetee gern als Genusstee verwendet.

Verveinetee gilt traditionell aber auch als Beruhigungsmittel und wird gegen Verdauungsbeschwerden empfohlen.

Das ätherische Öl aus den Blättern (Verveineöl) enthält als charakteristische Bestandteile Neral und Geranial (das Gemisch wird Citral genannt).

Citral entfaltet ein intensives Zitronenaroma und  ist auch Hauptbestandteil der ätherischen Öle von Melisse (Melissa officinalis) und Zitronengras (Cymbopogon citratus, syn. Andropogon citratus). Zusammen mit Citronellal ist es Hauptbestandteil des Melissengeists und Grundstoff zahlreicher Liköre. Im Melissentee und im Melissenöl ist Citral das beruhigende Wirkprinzip.

Mit dem Inhaltsstoff Citral lässt sich eine beruhigende Wirkung von Verveinetee begründen. Klinische Studien, die eine solche Wirkung belegen könnten, gibt es dazu allerdings nicht.

Die Bezeichnung Eisenkraut für Verveine und Eisenkrautöl für Verveineöl sind etwas irreführend. Mit Eisenkraut wird botanisch Verbena officinalis bezeichnet. Eisenkrauttee aus Verbena officinalis schmeckt sehr bitter und riecht eher streng. Kein Genusstee also.

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Kräuter und ihre Wirkung: Zitronenmelisse

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„Die Kleine Zeitung“ veröffentlichte eine Zusammenstellung von Kräutern und ihren Wirkungen.

Zur Zitronenmelisse steht dort:

„ Zitronenmelisse (Melissa officinalis)

Der Duft der Zitronenmelisse entfaltet sich, wenn man die Blätter leicht zerreibt. Am besten werden die jungen Blätter und Triebspitzen vor der Blüte geerntet. Sie schmecken frisch oder getrocknet zu Salaten, Saucen, Obstsalat oder Fisch (nur kurz mitkochen). Sehr erfrischend im Sommer ist angesetzter Melissensirup verdünnt mit Wasser.“

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/allgemein/bauenwohnen/garten/multimedia.do?action=showEntry_detail&project=26860&_vl_backlink=/magazin/wellness/2750944/arzneitees-dem-garten.story

Kommentar & Ergänzung:

Die Heilwirkung der Zitronenmelisse kommt hier  zu kurz.

Hier eine Ergänzung dazu:

Die Melisse (Melissa officinalis, = Zitronenmelisse) gehört zu den Lippenblütlern. Melissenblätter enthalten ätherisches Öl mit den Hauptkomponenten Citral und Citronellal, die für das zitronenartige Aroma verantwortlich sind. Zudem Lamiaceen-Gerbstoffe (Hauptvertreter: Rosmarinsäure) und Flavonoide.

Als medizinisch anerkannt gelten folgende Anwendungsbereiche:

Innerlich bei funktionellen Magen-Darm-Beschwerden sowie bei nervös bedingten Einschlafbeschwerden. Äußerlich gegen Herpesinfektionen (Lippenbläschen durch Herpes simplex). Bei Fieberbläschen wirkt der Melissenextrakt mit dem Lamiaceen-Gerbstoff (in Salbenform angewendet), aber auch das Melissenöl. Echtes Melissenöl ist allerdings sehr teuer.

Gegen Einschlafstörungen wird Melissentee, Melissenöl (inhalativ, als Einreibung) oder Melissenextrakt eingesetzt.

Melissenextrakt wird oft kombiniert mit anderen Pflanzenextrakten, die beruhigende und einschlaffördernde Wirkungen zeigen: Hopfenextrakt, Passionsblumenextrakt, Baldrianextrakt.

Ein traditionelles Melissen-Präparat ist der „Melissengeist“.

Es handelt sich dabei um ein alkoholisches Mischdestillat. Melissenblätter, Orangenschalen, Ingwerwurzel, Nelken, Zimtrinde, Angelikawurzel und andere Heilpflanzen werden gemeinsam in Alkohol angesetzt und dann destilliert. „Karmelitergeist“ (Spiritus Melissae compositus) ist eine Mischung verschiedener ätherischer Öle, unter anderem Melissenöl (häufig ausgetauscht gegen das billigere Citronellöl), in Alkohol gelöst.

Zum „Melissengeist“ siehe auch:

Klosterfrau Melissengeist & Alkoholismus

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Sind Goldmelisse und Zitronenmelisse botanisch verwandt?

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Diese Frage wird mir in der Phytotherapie-Ausbildung und in Heilpflanzenkursen immer wieder gestellt.

Goldmelisse (Monarda didyma)  und Zitronenmelisse (Melissa officinalis) gehören zwar beide zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae), doch näher verwandt sind sie nicht.

Nachfolgend ausgewählte Angaben dazu aus Wikipedia.

Zur Goldmelisse

„Die Goldmelisse (Monarda didyma), auch Indianernessel, Scharlach-Monarde genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Monarda in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).“

Merkmale der Goldmelisse:

„Die Goldmelisse ist eine ausdauernde krautige Pflanze mit einem Rhizom, die Wuchshöhen von 80 bis 150 Zentimeter erreicht. Die Pflanze duftet nach Zitrone. Die aufrechten Stängel sind vierkantig. Die gegenständigen Laubblätter sind einfach, rau, und nur kurz gestielt. Die Blattspreite weist eine Länge von 15 cm und eine Breite von 5 cm auf. Der Blattrand ist gesägt.

Etwa 30 Blüten stehen in terminalen Blütenständen mit roten Hochblättern zusammen. Die zittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig. Der Kelch ist 10 bis 14 Millimeter lang und am Schlund kahl oder nur schwach behaart. Die rote, behaarte Krone ist 30 bis 45 Millimeter lang. Die Kronenoberlippe ist kahl oder nur spärlich behaart. Es sind nur zwei Staubblätter vorhanden. Der Griffel endet mit zwei Narbenästen.

Die Blütezeit reicht von Juni bis September.“

Vorkommen der Goldmelisse

„Die Goldmelisse kommt im Osten der USA in feuchten Wäldern und Gebüschen vor.“

Nutzung der Goldmelisse

„Die Goldmelisse wird als Zierpflanze genutzt. Die Wildform wird selten, gezüchtete Sorten zerstreut für Rabatten, Staudenbeete und als Schnittblumen verwendet. In Nordamerika wird diese Art darüber hinaus als Heil- und Duftpflanze genutzt. Sie ist seit 1737 oder 1756 in Kultur. Die zahlreichen Sorten sind entweder Abkömmlinge von Monarda didyma oder von Hybriden aus Monarda didyma und Monarda fistulosa. Sie unterscheiden sich in Blütenfarbe, Wuchshöhe und Mehltauresistenz, ein Teil der Sorten hat auffällige Hochblätter.

Die Blätter können frisch und gegart gegessen werden. Mit den Blättern kann man Nachspeisen würzen.

Aus den frischen und getrockneten Blättern und Blütenständen kann man guten Tee („Oswego Tea“) aufgießen.

Die Oswego-Indianer kannten eine Teezubereitungsart. Ende des 18. Jahrhunderts boykottierten amerikanische Kolonisten den aus England eingeführten Tee. Sie tranken Oswego-Tee.

Sehr gut eigenen sich die duftenden Blätter zum Aromatisieren von Tee und Obstsalat. Auch zum Garnieren finden sie Verwendung.“

Zur Zitronenmelisse

„Die Zitronenmelisse oder Melisse (Melissa officinalis) ist eine aus dem östlichen Mittelmeergebiet stammende Pflanzenart aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).“

Inhaltsstoffe der Zitronenmelisse

„Melissenblätter enthalten 4 bis 7 % Hydroxyzimtsäure-Derivate, vor allem Rosmarinsäure (die sogenannten Labiatengerbstoffe), aber auch Chlorogensäure, Kaffeesäure u. a. Ätherisches Öl ist zu 0,05 bis 0,3 %, in Zuchtsorten bis zu 0,8 % enthalten. Die wichtigsten Komponenten sind Citral (mit 40 bis 70 %, als Gemisch aus Geranial und Neral), Citronellal (1 bis 20 %) und β-Caryophyllen (5 bis 15 %). Weitere Bestandteile sind Caryophyllenepoxid, Germacren D, Methylcitronellal, 6-Methyl-5-hepten-2-on, Geranylacetat, α-Copaen und Nerol. Die Zusammensetzung des ätherischen Öls ist von der Herkunft und den Klimabedingungen, vom Erntezeitpunkt und dem Alter der Pflanze abhängig.

Melisse enthält ätherisches Öl (Hauptbestandteile Citral und Citronellal, Linalool, Geraniol und Aldehyde) aber auch Gerbstoffe (hauptsächlich Rosmarinsäure), Bitterstoffe, Harz, Schleimstoffe, Glykoside, Saponine und Thymol. Der Vitamin-C-Gehalt der frischen Pflanze pro 100 Gramm Frischgewicht beträgt 253,0 Milligramm.“

Namensherkunft

„Der Gattungsname Melissa leitet sich vom griechischen meliteion = Zitronen-Melisse ab, das mit meli = Honig (Genitiv melitos) zusammenhängt. Er bezieht sich auf die Nutzung als Bienenweide. Das Art-Epitheton officinalis bedeutet offizinell, als Arznei verwendet.“

Verbreitung der Zitronenmelisse

„Die Zitronen-Melisse ist im Östlichen Mittelmeergebiet und in Westasien beheimatet. Das natürliche Areal reicht von Anatolien über den Kaukasus, Irak und Iran bis Pakistan. Heute wird sie weltweit in den gemäßigten und warmen Zonen kultiviert und verwildert regelmäßig.

In Mitteleuropa ist sie verwildert vor allem auf Waldschlägen und an Forststraßen zu finden.

Sie wächst bevorzugt auf nährstoffreichen, warmen und trockenen Standorten mit humusreichem sandigem Lehm- oder lehmigem Sandboden.“

Nutzung der Zitronenmelisse

„Die Zitronen-Melisse wird als Gewürz-, Arznei- und als Bienenweidepflanze angebaut. Die Blätter werden als Küchengewürz verwendet. Extrakte aus den Blättern werden zu Kräuterlikören verarbeitet. Zum Aromatisieren von kalten Getränken, Salaten und Saucen sowie Kompotten wird Melisse verwendet. Tee und Wein kann man aus ihr herstellen. Melissentee soll beruhigend wirken und verdauungsfördernd sein.

Als Droge werden die Blätter (Melissae folium) verwendet. Die traditionelle Verwendung ist die Unterstützung der Magenfunktion und bei nervlicher Belastung. Präparate wie Teeaufgüsse, Flüssig- oder Trockenextrakte aus der Melisse wirken sedativ und spasmolytisch. Sie werden bei Einschlafstörungen und Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. Häufig werden sie in Teemischungen mit anderen beruhigend wirkenden Drogen eingesetzt. Bäder werden bei Entzündungen der Haut und der Genitalorgane eingesetzt, aber auch als Entspannungsbäder. Weitere Anwendungsgebiete sind Gallenleiden und hypertone Dyskinesie.

Aufgrund des Gehaltes an Phenolcarbonsäurederivaten, v. a. Rosmarinsäure, haben Melissenblätter eine antimikrobielle und antivirale Wirkung. Dies wird in Salben zur Behandlung von Herpes simplex eingesetzt.

In der Volksmedizin wird die Zitronenmelisse auch gegen Erkältungskrankheiten und Kreislaufschwäche eingesetzt.

Im Handel ist reines Melissenöl aufgrund des hohen Preises (rund 6000 EUR pro kg) selten erhältlich, meist sind es Ersatzöle wie Citronellaöl, Lemongrasöl oder Verfälschungen (Indisches Melissenöl).“

(Quelle: Wikipedia)

Kommentar & Ergänzung:

Goldmelissentee wird in der Pflanzenheilkunde als Einschlaftee vor allem für Kinder empfohlen und ist wegen seiner roten Farbe und dem angenehmen Aroma beliebt. Auch Goldmelissensirup kommt zur Anwendung.

Eine Wirksamkeit ist allerdings für Goldmelissentee und Goldmelissensirup nicht dokumentiert. Das spricht nicht gegen den Gebrauch, wenn man Goldmelissentee oder Goldmelissensirup gern hat und danach gut schlafen kann.

Das ätherische Öl in den Goldmelissenblüten ähnelt in der Zusammensetzung an manchen Punkte  dem Thymian. Es enthält zum Beispiel wie Thymian Thymol und Carvacrol.

Goldmelissenblüten sind ziemlich teuer, wenn man sie in der Apotheke oder Drogerie kauft.

Für die Wirkung der Zitronenmelisse als Einschlafmittel gibt es deutlich bessere Belege. Untersucht wurde in dieser Hinsicht vor allem das ätherische Öl. Melissenöl wird über die Atemwege angewendet, als Melissenbad oder als Einreibung gemischt mit fettem Öl oder Bodylotion. Melissentee = Zitronenmelissentee würde ich aus frischen Melissenblättern zubereiten. Die Melissenblätter verlieren beim Trocknen rasch an ätherischem Öl.

Melissenöl und Melissenextrakt sind ausserdem wirksam gegen Herpes-simplex-Viren. Sie werden deshalb bei Lippenherpes (Fieberbläschen) angewendet.

Über’s Ganze gesehen  setzt die Phytotherapie stärker auf die Zitronenmelisse und auf das Melissenöl als auf die Goldmelisse. Goldmelisse wird aber gerne empfohlen als bewährtes Hausmittel und auch als Genusstee.

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