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Phytotherapie bei Kindern mit Erkältungskrankheiten

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Pflanzliche Arzneimittel gelten als sicher und nebenwirkungsarm, was besonders wichtig ist für den Einsatz bei Kindern. „Phytotherapie bei Kindern“ war daher auch ein Thema bei den 24. Südtiroler Herbstgesprächen für Pharmazeuten.

Akute Infektionen der Atemwege sind die häufigsten Auslöser für einen Arztkontakt im Kindessalter – bis zu 60 Prozent aller Arztkontakte sind darauf zurückzuführen. Im Vorschulalter treten jährlich vier bis zwölf Infekte auf, bei Schulaustritt höchstens vier Infekte pro Jahr. 90 Prozent der unkomplizierten Atemwegsinfekte werden durch Viren verursacht. Univ.-Doz. DDr. Ulrike Kastner sagte dazu: „Die typische Symptomatik ist Erkältung mit Schnupfen, Halsweh und Husten oder der grippale Infekt – mit mäßig hohem Fieber Frösteln, Halsschmerzen, Husten, Schnupfen und Gliederschmerzen.“

Wichtig bei der Behandlung mit Phytopharmaka ist, nicht die Gefahr einer Kinderkrankheit (Masern, Mumps, Varizellen oder Scharlach) bzw. den Beginn einer schweren viralen oder bakteriellen Infektion (Meningitis, Sepsis oder Pneumonie) zu übersehen. Zum Einsatz können traditionelle Hausmittel wie Wickel, Schwitzkuren oder Überwärmungsbäder ebenso gelangen wie Heilpflanzen-Präparate (Medizinaltee, ätherische Öle und Phytopharmaka), aber auch Synthetika und Produkte aus der Komplementärmedizin. „Ein Problem bei Phytopharmaka ist die Dosierung“, erklärte Doz. Kastner: „Es gibt meist keine klaren Richtlinien bei der Dosierung oder – auch im Austria Codex – Angaben mit großen Schwankungsbreiten.“ Als Möglichkeit sieht Doz. Kastner die Anwendung von Dosisberechnungen. Sie empfiehlt als eine Option die Faustregel fünf Prozent der Erwachsenendosis pro Lebensjahr.
Problem Alkohol?
Oftmals werden auch die alkoholischen Zubereitungen in der Kinderheilkunde kritisiert. Viele Mütter lehnen alkoholhältige Tropfen wie zum Beispiel Pflanzentinkturen ganz einfach ab. Doz. Kastner dazu: „Vorsichtig sollte man eigentlich nur bei Säuglingen und Neugeborenen bis zum 6. Monat sein. Denn bis dahin ist die Aktivität der Alkoholdehydrogenase sehr gering oder fehlt sogar noch ganz.“ Aber auch bei anderen Trägermitteln ist Vorsicht nötig. Bei Propylenglykol oder Sorbitol besteht das Risiko einer Intoxikation.

Welche Heilpflanzen bei Erkältungskrankheiten?

Wann sollen jedoch welche Phytopharmaka eingesetzt werden.? Doz. Kastner rät im trockenen Stadium einer Erkältung Immunmodulatoren (Echinacea, Pelargonium sidoides oder Bakterienlysate).
Im Akutstadium mit seröser und zäher Sekretion sind Rhinologika (ätherische Öle), Muzilaginosa (Schleimhaltige Heilpflanzen). Expektoranzien (= Auswurffördernde Mittel, ätherische Öle, Saponoine) und Antitussiva (Hustenreiz-Stiller) empfehlenswert. Als konkreten Tipp rät Doz. Kastner bei einer Rhinitis (Schnupfen) im Säuglingsalter Baby Luuf-Balsam, eine Mischung aus Eukalyptusöl, Kampfer, Terpentinöl und ätherischem Majoranöl, oder Babix-Inhalationslösung (Kajeputöl, Latschenkieferöl und Eukalyptusöl). Bei Husten im Säuglingsalter sei die Anwendung von Pilka-Tropfen sinnvoll, einer äthanolischen Lösung mit Drosera-Extrakt (Sonnentau) und Thymianextrakt. Für die adjuvante Behandlung einer Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) bei Schulkindern und Jugendlichen empfiehlt Doz. Kastner Sinupret, eine Kombination aus Enzian, Primel, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut. Es wirkt sekretolytisch (schleimlösend), antiphlogistisch (entzündungshemmend) und antiviral.

Doz. Kastner hält jedoch auch fest: „Wichtig ist in jedem Fall der frühzeitige Einsatz der Phytotherapeutika, aber auch die Beachtung von gewissen Anwendungsbeschränkungen. Vor allem bei anhaltendem Fieber, Atemnot, Kopfschmerzen oder Nackensteifigkeit sollte der Arzt oder das Spital eingeschaltet werden.“

Quelle:

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=100985&dspaid=833722

24. Südtiroler Herbstgespräche –
Wissenschaftliche Fortbildung zur
Phytotherapie; Bozen, Oktober 2009

Kommentar & Ergänzung:

Die erwähnten Fertigpräparate sind grösstenteils österreichischer Herkunft und daher in der Schweiz nicht erhältlich. Wobei es bei uns ähnliche Heilpflanzen-Präparate gibt.

Die erwähnten Heilpflanzen entsprechen etwa dem aktuellen Wissensstand in der Phytotherapie.

Zur Frage des Alkoholgehaltes in Pflanzentinkturen:

Pflanzentinkturen enthalten zwar etwa 60% Alkohol, doch fällt dies bei den wenigen Tropfen, die jeweils angewendet haben, tatsächlich nicht ins Gewicht. Ich schliesse mich hier aber dem „Schilcher“ an (Leitfaden Phytotherapie), der unterhalb von 8 Lebensmonaten den absoluten Verzicht auf alkoholhaltige Arzneiformen wie zum Beispiel Pflanzentinkturen fordert. Ich selber würde im ersten Lebensjahr nach alkoholfreien Alternativen suchen, zum Beispiel Frischpflanzenpresssäfte.

Falls Sie sich Kompetenz im Bereich der Selbstbehandlung von Erkältungskrankheiten mit Heilpflanzen erwerben möchten:

Einen guten Überblick über die Behandlung von Erkältungskrankheiten mit Heilpflanzen bietet das Tagesseminar zu diesem Thema.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Sechs Gründe für Phytotherapie in der Kinderheilkunde

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Heinz Schilcher und Walter Dorsch beschreiben in ihrem Buch „Phytotherapie in der Kinderheilkunde“ sechs Gründe, welche für Heilpflanzen-Anwendungen aus der Phytotherapie bei der Behandlung von Kindern sprechen.

Nachfolgend diese sechs Gründe in leicht modifizierter Form:

1. Viele Phytopharmaka zeichnet ein relativ gutes Nutzen-Risiko-Verhältnis aus: „ Zahlreiche Naturstoffgruppen (z. B. ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide, Gerbstoffe, Saponine, Schleimstoffe u. a.) bzw. viele Naturstoffeinzelverbindungen (z.B. Chamazulen, Campher, Bisabolol, Menthol, Rutin u. a.) besitzen experimentell nachgewiesene Wirkungen und / oder klinisch belegte Wirksamkeiten bei gleichzeitig geringen oder zu vernachlässigenden unerwünschten Wirkungen.“

2. Viele – nicht alle – pflanzliche Arzneimittel haben eine milde Wirkung: „Bei zahlreichen Kinderkrankheiten genügen aber gerade ‚milde’ bzw. schwache therapeutischen Effekte auch für eine rationale Behandlungsstrategie.“

3. Die Phytotherapie kennt kinderfreundliche Applikationsformen (z. B. Inhalate, Bäder, Salben, Sirupe usw.).

4. „Kinderfreundliche Applikationsformen und in der Regel die überzeugte Mitarbeit der Mütter bzw. der Kinderbetreuer sorgen für eine gute Compliance.“

5. „Das fünfte Argument, welches für die Anwendung pflanzlicher Arzneimittel in der Pädiatrie spricht, ist die Tatsache, dass mit einer Reihe von Phytopharmaka nicht nur eine symptomatische, sondern gleichzeitig auch eine kausale Therapie betrieben werden kann.“

6. „Zuletzt muss auch noch darauf hingewiesen werden, dass im Durchschnitt Phytopharmaka kostengünstiger sind als vergleichbare synthetisch hergestellte Arzneimittel, insbesondere wenn Medizinaltees, Tinkturen, Inhalate, Salben etc. rezeptmässig verordnet bzw. angewendet werden.“

Kommentar & Ergänzung:

Der Erfolg von Phytotherapie in der Kinderheilkunde hängt auch wesentlich damit zusammen, dass  viele Eltern nach natürlichen Alternativen für die Behandlung ihrer Kinder verlangen.

Ergänzend zu Punkt 1: Diesem Argument würde ich zwar zustimmen. Allerdings finde ich Campher und Menthol nicht ganz unproblematische Beispiele für ein gutes Nutzen-Risiko-Verhältnis in der Kinderheilkunde. Campher wird – zum Beispiel wenn in Form einer Erkältungssalbe grossflächig auf die Haut appliziert – rasch und gut in den Organismus aufgenommen, wo es in grösseren Mengen für Säuglinge toxisch wirken kann. Menthol ist für Säuglinge ungeeignet, weil es in seltenen Fällen ernsthafte Atemstörungen auslösen kann (z. B. Kratzschmer-Reflex) kommen kann. Daher bei Säuglingen und Kleinkindern Menthol nicht zur Inhalation verwenden und nicht im Bereich von Hals und Gesicht (insbesondere Nase) auftragen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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