Artikel mit Schlagwort ‘Medizin’

Arzneipflanzenforscher Professor Franz-Christian Czygan gestorben

Freitag, Januar 20th, 2012

Am Montag ist der Arzneipflanzenforscher Franz-Christian Czygan im Alter von 77 Jahren gestorben. Die „Mainpost“ würdigte ihn unter anderem mit folgenden Worten:

„So war der Naturwissenschaftler: vielseitig, offen, begeistert von Kunst und Kultur. Sein Schaffen hatte sich rund um das Thema Arzneipflanzen und ihre Inhaltsstoffe gedreht. Ihre Verwendung in der Volksheilkunde und in der modernen Medizin interessierten ihn genauso wie ihre Geschichte und ihre Darstellung in Malerei und Dichtung. Der Pharmazeut und Biologe, der 1970 nach Würzburg gekommen war und über ein Vierteljahrhundert lang den Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie inne gehabt hatte, erforschte Pflanzenfarbstoffe und Alkaloide, begründete die Forschungsgruppe Klostermedizin mit, war Autor der „Zeitschrift für Phytotherapie“. Auch dem Studienkreis, der die „Arzneipflanze des Jahres“ kürt, gehörte Czygan als Gründungsmitglied an.“

Quelle:

http://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/Kunstsinniger-Botaniker-Professor-Franz-Christian-Czygan-ist-gestorben;art735,6564824

Kommentar & Ergänzung:

Im Leben und Werk von Prof. Franz-Christian Czygan zeigt sich exemplarisch, was die Faszination der Phytotherapie ausmacht.

Wer offen dafür ist, kann in der Phytotherapie Wissensgebiete miteinander verknüpfen, die scheinbar weit voneinander entfernt sind. Da gibt es einerseits die Erkenntnisse moderner Arzneipflanzenforschung, basierend auf wissenschaftlichen Fächern wie Biologie und Pharmazie. Doch die Menschen haben sich schon seit Jahrtausenden mit Heilpflanzen befasst. Und so kommt man in der Phytotherapie immer auch in Berührung mit der Kulturgeschichte der Heilpflanzen. Was Menschen über Heilpflanzen in den verschiedenen Epochen gedacht haben, sagt mehr aus über die Menschen als über die Heilpflanzen. In diesem Bereich der Phytotherapie fliessen Kunst, Philosophie und Geschichte mit ein.

Ich habe Professor Franz-Christian Czygan nur aus seinen Publikationen gekannt.

Diese lassen aber keinen Zweifel daran, dass er sich stark für beide Bereiche interessierte: Die wissenschaftliche Arzneipflanzenforschung und die Kulturgeschichte der Heilpflanzen. In diesem Sinne war Prof. Franz-Christian Czygan für mich immer ein Vorbild. Leider werden Menschen mit dieser „Verknüpfungsfunktion“ seltener. Der Trend geht meinem Eindruck nach nämlich in eine andere Richtung. Zugespitzt formuliert:

Die einen negieren konsequent jede naturwissenschaftliche Erkenntnis über Arzneipflanzen und segeln in relativistisch-beliebigen, trüben esoterischen Gewässern. Die anderen blicken niemals über die Grenzen naturwissenschaftlicher Erkenntnisse hinaus und verpassen das sinnliche, ästhetische und kulturhistorische Potenzial im Umgang mit Heilpflanzen. Beide Extreme reduzieren bedauerlicherweise die Vielfalt.

Daher an dieser Stelle wieder einmal mein Plädoyer für die Verbindung von Kulturgeschichte und Arzneipflanzenforschung in der Phytotherapie.

Wir brauchen mehr Menschen in der Phytotherapie, die sich wie Professor Franz-Christian Czygan mit beiden Bereichen auseinandersetzen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Krankenpflege: Weiterbildung Phytotherapie für Spitex, Pflegeheim, Palliative Care, Klinik….

Dienstag, Januar 17th, 2012

Am Seminar für Integrative Phytotherapie (SIP) in Winterthur startet am 14. Mai 2012 die nächste Phytotherapie-Ausbildung für Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Pflege (und anderen Gesundheitsberufen).

Im Verlaufe von 30 Weiterbildungstagen verteilt über 20 Monate werden professionelle Heilpflanzen-Anwendungen vermittelt (z. B. Kräutertees, Pflanzentinkturen, Wickel, Umschläge, ätherische Öle, Pflanzenextrakte, Salben).

Phytotherapie verbindet die jahrtausendealte Erfahrung traditioneller Heilkräuterkunde mit den Ergebnissen neuzeitlicher Arzneipflanzenforschung. Das macht sie zu einer zeitgemässen Form der Pflanzenheilkunde.

Im Gegensatz zu den meisten Methoden aus Komplementärmedizin und Alternativmedizin ist die Ausbildung am SIP medizinkompatibel und pflegekompatibel, was eine Voraussetzung ist für die erfolgreiche Umsetzung in Pflegeheime, Spitex-Dienste, Psychiatrische Kliniken etc.

Phytotherapie ist dadurch auch die ideale Brücke zur Verbindung von Medizin und Naturheilkunde.

Die Unterrichtszeiten sind abgestimmt auf die Zugverbindungen von Bern, Zürich, Basel, Luzern, St. Gallen.

Detailprogramm der Weiterbildung:

www.phytotherapie-seminare.ch

Argumente für Phytotherapie in der Pflege / Beispiele für die Umsetzung von professionellen Heilpflanzen-Anwendungen in Spitex, Pflegeheim, Palliative Care, Klinik finden Sie hier:

- Interessengemeinschaft Phytotherapie & Pflege: www.ig-pp.ch

- Dokument Phytotherapie in der Pflege

Ausserdem:

Teamweiterbildung für Spitex, Palliative Care, Pflegeheim, Klinik.

Info: www.ig-pp.ch

Der Weltuntergang 2012 nach dem Mayakalender – Kommentar zu einem irren Phänomen

Freitag, Januar 6th, 2012

Ätzend, dieser Hype um den angeblichen Weltuntergang am 21. Dezember 2012 aufgrund angeblicher Vorhersagen eines Mayakalenders.

Ich habe mich gefragt, ob ich auch noch etwas dazu schreiben soll, oder ob es besser wäre, diesen esoterischen Blödsinn gar nicht zu beachten.

Interessant ist nicht die Frage, ob diese bescheuerte Prophezeiung wahr ist oder nicht – die Welt wird am 21. Dezember 2012 nicht untergehen.

Interessant ist vielmehr das Phänomen, wie solche Prophezeiungen konstruiert werden.

Unser Gehirn ist, wenn es auf „Welt“ trifft, ständig auf der Suche nach Ordnung und Zusammenhängen. Das ist auch bei vielen Tierarten schon so.

Besonders in unübersichtlichen Situationen neigt unser Gehirn dazu, auch dort Ordnung und Zusammenhänge zu sehen, wo gar keine sind.  Offenbar ziehen wir notfalls selbst konstruierte Ordnungen dem Chaos vor. Menschen,  die stark zu selbst konstruierten Zusammenhängen neigen, finden sich besonders häufig in den Bereichen der Esoterik und der Verschwörungstheorien. Das hat ganz einfach damit zu tun, dass diese Bereiche auf solchen Konstrukten basieren.

Stärker werden solche Konstrukte beispielsweise, wenn viele Menschen die selbst geschaffenen Ordnungen und Zusammenhänge einer passenden Führerperson übernehmen. Auf dieser Basis entstehen Sekten, Gurusysteme, fundamentalistische Ideologien, Verschwörungstheorien. Sie alle interpretieren die Welt entlang von forciert konstruierten Zusammenhängen und setzen ihre Interpretation absolut.

Rupert Lay hat dieses Phänomen prägnant beschrieben:

„In Situationen objektiver oder subjektiver Orientierungslosigkeit basteln wir Menschen oft die phantastischsten Theorien zusammen. Sie sind um so phantastischer, als sich der Grund oder die Erklärung eines Sachverhaltes oder einer Beziehung zwischen zwei oder mehreren Sachverhalten nicht gleich aus dem Repertoire des eigenen oder sozialvermittelten Lernens anbietet. Unser Vertrauen in die Richtigkeit dieser selbsterstellten Theorie ist nahezu unerschütterlich, und das um so mehr, je grösser der Aufwand bei ihrer Erstellung war und je sonderbarer sie ist. Informationen, die dieser Theorie widersprechen, führen in der Regel nicht zu Korrekturen, sondern zur weiteren Ausarbeitung und Verfeinerung der absurden Erklärung.“

(aus: Philosophie für Manager, Econ Verlag 1991)

Verschwörungstheorien, Weltuntergangs-Prophezeiungen und esoterische Konstrukte sind offenbar Phänomene, die ziemlich stark im menschlichen Hirn verwurzelt sind. Katzen produzieren wohl kaum solche Geschichten (wer weiss…?).

Erstaunlich ist es aber schon, dass  fast ohne reale Fakten, nur basierend auf konstruierten Zusammenhängen, ein solcher weltweiter Hype wie diese Weltuntergangs-Prophezeiung nach dem Mayakalender entstehen kann. „Maya“ genügt offenbar vielen Menschen als Qualitätslabel, das den Wahrheitsgehalt einer Behauptung bestätigt.

Für das Qualitätslabel „Maya“ spricht der Traditions-Bonus (Tradition hat bekanntlich immer Recht) und der Exoten-Bonus (Je exotischer, desto überzeugender – was man nicht kennt, eignet sich besser als weisse Leinwand für die Projektion eigener Wünsche und Bedürfnisse)…..

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

Und schwup, schon übernehmen offenbar ganze Heerscharen ein irres Konstrukt, das nichts enthält als erhitzte Luft. Dabei ist diese Mayakalender-Weltuntergangs-Prophezeiung ja noch vergleichsweise harmlos. Gut, einige Leute verdienen sich daran wohl eine goldene Nase, wie das im Esoterikmarkt mit seinen überrissenen Margen halt so üblich ist. Und einige Leute steigern ihren Eso-Kultstatus, indem sie sich durch Einsicht in diese tiefen Zusammenhänge und in uralte Weisheiten von der breiten, unerleuchteten Masse abheben. Heikler wird es, wenn Menschen im Hinblick auf den bevorstehenden Weltuntergang ihr Haus verkaufen, den Job kündigen, ihre Beziehung aufgeben oder sich und ihre Kinder umbringen, um den Horror eines Weltuntergangs nicht miterleben zu müssen. Das sind alles ganz reale Begleiterscheinungen bisheriger Weltuntergangsszenarien. Wer solche Prophezeiungen weiterverbreitet, trägt dafür Mitverantwortung.

Wer sich detailliert für die Fakten rund um diese angeblichen Wahrsagungen des Mayakalenders zum Weltuntergang interessiert, findet alles dazu hier:

http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/weltuntergang-2012-fragen-und-antworten.php

Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799), den ich sehr schätze, hat zur Wahrsagerei geschrieben:

„Vom Wahrsagen lässt sich wohl leben, aber nicht vom Wahrheit sagen.“

Wobei er aber wohl nicht eine absolute, zweifelsfreie Wahrheit gemeint hat, schreibt er doch auch:

„Wir irren allesamt, nur irret jeder anders.“

Faktenferne Konstrukte in der Politik

Richtig beunruhigend finde ich aber, dass vergleichbare Phänomene auch auf der politischen Ebene zu beobachten sind.  Bei Silvio Berlusconi beispielsweise – einem „exzellenten“ Verschwörungstheoretiker – liess sich sehr gut beobachten, dass seine Fantasien über hintergründige feindliche Einflüsse immer verstiegener wurden, je mehr er in Bedrängnis kam.

Konstruierte Zusammenhänge, die kollektive Bedeutung erlangten, waren aber auch zentral beteiligt am Hexenwahn (rund um den „Schadenzauber“) und im Sündenbocksystem der Nationalsozialisten (die Juden als Ursache für alles Übel). Wenn ich sehe, wie leicht und massenhaft Menschen auf diese Mayakalender-Weltuntergangs-Prophezeiung abfahren – ein leeres Konstrukt ohne Faktenbasis – dann scheint mir das vor allem aus gesellschaftspolitischer Sicht bedenklich..

Für das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaftsform ist es unabdingbar, dass Bürgerinnen und Bürger den Willen und die Fähigkeit haben, angebotene Konstrukte auf ihren Faktengehalt hin abzuklopfen.

Die Überschwemmung mit esoterischen Konstrukten – wie beispielsweise dieser Mayakalender-Weltuntergangs-Prophezeiung – unterminiert meines Erachtens diese Fähigkeit und ist darum gesellschaftspolitisch schädlich.

Faktenferne oder faktenwidrige Konstrukte in der Komplementärmedizin

Faktenferne oder faktenwidrige Konstrukte spielen auch in der Komplementärmedizin eine grosse Rolle und werden vom Markt bestens aufgenommen. Faktenfreiheit ist dafür vielleicht sogar vorteilhaft. Ein gewisser Realitätsgehalt könnte auch dazu betragen, dass Konstrukte an der Erfahrung scheitern.

Dazu zwei Beispiele:

Borreliose-Behandlung mit Kardentinktur

Borreliose ist eine schwierig zu diagnostizierende und –  jedenfalls in späteren Stadien – schwer behandelbare Krankheit. Bei den späten Stadien der Borreliose kommt die Medizin an Grenzen (sie kommt immer wieder an Grenzen, weil selbstverständlich nicht alles machbar ist).

Jedenfalls kann Medizin in solchen Fällen meist keine Heilung versprechen, sondern allenfalls die Beschwerden lindern.

Wo die ganze Wissenschaft und Medizin weltweit an Grenzen stösst, weiss ein Buchautor die Lösung: Kardentinktur heilt Borreliose. Antibiotika sind unnötig und unwirksam. Unzählige Borreliosepatienten setzen ihre Hoffnung (vergeblich) auf Kardentinktur.

Endlich frei von “Schulmedizin”. Kultstatus für Wolf-Dieter Storl als Entdecker dieser natürlichen Behandlung. Schöne Umsätze für den AT-Buchverlag, der keine Skrupel hat, solche fahrlässigen Heilungsversprechungen zu vermarkten.

Wolf-Dieter Storl beschreibt, dass er vor vielen Jahren eine Wanderröte hatte (d. h.: er hatte offenbar Kontakt mit Borreliose-Erregern), sich mit Kardetinktur behandelte und immer noch gesund ist. Was Wolf-Dieter Storl verschweigt: Bei der grossen Mehrheit der Menschen, die Kontakt mit Borrelien haben, entwickelt sich auch ohne Behandlung keine Borreliose. Die Chance ist ausgesprochen gross, dass Storl zu dieser glücklichen Gruppe gehört. Nur eine kleine Minderheit erkrankt an Borreliose, sofern nicht im Frühstadium mit Antibiotika behandelt wird. Für diese kleine Minderheit ist die Antibiotika-Behandlung aber wichtig und die Behandlung mit Kardentinktur anstelle von Antibiotika fatal. Verpasst man nämlich die Antibiotika-Behandlung im Frühstadium, und die Krankheit entwickelt sich weiter, lassen sich die Borreliose-Erreger nur noch  schwer oder gar nicht mehr durch Antibiotika bekämpfen.

Die ganze Geschichte mit der Borreliosetherapie durch Kardentinktur basiert offensichtlich auf einer Fehlinterpretation der Storl’schen „Eigenheilung“  (ein Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss, siehe unten) und auf wunschbasiertem Denken.

Es handelt sich um ein faktenfernes Konstrukt mit hohem Risiko, wenn sich Menschen mit Wanderröte einzig darauf verlassen.

Mehr Details dazu hier:

Karde & Borreliosetherapie nach Storl

Miracle Mineral Supplement (MMS)

Ein Oxidations- und Reinigungsmittel, das in manchen Gegenden auch zur Trinkwasserchlorierung verwendet wir, soll gegen Malaria, Tuberkulose, Diabetes, Krebs, AIDS und vieles andere mehr helfen. Interessant ist hier, dass MMS auch gerne verwendet wird von Menschen, die aus Überzeugung Antioxidantien („Radikalfänger“) schlucken gegen freie Radikale. MMS entwickelt aber freie Radikale (Chlordioxid).

Auch hier haben wir es meines Erachtens mit einem faktenfreien Konstrukt zu tun.

Siehe auch:

Warnung: Miracle Mineral Supplement (MMS)

Faktenferne Konstrukte wie die Borreliose-Kardentinktur-Story und das Miracle Mineral Supplement werden jeweils gestützt durch zahlreiche Heilungsanekdoten. Dabei wird aber der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss nicht beachtet.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-procter-hoc-Fehlschluss

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht?

Warum wir gesund werden

Jede Besserung wird also vorschnell und ungeprüft dem angewandten Mittel zugeschrieben. Placeboeffekt, Selbstheilung, temporäre Besserung im Verlauf chronischer Krankheit und andere mögliche Einflüsse werden ausgeblendet.

Es gibt einen ziemlich egozentrischen „Erfahrungsfundamentalismus“, der die eigene Erfahrung als Massstab unbezweifelbarer Wahrheit betrachtet. Dass die Interpretation der eigenen Erfahrung sehr komplex und mit vielfältigen Selbsttäuschungsmöglichkeiten behaftet ist, geht dabei völlig unter.

Wer um diese Selbsttäuschungsmöglichkeiten weiss wird bescheidener, setzt seine eigenen Erfahrung nicht mehr absolut und wird auch im Bereich Komplementärmedizin genau hinzuschauen und Heilungsversprechungen kritisch hinterfragen.

Und zu guter letzt:

Sollten dereinst Argumente auftauchen, die für eine Wirksamkeit von Kardentinktur bei Borreliose oder von Miracle Mineral Supplement sprechen (äusserst unwahrscheinlich, aber aus grundsätzlichen Überlegungen nicht mit letzter Gewissheit auszuschliessen), werde ich sie genau prüfen und nötigenfalls meine Ansichten modifizieren. Aber mit grossspurigen Geschichten allein kann man mich nicht überzeugen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Pflegepersonen und andere Gesundheitsberufe
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen

www.phytotherapie-seminare.ch

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Palliative Care & Naturheilkunde: Weiterbildung Phytotherapie

Donnerstag, Januar 5th, 2012

Sie suchen eine fundierte Weiterbildung im Bereich „komplementäre Pflege“ für die Palliative Care (bzw. für Spitex, Pflegeheim, Klinik)?

In Winterthur am Seminar für Integrative Phytotherapie gibt es den Speziallehrgang für professionelle Heilpflanzen-Anwendungen in der Pflege. Phytotherapie verbindet die traditionelle Pflanzenheilkunde mit den Erkenntnissen moderner Arzneipflanzenforschung.

Phytotherapie ist kompatibel mit medizinischem Denken und Handeln, was eine Voraussetzung ist für eine Integration in Pflegeheime, Spitex-Dienste oder Kliniken.

Komplementäre Pflege bzw. komplementärmedizinische Pflege ist ein Thema, das zunehmend auf Interesse stösst, doch genau wie beim Begriff „Komplementärmedizin“ ist nirgendwo definiert, was genau damit gemeint ist. Das hat zur Folge, dass in Ausbildungen und Weiterbildungen in „Komplementärer Pflege“ meistens eine ganze Reihe von Methoden vermittelt werden, von denen nicht wenige zu „exotisch“ sind, um in „normalen“ Pflegeinstitutionen umgesetzt zu werden. Sie eignen sich allenfalls für naturheilkundlich orientierte Spezialkliniken (werden dort aber dann hautsächlich von Ärzten angewendet).

Heilpflanzen-Anwendungen sind dagegen so breit in der Bevölkerung verankert, dass sie auch in vielen „normalen“ Pflegeheimen, Palliativ Care Abteilungen, Spitex-Diensten und Kliniken akzeptiert werden, wenn sie in einem professioneller Rahmen zur Anwendung kommen.

Weil „Komplementärmedizinische Pflege“ ein undefinierter Sammelbegriff ist, werden unter dieser Bezeichnung auch Lehrgänge angeboten, in denen verschiedenste (und sehr unterschiedliche) Methoden gemischt sind. Das tönt auf den ersten Blick immer verlockend, weil es den Eindruck macht, umfassend zu sein. Der Haken daran ist aber erfahrungsgemäss, dass man am Schluss von vielem eine Ahnung hat, aber in keinem Bereich ein tragfähiges Fundament bekommt.

Phytotherapie erweitert Handlungsmöglichkeiten in der Palliative Care

Sinnvoller ist es jedenfalls, eine Methode fundiert zu lernen. Und wenn es um die Umsetzung in die Pflege geht, sollte die Methode zudem medizinkompatibel und pflegekompatibel sein. Integrative Phytotherapie bietet dazu optimale Voraussetzungen.

Phytotherapie auf der Grundlage professioneller Krankenpflege ist eine ideale Brücke zwischen Medizin und Naturheilkunde. Pflegende als medizinische Fachpersonen bringen zudem ausgezeichnete Voraussetzungen mit, um im Sinne der Gesundheitsförderung fundiertes Heilpflanzenwissen an die Bevölkerung weiterzugeben.

Heilpflanzen-Anwendungen sind bewährt in der Palliative Care

Heilpflanzen-Anwendungen ermöglichen es zudem den Pflegenden in Situationen, in denen sie bei der Betreuung von schwerkranken Personen wenig zur Linderung des Leidens beitragen können, oft noch positive Veränderungen zu bewirken. Sie können zudem den Angehörigen sinnvolle Instrumente in die Hand geben, womit diese im täglichen Umgang mit ihren Verwandten ebenfalls handlungsfähiger werden. Auch unter diesen Gesichtspunkten haben sich Heilpflanzen-Anwendungen in der Palliativ-Pflege sehr bewährt.

Informationen zum Thema „Phytotherapie in der Pflege“:

Phytotherapie-Ausbildung für Pflegepersonen

(medizinkompatibler, pflegekompatibler Lehrgang)

Argumente für Phytotherapie in der Pflege

(zum Beispiel für Gespräche mit Pflegedienstleitungen)

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege

(Presse-Berichte zu Beispielen erfolgreicher Integration von Heilpflanzen-Anwendungen in Spitex, Pflegeheime und Kliniken, Angebot für Teamweiterbildung)

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care:

www.ig-pp.ch

Phytotherapie wieder in der Grundversicherung – was ändert?

Sonntag, Januar 1st, 2012

Zusammen mit Methoden der Komplementärmedizin wie Homöopathie, Traditioneller Chinesischer Medizin und Anthroposophischer Medizin wird seit Jahresbeginn 2012 auch die Phytotherapie provisorisch wieder aus der Grundversicherung vergütet. Was ändert sich dadurch für Patientinnen und Patienten?

Für die Phytotherapie ist die vielleicht überraschende Antwort: Nichts.

Durch diese Änderung wird keine Patientin und kein Patient auch nur einen Franken sparen. Bisher lief es so: Der Arzt oder die Ärztin macht eine normale medizinische Diagnostik und rechnet diese auch so ab. Am Schluss wird beispielsweise entschieden, statt einem synthetischen Schlafmittel ein pflanzliches zu verordnen. Ist die Wirksamkeit dieses Pflanzenpräparates belegt, zahlt es die Grundversicherung. Das war bisher so und daran wird sich im neuen Jahr nichts ändern.

Im Vorfeld der Abstimmung vom Mai 2009 über den Verfassungsartikel zur Förderung der Komplementärmedizin wurden von den Befürwortern irreführende Versprechungen gemacht wurden. Das rächt sich nun bei der konkreten Umsetzung und wird zwangsläufig zu Enttäuschungen führen.

Irreführend ist auch, dass die Phytotherapie in dieser politischen Diskussion zur Komplementärmedizin gerechnet wird. Phytotherapie gehört zur Naturheilkunde und diese ist ein randständiger Bereich der Medizin. Fachlich gesehen gibt es kein plausibles Argument, Phytotherapie zur Komplementärmedizin zu zählen. Wenn die Politik dies trotzdem so handhabt, dann geht es dabei um Lobbying, um Einflussnahme, nicht aber um das Wohl der Patientinnen und Patienten.

Siehe auch:

Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

Phytotherapie als Komplementärmedizin-Methode in die Grundversicherung – was bringt’s?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe / Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen?  www.patientenseminare.ch

Edzard Ernst zur Pflanzenheilkunde

Sonntag, Januar 1st, 2012

Edzard Ernst hat als Professor für Alternativmedizin (Universität Exeter) 18 Jahre lang erforscht, welche alternativen Heilmethoden wirken. Nun geht er in Pension und beantwortete im Interview Fragen der „Sonntagszeitung“. Hier ein Ausschnitt aus dem Gespräch:

„Gibt es alternativmedizinische Behandlungen, die wirken?

Ja natürlich, vor allem im Bereich der Pflanzenheilkunde findet sich einiges: Rosskastanie bei
Venenleiden, Weissdorn bei Herzinsuffizienz, Teufelskralle gegen Schmerzen und vieles mehr.

Welche komplementärmedizinischen Behandlungen würden Sie bei sich anwenden?

Hätte ich Depressionen, würde ich Johanniskraut-Extrakt einnehmen. Noch besser gegen
depressive Verstimmungen hilft aber körperliche Aktivität. Ich selbst nehme täglich eine Kapsel Omega-3-Fettsäuren ein, weil da die Wirksamkeit sehr gut ist, um kardiovaskulären Erkrankungen vorzubeugen.“

Quelle:

http://www.sonntagszeitung.ch/wissen/artikel-detailseite/?newsid=199734

Kommentar & Ergänzung:

Prof. Edzard Ernst hat sich immer interessiert, aber auch kritisch mit den verschiedensten Methoden der Komplementärmedizin auseinandergesetzt. Er ist dafür aus Kreisen der Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin oft angefeindet worden. Und das wie es in dieser „Szene“ leider häufig vorkommt, vor allem durch Diffamierungsversuche auf der persönlichen Ebene, kaum je durch Argumente.

Ich möchte hier daher eine Lanze brechen für den kritischen Ansatz von Edzard Ernst. Es gibt einen unüberschaubaren Dschungel  an Produkten und Versprechungen im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin,  darunter auch eine sehr grosse Zahl von Hirngespinsten, die zwar den Bedürfnissen, Ängsten und Hoffnungen der Menschen entgegen kommen, aber keinerlei reale Basis haben. Es braucht nur schon aus Gründen des Konsumentenschutzes qualifizierte Instanzen, die solche Heilungsversprechen auf ihren Wahrheitsgehalt hin abklopfen.

Die staatlichen Arzneimittelbehörden haben sich aufgrund von politischen Vorgaben aus diesem Bereich zurückgezogen. Ganze Branchen sind kollektiv von der sonst üblichen Pflicht zum Wirksamkeitsnachweis befreit, zum Beispiel Präparate der Richtungen Homöopathie und Anthroposophische Medizin. Eine Firma wie „Similasan“ kann praktisch beliebig Produkte als Arzneimittel auf den Markt bringen, ohne relevanten Forschung- und Entwicklungsaufwand und ohne den Nutzen für die Konsumentinnen dokumentieren zu müssen. Für die Konsumentinnen und Konsumenten fehlt hier jede Transparenz.

Um so wichtiger sind unabhängige „Instanzen“ wie Edzard Ernst. Leider werden zunehmend Lehrstühle für komplementärmedizinische Forschung an Universitäten eingerichtet, die von der komplementärmedizinischen Pharmaindustrie finanziert werden. Solche Verflechtungen machen unabhängig-kritische Forschung nicht leichter.

Natürlich freut es mich, dass Prof. Edzard Ernst mit Weissdorn, Teufelskralle, Rosskastanie und Johanniskraut nach 18 Jahren Forschung vor allem Anwendungen aus der Phytotherapie Wirksamkeit bescheinigt. Dazu braucht es aber noch ein paar Ergänzungen:

1. Solche Bestätigungen sind schön, doch darf darüber nicht vergessen werden, dass es immer wieder auch negative Forschungsresultate gibt, also Studien, in denen Heilpflanzen-Extrakte die Wirkungen, die man sich erhoffte, nicht gezeigt haben. Es ist nämlich eine verbreitete „Seuche“ vor allem im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin, quasi mit der Lupe hoch motiviert nach Bestätigung zu suchen, negative Ergebnisse aber auszublenden oder schönzureden. Das ist eine komplett einseitige Buchhaltung, die nicht gerade vertrauenserweckend wirkt. Auch wenn’s dem Herzen manchmal weh tut: Beide Seiten müssen gleichwertig beachtet werden.

2. Genau genommen kann man in der Phytotherapie nicht sagen, Weissdorn wirkt bei Herzinsuffizienz, Teufelskralle gegen Schmerzen, Rosskastanie bei Venenleiden, Johanniskraut gegen Depressionen. Man müsst immer noch präzisieren, in welcher Arzneiform die betreffende Heilpflanze zu Wirkung kommen kann, zum Beispiel als Tee, Tinktur oder Extrakt.

3. Im Gespräch mit der Sonntagszeitung geht eine wichtige Differenzierung verloren. Ernst wird gefragt, ob es alternativmedizinische Behandlungen gibt, die wirken, und welche komplementärmedizinischen Behandlungen er bei sich selber anwenden würde. Auf beide Fragen antwortet er mit phytotherapeutischen Optionen.

Meines Erachtens gibt es aber kein auch nur einigermassen plausibles Argument, weshalb Phytotherapie zur Alternativmedizin oder zur Komplementärmedizin gezählt werden sollte.

Siehe dazu:

Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

Wenn man die Phytotherapie irgendwo einordnen will, dann gehört sie zur Naturheilkunde und diese ist ein randständiger Bereich der Medizin.

Siehe:

Naturheilkunde – was ist das?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe / Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde  Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Krankenpflege & Naturheilkunde: Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik

Mittwoch, Dezember 28th, 2011

Sie suchen eine fundierte Weiterbildung im Bereich „komplementäre Pflege“?

In Winterthur am Seminar für Integrative Phytotherapie gibt es einen Speziallehrgang für professionelle Heilpflanzen-Anwendungen in der Pflege. Phytotherapie verbindet die traditionelle Pflanzenheilkunde mit den Erkenntnissen moderner Arzneipflanzenforschung.

Phytotherapie ist kompatibel mit medizinischem Denken und Handeln, was eine Voraussetzung ist für eine Integration in Pflegeheime, Spitex-Dienste oder Kliniken.

Komplementäre Pflege ist ein Thema, das zunehmend auf Interesse stösst, doch genau wie beim Begriff „Komplementärmedizin“ ist nirgendwo definiert, was genau damit gemeint ist. Das hat zur Folge, dass in Ausbildungen und Weiterbildungen in „Komplementärer Pflege“ meistens eine ganze Reihe von Methoden vermittelt werden, von denen nicht wenige zu „exotisch“ sind, um in „normalen“ Pflegeinstitutionen umgesetzt zu werden. Sie eignen sich allenfalls für naturheilkundlich orientierte Spezialkliniken (werden dort aber dann hautsächlich von Ärzten angewendet).

Ausserdem ist es sehr viel sinnvoller eine Methode fundiert zu lernen, als von verschiedensten Methoden knapp eine Ahnung zu haben. Die Konzentration auf eine, medizin- und pflegekompatible Methode, die man dafür fundiert lernt, bietet den Boden, um überzeugend für eine bestimmte Anwendung argumentieren zu können.

Heilpflanzen-Anwendungen sind  so breit in der Bevölkerung verankert, dass sie auch in vielen „normalen“ Pflegeheimen, Spitex-Diensten und Kliniken akzeptiert werden, wenn sie in einem professioneller Rahmen angeboten werden.

Phytotherapie auf der Grundlage professioneller Krankenpflege ist eine ideale Brücke zwischen Medizin und Naturheilkunde. Pflegende als medizinische Fachpersonen bringen zudem ausgezeichnete Voraussetzungen mit, um im Sinne der Gesundheitsförderung fundiertes Heilpflanzenwissen an die Bevölkerung weiterzugeben.

Informationen zum Thema „Phytotherapie in der Pflege“:

Phytotherapie-Ausbildung für Pflegepersonen (medizinkompatibler, pflegekompatibler Lehrgang)

Argumente für Phytotherapie in der Pflege (zum Beispiel für Gespräche mit Pflegedienstleitungen)

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege (Presse-Berichte zu Beispielen erfolgreicher Integration von Heilpflanzen-Anwendungen in Spitex, Pflegeheime und Kliniken, Angebot für Teamweiterbildung)

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen

Teamweiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Schmerzen? Chronische Erkrankungen?  www.patientenseminare.ch

Heilkräuter gegen Verdauungsprobleme

Sonntag, Dezember 18th, 2011

Die ZDF-Sendung „Volle Kanne“ kümmerte sich vor einiger Zeit um menschliche Verdauungsprobleme:

„Vor allem über die Festtage kann der reguläre Essensrhythmus schnell aus dem Tritt geraten. Völlegefühl, Magendrücken und allgemeines Unwohlsein sind meist die Folge. Ein Schnäpschen nach dem Essen ist aber nicht die beste Möglichkeit, sich Erleichterung zu verschaffen.“

Das wohlige Brennen in der Kehle und die Wärme komme nur von der besseren Durchblutung des Magens nach dem Schnapsgenuss, erklärte die Ernährungsexpertin Dr. Brigitte Bäuerlein.

„Tatsächlich reize der Alkohol die Magenschleimhaut, hemme den Stoffwechsel und setze den Körper einem zusätzlichen Verdauungsstress aus. ‚Besser ist es, vor dem Essen einen Kräuter-Aperitif zu sich zu nehmen. Der bereitet die Verdauung vor und regt die Produktion der Gallensalze und Magensäure an.’

Auch ein Espresso, Mokka oder Kaffee nach dem Essen kann eine Wohltat sein. Kaffee wirkt in der Tat leicht abführend. Gibt man noch etwas Kardamom hinzu, regt er sogar die Fettverdauung an und wirkt entkrampfend. Noch besser eignen sich Kräuter zur Verdauung: Muskat, Ingwer, Anis, Gewürznelken, Zitronenmelisse, Kardamom, Thymian, Kümmel, Fenchel. Gibt man sie den Speisen hinzu, wird die Verdauung schon beim Verzehr positiv beeinflusst. So kann man etwa Fleisch mit einem Thymianzweig anbraten oder Fenchelgemüse als Beilage servieren. Zitronenmelisse eignet sich hervorragend als Dessert-Garnitur oder aufgebrüht als verdauungsfördernder Tee.“

Quelle:

http://vollekanne.zdf.de/ZDFde/inhalt/23/0,1872,8169111,00.html?dr=1

Kommentar & Ergänzung:

Das sind durchwegs vernünftige Tipps. Viele Gewürze wirken gegen Verdauungsbeschwerden.

Interessant finde ich in dieser Aufzählung der Gewürze den Kardamom:

„Kardamomsamen sind ein verbreitetes Gewürz in der asiatischen und arabischen Küche. Sie sind ein Hauptbestandteil indischer Masalas, des bekannten Chai-Tee und des ihnen nachempfundenen Currypulvers. Das berühmte ayurvedische Konfekt Laddu, welches aus Ghee-Butter hergestellt wird, enthält auch Kardamom. In der europäischen Küche findet das Gewürz hauptsächlich Verwendung in Weihnachtsgebäck wie Lebkuchen und Spekulatius, aber auch in Wurstwaren, Likören, Schokolade und als Bestandteil von Gewürzmischungen. Kardamom ist außerdem ein typischer Bestandteil süßer schwedischer Backwaren (z. B. Kanelbulle) und des schwedischen Glühweines (Glögg). Bei der Zubereitung von arabischem Mokka wird dem Kaffeemehl häufig Kardamom zugegeben. Trotz des selben Namens wird der sogenannte schwarze Kardamom (Amomum subulatum) ausschließlich für pikante Gerichte verwendet.“

(Quelle: Wikipedia)

Und zum Kardamom in Medizin und Volksmedizin:

„Kardamom wirkt verdauungsfördernd, krampflösend und blähungstreibend. Er ist außerdem Bestandteil einiger Arzneimittel aus der Gruppe der Magen-Darm-Mittel. Des Weiteren gilt er als allgemeines Anregungsmittel (Aphrodisiakum) für Körper und Geist. Das Kardamomöl hat geringes Allergiepotenzial. Besonders in den arabischen und asiatischen Kulturen erfährt Kardamom eine hohe Wertschätzung.“

(Quelle: Wikipedia)

Woher stammt der Kardamom?

„Kardamom stammt ursprünglich aus Südindien, Sri Lanka, Irak und Thailand. Ein großes Exportland ist heute auch Guatemala, weitere Anbauländer sind Tansania, Madagaskar, Papua-Neuguinea und Vietnam.“

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Begriffssalat um “Schulmedizin – Komplementärmedizin – Alternativmedizin” im “Kurier”

Samstag, Dezember 17th, 2011

Die Begriffe Schulmedizin, Komplementärmedizin und Alternativmedizin sind zugegebenermassen schwierig und fragwürdig. Was sich aber die österreichische Boulevardzeitung „Kurier“ in diesem Bereich an Begriffssalat leistet, ist bemerkenswert.

Da erklärt der „Kurier“ also in einem ausgesprochen populistischen Artikel mit dem Titel „Der Boom der sanften Medizin“ die Unterschiede zwischen Schulmedizin, Komplementärmedizin und Alternativmedizin so:

„Info: Verschiedene Medizinsysteme

Schulmedizin Auch: Evidenzbasierte Medizin. Sie ist durch Wirkungsnachweise wissenschaftlich anerkannt. Krankheiten werden nach ihren Symptomen behandelt.
Komplementärmedizin Der Begriff setzt sich im deutschsprachigen Raum für ergänzende Methoden zur naturwissenschaftlichen Medizin durch. Sie sollen die Selbstheilungskräfte anregen. Dazu zählen u. a. Akupunktur, TCM, Homöopathie.
Alternativmedizin Lehnt Schulmedizin ab, Wirkungsnachweise fehlen häufig. Oft mit pseudomedizinischen Methoden.“

Quelle:

http://kurier.at/nachrichten/gesundheit/4309119.php

Kommentar & Ergänzung:

Diese Darstellung ist  irreführend und tendenziös. Genau nachfragen bringt mehr Klarheit.

Zum Abschnitt „Schulmedizin“:

Schon der Begriff „Schulmedizin“ ist fragwürdig. Was genau ist gemeint mit „Schul“-Medizin? Was meint „Schul“? „Schulmedizin“ ist ein Kampfbegriff aus den Anfängen der Homöopathie gegen die damalige dogmatisierte Medizin (Humoralpathologie).

Siehe dazu:

Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck

„Schulmedizin“ ist nicht gleich „evidenzbasierte Medizin“. Evidenzbasierte Medizin ist eine jüngere Entwicklungsrichtung in der Medizin.

Es sind nicht alle Vorgehendweisen in der Medizin wissenschaftlich anerkannt, aber man könnte sagen, dass die Medizin danach strebt, ihre Interventionen wissenschaftlich zu überprüfen und wo nötig zu revidieren.

Merkwürdig ist der Satz: „Krankheiten werden nach ihren Symptomen behandelt.“ Was soll damit genau gesagt werden?

Die Medizin kennt eindeutig symptomatische Therapien, zum Beispiel im Bereich der Schmerztherapie. Es gibt aber auch ursächlich ansetzende Therapien, wie die Antibiotika-Therapie bei Infektionen. Natürlich kann man sagen, die Infektion ist nicht die eigentliche Ursache, dahinter steckt erst die eigentliche Ursache, die zur Infektion führt. So kommt man aber nie an ein Ende, weil jede Ursache wieder eine oder mehrere Ursachen hat.

Wahrscheinlich steckt hinter dem Satz „Krankheiten werden nach ihren Symptomen behandelt“ die oft gehörte Aussage, die Schulmedizin behandle Symptome, die Komplementärmedizin aber die Ursachen. Die Ursachenbehandlung für sich exklusiv zu beanspruchen, ist allerdings eine ziemliche Anmassung der Komplementärmedizin. De facto wird nämlich dabei meist eine Ursache zuerst dogmatische festgelegt (Übersäuerung! Verschlackung etc.) und dann die entsprechende Therapie verabreicht. So kann man sich darüber hinweg täuschen, dass die Ursachenlage vieler Erkrankungen ausgesprochen komplex und schwer durchschaubar ist.

Der „Kurier“ nagelt also die „Schulmedizin“ einseitig auf Symptombehandlung fest, erwähnt aber eigenartigerweise nicht, dass beispielsweise die Homöopathie als Verfahren der „Komplementärmedizin“ sich nur nach Symptomen ausrichtet und sich um Ursachen von Krankheiten nicht kümmert.

Warum diese verzerrte Darstellung im “Kurier”?

Zum Abschnitt Komplementärmedizin:

Mit dem Begriff „naturwissenschaftliche Medizin“ wird die Medizin einseitig verengt dargestellt. Medizin basiert zwar in vielen Bereichen auf naturwissenschaftlichen Grundlagen, aber das ist bei weitem nicht alles. Und wenn der „Kurier“ schreibt, die Komplementärmedizin wolle die Selbstheilungskräfte anregen, dann müsste auch gesagt werden, dass beispielsweise die chinesische Medizin (TCM, Akupunktur) Selbstheilungskräfte nicht kennt.

Dazu der Sinologe und Medizinhistoriker Paul U. Unschuld in „Was ist Medizin – Westliche und östliche Wege der Heilkunst“:

„China kennt kein Vertrauen in das selbst regulierende Potential eines Organismus – weder des gesellschaftlichen noch des körperlichen….Die Selbstheilungskräfte waren kein Thema.“

(S. 121)

„Die Selbstheilungskräfte waren ihnen unbekannt….Wer an die Selbstheilungskräfte glaubt, der könnte zu lange warten. Das haben die Mediziner nicht gerne. Die chinesischen haben sich unter dem Einfluss konfuzianischer Früheingreifmaximen nie darauf eingelassen.“ (S. 250)

Weshalb diese einseitige, idealisierte Darstellung im „Kurier“?

Zum Abschnitt „Alternativmedizin“:

„Wirkungsnachweise fehlen häufig“ – Aha. Das gilt aber meistens für die Komplementärmedizin genauso. Sonst wären nämlich die Methoden der Komplementärmedizin in der Medizin.

Warum also wird der fehlende Wirkungsnachweis in’s Terrain der „Alternativmedizin“ abgeschoben?

Und im Bereich der „Alternativmedizin“ findet man also oft pseudomedizinische Methoden? Aha. Also Schein-Medizin.

Im Bereich der Komplementärmedizin gibt es die nicht?

Das ist eigenartig. Schliesslich ist nicht einmal klar, was denn zur Komplementärmedizin zählen soll. In Frage kommen da mehrere hundert Methoden, die zum Teil sehr skurril erscheinen.

Offenbar geht es hier darum, für alles Unseriöse eine Schublade „Alternativmedizin“ bereitzustellen, damit der Bereich „Komplementärmedizin“ umso besser, sauberer und seriöser dasteht.

Der „Kurier“ hat sich offenbar für diesen Artikel einseitig und ausschliesslich von Lobbyisten der Komplementärmedizin füttern lassen. Unabhängige und seriöse Berichterstattung sieht anders aus.

Wenn eine Zeitung nicht einfach nur Lautsprecher für Lobbyisten-Vereinigungen sein will, muss sie bei jedem Thema an gewissen Punkten kritisch nachhaken. Auch in den Bereichen Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin. Druckt eine Zeitung (wie der Kurier in diesem Artikel) nur wirre, irreführende, unkritische Lobhudeleien ab, ist sie ihren Preis nicht wert.

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Wirkt Homöopathie? Und wenn ja: wie?

Donnerstag, November 17th, 2011

Eine Studie bei Rheumapatienten widerlegt das Gerücht, wonach die Homöopathie nicht in kontrollierten klinischen Studien überprüfbar sei. Und sie zeigt, dass Homöopathie sowohl wirkt als auch nicht wirkt.

Wissenschaftler aus Großbritannien haben sich jedenfalls alle Mühe gegeben, um ein Studiendesign zu entwerfen, welches der Tatsache Rechnung trägt, dass sich Homöopathie und Medizin in mehr unterscheiden als nur in der Verabreichung von homöopathisch zubereiteten Arzneimitteln.

Ein oft gehörter Einwand gegen die wissenschaftliche Überprüfung der Homöopathie lautet: Homöopathie und Schulmedizin seien von ihrem ganzen Ansatz her so verschieden, dass sie in einer randomisiert-kontrollierten Doppelblind-Studie gar nicht sinnvoll verglichen werden können. Die Rheumatologin Dr. Sarah Brien von der Complementary and Integrated Medicine Research Unit am Aldermoor Health Centre in Southamptom hat deshalb ausdrücklich versucht, diesen populären Einwand zu berücksichtigen. In einer randomisierten und bei der Medikation doppelt verblindeten und placebokontrollierten Studie bei Patienten mit stabiler, konventionell medikamentös eingestellter rheumatoider Arthritis untersuchte sie, ob die Homöopathie wirkt und wenn ja weshalb. Die Resultate sind nachzulesen in der Zeitschrift Rheumatology (2010/11/08), wo sie sogar im Volltext abrufbar sind.

Sarah Brien hat zunächst einmal den Einwand berücksichtigt, dass der ganze homöopathische Versorgungsprozess irgendwie besonders sei. Sie bildete daher zwei Gruppen, eine in der die Patienten konventionell medizinisch beraten wurden und eine, in der eine bekanntlich aufwändigere homöopathische Beratung beziehungsweise Anamnese und Befunderhebung durchgeführt wurde.

Die Patienten in der Gruppe mit schulmedizinischer Beratung wurden dann weiter randomisiert (= per Zufall in Gruppen aufgeteilt):

Sie bekamen entweder

- die von dem Homöopathen empfohlene homöopathische Komplextherapie,

- oder ein Placebopräparat in identischer Aufmachung.

In der Gruppe, in der homöopathisch beraten wurde, wurden die Patienten bei der Medikation sogar in drei Gruppen randomisiert, nämlich

- Placebo,

- Komplexbehandlung oder

- individuelle homöopathische Zubereitung.

Die ausgewählten primären Endpunkte der Studie ( = das erstrangige Ziel der Studie) entsprachen denen der klassischen Rheumatologie:

eine mindestens 20prozentige Verbesserung des Abschneidens beim Standardscore ACR und eine Verbesserung der globalen Selbsteinschätzung des Patienten auf Monatsbasis.

Sekundäre Endpunkte der Studie waren verschiedene Schmerz- und Gelenksparameter, von denen bekannt ist, dass sie Aussagen zur Lebensqualität des Patienten ermöglichen.

Resultat:

Zwischen den insgesamt fünf Gruppen gab es hinsichtlich der primären Endpunkte keine statistisch signifikanten Unterschiede.

Bei den sekundären Endpunkten Schmerzempfinden, Zahl der geschwollenen Gelenke, Patientenselbsteinschätzung auf Wochenbasis und Stimmung zeigten sich dagegen jeweils signifikante Vorteile für jene Patienten, die homöopathisch beraten wurden im Vergleich zu jenen, die nur medizinisch beraten wurden.

Das interessante Ergebnis ist nun, dass es innerhalb der Beratungsgruppen jeweils keinerlei Unterschiede gab. Es war also egal, ob die Patienten Placebo, Komplexhomöopathie oder individuell zubereitete homöopathische Medikamente bekamen, solange sie nur vorher homöopathisch beraten wurden. Anders gesagt: Reden ist wirksam, Globuli sind es nicht.

Eine Schwäche der Studie besteht darin, dass sie vergleichsweise klein ist. Werden 83 Patienten auf fünf Gruppen verteilt, bleiben bei einer Dropout-Quote (= „Aussteiger-Quote“) von immerhin 30 Prozent nur noch rund zwei Handvoll Teilnehmende pro Gruppe übrig. Der fast durchgängige und statistisch signifikante Effekt zugunsten der homöopathischen Beratung bei den (prädefinierten) sekundären Endpunkten weist allerdings darauf hin, dass die Studie für das, was sie zeigen wollte, nicht dramatisch zu klein war.

Im Editorial zu der Studie stellt Edzard Ernst die Frage: Have we lost core medical values? Prof. Edzard Ernst ist Inhaber des Lehrstuhls für Komplementärmedizin an der Universität Exeter. Er unterstreicht im Einklang mit der Studienleiterin Sarah Brien, dass es die therapeutische Beziehung zwischen homöopathisch tätigem Arzt und Patient zu sein scheine, die den Unterschied mache, nicht die homöopathischen Globuli als solche. Offen bleibt natürlich die Frage, ob es etwas spezifisch Wirksames an einer homöopathischen Konsultation gibt, oder ob nicht eher generell eine intensivere Beziehung zwischen Arzt und Patient zu einem größeren Behandlungserfolg führt. Ernst zumindest neigt zu Letzterem.

Quelle:

http://news.doccheck.com/de/article/202282-homoeopathie-reden-hilft-globuli-nicht/

http://rheumatology.oxfordjournals.org/content/early/2010/11/08/rheumatology.keq234.full

Kommentar & Ergänzung:

Homöopathie erweist sich in verschiedenen Bereichen als wirksam. Das haben mehrere Studien gezeigt. Die Behandlungserfolge basieren aber nicht auf einer spezifischen Wirkung der Globuli. Auch dafür gibt es deutliche Belege.

Die Arbeit von Sarah Brien passt gut zu dieser Interpretation und stärkt sie.

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