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Bern: Cannabis bald legal aus der Apotheke

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Bis zu 500 Kiffer in Bern sollen Cannabis bald ganz legal in der Apotheke erwerben können. Der Start des zunächst auf drei Jahre begrenzten Modellversuchs steht laut einem Bericht der SonntagsZeitung nun kurz bevor. Bewährt sich die kontrollierte Abgabe, könnte der Weg für eine Legalisierung von Verkauf und Konsum in der Schweiz frei werden.

Die Vorbereitungen für diese Studie laufen schon seit über einem Jahr. Verantwortlich dafür sind Wissenschaftler des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) und des klinischen Studienzentrums (CTU) der Universität Bern. Im März erteilte die Ethikkommission des Kantons grünes Licht und mit der Zustimmung des Bundesamts für Gesundheit wird bald gerechnet.

An der Studie können nur Kiffer ab 18 Jahren teilnehmen, die keine psychoaktiven Medikamente einnehmen und nicht in psychiatrischer Therapie sind. Sie müssen mit einer Haarprobe belegen, dass sie regelmäßig Cannabis konsumieren, einen Fragebogen ausfüllen und eine Schulung besuchen.

Der Modellversuch wird von Medizinern begleitet, die bei problematischem Konsum die Notbremse ziehen sollen.

Nach der Zulassung sollen die Studienteilnehmer in ausgewählten Berner Apotheken Cannabis mit einem THC-Gehalt von voraussichtlich 12 Prozent beziehen können. Pro Besuch sind 8 Gramm geststtet, maximal darf ein Konsument 24 Gramm im Monat erwerben.

Die Preise sollen laufend angepasst werden, damit der Stoff nicht zu höheren Preisen auf dem Schwarzmarkt landet. Der Konsum des Cannabis ist nur in privaten vier Wänden gestattet.

Die für den Modellversuch benötigten 600 Kilogramm Cannabis sollen in Bauernbetrieben oder Gärtnereien des Kantons Bern produziert werden.

Mit dem Experiment wollen die Forscher herausfinden, ob Konsumenten nach einer möglichen Freigabe mehr oder weniger Cannabis konsumieren, ob sie häufiger straffällig werden, weil sie den Verkehr gefährden oder wie sich ihre Einstellung zu Drogen verändert. Die Wissenschaftler gehen von keinen nennenswerten Folgen für Konsumenten und Gesellschaft aus. Stimmt diese Annahme, lässt sich nach Ansicht der Forscher die Kriminalisierung von Cannabisverkauf, Cannabisbesitz und Cannabiskonsum kaum mehr rechtfertigen.

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/internationales/nachricht-detail-internationales/bern-cannabis-legal-apotheker-schweiz/

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessantes Experiment. Allerdings wäre es stossend, wenn Kiffern der legale Bezug von Cannabis ermöglicht würde, während er Patienten, die Cannabis zu medizinischen Zwecken brauchen, verwehrt bleibt.

Cannabis kann in manchen Situationen die Lebensqualität von Patienten entscheidend verbessern, zum Beispiel bei Spastik und Schmerzen, aber auch bei Übelkeit und Appetitlosigkeit als Begleiterscheinung einer Krebstherapie.

Siehe dazu auch:

Cannabis-Medikamente bereichern Schmerztherapie und Palliativmedizin / Palliative Care

Welche Bedeutung hat Cannabis für die Medizin?

Cannabis-Wirkstoffe: Neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Schüssler-Salze gegen Warzen?

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Ich bin immer wieder verblüfft über die Unverfrorenheit, mit der irgendwelche Behauptungen über fragwürdige Heilwirkungen herumgeboten werden.

Noch mehr verblüfft mich aber, wie selten solche Behauptungen in Frage gestellt werden.

Jetzt bin ich gerade über eine Aussage in der Drogistenzeitung „D-inside“ gestossen, die sich mit der Behandlung von Warzen befasst (Ausgabe April 2017).

Naturheilkundlich lasse sich eine Warze mit Schüssler-Salz Nr. 4 zur Bindung des Papillomavirus behandeln sowie mit Schüssler-Salz Nr. 10, das die Virenausscheidung verbessere, schreibt die Autorin unter Bezugnahme auf Aussagen einer Naturheilpraktikerin.

Was wird hier genau versprochen:

Schüssler-Salz Nr. 4 soll also das Papillomavirus binden, das für die Entstehung von Warzen verantwortlich ist. Eine steile Behauptung. Eine solche Wirkung kann man nicht einfach von aussen beobachten.

Um eine solche Wirkung festzustellen, braucht es deshalb ein Experiment zumindestens im Reagenzglas, wobei dann allerdings noch nicht klar wäre, ob der Vorgang auch in einer veritablen Warze funktionieren würde.

Nun sind aber bisher keinerlei derartige Studien bekannt geworden.

Gibt es womöglich eine geheime Studie? Das wäre sehr komisch, denn das Ergebnis wäre sensationell und würde den Umsatz vervielfachen. Zudem ist kaum vorstellbar, dass die Wirkung sich auf Papillomaviren beschränken würde. Schüssler-Salz Nr. 4 wäre dann die Lösung für unzählige gefährliche Virenkrankheiten und der Entdecker dieses Wundermittels ein heisser Kandidat für den Nobelpreis in Medizin.

Da liegt es schon sehr nahe, dass die Studie eben darum geheim bleibt, weil es sie gar nicht gibt.

Schüssler-Salz Nr. 4 enthält 1 g Kaliumchlorid auf 1000 kg Milchzucker.

Kaliumchlorid ist als Geschmacksverstärker unter der Bezeichnung E 508 im Handel. Wollen wir wetten, dass der grösste Teil der Schüssler-Salz Nr. 4-Konsumenten im Laden einen weiten Bogen macht um all die teuflischen E-Nummern? E 508 und damit auch Kaliumchlorid ist enthalten in Fertiggerichten, Würzmitteln und diätetischen Lebensmitteln – viel billiger und auch in grösseren Mengen als im Schüssler-Salz Nr. 4.

Die Apothekerin Susana Niedan-Feichtinger von der Firma Adler Pharma, einer Herstellerin von Schüsslersalzen, schreibt in der Österreichischen Apothekerzeitung (Nr. 24 /2010, S. 1419):

„Alle Mineralwasser-Konsumenten nehmen pro Tag mehr Mineralstoffe auf, als es über Schüßler Salze überhaupt möglich wäre…..“

Das gilt genauso für Trinkwasser-Konsumenten.

So: Und dieses Schüssler-Salz Nr. 4, das 1 g Kaliumchlorid pro 1000 kg Schüssler-Salz enthält, soll in der Warze die Papillomaviren binden? Wie genau muss ich mir das vorstellen?

Zudem soll Schüssler-Salz Nr. 10 noch die Virenausscheidung verbessern. Wie werden denn Viren überhaupt ausgeschieden? Ich habe bisher eigentlich gedacht, dass Viren von Fresszellen des Immunsystems vertilgt werden.

Auch die verbesserte Virenausscheidung kann man nicht sehen und damit eine solche Aussage gemacht werden kann, müssten Daten aus einem Experiment oder einer Studie vorliegen. Das wäre auch in diesem Fall Nobelpreis-würdig, wenn es dazu Belege geben würde……

Schüssler-Salz Nr. 10 enthält 1 g Natriumsulfat (Glaubersalz) auf 1000 kg Milchzucker.

Natriumsulfat ist als Lebensmittelzusatzstoff Nummer E 514 ohne Höchstmengenbeschränkung für Lebensmittel allgemein zugelassen.

Es dient als Festigungsmittel, Säureregulator und Trägersubstanz.

Und auch hier führen wir Natriumionen und Sulfationen mit dem Trinkwasser in viel grösseren Mengen zu, als dies mit Schüssler-Salz Nr. 10 je möglich wäre:

„Grundwässer in sulfatarmen Gesteinen enthalten üblicherweise bis ca. 30 mg/l Sulfat…. Wesentlich höhere Gehalte (bis mehrere 100 mg/l) sind jedoch für Wässer aus sulfathaltigen Gesteinen typisch.“

Quelle:

http://www.umwelt.niedersachsen.de/grundwasser/grundwasserbericht/grundwasserbeschaffenheit/gueteparameter/grundprogramm/sulfat/sulfat-137612.html

Ein Liter Trinkwasser enthält also zwischen 30 mg und mehreren 100 mg Sulfat. Eine Tablette Schüssler-Salz enthält 0.25 Millionstelgramm Natriumsulfat (Quelle: Pharmawiki).

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Die_Schuessler_Luege

In Dosen von 10 – 30 Gramm wird Glaubersalz als Abführmittel bei Verstopfung und zur Darmentleerung vor Fastenkuren eingesetzt.

Und nun zurück zu den Warzen. Die Aussagen in der Drogistenzeitung bezüglich Virenbindung und Virenausscheidung durch Schüssler-Salze Nr. 4 und 10 sind völlig faktenfrei. Warzen sind aber in der Regel selbstlimitierend – sie heilen nach einer gewissen Zeit auch ohne Behandlung – und sie reagieren häufig sehr gut auf Suggestion bzw. Placebo.

Es wird daher während der Behandlung mit diesen Schüssler-Salzen in einer respektablen Zahl der Fälle zu einem Verschwinden der Warze kommen. Und dann kann man ja durchaus den Schluss ziehen, dass es keine Rolle spielt, ob der Effekt durch Suggestion oder durch eine spezifische Wirkung der Schüssler-Salze zustande kommt.

Verwerflich und störend finde ich nur die völlig aus der Luft gegriffenen Behauptungen spezifischer Wirkungen wie „Virenbindung“ und „Virenausscheidung“, die man eigentlich nur als Bullshit bezeichnen kann.

In der Pflanzenheilkunde wird gegen Warzen gerne der Schöllkrautsaft verwendet.

Siehe dazu:

Hilft Schöllkraut gegen Warzen?

Schöllkraut enthält im Milchsaft eiweissspaltende Enzyme sowie die Alkaloide Berberin und Sanguinarin, die mit der DNA reagieren und deshalb zelltoxisch und antiviral wirken. Dadurch könnte eventuell (!) eine Wirkung gegen Warzen erklärt werden, wenn der Schöllkrautsaft 2 mal täglich auf die Warze aufgetragen wird. Da diese Wirkungen aber nur im Labor belegt sind, lässt sich daraus keine sichere Aussage über eine Wirksamkeit an konkreten Warzen lebender Menschen machen.

Wenn eine Warze nach der Anwendung von Schöllkrautsaft verschwindet, kann ich daher nie mit Sicherheit wissen, ob dieser Effekt durch eine spezifische Wirkung der Schöllkraut-Inhaltsstoffe erfolgt ist, durch Suggestion oder durch ein zufälliges Zusammenfallen der Behandlung mit dem Zeitpunkt, an dem die Warze sowieso verschwunden wäre.

Für den Warzenträger oder die Warzenträgerin spielt das in diesem Fall keine wesentliche Rolle. Es ist aber meines Erachtens eine Frage der Wahrhaftigkeit, die Ungewissheit über den eigentlichen Wirkfaktor anzuerkennen und sich nicht im Brustton der Überzeugung mit leeren, aber eindrücklich klingenden Behauptungen zu schmücken – zum Beispiel betreffend Virenbindung und Virenausscheidung.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Meisterwurztinktur bei Schwächezuständen?

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Meisterwurztinktur helfe allen Menschen bei Schwächezuständen, schreibt ein Verkäufer von Meisterwurztinktur (den ich hier nicht nenne, weil ich ihn nicht noch kostenlos bekannter machen will).

Nichts gegen Meisterwurz (Peucedanum ostruthium). Er hat in der traditionellen Pflanzenheilkunde einen grossen Ruf und riecht eindrücklich aromatisch durch den Gehalt an ätherischen Ölen.

An der erwähnten Aussage lässt sich jedoch vor allem zeigen, woran sich unseriöse Heilungsversprechungen erkennen lassen.

Meisterwurztinktur hilft also angeblich allen Menschen mit Schwächezuständen.

Zwei Punkte sind an dieser Aussage kritisch:

  1. Das Wort „alle“.

Diese Verallgemeinerung kommt einer Garantie gleich. Garantien sind in der Heilkunde immer ein Grund zu Skepsis. Der menschliche Organismus ist zu komplex für Garantien. Bei einem Staubsauger ist eine Garantie angemessen, beim Menschen nicht.

  1. „allen Menschen mit Schwächezuständen.“

Das bedeutet dann auch: Bei allen Arten von Schwächezuständen.

Schwächezustände können aber ganz unterschiedliche Ursachen haben. Es ist kaum vorstellbar, dass Meisterwurztinktur in allen Fällen helfen kann, unabhängig von der zugrunde liegenden Ursache.

Aber nun einmal abgesehen von der unseriösen absoluten Formulierung des Herstellers: Kann Meisterwurztinktur bei Schwächezuständen helfen?

Dazu gibt es keine verlässlichen Daten. In der Phytotherapie taucht Meisterwurz kaum auf und schon gar nicht mit der Indikation „Schwächezustände“.

In der Antike war Meisterwurz als Heilpflanze unbekannt. Im 16. Und 17. Jahrhundert dagegen galt die Wurzel dagegen als Universalmittel und wurde in den Kräuterbüchern oft genannt.

Matthiolus (1500 – 1577) schreibt zum Beispiel:

„Sie zertheilen und verzehren die groben, zähen, kalten flüsse im Leibe. Dienen wider den Husten. Sie zertrennen auch den schleimigen Lungenkoder und fürdern ihn zum aussreuspern.“

Quelle: „Arzneipflanzen in der Traditionellen Medizin“, Kooperation Phytopharmaka (Hrsg.), 2000.

Husten ist in den alten Kräuterbüchern ein häufig genanntes Anwendungsgebiet für Meisterwurz. Die Pflanze ist aber auch ein gern eingesetzter Bestandteil von Kräuterschnäpsen.

Aufgrund ihres Gehalts an ätherischem Öl und Bitterstoffen ist eine verdauungsfördernde Wirkung plausibel.

Und die Schwächezustände? Denkbar wäre eine anregende Wirkung des ätherischen Öls im Sinne einer Aromatherapie, aber das ist reine Spekulation und experimentell zeigt die Pflanze offenbar eher leicht beruhigende Effekte (nach „Handbuch Phytotherapie“ von Jänicke / Grünwald / Brendler (2003).

 

Es spricht viel dafür, dass die Indikation „Schwächezustände“ für die Meisterwurztinktur eher auf der verkaufsfördernden Fantasie des Verkäufers beruht als auf fundierten Erkenntnissen. Denn wer fühlt sich schon nicht gelegentlich schlapp und könnte dann eine solche Pflanzentinktur brauchen?

Und abschliessend: Wenn schon Meisterwurz, dann würde ich den Tee der Tinktur vorziehen. Er ist günstiger zu kaufen und führt mehr Wirkstoffe zu.

Siehe dazu:

Pflanzentinkturen oder Kräutertees?

Und ausserdem:

Meisterwurz (Imperatoria) als Antidot?

 

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Vaginalcreme mit Fenchel gegen Scheidentrockenheit

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Eine Vaginalcreme mit Fenchel reduzierte in einer Studie die Symptome postmenopausaler Scheidentrockenheit.

Während der Wechseljahre wird die Östrogenproduktion im weiblichen Organismus vermindert. Dabei kommt es bei beinahe 40 % der Frauen zu Symptomen wie Brennen, Jucken, Scheidentrockenheit und Dyspareunie (Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs). Der pH-Wert in der Vagina erhöht sich, was dazu führt, dass Krankheitserreger sich leichter ansiedeln und Entzündungen auslösen können. Sexuelle Aktivität kann dieser Entwicklung entgegen wirken, doch zahlreichen Frauen bleibt nur der Griff zu Cremes und Gleitmitteln.

Fenchelfrüchte aus Foeniculum vulgare werden sowohl in der traditionellen Medizin als auch in der modernen Phytotherapie eingesetzt. In einer Studie wurde untersucht, ob sich Scheidentrockenheit mit einer lokal anwendbaren Fenchelcreme lindern lässt.

Für die Studie wurde eine speziell hergestellte 5-prozentige Fenchelcreme an 30 postmenopausalen Frauen getestet. Die Probandinnen der Kontrollgruppe in dieser randomisierten Doppelblindstudie bekamen dagegen eine Placebo-Creme. Die Symptome Brennen, Jucken, Trockenheit, Färbung der Vagina und Dyspareunie wurden in ihrer Ausprägung vor Behandlungsbeginn sowie nach zwei, vier und acht Wochen erfasst.

Ein Abstrich diente der zytologischen Untersuchung und wurde beim Start und acht Wochen nach der Behandlung durchgeführt, ebenso wie eine Messung des pH-Wertes im Scheidenmilieu.

Im Vergleich zur Placebo-Creme führte die Fenchelcreme sowohl zu einer der Verbesserung zytologischen Parameter als auch zu einer signifikanten Verminderung der Symptome. Keine der 30 Frauen in der „Fenchelcreme-Gruppe“ litt nach der 8-wöchigen Behandlung unter Juckreiz oder Trockenheit, lediglich eine Probandin berichtete von leichtem Brennen und zwei von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Der pH-Wert, der vor der Behandlung bei allen Frauen über pH 5 lag, war am Schluss der Behandlungsphase bei allen Frauen in der Fenchelcremegruppe tiefer als pH 5.

In der Kontrollgruppe dagegen erfuhren die Studienteilnehmerinnen nur eine leichte Besserung mancher Symptome, der pH-Wert und die zytologischen Werte veränderten sich im Vergleich zu den Ausgangswerten nur geringfügig.

In keiner der beiden Gruppen zeigten sich unerwünschte Nebenwirkungen durch die Anwendung der Cremes.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/fenchelcreme-gegen-scheidentrockenheit.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26617271

Kommentar & Ergänzung:

Diese Studie ist eine Überraschung, weil Fenchel in der Phytotherapie bisher hauptsächlich zur Linderung von Verdauungsstörungen und als schleimlösendes Mittel bei Husten eingesetzt wird. Im Zusammenhang mit Scheidentrockenheit taucht Fenchel bisher nicht auf. Allerdings zeigen Inhaltsstoffe des Fenchels im Labor östrogene Eigenschaften und das dürfte auch der Hintergrund dieser Studie sein.

Die untersuchte Fenchelcreme ist bisher nicht im Handel erhältlich und leider ist aus dem Abstract nicht ersichtlich, welche Art von Fenchelzubereitung genau verwendet wurde. Eigentlich müsste Fenchelöl in einer Basiscreme passen, da die östrogenen Inhaltsstoffe Bestandteil dieses ätherischen Öls sind. Zu klären wäre dann allerdings die adäquate Konzentration. Bis auf der Basis dieser Studie ein Präparat mit belegter Wirksamkeit und geprüfter Verträglichkeit vorliegt, dürfte es also noch einige Forschungsanstrengungen brauchen.

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Cannabis als Medizin: Unterschiedliche Wirkung von Cannabis sativa und Cannabis indica

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Professor Dr. Theo Dingermann, Seniorprofessor an der Universität Frankfurt, hat auf einer Fortbildungsveranstaltung die verschiedenen Cannabisarten mit ihren unterschiedlichen Wirkungen beschrieben.

Die Pflanzengattung Hanf (Cannabis) gehört in die Familie der Hanfgewächse und besteht aus drei verschiedenen Arten, auf die sich jede erhältliche Mischung oder Kreuzung zurückführen lässt: Cannabis sativa, Cannabis indica und Cannabis ruderalis.

Zu Cannabis sativa, der bekanntesten Art, sagt Dingermann:

„Das High, das solche Sorten erzeugen, wird meist als psychedelisch, verträumt und kreativitätsfördernd beschrieben. Der Effekt ist sowohl geistig als auch körperlich spürbar.“

Diese Cannabis-Sorten werden insbesondere zur Behandlung von Übelkeit und Brechreiz eingesetzt, beispielsweise verursacht durch eine Chemotherapie oder durch HIV/Aids-Medikamente, ausserdem bei Appetitlosigkeit, Migräne, Depression, chronischen Schmerzen und verwandten Symptomen.

Das High von Cannabis indica beschrieb Dingermann als schwer und stark und in der Regel wie ein Beruhigungsmittel wirkend. Diese Empfindung sei vor allem körperlicher Natur und wirke entspannend, da die Muskelspannung vermindert werde. Bevorzugte Anwendungsbereiche sind daher die Behandlung von Muskelspasmen und Tremor-Symptomen (beispielsweise bei Multiple Sklerose und Parkinson) sowie chronische Schmerzen, Schlaflosigkeit oder Ängste.

Cannabis ruderalis ist eine kleinwüchsige, struppige Pflanze, die nur äußerst wenig THC enthält und wegen ihrer frühen Blüte in der Züchtung eine Rolle spielt.

Quelle:

ptaforum 06/2016

http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=8597

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Differenzierung, die auch für die medizinische Anwendung wichtig ist. Für die unterschiedliche Wirkung von Cannabis sativa und Cannabis indica dürfte unter anderem der höhere Gehalt an Cannabidiol (CBD) in Cannabis indica verantwortlich sein. Mit reinen THC-Präparaten wie Dronabinol ist jedenfalls nicht allen Patientinnen und Patienten optimal geholfen. CBD kann die Wirkung offenbar in manchen Fällen günstig modulieren.

Siehe dazu auch:

Cannabis-Wirkstoffe: Neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

Sativex-Spray mit Cannabisextrakt gegen Spastik bei Multipler Sklerose in der Schweiz zugelassen

Zu Möglichkeiten des legalen Bezug von Cannabis-Präparaten für Patientinnen und Patienten in der Schweiz:

Cannabis für Patienten in der Schweiz legal erhältlich

 

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Manager bevorzugen pflanzliche Schlafmittel

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Jede dritte deutsche Führungskraft konsumiert zumindestens ab und zu Schlafmittel. Zu diesem Resultat kommt eine Umfrage der Regensburger R-und-K-Marktforschung im Auftrag der Max-Grundig-Klinik in Bühl. 1000 Führungskräfte verschiedener Hierarchiestufen nahmen an der Umfrage teil, wobei Mitarbeiter von Unternehmen verschiedener Größen, Branchen und Regionen vertreten waren.

33 Prozent der Befragten erklärten, ab und zu Schlafmittel zu verwenden. Beim überwiegenden Teil von ihnen (29 Prozent) geschieht dies allerdings nur selten. 4 Prozent sagten, dass sie die Mittel regelmäßig einnehmen. Dabei kommen chemische Präparate allerdings nicht häufig zum Zug: 96 Prozent der befragten Führungskräfte sagten aus, dass sie keine chemischen Schlafmittel wie Benzodiazepine und Z-Substanzen verwenden und auch keine sedierenden Antidepressiva wie Doxepin, Mirtazapin oder Amitryptilin. Nur 2 Prozent der Befragten nehmen diese Präparate gelegentlich ein, 1 Prozent oft und 1 Prozent immer.

Stattdessen greifen Managerinnen und Manager vielfach zu pflanzlichen Beruhigungsmittel – und zwar 21 Prozent gelegentlich, 11 Prozent häufig und 5 Prozent immer. Der weitgehende Verzicht auf harte Substanzen sei ein gutes Zeichen, sagt dazu Henning Hager, Leitender Arzt der Psychosomatischen Medizin an der Max-Grundig-Klinik. Er weist darauf hin, dass aus ärztlicher Sicht chemische Präparate nur im Notfall angewendet werden sollten.

Dass über ein Drittel der deutschen Führungskräfte regelmäßig auf pflanzliche Beruhigungsmittel zurückgreife, sei aber ein deutlicher Hinweis, dass viele von ihnen mit Stress und mangelndem Schlaf nicht zurechtkämen.

Auf die Frage, welche pflanzlichen Schlafmittel sie kennen, nannten 87 Prozent der befragten Führungskräfte Baldrian, 75 Prozent Hopfen, 51 Prozent Lavendel, 47 Prozent Johanniskraut und 31 Prozent Passionsblume. Neben pflanzlichen Beruhigungsmitteln setzt außerdem jede vierte befragte Person (28 Prozent) auf Entspannungsmethoden wie autogenes Training oder Meditation.

Hager bewertete das Resultat der Umfrage positiv, vor allem die Tatsache, dass die Mehrheit der Befragten vertretbare pflanzliche Mittel zum Schlafen einsetze. Er empfiehlt, diese Mittel ausreichend hoch zu dosieren und langfristig einzunehmen: Schnelle Erfolge seien bei Einmalgabe nicht erreichbar. Auch sollten Personen mit Schlafproblemen vor dem Zubettgehen keinen Alkohol und kein schweres Essen einnehmen, keinen Hochleistungssport ausüben und keine Konfliktgespräche führen. Auch bläuliches LED-Licht vor dem Schlafengehen sei kontraproduktiv, weshalb Hager dazu rät, eine Stunde vor dem Schlafengehen auf die Benutzung von Laptop und Smartphone verzichten.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=65926

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Umfrage. Vernünftige Stellungnahme des Psychosomatikers aus der Max-Grundig-Klinik.

Wiederkehrende Schlafstörungen können durch unterschiedlichste Ursachen ausgelöst werden. Falls möglich sollten diese Ursachen identifiziert und angegangen werden. Dazu sind in der Regel hauptsächliche nichtmedikamentöse Massnahmen sinnvoll und nötig.

Sollen trotzdem Arzneimittel zur Anwendung kommen, sind pflanzliche Präparate wegen ihrer ausgesprochen guten Verträglichkeit eine sinnvolle Option. Das scheinen also auch die befragten Manager gemerkt zu haben.

Mich erstaunt allerdings, dass bei diesen Führungskräften Baldrian, Hopfen, Lavendel, Johanniskraut und Passionsblume als Schlafmittel so bekannt sein sollen. Da müsste man mehr darüber wissen, wie die Fragen gestellt wurden. Aufzählung vorgegebener Antworten zum ankreuzen? So frei aus dem Kopf heraus kann ich mir vorstellen, dass den Befragten Baldrian in den Sinn kommt, kaum aber zum Beispiel Passionsblume.

Johanniskraut würde ich im Übrigen zu den Antidepressiva zählen und nicht zu den Schlafmitteln.

 

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Fragwürdiger Hype um Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten

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Häufige Ursachen für Darmerkrankungen sind Stress und falsche Ernährung. Von Nahrungsmittel-Allergien sind aber Fachleuten zufolge nur ein bis drei Prozent der Erwachsenen betroffen.

Mitte Oktober fand in Wien der europäische Kongress der Gastroenterologen statt. Dabei betonten Experten, dass viel zu viele Menschen glauben, an Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu leiden.

Die Angst vor Nahrungsmittelunverträglichkeiten sei nicht angebracht.

Alexander Moschen von der Innsbrucker Universitätsklinik für Innere Medizin:

„Wissenschaftlich erwiesen ist: Der Darm hat einen wesentlichen Einfluss auf unsere Gesundheit. Doch der Hype ist nicht gerechtfertigt. Nicht jeder Mensch, der hin und wieder Verdauungsprobleme hat, hat automatisch eine Unverträglichkeit – geschweige denn eine Allergie.“

Überschätzt werde auch die Häufigkeit von Glutenintoleranzen, Laktoseintoleranzen oder Histaminintoleranzen. Es stelle sich die Frage, ob es sich dabei nicht um Trendthemen handle, die von der Lebensmittelindustrie als Profitquelle benutzt würden. Gemäss den Zahlen des Experten sind nur ein bis drei Prozent der erwachsenen Österreicher tatsächlich von einer Nahrungsmittelallergie betroffen.

Die Darmgesundheit werde insbesondere durch natürliche Lebensmittel, bewusste Zubereitung und ausreichend Bewegung gefördert.

Die derzeit von verschiedensten Firmen angebotenen Allergie-Tests auf Immunglobuline im Blut (IgG4) hält der Experte nicht für hilfreich.

Darmexperte Moschen erklärt zudem:

„Meist treten Beschwerden bei Unverträglichkeiten verzögert, also einige Stunden bis zu einem Tag nach der Aufnahme der nicht verträglichen Nahrung auf. Bei Allergien fast immer sehr viel rascher nach Kontakt“,

Eigentlich sei es ganz einfach, sagt Alexander Moschen:

„Für einen gesunden Lebenswandel sollte man Wert auf regionale und natürliche Lebensmittel legen, sich Zeit für die Nahrungsaufnahme nehmen und sich ausreichend bewegen – so kommt der Darm ganz alleine gut zurecht. Unsere Verdauung hat die letzten Jahrtausende ohne viel Aufmerksamkeit funktioniert und wird auch in Zukunft gemeinsam mit unserem Mikrobiom ihre Arbeit machen.“

Unser Lebensstil schlägt sich auf den Darm. Fertigprodukte mit Zusatzstoffen können die Darmschleimhaut schädigen und sie durchlässiger machen für Allergene. Aber auch das typische „Nebenbei-Essen“ wirke sich negativ auf die Darmgesundheit aus. Stress und Convenience-Produkte schädigen das Verdauungssystem, erklären die Darmexperten.

Sie betonen aber auch, dass man Alarmsignale des Darmes nicht ignorieren sollte. Bei länger andauernden Verdauungsproblemen und Durchfall – drei Monate werden hier als ungefährer Richtwert genannt – sowie bei Alarmzeichen wie Blut im Stuhl oder rapidem Gewichtsverlust sollten Betroffene den Arzt konsultieren.

Quelle:

http://derstandard.at/2000046074991/Gastroenterologen-Hype-um-Nahrungsmittel-Unvertraeglichkeiten

 

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Hype um Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten und Nahrungsmittel-Allergien ist mir schon mehrfach aufgefallen. Es stellt sich die Frage, woher dieser Hype kommt.

Der Hinweis, dass die Lebensmittelindustrie diese Trendthemen möglicherweise als Profitquelle benutzt, erklärt nur einen Teil des Phänomens. Zu untersuchen wäre noch die Frage, weshalb so viele Leute auf diese Trendthemen aufspringen. Warum sind Menschen bezüglich ihrer Ernährung und ihres Darmes so verunsichert, dass sie sich von Meldungen aller Art derart ins Bockshorn jagen lassen?

Meinem Eindruck nach werden oft bereits kleinste Abweichungen von einer idealisierten Norm pathologisiert. Schon das geringste Zucken im Darm löst vielfältige Befürchtungen aus. Woher kommt diese übersteigerte Aufmerksamkeit? Woher diese weitgehend fehlende Toleranz gegen minimale Störungen der Befindlichkeit? Fehlt das Vertrauen in die Kompetenz des eigenen Körpers? Und wenn ja, warum ist das so?

 

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Hörenswerter Radiobeitrag: Gesellschaft von Kranken? Umstrittene Grenzwerte in der Medizin

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Radio Bayern 2 hat einen sehr interessanten Beitrag von Daniela Remus ausgestrahlt zum Thema „Grenzwerte in der Medizin“, der 2015 nach der Erstausstrahlung mit dem Journalistenpreis EbM ausgezeichnet wurde.

Es gibt in der Medizin unverkennbar einen Trend zur Pathologisierung und Medikalisierung aller Lebenslagen.

Ob Cholesterinspiegel, Blutdruck, Gewicht oder Diabetes, in der Medizin haben sich in den letzten Jahrzehnten die Grenzwerte dafür, was als gesund gilt, laufend verschoben. Tiefere Grenzwerte führen dazu, dass sehr viele Menschen, die sich bis anhin als gesund betrachtet haben, nun als krank und behandlungsbedürftig gelten. Auch Vorsorgeuntersuchungen – so nützlich sie in manchen Fällen auch sein mögen – können manchmal zu unnötigen und riskanten Überbehandlungen führen.

Je mehr Menschen man untersucht und je intensiver man sie untersucht, desto mehr findet man. Alle Menschen haben an irgendeinem Punkt eine Abweichung von der Norm und gelten dann als krank. Wer noch keine Diagnose hat, wurde noch nicht gründlich genug untersucht.

Auch Lebensphänomene wie Trauer oder Schüchternheit werden zunehmend durch entsprechend zu recht geschusterte Krankheitsdefinitionen pathologisiert. Nicht jeder ungewöhnliche Seelenzustand ist aber behandlungsbedürftig.

Hier können Sie den spannenden und informativen Beitrag hören:

 

 

Den Trend zur Pathologisierung und Medikalisierung aller Lebenslagen kann man im übrigen auch in Alternativmedizin, Komplementärmedizin und Naturheilkunde häufig beobachten. In diesen Bereichen läuft das aber nicht über veränderte Grenzwerte und Normen, sondern eher über vage, ausufernde und oft willkürliche Diagnosen wie „Leberschwäche“, „Pilz im Darm“, „Verschlackung“, „Übersäuerung“.

Für jede kleinste Unpässlichkeit auf körperlicher, psychischer und geistiger Ebene wird eine ganze Batterie von Globuli, Pflanzentröpfli oder Schüssler Tabletten angeboten.

Und weil die Mittel ja als unschädlich gelten, kann man sie wild kombinieren und 7mal 24 Stunden in der Woche schlucken.

Manchmal braucht ein kranker Mensch Behandlung. Weniger wäre aber manchmal gesünder – in Medizin und Komplementärmedizin. Denn wir verlieren mit den permanenten Überbehandlungen mit der Zeit das Vertrauen in die Kompetenz des eigenen Organismus, mit einfacheren Störungen selber fertig zu werden.

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Honig lässt Wunden rascher heilen

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Durch seinen hohen Zuckergehalt und andere Inhaltsstoffe wirkt Honig antibakteriell. In seiner Wirksamkeit übertrifft Honig sogar manche Antibiotika, kann sie aber nicht gänzlich ersetzen.

Elisabeth Presterl, Leiterin der Krankenhaushygiene an der Medizinischen Universität Wien, sagt in einem Gespräch mit science.ORF.at.:

„In der Wundpflege gibt es den sogenannten ‚medizinischen Honig‘. Man konnte bei chronischen Wunden und oberflächlichen Verbrennungen zeigen, dass er nicht nur einen anti-bakteriellen Effekt hat, sondern auch zur Verbesserung der Wundheilung und Verkleinerung der Wunde führt.“

An der Medizin-Uni Wien wird der medizinische Honig darum bei genau solchen schlecht heilenden Wunden eingesetzt, die etwa durch Gefäßstörungen ausgelöst werden.

Die Zusatzbezeichnung „medizinisch“ bekommt dieser in der Klinik verwendete Honig, weil er bezüglich Feuchtigkeit und Zuckergehalt ein genau genormtes Produkt ist und frei von Verunreinigungen sein muss. Medizinischer Honig wird also noch genauer kontrolliert als normaler Honig.

Für die positive Wirkung von Honig auf Wunden gibt es mehrere Gründe, erklärt Elisabeth Presterl, und verweist als Erstes auf den hohen Zuckergehalt:

„Zucker ist ein Konservierungsmittel und kann Bakterien abtöten. Darüber hinaus gibt es aber noch andere Inhaltsstoffe wie Polyphenole, Aminosäuren und Substanzen, die etwa Immunzellen stimulieren – das alles könnte in Kombination die Wirksamkeit von Honig ausmachen.“

Antibiotika könne man in der Wundpflege sicherlich nicht generell durch Honig ersetzen, erklärt die Ärztin. Gerade bei schweren Wundinfektionen hält sie es nicht für sinnvoll, wenn diese nur lokal behandelt werden. In solchen Fällen brauche es eine ergänzende Einnahme von Antibiotika.

Bei den leichteren Fällen sei es jedoch sinnvoll, eine Wunde zuerst einmal oberflächlich mit dem salbenähnlichen medizinischen Honig zu behandeln: „Wir verabreichen noch immer viel zu oft und zu rasch Antibiotika.“

Honig sei eine Möglichkeit, um den Antibiotikaverbrauch auf das unbedingt nötige Maß zu reduzieren, ist Presterl überzeugt.

Für den medizinischen Honig sieht sie auch eine Rolle im Kampf gegen gefährliche Krankenhaus: „Es gab Versuche im Reagenzglas, laut denen Honig auf multiresistente Keime wirken kann.“

Im Labor konnte Honig demnach Bakterien abtöten, bei denen Antibiotika versagt hatten.

Nicht zuletzt aus diesem Grund ist medizinischer Honig in der Hygienerichtlinie der Medizin-Uni Wien zum Thema MRSA aufgeführt – also jenen multiresistenten, potenziell tödlichen Bakterien, die zuletzt in deutschen Krankenhäusern für Probleme sorgen.

Dafür, dass eingenommener Honig auch gut für die Gesundheit ist, dafür gebe es keine harte Evidenz, sagt Presterl.

Studien haben zwar gezeigt, dass Honig nach Mandeloperationen bzw. bei Halsweh die Schmerzen vermindert, ein Placebo hatte jedoch die gleiche Wirkung – ebenso wie ein richtiges Schmerzmittel. Und auch bei Angina fehlen nach Presterl Belege, dass geschluckter Honig antibakteriell wirkt.

Quelle:

http://sciencev2.orf.at/stories/1759705//index.html

Studien:

„Evaluation of the antibacterial activity of selected Pakistani honeys against multi-drug resistant Salmonella typhi“, BMC Complementary and Alternative Medicine 2015;

http://www.biomedcentral.com/1472-6882/15/32

 

„Honey: an immunomodulator in wound healing“, Wound Repair and Regeneration 2014

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/wrr.12117/abstract

 

„Honey for acute cough in children“, Cochrane Database of Systematic Reviews 2014;

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22419319

 

Kommentar & Ergänzung:

Gerade weil Antibiotika in vielen Fällen lebenswichtige Medikamente sind, muss jede Möglichkeit genutzt werden, sie durch andere wirksame Behandlungsstrategien zu ersetzen, damit das rasant zunehmende Problem der Antibiotikaresistenzen sich nicht weiter verschärft. Honig zur Wundbehandlung ist eine prüfenswerte Alternative. Allerdings braucht es dafür noch deutlich mehr Forschung und weil Honig nicht patentierbar ist, gibt es nur wenige Firmen, die dafür viel Geld investieren. Als medizinischer Honig kommt meist ein Manuka-Honig aus Neuseeland zur Anwendung, der unter der Bezeichnung „Medihoney“ als eingetragene Warenmarke registriert und als Medizinprodukt zugelassen ist. Darum gibt es hier offensichtlich Geld für Forschung. Manuka-Honig enthält als wichtigen Inhaltsstoff neben den Zuckern des Honigs in wechselnden Mengen das antibakteriell wirksame Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal (MGO). Der Methylglyoxal-Gehalt von Manuka-Honig soll bis zu 100fach höher sein als in konventionellen Honigsorten. Allerdings soll das Methylglyoxal auch für die Schmerzentwicklung verantwortlich sein, einem Hauptproblem in der Wundbehandlung mit Manuka-Honig. Das ist ein Grund dafür, dass die Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e.V. in ihrer S3-Leitlinie zur Lokaltherapie chronischer Wunden von der Verwendung von Manuka-Honig abrät.

Honig ist ein sehr heterogen zusammengesetztes Produkt und es braucht wohl noch intensive Forschung, bis ein optimal zusammengesetztes Produkt gefunden ist.

Honig wurde als Wundheilmittel sowie für verschiedene andere Anwendungsbereiche allerdings schon verschiedentlich untersucht.

Siehe dazu auch:

Honig verhindert Mundschleimhautentzündung / Mukositis

Palliative Care & Onkologiepflege: Honig bei Mucositis / Mundschleimhautentzündung

Honig zeigt Wirkung gegen multiresistente Bakterien

Naturheilmittel: Wundbehandlung mit Manuka-Honig

Honig als Wundheilmittel

Honig gegen Mundschleimhautentzündung bei Chemotherapie

Wundheilmittel: Honig gegen resistente Bakterien

Honig – altes Wundheilmittel im Aufwind

Honig verkürzt Wundheilung bei Brandwunden

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

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Ingwer: Wie eine tolle Heilpflanze unseriös als Wundermittel gegen Krebs vermarktet wird

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Angst vor Krebs, das kennen wohl die meisten Menschen mehr oder weniger ausgeprägt.

Toll also, wenn eine Website uns auf ein rein pflanzliches Krebsheilmittel hinweist, das 10 000 mal effektiver ist als Chemotherapie und das zudem noch ohne unerwünschte Nebenwirkungen. Wie dankbar müssen wir dieser Website sein, die uns solch wertvolle Informationen aufdeckt, die von der bösen Pharmaindustrie natürlich unterdrückt werden.

Ingwer soll 10 000 mal effektiver gegen Krebs wirken als Chemotherapie. So verspricht es ein Webportal für Frauen, dessen Name ich lieber nicht erwähnen will, weil ich für diesen Schrott nicht noch Werbung machen möchte, und weil hunderte Websites im Netz zu finden sind, die solche oder ähnliche Versprechungen verbreiten.

Ingwer sei eine natürliche und schonende Therapie gegen bestimmte Krebsarten, vor allem gegen Brustkrebs. Wer regelmäßig Ingwer esse, könne Krebs sogar vorbeugen. Das bestätige unter anderem die Studie einer spanischen Universität.

Liest man dann, was über die erwähnte Studie geschrieben steht, wird rasch klar: Es geht dabei um Laborexperimente mit Krebszellen von Mäusen und Menschen.

Es ist einfach beelendend mit solchen Websites, die einerseits auf kritisch gegenüber der wissenschaftlichen Medizin machen, aber andererseits jedes wissenschaftliche Ergebnis aus dem Reagenzglas schamlos nutzen, um daraus ein neues Wundermittel gegen Krebs zu machen.

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Wenn ein pflanzlicher Wirkstoff in Reagenzglas eine Wirkung auf Krebszellen zeigt, heisst das noch lange nicht, dass man damit auch einen Tumor im menschlichen Organismus heilen kann. Die Situation im Körper eines Krebspatienten ist um ein vielfaches komplexer als die Situation im Reagenzglas. Und es ist in diesem Stadium der Forschung immer noch eine Vielzahl von Fragen ungeklärt.

Wie gelangen die Wirkstoffe in den Körper? Werden sie aus dem Darm in genügender Menge resorbiert oder müssen sie gespritzt werden? Gelingt es, im Organismus eine wirksame Konzentration aufzubauen über die nötige Zeit? Wieviel Ingwer müsste ich täglich dazu essen und ist das realistisch?  Und besteht dann, wenn es gelingt, eine wirksame Konzentration im Organismus aufzubauen, die Krebszellen tötet, nicht auch das Risiko von Schädigungen an gesunden Zellen?

Es gibt Tausende von Naturstoffen, die im Reagenzglas eindrückliche Effekte auf Krebszellen zeigen. Und die allermeisten dieser Substanzen scheitern dann, wenn es um den Nachweis von Wirkungen im lebenden Organismus von Krebspatienten geht. Das ist zugegebener massen jedesmal enttäuschend, aber es wäre ehrlich das so zu sagen.

Stattdessen blenden die Heilstrompeter im Internet diese Begrenzungen aus und machen ihre Geschäfte mit den Ängsten und Hoffnungen von gesunden Menschen und Krebskranken.

Darum kann man nur sagen: Lasst Euch nicht an der Nase herum führen und schaut genau hin.

Das ist nötig in jedem Bereich – unabhängig davon, ob die Aussagen und Versprechungen aus den Bereichen Medizin,

Komplementärmedizin, Alternativmedizin, Naturheilkunde oder woher auch sonst kommen.

Und es gilt sich immer wieder klar zu machen, dass es im Internet keine Qualitätskontrolle gibt. Jeder und jede kann dort (fast) alles publizieren. Das hat einerseits Vorteile, bringt aber auch massive Probleme mit sich.

Wer lernen will, wie sich Bullshit von Ernst zu nehmender Information unterscheiden lässt, kann das übrigens mindestens ein Stück weit in meinen Lehrgängen (Phytotherapie-Ausbildung, Heilpflanzen-Seminar).

Und Ingwer ist im Übrigen durchaus eine interessante Heilpflanze.

 

Nur damit ich jetzt nicht wieder Vorwürfe bekomme, ich sei ein „Ingwerfeind“ und von der Pharmaindustrie oder der „Krebsmafia“ gekauft – hier ein paar „positivere“ Texte zur Wirkung von Ingwer:

Öko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als „gut“ bewertet

Metaanalyse: Ingwer reduziert Menstruationsschmerzen

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

Ingwer-Extrakt reduziert möglicherweise den Blutzucker

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegenÜbelkeit bei Chemotherapie

Phytotherapie: Ingwer gegen Infektionen?

Ingwer bei Erkältungen

Ingwertee gegen Übelkeit und Erbrechen

Ingwer schädigt Prostatakrebszellen

(aber eben: in Laborexperimenten an Zellen und in Tierversuchen; das tönt einfach nicht so heiss wie: Ingwer heilt Prostatakrebs)

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ingwer lindert Muskalkater

 

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen?

 

Huch, das reicht jetzt als Beleg, dass ich kein Ingwerfeind bin…, oder? Solche Vorwürfe kommen nämlich regelmässig, wenn man etwas kritisches über Heilpflanzen schreibt. Es gibt dann immer Leserinnen und Leser, die meinen, sie müssten die angegriffene Heilpflanze verteidigen. Das ist aber ein Missverständnis. Ich kritisiere ja nicht die Heilpflanze Ingwer, sondern die fragwürdigen bis verantwortungslosen Versprechungen, die mit ihr in die Welt gesetzt werden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

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