Artikel mit Schlagwort ‘Medizin’

Wie giftig ist Doldiger Milchstern / Star of Bethlehem

Mittwoch, Mai 2nd, 2012

Vor kurzem wurde ich an einem Vortrag gefragt, wie giftig der Doldige Milchstern sei und ob die daraus hergestellten Bach-Blütentropfen bedenkenlos eingenommen werden könnten.

Der Doldige Milchstern (Ornithogalum umbellatum) enthält insbesondere in der Zwiebel zahlreiche Cardenolide. Das dominierende Glykosid, mit 0,04% in der getrockneten Zwiebel, ist Convallatoxin, welches auch im Maiglöckchen (Convallaria majalis) zu finden ist und auf das Herz wirkt.

Doldiger Milchstern (Foto auf Wikipedia) ist daher als Giftpflanze zu betrachten.

Als Bach-Blütenessenz Star of Bethlehem (Stern von Bethlehem) wird Doldiger Milchstern gegen Nachwirkungen eines Schocks empfohlen.

Da Bachblüten keine Wirkstoffe enthalten sind keine unerwünschten Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit Medikamenten zu befürchten. Allerdings gibt es auch keine fundierten Hinweise auf eine spezifische Wirkung gegen „Schock“.

Der Begriff Schock ist in diesem Zusammenhang im übrigen irreführend. Er „bezeichnet in der Medizin ein lebensbedrohliches Zustandsbild, bei dem die Blutzirkulation in den Kapillaren vermindert ist. Als Folge treten eine Sauerstoffunterversorgung der Gewebe und in letzter Konsequenz Stoffwechselstörungen auf.

Ursache ist eine absolute oder relative Verminderung des zirkulierenden Blutes. Ersteres tritt nach Blut- oder Flüssigkeitsverlust auf, letzteres bei einem Versagen der Kreislaufregulation in der Körperperipherie, etwa bei Blutvergiftung oder allergischen Reaktionen vom Soforttyp (Anaphylaxie). Auch wenn das Herz nicht mehr in der Lage ist, ausreichend Blut in die Peripherie zu pumpen, kann es zum Schock kommen.

Die Folgen einer extremen psychischen Belastung werden im Gegensatz zur Umgangssprache in der medizinischen Fachsprache nicht als Schock bezeichnet, sondern als Akute Belastungsreaktion.“

(Quelle: Wikipedia)

Im Umfeld der Bach-Blüten wird unter Schock eher ein Schreck verstanden oder ein Psychotrauma. Solche Reaktionen klingen typischerweise nach der akuten Phase von selbst wieder ab. Jedes Heilmittel, das in dieser Phase zur Anwendung kommt, wird daher eine grosse Erfolgsquote haben, einfach wegen dem natürlichen Verlauf der Dinge. Rechnet man mit dem Placeboeffekt und dem spontanen Verlauf einer Schreckreaktion, so ist die Wirksamkeit der angewendeten Heilmittel ohne Doppelblindstudie nicht beurteilbar.

Doldiger Milchstern / Star of Bethlehem ist Bestandteil der Bachblüten-Notfalltropfen (zusammen mit Rock Rose, Impatiens, Cerry Plum, Clematis).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Löwenzahn entgiftet

Samstag, April 7th, 2012

….schreibt die „Berliner Zeitung“.

Quelle: http://www.bz-berlin.de/ratgeber/ernaehrung/salate-oder-kraeuter-die-vitalstoffbomben-article1417232.html

Sie sagt uns aber leider nicht, um welche Art von Giftstoffen es sich hier handeln soll. Auch bleibt unklar, wie der Löwenzahn denn entscheidet, welche Stoffe als Giftstoffe raus müssen, und welche auf keinen Fall ausgeschieden werden dürfen, weil sie im Organismus eine wichtige Funktion haben. Wie erkennt Löwenzahn „Giftstoffe“? Und wie genau scheidet Löwenzahn „Giftstoffe“ aus? Auf welchem Weg?

Löwenzahn ist fraglos ein gesunder Frühlingssalat und die Vorstellung, dass durch eine Löwenzahnkur all die zwar unbekannten, aber ganz bestimmt bösen Giftstoffe quasi ausgewiesen werden, ist zweifellos beruhigend. Mehr als eine Vorstellung ist es aber nicht.

Ich finde, wir sollten uns angewöhnen, nicht mit leeren Worthülsen zu hantieren und leere Worthülsen auch nicht fraglos hinzunehmen. Sonst werden wir auch in der Politik anfällig für leere Worthülsen und das ist dann tatsächlich „Gift“ für jede offen-demokratische Gesellschaft.

„Entgiftung“ und „entgiftend“  sind – bezogen auf Löwenzahn – solche leeren Worthülsen.

Wenn Sie leeren Worthülsen begegnen – also Ausdrücken, denen ein Inhalt fehlt – dann empfiehlt es sich, immer schön nachzufragen:

Was genau? Wie genau? Wann genau? Wer genau?

Egal ob in der Politik, in der Komplementärmedizin, in der Medizin, im Sport….:

Sich mit leeren Worthülsen bedienen zu lassen ist tendenziell unwürdig, weil Sie als Gegenüber nicht ernst genommen werden.

Löwenzahn ist aber tatsächlich nicht nur ein gesunder Frühlingssalat, sondern auch eine Heilpflanze. Durch seine Bitterstoffe wirkt er verdauungsfördernd, indem er Magensaftproduktion und Gallefluss anregt. Ausserdem wirkt Löwenzahn harntreibend, wahrscheinlich durch den hohen Kaliumgehalt.

Und Löwenzahnhonig ist ganz einfach lecker.

Das will ich noch gesagt haben, damit ich keine Vorwürfe zu hören bekomme, ich mache den Löwenzahn schlecht…..

Im übrigen kann man sich am Löwenzahn freuen, ohne dass man ihn als grossen „Entgiftungskünstler“ inszeniert. Das ist ja doch eine ziemlich menschenbezogene Vorstellung. Wer die Natur hauptsächlich durch die Brille des Nutzens für den Menschen betrachtet – kann man diese Pflanze essen? Wogegen hilft sie? – läuft mit einem ziemlich eingeschränkten Blick umher. Löwenzahnblüten sind im Frühling beispielsweise eine sehr wertvolle und wichtige Nahrungsquelle für Honigbienen und für viele Wildbienenarten. Ob Löwenzahn „entgiftend“ wirkt, dürfte den Honigbienen und Wildbienen ziemlich egal sein.

Siehe dazu:

Naturkunde: Löwenzahn & Wildbienen

Und zum Thema “Entgiftung”:

Entgiften und Entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Blick ins Pflanzenlexikon: Salbei (Salvia)

Dienstag, April 3rd, 2012

Salbei (Salvia) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Der Name (lateinisch salvare ‚heilen‘) bezieht sich jedoch auch auf den für Küche und Medizin wichtigen Küchensalbei oder Heilsalbei (Salvia officinalis).

Die Gattung Salvia ist auf der ganzen Erde verbreitet von tropischen bis in gemäßigte Gebiete. Sie umfasst 800 bis 1100 Arten, davon zum Beispiel etwa 84 Arten in China.

Viele Salbei-Arten zeichnen sich aus durch einen hohen Gehalt an ätherischen Ölen, was für ihre Verwendung als Heilpflanzen bedeutsam ist. Auch Gerbstoffe sind an der Wirkung von Salbei-Arten oft beteiligt ( sogenannte Lamiaceen-Gerbstoffe).

Zur Verwendung von Salbei schreibt Wikipedia:

„ Der Name Salvia stammt vom lateinischen Wort salvare für heilen und deutet auf dessen Heilkraft hin. Salbei war bereits im Altertum bekannt und wurde im Mittelalter von Mönchen über die Alpen gebracht.

Durch den hohen Anteil ätherischer Öle in diversen Salbeiarten gibt es unterschiedliche Verwendungen. So wird der Echte Salbei (S. officinalis) einerseits als Küchengewürz und andererseits auch in der Heilkunde verwendet, etwa bei Halsschmerzen als Kräutertee oder gegen übermäßiges Schwitzen. Außerdem soll der Salbeitee auch bei Magen- und Darmschmerzen Linderung bewirken, beispielsweise nach einer Antibiotika-Therapie. Enthaltene trizyklische Diterpene wie Carnosol und Carnosolsäure besitzen eine antioxidative, antimikrobielle sowie chemoprotektive Wirkung gegen Karzinogene.

Heilend wirken neben den Ölen auch die Gerbstoffe (Tannine). Andere Arten wie Azteken-Salbei (Salvia divinorum) enthalten halluzinogene Stoffe, die teilweise ebenfalls genutzt werden. Bei Räucherungen entsteht ein marihuanaähnlicher Duft. Der in Deutschland verbreitete Wiesensalbei enthält kaum ätherische Öle und wird deswegen nicht genutzt. Eine Heilwirkung von Inhaltsstoffen dieser Pflanze wurde im Jahre 2008 in Untersuchungen am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg an mehreren Tumorzelllinien bestätigt.

Einige Arten und ihre Sorten werden als Zierpflanzen verwendet.“

(Quelle: Wikipedia)

Nachfolgend ein paar wichtige Vertreter aus der Gattung Salbei:

- Echte Salbei (Salvia officinalis, Garten-Salbei) ist im Mittelmeerraum heimisch, wurde von Mönchen über die Alpen in die Klostergärten geholt und gelangte von dort in die Bauerngärten. Salvia officinalis ist diejenige Salbeiart, die bei uns hauptsächlich als Gewürz und Heilpflanze angewendet wird, zum Beispiel gegen Halsschmerzen, Mundschleimhautentzündungen, Aphthen, Zahnfleischentzündungen, sowie innerlich gegen Schwitzen in den Wechseljahren (also bei Wallungen).

Salbeiblüten sind eine hervorragende Bienenweide. Sie übertreffen beim Honigertrag sogar Pflanzen wie den Raps, die als gute Bienenweiden bekannt sind.

- Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) besitzt nicht die Heilwirkungen der Echten Salbei. Sie wird daher in der Pflanzenheilkunde nicht verwendet, ist aber eine Zierde in der Natur, vor allem wenn sie in Wiesen zahlreich wächst. Die Blüten werden vor allem von Hummeln bestäubt.

(Klammerbemerkung: Zur Zeit fliegen wieder die Hummelköniginnen. Woran erkennt man eine Hummelkönigin?)

- Klebriger Salbei (Salvia glutinosa) blüht von Juli bis September im Laubwald und im Mischwald und beeindruckt durch schöne, grosse, gelbe Blüten und citronelligen Duft.

Die Raupe der Messingeule (Noctuidae, Eulenfalter, ein Nachtfalter, ernährt sich (unter anderem) von Klebriger Salbei. Über Heilwirkungen liegt keinerlei gesichertes Wissen vor.

- Weisser Salbei (Indianischer Räuchersalbei, Salvia apiana) kommt vor allem im Südwesten der USA (Nevada, Kalifornien, Mojave-Wüste und Sonora-Wüste) und im Nordwesten von Mexiko vor.

Bereits die Ureinwohner Amerikas brauchten „white sage“ als Räucherwerk. Weisser Salbei ist Bestandteil der so genannten „Smudge sticks“: Kräuterbündel, die an einem Ende angezündet werden; die Flamme wird dann ausgeblasen und der Glut Luft zugefächert.

- Azteken-Salbei (Salvia divinorum, zu deutsch „Göttersalbei“ oder „Wahrsagesalbei“) ist ursprünglich in der Sierra Mazateca im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca beheimatet. Dort wird er von den einheimischen Mazateken seit langer Zeit zu schamanischen Zeremonien genutzt. Von den Curanderos, den mazatekischen Heilern, wird er auf zwei Arten eingesetzt. In niedrigen, nicht-halluzinogenen Dosierungen dient er der Behandlung verschiedener körperlicher Beschwerden. In deutlich höheren Dosierungen dient die Azteken-Salbei der Induktion eines Rauschzustandes mit lebhaften Visionen. Salvia divinorum wird von den Mazateken nur im Rahmen dieser Heil- und Wahrsagerituale verwendet.

In der westlichen Welt ist seit den 1980er Jahren ein deutlicher Anstieg des Interesses an Salvia divinorum festzustellen.

Zu den Inhaltsstoffen und zur Wirkung von Azteken-Salbei schreibt Wikipedia:

„Der Azteken-Salbei enthält terpenoide Salvinorine, von denen sechs Derivate (A-F) bekannt sind. Das Salvinorin A ist ein potentes dissoziatives Halluzinogen, mit einer Wirkdosis ab 0,2 mg.[3][4] Die Pharmakologie des Salvinorin A unterscheidet sich deutlich von LSD-artigen Halluzinogenen: Es wirkt als κ-Opioid-Rezeptor-Agonist.“

In Deutschland ist Salvia divinorum nach dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) rechtlich ein nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel. Zur Rechtslage in anderen Ländern schreibt Wikipedia:

„Zu Salvia divinorum gibt es in Liechtenstein, Österreich und den meisten anderen Ländern der Welt keine strafgesetzliche Reglementierung, somit ist der Besitz legal. Der legale Status wurde eingeschränkt bzw. aufgehoben in Israel (2003), Australien (2004), Italien (2005), Deutschland (2008), Schweiz (2010) und Dänemark. In Norwegen ist Salvia divinorum verschreibungspflichtig.

- Mehlige Salbei (Salvia farinacea, auch Ähriger Salbei, Ähren-Salbei oder Mehl-Salbei) ist beheimatet in Texas und New Mexiko. In den Gemäßigten Breiten wird er als einjährige Pflanze kultiviert und als Zierpflanze in Parks und Gärten besonders in Sommerrabatten angepflanzt.

- Chia (Salvia hispanica) wird wegen seiner Samen kommerziell angebaut, da sie einen sehr hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren und hochwertigem Protein, Vitaminen, Antioxidantien und Mineralien aufweisen. Das Chiaöl wird aus den Samen des Chia gewonnen und besteht aus rund 60 % alpha-Linolensäure, 17 bis 26 % Linolsäure, einfach ungesättigten Fettsäuren wie Ölsäure, Stearinsäure und Palmitinsäure, und Vitaminen, Mineralien und Antioxidantien. Die Eigenschaften von Chiaöl ähneln denjenigen von Rapsöl.

- Rotwurzel-Salbei (Salvia miltiorrhiza) Seine auch als Danshen bezeichneten getrockneten Wurzeln finden vor allem in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) Anwendung.

Zu den Inhaltsstoffen schreibt Wikipedia:

„ In der Wurzel des Rotwurzelsalbeis konnten Flavonoide, Diterpene, Triterpene, Salvianolsäuren, Phenylpropane, Chinone, Lignane, Steroide und Tannine nachgewiesen werden. Von allen biologisch aktiven Inhaltsstoffen gelten die Diterpenoide und die Salvianolsäuren als am besten untersucht. Zu den charakteristischen Diterpenoide des Rotwurzelsalbeis zählen Tanshinone und Isotanshinone, wie beispielsweise Tanshinon I, Tanshinon IIA, Tanshinon IIB und Cyptotanshinon. Darüber hinaus sind in der Wurzel die biologisch aktiven Diterpenoide Miltiron und Salviol enthalten. Die Salvianolsäuren des Rotwurzelsalbeis, wie Salvianolsäure A, Lithospermsäure B und Rosmarinsäure gelten als Abkömmlinge der (R)-a,3,4-Trihydroxyphenylpropionsäure (Danshensu).“

Und zu den Anwendungsgebieten:

„ Die Wurzel des Rotwurzelsalbeis wird in der chinesischen Medizin insbesondere zur Behandlung von Stoffwechselstörungen, Herz-Kreislauferkrankungen und Durchblutungsstörungen, wie beispielsweise Angina pectoris, Hyperlipidämie und Schlaganfall eingesetzt. Traditionell wird die Wurzel darüber hinaus bei Menstruationsbeschwerden, Husten, Schlafstörungen, stechende Schmerzen im Unterleib und der Brust und Hepatosplenomegalie verwendet. Die Wirksamkeit dieser Droge gilt nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin als nicht ausreichend belegt.“

- Muskatellersalbei (Salvia sclarea, auch Muskat-Salbei, Römischer Salbei, Scharlachsalbei oder Scharlei) kommt in Mittel- und Ost-Europa und West-Asien vor. Er wird als Zierpflanze, Heilpflanze und Gewürz genutzt.

„Die Wirkung vom Muskateller-Salbei kommt der des Echten Salbeis gleich. In der griechischen und römischen Antike wurde er bei Kopfschmerzen eingesetzt. Blätter und Blüten können roh oder gegart gegessen werden. Die Blüten werden zur Aromatisierung von Wermutweinen verwendet, früher wurden sie auch anderen Weinen zugesetzt. Diese Verwendung prägte den Begriff “Muskatellerwein”. Das Öl der Pflanze wird in der Parfüm- und Kosmetikindustrie verarbeitet.Die Blüten des Muskatellersalbeis sind zugleich eine verhältnismäßig gute Bienenweide. Auf einer mit ihm bestandenen Fläche von einem Hektar kann sich pro Blühsaison ein Honigertrag von 107 bis 174 kg ergeben.“

(Quelle: Wikipedia)

Das ätherische Öl aus der Pflanze – Muskatellersalbeiöl – wird aus den Triebspitzen und Blütenständen gewonnen. Es besteht hauptsächlich aus Linalylacetat (bis zu 75 %), Linalool (bis zu 30 %) und dem Diterpen-Alkohol Sclareol.

Sclareol soll eine dem Östrogen verwandte Molekularstruktur aufweisen. Damit werden in der Aromatherapie Anwendungen von Muskatellersalbei bei Menstruationsbeschwerden, Unfruchtbarkeit und Wechseljahrbeschwerden abgeleitet. Es ist allerdings sehr spekulativ, einzig von der Molekularstruktur auf entsprechende Wirkungen zu schliessen. Zu fragen wäre dabei auch, ob die Substanz in ausreichenden Mengen aufgenommen wird und welche Wirkungen sie im Organismus entfaltet.

Muskatellersalbei soll eine heilige Pflanze der Kelten gewesen sein. Seine berauschende Wirkung wurde offenbar genutzt, um Wein und andere Getränke zu aromatisieren und ihre Wirkung zu verstärken. Um den beliebten Geschmack von mit Muskatellersalbei gewürztem Wein zu gewährleisten, wurde die Muskatellertraube gezüchtet.

Diese Beispiele zeigen, dass es in der Gattung Salbei ausgesprochen interessante Pflanzenarten umfasst – als Heilpflanzen, Gewürzpflanzen, Zierpflanzen, Räucherpflanzen….

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? Welche Wirkung haben sie?

Montag, April 2nd, 2012

Senfölglycoside ( = Glukosinolate) sind schwefel- und stickstoffhaltige chemische Verbindungen, die aus Aminosäuren gebildet werden. Sie geben Gemüse wie Rettich, Meerrettich, Senf, Kresse, Kapuzinerkresse und Kohl den etwas bitteren Geschmack.

Es gibt rund 120 verschiedene Glucosinolate. Sie kommen in Mitteleuropa ausschliesslich in Pflanzen aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) vor. In der Phytotherapie spielen als Senfölglykosid-Pflanzen vor allem Meerrettich, Senf, Kapuzinerkresse und Brunnenkresse eine Rolle.

In den Pflanzen wirken Senfölglycoside als Abwehrstoffe gegen Tierfraß.

Nach neueren Erkenntnissen beugen Senfölglykoside Infektionen vor und unterstützen die Krebsprävention, wie Sulforaphan oder Iberin.

Senfölglycoside aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel werden kombiniert in der Medizin als Phytotherapeutikum zur Behandlung und Vorbeugung von Atemwegsinfekten und Harnwegsinfekten eingesetzt.

Genaueres zur Verwendung in der Phytotherapie

Senföle (z. B. Allylsenföl) werden therapeutisch als lokal wirkende Hautreizmittel (Rubefacientia) angewendet. Sie wirken teilweise stark antibakteriell.

Zubereitungen aus senfölhaltigen Pflanzen werden ebenfalls heilkundlich eingesetzt. Kapuzinerkresse etwa wirkt wegen ihres Gehaltes an Benzylsenföl in-vitro bakteriostatisch (gegen grampositive und gramnegative Bakterien), virustatisch und antimykotisch.

Wissenschaftlich belegt ist auch die antimikrobielle Wirkung der Senföle aus dem Meerrettich. Das ätherische Öl enthält als wichtige Bestandteile Allylsenföl (ca. 90%) und 2-Phenylethylensenföl. Je nach Dosis kann der Meerrettich in-vitro bakteriostatisch bzw. bakterizid wirken Das Allylsenföl aus der Meerrettichwurzel besitzt eine gute Wirksamkeit im gramnegativen Spektrum, während das 2-Phenylethylsenföl aus der Meerrettichwurzel ein erweitertes Wirkspektrum im grampositiven Bereich zeigt.

Senfölglycoside aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel werden kombiniert in der Praxis als Phytotherapeutikum zur Behandlung und Vorbeugung von Atemwegsinfekten und Harnwegsinfekten eingesetzt. In-vitro-Studien belegen, dass eine Kombination der beiden Pflanzenstoffe ein breites antibakterielles Wirkspektrum gegenüber 13 klinisch relevanten Bakterienstämmen besitzt.

Untersuchungen am Institut für Medizinische Virologie der Universität Gießen haben 2010 gezeigt, dass Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich die Vermehrung von Grippeviren vom Typ H1N1 hemmen können. Die Vermehrung wurde im In-vitro-Modell mit menschlichen Lungenzellen um etwa 90 Prozent vermindert. Bereits im Jahre 1958 wurde in wissenschaftlichen Untersuchungen am exembryonierten Hühnerei unter dem Einfluss der Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich eine starke Hemmung der Vermehrung von Influenza-Viren belegt

Dass der Konsum senfölhaltiger Pflanzen, wie vielfach behauptet, vor Krebserkrankungen schützen kann, ist wissenschaftlich durch Versuche an Ratten belegt. Ein wissenschaftlicher Beweis für die Wirksamkeit beim Menschen fehlt aber.

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Heublumenwickel: Was sind Heublumen?

Donnerstag, März 15th, 2012

Heublumenwickel und Heublumenbäder sind beliebte Anwendungen in der Naturheilkunde. Fragt man genauer nach, was Heublumen sind, bekommt man aber oft nur sehr nebulöse Antworten. Mit bunten Wiesenblumen haben Heublumen jedenfall wenig bis gar nichts zu tun.

Hier eine Definition aus Wikipedia:

„ Heublumen (Flores graminis), auch Grasblüten genannt, sind ein Gemisch von Blütenteilen, Samen, kleineren Blatt- und Stängelstücken verschiedener Wiesenpflanzen. Sie bestehen vornehmlich aus den Gräsern Quecke, Trespe, Wiesen-Lolch, Wiesen-Schwingel, Wiesen-Lieschgras, Wiesen-Fuchsschwanz, Ruchgras und Knäuelgras. Das geerntete Heu wird lediglich durch mehrfaches Sieben von groben Stängelteilen, Sand, Staub und Erde befreit. Auf dem Land gelten als Heublumen alle Pflanzenteile, die auf der Tenne von der Heugabel nicht erfasst werden. Nicht selten liegt eine dicke Heublumenschicht auf dem Tennenboden.

Neben den im Pflanzenreich überall vorkommenden Stoffen können in unterschiedlichen Mengen Flavonoide, Gerbstoffe, ätherisches Öl, Cumarine und Furanocumarine nachgewiesen werden.“

(Quelle: Wikipedia)

Und wozu werden Heublumen eingesetzt?

„ Die evidenzbasierte Medizin befasst sich aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung nicht oder kaum mit Heublumen. Lediglich die Volksmedizin gebraucht Heublumen für Umschläge, Auflagen und Bäder zur Schmerzlinderung, Beruhigung und Entspannung bei verkrampfter Muskulatur und zur Durchblutungssteigerung. Heublumenbäder, -wickel und -umschläge gelten in der Volksmedizin als abwehrkräftestärkend und werden bei Erkältungskrankheiten und Fieber sowie bei Rheuma mit Erfolg gebraucht. Auch bei Wechseljahresbeschwerden, vegetativer Dystonie, Hautleiden, Nieren- und Blasenleiden finden Heublumen äußerlich Anwendung. Schon Sebastian Kneipp war von der positiven Wirkung der Heublumen überzeugt – die evidenzbasierte Medizin hingegen spricht den Heublumen lediglich Wirksamkeit als lokales Wärmetherapeutikum bei rheumatischen Erkrankungen zu. Heublumen sollen nicht bei offenen Verletzungen, akuten Entzündungen und akuten rheumatischen Schüben eingesetzt werden. Nebenwirkungen oder allergische Reaktionen sind nur in sehr seltenen Fällen zu befürchten. Bei der Anwendung von Heublumen als Bad oder Auflage ist detailliertes Wissen über die genaue Zubereitung erforderlich, ansonsten sind Misserfolge nicht auszuschließen. Heublumen findet man häufig auch in Heilkräutermischungen und -säckchen. Hier dienen sie vornehmlich als Träger für das in der Mischung enthaltene ätherische Öl.“

(Quelle: Wikipedia)

Kommentar & Ergänzung:

Je nach der Wiese, von der sie stammen, sind Heublumen also unterschiedlich zusammengesetzt. Immer aber handelt es sich um kleine Grasbestandteile. Es ist wohl tatsächlich so, dass Heublumenwickel vor allem eine intensive Form der Wärmetherapie sind. Feuchte Wärme wirkt jedenfalls viel intensiver als trockene Wärme. Der typische Heuduft, für den das Cumarin verantwortlich ist, dürfte zudem eine leicht beruhigende und entspannende Wirkung haben.

Muskelverspannungen und Menstruationskrämpfe sind beispielsweise bewährte Anwendungen der Heublumenwickel.

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Fussreflexzonenmassage bei Schlafstörungen

Dienstag, März 6th, 2012

Wissenschaftler aus Taiwan untersuchten mit Hilfe von 65 Frauen, die nach einer Geburt unter Schlafstörungen litten, ob eine tägliche Fußreflexzonenmassage den Schlaf verbessern kann.

Die Forscher aus Taiwan teilten 65 Frauen, die nach einer Geburt über Schlafstörungen litten, nach dem Zufallsprinzip ( = Randomisierung) in zwei Gruppen ein. Die eine Gruppe erhielt fünf Tage lang täglich eine 30-minütige Fußreflexzonenmassage (FRZM), die andere erhielt keine derartige  Behandlung.

Am Ende der Therapie gaben die mit Fussreflexzonen-Behandelten an, besser zu schlafen als die Patientinnen der unbehandelten Kontrollgruppe. Der Unterschied war statistisch signifikant. Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass die Fussreflexzonenmassage eine bei dieser Indikation effektive Behandlung sei.

Dass eine sanfte Fußmassage angenehm sei, entspanne und so den Schlaf in stressvollen Lebenssituationen fördere, werde wohl kaum jemand bezweifeln, schreibt Prof. Edzard Ernst (Lehrstuhl für Alternativmedizin, Universität Exter) in einem Kommentar zu der Studie: „Anhänger der FRZM gehen jedoch sehr viel weiter. Sie glauben, dass sich auf der Fußsohle Reflexzonen befinden, die direkt mit Organsystemen in Verbindung stehen. So wurde dann auch von den Therapeuten in dieser Studie versucht, durch Druck auf „spezifische“ Punkte, das Schlafzentrum zu beeinflussen.“

Da es keine anatomischen Bahnen gebe, die solche Verbindungen herstellen, zähle die Fussreflexzonenmassage zu den wenig plausiblen Methoden der Alternativmedizin, schreibt Ernst weiter.

Studien hierzu seien Mangelware:

„Daher ist die vorliegende Arbeit es Wert, beachtet zu werden. Leider erlaubt das Studiendesign jedoch keine Aussage über eine spezifische Wirksamkeit der FRZM. Es fehlt jeglicher Versuch, auf unspezifische Therapieeffekte zu kontrollieren. Somit sind die beobachteten Effekte wohl eher durch die wohltuende Entspannung einer Fußmassage zu erklären. Manche werden meinen, das sei letztlich egal, Hauptsache es hilft. Diesem Argument mag ich mich nur teilweise anschließen – denn wenn dem so ist, dann brauchen wir weder den Hokuspokus der Reflexzonen noch speziell ausgebildete FRZM-Therapeuten.“

Quelle:

http://www.springermedizin.de/fussreflexzonenmassage-mehr-als-ein-placebo/882994.html

MMW – Fortschritte der Medizin 2011/41

Kommentar & Ergänzung:

Dass Fussreflexzonenmassage wirksam sein kann, zeigt diese Studie gut. Fraglich ist nur, ob es für dieses Resultat die Behandlung ganz spezifischer Punkte braucht, welche die Fussreflexzonen-Theorie vorsieht.

Ähnliche Phänomene sind bekannt aus Akupunktur-Studien, die zeigten: Akupunktur ist in manchen Fällen eine wirksame Methode, doch ebenso wirksam ist Scheinakupunktur, bei der an falschen Stellen gestochen wird:

Kopfschmerzen & Migräne: Akupunktur und Scheinakupunktur wirksamer als Medikamente

Akupunktur wirkt gegen Übelkeit nach Bestrahlung – Scheinakupunktur aber auch

In-vitro-Fertilisation: Scheinakupunktur besser als echte Akupunktur

Ähnlich auch eine Studie zur Homöopathie bei Rheuma, die zum Schluss kommt, dass Rheumapatienten von einer homöopathischen Behandlung (zusätzlich zur medizinischen Therapie) profitieren, dass es aber nicht die Globuli sind, die wirken:

Wirkt Homöopathie, und wenn ja, wie?

Offenbar ist es nicht selten, dass eine Therapie zwar wirkt, aber nicht aufgrund derjenigen Faktoren, von deren Wirksamkeit ihre VertreterInnen überzeugt sind.

Siehe dazu auch:

Warum wir gesund werden?

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Bittermelone / Bittergurke (Momordica charantia) gegen Diabetes?

Freitag, Februar 24th, 2012

Die Bittermelone (= Bittergurke, Momordica charantia) stammt aus China und Indien und zählt zu den Kürbisgewächsen (Cucurbitaceae). Hauptsächlich in Indien wird sie als Gemüse genutzt, oft in gebratener Form, da so der bittere Geschmack vermindert werden kann. Neben der Nutzung als Lebensmittel wird die Bittermelone in der Volksmedizin seit langem bei verschiedenen Indikationen verwendet: sie soll gegen Verstopfung, Magenbeschwerden, Leberbeschwerden und virale Infekte wirken. Ein Presssaft aus den Blättern wird äusserlich gegen Insektenstiche, Sonnenbrand und kleinere Wunden eingesetzt. Im Amazonasgebiet wird ein Tee aus den Blättern der Bittermelone gegen Diabetes zur Anwendung.

Neuerdings werden auch in Europa Bittermelonen-Präparate als Alternative und Ergänzung zur herkömmlichen antidiabetischen Behandlung propagiert. Wissenschaftliche Untersuchungen schreiben die blutzuckersenkende Wirkung dem Phytosterolin Charantin zu, einem Gemisch aus zwei Glycosiden. In vier kleineren, nicht-randomisierten und nicht-doppelblinden Studien zeigte die Bittermelone eine moderate hypoglykämische Wirkung, sie senkte also den Blutzuckerspiegel. In vitro – also im Reaganzglas – wurden auch antivirale und antineoplastische Wirkungen nachgewiesen.

Als unerwünschte Wirkungen werden beschrieben: hypoglykämisches Koma, Konvulsionen und Kopfschmerzen. Die chronische Anwendung eines Fruchtextraktes war bei diabetischen Ratten tödlich, bei Mäusen führte ein Extrakt zu Fertilitätsstörungen.

Literatur:

_Schrott; Heilpflanzen der ayurvedischen und der westlichen Medizin; Springer Verlag 2012; p401

_Hanssen et al.; Biogene Nahrungsergänzungsmittel; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2008; p47

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=2008&NMID=2008&LANGID=2

Kommentar & Ergänzung:

Die Bittermelone / Bittergurke kommt immer wieder ins Gespräch als Heilpflanze gegen Diabetes und es wäre sehr wünschenswert, wenn sich hier eine wirksame Option für die Phytotherapie bei Diabetes ergeben würde. Davon ist die Bittermelone aber noch weit entfernt.

Wenn eine Patientenstudie klein, nicht-randomisiert und nicht doppelblind ist, dann ist sie kaum etwas wert. Auch wenn es vier Studien auf diesem tiefen Qualitätsniveau gibt: daraus lassen sich keine verlässlichen Aussagen über die Wirksamkeit gewinnen.

Und in-vitro Untersuchungen sagen noch sehr wenig aus über eine Wirkung beim Menschen.

Siehe auch:

Bittermelone / Bittergurke gegen Diabetes?

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Castingshows verändern Körperideal von Mädchen und begünstigen möglicherweise Essstörungen

Dienstag, Februar 21st, 2012

Castingshows wie „Germany´s Next Topmodel“ beeinflussen das Körperbild von Jugendlichen, vor allem von Mädchen. Das zeigt eine neue Studie. Demnach empfinden sich zahlreiche Mädchen und junge Frauen, die derartige Shows verfolgen, als zu dick. Damit könnten Castingshows die Tendenz zu Essstörungen wie etwa Magersucht oder Bulimie verstärken, warnt die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM). Die Fachgesellschaft weist darauf hin, dass etwa eine Magersucht ohne fachgerechte Behandlung rasch chronifizieren kann und sowohl die seelische als auch die körperliche Gesundheit schwer schädigt.

Castingshows wie „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM) sind speziell bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt. Einige dieser Sendungen konsumieren mehr als 62 Prozent der Heranwachsenden zwischen zwölf und 17 Jahren. Eine neue Studie deutet darauf hin, dass GNTM bei Mädchen die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper vergrössert. In der Untersuchung des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) des Bayerischen Rundfunks befragten Wissenschaftlerinnen Mädchen, die regelmäßig GNTM sahen. Das Ergebnis: Die Gefühle zahlreicher Befragten schwankten zwischen Bewunderung und Neid. „Alle, die da sind, haben so eine tolle Figur, das gibt mir Anreize abzunehmen“, erklärte eine 14-Jährige. Eine 15-Jährige gab an: „Dann denk’ ich mir meist, warum ich nicht so dünn bin.“ Und bereits eine Elfjährige fand ihren Bauch und ihre Beine zu dick, weil Topmodels ja schlank sein müssten.

„Wenn Mädchen sich trotz normalen Gewichts als zu dick empfinden, sind sie anfälliger für eine Essstörung wie Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa“, erklärt Professor Dr. med. Stephan Herpertz von der DGPM. Gemäss Studien leiden in Deutschland an Magersucht (Anorexie) bis zu 0,8 Prozent und an Bulimie drei Prozent der jungen Frauen zwischen 14 und 20 Jahren. Dabei schränken Betroffene mit Magersucht ihre Nahrungsaufnahme stark ein oder vermindern ihr Gewicht aktiv durch Erbrechen, exzessiven Sport oder die Einnahme von Abführmitteln. Junge Frauen mit Bulimie streben ebenfalls ein Gewicht an, das ihnen ständiges Fasten abverlangt. Sie haben aber gleichzeitig die Kontrolle über ihr Essverhalten verloren und ein Teufelskreis zwischen übermäßigem Essen, Erbrechen und Fasten entsteht. Beide Essstörungen können schwerwiegende seelische wie auch körperliche Schäden verursachen. So wirkt sich die Magersucht zum Beispiel ungünstig auf die Knochendichte, das Längenwachstum und die Hirnreifung aus. An dieser Krankheit sterben rund 12 Prozent der davon betroffenen Menschen.

„Essstörungen wie Anorexie haben gravierende Folgen für die Gesellschaft“, erklärt Professor Herpertz von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bochum. „Denn sie betreffen fast ausschließlich junge Menschen und beeinträchtigen sowohl deren gesundheitliche als auch berufliche Entwicklung.“ Bei der Therapie der Patienten empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) in einer aktuellen S3-Leitlinie hauptssächlich zu einer Psychotherapie, die speziell auf die jeweilige Essstörung ausgerichtet ist. „Sie soll das Essverhalten wieder normalisieren und die mit der Krankheit verbundenen seelischen Probleme lösen. Der Heilungserfolg bei der Anorexie liegt lediglich bei etwa der Hälfte der Patientinnen“, stellt der Sprecher der Leitlinie fest. Selbst bei positivem Verlauf sei dies ein langwieriger Prozess, der häufig eine stationäre Behandlung notwendig mache.

In jedem Fall sollte eine Chronifizierung der Anorexie oder Bulimie unbedingt vermieden werden. Wichtigster Hinweis auf eine Magersucht ist das konstant sinkende Körpergewicht: Bei Kindern und Jugendlichen sei ein Unterschreiten der zehnten Body-Mass-Index (BMI) Altersperzentile kritisch, schreibt die DGPM. Gewicht, Größe und Geschlecht berücksichtigt, würde das heissten, dass mehr als 90 Prozent der Gleichaltrigen mehr wiegen als der Betroffene. Die verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers als zu dick trotz objektivem Untergewicht ist ein weiteres wichtiges Warnsignal sowohl für Magersucht wie auch Bulimie. „GNTM hat sicherlich ein nicht zu unterschätzendes Gefährdungspotenzial für junge Frauen und ein öffentlicher Diskurs wäre wichtig“, stellt Professor Herpertz fest.

Literatur:

Maya Götz/Johanna Gather: Wer bleibt drin, wer fliegt raus? Was Kinder und Jugendliche aus Deutschland sucht den Superstar und Germany’s Next Topmodel mitnehmen. Televizion, 23/2010/1

Herpertz S, Hagenah U, Vocks S, Jörn von Wietersheim J, Cuntz U, Zeeck A: S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Essstörungen in Deutschland. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(40): 678–85.

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0678; http://www.aerzteblatt.de/archiv/107955

Eine Tabelle zu den geschlechtsspezifischen Body-Mass-Index (BMI) Altersperzentilen finden Interessierte hier: http://www.bzga-essstoerungen.de/index.php?id=106

Quelle:

Pressemeldung

Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM)

http://idw-online.de/pages/de/news464371

Kommentar & Ergänzung:

So weit so besorgniserregend. Die Frage stellt sich, was angesichts dieser Erkenntnis zu tun ist. Konkret: Was tun, wenn Fernsehsendungen die Gesundheit gefährden und Krankheiten wie die Magersucht fördern, die tödlich verlaufen können. Verbieten wird man solche Krankmacher-Sendungen ja wohl nicht können. Vielleicht könnte man die Sender verpflichten, einen Teil der mit Castingshows erzielten Werbeeinnahmen in Präventions- und Therapieprogramme für Menschen mit Essstörungen zu stecken. Oder man könnte einen Boykott von Firmen ins Auge fassen, die solche Sendungen mit Werbung unterstützen. Der öffentliche Diskurs, den Professor Herpertz fordert, ist wichtig, aber er wird nicht genügen, wenn keine Massnahmen folgen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Krankenpflege & Naturheilkunde: Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Palliative Care, Spital

Dienstag, Februar 7th, 2012

Sie suchen eine fundierte Weiterbildung im Bereich „komplementäre Pflege“?

In Winterthur am Seminar für Integrative Phytotherapie gibt es einen Speziallehrgang für professionelle Heilpflanzen-Anwendungen in der Pflege. Phytotherapie verbindet die traditionelle Pflanzenheilkunde mit den Erkenntnissen moderner Arzneipflanzenforschung.

Phytotherapie ist kompatibel mit medizinischem Denken und Handeln, was eine Voraussetzung ist für eine Integration in Pflegeheime, Spitex-Dienste, Palliative Care, Klinik / Spital.

Komplementäre Pflege bzw. komplementärmedizinische Pflege ist ein Thema, das zunehmend auf Interesse stösst, doch genau wie beim Begriff „Komplementärmedizin“ ist nirgendwo verbindlich definiert, was genau damit gemeint ist. Das hat zur Folge, dass in Ausbildungen und Weiterbildungen in „Komplementärer Pflege“ meistens eine ganze Reihe von Methoden vermittelt werden, die zum grossen Teil einfach zu „exotisch“ sind, um in „normalen“ Pflegeinstitutionen umgesetzt zu werden. Sie eignen sich allenfalls für komplementärmedizinisch orientierte Spezialkliniken (werden dort aber dann hautsächlich von Ärzten angewendet).

Heilpflanzen-Anwendungen sind dagegen so breit in der Bevölkerung verankert, dass sie auch in vielen „normalen“ Pflegeheimen, Spitex-Diensten und Kliniken akzeptiert werden, wenn sie in einem professioneller Rahmen angeboten werden.

Phytotherapie auf der Grundlage professioneller Krankenpflege ist eine ideale Brücke zwischen Medizin und Naturheilkunde. Pflegende als medizinische Fachpersonen bringen zudem ausgezeichnete Voraussetzungen mit, um im Sinne der Gesundheitsförderung fundiertes Heilpflanzenwissen an die Bevölkerung weiterzugeben.

Informationen zum Thema „Phytotherapie in der Pflege“:

Phytotherapie-Ausbildung für Pflegepersonen

(medizinkompatibler, pflegekompatibler Lehrgang)

Argumente für Phytotherapie in der Pflege

(zum Beispiel für Gespräche mit Pflegedienstleitungen)

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege

(Presse-Berichte zu Beispielen erfolgreicher Integration von Heilpflanzen-Anwendungen in Spitex, Pflegeheime und Kliniken, Angebot für Teamweiterbildung)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

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Weiterbildung: Heilpflanzen-Anwendungen in der Onkologie-Pflege und Palliative-Care

Sonntag, Januar 29th, 2012

Heilpflanzen-Anwendungen eignen sich gut zur Linderung zahlreicher Beschwerden, die als Begleiterscheinung der Tumorerkrankung oder als Folge von Chemotherapie oder Strahlentherapie auftreten. In der Palliative Care ermöglichen Heilpflanzen-Anwendungen Pflegenden in Situationen, in denen sie wenig zur Linderung des Leidens beitragen können, oft noch positive Veränderungen. Auch können sie dadurch den Angehörigen sinnvolle Instrumente in die Hand geben, womit diese im alltäglichen Umgang mit ihren Verwandten ebenfalls handlungsfähiger werden.

Ein Weiterbildungstag in Winterthur liefert dazu das nötige Wissen.

Als Zielgruppe angesprochen sind vor allem Berufsleute aus der Krankenpflege, zum Beispiel aus Onkologie-Stationen oder aus Palliative Care Diensten, aber auch Spitex und Pflegeheimen. Die Seminare sind aber gut verständlich, so dass auch Krebspatienten und ihre Angehörigen sowie weitere Interessierte daraus Nutzen ziehen können. Ebenso willkommen sind Teilnehmende aus Naturheilkunde und Medizin.

Es geht in diesem Weiterbildungstag um Themen wie:

Mundschleimhautentzündung, Durchfall, Verstopfung, Übelkeit / Erbrechen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Stimmungseinbrüche, Blasenentzündung, reduzierte Abwehrkraft, erhöhte Blutungsneigung, Hautschäden / Entzündungen….und um Ihre Fragen zum Thema.

Kursleitung: Martin Koradi

Datum: 14. November 2012

Der Weiterbildungstag basiert auch dem Workshop, den ich über mehrere Jahre an den Tumortagen des Kantonsspitals Winterthur gehalten habe.

Weitere Informationen hier:

Weiterbildung: Heilpflanzen-Anwendungen in Onkologie-Pflege und Palliative Care

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