Artikel mit Schlagwort ‘Mangold’

Ist Spargel eine Heilpflanze?

Mittwoch, Mai 9th, 2012

Die Zeitschrift für Phytotherapie (Nr. 3 / 2006) hat dieser Frage einen ausführlichen Beitrag gewidmet.

„Jeder meint, die entwässernde Wirkung einer Spargelmahlzeit zu kennen und kann sich vorstellen, dass dies phytotherapeutisch anwendbar ist. So werben Hersteller von phytotherapeutischen Spargelextrakten mit den Indikationen »zur Entwässerung« und »zur Behandlung bei Nierenleiden«. Aber besteht für die Anwendung von Spargelextrakten in der rationalen Phytotherapie eine ausreichende Datenlage, wie sie heute gefordert wird? In naturheilkundlichen Empfehlungen zur medizinischen Anwendung von Spargel werden Formulierungen wie »zur Durchspülungstherapie« oder »zur Blutreinigung«, »zur Entgiftung«, »bei Entzündungen der Nieren- und Harnwege« benutzt, die nicht mehr dem heutigen Erkenntnisstand zur Pathophysiologie der Niere entsprechen. Zweifellos hatte der Spargel vor seiner Zeit als Delikatesse in Mitteleuropa zunächst eine Karriere als Heilpflanze, und der Gesundheitsaspekt spielt auch heute noch eine gewisse Rolle.“

Erstaunlich ist, dass es für die harntreibende Wirkung der Spargel, die beim Spargelgenuss leicht feststellbar ist, kaum wissenschaftliche Belege gibt:

„Die diuretische Wirkung von Spargel wird den meisten wohl als sicher gelten. Kurz nach einer Spargelmahlzeit wird der Urin meist hell (durch fehlende Konzentration), nimmt bei vielen Menschen einen charakteristischen Geruch an und wird in großer Menge produziert. Doch wird wirklich mehr als die mit der Spargelmahlzeit zugeführte Wassermenge ausgeschieden? Der Spargel besteht zu 95 % aus Wasser. Tatsächlich ist die diuretische Wirkung des Spargels wissenschaftlich unzureichend belegt, und auch zum Wirkprinzip gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. In den wenigen publizierten experimentellen Untersuchungen konnte die diuretische Wirkung nicht nachgewiesen werden. Kurioserweise hat sich die Wissenschaft viel intensiver mit dem »Spargelgeruch« des Urins befasst, der ja offenbar nur ein Epiphänomen ist……… Die zentrale Frage lautet, ob mit Spargel oder Spargelextrakten tatsächlich eine Ausschwemmung von Ödemen (z.B. bei Herzinsuffizienz) möglich ist. Zur Beantwortung dieser Frage sind Untersuchungen zur Flüssigkeits- und Elektrolytbilanz nach Spargelgenuss unerlässlich. Diese liegen nach meiner Kenntnis nicht vor. Es erstaunt, dass der Nachweis eines diuretischen Potenzials von Spargel nicht entschlossener versucht wurde.“

Kritisch wird im Beitrag der Zeitschrift für Phytotherapie die Vorstellung kommentiert, dass Spargel zur Blutreinigung und Entschlackung beitragen soll:

„Dem Asparagin wird außerdem in der Literatur eine Fähigkeit zur Entfernung von körperfremden Stoffen zugesprochen. Publizierte Daten hierzu fehlen. Das Konzept der Blutreinigung mit Spargel sollte daher ebenfalls fallengelassen werden, so attraktiv eine »Entschlackung« auf der Basis von Delikatessen auch erscheint.“

Zur Problematik von „Blutreinigung“ und „Entschlackung“ siehe auch:

Entschlackung – was ist das?

Entschlackung – unnötig und ungesund

Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere

Entgiften und Entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

Entschlackung – illusionäre Hoffnung auf Gewichtsreduktion

Interessant ist ein Hinweis auf Spargelersatz-Pflanzen:

„Da Spargel nicht überall gedeiht und der Erntezeitraum begrenzt ist – er endet traditionell am 24. Juni, dem Johannistag -, wurde vielfach nach Spargelersatz gesucht. Junge Sprosse von Schwarzwurzel, Bocksbart, Brombeeren, Lauch, Mangold, Gutem Heinrich sowie Hopfen wurden wie Spargel genossen.“

Was bleibt von der Spargel als Heilpflanze?

Es ist erstaunlich, dass die Frage nach dem Entstehungsmechanismus des Spargelgeruchs im Urin offenbar intensiver untersucht wurde als die möglichen Heilwirkungen.

Die harntreibende Wirkung ist durch die Erfahrungen von „Spargelessern“ so gut bekannt, dass sie kaum zu bezweifeln ist. Ob dafür Saponine, Asparaginsäure oder der hohe Kalium-Gehalt verantwortlich sind, ist bisher ungeklärt.

Asparaginsäure wird übrigens in erheblichen Mengen eingesetzt zur Synthese des Süssstoffs Aspartam.

Gemüse-Spargel ist wohl in erster Linie eine Delikatesse. Ob Spargel über längere Zeit – also nicht einfach nur einmal bei einer Mahlzeit – als „Entwässerungsmittel“ eingesetzt werden kann und in welchen Fällen das sinnvoll sein könnte, ist bisher nicht geklärt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Verdauungsbeschwerden durch Fruktoseunverträglichkeit

Dienstag, Mai 4th, 2010

Wenn Menschen nach dem Konsum von Fruchtsaft oder Obst Bauchschmerzen und Durchfall und übel riechende Blähungen bekommen, so leiden sie möglicherweise unter einer Fruktose-Unverträglichkeit. „Auch andere Getränke, gesüßte Milchprodukte, viele Fertiggerichte und in Marinaden eingelegte Lebensmittel enthalten sehr häufig Fruchtzucker und können bei Personen mit einer Fruktose-Unverträglichkeit Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen, Müdigkeit und sogar Depressionen verursachen.

Tauchen diese Symptome im Zusammenhang mit dem Verzehr von Fruchtsäure enthaltenden Lebensmittel auf, sollte ärztlich abgeklärt werden, ob eine Fruktose-Unverträglichkeit vorliegt”, empfiehlt Prof. Richard Raedsch vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Mit Hilfe eines Wasserstoffatemtests und einer Messung des Fruktose-Spiegels im Blut kann die Fruchtzucker-Unverträglichkeit gut festgestellt werden.

Einer Fruktose-Unverträglichkeit (Fructose-Intoleranz) liegt eine Störung der Fruktoseaufnahme im Dünndarm zugrunde, eine so genannte Fruktose-Malabsorption. Dadurch steigert sich die Fruktose-Konzentration im gesamten Darm. Der Fruchtzucker im Darm zieht Wasser aus umgebenden Regionen an, so dass es zu Durchfall kommt. Im Darm wird die Fruktose von Mikroorganismen verarbeitet, wobei sich Gase entwickeln, die zu Blähungen führen. „Der Zuckeraustauschstoff Sorbit, der häufig in Süßigkeiten wie zum Beispiel Kaugummi zu finden ist, sowie Laktose aus Milchprodukten hemmen die Aufnahme von Fruktose, so dass es zu einer Verstärkung der Symptome kommt”, erklärt Prof. Raedsch.

Mit der Zeit können sich die Bakterien, welche den Fruchtzucker vergären, stark vermehren und auch den Dünndarm besiedeln. „Die Symptome werden dann oftmals immer schlimmer, obwohl sich der Betroffene mit reichlich Obst und Gemüse eigentlich gesund ernährt”, erläutert Prof. Raedsch. Eine mangelhafte Verdauung von Fruchtzucker geht auch mit einer reduzierten Aufnahme von Tryptophan einher. Diese Substanz braucht der Organismus, um den Neurotransmitter Serotonin zu produzieren. Die Folgen eines Serotonin-Mangels können depressive Verstimmungen und ständiger Hunger auf Süßes sein.

Die Beschwerden gehen meist zurück, wenn man stark Fruktose-haltige Lebensmittel meidet. „In welchem Umfang dies geschehen sollte, ist von der Ausprägung der Fruktose-Malabsorption abhängig, und sollte daher in enger Absprache mit dem Arzt geklärt werden”, rät der BDI-Experte. Meist hilft es, weniger Säfte zu trinken und vorzugsweise fruktosearmes Obst wie zum Beispiel Aprikosen, Bananen und Orangen zu verzehren. Gemüsesorten, die wenig Fruktose enthalten, sind Zum Beispiel Mangold, Spinat, Feldsalat, Endivie. „Häufig sind beträchtliche Mengen an Fruktose in Diät-Produkten zu finden, die mit dem Argument propagiert werden, ‚ohne Haushaltszucker’ oder ‚nur mit Fruchtzucker’ hergestellt zu sein. Auch auf diese Lebensmittel sollte man bei einer fruktosearmen Ernährung nur in geringen Mengen zurückgreifen”, empfiehlt Prof. Raedsch.

Rund 30% der Bevölkerung in Mitteleuropa haben eine beeinträchtigte Fruktoseaufnahme. Etwa die Hälfte dieser Menschen zeigen auch Symptome.

Quelle:

http://www.internisten-im-netz.de

Kommentar & Ergänzung:

Die Fruktose-Unverträglichkeit ist ein gutes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, länger anhaltende Verdauungsbeschwerden diagnostisch genau abzuklären.
Das ist auch ein wichtiger Punkt auch für den Bereich Naturheilkunde / Komplementärmedizin.
Meiner Erfahrung nach wird nicht selten zu lange ohne sorgfältige diagnostische Abklärung herumtherapiert. Das ist manchmal einfach unsinnig und in gewissen Fällen gefährlich.
Die heiklen Punkte im Bereich Naturheilkunde / Komplementärmedizin liegen mehr im Bereich mangelhafter oder gar fehlender Diagnostik als im Bereich der Therapie.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Rhabarber ab Mitte Juni meiden

Freitag, Juni 5th, 2009

Ab Mitte Juni wird der Verzehr von Rhabarber ungesund, denn dann hat der Gehalt der im Rhabarber enthaltenen Oxalsäure seinen Höchststand erreicht. Das Gemüse sollte daher ab diesem Zeitpunkt nicht mehr geerntet und gegessen werden. Die Oxalsäure greift den Zahnschmelz an. Deshalb sollte mindestens 45 Minuten nach dem Verzehr der grünlichen bis rötlichen Blattstängel abgewartet werden, bevor man sich die Zähne putzt. Andernfalls kann die Reinigung zu deutliche “Verletzungen” des Zahnschmelzes verursachen. Optimal ist es offenbar, nach dem Rhabarbergenuss ein Stück Käse zu essen. Das wirkt schützend auf den Zahnschmelz.

Die Oxalsäure hemmt zudem die Kalziumversorgung der Knochen. Denn im Dünndarm entsteht aus der Oxalsäure und Kalzium Kalziumoxalat. Diese Substanz kann nicht über die Dünndarmschleimhaut ins Blut aufgenommen werden. Sie landet mit dem Stuhlgang in der Toilette statt in den Knochen. Zudem müssen Personen, die unter Kalziumoxalatsteinen der Nieren leiden, oxalsäurereiche Lebensmittel wie Rhabarber, Mangold, Spinat oder Kakao meiden.

Doch Rhabarber hat auch seine positiven Seiten. Durch seinen hohen Kaliumgehalt wirkt Rhabarber entwässernd und das in ihm enthaltene Vitamin C schützt die Zellen vor Oxidation. Wer abnehmen möchte, sollte Rhabarber essen, denn 500 Gramm des Gemüses enthalten nur 70 Kilokalorien. Rhabarber besteht wie Gurken, Zucchini oder Tomaten hauptsächlich aus Wasser.

Essbar wird der Rhabarber durch das Kochen der geschälten Blattstängel in reichlich Wasser, wodurch auch der Oxalsäuregehalt sinkt. Anschließend ist das Gemüse zu süßen, weil sonst von Genuss keine Rede sein kann. Meist wird aus dem Rhabarber Kompott gemacht, den Kalorienbewusste mit Süßstoff süßen. Ein Andicken ist in der Regel nicht nötig. Wer seinen Kompott andicken will, verwendet dazu traditionell Sago. Eine kalorienfreie Alternative dazu ist das Johannisbrotkernmehl aus dem Reformhaus oder dem Bioladen. Besonders fein ist der Rhabarber-Kompott, wenn er mit einer eingeritzten Vanilleschote gekocht wird. Dazu passt sehr gut ein aromatischer Zimtquark.

Rhabarberwurzeln wurden schon im alten China vor 4 700 Jahren als Heilmittel verwendet. In der Antike verbreitete sich der Rhabarber von China über Russland nach ganz Europa und er ist bei uns im Frühsommer sehr beliebt.

Quelle:
http://de.news.yahoo.com / Global press

Kommentar & Ergänzung:

Die Verwendung des Rhabarbers als Speise ist noch sehr jung und existiert erst seit bezahlbarer Zucker verfügbar ist. Erst vor 250 Jahren wurde in England entdeckt, dass die fleischigen Stängel essbar sind.
Unser Speiserhabarber stammt von Rheum rhabarbarum. In der Phytotherapie bzw. Pflanzenheilkunde kennt man den Medizinalrhabarber (Rheum palmatum). Er zählt zu den anthranoidhaltigen Heilpflanzen, wirkt daher als Abführmittel, wird aber kaum mehr eingesetzt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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