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Garcinia cambogia – ein fragwürdiges Schlankheitsmittel

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Garcinia cambogia gehört zur Pflanzenfamilie der Clusiaceae und ist ein mittelgrosser, zwischen 5-20 Meter hoher, immergrüner Baum, der in Indien und Sri Lanka heimisch ist.

Extrakte aus den Früchten von Garcinia cambogia werden in zahlreichen Ländern als Schlankheitsmittel vermarktet.

Eine grosse Anzahl von Präparaten wird vor allem im Internet verbunden mit unrealistischen Erfolgsversprechungen beworben.

Der Pharmavista-Newsletter hat soeben dazu einen kritischen Text veröffentlicht:

„Der gewünschte Gewichts- und Fettverlust wird der Wirkung der Hydroxycitronensäure (HCA, hydroxycitric acid) zugeschrieben. Der HCA-Gehalt in Pflanzenextrakten kann bis 50% betragen. HCA hemmt die ATP-abhängige Citratlyase, welche im Fettstoffwechsel eine wichtige Rolle spielt. Zurzeit fehlen allerdings aussagekräftige klinische Studien, welche die Wirksamkeit eindeutig bestätigen.“

In der Schweiz gibt es keine registrierten Produkte mit Garcinia cambogia.

In Frankreich darf die Pflanze in der Apotheke seit 2012 nicht mehr zur Produktion von Schlankheitsmitteln verwendet werden. Laut einem Expertenbericht wird Garcinia cambogia wegen seiner hypoglykämischen und hypolipämischen Eigenschaften als Medikament eingestuft. Die Pharmakovigilanz dieser Pflanze wurde verstärkt, das heisst: Sie steht unter verstärkter Beobachtung hinsichtlich allfällige Nebenwirkungen.

Es wird vermutet, dass Präparate aus Garcinia cambogia zu hepatischen und muskulären Nebenwirkungen sowie Konvulsionen führen können.

Der Text im Newsletter schliesst mit der Aussage:

„Produkte mit Garcinia cambogia, welche nicht der behördlichen Kontrolle unterliegen, werden weiterhin via Internet vertrieben. Vom Konsum wird jedoch strikt abgeraten.“

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=4993&NMID=4993&LANGID=2

Kommentar & Ergänzung:

Fundierte Aussagen zu Wirkungen und Nebenwirkungen von Garcinia cambogia sind in der Fachliteratur tatsächlich ausgesprochen rar.

Es gibt ein paar Laboruntersuchungen, die eine Wirksamkeit nahelegen:

„Hydroxycitronensäure (engl. hydroxycitric acid, HCA; 1,2-Dihydroxypropan-1,2,3-tricarbonsäure) wurde in verschiedenen tropischen Pflanzen nachgewiesen, z.B. in den citrusähnlichen Früchten der südostasiatischen Garcinia cambogia (Tamarinde) sowie Hibiscus subdariffa, einer Hibiskus-Art. Das Diastereomer (2S,3R)-HCA hemmt in vitro die α-Amylase der Bauchspeicheldrüse und die α-Glucosidase und damit den Kohlenhydrat-Metabolismus inklusive der nachgeschalteten Liponeogenese (Umwandlung von Kohlenhydraten in körpereigenes Fett). Es wird auch über eine Hemmung der ATP-abhängigen Citrat-Lyase (EC 4.1.3.6) berichtet. Die Citrat-Lyase katalysiert die Spaltung von Citrat in Oxalacetat und Acetyl-Coenzym A (AcCoA) im so genannten Citrat-Malat-Pyruvat-Cyclus. AcCoA ist als zentrale Stoffwechseldrehscheibe auch die Ausgangssubstanz für die Biosynthese von Fetten. Aufgrund dieser Laborbeobachtungen werden Garcinia cambogia-Extrakte und HCA als diätunterstützendes Nahrungsergänzungsmittel angeboten.“

Quelle: http://www.chemgapedia.de/vsengine/glossary/de/hydroxy_00045citronens_00228ure.glos.html

Laboruntersuchungen sagen aber noch kaum etwas darüber aus, ob die im Reagenzglas festgestellten Effekte auch im menschlichen Körper in vergleichbarer Weise auftreten.

Und solide klinische Untersuchungen an Menschen existieren nicht.

Interessant ist der Hinweis auf Hydroxycitronensäure in Hibiscus sabdariffa („subdariffa“ ist wohl ein Druckfehler), der Karkade (Afrikanische Malve). Für diese Pflanze gibt es nämlich passend dazu Hinweise auf hypolipämische Effekte (allerdings aus Tierexperimenten):

Hibiskus (Karkade) gegen erhöhtes Cholesterin

Zu möglichen Nebenwirkungen von Hydroxycitronensäure schreibt Chemgapedia:

„Aufgrund der strukturtellen Ähnlichkeit mit der Stammverbindung Citronensäure ist es wahrscheinlich, das HCA in erhöhten Dosierungen ebenfalls als Chelatbildner fungiert und somit die Resorption essentieller Mineralstoffe und Spurenelemente stört.“

In den USA warnte die Food and Drug Administration (FDA) bereits im Jahr 2009 vor Garcinia-cambogia-haltigen Präparaten aufgrund von Fallberichten über Leberschädigungen.

Siehe zum Beispiel hier:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3952288/

Fallberichte belegen allerdings noch keinen ursächlichen Zusammenhang.

Trotzdem ist es schon erstaunlich, mit welch grossartigen Versprechungen Präparate vermarktet werden, bei denen weder Wirksamkeit noch Sicherheit geklärt sind.

Dazu kommt noch, dass im Internet jede Qualitätskontrolle fehlt: Konsumentinnen und Konsumenten haben keinerlei Gewissheit, dass in den Präparaten auch drin ist, was drauf steht – und dass nur drin ist, was drauf steht.

Jedenfalls gibt es immer wieder angeblich rein pflanzliche Schlankheitsmittel, die riskante Appetitzügler wie Sibutramin enthalten.

Zum Beispiel:

Kriminelle, „rein pflanzliche“ Schlankheitsmittel im Internet

Angeblich pflanzliche Potenzmittel und Schlankheitsmittel mit unerlaubten Wirkstoffen

Warnung vor illegalem Schlankheitsmittel „Ultra-effect“

Angeblich pflanzliche Schlankheitsmittel mit gefährlichen Inhaltsstoffen

Warnung vor chinesischem Schlankheitsmittel

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Wickel und Auflagen in der Pflege

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Wickel und Auflagen haben in der Pflege wieder an Bedeutung gewonnen. Soweit dabei Heilpflanzen zur Anwendung kommen, sind sie auch ein Bestandteil der Phytotherapie.

In der Ausgabe Nr. 1 / 2014 veröffentlichte die Zeitschrift für Phytotherapie einen Artikel zum Thema Wickel und Auflagen.

Wie genau die Wirkung von Wickeln und Auflagen zustande kommt, das wird sehr unterschiedlich begründet. Oft hört man noch die Erklärung, dass Wickel und Auflagen Giftstoffe aus dem Körper ziehen. Diese Ansicht geht wohl auf die Humoralpathologie (Vier-Säfte-Lehre) zurück, in deren Konzept die Ausscheidung krankmachender Stoffe von zentraler Bedeutung sind. Diese Vorstellung ist nicht sehr überzeugend und wirft zahlreiche Fragen auf. Um welche Giftstoffe soll es sich denn handeln? Und wie „weiss“ der Wickel, welche Stoffe er rausziehen soll und welche nicht? Und mit welcher Kraft soll er Giftstoffe rausziehen?

Die Autorin des Artikels in der Zeitschrift für Phytotherapie, Gerda Zölle, wandelt zum Glück nicht auf diesem fragwürdigen Pfad und erklärt die Wirkung von Wickeln und Auflagen so:

Es gibt kalte oder feucht-heiße Wickel, die beide die Durchblutung der Haut beeinflussen. Ein feucht-heißer Wickel setzt einen warmen, thermischen Reiz. Das bewirkt passiv eine lokale, periphere Gefäßerweiterung und nachfolgend eine verstärkte Durchblutung, wobei die Stoffwechselaktivität angeregt wird. Die intensive Wärme eines Wickels wirkt entkrampfend und entspannend bis hin zur quer gestreiften Muskulatur, sie dringt jedoch nicht bis zu den inneren Organen durch. Es wird vermutet, dass durch eine lokale Anregung der Head’schen Zonen die spinalen Reflexbahnen Reize weiterleiten und so die inneren Organe beeinflussen.“

Das scheint mir eine nachvollziehbare Erklärung. Die Autorin geht dann auf pflanzliche Wirkstoffe in Wickeln und Auflagen ein:

„Über den Wickel können pflanzliche Wirkstoffe aus bewährten Arzneipflanzen wie Schafgarbe, Lavendel, Eukalyptus, Malve, Melisse oder Thymian gezielt in den Organismus transportiert werden und die thermische Wirkung des Wickels unterstützen.“

Da müsste man allerdings meiner Ansicht nach differenzieren. Es gehen lange nicht alle Wirkstoffe durch die Haut. Die Schleimstoffe der Malve zum Beispiel sind viel zu gross als Molekül für eine Resorption durch die Haut. Grundsätzlich gut durch die Haut gehen ätherische Öle, wie sie in Schafgarben, Lavendel, Eukalyptus, Melisse und Thymian vorhanden sind. Doch wäre hier noch zu klären, ob via Haut auch relevante Mengen dieser ätherischen Öle aufgenommen werden. Wahrscheinlich wirken solche ätherischen Öle in Wickeln und Auflagen eher über den inhalativen Weg.

Ein Wickel könne jedoch noch mehr, er sei auch umhüllend.

Er wirke nicht nur über die jeweils verwendete Substanz, sondern auch über die körperliche Zuwendung beim Wickeln selbst:

„Körpergrenzen werden erfahrbar gemacht, die Wahrnehmung des Patienten gefördert, Pflegende und Patienten sind in einem intensiven Kontakt miteinander. Das kann besonders bei der Pflege und Betreuung von Menschen mit einer eingeschränkten Wahrnehmung wie Patienten mit Demenz sehr hilfreich sein: Wickel und Auflagen können den ersten Kontakt erleichtern sowie Nähe und Zuwendung vermitteln. Inzwischen sind Wickel und Auflagen ein fester Bestandteil der komplementären Pflege und werden professionell angewandt.“

Das Ritual, die Zuwendung, die Aufmerksamkeit – das sind tatsächlich wichtige Aspekte bei der Anwendung von Wickeln und Auflagen – beim Einsatz im privaten Rahmen und auch in der Pflege.

Bezüglich der Wirkungsweise scheint mir bei vielen Wickeln und Auflagen die Counterirritation ein wichtiger Ansatzpunkt zu sein. Es handelt sich dabei um eine Reizsetzung, welche anschließend zur Schmerzdämpfung führt. Das ist vor allem auch ein absolut medizinkompatibles Erklärungsmodell. Hier ein Text zum Thema Counterirritation / Gegenreiz auf Wikipedia, der meines Erachtens aber zu ausschliesslich auf eine Wirkung im Bereich Immunsystem focussiert.

Zur Erklärung der Wirkungsweise von Wickeln und Auflagen im Sinne der Counterirritation könnte man noch die „Gate-Control-Theory“ von Melzack und Wall hinzuziehen (Gate-Control-Theory auf Wikipedia).

Jedenfalls gibt es zur Erklärung der Wirkungsweise von Wickeln und Auflagen sehr viel ergiebigere und überzeugendere Erklärungsmodelle als die Vorstellung vom Herausziehen irgendwelcher obskurer Giftstoffe.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kräutertees gegen Erkältungen: Thymian, Malve Lindenblüten

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Thymian, Malve oder Lindenblüte zählen zu den altbekannten Hausmitteln.

Sie können bei der Überwindung einer  Erkältung helfen.

Bei einer Erkältung müssen Erkrankte nicht unbedingt zu Medikamenten greifen. Die Beschwerden lassen sich oft auch mit Hausmitteln wie Tees aus Heilpflanzen lindern.

Darauf hat die Apothekerkammer Niedersachsen in Hannover hingewiesen. Um die Atemwege von Schleim zu befreien, könne Thymiantee helfen.  Bei Reizhusten lindere Malventee die Beschwerden. Empfehlenswert sei es zudem bei Erkältungen immer, viel warme Flüssigkeit wie Tee zu trinken.

Die Apothekerkammer empfiehlt, feuchte Tücher in der Wohnung aufzuhängen, um die Luftfeuchtigkeit zu steigern. Dadurch werden die Schleimhäute befeucht. Eine Schwitzkur mit Lindenblüten- oder Holunderblütentee helfe gegen Frösteln. Auch ein Bad mit ätherischen Ölen könne eine Erkältung lindern. Bei Fieber sollten die Betroffenen jedoch besser inhalieren.

Quellen:

http://www.onmeda.de/aktuelles/news/erkältung__thymiantee_kann_helfen-9930.html

Kommentar & Ergänzung:

Thymian enthält ätherisches Thymianöl und dieses wirkt tatsächlich schleimlösend bei Husten. Allerdings sind ätherische Öle schlecht wasserlöslich und gehen daher nur beschränkt ins Teewasser über. Thymiantee ist daher wohl nicht die optimale Zubereitungsform, obwohl man die Löslichkeit des Thymianöls mit Zugabe von etwas Vollmilch fördern kann. Thymianöl könnte aber auch als Inhalation angewendet werden und kommt dann von aussen direkt in die Atemwege.

Malventee enthält Schleime und lindert trockenen Reizhusten. Empfehlen würde ich Malvenblüten von Malva silvestris.

Lindenblütentee soll schweisstreibend und dadurch fiebersenkend wirken, doch ist diese Wirkung nicht geklärt. Lindenblüten enthalten aber auch Schleim mit reizlindernder Wirkung bei trockenem Husten und etwas ätherisches Öl, das leicht beruhigend wirken soll.

Im Text wird empfohlen, ätherische Öle für ein Erkältungsbad zu verwenden. Dazu wäre zu ergänzen, dass auf eine Badewanne gerechnet nur ein paar wenige Tropfen (etwa 8) eines ätherischen Öles verwendet werden. Das ätherische Öl muss zudem emulgiert werden, zum Beispiel durch Mischung mit Vollmilch oder Kaffeerahm. Ungeeignet für ein Erkältungsbad ist Pfefferminzöl, weil sein Hauptinhaltsstoff Menthol die Kälterezeptoren in der Haut stimuliert, was zu „Schlotteranfällen“ führen kann. Am besten geeignet für ein Erkältungbad sind Thymianöl oder Eukalyptusöl.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen lindern Husten bei Kindern

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 9 / 2012) publizierte einen Abschnitt über Heilpflanzen zur Linderung von Husten bei Kindern:

„Bei Kindern gilt zu bedenken, dass die Atemwege noch eng und somit sehr empfindlich sind. Hat Ihr Kind Schwierigkeiten beim Einatmen, deutet dies auf eine Entzündung des Kehlkopfes, des Rachens oder der Luftröhre hin. Bei Problemen beim Ausatmen kann eine Bronchitis, Bronchiolitis – Entzündung der kleinsten, knorpellosen Bronchien – oder Asthma bronchiale vorliegen. Im Allgemeinen können Kinder mit Hustenmitteln versorgt werden, ein Arztbesuch ist aber notwendig, wenn Atemprobleme wie Rasseln, Husten bei körperlicher Belastung oder Husten ohne Erkältungserscheinungen auftreten. Auch wenn Ihr Kind wenig trinkt oder der Husten plötzlich beginnt, sollte dies abgeklärt werden. Denn Ihr Kind könnte auch einen Fremdkörper verschluckt haben. Auch Inhalationen in Form eines Kopfdampfbades oder Omas Zwiebelwickel können helfen. Zwiebelstreifen dazu erhitzen, in ein Leinentuch wickeln und auf Hals oder Brust legen. Achtung: Alkoholhaltige Hustensäfte über 5% sind für Kinder nicht geeignet! Besser: eine Teemischung aus Eibischwurzel, Huflattich, Thymian und Spitzwegerich. Im Allgemeinen sollten Antitussiva und Expektorantien nicht kombiniert werden. Expektorantien sollen den Schleim lösen, während Antitussiva den Hustenreiz unterdrücken – nimmt man beide ein, wird der Schleim nicht abgehustet und ein Sekretstau kann sich bilden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, tagsüber Schleimlöser einzunehmen und abends für einen besseren Schlaf Hustenreizdämpfer.“

Kommentar & Ergänzung:

Ich selber würde Huflattich durch Malvenblüten ersetzen. Huflattich enthält sehr geringe Mengen an lebertoxischen und krebsfördernden Pyrrolizidinalkaloiden. Zwar ist nicht geklärt, ob damit für den Menschen bei der Anwendung von Huflattich ein konkretes Risiko verbunden ist. Doch kann man sicherheitshalber den Huflattich durch Malvenblüten ersetzten. Sie enthalten ebenfalls Schleimstoffe, aber keine Pyrrolizidinalkaloide.

Was genau sind Antitussiva?

Antitussiva sind hustenreizlindernde Medikamente, die bei trockenem Reizhusten eingesetzt werden. Zu den am häufigsten verwendeten Substanzen zählen Codein und Dextromethorphan. Diese Wirkstoffe können unerwünschte Nebenwirkungen verursachen, sind anfällig für Arzneimittel-Wechselwirkungen und können als Rauschmittel missbraucht werden. Sie sind nicht für alle Patienten geeignet und sollen vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern mit Vorsicht oder nicht eingesetzt werden. Antitussiva sollen die Häufigkeit und Intensität von Hustenanfällen vermindern. Ob sie wirklich wirksam sind, ist umstritten.

Die wichtigsten Antitussiva:

Opioide Antitussiva wie Codein, Dextromethorphan, Dihydrocodein, Pholcodin, Hydrocodon, Noscapin, Ethylmorphin und Opium sollen den Hustenreiz zentral im Gehirn blockieren. Insbesondere Codein und Dextromethorphan sind in zahlreichen Medikamenten enthalten und werden oft angewendet. Ob sie jedoch tatsächlich wirksam sind, ist umstritten und in klinischen Studien bisher nicht zweifelsfrei belegt. Opioide können unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Atemdepression und Verstopfung verursachen. Ausserdem kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.

Nicht-opioide Antitussiva wie Butamirat, Butetamat, Levodropropizin und Morclofon sind chemisch nicht mit den Opioiden verwandt und sind daher frei von opioiden unerwünschten Wirkungen. Sie sind jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend dokumentiert und moderne Zulassungsstudien fehlen.

– Heilpflanzen mit antitussiver Wirkung:

Eibisch, Spitzwegerich, Malve, Isländisches Moos und Sonnentau sind besser verträglich als die synthetischen Wirkstoffe und eine gute Alternative, hauptsächlich bei Kindern. Auch einige pflanzliche Expektorantien wie Guaifenesin zeigen zusätzlich eine antitussive Wirkung.

– Honig:

In einer klinischen Studie bei Kindern und Jugendlichen zwischen 2 und 18 Jahren erwies sich Honig vor dem Zubettgehen als wirksamer gegen nächtlichen Husten im Vergleich zu Dextromethorphan (Paul et al., 2007). Die Dosierung lag je nach Alter bei einem halben bis zu 2 Teelöffel Buchweizenhonig. Honig soll allerdings nicht bei Kindern unter einem Jahr angewendet werden (Risiko Botulismus durch Clostridium botulinum Sporen) und den Zähnen schaden kann (Karies). Die Studienmethodik von Paul et al. wurde allerdings auch in Frage gestellt.

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Antitussiva

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Thymian und Efeu gegen trockenen Husten?

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Bei Hustenreiz seien Teeaufgüsse aus Thymian und Efeu empfehlenswert. Sie sollen zugleich hustenstillend und hustenlösend wirken. Das empfiehlt Wolfgang Hornberger vom Berufsverband Deutscher HNO-Ärzte. Zur Linderung des Hustenreizes geeignet seien Eibischwurzel bzw. Eibischblätter, Spitzwegerich, Malve oder Isländisch Moos.

Generell sei es bei Reizhusten wichtig, viel zu trinken, die Stimme nicht zu stark zu strapazieren, das Husten nicht zu provozieren und Rauchen sowie zu kalte Luft zu meiden, erläutert Hornberger. Die Raumluft sollte nicht zu trocken sein. Regelmäßiges Stoßlüften und Wasserschalen auf der Heizung können hier eine Verbesserung bringen.

Hält sich ein trockener Husten länger als eine Woche, ist er schmerzhaft, oder treten andere Beschwerden wie Fieber oder Halsschmerzen auf, solle ein Arzt oder eine Ärztin konsultiert werden. Denn möglicherweise stecke eine Infektion der oberen Atemwege hinter dem Husten, die mit Medikamenten therapiert werden müsse.

Quelle:

http://www.abendblatt.de/ratgeber/gesundheit/article110027515/Thymian-und-Efeu-lindern-trockenen-Husten.html

Kommentar & Ergänzung:

Schön, dass der Präsident der HNO-Ärzte Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten empfiehlt.

Festzuhalten ist dazu allerdings noch:

Efeublätter und Thymiankraut wirken vor allem schleimlösend und werden daher vorzugsweise bei produktivem Husten eingesetzt, weniger bei trockenem Husten.

Bei den Efeublättern ist die Phytotherapie-Fachliteratur gegenüber der Anwendung in Teeform überwiegend skeptisch. Der „Leitfaden Phytotherapie“ von Heinz Schilcher, Tankred Wegener und Susanne Kammerer schreibt dazu:

„Vor der Zubereitung eines Teeaufgusses oder einer Teeabkochung aus selbstgesammelten Efeublättern ist zu warnen. Die richtige Blätterdosierung ist schwierig zu handhaben. Die therapeutisch wichtigen Efeu-Saponine wirken bei richtiger Dosierung hervorragend expektorierend, können aber bei falscher Dosierung  Erbrechen auslösen. Deshalb ausschliesslich standardisierte Fertigpräparate einnehmen.“

Auch beim Thymian ist fraglich, ob der Tee die optimale Anwendungsform ist. Inhalationen mit Thymianöl dürften in vielen Fällen die überlegene Option sein. Mit dem Thymianöl vergleichbare Wirkung zeigen Eukalyptusöl und Anisöl).

Eibisch, Spitzwegerich, Malve und Isländisch Moos sind als Schleimpflanzen bei trockenem Husten dagegen passend. Ich würde Eibischwurzel (Kaltauszug) oder Malvenblüten (aus Malva silvestris) vorziehen.

Isländisch Moos enthält neben Schleimstoffen auch Bitterstoffe. Ein Tee aus Isländisch Moos ist daher nur tauglich bei Menschen, die den bitteren Geschmack tolerieren. Spitzwegereich fällt im Schleimgehalt gegenüber Eibischwurzel und Malvenblüten ab, hat dafür aber noch Wirkstoffe mit leicht entzündungswidriger und antibakterielle Wirkung (Iridoide wie Aucubin und Catalpol).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Quitten – Quittensamen – Quittenschleim

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TABULA, die Zeitschrift der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE), berichtet in einem informativen Beitrag über Verwendungsmöglichkeiten der Quitten-Früchte. Interessant aus sich der Pflanzenheilkunde ist vor allem der Abschnitt über Quittensamen / Quittenschleim:

„Die Quittenkerne werden nicht gegessen. Doch auch sie gelten als Heilmittel. Lässt man sie mit wenig frischem Wasser einkochen, entsteht der sogenannte Quittenschleim. Er war früher in Apotheken erhältlich und geriet danach leider in Vergessenheit. Jahrhundertelang wurde er äusserlich gegen Sonnenbrand, spröde, rissige Haut und entzündete Augen angewendet, innerlich bei Magen­-Schleimhautentzündungen, Halsweh, Husten oder Bronchitis. Als einfache Methode wird empfohlen, bei Halsschmerzen Quittenkerne zu lutschen.“

(Quelle: TABULA NR. 3 / 2011)

Kommentar & Ergänzung:

Zwar wurde die traditionelle Anwendung von Quittenschleim meines Wissens nie genauer untersucht, doch ist die reizlindernde, entzündungshemmende und kühlende Wirkung solcher Schleimzubereitungen meines Erachtens plausibel. Pflanzenschleime bilden eine Schutzschicht und binden Feuchtigkeit.

Zur Namensgebung und zum Vorkommen der Quitte schreibt Wikipedia:

„Die Quitte [ˈkvɪtə] (Cydonia oblonga), die einzige Pflanzenart innerhalb der Gattung Cydonia, gehört zu den Kernobstgewächsen (Pyrinae) in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae)…..

Die Quitte verdankt ihren Namen botanisch-wissenschaftlich wie auch in unserem Sprachgebrauch der griechischen Stadt Kydonia, heute Chania, im Nordwesten der Insel Kreta.

Die Quitte ist außerdem Namensgeber für die Marmelade (von portugiesisch marmelo für Quitte, aus dem griechischen melimelon „Honigapfel“)………

Die ursprüngliche Heimat liegt im östlichen Kaukasus und im Transkaukasus. Populationen in der Türkei, Syrien, Turkmenistan und Afghanistan könnten durch die schon lange zurückliegende Verbreitung durch Menschen entstanden sein. Erste Nachweise über kultivierte Quitten aus dem Kaukasus reichen 4000 Jahre zurück, in Griechenland findet man sie ab 600 v. Chr., bei den Römern ab 200 v. Chr. In Mitteleuropa wird sie erst seit dem 9. Jahrhundert angebaut, als wärmeliebende Pflanze dort bevorzugt in Weinbaugebieten.

Heute werden die Sorten vor allem in Asien und Europa angepflanzt. In West- und Mitteleuropa spielt sie eher eine untergeordnete Rolle. Der erwerbsmäßige Anbau ist in Deutschland selten. In Baden-Württemberg und im Rheinland werden gute Fruchtqualitäten erzielt.“

(Quelle: Wikipedia)

Zu den Inhaltsstoffen der Quitte:

„Die Samen enthalten Schleimstoffe, giftige cyanogene Glycoside und Öl. Die Quittenfrucht selber enthält viel Vitamin C, Kalium, Natrium, Zink, Eisen, Kupfer, Mangan und Fluor, Tannine, Gerbsäure, organische Säuren, viel Pektin und Schleimstoffe.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Verwendung als Lebensmittel:

„ Die in Deutschland oder Österreich wachsenden Quittensorten sind für den Rohverzehr nicht geeignet, da sie hart und durch die Gerbstoffe bitter sind. Andernorts gibt es aber auch Sorten, die roh gegessen werden können, zum Beispiel die in der Türkei angebaute Shirin-Quitte.

Bei der Zubereitung mitteleuropäischer Sorten muss in jedem Fall vor dem Verarbeiten der Früchte der Flaum oder Pelz der Quitten mit Hilfe eines (groben) Tuches gründlich abgerieben werden, da er reichlich Bitterstoffe enthält. Dann kann die Frucht geschält oder ungeschält verwendet werden. Erprobt ist auch das Abbürsten des Flaums mit einer Messingbürste. Da dabei die Schale aber kleine Kratzer bekommt, sollte diese erheblich schnellere Methode nur angewandt werden, wenn man die Früchte sofort weiterverarbeitet.

Die Ernte erfolgt am besten im nicht zu reifen Zustand, da sonst das in den Früchten enthaltene Pektin zunehmend abgebaut ist; am sinnvollsten ist als Erntezeitpunkt die Phase, in der die Farbe der Früchte von grün nach gelb umschlägt. Grasgrüne Früchte bleiben trotz eventueller Nachreife geschmacklich unbefriedigend. Bei später Ernte tritt rasch eine Bräunung des Fruchtfleisches auf. Knapp reif geerntete Früchte lassen sich getrennt von anderem Obst bis zu zwei Monate lagern.

Aus der Quitte kann man Marmelade, Kompott, Mus, Saft und daraus Gelee (Quittenkäs), Likör oder Schnaps herstellen. Von regionaler Bedeutung ist sie als Zugabe in der Apfelweinherstellung. Gebacken eignet sie sich als Dessert oder Beilage zu Fleisch. Quittenbrot ist eine Süßigkeit, hergestellt aus mit Zucker vermischtem eingedicktem Quittenmus, das etwa 1 cm dick auf einem Backblech verstrichen im Backofen gedörrt und anschließend in 2 bis 3 cm große Rauten geschnitten und in Zucker gewendet wird. Quittenbrot ist im Handel fast nicht erhältlich, in spanisch und portugiesisch-sprachigen Ländern ist Dulce de membrillo eine verbreitete traditionelle Weihnachts- oder Wintersüßigkeit.“

(Quelle: Wikipedia)

Die Wikipedia-Angaben zur Verwendung der Quitte als Heilpflanze sind nicht sehr überzeugend, abgesehen von diesem Abschnitt:

„Lässt man ca. 1 Esslöffel Quittenkerne für 10-12 Stunden in 100 ml kaltem Wasser ziehen, entsteht der sogenannte Quittenschleim, der äußerlich aufgetragen bei Entzündungen, Wunden, rissiger Haut und Sonnenbrand helfen soll, sowie innerlich bei Magen-Schleimhautentzündung (Gastritis), Darmentzündung, Rachenentzündung, Fieber, Husten, Reizhusten und Bronchitis.“

(Quelle: Wikipedia)

Hier sind die äusserlichen Anwendungen nachvollziehbar, die innerlichen im Magen-Darmtrakt auch (Gastritis, Darmentzündung). Hier ist ein reizlindernder, schleimhautschützender Effekt plausibel.

Auch die Anwendung bei Reizhusten mag Sinn machen. Schleimhaltige Heilpflanzen wie Malvenblüte, Eibischwurzel oder Spitzwegerichblatt lindern Hustenreiz durch Einhüllung der Schleimhäute in der hinteren Rachenregion.

Wie eine Wirkung des Quittenschleims bei Bronchitis oder Fieber zustande kommen soll, ist mir aber nicht nachvollziehbar.

Zur Quitte in Mythologie und Kunst ein Zitat aus Wikipedia:

„Seit jeher gelten die Quitten als Symbol für Liebe, Glück, Fruchtbarkeit, Klugheit, Schönheit, Beständigkeit und Unvergänglichkeit.“

……was kann man sich schon mehr wünschen!?

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen bei Mundschleimhautentzündung

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In einem Zeitschriftenbeitrag beschreibt die Apothekerin Grit Zahn, welche Heilpflanzen sich zur Behandlung von Mundschleimhautentzündung eignen:

„Schleimdrogen wie Malve und Eibisch bilden einen Schutzfilm auf der Mundschleimhaut. Als Kaltwasserauszug eignen sie sich zum Spülen und Gurgeln. Gerbstoffhaltige Extrakte aus Myrrhe, Ratanhia- oder Rhabarberwurzel werden oft als Tinktur auf die betroffenen Stellen gepinselt. Sie hemmen Entzündungen und fördern die Wundheilung, können jedoch anfangs  verstärkt brennen. Ätherische Öle aus Kamille, Salbei, Thymian und Gewürznelken wirken antimikrobiell.“

Quelle:

http://www.apotheken-umschau.de/Mund/Mundschleimhautentzuendung-Spuelen-und-gurgeln–114287_2.html

Kommentar & Ergänzung:

Wenn hier von „Schleimdrogen“ die Rede ist, dann sind mit „Droge“ getrocknete Heilpflanzen gemeint, nicht etwa Rauschmittel oder Betäubungsmittel.

Malvenblätter und Eibischwurzeln sind gut geeignet zur Linderung von Mundschleimhautentzündung. Eibischwurzel sollte tatsächlich kalt angesetzt werden, Malvenblätter ( = Chäslichrut) können auch mit heissem Wasser aufgegossen werden. Myrrhe ist ein Harz und enthält keine Gerbstoffe, wirkt aber trotzdem günstig bei Mundschleimhautentzündung. Anstelle von Ratanhiawurzel könnte auch die gleichwertige, aber einheimische Tormentillwurzel ( = Blutwurz, Aufrechtes Fingerkraut) eingesetzt werden.

Rhabarberwurzel ist auch Bestandteil des Präparates Pyralvex (Rhabarberextrakt & Salicylsäure).

Kamillenöl, Salbeiöl, Thymianöl und Nelkenöl würde ich als Bestandteil von Heilpflanzen-Präparaten anwenden, nicht pur.

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Kräutertees lindern Husten

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Tees aus Heilpflanzen können bei Husten Linderung bringen. Kräutertees sind gut verträglich und haben meist wenig Nebenwirkungen.

Bei Hustenreiz sind Aufgüsse aus Eibischwurzel, Spitzwegerich, Malve oder Isländisch Moos zu empfehlen. Ist im Verlaufe der Erkältung aus dem trockenen Husten ein so genannter produktiver Husten geworden, helfen Kräutertees aus Anis, Fenchel, Primelwurzel oder Süßholzwurzel beim Abhusten. Zugleich hustenstillend 
und hustenlösend wirken Thymian oder Efeu. Ein weiterer Vorteil des Teetrinkens ist die vermehrte Flüssigkeitsaufnahme, wodurch die Schleimhäute befeuchtet werden und der Vermehrung von Krankheitskeimen entgegen gewirkt wird.

Noch wirksamer als Kräutertees sind häufig Extrakte, die entweder als Pastillen, Sirup, Saft oder Tropfen eingenommen werden und verglichen mit dem Kräutertee höher dosiert sind.
Hält sich ein trockener Husten länger als eine Woche oder treten andere Beschwerden wie Fieber oder Halsschmerzen dazu, sollte ein HNO-Arzt konsultiert werden.

Quelle:
http://www.hno-aerzte-im-netz.de

Kommentar & Ergänzung:
Diese Darstellung von Kräutertees bei Husten ist weitgehend überzeugend. Es sind nur wenige Präzisierungen nötig.
Bei trockenem Reizhusten sind schleimreiche Heilpflanzen in Form von Aufgüsse aus Eibischwurzel, Spitzwegerich, Malve oder Isländisch Moos tatsächlich eine gute Wahl.
Eibischwurzel sollte allerdings kalt angesetzt werden. Isländisch Moos ist sehr bitter und wird als Kräutertee wohl nicht gerade Begeisterungsstürme auslösen. Bei Malve müsste präzisiert werden: Gegen Reizhusten die Blüten von Malva silvestris.

Bei produktivem Husten sind Kräutertees aus Anis, Fenchel, Primelwurzel oder Süßholzwurzel wirksam, wobei Anisfrüchte und Fenchelfrüchte sinnvollerweise vor dem Aufgiessen des Kräutertees zerstossen werden.

Bei Thymian und Efeu ist die Angabe „hustenstillend 
und hustenlösend“ etwas irreführend. Präziser und fundierter ist schleimlösend / auswurffördernd und krampflösend auf die Bronchien (bronchospasmolytisch).

Bei Thymian wäre eine inhalative Anwendung in Form von Thymianöl wohl effektiver als der Kräutertee. Bei Efeu ist die Teeanwendung generell eher kritisch zu hinterfragen. Efeu-Präparate sind wegen der genaueren Dosierbarkeit vorzuziehen.

Und übrigens: Nichts gegen HNO-Ärzte, aber bei länger anhaltendem Husten würde ich zuerst mal meinen Hausarzt konsultieren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Husten ohne Ende soll abgeklärt werden – kurzfristig hilft Eibischtee

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Wenn ein Husten mehr als drei bis vier Wochen dauert, sollten Betroffene sich ärztlich untersuchen lassen. Das empfehlen die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung e.V. (DLS) in Hannover. Üblicherweise sorgt der Hustenstoß für die Entfernung von Schadstoffen, zähem Schleim und Fremdkörpern aus den Atemwegen. Wenn Husten jedoch chronisch wird und länger als vier Wochen anhält, ist er ein ernstzunehmendes Symptom, dem unbedingt nachgegangen werden muss, betont Prof. Harald Morr, Vorsitzender der DLS.

Als weitere Alarmsignale gelten roter oder gelblich-grüner, abgehusteter Schleim, hohes Fieber, Atemnot oder Schmerzen in der Brust. Und wenn zusätzlich zum Husten Symptome wie Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß und Heiserkeit auftreten, sollte man nach den Ursachen suchen. In solchen Fällen kann nämlich der Husten möglicherweise auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen, wie beispielsweise Lungenkrebs, Lungenentzündung, Tuberkulose, Lungenembolie oder Pneumothorax (Lungenriss). Nur durch die Klärung der Ursache des Hustens hat man dann die Chance, dem Fortschreiten einer schweren Krankheit rechtzeitig entgegenzuwirken.

Bei Erkältung hilft Malventee

Husten als Symptom darf nicht medikamentös behandelt bzw. unterdrückt werden, solange die zugrunde liegende Krankheit nicht erkannt ist. Wenn Husten jedoch als offensichtlicher Begleiter einer banalen Erkältung auftritt, können Betroffene sich auch selbst helfen, indem sie bewährte Hausmitteln anwenden.

Ein trockener Reizhusten lässt sich beispielsweise gut mit Eibischtee bzw. Malventee behandeln, erläutert Morr. Der Eibisch (Althaea officinalis L.) zählt zu den Malvengewächsen und wird auch Malve oder Weiße Pappel genannt. Die in den Blüten, Blättern und Wurzeln enthaltenen Schleimstoffe – so genannte Polysaccharide – wirken lindernd bei Reizungen und schützen die Schleimhäute in Mund- und Rachenraum sowie im Magen.

Bei der Anwendung als Tee soll grundsätzlich folgendes beachtet werden: Sowohl die Blätter und Blüten als auch die Wurzel müssen in kaltem Wasser angesetzt werden. Für die Einnahme werden sie dann auf angenehme Trinktemperatur erwärmt – zu starkes Erhitzen würde die Schleimstoffe allerdings zerstören. Außerdem sollte der Tee möglichst langsam in kleinen Schlucken getrunken werden, um die Flüssigkeit möglichst lange im Mund zu behalten, damit sie ihren heilenden Effekt entfalten kann. Bei Hustenmedikamenten aus der Apotheke ist grundsätzlich zu berücksichtigen, dass Hustenblocker und Hustenlöser nicht parallel eingenommen werden dürfen, weil es sonst zu einem Sekretstau kommen kann, der sich dann zwangsläufig kontraproduktiv auf die Genesung auswirkt.

Quelle:
www.lungenaerzte-im-netz.de

Kommentar & Ergänzung:

Freut mich, dass die Lungenstiftung Eibischtee bei trockenem Reizhusten empfiehlt. Die Behandlung von Reizhusten mit Kräutertee aus schleimhaltigen Heilpflanzen entspricht auch dem Stand des Wissens in der Phytotherapie. Allerdings haben sich in der Meldung ein paar Unklarheiten eingeschlichen.

Vom Eibisch wird vor allem die Wurzel verwendet. Eibischwurzel (Althaeae radix) ist eine ausgezeichnete Schleimpflanze. Den Volksnamen “Weisse Pappel” trägt der Eibisch zwar, doch kann damit auch “Populus alba” gemeint sein, die Silberpappel. Eibischwurzeltee soll tatsächlich kalt angesetzt werden, aber nicht weil durch Hitze die Schleimstoffe zerstört würden, sondern weil dann durch verkleisternde Stärke die Freisetzung von Schleim behindert wird.

Eibisch gehört zwar zu den Malvengewächsen, doch bezeichnet man mit Malventee in der Regel andere Heilpflanzen. In Deutschland hört man diese Bezeichnung manchmal für Karkade (Hibiscus sabdariffa). Das ist ein angenehm säuerlicher, intensiv rot gefärbter Genusstee, der möglicherweise auch interessante Heilwirkungen hat.
Siehe dazu:

Hibiskus / Karkade gegen erhöhtes Cholesterin

Karkadetee senkt systolischen Blutdruck um 13mmhg

In der Regel stammt Malventee aber von den Blüten der Wald-Malve bzw. Wilden Malve (Malva silvestris, Grosses Chäslichrut). Malvenblütentee eignet sich genauso wie Eibischtee ausgezeichnet für die Behandlung von trockenem Reizhusten.

Malvenblütentee kann man mit kochendem Wasser übergiessen. Die Schleimstoffe sind nach Angaben von Reinhard Länger gegen Hitze stabil. Reinhard Länger war Professor am Institut für Pharmakognosie an der Universität Wien und ist einer der besten wissenschaftlichen Heilpflanzenkenner im deutschsprachigen Raum.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie & Kinderheilkunde

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Dem Thema “Phytotherapie in der Kinderheilkunde” widmet die Zeitschrift “PHYTOTherapie Austria” in ihrer neuesten Ausgabe einen Schwerpunkt-Artikel.
Die Autorin Univ.-Doz. Mag. pharm. DDr. Ulrike Kastner arbeitet am St. Anna Kinderspital in Wien.

Einleitend umreisst die Autorin die Bedeutung der Phytotherapie in der Kinderheilkunde:

“Phytopharmaka zählen heute in der Kinderheilkunde zu denjenigen Medikamenten, die mehr denn je von Eltern erwünscht und der Selbstmedikation zugänglich sind; nicht selten erfolgt die Anwendung jedoch durch den Laien – kommerziell beeinflusst und unreflektiert. Dabei wird vielerorts argumentiert, dass pflanzliche Arzneimittel eine große therapeutische Breite aufweisen, ohnehin als nur mittel bis schwach wirksam einzustufen sind und demzufolge auch keine nennenswerten Nebenwirkungen verursachen können.”

Anschliessend grenzt sie Phytotherapie von anderen Methoden der Komplementärmedizin ab:

“ Phytotherapie wird allzu oft mit komplementärmedizinischen Disziplinen wie Homöopathie, Bach-Blüten-Therapie, Bioresonanz u. a. vermengt oder ihnen gleichgestellt; zu Unrecht, denn Fertigzubereitungen aus pflanzlichen Drogen unterliegen einem strengen Zulassungsverfahren mit nahezu den gleichen Anforderungen wie für synthetische Arzneimittel betreffend Qualität, pharmakologische Wirkungen, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit. Zwischen dem so genannten “natürlichen Arzneimittel ohne Nebenwirkungen” einerseits und dem modernen Phytotherapeutikum mit hohen Ansprüchen der Pharmakologie und Toxikologie anderseits steht das kranke Kind, das wie jeder Patient Recht auf adäquate und sichere Behandlung hat.”

Diese Abgrenzung ist nötig, weil vielen Laien die Unterschiede kaum klar sind. Insbesondere ist in weiten Kreisen nicht bekannt, dass sehr viele Heilmittel aus dem Bereich Komplementärmedizin von jedem Wirksameitsnachweis befreit sind, während Phytopharmaka für eine Zulassung als Heilmittel ihre Wirksamkeit und Sicherheit genauso dokumentieren müssen wie synthetische Medikamente.

Wenn Ulrike Kastner im obigen Abschnitt von “pflanzlichen Drogen” schreibt, sind damit im übrigen einfach getrocknete Heilpflanzen gemeint. Dies ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes “Droge”, was heute erläutert werden muss, damit nicht irreführende Vorstellungen entstehen.

Die Autorin umreisst dann den Schwerpunkt der Phytotherapie in der Kinderheilkunde:

“ In der Kinderheilkunde liegt der Schwerpunkt der Phytotherapie sicherlich nicht in der Notfallversorgung, sehr wohl aber in der “Alternativ”- und/oder Supportivtherapie bei milden bis moderaten Krankheitsbildern, wie dermatologischen Problemen, Atemwegserkrankungen, gastrointestinalen Erkrankungen und häufig auftretenden Befindlichkeitsstörungen, wie Säuglingsunruhe bis hin zu Konzentrations- und Schlafstörungen des Schulkindes.”

Anschliessend werden die wichtigsten Anwendungsbereiche der Phytotherapie in der Kinderheilkunde vorgestellt.

Die wichtigsten Stichwörter zusammengefasst:

– Hautkrankheiten:
Windeldermatitis: Kamillenblüte, Eichenrinde, Hamamelisblatt, Hamamelisrinde, Calendulablüte u. a.
Neurodermitis: Nachtkerzenöl, Hamamelis, Avocadoöl

– Atemwegsinfektionen:
Hustenpflanzen wie Eibisch, Malve, Spitzwegerich, Huflattich, Primelwurzel, neben ätherischen Ölen.

– Verdauungsstörungen:
Am interessantesten ist hier das Rezept für die altbewährte Karottensuppe nach Moro gegen Durchfall:
“Karottensuppe nach E. Moro (1905):
500 g geschälte Karotten zerkleinern, in 1 Liter Wasser 1 bis 1 1/2 Stunden kochen, pürieren,
Gesamtmenge auf 1 Liter auffüllen und 3 g Kochsalz zufügen .
Herr Dr. Pechlaner, Praktischer Arzt in Lofer, empfiehlt eine Variante der Karottensuppe:
500 g geschälte Karotten in 1L Wasser 1 bis 1 1/2 Stunden kochen, 3 g Kochsalz zufügen,
ca. 1 KL Butter und 1 EL Zucker dazugeben und zu einem Brei verarbeiten.
Der erfahrene Arzt sagt: ,Wird von Kindern deutlich lieber gegessen.‘”
Bei Blähungen: Fenchel, Anis, Kümmel (das sind die Klassiker, M.K.)

– Unruhe, Schlafstörungen:
Bei Schlafstörungen von Kleinkindern und Schulkindern Teemischungen aus Pfefferminze, Melisse, Baldrian, Hopfen, Passionsblume (Okay, aber den Geschmack im Auge behalten, Baldrian und Hopfen sind für Kinder diesbezüglich gar nicht attraktiv, M.K.)

Allgemein hält die Autorin aber die Verträglichkeit und Akzeptanz von Phytopharmaka für sehr gut:

“ Generell sind Verträglichkeit und Akzeptanz von Phytopharmaka im Kindesalter als sehr gut einzustufen, zumal durch die Beimengung von Geschmackskorrigentien oder durch die Anwendung von wohlschmeckenden Sirup- und Saftrezepturen die Compliance kein Problem darstellen dürfte.”

Der Artikel schliesst mit der wichtigen Frage nach Dosierungsregeln für Heilpflanzen-Präparate in der Kinderheilkunde. Es gibt natürlich noch wesentlich mehr Anwendungsbereiche für Phytotherapie bzw. Pflanzenheilkunde in der Kinderheilkunde. Der Text von Ulrike Kastner gibt meiner Ansicht nach aber eine gute Einführung.

Quelle: Zeitschrift PHYTOTherapie Austria 3 / 2009
(PHYTOTherapie Austria ist die Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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