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Efeuextrakt gegen Husten: Neuer Hinweis auf Wirkungsweise aus Laborstudie

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Efeublätterextrakt wird in der Phytotherapie eingesetzt als schleimlösendes Mittel bei produktivem Husten. Eine Laborstudie gibt nun weitere Hinweise dazu, wie diese Wirkung zustande kommen könnte.

Der Efeublätter-Trockenextrakt EA 575® (Prospan®) reduziert die Konzentration des Entzündungsmediators Interleukin-6 (IL-6) signifikant. In hohen Konzentrationen war der entzündungshemmende Effekt von EA 575 sogar ähnlich stark wie der von Corticosteron – zumindest im Reagenzglas. Das ist das Resultat einer In-vitro-Studie einer Wissenschaftlerguppe um den Bonner Professor für Zellbiologie und molekulare Wirkstoffforschung Dr. Hanns Häberlein. Das schreibt die Firma Engelhard in einer Pressemitteilung.

Um eine Entzündung zu simulieren, fügten die Forscher Lipopolysaccharide zu murinen Makrophagen hinzu. Diese setzten infolgedessen Zytokine frei, darunter auch IL-6. Das Forscherteam quantifizierte das Ausmaß der IL-6-Produktion in Anwesenheit verschiedener Konzentrationen des Efeuextrakts EA 575. Als Vergleichssubstanz für die Positivkontrolle wurde das Pregnan-Derivat Corticosteron verwendet.

Häberlein und Kollegen stellten fest, dass die IL-6-Produktion schon ab einer Konzentration von 80 µg/ml des Efeublätter-Trockenextrakts signifikant sinkt. Bei einer Konzentration von 400 µg/ml war der Reduktionseffekt vergleichbar mit dem, der sich durch den Zusatz von 1,7 µg Corticosteron bewirken ließ.

Die entzündungshemmende Wirkung des Efeuextrakts EA 575 könnte durch den Inhaltsstoff α-Hederin unterstützt werden, vermuten die Wissenschaftler. α-Hederin bremst die Internalisierung von Betarezeptoren und steigert dadurch indirekt die Konzentration von β-Arrestin. Dieses hemmt wiederum die Wirkung des Transkriptionsfaktors NF-ƘB und damit schlussendlich die Produktion von IL-6. Dieser Ansatz soll nun in weiteren Studien untermauert werden.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=62743

http://pharmazie.govi.de/s9_71_3_158_5835.pdf

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Aufklärung solcher Wirkungsmechanismen im Labor ist interessant. Man muss sich dabei aber immer darüber klar bleiben, dass Ergebnisse im Labor nicht 1:1 auf die Verhältnisse bei Patientinnen und Patienten übertragen werden können.

Entscheidend ist, ob ein Präparat in qualitativ fundierten klinischen Studien an Patienten Wirksamkeit gezeigt hat. Das ist bei Efeuextrakt der Fall.

Die Wirksamkeit von definierten Efeuextrakten zur Linderung der Beschwerden bei chronisch-entzündlichen Bronchialerkrankungen ist laut HMPC durch klinische Studien belegt. Die Anwendung als auswurfförderndes Mittel (Expektorans) bei produktivem Husten gilt als „medizinisch allgemein anerkannt“ („well-established use“). Das gilt für Efeupräparate in Form von Trockenextrakten (DEV 3-8:1), Dickextrakten (DEV 2,2-2,9:1) und Flüssigextrakten (DEV 1:1).

Im Jahr 2010 wurde Efeu vom „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres ernannt.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Lindenblüten aktivieren Immunsystem

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Lindenblüten-Extrakt beschleunigt in Studien die Vermehrung von Lymphozyten.

Lindenblüten werden traditionell eingesetzt zur Behandlung von Erkrankungen der Atemwege. Eine bereits ältere Studie mit der Winter-Linde (Tilia cordata) zeigte eine verstärkte Vermehrung von Lymphozyten (1). Lymphozyten zählen zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und ihre Aufgabe im Immunsystems ist die Erkennung und Eliminierung von Fremdstoffen. Nun wurden mit einer weiteren Lindenart (Tilia x viridis) die Experimente zur Aktivierung der Lymphozyten wiederholt (2).

Dazu wurden zwei Extrakte aus den Lindenblüten gewonnen und an zwei Gruppen von Mäusen verabreicht. Eine dritte Gruppe bekam nur eine Kontrolllösung ohne Lindenblütenanteile. Zudem wurden isolierte Mäuse-Lymphozyten direkt mit den Lindenblüten-Extrakten (bzw. der Kontrolllösung) behandelt. Unter Einwirkung der Extrakte vermehrten sich die Lymphozyten rascher als in den Kontrollgruppen. Außerdem stieg die Überlebensfähigkeit der Lymphozyten aus den behandelten Mäusen. Die Lindenblüten-Extrakte wirkten dabei sowohl direkt aktivierend auf die Lymphozyten als auch indirekt über die Aktivierung von Makrophagen ( = Fresszellen des Immunsystems), welche dann wiederum die Lymphozyten aktivierten.

Aus den Extrakten konnte eine Substanz isoliert werden, die in der Lage war, eine ähnliche Stimulation des Immunsystems zu bewirken wie der Gesamtextrakt. Bei diesem Wirkstoff handelte es sich um Rutin aus der Gruppe der Flavonoide.

Ob weitere Inhaltsstoffe aus dem Gesamtextrakt ebenfalls immunstimulierend wirken oder ob es Synergismus-Effekte gibt, wurde nicht untersucht.

Die Carstens-Stiftung, die diese Lindenblüten-Untersuchung vorstellt, kommt zu folgender Einschätzung:

„Die Studie zeichnet mittels vielfältiger Methoden und gut überlegten Versuchen ein geschlossenes Bild, das als Erklärung für die günstigen Eigenschaften von Lindenblütenpräparaten bei Erkältungen und Entzündungen herangezogen werden kann.“

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/lindenblueten-staerken-das-immunsystem.html

Originalarbeiten:

1) Anesini C.; Werner S.; Borda E. Effect of Tilia cordata flower on lymphocyte proliferation: participation of peripheral type benzodiazepine binding sites. Fitoterapia, Volume 70, Number 4, 1 August 1999 , pp. 361-367(7)

Abstract:

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0367326X99000490

2) Davicino R, Zettler G, Brizi MR, Marrassini C, Ferraro G, Filip R, Anesini C. In Vivo Immunomodulatory Effect of Tilia x viridis Extracts on Normal Lymphocyte Proliferation: A Direct and an Indirect Action. Phytother Res. 2011, Vol. 25, pp. 1342 – 1347.

Abstract:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21328620

Kommentar & Ergänzung:

Lindenblütentee ist in der traditionellen Pflanzenheilkunde gegen Erkältungen mit Fieber ein etabliertes Mittel. Gemessen an dieser Bedeutung gibt es allerdings nur wenige Studien zur Wirksamkeit der Lindenblüten.

Daher ist dieser Bericht grundsätzlich schon einmal interessant.

Einschränkend muss man jedoch sagen, dass solche Untersuchungen an Mäusen und isolierten Lymphozyten noch nichts aussagen darüber, ob auch bei einem Menschen mit Erkältung eine nützliche Wirkung zu erwarten ist. Das könnten nur Patientenstudien zeigen.

Traditionell wird Lindenblütentee als schweisstreibendes Mittel zur Fiebersenkung empfohlen. Dass die beschriebenen Studien die traditionelle Anwendung stützen, ist allerdings fraglich. Wenn bei einer Erkältung Fieber da ist, dürfte das Immunsystem schon ziemlich aktiviert sein. Heilpflanzen zur Immunstimulation müssen daher im allerersten Frühstadium einer Infektion eingenommen werden, wenn sie wirksam sein sollen. Lindenblütentee müsste für eine Immunstimulation also früher angewendet werden, als dies traditionell meist der Fall ist (eine ähnliche Anwendung im Frühstadium wird bei Echinacea = Sonnenhut empfohlen).

Interessant ist der Hinweis auf den Inhaltsstoff Rutin, der ähnlich wie der Gesamtextrakt eine immunstimulierende Wirkung haben soll.

Das Flavonoid Rutin kommt in relevanten Mengen im Buchweizenkraut vor und wird dort zur Linderung von Venenbeschwerden (schwere Beine, venöse Ödeme) angewendet. Das muss kein Widerspruch sein, denn Naturstoffe können selbstverständlich unterschiedliche Wirkungen im Organismus auslösen.

Sollte Rutin an der postulierten immunstimulierenden Wirkung von Lindenblüten beteiligt sein, stellt sich allerdings die Frage, ob Buchweizenkraut nicht vorzuziehen wäre. Lindenblüten enthalten etwa 1 % Flavonoide, wovon eines davon Rutin ist. Buchweizenkraut enthält aber gemäss Europäischem Arzneibuch mindestens 4% Rutin!

Buchweizenkraut ist jedoch für den Bereich der Immunstimulation gänzlich unbekannt.

Bei den Lindenblüten ist im übrigen noch ihr hoher Schleimgehalt (etwa 10%), der nützlich sein könnte bei trockenem Reizhusten, sowie das Linalool, von dem eine leichte  Sedierung erwartet werden kann.

Siehe auch:

Lindenblütentee als Beruhigungsmittel

Wo kommt Rutin sonst noch vor im Pflanzenreich?

„Die Pflanzen mit dem höchsten Rutingehalt (in der Trockenmasse) sind:

Wildes Stiefmütterchen (Viola tricolor, 25 %, Blüte), Japanischer Schnurbaum (Styphnolobium japonicum, 15–20 % Blüte bzw. Blütenknospen, 4 % Blätter), Echter Buchweizen (Fagopyrum esculentum, 2–8 % Blätter, 4–12 % Blüte), Weiße Maulbeere (Morus alba, 6 %, Blätter), Kanadischer Holunder (Sambucus nigra subsp. canadensis, 3,5 %, Blätter), Petersilie (Petroselinum crispum, 3 % Blätter), Wasserpfeffer (Persicaria hydropiper, 3 % Blätter).

Selbst in Buchweizenmehl waren bei einer Analyse immerhin noch 0,27 Prozent Rutin enthalten.“

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Amorfructine aus Süssholz gegen Diabetes

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Süssholz enthält Wirkstoffe mit einem für den Typ-2-Diabetes hochinteressanten Profil: Die neu entdeckten Inhaltsstoffe Amorfrutine reduzieren am Tiermodell den Blutzucker durch Steigerung der Insulinsensitivität und wirken gegen Entzündungen.

Seit Jahrtausenden werden Inhaltsstoffe der Süssholz-Pflanze (Glycyrrhiza glabra) medizinisch angewendet, und zwar hauptsächlich als Tee bei Atemwegs- und Magenerkrankungen. Nun haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin in der Süßholzwurzel eine neue Wirkstoffklasse entdeckt: die Amorfrutine.

Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass die Amorfrutine gezielt an den PPAR-gamma-Rezeptor (Peroxisom-Proliferator-Aktivierter Rezeptor) andocken und Ihn aktivieren. Da PPAR-Rezeptoren viele Stoffwechselvorgänge beeinflussen, ist das medizinische Interesse an ihnen seit einigen Jahren sehr groß.

Der gamma-Untertyp spielt eine bedeutende Rolle im Glucose- und Fettstoffwechsel. Eine Aktivierung des PPAR-gamma steigert die Empfindlichkeit von Muskelzellen, Fettzellen und Leberzellen für Insulin. Glucose sowie freie Fettsäuren werden darum verstärkt von den Zellen aufgenommen und aus dem Blut abgezogen.

Auch bei der Differenzierung von Adipozyten (Zellen des Fettgewebes) scheint der PPAR-gamma eine Rolle zu spielen, und schließlich ist die Aktivierung des Rezeptors mit antientzündlichen Wirkungen verbunden.

Insulinsensitivität wird erhöht

Im Einklang mit diesen Erkenntnissen der Grundlagenforschung stehen die Resultate, die die Max-Planck-Wissenschaftler mit Amorfrutinen am Mausmodell für Adipositas und Tpy-2-Diabetes gewonnen haben: Mit den neu entdeckten Pflanzenstoffen ließ sich die Insulinsensitivität deutlich erhöhen. Der Blutzucker wurde reduziert und auch die Konzentration freier Fettsäuren im Blut verminderte sich. Die Amorfrutine konnten im Experiment sogar der Entwicklung einer Fettleber vorzubeugen. Außerdem war eine Verminderung verschiedener Entzündungsparameter festzustellen.

Dieses interessante Profil wird gemäss den experimentellen Daten durch eine sehr gute Verträglichkeit vervollständigt. Damit, so die Forscher, weisen Amorfrutine einen entscheidenden Vorteil gegenüber synthetischen Liganden des PPAR-gamma auf. Denn die vor einigen Jahren in die Diabetesbehandlung eingeführten Glitazone binden an diesen Rezeptor. Allerdings ist Rosiglitazon schon wieder aus dem Handel verschwunden und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte rät Medizinern, keine weiteren Patienten auf Pioglitazon einzustellen. Dass die natürlichen PPAR-gamma-Liganden offenbar frei sind von unerwünschten Wirkungen synthetischer Liganden, ist laut den Wissenschaftlern auf die größere Selektivität zurückzuführen, mit der Amorfrutine durch die Bindung an den Rezeptor relevante Gene anschalten.

Amorfrutine passen ins Konzept der Diabetestherapie

Das Profil der Amorfrutine ist darum so interessant, weil es metabolische und antientzündliche Effekte verbindet. Entzündliche Vorgänge spielen nach dem aktuellen Konzept in der Pathogenese des Typ-2-Diabetes eine wichtige Rolle und könnten ein bedeutendes Bindeglied zwischen Adipositas (Fettleibigkeit), Diabetes und Arteriosklerose sein.

Bei Adipositas können Fettzellen auf ein Mehrfaches ihrer gewöhnlichen Größe anwachsen, und diese hypertrophen Fettzellen schütten große Mengen von Entzündungsmediatoren aus. Dadurch werden Immunzellen wie Makrophagen angelockt, die in das Fettgewebe einwandern und die Lage weiter aufheizen, bis sich mit der Zeit eine chronische Entzündung (low grade inflammation) entwickelt. Man konnte zeigen, dass die Überschwemmung mit Entzündungsmediatoren an insulinabhängigen Geweben eine Insulinresistenz auslösend beziehungsweise fördern kann, die Ausgangspunkt ist für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Und auch bei der beschleunigten Arteriosklerose – als Folge von metabolischem Syndrom und Typ-2-Diabetes – sind entzündliche Vorgänge mit im Spiel.

Man müsste allerdings viel Süßholz einnehmen, um die Wirkungen der Amorfrutine in der Diabetesbehandlung nutzen zu können – die bisher angebotenen Zubereitungen hauptsächlich in Tees sind viel zu niedrig dosiert. Die Berliner Wissenschaftler haben bereits großindustriell anwendbare Extraktionsverfahren entwickelt, mit dem sich Amorfrutine anreichern lassen. Das medizinische Potenzial dieser interessanten Pflanzeninhaltsstoffe, die auch in den Früchten des in Amerika heimischen Strauches Amorpha fruticosa entdeckt wurden, sehen die Max-Planck-Forscher in einer sowohl therapeutischen als auch vorbeugenden Anwendung.

Quelle:

Weidner, C: Amorfrutines are potent antidiabetic dietary natural products, Proceedings of the National Academy of Sciences 2012, doi: 10.1073/pnas.1116971109

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41709&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Süssholz ist eine interessante Heilpflanze und dieses Beispiel mit den Amorfrutinen zeigt wieder einmal, dass die Pflanzenwelt eine ergiebige Quelle für Arzneistoffe ist.

Zum Hinweis darauf, dass mit Süssholztee die Amorfrutine nicht in genügender Dosierung zugeführt werden können, lässt sich noch sagen: Mit eingedicktem Süssholzsaft – also mit Lakritze – könnten wohl grössere Mengen zugeführt werden (sofern die Amorfrutine das Einkochen bei der Lakritzeherstellung überstehen).

Das Problem liegt aber an einem anderen Punkt: Süssholz / Lakritze in so hohen Dosen hätte wohl auch gravierende Nebenwirkungen. Bei längerfristiger Einnahme und hohen Dosen wäre zu rechnen mit: Mineralocorticoiden Wirkungen, Pseudohyperaldosteronismus mit Wasser- und Natriumretention, Oedemen, Kaliummangel und Bluthochdruck. Für diese Wirkungen sind die Inhaltsstoffe Glycyrrhizinsäure bzw. Glycyrrhetinsäure verantwortlich.

Darum ist es im Fall der Amorfrutine sicher sinnvoll, wenn die Wissenschaftler sich auf die Gewinnung und Anwendung der isolierten Stoffe konzentrieren und nicht – wie es in der Phytotherapie gebräuchlich ist – ein möglichst vollständiges „Wirkstoffteam“ aus der Pflanze extrahieren.

Zu ergänzen ist zudem, dass die vorliegenden Laborergebnisse und Resultate aus Tiermodellen noch weit entfernt sind von der Anwendung in der Diabetes-Behandlung beim kranken Menschen. Ob sich ein neuer Ansatz in der Therapie bewährt, zeigt sich erst in klinischen Studien mit Patientinnen und Patienten.

Zum Süssholz (Glycyrrhiza glabra) siehe auch:

Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt

Fundstück: Rezept für hausgemachte Lakritze

Süssholzwurzeltee bei Magenbeschwerden

Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze schädlich in der Schwangerschaft

Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ringelblumensalbe / Ringelblumentinktur zur Wundheilung

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Ringelblume ist ein altes Hausmittel bei Wunden und Verletzungen.

Hier eine kurze Beschreibung der wundheilenden Wirkung von Ringelblumensalbe (Calendulasalbe) und Ringelblumentinktur (Calendulatinktur):

„Wundheilende Wirkung: Eine Salbe mit 5 % Calendulaextrakt förderte im Tierversuch die physiologische Regeneration und Epithelisierung von Wunden. Ringelblumensalbe bewirkt eine Steigerung der Phagozytoseaktivität, Differenzierung der Makrophagen und eine Verstärkung der Fibrinbildung (rascherer Wundverschluß und gute Granulatbildung). Außerdem sollen Calendulaextrakte das zelluläre Hydratationsgleichgewicht der Haut verbessern, Granulation und Epithelisierung fördern, die Zellneubildung stimulieren sowie Blutzirkulation und Hauttonus verbessern. Bei infizierten Wunden war Calendula-Salbe anderen Therapien überlegen. Calendula-Gel erwies sich als wirksam und gut verträglich bei Verbrennungen ersten und zweiten Grades.“

(Quelle: http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Ringelblume.html)

Ringelblumensalbe & Maria Treben

Ringelblumensalbe wurde stark propagiert durch die österreichische Kräuterfrau Maria Treben (1907 – 1991). Sie war überzeugt, dass sich durch Heilkräuter alle Krankheiten heilen lassen. Das ist allerdings eine sehr fragwürdige Vorstellung. Sie blendet ganz einfach Grenzen des Möglichen aus und kann riskant werden.

So empfahl Maria Treben beispielsweise Ringelblumensalbe auch gegen Krebs. Diese „Kräuter-heilen-alles“-Pose weckt nicht nur unerfüllbare Hoffnungen, so kann auch dazu führen, dass Patientinnen oder Patienten dringend nötige wirksame Behandlungen verpassen. Die Ringelblume gehört zu den interessanten und wirksamen Heilpflanzen, doch muss man in der Phytotherapie immer die Möglichkeiten und Grenzen einer Heilpflanze ernst nehmen.

Maria Treben empfahl für die Herstellung von Ringelblumensalbe ein Rezept mit Schweineschmalz als Basis. Schweineschmalz hat aber eine geringe Haltbarkeit. Durch oxidativ veränderte Fettsäuren kann es zu Hautreizungen kommen (v.a. bei Neurodermitis-Patienten). Eine gute Alternative ist Kokosfett.

Die Wundbehandlung mit Salben wird allerdings schon seit längerem generell eher negativ beurteilt.

Wird Ringelblume in der Wundbehandlung eingesetzt, spricht viel dafür, die Ringelblumentinktur gegenüber der Ringelblumensalbe vorzuziehen.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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Wasserdost-Präparat gegen Erkältungen getestet

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Gegen Erkältungen gebe es auch eine Pflanze aus dem Arzneischatz der nordamerikanischen Indianer: den Wasserdost (Eupatorium perfoliatum). Das schreibt die „Ärztezeitung“ online. Die Pflanze habe ihre entzündungshemmende Wirkung etwa in einer Anwendungsbeobachtung gezeigt: Je 100 Säuglinge, Kleinkinder und Kinder bis zwölf Jahre bekamen die Arznei durchschnittlich sieben Tage lang.

Fieber, Husten, Schnupfen, Halsschmerzen sowie Kopfschmerzen und Gliederschmerzen besserten sich in dieser Studie deutlich. Alle Besserungsraten lagen über 50 Prozent und beim Fieber waren es sogar über 90 Prozent.

Die Effekte von Eupatorium-Extrakten auf Effektorzellen des unspezifischen Immunsystems wurden zudem mit mehreren In-vitro-Untersuchungen belegt. Zum Beispiel bewirkte aufgereinigtes Xylan (1 mg/ml) aus einem alkalischen Krautextrakt im Carbon-Clearance-Test eine gesteigerte Phagozytoseaktivität von Makrophagen der Maus.

Und auch im Granulozytentest zeigten sich Phagozytosesteigerungen von 20 bis 30 Prozent. Zudem bewirkte eine Urtinktur aus Eupatorium perfoliatum einen entzündungswidrigen Effekt in einem In-vitro-Modell an primären humanen Monozyten: Die Synthese der entzündungsfördernden Mediatoren Interleukin-1 und Prostaglandin E2 wurde in den Tests vermindert. Auf die Freisetzung der Matrixmetalloproteinase 1 (MMP-1) gab es nur kleine Effekte.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/default.aspx?sid=634489&sh=2&h=-631802463&ticket=ST-2275-hul0QpUWhEqUrKWeSL3j5cXAYApP6GT2xJ4-20

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin ja offen für Wirkungen von Heilpflanzen und sehr interessiert an Forschungsresultaten im Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde.

Das heisst aber natürlich nicht, dass man ungeprüft alles blind glauben sollte, was da gerade herumgeistert. Schauen wir uns daher den Bericht aus der Ärztezeitung genauer an.

Eine Anwendungsbeobachtung hat also ergeben: Wenn Säuglinge, Kleinkinder und Kinder mit Erkältung ein Wasserdost-Präparat einnehmen, dann bessern die Beschwerden nach einer durchschnittlichen Anwendungszeit von 7 Tagen bei über 50% der Patientinnen und Patienten. Bei Fieber sogar bei über 90 %!

Was soll man zu solchen Resultaten sagen?

Das ist doch der normale Verlauf einer Erkältung. Vor allem bei Kleinkindern würde ich erwarten, dass nach 7 Tagen bei der grossen Mehrheit das Fieber wieder weg ist, und dass bei über 50% die Symptome bessern. Über die Wirksamkeit der Heilpflanze Wasserdost sagt diese Anwendungsbeobachtung rein gar nichts aus. Sie ist lediglich brauchbar zu Werbezwecken bei gutgläubigen Konsumentinnen und Konsumenten. Die Werbestrategie jedenfalls ist ziemlich clever. Der Artikel steht unter der Schlagzeile „Indianische Heilkunst gegen Erkältungen“. Wer sich davon noch nicht beeindrucken lässt, den überzeugt vielleicht eine wissenschaftliche Studie. Wissenschaft und Indianermedizin Hand in Hand – gemeinsam für Wasserdost. Eine wahrlich schöne Vorstellung. Dass die Anwendungsbeobachtung eine reine Farce ist, fällt ja den meisten Leuten nicht auf. Bemerkenswert ist zudem, dass das untersuchte Heilpflanzen-Präparat aus mehreren Bestandteilen besteht und 1000 mal mehr Echinacea angustifolium (Sonnenhut) enthält als Wasserdost. Weshalb wohl wird hier trotzdem der Wasserdost in den Vordergrund gerückt?

Vielleicht ist „Echinacea“ ganz einfach werbemässig schon von allzu vielen Konkurrenzprodukten besetzt – quasi ausgelutscht.? Zudem wurden zu Echinacea in letzter Zeit auch Forschungsresultate bekannt, welche die Wirksamkeit in Frage stellten.

Da scheint es doch nahe liegend, werbemässig eine andere Pflanze in den Vordergrund zu stellen, auch wenn diese im Produkt verglichen mit Echinacea nur in symbolischen Konzentrationen vorkommt.

Im Artikel wird noch über verschiedene In-vitro-Untersuchungen mit Wasserdost berichtet. In-vitro heisst im Reagenzglas. Das sind Laboruntersuchungen, bei denen völlig offen bleibt, ob die gefundenen Effekte sich auch positiv bei erkälteten Menschen auswirken.

Gerade bei immunstimulierenden Heilpflanzen lassen sich im Labor oft vielfältige Wirkungen auf Abwehrzellen feststellen. Ob solche Resultate zur Vorbeugung oder Heilung von Erkältungskrankheiten beitragen können, ist eine ganz andere Frage.

Weder eine „Anwendungsbeobachtung“ noch In-vitro-Studien sagen also etwas aus über die Wirksamkeit von Wasserdost gegen Erkältungen.

Dazu wäre eine Patientenstudie nötig, bei der eine „Wasserdost-Gruppe“ mit einer „Placebo-Gruppe“ verglichen wird. Nur so kann festgestellt werden, ob die Besserung mit Wasserdost schneller oder stärker einsetzt als die natürliche Besserungstendenz aufgrund der Selbstheilungskräfte. Solche qualitativ besseren Studien fehlen aber beim Wasserdost.

Damit behaupte ich nicht, dass Wasserdost unwirksam ist. Aber auf der Basis dieser In-vitro-Resultate und dieser Anwendungsbeobachtung lässt sich dazu einfach nichts aussagen.

An diesem Beispiel lässt sich auch einiges lernen für den Umgang mit dem Thema „Komplementärmedizin“:

Es kommt hauptsächlich auf die Qualität der Studien an, nicht auf die Quantität.

Wenn beispielsweise Hansueli Albonico in einer Pressemitteilung der Union komplementärmedizinischer Ärzteorganisationen schreibt, dass 2000 klinische Studien für die Komplementärmedizin eine mit der Schulmedizin vergleichbare Wirksamkeit belegen, so tönt diese Zahl erst einmal eindrücklich. Die Aussage ist aber sehr tendenziös, weil sie erstens die Studien mit negativem Ausgang offensichtlich ausklammert und zweitens die entscheidende Frage nach der Qualität der Studien nicht stellt, sondern rein quantitativ bleibt. Bezieht man auch die Studien mit negativem Resultat und die qualitativen Kriterien mit ein, ist die Frage nach der Wirksamkeit der Komplementärmedizin nicht mehr so simpel, eindeutig und pauschal mit ja zu beantworten. An diesem Punkt könnte dann Differenzierung anfangen….

Ein ähnliches Beispiel bot Donat Baur, Marketing-Leiter der Homöopathie-Firma Similasan, in der sfdrs-Sendung „Club“ vom 12. 10. 2010 mit der Aussage, dass 22 Studien die Wirksamkeit der Homöopathie belegen. Auch hier werden alle Studien mit negativem Ausgang einfach weggelassen. Genauso wie auf der Website der Firma Similasan zwar positive Studien auftauchen, die zahlreichen gewichtigen Studien mit negativem Ausgang aber fehlen. Und die Qualität der ins Feld geführten Studien ist auch hier kein Thema. Das ist meines Erachtens irreführend und tendenziös.

Ich bewege mich seit über dreissig Jahren als Kursleiter und Ausbildner in und zwischen den Bereichen Naturheilkunde, Medizin und Komplementärmedizin – und es sind solche immer wiederkehrende einseitige Darstellungen, die mich skeptischer machten und mich zum kritischeren Hinschauen bewogen.

Konsumentinnen und Konsumenten kann ich nur empfehlen, im Bereich der sogenannten „Komplementärmedizin“ genauso kritisch hinzuschauen wie im Bereich der Medizin.

Zur Problematik der Begriffs Komplementärmedizin:

Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

Und wie das Beispiel der Anwendungsbeobachtung mit Wasserdost zeigt, gilt das auch für den Bereich der Pflanzenheilkunde.

Wer nicht weiss, wie man Heilungsversprechungen prüft und sich eine fundierte Meinung dazu bildet, wird von der Werbung nach Strich und Faden manipuliert und von missionarischen Propagandisten in die Irre geführt.

Genauer nachfragen und sich eine eigene, fundierte Meinung bilden können Sie lernen in meinem Heilpflanzen-Seminar oder in der Phytotherapie-Ausbildung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Carrageen aus Rotalgen wirksam gegen H1N1-Viren

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Die Wirksamkeit von Carrageen als Inhibitor (Hemmstoff) der Influenza A-Virus Infektion (H1N1) konnte in in-vitro und in-vivo Versuchen gezeigt werden. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie, die als Kooperationsprojekt zwischen Forschern des Instituts für Diagnostische Virologie (Friedrich-Loeffler-Institut, Riems, Deutschland), dem St. Anna Kinderspital in Wien, der Veterinärmedizinischen Universität Wien und einem Industriepartner durchgeführt wurde.

Carrageen ist ein Polymer aus Rotalgen, das zum Aufbau einer schützenden physikalischen Barriere in der Nasenhöhle führt und bereits antivirale Wirksamkeit bei der Behandlung von Erkältungen zeigte. Die hier beschriebene Studie untersuchte die Wirksamkeit von Carrageen gegen Influenzaviren, einschließlich des Influenza-Pandemiestamms H1N1. Die Resultate zeigten, dass das Polymer direkt an Influenza-Viren bindet und damit deren Anheftung an Zellen verhindert. Eine Weiterverbreitung der Viren wird dadurch behindert. Im Tierversuch zeigte Carrageen eine vergleichbaren Effekt wie das Medikament Tamiflu.

„Influenza-Viren stellen global immer noch eine große Bedrohung der öffentlichen Gesundheit dar und mit der zunehmenden Resistenz gegen Tamiflu steigt das Bedürfnis nach wirksamen Alternativen“, sagte Dr. Andreas Grassauer, CEO und Mitbegründer von Marinomed.“Diese Studie bestätigt, dass Iota-Carrageen eine Alternative zu Neuraminidase-Inhibitoren darstellen kann und weiter in klinischen Studien im Menschen zur Prävention und Behandlung von Influenza-A getestet werden sollte.“

Der wissenschaftliche Artikel mit dem Titel „Iota-Carrageenan is a Potent Inhibitor of Influenza A Virus Infection“ von Andreas Leibbrandt, Christiane Meier, Marielle König-Schuster, Regina Weinmüllner, Donata Kalthoff, Bettina Pflugfelder, Philipp Graf, Britta Frank-Gehrke, Martin Beer, Tamas Fazekas, Hermann Unger, Eva Prieschl-Grassauer und Andreas Grassauer wird online publiziert in der Open-Access-Zeitschrift PLoS ONE: http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0014320

Quelle:

Veterinärmedizinische Universität Wien

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=32519

Kommentar & Ergänzung:

Was ist Carragen?

„Carrageen (auch: Carragaheen, Karrageen oder Karragheen; englisch Carrageenan) ist eine Sammelbezeichnung für eine Gruppe langkettiger Kohlenhydrate (Polysaccharide), die wie die ähnlichen Substanzen Agar-Agar oder Alginat in den Zellen verschiedener Rotalgenarten vorkommen.“ (nach: Wikipedia)

Und wozu wird Carragen verwendet?

„In der Lebensmittelindustrie wird Carrageen als Geliermittel für Schlankheits- und Light-Produkte und in Fleischwaren (z. B. Wurst), sowie als Verdickungsmittel in kalt angerührten Marmeladen, Babynahrung, Milchprodukten, Milchshakes, Eiscreme und Desserts eingesetzt. Mit Hilfe von Carrageen können auch Trübungen in Weinen beseitigt werden. In der EU ist es als Lebensmittelzusatzstoff mit der Nummer E 407 zugelassen. Carrageen wird auch in der Kosmetikindustrie (Zahnpasta) verwendet.

Das Dickungsmittel Carrageen (E 407) ist auch nach der Europäischen Öko-Verordnung für Bio-Lebensmittel zugelassen.

Neuerdings wird Carrageen auch medizinisch eingesetzt. Unter dem Produktnamen Coldamaris prophylactic hat die österreichische Marinomed die Zulassung in Österreich für ein Produkt zur Schnupfenprävention erhalten. Das auf die Entwicklung von Medikamenten mit marinen Naturstoffen spezialisierte Spin-Off der Veterinärmedizinischen Universität Wien (VUW) hat für das Produkt die europäische Zulassung erhalten. Der Wirkstoff ist nach Herstellerangaben Carragelose®, die aus Rotalgen gewonnen wird und die Nase vor äußeren Einflüssen wie zum Beispiel Schnupfenviren schützen soll. Der Wirkstoff soll sich wie ein schützender, natürlicher Film über trockene und gereizte Nasenschleimhaut legen und dadurch die natürliche Abwehr von Viren und Bakterien durch körpereigene Prozesse unterstützen. Derzeit wird das Produkt nur in Österreich und apothekenexklusiv vertrieben; der Vertrieb in Deutschland und anderen EU-Ländern ist beantragt.“

(nach Wikipedia)

Hier wird der Zweck der Carrageen-Forschung deutlicher. Wikipedia erwähnt als Herstellerin des Schnupfenmittels dieselbe Firma wie der Artikel im Journalmed. Der Hinweis auf das Schnupfenmittel ist interessant. Er wirft die Frage auf, ob ein prophylaktischer Effekt gegen Schupfen auch durch andere schleimhaltige Heilpflanzen erreicht werden könnte (Eibischwurzel?).

„Eine Studie aus dem Jahr 2006 zeigt eine deutliche, bisher nicht vollständig erklärte antivirale Aktivität gegen humane Papillomviren (HPV), die Gebärmutterhalskrebs auslösen können.

Des weiteren zeigen einige Arbeiten, dass Carrageen Einfluss auf die Aktivität von Makrophagen hat.“

(nach: Wikipedia)

Dieser Einfluss auf humane Papillomviren und auf Makrophagen ist tatsächlich schwer einzuordnen.

Grundsätzlich sind diese Forschungsergebnisse zu Carrageen aber sehr interessant. Von Carrageen hört man in der Phytotherapie-Forschung nämlich sonst nicht so oft, während andere schleimhaltige Heilpflanzen wie zum Beispiel Eibischwurzel in den letzten Jahren intensiv untersucht wurden. Dabei ergaben sich neue Erkenntnisse über die Wirkungsweise dieser Heilpflanzen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Was können pflanzliche Immunmodulatoren?

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Die Österreichische Apothekerzeitung (22 / 2010) veröffentlichte eine Beschreibung der Möglichkeiten zur „Stärkung des Immunsystems mit Phytopharmaka“. Zu Beginn des Artikels wird dargelegt, was Heilpflanzen zur Immunmodulation bzw. Immunstimulation im Organismus bewirken:

„Pflanzliche Immunmodulatoren können insbesondere temporär geschwächte Abwehrsysteme wieder hochregulieren. In erster Linie erfolgt eine Stimulation der unspezifischen körpereigenen Abwehr. Sie beeinflussen daher vor allem die zelluläre Immunität, nämlich Makrophagen, natürliche Killerzellen und Granulozyten, aber auch die humorale Immunität, das Komplementsystem, Cytokine und Interferone. Da Makrophagen die wichtigsten Abwehrzellen darstellen, sind sie das primäre Ziel der Immunmodulation. Ihre Phagozytoserate kann auf das 200-Fache gesteigert werden.

Es wird angenommen, dass circa 90 Prozent aller Infektionen durch die angeborene, unspezifische Immunabwehr erkannt und erfolgreich bekämpft werden können. Die unspezifische Abwehr ist nicht antigen-orientiert und besitzt daher keine Gedächtnisreaktion. Sie ist bei einer Infektion sofort aktiv und bekämpft die eingedrungenen Krankheitserreger, während zur Produktion der spezifischen Antikörper etwa 5 Tage notwendig sind. Somit kommt dem unspezifischen Immunsystem gerade im Anfangsstadium einer Infektion eine besondere Bedeutung zu. Immunmodulatoren bzw. auch so genannte Adaptogene sollten daher möglichst frühzeitig bei den ersten Anzeichen einer Infektion eingenommen werden.

………Es gibt eine Vielzahl von Arzneipflanzen, die als Immunmodulatoren bzw. als Adaptogene verwendet und häufig in der Selbstmedikation eingesetzt werden. Zu den bedeutendsten zählen Echinacea-, Eleutherococcus-, Rhodiola-, Pelargonium- und Uncaria-haltige Präparate. Zu Thuja occidentalis L. (Lebensbaumtriebspitzen) und Baptisia tinctoria (L.) R. BR. (Wurzel des Wilden Indigo), die im Folgenden nicht näher besprochen werden, gibt es keine Positiv-Monographien, beide sind aber in klinisch geprüften Kombinationspräparaten enthalten. Für die Kombination von Echinacea, Baptisia und Thuja konnte in Doppelblindstudien eine Wirksamkeit nachgewiesen werden.“

Quelle:

Österreichische Apothekerzeitung 22 / 2010 http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2010/OAZ-2010-22.pdf

Autoren: Univ. Prof. Dr. Rudolf Bauer und Dr. Karin Ardjomand-Wölkart

Institut für Pharmazeutische Wissenschaften, Bereich Pharmakognosie, Karl-Franzens-Universität Graz

Kommentar & Ergänzung:

Der Abschnitt geht auf drei Charakteristika pflanzlicher Immunstimulation ein:

1. Die Wirkung immunstimulierender Heilpflanzen setzt am unspezifischen Immunsystem an.

2. Es handelt sich um eine „Schnellabwehrmassnahme“, die nur im Anfangsstadium der Infektion nützlich zu sein scheint.

3. Da die Bildung spezifischer Antikörper nicht beeinflusst wird, besteht auch kein längerfristiger Einfluss im Sinne einer Steigerung  der immunologischen Gedächtnisreaktion.

Zum Einfluss von immunstimulierenden Heilpflanzen auf Zellen oder Substanzen des Immunsystems gibt es viele spannende Resultate aus der Laborforschung. Der Text fasst dies mit folgenden Sätzen zusammen:

„ Sie beeinflussen daher vor allem die zelluläre Immunität, nämlich Makrophagen, natürliche Killerzellen und Granulozyten, aber auch die humorale Immunität, das Komplementsystem, Cytokine und Interferone. Da Makrophagen die wichtigsten Abwehrzellen darstellen, sind sie das primäre Ziel der Immunmodulation.“

Offen ist bei Resultaten solcher Laborexperimenten allerdings, ob sie auch im Krankheitsfall bedeutsam und nützlich sind.

Der Text in der Österreichischen Apothekerzeitung vermischt meines Erachtens etwas zu stark die Begriffe „Immunmodulatoren“ und „Adaptogene“. Das sind meines Erachtens zwei ganz unterschiedliche Stiefel, obwohl es natürlich auch Heilpflanzen gibt, die beide Wirkungen entfalten (Ginsengwurzel, Taigawurzel). Adaptogene sind Heilpflanzen, welche dem Organismus helfen sollen, sich an Stresssituationen anzupassen und einen positiven Effekt bei Stress-induzierten Krankheiten ausüben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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