Artikel mit Schlagwort ‘Magengeschwüre’

Kamille bei Magenerkrankungen

Dienstag, Oktober 29th, 2013

Die Österreichische Apothekerzeitung (Nr. 17 / 2013) veröffentlichte einen Beitrag zum Thema „Phytotherapie bei Erkrankungen im Gastrointestinaltrakt“.

Hier daraus ein Zitat zur Kamille:

„Das in der Kamillenblüte (Matricariae flos) enthaltene Bisabolol wirkt ulkusprotektiv. In klinischen Studien konnte dieser Effekt bei durch Indometacin und Alkohol induzierten Magenulzera bestätigt werden. Kamillenblüten wirken durch das Flavonoid Apigenin zudem spasmolytisch und eignen sich daher bei Reizdarm-Syndrom und krampfartigen Schmerzen im Magen-Darm Trakt. Eine besondere Wirkung besitzt Levomenol. Dieses hemmt die Pepsinsekretion im Magen und fördert die Synthese magenprotektiver endogener Prostaglandine.

Da das ätherische Öl mit Levomenol in einem Teeauszug allerdings nur in sehr geringer Konzentration enthalten ist, sollte ein alkoholisch-wässriger Auszug bevorzugt werden. Dies gilt auch für die Rollkur, die bei kurzfristigen Magenbeschwerden mit Kamille durchgeführt werden kann. Kamille ist bei Allergikern auf Korbblütler kontraindiziert. Tagesdosis: 3 bis 4 x täglich 3 g Kamillenblüten bzw. 1 bis 4 ml des Fluidextraktes.“

Quelle:

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2013/OAZ-2013-17.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Kamille scheint eine günstige Wirkung gegen Magengeschwüre und Magenschleimhautentzündung zu haben. In der Phytotherapie-Fachliteratur werden diese Anwendungsbereiche jedenfalls bestätigt.

Weniger überzeugend ist meiner Ansicht nach die Empfehlung der Kamille bei Reizdarmsyndrom. Dass der krampflösende Wirkstoff Apigenin in ausreichender Konzentration bis in den Dickdarm gelangt, halte ich für fraglich.

Beim Reizdarmsyndrom steht gegen krampfartige Darmbeschwerden  sehr deutlich Pfefferminzöl in dünndarmlöslichen Kapseln im Vordergrund. Auf diese Weise gelangt das Pfefferminzöl bis in den Dickdarm.

Siehe dazu:

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarm schmerzlindernd

Einverstanden bin ich mit dem Hinweis, dass alkoholisch-wässrige Auszüge (Kamillenfluidextrakt) dem Kamillentee überlegen ist. Nicht nur das ätherische Kamillenöl geht wegen seiner schlechten Wasserlöslichkeit nur sehr beschränkt in den Teeaufguss über – auch das Flavonoid Apigenin ist unlöslich in Wasser.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heidelbeeren-Anthocyane im Verdauungstrakt

Mittwoch, September 25th, 2013

Die „Österreichische Apothekerzeitung“ (17 / 2013) publizierte einen fundierten Artikel von Mag. Pharm. Arnold Achmüller zum Thema „Phytotherapie bei Erkrankungen im Gastrointestinaltrakt“.

Hier als Zitat der Abschnitt über die Heidelbeere:

„Die in den getrockneten Heidelbeeren (Myrtilli fructus siccus) enthaltenen 5 bis 12 % Gerbstoffe, wobei es sich hier vor allem um Catechingerbstoffe handelt, wirken adstringierend, obstipierend und antiseptisch. Die ESCOP empfiehlt getrocknete Heidelbeeren daher bei unspezifischen akuten Durchfallerkrankungen. Die ebenfalls enthaltenen Anthocyanoside wirken gefäßprotektiv und antiulzerogen und unterstützen dadurch die Abheilung von Magen- und Darmgeschwüren. Im Gegensatz zu den getrockneten Heidelbeeren wirken frische Beeren leicht abführend.

Tagesdosis: 20 bis 60 g für Erwachsene, 5 bis 20 g für Kinder.“

Quelle:

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2013/OAZ-2013-17.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Die Anwendung von getrockneten Heidelbeeren gegen Durchfall ist schon lange bekannt.

Interessanter ist der Hinweis auf die Anthocyanoside (Anthocyane) – das sind die blauen Farbstoffe in der Heidelbeere.

Anthocyane sind als blaue und rote Farbstoffe im Pflanzenreich weit verbreitet. Neben den Heidelbeeren findet man sie beispielsweise auch in Brombeeren, Kirschen, Himbeeren, Holunderbeeren, Schwarze Johannisbeeren.

Anthocyane zeigen experimentell sehr interessante Wirkungen, zum Beispiel gegen Entzündungen und als Gefässschutz.

Allerdings werden sie nur schlecht aus dem Verdauungstrakt in den Organismus aufgenommen, was „Fernwirkungen“ im Körper einschränkt. Einfacher vorstellbar sind lokale Wirkungen im Verdauungstrakt, wie die in Zitat erwähnte unterstützende Wirkung bei der Abheilung von Magengeschwüren und Darmgeschwüren.

Auch bei chronischen Entzündungen im Dickdarm (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) wird eine Wirkung der Anthocyane aus Heidelbeere diskutiert.

Wenig bekannt ist, dass es ein rezeptpflichtiges Fertigarzneimittel (Myrtaven®) gibt auf der Grundlage von Heidelbeer-Anthocyanen.

Es handelt sich dabei um ein Kapillarschutzmittel. Der Wirkstoff von Myrtaven ist ein Komplex von Anthocyanosiden / Anthocyanen, die aus der schwarzen Heidelbeere gewonnen werden. Myrtaven wird für die Therapie von verschiedenen Krankheiten der Blutgefässe angewendet: Kapillarbrüchigkeit, Blutgefässkrankheiten (Venenentzündung, Krampfadern, usw.), Mikroangiopathien (z.B. Diabetes mellitus, Venenleiden), Hämorrhoiden.

Siehe auch:

Anthocyane aus Traubensaft / Heidelbeersaft wirken positiv auf Fettstoffwechsel

Anthocyane aus Heidelbeeren und Erdbeeren: Günstige Wirkung auf Gehirnleistung im Alter

Phytotherapie: Zur Wirkung von Heidelbeeren

Schwarzer Holunder / Holundersaft bei Grippe und Erkältung

Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Açai, Goji und Maqui – die neuen Wunderbeeren?

Aronia-Beeren – die neueste Antioxidantien-Welle?

Parkinson vorbeugen durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen Auberginen?

Açai-Beere als Schlankheitsmittel und Power-Frucht?

Polyphenole aus Beeren gegen degenerative Gehirnerkrankungen?

Polyphenole für Herz-Kreislauf – schwache Datenlage

Anthocyane als Entzündungshemmer

Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

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Glucosinolate aus Brokkoli & Co. im Fokus der Forschung

Montag, August 20th, 2012

Glucosinolate ( = Senfölglykoside) kommen vor allem in Pflanzen aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) vor – als Heilpflanzen bekannt sind Meerrettich, Rettich, Kohl, Brunnenkresse. Auch Kapuzinerkresse (Kapuzinerkressengewächse) wird in der Phytotherapie verwendet.

Hauptsächlich die Gemüsepflanzen aus der Gattung Kohl sind aber auch als Lebensmittel wegen ihrem Gehalt an Senfölglykosiden interessant.

Intensiv erforscht wird in dieser Hinsicht in den letzten Jahren der Brokkoli ( = Broccoli, Brassica oleracea var. Italica).

Glucosinolate aus Brokkoli wehren Schädlinge ab

Fressen Raupen oder andere Insekten an glucosinolathaltigen Pflanzen wie Brokkoli, kommen die Glucosinolate in Kontakt mit dem Enzym Myrosinase. Dieses Enzym setzt die Senföle frei, die dann Schädlinge vertreiben.

Die Pflanzen setzen dieses Abwehrsystem aber nur im Notfall ein. Die stechend riechenden und scharf schmeckenden Senföle etwa werden erst freigesetzt, wenn die Pflanze zum Beispiel durch ein fressendes Insekt verletzt wird. Erst dann kommen die Vorstufen der Senföle, die Glucosinolate, mit der Myrosinase in Kontakt, die die Senföle freisetzt.

Pflanzen synthetisieren solche besonderen Inhaltsstoffe also zum eigenen Schutz und nicht für uns Menschen. Trotzdem können wir viele dieser Pflanzenstoffe zugunsten unserer Gesundheit nutzen.

Senföle stehen beispielsweise im Ruf, die Entstehung von Krebs zu hemmen. Von Broccoli ist bekannt, dass seine Inhaltsstoffe das Bakterium Helicobacter pylori abtöten, das Magengeschwüre und Magenkrebs begünstigen kann.

Hungrige Insekten haben es hauptsächlich auf die nahrhaften Blätter und Samen abgesehen. Die Pflanze häufen daher in diesen Teilen besonders große Mengen von Glucosinolaten an. Die Blätter können die Abwehrstoffe selber herstellen, die heranreifenden Samen jedoch nicht. Sie müssen die Glucosinolate importieren, was nicht ohne spezielle Transportproteine geht.

Über diese lebenswichtigen Transporter und ihre Gene war bisher fast nichts bekannt. Doch ein Wissenschaftlerteam aus Kopenhagen, Würzburg und Madrid hat sie jetzt identifiziert. Die Resultate sind in der Zeitschrift „Nature“ und damit sehr hochrangig publiziert – denn sie könnten weitreichende Auswirkungen auf die Agrarwirtschaft haben.

Damit steht nämlich der Weg offen, um gezielt Pflanzen zu züchten, deren Glucosinolat-Gehalte und Zusammensetzung auf die Gesundheit des Menschen zugeschnitten sind. Denkbar seien beispielsweise Brokkoli-Pflanzen, die für die Bekämpfung des Magenbakteriums Helicobacter optimiert sind, erklären die Forscher.

Untersuchungsobjekt Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana)

Als Analyseobjekt hat das internationale Wissenschaftlerteam übrigens die Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) verwendet. Das Erbgut der Ackerschmalwand ist vollständig bekannt; zudem ist sie eine „kleine Schwester“ von Kohl, Senf und Raps – und enthält wie diese Glucosinolate samt deren Transportern.

Publikation:

“NRT/PTR transporters essential for allocation of glucosinolate defense compounds to seeds”, Hussam Hassan Nour-Eldin, Tonni Grube Andersen, Meike Burow, Svend Roesen Madsen, Morten Egevang Jørgensen, Carl Erik Olsen, Ingo Dreyer, Rainer Hedrich, Dietmar Geiger, and Barbara Ann Halkier, Nature (2012), online publiziert am 5. August, DOI: 10.1038/nature11285

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news490946

Kommentar & Ergänzung:

Diese Grundlagenforschung hat für die Phytotherapie keine unmittelbare Bedeutung. Senfölglykoside (Glukosinolate) sind aber eine Wirkstoffgruppe mit grossem Potential.

Ob die Strategie aufgehen wird, Pflanzen mit besonders hohem Glukosinolat-Gehalt zu züchten, ist eine ganz andere Frage. Jedenfalls ist damit zu rechnen, dass solche „Turbo-Pflanzen“ auch entsprechend schärfer im Geschmack werden. Senfölglykoside wirken in höheren Konzentrationen auch reizend auf Haut und Schleimhäute.

Sicher fährt aber nicht schlecht, wer Brokkoli, Blumenkohl, Kohl, Radieschen, Rettich und andere verwandte Gewächse regelmässig in die Ernährung intgriert.

Siehe auch:

Senfölglycoside gegen Infektionen

Brokkoli-Wirkstoffe unterstützen Krebstherapie

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? Welche Wirkung haben sie?

Kapuzinerkresse: Breitbandantibiotikum aus der Natur

Glukosinolate aus Brokkoli und Rosenkohl schützen vor Darmerkrankungen

Meerrettich: Breitbandantibiotikum aus der Natur

Kräuter und ihre Wirkung: Kapuzinerkresse

Phytotherapie: Senföl aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenza-Viren

Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger (MRSA)

Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und Blasenentzündung

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Weihrauch-Forschung: Boswelliasäuren hemmen Entzündungen

Montag, Juli 9th, 2012

Weihrauch gehörte bereits zu den Geschenken der drei Weisen aus dem Morgenland: Neben Myrrhe und Gold brachten sie für das neugeborene Jesuskind auch Weihrauch mit. Seit der Antike zählt der aromatische Duft des verbrennenden Weihrauchharzes zu verschiedensten religiösen Zeremonien und ist bis in die Gegenwart in der Kirche Ausdruck besonderer Festlichkeit. Weihrauch kann aber noch mehr: „Das aus dem Stamm des Weihrauchbaumes gewonnene Harz enthält entzündungshemmende Substanzen“, erklärt Prof. Dr. Oliver Werz von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Diese machen Weihrauch als Arzneimitten unter anderem für die Behandlung von Krankheiten wie Asthma, Rheumatoider Arthritis oder Neurodermitis hochinteressant.

Allerdings sucht man Arzneimittel mit Weihrauchwirkstoffen in deutschen Apotheken bislang vergebens. Denn die pharmakologischen Grundlagen der Wirkung des Weihrauchs sind erst wenig untersucht. „Auch wenn Weihrauchharz schon seit Jahrtausenden beispielsweise in der ayurvedischen Medizin genutzt wird, reichen die bisher durchgeführten klinischen Studien für eine Zulassung in Deutschland und Europa nicht aus“, sagt Prof. Werz.
Das könnte sich nun aber ändern. Im Rahmen eines Verbundprojekts mit Partnern der Uni Saarbrücken und einem Startup-Unternehmen sind Prof. Werz und sein Team dem Wirkmechanismus des Weihrauchs auf der Spur. Dabei konnten die Wissenschaftler zeigen, an welcher Stelle die für die Wirkung des Weihrauchharzes verantwortlichen Inhaltsstoffe, die Boswelliasäuren, in den Entzündungsvorgang eingreifen.

„Boswelliasäuren interagieren mit verschiedenen Eiweißen, die an entzündlichen Reaktionen beteiligt sind. Insbesondere jedoch mit einem Enzym, das für die Synthese von Prostaglandin E2 verantwortlich ist“, erklärt Oliver Werz. Prostaglandin E2 zählt zu den Vermittlern der Immunantwort und spielt unter anderem im Entzündungsvorgang sowie bei der Entstehung von Fieber und Schmerzen eine entscheidende Rolle. „Boswelliasäuren hemmen dieses Enzym sehr potent und verringern so die Entzündungsreaktion“, sagt der Jenaer Pharmazeut. Damit sei nicht nur ein gezielter Einsatz in der Behandlung von Entzündungserkrankungen vorstellbar. Boswelliasäuren ließen auch weniger Nebenwirkungen erwarten, als gegenwärtig verwendete  Entzündungshemmer wie Diclofenac oder Indometacin. Diese wirken weniger spezifisch und können bei längerer Anwendung das Risiko für Magengeschwüre steigen und die Nierenfunktion stören.

In ihrer aktuellen Studie haben die Wissenschaftler um Prof. Werz zudem das Harz verschiedener Weihraucharten verglichen und in seiner entzündungshemmenden Wirkung untersucht. Weltweit kommen mehr als zehn verschiedene Arten von Weihrauch vor. Am bekanntesten und verbreitetsten sei der in Nordindien und Zentralindien beheimatete Weihrauch Boswellia serrata. „Wie wir jetzt gesehen haben, ist jedoch das Harz von Boswellia papyrifera um den Faktor zehn wirksamer“, nennt Prof. Werz ein weiteres Resultat der Untersuchung. Diese Weihrauchart kommt hauptsächlich im Nordosten Afrikas (Äthiopien, Somalia) und auf der arabischen Halbinsel (Jemen, Oman) vor.

Ob sich Weihrauch als Medikament in Zukunft tatsächlich durchsetzen kann, hängt allerdings nicht nur vom Ausgang der noch ausstehenden klinischen Überprüfung ab. „Boswelliasäuren kommen ausschließlich im Harz des Weihrauchbaumes vor und lassen sich nur schwer synthetisch herstellen“, betont Werz. Damit sind diese Bäume die einzige Quelle für den aussichtsreichen Wirkstoff. Weihrauchbäume sind in ihrem Bestand aber stark bedroht. Vielerorts werden sie einfach als Brennmaterial genutzt. Prof. Werz warnt deshalb: „Ohne nachhaltigen Schutz sind damit nicht nur Pflanzenarten vom Aussterben bedroht, sondern es gehen der Medizin auch vielversprechende Wirkstoffe verloren.“

Quelle:

Friedrich-Schiller-Universität Jena

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=38018

Kommentar & Ergänzung:

Interessant scheint mir vor allem die Aussage, dass Boswellia papyrifera 10mal wirksamer sein soll als der Indische Weihrauch. Das bekannteste Weihrauchpräparat, Gufic H15, besteht nämlich aus Indischem Weihrauch.

Bezüglich dem Wirkungsmechanismus des Weihrauchharzes  gibt es in den Forschungsergebnissen und in der Phytotherapie-Fachliteratur unterschiedliche Erklärungsansätze. Boswelliasäuren galten vor allem auch als Leukotrien-Hemmer.

Eine Zusammenfassung der Diskussion gibt es im Pharmawiki:

„Lange Zeit war die 5-Lipoxygenase, das Schlüsselenzym der Leukotrienbiosynthese, als selektiver Angriffspunkt der Boswelliasäuren identifiziert worden. Allerdings wurde in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die Hemmung der 5-Lipoxygenase nicht das zugrunde liegende Wirkprinzip des Weihrauchs ist. Zwar hemmen die Boswelliasäuren die Leukotrienbildung in vitro, aber die dazu notwendigen Konzentrationen sind sehr hoch und in vivo kaum erreichbar, insbesondere wegen der starken Bindung an Plasmaproteine. Die folgenden Angriffspunkte werden für die entzündungshemmenden Eigenschaften der Boswelliasäuren verantwortlich gemacht:

Hemmung der 12-Lipoxygenase

Hemmung der Leukozytenelastase

Hemmung des NFκB-Signalwegs

Hemmung des Cathepsin G

Die antientzündliche Wirkung kann also über ein weites Spektrum an entzündungshemmenden Einflüssen erklärt werden. Ein Angriff an direkt entzündungsfördernden Proteinen wie den Lipoxygenasen und auch Cyclooxygenasen scheint im Organismus eher von untergeordneter Rolle zu sein. Ein Eingriff in den NFκB-Weg stellt im Gegensatz zum direkten Angriff an den Lipoxygenasen eine indirekte Hemmung der Entzündung durch Modulation der „Steuerung“ des Entzündungsgeschehens dar. So werden Botenstoffe, die zur Ausweitung der Entzündung von Immunzellen ausgeschüttet werden, durch Hemmung des NFκB-Weges vermindert gebildet…… Vermutlich ist nicht ein einzelner Angriffspunkt für das Wirkungsbild von Weihrauchharzextrakten verantwortlich, sondern es werden mehrere Mechanismen der Entzündungsregulation beeinflusst, die dann gemeinsam zu einer Entzündungshemmung führen. Trotzdem wird bis heute weitläufig die Hemmung der Leukotriensynthese durch Boswelliasäuren als „das Wirkprinzip“ des Weihrauchs angeführt.“

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Weihrauch

Möglicherweise verschieben die Arbeiten an der Universität Jena dem Focus nun verstärkt auf die Prostaglandinhemmung.

Entscheidender als die Erforschung des Wirkungsmechanismus im Labor ist allerdings die Wirksamkeit in klinischen Studien mit Patienten.

Im Zentrum solcher Studien steht die chronische Polyarthritis, aber auch Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn.

In diesen Bereichen liegen positive Studienresultate vor, die allerdings wegen methodischer Diskussionspunkte kontrovers beurteilt werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Absurde Blutgruppendiät

Freitag, November 25th, 2011

Jeder Blutgruppe ihre eigene Ernährungsweise, so empfiehlt es die Blutgruppendiät und verspricht dadurch Gesundheit und Gewichtsabnahme.

Ich bin Blutgruppe 0 und besitze laut Peter D’Adamo den Stoffwechsel eines Steinzeit-Jägers. Folge ich seinen Ernährungsempfehlungen, dann bin ich von nun ab Fleischfresser in Reinkultur.

Der Amerikaner Peter D’Adamo ist der Erfinder der sogenannten Blutgruppendiät, ein Ernährungsprinzip das nicht nur der Gewichtsabnahme, sondern vor allem auch der Gesundheit dienen soll. Der Naturheilmediziner ist überzeugt davon, dass jede Blutgruppe nach ihrem eigenen Ernährungsverhalten verlangt und glaubt die Basis für seine Theorien in der Evolutionsgeschichte des Menschen gefunden zu haben.

Aus seiner Annahme, dass der Neandertaler zum Beispiel Träger der Blutgruppe 0 war, folgt seine Ernährungsempfehlung für Menschen derselbigen Blutgruppe 40.000 Jahre später: Viel tierische Fette, keine Milchprodukte und wenig Weizen – ganz nach dem Ernährungsplan unserer Vorfahren – zum Schutz vor chronischen Krankheiten und Übergewicht.

Wer seine Blutgruppe nicht kennt und isst was ihm gerade in den Sinn kommt, der hat Glück solange er Träger der Blutgruppe AB ist.

Oder aber er darf sich nicht wundern, wenn der Organismus sich dagegen wehrt. Die Ursache für zahlreiche Zivilisationskrankheiten glaubt D’Adamo in den sogenannten Lectinen gefunden zu haben. Diese Proteine besitzen Ähnlichkeiten mit spezifischen Blutgruppenmerkmalen und erreichen über die Nahrung das menschliche Blut.

Je nach Blutgruppentyp sollen diese Lebensmittel-Lectine verträglich sein oder eben auch nicht. Bei Unverträglichkeit komme es zu einer Reaktion, die einem Transfusionszwischenfall ähnelt: Rote Blutkörperchen agglutinieren (verklumpen), Zellen sterben ab und die Gesundheit wird dadurch erheblich beeinträchtigt.

D’Adamos Theorien geraten allerdings schon mit der Blutgruppe 0 stark ins Wanken, behaupten doch Humangenetiker, dass der Urzeitmensch zwar Fleischfresser war, jedoch Träger der Blutgruppe A. Was die Lectine angeht, liegt D’Adamo dagegen offenbar nicht ganz so falsch. „Lectine besitzen tatsächlich schädlichen Einfluss auf den Körper. Allerdings verlieren sie diese Wirkung, sobald man diese erhitzt”, erklärt Birgit Beck, Projektleiterin für Ernährung beim Verein für Konsumenteninformation in Wien.

Vor der vermeintlich schädlichen Wirkung der Lectine, braucht sich niemand zu fürchten. Große Wunder, wie die Abheilung von Magengeschwüren oder das Verhindern einer Metastasierung bei Krebs ist von einer Blutgruppendiät auch nicht zu erwarten. Wissenschaftliche Beweise für eine günstige gesundheitliche Wirkung fehlen und Fachleute gehen sogar davon aus, dass die Blutgruppendiät der Gesundheit des Menschen eher abträglich als zuträglich ist. „Eine ausgewogene Nährstoffversorgung ist bei dieser Diät nicht gegeben”, erklärt Birgit Beck und fügt an, dass für sämtliche Blutgruppen der vorgesehene Speiseplan zu fett- und eiweißreich gestaltet ist. Dass diese Diät eine Unterversorgung mit verschiedenen Mikronährstoffen mit sich bringen kann, ist offenbar auch dem Begründer D’Adamo nicht entgangen. Darum rät er zur zusätzlichen Einnahme diverser Nahrungsergänzungsmittel – selbstverständlich blutgruppenspezifisch. Bereits dadurch werden die Grenzen der Blutgruppendiät sichtbar.

Quelle:

http://derstandard.at/1263705442258/Genauer-Betrachet—Skurrile-Diaeten-Zweifelhafte-Blutgruppendiaet

Kommentar & Ergänzung:

Übersichtlich zusammengefasst sind die Empfehlungen der Blutgruppendiät bei Esowatch:

„ Nach D’Adamo richtet sich die Ernährungsempfehlung nach der Blutgruppe.

Blutgruppe 0: Die Träger dieser Blutgruppe sollen täglich Fleisch essen und stattdessen auf Getreide und Milch verzichten. Begründet wird dies damit, dass die Blutgruppe 0 die älteste menschliche Blutgruppe sei.

Blutgruppe A: Träger der Blutgruppe A sollen sich vor allem von Getreide und Gemüse ernähren und auf Fleisch und Milch verzichten.

Blutgruppe B: Träger der Blutgruppe B können nach D’Adamo als „Nomaden-Typ“ Milch, Fleisch und Getreide vertragen.

Blutgruppe AB: Träg er dieser Blutgruppe sollten vor allem Obst und Gemüse essen.“

Und hier weitere Widersprüche und Fehler in der Blutgruppendiät:

„ Abgesehen von einigen exotischen, nur in Ausnahmefällen zur Ernährung gehörenden Pflanzen wie Stechginster, Goldregen und Malven ist kein Lebensmittel bekannt, bei dem je irgendeine negative Wirkung von Lektinen auf den menschlichen Organismus nachgewiesen wurde. Lektine in Lebensmitteln werden zum größten Teil beim Kochen zerstört und gelangen gar nicht in den Darm. Nur im Reagenzglas binden Lektine an Antigene des Blutes.

Welche Blutgruppe die älteste „Urblutgruppe“ ist, ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. In der Diskussion sind sowohl Blutgruppe A als auch Blutgruppe 0. Da Menschenaffen ebenfalls die Blutgruppen 0, A und B haben, gilt es als gesichert, dass die Blutgruppen nichts mit menschlichen Wirtschaftsformen zu tun haben.

Manche der Empfehlungen und Verbote sind absolut zufällig oder beruhen auf Fehlern. So ist zum Beispiel die angebliche Milchunverträglichkeit der Blutgruppen 0 und A nur die Folge einer Namensverwechselung. Zur Blutgruppe B gehört die Alpha-N-D-Galaktose, in Milch ist hingegen Beta-N-D-Galaktose enthalten. Die Moleküle dieser Galaktosearten sind zwar ähnlich (daher der ähnliche Name), die Wirkung im Organismus ist aber völlig unterschiedlich. Selbst wenn die Lektin-Theorie richtig wäre, wäre eine negative Wirkung von Milch auf Menschen mit Blutgruppe 0 oder A also völlig ausgeschlossen.

D’Adamo rät den Blutgruppen 0, A und AB, Milch zu meiden. In Deutschland wären das 80 Prozent der Bevölkerung. Nur in Asien ist die Blutgruppe B am stärksten vertreten. Die regionale Verteilung von Laktoseintoleranz widerspricht jedoch seiner Theorie, denn sie ist in Asien weit häufiger als im europäischen Raum. Primäre Laktoseintoleranz ist keine Allergie, sondern eine fehlende Mutation auf dem Chromosom 2.

Es ist nicht verständlich, warum Menschen mit Blutgruppe A, die besonders häufig in Europa ist (in manchen Ländern die Häufigste), die meisten Fleischsorten, Weizen und Milchprodukte nicht konsumieren sollten, die ja schon seit Längerem die Basis der Ernährung darstellen. Stattdessen wird zu vermehrtem Soja-Konsum geraten, was eher zu Trägern der Blutgruppe B passen würde: Diese Blutgruppe tritt am Häufigsten in Asien auf, nur dort ist Soja ein typischer Bestandteil der regionalen Küche. Das Ganze widerspricht auch der Theorie der Abfolge und regionalen Entstehung der Blutgruppen, weil nach D’Adamo die Blutgruppe A in der Kaukasus-Region, B in der Himalaya-Region entstanden ist. Warum dann ausgerechnet Menschen mit Blutgruppe A vermehrt Soja konsumieren und Milch bzw. Milchprodukte (gerade Menschen in der Kaukasus-Region sind für ihren Kefir-Konsum bekannt, Kefir wird für Blutgruppe A als neutral, für B und AB als bekömmlich eingestuft), Fleisch und Weizen vermeiden sollten, entbehrt jeder Logik.

Je nach Blutgruppe ist der Eiweißanteil der Kost teilweise überhöht, was Gicht oder die Bildung von Harnsteinen zur Folge haben kann. Die Gruppe der „Jäger“ erhält zu wenig Kohlenhydrate und Ballaststoffe.

Teuer ist auch der empfohlene Sekretor-Status (ca. 55€), der zur Verfeinerung des Konzeptes dient. Des Weiteren bietet D’Adamo zahlreiche speziell für Blutgruppen designte Nahrungsergänzungsmittel, die nur über bestimmte Online-Shops bezogen werden können. Abgesehen von den relativ hohen Kosten ist der Nutzen nicht belegt.

Bewertung der Diät durch die Stiftung Warentest: “Da wir trotz jahrhundertelanger Verstöße gegen diese Regeln immer noch am Leben sind, stellt sich die Frage nach dem Sinn und Unsinn der Diät. [...] Eine Verklumpung von Blutzellen (durch Lektine, erg.) wurde bisher in keinem einzigen Fall festgestellt. Und Belege dafür, dass Erkrankungen durch die Blutgruppendiät positiv beeinflusst werden, fehlen ebenfalls.”

Aus einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE): “In keinem Fall ist wissenschaftlich dokumentiert, dass Lectine aus Lebensmitteln im Blut zu Verklumpungen (Agglutinationen) führen. [...] D’Adamo verwendet ungesicherte, verführerisch einfach klingende Annahmen als Fakten und stellt Lectine in Nahrungsmitteln als eine generelle Gefahr dar. [...] Die meisten pflanzlichen Lectine sind unschädlich. (…) Zudem zerstört Erhitzen die Lectinaktivität in fast allen Nahrungsmitteln mit Ausnahme von gerösteten Erdnüssen [...].”

Quelle: http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Blutgruppendi%C3%A4t#ixzz1dQBj7geu

Ich bin immer wieder erstaunt, wie man mit völlig willkürlichen, widersprüchlichen, fehlerhaften Behauptungen und Ernährungstheorien einen Bestseller landen kann, nur weil man damit verbreitete Bedürfnisse nach Rat und Orientierung bedient.

Ähnliche Phänomene kann man im übrigen auch in der Pflanzenheilkunde beobachten, zum Beispiel mit den hoch fragwürdigen Fantasien über „Wesen und Signatur der Pflanzen“.

Siehe dazu:

Pflanzenheilkunde – Nebulöse Aussagen vom Wesen der Pflanzen

Zum Wesen der Heilpflanzen – Storchenschnabel gegen Schock

Die fragwürdige Rede vom Wesen der Pflanzen

Pflanzenheilkunde: John Ray zur Signaturenlehre

Wilde Möhre, Leberblümchen und die Signaturen der Heilpflanzen

Von Schopenhauers Feldblume zu den Signaturen der Pflanzen

Wesenhafte Urtinkturen: Genau nachfragen statt blind glauben

Signaturen der Pflanzen: Fragwürdiger Neuaufguss der Signaturenlehre

Naturheilkunde: Hoch fragwürdige Theorie von der Signatur der Pflanzen

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt

Mittwoch, November 23rd, 2011

Seine Wurzel wird für Lakritze, Kräuterliköre und Kräutertees verwendet – und in Zukunft vielleicht sogar für Medikamente gegen Virusinfektionen: Das Süßholz ist zur Arzneipflanze des Jahres 2012 erkoren worden. Das schreibt der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg, der seit 1999 die Arzneipflanze des Jahres wählt.

Das Süßholz (Glycyrrhiza glabra) ist eine Staude, die einen Meter hoch wachsen kann. Heimisch ist Glycyrrhiza glabra im Mittelmeerraum, in Kleinasien und im Kaukasus bis Iran, Afghanistan, Zentralasien und Südrussland. Zwei weitere Glycyrrhiza-Arten sind in Ostasien heimisch: . Glycyrrhiza inflata und Glycyrrhiza uralensis.  Süßholz wird einerseits fast überall in der Natur gesammelt, für die Arznei- und Genussmittelherstellung in der Türkei, China, Russland, Bulgarien, Italien, Spanien und Südfrankreich aber auch angebaut.

Verwendet wird die Süssholz-Wurzel mit ihren Ausläufern. Sie besitzt zahlreiche Inhaltsstoffe: 400 verschiedene Inhaltsstoffe sind bisher beschrieben worden. Zu den wichtigen Inhaltsstoffen der Süssholzwurzel zählen Saponine (bis zu 15 Prozent) wie das Glycyrrhizin, das fast die 50fache Süßkraft von Rohrzucker besitzt, ausserdem Flavonoide, Cumarine und Schleimstoffe. Aus diesen Inhaltsstoffen erklärt sich die Anwendung als entzündungshemmende, schleimhautprotektive und auswurffördernde Heilpflanzen gegen Husten, Katarrhe und Entzündungen der oberen Atemwege sowie Gastritis und Magengeschwüre in der westlichen Heilkunde.

Ohne Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin soll Süßholzwurzel nicht länger als vier bis sechs Wochen angewendet werden. In hohen Dosen hat die Heilpflanze mineralcorticoide Effekte wie Natrium- und Wasserretention sowie Kaliumverlust mit Bluthochdruck und Ödemen. Die Tagesdosis von 15 Gramm Süßholzwurzel beziehungsweise 600 Milligramm Glycyrrhizin darf deshalb nicht überschritten werden. Eingedickter Süssholzsaft, also Lakritze, darf nicht mehr als 200 Milligramm Glycyrrhizin pro 100 Gramm enthalten. Pro Tag sollte nicht mehr als 50 Gramm Lakritze verzehrt werden. Kontraindiziert ist die Anwendung von Süßholzwurzel bei cholestatischen Lebererkrankungen, Leberzirrhose, arterieller Hypertonie, Hypokaliämie, schwerer Niereninsuffizienz und Schwangerschaft.

„Süßholz raspeln“ – das sagt man, wenn sich jemand einschmeicheln will. Diese Redewendung spielt direkt auf die arzneiliche Wirkung der Süßholzwurzel an, wie Johannes Mayer vom Würzburger Studienkreis erklärt: „Eine Abkochung von zerkleinerter Süßholzwurzel als Tee getrunken, hilft sehr schnell bei rauer Stimme und Hustenreiz.“ Denn der Inhaltsstoff Glycyrrhizin wirke unter anderem entzündungshemmend und schleimhautschützend.

In der Antike nutzten die Ägypter und Griechen Süssholz unter anderem gegen Husten, Heiserkeit, Asthma und Brustbeschwerden. Im Mittelalter schrieb die Äbtissin Hildegard von Bingen dem Süßholz eine günstige Wirkung auf die Psyche zu – Hildegard zufolge soll es den Menschen „mild stimmen“. Unter der Bezeichnung „gan cao“ ist Süßholz bis heute ein fester Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Süssholz gehört dort zu den so genannten 50 Basiskräutern.

Außer in China wird Süßholz gegenwärtig in zahlreichen anderen asiatischen Ländern medizinisch verwendet, etwa in Japan, Korea und Vietnam. In Ostasien setzt man Süssholz mit weiteren Stoffen auch bei Leberleiden wie Hepatitis und Leberzirrhose ein. „Zahlreiche Forschungsaktivitäten weltweit geben Anlass zu der Hoffnung, dass die Süßholzwurzel in Zukunft auch für andere Anwendungsgebiete eingesetzt werden könnte, zum Beispiel bei Virusinfektionen“, erklärt Johannes Mayer.

Allein auf dem deutschen Markt werden jährlich etwa 100 Tonnen Süßholzwurzel als Bestandteil von Kräutertees konsumiert. „Generell ist Deutschland in Europa die Nummer eins unter den Nutzern und Händlern von Heilpflanzen. Weltweit gesehen, sind die Deutschen sowohl beim Import als auch beim Export unter den Top fünf“, so Johannes Mayer.

Die Süßholzwurzel und zahlreiche andere Arzneipflanzen werden nicht nur kultivert, sondern auch in der Natur gesammelt. Daraus entstehen Probleme der Nachhaltigkeit. Um darauf hinzuweisen, stellt der Würzburger Studienkreis die Arzneipflanze des Jahres erstmals in Kooperation mit dem World Wide Fund for Nature (WWF) und dessen Partnerorganisation Traffic vor. Der WWF hat Traffic im Jahr 1976 zusammen mit der Weltnaturschutzunion IUCN gegründet, um „den internationalen Ausverkauf der Natur zu stoppen“. Traffic bedeutet „Trade Records Analysis of Flora and Fauna in Commerce“.

Bei Wildsammlungen von Heilpflanzen soll die ortsansässige Bevölkerung eingebunden werden. Aus der Natur sollen nur so viele Pflanzen geerntet werden, wie nachwachsen können. Nur auf diese Weise kann der Bestand auf lange Zeit genutzt werden und eine Einkommensquelle für die ländliche Bevölkerung gewährleisten. Diese Art der Rohstoffgewinnung nennt sich „kontrollierte, nachhaltige Wildsammlung“.

Seit Kurzem existiert die Möglichkeit, verbindliche Managementpläne für Arzneipflanzen aufzulegen und nachhaltige Wildsammlungsprojekte zertifizieren zu lassen: Der vom WWF und Traffic mitentwickelte „FairWild“-Standard soll eine „nachhaltige Wildsammlung unter Erhalt der natürlichen Ressourcen mit einem fairen Preisgefüge“ gewährleisten. Dem Verbraucher wird das mit einem entsprechenden FairWild-Siegel signalisiert.

Der Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg kürt die Arzneipflanze des Jahres seit 1999. Bisher wurden folgende Pflanzen gewählt: Buchweizen, Arnika, Stechender Mäusedorn, Artischocke, Pfefferminze, Arzneikürbis, Thymian, Hopfen, Gemeine Rosskastanie, Fenchel, Efeu und Passionsblume.

Quelle:

Julius-Maximilians-Universität Würzburg

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=35906

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=40093&Nachricht_Title=Nachrichten_S%FC%DFholz+ist+Arzneipflanze+des+Jahres+2012&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Süssholz ist eine interessante Heilpflanze. Der „Süssholzstängel“, den man in der Drogerie als Kind bekommen hat, ist eine verbreitete Kindheitserinnerung. Dass es sich dabei um eine Süssholzwurzel handelt und dass aus Süssholz Lakritze („Bärendreck“) gewonnen wird, ist weniger bekannt.

Siehe auch:

Süssholzwurzeltee bei Magenbeschwerden

Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung

Lakritze schädlich in der Schwangerschaft

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kartoffeln: Gelbe Knolle reduziert den Blutdruck

Samstag, Oktober 22nd, 2011

Kartoffelprodukte gelten allgemein als Dickmacher. Wer jedoch die Finger von Pommes frites lässt und stattdessen gekochte Kartoffeln ist, kann seinen Blutdruck damit günstig beeinflussen . Das haben Forscher der University of Scranton in Pennsylvania, USA, in einer Studie mit übergewichtigen Patienten mit Bluthochdruck festgestellt.

In der kleinen Studie assen 18 Testpersonen zweimal pro Tag sechs bis sieben ungeschälte Kartoffeln von der Größe eines Golfballs über einen Zeitraum von einem Monat. Alle Studienteilnehmer waren übergewichtig und litten an Bluthochdruck. Die Forscher erfassten währenddessen den Blutdruck der Patienten. Das Resultat: Der untere Wert des Blutdrucks verminderte sich um 4,3 Prozent, der obere Wert um 3,5 Prozent. Ein Großteil der Patienten nahm zwar bereits Medikamente zur Blutdruckreduktion ein, aber auch bei ihnen sank der Blutdruck während der Kartoffeldiät.

Den Aussagen der Wissenschaftler zufolge enthalten Kartoffeln Substanzen, die in ihrer Wirkung den sogenannten ACE-Hemmern ähneln, die häufig zur Therapie des Bluthochdrucks eingesetzt werden. Das gilt jedoch nicht für Pommes frites oder Chips, denn durch die hohen Temperaturen beim Frittieren werden die gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe der Kartoffeln zerstört. Kocht man die Kartoffeln dagegen “nur”, bleiben die wertvollen Substanzen erhalten.

Quelle:

http://www.aponet.de/aktuelles/kurioses/kartoffeln-gegen-blutdruck.html

Kommentar & Ergänzung:

Es ist immer interessant, wenn bei billigen und verbreiteten Lebensmitteln positive Wirkungen auf die Gesundheit festgestellt werden.

Kartoffeln haben in der Naturheilkunde nur eine untergeordnete Bedeutung.

Kartoffelsaft wird in der „Volksmedizin“ bei Magengeschwüren und Magenübersäuerung angewendet.

Kartoffelauflagen / Kartoffelwickel sind ausgezeichnete Wärmespeicher. Sie bewirken eine intensive Durchblutungssteigerung und Muskelentspannung. Anwendungsbereiche sind unter anderem Husten, Bronchitis, Halsschmerzen, Muskelverspannungen, Rückenverspannungen, Blasenentzündung.

Die Studie aus Pennsylvania zur Blutdrucksenkung durch Kartoffeln wirft schon noch einige Fragen auf:

Die Zahl der Studienteilnehmern ist mit 18 sehr klein, was die Aussagekraft einschränkt, und der Effekt war eher klein.

Und ob die Testpersonen auch auf lange Sicht zweimal pro Tag sechs bis sieben ungeschälte Kartoffeln von der Größe eines Golfballs essen würden, halte ich für fraglich.

Und es wäre ja auch möglich, dass die Blutdrucksenkung nur deshalb zustande kam, weil die Probanden neben den 2mal 6 – 7 Kartoffeln pro Tag einfach nicht mehr genug Appetit für andere, schädliche Nahrungsmittel hatten.

P.S. Dass Kartoffeln dumm machen, ist ein ausgesprochen dummes Gerücht, das auf den “Hellseher“ Rudolf Steiner zurückgeht:

„ Also sehen Sie, während wir beim Menschen vom Bauch zum Kopfe gehen müssen, von unten herauf, müssen wir bei der Pflanze den umgekehrten Weg machen. Die Wurzel der Pflanze ist mit dem Kopf verwandt. Wenn wir das bedenken, wird uns gewissermaßen ein Licht aufgehen über die Bedeutung der Wurzel. Denn die Kartoffel, die hat Knollen; das ist etwas, was nicht ganz Wurzel geworden ist. Man ißt also, wenn man viel Kartoffel ißt, vorzugsweise Pflanzen, die nicht ganz Wurzel geworden sind. Wenn man sich also beschränkt auf das Kartoffelessen und zuviel Kartoffeln ißt, kriegt man nicht genug in den Kopf hinein. Es bleibt unten im Verdauungstrakt. So daß es also so ist, daß mit dem Kartoffelessen die Menschen in Europa ihren Kopf, ihr Gehirn vernachlässigt haben. Diesen Zusammenhang sieht man erst, wenn man Geisteswissenschaft treibt. Da sagt man sich: Seit Europa diese Kartoffelnahrung immer mehr und mehr überhand genommen hat, seit der Zeit ist der Kopf des Menschen unfähiger geworden.“

(Quelle: Rudolf Steiner, Rhythmen im Kosmos und im Menschenwesen. Wie kommt man zum Schauen der geistigen Welt? GA 350 S. 210)

Jedenfalls gibt es keinerlei konkrete Gründe, weshalb dieses Vorurteil zutreffend sein sollte.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Donnerstag, Mai 26th, 2011

Übelkeit, Kopfschmerzen, flaues Gefühl im Bauch: Viele Menschen sind anfällig für die so genannte Reisekrankheit oder Kinetose. Die Reisekrankheit tritt jedoch nicht nur auf Schiffen oder Segelbooten, sondern auch im Bus, Pkw und im Flugzeug auf – selten auf Motorrädern oder in der Eisenbahn.

Auslöser der Beschwerden sind ungewohnte Bewegungen und Beschleunigungen, die im Gehirn nicht mit den gleichzeitigen optischen Eindrücken übereinstimmen: Die Gleichgewichtsorgane in den Innenohren melden Alarm, zu dem aus Sicht der Augen jedoch kein Anlass besteht.

In der Regel sind die Beschwerden eher unangenehm als lebensgefährlich. Nur in Einzelfällen treten ernsthaften Herz-Kreislaufsymptomen auf.

Tipp: Nach vorne schauen

Das Risiko eine Kinetose lässt sich mit einfachen Maßnahmen deutlich vermindern. Wichtig ist vor allem die Wahl des Sitzplatzes. Auf Schiffen werden in der Schiffsmitte, im Flugzeug in Höhe der Tragflächen, im Bus hinter der Vorderachse und im Auto auf dem Beifahrersitz, die wenigsten Bewegungsreize übertragen. Darüber hinaus bewährt es sich, wenn die Fahrtbewegungen mit den Augen verfolgt werden können, darum lohnt es sich im Bus in den vorderen Reihen zu sitzen und den Blick während der Fahrt nach vorne zu richten. Ratsam ist es zudem, nächtliche Busfahrten zu vermeiden, speziell in bergigen Gegenden.

Empfindliche Personen sollten weder mit vollem noch mit nüchternem Magen die Reise antreten, sondern vorher leichte Kost zu sich nehmen.

Reisemedikamente können helfen, sind jedoch wegen möglicher Begleiterscheinungen nur in Absprache mit dem Arzt einzunehmen. Die Wirksamkeit von Akupressur-Armbändern soll auf einen Plazeboeffekt zurückzuführen sein. Völlig nebenwirkungsfrei und seit Jahrhunderten in Verwendung ist die Ingwerwurzel.

Quelle:

http://derstandard.at/1304552939230/Kinetose-Reisen-ohne-Uebelkeit

Kommentar & Ergänzung:

Ingwer ist in der Phytotherapie gut anerkannt als Heilpflanze gegen Reisekrankheit, aber auch gegen Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie und nach Operationen.

Wikipedia schreibt zum Thema Ingwer & Reisekrankheit:

„Ingwer hat eine antiemetische Wirkung. Er wird in Form von kleinen Scheibchen von der rohen Wurzel gekaut, als Pulver oder in Tablettenform eingenommen. Mit der Medikation kann schon am Vortag begonnen werden. Er gilt als nebenwirkungsarm, sollte jedoch von Menschen mit gleichzeitigen Magengeschwüren und Gallensteinleiden nicht verwendet werden. In einer kleinen doppeltblinden Studie, die an 80 Seekadetten durchgeführt wurde, reduzierte Ingwer im Vergleich zu Placebo signifikant das Auftreten von Erbrechen. 1982 erfolgte eine Studie mit Kandidaten auf einem Drehstuhl, mit einer Dosis von 940 mg, 20 bis 25 Minuten vor dem Test, mit erfolgreicher Reduktion von Übelkeit.“

(Quelle: Wikipedia)

Weitere Informationen zu Ingwer:

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbreche

Ingwer lindert Muskelkater

Ingwer vermindert Muskelschmerzen

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kann Chili die Zunge verbrennen?

Montag, Mai 16th, 2011

Auf n-tv fragte kürzlich ein Hans C. aus Halle/Saale:

„Ich esse gern Chili, muss mir aber immer wieder anhören, dass die Gefahr besteht, dass ich bald gar nichts mehr schmecken werde. Kann Chilischärfe tatsächlich die Zunge verbrennen oder schädigen?”

Die Antwort und die Erklärungen dazu sind interessant:

„‚Nein, das ist nicht möglich. Die Chilischärfe, das sogenannte Capsaicin, wird nicht über Geschmacksrezeptoren wahrgenommen, sondern über Schmerzrezeptoren auf der Zunge, die den Impuls zum Gehirn weiterleiten. Diese Rezeptoren reagieren auch auf Hitze’, erklärt Katrin Kirchhof, Fachärztin für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde in Berlin.“

Das Capsaicin, das zu den Alkaloiden zählt, ist verantwortlich für den außergewöhnlichen Effekt, den der Konsum von Chili mit sich bringt. Bereits eine kleine Dosis Capsaicin führt dazu, dass die Schmerzrezeptoren auf den Schleimhäuten im Mund, im Gesicht und im Verdauungstrakt aktiviert werden. Danach können körperliche Reaktionen wie auf Hitze- oder Schmerzreize auftreten. Außerdem kann es zu Schweißausbrüchen, gesteigertem Speichelfluss, Niesen, Augentränen, Husten, Schluckauf und Nasenlaufen kommen. Das alles sind Schutzreaktionen des Organismus, der auf verschiedene Weise versucht, eine Entgiftungsoffensive zu starten. Auch die Ausschüttung von körpereigenen Glückshormonen zählt dazu.

Isst man trotz der körperlichen Reaktionen weiter Chili, kann sich die Zunge nach einiger Zeit taub anfühlen und die Schärfe ist auf der Zunge kaum noch wahrzunehmen. In diesem Fall sind die Schmerzrezeptoren auf der Zunge so stark angeregt worden, dass die mit ihnen verbundenen Nervenfasern für eine gewisse Zeit regelrecht depolarisiert sind und wir den Geschmack für einen Moment nicht mehr wahrnehmen können. Zu dauerhaften Schädigungen kommt es aber durch den Genuss von Chili nicht. Chili kann auch keine Magengeschwüre auslösen.

Und wie lässt sich das Brennen im Mund lindern?

„Ist jemand doch von zu viel Schärfe überrascht worden, gibt es einige Tipps, wie man die Schmerzen im Mund lindern kann: Capsaicin ist fettlöslich. Den Mund mit einem kräftigen Schluck Speiseöl spülen nimmt also schnell den Schmerz. Das Öl muss nicht geschluckt werden. Auch ein Esslöffel Honig langsam im Mund zergehen zu lassen, kann Linderung schaffen. Zudem können  Milch, Joghurt oder Buttermilch den Schmerz im Mund lindern. Sind alle diese Sachen nicht griffbereit, kann man auch ein Stück Brot zerkauen. Auf gar keinen Fall sollte man nach einem zu heftigen Chiligenuss Wasser oder andere Kaltgetränke zu sich nehmen, denn durch diese werden die Scharfmacher nur noch weiter verteilt.“

Quelle:

http://www.n-tv.de/wissen/frageantwort/Kann-Chili-die-Zunge-verbrennen-article3093891.html

Kommentar & Ergänzung:

Chili bzw. Capsaicin ist in der Phytotherapie ein wichtiger Wirkstoff.

Weitere Informationen dazu siehe:

Chilipflaster lindert Schmerzen

Chili-Wirkstoff Capsaicin senkt den Blutdruck

Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

Paprika-Wirkstoff Capsaicin bald als Patch

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Wie Kräutertees zubereitet werden

Donnerstag, September 23rd, 2010

Kräutertees spielen schon seit Jahrhunderten bei der Behandlung zahlreicher Beschwerden eine große Rolle. Im Folgenden eine Liste der gängigsten Kräutertees samt Zubereitung und Anwendung, wie sie Johannes Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin an der Universität Würzburg empfiehlt:

BALDRIAN: Hilft unter anderem bei Schlafstörungen und wirkt beruhigend. Verwendet werden von der Baldrianpflanze nur die zerkleinerten Wurzeln.
Zubereitung: Zwei Teelöffel mit einer Tasse kaltem Wasser übergießen, mehrere Stunden ziehen lassen, dann abseihen und vor dem Trinken leicht erwärmen – nicht kochen.

EIBISCH: Lindert Reizungen der Schleimhäute und fördert deren Heilung. Die Polysaccharide aus dem Eibisch bilden einen Schutzfilm auf den bei Husten oder Entzündungen gereizten Schleimhäuten. Verwendet werden auch hier meist nur die Wurzeln, Blüten und Blätter können jedoch ebenfalls genutzt werden. Zubereitung: Ein Teelöffel zerkleinerte Eibischwurzel in eine Tasse kaltes Wasser geben, ein bis zwei Stunden unter gelegentlichem Umrühren ziehen lassen, abseihen und leicht erwärmen.
Dann langsam schluckweise trinken und den Eibischtee dabei möglichst lange im Mund behalten. Den Tee mehrfach in kurzen Abständen trinken.

FENCHEL: Hilft gut bei Katarrhen und Verdauungsbeschwerden wie Blähungen oder Völlegefühl. Zubereitung: einen Teelöffel Fenchelfrüchte
(Samen) in kleinem Mörser oder mit dem Rücken eines Esslöffels zerdrücken und mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen. Zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen, abseihen und trinken.

KAMILLE: Hilft unter anderem bei Entzündungen von Haut und Schleimhäuten, etwa Zahnfleischentzündungen, Hämorrhoiden und Menstruationsbeschwerden. Kamille wirkt außerdem bei Magenentzündungen und Darmentzündungen, gerade wenn sie mit Blähungen und Krämpfen verbunden sind.

MELISSE: Hilft unter anderem bei Magen-Darmbeschwerden. Zubereitung: zwei Teelöffel Melissenblätter mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, zugedeckt fünf Minuten ziehen lassen, abseihen und nach dem Essen trinken.

MINZE: Hilft gut bei Magenbeschwerden,  Darmbeschwerden und Gallebeschwerden. Zubereitung:
drei Teelöffel Pfefferminzblätter mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen und abseihen.

ROSE: Hilft bei leichten Entzündungen im Mundraum und im Rachen.
Zubereitung: einen Teelöffel Rosenblätter mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen, mehrmals am Tag den Mund mit dem Aufguss spülen.

SALBEI: Hilft bei Entzündungen im Mundraum und im Rachen und gegen übermäßiges Schwitzen. Zubereitung: zwei Teelöffel Salbeiblätter mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen, abseihen und trinken.

SÜSSHOLZ: Wirkungsvolles Heilmittel bei Katarrhen der Atemwege, hilft vor allem gegen Husten, aber auch bei Magengeschwüren und Darmgeschwüren. Zubereitung: einen knappen Teelöffel zerkleinerte Süßholzwurzel mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, fünfzehn bis zwanzig Minuten ziehen lassen, täglich drei bis fünf Tassen trinken.

THYMIAN: Wirkt gut gegen Bakterien und sogar Viren bei Katarrhen der Atemwege, Bronchitis und Keuchhusten. Zubereitung: zwei Teelöffel Thymiankraut mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, zugedeckt fünf Minuten ziehen lassen, abseihen und möglichst heiß trinken.

Quelle:

http://www.internisten-im-netz.de/de_news_6_0_953_wie-arzneitees-zubereitet-werden.html

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine gute Übersicht mit fundierten Empfehlungen. Eher ungewöhnlich ist die Empfehlung von Rosenblättern.

Kräutertees sind durchaus eine gute Variante für die Anwendung von Heilpflanzen in der Phytotherapie, neben Tinkturen und Extrakten. Vor allem in der Krankenpflege vermittelt die Zubereitung eines Kräutertees auch Zuwendung.

Leider gibt es im Bereich der Kräutertees kaum Forschung. Die Phytotherapie-Forschung konzentriert sich stark auf Heilpflanzen-Extrakte, weil hier Gelder der Hersteller  zur Verfügung stehen.

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