Beiträge

Antivirale Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl gegen Herpes-simplex-Viren

Diesen Artikel teilen:

In einer Dissertation untersuchte Dr. med. Anja Schuhmacher die Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl gegen Herpesviren.

Herpes simplex Viren sind weltweit verbreitet und zählen zu den häufigsten Krankheitserregern. Sie verursachen beim Menschen in der Regel schmerzhafte, bläschenförmige Hautläsionen in und um die Mundhöhle (Lippenherpes, Fieberbläschen) und im Genitalbereich (Genitalherpes), können jedoch auch insbesondere bei Immunsupprimierten zu lebensbedrohlichen systemischen Infektionen führen.

Für zahlreiche ätherische Öle wurde bereits eine hohe antibakterielle und antimykotische (= pilzhemmende) Wirksamkeit nachgewiesen. Über eine mögliche antivirale Wirkung von ätherischen Ölen finden sich dagegen bisher nur wenig Informationen.

Anja Schuhmacher untersuchte  die antivirale Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl gegen Herpes simplex Viren Typ 1 und Typ 2 in der Zellkultur und charakterisierte sie im Hinblick auf den Wirkmechanismus genauer.

Zur Bestimmung der antiviralen Wirkung wurden Plaquereduktionsversuche in verschiedenen Varianten eingesetzt. Sie ergaben eindeutig eine antivirale Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl bei einstündiger Inkubation von Virus und ätherischem Öl. Dieser Effekt war abhängig von der Ölkonzentration.

Herausragend war insbesondere die starke Wirkung von Melissenöl gegen HSV-2, die möglicherweise den in Melissenöl in großer Menge vorkommenden Aldehyden zuzuschreiben ist. Vergleichbar tiefe Wirkstoffkonzentrationen wurden bisher nur für ein anderes ätherisches Öl beschrieben.

Gezeigt werden konnte außerdem die Abhängigkeit der antiviralen Wirkung von der Einwirkungszeit der ätherischen Öle auf die Viren. Bei Einwirkzeiten ab 3 Stunden wurden durch die maximalen nicht-zytotoxische Ölkonzentrationen umehr als 99 % der Viren inaktiviert, was für eine direkte viruzide Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl spricht.

Durch Zugabe der ätherischen Öle zu verschiedenen Zeiten des Infektionszyklus der Herpesviren, konnte nachgewiesen werden, dass Pfefferminzöl und Melissenöl nach erfolgter Viruspenetration keinen Einfluss mehr auf die Virusvermehrung haben und auch nicht über eine Beeinflussung der Wirtszellen antiviral wirken. Die stärkste Wirkung zeigte sich bei Behandlung der Viren mit ätherischem Öl vor der Infektion. Bei Ölzugabe während der Infektion wurde ein schwächerer antiviraler Effekt ermittelt.

Diese Resultate zeigen, dass Pfefferminzöl und Melissenöl einen direkten antiviralen Effekt auf Herpes simplex Viren haben, und sie stützen die Theorie, dass ätherische Öle nicht die Virusreplikation hemmen, sondern einen früheren Schritt der Virusvermehrung. Die lipophilen (= fettliebenden) Eigenschaften ätherischer Öle machen eine Wechselwirkung mit der Virushülle wahrscheinlich, die zur Verhinderung der Virusadsorption oder In dieser Arbeit wurde außerdem erstmals die antivirale Wirkung von zwei ätherischen Ölen gegen HSV-1 Viren nachgewiesen, die gegen Aciclovir (Zophirax®) resistent sind. Pfefferminzöl und Melissenöl zeigten sich in der Lage, in den maximalen nicht zytotoxischen Konzentrationen bei einstündiger Inkubation von ätherischem Öl und Viren die Zahl der resistenten Viren um über 99 % zu reduzieren.

Diese Resultate bestätigen die in Überlieferungen der traditionellen Medizin postulierte antivirale Wirkung ätherischer Öle und deren potentiellen Nutzen in der lokalen Behandlung von Herpes simplex Infektionen. Auch wenn in diesen ätherischen Ölen noch keine Einzelsubstanz als Träger der antiviralen Eigenschaften ausfindig gemacht werden konnte und auch der Wirkmechanismus noch detaillierter untersucht werden muss, können Pfefferminzöl und Melissenöl als vielversprechende Kandidaten für eine topische (= lokale) antivirale Therapie bei Herpes simplex Infektionen angesehen werden.

Quelle:

http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/4359/1/Zusammenfassung.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Das sind interessante Laborergebnisse, die unter anderem bestätigen, dass eine antivirale Anwendung von ätherischen Ölen nur im Frühstadium Sinn macht. Das gilt im übrigen auch für andere pflanzliche Fieberbläschen-Präparate, wie zum Beispiel den  Melissenextrakt, wie er im Fertigpräparat „Valverde® Fieberbläschensalbe“ zur Anwendung kommt. Als wirksamer Bestandteil gilt dort der Lamiaceen-Gerbstoff, der an Virusproteine andockt.

Gute antivirale Effekte auf Herpesviren wurden auch mit einem Kombipräparat aus Salbeiextrakt und Rhabarberwurzelextrakt erzielt (Parsenn-Herpes Creme®, Phytovir®).

Wenn Melissenöl und Pfefferminzöl beide gegen Herpesviren wirksam sind, dann ist der Preisunterschied nicht unwesentlich. Melissenöl ist sehr viel teurer.

Anzufügen wäre dazu allerdings noch, dass sich antivirale Effekte im Labor wohl leichter erzielen lassen als im menschlichen Gewebe. Dort hat es jedenfalls nicht nur Viren, sondern auch jede Menge anderer Proteine.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Heilpflanzen bei Lippenherpes: Rhabarber, Melisse, Salbei

Diesen Artikel teilen:

Im Phyto-Forum der Aerztezeitung wurde die Frage aufgeworfen, ob es etwas Pflanzliches gebe, das die Dauer des Ausbruchs von Lippenherpes reduziert.

Die Antwort verfasst hat Professor Jürgen Reichling vom Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie der Universität Heidelberg.

Der Lippenherpes (Herpes labialis) sei eine ansteckende, schmerzhafte, juckende sowie kosmetisch und psychisch störende Infektionskrankheit, die hauptsächlich durch das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1), seltener durch HSV-2 hervorgerufen werde.

Eine Lippenherpes-Episode sei selbstlimitierend und halte unbehandelt etwa 7 bis 10 Tage an. Nach einer Erstinfektion, die meist im Kindesalter stattfindet, schlummere das Virus lebenslang in Nervenganglien.

In Deutschland seien etwa 80 bis 90% der Bevölkerung mit HSV-1 infiziert. Es komme jedoch nur bei 20 bis 40% der Infizierten zu einer mehr oder weniger regelmäßigen Reaktivierung der Viren mit dem typischen klinischen Bild der Herpesbläschen an den Lippen oder in der Umgebung des Mundes.

In unkomplizierten Fällen könne Lippenherpes im Rahmen der Selbstmedikation behandelt werden. Ausgeschlossen von einer solchen Selbstbehandlung seien hingegen generalisierte Herpes-simplex-Infektionen.

Zur örtlichen Behandlung, schreibt Reichling,  stehen neben Arzneimitteln mit Nucleosidanaloga als Wirkstoff (Aciclovir, Penciclovir u.a.) auch einige pflanzliche Präparate zur Verfügung. Dabei sollte die Behandlung des Lippenherpes so früh wie möglich beginnen, idealerweise bereits bei ersten Anzeichen wie Brennen und Jucken der Haut.

Klinische Studien mit Extrakt aus Melisse, Salbei und Rhabarberwurzel

Bewährt haben sich vor allem zwei Phytopharmaka, die als Wirkstoff Extrakte aus Melissenblättern enthalten (Lomaherpan, Valverde Fieberbläschencreme) oder aber eine Kombination von Rhabarberwurzelextrakt und Salbeiblätterextrakt (Parsenn Herpes-Creme, Phytovir). Für diese Phytopharmaka liegen klinische Studien vor, die eine alleinige Anwendung oder eine Anwendung in kombiniert mit Nucleosidanaloga rechtfertigen.

Für die Selbstbehandlung schreibt Reichling, dass versuchsweise auch kosmetische Präparate mit Propolis, Echinacea (Sonnenhut), Aloe vera sowie mit ätherischen Ölen (zum Beispiel Teebaumöl, Melissenöl) eingesetzt werden können.

Für diese Stoffe existieren In-vitro-Studien, teilweise auch klinische Pilotstudien (Teebaumöl bei HSV-1; Propolis bei HSV-2), die eine Wirksamkeit bei der Therapie von Lippenherpes nahelegen.

Hält eine Lippenherpes-Episode länger als 10 bis 14 Tage an, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Um das Risiko einer Ausbreitung der Viren zu verhindern, sollten die Präparate auf die befallene Hautstelle am besten mit Einmalmaterial (beispielsweise mit einem Wattestäbchen) appliziert werden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/herpes/article/839399/phyto-forum-rhabarber-melisse-salbei-lippenherpes.html?sh=7&h=1048513246

Kommentar & Ergänzung:

Die antivirale Wirkung von Melissenextrakt, Salbeiextrakt und Rhabarbarwurzelextrakt ist im Labor gut dokumentiert. Eine andere Frage ist, ob sich damit der Verlauf eines Lippenherpes wirklich entscheidend verkürzen lässt.

Von allen diesen lokalen Anwendungen sollte man jedenfalls keine Wunder erwarten. Die Dauer des Lippenherpes wird nur gering verkürzt, und nur wenn die Behandlung ganz im Anfangsstadium einsetzt. Das gilt auch für synthetische Wirkstoffe wie Aciclovir.

Bei Salbeiextrakt und Melissenextrakt sind es die Lamiaceen-Gerbstoffe, die für die Wirkung verantwortlich sind. Sie verbinden sich mit Eiweissbestandteilen der Viren.

Siehe dazu: Was ist Rosmarinsäure?

Von den ätherischen Ölen wirkt auch Pfefferminzöl antiviral gegen Herpesviren.

Bewährt gegen Lippenherpes / Fieberbläschen hat sich auch Honig (mehrmals täglich ein paar Minuten auf einem Stück Gaze anpressen.

Siehe auch:

Phytotherapie: Melissenextrakt bei Herpesinfektionen

Melissenöl hält Herpesviren in Zellkulturen in Schach

Phytotherapie bei Fieberbläschen: Melissenextrakt

Melissenextrakt doppel wirksam gegen Herpes-simplex-Virus (HSV-1)

Naturheilkunde: Was ist Propolis?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Was ist Rosmarinsäure?

Diesen Artikel teilen:

Rosmarinsäure kommt im Pflanzenreich weit verbreitet vor.

Hauptsächlich die Familien der Lamiaceae (Lippenblütler) und Boraginaceaen (Borretschgewächse) sind reich an Rosmarinsäure.

So wurde Rosmarinsäure beispielsweise gefunden in Melisse, Salbei, Rosmarin, Beinwell.

Rosmarinsäure wirkt antiviral, antibakteriell und entzündungswidrig. Sie wird deshalb beispielsweise in Form von Melissenextrakt oder Salbeiextrakt als Salbe gegen Fieberbläschen (Lippenherpes) eingesetzt, außerdem in Form von Beinwell-Salbe oder Beinwell-Gel gegen Sportverletzungen und rheumatischen Gelenkentzündungen.

Rosmarinsäure hemmt die Prostaglandinsynthese (Entzündungshemmung), besitzt antioxidative Eigenschaften und wird leicht über die Haut aufgenommen.

Rosmarinsäure besitzt wie zahlreiche andere Phenolcarbonsäureester gerbende Eigenschaften. Da sie hauptsächlich in Pflanzenarten der Familie Lamiaceen vorkommt, wird sie auch als Lamiaceengerbstoff oder als Labiatengerbstoff bezeichnet (Labiatae ist die veraltete Bezeichnung für Lippenblütler).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Diesen Artikel teilen:

Sind Goldmelisse und Zitronenmelisse botanisch verwandt?

Diesen Artikel teilen:

Diese Frage wird mir in der Phytotherapie-Ausbildung und in Heilpflanzenkursen immer wieder gestellt.

Goldmelisse (Monarda didyma)  und Zitronenmelisse (Melissa officinalis) gehören zwar beide zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae), doch näher verwandt sind sie nicht.

Nachfolgend ausgewählte Angaben dazu aus Wikipedia.

Zur Goldmelisse

„Die Goldmelisse (Monarda didyma), auch Indianernessel, Scharlach-Monarde genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Monarda in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).“

Merkmale der Goldmelisse:

„Die Goldmelisse ist eine ausdauernde krautige Pflanze mit einem Rhizom, die Wuchshöhen von 80 bis 150 Zentimeter erreicht. Die Pflanze duftet nach Zitrone. Die aufrechten Stängel sind vierkantig. Die gegenständigen Laubblätter sind einfach, rau, und nur kurz gestielt. Die Blattspreite weist eine Länge von 15 cm und eine Breite von 5 cm auf. Der Blattrand ist gesägt.

Etwa 30 Blüten stehen in terminalen Blütenständen mit roten Hochblättern zusammen. Die zittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig. Der Kelch ist 10 bis 14 Millimeter lang und am Schlund kahl oder nur schwach behaart. Die rote, behaarte Krone ist 30 bis 45 Millimeter lang. Die Kronenoberlippe ist kahl oder nur spärlich behaart. Es sind nur zwei Staubblätter vorhanden. Der Griffel endet mit zwei Narbenästen.

Die Blütezeit reicht von Juni bis September.“

Vorkommen der Goldmelisse

„Die Goldmelisse kommt im Osten der USA in feuchten Wäldern und Gebüschen vor.“

Nutzung der Goldmelisse

„Die Goldmelisse wird als Zierpflanze genutzt. Die Wildform wird selten, gezüchtete Sorten zerstreut für Rabatten, Staudenbeete und als Schnittblumen verwendet. In Nordamerika wird diese Art darüber hinaus als Heil- und Duftpflanze genutzt. Sie ist seit 1737 oder 1756 in Kultur. Die zahlreichen Sorten sind entweder Abkömmlinge von Monarda didyma oder von Hybriden aus Monarda didyma und Monarda fistulosa. Sie unterscheiden sich in Blütenfarbe, Wuchshöhe und Mehltauresistenz, ein Teil der Sorten hat auffällige Hochblätter.

Die Blätter können frisch und gegart gegessen werden. Mit den Blättern kann man Nachspeisen würzen.

Aus den frischen und getrockneten Blättern und Blütenständen kann man guten Tee („Oswego Tea“) aufgießen.

Die Oswego-Indianer kannten eine Teezubereitungsart. Ende des 18. Jahrhunderts boykottierten amerikanische Kolonisten den aus England eingeführten Tee. Sie tranken Oswego-Tee.

Sehr gut eigenen sich die duftenden Blätter zum Aromatisieren von Tee und Obstsalat. Auch zum Garnieren finden sie Verwendung.“

Zur Zitronenmelisse

„Die Zitronenmelisse oder Melisse (Melissa officinalis) ist eine aus dem östlichen Mittelmeergebiet stammende Pflanzenart aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).“

Inhaltsstoffe der Zitronenmelisse

„Melissenblätter enthalten 4 bis 7 % Hydroxyzimtsäure-Derivate, vor allem Rosmarinsäure (die sogenannten Labiatengerbstoffe), aber auch Chlorogensäure, Kaffeesäure u. a. Ätherisches Öl ist zu 0,05 bis 0,3 %, in Zuchtsorten bis zu 0,8 % enthalten. Die wichtigsten Komponenten sind Citral (mit 40 bis 70 %, als Gemisch aus Geranial und Neral), Citronellal (1 bis 20 %) und β-Caryophyllen (5 bis 15 %). Weitere Bestandteile sind Caryophyllenepoxid, Germacren D, Methylcitronellal, 6-Methyl-5-hepten-2-on, Geranylacetat, α-Copaen und Nerol. Die Zusammensetzung des ätherischen Öls ist von der Herkunft und den Klimabedingungen, vom Erntezeitpunkt und dem Alter der Pflanze abhängig.

Melisse enthält ätherisches Öl (Hauptbestandteile Citral und Citronellal, Linalool, Geraniol und Aldehyde) aber auch Gerbstoffe (hauptsächlich Rosmarinsäure), Bitterstoffe, Harz, Schleimstoffe, Glykoside, Saponine und Thymol. Der Vitamin-C-Gehalt der frischen Pflanze pro 100 Gramm Frischgewicht beträgt 253,0 Milligramm.“

Namensherkunft

„Der Gattungsname Melissa leitet sich vom griechischen meliteion = Zitronen-Melisse ab, das mit meli = Honig (Genitiv melitos) zusammenhängt. Er bezieht sich auf die Nutzung als Bienenweide. Das Art-Epitheton officinalis bedeutet offizinell, als Arznei verwendet.“

Verbreitung der Zitronenmelisse

„Die Zitronen-Melisse ist im Östlichen Mittelmeergebiet und in Westasien beheimatet. Das natürliche Areal reicht von Anatolien über den Kaukasus, Irak und Iran bis Pakistan. Heute wird sie weltweit in den gemäßigten und warmen Zonen kultiviert und verwildert regelmäßig.

In Mitteleuropa ist sie verwildert vor allem auf Waldschlägen und an Forststraßen zu finden.

Sie wächst bevorzugt auf nährstoffreichen, warmen und trockenen Standorten mit humusreichem sandigem Lehm- oder lehmigem Sandboden.“

Nutzung der Zitronenmelisse

„Die Zitronen-Melisse wird als Gewürz-, Arznei- und als Bienenweidepflanze angebaut. Die Blätter werden als Küchengewürz verwendet. Extrakte aus den Blättern werden zu Kräuterlikören verarbeitet. Zum Aromatisieren von kalten Getränken, Salaten und Saucen sowie Kompotten wird Melisse verwendet. Tee und Wein kann man aus ihr herstellen. Melissentee soll beruhigend wirken und verdauungsfördernd sein.

Als Droge werden die Blätter (Melissae folium) verwendet. Die traditionelle Verwendung ist die Unterstützung der Magenfunktion und bei nervlicher Belastung. Präparate wie Teeaufgüsse, Flüssig- oder Trockenextrakte aus der Melisse wirken sedativ und spasmolytisch. Sie werden bei Einschlafstörungen und Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. Häufig werden sie in Teemischungen mit anderen beruhigend wirkenden Drogen eingesetzt. Bäder werden bei Entzündungen der Haut und der Genitalorgane eingesetzt, aber auch als Entspannungsbäder. Weitere Anwendungsgebiete sind Gallenleiden und hypertone Dyskinesie.

Aufgrund des Gehaltes an Phenolcarbonsäurederivaten, v. a. Rosmarinsäure, haben Melissenblätter eine antimikrobielle und antivirale Wirkung. Dies wird in Salben zur Behandlung von Herpes simplex eingesetzt.

In der Volksmedizin wird die Zitronenmelisse auch gegen Erkältungskrankheiten und Kreislaufschwäche eingesetzt.

Im Handel ist reines Melissenöl aufgrund des hohen Preises (rund 6000 EUR pro kg) selten erhältlich, meist sind es Ersatzöle wie Citronellaöl, Lemongrasöl oder Verfälschungen (Indisches Melissenöl).“

(Quelle: Wikipedia)

Kommentar & Ergänzung:

Goldmelissentee wird in der Pflanzenheilkunde als Einschlaftee vor allem für Kinder empfohlen und ist wegen seiner roten Farbe und dem angenehmen Aroma beliebt. Auch Goldmelissensirup kommt zur Anwendung.

Eine Wirksamkeit ist allerdings für Goldmelissentee und Goldmelissensirup nicht dokumentiert. Das spricht nicht gegen den Gebrauch, wenn man Goldmelissentee oder Goldmelissensirup gern hat und danach gut schlafen kann.

Das ätherische Öl in den Goldmelissenblüten ähnelt in der Zusammensetzung an manchen Punkte  dem Thymian. Es enthält zum Beispiel wie Thymian Thymol und Carvacrol.

Goldmelissenblüten sind ziemlich teuer, wenn man sie in der Apotheke oder Drogerie kauft.

Für die Wirkung der Zitronenmelisse als Einschlafmittel gibt es deutlich bessere Belege. Untersucht wurde in dieser Hinsicht vor allem das ätherische Öl. Melissenöl wird über die Atemwege angewendet, als Melissenbad oder als Einreibung gemischt mit fettem Öl oder Bodylotion. Melissentee = Zitronenmelissentee würde ich aus frischen Melissenblättern zubereiten. Die Melissenblätter verlieren beim Trocknen rasch an ätherischem Öl.

Melissenöl und Melissenextrakt sind ausserdem wirksam gegen Herpes-simplex-Viren. Sie werden deshalb bei Lippenherpes (Fieberbläschen) angewendet.

Über’s Ganze gesehen  setzt die Phytotherapie stärker auf die Zitronenmelisse und auf das Melissenöl als auf die Goldmelisse. Goldmelisse wird aber gerne empfohlen als bewährtes Hausmittel und auch als Genusstee.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Diesen Artikel teilen:

Phytotherapie: Bei Fieberbläschen Melissen-Extrakt

Diesen Artikel teilen:

Melissen-Extrakt wird schon seit Jahren in Fieberbläschensalben gegen Herpes-Viren eingesetzt. Eine knappe und fundierte Beschreibung dieser Anwendung publizierte vor kurzem die Zeitschrift „Die PTA IN DER APOTHEKE“ (01/2011). Zitat:

„Zur Behandlung des Lippenherpes gibt es eine gut verträgliche Therapieoption aus der Natur: Die Zitronenmelisse ist eine Heilpflanze mit einer alten Geschichte. Schon lange ist die positive Wirkung von Melissenextrakten aus den Blättern von Melissa officinalis bekannt.“

Und wie genau kommt die Wirkung des Melissenextraktes zustande?

„Die in Melissenblättern enthaltenen wasserlöslichen Lamiaceengerbstoffe haben hochpotente antivirale Eigenschaften. Sie wirken gegen den Virusbefall auf zwei Ebenen, wie eine Studie von Heidelberger Wissenschaftlern (Schnitzler et al. 2008)1) im Zellversuch zeigen konnte: Einerseits blockieren sie die Rezeptoren auf der Oberfläche der Zelle und verhindern so den Eintritt der Viren in die Zelle. Zusätzlich interagieren die Substanzen mit den Viren selber und hemmen so die Anhaftung an die Wirtszelle. Eine Virusvermehrung und der gefürchtete Krankheitsverlauf können nur nach Eintritt in die Zelle stattfinden und werden so verhindert.“

Das Resultat der Studie sei eine hervorragende antivirale Wirkung des Melissenextraktes bei gleichzeitig geringer Zytotoxizität für die behandelten Zellen. Daraus ergebe sich die gute präventive Eigenschaft gegenüber Virusinfektionen, die Aciclovir im Vergleich nicht zeige.

„Außerdem wirken die ätherischen Öle der Melisse leicht antibakteriell. Melissenextrakt induziert in Studien keine Resistenzentwicklung bei den untersuchten Viren.“

Melissenextrakthaltige Cremes werden 2 – 4mal täglich auf die befallene Lippenregion aufgebracht. Diese Melissen-Cremes sind hautverträglich, unterstützen den Heilungsprozess und können auch in Schwangerschaft und Stillzeit sowie im Kindesalter angewendet werden.

Wichtig ist, dass die Melissen-Creme auch auf die scheinbar nicht betroffenen angrenzenden Hautareale aufgetragen wird.

Quelle:

http://www.pta-aktuell.de/themen/news/6792-Gib-Herpes-keine-Chance/

Kommentar & Ergänzung:

Neben den Melissensalben gegen Fieberbläschen werden in der Phytotherapie auch Heilpflanzen-Präparate auf der Basis von Salbeiextrakt und Rhabarberwurzelextrakt angewendet.

Auch Melissenöl (teuer!), Pfefferminzöl und Teebaumöl zeigen eine gute Wirkung gegen Herpesviren.

Alle lokalen antiviralen Behandlungen sind allerdings nur wirksam im frühen Stadium der Herpes-Infektion.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Phytotherapie: Melissenextrakt bei Herpesinfektionen

Diesen Artikel teilen:

Lippenherpes (Fieberbläschen) und Genitalherpes sind häufige und lästige Erkrankungen. Die Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie veröffentlichte zu diesem Thema einen Text von Dr. Rainer H. WÖLBLING.

Zitat:

„Neben anderen Pflanzenextrakten aus der Familie der Lippenblütler konnten bereits 1978 erstmals für Melisse (Melissa officinalis L.) virusstatische Effekte bei Herpes simplex Typ I und Typ II nachgewiesen werden. In neueren Studien wurde dies bestätigt……..Die klinische Wirksamkeit konnte in placebo-kontrollierten, randomisierten Studien mehrfach belegt werden. Insbesondere bei frühem Beginn der Behandlung ließ sich eine signifikante Beschleunigung der Abheilung bzw. ein Rückgang des Befallsareals nachweisen. Bei den lokal begrenzten Herpesinfektionen zeigt sich darüber hinaus auf Grund der Rezeptorblockierung ein Vorteil gegenüber der lokalen Anwendung von Nukleosidanaloga. Die Prävention von Herpes simplex Eruptionen stellt eine besondere Indikation für die Anwendung von Melissenextrakt dar. Vorbeugende Rezeptorblockade an den Wirtszellen, aber auch, wie kürzlich nachgewiesen, die direkte Interaktion mit dem Herpes Virus, limitieren die Ausbreitung der Infektion im neuronal assoziierten Hautareal. Präventive und kurative Therapie bei lokalisiertem Herpes simplex im Lippen- sowie im Genitalbereich kann daher bei einfacher lokaler Anwendung mit Rezeptorblockern vom Typ der Melisse erfolgen.“

(Quelle: PHYTO Therapie  Nr. 5|2010 )

Kommentar & Ergänzung:

Salbe mit Melissenextrakt gilt in der Phytotherapie schon seit längerem als gut belegte Therapieoption bei Fieberbläschen. Wirksam ist bei dieser Anwendung die Rosmarinsäure (Lamiaceen-Gerbstoff). Ebenfalls antiviral gegen Herpesviren wirksam ist das Melissenöl, das aber einen anderen Wirkungsmechanismus hat.

Klar ist: Wie alle lokalen antiviralen Massnahmen bei Lippenherpes nützt Melissenextrakt nur im Frühstadium.

Interessant an obigem Zitat scheint mir vor allem, dass darin viel Gewicht gelegt wird auf die Möglichkeit vorbeugender Anwendung von Melissenextrakt-Salbe. Das dürfte ein nützlicher Hinweis sein für Menschen, die häufig unter Fieberbläschen / Lippenherpes leiden.

Allerdings gibt es bei diesem Thema kein Wundermittel, welches nach dem Auftragen die Herpesinfektion sofort stoppt. Auch von der Melisse kann nur eine gewisse Beschleunigung des Abheilens erwartet werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Herpesviren mit Melissenöl und Teebaumöl stoppen

Diesen Artikel teilen:

Ob Herpes labialis (Fieberbläschen) oder Herpes genitalis (Genitalherpes):

Verschiedene ätherische Öle hemmen die auslösenden Viren. Im Vordergrund stehen Melissenöl und Teebaumöl.

Gerade für Patienten mit häufig wiederkehrenden Herpes-Erkankungen könnten die ätherischen Öle eine interessante Lokaltherapie darstellen.

Herpesinfektionen werden oft mit der antiviralen Substanz Aciclovir oder verwandten Medikamenten behandelt. Allerdings gibt es zunehmend Virusstämme, die gegen die üblichen antiviralen Mittel resistent sind, was hauptsächlich für Patienten mit Immundefekt problematisch ist. Vor diesem Hintergrund gewinnen antivirale und antimikrobielle Extrakte und ätherische Öle aus Heilpflanzen zunehmend an Bedeutung, stellt Prof. Dr. Jürgen Reichling vom Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie an der Universität Heidelberg fest.

Speziell unangenehm sind Infektionen mit dem Herpes-simplex-Virus (HSV) Typ 1, das zur schmerzhaften Gingivostomatitis herpetica und zu rezidivierendem (wiederkehrendem) Lippenherpes (Fieberbläschen) führt. HSV Typ 2 wird sexuell übertragen und ist der häufigste Auslöser für Herpeserkrankungen im Genitalbereich.

Prof. Reichling und sein Team untersuchten in vitro ( = im Reagenzglas) an Zellen, auf denen Herpesviren kultiviert wurden, wie Melissenöl auf HSV-1 und HSV-2 wirkt. Wurde das Melissenöl in nichtzytotoxischen Konzentrationen hinzugefügt, reduzierte sich die Bildung von Virusplaques signifikant um 98,8 % (HSV-1) bzw. um 97,2 % (HSV-2). Bei höheren Konzentrationen ließ sich fast keine Virusinfektiosität mehr feststellen.

Ätherisches Öl aus Zitronenmelisse übt eine direkte antivirale Wirkung auf Herpesviren aus. Weil das Melissenöl lipophil (fettliebend) ist und in die Haut eindringen kann, eignet es sich möglicherweise zur Lokalbehandlung von Herpesinfektionen.

Nicht nur die Zitronenmelisse (Melissa officinalis) hat heilsame ätherische Öle zu bieten. Interessant ist ebenfalls das Teebaumöl, welches antiviral wirkt und für die Lokalbehandlung des Herpes genitalis vielversprechend sein dürfte.

Quelle:

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=100576&dspaid=819103

Kommentar & Ergänzung:

Antiviral gegen Herpesviren wirkt nicht nur Melissenöl, sondern auch Melissenextrakt. Er verhindert durch Rezeptor-Blockade das Eindringen des Virus in noch nicht infizierte epidermale Wirtszellen.  Diese virustatischen Eigenschaften werden den glykosidisch gebundenen Phenolcarbonsäuren und  deren Polymeren zugeschrieben.

Auch Salbeiextrakt und Rhabarberwurzel-Extrakt zeigen gute Effekte gegen Herpesviren und werden gegen Lippenbläschen (Fieberbläschen) eingesetzt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Melissenextrakt doppelt wirksam gegen Herpes-simplex-Virus (HSV-1)

Diesen Artikel teilen:

Trockenextrakte aus Melissa officinalis werden in Form von Salben gegen Lippenherpes eingesetzt. Bekannt ist schon längere Zeit, dass Melissenextrakt antivirale Eigenschaften entfaltet: Spezielle Inhaltsstoffe wie zum Beispiel die Kaffeesäurederivate verhindern das Eindringen der Herpesviren in die Zelle durch Rezeptorblockade.

Forscher des Universitäts-Klinikums Heidelberg haben anhand einer Untersuchung an tierischen Zellen gezeigt, dass der Extrakt auch direkt mit dem Virus interagiert. Melissenextrakt schränkt dessen Fähigkeit ein, in die Wirtszelle einzudringen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gp_specials/special-otc/article/551769/melissenextrakt-doppelt-wirksam-hsv-1.html

Kommentar & Ergänzung:

Melissenextrakt hat sich schon in mehreren Untersuchungen als wirksam gegen Herpes-simplex-Viren erwiesen., auch in klinischen Studien mit Fieberbläschen-Patienten. Die Phytotherapie-Forschung versucht aber nicht nur die Wirkung von Heilpflanzen zu belegen, sondern auch zu verstehen, wie diese Wirkung zustande kommt. Bezüglich Melissenextrakt & Herpesviren haben die Forscher der Universität Heidelberg einen weiteren Schritt geklärt.

Beim Thema Lippenherpes / Fieberbläschen muss man allerdings auch die Grenzen der lokalen antiviralen Therapie sehen. Solche antiviralen Salben gegen Fieberbläschen wirken nur im Anfangsstadium. Salben mit Melissenextrakt zeigen sich in Studien an Patienten mit Lippenherpes etwa in vergleichbarem Mass wirksam wie das synthetische Mittel Zovirax (Aciclovir). Und da der Erfolg von Zovirax ja auch nicht gerade umwerfend ist, darf man auch von einem Melissenextrakt-Präparat keine Wunder erwarten. Ein Wundermittel, mit dem sich Fieberbläschen wegzaubern lassen, ist leider nicht in Sicht.

Im übrigen gibt es noch weitere Heilpflanzen-Präparate gegen Fieberbläschen auf der Basis von Salbei-Extrakt und Rhabarberwurzel-Extrakt.

Ausserdem zeigen verschiedene ätherische Öle bei Fieberbläschen gute Wirkung gegen die Herpesviren (z. B. Melissenöl, Pfefferminzöl).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Melissenöl hält Herpes-Viren in Zellkulturen in Schach

Diesen Artikel teilen:

Bereits die Kräutermedizin des Mittelalters setzte bei Entzündungen auf die Zitronenmelisse. Jetzt konnten Wissenschaftler am Universitätsklinikum und der Universität Heidelberg zeigen, dass sie das Herpesvirus, das bei rund 20 Prozent der Bevölkerung Entzündungen an der Lippe (Lippenherpes, Fieberbläschen) hervorruft, im Reagenzglas in Schach halten kann. Die Wissenschaftler wurden für diese Arbeit im November 2008 mit dem Sebastian-Kneipp-Preis 2008 ausgezeichnet.

Der mit 10‘000 Euro dotierte Preis ging zu gleichen Teilen an das Forscherteam Privatdozent Dr. Paul Schnitzler, Abteilung Virologie des Hygiene-Instituts am Universitätsklinikum Heidelberg, und Professor Dr. Jürgen Reichling, Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie der Universität Heidelberg, und Professor Dr. Veronika Butterweck, University of Florida, USA, für ihre Studien zur angstlösenden Wirkung von Arzneipflanzen.

Seit acht Jahren überprüfen die Heidelberger Wissenschaftler die therapeutische Wirkung von Heilpflanzen, welche in historischen Schriften überliefert ist: „Wir fanden heraus, dass Extrakte von Heilpflanzen in Zellkulturen effektiv die Infektion mit verschiedenen Bakterien, Herpesviren, Erkältungsviren und Hefepilzen eindämmen können“, stellt Professor Reichling fest. Als wirksam zeigten sich ätherische Öle aus Kamille, Rosmarin, Pfefferminze, Manuka- und Teebaum sowie wässrige oder alkoholische Extrakte aus Melisse, Salbei oder Pfefferminze. Die Heidelberger Forscher identifizierten zudem die Inhaltsstoffe, welche den Krankheitserreger entgegenwirken. Die Naturstoffe sind auch darum interessant, weil die Krankheitserreger in zunehmendem Maße resistent gegen Antibiotika oder Anti-Viren-Mittel werden.

Ätherisches Öl aus Zitronenmelisse blockiert Befall der Zellen mit Herpesviren

Aktuell sind die Untersuchungen zur Zitronenmelisse: Melissenöl reduziert die Infektion einer Zellkultur mit Herpes-Viren um mehr als 97 Prozent, indem es die Viren vor dem Befall der Zellen blockiert. Diese Resultate wurden 2008 im Fachjournal „Phytomedicine“ publiziert. Weil die ätherischen Öle gut in der Haut resorbiert werden, ist eine einfache äußerliche Anwendung denkbar. Zudem wirken die ätherischen Öle schon in so kleinen Konzentrationen, dass schädliche Nebenwirkungen für den Körper bisher selten beobachtet wurden.

Erste klinische Tests, welche von australischen Medizinern mit Teebaumöl durchgeführt wurden, zeigen den Nutzen einer Salbentherapie. Allerdings steht der Beleg für die Wirksamkeit in einer klinischen Studie noch aus. Die Heidelberger Wissenschaftler sind mit den Medizinern des Universitätsklinikums Heidelberg nun im Gespräch, um die Wirksamkeit der Zitronenmelisse klinisch zu testen (klinisch = am Patienten, im Gegensatz zu den Untersuchungen mit Zellkulturen).

Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) hat neben der Wassertherapie, für die er vor allem bekannt ist, unter anderem auch grossen Wert auf die Anwendung von Heilpflanzen gelegt. Die mit dem Kneipp-Preis ausgezeichneten Untersuchungen tragen dazu bei, das therapeutische Wirkungsspektrum verschiedener Heilpflanzen genauer zu untersuchen und wissenschaftlich zu untermauern.

Literatur:

Schnitzler P., Schuhmacher A., Astani A., Reichling J. (2008) Melissa officinalis oil affects infectivity of enveloped herpesviruses.
Phytomedicine, 15, 734-40.

Schnitzler P., Koch C., Reichling J. (2007) Susceptibility of drug-resistant clinical HSV-1 strains to essential oils of ginger, thyme, hyssop and sandalwood.
Antimicrob. Agents Chemother., 51, 1859 – 1862.

Reichling J., Suschke U., Schneele J., Geiss H.K. (2006) Antibacterial activity and irritation potential of selected essential oil components – structure-activity relationship.
Nat. Prod. Comm. 11, 1003-1012.

Nolkemper S., Reichling J., Stintzing F.C., Carle R., Schnitzler P. (2006) Antiviral effect of aqueous extracts from species of the Lamiaceae family against herpes simplex virus type 1 and type 2 in vitro.
Planta Med. 72, 1378 – 1382.

Klinische Studie:
CF Carson et al.: Melaleuca alternifolia (tea tree) oil gel 6%) for the treatment of recurrent herpes labialis, J Antimicrob Chemother 2001; 48: 450 – 451

Quelle: Pressemitteilung Universitätsklinikum Heidelberg

Kommentar:

Herpescremen auf der Basis von Melissenextrakt sind schon seit längerem auf dem Markt. Dort wird die antivirale Wirkung aber auf den “Lamiaceen-Gerbstoff” zurückgeführt.
Erfreulich, dass sich eine Forschungsgruppe mal intensiv mit den antiviralen Eigenschaften von Melissenöl befasst hat. Ein Nachteil von echtem Melissenöl ist allerdings sein sehr hoher Preis.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen: