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Phytotherapie als Standardtherapie bei funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen

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An der Dreiländertagung Phytotherapie 2016 befasste sich Olaf Kelber in einem Vortrag mit dem Thema „Phytotherapie als Standardtherapie – Wunsch oder Wirklichkeit“.

Der geläufigen Auffassung nach liege Phytotherapie als Standardtherapie 200 Jahre zurück, in einer Zeit, als chemisch definierte Arzneimittel noch nicht erfunden waren.

Doch habe es sich durchaus als möglich erwiesen, dass pflanzliche Präparate auch heute noch zur Standardtherapie avancieren, wenn gewisse Voraussetzungen gegeben sind – wie insbesondere eine gute Studienlage.

Ein aktuelles Beispiel erwähnt Kelber die Therapie der funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen:

„Als Standardtherapie hatten sich in den 80er- und 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Prokinetika durchgesetzt, also Präparate wie Cisaprid, Metoclopramid und Domperidon, die insbesondere an Serotoninrezeptoren angreifen. Im Jahr 2000 fiel hier Cisaprid, 2014 Metoclopramid und Domperidon wegen seltener schwerwiegender Nebenwirkungen weg. Das Phytopharmakon Iberogast, für das in Studien schon 1984 die Vergleichbarkeit mit Metoclopramid, 2002 mit Cisaprid gezeigt worden und das schon 1999 bzw. 2001 in die ärztlichen Leitlinien aufgenommen worden war, nimmt nun in vielen Fällen den Platz dieser Therapien ein.“

Quelle:

Zeitschrift für Phytotherapie 2016; 37 – V02

DOI: 10.1055/s-0036-1584427

 

Kommentar & Ergänzung:

Iberogast ist tatsächlich eine Erfolgsgeschichte, was die Aufnahme in ärztliche Leitlinien betrifft. Bei Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, Blähungen, Magen-Darm-Krämpfen, Übelkeit und Sodbrennen bewährt sich das Präparat.

Speziell an Iberogast ist seine Zusammensetzung aus neun verschiedenen Heilpflanzen:

 

Schleifenblumen-Extrakt

Engelwurz-Extrakt

Mariendistel-Extrakt

Kümmel-Extrakt

Schöllkraut-Extrakt

Süssholz-Fluidextrakt

Kamillenblüten-Fluidextrakt

Melissenblätter-Fluidextrakt

Pfefferminzblätter-Fluidextrakt

 

Das ist ungewöhnlich, weil moderne Phytopharmaka in der Regel nur noch aus 1 – 2 Heilpflanzen-Extrakten zusammengesetzt sind. Mischt man zu viele Pflanzen in ein Präparat, werden die Wirkstoffe der einzelnen Pflanzen nur noch in ungenügender Menge zugeführt. Konzentriert man sich dagegen auf einen oder wenige Bestandteile, erreicht man für die einzelnen Wirkstoffe höhere Spiegel.

Bei Iberogast funktioniert aber offenbar diese Mischung aus neun Pflanzen. Das zeigen jedenfalls klinischen Studien.

Es handelt sich dabei um eine typische Multi-Target-Therapie.

Siehe dazu:

Phytotherapie: Auf die Mischung kommt es an

Der Referent Olaf Kelber ist im Übrigen nicht ohne Interessensbindungen bezüglich Iberogast. Er arbeitet für den Iberogast-Hersteller Steigerwald.

Steigerwald gehört zu den bedeutenden Phytopharmaka-Herstellern in Deutschland und wurde 2013 von Bayer übernommen. Das war eine freundliche Übernahme. Die Besitzerfamilie wollte Bayer als Käufer.

Siehe dazu:

Bayer übernimmt Phytopharmaka-Hersteller Steigerwald

Das Beispiel zeigt übrigens, dass es nicht die scharfe Trennlinie zwischen Naturheilmittelherstellern einerseits und der „Pharmaindustrie“ andererseits gibt.

Und es ist auch nicht so, wie es leicht verschwörungstheoretisch angehaucht oft dargestellt wird, dass die böse Pharmaindustrie die Naturheilmittel-Hersteller kaputt machen will. Die Pharmaindustrie hat keine ideologische Feindschaft gegenüber Naturheilmitteln. Sie verkauft auch Phytopharmaka, wenn sie darin ein lohnendes Geschäftsfeld sieht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Gut geprüfte Phytopharmaka behaupten ihren Platz unter den Arzneimitteln

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Dass gut geprüfte, evidenzbasierte Phytopharmaka ihren festen Platz im Arzneimittelsortiment haben, weil sie zuverlässig wirken und nicht zufällig, zu diesem Schluss kamen die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion unter Leitung von Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Frankfurt, an der Pharma World.

Auf dem Podium wirkten mit Professor Dr. Michael Habs von der Dr. Willmar Schwabe GmbH, Professor Dr. Theo Dingermann von der Universität Frankfurt am Main und Dr. Harel Seidenwerg von Bionorica Deutschland.

Professor Habs unterstrich die Bedeutung universitärer und klinischer Forschung: Empathie müsse sich mit Wissenschaftlichkeit verbinden, damit die rationale Phytotherapie eine Zukunft habe.

Prof. Dingermann wies auf die Vielfalt der Produkte hin.

Vielfach spreche man einfach nur von Baldrian- oder Johanniskraut-Produkten. Der relevante pharmazeutische Rohstoff sei jedoch die Droge (= die getrocknete Heilpflanze), aus dem in einem speziellen Prozess ein Extrakt hergestellt wird, der als Wirkstoff gilt. Dieser Prozess ermöglicht gemäss Dingermann ein «Höchstmaß an Komplexität» und führe zu sehr heterogenen Produkten.

Schubert-Zsilavecz stellte fest, dass infolge der wissenschaftlichen Prüfung von Phytopharmaka diese vermehrt Aufnahme in aktuelle Therapieleitlinien finden.

Professor Habs begrüßte diese Entwicklung und sagte, dass kein Weg an guter Forschung vorbei führe, um in Leitlinien zu kommen.

Nach Habs liegt ein großer Wachstumsmarkt für Phytopharmaka in China, Indien oder Ländern in Südamerika.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=60002

Kommentar & Ergänzung:

Mit Bionorica und Willmar Schwabe waren auf diesem Podium zwei führende forschende Phytopharmaka-Hersteller vertreten und mit Professor Dingermann eine Top-Koryphäe der universitären Arzneipflanzenforschung.

Insofern ist es keine Überraschung, dass sich die Herren für die Phytopharmaka-Forschung stark machen.

Erläuterung verdient der Hinweis von Dingermann auf die Vielfalt der Phytopharmaka.

Tatsächlich gibt es grosse Qualitätsunterschiede bei Präparaten aus Heilpflanzen. Wo zum Beispiel „Baldrian“ draufsteht, kann sehr unterschiedlich viel Baldrian drin sein. Auf die Beratung in Apotheken oder Drogerien kann man sich diesbezüglich meiner Erfahrung nach sehr oft nicht verlassen. Es wird häufig nicht das am besten wirkende Präparat verkauft, sondern entweder das lukrativste, oder einfach das Lieblingspräparat der Verkaufsperson. X-mal erlebt.

Deshalb ist es mir wichtig, in meinen Weiterbildungen und Ausbildungen die Unterschiede zwischen den verschiedenen Heilpflanzen-Präparaten zu vermitteln, damit die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen, die Qualität selber zu beurteilen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Phytopharmaka gehören in die Leitlinien

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Phytopharmaka tauchen bisher kaum in wissenschaftlich fundierten Therapieleitlinien auf. Doch sie sollten in der Evidenzbasierten Medizin (EbM) eine größere Rolle spielen, sagte Professor Dr. Theo Dingermann, Frankfurt am Main, an einer Pressekonferenz des Komitee Forschung Naturmedizin (KFN) in München.

Er findet es wichtig, dass hochwertige Pflanzenpräparate in Studien gut geprüft und in Leitlinien aufgenommen werden. Bei richtiger Indikation und reproduzierbarer Qualität seien Phytopharmaka eindeutig wirksam. Sie seien zudem in der Regel gut verträglich und würden von den Patienten in hohem Maß akzeptiert.

Dingermann sprach sich dafür aus, pflanzliche Arzneimittel nicht auf die Pflanze zu reduzieren. Die Pflanze liefere nur den Rohstoff für ein Arzneimittel.

Doch erst der Extraktions- und Verarbeitungsvorgang führe zum Wirkstoff, sagte der Pharmazeutische Biologe. Der Extrakt sei der Wirkstoff. Über die Entwicklungsnummer beziehungsweise den Produktcode seien Spezialextrakte eindeutig identifizierbar, erklärte Dingermann und nannte als Beispiel die Spezialextrakte EGb761, STW 3-VI und BNO-1055. Diese Produktcodes sollten seiner Ansicht nach besser bekanntgemacht werden.

Eng spezifizierte Spezialextrakte aus Arzneipflanzen sollten vermehrt für die Aufnahme in Leitlinien überprüft werden, wenn sie in klinischen Studien ihre Wirksamkeit belegt haben, verlangte Professor Dingermann. Dann hätten sie die Kriterien der Evidenzbasierten Medizin erfüllt. Gegenwärtig sind in Leitlinien nur wenige Phytopharmaka aufgeführt, bei denen es sich hauptsächlich um Kombinationspräparate handelt.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=44450

 

Kommentar & Ergänzung:

Für Studien braucht es Geld. Firmen investieren fast nur in Forschung für Spezialextrakte, die sie patentieren können. So werden nur patentierte Spezialextrakte in die Leitlinien kommen.

Natürlich ist es zu begrüssen, wenn Firmen für ihre Spezialextrakte Geld in die Forschung investieren. Schade ist allerdings, dass auf diese Weise kein Geld fliesst für die Erforschung von einfacheren Arzneiformen wie Kräutertees, die sich nicht patentieren lassen.

Manchmal spricht nämlich viel dafür, dass ein Kräutertee wirksamer ist als ein viel teurerer Spezialextrakt. In anderen Fällen ist aber der Extrakt überlegen.

Daraus wird ersichtlich, dass es in der Phytotherapie nicht nur darauf ankommt, welche Heilpflanze bei welchen Beschwerden oder Krankheiten angewendet werden soll, sondern immer auch, welches jeweils die beste Form ist (z. B. Kräutertee, Pflanzentinktur, Frischpflanzensaft, Pflanzenextrakt). Wenn Sie darüber Fundiertes lernen möchten, dann können Sie das in einem meiner Lehrgänge (Heilpflanzen-Seminar, Phytotherapie-Ausbildung).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Malaria-Forschung mit Heilpflanzen

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Klinische Studien lohnen sich auch für Heilpflanzen, sie sind sogar nötig, weil sich nur mit wissenschaftlichen Daten zuverlässige Dosierungen und Nebenwirkungen feststellen lassen. Und nur geprüfte Mittel schaffen es in offizielle Empfehlungen und Leitlinien, erklärte Professor Dr. Merlin Willcox von der Universität Oxford beim Kongress der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoffforschung im portugiesischen Guimarães.

Gerade in Anbetracht vernachlässigter Krankheiten in Entwicklungsländern bräuchte man kostengünstige, zuverlässige Alternativen aus der Natur, betonte der Arzt und Wissenschaftler.

Dabei stellt sich aber die Frage, für welche Pflanze sich der Aufwand lohnt? Gegen Malaria zum Beispiel kommen weltweit rund 1200 verschiedene Pflanzenarten zur Anwendung. Allein in Mali fanden Willcox und sein Team 66 Pflanzenarten in 166 Rezepturen. Die Forscher schauten deshalb zunächst retrospektiv, welche traditionelle Behandlung bei leichter Malaria scheinbar geholfen hatte und wählten zur genaueren Untersuchung die Pflanze Argemone mexicana aus, den Mexikanischen Stachelmohn.

Dann ließen die Wissenschaftler den örtlichen Heiler die Pflanze in drei verschiedenen Dosierungen verordnen.

Dem Großteil der Kinder mit mittlerer bis hoher Dosis ging es nach sieben Tagen besser und die Parasitenlast im Blut hatte sich deutlich vermindert.

Bei der höchsten Dosierung traten allerdings Auffälligkeiten im EKG auf. Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Samen der Mohnpflanze giftig wirken können und deshalb vor der Zubereitung eines Tees entfernt werden sollten.

Im nächsten Schritt führten die Forscher eine randomisierte, kontrollierte Studie durch. Die Kinder bekamen entweder eine Artemisinin-kombinierte Standardtherapie (ACT) oder zweimal täglich eine Tasse Tee aus der Mohnpflanze. Bei 89 Prozent der Kinder trat eine klinische Verbesserung ein gegenüber 95 Prozent unter ACT, wobei aber der Tee bessere Verträglichkeit zeigte.

Im nächsten Schritt suchten die Wissenschaftler nach den aktiven Substanzen der Pflanze und stiessen dabei auf die Alkaloide Berberin, Protopin und Allocryptopin.

Allerdings sind diese Alkaloide schlecht bioverfügbar und ließen sich kaum im Blut nachweisen, so dass die Forscher nicht wissen, wie die Pflanze wirkt.

Den Wirkungsmechanismus zu kennen wäre aber nützlich für einen möglichst standardisierten Eigenanbau. Die Wissenschaftler wollen nämlich kein neues, patentgeschütztes Arzneimittel entwickeln, sondern ein zuverlässiges, erschwingliches, verbessertes Phytopharmakon für die Menschen in armen Regionen. Der ganze Vorgang habe sechs Jahre gedauert und etwa 400 Millionen Euro gekostet – ein Bruchteil der üblichen Entwicklungskosten für Medikamente in der Pharmaindustrie. Die Nutzung der Pflanze sei inzwischen gestiegen – als Ergänzung der üblichen Malariatherapeutika, nicht als Ersatz.

Wissenschaftler sollten ihre Vorurteile gegenüber traditioneller Pflanzen überdenken und mehr wissenschaftliche Evidenz schaffen, fordert Willcox. Die Forschungsinitiative für traditionelle Malaria-Methoden setzt sich deshalb dafür ein, dass mehr solcher Studien durchgeführt werden.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=53948

Forschungsinitiative für traditionelle Malaria-Methoden (Ritam):

http://giftsofhealth.org/ritam/

Kommentar & Ergänzung.

Da die Resistenzen gegen bisherige Malariamittel zunehmen, ist solche Forschung sehr erwünscht.

Siehe auch:

Malaria-Forschung: Afrikanische Heilpflanzen im Fokus 

Die Forschung rund um Argemone mexicanae ist allerdings nicht völlig neu.

Siehe:

Antenna erforscht traditionelles Heilpflanzen-Wissen

Ein bisschen irritierend finde ich die 400 Mio. Euro, die der ganze Prozess gekostet haben soll. Diese horrende Summe kann sich kaum nur auf das beziehen, was hier beschrieben wird an Forschung bezüglich Argemone mexicana. So teuer wird das nicht gewesen sein. Vielleicht bezieht sich die Zahl auf die gesamte Forschung des Ritam.

Und im übrigen sind die Informationen über die Studien in dieser Meldung sehr spärlich und daher wenig aussagekräftig. So wird zum Beispiel nicht einmal klar, wie viele Probanden teilgenommen haben. Verlassen würde ich mich auf solche Angaben jedenfalls nicht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Palliative Care: Linderung von Atemnot und Husten

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Atemnot und Husten sind häufige belastende Symptome bei Patientinnen und Patienten in der Palliative Care.

Claudia Bausewein und Steffen T. Simon haben durch Literaturrecherche und mit Berücksichtigung nationaler und Internationaler Leitlinien sowie eigener Erfahrungen zusammengetragen und bewertet, was sich zur Linderung von Atemnot und Husten bei Patientinnen und Patienten in der Palliative Care bewährt hat.

Hier die zusammengefassten Ergebnisse:

„Allgemeinmaßnahmen umfassen Beruhigung, Erstellung eines Notfallplans, körperliche Aktivität und Entspannungsübungen. Unterstützende nichtpharmakologische Maßnahmen können die Nutzung eines Rollators (Evidenzgrad 1−), ein kühler Luftzug, beispielsweise durch einen Handventilator (Evidenzgrad 1−), oder Physio- und Atemtherapie sein. Opioide sind die Medikamente der Wahl mit guter Evidenz (Evidenzgrad 1+), Benzodiazepine werden häufig verwendet, zeigten in einer Metaanalyse aber keine statistisch signifikante Wirksamkeit (Evidenzgrad 1+). Bei Husten mit ausgeprägter Schleimbildung helfen Protussiva zur Schleimlösung. Antitussiva unterdrücken den Hustenreflex peripher und zentral (Evidenzgrad 1+ bis 3). Zentral wirksam sind Opioide, Morphin (Evidenzgrad 1−), sowie Dextrometorphan (Evidenzgrad 1−) mit guter antitussiver Wirkung und geringer Toxizität.“

Im Artikel, der auf aerzteblatt.de publiziert wurde, werden die einzelnen Massnahmen genauer erläutert und vorgestellt.

Sie finden den meines Erachtens sehr informativen Text hier:

http://www.aerzteblatt.de/archiv/145226/Atemnot-und-Husten-bei-Palliativpatienten

Mich selber haben in diesem Beitrag vor allem auch die nichtmedikamentösen Massnahmen interessiert – zu Beispiel der Handventilator.

Bei den auswurffördernden Mitteln wird unter anderem auch der „Thymian-Hustensaft“ erwähnt. Dass er gleichzeitig als Beispiel für die *reizlindernden Mittel“ aufgeführt wird, ist eher fragwürdig. Thymian gilt als schleimlösend und allenfalls krampflösend auf die Bronchien – es kommt auf die Anwendungsforma an – aber als reizlindernd gilt er in der Phytotherapie-Fachliteratur nicht.

P. S. Falls Sie im Bereich Palliative Care tätig sind: Am 23. Oktober 2013 findet in Winterthur das nächste Tagesseminar statt zum Thema „Heilpflanzen-Anwendungen in Onkologiepflege und Palliative Care“. Infos dazu im Kurskalender.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Psychiater kritisieren übermässige Medikamenten-Verschreibung an ADHS-Kinder

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Medikamente allein sind keine Lösung.

Fachärzte sind der Meinung, dass Kindern und Jugendlichen viel zu häufig Arzneimittel gegen die Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung ADHS verschrieben werden. Am Jahreskongress der Gesellschaft der Kinder- und Jugendpsychiater in Rostock wurde der Vorwurf geäussert, dass die Hälfte der Rezepte von Kinderärzten und Hausärzten stammten, die nicht immer gründliche Diagnosen stellten.

Es gebe keine Zweifel, dass die Arzneien für die richtigen Patienten eine positive Wirkung hätten, erklärte Jörg Fegert, ärztlicher Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Universität Ulm. Er forderte jedoch alle Ärztinnen und Ärzte auf, bei der Verschreibung die Leitlinien streng zu beachten. Manche Mediziner würden Medikamente nur verschreiben, um zu prüfen, ob sie etwas bringen. Nach den Vorstellungen der Psychiater müsste die medikamentöse Therapie jedoch in ein mehrstufiges Behandlungskonzept gegen ADHS eingebunden sein.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=199134

Kommentar & Ergänzung:

Vor allem um das Präparat Ritalin tobt eine heftige Auseinandersetzung, die manchmal fast Züge eines Glaubenskrieges annimmt.

Die stark gestiegene Zahl der Ritalin-Verschreibungen bei Kindern wirft meinem Eindruck nach zu Recht kritische Fragen auf. Gleichzeitig finde ich es aber falsch, Ritalin pauschal zu verteufeln, wie es zum Teil in der Komplementärmedizin geschieht. Es mag  nämlich durchaus Situationen geben, in denen Ritalin eine adäquate Hilfe ist. Aber die Indikation muss sehr sorgfältig und eng gestellt werden. Ein solches Medikament darf nicht so locker verschrieben werden,  dass es  quasi einfach zur besseren Alltagsbewältigung bei schwierigen Kindern zur Anwendung kommt.

Die stark gestiegenen Verschreibungszahlen deuten aber darauf hin, dass solche Fälle wohl nicht selten vorkommen.

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Phytotherapie: Pflanzenmedizin gegen Husten

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ ( Nr. 7 / 2012) fasst aktuelle Empfehlungen bezüglich Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten zusammen:

„Atemwegsinfekte sind der häufigste Anlass für Krankschreibungen. Gerade gegen Husten bietet die Pflanzenmedizin aber gut verträgliche Hilfen an, deren Evidenz inzwischen auch in Leitlinien wissenschaftlicher Gremien Anerkennung fand. So hat die Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin gleich zwei Pflanzenkombinationen in ihre Therapieempfehlungen aufgenommen, die in der Leitlinie zu »Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten« genannt werden. Sie stufte die Wirksamkeit von Thymiankraut und Efeublättern und Thymiankraut und Primelwurzeln als wissenschaftlich nachgewiesen ein. Ursache eines akuten Hustens sind fast immer Viren. Eine antibiotische Therapie – die bekanntlich nur gegen Bakterien wirken kann – ist deshalb nur in Ausnahmefällen indiziert. Die pflanzlichen Präparate bewirken dagegen erwiesenermaßen eine schnellere Linderung des Hustens im Vergleich zu Placebo.

Als schleimlösende Mittel (Expectorantien) werden von den Lungen- und Atemwegsspezialisten Extrakte aus Anis, Myrtol, Pfefferminz, Eukalyptus, Thymian, Efeublättern und Primelwurzeln aufgezählt. Hustenstillende Eigenschaften weisen laut Leitlinie Extrakte aus Thymian, Spitzwegerich, Drosera und Wollblumen auf. Allerdings entsprechen längst nicht alle Präparate, die derartige Pflanzen enthalten, den geforderten wissenschaftlichen Qualitätskriterien. Fragen Sie dazu Ihren Apotheker. Pflanzliche Hustenmittel gelten auch in der Behandlung von Kindern als besonders geeignet.“

Kommentar & Ergänzung:

Diese Empfehlungen in den Leitlinien sind erfreulich und nachvollziehbar. Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten können es jedenfalls oft auch aus einem wissenschaftlichen Blickwinkel bei einer Gesamtbetrachtung durchaus mit synthetischen Präparaten aufnehmen.

Bei den synthetischen Expectorantien (Schleimlöser) ist zum Beispiel beim Klassiker N-Acetylcystein (Fluimucil) die Studienlage sehr widersprüchlich und die Wirksamkeit nicht eindeutig belegt, obwohl das Präparat oft verkauft und eingenommen wird.

Bei den synthetischen Antitussiva (Hustenstiller) unterscheidet man Opioide (Wirksamkeit ungenügend geklärt, Risiko von Nebenwirkungen) und Nicht-Opioide (Wirksamkeit ungenügend geklärt):

– Opioide Antitussiva wie Codein, Dextromethorphan, Dihydrocodein, Pholcodin, Hydrocodon, Noscapin, Ethylmorphin und Opium sollen den Hustenreiz zentral im Gehirn blockieren. Insbesondere Codein und Dextromethorphan sind in zahlreichen Medikamenten enthalten und werden oft angewendet. Ob sie jedoch tatsächlich wirksam sind, ist umstritten und in klinischen Studien bisher nicht zweifelsfrei belegt. Opioide können unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Atemdepression und Verstopfung verursachen. Ausserdem kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.

– Nicht-opioide Antitussiva wie Butamirat, Butetamat, Levodropropizin und Morclofon sind chemisch nicht mit den Opioiden verwandt und sind daher frei von opioiden unerwünschten Wirkungen. Sie sind jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend dokumentiert und moderne Zulassungsstudien fehlen.

Berücksichtigt man sowohl Wirkungen als auch unerwünschte Nebenwirkungen für die Beurteilung, so schneiden die erwähnten Heilpflanzen-Anwendungen im Vergleich zu den synthetischen Substanzen gut ab.

Allerdings stimmt auch der Hinweis im Zitat, dass längst nicht alle Präparate, welche die erwähnten Heilpflanzen enthalten, den geforderten Qualitätskriterien genügen.

Es gibt sehr grosse Qualitätsunterschiede bei Heilpflanzen-Präparaten.

P.S.

– Mit Drosera ist Sonnentau gemeint, eine insektenfressende Pflanze, die im Hochmoor wächst.

– Efeublätter nicht als Tee verwenden, sondern nur als Fertigpräparat, das auf einen bestimmten Wirkstoffgehalt eingestellt ist.

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Aspirin (ASS): Für die Primärprävention von Herzinfarkt mehr Risiko als Nutzen

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Während die Behandlung mit Acetylsalicylsäure (Aspirin, ASS) nach Herzinfarkt und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen als evidenzbasiert beurteilt wird, ist ihr Einsatz in der Primärprävention umstritten. Nach den Resultaten einer Meta-Analyse in den Archives of Internal Medicine (2012; doi: 10.1001/archinternmed.2011.628) überwiegen die Nachteile.

Die Forscher-Gruppe um Kausik Ray von der St. George’s Universität in London stützt ihre Meta-Analyse auf neun randomisierte klinische Studien mit jeweils mehr als 1000 teilnehmenden Personen. Sie litten weder an einer koronaren Herzkrankheit, noch war es bei ihnen zu einem Herzinfarkt gekommen, als sie im Durchschnittsalter von 57 Jahren im Rahmen einer Studie die Primärprävention mit ASS (oder einem Placebo) begannen. Das Ziel der Primärprävention war die Vermeidung kardiovaskulärer Ereignisse, die bei diesen relativ gesunden Probanden in der relativ kurzen Nachbeobachtungszeit von etwa 6 Jahren aber recht selten auftraten: Ray fand in 700.000 Personen-Jahren gerade einmal 2169 Herzinfarkte, davon 592 mit tödlichem Ausgang.

Darüber hinaus erreichte die Primärprävention mit Acetylsalicylsäure nur eine sehr bescheidene 10-prozentige Verringerung der Herz-Kreislauf-Ereignisse. Die Number Needed to Treat ist mit 120 Personen, die über sechs Jahre Acetylsalicylsäure nehmen müssen, um ein Ereignis zu vermeiden, recht hoch.

Da hauptsächlich nicht-tödliche Herzinfarkte vermieden werden, dürfte nach Ansicht der Autoren der Anstieg der „nicht-trivialen“ Blutungen durch ASS auf der Waagschale einer Leitlinien-Empfehlung das größere Gewicht haben. Diese Bilanz gilt wie erwähnt nur für die Primärprävention mit ASS. In der Sekundärprävention ist Acetylsalicylsäure nicht umstritten.

Quellen:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/48697/ASS-In-der-Primaerpraevention-ueberwiegen-die-Risiken

http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/short/archinternmed.2011.628

Kommentar & Ergänzung:

Unter Primärprävention versteht man die vorbeugende Einnahme, ohne dass bereits eine Erkrankung – hier vor allem ein Herzinfarkt – eingetreten ist.

Sekundärprävention dagegen setzt erst ein, nachdem es beispielsweise zu einem Infarkt gekommen ist. Durch Sekundärprävention soll das erneute Auftreten eines solchen Ereignisses vermieden werden.

Es scheint zunehmend in Mode zu kommen, aus Angst vor einem Herzinfarkt Aspirin Cardio vorbeugend als Primärprävention einzunehmen.

Gut zu wissen daher, dass ein Nutzen hier fraglich ist.

Ebenfalls gut zu wissen ist aber, dass ein Einsatz in der Sekundärprävention Sinn machen kann.

Und übrigens: In der Phytotherapie ist vor allem die Weidenrinde bekannt als Heilpflanze, die ähnliche Wirkstoffe enthält wie Aspirin, vor allem das Salicin.

Allerdings: Salicin wirkt  gegen Schmerzen und Fieber, hemmt aber nicht die Thrombozytenaggregation. Weidenrinden-Extrakt eignet sich daher gegen leichte Schmerzen beispielsweise bei Arthrose, verbessert aber nicht die Blutfliesseigenschaften und ersetzt daher niemals Aspirin Cardio. Dem Weidenrinden-Extrakt fehlt folglich auch das Risiko von Blutungen.

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Heilpflanzen gegen Prostatabeschwerden

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Zu Beginn eines Benignen Prostatasyndroms (BPS) genügen häufig Maßnahmen wie Blasentraining oder Abnehmen. Heilpflanzen-Präparate können unterstützend wirken.

Typisch für das Benigne Prostatasyndrom (BPS) ist eine Trias aus Prostatavergrößerung, Symptomen des unteren Harntrakts (LUTS) und Blasenauslass-Obstruktion. Zwischen ihnen bestehe kein fester Zusammenhang, erklärte Professor Klaus Höfner beim Uro Update in Düsseldorf.

So könne bei einem Patienten eine Veränderung allein auftreten, bei anderen zwei oder auch alle drei, wobei die Symptome von milde bis stark reichen.

Über die einzuleitenden Maßnahmen entscheiden Arzt und Patient gemeinsam, empfehlen Fachgesellschaften Deutscher Urologen in ihren Leitlinien zum BPS und stellen dafür einen Algorithmus bereit (Der Urologe A. 2009; 48: 1503). Als Hauptkriterien für die Behandlung haben sich herauskristallisiert: Wie stark ist die Blasenauslass-Obstruktion? Schreitet die Krankheit fort, und wie gross ist das Risiko von Komplikationen?

Für die Indikation zu einer Behandlung sei die individuelle Progression einzuschätzen, empfahl der Urologe aus Oberhausen. Im ersten Stadium sind Medikamente häufig nicht unbedingt nötig („Watchful Waiting“). Dabei ist es gut zu wissen, dass sich die Prognose der Prostata-Obstruktion sich durch dieses kontrollierte Zuwarten nicht verschlechert.

Es eignet sich für Patienten mit leichten Beschwerden, kaum eingeschränkter Lebensqualität, kleiner Prostata, niedrigem PSA, wenig Restharn und gutem Harnfluss. Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind Bestandteil dieses Konzepts, genauso wie Änderungen des Lebensstils: Regulieren der Flüssigkeitszufuhr, wenig Alkohol und Kaffee, Blasentraining und für Übergewichtige Abnehmen, weil das die Beschwerden verringert.

Eine Option bei milden BPS-Symptomen sind pflanzliche Präparate (Phytopharmaka), in Deutschland hauptsächlich Extrakte aus Sägezahnpalmenfrüchten (Serenoa repens, Sabal serrulata), Brennnesselwurzeln (Urtica dioica), Kürbissamen (Cucurbita pepo), Roggenpollen (Secale cereale) sowie Phytosterole aus der afrikanischen Wurzel Hypoxis rooperi, aus Kiefer und Fichte (Pinus und Picea).

Für einige Phytotherapeutika (Harzol®, Azuprostat®, ProstaFink®, Permixon® und Prostagutt®) ergeben sich aus randomisierten Studien Hinweise auf Wirksamkeit.

Eine Übersicht der Cochrane Collaboration zu β-Sitosterol-haltigen Präparaten haltigen Präparaten zeigt: Sie werden gut vertragen, die Beschwerden bessern sich, der Harnstrahl wird kräftiger.

Seit 2004 müssen Patienten diese Phytotherapeutika in Deutschland selbst bezahlen. Die Konsultation in der Praxis ist jedoch über EBM abzurechnen.

Die Präparate bestehen aus einer Arzneipflanze oder aus mehreren. Die Hersteller verwenden unterschiedliche Extraktionsverfahren, so dass die Heilpflanzen-Präparate in ihrer Zusammensetzung variieren, selbst wenn sie aus derselben Pflanze stammen, erklärte Höfner. Resultate aus Grundlagenforschung und klinischen Studien zu Wirkung, Bioverfügbarkeit und Pharmakodynamik sind nicht von einem Präparat auf ein anderes übertragbar, auch wenn beide aus der gleichen Heilpflanze produziert werden.

Zudem sei noch nicht erforscht, ob die Heilpflanzen-Präparate langfristig wirken, ob sie das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen und Harnverhalt oder Operation vorbeugen. Dennoch erscheine der Ansatz interessant und solle weiter beobachtet werden, sagte Höfner.

Er stellte eine neue Studie zu einer Serenoa-repens-Zubereitung vor: Im Tiermodell hemmte sie, additiv verstärkt durch Selen und das in Tomaten vorkommende Lycopin, die Entzündung und Hyperplasie, die mit der Obstruktion einhergehen (Urology 2011; 77: 248).

Ein Naturprodukt, das bereits bei Harnwegsinfekten getestet wurde, schlagen Wissenschaftler jetzt für die BPS-Behandlung vor: ein Pulver aus Cranberries. Teilnehmer einer Studie waren 42 Männer mit LUTS, erhöhtem PSA und chronischer, nicht-bakterieller Prostatitis. 21 nahmen sechs Monate täglich 1500 mg des Pulvers.

Danach hatten sich die Werte auf dem Internationalen Prostata Symptomen-Score IPSS, Lebensqualität, Uroflow und Restharn signifikant stärker gebessert als bei den 21 nicht-behandelten Prostata-Patienten (Br J Nutr 2010; 104: 1181).

Quellen:

http://journals.cambridge.org/action/displayAbstract?fromPage=online&aid=7912891&fulltextType=RA&fileId=S0007114510002059

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/656555/pflanzen-prostatabeschwerden.html

Kommentar & Ergänzung:

Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in der Schweiz einige Phytopharmaka zur Linderung der Beschwerden bei Gutartiger Prostatavergrösserung (Benigne Prostatahyperplasie) die von den Krankenkassen via Grundversicherung bezahlt werden, wenn eine Ärztin oder ein Arzt sie verschreibt.

Wichtig ist bei allen Heilpflanzen-Präparaten in diesem Bereich, dass sie langfristig eingenommen werden sollten, idealerweise mindestens über sechs Monate.

Die erwähnte Anwendung von Cranberries bei Prostatabeschwerden (nicht-bakterielle Prostatitis) ist eine ziemlich neue Idee. Die beschriebene Studien ist zwar interessant, ihre Aussagekraft allerdings nur schon wegen der kleinen Zahl der Teilnehmer sehr begrenzt.

Ansonsten erwähnt der Bericht die wichtigsten Prostatapflanzen: Sabalfrüchte, Kürbissamen, Brennnesselwurzel, Roggenpollen.

Erstaunen mag, dass der in der traditionellen Pflanzenheilkunde  häufig angewendete Weidenröschentee nicht erwähnt wird. Das hat damit zu tun, dass zur Wirkung des „Kleinblütigen Weidenröschens“ gegen Prostatabeschwerden im Gegensatz zu den aufgeführten Heilpflanzen keine fundierte Dokumentation vorliegt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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