Artikel mit Schlagwort ‘Kräuter’

Gewürznelken sind effiziente natürliche Antioxidantien

Donnerstag, Mai 13th, 2010

Gewürznelken sollen unter den Kräutern und Gewürzen der mediterranen Küche die besten natürlichen Antioxidantien sein. Das haben nun spanische Wissenschaftler in einer Studie nachgewiesen. Die Forscher der Miguel Hernández Universität haben neben den Gewürznelken auch Oregano, Thymian und Rosmarin untersucht. Laut ihrem Bericht im “Flavour and Fragrance Journal” schnitten die Nelken in den fünf untersuchten Punkten am besten ab. Das Gewürz soll unter anderem am besten Wasserstoff abgeben.
Als Antioxidantien werden Substanzen bezeichnet, die im Organismus dafür sorgen, dass empfindliche Moleküle nicht mit Sauerstoff reagieren (Oxidation). Hierbei wirken sie in der Regel als Fänger sogenannter freier Radikale. Das sind Atome oder Moleküle, welche sehr reaktionsfreudig sind und so im Organismus schädliche Stoffe erzeugen können.

Quelle:
http://de.news.yahoo.com/12/20100319/thl-gewuerznelken-sind-beste-natuerliche-d343981.html

Kommentar & Ergänzung:
Gewürznelken enthalten  bis zu 20 % ätherisches Nelkenöl, das bis zu 95 % aus Eugenol besteht. Nelkenöl und Eugenol werden / wurden in der Zahnheilkunde als antiseptisches, leicht ätzendes und schmerzstillendes Mittel angewendet.
Nelkenöl ist nicht nur ein gutes Antioxidans, es hat auch starke enzündungshemmende und antimikrobielle Wirkungen.
Allerdings kann Nelkenöl auch Allergien und Hautreizungen auslösen. In dieser Hinsicht gehört  Nelkenöl zu den heikleren ätherischen Ölen. Im Umgang mit Nelkenöl ist daher Vorsicht geboten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

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Wilde Möhre, Leberblümchen und die Signaturen der Heilpflanzen….

Mittwoch, Dezember 2nd, 2009

Zum Thema Signaturenlehre bin ich auf folgendes Zitat gestossen:

“Jahrhundertelang glaubte man in der Medizin, dass die Wirkung der Heilkräuter von ihren Formen abhänge. Die Blätter des Leberblümchen ähneln in ihrem Umriss zum Beispiel einer menschlichen Leber, folglich glaubte man an eine Heilkraft bei Leberinfektionen. Die Blätter des Huflattich haben die Form eines Pferdehufs, und man benutzte sie gegen Hufentzündungen……Falsch an der früheren Kräuterlehre war…die Theorie über den Zusammenhang von Form und Wirkung, aus der zum Teil falsche Schlüsse gezogen wurden. Heute wissen wir, dass die Effekte der Kräuter von ihren chemischen Inhaltsstoffen abhängen, von ihren sogenannten sekundären Stoffwechselprodukten, und dass die Form von Blatt, Wurzel und Blüte damit nichts zu tun hat. Aber solange man das annimmt, findet man natürlich immer irgendeine Analogie zwischen Form und Wirkung, um die Theorie aufrechtzuerhalten. Schliesslich sind höhere Pflanzen als Gestalten kompliziert genug, um alles mögliche in sie hineinzulesen.”

Hansjörg Hemminger / Joachim Keden; Seele aus zweiter Hand, Quell Paperback 1997

Kommentar & Ergänzung:

Interessant an diesem Zitat sind die letzten beiden Sätze. Tatsächlich: Fast jede Pflanze zeigt einen so grossen Reichtum an Formen und Farben, dass wir hundertfache Ähnlichkeiten darin entdecken können. Welche dieser Ähnlichkeiten einem Menschen ins Auge fallen, das hat aber vor allem mit ihm zu tun.

Es sind nämlich unsere Erinnerungen, Assoziationen und Interpretationen, entsprechend denen wir aus der Vielzahl der Ähnlichkeiten einzelne auswählen. Dagegen ist gar nichts einzuwenden. Ohne diese Vorgänge wäre die Welt für uns ärmer. Problematisch wird es nur, wenn man nicht erkennt, dass solche Deutungen aus unserem Inneren stammen und dass sie mit der Heilpflanze an sich nichts zu tun haben.

So kann dann beispielsweise ein Buchautor auf die Idee kommen, dass die Wilde Möhre (Daucus carota) gut für Menschen sei, die sich zentrieren müssen, weil diese Pflanze im Zentrum ihrer Blüte einen auffallenden schwarz-violetten Punkt hat. Das würde dann bedeuten, dass die Wilde Möhre uns Menschen etwas sagen will und sich damit quasi um uns kümmert. Das ist zwar eine anrührende, schöne Vorstellung, die heutige Menschen vor allem anspricht, weil wir im Grunde genommen in grosser Distanz zur Natur leben. Doch ist es meines Erachtens auch eine sehr irreführenden Vorstellung.

Vollkommen übersehen wird dabei nämlich, dass die Wilde Möhre sich mit ihrem schwarz-violetten Punkt nicht an uns, sondern an die Insekten als Besucher richtet. Wir stellen uns viel zu sehr in den Mittelpunkt der “Natur-Veranstaltung”, wenn wir diese Botschaft als an uns gerichtet auffassen. Es steckt eine gehörige Portion Anthropozentrismus in diesen Vorstellungen: Der Mensch steht im Zentrum der “Veranstaltung” – die Pflanzen sind auf ihn hin geschaffen und ausgerichtet. Mir scheint es sehr fragwürdig, wenn im Zuge der “Esoterik-Welle” solch anthropozentrische Sichtweisen auch in der Pflanzenheilkunde wieder auftauchen, weil daraus hoch spekulative, willkürliche und fragwürdige Heilungsversprechen entstehen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Pflanzenheilkunde: Kräuterkissen für guten Schlaf

Freitag, Oktober 23rd, 2009

Unter dem Titel “Kräuterkissen als sanfte Schlafhelfer” berichtet das
Yahoo-Nachrichtenportal über die Wirkung von Heilpflanzen als Kräuterkissen gegen Schlafstörungen:

“Düfte können eine starke Wirkung auf den Menschen haben. Die Gerüche einiger Pflanzen wirken beruhigend und werden deshalb seit langer Zeit als Einschlafhilfen genutzt.”

Das stimmt – und es trifft vor allem auf Heilpflanzen mit ätherischen Ölen zu.
Yahoo-News erklärt dann, wie sich ein Kräuterkissen für eine geruhsame Nacht leicht selbst herstellen lässt:

“Benötigt wird ein sauberer Kissenbezug in der Größe 15 mal 15 Zentimeter. In diesen werden die Kräuter gefüllt, die zum Einsatz kommen sollen. Sinnvoll ist es, eine Mischung herzustellen, die eine Gesamtmenge von 50 bis 150 Gramm Kräuter ergibt.”

Kein Einwand.
Fragwürdig wird der Text, sobald es um die geeigneten Heilpflanzen geht:

“Eine beruhigende Wirkung haben beispielsweise getrocknete Lavendelblüten. Auch Ringelblumen, Johanniskraut, Hopfen und Scharfgabe können dem gesunden Schlaf dienen. Weitere Zutaten wirken gegen gesundheitliche Probleme, darunter Pfefferminze oder Rosmarin bei Kopfschmerzen sowie Kamille bei Schnupfen.”

Dazu ist ein Kommentar nötig:

Klar dokumentiert ist die beruhigende Wirkung von Lavendelblüten bzw. Lavendelöl via Duftanwendung. Lavendelsäckchen haben sich zudem in einer langen Tradition bewährt.

Auch Hopfen enthält flüchtige Inhaltsstoffe mit beruhigender Wirkung. Es handelt sich um Abbauprodukte, die während der Lagerung aus den Bitterstoffen entstehen. Traditionelle Hopfenkissen haben also durchaus ihre Berechtigung.

Ringelblume (Calendula) ist ein bewährtes Wundheilmittel. Eine beruhigende Wirkung ist aus der Phytotherapie-Fachliteratur nirgends ersichtlich und sehr unwahrscheinlich. Schon gar nicht auf inhalativem Weg, wenn man den tiefen Gehalt an ätherischem Öl bedenkt (0,2%). In Teemischungen und Kräuterkissen hat Ringelblume eher einen Effekt zur “Teeverschönerung”.

Johanniskraut wird gegen leichte bis mittelschwere Depressionen. Seine Wirkung ist in diesem Bereich gut dokumentiert. Für Beruhigende Eigenschaften fehlen aber Belege. Ausserdem dürften die entscheidenden Inhaltsstoffe nicht flüchtig sein, wodurch eine Wirkung via Inhalation sehr unwahrscheinlich ist.

Eine völlige Neuentdeckung ist die “Scharfgabe”……Im Ernst, es ist bestimmt die Schafgarbe gemeint. Sie wird als Heilpflanze bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt und als traditionelles Mittel gegen Menstruationskrämpfe. Schafgarbe als Beruhigungsmittel (Sedativum) zu empfehlen ist sehr unüblich und nicht durch die Phytotherapie-Fachliteratur zu stützen. Schafgarbe hat zwar ein ätherisches Öl, das wie Kamillenöl als Bestandteil Chamazulen enthält und für Kamillenöl gibt es Hinweise auf einen sedativen Effekt aus EEG-Untersuchungen. Aber erstens ist unklar, ob für den sedierenden Effekt von Kamillenöl Chamazulen verantwortlich ist und zweitens – wenn dem so wäre – entsteht das Chamazulen erst bei der Destillation des ätherischen Öles und fehlt daher im Kräuterkissen. So ist also die Anwendung von Schafgarben im Kräuterkissen sehr spekulativ.

Pfefferminze zeigt in Form von Pfefferminzöl zum Einreiben eine gute Wirkung bei Spannungskopfschmerzen. Dafür ist aber ein direkter Kontakt des Pfefferminzöls mit der Haut erforderlich. Ob sich die Anwendung von Pfefferminz in einem Kräuterkissen gegen Kopfschmerzen so generell empfehlen lässt, ist sehr fraglich.

Und Rosmarinöl hat eher eine anregende Wirkung, wodurch die Zugabe von Rosmarin in ein Kräuterkissen für gesunden Schlaf eher problematisch erscheint.

Unerwähnt bleiben im Yahoo-Text die Cumarin-Pflanzen Waldmeister und Steinklee, welche in der traditionellen Pflanzenheilkunde als beruhigende Kräuterkissen angewendet wurden. Cumarin ist jedenfalls flüchtig und als Heuduft sehr bekannt. Genauer dokumentiert ist diese Wirkung nicht. Cumarin als Reinsubstanz zeigt zentral sedative Wirkung.

Zusammengefasst kann man nur festhalten, dass die phytotherapeutischen Angaben auf Yahoo-News hier ziemlich wirr sind. Das ist ein Beispiel dafür, dass man im Bereich Naturheilkunde bzw. Pflanzenheilkunde genau hinschauen muss und nicht alles blind glauben soll, was geschrieben oder erzählt wird. Schreiben und Erzählen unterliegen hier kaum je einer Qualitätskontrolle.

Kräuterkissen sind ein interessantes, angenehmes, gut verträgliches und in vielen Fällen wohl auch wirksames Mittel gegen Schlafstörungen. Ich würde mich aber beschränken auf ein Lavendelkissen, allenfalls je nach individueller Vorliebe auf Lavendelblüten / Hopfenzapfen als Mischung. Auch ein Zusatz von Steinklee oder Waldmeister scheint mir gut vertretbar.

Keine Einwände habe ich zu machen bei den Anwendungsempfehlungen von Yahoo-News:

“Die Kräuter werden vor dem Einfüllen in das Kissen zerkleinert. Das Kräuterkissen wird dann unter den Nacken gelegt. Durch die Körperwärme werden die ätherischen Öle der Kräuter freigesetzt und können ihre Wirkung entfalten…..Außerdem sollten die Kissen nicht bei schweren, andauernden Schlafstörungen verwendet werden. In einem solchen Fall ist ein Arzt zu Rate zu ziehen.”

Quelle: http://de.news.yahoo.com/gesundheit-medizin.html

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Phytotherapie im Vogelnest?

Montag, Juli 27th, 2009

Vögel halten sich Bakterien mit frischen Heilkräutern vom Leib. US-Wissenschaftler untersuchten das Nestmaterial verschiedener Vogelarten und fanden Heilpflanzen mit antibakterieller Wirkung. Jann Ichida von der Ohio Wesleyan Universität schließt daraus, daß Vogeleltern diese Pflanzen in ihr Nest stopfen, um sich und ihren Nachwuchs vor Mikroben zu bewahren.
Unter den gefundenen Heilpflanzen waren etwa Schafgarbe und die Blätter von zwei Eichenarten. Schafgarbe wirkt unter anderem entzündungshemmend und antibakteriell. Und Eichenextrakte hemmen im Laborversuch ebenfalls das Wachstum von Viren und Würmern.
“Solange die frischen Kräuter ausreichend hohe Konzentrationen der Chemikalien bieten, schaffen sie wohl, die Jungen vor schädlichen Erregern zu bewahren”, so Ichida au einer Tagung der Amerikanischen Gesellschaft für Mikrobiologie in New Orleans.

Quelle: www.aerztezeitung.de

Kommentar:
Die Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium) enthält tatsächlich ein ätherisches Öl mit antibakterieller Wirkung.
Dass Tiere Heilpflanzen nutzen, ist nicht ungewöhnlich. Die Frage ist nur, ob sie das gelernt haben oder einem Instinkt-Programm folgen.
Solche Berichte über die Nutzung von Heilpflanzen durch Tiere lösen bei manchen Menschen eine Art von Sehnsucht danach aus, dass auch wir Menschen so instinktiv die richtigen Heilpflanzen finden könnten.

Das dürfte eine Illusion sein. Wir Menschen haben einen grossen Teil unserer Instinkt-Steuerung verloren und damit auch die Sicherheit, die eine solche Instinktgebundenheit mit sich bringt. Instinktgebundene Tiere müssen sich nicht viel überlegen und sind frei von Zweifeln, ob eine Entscheidung richtig ist.
Allerdings bringt die Abschwächung der Instinkte dem Menschen auch einen Raum für (mehr oder weniger) freie Entscheidungen. Da gehört als Preis dafür auch dazu, dass wir auf die absolute Sicherheit der Instinktgebundenheit verzichten müssen, auch bei der Auswahl von geeigneten Heilpflanzen. Wir kommen also nicht darum herum, uns mit dem Für und Wider einzelner Heilpflanzen auseinanderzusetzen und eine Wahl zu treffen ohne letztendliche Gewissheit, dass es die richtige ist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Waldbeeren & Fuchsbandwurm – diffuse Ängste

Sonntag, Juni 7th, 2009

Ein großer Teil der Bevölkerung ist ziemlich verunsichert, wenn es um selbst gesammelte Pilze, Beeren oder Heilkräuter geht. Schliesslich hört man immer wieder vom Fuchsbandwurm, der zu schweren Erkrankungen führen kann. Fuchskot kann Eier des Fuchsbandwurms enthalten und dadurch als Infektionsquelle dienen.
Doch eigentlich, erklärt Katharina Alpers vom Robert-Koch-Institut (RKI), stehen die Befürchtungen in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Risiko.

Seit 2001 gibt es in Deutschland eine Meldepflicht beim RKI für die vom Kleinen Fuchsbandwurm verursachte Alveoläre Echinokokkose: Zwischen 2001 und 2008 sind in Deutschland 149 neue Krankheitsfälle aufgetreten, im Schnitt 18,6 Fälle pro Jahr. Beate Grüner, die in der Echinokokkose-Spezialambulanz der Uniklinik Ulm Patienten aus ganz Deutschland behandelt, geht zwar von einer Dunkelziffer aus und rechnet mit etwa 70 Fällen jährlich. Doch selbst mit dieser Annahme bleibe die Alveoläre Echinokokkose eine seltene Krankheit, hält sie fest.

Einen Grund für die tief sitzenden Ängste sieht Alpers im schweren Verlauf der Krankheit. Eine weitere Erklärung, die sie als Parasitologin immer wieder erlebt hat: “Irgendwie scheinen Würmer den Menschen größere Angst zu machen als andere Erreger.”

Im Entwicklungskreislauf des Kleinen Fuchsbandwurms (Echinococcus multilocularis) sind wir Menschen ein Fehlzwischenwirt. Der Mensch nimmt die Bandwurmeier über den Mund auf. Via Magen und Darm gelangt die Larve in den Blutkreislauf und die Leber. “Zu mehr als 99 Prozent setzen sich die Larven dort fest, es entwickelt sich ein tumorähnliches Gebilde”, sagt Grüner. Auch umliegendes Gewebe sowie Lunge oder Gehirn können im Verlauf der Krankheit befallen werden.

Weil Frühsymptome häufig fehlen, kann eine einmal ausgebrochene Erkrankung über viele Jahre unbemerkt bleiben. “Oft wird sie per Zufall entdeckt, wenn die Leute einen Check-up machen lassen.” Früher endeten 90 Prozent der Erkrankungsfälle tödlich, “heute können wir 90 Prozent der Patienten gut helfen, aber die Behandlung gehört unbedingt in eine erfahrene Hand”, betont Grüner. Medikamente halten das Tumorwachstum auf, ganz abtöten können sie den Erreger aber nicht. Sie müssen deshalb lebenslang eingenommen werden.

Die lange Inkubationszeit von fünf bis fünfzehn Jahren macht es ausgesprochen schwierig, den Übertragungsweg nachzuweisen. Versucht wurde dies 1995 in einer Untersuchung in Römerstein auf der Schwäbischen Alb. Die Gemeinde liegt in einer Region, in der von einem dauerhaften Befall der Füchse auszugehen ist – gemäss Robert-Koch-Institut: Schwäbische Alb, Alb-Donau-Region, Oberschwaben und Allgäu. Bis zu 75 Prozent der Füchse sind dort infiziert. Diese Rate ist nicht überall gleich hoch. In Hessen sind es vergleichsweise laut Umweltministerium etwa 30 Prozent.

In Römerstein wurden 2560 Personen für die Studie untersucht. In einem Fall wurde eine Alveoläre Echinokokkose festgestellt. 49 Personen zeigten Antikörper im Blut, ohne dass ein Befall gefunden wurde. Ähnliche Resultate ergab eine Studie sieben Jahre später in Leutkirch. Professor Peter Kern hat die Römerstein-Studie koordiniert. Er koordiniert auch das Europäische Echinokokkose-Register Ulm, wo alle bekannt gewordenen Infektionen mit dem Fuchsbandwurm erfasst und dokumentiert werden. “Ein Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Waldfrüchten und einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm lässt sich nicht herleiten”, erklärt er. Nicht einmal Jäger oder Forstarbeiter gehörten zu den speziell gefährdeten Personen.

Das größte Risiko sieht Professor Kern ohnehin nicht im Fuchs sondern im Hund – vorausgesetzt er bekommt gelegentlich eine Maus zu fassen. Denn kleine Nagetiere sind der perfekte Zwischenwirt für den Kleinen Fuchsbandwurm. Frisst der Hund eine infizierte Maus, wird er zum Endwirt, wodurch sich der Entwicklungskreislauf schließt.

Fuchsbandwurmeier, die der Hund mit dem Kot ausscheidet und die im Fell haften, können über die streichelnde Hand, die unbedacht zum Mund geführt wird, durch den Menschen aufgenommen werden. Ein einmaliger Kontakt genüge jedoch nicht, so Kern. Entscheidend für die Infektion sei das “lange bestehende, enge Zusammenleben” von Mensch und Hund. Auch Katzen können Endwirt sein, wenn auch kein idealer: “Der Fuchsbandwurm geht im Katzendarm schlecht an.”

Der oft vertretenen These, dass Landwirte zur gefährdeten Gruppe zählen, weil sie bei der Feldarbeit mit dem aufgewirbelten Staub auch Fuchsbandwurmeier einatmeten, steht Kern skeptisch gegenüber. “Zu einem Bauernhof gehört in der Regel auch ein Hund”, erläutert er – und damit schließt sich für ihn der Kreis. Er empfiehlt daher, Hunde “alle drei Monate zu entwurmen”. Nach dem Kontakt mit dem Tier, hauptsächlich vor dem Essen, seien die Hände waschen.

Noch gibt es zahlreiche Unklarheiten, sowohl zum Übertragungsweg als auch zur für den Menschen riskanten Dosis. Auch begünstigende genetische Faktoren werden diskutiert. Gewiss scheint: Die Betroffenen müssen über einen längeren Zeitraum immer wieder mit den Eiern des Fuchsbandwurms in Kontakt kommen, damit die Krankheit auch ausbricht. Und die Abwehrkräfte spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. “Es ist wie bei fast jeder Infektionskrankheit”, erklärt Grüner, “meist schafft es das Immunsystem, den Erreger zu eliminieren.”

Besorgte Waldkindergärtnerinnen, die sich in der Echinokokkose-Sprechstunde erkundigen, ob sie ihre Schützlinge noch in den Wald lassen können, bekommen darum von ihr die Antwort: “Sie können, wenn sie bodennahe Früchte und Kräuter und auch die Hände vor dem Essen waschen.”
Steffen G. Fleischhauer, Diplom-Ingenieur für Landschaftsplanung und Lehrbeauftragter für “Essbare Wildpflanzen”, gibt zu bedenken, dass er Füchse viel häufiger auf Feldern sieht als im Wald. “Wer ganz sicher gehen will, müsste dann eigentlich auch Erdbeeren abkochen.”

Vorsichtsmaßnahmen gegen Fuchsbandwurm

Füchse bewegen sich gerne entlang natürlicher Grenzen wie Bachläufen oder Trampelpfaden, erklärt Manfred Eckhardt, Jagdsachbearbeiter bei Hessen-Forst. Kot setzen sie gerne an markanten Stellen ab: auf Baumstümpfen, großen Steinen oder Wegkreuzungen. Wer ganz sichergehen will, sollte entlang solcher Linien Früchte erst ab Kniehöhe sammeln.

Die Beeren sollten gründlich gewaschen werden, um allfällige Fuchsbandwurmeier möglichst zu entfernen. Wer ganz sicher sein will, muss sie jedoch kochen: erst ab etwa 70 Grad sterben die Eier. Einfrieren hilft nicht.

Quelle: www.fr-online.de

Kommentar:
Im Umgang mit dem Thema Fuchsbandwurm spiegelt sich wohl auch die starke Naturentfremdung unserer Kultur. Ein angemessenes Verhalten in der Auseinandersetzung mit Risiken der Natur scheint dabei zunehmend verloren zu gehen. Dabei lassen sich zwei gegensätzliche Extreme beobachten.

Einerseits gibt es eine naive Idealisierung der Natur, die ausschliesslich als wohlwollend und heilend interpretiert wird. Die Haltung zeigt sich zum Beispiel, wenn Leute begeistert Wildsalate und Wildgemüse sammeln und essen, ohne dass sie sich vorgängig die Kenntnisse aneignen, mit denen sich die Pflanzen sicher erkennen und unterscheiden lassen. Heilpflanzen gelten auf dem Boden dieser Einstellung einseitig als vollkommene und wunderbare Helfer. Dass sie auch unerwünschte Nebenwirkungen haben können und deshalb nur mit Sorgfalt und Fachwissen eingesetzt werden sollten, fällt dabei ausser Betracht.

Andererseits gibt es aber auch die Dramatisierung von Naturrisiken, wie sie zeitweise beim Thema Fuchsbandwurm zu beobachten ist. Dabei gehen dann oft völlig die Proportionen verloren. Der oben zusammengefasste Artikel der “Frankfurter Rundschau” rückt hier einiges zurecht.

Es scheint mir eine Herausforderung für uns heutige Menschen, die Risiken im Umgang mit der Natur weder zu verharmlosen noch zu dramatisieren. Am besten gelingt dies meines Erachtens, wenn wir mit der Natur wieder vertrauter werden. Heilpflanzenkunde und Heilkräuter-Exkursionen sind ein möglicher Weg in diese Richtung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

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Künstliche Rauschsubstanz in “Spice”-Kräutermischung entdeckt

Montag, Dezember 15th, 2008

Seit einigen Wochen tauchen in den Medien verstärkt Berichte auf über eine Kräutermischung namens “Spice”. Das bisher nur wenig bekannte Produkt ist so innerhalb weniger Monate zur “Modedroge” geworden. Spice – zu Deutsch – “Gewürz” wurde zunächst vor allem von Insidern aus der Kifferszene konsumiert, also jungen Erwachsenen mit regelmäßigem und intensivem Cannabiskonsum. Für diese Gruppe ist Spice attraktiv, weil es ähnlich wie Haschisch oder Marihuana zu wirken scheint, aber bei Urinkontrollen nicht nachgewiesen werden kann. Unklar blieb bisher, auf welchen Inhaltsstoff der Mischung die Rauschwirkung zurückzuführen ist. Die als Bestandteil von “Spice” verwendeten Kräuter nämlich weisen keine entsprechenden Wirkstoffe auf. In Deutschland haben bereits verschiedene Institutionen und Behörden Analysen in Auftrag gegeben, doch konnte die Wirkung noch nicht geklärt werden. Das Drogenreferat der Stadt Frankfurt hat deshalb einige Proben von “Spice” durch das Frankfurter Pharmaunternehmen THC-Pharm analysieren lassen. Diese Firma verfügt als Hersteller von Cannabis-ähnlichen Wirkstoffen zu medizinischen Therapiezwecken über grosse Erfahrung mit solchen Substanzen.
Stadträtin Dr. Rottmann sagte, dass die Frage nach der Zusammensetzung von “Spice” wichtig sei, um gesundheitliche Folgen des Konsums abschätzen zu können.
THC-Pharm ist es nun erstmals gelungen, einen relevanten Wirkstoff in “Spice” nachzuweisen und so das Geheimnis der Modedroge zu knacken. Demnach werden die berauschenden Effekte keineswegs von den natürlichen Kräutern selbst hervorgerufen. Vielmehr wurde in den analysierten Proben von “Spice Gold”, “Arctic Synergie” und “Yukatan Fire” die Substanz JWH-018 in unterschiedlicher und stark schwankender Konzentration gefunden. JWH-018 ist ein auf chemischem Wege hergestelltes Cannabinoid, das ähnlich dem in der Cannabispflanze enthaltenen Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) über die Cannabinoid-Rezeptoren im Gehirn wirkt. JWH-018 besitzt einen ähnlichen Effekt wie THC, ist jedoch deutlich potenter. Der Wirkstoff kann durch Rauchen aufgenommen werden. Im Grunde genommen handelt es sich bei Spice also um eine Kräutermischung mit einem chemischen Zusatz, der ähnliche Wirkungen wie Cannabis erzeugt. Oder anders gesagt: Eine geschickt mit Kräutern getarnte psychoaktive Chemikalie. Nur sie bewirkt die von “Kiffern” geschätzten Rauschzustände. Über mögliche gesundheitsschädigende Nebenwirkungen und Langzeitfolgen von JWH-018 ist bisher so gut wie nichts bekannt. THC-Pharm hält den Konsum von “Spice” für einen unkontrollierten und riskanten Feldversuch.

Quelle: www.frankfurt.de/sixcms/detail.php

Kommentar: Es zeigt sich auch hier wieder, dass man nicht jeder Propaganda trauen kann, die ein natürliches Produkt verspricht. Im Bereich der Naturheilmittel gibt es immer wieder ähnlich gelagerte Fälle. So werden in Heilpflanzen-Präparaten aus Asien nicht selten synthetische Stoffe gefunden. Auch bei Grapefruitkern-Extrakten, die vor einigen Jahren sehr populär waren, wurde damals in vielen Proben ein Desinfektionsmittel als Zusatz entdeckt, das in einem Naturprodukt nichts zu suchen hat. Darum gilt das bewährte Motto: Augen auf, beim Naturheilmittel-Kauf. Und von “Spice” lässt wohl besser die Finger, wer nicht als Versuchskaninchen herhalten will.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Weissdorn-Extrakte zeigen gute Wirksamkeit bei leichter Herzschwäche

Montag, Dezember 8th, 2008

herapie-nach-storl-beitraege-zur-debatte-4.html”>http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/02/25/karde-borreliose-therapie-nach-storl-beitraege-zur-debatte-4.html

Ginkgo-Studie findet keine vorbeugende Wirkung gegen Demenz

Freitag, Dezember 5th, 2008

Ein Versuch, der Entwicklung von Morbus Alzheimer durch die Einnahme von Ginkgo-Extrakten vorzubeugen, ist in einer großen randomisierten Studie gescheitert. Gemäss der Veröffentlichung im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2008; 300: 2253-2262) war das Präparat eines deutschen Herstellers wirkungslos.??

Auch in den USA erfreuen sich Extrakte aus den Blättern von Ginkgo biloba großer Popularität. Laut einer Umfrage sollen 4,5 Millionen Erwachsene dort regelmäßig das pflanzliche Mittel einnehmen, in der Hoffnung, dass es kognitive Funktionen und Gedächtnis im Alter erhalten möge. Zu den populären Anwendungsgebieten zählt die Vorbeugung der Alzheimerdemenz, welche Gegenstand der Ginkgo Evaluation of Memory-Studie war. Nach Angaben des Sponsors, dem US-National Center for Complementary and Alternative Medicine, handelt es sich um die größte klinische Studie, die jemals zu den Auswirkungen von Ginkgo-Extrakten auf die Entwicklung der Demenz durchgeführt wurde.??

An der Studie nahmen an fünf akademischen Zentren in den USA 3‘069 Senioren im Alter von 75 Jahren oder älter teil, die entweder geistig gesund waren oder bei denen eine leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI) vorlag, die als mögliche Vorstufe der Alzheimerdemenz eingestuft wird. Die Teilnehmenden schluckten zweimal täglich entweder ein Placebo oder ein Gingko-Präparat, das die Firma Schwabe zur Verfügung gestellt hatte. Auch die Dosierung von 240 mg/Tag habe den derzeitigen Empfehlungen entsprochen, berichten Steven DeKosky von der Universität Pittsburgh und Mitarbeiter, die das Resultat der Studie vorstellten.??Während der Studiendauer von im Schnitt 6,1 Jahren erkrankten 523 Teilnehmer an einer Demenz. Von ihnen hatten 246 Placebo und 277 den Ginkgo-Extrakt geschluckt. Das Erkrankungsrisiko war in der Ginkgo-Extrakt-Gruppe sogar um 12 Prozent höher. Diese Differenz war jedoch statistisch nicht signifikant und dürfte daher ein Zufallsergebnis gewesen sein. Auch in der Untergruppe der Senioren mit MCI, in der die Fachleuten am ehesten einen Effekt erwartet hätten, traten tendenziell mehr Demenzerkrankungen auf.

Das einzig positive Resultat war, dass sich der Ginkgo-Extrakt als sicher erwiesen. Es zeigte sich kein erhöhtes Blutungsrisiko, anders als dies frühere Einzelfallberichte befürchten ließen. Im Sicherheitsprofil gebe es keine Differenzen zu Placebo, stellten die Autoren fest.

Der Hersteller Schwabe schreibt in einer Stellungnahme unter anderem, man könne nicht erwarten, dass eine Behandlung bei im Durchschnitt 79 Jahren alten Personen noch eine Wirkung zeige, weil die Schäden an den Nervenzellen sich schon etwa 15 bis 20 Jahre vor dem Manifestwerden der Erkrankung entwickeln.
Quelle: www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp
Originalpublikation:
http://jama.ama-assn.org/cgi/content/short/300/19/2253
Kommentar:
Ärgerlich finde ich nicht diese Studie, sondern die stark verkürzte und verfälschte Darstellung in den populären Kurzfutter-Gratiszeitungen. Hier erschien die Meldung überwiegend unter dem Schlagwort “Ginkgo wirkt nicht”.
Diesen Schluss zu ziehen ist aber eine starke Verzerrung. Die Studie sagt nur, dass Ginkgo unter den untersuchten Bedingungen – zum Beispiel dem Durchschnittsalter von 79 Jahren – keinen vorbeugenden Effekt gegen die Entstehung von Alzheimer zeigt. Wer sich seriös mit Phytotherapie befasst, hat aber auch nie einen solchen präventiven Effekt behauptet. Es gibt Studien mit einer günstigen Wirkung im Frühstadium von Demenz. Wissenschaftlich gesehen ist also die neue Studie aus Pittsburgh ein wichtiger Diskussionsbeitrag, aber keinesfalls ein endgültiges Urteil über Ginkgo im Gesamten. Meines Erachtens sollten Kurzfutter-Gratiszeitungen solche Meldungen besser ganz weglassen, wenn sie keinen Platz für eine differenzierte Darstellung haben.
Ich selber bin gar nicht traurig darüber, dass Ginkgo biloba in der Pittsburgh-Studie keinen präventiven Effekt zeigt. Ich bin sowieso skeptisch, wenn jeder älter werdende Mensch vorbeugend irgend welche Mittelchen schlucken soll – egal, ob es sich dabei nun um Heilpflanzen-Präparate, Vitaminpillen oder synthetische Medikamente handelt. Älterwerden ist noch kein behandlungsbedürftiger Zustand. Eine Medikalisierung des Älterwerdens lenkt nur von Wichtigerem ab. Beim Thema “Gehirn” beispielsweise davon, dass das Gehirn am ehesten dann fit bleibt, wenn man es vielfältig benutzt. Dass die Hersteller von Ginkgo-Produkten den vorbeugenden Einsatz begrüssen würden, ist wohl verständlich. Ihr Marktpotenzial würde sich vervielfachen verglichen mit dem eng begrenzten Einsatz im Frühstadium der Demenz.
Zwei Punkte möchte ich noch festhalten zu der beschriebenen Ginkgo-Studie:
Erstens: Es wurde ein hochklassiger Ginkgo-Extrakt verwendet. Das ist nicht selbstverständlich. Bei einer US-Studie zu Echinacea beispielsweise wurde einfach Kapseln mit Echinacea-Pflanzenpulver verwendet, obwohl ein solches Produkt gar nicht im Handel war. Das ist Schabernack. Es ist wichtig, dass die besten Heilpflanzen-Präparate sich den klinischen Studien stellen.
Zweitens: Die Studie hatte einen neutralen Sponsor. Sie war nicht abhängig von der Hersteller-Firma. Es gibt aber auch keinen Grund für die Unterstellung, hier sei die böse Medizin oder die Pharmaindustrie am Werk, um wieder einmal die sanfte Pflanzenheilkunde kaputt zu machen. Solche Verschwörungstheorien sind in der Naturheilkunde-Szene meist viel zu schnell zur Hand und werden gerne dazu benutzt, um unangenehme Kritik abzuwehren.
Ich bin im Gegensatz dazu mit Nachdruck der Meinung, dass wir uns auch mit kritischen Studien ernsthaft auseinander setzen sollten. Allerdings so differenziert wie möglich und mit allen Facetten, die ein Thema hergibt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Verlangsamt Leinsamen das Wachstum von Prostatakrebs?

Freitag, Dezember 5th, 2008

Beim Jahreskongress 2007 der US-amerikanischen Krebsgesellschaft ASCO in Chicago wurden auch Studien aus dem Bereich der Komplementärmedizin vorgestellt. Ermutigende Ergebnisse brachten zum Beispiel eine Untersuchung, in der es um den Effekt von Leinsamen auf das Wachstum von Prostata-Krebs ging.?
In die Studie wurden 161 noch nicht operierte Tumorpatienten aufgenommen und in vier Gruppen aufgeteilt. Patienten der Gruppe 1 nahmen täglich 30 Gramm Leinsamen ein, Gruppe 2 verminderte die tägliche Kalorienaufnahme um 20 Prozent, Gruppe 3 wendete beide Strategien an und Gruppe 4 diente als Kontrolle. Primärer Endpunkt der Untersuchung war das Tumorzellwachstum in den operativ entfernten Prostatadrüsen. Operiert wurde nach durchschnittlich 30 Tagen.

Patienten beider Leinsamen-Gruppen zeigten ein um etwa 40 Prozent reduziertes Tumorzellwachstum im Vergleich zu Männern, die Placebo erhielten oder mit alleiniger kalorienreduzierter Diät. Am wirksamsten war offenbar die Kombination aus Leinsamen plus Diät.?Das Wissenschaftlerteam von der Duke University in Durham im US-Staat North Carolina will nun prüfen, ob Leinsamen mit oder ohne Diät das Rückfallrisiko von Männern mit operiertem Prostata-Karzinom verringern kann. Leinsamen ist reich an Omega-3-Fettsäuren und zeigt antioxidative und proliferationshemmende Effekte.

Quelle: Aerzte Woche Nr. 24 /2007

Kommentar:

Die Studie scheint mir sehr interessant. Leinsamen wird bisher wie andere schleimhaltige Heilpflanzen vor allem als mildes und unschädliches Abführmittel verwendet. Mit dem Thema Prostatakrebs zeigt sich hier möglicherweise ein neues Anwendungsfeld. Allerdings braucht es zu den Informationen aus der “Aerzte Woche” noch ein paar Ergänzungen:

1. Ich würde davon ausgehen, dass die Leinsamen geschrotet eingenommen worden sind. Aus ganzen Leinsamen werden nämlich keine Inhaltsstoffe in den Organismus aufgenommen.

2. Leinsamen enthalten relativ hohe Mengen an Phytoöstrogenen. Das macht die Beurteilung einer Leinsamen-Therapie bei Prostatakrebs ziemlich komplex. Es gibt zum Beispiel einige Hinweise dafür, dass ein hoher Gehalt an Phytoöstrogenen in der Nahrung einen gewissen vorbeugenden Effekt auf die Entstehung von Prostatakrebs hat – allerdings langfristig gesehen. Es gibt aber auch Hinweise darauf, dass Östrogene bei aggressiven Formen von Prostatakrebs wachstumsfördernd wirken könnten (http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/krebs/news/prostatakrebs-oestrogen-foerdert-aggressive-tumore_aid_304767.html).
Ich selber würde wohl bei einem nicht-aggressiven Prostatakrebs Leinsamen einnehmen. Aber es wäre wohl klug, dies mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin zu besprechen, damit die jeweilige Situation berücksichtigt werden kann.

3. Das in den Leinsamen enthaltene Leinöl ist tatsächlich reich an Omega-3-Fettsäuren, denen ein positiver Effekt bei Prostatakrebs zugeschrieben wird.

4. Die Studie aus Durham ist klein und in ihrer Qualität nicht zu beurteilen, solange sie nur an einem Kongress vorgestellt wurde. Sie müsste dazu vollumfänglich in einer Fachzeitschrift veröffentlicht werden. Ob das inzwischen geschehen ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

Pflanzenheilkunde: Allergische Reaktionen auf Arnika-Gel

Donnerstag, Dezember 4th, 2008

Arnika-Gel oder Arnika-Salbe sind bewährte Mittel bei Prellungen, Quetschungen, Verstauchungen, Blutergüssen, aber auch bei oberflächlichen Venenentzündungen und leichteren Gelenkentzündungen. Diese Heilpflanzen-Präparate aus Arnika eignen sich allerdings dann nicht, wenn eine Allergie auf Arnika vorliegt.
Das betrifft zwar nur eine kleine Minderheit, doch sollten diese Menschen Arnika-Präparate konsequent meiden. Wer sicher gehen will, macht vor der ersten Anwendung eines Arnika-Gels oder einer Arnika-Salbe einen Test mit einer kleinen Menge in der Ellenbeuge. Wenn sich dort nach dem Auftragen in den nächsten paar Stunden eine aussergewöhnliche Rötung zeigt, sollte man auf Arnika-Anwendungen in Zukunft verzichten.
Vor kurzem berichtete mir eine Kursteilnehmerin, ihr sei in einer bekannten Kräuterdrogerie ein pflanzliches Gel empfohlen worden gegen eine oberflächliche Venenentzündung. Als sie bemerkte, dass dieses Produkt Arnika enthielt, habe sie den Drogisten darauf aufmerksam gemacht, dass sie auf Arnika allergisch sei. Der Drogist habe darauf geantwortet, dass es sich nur um einen sehr kleinen Arnika-Anteil handle und dass darum nichts gegen eine Anwendung spreche.
Die Kursteilnehmerin hat daraufhin prompt mit einer ziemlich heftigen allergischen Kontaktallergie auf die Gel-Anwendung reagiert.
Die Auskunft des Drogisten war fachlich falsch. Wer einmal eine Allergie gegen einen bestimmten Stoff entwickelt hat, kann auch auf kleinste Mengen dieses Stoffes eine heftige allergische Reaktion bekommen. Da ist es schon ein bisschen naiv zu glauben, ein keiner Arnika-Anteil mache ja nichts…
Soweit kommt es meiner Meinung nach, wenn Heilpflanzen einseitig als sanfte, unschädliche, harmonische Helfer dargestellt werden, die nur dazu da sind, um uns Gutes zu tun Man soll unerwünschte Nebenwirkungen und Risiken bei Heilpflanzen nicht dramatisieren, aber auch nicht blind unter den Tisch wischen, wie es leider ein Teil der Naturheilkunde-Szene tut.
Und was lässt sich aus dem beschriebenen Beispiel lernen?
Trauen Sie nicht einfach gutgläubig dem Personal in Drogerien und Apotheken. Ich höre nämlich immer wieder von zum Teil krassen Fehlberatungen im Bereich Pflanzenheilkunde / Phytotherapie.
Machen Sie sich selber schlau, wenn Sie sich mit Pflanzenheilkunde behandeln wollen. Für eine wirksame und sichere Anwendung von Heilpflanzen braucht es vor allem kompetente Konsumentinnen und Konsumenten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Seminare
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