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Verschwiegene Nebenwirkungen medizinischer Therapien

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Wer bei medizinischen Behandlungen nach unerwünschten Wirkungen sucht, sollte sich nicht nur auf veröffentlichte Informationen verlassen. Ergiebiger sind Daten aus anderen Quellen.

Wir hören und lesen den Standardsatz immer wieder:

«Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.»

Dieser Spruch suggeriert, dass die unerwünschten Wirkungen von Arzneimitteln, Medizinalprodukten und chirurgischen Prozeduren genügend bekannt sind. Das sind sie jedoch keineswegs, wie etliche Studien in den letzten Jahren belegt haben. NZZ online berichtet über eine neue Studie aus England, die zeigt, wie gross das Problem ist.

Für ihre Untersuchung durchsuchten Su Golder von der University of York und ihr Team elektronische Datenbanken und andere Informationsquellen nach Studiendaten zu Nebenwirkungen von Therapien. Dabei unterschieden sie zwischen veröffentlichten Informationen, wie sie in publizierten Studien erscheinen, und nichtpublizierten Angaben auf Websites, von Konferenzen, von der Industrie, den Behörden etc.

Beträchtliche Diskrepanz zwischen verschiedenen Datenquellen

Das Resultat der Untersuchungen zeigt, dass die beiden Datenquellen (publiziert vs. nichtpubliziert) eine andere Sprache sprechen. So wurden in den veröffentlichten Informationen bei derselben medizinischen Intervention generell deutlich weniger Nebenwirkungen aufgeführt als in den (unzensurierten) nichtveröffentlichten Angaben. Die Diskrepanz war dabei so gross, dass ohne die unveröffentlichten Quellen häufig 40 bis 80 Prozent der Informationen verpasst worden wären.

Dass unter solchen Voraussetzungen Übersichtsartikel (Metaanalysen), die nur auf veröffentlichten Studiendaten basieren, das Ausmass der Nebenwirkungen regelmässig unterschätzen, ist offensichtlich. Die Studie aus England verdeutlicht laut den beteiligten Wissenschaftlern, wie wichtig es ist, dass die pharmazeutische und medizinaltechnische Industrie alle medizinischen Daten zu ihren Medikamenten und Behandlungsverfahren vollständig öffentlich zugänglich macht. Ärzte und Patienten können andernfalls keinen informierten Entscheid darüber fällen, welche Behandlung im konkreten Fall die beste ist.

Quelle:

http://www.nzz.ch/wissenschaft/medizin/medizinische-therapien-verschwiegene-nebenwirkungen-ld.117924

http://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371/journal.pmed.1002127

 

Kommentar & Ergänzung:

Ich teile das pauschale Feindbild der bösen Pharmaindustrie, wie es in Komplementärmedizin und Alternativmedizin immer wieder anzutreffen ist, überhaupt nicht. Pauschale Feindbilder dienen mehr der Festigung und Selbstvergewisserung der eigenen Position, des eigenen Lagers. Das führt zu gar nichts.

Sehr nötig ist jedoch präzise, auf Argumente gestützte Kritik an der Pharmaindustrie dort, wo sich Missstände zeigen. Und die Intransparenz von Daten in der medizinischen Forschung ist ein solcher Missstand. Das betrifft aber eben gerade nicht nur die „chemische“ Pharmaindustrie, sondern genauso die Hersteller von „alternativen“ Heilmitteln.

Der Arzt Ben Goldacre und die Organisation „Sense About Science“ in London führen schon seit längerem eine Kampagne für Transparenz in der Forschung.

Hier gibt es dazu mehr Informationen und die Möglichkeit, das Anliegen mit einer Online-Petition zu unterstützen:

Medizinische Forschung: Petition fordert volle Transparenz

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) verteidigt Homöopathie

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Achtung, Achtung: Wichtige Durchsage für alle Verschwörungstheoretiker, die daran glauben, dass die böse „Pharmaindustrie“ Krieg führt gegen die sanften Naturheilmittel und diese mit aller Macht unterdrücken und ausrotten will……

Unerhörtes ist nämlich passiert, und ausgerechnet die „Pharmazeutische Zeitung“ und die „Ärzte Zeitung“ berichten davon:

Nachdem Professor Josef Hecken, Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses, sich in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ dafür ausgesprochen hat, Homöopathie als Kassenleistung wegen fehlender Evidenz zu verbieten, verteidigt ausgerechnet der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) die Homöopathie. BPI-Hauptgeschäftsführer Henning Fahrenkamp verlangt, auch in Zukunft Satzungsleistungen anzubieten. Es gebe zahlreiche Erkrankungen, bei denen homöopathische Arzneimittel eingesetzt werden können, schreibt der BPI. Auch der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) widerspricht Heckens Vorschlag. Ärzten, Apothekern und Patienten sollte eine möglichst große Vielfalt von Arzneimitteln zur Verfügung stehen, verlangt BAH-Geschäftsführer Elmar Kroth.

Quellen für die Stellungnahmen von BPI und BAH:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=64860

http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/krankenkassen/article/918270/todesfaelle-krebszentrumhecken-watscht-homoeopathie-ab.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Diese neue Situation fordert nun alle Verschwörungstheoretiker heraus, ihre Konstrukte und Konzepte so anzupassen, dass das bewährte Feindbild weiterhin intakt bleibt.

Hier kann nur angedeutet werden, in welche Richtung die Neuinterpretation gehen könnte: Es kann sich bei diesen Stellungnahmen von BPI und BAH eigentlich nur um eine Finte handeln. Der Feind will uns täuschen und in Sicherheit wiegen……

Jetzt aber im Ernst:

Der Vorfall zeigt exemplarisch, dass es die scharfe Trennung zwischen der „Pharmaindustrie“ und den Naturheilmittelherstellern so nicht gibt. Hersteller von Homöopathika und auch von Phytopharmaka sind bestens in die Verbände der Pharmaindustrie integriert, die ihre Interessen vertreten. In Deutschland sind das der BPI und der BAH.

Unabhängig davon, ob man die Homöopathie als spezifisch wirksam ansieht oder nicht, kann man an diesem Beispiel feststellen: Der „Pharmaindustrie“ geht es nicht um einen ideologischen Krieg gegen die Naturheilmittel. Ihr kommt es auch nicht darauf an, ob ein Präparat „chemisch“ oder „natürlich“, wirksam oder unwirksam ist. Entscheidend dürfte eher sein, ob sich ein Produkt mit angemessenem Gewinn unter dem Begriff Arzneimittel verkaufen lässt. Bewährt sich ein Naturheilmittel und erreicht es einen bedeutenden Marktanteil, wird die „Pharmaindustrie“ nicht einen geheimen Vernichtungsfeldzug starten, sondern in diesem Mark mit Konkurrenzprodukten aktiv werden (1) oder Naturheilmittel-Hersteller aufkaufen(2).

Beispiele für (1) sind:

– Die Firma Sandoz, eine Generika-Tochter von Novartis, die einen Ginkgo-Extrakt verkauft und mit Sanabronch einen Hustensirup auf der Basis von Efeublätter-Extrakt.

– Die Firma Viforpharma mit den Präparaten Faros (Weissdorn-Extrkt), Jarsin (Johanniskraut-Extrakt), Feminelle (Traubensilberkerzen-Extrakt), Hepa-S (Artischocken-Extrakt) und Colosan mite (Sterculia).

Beispiele für (2) sind:

– Die mehr als 100 Jahre alte Marke Abtei, die 1996 unter das Dach der SmithKlineBeecham kam, der heutigen GlaxoSmithKline, und 2012 von der Abtei OP Pharma GmbH übernommen wurde, einer Tochter der Omega Pharma, einem belgischen Pharmazieunternehmen.

– Die Baldriparan-Präparate – Beruhigungsmittel auf der Basis von Baldrian, Melisse und Hopfen – die zum Pharmakonzern Pfizer gehören.

– Die Kytta Beinwellsalbe, die schon vor längerem in den Pharmakonzern Merck integriert wurde.

– Die Phytopharmaka-Herstellerin Steigerwald, die 2013 von Bayer aufgekauft worden ist, eine freundliche Übernahme übrigens – die Besitzer wollten an Bayer verkaufen. Siehe dazu: Bayer übernimmt Phytopharmaka-Hersteller Steigerwald.

Daneben gibt es natürlich immer noch eine ganze Reihe von Naturheilmittel-Herstellern, die unabhängig unterwegs sind. In Deutschland zum Beispiel die Dr. Willmar Schwabe Gruppe in Karlsruhe oder Bionorica in Neumarkt, in der Schweiz die Firmen Zeller in Romanshorn oder Bioforce in Roggwil.

Ich habe diese Hintergründe hier aufgeführt um zu zeigen, dass die Verbindungen zwischen Naturheilmittel-Herstellern und der „Pharmaindustrie“ vielfältig sind und sich diese „Landschaft“ nicht so simpel in ein Schwarz-Weiss-Schema einteilen lässt, wie es von den Verschwörungstheoretikern gerne gepflegt wird.

Ich habe mich dabei auf die Phytopharmaka-Hersteller konzentriert, weil ich die besser kenne. Über die Besitzverhältnisse der Homöopathika-Hersteller weiss ich nicht so genau Bescheid.

Der Homöopathika-Hersteller Heel aber zum Beispiel ist eine Tochtergesellschaft der Delton-Gruppe, die zu 100% dem BMW-Grossaktionär Stefan Quandt gehört, ein Umfeld also, das je eigentlich nicht so recht zum sanft naturnahen Image passt. Heel finanzierte zudem zusammen mit der Deutschen Homöopathie-Union (DHU) und den Firmen Staufen Pharma, WALA Heilmittel, Weleda und Hevert einen Schreiber, der im Internet Kritiker komplementärmedizinischer Verfahren systematisch diffamierte, ein ausserordentlich rüdes Vorgehen, das man eher der bösen Pharmaindustrie zutrauen würde. Siehe dazu den Bericht der „Süddeutschen“:

Homöopathie-Lobby im Netz: Schmutzige Methoden der sanften Medizin

Auch hier: Der schlichte Gegensatz – da die sanften, selbstlosen, menschenfreundlichen Hersteller von Naturheilmitteln und Homöopathika, dort dagegen die bösen, ausschliesslich kommerzgetriebenen Pharmakonzerne – funktioniert einfach nicht.

Anstatt die „Welt“ schön und klar in die Guten und die Bösen einzuteilen wäre es sinnvoller, allen kritisch auf die Finger zu schauen – den Naturheilmittel-Herstellern genauso wie der „chemischen“ Pharmaindustrie.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpraktiker-Ausbildung in der Kritik

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Für die Ausbildung zum Heilpraktiker oder zur Heilpraktikerin gibt es weder Qualitätsstandards noch gesetzliche Regelungen. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch für die Schweiz, wo anstelle von „Heilpraktiker“ eher von „Naturheilpraktiker“ oder „Naturarzt“ die Rede ist. Entsprechend wird dann auch eher von „Naturheilkunde-Ausbildungen“ gesprochen. In der Schweiz gibt es aufgrund der Volksabstimmung 2009 inzwischen eine Höhere Fachprüfung Komplementärtherapie, die zwar gesetzlich geregelt ist, aber ebenfalls ohne auch nur annähernd fundierte Qualitätsstandards auskommt, und daher eine Qualitätssicherung vorspiegelt.

Wir haben es jedenfalls hier mit einem veritabler Begriffssalat und einem intransparenten Wirrwar zu tun.

Die Zeitschrift „Annabelle“ hat ein Interview veröffentlicht mit der deutschen Autorin Anousch Mueller. Sie wollte Heilpraktikerin werden, doch während der Ausbildung an der Berliner Paracelsus-Schule beschlichen sie immer grössere Zweifel. Über ihre Erfahrungen hat sie ein Buch geschrieben („Unheilpraktiker“, Riemann Verlag 2016)

Zum Interview geht’s hier.

Auch wenn die Kritik hart klingen mag. Sie trifft in einer ganzen Reihe von Punkten glasklar zu.

Zu Recht kritisiert wird meiner Erfahrung nach zum Beispiel:

– Die weit verbreitete, völlig unkritische Glorifizierung von allem, was als traditionelle Naturheilkunde gilt. Tradition hat dann einen Wert, wenn man sich sorgfältig, offen, aber auch kritisch mit ihr auseinandersetzt. Tradition hat jedoch nicht immer Recht. Siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

– Das weitgehende Fehlen einer auch nur einigermassen ernstzunehmenden Qualitätssicherung in Ausbildung und Praxis.

– Die nicht selten völlig überzogenen Versprechungen.

– Die Verwendung von Begriffen wie „Energie“, „Schwingungen“, „Ausleitung“ in völlig undefinierter Form, so dass sie willkürlich quasi als „Dienstmagd für alles“ zur Erklärung von x-Beliebigem eingesetzt werden können. Zu Recht sagt Anousch Mueller im Interview: „Wenn etwas nach Geschwurbel klingt, sollte man es kritisch hinterfragen. Das ist meine Botschaft.“

– Verbreitete Indoktrination mit irrationalen Theorien in der Ausbildung.

– Verbreitete pauschale Verteufelung von medizinischen Massnahmen, die in manchen Fällen richtig, wichtig oder gar lebensnotwendig sind (Kortison! Impfen! Chemotherapie!).

 

Ich will nicht generalisieren. Es gibt auch in diesem Bereich Leute, die ihre Arbeit sorgfältig machen, keine pauschalen Feindbilder gegen die böse „Schulmedizin“ und „Pharmaindustrie“ kultivieren und ihre Grenzen kennen. Aber das sind nach meiner Erfahrung eher die Ausnahmen als die Regel. Und das muss man klar benennen – vor allem, weil diese „Heilerszene“ meistens so sanft, ganzheitlich und menschenfreundlich daher kommt, was leider oft irreführend ist.

Im Interview wird Anousch Mueller gefragt:

„Sie halten die Naturheilkunde für rückständig?“

Antwort:

„Allerdings. Paradoxerweise wird der Schulmedizin ja immer vorgehalten, sie sei rückständig und orthodox. In Wahrheit ist es genau umgekehrt.“

Diese Aussage scheint mir zu pauschal. Sie mag ja vielleicht auf die Erfahrungen der Autorin mit der Paracelsus-Schule zutreffen….

Vor allem liegt dieser Aussage aber meinem Eindruck nach ein unklarer Begriff von „Naturheilkunde“ zugrunde, wie er heute leider weit verbreitet ist. Viele der Methoden, von denen Anousch Mueller im Interview spricht – zum Beispiel Bioresonanz, Kinesiologie, Homöopathie, Bachblüten, Schüsslersalze – gehören nicht zur Naturheilkunde, wenn man den Begriff genau verwendet.

Die Naturheilkunde hat, so wie dieser Begriff entstanden ist, ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert. Die Idee der Naturheilkunde-Begründer war, Faktoren für die Gesundwerdung direkt aus der Natur zu nehmen. Im Kern bestand diese klassische Naturheilkunde aus dem, was später mit den 5-Säulen der Kneipptherapie umschrieben wurde:

Hydrotherapie (Wasseranwendungen)

Ernährungstherapie

Heilpflanzen-Anwendungen

Bewegung, Luft, Licht

Lebensordnung

Grundsätzlich sind diese fünf Verfahren kompatibel mit Medizin und Wissenschaft. Sie sind wissenschaftlicher Forschung zugänglich, lassen sich mit wissenschaftlichen Begriffen und Theorien beschreiben und allfällige Effekte im menschlichen Organismus sind messbar.

Wenn man nun diese Verfahren genau so anwendet, wie das vor allem im 19. Jahrhundert oder in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gemacht wurde, dann sind sie tatsächlich veraltet. Zu diesem Blödsinn wird aber niemand gezwungen:

Hydrotherapie lässt sich auf neueren Erkenntnissen begründen und wird dann anschlussfähig an Physiotherapie.

Ernährungstherapie kann sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützen (auch wenn Ernährungsstudien oft wenig fundiert sind, siehe dazu: Viele Ernährungsstudien mit wenig Aussagekraft.

Heilpflanzen-Anwendungen sind ein Spezialbereich der Pharmakologie. Pflanzliche Wirkstoffe lassen sich im Labor testen. Effekte von Heilpflanzen-Präparaten können in klinischen Studien an Patienten überprüft werden

Altes Wissen kann so durch neue Forschung bestätigt oder als Irrtum verworfen werden. Diese erneuerte Form der Heilpflanzen-Anwendung nennt sich dann Phytotherapie.

Die hohe Bedeutung von Bewegung für die Gesundheit ist in den letzten Jahren durch zahlreiche Studien dokumentiert worden.

Lebensordnung als angejahrter Begriff kann mit neuen Inhalten gefüllt werden, nennt sich dann vielleicht psychosomatische Medizin oder „Lifestyle-Modifikation“ und gehört zur Psychologie.

Voilà. Wir kommen so vom Methodischen her schon ziemlich nah an eine keineswegs veraltete, sondern zeitgemässe Naturheilkunde.

Was es dann noch braucht für eine seriöse Anwendung sind vor allem Elemente, die mit einer bestimmten Grundhaltung verbunden sind. Zum Beispiel:

– Erkennen von Grenzen der eigenen Methoden.

– Vermeiden von pauschalen Feindbildern und Verschwörungstheorien gegen „Schulmedizin“ und „Pharmaindustrie“ (was nicht Kritiklosigkeit heisst, aber Kritik muss auf Argumenten basieren und konkrete Punkte in Frage stellen).

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde-Ausbildung – was Sie wissen sollten (…wenn Sie sich für eine Naturheilkunde-Ausbildung interessieren)

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/10/18/naturheilkunde-ausbildung-was-sie-wissen-sollten.html

Naturheilkunde: Sorgfältig prüfen lernen

Naturheilkunde-Ausbildung: Mehr kritisches Denken – weniger blinden Dogmatismus

Komplementärmedizin: Genauer Nachdenken, differenzierter argumentieren

Naturheilkunde – was ist das?

Pflanzenheilkunde: Kritische Reflexion statt Missionarismus

Komplementärmedizin: Mehr Argumente – weniger fraglose Gläubigkeit

 

Mehr Kontroverse in Komplementärmedizin, Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde

Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde: Nachfragen statt blind glauben

Naturheilkunde: Selber denken statt blind glauben

 

Pflanzenheilkunde / Komplementärmedizin: Vom Wert des Zweifels

Naturheilkunde und Medizin – kein Entweder-oder

…….huch, das ist ja ein ganz schöner Marathon, aber er zeigt, dass mir das Thema ernst und wichtig ist.

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Satire-Song über Erdogan – teilen, weiterverbreiten, jetzt erst recht

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Wegen einer NDR-Satieresendung, die den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aufs Korn nimmt, wurde der deutsche Botschafter in der Türkei ins Aussenministerium zitiert. Die türkische Regierung soll verlangt haben, dass das Video gelöscht wird. Darauf gibt es nur eine passende Antwort: teilen, weiterverbreiten…..

Das Video wirft nämlich Kritikpunkte an, die sehr relevant sind – zum Beispiel die Abschaffung der Pressefreiheit durch Erdogan.

In der Türkei würden die Urheber eines solchen Videos mit grosser Wahrscheinlichkeit vom Präsidenten persönlich vor Gericht gezogen und langjährige Gefängnisstrafen riskieren.

Englische und türkische Untertitel lassen sich im YouTube-Video einstellen.

Bitte teilen, damit ein möglichst grosser Streisand-Effekt entsteht (Erklärung dazu auf Wikipedia).

Bericht auf Spiegel online.

 

 

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Lavendelöl-Präparat bei Angststörungen

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An der Pharma World in Düsseldorf kommentierte Dr. Mario Wurglics von der Goethe-Universität Frankfurt Forschungsergebnisse zum Lavendelöl-Präparat Silexan.

Das Präparat aus Lavandula angustifolia sei ein rationales Phytopharmakon zur Therapie von Angststörungen bei Erwachsenen. Es habe eine belegte Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit, löse keine Sedierung aus und verbessere die Schlafqualität.

In der S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen werde Silexan bei den pflanzlichen Präparaten genannt. Es enthält ein spezielles Lavendelöl mit einem Gehalt an Linalool und Linalylacetat von etwa 80 Prozent. Das sei extrem hoch, sagt Wurglics.

In zwei Studien zeigte sich Silexan laut Wurglics dem Placebo deutlich überlegen und war vergleichbar wirksam zu Lorazepam. 2014 wurde eine dritte Studie veröffentlicht, bei der Silexan (80 oder 160 mg) sowohl dem Paroxetin als auch einem Placebo überlegen war.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=60027

Kommentar & Ergänzung:

Silexan ist ein „optimiertes“ Lavendelöl mit einem besonders hohen Gehalt an den wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffen Linalool und Linalylacetat. Die Kapseln sind in Deutschland unter dem Namen Lasea® im Handel. In der Schweiz können sie von Apotheken aus Deutschland besorgt werden.

Siehe auch:

Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln Lasea bei Angststörungen

Arznei-Telegramm kritisiert Lavendelöl-Präparat Lasea

Bfarm wehrt sich gegen Kritik an der Zulassung des Lavendelöl-Präparats Lasea

Lavendelöl-Kapseln reduzieren Angst bei Depressionen (Fallstudie)

Studie: Lavendelöl lindert Angststörungen

 

 

 

Lavendelöl reduziert Angst und bessert den Schlaf

Phytotherapie: Lavendelöl als Angstlöser

 

Phytotherapie: Lavendelöl gegen Unruhe

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Fragwürdige Eigenverantwortungsideologie in Esoterik und Alternativmedizin

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In Esoterik und Alternativmedizin trifft man oft auf eine fragwürdige Eigenverantwortlichkeitsideologie nach dem Motto:

Meine Krankheit teilt mir etwas mit, sie drückt aus, dass in meinem Leben etwas falsch ist und ich habe es selbst in der Hand, dies zu ändern.

Der Gesundheitswissenschaftler Joseph Kuhn nimmt diese Vorstellungen in seinem Blog kritisch unter die Lupe und schreibt:

„Die Sozialepidemiologie hat inzwischen in tausenden Studien gezeigt, dass der wichtigste Einflussfaktor auf die Gesundheit der Menschen die soziale Lage ist. Das untere Einkommensfünftel stirbt etwa 10 Jahre früher als das obere. Man verstehe mich nicht falsch: Vieles an unserem Lebensstil ist nicht sonderlich gesund und vieles kann man selbst ändern. Aber dass man ‚gesund, ganz und heil’ wird, das steht eben allzu oft nicht in unserer Macht und ein solches Heilversprechen an einen Wandel des Lebensstils zu knüpfen, ist Hybris.“

Kuhn schreibt weiter, hier kehre im Gewande eines alternativmedizinischen Irrtums eben jene Omnipotenzphantasie wieder, welche die Alternativmedizin bei der etablierten Medizin anprangere: dass sie einem Machbarkeitswahn verfallen sei, der die vernünftigen Grenzen des eigenen Tuns nicht mehr erkennt.

Quelle:

http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2015/05/31/alternativmedizinische-omnipotenzphantasien/

Kommentar & Ergänzung:

Die Kritik von Joseph Kuhn trifft präzis einen wichtigen Punkt. Wer genau und ohne Scheuklappen hinschaut, erkennt in der Alternativmedizin laufend Allmachtsphantasien. Allzu oft wird das Heil und die Überwindung aller Krankheiten versprochen – erreichbar durch eine bestimmte Methode oder ein bestimmtes Heilmittel.

Kritisches Nachfragen ist deshalb notwendig.

Siehe dazu:

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Inquisitionsopfer Homöopathie?

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Die Webplattform heute.at berichtet über ein Expertengespräch zur Homöopathie und zitiert dabei einen „Martin Peithner, Vorsitzender des ‚Fachausschusses für Homöopathie’“:

„Die Inquisition ist zurück……..Wir haben eine gute Chance, verbrannt zu werden, wenns nach unseren Kritikern geht.“

Quelle:

http://www.heute.at/lifestyle/gesundheit/art23696,1144972

Kommentar & Ergänzung:

 

Uff – das ist eine inakzeptable Verharmlosung der Inquisition.

In der Inquisition wurden sogenannte Ketzer verfolgt. Dabei kam auch Folter zur Anwendung und es wurden manchmal auch Todesurteile ausgesprochen und vollstreckt.

Und was passiert der Homöopathie? Sie wird mit kritischen Einwänden „misshandelt“. Zum Beispiel durch Norbert Aust im Blog „Beweisaufnahme Homöopathie“.

Erfüllt das schon den Tatbestand der Folter?

Es wäre doch einfach schön, wenn Herr Peithner und der „Fachausschuss für Homöopathie“ auf kritische Argumente mit Gegenargumenten reagieren würden – und nicht mit dieser ausgesprochen weinerlichen Opfer-Inszenierung.

Fakt ist: Von den Arzneimittelbehörden in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird die Homöopathie hoch privilegiert. Homöopathika sind vom Wirksamkeitsnachweis befreit. Sie dürfen als Heilmittel verkauft werden, ohne dass die Hersteller die Wirksamkeit ihrer Präparate belegen müssen.

Gegenüber den „chemischen“ Medikamenten ist das eine ausgesprochene Bevorzugung. Es gibt also kein Opfer „Homöopathie“ – und schon gar kein Inquisitionsopfer.

 

Martin Peithner sollte das wissen, ist er doch Geschäftsführer der Homöopathie-Firma Dr. Peithner KG – eine Interessensbindung, die heute.at im Artikel unterschlägt. Homöopathika-Hersteller brauchen dank der Befreiung vom Wirksamkeitsnachweis keinen Franken bzw. Euro in die Forschung zu investieren.

„Vorsitzender des Fachausschusses für Homöopathie“ – das tönt sachlich, expertenhaft und neutral – dass der Mann hauptberuflich Homöopathika-Verkäufer ist, wäre aber zur Einschätzung seiner Glaubwürdigkeit nicht ganz unwichtig.

Der Text auf heute.at ist ein Beispiel für fragwürdige und irreführende Berichterstattung.

Eine gewisse Privilegierung gibt es im übrigen auch bei Phytopharmaka, wenn auch nicht so radikal wie bei Homöopathika.

Traditionelle Heilpflanzen-Anwendungen wie zum Beispiel Kamillentee sind vom Wirksamkeitsnachweis befreit. Neu entwickelte Extrakt-Präparate müssen aber ihren Nutzen belegen.

Phytoparmaka-Hersteller, die nicht nur althergebrachtes verkaufen, sondern moderne Produkte entwickeln, haben daher einen nicht zu unterschätzenden Forschungsaufwand. Auch kommen Phytopharmaka in der Schweiz nur mit Wirksamkeitsstudien auf die Liste der Präparate, die durch die Grundversicherung bezahlt werden. Homöopathika und Anthroposophika werden dagegen ohne Wirksamkeitsnachweis von den Krankenkassen bezahlt.

Dass die Inszenierung der Homöopathie als armes, unschuldiges Opfer, wie sie Martin Peithner zelebriert, vollkommen deplaziert ist, zeigt sich auch an anderen Beispielen im „homöopathischen“ Umgang mit Kritik.

Da werden Kritiker schon mal mit Einschüchterungsversuchen eingedeckt:

Homöopathie-Konzern Boiron: Einschüchterungsversuch  gegen Kritiker

Oder es wird ein Journalist bezahlt, damit er Homöopathie-Kritiker mit einer diffamierenden Internetkampagne schlecht macht:

Homöopathie-Lobby im Netz: Schmutzige Methoden der Sanften Medizin

Das hier beschriebene Phänomen betrifft nicht nur die Homöopathie. In weiten Bereichen von Komplementärmedizin, Alternativmedizin und Naturheilkunde fehlt ein konstruktiver Umgang mit Kritik. Stattdessen findet man Opferlegenden, wie oben im Beispiel mit Dr. Peithner, oder Verschwörungstheorien („Die böse Pharmaindustrie“).

Kritik mit starken Argumenten ist aber wichtig für jeden Fortschritt des Wissens. Kritik trägt dazu bei, Irrtümer und Fehler zu entdecken und zu überwinden.

Ohne fundierte Kritik mit Argumenten ist es kaum möglich, sich eine eigenständige Meinung über Versprechungen zu bilden. Ohne Kritik setzt sich durch, was am lautstärksten propagiert wird.

Siehe auch:

 Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Komplementärmedizin – genauer nachdenken, differenzierter argumentieren 

Pflanzenheilkunde: Kritische Reflexion statt Missionarismus

Komplementärmedizin: Mehr Argumente – weniger fraglose Gläubigkeit 

Naturheilkunde: Kritische Fragen unerwünscht? 

Mehr Kontroverse in Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde

Komplementärmedizin – Naturheilkunde – Pflanzenheilkunde: Nachfragen statt blind glauben!

Naturheilkunde: selber denken statt blind glauben

 

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Edzard Ernst zu Nutzen und Risiken von Pflanzenheilmitteln

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Edzard Ernst ist emeritierter Professor für Alternativmedizin an der Universität Exeter (Grossbritannien). Der profilierte Kritiker der Homöopathie stellt sich im Interview mit dem Tages-Anzeiger den Fragen von Kai Kupferschmidt.

In der Alternativmedizin wird oft behauptet, dass alternative Heilverfahren sich nicht eignen für die Prüfung in klinischen Studien im Vergleich zu Scheinpräparaten (Placebos). Ernst hält diese Behauptung für Humbug und findet, dass diejenigen, die so argumentieren, einfach nicht zu einem endgültigen Ergebnis kommen wollen.

Im Interview wird Ernst gefragt, ob denn gar nichts wirke in Naturheilkunde und Alternativmedizin. Doch, er habe einmal in einer Publikation nur die positiven Dinge rausgestellt, antwortet Ernst. Da seien etwa 20 Therapieformen genannt, vornehmlich Pflanzenheilmittel, aber auch physikalische Massnahmen wie Massage.

Warum gerade Pflanzenheilmittel gut abschneiden, fragt der Interviewer weiter.

Antwort Ernst:

„Viele moderne Medikamente haben eine pflanzliche Basis. Pflanzen enthalten pharmakologisch aktive Moleküle, es ist nicht erstaunlich, dass sie etwas Gutes bewirken können. Gleichzeitig können sie aber auch Schaden verursachen.“

Diesen Faden nimmt der Interviewer auf mit der Feststellung, dass viele glauben, dass ein pflanzliches Mittel nicht schaden kann.

Darauf Ernst:

„Dabei sind viele regelrecht gefährlich. Chinesische Phytotherapeutika zum Beispiel sind meist Kombinationen. Da weiss niemand, was wirklich mit was interagiert. Oft sind sie mit Schwermetallen verunreinigt, oder es sind chemische Präparate reingemischt. Johanniskraut kann bei Depressionen helfen, aber wenn es mit anderen Medikamenten interagiert, etwa mit Gerinnungshemmern, kann es den Spiegel dieser Medikamente im Blut so stark senken, dass Patienten einen Schlaganfall erleiden.“

Quelle:

http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medizin-und-psychologie/Wir-lassen-uns-viel-zu-viel-gefallen/story/20481809

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Behauptung, dass alternative Heilverfahren sich nicht eignen für die Prüfung in klinischen Studien im Vergleich zu Scheinpräparaten (Placebos), ist meiner Ansicht nach oft tatsächlich fragwürdig. Und sie dient dann wohl wirklich nur zur Abwehr negativer Studienergebnisse.

Heilpflanzenpräparate (Phytopharmaka) jedenfalls eignen sich grundsätzlich gut zur Überprüfung mittels klinischer Studien im Vergleich zu Placebos.

Trotzdem muss man aber meines Erachtens berücksichtigen, dass es in der Forschung über Phytopharmaka einige spezifische Schwierigkeiten gibt:

– Firmen investieren hauptsächlich dann im grossen Stil Geld in Forschung, wenn die dazu gehörenden Produkte patentierbar sind. Bei neu entwickelten chemischen Verbindungen ist das Patentieren einfacher. Heilpflanzen als solche können nicht patentiert werden.

Beispiel: Johanniskraut als Kräutertee wird nicht erforscht, weil sich das für keine Firma rentiert. Jeder könnte die Forschungsergebnisse für sich nutzen. Daher konzentriert sich die Forschung auf firmenspezifisch entwickelte Johanniskraut-Extrakte, die patentierbar sind.

– Die verschiedenen Präparate aus einer Heilpflanze unterscheiden sich bezüglich Wirkstoffgehalt und Wirkung oft beträchtlich. Die Forschung kann daher genau genommen nichts Generelles sagen über die Wirkung beispielsweise von Baldrian, sondern nur über die Wirkung des jeweils untersuchten Präparats.

Beispiel:

Forschungsresultate eines bestimmten Baldrianextrakts lassen sich nicht 1:1 auf andere Baldrianextrakte und schon gar nicht auf Baldriantinktur oder Baldriantee übertragen.

Jeder Hersteller muss daher die Wirksamkeit seines Präparats separat belegen, was aufwändig ist. Und weil die Präparate oft sehr unterschiedlich sind, lassen sich die Forschungsresultate auch nicht so einfach für Metastudien zusammenfassen.

Und ja, Professor Ernst hat Recht mit dem Hinweis, dass Pflanzenpräparate auch Schaden können. Das kommt zwar eher selten vor und ist meistens die Folge von falscher Anwendung, doch müssen allfällige Nebenwirkungen und Interaktionen berücksichtigt werden.

Das ist ein Unterschied zu Homöopathika, Schüssler Salzen oder Bach-Blütentropfen, die keine Wirkstoffe enthalten und daher keine spezifischen Wirkungen, aber auch keine spezifischen Nebenwirkungen und keine Interaktionen auslösen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Lavendelöl: Keine Interaktionen mit der „Pille“

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Eine im Fachmagazin «Drugs in Research in Development» publizierte Studie findet keine Interaktionen (Wechselwirkungen) zwischen der „Pille“ und der Lavendelöl-Zubereitung „Lasea®“.

Die doppelblinde, randomisierte Pilotstudie mit 24 Probandinnen zeigt, dass die gleichzeitige Einnahme eines Lavendelöl-haltigen Fertigpräparats und eines oralen Kontrazeptivums die Plasmaspiegel der Hormone nicht beeinflusst.

Die Frauen nahmen entweder über zwei Monate lang eine Ethinylestradiol- und Levonorgestrel-haltige Pille (Microgynon®) und die angstlösende Lavendelöl-Zubereitung Silexan® ein, die im Fertigarzneimittel Lasea® enthalten ist, oder Microgynon plus Placebo. Die Verum- und die Placebo-Gruppe wechselten nach einem Monat (Crossover-Design). Jeweils am Tag 18 ± 1 des Zyklus‘ nahmen die Wissenschaftler Blutproben und maßen die Konzentration-Zeit-Kurven der beiden Hormone über ein Intervall von 24 Stunden, die sogenannte Area under the Curve (AUC), sowie die maximale Konzentration (cmax). Beide Werte bewegten sich im Sollbereich und sollten damit ihre empfängnisverhütende Wirkung entfalten können, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin «Drugs in Research in Development». Die Follikelgröße und die Dicke der Gebärmutterschleimhaut blieben ebenfalls unbeeinflusst.

Quellen:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=56694

DOI: 10.1007/s40268-014-0065-5

 

Kommentar & Ergänzung:

Zur Wirkung von Lavendelöl gegen Angststörungen siehe auch:

Phytotherapie: Lavendelöl gegen Unruhe

Phytotherapie: Lavendelöl als Angstlöser 

Lavendelöl reduziert Angst und bessert den Schlaf

Studie: Lavendelöl lindert Angststörungen

Lavendelöl-Kapseln reduzieren Angst bei Depressionen (Fallstudie) 

Arznei-Telegramm kritisiert Lavendelöl-Präparat Lasea 

BfArM wehrt sich gegen Kritik an der Zulassung des Lavendelöl-Präparats Lasea

Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln bei Angststörungen 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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[Buchtipp] Verbesserte Körper – gutes Leben? Bioethik, Enhancement und die Disability Studies, von Miriam Eilers, Katrin Grüber, Christoph Rehmann-Sutter

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verbesserte_koerper_gutes_lebenVerlagsbeschreibung:

Enhancement (= „Verbesserung“) – Behinderung – gutes Leben.

Der Band verknüpft diese drei Themen und entwickelt einen breiten Zugang zur Debatte um die biotechnologischen Möglichkeiten zur Verbesserung des menschlichen Körpers. Die Beiträge gehen von der Arbeitshypothese aus, dass die Erfahrungen von Menschen mit Behinderungen wichtig sind, um ethische Fragen, die sich bei Enhancement-Projekten stellen, konkreter – und so besser – zu verstehen.

Eine zweite Hypothese ist, dass die Sprache der Rechte, Pflichten und Verbote nicht ausreicht, um zu erfassen, worum es im Kern der Fragen zum Enhancement in ethischer Hinsicht geht. Stattdessen muss geklärt werden, inwieweit mit einer möglichen Verbesserung auch eine Steigerung des menschlichen Wohls verbunden ist und welche Veränderungen im Kontext eines guten Lebens wünschenswert sind.  Zum Shop

Inhaltsverzeichnis:

Inhalt:

Miriam Eilers / Katrin Grüber / Christoph Rehmann-Sutter: Einleitung.

Alfred Nordmann: Die unheimliche Wirklichkeit des Möglichen: Kritik der zukunftsverliebten Technikbewertung.

Christina Schües: Menschliche Natur, glückliche Leben und zukünftige Ethik. Anthropologische und ethische Hinterfragungen.

Christoph Rehmann-Sutter: Können und wünschen können.

Katrin Grüber: Bedingungen für ein gutes Leben mit Behinderung.

Stuart Blume: Ethikdebatte und gesellschaftlicher Prozess: Lehren aus der Geschichte des Cochlea-Implantats.

Sigrid Bosteels / Stuart Blume: Über Konstruktion und Dekonstruktion von Gehörlosigkeit bei Kindern.

Jackie Leach Scully: Auf moralisch unsicherem Terrain: Über Embodiment, Enhancement, und Normativität.

Miriam Eilers: «Fünfundzwanzigstündiger Arbeitstag – denn ne Prothese wird nie müde.» Normative und selektive Implikationen der Prothetik nach dem Ersten Weltkrieg.

Birgit Stammberger: Posthumane Verkörperungen in einer Post-Gender Welt? Kulturelle Dimensionen der kosmetischen Chirurgie.

Trijsje Franssen: Prometheus steigt herab: Beeinträchtigung oder Enhancement?

Lisa Forsberg: Mood-Enhancement und die Authentizität der Erfahrung: Ethische Überlegungen.

Annika den Dikken: Die ethische Relevanz von Körperbildern für die Enhancement-Debatte.

Morten Hillgaard Bülow: Das gute alte Hirn. Wie die Sorgen um eine alternde Gesellschaft und die Ideen zum kognitiven Enhancement in den Neurowissenschaften interagieren.

Nicolai Münch: Körperverachtung oder Phänomenologie der Leiblichkeit? Eine Kritik am Transhumanismus.

Natasha Burns: Nootropika, Smart Drugs und das Problem der Governance.

Kommentar von Martin Koradi zu diesem Buch:

– Gentechnik und Stammzellentherapie

– Nanotechnologie, Prothetik, Implantate (z. B. Hirnschrittmacher)

– Künstliche Intelligenz (z. B. Gehirn-Computer-Schnittstellen)

– Pharma-Enhacement (Leitungssteigernde und moralfördernde Substanzen)

– Upload aller Daten vom Gehirn auf einen Computer zwecks “Unsterblichkeit”.

Mit solchen Verfahren und Technologien propagiert der sogenannte Transhumanismus die Optimierung und schlussendlich Überwindung des Menschen.

Dabei stellen sich aber eine ganze Reihe von kritischen Fragen, die bisher nur unzureichend thematisiert wurden. Das Buch „Verbesserte Körper – gutes Leben?“ stellt solche Fragen und beleuchtet zum Beispiel die gesellschaftlichen Folgen der transhumanistischen Optimierungsstrategien.

Weitere Informationen zu diesen Themen im Blog Transhumanismus & Kritik.

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