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[Buchtipp] „Gut durch die Krebstherapie“ von Josef Beuth

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KrebstherapieVerlagsbeschreibung

Was Sie jetzt schützt und stärkt.
Sie fühlen sich schlapp, Ihre Gelenke schmerzen oder Ihre Haut juckt? Eine Strahlen- oder Chemotherapie ist belastend und mit vielfältigen Nebenwirkungen verbunden. Gegen die 70 häufigsten Beschwerden im Rahmen einer Krebstherapie können Sie aber einiges tun: Enzyme gegen Lymphödem, Leinsamen-Bäder beim Hand-Fuß-Syndrom oder Bromelain bei Thrombose.
Prof. Dr. med. Josef Beuth, Leiter des Instituts zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren der Universität zu Köln, erklärt die wirksamsten komplementärmedizinischen Möglichkeiten von A-Z. Die bewährten Praxistipps sind sanft und ganzheitlich – ohne Ihre Therapie zu hemmen. So können Sie Ihre akuten Beschwerden kurzfristig in den Griff zu bekommen und Ihr Wohlbefinden langfristig zu steigern. Zum Shop

Zum Autor Josef Beuth

Prof. Dr. med. Josef Beuth ist Leiter des Instituts zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren an der Uni Köln.

Kommentar von Martin Koradi

Im Kern der Krebstherapie – bei der direkten Bekämpfung der Krebserkrankung – haben Heilpflanzen keine Bedeutung – auch wenn immer wieder anderes behauptet wird. Jedenfalls gibt es keine seriösen Belege, dass alleine mit Heilpflanzen-Anwendungen Krebs geheilt werden kann. Das ist bedauerlich, doch braucht es hier eine klare Aussage anstelle von fragwürdigen Versprechungen.

Heilpflanzen-Anwendungen können aber zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen, in dem sie unerwünschte Nebenwirkungen der Chemotherapie oder der Strahlentherapie lindern oder Beschwerden bessern, die mit der Krebskrankheit verbunden sind.

Josef Beuth gibt dazu nützlich Empfehlungen und führt dabei auch eine Reihe von Heilpflanzen an.

Das Buch „Gut durch die Krebstherapie“ ist verständlich geschrieben und eignet sich gut als Patientenratgeber. Es kann aber auch für Fachleute aus medizinischen Berufen (z. B. aus Palliative Care und Onkologiepflege) nützliche Anregungen und Informationen vermitteln

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterkursen und Kräuterwanderungen.

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Curcuma: Wechselwirkungen mit Antikoagulantien? Wirkungen?

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Curcuma, auch „indischer Safran“ genannt, ist ein bekanntes Gewürz von intensiv gelber Farbe, welches vor allem in Currymischungen zur Anwendung kommt. Es wird aus dem Wurzelstock von Curcuma longa, einer asiatischen Heilpflanze aus der Familie der Ingwergewächse, gewonnen.

Curcuma enthält reichlich antioxidativ wirksame Polyphenole aus der Gruppe der Curcuminoide, insbesondere Curcumin.

Traditionellerweise wird Curcuma aufgrund seiner antioxidativen, magenstärkenden, gallenflussfördernden und vor allem auch entzündungswidrigen Eigenschaften verwendet.

Curcumin kann die Aktivität der Proteinkinase C reduzieren, welche als Schlüsselenzym am Entzündungsprozess von vielen chronischen Erkrankungen beteiligt ist. Curcuma bzw. Curcumin wird auch als alternative Therapie bei diversen Krankheiten propagiert. Dazu zählen Arthritis, Arthrose, rheumatoide Polyarthritis, Multiple Sklerose, Krebs oder neurologische Erkrankungen (Alzheimer).

Laut bestimmten Literaturquellen hemmt Curcumin in vitro (= im Reagenzglas) die Thrombozytenaggregation (Zusammenballung der Blutplättchen). Eine Hemmung der Thrombozytenaggregation kann die Blutfliesseigenschaften verbessern, aber damit auch die Blutstillung verlangsamen.

Aus diesem Grund ist bei antikoagulierten Patienten Vorsicht angebracht: Die gleichzeitige Einnahme grösserer Curcumamengen und Antikoagulantien könnte die blutverdünnende Wirkung verstärken und das Blutungsrisiko steigern.

Zugrundeliegende Literatur:

VIDAL Le guide des compléments alimentaires p171

Le Moniteur des pharmacies Moniteur 3110/2016/p57

Micromedex® online

 

Quelle:

 

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5455&NMID=5455&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Heilpflanzen können in bestimmten Situationen andere Arzneimittel in ihrer Wirkung beeinflussen – zum Beispiel die Wirkung verstärken oder abschwächen. Man spricht in solchen Fällen von Wechselwirkungen (Interaktionen), wie sie auch sonst zwischen Medikamenten vorkommen.

Darum ist es wichtig, diesen Aspekt auch bei der Anwendung von Heilpflanzen im Auge zu behalten. Allerdings ist es oft gar nicht so einfach, dazu sichere Aussagen zu machen.

Wenn Curcumin in einem Laborexperiment im Reagenzglas die Thrombozytenaggregation hemmt, lässt sich daraus noch nicht der Schluss ziehen, dass diese Interaktion auch im lebendigen menschlichen Organismus auftritt und auch nicht, dass deswegen ernsthafte Störungen der Blutungsstillung bei Menschen auftreten.

Curcumin wird nämlich nur sehr schlecht aus dem Verdauungstrakt in den Organismus aufgenommen. Es ist deshalb ungeklärt, ob Curcumin in einer Konzentration in den Körper gelangen kann, die dort zu solchen Wechselwirkungen führt, ob solche Wechselwirkungen klinisch relevant sind und wieviel Curcuma man einnehmen müsste, um Störungen auszulösen. Die aktuelle Phytotherapie-Fachliteratur vermerkt jedenfalls bei Curcuma unter dem Punkt „Interaktionen“: „keine“.

Man muss aber auch erwähnen, dass diese Einschänkung möglicher Interaktionen auch für die Wirkungen von Curcuma gilt. Auch bei den Wirkungen kann man nicht einfach von (oft beeindruckenden) Laborergebnissen auf die Wirksamkeit bei Menschen schliessen.

Und wenn oben erwähnt aufgeführt ist, dass Curcuma bei Arthritis, Arthrose, rheumatoide Polyarthritis, Multiple Sklerose, Krebs oder neurologische Erkrankungen (Alzheimer) propagiert wird, dann geht oft unter, dass diese Empfehlungen weitgehend auf Laborexperimenten basieren und dass die limitierte Aufnahmefähigkeit in den Organismus die Aussagekraft dieser Ergebnisse einschränkt.

Im Reagenzglas zeigt Curcumin zum Beispiel eindrückliche entzündungswidrige Effekte und tötet Krebszellen ab. Das belegt aber noch nicht, dass es auch gegen Entzündungen oder gegen Krebserkrankungen im menschlichen Körper wirksam ist. Dazu sind belastbare Ergebnisse aus Patientenstudien nötig.

Bei Arthrose kam eine Übersichtsstudie (Metaanalyse), in der mehrere Einzelstudien ausgewertet wurden zum Schluss, dass Cucurmin sowohl die Schmerzen verringern als auch die Beweglichkeit verbessern kann.

Siehe dazu http://online.liebertpub.com/    doi/10.1089/jmf.2016.3705

Bei Krebs dagegen kommt das Portal Medizin-Transparent zu Schluss, dass sich die Wirksamkeit von Curcumin auf der Basis der vorliegenden Patientenstudien nicht belegen lässt.

Siehe dazu: https://www.medizin-transparent.at/curry-gewurz-gegen-krebs

Am ehesten denkbar sind solche Effekte bei Entzündungen oder allenfalls auch Tumoren im Verdauungstrakt, weil Cucurmin so direkt an den Wirkungsort gelangen kann und nicht resorbiert werden muss.

Siehe dazu:

Kurkuma bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

 

Seit einiger Zeit gibt es aber interessante Forschungs- und Entwicklungsarbeiten mit dem Ziel, die Resorbierbarkeit von Curcumin zu verbessern.

Siehe dazu:

Forschung zur Optimierung der Curcumin-Wirkung gegen Krebs

Forschung: Curcumin gegen Alzheimer & Krebs

Wikipedia fasst die Bemühungen um eine verbesserte Bioverfügbarkeit von Curcumin so zusammen:

„Da Curcumin schwer wasserlöslich ist, wird es im Magen-Darm-Trakt nur in einem sehr geringen Maß absorbiert. Durch Erhitzen oder Auflösung in Öl wird die Bioverfügbarkeit von in Lebensmitteln enthaltenem Curcumin erhöht.

Unter Anwendung von Absorptions-Faktoren werden mehrere Ansätze für eine erhöhte Bioverfügbarkeit untersucht. Ein Curcumin-Phospholipid-Komplex hat eine 29-fach höhere Bioverfügbarkeit als herkömmliches Curcumin. Schwarzer-Pfeffer-Extrakt (Piperin) bewirkt eine 20-fache Bioverfügbarkeit von Curcumin und wird in den meisten Nahrungsergänzungsmitteln mit Curcumin eingesetzt.

In einem von der Bundesregierung geförderten Forschungsprojekt an der Universität Hohenheim durchgeführt, wurde Curcumin in Micellen eingebettet, die vom Körper leichter aufgenommen werden, ohne das die Wirkstoffe hierbei chemisch verändert wurden. Vielmehr erzeugt das patentierte Verfahren eine der Natur analoge Struktur dieser Substanzen mit dem Ergebnis, dass die Bioverfügbarkeit gegenüber herkömmlichen Curcumin-Pulvers um das ca. 180-fache höher ist, einhergehend mit einer ca. 6.8-fach schnelleren Absorption im Organismus.“

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Curcumin (Literatur dort)

Die Bioverfügbarkeit sagt etwas aus über den Anteil eines Wirkstoffes, der unverändert im systemischen Kreislauf (insbesondere im Blutkreislauf) zur Verfügung steht. Sie gibt an, wie rasch und in welchem Mass ein Arzneistoff resorbiert wird und am Wirkort zur Verfügung steht.

Bis ein optimal bioverfügbares und in seiner Wirksamkeit gut belegtes Curcumin-Präparat im Handel ist, düfte es allerdings noch einiges an Entwicklungs- und Forschungsarbeit brauchen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

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Krebs: Alternative Therapien reduzieren Überlebenschancen

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Wer sich gegen eine etablierte Krebstherapie entscheidet und auf alternative Medizin setzt, reduziert seine Chancen, die kommenden fünf Jahre zu überleben. Im Durchschnitt erhöht sich das Sterberisiko um das 2,5-Fache. Das berechneten Wissenschaftler der Yale School of Medicine in Connecticut. Sie verwendeten dazu Daten von 840 Patienten mit Erstdiagnose behandelbarer Krebsarten wie Brustkrebs, Lungenkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs. 560 Patienten hatten eine konventionelle Behandlung mit Chemotherapie, Strahlentherapie, Hormontherapie oder Operation gewählt. 280 Patienten hatten sich dagegen entschieden. Welche Alternativen die Patienten wählten, ob Homöopathie, Anthroposophische Medizin, hoch dosierte Vitamine, spezielle Diäten oder anderes, wurde in der Studie nicht genauer unterschieden.

Bei Brustkrebs erhöhte sich das Sterberisiko bei alleiniger alternativer Behandlung um das 5,7-Fache, bei Darmkrebs um das 4,6-Fache und bei Lungenkrebs um das 2,2-Fache, schreiben die Forscher im «Journal of the National Cancer Institute». Von den Lungenkrebs-Patienten überlebten 41 Prozent unter konventioneller herkömmlicher Therapie die kommenden fünf Jahre, unter alternativer Behandlung waren es 20 Prozent. Bei Darmkrebs überlebten 79 Prozent unter herkömmlicher Behandlung, aber nur 33 Prozent der Patienten, die sich der konventionellen Medizin verweigerten.

Der Hauptautor der Studie, Dr. Skyler Johnson, kommentiert die Ergebnisse so:

«Wir haben nun Evidenz zur der Annahme, dass der Gebrauch alternativer Medizin anstelle etablierter Krebstherapien zu schlechteren Überlebensraten führt». Die Forscher hoffen, dass diese Information bei der Entscheidung von Patienten und Ärzten für oder gegen eine bestimmte Behandlung helfen kann.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=70997

DOI: 10.1093/jnci/djx145

 

Kommentar & Ergänzung:

Wirklich überraschend ist dieses Ergebnis ja nicht.

Fraglos gibt es bei Krebserkrankungen insbesondere in fortgeschrittenem Stadium Situationen, in denen Operationen oder Chemotherapien keine entscheidende Wende mehr bringen können. In solchen Situationen ist es nachvollziehbar, wenn Patientinnen und Patienten abwägen, ob sie allenfalls auf eine belastende onkologische Therapie verzichten und eher auf Palliative Care setzen. In vielen Situationen können onkologische Therapien allerdings entscheidende Besserungen oder gar eine Heilung von Krebserkrankungen bewirken, so dass es sehr riskant wäre, auf alternative Therapien zu setzen. Genau das zeigt die vorliegende Untersuchung.

Bei den Alternativen Therapien gibt es zwar unendlich viele Versprechungen, wie sich Krebs angeblich heilen lässt. Diese zum Teil sehr hochtrabenden Behauptungen lassen sich allerdings in aller Regel nicht durch Fakten und Belege untermauern. Wenn es direkt um die Bekämpfung des Tumor geht und um eine verlängerte Überlebensdauer, hat alternative Therapie nichts Handfestes zu bieten. Leider. Aber die verständliche Hoffnung macht Patientinnen und Patienten sehr anfällig und verletzlich für windige Heilungsversprechungen und zahlreiche Anbieter nutzen das gnadenlos aus. Dabei steht nicht immer finanzieller Gewinn im Vordergrund. Viele Anbieter alternativer Krebstherapien sind sehr überzeugt von der Wirksamkeit ihrer Methoden und täuschen sich dabei selbst. Ihr Gewinn liegt allenfalls auf einer psychologischen Ebene. Hinter der Vorstellung, mit ganz einfachen, sanften Mitteln Krebs heilen zu können, steckt oft eine Machtfantasie. Das verschafft eine Position, die dem eigenen Ego zuverlässig Futter zuführt. Der grossen Heiler-Pose begegne ich leider immer wieder.

Ergänzende Möglichkeiten bei Krebserkrankungen gibt es jedoch im Bereich der Verbesserung der Lebensqualität, zum Beispiel durch Linderung von Nebenwirkungen der Chemotherapie und Strahlentherapie. Hier können auch Heilpflanzen unterstützend wirken.

Dazu führe ich regelmässig Tagesseminare durch. Siehe Details hier:

Heilpflanzen-Anwendungen in Onkologiepflege und Palliative Care

Das ist ein bescheidenerer Ansatz. Es geht um Linderung und Verbesserung von Lebensqualität, nicht um Heilung. Dieser Ansatz hat es nicht so leicht. Denn Patientinnen und Patienten suchen in der Regel in erster Linie Heilung und erst in zweiter Line Linderung. Und AnbieterInnen alternativer Therapien haben mehr Zulauf, wenn sie Heilung versprechen, als wenn sie Möglicheiten der Linderung vermitteln. Aber dieser bescheidenere Ansatz hat einfach mehr Boden als die grassierenden, windigen Heiler-Posen.

Zur beschriebenen Studie ist noch anzumerken, dass es natürlich schade ist, dass nicht unterschieden wurde, welche alternativen Therapien genau die Krebskranken anwendeten.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Alternative Krebstherapie mit Amygdalin (bittere Aprikosenkerne / „Vitamin B17“): unwirksam und toxisch

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Bittere Aprikosenkerne enthalten einen verhältnismässig hohen Anteil an Amygdalin. Das cyanogene Glycosid Amygdalin spaltet während der Verdauung hochgiftige Blausäure ab.

Bittere Aprikosenkerne werden insbesondere zur alternativen Krebsbehandlung angepriesen, wobei dieser Einsatz in keiner Weise wissenschaftlich belegt ist und Amygdalin für die Krebstherapie als toxische Substanz ohne Effekte einzustufen ist.

Vom europäischen EFSA, vom deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM und von Tox Info Suisse wurden schon mehrere Warnhinweise veröffentlicht.

Nach Angaben von Tox Info Suisse wird Verbrauchern dringend empfohlen, wenn überhaupt maximal ein bis zwei bittere Aprikosenkerne täglich zu essen oder besser ganz darauf zu verzichten.

Produkte mit Amygdalin oder seinen Abkömmlingen (Mandelonitril oder Amygdalonitril, Laetrile) haben in der Schweiz keine Zulassung und werden als bedenklich eingestuft. Dennoch werden sie seit einiger Zeit wieder verstärkt als alternatives Heilmittel für die Krebstherapie und zur Tumorprophylaxe beworben und eingesetzt – auch unter der irreführenden Bezeichnung „Vitamin B17“.

Literatur:

– EFSA: Aprikosenkerne bergen Risiko einer Cyanidvergiftung, 27.04.2016

– Tox Info Suisse: Gefahr durch bittere Aprikosenkerne: die Menge macht‘s, 12.02.2015

– BfArM Bulletin zur Arzneimittelsicherheit, Ausgabe 3 – September 2014

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5098&NMID=5144&LANGID=2

Kommentar & Ergänzung:

Dass Krebskranke nach alternativen Behandlungsmethoden suchen ist gut nachvollziehbar. Dass sie dabei anfällig sind für Täuschungen, zeigt sich allerdings nur allzu oft. Das Internet überquellt von unseriösen Angeboten zur Krebsheilung, von denen jede garantierten Erfolg verspricht. Skepsis ist angebracht. Wenn die Versprechungen nur zu einem allerkleinsten Teil wahr wären, hätten wir keine Probleme mehr mit Krebserkrankungen.

Bittere Aprikosenkerne sind seit Jahren ein Renner in der alternativen Krebsheilerszene, obwohl es keinerlei fundierte Hinweise auf eine Wirksamkeit gibt. Man kann nur immer wieder dazu auffordern, nicht alles zu glauben, sondern Behauptungen kritisch zu prüfen – Fact checking heisst das ja neuerdings….

Rolf Thesen schreibt in der Pharmazeutischen Zeitung:

„Nach derzeitigem Kenntnisstand fehlen klinische Belege für die Wirksamkeit von Amygdalin in der Krebstherapie. Angebliche positive Belege von In-vitro-Zellexperimenten oder Tiermodellen sind für einen Wirksamkeitsnachweis nicht ausreichend, ebensowenig wie eine Vielzahl von Berichten über Einzelfälle und Fallserien mit angeblichen therapeutischen Erfolgen. Nur kontrollierte klinische Studien könnten diesen Nachweis erbringen. Die fehlen aber. Zudem gibt es eine Vielzahl von Berichten über erfolglose Behandlungen mit Amygdalin. Auch der häufig beworbene Nutzen von Amygdalin zur Krebsprophylaxe, etwa durch das Kauen von Aprikosenkernen, konnte nicht belegt werden.“

(http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=54542)

Eine gute Übersicht zum Stand des Wissens bietet ein Text im „Bulletin zur Arzneimittelsicherheit“ des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM):

http://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Pharmakovigilanz/Bulletin/2014/3-2014.pdf?__blob=publicationFile&v=2

Siehe auch:

Krebsmittel Amygdalin / „Vitamin B17″ – oft propagiert, aber unwirksam

Unsinnige Krebstherapie mit bitteren Aprikosenkernen

 

Zitat des Tages von Eckart von Hirschhausen

Eckart von Hirschhausen zur Frage: Sind Wunderheiler Scharlatane?

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Cannabis als alternatives Krebsheilmittel?

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Die Boulevard-Zeitung „Blick“ schafft es wieder einmal, Unfug über Heilpflanzen-Wirkungen zu verbreiten. Eine reisserische Schlagzeile ist wichtiger als seriöse Information.

„Cannabis soll Polo (71) heilen“, titelt die Zeitung. Der Mundartrocker Polo Hofer hatte vor zwei Monaten bekanntgegeben, dass er an Lungenkrebs erkrankt ist. Er unterzieht sich einer Chemotherapie.

Hofer mache nun auch eine amtlich bewilligte Cannabis-Kur, meldet „Blick“:

„Doch Polo setzt nicht nur auf Chemotherapie, sondern auch auf ein alternatives Krebsheilmittel. «Ich mache eine Cannabis-Kur!», verrät Hofer. Er sei einer der Ersten, die diese Therapie erhielten, die Bewilligung sei deshalb voll bürokratischer Hürden gewesen.“

Der Ausdruck „alternatives Krebsheilmittel“ sagt aus, dass Cannabis den Krebs bekämpft. Dafür gibt es keinerlei glaubhafte Hinweise. Cannabis kann aber bei Krebserkrankungen Appetitlosigkeit und Übelkeit lindern, die während der Chemotherapie auftreten können. Das sind wertvolle Wirkungen. Aber es ist fundamental etwas anderes als ein „alternatives Krebsheilmittel“. Dieser Begriff und auch die Schlagzeile schüren Hoffnungen, die in keiner Weise belegt sind.

Polo Hofer ist auch nicht „einer der Ersten“, die eine solche Therapie erhalten, auch wenn er offenbar davon überzeugt ist. Hätte der Autor des Artikels die Aussage überprüft, wie das von einem Journalisten erwartet werden kann, dann hätte er gemerkt, dass Cannabis bei Krebspatienten gegen Übelkeit und Appetitlosigkeit und bei MS-Kranken gegen Spastik schon seit längerem über eine Bewilligung des BAG erhältlich ist.

Dazu muss der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin zwar ein Gesuch beim BAG einreichen. Es ist aber stark übertrieben zu sagen, dass eine solche Bewilligung „voll bürokratischer Hürden“ sei. Wenn der Arzt weiss, wie dieses Gesuch aussehen muss, dann geht das Verfahren in der Regel zügig vonstatten.

Es ist zwar sinnvoll, wenn „Blick“ über die medizinische Anwendung von Cannabis informiert. Der Artikel enthält aber klare Fehlinformationen und die Cannabis-Kur von Polo Hofer wird faktenwidrig als Pionieraktion dargestellt. Der Artikel verkauft sich so aber natürlich besser.

Die Bildlegenden im Artikel sind genauso irreführend:

„Cannabis-Öl soll Polo Hofer auch gegen seine Appetitlosigkeit helfen, eine Folge der Chemotherapie.“

Die Formulierung mit „auch“ suggeriert fälschlicherweise, dass es eigentlich um eine andere Wirkung geht – die Wirkung gegen Krebs.

„Der Musiker ist einer der ersten Schweizer, denen das BAG eine Hanf-Kur bewilligte.“

Diese Aussage wird auch nicht wahrer, wenn sie wiederholt wird.

Aber trotzdem natürlich gute Besserungswünsche an Polo Hofer.

Seriöse Informationen über die medizinischen Anwendungsbereiche von Cannabis und über das nötige Bewilligungsverfahren für Patientinnen und Patienten gibt es hier:

www.panakeia.ch

Quelle:

http://www.blick.ch/people-tv/schweiz/die-kur-ist-amtlich-bewilligt-cannabis-soll-polo-71-heilen-id5751617.html

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

www.info-phytotherapie.ch/index.php/phytotherapie-infothek/was-ist-phytotherapie

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

moodle.heilpflanzen-info.ch/course/view.php?id=6

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moodle.heilpflanzen-info.ch/course/view.php?id=15

 

 

 

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Neues Infoportal zum Thema Ernährung und Krebs

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Die Arbeitsgruppe „Ernährung und Krebs“ des Tumorzentrums München (TZM) hat ein neues Infoportal online gestellt. Darin werden wissenschaftlich fundierte Informationen rund um das Thema „Ernährung und Krebs“ gebündelt und praktische Hilfestellung gegeben. Schwerpunkte sind die Themen Übergewicht sowie Ernährungstherapie bei Gewichtsverlust und Mangelernährung.

Ob zur Vorbeugung oder während der Therapie: Die Ernährung kann die Entstehung und den Verlauf von Krebserkrankungen beeinflussen. Das TZM-Infoportal www.ernaehrung-krebs-tzm.de richtet sich deshalb an Betroffene sowie an Personen, der mit Ernährung Krebs vorbeugen möchte.

 

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=48328

Tumorzentrum München

 

Kommentar & Ergänzung:

Ernährungstipps und Krebsdiäten boomen, doch nur wenige davon basieren auf gesicherten Erkenntnissen. Für Krebspatientinnen und –patienten ist es alles andere als leicht, sich in diesem Dschungel zurecht zu finden. Das neue Infoportal bietet hier sinnvolle Unterstützung.

Im Infoportal sind auch Stellungnahmen zu finden zu umstrittenen „Krebsdiäten“ wie: Krebskur total nach Breuss, Gerson-Diät, Krebsdiät nach Budwig, Krebsdiät nach Coy, Ketogene Diät, Säure-Basen-Diät.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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www.phytotherapie-seminare.ch

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Onkologie: Johanniskraut beim Chronischen Fatigue Syndrom?

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In der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie (Nr. 1 / 2015) schreibt Christian Thuile, Leiter der Abteilung für Komplementärmedizin am KH Meran, über Johanniskraut beim Chronische Fatigue Syndrom:

„Wir alle kennen Johanniskraut für den Einsatz bei depressiven Ver- stimmungen, leichten und mittelschweren Grades. Die Studienlage ist gut und es gilt als klinisch anerkannt. Es wäre sozusagen prädestiniert für den Einsatz beim krebskranken Menschen, Niedergeschlagenheit ist ja ein häufiges Problem, das den Erkrankten begleitet. Dazu gibt es noch Studien die zeigen, dass Johanniskraut absolut positive Effekte auf das Chronische Fatigue Syndrom hat, also geradezu ideal vom Profil her.“

Thuile geht aber auch auf die Wechselwirkungen ein, die Johanniskraut mit manchen Chemotherapeutika auslösen kann:

„Leider schaut es in der Realität aber wieder ganz anders aus. Es gibt Chemotherapeutika (z. B. Irinotecan, aber auch viele andere) die denselben Abbaumechanismus in der Leber verwenden wie das Johanniskraut. Das ausschlaggebende Enzym ist das Cytochrom P 450 (3A4); wie stark diese Interaktion sein kann, sieht man an der Tatsache, dass Irinotecan unter dem Einfluss von Johanniskraut bis zu 40 Prozent schneller abgebaut werden kann. Der schnellere Abbau klingt auf den ersten Blick vielleicht verlockend positiv in Hinblick auf Nebenwirkungen, bedeutet aber ganz klar einen deutlichen Wirkungsverlust der Chemotherapie.“

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0215.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Als „Fatigue“ wird eine besonders ausgeprägte Form der Erschöpfung bei Krebspatienten bezeichnet. Nicht alle Tumorpatienten sind davon gleichermassen betroffen: Bei vielen Krebspatienten tritt die Fatigue akut auf und steht in direktem Zusammenhang mit einer Behandlung. Die akute Fatigue verschwindet in den meisten Fällen rasch nach Abschluss der Krebsbehandlung. Wer noch Wochen oder Monate nach abgeschlossener Krebstherapie darunter leidet, obwohl die Krebserkrankung nicht fortschreitet oder sogar geheilt werden konnte, leidet an einer chronischen Fatigue. Sie kann die Lebensqualität Betroffener stark einschränken.

Der Hinweis auf eine positive Wirkung des Johanniskrauts beim Chronischen Fatigue Syndrom ist interessant. Die Studienlage zu diesem Thema ist zwar sehr schmal. Ich finde dazu nur eine kleine Pilotstudie aus dem Jahr 1998:

Hypericum for fatigue — a pilot study

  1. Stevinson, M. Dixon, E. Ernst

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0944711398800408

Zwanzig depressive Patienten wurden über sechs Wochen mit Johanniskraut behandelt, wobei sich die Müdigkeit verringerte. Es gab keine Placebo-Kontroll-Gruppe und es handelte sich nicht um Krebspatienten, sondern um depressive Personen.

„Studien die zeigen, dass Johanniskraut absolut positive Effekte auf das Chronische Fatigue Syndrom hat“, müssten anders aussehen.

Trotzdem scheint es mir sinnvoll, Johanniskraut beim Chronischen Fatigue Syndrom in Auge zu behalten, insbesondere natürlich für Situationen, in denen gleichzeitig eine depressive Thematik vorliegt.

Der Warnhinweis auf die Wechselwirkungen von Johanniskraut mit diversen Chemotherapeutika ist sehr berechtigt.

Allerdings treten solche Wechselwirkungen mit Wirkungseinbusse der Chemotherapie nur auf, wenn Johanniskraut parallel zur Chemo eingenommen wird. Das Chronische Fatigue Syndrom kann aber noch lange nach dem Therapieende anhalten und dann sind diese Wechselwirkungen hinfällig.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Psyche und Krebsentstehung hängen nicht zusammen

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In den 1980er Jahren wurde noch ein Zusammenhang zwischen Krebs und Psyche postuliert. Heute sagt aber der Großteil der Wissenschaft: Nein, diesen Zusammenhang gibt es nicht.

Patricia Göttersdorfer, Vorstandsmitglied der österreichischen Plattform für Psychoonkologie, begleitet seit 15 Jahren als Psychologin Männer und Frauen mit der Diagnose Krebs. Fast immer tauche im Erstgespräch mit Krebskranken die Frage auf: Warum ich? Was habe ich falsch gemacht? Ihre Aufgabe sei dann klar zu stellen, dass Krebs zwar durch Lebensstil-Faktoren beeinflusst werden kann, also zum Beispiel ob jemand raucht oder nicht. Krebs habe aber keine rein psychischen Ursachen.

Göttersdorfer stellt klar: „Die Psyche ist nicht daran schuld, wenn Sie Krebs bekommen. Manche Krebserkrankungen sind allerdings schwer zu erklären, sind schwer greifbar zu machen. Menschen neigen in solchen Fällen dazu, sich Konstrukte zu basteln, um doch ein Erklärungsmodell für ihre Erkrankung zu finden. So unter dem Motto: Es gibt doch einen Zusammenhang zwischen Seele und Krebs! Und da muss man dann klar sagen: Nein, es ist nicht so!“

Die Suche nach einer Erklärung für die Krankheit öffne leider Tür und Tor für abstruse Behandlungsmethoden, bedauert Göttersdorfer.

Alles, was wir uns nicht erklären können, mache uns extrem hilflos. Das sei auch der Grund, warum Wunderheiler und Esoterikpraktiken so boomen oder weshalb Menschen immer wieder in Heilsversprechungen flüchten. Menschen nehmen manchmal sogar sehr weite Reisen auf sich – wie etwa nach Lourdes – um genau dieses Bedürfnis nach dem Sinn hinter der Krankheit zu befriedigen, sagt die Psychoonkkologin.

Einen Sinn für die Krebserkrankung gebe es jedoch wissenschaftlich betrachtet nicht, deshalb sei die Begleitung von Krebspatienten durch geschulte Mediziner so wichtig, allen voran durch Onkologen und durch Psychologen und Psychotherapeuten.

Psychoonkologie bietet Unterstützung

In Spitälern soll es geschultes Personal geben, das den Krebspatientinnen und -patienten hilft, die Krebserkrankung anzuerkennen als das, was sie ist. Dieses Anliegen vertritt die Psychoonkologie.

Patricia Göttersdorfer beschreibt das so:

„Wenn Menschen mit ihren Gedanken alleine gelassen werden und die Zeit des Grübelns beginnt, dann kommt der oder die Betroffene oftmals auf ganz unmögliche Zusammenhänge, also etwa dass der Brustkrebs durch eine schlechte Ehe verursacht sei, oder der Tumor durch eine schlechte Vaterbeziehung entstanden sei. Mit Hilfe von guten Gesprächen, das zeigt die Erfahrung, wird die Krebserkrankung für die Patienten erträglicher und klarer, und in Folge können sie besser damit umgehen.“

Aus den Köpfen der Menschen verschwinden müsse zudem endlich die Annahme einer „Krebspersönlichkeit“, sagt Göttersdorfer. Die Idee der „Krebspersönlichkeit“ wurde noch in den 1980iger Jahren postuliert. Sie nimmt an, dass bestimmte Menschen besonders anfällig für Krebs sind, doch gilt sie in der Wissenschaft inzwischen als widerlegt.

Patricia Göttersdorfer sagt dazu:

„Es gab und gibt ganz viele Studien, die zeigen, dass es keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und einer Krebserkrankung gibt. Es gibt maximal einen Zusammenhang zwischen der Art und Weise, wie ich lebe, und ob ich Krebs bekomme oder nicht. Aber auch das stimmt nicht immer: So gibt es Menschen, die ihr Leben lang rauchen und keinen Krebs bekommen, andere wiederum haben nie geraucht und bekommen ein Karzinom. Krebs ist nicht fair.“

Quelle:

http://science.orf.at/stories/1751043/

Kommentar & Ergänzung:

Wissenschaftlich ist die Vorstellung einer „Krebspersönlichkeit“ schon seit längerem vom Tisch.

In Esoterik und Alternativmedizin tauchen ähnliche Theorien aber immer wieder auf und führen nicht selten zu Schuldzuweisungen an Patientinnen und Patienten. Solche willkürlichen Ursachenunterstellungen können möglicherweise zwar ein Sinnangebot vermitteln, das aber hoch spekulativ ist und oft sehr destruktiv wirkt.

Eine konstruktive Begleitung bei Krebserkrankungen fokussiert sich dagegen darauf, die Lebensqualität der Kranken in der Gegenwart zu verbessern und einen möglichst guten Umgang mit der Krankheit zu finden – so wie es eine fundierte Psychoonkologie anstrebt.

„Krebs ist nicht fair“, sagt die Psychoonkologin, und spricht damit einen Aspekt an, der auch philosophisch ausserordentlich bedeutsam ist.

Es gibt diese Idee und diese Sehnsucht danach, dass Gesundheit und Krankheit, Glück und Unglück gerecht und fair verteilt sind.

Die Guten werden belohnt, die Schlechten bestraft – und wer sich richtig verhält, ist auf der sicheren Seite.

Nun ist es ja schon so, dass wir in mancherlei Bereichen Einfluss auf unsere Gesundheit nehmen können. Aber nicht vollständig. Auch mit dem gesündesten, besten Verhalten bleibt ein Risiko für Krankheit und Tod. Sochen möglichen Widerfahrnissen gegenüber sind wir immer auch mehr oder weniger ohnmächtig – ohne Macht also.

Das ist manchmal schwer auszuhalten und die Vorstellung, dass alles fair und gerecht zu und her geht, gibt uns scheinbar Einfluss zurück. Ich muss mich nur richtig verhalten, dann bin und bleibe ich geschützt vor Krankheiten und anderem Unbill.

Ohnmachtsgefühle werden dadurch gelindert, aber es kommen Schuld- und Versagensgefühle auf, wenn ich trotzdem krank werde oder bleibe.

Wir haben es also nicht selten mit einem Tauschhandel zu tun: Ohnmachtsgefühle werden getauscht gegen Schuld- und Versagensgefühle.

Schlimm wird es aber vor allem, wenn aussen stehende Personen kranken Menschen die Vorstellung überstülpen, dass Krankheit immer durch irgendwelche „Fehler“ ausgelöst und damit quasi „verdient“ sei. Das sind anmassende Unterstellungen – und sie kommen insbesondere in esoterischen Kreisen nicht selten vor. Das nennt sich dann oft absurderweise noch „ganzheitlich“……..

Mag sein, dass dieser Kommentar etwas hart tönt, aber ich bin wirklich entsetzt darüber, was ich an solchen Unterstellungen gegenüber von Patientinnen und Patienten immer wieder zu hören bekomme.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

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Medizin-Nobelpreis für Naturstoffe gibt Phytomedizin Auftrieb

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Die diesjährige Vergabe des Medizin-Nobelpreises wird in manchen Kreisen als großartige Entscheidung für die Pflanzenheilkunde aufgefasst. Es sei bemerkenswert und ein großes Glück für das gesamte Feld der Phytomedizin, dass der Naturstoff Artemisinin durch die Preisverleihung ins Scheinwerferlicht der akademischen und der allgemeinen Öffentlichkeit gelangt ist, sagt Univ.-Prof. Dr. Thomas Efferth von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Das Nobelkomitee habe mit seiner Entscheidung die Naturstoffe in den Fokus gerückt und damit ein wichtiges Signal für künftige Forschungsfelder und Aufgaben gegeben, erklärt der Mainzer Wissenschaftler, der selbst auf dem Gebiet arbeitet.

Artemisinin ist nicht nur für die Malaria-Behandlung bedeutend, sondern auch ein vielversprechender Wirkstoff für die Krebstherapie.

Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin, so die vollständige Bezeichnung, ging 2015 zur Hälfte an William C. Campbell und Satoshi Ōmura für ihre Arbeiten zur Behandlung von Infektionen, die durch Fadenwürmer ausgelöst werden, mit einem Wirkstoff auf der Basis von Avermectin aus Bakterienkulturen.

Zur anderen Hälfte ging der Preis an die chinesische Wissenschaftlerin Youyou Tu für ihre Entdeckungen zur Therapie von Malaria. Youyou Tu hatte Heilkräuter untersucht, die in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) seit über 2000 Jahren für die Therapie von Fieber und Erkältungen eingesetzt werden. Sie entdeckte dabei, dass Auszüge von Einjährigem Beifuß (Artemisia annua) mit seinem Wirkstoff Artemisinin effektiv gegen Malariaerreger angewendet werden können.

Eine beträchtliche Anzahl von Arzneistoffen für die klinische Praxis werde heute schon aus natürlichen Ressourcen gewonnen. Avermectin und Artemisinin seien zwei wunderbare Beispiele dafür, sagt Efferth:

„Wir sind zuversichtlich, dass die Nobelpreis-Vergabe zur Förderung der Phytomedizin beiträgt und wir in Zukunft weitere Anwendungen sehen werden.“

Efferth selbst forscht seit etwa 20 Jahren auf diesem Gebiet und konnte gleichzeitig mit Forschern in den USA und den Niederlanden Mitte der 1990er Jahre erstmals zeigen, dass Artemisinin auch bei Krebs wirksam ist. Eine neuere Studie erfolgte in Zusammenarbeit mit Medizinern der University of London und kam zum Schluss, dass Derivate von Artemisinin tatsächlich die Lebenszeit von Patienten mit Darmkrebs verlängern können. „Wir haben damit den klinischen Nachweis erbracht. Aber wir müssen Artemisia annua noch weiter entwickeln und ein Profil erstellen, bei welchen Tumorarten die Substanz wirksam ist“, sagt Efferth. Artemisia scheint jedoch nicht nur bei Krebserkrankungen von Nutzen zu sein, sondern auch bei Infektionen mit dem humanen Cytomegalie-Virus (HCMV) und anderen Virusinfektionen sowie bei Bilharziose.

Artemisia annua, der Einjährige Beifuß, zählt zu einer Gattung mit über 200 Arten weltweit, ist jedoch nicht mit dem in Mitteleuropa verbreiteten Ackerunkraut, dem Gemeinen Beifuß (Artemisia vulgaris), zu verwechseln.

In der Pharmazeutischen Biologie der Universität Mainz erforscht ein internationales Team von 20 Mitarbeitern Pflanzeninhaltsstoffe von Heilpflanzen aus 30 Ländern auf ihre Wirksamkeit gegen Krebs.

Quelle:

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=46784

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Naturstoff-Forschung wird durch diesen Nobelpreis wohl tatsächlich verdienter massen mehr Aufmerksamkeit bekommen. Es gibt hier sehr spannende Forschung, die oft auch der Phytotherapie Nutzen bringt.

Gerade bei der Naturstoff-Forschung gegen Krebs ist allerdings festzuhalten, dass im Labor oft eindrückliche Ergebnisse erzielt werden. Ob ein erfolgreich im Labor untersuchter Naturstoff jedoch auch im realen Leben bei realen Krebskranken wirksam ist, steht damit noch keineswegs fest. Vorschnelle Versprechungen sollten da besser unterbleiben.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Krebsmittel Amygdalin / Vitamin B17: Oft propagiert, aber unwirksam

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Amygdalin, auch Laetrile oder fälschlicherweise Vitamin B17 genannt, war insbesondere in den 70er Jahren populär und wird gegenwärtig in der „Alternativmedizin“ wieder als Naturheilmittel zur Behandlung von Krebserkrankungen propagiert.

Das cyanogene Glykosid Amygdalin ist als toxischer sekundärer Pflanzeninhaltsstoff bekannt und ist zum Beispiel enthalten in Aprikosenkernen oder bitteren Mandeln, wie sie beispielsweise in Reformhäusern oder im Internet angeboten werden.

Durch den enzymatischen Abbau von Amygdalin wird im menschlichen Organismus Cyanid/ Blausäure freigesetzt. Cyanidionen binden mit hoher Affinität an dreiwertiges Eisen, wodurch die Zellatmung im gesamten Körper geschädigt werden kann. Kleinere Mengen Cyanid können zwar mit Hilfe des Rhodanidsynthetasesystems, das vor allem in der Leber vorhanden ist, in das verhältnismässig untoxische Thiocyanat (Rhodanid) umgewandelt werden. Trotzdem sind schon 50mg Cyanid-freisetzende Blausäure (HCN) tödlich. Fachleute empfehlen deshalb, maximal 1-2 Aprikosenkerne am Tag zu verzehren oder vorsorglich ganz auf solche Produkte zu verzichten.

Behauptet wird, dass Amygdalin durch die in Krebszellen gehäuft vorkommende β–Glukosidase zu Benzaldehyd und Blausäure hydrolysiert würde und so selektiv wirken sollte. Sowohl physiologische als auch bösartige entartete Zellen enthalten aber allenfalls Spuren der β–Glukosidase.

Spekuliert wird auch, dass wegen des in Krebszellen fehlenden Enzyms Rhodanase eine Entgiftung in diesem Gewebe nicht möglich sein soll.

Amygdalin wird auch fälschlicherweise als Vitamin B17 bezeichnet, weil ein Mangel an Amygdalin den Ausbruch einer Krebserkrankung fördern soll.

Für all diese Hypothesen gibt es keinerlei wissenschaftlichen Belege. Das Blausäureglykosid Amygdalin ist weder als Arzneimittel zugelassen, noch spielt es in der menschlichen Ernährung als Vitamin eine Rolle.

Literatur:

– arznei-telegramm, 10/2014/p99

– Pharmazeutische Zeitung, 41/2014/p20

 

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=1372&NMID=1372&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Wichtig ist darüber hinaus, dass Amygdalin auch in Studien mit Krebspatienten nicht überzeugt:

„Eine klinische Studie aus dem Jahre 1982 zeigte bei an Krebs erkrankten Menschen keinen Vorteil durch die Einnahme von Amygdalin, es zeigten sich stattdessen bei einigen Patienten Symptome einer Cyanidvergiftung. Ein Review aus dem Jahre 2006 kam nach der Untersuchung von 36 Studien zum Ergebnis, dass in keiner einzigen der 2006 zur Verfügung stehenden Arbeiten ein Hinweis für eine mögliche Wirkung gegen Krebs beim Menschen nachweisbar war.“

Quelle:

http://www.chemie.de/lexikon/Amygdalin.html#_note-2/

Weitere Informationen zu diesem Thema:

Unsinnige Krebstherapie: Bittere Aprikosenkerne

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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