Artikel mit Schlagwort ‘Krebs’
Sonntag, Januar 29th, 2012
Es gibt gute Tipps und gutgemeinte Tipps.
Gutgemeinte Tipps gegen den Knoblauch-Geruch gibt das Internetportal „madonna“.
Zuerst wird der Knoblauch als eines der universellsten Heilmittel gelobt. Er halte Herz- und Kreislauf jung, bekämpfe Viren, Bakterien und Entzündungen, beuge Herzkreislauferkrankungen vor, unterstütze die Verdauung und schütze vor Krebs.
Sein einziges Manko sei der strenge Geruch. Nicht nur via Atemluft mache er sich bemerkbar, er finde auch den Ausgang über die Drüsen der Haut.
Dann geht der Text auf „madonna“ konkreter auf den Knoblauch-Geruch ein:
„Verantwortlich für den penetranten Geruch ist das Allicin im Knoblauch. Es enthält Schwefel, der unseren Geruchssinn reizt. Das Allicin wandert über den Blutkreislauf in den ganzen Körper.“
Milch neutralisiere den Knoblauch-Geruch, schreibt „madonna“:
„Milch soll einer US-Studie der Ohio State University zufolge, das beste Mittel gegen die Knoblauchfahne sein. Sie neutralisiert 50 Prozent der Schwefelverbindungen im Atem. Trinken Sie ein Glas Milch beim Essen oder danach.“
So wie Milch binde auch Chlorophyll Geruchsstoffe. Wer beides miteinander kombinieren wolle, solle einen halben Bund gehackte Petersilie in die Milch geben und alles gemeinsam pürieren.
Als Tipps für kurzfristige Abhilfe nennt „madonna“ noch: Schokolade lutschen, Kaffeebohnen zerkauen und die Finger nach dem Knoblauchschneiden an einem Chromstahlstein reiben.
Quelle:
http://madonna.oe24.at/gesund/Knoblauch-Geruch-wegmachen-Das-hilft/53344090?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+oe24-Gesund+%28oe24+-+Gesund%29
Kommentar & Ergänzung:
Milch und Chlorophyll binden also schwefelhaltige Inhaltsstoffe, die für den Knoblauch-Geruch verantwortlich sind. Schön und gut. Erwähnen müsste man in diesem Zusammenhang allerdings auch, dass die schwefelhaltigen Inhaltsstoffe des Knoblauchs nach gegenwärtigem Wissensstand auch zum grössten Teil für die therapeutischen Wirkungen dieser Heilpflanze verantwortlich sind.
Wer auf diese Art den Knoblauch-Geruch vermindert, reduziert wahrscheinlich auch die Wirkung. Wenn man Knoblauch in der Küche als Gewürz verwendet, spielt das keine Rolle, wenn man ihn als Heilpflanze einsetzt allerdings schon. Für diesen Fall ist der „Madonna-Tipp“ wohl eher gutgemeint.
Siehe auch:
Phytotherapie: Knoblauch kann zur Blutdrucksenkung beitragen
Knoblauch – Bärlauch – Zwiebel & Co.
Knoblauch gegen Erkältungen
Knoblauch entspannt Blutgefässe dank Schwefelwasserstoff
Studien bestätigen günstige Wirkungen von Knoblauch-Extrakt auf Herz und Gefässe
Knoblauch: Studien bestätigen günstige Einflüsse auf Herz und Gefässe
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
Tags: Allicin, Atemluft, Bakterien, Bärlauch, Blutdrucksenkung, Blutgefässe, Blutkreislauf, Chlorophyll, Chromstahl, Chromstahlstein, Drüsen, Entzündungen, Erkältungen, Finger, Gefässe, Geruch, Geruchssinn, Geruchsstoffe, Gesundheitsberufe, Gewürz, Haut, Heilkräuterkurse, Heilmittel, Heilpflanze, Heilpflanzen-Seminar, Herz, Herzkraeislauferkrankungen, Inhaltsstoffe, Kaffeebohnen, Klinik, Knoblauch, Knoblauch-geruch, Körper, Krankenpflege, Kräuterexkursionen, Krebs, Kreislauf, Küche, Madonna, Milch, Naturheilkunde, Palliative Care, Petersilie, Pflanzenheilkunde, Pflege, Pflegeheim, Phytotherapie, Phytotherapie-Ausbildung, Schmerzen, Schokolade, Schwefel, Schwefelwasserstoff, Schweiz, Spitex, Studie, Tipps, US-Studie, Verdauung, Viren, Weiterbildung, Winterthur, Wirkung, Wirkungen, Zürich, Zwiebel
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Freitag, Januar 6th, 2012
Ätzend, dieser Hype um den angeblichen Weltuntergang am 21. Dezember 2012 aufgrund angeblicher Vorhersagen eines Mayakalenders.
Ich habe mich gefragt, ob ich auch noch etwas dazu schreiben soll, oder ob es besser wäre, diesen esoterischen Blödsinn gar nicht zu beachten.
Interessant ist nicht die Frage, ob diese bescheuerte Prophezeiung wahr ist oder nicht – die Welt wird am 21. Dezember 2012 nicht untergehen.
Interessant ist vielmehr das Phänomen, wie solche Prophezeiungen konstruiert werden.
Unser Gehirn ist, wenn es auf „Welt“ trifft, ständig auf der Suche nach Ordnung und Zusammenhängen. Das ist auch bei vielen Tierarten schon so.
Besonders in unübersichtlichen Situationen neigt unser Gehirn dazu, auch dort Ordnung und Zusammenhänge zu sehen, wo gar keine sind. Offenbar ziehen wir notfalls selbst konstruierte Ordnungen dem Chaos vor. Menschen, die stark zu selbst konstruierten Zusammenhängen neigen, finden sich besonders häufig in den Bereichen der Esoterik und der Verschwörungstheorien. Das hat ganz einfach damit zu tun, dass diese Bereiche auf solchen Konstrukten basieren.
Stärker werden solche Konstrukte beispielsweise, wenn viele Menschen die selbst geschaffenen Ordnungen und Zusammenhänge einer passenden Führerperson übernehmen. Auf dieser Basis entstehen Sekten, Gurusysteme, fundamentalistische Ideologien, Verschwörungstheorien. Sie alle interpretieren die Welt entlang von forciert konstruierten Zusammenhängen und setzen ihre Interpretation absolut.
Rupert Lay hat dieses Phänomen prägnant beschrieben:
„In Situationen objektiver oder subjektiver Orientierungslosigkeit basteln wir Menschen oft die phantastischsten Theorien zusammen. Sie sind um so phantastischer, als sich der Grund oder die Erklärung eines Sachverhaltes oder einer Beziehung zwischen zwei oder mehreren Sachverhalten nicht gleich aus dem Repertoire des eigenen oder sozialvermittelten Lernens anbietet. Unser Vertrauen in die Richtigkeit dieser selbsterstellten Theorie ist nahezu unerschütterlich, und das um so mehr, je grösser der Aufwand bei ihrer Erstellung war und je sonderbarer sie ist. Informationen, die dieser Theorie widersprechen, führen in der Regel nicht zu Korrekturen, sondern zur weiteren Ausarbeitung und Verfeinerung der absurden Erklärung.“
(aus: Philosophie für Manager, Econ Verlag 1991)
Verschwörungstheorien, Weltuntergangs-Prophezeiungen und esoterische Konstrukte sind offenbar Phänomene, die ziemlich stark im menschlichen Hirn verwurzelt sind. Katzen produzieren wohl kaum solche Geschichten (wer weiss…?).
Erstaunlich ist es aber schon, dass fast ohne reale Fakten, nur basierend auf konstruierten Zusammenhängen, ein solcher weltweiter Hype wie diese Weltuntergangs-Prophezeiung nach dem Mayakalender entstehen kann. „Maya“ genügt offenbar vielen Menschen als Qualitätslabel, das den Wahrheitsgehalt einer Behauptung bestätigt.
Für das Qualitätslabel „Maya“ spricht der Traditions-Bonus (Tradition hat bekanntlich immer Recht) und der Exoten-Bonus (Je exotischer, desto überzeugender – was man nicht kennt, eignet sich besser als weisse Leinwand für die Projektion eigener Wünsche und Bedürfnisse)…..
Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?
Und schwup, schon übernehmen offenbar ganze Heerscharen ein irres Konstrukt, das nichts enthält als erhitzte Luft. Dabei ist diese Mayakalender-Weltuntergangs-Prophezeiung ja noch vergleichsweise harmlos. Gut, einige Leute verdienen sich daran wohl eine goldene Nase, wie das im Esoterikmarkt mit seinen überrissenen Margen halt so üblich ist. Und einige Leute steigern ihren Eso-Kultstatus, indem sie sich durch Einsicht in diese tiefen Zusammenhänge und in uralte Weisheiten von der breiten, unerleuchteten Masse abheben. Heikler wird es, wenn Menschen im Hinblick auf den bevorstehenden Weltuntergang ihr Haus verkaufen, den Job kündigen, ihre Beziehung aufgeben oder sich und ihre Kinder umbringen, um den Horror eines Weltuntergangs nicht miterleben zu müssen. Das sind alles ganz reale Begleiterscheinungen bisheriger Weltuntergangsszenarien. Wer solche Prophezeiungen weiterverbreitet, trägt dafür Mitverantwortung.
Wer sich detailliert für die Fakten rund um diese angeblichen Wahrsagungen des Mayakalenders zum Weltuntergang interessiert, findet alles dazu hier:
http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/weltuntergang-2012-fragen-und-antworten.php
Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799), den ich sehr schätze, hat zur Wahrsagerei geschrieben:
„Vom Wahrsagen lässt sich wohl leben, aber nicht vom Wahrheit sagen.“
Wobei er aber wohl nicht eine absolute, zweifelsfreie Wahrheit gemeint hat, schreibt er doch auch:
„Wir irren allesamt, nur irret jeder anders.“
Faktenferne Konstrukte in der Politik
Richtig beunruhigend finde ich aber, dass vergleichbare Phänomene auch auf der politischen Ebene zu beobachten sind. Bei Silvio Berlusconi beispielsweise – einem „exzellenten“ Verschwörungstheoretiker – liess sich sehr gut beobachten, dass seine Fantasien über hintergründige feindliche Einflüsse immer verstiegener wurden, je mehr er in Bedrängnis kam.
Konstruierte Zusammenhänge, die kollektive Bedeutung erlangten, waren aber auch zentral beteiligt am Hexenwahn (rund um den „Schadenzauber“) und im Sündenbocksystem der Nationalsozialisten (die Juden als Ursache für alles Übel). Wenn ich sehe, wie leicht und massenhaft Menschen auf diese Mayakalender-Weltuntergangs-Prophezeiung abfahren – ein leeres Konstrukt ohne Faktenbasis – dann scheint mir das vor allem aus gesellschaftspolitischer Sicht bedenklich..
Für das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaftsform ist es unabdingbar, dass Bürgerinnen und Bürger den Willen und die Fähigkeit haben, angebotene Konstrukte auf ihren Faktengehalt hin abzuklopfen.
Die Überschwemmung mit esoterischen Konstrukten – wie beispielsweise dieser Mayakalender-Weltuntergangs-Prophezeiung – unterminiert meines Erachtens diese Fähigkeit und ist darum gesellschaftspolitisch schädlich.
Faktenferne oder faktenwidrige Konstrukte in der Komplementärmedizin
Faktenferne oder faktenwidrige Konstrukte spielen auch in der Komplementärmedizin eine grosse Rolle und werden vom Markt bestens aufgenommen. Faktenfreiheit ist dafür vielleicht sogar vorteilhaft. Ein gewisser Realitätsgehalt könnte auch dazu betragen, dass Konstrukte an der Erfahrung scheitern.
Dazu zwei Beispiele:
Borreliose-Behandlung mit Kardentinktur
Borreliose ist eine schwierig zu diagnostizierende und – jedenfalls in späteren Stadien – schwer behandelbare Krankheit. Bei den späten Stadien der Borreliose kommt die Medizin an Grenzen (sie kommt immer wieder an Grenzen, weil selbstverständlich nicht alles machbar ist).
Jedenfalls kann Medizin in solchen Fällen meist keine Heilung versprechen, sondern allenfalls die Beschwerden lindern.
Wo die ganze Wissenschaft und Medizin weltweit an Grenzen stösst, weiss ein Buchautor die Lösung: Kardentinktur heilt Borreliose. Antibiotika sind unnötig und unwirksam. Unzählige Borreliosepatienten setzen ihre Hoffnung (vergeblich) auf Kardentinktur.
Endlich frei von “Schulmedizin”. Kultstatus für Wolf-Dieter Storl als Entdecker dieser natürlichen Behandlung. Schöne Umsätze für den AT-Buchverlag, der keine Skrupel hat, solche fahrlässigen Heilungsversprechungen zu vermarkten.
Wolf-Dieter Storl beschreibt, dass er vor vielen Jahren eine Wanderröte hatte (d. h.: er hatte offenbar Kontakt mit Borreliose-Erregern), sich mit Kardetinktur behandelte und immer noch gesund ist. Was Wolf-Dieter Storl verschweigt: Bei der grossen Mehrheit der Menschen, die Kontakt mit Borrelien haben, entwickelt sich auch ohne Behandlung keine Borreliose. Die Chance ist ausgesprochen gross, dass Storl zu dieser glücklichen Gruppe gehört. Nur eine kleine Minderheit erkrankt an Borreliose, sofern nicht im Frühstadium mit Antibiotika behandelt wird. Für diese kleine Minderheit ist die Antibiotika-Behandlung aber wichtig und die Behandlung mit Kardentinktur anstelle von Antibiotika fatal. Verpasst man nämlich die Antibiotika-Behandlung im Frühstadium, und die Krankheit entwickelt sich weiter, lassen sich die Borreliose-Erreger nur noch schwer oder gar nicht mehr durch Antibiotika bekämpfen.
Die ganze Geschichte mit der Borreliosetherapie durch Kardentinktur basiert offensichtlich auf einer Fehlinterpretation der Storl’schen „Eigenheilung“ (ein Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss, siehe unten) und auf wunschbasiertem Denken.
Es handelt sich um ein faktenfernes Konstrukt mit hohem Risiko, wenn sich Menschen mit Wanderröte einzig darauf verlassen.
Mehr Details dazu hier:
Karde & Borreliosetherapie nach Storl
Miracle Mineral Supplement (MMS)
Ein Oxidations- und Reinigungsmittel, das in manchen Gegenden auch zur Trinkwasserchlorierung verwendet wir, soll gegen Malaria, Tuberkulose, Diabetes, Krebs, AIDS und vieles andere mehr helfen. Interessant ist hier, dass MMS auch gerne verwendet wird von Menschen, die aus Überzeugung Antioxidantien („Radikalfänger“) schlucken gegen freie Radikale. MMS entwickelt aber freie Radikale (Chlordioxid).
Auch hier haben wir es meines Erachtens mit einem faktenfreien Konstrukt zu tun.
Siehe auch:
Warnung: Miracle Mineral Supplement (MMS)
Faktenferne Konstrukte wie die Borreliose-Kardentinktur-Story und das Miracle Mineral Supplement werden jeweils gestützt durch zahlreiche Heilungsanekdoten. Dabei wird aber der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss nicht beachtet.
Siehe dazu:
Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-procter-hoc-Fehlschluss
Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht?
Warum wir gesund werden
Jede Besserung wird also vorschnell und ungeprüft dem angewandten Mittel zugeschrieben. Placeboeffekt, Selbstheilung, temporäre Besserung im Verlauf chronischer Krankheit und andere mögliche Einflüsse werden ausgeblendet.
Es gibt einen ziemlich egozentrischen „Erfahrungsfundamentalismus“, der die eigene Erfahrung als Massstab unbezweifelbarer Wahrheit betrachtet. Dass die Interpretation der eigenen Erfahrung sehr komplex und mit vielfältigen Selbsttäuschungsmöglichkeiten behaftet ist, geht dabei völlig unter.
Wer um diese Selbsttäuschungsmöglichkeiten weiss wird bescheidener, setzt seine eigenen Erfahrung nicht mehr absolut und wird auch im Bereich Komplementärmedizin genau hinzuschauen und Heilungsversprechungen kritisch hinterfragen.
Und zu guter letzt:
Sollten dereinst Argumente auftauchen, die für eine Wirksamkeit von Kardentinktur bei Borreliose oder von Miracle Mineral Supplement sprechen (äusserst unwahrscheinlich, aber aus grundsätzlichen Überlegungen nicht mit letzter Gewissheit auszuschliessen), werde ich sie genau prüfen und nötigenfalls meine Ansichten modifizieren. Aber mit grossspurigen Geschichten allein kann man mich nicht überzeugen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Pflegepersonen und andere Gesundheitsberufe
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen
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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
Tags: 1991, 2012, 21. Dezember 2012, AIDS, Antibiotika, Antibiotika-Behandlung, Antioxidantien, AT-Buchverlag, Borreliose, Borreliose-Behandlung, Borreliose-Erreger, Borreliose-Therapie, Borreliosetherapie, Chlordioxid, Diabetes, Econ, Esoterik, Esoterikmarkt, Freie Radikale, Gehirn, Georg Christoph Lichtenberg, Gesundheitsberufe, Guru, Gurusysteme, Heilpflanzen, Hexenwahn, Ideologien, Juden, Karde, Kardentinktur, Katzen, Klinik, Kompelmentärmedizin, Kräuterexkursionen, Krebs, Lichtenberg, Malaria, Manager, Maya, Mayakalender, Medizin, Miracle Mineral Supplement, MMS, Nationalsozialisten, Naturheilkunde, Palliative Care, Pflanzenheilkunde, Pflegeheim, Pflegepersonen, Philosophie, Phytotherapie, Phytotherapie-Ausbildung, Placeboeffekt, Politik, post hoc ergo propter hoc, Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss, Prophezeiung, Prophezeiungen, Radikalfänger, Reinigungsmittel, Rupert Lay, Schadenzauber, Schmerzen, Schulmedizin, Schweiz, Sekten, Silvio Berlusconi, Spitex, Storl, Sündenbocksystem, Tierarten, Tradition, Trinkwasserchlorierung, Tuberkulose, Verlag, Verschwörungstheoretiker, Verschwörungstheorien, Vorhersagen, Wahrheit, Wahrsagen, Wahrsagerei, Wanderröte, Weiterbildung, Weltuntergang, Weltuntergang 2012, Weltuntergang am 21. Dezember 2012, Weltuntergangs-Prophezeiungen, Weltuntergangsszenarien, Winterthur, Wirksamkeit, Wissenschaft, Wolf-Dieter Storl, Zürich
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Samstag, Dezember 24th, 2011
In der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie veröffentlichte Prof. Dr. Volker Schulz einen sehr informativen Beitrag über „Pflanzliche Arzneimittel für Herz und Kreislauf“.
Nachfolgend kommentierte Zitate zum Thema Lipidsenkung durch Artischocke und Gelbwurzel (Curcuma):
„Extrakte aus Artischockenblättern (Cynarae folium) und Gelbwurzel (Curcumae longae rhizoma) haben choleretische Wirkungen, die für beide Drogen sowohl in Tierversuchen als auch am Menschen nachgewiesen wurden.“
Kommentar:
„choleretisch“ = fördert die Gallenproduktion in der Leber.
„Droge“ bedeutet im Bereich Phytotherapie „getrocknete Heilpflanze“.
„Verstärkter Gallefluss kann mit einer vermehrten Elimination von Cholesterin aus dem Körper verbunden sein. Bei hyperlipidämischen Ratten wurden tatsächlich nach mehrmaligen intraperitonealen Gaben wässriger oder alkoholischer Extrakte aus Artischockenblättern Senkungen der Triglyceridwerte um 30 Prozent und der Cholesterinwerte um bis zu 50 Prozent beobachtet. Bei Versuchen an Leberzellen in vitro wurde darüber hinaus festgestellt, dass nicht nur die Ausscheidung des Cholesterins verstärkt, sondern auch dessen Biosynthese gehemmt wurde. Lipidsenkende Wirkungen mit Artischockenblätter-Extrakten wurden am Menschen in einer Doppelblindstudie und bei 5 Anwendungs-Beobachtungen nachgewiesen.“
Kommentar: Tierexperimente und Laboruntersuchungen ( = in-vitro) sind nur sehr begrenzt aussagekräftig in Bezug auf Wirkungen am Menschen. Aber es gibt inzwischen auch einige Studien mit Patienten, die auf eine lipidsenkende Wirkung der Artischockenblätter hinweisen.
„Mit Kurkumawurzel-Extrakten liegen vorwiegend nur tierexperimentelle Befunde in diesem Sinne vor. Gemessen an der Wirkstärke heute verfügbarer synthetischer Lipidsenker, wie auch in Bezug auf die mehrheitlich bei den Synthetica mittels großer Human-Studien gesicherten Erfolge bei der Prävention von Arteriosklerose-Folgekrankheiten, sind die Wirksamkeits-Belege in diesem Indikationsbereich bei den Phytopharmaka dennoch eher als bescheiden einzustufen. Die Anwendung dieser pflanzlichen Mittel ist andererseits nicht mit ernsthaften Risiken verbunden. Im Rahmen naturheilkundlicher Behandlungen hat deshalb deren unterstützende Anwendung auch weiterhin ihre Berechtigung.“
Kommentar: Die Curcuma (Gelbwurzel) ist Bestandteil von Curry-Mischungen. Der Inhaltsstoff Curcumin wird intensiv erforscht für eine mögliche Anwendung in der Krebstherapie. Obwohl bis zu einer erfolgsversprechenden Anwendung beim Menschen noch sehr viele Fragen offen sind, wird Curcumin zum Teil vorschnell als Wunderheilmittel für die Krebsheilung angepriesen. Ein Problem ist unter anderem die schlechte Wasserlöslichkeit von Curcumin, wodurch die Substanz aus den Verdauungstrakt nur in sehr geringem Mass in den Organismus aufgenommen werden kann.
Siehe dazu:
Forschung: Curcumin gegen Alzheimer & Krebs?
Kurkuma als Leberschutz untersucht
Curcumin aus Gelbwurz: Antibiotikum und Schutzfaktor gegen Darmkrebs?
Curcumin: Curry-Inhaltsstoff zeigt Antikrebswirkung im Labortest
Curcumin gegen Krebs?
Zum Thema Cholesterinsenkung werden noch andere interessante Heilpflanzen-Anwendungen diskutiert:
Bockshornklee: Interessant als Heilpflanze und Gewürz
Haferkleie reduziert den Cholesterinspiegel
Grüntee reduziert Cholesterin (aber nur wenig)
Was ist Johannisbrotkernmehl?
Äpfel sind gute Cholesterinsenker
Polyphenole aus Rooibostee schützen vor Arteriosklerose
Leinsamen reduziert Cholesterinspiegel bei Männern
Hibiscus / Karkade gegen erhöhtes Cholesterin
Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker
Auch für diese pflanzlichen Cholesterinsenker gilt, dass ihre Wirkung nur gering ist, bei zugleich aber optimaler Verträglichkeit bzw. fehlendem Risiko.
Quelle der Zitate: PHYTO Therapie 1|10
Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Donnerstag, Dezember 15th, 2011
„Alternative Heilmethoden können mittlerweile auch bei der Bekämpfung von Krebs eine Rolle spielen. Laut Prof. Gustav Dobos können zum Beispiel bestimme Meditationsformen Patienten beim Umgang mit der Krankheit helfen.“
Das meldet dpa / Yahoo-News.
Es gebe Studien die zeigen, dass sich mit solchen Meditationsformen Ängste abbauen lassen, sagte der Direktor der Klink für Naturheilkunde und Integrative Medizin in Essen.
Auch Akupunktur sei inzwischen als Methode zur Bekämpfung von Nebenwirkungen wie Schmerzen anerkannt. Die alten Grabenkämpfe zwischen Schulmedizin und Alternativmedizin gebe es nicht mehr. Ziel der Forschung muss es nach Ansicht von Dobos sein, eine sogenannte integrative Medizin zu entwickeln, die alternative und schulmedizinische Ansätze vereint.
Eine Schwierigkeit dabei sei jedoch noch die Unterscheidung zwischen wirksamen und wirkungslosen Heilmethoden. «Die Patienten werden aus dem Internet oder von Bekannten mit einer Informationsflut überschüttet», erklärte Dobos. Hier brauche es gut ausgebildete Ärzte. Patienten empfahl er, angebotene Therapien immer auf ihre erwiesene Wirksamkeit zu hinterfragen. Falsch eingesetzte Therapien könnten unter Umständen auch schaden.
Quelle:
http://de.news.yahoo.com/26/20101203/thl-alternative-medizin-kann-auch-bei-kr-b930478.html
Kommentar & Ergänzung:
Die erwähnten Grabenkämpfe könnte man meines Erachtens am ehesten überwinden, wenn man auf irreführende und polarisierende Begriffe wie Schulmedizin, Komplementärmedizin oder Alternativmedizin verzichten würde.
Und für Patientinnen und Patienten ist es oft ziemlich schwierig, angebotene Therapien auf ihre Wirksamkeit zu hinterfragen. Aber es ist sehr wichtig, solche Fragen zu stellen.
Siehe dazu:
Komplementärmedizin – woran erkennen Sie fragwürdige Ausssagen?
Wenn in der dpa-Meldung die Rede davon ist, dass alternative Heilmethoden mittlerweile auch in der Bekämpfung von Krebs eine Rolle spielen, dann ist das etwas irreführend. Dadurch wird nahegelegt, dass der Krebs selbst mit solchen alternativen Heilmethoden bekämpft wird. In diesem Bereich sind alternative Heilmethoden aber leider bisher kaum überzeugend. Interessant sind einige Methoden für die Linderung von Nebenwirkungen der Krebstherapien.
Auch die Phytotherapie, die allerdings nicht zur Alternativmedizin oder Komplementärmedizin, sondern zur Naturheilkunde zählt, eignet sich zur Linderung verschiedener Nebenwirkungen von Krebstherapien.
Siehe:
Vorbeugung gegen Mukositis bei Chemotherapie
Honig gegen Mundschleimhautentzündung bei Chemotherapie
Phytotherapie kann bei Krebs manche Beschwerden lindern
Phytotherapie lindert Nebenwirkungen bei Chemotherapie & Bestrahlung
Phytotherapie gegen Appetitmangel bei Chemotherapie
Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen
Heilpflanzen-Anwendungen bei Krebs
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Dienstag, Dezember 13th, 2011
Zum Thema Selbstbehandlung mit Heilpflanzen brachte die „Sprechstunde“ auf dradio eine interessante Aussage von Andreas Michalsen, Internist und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Berliner Charité:
„Pflanzliche Arzneien, wie der Lavendel, werden in der Regel genutzt, ohne den Arzt oder Apotheker zu fragen. Diese ‚Selbstmedikation’ ist immer ein bisschen ambivalent, sagt Professor Michalsen, der auch Chefarzt am Zentrum für Naturheilkunde des Berliner Immanuel-Krankenhauses ist:
’Natürlich achten wir als Ärzte immer darauf zu sagen, man sollte, wann auch immer ein warnendes Symptom oder eine Beschwerde ausgeprägt ist, zum Arzt gehen, damit Schlimmeres nicht übersehen wird und damit kein Zeitverzug entsteht. Andererseits haben wir in Deutschland inzwischen ein anderes Problem, nämlich dass wir quasi überhaupt nicht mehr in der Lage sind, auch kleinere Befindlichkeitsstörungen ohne Arzt auszuhalten, und da ist die Pflanzentherapie sicherlich so: Die ist geeignet für die Selbstbehandlung, und da wird einfach der Mittelweg, der Königsweg noch ein bisschen zu beschreiben sein.’”
Quelle:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sprechstunde/1599331/
Kommentar & Ergänzung:
Tatsächlich sind heute viele Menschen nicht mehr in der Lage, kleinere Befindlichkeitsstörungen ohne Arzt auszuhalten oder sie mit einfachen Hausmitteln zu behandeln. Das trägt zur Überlastung des Gesundheitssystems bei und macht zudem abhängig vom Gesundheitssystem.
Andererseits gibt es auch zunehmend Menschen, die glauben, mit irgendeinem simplen Wundermittel alle Krankheiten heilen zu können. Ein Beispiel dafür ist Miracle Mineral Supplement (MMS), das angeblich gegen AIDS, HIV, Krebs, Diabetes, Malaria, Lungenentzündung, Herpes, Tuberkulose und alles Mögliche mehr helfen soll.
Phytotherapie kann hier ein gutes Angebot machen. Fundierte Heilpflanzen-Anwendungen fördern die Kompetenz, einfachere Beschwerden selber zu behandeln. Eine sorgfältige Phytotherapie weist aber auch wo nötig auf die Grenzen der Selbstbehandlung hin und vermeidet überrissene und grossspurige Heilungsversprechungen.
Wenn Sie sich aktuelles und fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben wollen, können Sie das im Heilpflanzenseminar
oder in der Phytotherapieausbildung.
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Samstag, Dezember 10th, 2011
Zimtsterne, Lebkuchen und Punsch sind in der Weihnachtszeit beliebt. Doch Vorsicht: Mit dem falschen Zimt könnte die Weihnachtsleckerei zur Gefahr für die Gesundheit werden.
Seit 2006 warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) davor, zu viel Zimt zu konsumieren. Erwachsenen rät das BfR zu maximal acht Zimtsterne pro Tag, Kleinkindern sogar nur zu vier.
Wer sehr viel Zimt isst, dem sollen Kopfschmerzen und Leberschäden drohen. Auch das Krebsrisiko steige dadurch vermutlich an. Das liege am Cumarin.
Zimt findet sich jedoch nicht nur in den Zimtsternen, sondern auch in Lebkuchen oder Weihnachtstees. So fällt es gerade im Advent schwer, den Überblick über die tägliche Zimtdosis zu behalten. Sehr viel einfacher und besser ist es, die „richtige“ Zimtsorte zu verwenden – den Ceylon-Zimt. Im Gegensatz zur handelsüblicheren Sorte Cassia enthält die Sorte Ceylon sehr wenig schädliches Cumarin. Von Zimtsternen mit Ceylon-Zimt könnte ein Erwachsener zirka 800 Stück pro Tag essen, wenn man den tiefen Cumarin-Gehalt berücksichtigt – ganz ohne Risiko für die Gesundheit – zumindest was den Zimt betrifft.
Trotz der bekannten Risiken, müssen Hersteller bisher nicht deklarieren, welche Zimtsorte sie einsetzten. Hauptsächlich Fertigprodukte und Gewürzmischungen enthalten meist Cassia-Zimt. Dieser ist billiger und, so behaupten zahlreiche Hersteller, schmecke intensiver. Apotheken, Drogerien und Reformhäuser bieten dagegen den unbedenklichen Ceylon-Zimt an.
Quelle:
http://www.apotheken.de/news/article/zimt-ist-nicht-gleich-zimt/
Kommentar & Ergänzung:
Es ist tatsächlich ärgerlich, wenn pauschal vor „Zimt“ und „Zimtsternen“ gewarnt wird, ohne dass die Unterschiede im Cumarin-Gehalt von Cassia-Zimt (= Chinesischer Zimt, = Cinnamomum cassia, = Cinnamomum aromaticum) und Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum) berücksichtigt werden.
Die gesundheitlichen Risiken rund um den Zimt fasst Wikipedia so zusammen:
„ In Zimt – vor allem im billigeren Cassia-Zimt (auch: chinesischer Zimt) – ist das als gesundheitsschädlich geltende Cumarin enthalten. In Fertigprodukten wird fast ausschließlich dieser aus China, Indonesien oder Vietnam stammende Cassia-Zimt verarbeitet. Der Cumarin-Anteil beider Zimtsorten unterscheidet sich erheblich: Während er bei dem Cassia-Zimt bei ca. 2 g Cumarin pro kg liegt, finden sich in der gleichen Menge Ceylon-Zimt nur ca. 0,02 g Cumarin.
Cumarin kann bei Einnahme in den Blutkreislauf Kopfschmerzen, Leberschäden, Leberentzündungen und, wie in wahrscheinlich nur bedingt auf den Menschen übertragbaren Tierversuchen mit Ratten festgestellt wurde, in sehr hohen Dosierungen sogar Krebs verursachen.
Bei Untersuchungen wurden, erstmals im Januar 2006, in Deutschland (Nordrhein-Westfalen) Zimtprodukte entdeckt, die den Höchstwert des Cumarinanteils, entsprechend der gültigen Aromenverordnung, um das 37-fache überschritten hatten. Im Juni 2006 warnte erstmals dann auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer Stellungnahme vor dem Verzehr großer Mengen von Zimt und zimthaltigen Produkten: Schon bei Verzehr von 20 Gramm der höchstbelasteten Zimtsterne täglich (das entspricht bei vielen Marken einer Menge von drei Stück) über einen längeren Zeitraum werde die maximal tolerierbare Aufnahme bei Kleinkindern erreicht. Eine zweite Stellungnahme des BfR bezieht sich auf Zimtkapseln, die zur Behandlung von Diabetes mellitus Typ II verkauft werden. Weitere Kontrollen wurden im Oktober 2006 vom Verbraucherministerium angekündigt. Hierbei wurden in Rheinland-Pfalz Zimtprodukte entdeckt, die 103 mg Cumarin pro Kilogramm aufwiesen, während der Höchstwert der Aromenverordnung nur 2 mg/kg beträgt (bis 1. November 2006 jedoch 67 mg/kg).
Nach einer Empfehlung des BfR sollten demnach „kleinere Kinder“ nicht mehr als 4 Zimtsterne, „größere Kinder“ nicht mehr als 6 Zimtsterne und Erwachsene maximal 8 Zimtsterne pro Tag zu sich nehmen. Zu beachten ist aber ferner, dass auch in vielen anderen Produkten, wie in Frühstücksprodukten, Lebkuchen, Puddings, Glühwein, diversen Teesorten, Gewürzmischungen (z. B. Curry) und sogar in Kosmetika Zimt enthalten sein kann. Dadurch sollte die Tagesration, entsprechend dem persönlichem Konsum derartig „belasteter“ Produkte, noch deutlich unter den Empfehlungen des BfR liegen.
Im häuslichen Bereich wird empfohlen, den teureren Ceylon-Zimt zu verwenden, der in Asia-Shops (hier bes. Tamil-Shops), Reformhäusern, Apotheken oder Drogeriemärkten bezogen werden kann und aufgrund des geringen Cumarin-Gehalts als unbedenklich gilt.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wirft der Lebensmittelindustrie vor, aus Kostengründen den billigeren Cassia-Zimt anstelle des teureren Ceylon-Zimts einzusetzen. Die Lebensmittelindustrie bestreitet jedoch den Vorwurf mit dem Argument, dass Cassia-Zimt vor allem wegen seines hervorragenden Geschmacks eingesetzt werde. Auch überstehe das typische Zimtaroma den Backprozess besser. Weiterhin sei es schon aus mengenmäßigen Gründen nicht möglich, den Ceylon-Zimt zu verwenden, da dieser dafür zu selten sei.“
(Quelle: Wikipedia)
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Dienstag, Dezember 6th, 2011
Oxidativer Stress gilt als Mitverursacher zahlreicher krankhafter Prozesse und wird auch mit Alterungserscheinungen in Zusammenhang gebracht.
Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln wie zum Beispiel „Burgerstein“ bieten eine reiche Palette von sogenannten „Antioxidantien“ an, die dem oxidativen Stress durch „freie Radikale“ entgegenwirken sollen.
In den letzten Jahren sind allerdings zunehmend Studien erschienen, welche der einseitig negative Darstellung der „freien Radikale“ ebenso widersprechen wie der einseitig positiven Propaganda für Antioxidantien.
Hier ein weiterer Hinweis in diese Richtung:
Forschern aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum gelang es zum ersten Mal, oxidative Veränderungen in einem lebenden Organismus direkt zu beobachten. Ihre an Fruchtfliegen erzielten Resultate lassen Zweifel an der Gültigkeit gängiger Thesen aufkommen: Die Wissenschaftler fanden keine Hinweise darauf, dass die Lebensspanne durch die Bildung schädlicher Oxidantien begrenzt wird.
Arterienverkalkung und koronare Herzleiden, neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer, Krebs oder sogar das Altern selbst sollen durch oxidativen Stress mitverursacht oder beschleunigt werden. Oxidativer Stress entsteht in Zellen oder Geweben, wenn ein Übermaß an so genannten reaktiven Sauerstoffverbindungen vorhanden ist. „Bislang konnte aber niemand oxidative Veränderungen oder gar deren Zusammenhang mit krankhaften Prozessen in einem lebenden Organismus direkt verfolgen“, schildert Privatdozent Dr. Tobias Dick aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum. „Es waren nur relativ unspezifische oder indirekte Nachweise darüber möglich, welche oxidativen Prozesse in einem intakten Organismus tatsächlich ablaufen.“
Tobias Dick und seinen Mitarbeitern ist es nun zum ersten Mal gelungen, diese Vorgänge an einem lebenden Tier zu beobachten. Zusammen mit Dr. Aurelio Teleman (ebenfalls am DKFZ) schleusten sie Gene für Biosensoren in das Erbgut von Fruchtfliegen ein. Die verwendeten Biosensoren sind spezifisch für unterschiedliche Oxidantien. Sie zeigen durch ein Lichtsignal den oxidativen Status jeder einzelnen Zelle an – in Echtzeit, im gesamten Organismus und über die ganze Lebensspanne.
Schon in den Fliegenlarven entdeckten die Wissenschaftler, dass Oxidantien in den verschiedenen Gewebetypen sehr ungleichmäßig produziert werden. So bilden die Blutzellen in ihren Energiefabriken, den Mitochondrien, wesentlich mehr Oxidantien als zum Beispiel Darmzellen oder Muskelzellen. Auch spiegelt sich das Verhalten der Larve in der Bildung von Oxidantien in einzelnen Geweben wider – die Wissenschaftler konnten am oxidativen Zustand des Fettgewebes unterscheiden, ob die Larven gerade fraßen oder sich fortbewegten.
Bislang gingen zahlreiche Forscher davon aus, dass es mit dem Altern zu einer generellen Zunahme an Oxidantien im ganzen Organismus kommt. Genau dies konnten die DKFZ-Wissenschaftler jedoch nicht bestätigen, als sie die erwachsenen Tiere über ihre gesamte Lebensspanne verfolgten: Einen alternsabhängigen Anstieg von Oxidantien fand sich überraschenderweise fast ausschließlich im Darm der Fliege. Beim Vergleich von Fliegen mit unterschiedlicher Lebensspanne stellten die Wissenschaftler überdies fest, dass sich die Ansammlung der Oxidantien im Darmgewebe bei einer längeren Lebensdauer sogar beschleunigte. Die Wissenschaftler fanden demnach keine Unterstützung für die häufig geäußerte Vermutung, dass die Lebensspanne eines Organismus durch die Bildung schädlicher Oxidantien begrenzt wird.
Obwohl umfangreiche Studien bis heute einen Nachweis dafür schuldig bleiben, werden Antioxidantien häufig als Schutz vor oxidativem Stress und damit als gesundheitsfördernd propagiert. Dick und Kollegen fütterten ihre Fliegen mit N-Acetyl-Cystein (NAC), einer Substanz der eine antioxidative Wirkung zugeschrieben wird und manchen Forschern als geeignet erscheint, den menschlichen Organismus vor mutmaßlich gefährlichen Oxidantien zu schützen. Interessanterweise zeigten sich bei den NAC-gefütterten Fliegen jedoch keine Hinweise auf eine Reduktion der Oxidantien. Im Gegenteil, zur Überraschung der Wissenschaftler veranlasste NAC die Energiefabriken verschiedener Gewebe zu einer deutlich erhöhten Oxidantien-Produktion.
„Vieles, was wir mit Hilfe der Biosensoren an den Fliegen beobachtet haben, war für uns überraschend. Offenbar sind viele Ergebnisse, die an isolierten Zellen gewonnen wurden, nicht ohne weiteres auf die Situation in einem lebenden Organismus übertragbar“, stellt Tobias Dick fest. „Das Beispiel NAC zeigt uns auch, dass wir derzeit nicht in der Lage sind, oxidative Prozesse im lebenden Organismus auf vorhersagbare Weise pharmakologisch zu beeinflussen.“ Und er fügt an: „Natürlich lassen sich die Ergebnisse nicht ohne weiteres von der Fliege auf den Menschen übertragen. Unser nächstes Ziel ist es, mit den Biosensoren oxidative Prozesse in Säugetieren zu beobachten, vor allem bei Entzündungsreaktionen und bei der Entwicklung von Tumoren.”
Quellen:
Simone C. Albrecht, Ana Gomes Barata, Jörg Großhans, Aurelio A. Teleman und Tobias P. Dick: In vivo mapping of hydrogen peroxide and oxidized glutathione reveals chemical and regional specificity of redox homeostasis. Cell Metabolism 2011, DOI:10.1016/j.cmet.2011.10.010.
Deutsches Krebsforschungszentrum
http://www.journalmed.de/newsview.php?id=36048
Kommentar & Ergänzung:
Antioxidantien werden massiv propagiert. Sie sollen gegen Krebs, Herzkrankheiten und das Älterwerden schützen. Dabei ist in den meisten Fällen völlig ungeklärt, ob neben den Herstellern und Verkäufern auch die Konsumentinnen und Konsumenten dieser Produkte einen Nutzen davon haben. Im Gegenteil: Es gibt sogar deutliche Hinweise darauf, dass Antioxidantien – vor allem wenn sie in hohen Dosen konsumiert werden – in manchen Situationen auch schaden können. Die „Antioxidantien-Welle“ wird nicht nur durch Experimente im Labor in Frage gestellt – wie hier durch die Studie am DKFZ – sondern auch durch Untersuchungen am Menschen.
Siehe auch:
Schwächen Antioxidantien die Muskelfunktion?
Antioxidantien fördern möglicherweise Diabetes
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Samstag, Dezember 3rd, 2011
Viele Medienberichte zum Thema Komplementärmedizin sind irreführend und verzerrt. Ein Beispiel dafür liefert die Boulevardzeitung „Blick“ in einem Beitrag zur Misteltherapie („Blick“-Zitate kursiv).
Zitat:
„ Was bewirkt das Präparat?
Das Mistelextrakt enthält Eiweissstoffe, die im Körper des Kranken die Produktion von Endorphinen anregen. Das sind Stoffe, die unsere Schmerzen lindern und die Stimmung aufhellen. Zudem stärkt das Heilmittel die körpereigenen Abwehrkräfte, indem es die Produktion der weissen Blutkörperchen anregt. Mit der Misteltherapie lässt sich das Immunsystem so gut stimulieren, dass es auch zur Unterstützung von Chemo- und Strahlentherapie oder Krebsoperationen verwendet wird. In hoher Dosierung tötet das Mittel Krebszellen und stärkt dabei das Immunsystem – im Gegensatz zur Chemotherapie, die Krebszellen tötet und als Nebenwirkung das Immunsystem schwächt.“
Der entscheidende Satz ist dieser:
„In hoher Dosierung tötet das Mittel Krebszellen und stärkt dabei das Immunsystem – im Gegensatz zur Chemotherapie, die Krebszellen tötet und als Nebenwirkung das Immunsystem schwächt.“
Mistel tötet also in hoher Konzentration Krebszellen und stärkt dabei das Immunsystem.
Chemotherapie tötet Krebszellen und schwächt dabei das Immunsystem.
Keine Frage: Gemäss dieser Darstellung ist die Misteltherapie der Chemotherapie vorzuziehen.
Was der Satz verschweigt:
Misteltherapie tötet in hoher Konzentration Krebszellen im Labor an isolierten Geweben oder Zellen. Beim lebenden Menschen ist eine solche Wirkung leider nicht belegt.
Chemotherapie dagegen tötet Krebszellen beim Patienten, schädigt aber leider dabei auch das Immunsystem und andere gesunde Zellen.
Im Labor an isolierten Geweben und Zellen kann man Mistel tatsächlich in sehr hoher Konzentration einwirken lassen. Solche Ergebnisse lassen sich aber nicht einfach auf die Anwendung bei Krebspatienten übertragen.
Wenn man die Angabe „im Labor“ weglässt, erweckt man einen geschönten Eindruck und führt Krebspatientinnen und –patienten in die Irre.
Im weiteren schreibt „Blick“:
„Gibt es Risiken und Nebenwirkungen?
Die Behandlung ist risikoarm. Selten gibt es allergische Reaktionen: Rötung und Schwellung bei der Einstichstelle sind positive Reaktionen, die zur idealen Dosierung des Präparates beitragen.“
Eine sehr geschönte Darstellung.
Hier die andere, vom “blick” ausgeklammerte Seite:
„In niedriger, nichttoxischer Dosierung dominiert die immunstimulierende Wirkung der Mistellektine, aus der nicht auf eine Hemmung des Tumorwachstums geschlossen werden darf. Erst in höheren Konzentrationen, die bereits deutliche unerwünschte Wirkungen hervorrufen, zerstören Lektine und Viscotoxine……..Lektine und Viscotoxine sind nach parenteraler Applikation extrem giftig. Die akute Toxizität ist möglicherweise nicht nur auf die direkte Cytotoxizität der Lektine und Viscotoxine, sondern auch auf die provozierte Ausschüttung von Mediatoren des Immunsystems zurückzuführen.“
(Quelle: http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Mistelkraut.html)
Oder bei Wikipedia:
„Unerwünschte Wirkungen der Misteltherapie betreffen das Herz-Kreislauf-System (Blutdruckabfall oder -anstieg, Verlangsamung des Herzschlags), den Magen-Darm-Trakt (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Dehydratation), das zentrale Nervensystem (Verwirrtheit, Halluzinationen, epileptische Anfälle) sowie das Immunsystem (Fieber, Anstieg der weißen Blutkörperchen im Blut). In der bisher einzigen randomisierten kontrollierten Studie zur Wirksamkeit des Mistelpräparates Iscador wurde ein beunruhigendes Ausmaß an Toxizität beobachtet. Vor allem fiel eine Zunahme von Gehirnmetastasen beim Iscador-Patientenkollektiv im Vergleich zur Kontrolle auf. Lokale Entzündungsreaktionen an der Injektionsstelle (wie Rötung, Schwellung, Schmerzen) sind häufig. Schwerwiegende Komplikationen sind selten, jedoch wurden einige Todesfälle berichtet. Ursache hierfür können allergische Reaktionen sein, die zu einem anaphylaktischen Schock führen können. Nicht angezeigt ist die Misteltherapie während der Schwangerschaft und in der Stillzeit.“ (Quelle: wikipedia)
Solche Nebenwirkungen scheinen allerdings selten von schwerwiegender Natur zu sein.
Problematischer sind Forschungsergebnisse, die darauf hinweisen, dass eine Misteltherapie bei bestimmten Tumorarten das Wachstum des Tumors steigern könnte.
„Konsequente Grundlagenforschung in den letzten Jahren zeigte, dass die durch Mistellektin I (besser: Viscum album Agglutinin I = VAA I) vermehrt freigesetzten Zytokine in vitro und in vivo (Tiermodelle) die Proliferation von Zellen verschiedener Tumore, Leukämien und Lymphome stimulieren können. In der Literatur finden sich Berichte über negative Effekte von Mistelextrakten bzw. Lektin in der Zellkultur, in Tumorexplantaten, in Tierversuchen und bei klinischer Anwendung. Experimentelle Befunde verweisen auf die realistische Möglichkeit einer Gefährdung zumindestens einzelner Patienten bei bestimmten Tumorarten und/oder -stadien durch lektinbezogene) Mistelanwendung. Die Annahme, dass eine Erhöhung der Serumspiegel dieser Botenstoffe zumindestens bei einzelnen Tumorpatienten negativ mit einer kürzeren Lebenserwartung korreliert ist, hat sich für verschiedene Malignome bestätigt.“
(Quelle: Barbara Burkhard, Anthroposophische Medizin, Pharmazeutische Zeitung, Govi-Verlag 2000).
Ähnlich schreibt Dr. med Jutta Hübner, Sprecherin des Arbeitskreises komplementäre Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft:
„ Die direkte Wirkung auf den Tumor wurde leider noch nicht bewiesen. Unklar ist, ob eine Beeinflussung des Tumorwachstums stattfindet. Mistelextrakt kann das Absterben von Tumorzellen im Reagenzglas fördern. In Tierexperimenten konnte durch die Gabe von Mistel die Ausbreitung von Tumoren vermindert werden. Es liegen aber auch Untersuchungen vor, die für einige Tumorarten im Laborexperiment eine wachstumsfördernde Wirkung zeigten. Auch bei Untersuchungen an Patienten ergaben sich zum Teil ungünstige Ergebnisse…….Bei bestimmten Tumoren wie Melanom, Nierenkarzinom, Lymphom und Leukämien sollte die Mistel auf keinen Fall eingesetzt werden“
(aus: Aloe, Ginkgo, Mistel & Co., Schattauer 2009)
Im weiteren schreibt „Blick“:
„ Was ist das stärkste Argument gegen die Mistelanwendung?
Die Schulmedizin kritisiert, dass die Therapie nie in Doppelblindstudien untersucht wurde. So lange diese wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweise fehlen, gelten Mistelpräparate nicht als Heilmittel gegen Krebs.“
Der Satz: „Die Schulmedizin kritisiert, dass die Therapie nie in Doppelblindstudien untersucht wurde“, ist eine einzige Lüge. Die Misteltherapie wurde in einer ganzen Reihe von Doppelblindstudien untersucht. Die „Schulmedizin“ kritisiert, dass die Qualität der meisten Studien schlecht ist und die Ergebnisse insgesamt nicht überzeugen. Und diese Einschätzung dominiert nicht einfach nur in der “Schulmedizin”. Man findet sie auch in der Phytotherapie-Fachliteratur und bei Jutta Hübner.
„Blick“ verbiegt das „stärkste Argument gegen die Mistelanwendung“.
Sie auch:
Misteltherapie gegen Krebs wirksam?
Weshalb stellt „Blick“ die Misteltherapie derart verzerrt dar?
Zu vermuten ist, dass sich die Zeitung einseitig auf die Angaben der Mistel-Propagandisten stützt. Ausserdem schreibt „Blick“ wohl einfach, was die Leserinnen und Leser gerne hören. Heilungsversprechungen kommen immer gut an. Sie lindern die Angst vor Krebs.
Wer Heilungsversprechungen in Frage stellt, hat da zum vorneherein einen schwereren Stand.
Quelle der „Blick“-Zitate:
http://www.blick.ch/life/ratgeber/das-muessen-sie-ueber-die-therapie-wissen-186039
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Dienstag, November 29th, 2011
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informiert über das vermeintliche Krebsarzneimittel „Ukrain“, dass derzeit in Deutschland und in anderen EU-Staaten ungesetzlich in den Verkehr gebracht wird.
Nach dem BfArM vorliegenden Informationen werden gegenwärtig große Mengen des vermeintlichen Krebsarzneimittels „Ukrain“ in Deutschland und in anderen EU-Staaten illegal in den Verkehr gebracht. Zusätzlich wird dieses Produkt im Internet mit verschiedenen Heilversprechen propagiert. Hier findet man zum Beispiel folgende Aussagen: „Ukrain could replace chemotherapy in treating almost all cancers“ (Ukrain kann die Chemotherapie bei fast allen Krebsarten ersetzen) oder „Cancer can be reversed“ (Krebs kann rückgängig gemacht werden). Für solche und ähnliche Aussagen sind keine Belege bekannt, die einer wissenschaftlichen Überprüfung standhalten.
Das BfArM warnt dringend vor der Anwendung von Ukrain.
Das Produkt Ukrain stammt von der Firma Nowicky Pharma (mit wechselndem Geschäftssitz, gegenwärtig Lviv, Ukraine oder Vereinigte Arabische Emirate). Bei Ukrain handelt es sich offenbar um ein semisynthetisches Mischpräparat aus dem Zytostatikum Thiotepa und aus Alkaloiden des Schöllkrauts (Chelidonium majus L.). Bezüglich der Zusammensetzung von Ukrain existieren allerdings auch abweichende Angaben.
Ukrain ist weder in Deutschland noch in der übrigen Europäischen Union zugelassen und es gibt gegenwärtig auch keine Zulassungsanträge. Frühere Zulassungsanträge im EU-Ausland scheiterten. Eine Zulassung wurde im Jahr 2001 von der Ukraine erteilt, diese wurde allerdings am 14. November 2011 widerrufen.
Belege für eine angemessene oder genügende Prüfung der Wirksamkeit und Sicherheit von Ukrain bei Krebserkrankungen sind nicht bekannt. Bei den zugänglichen Publikationen über klinische Untersuchungen mit Ukrain handelt es sich überwiegend um Einzelfallberichte oder um Untersuchungen, die ohne einen Vergleich mit einer Standardtherapie durchgeführt wurden und/oder die andere erhebliche Mängel aufweisen und deren Resultate wegen dieser Mängel nicht beurteilbar sind.
Seit 2002 gibt es Bemühungen in mehreren Verfahren, Ukrain durch die Europäische Kommission als Arzneimittel für seltene Erkrankungen („Orphan Drug“) zu Therapie des Pankreaskarzinoms ausweisen zu lassen. Der für derartige Anträge zuständige „Ausschuss für Arzneimittel für seltene Leiden“ (COMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) lehnte diese Anträge regelmäßig ab, da es der Antragsteller nicht schaffte, die für derartige Anträge nötigen wissenschaftlich bewertbaren und belastbaren Belege zu liefern.
Gegen diese Entscheidungen wurde Klage beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) erhoben. Diese Klage wurde zwischenzeitlich vom EuGH in allen Punkten abgewiesen (Urteil vom 9.9.2010 T-74/08). Durch diesen Entscheid hat der EuGH bestätigt, dass die Sicht des COMP’s über das fehlen relevanter Belege zur Bewertung von Ukrain korrekt ist.
Aus Sicht des BfArM muß vor dem Einsatz von Ukrain als Krebsmittel dringend gewarnt werden. Krebspatienten sollten sich nur mit zugelassenen Arzneimitteln therapieren lassen, deren Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität nachvollziehbar belegt und bei deren ein günstiges Nutzen-Risiko Verhältnis in einem Zulassungsverfahren geprüft und für akzeptabel befunden wurde.
Quelle:
http://www.bfarm.de/DE/Pharmakovigilanz/risikoinfo/2011/ukrain.html
Kommentar & Ergänzung:
Im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin gibt es eine riesige Menge an Versprechungen. Natürlich kann man sich im Modus der Beliebigkeit durch diesen Dschungel wuseln und ungeprüft konsumieren, was einem über den Weg läuft. Ein mündiger Konsument oder eine mündige Konsumentin sehen aber anders aus.
Gegen die Beliebigkeit hilft es, wenn wir lernen, kritische Fragen zu stellen: Wie genau? Wann? Warum? Wo? Wer?
Im Bereich Komplementärmedizin /Alternativmedizin besteht meiner Erfahrung nach ein grosses Manko an kritischen Fragen. Sie werden sehr oft als Bedrohung empfunden, statt als Chance erlebt. Ohne kritische Fragen unterbleibt aber die Weiterentwicklung.
Ohne gesunde Zweifel und mit fragloser Gläubigkeit bleiben wir aber an der Oberfläche.
Wer lernen will, wie man Heilungsversprechungen auf ihre Glaubwürdigkeit überprüft, kann das in der Phytotherapie-Ausbildung, im Heilpflanzen-Seminar oder im Tagesseminar Komplementärmedizin.
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Freitag, November 25th, 2011
Jeder Blutgruppe ihre eigene Ernährungsweise, so empfiehlt es die Blutgruppendiät und verspricht dadurch Gesundheit und Gewichtsabnahme.
Ich bin Blutgruppe 0 und besitze laut Peter D’Adamo den Stoffwechsel eines Steinzeit-Jägers. Folge ich seinen Ernährungsempfehlungen, dann bin ich von nun ab Fleischfresser in Reinkultur.
Der Amerikaner Peter D’Adamo ist der Erfinder der sogenannten Blutgruppendiät, ein Ernährungsprinzip das nicht nur der Gewichtsabnahme, sondern vor allem auch der Gesundheit dienen soll. Der Naturheilmediziner ist überzeugt davon, dass jede Blutgruppe nach ihrem eigenen Ernährungsverhalten verlangt und glaubt die Basis für seine Theorien in der Evolutionsgeschichte des Menschen gefunden zu haben.
Aus seiner Annahme, dass der Neandertaler zum Beispiel Träger der Blutgruppe 0 war, folgt seine Ernährungsempfehlung für Menschen derselbigen Blutgruppe 40.000 Jahre später: Viel tierische Fette, keine Milchprodukte und wenig Weizen – ganz nach dem Ernährungsplan unserer Vorfahren – zum Schutz vor chronischen Krankheiten und Übergewicht.
Wer seine Blutgruppe nicht kennt und isst was ihm gerade in den Sinn kommt, der hat Glück solange er Träger der Blutgruppe AB ist.
Oder aber er darf sich nicht wundern, wenn der Organismus sich dagegen wehrt. Die Ursache für zahlreiche Zivilisationskrankheiten glaubt D’Adamo in den sogenannten Lectinen gefunden zu haben. Diese Proteine besitzen Ähnlichkeiten mit spezifischen Blutgruppenmerkmalen und erreichen über die Nahrung das menschliche Blut.
Je nach Blutgruppentyp sollen diese Lebensmittel-Lectine verträglich sein oder eben auch nicht. Bei Unverträglichkeit komme es zu einer Reaktion, die einem Transfusionszwischenfall ähnelt: Rote Blutkörperchen agglutinieren (verklumpen), Zellen sterben ab und die Gesundheit wird dadurch erheblich beeinträchtigt.
D’Adamos Theorien geraten allerdings schon mit der Blutgruppe 0 stark ins Wanken, behaupten doch Humangenetiker, dass der Urzeitmensch zwar Fleischfresser war, jedoch Träger der Blutgruppe A. Was die Lectine angeht, liegt D’Adamo dagegen offenbar nicht ganz so falsch. „Lectine besitzen tatsächlich schädlichen Einfluss auf den Körper. Allerdings verlieren sie diese Wirkung, sobald man diese erhitzt”, erklärt Birgit Beck, Projektleiterin für Ernährung beim Verein für Konsumenteninformation in Wien.
Vor der vermeintlich schädlichen Wirkung der Lectine, braucht sich niemand zu fürchten. Große Wunder, wie die Abheilung von Magengeschwüren oder das Verhindern einer Metastasierung bei Krebs ist von einer Blutgruppendiät auch nicht zu erwarten. Wissenschaftliche Beweise für eine günstige gesundheitliche Wirkung fehlen und Fachleute gehen sogar davon aus, dass die Blutgruppendiät der Gesundheit des Menschen eher abträglich als zuträglich ist. „Eine ausgewogene Nährstoffversorgung ist bei dieser Diät nicht gegeben”, erklärt Birgit Beck und fügt an, dass für sämtliche Blutgruppen der vorgesehene Speiseplan zu fett- und eiweißreich gestaltet ist. Dass diese Diät eine Unterversorgung mit verschiedenen Mikronährstoffen mit sich bringen kann, ist offenbar auch dem Begründer D’Adamo nicht entgangen. Darum rät er zur zusätzlichen Einnahme diverser Nahrungsergänzungsmittel – selbstverständlich blutgruppenspezifisch. Bereits dadurch werden die Grenzen der Blutgruppendiät sichtbar.
Quelle:
http://derstandard.at/1263705442258/Genauer-Betrachet—Skurrile-Diaeten-Zweifelhafte-Blutgruppendiaet
Kommentar & Ergänzung:
Übersichtlich zusammengefasst sind die Empfehlungen der Blutgruppendiät bei Esowatch:
„ Nach D’Adamo richtet sich die Ernährungsempfehlung nach der Blutgruppe.
Blutgruppe 0: Die Träger dieser Blutgruppe sollen täglich Fleisch essen und stattdessen auf Getreide und Milch verzichten. Begründet wird dies damit, dass die Blutgruppe 0 die älteste menschliche Blutgruppe sei.
Blutgruppe A: Träger der Blutgruppe A sollen sich vor allem von Getreide und Gemüse ernähren und auf Fleisch und Milch verzichten.
Blutgruppe B: Träger der Blutgruppe B können nach D’Adamo als „Nomaden-Typ“ Milch, Fleisch und Getreide vertragen.
Blutgruppe AB: Träg er dieser Blutgruppe sollten vor allem Obst und Gemüse essen.“
Und hier weitere Widersprüche und Fehler in der Blutgruppendiät:
„ Abgesehen von einigen exotischen, nur in Ausnahmefällen zur Ernährung gehörenden Pflanzen wie Stechginster, Goldregen und Malven ist kein Lebensmittel bekannt, bei dem je irgendeine negative Wirkung von Lektinen auf den menschlichen Organismus nachgewiesen wurde. Lektine in Lebensmitteln werden zum größten Teil beim Kochen zerstört und gelangen gar nicht in den Darm. Nur im Reagenzglas binden Lektine an Antigene des Blutes.
Welche Blutgruppe die älteste „Urblutgruppe“ ist, ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. In der Diskussion sind sowohl Blutgruppe A als auch Blutgruppe 0. Da Menschenaffen ebenfalls die Blutgruppen 0, A und B haben, gilt es als gesichert, dass die Blutgruppen nichts mit menschlichen Wirtschaftsformen zu tun haben.
Manche der Empfehlungen und Verbote sind absolut zufällig oder beruhen auf Fehlern. So ist zum Beispiel die angebliche Milchunverträglichkeit der Blutgruppen 0 und A nur die Folge einer Namensverwechselung. Zur Blutgruppe B gehört die Alpha-N-D-Galaktose, in Milch ist hingegen Beta-N-D-Galaktose enthalten. Die Moleküle dieser Galaktosearten sind zwar ähnlich (daher der ähnliche Name), die Wirkung im Organismus ist aber völlig unterschiedlich. Selbst wenn die Lektin-Theorie richtig wäre, wäre eine negative Wirkung von Milch auf Menschen mit Blutgruppe 0 oder A also völlig ausgeschlossen.
D’Adamo rät den Blutgruppen 0, A und AB, Milch zu meiden. In Deutschland wären das 80 Prozent der Bevölkerung. Nur in Asien ist die Blutgruppe B am stärksten vertreten. Die regionale Verteilung von Laktoseintoleranz widerspricht jedoch seiner Theorie, denn sie ist in Asien weit häufiger als im europäischen Raum. Primäre Laktoseintoleranz ist keine Allergie, sondern eine fehlende Mutation auf dem Chromosom 2.
Es ist nicht verständlich, warum Menschen mit Blutgruppe A, die besonders häufig in Europa ist (in manchen Ländern die Häufigste), die meisten Fleischsorten, Weizen und Milchprodukte nicht konsumieren sollten, die ja schon seit Längerem die Basis der Ernährung darstellen. Stattdessen wird zu vermehrtem Soja-Konsum geraten, was eher zu Trägern der Blutgruppe B passen würde: Diese Blutgruppe tritt am Häufigsten in Asien auf, nur dort ist Soja ein typischer Bestandteil der regionalen Küche. Das Ganze widerspricht auch der Theorie der Abfolge und regionalen Entstehung der Blutgruppen, weil nach D’Adamo die Blutgruppe A in der Kaukasus-Region, B in der Himalaya-Region entstanden ist. Warum dann ausgerechnet Menschen mit Blutgruppe A vermehrt Soja konsumieren und Milch bzw. Milchprodukte (gerade Menschen in der Kaukasus-Region sind für ihren Kefir-Konsum bekannt, Kefir wird für Blutgruppe A als neutral, für B und AB als bekömmlich eingestuft), Fleisch und Weizen vermeiden sollten, entbehrt jeder Logik.
Je nach Blutgruppe ist der Eiweißanteil der Kost teilweise überhöht, was Gicht oder die Bildung von Harnsteinen zur Folge haben kann. Die Gruppe der „Jäger“ erhält zu wenig Kohlenhydrate und Ballaststoffe.
Teuer ist auch der empfohlene Sekretor-Status (ca. 55€), der zur Verfeinerung des Konzeptes dient. Des Weiteren bietet D’Adamo zahlreiche speziell für Blutgruppen designte Nahrungsergänzungsmittel, die nur über bestimmte Online-Shops bezogen werden können. Abgesehen von den relativ hohen Kosten ist der Nutzen nicht belegt.
Bewertung der Diät durch die Stiftung Warentest: “Da wir trotz jahrhundertelanger Verstöße gegen diese Regeln immer noch am Leben sind, stellt sich die Frage nach dem Sinn und Unsinn der Diät. [...] Eine Verklumpung von Blutzellen (durch Lektine, erg.) wurde bisher in keinem einzigen Fall festgestellt. Und Belege dafür, dass Erkrankungen durch die Blutgruppendiät positiv beeinflusst werden, fehlen ebenfalls.”
Aus einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE): “In keinem Fall ist wissenschaftlich dokumentiert, dass Lectine aus Lebensmitteln im Blut zu Verklumpungen (Agglutinationen) führen. [...] D’Adamo verwendet ungesicherte, verführerisch einfach klingende Annahmen als Fakten und stellt Lectine in Nahrungsmitteln als eine generelle Gefahr dar. [...] Die meisten pflanzlichen Lectine sind unschädlich. (…) Zudem zerstört Erhitzen die Lectinaktivität in fast allen Nahrungsmitteln mit Ausnahme von gerösteten Erdnüssen [...].”
Quelle: http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Blutgruppendi%C3%A4t#ixzz1dQBj7geu
Ich bin immer wieder erstaunt, wie man mit völlig willkürlichen, widersprüchlichen, fehlerhaften Behauptungen und Ernährungstheorien einen Bestseller landen kann, nur weil man damit verbreitete Bedürfnisse nach Rat und Orientierung bedient.
Ähnliche Phänomene kann man im übrigen auch in der Pflanzenheilkunde beobachten, zum Beispiel mit den hoch fragwürdigen Fantasien über „Wesen und Signatur der Pflanzen“.
Siehe dazu:
Pflanzenheilkunde – Nebulöse Aussagen vom Wesen der Pflanzen
Zum Wesen der Heilpflanzen – Storchenschnabel gegen Schock
Die fragwürdige Rede vom Wesen der Pflanzen
Pflanzenheilkunde: John Ray zur Signaturenlehre
Wilde Möhre, Leberblümchen und die Signaturen der Heilpflanzen
Von Schopenhauers Feldblume zu den Signaturen der Pflanzen
Wesenhafte Urtinkturen: Genau nachfragen statt blind glauben
Signaturen der Pflanzen: Fragwürdiger Neuaufguss der Signaturenlehre
Naturheilkunde: Hoch fragwürdige Theorie von der Signatur der Pflanzen
Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:
Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch
Info-Treff Pflanzenheilkunde
Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen
Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:
moodle.heilpflanzen-info.ch/
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