Artikel mit Schlagwort ‘Kräuter’

Kräuter und ihre Wirkung: Ringelblume (Calendula officinalis)

Dienstag, Oktober 25th, 2011

„Die Kleine Zeitung“ veröffentlichte eine Zusammenstellung von Kräutern und ihren Wirkungen.

Zur Ringelblume steht dort:

„Ein Alleskönner ist die Ringelblume. Blutreinigend und leicht krampflösend wirkt der Tee aus ihren Blüten. Salbe, Tinktur und Umschläge eignen sich zur Behandlung von Wunden, Entzündungen, Sonnenbrand und Quetschungen. In der Küche überzeugen die Blüten der “Sonnwendblume” als Safranersatz in Fisch- und Geflügelgerichten. Als Gesichtsdampfbad hilft die Ringelblume gegen unreine Haut, als Spülung gegen glanzlose und fettige Haare. Vorsicht: In der Schwangerschaft nicht innerlich anwenden!“

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/allgemein/bauenwohnen/garten/multimedia.do?action=showEntry_detail&project=26860&_vl_backlink=/magazin/wellness/2750944/arzneitees-dem-garten.story

Kommentar & Ergänzung:

Die Anwendung von Ringelblume bei Wunden, Entzündungen und Sonnenbrand gilt in der Phytotherapie als wirksam – in Form von Ringelblumensalbe, Ringelblumentinktur oder Ringelblumentee.

Von einer blutreinigenden Wirkung zu schreiben ist allerdings fragwürdig. Niemand konnte bisher auch nur einigermassen plausibel erklären, wovon denn das Blut genau gereinigt werden soll.

Unklar ist der Warnhinweis: „In der Schwangerschaft nicht innerlich anwenden.“ Die Phytotherapie-Fachliteratur kennt diese Kontraindikation nicht.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Heilpflanzen für Wundheilung und bei Hautproblemen

Samstag, Oktober 22nd, 2011

Verschiedene Heilpflanzen verbessern die Wundheilung, lindern Hautentzündungen oder wirken abschwellend. Es sollten jedoch nur Heilpflanzen verwendet werden, deren Wirkung wissenschaftlich belegt ist. Eine Fachperson erläutert, welche Kräuter das sind und welche Wirkung sie haben.

Ob Kamille, Fenchel oder Salbei: Viele Heilpflanzen eignen sich als Kräutertee für die Selbstbehandlung.

«Die klassische Kräutermedizin – in der Natur selbst Pflanzen sammeln und daraus zum Beispiel einen Tee kochen -, hat den Nachteil, dass die Inhaltsstoffe oft unterdosiert sind», sagt Andreas Kiefer, Vorstandsmitglied der Bundesapothekerkammer in Berlin.

Außerdem sei beim Selbstsammeln die Gefahr von Allergien höher, denn viele Wildpflanzen enthalten allergieauslösende Substanzen. Eine gute Alternative seien daher moderne pflanzliche Arzneimittel. Diese Heilpflanzen-Präparate leiten sich von der traditionellen Kräutermedizin ab. Industriell produzierte, standardisierte Extrakte werden als Salben, Cremes oder Tinkturen eingesetzt.

Eine der bekanntesten Heilpflanzen ist die Kamille bzw. die Kamillenblüte. Äußerlich angewendet wirken ihre Extrakte entzündungshemmend und wundheilungsfördernd. Im klassischen Kamillentee sind allerdings nur die wasserlöslichen Inhaltsstoffe zu finden. Alkoholische Kamillenextrakte enthalten weitere entzündungshemmende Inhaltsstoffe. «Deshalb sind diese bei medizinischen Anwendungen einem Tee überlegen», erklärt Kiefer.
Eichenrinde: gute Wirkung bei entzündeter Haut

Gerbstoffe entfalten eine zusammenziehende Wirkung auf entzündete Haut. Arzneipflanzen mit Gerbstoffen sind beispielsweise Eichenrinde oder die Zaubernuss (Hamamelis). Die feinen Gefäße in der Haut werden weniger durchlässig, wodurch Entzündungen und Juckreiz gemildert werden. Gerbstoff-Umschläge oder Bäder sind wirksam gegen Ekzeme, Schweißfüße oder Hämorrhoiden. Zaubernuss-Extrakte wirken auch bei leichten Hautverletzungen.

Breiumschläge mit Bockshornklee- oder Leinsamen erweichen die Haut. Um sie herzustellen, werden die pulverisierten Samen mit Wasser verrührt und aufgekocht. Solche Breiumschläge aus Leinsamen oder Bockshornkleesamen machen die Haut geschmeidig und helfen gegen lokale Entzündungen wie Furunkel.

Bei Hautkrankheiten ist nicht nur der Inhaltsstoff wichtig, auch die Hilfsstoffe und die Zubereitung der Präparate spielen eine große Rolle. Bei akuten Hauterkrankungen wie nässenden Entzündungen wirken die Pflanzenextrakte besser, wenn sie in eher wässrige Grundlagen eingearbeitet sind. Bei chronischen Ekzemen hingegen sind fettreiche Zubereitungen besser wirksam.

Grüntee beziehungsweise Schwarztee ist zwar keine Heilpflanze. Er wird dennoch wegen seines Gehalts an Gerbstoffen gegen nässende Ekzeme angewendet: aus dem im Handel erhältlichen Grüntee oder Schwarztee einen starken Tee kochen und zehn Minuten ziehen lassen. Umschläge mit Grüntee oder Schwarztee sollten mehrmals täglich erneuert werden.

Quelle:

http://www.ruhrnachrichten.de/leben/gesundheit_und_wellness/gesundheit/Pflanzen-koennen-der-Haut-helfen;art364,1434760

Kommentar & Ergänzung:

Die Aussagen im Text auf ruhrnachrichten.de sind erfreulich fundiert.

Einzig die Aussage, dass beim Sammeln von Heilpflanzen in der Natur ein höheres Allergierisiko besteht, weil „viele Wildpflanzen….allergieauslösende Substanzen“ enthalten, kann ich nicht nachvollziehen. Ob ich zum Beispiel Schafgarbe oder Malvenblüten in der Natur sammle oder in der Apotheke oder Drogerie kaufe, macht meines Erachtens keinen eindeutigen Unterschied bei allergieauslösenden Stoffen in dem Sinne, dass Apothekenware grundsätzlich weniger Allergene enthalten würde. Vielleicht spricht aus dieser Aussage eher der Apotheker, der die Heilpflanzen gerne verkauft.

Am heikelsten beim Selbersammeln von Heilpflanzen scheint mir, dass man die Pflanzenwelt gut kennen muss, um Verwechslungen auszuschliessen.

Wichtig in diesem Text ist der Hinweis, dass bei der Behandlung von Hauterkrankungen  nicht nur die Inhaltsstoffe wichtig sind, sondern auch die Zubereitungsform (wässrig / fetthaltig).

Gefreut hat mich, dass Schwarztee und Grüntee als Gerbstoffpflanzen erwähnt werden. Sie gelten oft nur als Genusstee und ihre Qualitäten als Heilpflanzen gehen daher leicht vergessen. Das ist schade, weil Schwarztee oder Grüntee oft im Haushalt greifbar sind und wenig kosten.

Zum Thema „Heilpflanzen bei Hauterkrankungen und Wunden“ gibt es ein kompaktes, informatives Tagesseminar.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Einige Gewürze senken Blutfettwerte und Insulinproduktion

Montag, August 15th, 2011

Einige Gewürze reduzieren die Blutfettwerte und die Insulinproduktion. Das hat jetzt ein Wissenschaftlerteam der Pennsylvania State University herausgefunden. Vor allem die Triglyzeridwerte konnten nach einer fettreichen Mahlzeit durch den Verzehr von Gewürzen um 30 Prozent vermindert werden, schreiben die Forscher im “Journal of Nutrition”.

Entsprechende Resultate erzielten die Wissenschaftler durch Testessen, die von sechs gesunden, übergewichtigen Männern eingenommen wurden. Den Testpersonen wurde an einem Tag ein Drei-Gänge-Menü ohne Gewürze und an einem anderen Tag mit Kräutern und Gewürzen serviert. Bei den Gewürzen wurden Kurkuma, Nelken, Paprika, Oregano, Rosmarin, Zimt und schwarzen Pfeffer verwendet, die für ihre antioxidative Wirkung bekannt sind. Nach den Mahlzeiten wurde den Teilnehmern in 30minütigen Abständen sechs Mal eine Blutprobe entnommen, die auf ihre Werte untersucht wurde – mit dem Resultat, dass die Werte nach den gewürzten Speisen deutlich besser waren als bei den Mahlzeiten ohne diese Bestandteile. Neben der geringeren Zahl an Triglyzeriden wurde auch eine um 20 Prozent reduzierte Insulinausschüttung festgestellt. Ein Freibrief für den Konsum fettiger, wenn auch stark gewürzter Speisen, seien die Resultate allerdings nicht. Die Kalorien der Mahlzeiten setzen dem Organismus auch trotz der antioxidativen Wirkung einiger Gewürze zu (http://dx.doi.org/10.3945/jn.111.138966).

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/gegen-blutfettwerte-würzen-084928482.html

http://jn.nutrition.org/content/141/8/1451

Kommentar & Ergänzung:

Dass Gewürze wie Kurkuma, Nelken, Paprika, Oregano, Rosmarin, Zimt und schwarzer Pfeffer nicht nur für den Gaumen gut sind, ist schon lange bekannt. Im Zentrum des Interesses standen aber meistens Wirkungen der Gewürze bei Verdauungsstörungen wie Blähungen, Völlegefühl oder Appetitlosigkeit. Deshalb ist es sehr interessant, wenn in dieser Studie nun günstige Wirkungen auf die Blutfettwerte und auf die Insulinausschüttung festgestellt wurden.

Gewürze stehen am Übergang zwischen Ernährungslehre und Kochkunst einerseits und Phytotherapie andererseits.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Kräuter und ihre Wirkungen: Eibisch (Althaea officinalis)

Dienstag, August 9th, 2011

„Die Kleine Zeitung“ veröffentlichte eine Zusammenstellung von Kräutern und ihren Wirkungen.

Zum Eibisch steht dort:

„Die Blüten, jungen Blätter und Wurzeln (im Herbst ausgegraben) des echten Eibisch werden frisch oder getrocknet verwendet. Als Tee helfen sie bei Husten, Magen-Darmbeschwerden, Blasen- und Harnwegsentzündungen. Hautverletzungen, Geschwüre und Furunkel behandelt man am besten mit einem Eibisch-Brei. Bei Bienen-Allergie sollten Sie Eibisch eher meiden. Diese werden vom Malvengewächs nämlich besonders stark angezogen.“

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/allgemein/bauenwohnen/garten/multimedia.do?action=showEntry_detail&project=26860&_vl_backlink=/magazin/wellness/2750944/arzneitees-dem-garten.story

Kommentar & Ergänzung:

Die Eibischwurzel enthält Schleimstoffe. Die Anwendung von Eibischwurzeltee bei Husten ist daher plausibel, vor allem wenn es sich um einen trockenen Reizhusten handelt.

Die Empfehlung bei „Magen-Darmbeschwerden“ ist zu unspezifisch. Sinn machen dürfte Eibischwurzeltee bei Magenschleimhautentzündung und bei Sodbrennen, weil die Schleimstoffe eine schützende Wirkung auf die Magenschleimhaut entfalten. Im Darm wird sich diese Wirkung aber verlieren, da die Schleimstoffe aus dem Eibisch im Verdauungstrakt abgebaut werden.

Die Empfehlung bei Blasenentzündung und Harnwegsentzündung ist nicht nachvollziehbar. Die Schleimstoffe aus dem Eibisch werden als solche jedenfalls nicht in den Körper aufgenommen und andere Wirkstoffe, die bei  Blasenentzündung sinnvoll wären, sind beim Eibisch nicht bekannt. Es handelt sich hier um eine Empfehlung, die nirgends in der Phytotherapie-Fachliteratur abgestützt ist und auch nicht in einer ESCOP-Monografie.

Zum Thema „Monografien“ als Element der Qualitätssicherung in der Phytotherapie siehe:

Phytotherapie: Kommission E – was bedeutet das?

Dieser Text in der “Kleinen Zeitung” ist ein gutes Beispiel dafür, dass in Zeitungen und im Internet zum Thema Naturheilmittel neben nützlichen Informationen auch jede Menge Blödsinn geschrieben wird, weil kaum eine Qualitätskontrolle stattfindet.

Wer Heilpflanzen-Präparate und andere Naturheilmittel verantwortungsbewusst anwenden will, holt sich daher am besten selber ein fundiertes Wissen, zum Beispiel im Heilpflanzen-Seminar oder in der Phytotherapie-Ausbildung.

Ob die Anwendung von Eibisch-Brei bei „Hautverletzungen“ Sinn macht ist ungeklärt. Eibisch ist hier sicher nicht erste Wahl und „Hautverletzungen“  als Angabe zuwenig differenziert. Ebenso müsste die Indikation „Geschwüre“ zuerst genauer geklärt werden.

Die Empfehlung von Eibisch-Brei zur Behandlung von Furunkeln basiert wohl auf der Vorstellung,  dass die Schleimstoffe eine erweichende Wirkung haben.

Üblicher sind in diesem Bereich traditionellerweise allerdings heisse Leinsamen-Breiumschläge oder lokale Bäder mit Chäslichrut (Malvenblätter) oder mit Sanikelkraut.

Eine wichtige Information für die Anwendung von Eibischwurzel fehlt im Text der „Kleinen Zeitung“: Eibischwurzel sollte nur mit kaltem Wasser angesetzt werden. Heisses Wasser kann zur Verkleisterung der Stärke führen, was die Freisetzung von Schleimstoffen aus Eibischwurzel vermindert.

Botanisch gehört der Eibisch zur Familie der Malvengewäche (Malvaceae).

Wo kommt Eibisch vor:

„Der echte Eibisch kommt wild in den Steppenzonen Südrusslands und Kasachstan östlich bis zum Altai vor. Im Westen reicht die Verbreitung in Südeuropa vom Balkan über Italien bis zur Iberischen Halbinsel. Nach Mitteleuropa wurde die Pflanze durch den Menschen gebracht (Archäophyt), beständige verwilderte Vorkommen sind hier auf küstennahe Gebiete und Binnensalzstellen beschränkt. Vorübergehend taucht die Pflanze an Ruderalstellen, in Gartenanlagen oder auch auf Schuttplätzen auf. Bevorzugt werden sonnige warme Standorte mit nährstoffreichen, gut wasserversorgten Lehm- oder Tonböden.“

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Hildegard-Medizin

Samstag, Juli 23rd, 2011

Hildegard von Bingen (1098 – 1179) ist eine faszinierende Frauengestalt des Mittelalters. Die Äbtissin war nicht nur eine religiöse Visionärin. Sie hat auch medizingeschichtlich wichtige Schriften zur Heilkunde geschaffen. Auf dieser Basis entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten eine Hildegard-Medizin, in der Heilpflanzen eine wichtige Rolle spielen.

Ich stelle hier zuerst die Hildegard-Medizin anhand von Zitaten aus Wikipedia vor und füge am Schluss einen Kommentar dazu.

Zur Entstehung der Hildegard-Medizin:

„Der Begriff Hildegard-Medizin wurde 1970 von dem Arzt Gottfried Hertzka eingeführt, der sich auf Schriften von Hildegard von Bingen beruft. Die Verbreitung der Hildegard-Medizin konzentriert sich auf den deutschen Sprachraum, vor allem auf Österreich und Deutschland. In einer Forsa-Umfrage vom Jahre 2003 gaben 3 Prozent der befragten Deutschen an, Hildegard-Medizin anzuwenden.“

(Quelle: Wikipedia)

Geschichtliche Grundlagen der Hildegard-Medizin:

„Die Hildegard zugeschriebenen Werke, die Hertzka als Grundlage verwendet, heißen Causae et curae (Ursachen und Behandlungen) und Physica. Der ursprüngliche Titel der Physica lautete Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum, also Buch von den Feinheiten der verschiedenen Naturen der Geschöpfe. Hildegard von Bingen gibt an, darin visionäre, d.h. göttlich inspirierte Einsichten dargelegt zu haben.

Sie beschreibt die Krankheitsentstehung entsprechend der antiken Vorstellung der Säftedyskrasie:

‘Wenn die vorgenannten Säfte im Menschen die richtige Ordnung und das rechte Maß bewahren [...], so befindet er sich in Ruhe und in körperlicher Gesundheit. Haben sie sich aber in Gegensatz zueinander gestellt, dann machen sie ihn [...] hinfällig und krank.’”

(aus: Hildegard von Bingen: Ursachen und Behandlung der Krankheiten)

Den vier konstitutionsbedingenden Säften, die bei Hildegard allerdings andere Namen tragen als in der von der Antike bis in die Neuzeit gängigen Viersäftelehre, entsprechen die vier Elemente, mit denen der Mensch untrennbar verbunden ist.

‘… liefern die Elemente, wie sie die ganze Welt zusammenhalten, ebenso auch den Zusammenhang für den menschlichen Körper. Ihre Ausbreitung und ihre Pflichten verteilen sie im Menschen so, dass er von ihnen immerfort im Gang erhalten wird, ebenso wie die Elemente auch durch die ganze übrige Welt ausgebreitet sind und wirken. Feuer, Luft, Wasser und Erde sind im Menschen, und aus diesen besteht er.’”

(aus: Hildegard von Bingen: Ursachen und Behandlung der Krankheiten)

Zur Authentizität der Hildegard-Medizin:

„Da die Originalhandschriften nicht erhalten sind und die Texte in Form von Abschriften der dritten Generation (13. bis 15. Jahrhundert) auf uns gekommen sind, ist die überwiegend vertretene Auffassung, dass Physica und Causae et curae in der vorliegenden Form nicht vollständig von Hildegard stammen. Hertzka behauptet dagegen, es handle sich um einen auf weite Strecken praktisch unverfälschten Text.

Heinrich Schipperges sah in seiner Edition der Causae und curae das astrologische Kapitel sowie einzelne offensichtliche Zusätze und Wiederholungen als unecht an und ließ sie aus. Schipperges weiter: ‘Daraus darf nicht geschlossen werden, dass weite Strecken oder die gesamte Textgebung unecht wären. Wir haben aus inneren und äußeren Kriterien genügend Beweisstücke für die Autorschaft Hildegards.’ Der Medizinhistoriker Klaus-Dietrich Fischer ist ebenfalls der Auffassung, dass ‘man die Authentizität der Hildegard zugeschriebenen naturkundlich-medizinischen Werke nicht in Abrede stellen (sollte, erg.), denn Hildegards Denkweise und ihr Sprachstil sind so eigentümlich, daß an der Verknüpfung mit den visionären Werken und den dort überlieferten Aussagen zu Anthropologie, Natur und Kosmos kein vernünftiger Zweifel bestehen kann.“’ Das vertritt auch eine französische Publikation: ‘[…] la manière et la matière du traité sont hildegardiennes dans leur grande majorité’.(Deutsch: […] die Art und der Stoff des Werkes sind weit überwiegend hildegardisch.)

Historiker rechnen die Schriften auch nicht den so genannten Visionsschriften zu, die göttlich inspiriert seien, sondern bezeichnen sie als naturheilkundliches Alltags- und Erfahrungswissen des Mittelalters. ‘Die Komplexität der Textgeschichte dieser beiden Werke (…) fand in den Werken zur ‚Hildegard-Medizin‘ keine Rezeption, sondern zeigt vielmehr, wie fragwürdig die bisher unter Hildegards Namen tradierte Textgrundlage des medizinisch-naturkundlichen Werkes ist‘ (I. Müller, 1998). Als Forschungsstand kann festgehalten werden, dass die Texte ‚Physica‘ und ‚Causae et curae‘ zu den nicht visionären Schriften zählen, die in ihrer Textrezeption mannigfachen Veränderungen unterworfen waren.“

(Quelle: Wikipedia)

Zu den Methoden der Hildegard-Medizin:

„Dazu gehören Pflanzenheilkunde, Ernährungsregeln, Ausleitungsverfahren und Edelsteintherapie.

Die Behandlung nach Hildegard von Bingen, so wie sie von Hertzka und Strehlow vertreten wird, beruht auf

- Vorschriften über maßvolle und ausgewogene Ernährung. Hildegard hob Kräuter und Gewürze hervor, außerdem Dinkel, Sellerie, Edelkastanie und Fenchel. Hildegard: ‘Der Dinkel ist das beste Getreide, und er ist warm und fett und kräftig, und er ist milder als andere Getreidearten, und er bereitet dem der ihn ißt, rechtes Fleisch und rechtes Blut, und er macht frohen Sinn und Freude im Gemüt des Menschen.’

- Anwendung zahlreicher pflanzlicher Arzneien, Minerale, aber auch Edelsteine, manchmal unter Berücksichtigung der Mondphase.

- Ausleitungsverfahren wie Aderlass und Schröpfen, Fasten, Schwitzbäder.

- Geregelter Wechsel von Ruhe und Aktivität.

- Seelische Reinigung durch Liebe und Hoffnung, Musik, Gebet und Meditation.

In der Ernährungstherapie wird primär der Dinkel als universelles Lebens- und Heilmittel eingesetzt. Die Renaissance des Dinkels, sein Erscheinen in vielen Reformhäusern und der therapeutische Einsatz bei chronischen Zivilisationserkrankungen verdankt der Dinkel nicht zuletzt der ‘Hildegard-Bewegung’.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Kritik an der Hildegard-Medizin:

1. Allgemeine Kritik

„Josef Sudbrack fordert eine differenzierte Sicht des audio-visionären Geschehens bei Hildegard. So kritisiert er, dass Hildegards Worte zu einem zeitüberhobenen Wahrheitszeugnis von solch unbestreitbarer Qualität gemacht werden, wie es die Theologie nicht einmal den Worten des Neuen Testaments zuerkennt. Andererseits stellt er fest, dass die ernste Forschung seltsam zögert, dem Visionären in Hildegards Schrifttum rechten Raum zu gewähren.

‘Die Autorität dieser Hildegard-Medizin beruht auf der Annahme bzw. Voraussetzung, bei den uns überkommenen medizinischen Schriften Hildegards handele es sich um göttliche Offenbarung, also Gottes medizinische Botschaft für die leidende Menschheit (wobei an den christlichen Gott, speziell den von Katholiken verehrten, gedacht ist). Die zahlreichen beobachteten Heilungen erwiesen diese Annahme als zutreffend; auch im eher theoretischen Bereich der Physiologie und Pathologie seien erstaunliche Kenntnisse dargelegt, die unserer heutigen wissenschaftlichen Sicht z. T. entsprächen, z. T. über sie hinausgingen. Diesen Anspruch erhebt Hildegard selbst allerdings nicht.’

Die Medizinhistorikerin Irmgard Müller, die zu den naturheilkundlichen Schriften Hildegards publiziert hat, bezeichnet die so genannte Hildegard-Medizin als nicht authentisch und nicht auf den Hildegard zugeschriebenen Schriften basierend. Zutreffend müsste sie daher eigentlich als ‘Hertzka-Medizin’  bezeichnet werden. Es handele sich um ein ‘therapeutisches Konstrukt profitbewußter Marktstrategen’.

Diese kritische Auffassung vertritt auch der Historiker Axel Helmstädter: ‘Hertzka und Strehlow verfolgen einen stark kommerzialisierten Ansatz, indem sie suggerieren, dass die medizinischen Empfehlungen Hildegards göttlichen Ursprungs sind. Das kann jedoch nicht stimmen, da die von Hildegard zusammengetragenen medizinischen Texte nicht auf ihren visionären Erfahrungen beruhen wie ihre religiösen Abhandlungen. Die ‚Hildegard-Medizin‘ im 21. Jahrhundert repräsentiert ein typisches Beispiel der aktuellen Alternativmedizin. Die Methoden basieren zumeist auf historischen Ansätzen, die in der Lage sind, die Öffentlichkeit zu beeindrucken.’“

(Quelle: Wikipedia)

Zu Gottfried Hertzka schreibt Wikipedia:

„ Der Mystikforscher Josef Sudbrack meinte bezüglich Hertzkas Deutung des visionären Charakters der medizinischen Schriften Hildegards: „Hertzka hat Richtiges erahnt, wenn auch zu apodiktisch, zu logisch-eindeutig und zu polemisch formuliert.’”

2. Kritik der Hildegard-Medizin aus medizinischer Sicht

„Es gibt keine unabhängigen empirischen Studien über die Wirkung der Hildegard-Medizin. Die Behandlungsmethoden entstammen zwangsläufig dem Denken und Wissen des Mittelalters; viele Ansichten über Gesundheit und Krankheit gelten medizinisch als überholt. Es ist auch nicht möglich, die von ihr verwendeten zeitgenössischen Begriffe für Krankheiten und Heilmittel einfach in die heutige Zeit zu übertragen. Die empfohlenen Heilpflanzen können nicht immer mit Sicherheit identifiziert werden, die Mengenangaben sind oft sehr ungenau. Der Nutzen von Ausleitungsverfahren ist umstritten. Fastenkuren sind nicht für jeden Menschen geeignet und sollten nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

In einer Stellungnahme von Promed Verein gegen unlautere Praktiken im Gesundheitswesen heißt es: ‘Die unter dem Begriff ‚Hildegard-Medizin‘ gesammelten medizinischen Verfahren, die auf mittelalterlichen und mystischen Vorstellungen beruhen, sind nicht geeignet, bei Krankheiten Besserungen jenseits eines Placebo-Effekts zu erzielen. Nicht definierte Präparate werden mit diesem Begriff belegt und gewinnbringend überteuert vertrieben. [...] Von einer Eigentherapie nach den Grundideen der ‚Hildegard-Medizin‘ ist bei Beschwerden ernsterer Natur dringend abzuraten.““

(Quelle: Wikipedia)

Kommentar & Ergänzung:

Die Beschäftigung mit der Biografie und den Schriften Hildegard von Bingen’s ist sehr lohnenswert. Auch mit den medizinischen Schriften.

Allerdings gibt es Anhängerinnen und Anhänger der Hildegard-Medizin, die jede Aussage Hildegards als die absolute Wahrheit betrachten. Diesen Dogmatismus halt ich für sehr problematisch. Tradition hat nicht einfach Recht. Man muss sich mit ihr auseinandersetzen.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

Und wenn man die Empfehlungen Hildegard von Bingen’s erfassen will, muss man ihr Welt- und Menschenbild verstehen, soweit das überhaupt möglich ist. Man kann nicht einfach eine Zitat Hildegard’s wie im „Word“-Programm isolieren und ausschneiden und es im Jahr 2011 wieder einfügen. Dadurch verliert es seinen geschichtlichen Kontext.

Wer die Tradition der Pflanzenheilkunde ernst nehmen will, sollte daher die damit verbundenen Weltbilder kennenlernen. Nur so lassen sich die traditionellen Aussagen in ihrem Kontext verstehen.

Wer sich für die faszinierenden geschichtlichen Grundlagen der Pflanzenheilkunde interessiert, bekommt einen fundierten Einblick im Seminar

Die Heilkräfte der Pflanzen im Wandel der Zeit – Beiträge zur Ideengeschichte der Pflanzenheilkunde

Es geht um Magisch-mythische Medizin, Viersäftelehre (Humoralpathologie) der Antike, Klostermedizin (Hildegard von Bingen), Signaturenlehre (Paracelsus), Bach-Blütentherapie, Phytotherapie.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Thymian in der Frühjahrsküche

Donnerstag, Mai 26th, 2011

Der Thymian (Thymus vulgaris) zählt zu den feinen Kräutern der französischen Küche. Zusammen mit Schnittlauch, Kerbel, Petersilie und Estragon bildet er die Grundlage für die Gewürzmischung “Fines herbes”. Die frischen oder getrockneten Stängel, Blätter oder Sprossenden des Thymians verwendet man zum Würzen von Kräuteressig, Fleisch, Suppen, Saucen, Salaten, Gemüse und Kartoffeln. Das Thymiankraut macht fette Fleischspeisen und Würste bekömmlicher und länger haltbar, weil es nicht nur würzende Eigenschaften besitzt, sondern auch antimikrobielle Wirkstoffe enthält. Ein bekanntes Sommergericht, bei welchem Thymian nicht fehlen darf, ist das Ratatouille. Der Gemüseeintopf aus geschmorten Tomaten, Zwiebeln, Paprika, Auberginen, Zucchini und Knoblauch wird mit frischen Provence-Kräutern abgeschmeckt. Das sind vor allem Thymian, Rosmarin, Oregano, Majoran, Bohnenkraut und Lavendel.
Man reicht das Gemüsegericht mit ein bisschen Brot oder serviert es im Sommer auch gerne zu Steak und Kartoffeln vom Grill. Für den häuslichen Bedarf kann Thymian im Kräutergarten gezogen und während der Sommermonate von Mai bis September frisch genutzt werden. Die Ernte geschieht kurz vor Beginn oder während der Blüte. Thymiankraut lässt sich als Wintervorrat gut trocknen. Zu diesem Zweck erntet man es bei gutem Wetter um die Mittagszeit, wenn der Gehalt an ätherischen Ölen besonders hoch ist. Man bindet die geschnittenen Stängel zu kleinen Sträußen zusammen und hängt diese kopfüber an einen luftigen Ort. Getrockneter Thymian behält sein Aroma sehr lange und kann nach Bedarf von den getrockneten Stängeln abgerebelt werden. Thymiankraut riecht stark würzig und schmeckt herb, harmoniert auch mit Lorbeer, Muskat und Salbei. Thymian stammt aus den westlichen Mittelmeerländern und wächst in Mitteleuropa und Südeuropa wild an Berghängen. Als Würzpflanze und Heilpflanze schätzte man den Thymian schon in den mittelalterlichen Klostergärten. Man unterscheidet grob zwischen Arznei-Thymian, Echtem Thymian und Zitronen-Thymian. Letzterer duftet und schmeckt zitronig, weshalb er gerne für Salate eingesetzt wird.

Quelle:

http://www.aid.de/presse/presseinfo.php?mode=beitrag&id=5284

Kommentar & Ergänzung:

In der Phytotherapie gehört Thymian (Thymus vulgaris) zu den wichtigen Heilpflanzen bei produktivem Husten. Thymian wirkt auswurffördernd, krampflösend auf die Bronchien. Zur Anwendung kommt vor allem Thymiantee, Thymiantinktur oder Thymianöl.
Dieser Arzneithymian stammt also aus dem Mittelmeergebiet und kommt bei uns nicht wild vor.
Bei uns wächst dagegen Thymus serphyllum – der Quendel, Bergthymian oder Feldthymian genannt wird. Er enthält wie der Arzneithymian ätherisches Öl, wobei allerdings der Gehalt stark schwankt. Man trifft immer wieder auf Bergthymian, welcher kaum aromatisch riecht, was eine Heilwirkung fraglich erscheinen lässt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Angebliches Heilpflanzenverbot der EU: Immer noch viel Aufregung ohne konkreten Anlass

Dienstag, Mai 3rd, 2011

Das angebliche Verbot der Heilpflanzen durch die EU gibt immer noch zu reden.

„Die meisten Heilpflanzen sollen verboten werden !!!!“ – so eine dramatische Warnung, die mich heute per Rundmail erreicht hat – mit der dringenden Aufforderung, die Petition zu unterschreiben, „damit wir künftig noch Kräuter in unseren Gärten pflanzen dürfen ohne bestraft zu werden.“

Dass diese Befürchtungen völlig unsinnig sind, habe ich schon in früheren Beiträgen geschildert.

Bekannt ist dies allerdings schon lange und es wurde von Phytotherapie-Experten auch schon lange dargelegt. So beispielsweise von Univ. Doz. Reinhard Länger Ende 2010 in der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie:

„‚Die EU verbietet unsere Heilpflanzen! Meldungen dieser Art gingen in den letzten Wochen durch die Medien und sorgten für gehörigen Aufruhr. Unterschriftenaktionen wurden gestartet, in Österreich fanden sich viele Sympathisanten, die eine Petition an den Deutschen (!) Bundestag unterstützten. Der wahre Kern dahinter ist, dass gemäß einer im Jahr 2004 beschlossenen EU-Direktive Ende April 2011 für eine klar umrissene Gruppe von zugelassenen Arzneimitteln (in Österreich die Zulassungen nach dem früheren §17a) eine Übergangsfrist endet. Wenn ein Zulassungsinhaber rechtzeitig einen Neuantrag gestellt hat, kann das Produkt bis zur Entscheidung über den Neuantrag am Markt bleiben. Informationen, welche Arzneimittel betroffen sind, finden Sie auf der Webseite des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (www.basg.at). Diese Bestimmung hat daher keinen Einfluss auf Lebensmittel oder Kosmetika, auch der Arzneimittelbegriff wird nicht neu definiert. Der Kräutertee bleibt auch weiterhin bestehen. Also: große Aufregung ohne konkreten Anlass.“

Der Heilpflanzenspezialist Länger ist in Österreich seit 2006 bei der AGES PharmMed (nationale Zulassungsstelle für Arzneimittel) unter anderem für die Zulassung und Registrierung pflanzlicher Arzneimittel mitverantwortlich.

Reinhard Länger sprach aber auch schon damals das Phänomen an, dass eine grosse Zahl von Leuten sich von solchen Falschinformationen übertölpeln lässt:

„Auch wenn der korrekte Sachverhalt nun langsam allgemein bekannt wird, bin ich erstaunt (oder bestürzt), wie rasch eine große Zahl von Menschen für eine Sache mobilisiert werden kann, obwohl die übermittelte Information überwiegend falsch war. Es ist bemerkenswert, wie unkritisch Meinungen übernommen werden, auch wenn in Zeiten von E-Mail rasch an kompetenter Stelle (Gesellschaft für Phytotherapie, Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen) korrekte Informationen eingeholt werden könnten.“

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/PHYTOTherapie_6-10_web.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Die im letzten Abschnitt geäusserte Bestürzung teile ich voll und ganz. Wenn zahlreiche Bürgerinnen und Bürger auch im Bereich der Politik reisserische und demagogische Behauptungen derart ungeprüft übernehmen, dann ist das Gift für eine demokratische Gesellschaft.

Weitere Informationen:

Eigene Beiträge:

- Unsinnige Petition gegen angebliches Heilpflanzenverbot

- Naturheilkunde: Irreführende Petition gegen angebliches Heilpflanzenverbot

- Zur Petition gegen ein angebliches Heilpflanzenverbot in der EU 2011 – mehr Fakten. weniger Demagogie

- Weitere Fakten zum angeblichen Heilpflanzenverbot in der EU

http://hoax-info.tubit.tu-berlin.de/hoax/thmpd.shtml

Stellungnahme Fachverband Deutscher Heilpraktiker e.V.

Stellungnahme Landesapothekerkammer Baden-Württemberg

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Kräuter, Drogen und Extrakte – eine Sonderausstellung des Deutschen Gartenbaumuseums Erfurt

Dienstag, März 1st, 2011

Zum Thema „Kräuter, Drogen und Extrakte – Pflanzenwirkstoffe im Alltag“ wird am 6. März 2011 eine Sonderausstellung des Deutschen Gartenbaumuseums Erfurt zur besonderen Rolle der nachwachsenden Rohstoffe im Gartenbau eröffnet.

Es ist schon verblüffend, wo überall pflanzliche Inhaltsstoffe in Alltagsprodukten anzutreffen sind. Koffein ist enthalten in Sonnenschutzmitteln, mit Pfefferminzöl lässt sich das Keimen von Kartoffeln hemmen, ein Extrakt aus Chrysanthemen wirkt gegen Insektenbefall, Inhaltsstoffe aus dem Efeu helfen bei Husten und mit Seifenkraut kann man schmutzige Wäsche waschen. Die neue Ausstellung des Deutschen Gartenbaumuseums in Erfurt zeigt vom 6. März bis zum 31. Oktober 2011 die große Vielfalt der pflanzlichen Wirkstoffe.

Das Gartenbaumuseum schreibt dazu:

„Pflanzen sind wahre Schatzkammern. Sie bilden ätherische Öle, Alkaloide, Glykoside, seltene Fettsäuren und vieles mehr. Diese besonderen Inhaltsstoffe bestimmen, wie die Pflanzen riechen, wie sie schmecken oder wie sie gefärbt sind. Pflanzen locken mit ihnen Insekten zur Bestäubung an oder wehren ihre Fressfeinde ab.

Besondere Inhaltsstoffe zählen zu den nachwachsenden Rohstoffen und sind ein wichtiges Wirtschaftsgut. Das Marktvolumen allein von Arznei- und Gewürzpflanzen lag im Jahr 2007 weltweit bei rund 60 Mrd. Euro. In Deutschland beträgt ihre Anbaufläche rund 10.000 ha, Tendenz steigend. Pfefferminze und Kamille gehören zu den wichtigsten heimischen Kräutern.“

Die Ausstellung zeigt auf rund 200 m², wie die Pflanzen gesammelt oder kultiviert werden, und mit welchen ausgeklügelten Methoden ihre Wirkstoffe  gewonnen und zu Produkten verarbeitet werden. So können sich die Ausstellungs-Besucher über die neuesten Entwicklungen und Produkte informieren, wie beispielsweise Oxylipine aus Moosen als Fraßschutz gegen Schnecken oder Glucosinolate aus den Teltower Rübchen für die Krebstherapie.

Die Ausstellung „Kräuter, Drogen und Extrakte – Pflanzenwirkstoffe im Alltag“ richtet sich an alle Gartenfreunde und interessierte Verbraucher, sowie ganz speziell an Schüler und Familien mit Kindern, für die ein besonderes museumspädagogisches Angebot bereit steht.

Gefördert wird die Ausstellung durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMELV) über dessen Projektträger, die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR).

Weitere Informationen zum Deutschen Gartenbaumuseum finden Sie unter www.gartenbaumuseum.de

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news411132

Kommentar & Ergänzung:

Tönt für mich sehr interessant. Leider ist Erfurt etwas gar weit von der Schweiz entfernt. Aber vielleicht lesen diesen Veranstaltungshinweis ja auch Leute, die in der Nähe wohnen.

Bemerkenswert in diesem Text ist für mich der Hinweis auf  die Wirkung von Pfefferminzöl zur Keimungshemmung bei Kartoffeln. Dass ätherische Öle die Keimung von Pflanzen hemmen können, war mir bekannt. Dass es in dieser Hinsicht mit Pfefferminzöl offenbar sogar eine praktische Anwendung gibt, ist mir aber neu.

Der erwähnte Efeu gegen Husten ist in Extraktform ein sehr bedeutendes Heilpflanzen-Präparat der Phytotherapie. Efeu-Extrakt wirkt vor allem krampflosend und schleimlösend.

Im übrigen ist es ein spannender Aspekt der Phytotherapie, dass sie immer auch in Kontakt bringt mit verschiedenen Formen der Naturnutzung durch den Menschen  - wie beispielsweise dem Anbau von Heilkräutern.

Das Wort „Drogen“ im Ausstellungstitel dürfte in diesem Zusammenhang gemeint sein im Sinne von  „getrocknete Heilpflanzen“. Wikipedia erklärt die Wortherkunft so:

„Der Begriff Droge stammt etymologisch vom Niederländischen droog, zu Deutsch Getrocknetes, ab. Mit Droog waren zu den Zeiten der niederländischen Kolonialherrschaft getrocknete Pflanzen oder Pflanzenteile und -produkte gemeint.“

Von dieser Etymologie her leitet sich auch das Wort „Drogist“ ab.

Gemeint ist also nicht der heute umgangssprachliche Begriff „Droge“ im Sinne einer berauschenden bzw. bewusstseinsverändernden Substanz.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Gewürzcocktail hemmt Entzündungen

Dienstag, Februar 8th, 2011

Beim Entstehen zahlreicher Krankheiten spielen chronische Entzündungen eine wichtige Rolle. Bei Krankheiten wie rheumatoider Arthritis, Atherosklerose, Asthma, oder beim metabolischen Syndrom sind sie am Krankheitsprozess ebenso beteiligt.

Die Natur liefert hochpotente entzündungswidrige Substanzen, die manchen modernen Medikamenten um nichts nachstehen. Das zeigen neueste auf dem Anti-Aging-Kongress präsentierte Untersuchungen.

Die chronische Entzündung gerät immer mehr ins Blickfeld der Wissenschaft. So sind verschiedene Gesundheitsprobleme unserer Zeit, wie Adipositas (Fettleibigkeit, Fettsucht), mit chronischen systemischen Entzündungsreaktionen verknüpft, wie auf dem Wiener Anti-Aging-Kongress zu hören war.

Auch Univ.-Prof. Dipl.Ing. Dr. Alois Jungbauer, Leiter des Christian-Doppler (CD)-Laboratoriums für Rezeptorbiotechnologie, Institut für Angewandte Mikrobiologie, Universität für Bodenkultur in Wien, befasste sich mit dem Thema Fettleibigkeit.

„Adipositas wird eine wirkliche Seuche bei uns werden“, befürchtet der Forscher mit Blick auf die bekannten WHO-Prognosen. Aber eine Ernährungsumstellung, welche stark pflanzenbasiert sei, könne dazu beitragen, eine schleichende Entzündung zu bekämpfen, erklärte Prof. Jungbauer. Er befasst sich vor allem mit der Identifikation von bioaktiven Substanzen in essbaren Pflanzen.

Jungbauer und sein Team untersuchen hierfür Kräuter, Gewürze und Früchte in Bezug auf Schlüssel-Regulationsmechanismen der Entzündung, d.h. inwieweit gewisse Pflanzen tatsächlich zum Beispiel entzündungsfördernde bzw. entzündungshemmende Zytokine abschwächen bzw. verstärken können.

Er präsentierte eine Reihe von essbaren entzündungswidrigen Pflanzen, von denen Chilipfeffer (Cayennepfeffer) das höchste antientzündliche Potenzial hat. Chili reguliere entzündungswidrige Zytokine sehr schön rauf und entzündungsfördernde Zytokine wie Interleukin- (IL-) 6 oder TNF-α runter, berichtete Prof. Jungbauer.

Die Wissenschaftler haben sich auch die COX-2-Induktion (Cyclooxygenase 2) der Pflanzenextrakte bzw. der Reinsubstanzen angeschaut. Als Referenz verwendeten sie Kortison. Es zeigte sich, dass Capsaicin, die aktive Substanz von Chili, genauso wirksam wie Kortison ist. Als weitere antientzündliche Pflanzen erwähnte Prof. Jungbauer:

Piment (Nelkenpfeffer), Petersilie, Lorbeerblatt, Schwarzer Pfeffer, Lakritze (Süssholz), Muskatnuss, Oregano, Granatapfel, Safran, Paprika, Stevia-Tee, Thymian und Salbei – wobei die letzten zwei eigentlich schon in der „Grauzone“ zwischen Lebensmittel und Arzneimittel stehen. Jungbauer hat natürlich auch die eigentlich wirksamen Einzelsubstanzen der Pflanzen untersucht. Dazu zählen etwa (Beispiele in Klammer):

„- Anthocyane (rote Früchte, Wein)

- Apigenin (Sellerie, Kamille)

- Capsaicin (Chili)

- Chrysin (Passionsblume)

- Diosmetin (Schalen von Ziitrusfrüchten, v.a. im weissen Anteil)

- Ellagsäure (Granatapfel, Wein)

- 6-Gingerol (Ingwer)

- Isohumulon (Hopfen)

- Kaempferol (rote Trauben, Rotwein)

- Luteolin (Petersilie)

- Naringenin (Grapefruit)

- Quercetin (Apfel, Brokkoli, Zwiebel)

- Resveratrol (Wein, Erdnuss).“

Bei Resveratrol müsse man allerdings aufpassen, da man wegen der schlechteren Bioverfügbarkeit nicht von den In-vitro-Untersuchungen auf die In-vivo-Wirkung schliessen könne.

Zum Abschluss präsentierte der Forscher einen antientzündlichen Gewürzcocktail: Kümmel, Chili, Koriander, Schwarzer Pfeffer und Muskatnuss.

Zusätzlich verbessern Gewürze und Kräuter die physiologische sowie organoleptische Qualität unserer Nahrung, erklärte Prof. Jungbauer. Gewürzte Speisen stimulierten das gesamte endokrine System und trügen zu einer optimalen Verwertung unserer Nahrung bei.

Quelle:

Mueller M, Jungbauer A. Culinary plants, herbs and spices – A rich source of PPAR ligands.

Food Chemestry 2009; 117: 660–7 und Mueller M, Jungbauer A. PPARα activation by culinary herbs and spices. Planta Med 2010; 76: 1–8 Kongress „Menopause, Andropause, AntiAging 2010“; Wien, Dezember 2010

Pharmaceutical Tribune, Jahrgang Nr. 1/2011,

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=107878&dspaid=917989

Kommentar & Ergänzung:

Anti-Aging-Kongress!

Immer wenn ich dieses Schlagwort „Anti-Aging“ höre, werde ich etwas skeptisch, welche Mittel uns da wieder angedreht werden sollen, die angeblich unverzichtbar sind für ein gesundes Älterwerden.

Aber immerhin ist zu begrüssen, dass viele Naturstoffe auf ihre gesundheitlichen Wirkungen untersucht werden. Fragt sich nur, welche Schlüsse man aus Meldungen ziehen soll, dieser oder jener Stoff habe diese oder jene positive Wirkung. Mir scheint, solche Meldungen verwirren Konsumentinnen und Konsumenten oft mehr als dass sie umsetzbare Leitlinien geben. Sich möglichst vielfältig ernähren mit hohem Anteil an Früchten und Gemüsen. Das ist wohl sinnvoller, als auf irgendeinen gerade als besonders gesund propagierten Naturstoff zu setzen.

Interessant ist der Hinweis auf die geringe Bioverfügbarkeit von Resveratrol. Es ist ein häufiges Phänomen, dass Naturstoffe im Labor (in-vitro) tolle Wirkungen zeigen, die aber im lebenden Organismus(in-vivo) nicht oder nur teilweise erzielt werden können, zum Beispiel weis sie nur sehr eingeschränkt aus dem Verdauungstrakt aufgenommen werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Menthol & Kampfer – warum nicht zusammen mit Homöopathie?

Montag, November 22nd, 2010

Ich werde immer wieder gefragt ob es richtig ist, dass Menthol & Kampfer nicht zusammen mit Präparaten der Homöopathie eingenommen werden dürfen. Menthol & Kampfer sollen – so die in der Homöopathie offenbar verbreitete Überzeugung – die Wirksamkeit der Homöopathie stören.

Diese Frage kommt in Heilpflanzen-Kursen auf, weil Menthol als Bestandteil von Pfefferminzöl und Kampfer als Bestandteil von Erkältungskrankheiten in der Phytotherapie eine Rolle spielen.

Als Vertreter der Phytotherapie kann ich diese Frage nicht wirklich beantworten, weil sie eigentlich an Vertreterinnen oder Vertreter der Homöopathie gerichtet werden müsste.

Ich selber habe allerdings beim Versuch,  von Homöopathinnen und Homöopathen  eine Antwort auf diese Frage und ein Begründung für die angebliche Störwirkung von Menthol & Kampfer zu bekommen, sehr widersprüchliche Antworten erhalten.

Und ich kann mir aus Sicht der Phytotherapie nicht vorstellen, weshalb ausgerechnet Menthol & Kampfer problematisch sein sollen, die Vielzahl von verwandten Stoffen in Heilpflanzen,  Gemüsen oder Gewürzen jedoch  nicht.

Darum bin ich dieser Frage nachgegangen.

Samuel Hahnemann (1755 – 1843), der Begründer der Homöopathie, hat 1810 ein Buch veröffentlicht: Das Organon der Heilkunst. In dieser “Bibel der Homöopathie” die noch heute das Mass aller Dinge in der Homöopathie ist, steht genau beschrieben wie Homöopathie nach Ansicht Hahnemanns funktioniert und wie man sie anwendet.

Aufschlussreich ist vor allem eine Anmerkung Hahnemanns zu §284 des Organons (3. Auflage von 1824). Dort listet Samuel Hahnemann alles auf, was einer effektiven Behandlung der Homöopathie entgegenwirkt:

„ Kaffee, feiner chinesischer und anderer Kräuterthee; Biere mit arzneilichen, für den Zustand des Kranken unangemessenen Gewächssubstanzen angemacht, sogenannte feine, mit arzneilichen Gewürzen bereitete Liqueure, alle Arten Punsch, gewürzte Schokolade, Riechwasser und Parfümerieen mancher Art, stark duftende Blumen im Zimmer, aus Arzneien zusammengesetzte Zahnpulver und Zahnspiritus. Riechkißchen, hochgewürzte Speisen und Saucen, gewürztes Backwerk und Gefrornes mit arzneilichen Stoffen, z.B. Kaffee, Vanille u.s.w. bereitet, rohe, arzneiliche Kräuter auf Suppen, Gemüße von Kräutern, Wurzeln und Keim-Stengeln (wie Spargel mit langen, grünen Spitzen), Hopfenkeime und alle Vegetabilien, welche Arzneikraft besitzen, Selerie, Petersilie, Sauerampfer, Dragun, alle Zwiebel-Arten, u.s.w.; alter Käse und Thierspeisen, welche faulicht sind, (Fleisch und Fett von Schweinen, Enten und Gänsen, oder allzu junges Kalbfleisch und saure Speisen; Salate aller Art), welche arzneiliche Nebenwirkungen haben, sind eben so sehr von Kranken dieser Art zu entfernen als jedes Uebermaß, selbst das des Zuckers und Kochsalzes, so wie geistige, nicht mit viel Wasser verdünnte Getränke; Stubenhitze, schafwollene Haut-Bekleidung, sitzende Lebensart in eingesperrter Stuben-Luft, oder öftere, bloß negative Bewegung (durch Reiten, Fahren, Schaukeln), übermäßiges Kind-Säugen, langer Mittagsschlaf im Liegen (in Betten), Lesen in wagerechter Lage, Nachtleben, Unreinlichkeit, unnatürliche Wohllust, Entnervung durch Lesen schlüpfriger Schriften, Onanism oder, sei es aus Aberglauben, sei es um Kinder-Erzeugung in der Ehe zu verhüten, unvollkommner, oder ganz unterdrückter Beischlaf; Gegenstände des Zornes, des Grames, des Aergernisses, leidenschaftliches Spiel, übertriebene Anstrengung des Geistes und Körpers, vorzüglich gleich nach der Mahlzeit; sumpfige Wohngegend und dumpfige Zimmer; karges Darben~ u.s.w. Alle diese Dinge müssen möglichst vermieden oder entfernt werden, wenn die Heilung nicht gehindert oder gar unmöglich gemacht werden soll.“

Da steht jedenfalls nichts Konkretes von Menthol oder Kampfer, dafür eine ganze Reihe von Einschränkungen, bei denen man sich fragt, ob diese Regeln irgendjemand einhalten kann.

Meinem Eindruck nach handelt es sich bei diesen Einschränkungen – und wohl auch bei Menthol & Kampfer – um eine Immunisierung gegen Misserfolg.

Damit ist gemeint:

Wenn für den Erfolg einer Theorie – hier also für das Eintreten einer Heilwirkung – sehr viele komplexe Bedingungen erfüllt sein müssen, dann lässt sich beim Ausbleiben dieser Wirkung immer ein Faktor finden, der für das Scheitern verantwortlich gemacht werden kann. Irgend ein angenommener Regelverstoss erlaubt es, den Misserfolg zu erklären.  Eine ausbleibende Heilwirkung  weist dann nicht auf fehlende Wirksamkeit hin, sondern nur auf einen der zahlreichen Störfaktoren. So wird eine Theorie vor Misserfolgen geschützt bzw. eben „immunisiert“.

Falls Sie in homöopathischer Behandlung sind und kein Menthol bzw. Kampfer verwenden dürfen, dann fragen Sie doch nach genauen Begründungen für diese Regeln. Meiner Ansicht nach werden in der Komplementärmedizin allzuoft Regeln fraglos hingenommen, was jeder Idee eines mündigen Patienten widerspricht.

Wir sollten uns meiner Ansicht nach nicht daran gewöhnen, Regeln und Vorschriften einfach blind zu befolgen. Ich erwarte auch von meinem Hausarzt selbstverständlich Begründungen und bekomme sie auch. Ich will überzeugt werden und mich nicht schön brav  verhalten wie ein folgsames Schaf (…wobei das vielleicht ein Vorurteil ist gegenüber “Pullover-Kühen”).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch