Artikel mit Schlagwort ‘Krankheit’
Freitag, Januar 6th, 2012
Wir Menschen neigen dazu, zeitlich zusammen fallende Ereignisse in einen ursächlichen Zusammenhang zu stellen, der gar nicht vorhanden sein muss.
Man nennt dies etwas umständlich den „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlsschluss“.
Zu diesem Fehlschluss neigen wir häufig auch bei der Beurteilung von Heilwirkungen:
Ich leide an Krankheit Z
Ich nehme Präparat XY
Mir geht es besser
Schlussfolgerung: XY ist wirksam gegen Krankheit Z
Alle anderen Einflüsse, die zu meiner Gesundung beigetragen haben könnten, werden mit diesem Kurzschluss ausgeklammert (besipielsweise Selbstheilungskräfte, Veränderungen in den Lebensumständen, andere therapeutische Massnahmen, Placebo-Effekte).
Und genauso gibt es den „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ bezüglich unerwünschter Nebenwirkungen:
Ich nehme Arzneimittel X
Ich bekomme Beschwerden Z
Schlussfolgerung: Arzneimittel X ist Auslöser der Beschwerden Z
Alle anderen Einflüsse, die zu den Beschwerden Z geführt haben könnten, werden ausgeklammert (beispielsweise andere Medikamente, Veränderungen in den Lebensumständen, Infektionen, Nocebo-Effekte).
Der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ ist der wichtigste Grund dafür, dass die Beurteilung von Heilwirkungen und Nebenwirkungen von Arzneimitteln so komplex ist, und dafür, dass einzelne Erfahrungen in dieser Hinsicht meistens wenig aussagen. Vor allem in der Komplementärmedizin hört man oft das Schlagwort „Wer heilt hat Recht!“. Dass die Realität nicht so simpel ist, dafür sorgt der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“. Wer heilt hat nämlich nur Recht, wenn das entsprechende Heilmittel tatsächlich für die Besserung oder Heilung verantwortlich ist. Das gilt natürlich nicht nur für die Komplementärmedizin.
Es gilt für synthetische Medikamente, Phytotherapeutika, Präparate aus Homöopathie oder Anthroposophischer Medizin etc.
Siehe auch:
Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht?
Der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ ist ein starkes Argument für das Bestreben, Wirkungen von Arzneimitteln mittels systematischeren Untersuchungen zu klären, zum Beispiel in Form von Doppelblind-Studien.
Aber selbst Doppelblind-Studien können zu unterschiedlichen und widersprüchlichen Resultaten kommen.
Daher fasst man dann mehrere Doppelblind-Studien zu einer Metastudie zusammen, um auf diese Art und Weise fundiertere Schlüsse ziehen zu können. Das macht zum Beispiel die renommierte Cochrane Collaboration.
Aber selbst Metastudien können sich widersprechen….
zum Beispiel weil die Studien, welche man zur Auswertung in eine Metastudie einschliesst, mittels unterschiedlicher Kriterien ausgewählt wurden.
So müssen wir wohl oder übel auf die endgültige und umfassende Gewissheit in den allermeisten Fällen verzichten, denn die Beurteilung von therapeutischen Wirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen ist eben sehr komplex. Was uns aber nicht davon abhalten sollte, nach vorläufiger und notgedrungen bruchstückhafter Erkenntnis zu streben. Suchen ist manchmal wichtiger als Finden.
Keine kritischen Fragen stellen und jede Behauptung und Heilungsversprechung unbesehen für bare Münze zu nehmen ist jedenfalls keine Alternative.
Entscheidend scheint mir dabei ein sorgfältiger Umgang mit dem Begriff „Erfahrung“.
Siehe dazu:
Naturheilkunde – vom sorgfältigen Umgang mit Erfahrung
Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung
Naturheilkunde: Erfahrung genügt nicht als Begründung
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde
www.phytotherapie-seminare.ch
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
Tags: "Wer heilt hat recht", Anthroposophische Medizin, Arzneimittel, Cochrane Collaboration, Doppelblind-Studien, Erfahrung, Gesundheitsberufe, Heilpflanzen, Heilungsversprechungen, Heilwirkungen, Homöopathie, Infektionen, Klinik, Komplementärmedizin: Der "Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss, Krankenpflege, Krankheit, Kräuterexkursionen, Medikamente, Metastudien, Naturheilkunde, Nebenwirkungen, Nocebo, Nocebo-Effekte, Palliative Care, Pflanzenheilkunde, Pflege, Pflegeheim, Phytotherapeutika, Phytotherapie-Ausbildung, Placebo, Placebo-Effekte, post hoc ergo propter hoc, Schmerzen, Schweiz, Selbstheilungskräfte, Spitex, Weiterbildung, Wikrungen, Winterthur, Zürich
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Dienstag, Dezember 27th, 2011
Wer Schicht arbeitet und auch nachts Dienst tut, hat offenbar ein besonders hohes Risiko, an Diabetes zu erkranken. Zwei US-Studien mit Krankenschwestern zeigten, dass auch die Zahl der Dienstjahre eine Rolle spielt.
Nach drei bis neun Jahren Wechselschicht hatten Krankenschwestern – verglichen mit nur tagsüber arbeitenden Schwestern – ein um 20 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes, wie Wissenschaftler um Dr. An Pan von der Harvard School of Public Health berichten (PLoS Medicine 2011; 8(12): e1001141).
Nach zehn bis 19 Jahren erhöhte sich das Risiko um 40 Prozent und nach mehr als 20 Jahren sogar um 58 Prozent.
Die Wissenschaftler hatten Daten zweier prospektiver Kohortenstudien ausgewertet, der Nurses Health Studien (NHS) I und II. Die Krankenschwestern – in der Schweiz sagt man heute Pflegefachfrauen - hatten mindestens dreimal pro Monat im wechselnden Turnus Nachtdienst geschoben.
Risikosteigerung betrifft nicht nur ältere Frauen
Der Zusammenhang zwischen Nachtschicht und Typ-2-Diabetes ließ sich dabei nur zum Teil auf den Body-Mass-Index (BMI) zurückführen: Rechnete man den BMI heraus, verminderte sich der Risikoanstieg zwar auf sechs Prozent nach drei bis neun Jahren, zehn Prozent nach zehn bis 19 Jahren und 24 Prozent nach 20 und mehr Jahren, die Steigerung blieb immer noch statistisch signifikant.
Die 69.269 am NHS I teilnehmenden Frauen waren zu Studienbeginn 42 bis 67 Jahre alt. 6.165 von ihnen erkrankten innerhalb von 20 Jahren an Typ-2-Diabetes.
Die 107.915 Teilnehmerinnen von NHS II waren 25 bis 42 Jahre alt, von diesen Pflegepersonen erkrankten 3.961 binnen 18 Jahren. Die Risikoerhöhung zeigte sich also nicht nur bei älteren Frauen.
Die Wechselschichten machten die Frauen tatsächlich dicker, das ergab eine separate Subanalyse, für die nur die Daten der 25- bis 42-jährigen Krankenschwestern herangezogen wurden. Dabei erhöhte sich das Risiko, Pfunde zuzulegen, in Abhängigkeit von den in Nachtschicht gearbeiteten Jahren.
Diabetesrisiko durch mehrere Faktoren erhöht
Ob die Frauen Sport trieben, Kontrazeptiva einnahmen oder Übergewicht in der Familienanamnese aufwiesen, war dabei nicht relevant.
Mehrere Faktoren begünstigen offenbar das erhöhte Diabetesrisiko bei Nachtarbeit, vermuten die Wissenschaftler. So führen wechselnde zirkadiane Rhythmen zur Abnahme des Leptinspiegels, lassen Blutzucker, Insulin und Blutdruck steigen und führen oft zu Schlafstörungen.
Pflegende mit Nachtschichten rauchten zudem über die Jahre mehr als Schwestern ohne Nachtschichten. Pflegende mit Nachtschichten mussten zudem zwangsläufig ihre Mahlzeiten den Schichten anpassen.
Ständiges Verschieben von Essenszeiten hatte man schon in anderen Untersuchungen mit einem Anstieg von postprandialen Glukosewerten, Insulinspiegel und BMI in Zusammenhang gebracht.
Quellen:
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/diabetes/article/683717/nachtschichten-foerdern-diabetes.html?sh=19&h=1618356173
http://www.plosmedicine.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pmed.1001141
Kommentar & Ergänzung:
Diese Studie ist ein Hinweis darauf, wie wichtig der Lebens- und Arbeitskontext für die Gesundheit ist. Man kann Gesundheit und Krankheit nicht immer nur am individuellen Verhalten festmachen. Wir sind immer auch eingebettet in Strukturen, die Einfluss nehmen auf unsere Gesundheit. Und diese Strukturen lassen sich vom Einzelnen nur beschränkt beeinflussen. Also müssen wir als Gesellschaft für gesundheitsfördernde Strukturen sorgen. Weil es Menschen braucht, die Nachtschicht arbeiten, muss die Gesellschaft dafür sorgen, dass diese Arbeit so gesundheitsfreundlich wie mögliche getan werden kann. Beispielsweise, indem ausreichend Erholungsphasen ermöglicht werden.
Phytotherapeutisch könnten bei Nachtschicht-Arbeit möglicherweise Adaptogene sinnvoll sein. Die wichtigsten Adaptogene in der Phytotherapie sind Ginsengwurzel, Taigawurzel, Rosenwurz.
Siehe dazu:
Taigawurzel, Ginseng, Rosenwurz & Co. – Was sind Adaptogene?
Phytotherapie: Eleutherococcus senticosus – Taigawurzel
Ginseng als Adaptogen
Rosenwurz (Rhodiola rosea) gegen Stress und Müdigkeit
Adaptogene helfen dem Organismus bei der Bewältigung belastender Situationen.
Allerdings sollten solche Heilpflanzen-Präparate nicht als Alibi-Übung dienen und anstelle einer Verbesserung der Verhältnisse konsumiert werden.
Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:
Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch
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Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen
Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:
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Donnerstag, Dezember 15th, 2011
„Alternative Heilmethoden können mittlerweile auch bei der Bekämpfung von Krebs eine Rolle spielen. Laut Prof. Gustav Dobos können zum Beispiel bestimme Meditationsformen Patienten beim Umgang mit der Krankheit helfen.“
Das meldet dpa / Yahoo-News.
Es gebe Studien die zeigen, dass sich mit solchen Meditationsformen Ängste abbauen lassen, sagte der Direktor der Klink für Naturheilkunde und Integrative Medizin in Essen.
Auch Akupunktur sei inzwischen als Methode zur Bekämpfung von Nebenwirkungen wie Schmerzen anerkannt. Die alten Grabenkämpfe zwischen Schulmedizin und Alternativmedizin gebe es nicht mehr. Ziel der Forschung muss es nach Ansicht von Dobos sein, eine sogenannte integrative Medizin zu entwickeln, die alternative und schulmedizinische Ansätze vereint.
Eine Schwierigkeit dabei sei jedoch noch die Unterscheidung zwischen wirksamen und wirkungslosen Heilmethoden. «Die Patienten werden aus dem Internet oder von Bekannten mit einer Informationsflut überschüttet», erklärte Dobos. Hier brauche es gut ausgebildete Ärzte. Patienten empfahl er, angebotene Therapien immer auf ihre erwiesene Wirksamkeit zu hinterfragen. Falsch eingesetzte Therapien könnten unter Umständen auch schaden.
Quelle:
http://de.news.yahoo.com/26/20101203/thl-alternative-medizin-kann-auch-bei-kr-b930478.html
Kommentar & Ergänzung:
Die erwähnten Grabenkämpfe könnte man meines Erachtens am ehesten überwinden, wenn man auf irreführende und polarisierende Begriffe wie Schulmedizin, Komplementärmedizin oder Alternativmedizin verzichten würde.
Und für Patientinnen und Patienten ist es oft ziemlich schwierig, angebotene Therapien auf ihre Wirksamkeit zu hinterfragen. Aber es ist sehr wichtig, solche Fragen zu stellen.
Siehe dazu:
Komplementärmedizin – woran erkennen Sie fragwürdige Ausssagen?
Wenn in der dpa-Meldung die Rede davon ist, dass alternative Heilmethoden mittlerweile auch in der Bekämpfung von Krebs eine Rolle spielen, dann ist das etwas irreführend. Dadurch wird nahegelegt, dass der Krebs selbst mit solchen alternativen Heilmethoden bekämpft wird. In diesem Bereich sind alternative Heilmethoden aber leider bisher kaum überzeugend. Interessant sind einige Methoden für die Linderung von Nebenwirkungen der Krebstherapien.
Auch die Phytotherapie, die allerdings nicht zur Alternativmedizin oder Komplementärmedizin, sondern zur Naturheilkunde zählt, eignet sich zur Linderung verschiedener Nebenwirkungen von Krebstherapien.
Siehe:
Vorbeugung gegen Mukositis bei Chemotherapie
Honig gegen Mundschleimhautentzündung bei Chemotherapie
Phytotherapie kann bei Krebs manche Beschwerden lindern
Phytotherapie lindert Nebenwirkungen bei Chemotherapie & Bestrahlung
Phytotherapie gegen Appetitmangel bei Chemotherapie
Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen
Heilpflanzen-Anwendungen bei Krebs
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Dienstag, November 8th, 2011
Die guten alten Hausmittel sind Teil eines traditionellen Heilwissens, das im Sinn eines UNESCO-Übereinkommens als „immaterielles Kulturerbe“ gilt, welches allerdings in seinem Bestand gefährdet ist.
Spricht man von „Weltkulturerbe“, so beschränken sich diesbezügliche Assoziationen meist auf eindrückliche Denkmäler und historische Stätten. Vergessen häufig die Ebene des „Immateriellen Kulturerbes“, welches in einer unglaublichen und schillernden Vielfalt in lebendigen Traditionen – noch! – erhalten ist. Zur Bewahrung dieses Kulturerbes hat die UNESCO bereits 2003 ein Übereinkommen beschlossen, welches seit 2006 in Kraft ist und neue Standards im Umgang mit kulturellem Erbe setzen soll. Im Sinn dieser Konvention gehören fünf Bereiche – deren Übergänge fließend sind – zum immateriellen Kulturerbe, nämlich:
- mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen
- darstellende Künste
- gesellschaftliche Bräuche, Rituale und Feste
- traditionelle Handwerkstechniken
- Wissen und Praktiken im Umgang mit Natur und Universum
Heimisches Heilwissen anstelle von TCM und Ayurveda
Zum immateriellen Kulturerbe zählt das norwegische Strickmuster genauso wie das indische Kutiyattam Sanskrit Theater oder der Innviertler Landler. Wobei anfänglich die UNESCO-Konvention hauptsächlich als Angebot an die Entwicklungsländer verstanden wurde – die ja auf der Welterbeliste nur wenig vertreten sind –, ihren Traditionen und Bräuchen einen entsprechenden Stellenwert zu geben. „Viele westliche Industriestaaten haben sich zuerst nicht angesprochen gefühlt, gab es doch genügend Dokumentationsarbeiten über die eigene Kultur“, sagt Mag. Maria Walcher, Leiterin der Nationalagentur. Auch in Österreich sei leider ein Manko an Respekt und ein schlechter Zugang zum traditionellen Erfahrungswissen festzustellen, stellt die studierte Volkskundlerin und Musikwissenschafterin fest. Bei näherer Betrachtung enthalte jedoch die Konvention Bereiche, die für alle Gesellschaften von Interesse sein könnten.
Beispielsweise das Wissen um die Praktiken im Umgang mit Natur und Universum. Jener Bereich also, zu dem die traditionellen Heilmethoden und Heilmittel zählen. „Wir importieren zwar Heilsysteme aus Indien und China, aber was ist mit unseren Heilsystemen, dem Heilsystem unserer Vorfahren? In früheren Zeiten gab es längst kein flächendeckendes Gesundheitssystem, und die Leute mussten selbst etwas tun. Das Wissen um die guten alten Hausmittel habe seit den 70ern stark abgenommen, bedauert Maria Walcher. Und sie fragt, wer denn heute noch Ölfleck, Zwiebelwickel, Essigpatschen kenne.
Die jungen Mütter wüssten das alles nicht mehr, und die Ärzte verordnen es auch nicht. Ein Rezept gehe schneller. Die jahrzehntelange Strategie des Auslagerns von Zuständigkeiten – auch was den Umgang mit Gesundheit und Krankheit betrifft – habe zu einem rasanten Verlust von Eigenverantwortung und individueller Kompetenz geführt, stellt Mag. Walcher fest. Das zeigt nun auch im Gesundheitssystem dramatische Auswirkungen. Umgekehrt sei jedoch das Bedürfnis nach „Erfahrungsmedizin“ stark gewachsen.
Quelle:
Pharmaceutical Tribune Nr. 2 2010
http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=102986&dspaid=844998
Kommentar & Ergänzung:
1. Traditionelles Heilwissen ist meines Erachtens wirklich ein wertvolles Kulturgut.
In diesem Sinne sind die Bemühungen der Unesco zur Erhaltung dieser Heiltraditionen begrüssenswert. Es gibt allerdings in der Komplementärmedizin eine ziemlich weit verbreitete naive Traditionsgläubigkeit, die darauf baut, dass altes Wissen immer auch wahres Wissen ist. Das ist natürlich Bullshit – Tradition hat sich auch unzählige Male geirrt – und das zum Teil über Jahrhunderte. Also geht es darum, sich mit der Tradition kritisch auseinanderzusetzen, zu prüfen, was davon nützlich und sinnvoll, und was überholt oder schlicht falsch ist.
Vorbildlich in dieser Auseinandersetzung mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist die Forschergruppe Klostermedizin an der Universität Würzburg.
Fazit: Traditionelle Pflanzenheilkunde gehört nicht einfach ins Museum, weil sie auch wertvolle Erkenntnisse enthält.
Traditionelle Pflanzenheilkunde soll aber in der Gegenwart auch nicht einfach unbedacht 1:1 angewendet werden, weil man sonst Patientinnen und Patienten auch 1:1 mit allen Irrtümern der Vergangenheit behandelt.
Ein solchermassen differenzierter Umgang mit der Tradition ist auch ein wichtiges Qualitätsmerkmal, an dem man die Seriosität von Therapeutinnen und Therapeuten, Ausbildnern etc. messen kann. Fragwürdig ist in jedem Fall, wer Tradition undifferenziert übernimmt und als absolute Wahrheit verkauft..
Siehe auch:
Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?
2. Mag. Walcher schreibt, dass das Bedürfnis nach „Erfahrungsmedizin“ stark gewachsen sei.
Erfahrungsmedizin ist aber auch so ein fragwürdiger Begriff……
Er suggeriert, dass „Erfahrung“ uns zeigt, was wirksam ist und was nicht.
„Erfahrung“ zeigt aber nicht einfach was ist. Erfahrung muss interpretiert und verarbeitet werden. „Erfahrung“ als Legitimation von Therapieempfehlungen ist genauso schwach wie „Tradition“ allein schwach ist.
Siehe dazu:
Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung
Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung
3. Heimisches Heilwissen statt TCM und Ayurveda?
Natürlich ist es merkwürdig, wenn unser einheimisches Heilwissen in Vergessenheit gerät und stattdessen alte Heilsysteme aus China und Indien importiert werden. TCM und Ayurveda sind sehr interessante Heilsysteme die aber nicht so einfach ohne “Verstümmelung” aus ihrem kulturellen Rahmen gerissen werden können. TCM und Ayurveda, so wie sie bei uns angeboten werden, sind auf westliche Bedürfnisse zugeschnittene Exportprodukte, die nur noch wenig mit den ursprünglichen Heilmethoden in China oder Indien zu tun haben.
4. Wenn Mag. Walcher bedauert, dass das Wissen um die Hausmittel abgenommen hat, dann teile ich dieses Bedauern. Wer keine einfachen Hausmittel mehr kennt, wird unnötig schnell abhängig vom „medizinisch-pharmazeutischen System“. Ich betrachte es als eine wichtige Bildungsaufgabe, das Wissen um die einfachen Hausmittel in der Bevölkerung zu fördern und gleichzeitig auch auf die jeweiligen Grenzen der Selbstbehandlung hinzuweisen.
(siehe dazu mein Kursprogramm: www.heilpflanzen-info.ch/cms/kurse)
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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Dienstag, November 8th, 2011
Vor einem inflationären Gebrauch des Modewortes „Burn-out“ warnt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe. „Auch wenn zu begrüßen ist, dass hierdurch die große Bedeutung psychischer Erkrankungen deutlicher und die diesbezügliche Sensibilität erhöht wird, so wird der inflationäre Gebrauch des schwammigen Begriffs Burn-out von vielen Betroffenen und Experten aus mehreren Gründen als Verwirrung stiftend, irreführend und längerfristig Stigma verstärkend eingeschätzt“, schreibt die Stiftung.
Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, betonte in diesem Zusammenhang, dass der Begriff „Burn-out“ nicht klar definiert sei. Daher gäbe es für die psychischen Störungen, die unter dem Begriff Burn-out zusammengefasst würden, auch keine Behandlungen mit Wirksamkeitsbelegen aus methodisch guten Studien.
Ein Großteil der Patientinnen und Patienten, die wegen „Burn-out“ eine längere Auszeit nähmen, litten in Wahrheit an einer depressiven Erkrankung. Dazu zähle auch das Gefühl tiefer Erschöpftheit.
Problematisch und nicht selten in gefährlicher Weise irreführend ist nach Aussagen der Stiftung, dass der Begriff „Burn-out“ eine Selbstüberforderung oder Überforderung von außen als Ursache suggeriert.
Denn auch wenn ausnahmslos jede Depression mit dem tiefen Gefühl der Erschöpftheit einhergehe, sei nur bei einer Minderheit der depressiv Erkrankten eine tatsächliche Überforderung der Auslöser der Erkrankung.
Mit dem Begriff Burn-out sei oft die Vorstellung verknüpft, dass ein ruhigerer Lebensstil eine gute Bewältigungsstrategie sei, also zum Beispiel eine längere Nachtruhe und ein Urlaub. Verberge sich hinter dem Begriff „Burn-out“ jedoch eine Depression, so seien das keine empfehlenswerten und häufig sogar gefährliche Gegenmaßnahmen. Menschen mit depressiven Erkrankungen reagierten beispielsweise auf längeren Schlaf und eine längere Bettzeit nicht selten mit Zunahme der Erschöpftheit und mit einer Stimmungsverschlechterung.
Auch ein Urlaub sei jedem depressiv Erkrankten dringend abzuraten, weil die Depression mitreise und der depressive Mensch den eigenen Zustand mit Antriebsstörung und der Unfähigkeit, Freude zu empfinden, im Urlaub als besonders bedrückend und schmerzlich erlebe. Ausserdem führe eine Vermengung von Stress, Burn-out und Depression zu einer Verharmlosung der Depression. „Stress, gelegentliche Überforderungen und Trauer sind Teil des oft auch bitteren und schwierigen Lebens und müssen nicht medizinisch behandelt werden“, schreibt die Stiftung. Depressionen seien im Gegensatz dazu schwere, häufig lebensbedrohliche Erkrankung. Die Verharmlosung der Depression fördere das Unverständnis gegenüber depressiv Erkrankten und das damit assoziierte Stigma. „Der beste Weg zu einem optimalen Umgang mit der Erkrankung Depression ist es, eine Depression auch Depression zu nennen“, erklärt Ulrich Hegerl.
Quelle:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/47913/Modewort_Burn-out_ist_zu_unpraesize.htm
http://www.deutsche-depressionshilfe.de/
Kommentar & Ergänzung:
Der sehr inflationäre und schwammige Gebrauch des Begriffs „Burn-out“ ist tatsächlich problematisch. Die Klarstellungen der Stiftung Deutsche Depressionshilfe sind daher wertvoll und sehr zu begrüssen.
Im Bereich der Pflanzenheilkunde gibt es eine ähnliche Begriffsvermischung im Umgang mit Johanniskraut. Es wird zu ungenau unterschieden zwischen Verstimmung, Trauer und Depression.
Bei leichten und mittleren Depressionen gilt Johanniskraut-Extrakt als mögliche Alternative zu synthetischen Antidepressiva.
Temporäre Verstimmungen und Trauer sind aber keine Indikationen für eine Johanniskraut-Therapie. Sie brauchen andere Umgangsweisen.
Ich kann an diesem Punkt die Aussage der Stiftung Deutsche Depressionshilfe nur unterstreichen:
„Stress, gelegentliche Überforderungen und Trauer sind Teil des oft auch bitteren und schwierigen Lebens und müssen nicht medizinisch behandelt werden“.
Es braucht in solchen Situationen kein Johanniskraut (dessen Wirksamkeit bei leichten und mittleren Depressionen aber als belegt gilt). Es braucht aber auch keine Scheinheilmittel wie Bachblüten, Schüsslersalze, Burgerstein-Pillen…..
Diesen Boom, jede Unebenheit im Leben mit einem Präparat aus Medizin oder Komplementärmedizin ausbügeln zu wollen, halte ich für völlig krank. Er ist ein Ausdruck von Konsumdenken und von sehr überzogenen Ansprüchen an das Leben.
Anstelle der suchtartigen Gier nach immer mehr Medizin und Komplementärmedizin wäre es meiner Ansicht nach sinnvoller, wenn wir uns vertieft Gedanken machen würden über unseren Umgang mit Gesundheit und Krankheit. Und über nichtmedikamentöse Arten des Umgangs mit den Unebenheiten des Lebens.
(was aber nicht ausschliesst, dass es selbstverständlich Patientinnen und Patienten gibt, die eine medizinische Behandlung brauchen).
Leider ist diese Position nicht sehr lukrativ, weil man damit nicht viel verkaufen kann………..
Ausser Kurse und Weiterbildungen – solange es Menschen gibt, die nicht nur wundersame Heilsversprechungen hören, sondern sich umfassender mit Gesundheit und Krankheit auseinandersetzen wollen.
Ein solches Angebot finden Sie bei mir zum Beispiel auf www.patientenseminare.ch oder via www.heilpflanzen-info.ch/cms/kurse
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Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Montag, November 7th, 2011
Im „Dritten Reich“ wurde die Naturheilkunde stark gefördert. Vollwerternährung und Vegetarismus wurden staatlich stark propagiert.
Führende Nationalsozialisten wie Rudolf Hess, Heinrich Himmler und Julius Streicher standen der Homöopathie oder Anthroposophie nahe und förderten entsprechende Projekte. Im KZ Dachau erstellten und bewirtschafteten Häftlinge unter brutalen Bedingungen riesige Heilpflanzen-Plantagen. In den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald wurden schlimme Menschenversuche mit Naturheilmitteln durchgeführt.
Ziel war die Vereinigung von „Naturheilkunde“ und „Schulmedizin“ zur „Neuen Deutschen Heilkunde“.
Nationalsozialismus und Naturheilkunde hielten beide „Natur“ und „Ganzheit“ für hohe Werte und trafen sich auch in vielen Vorstellungen über Gesundheit und Krankheit. Die Frage, warum Naturheilkunde & Nationalsozialismus so gut zusammen passten, ist auch heute noch brisant und erhellend.
Ein Tagesseminar am 13. November 2011 in Winterthur informiert über die vorhandenen Fakten, nennt Personen, Firmen, Vorgänge und Verbindungen. Davon ausgehend geht es aber auch um einen Blick in die Gegenwart. Im Grenzbereich von Naturheilkunde und Esoterik taucht fast unbemerkt und kaum hinterfragt antidemokratisches, menschenverachtendes oder gar „braun“ angehauchtes Gedankengut auf. Genau hinzuschauen ist gerade auch für Menschen sinnvoll, die den Bereichen Naturheilkunde / Komplementärmedizin / Alternativmedizin verbunden sind weil sich daraus viel lernen lässt für die heutige Zeit und weil diese “Szene” resistenter werden sollte gegen menschenverachtende Ideologien.
Info: Tagesseminar Naturheilkunde & Nationalsozialismus
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Donnerstag, Oktober 13th, 2011
„Jede spirituelle Technik, die irgendwann irgendwo in einer anderen Kultur auf der Welt erfunden wurde, die finden wir heute wieder, wie sie als Abziehbild, in Bruchstücken, in westlicher Interpretation, für Kurz- und Massenlehrgänge zurechtgestutzt in Westeuropa und Nordamerika, in den Kernländern technisch-wissenschaftlicher Kultur, auf dem Markt der Seminare, der Workshops, der Retreats, der Therapien angeboten wird.
Und zu diesen ganzen übernommenen Formen kommt noch der ganze wachsende Markt der Therapieformen, wie sie in unserer Kultur unter Anlehnung an diese anderen Sichtweisen fast täglich neu herauskommen.
Und hinter jeder dieser Formen steht eine Wirklichkeitskonstruktion, die das Neue und das Alte, das Zerbrochene und das Durcheinander in einer übergreifenden Ordnung der Welt wieder verorten und verankern soll, und alle Ordnungsentwürfe , die nur irgendwo auf der Welt von irgendeiner Kultur je gemacht wurden, die scheinen sich hier wiederzufinden, in Bruchstücken und in den unterschiedlichsten Interpretationen, durcheinander gewürfelt und zusammengerührt und mit Neuem und Privatem, so gut es geht verklebt zu einem Ganzen.
Und all das ist im Angebot zu haben, Wirklichkeiten und Erkenntnis- und Lebensformen en gros und en detail, Konstruktionen von billig und bescheiden bis glamourös und windig, von bieder und verbiestert bis superteuer und superseriös, und eine übertönt die andere ……“
(Quelle: Godela Unseld, Das Abenteuer ‚Erkennen’ – Ein soziologischer Reisebericht, Insel Taschenbuch 1997)
Kommentar & Ergänzung:
Godela Unseld beschreibt meines Erachtens in diesem Zitat prägnant den ausufernden Supermarkt der Therapien und Spiritualitäten.
Noch wichtiger ist aber ihre Interpretation dieses Phänomens: Es geht letztlich um Ordnungsentwürfe, mit denen Menschen versuchen, sich in der Welt zurechtzufinden und sich zu orientieren. Und es ist jeweils sehr fraglich, ob solche Konstruktionen taugliche Mittel dafür sind.
Vielleicht wäre es wichtiger, die überhöhten Ansprüche an eine allumfassende Weltordnung herunterzufahren. Stattdessen könnten wir lernen, uns auch in einer bruchstückhaften, widersprüchlichen, nicht vollständig versteh- und erklärbaren und nur beschränkt kontrollierbaren Welt heimisch zu fühlen.
Gerade im Bereich der Heilmethoden und im Umgang mit Gesundheit und Krankheit braucht es meiner Ansicht nach mehr vertiefende Reflexion und weniger Konsumhaltung.
Der Supermarkt esoterischer Heilslehren entspricht zu offensichtlich dem schnellen, oberflächlichen und bequemen Zeitgeist. Therapeutin oder Therapeut wird man hier schon nach drei Wochenenden – mit Diplom versteht sich.
Und für die seelische oder geistige Weiterentwicklung muss man weder etwas lernen noch sich mit sich selbst auseinandersetzten – man wirft ein paar Tropfen Bachblütenessenz ein oder schuckt ein paar Schüsslersalz-Tabletten. Und schhwups, schon kommen die tiefgreifenden Veränderungen und Transformationen von Geist & Seele. Ganzheitlich nennt sich das dann….
Schöne cleane Instant-Welt.
Aber genug gelästert. Mir ist es ja eigentlich sehr ernst mit diesem Thema.
Wenn Sie interessiert sind an vertiefenden Reflexionen zum Thema Gesundheit und Krankheit, dann finden Sie Angebote im Bereich „Naturheilkunde & Philosophie“ oder unter „Eidberger Gedankengänge“.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Freitag, Oktober 7th, 2011
Der Film „Adolf Hitler – Wahn und Wahnsinn“ berichtet von einem Thema, das sehr wenig bekannt ist: Die Nationalsozialisten bezogen wesentliche Teile ihrer Ideologie aus esoterischen Quellen.
Heinrich Himmler, Reichsführer-SS, war beispielsweise ein fanatischer Esoteriker. Er wollte das Deutsche Volk zur Urreligion der Germanen zurückführen und errichtet im ganzen Land okkulte Stätten.
Heinrich Himmler war ein Anhänger der indisch-buddhistischen Karma-Lehre. Sie war für ihn ein tiefes Glaubensdogma, auf das er immer wieder zu sprechen kam, und das er mehrmals für die Sinndeutung der eigenen Existenz in Anspruch nahm.
Die Bhagavadgita, die zentrale Schrift des Karma-Yoga, soll Himmler so geschätzt haben, dass er sie ständig bei sich trug.
Heinrich Himmler verglich Hitler mit dem in diesem Lehrgedicht auftretenden Gott Krishna.
Die Bhagavadgita liest sich fast wie ein Katechismus für die SS. Viele NS-Ideologen nahmen daher auf diese indische Kriegerschrift immer wieder Bezug.
Die Philosophie der Bhagavadgita wurde nach dem Kriege von rechtsextremer Seite als Legitimation von Auschwitz herangezogen.
Der Stellvertreter Adolf Hitlers, Rudolf Hess, war Mitbegründer der okkulten Thule-Gesellschaft. Hitler selber kam über die Deutsche Arbeiterpartei in Kontakt mit Okkultismus. Die Nazis setzten auf Merkmale okkulter Bewegungen, um den Führungsanspruch der Arier zu belegen – mit verheerenden Folgen!
Reichshammerbund, Germanenorden, Thule-Gesellschaft – diese okkulten, antisemitischen Vereinigungen lieferten mit ihrer rassischen Ideologie den Nährboden für die Deutsche Arbeiterpartei und ihre Nachfolgerin, die NSDAP. Sie nutzten u. a. alte germanische Rituale und Symbole – das Hakenkreuz -, um das Deutsche Volk zu einer Rückbesinnung auf seine angeblich arischen Wurzeln zu bewegen. Der Film „Hitler – Wahn und Wahnsinn“ ist hier auf Youtube zu sehen:
http://www.youtube.com/watch?v=Xc18CjPMO2c
Noch weniger bekannt ist die enge Verbindung von Nationalsozialismus und Naturheilkunde im „Dritten Reich“.
Im „Dritten Reich“ wurde die Naturheilkunde stark gefördert. Vollwerternährung und Vegetarismus wurden staatlich stark propagiert. Führende Nationalsozialisten wie Hess, Himmler und Streicher standen der Homöopathie oder Anthroposophie nahe und förderten entsprechende Projekte. Im KZ Dachau erstellten und bewirtschafteten Häftlinge unter brutalen Bedingungen riesige Heilpflanzenplantagen. In Dachau und Buchenwald wurden schlimme Menschenversuche mit Naturheilmitteln durchgeführt.
Zu denken gibt in diesem Zusammenhang vor allem, dass Nationalsozialismus und Naturheilkunde an vielen Punkten ideologisch sehr kompatibel waren, zum Beispiel bei den Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit.
Das ist einer der Gründe dafür, warum es Sinn macht, auch heute dieses Thema genauer unter die Lupe zu nehmen.
Das Tagesseminar „Nationalsozialismus und Naturheilkunde“ informiert über die vorhandenen Fakten, nennt Personen, Firmen, Vorgänge und Verbindungen. Es schärft aber auch unseren Blick für die Gegenwart, wo im Grenzbereich von Naturheilkunde und Esoterik fast unbemerkt und kaum hinterfragt antidemokratisches, menschenverachtendes oder gar „braun“ angehauchtes Gedankengut aufkommt.
Weitere Informationen auch hier:
Karma-Yoga: Abschaffung jeder Ethik?
Esoterikfreie Pflanzenheilkunde warum?
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Freitag, September 23rd, 2011
Das „Philosophische Radio“ auf WDR 5 sendete vor kurzem ein interessantes Radiogespräch mit dem Zoologen Frans de Waal über die Entwicklung von Empathie bei Menschen und Tieren.
Das Gespräch kann hier nachgehört werden:
Zu Frans de Waal:
„Fransiscus Bernardus Maria (Frans) de Waal (* 29. Oktober 1948 in ’s-Hertogenbosch, Niederlande) ist ein Zoologe und Verhaltensforscher, der sich seit Anfang der 1970er Jahre speziell mit Schimpansen und Bonobos befasst, aber auch mit Makaken, Kapuzineraffen, Elefanten und Buntbarschen.“
(Quelle: Wikipedia)
Zum Forschungsbereich von Frans de Waal:
„Die Schwerpunkte von de Waals Arbeiten liegen in der Erforschung der tierischen und menschlichen Entwicklung von Kultur, Moral und der Entstehung von Empathie und Altruismus als einer der Grundlagen der Sozialisation innerhalb von Gruppen und im speziellen der sich daraus später entstehenden besonderen Aspekte der Menschwerdung. De Waal geht dabei davon aus, dass die Entstehung von Moral und Kultur keine rein menschlichen Leistungen sind und sich daher auch vermehrt im Tierreich herausgebildet haben müssen. De Waal sieht dabei die Moral als einen evolutionären Prozess an, der geschaffen wurde, um soziale Normen untereinander zu entwickeln, um dadurch die Befähigung zu erhalten, Konfliktlösungsstrategien und Mechanismen zur gegenseitigen Hilfe in sozialisiert lebenden Gruppen herauszubilden.“
(Quelle: Wikipedia)
Zum „Prinzip Empathie“ von Frans de Waal:
„Gier ist out, Empathie ist in. In der Natur tobt ein Kampf ums Überleben, in der Evolution herrscht das Recht des Stärkeren. Zumindest, wenn man Darwins Theorie verkürzt betrachtet. Frans de Waal, der große Humanist unter den Verhaltensforschern, widerlegt diese These. Seine Beobachtungen an Hunden, Katzen und Schimpansen zeigen: Offenbar erkennen auch Tiere in ihrem Gegenüber eine verwandte Kreatur und zeigen Empathie und Solidarität. Auf den Menschen übertragen, heißt das: Kooperation gehört zu unserer Grundausstattung. Engagiert und anschaulich erklärt de Waal, warum Stärke allein nichts zählt und was wir von der Natur für eine bessere Gesellschaft lernen können.“
Quelle: Beschreibung des Hanser-Verlags zum Buch „Das Prinzip Empathie“ von Frans de Waal.
Das Thema „Empathie“, so wie Frans de Waal es im Gespräch vertritt, ist für die Philosophie wichtig im Bereich der Ethik.
Heute dominiert in vielen Kreisen eine Haltung, die Konkurrenz als alleiniges Organisationsprinzip menschlicher Beziehungen betrachtet und dies evolutionsbiologisch zu begründen versucht.
Diese Haltung dürfte nicht wenig zur Finanzkrise 2008 beigetragen haben. Frans de Waal belegt, dass neben Konkurrenz auch Kooperation bereits in der evolutionären Entwicklung angelegt ist.
P.S. Wenn Sie sich für philosophische Fragen im Bereich von Gesundheit & Krankheit interessieren, dann schauen Sie mal ins Kursprogramm im Bereich „Forum Naturheilkunde & Philosophie“.
Ich bin überzeugt davon, dass wir mehr philosophische Reflexion rund um Gesundheit und Krankheit brauchen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Sonntag, September 18th, 2011
Depressive Patienten, deren Stimmung sich durch die Therapie mit Antidepressiva aus der Klasse der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI) nicht genügend bessert, können von sportlicher Betätigung profitieren. In einer kürzlich veröffentlichten Studie reduzierte ein zwölfwöchiges aerobes Ausdauertraining bei Patienten mit Depression den Schweregrad der Symptomatik signifikant, zum Teil bis hin zur Remission. Das berichten Wissenschaftler um Dr. Madhukar Trivedi von der University of Texas (Dallas) im «Journal of Clinical Psychiatry».
Ob eine nur mäßige oder eine intensivere Belastung der psychischen Gesundheit mehr zuträglich war, wurde von individuellen Faktoren beeinflusst. Männer profitierten generell mehr von diesem Ausdauertraining, wenn sie sich stärker anstrengen mussten: Sie erreichten dann in 85,4 Prozent der Fälle eine Remission, während es nach leichtem Training nur 0,1 Prozent waren. Bei Frauen war ein leichteres Training erfolgreicher, wenn in ihrer Familie schon andere Fälle von psychischen Erkrankungen aufgetreten waren. War zuvor noch kein Familienmitglied psychisch erkrankt, erreichten auch Frauen durch intensiveres Training höhere Remissionsraten als durch leichtes (39 Prozent versus 5,6 Prozent).
«Wenn depressive Patienten auf SSRI nicht ansprechen, kann Bewegung ebenso hilfreich sein wie die Hinzunahme eines weiteren Wirkstoffs», kommentierte Trivedi die Resultate. Er glaubt, dass zahlreiche Patienten lieber Sport treiben würden als zusätzlich noch ein Arzneimittel einzunehmen. Die Intensität der sportlichen Belastung müsse dabei allerdings auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden.
Quellen:
doi: 10.4088/JCP.10m06743
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=4194&Nachricht_ID=39116&Nachricht_Title=Nachrichten_Studie%3A+Sport+hilft+gegen+Depression&type=0&folder_id=38831
Kommentar & Ergänzung:
Dass Bewegung nicht nur für den Körper gesund ist, sondern auch das psychische Befinden verbessern kann, ist schon verschiedentlich durch Studien belegt worden.
Bewegung beugt Depressionen vor
Ein schönes Zitat zur antidepressiven Wirkung von Bewegung gibt es von Søren Kierkegaard (1813 – 1855):
“Ich laufe mir jeden Tag mein tägliches Wohlbefinden an und entlaufe so jeder Krankheit; ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen, und kenne keinen, der so schwer wäre, dass man ihn nicht beim Gehen loswürde. Ist man so am Gehen, so geht es schon.”
Im übrigen gehört Bewegung zur klassischen Naturheilkunde und ist eine der fünf Säulen in der Kneipptherapie von Sebastian Kneipp, neben Heilpflanzen-Anwendungen, Ernährung, Hydrotherapie und Ordnungstherapie.
Siehe dazu:
Naturheilkunde – was ist das?
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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