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Phytotherapie bei Reizmagensyndrom

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Die Pharmazeutische Zeitung hat gerade einen Artikel publiziert zum Thema „Reizmagen und Reizdarm“.

Zum „Reizmagen“ werden darin auch konkrete Hinweise auf Phytopharmaka aufgeführt, auf die ich hier kurz eingehen will.

Statt vom „Reizmagen“ spricht man eigentlich besser vom „Reizmagensyndrom“ (RMS), da es sich in den meisten Fällen um mehrere Symptome handelt. Im internationalen Sprachgebrauch ist die Bezeichnung „funktionelle Dyspepsie“ (FD) gebräuchlich.

Ein Reizmagensyndrom ist gemäß den sogenannten Rom-IV-Kriterien charakterisiert durch eines oder mehrere der folgenden belästigenden, das heißt alltägliche Aktivitäten beeinträchtigenden Symptome:

Völlegefühl nach den Mahlzeiten,

Vorzeitiges Sättigungsgefühl,

Im Oberbauch lokalisierte Schmerzen,

Im Oberbauch lokalisiertes Brennen.

Von einem RMS spricht man aber erst, wenn diese Symptome nach einer routinemäßigen klinischen Abklärung einschließlich Ösophago-Gastro-Duodenoskopie nicht hinreichend erklärbar sind. Ausserdem müssen die Symptome seit mindestens drei Monaten vorliegen mit einem Symptombeginn, der sechs Monate oder ­länger zurückliegt.

Und was sagt nun der Beitrag zu den phytotherapeutischen Möglichkeiten bei RMS?

Zitat:

„Daten zur Wirksamkeit aus kontrollierten Studien gibt es auch für Phytopharmaka wie STW-5, eine Phytokombination auf der Basis von Iberis amara, oder die Kombination aus Pfefferminzöl und Kümmelöl….“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68591

Kommentar & Ergänzung:

STW-5 ist bei Reizmagen ein bewährtes und durch Studien gut belegtes Phytopharmakon, das unter dem Namen „Iberogast“ im Handel ist.

Iberogast ist ein Kombi-Präparat aus neun verschiedenen Heilpflanzen:

Bittere Schleifenblume (Iberis amara), Angelikawurzel (Engelwurz), Kamillenblüten, Kümmelfrüchte, Mariendistelfrüchte, Melissenblätter, Pfefferminzblätter, Schöllkraut und Süßholzwurzel.

In der neueren Phytotherapie ist es eher unüblich, dass ein Präparat aus so vielen Heilpflanzen zusammengesetzt ist. Offenbar ergänzen die Bestandteile sich aber gut.

Zu STW-5 siehe auch:

Kinderheilkunde: Heilpflanzen-Kombination gegen Bauchbeschwerden

Phytotherapie bei funktionellen Magenbeschwerden

Phytotherapie als Standardtherapie bei funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen

Etwas eigenartig ist die Empfehlung der Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl bei RMS. Hier ist zweifellos vom Präparat Carmenthin® die Rede, das diese Zusammensetzung aufweist. Allerdings handelt es sich dabei um magensaftresistente Kapseln, die sich erst im Dünndarm auflösen. Etwas spät für eine Wirkung bei Reizmagen….

Carmenthin® eignet sich hingegen gut für Reizdarm und wirkt dort gegen Blähungen und Darmkrämpfe. Das Präparat stammt aus Deutschland und ist in der Schweiz nicht als Arzneimittel registriert.

Der Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung geht auch auf das Reizdarmsyndrom (RDS) ein:

„Unter einem Reizdarmsyndrom (RDS) versteht man länger als drei Monate anhaltende oder wiederkehrende Symptome, die die Lebensqualität einschränken und deren Ursprung im Darm vermutet wird: Stuhlunregelmäßigkeiten wie Durchfall und Verstopfung, die auch im Wechsel auftreten können, Schmerzen oder Druckgefühl im Bauch und Blähungen. Diese Symptome können allein oder in Kombination auftreten. Voraussetzung für die Annahme eines Reizdarmsyndroms ist der Ausschluss einer anderen organischen Krankheit.“

Unter den Therapieoptionen beim Reizdarmsyndrom werden auch zwei Phytotherapeutika aufgeführt, und zwar bei den Leitsymptomen Blähungen, abdominelle Distension und Flatulenz (Evidenzgrad A und B) und beim Leitsymptom Verstopfung (Evidenzgrad A). Leider werden aber weder die Präparate noch die darin enthaltenen Heilpflanzen konkret genannt.

Gemeint sind aber wohl

– Carmenthin®, die Kapsel aus Kümmelöl und Pfefferminzöl,

– Colpermin®, eine magensaftresistente Kapsel mit Pfefferminzöl zur Linderung von Darmkrämpfen,

– Flohsamen-Präparate als Stuhlregulans bei Verstopfung und/oder Durchfall.

Zu den phytotherapeutischen Optionen bei Reizdarmsyndrom siehe auch:

Phyto-Kombi mit Pfefferminzöl und Kümmelöl bei Reizdarm

Reizdarmsyndrom: Kümmel, Anis und Fenchel als Tee?

Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl lindert Reizdarmsyndrom

Ballaststoffe beim Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

Heilpflanzen-Anwendungen bei Reizdarmsyndrom

Dronabinol (THC) vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten

 

Pfefferminzöl bei Reizdarm schmerzlindernd

Pflanzenheilkunde bei Reizdarm – Pfefferminze, Kümmel, Fenchel, Anis, Flohsamen

Phytotherapie bei Reizdarm

Reizdarmsyndrom: Flohsamen und Pfefferminzöl top – Kleie flop

 

 

 

Phytotherapie: Wirksame Behandlung bei Reizdarm und funktioneller Dyspepsie

Ballaststoffe bessern Reizdarmsyndrom

Phytotherapie: Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

Phytotherapie bewährt bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)

 

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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Bullshit zu Aromapflege und Aromatherapie

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Bullshit redet, wer wohlklingende Worte äussert, die nichts aussagen. Ein Beispiel für solchen Bullshit sind meines Erachtens folgende Sätze über Aromapflege und Aromatherapie:

„Aromapflege und Aromatherapie folgen den Prinzipien der Naturheilkunde. Sie wollen die Lebenskraft und Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken. Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht. Sie bewirken eine seelische Umstimmung, regulieren aus der Balance Geratenes und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden. Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“

Quelle:

http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/komplementaermedizin/?full=50130

Kommentar und Ergänzung:

Hier werden wohlklingende Begriffe aneinandergereiht, die kaum irgendwelche konkreten Inhalte haben.

⇒ Die „Prinzipien der Naturheilkunde“ sind nicht so klar definiert, wie das hier aussieht. Der Autor müsste konkrete Beispiele bringen um zu illustrieren, was genau er damit meint. Aber wenn man konkret wird, stösst man schnell an Grenzen oder verwickelt sich in Widersprüche. Bleibt man schön im wohlklingenden Allgemeinen, lässt sich diese Schwierigkeit vermeiden.

„Lebenskraft“ ist ein schillernder Begriff, der spontan oft klar und einleuchtend klingt, aber sofort schwierig wird, wenn man genau erklären soll, was damit gemeint ist.

Wikipedia schreibt dazu:

„Der Begriff Lebenskraft war in seiner Entstehungszeit sehr populär und wurde oft auch wenig spezifisch gebraucht, als weit verbreiteter Platzhalterbegriff für unverstandene körperliche Vorgänge……

Die Vorstellung einer Lebenskraft wurde als Gesundheits- und Krankheitskonzeption von Christoph Wilhelm Hufeland Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts differenziert beschrieben…..

Hufeland sah als Grundursache aller Lebensvorgänge und als Selbsterhaltungsprinzip des Organismus eine allgemeine Lebenskraft mit weiteren Teilkräften:

  • eine erhaltende Kraft,
  • eine regenerierende und neubildende Kraft,
  • eine besondere Lebenskraft des Blutes,
  • eine Nervenkraft,
  • eine Kraft, die eine allgemeine Reizfähigkeit des Körpers bewirke, sowie
  • eine Kraft, die eine spezifische Reizfähigkeit des Körpers bewirke.

Krankheit sei eine Beeinträchtigung der Lebenskraft beziehungsweise der Lebenskräfte durch krankmachende Reize. Sichtbare Zeichen der Krankheit seien Heilreaktionen der Lebenskraft auf solche Krankheitsreize. Die Heilkraft der Natur (vis medicatrix naturae) und die Lebenskraft seien wesensgleich, wenn nicht identisch. Jedes therapeutische Handeln des Arztes wie auch jede Selbstbehandlung durch den Patienten solle die individuelle Lebenskraft unterstützen. Insgesamt habe sich das ärztliche Handeln am Prinzip des contraria contrariis zu orientieren. Dabei empfahl Hufeland neben der vorsichtigen Anwendung von Medikamenten die Beachtung diätetischer Regeln und physikalische Therapien (zum Beispiel als Wasseranwendungen).

Auf Hufelands Konzept gehen Impulse für die Entwicklung der Naturheilkunde im 19. Jahrhundert zurück.“

⇒  Die „Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken“ tönt auch immer gut. Die Selbstheilung des Menschen ist faszinierend. Daran wirken aber tausende von Vorgängen im Organismus mit, die sich je nach Krankheit beträchtlich unterscheiden können. Die Selbstheilungskräfte als feststehende Grösse wird es daher kaum geben. Auch hier wären detaillierte Angaben vorzuziehen. Welche Prozesse beeinflusst das ätherische Öl genau und wie? Aber auch hier gilt: Sobald man genaue Aussagen macht, können diese auch in Frage gestellt, kritisiert und widerlegt werden. „Die Selbstheilungskräfte“ dagegen bieten keine Angriffsfläche für konkrete Einwände.

 „Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht.“ – „Tief“ tönt immer gut. Aber was heisst „tief“ genau in diesem Zusammenhang? Eingreifend? Tief eingreifend in die Psyche? Könnte das, wenn es stimmt, nicht gefährlich werden? Oder ist nur immer und ausschliesslich eine positive Wirkung zu erwarten im Sinne einer Förderung des Gleichgewichts. Ist das nicht etwas gar viel Wunschdenken?

 „Sie bewirken eine seelische Umstimmung…“  Wenn das stimmt, kann das nicht auch schiefgehen? Oder muss ich mir das einfach immer positiv vorstellen? In Sinne von: Das ätherische Öl weiss schon, was es machen muss? Ist das nicht allzu schön um plausibel zu sein?

„…regulieren aus der Balance Geratenes…“ Da haben wir sie wieder, die umfassende Regulation. Damit kann man nie schiefliegen.

 „…und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden.“    Das ist eine sehr weitreichende Versprechung. Wie machen die ätherischen Öle das und was sollen wir verstehen unter dem „eigentlichen Nährboden“ einer Krankheit: Auch hier: Wer nicht konkret wird, versteckt sich vor möglichen konkreten Einwänden.

„Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“ Das tönt immer gut, sagt aber auch nichts Konkretes aus.

Diese Kritik richtet sich nicht generell gegen Aromatherapie und Aromapflege. Ätherische Öle sind im vielen Bereichen interessante und wirksame Heilmittel. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass ich in Texten über Aromatherapie und Aromapflege auf derartigen Worthülsen treffe.

Das ist meines Erachtens immer ein Anlass für genaues, kritisches Nachfragen, auch wenn es um andere Bereiche als Aromapflege und Aromatherapie geht – zum Beispiel um Texte in der Pflanzenheilkunde.

Vorgänge und Begriffe möglichst genau zu beschreiben ist eine Grundvoraussetzung guter Kommunikation und fachlicher Auseinandersetzung. Mit schwammigen Begriffen wie sie das oben aufgeführte Zitat enthält, redet man weitgehend aneinander vorbei. Das gilt auch für Vorträge, Kurse und Ausbildungen. Haken Sie nach, wenn Sie in Lehrveranstaltungen mit wohlklingenden, aber schwammigen Begriffen „gefüttert“ werden.

Wer leere Worthülsen einfach schluckt, weil sie so gut tönend daherkommen, lässt sich einlullen oder lullt sich selber ein. Wer dagegen genau nachfragt, klärt die Begriffe so weit es geht und bekommt dadurch einen stabileren Stand in der Welt.

Der amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt hat übrigens ein lesenswertes Büchlein geschrieben mit dem Titel „Bullshit“ (Suhrkamp Verlag).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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Labkraut bei Maria Treben

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Maria Treben (1907 – 1991) war eine österreichische Kräuterbuch-Autorin, die offensichtlich überzeugt davon war, für jede Krankheit eine hilfreiche Heilpflanze zu kennen. Das ist ein starkes Angebot für alle Kranken und solche, die es werden könnten. Es ist daher wenig überraschend, dass Trebens Buch „Gesundheit aus der Apotheke Gottes“ in mehr als 20 Sprachen herausgegeben wurde und eine Gesamtauflage von über acht Millionen Exemplaren erreichte.

Die Ratschläge Maria Trebens sind inzwischen auch reichlich ins Internet gewandert. So findet man dort Listen zu den von Treben empfohlenen Anwendungsgebieten verschiedenen Heilpflanzen. Beim Labkraut beispielweise sieht eine solche Aufstellung so aus:

Belegte Zunge, Bleichsucht, Epilepsie, Furunkel, Gebärmutterbeschwerden, Geschwüre in der Mundhöhle, Geschwüre (bösartige), Gesichtshaut (welke), Grieß- und Steinbeschwerden, Hauterkrankungen, Hautflecken, Hautknötchen, Hautkrankheiten (chronische), Hautleiden (krebsartiges), Hysterie, Knoten, Kropfbildung, Kropfleiden, Lymphdrüsenstörung, Magensäure (zuviel),

Mandelentzündung, Mitesser, Mundgeruch, Nasenschleimhaut-Absonderung, Nervenleiden, Niereneiterung, Nierengrieß und Nierensteine, Nierenleiden, Nierenschrumpfung, Schilddrüsenerkrankung, Seitenstechen

Steinbildung, Stimmbänderlähmung, Tumore, Urinverhaltung, Veitstanz, Wassersucht. Wunden, Zunge (belegte), Zungenerkrankung, Zungenkrebs.

Für keine dieser Empfehlungen gibt es fundierte Belege oder auch nur schon plausible Argumente.

Daher stellt sich die Frage, wie eine solche Indikationslyrik zustande kommt.

Am Ursprung einer solchen ausufernden Liste steht wohl meistens das intensive Bemühen, alle möglichen Hinweise auf eine Wirksamkeit zusammenzutragen, ohne sie einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Dabei bleibt es in der Regel bei der Übernahme von ungeklärten Anekdoten.

Eine kritische Prüfung würde mindestens folgende Punkte berücksichtigen:

1. Den Einfluss des Placebo-Effekts.

2. Die Regression zur Mitte

Gerade bei chronischen Krankheiten gibt es häufig einen schwankenden Verlauf, wobei jede Besserung dem angewendeten Mittel gutgeschrieben wird, obwohl sie mit grosser Wahrscheinlichkeit einfach dem natürlichen Verlauf entspricht. Das ist der Regression-zur-Mitte-Irrtum.

3. Die Tatsache, dass die meisten Erkrankungen von selber bessern und dass im Einzelfall nicht zu unterscheiden ist, ob für eine Besserung der natürliche Verlauf (Selbstheilungskräfte) oder die therapeutische Intervention verantwortlich ist.

4. Die immer mögliche und häufig vorkommende (Selbst)Täuschung der Erfahrung.

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung

 

Naturheilkunde: Warum werden unsere Kranken eigentlich wieder gesund?

Warum wir gesund werden (Artikel in der Zeitschrift „Natürlich“)

 

In der Liste mit den Treben-Empfehlungen fallen vage Krankheitsbilder auf. Sie sind ein untrübliches Zeichen für fragwürdige, ungeklärte und unreflektierte Heilungsversprechungen. Beispiele: Gebärmutterbeschwerden, Hauterkrankungen, Knoten, Lymphdrüsenstörung, Nervenleiden, Schilddrüsenerkrankung, Nierenleiden, Wassersucht….

Es gibt beispielsweise ganz verschiedenartige Gebärmutterbeschwerden oder Schilddrüsenerkrankungen. Labkraut hilft in jedem Fall? Egal welche Ursache den Beschwerden zugrunde liegt? Kaum denkbar.

Und eine „Niereneiterung“ mit Labkraut behandeln zu wollen ist nicht nur abenteuerlich, sondern grob fahrlässig. Das gleiche gilt für „Hysterie“ – ganz abgesehen von der fragwürdigen Begrifflichkeit.

Es braucht meines Erachtens mehr kritische Auseinandersetzung bei diesen Themen – sonst werden Patientinnen und Patienten auf Holzwege geführt. Die ungeprüfte Weiterverbreitung von derart fragwürdigen bis fahrlässigen Empfehlungen im Internet oder in Kursen ist unverantwortlich.

Aber es ist natürlich vollkommen unattraktiv zu sagen, dass bezüglich der Wirksamkeit von Labkraut keine glaubwürdigen Erkenntnisse vorliegen. Das will im Grunde genommen kaum jemand hören. Viel toller ist es, wenn man eine Liste mit einer ganzen Reihe von schweren Erkrankungen präsentiert, bei denen Labkraut angeblich helfen soll. Das macht Eindruck…..

Aber fragen Sie sich selbst: Ist es Ihnen letztlich nicht lieber, wenn Sie reinen Wein eingeschenkt bekommen, als wenn Ihnen schöne Geschichten aufgetischt werden? – Es ist einfach die reifere Variante.

Untersucht wurden beim Echten Labkraut (Galium verum) im übrigen sehr wohl die Inhaltstoffe. Gefunden wurden dabei unter anderem Iridoide, Flavonoide (z. B. Rutin), Anthracenderivate, Kaffeesäureester (Chlorogensäure) und Enzyme (Labenzym).

Das Vorhandensein solcher Inhaltsstoffe sagt aber noch nichts Gesichertes darüber aus, ob damit auch eine Wirksamkeit beim Menschen erreicht werden kann.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Psyche und Krebsentstehung hängen nicht zusammen

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In den 1980er Jahren wurde noch ein Zusammenhang zwischen Krebs und Psyche postuliert. Heute sagt aber der Großteil der Wissenschaft: Nein, diesen Zusammenhang gibt es nicht.

Patricia Göttersdorfer, Vorstandsmitglied der österreichischen Plattform für Psychoonkologie, begleitet seit 15 Jahren als Psychologin Männer und Frauen mit der Diagnose Krebs. Fast immer tauche im Erstgespräch mit Krebskranken die Frage auf: Warum ich? Was habe ich falsch gemacht? Ihre Aufgabe sei dann klar zu stellen, dass Krebs zwar durch Lebensstil-Faktoren beeinflusst werden kann, also zum Beispiel ob jemand raucht oder nicht. Krebs habe aber keine rein psychischen Ursachen.

Göttersdorfer stellt klar: „Die Psyche ist nicht daran schuld, wenn Sie Krebs bekommen. Manche Krebserkrankungen sind allerdings schwer zu erklären, sind schwer greifbar zu machen. Menschen neigen in solchen Fällen dazu, sich Konstrukte zu basteln, um doch ein Erklärungsmodell für ihre Erkrankung zu finden. So unter dem Motto: Es gibt doch einen Zusammenhang zwischen Seele und Krebs! Und da muss man dann klar sagen: Nein, es ist nicht so!“

Die Suche nach einer Erklärung für die Krankheit öffne leider Tür und Tor für abstruse Behandlungsmethoden, bedauert Göttersdorfer.

Alles, was wir uns nicht erklären können, mache uns extrem hilflos. Das sei auch der Grund, warum Wunderheiler und Esoterikpraktiken so boomen oder weshalb Menschen immer wieder in Heilsversprechungen flüchten. Menschen nehmen manchmal sogar sehr weite Reisen auf sich – wie etwa nach Lourdes – um genau dieses Bedürfnis nach dem Sinn hinter der Krankheit zu befriedigen, sagt die Psychoonkkologin.

Einen Sinn für die Krebserkrankung gebe es jedoch wissenschaftlich betrachtet nicht, deshalb sei die Begleitung von Krebspatienten durch geschulte Mediziner so wichtig, allen voran durch Onkologen und durch Psychologen und Psychotherapeuten.

Psychoonkologie bietet Unterstützung

In Spitälern soll es geschultes Personal geben, das den Krebspatientinnen und -patienten hilft, die Krebserkrankung anzuerkennen als das, was sie ist. Dieses Anliegen vertritt die Psychoonkologie.

Patricia Göttersdorfer beschreibt das so:

„Wenn Menschen mit ihren Gedanken alleine gelassen werden und die Zeit des Grübelns beginnt, dann kommt der oder die Betroffene oftmals auf ganz unmögliche Zusammenhänge, also etwa dass der Brustkrebs durch eine schlechte Ehe verursacht sei, oder der Tumor durch eine schlechte Vaterbeziehung entstanden sei. Mit Hilfe von guten Gesprächen, das zeigt die Erfahrung, wird die Krebserkrankung für die Patienten erträglicher und klarer, und in Folge können sie besser damit umgehen.“

Aus den Köpfen der Menschen verschwinden müsse zudem endlich die Annahme einer „Krebspersönlichkeit“, sagt Göttersdorfer. Die Idee der „Krebspersönlichkeit“ wurde noch in den 1980iger Jahren postuliert. Sie nimmt an, dass bestimmte Menschen besonders anfällig für Krebs sind, doch gilt sie in der Wissenschaft inzwischen als widerlegt.

Patricia Göttersdorfer sagt dazu:

„Es gab und gibt ganz viele Studien, die zeigen, dass es keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und einer Krebserkrankung gibt. Es gibt maximal einen Zusammenhang zwischen der Art und Weise, wie ich lebe, und ob ich Krebs bekomme oder nicht. Aber auch das stimmt nicht immer: So gibt es Menschen, die ihr Leben lang rauchen und keinen Krebs bekommen, andere wiederum haben nie geraucht und bekommen ein Karzinom. Krebs ist nicht fair.“

Quelle:

http://science.orf.at/stories/1751043/

Kommentar & Ergänzung:

Wissenschaftlich ist die Vorstellung einer „Krebspersönlichkeit“ schon seit längerem vom Tisch.

In Esoterik und Alternativmedizin tauchen ähnliche Theorien aber immer wieder auf und führen nicht selten zu Schuldzuweisungen an Patientinnen und Patienten. Solche willkürlichen Ursachenunterstellungen können möglicherweise zwar ein Sinnangebot vermitteln, das aber hoch spekulativ ist und oft sehr destruktiv wirkt.

Eine konstruktive Begleitung bei Krebserkrankungen fokussiert sich dagegen darauf, die Lebensqualität der Kranken in der Gegenwart zu verbessern und einen möglichst guten Umgang mit der Krankheit zu finden – so wie es eine fundierte Psychoonkologie anstrebt.

„Krebs ist nicht fair“, sagt die Psychoonkologin, und spricht damit einen Aspekt an, der auch philosophisch ausserordentlich bedeutsam ist.

Es gibt diese Idee und diese Sehnsucht danach, dass Gesundheit und Krankheit, Glück und Unglück gerecht und fair verteilt sind.

Die Guten werden belohnt, die Schlechten bestraft – und wer sich richtig verhält, ist auf der sicheren Seite.

Nun ist es ja schon so, dass wir in mancherlei Bereichen Einfluss auf unsere Gesundheit nehmen können. Aber nicht vollständig. Auch mit dem gesündesten, besten Verhalten bleibt ein Risiko für Krankheit und Tod. Sochen möglichen Widerfahrnissen gegenüber sind wir immer auch mehr oder weniger ohnmächtig – ohne Macht also.

Das ist manchmal schwer auszuhalten und die Vorstellung, dass alles fair und gerecht zu und her geht, gibt uns scheinbar Einfluss zurück. Ich muss mich nur richtig verhalten, dann bin und bleibe ich geschützt vor Krankheiten und anderem Unbill.

Ohnmachtsgefühle werden dadurch gelindert, aber es kommen Schuld- und Versagensgefühle auf, wenn ich trotzdem krank werde oder bleibe.

Wir haben es also nicht selten mit einem Tauschhandel zu tun: Ohnmachtsgefühle werden getauscht gegen Schuld- und Versagensgefühle.

Schlimm wird es aber vor allem, wenn aussen stehende Personen kranken Menschen die Vorstellung überstülpen, dass Krankheit immer durch irgendwelche „Fehler“ ausgelöst und damit quasi „verdient“ sei. Das sind anmassende Unterstellungen – und sie kommen insbesondere in esoterischen Kreisen nicht selten vor. Das nennt sich dann oft absurderweise noch „ganzheitlich“……..

Mag sein, dass dieser Kommentar etwas hart tönt, aber ich bin wirklich entsetzt darüber, was ich an solchen Unterstellungen gegenüber von Patientinnen und Patienten immer wieder zu hören bekomme.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Der Gewöhnliche Teufelsabbiss (Succisa pratensis) ist die Blume des Jahres 2015

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Die Loki Schmidt Stiftung hat den Gewöhnlichen Teufelsabbiss (Succisa pratensis) zur Blume des Jahres 2015 gewählt (Pflanzenfoto auf Wikipedia).

Mit der „Blume des Jahres“ macht die Loki Schmidt Stiftung jeweils auch auf einen bedrohten Lebensraum hin.

Beim Teufelsabbiss sind das magere und offene Feuchtwiesen, Moore und Heiden.

Das Rhizom ( = Wurzelstock) des Gewöhnlichen Teufelsabbisses wird bis zu 50 cm tief und stirbt im Herbst von unten ab. Der Teufel soll die Wurzel jeweils von unten abbeissen, aus Zorn über ihre Heilkraft, sagt ein alter Volksglaube.

Quelle:

http://www.loki-schmidt-stiftung.de/downloads/blumen_des_jahres_pdfs/Blume_des_Jahres_2015.pdf

 

Kommentar & Ergänzung:

Teufelsabbiss enthält Saponine, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Stärke und Saccharose. Die Pflanze wurde in der traditionellen Volksheilkunde eingesetzt zur „Blutreinigung“, als Diuretikum, gegen Husten, Heiserkeit, Lungenerkrankungen, als Anthelmintikum (wurmwidriges Mittel), äusserlich bei Hauterkrankungen, Ekzemen, Geschwüren und Quetschungen.

Wie viele andere Pflanzen auch, wurde Teufelsabbiss früher gegen Pest empfohlen. Aber schon Tolstoi hat geschrieben: Wenn gegen eine Krankheit viele verschiedene Heilmittel empfohlen werden ist das ein Zeichen, dass sie unheilbar ist. Mit anderen Worten: Gegen Pest hat man früher in grosser Not einfach fast alles probiert, was greifbar war.

Keine dieser Indikationen ist aber bisher geklärt worden, so dass der Teufelsabbiss heute in der Phytotherapie nicht mehr zur Anwendung kommt.

Zum Anschauen in der Natur ist die Pflanze allerdings ausgesprochen hübsch, aber nicht häufig anzutreffen. Wenn Sie mehr Wildpflanzen und Heilkräuter in der Natur kennenlernen möchten, dann schauen Sie sich mal mein Programm 2015 für die Kräuterwanderungen an.

Botanisch gehört der Teufelsabbiss zur Pflanzenfamilie der Kardengewächse (Dipsacoideae), zu der auch die Witwenblumen, die Skabiosen und die Karden zählen.

Teufelsabbiss blüht erst spät im Jahr (Juli bis September) und wird von Bienen, Schmetterlingen und Fliegen bestäubt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Psychiater warnen vor Suizidbeihilfe bei Depressionen

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Psychiater warnen vor einem zu liberalen Kurs in der Frage um ärztliche Beihilfe zum Suizid. Denn auch Menschen mit schweren Depressionen wollen ihr Leben manchmal mit ärztlicher Hilfe beenden. Suizid sei häufig Folge einer psychiatrischen Erkrankung, sagte Prof. Wolfgang Maier, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN), der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

Viele Menschen, die in der Krankheit einen Suizid ausführen wollten und dann davon abgehalten wurden, verwerfen diesen Todeswunsch nach der Gesundung, erklärt Maier.

Das Selbsterleben von Menschen in einer Depression oder schweren Psychose sei sehr eingegrenzt, hoffnungslos und nihilistisch. Aber der Erkrankte erlebe das als Realität und nicht im Bewusstsein, dass dies die Krankheit mit ihm mache. Deshalb müssten Dämme gebaut und assistierte Suizidsituationen bei Menschen, die psychisch krank sind, abgewendet werden, unterstreicht Maier.

Anders sei die Situation bei unheilbaren, in naher Zukunft unabwendbar zum Tode führenden Krankheiten, die mit starken körperlichen Leiden einhergehen. Es sei aber dennoch unsere gesellschaftliche Aufgabe, dass wir die Vorstellung, die Menschen von einem Leben jenseits ihrer derzeitigen Lebensrealität haben, nicht vorschnell als würdelos verurteilen. Studien zu Demenz etwa hätten ergeben, dass auch Menschen, die zuvor in Patientenverfügungen festgelegt hätten, dass sie in Abhängigkeit und bei Verlust der kognitiven Leistungen nicht weiterleben wollten, in der Demenz ihr Tun und ihre erlebte Freude nicht mehr als würdelos empfanden.

Angesichts einer alternden Gesellschaft werde das Thema noch an Gewicht gewinnen, betont Maier: Herzinfarkte und andere rasch zum Tod führende Erkrankungen werden seltener. Das Leben am Lebensende werde künftig also mit einer längeren Zeit der Abhängigkeit verbunden sein.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=55335

 

Kommentar & Ergänzung:

Ein komplexes Thema. Psychisch kranke Menschen wenden manchmal ein, dass sie gegenüber körperlich kranken benachteiligt werden, wenn sie die Möglichkeit ärztlicher Beihilfe zum Suizid nicht auch in Anspruch nehmen können. Und es ist zu mindestens nachvollziehbar, dass Betroffene das so sehen können. Aber es ist eben auch nicht von der Hand zu weisen, wovor Prof. Wolfgang Maier warnt: Bei Depressionen kann ein starker Suizidwunsch als Teil der Krankheit auftreten und dann wäre es verheerend, mit assistiertem Suizid „nachzuhelfen“. Denn meistens ist der Suizidwunsch weg, wenn die Depression überwunden ist.

Wichtig ist aber auch das Thema, das Wolfgang Maier am Schluss anschneidet: Wie gehen wir – als Einzelne und als Gesellschaft – mit Abhängigkeit um.

Und wie lassen sich Bedingungen sichern, die ein menschenwürdiges Altwerden gestatten. Wenn ältere Menschen sich Gedanken machen, ob sie ihrem Leben mit assistiertem Suizid ein Ende setzen sollen, weil sie niemandem zur Last fallen wollen, dann muss das sehr zu denken geben. Ein ökonomischer Druck hin zu assistiertem Suizid ist nicht hinnehmbar.

Und es braucht selbstverständlich ein gutes Angebot im Bereich Palliative Care als Alternative zum assistierten Suizid.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Magnesium gegen Wadenkrämpfe wirksam?

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Etwa jeder dritte Erwachsene kennt nächtliche Wadenkrämpfe aus eigener Erfahrung, bei Betagten ist es sogar jeder zweite. Wadenkrämpfe treten scheinbar ohne erkennbare Ursache auf, manchmal aber auch nach ungewohnter Muskelarbeit oder nach Elektrolyt- und Wasserverlust (Dehydration).

Wer unter Wadenkrämpfen leidet, wird eher früher als später den Tipp bekommen, es doch mit Magnesium zu versuchen. In korrekter Dosierung sind Magnesiumsalze in der Regel gut verträglich – sie können allenfalls den Stuhl weich machen und in höherer Dosierung zu Durchfall führen.

Schwieriger zu beantworten ist die Frage, ob Magnesiumsalze auch wirksam sind gegen Wadenkrämpfe.

Wadenkrämpfe sind kurz andauernde unwillkürliche Muskelkontraktionen, die häufig nachts und häufig bei älteren Menschen auftreten, unangenehm und schmerzhaft sind und den Schlaf stören. Die Ursache nächtlicher Wadenkrämpfe ist oft unklar, die Beschwerden sind aber gutartig.

Tritt das Problem häufiger auf, ist eine ärztliche Untersuchung sinnvoll, weil es verschiedene Ursachen gibt, die das Auftreten von Wadenkrämpfen begünstigen können. Beispielsweise (Quelle: Pharmawiki):

Chronisch-venöse Insuffizienz, bei Frauen in der Schwangerschaft (häufig!), Urämie, Diabetes mellitus, Vergiftungen, Schilddrüsenerkrankungen, Dialyse, Elektrolytstörungen (Hypomagnesiämie, Hypocalciämie, Hyponatriämie, Hypokaliämie), Gefässerkrankungen, neuromuskuläre Erkrankungen, Medikamente (z. B. Diuretika, Nifedipin, Morphin, H2-Antihistaminika, SERM, Statine, Lithium, Beta2-Sympathomimetika).

Die ärztliche Untersuchung soll also feststellen, ob eine Krankheit, Mangelzustände oder Medikamente die Wadenkrämpfe verursachen. Zudem sollen Krankheiten ausgeschlossen werden, die ähnliche Symptome hervorrufen (Z. B. Restless-Legs-Syndrom, Neuropathien).

Aber wie schon erwähnt: In den meisten Fällen ist keine klare Ursache festzustellen. Dann stellt sich die Frage, ob ein Versuch mit Magnesiumsalzen sinnvoll ist.

Dazu gibt es ein paar kleinere Studien, doch nur bei schwangeren Frauen zeigen Magnesiumverbindungen in einem Teil der Studien bessere Wirkung als Placebo. Ausserhalb von Schwangerschaft ist eine Überlegenheit gegenüber Placebo nicht belegt.

Angesichts der sehr verbreiteten Empfehlung magnesiumhaltiger Präparate bei Wadenkrämpfen ist die Studienlage also ziemlich desolat.

Fragwürdig ist auch die oft anzutreffende Empfehlung von Schüssler Salzen wie Magnesium phosphoricum D6 (Schüsslersalz Nr. 7)  bei Wadenkrämpfen. Da steht zwar Magnesium phosphoricum drauf, doch weil das Magnesiumsalz 1 : 1 Mio mal verdünnt ist enthalten die Präparate kein Magnesium als Wirkstoff. Nach den Berechnungen einer Schüssler-Salz-Herstellerin braucht es 193 kg Schüsslersalz Nr. 7 Magnesium phosphoricum, um gleich viel Magnesiumionen aufzunehmen wie in einem Liter Mineralwasser enthalten sind (siehe dazu hier).

Allerdings erklären sich die Schüsslersalz-AnhängerInnen die Wirkung des nichtvorhandenen Magnesiumphosphats anders:

„Die Schüßler-Salze verhelfen – vereinfacht ausgedrückt – im Sinne einer Information die für den Menschen wichtigen Mineralstoffe dorthin zu leiten, wo sie benötigt werden. Das Schüßler-Salz Magnesium phosphoricum hilft also, das über die Nahrung aufgenommene Magnesium besser zu verwerten. Magnesium phosphoricum D6 ist das Schüßler- Salz gegen Krämpfe aller Art, vor allem aber auch gegen Wadenkrämpfe.“

Quelle des Zitats: http://burgenland.orf.at/radio/stories/2542446/

 

Das ist eine schöne, aber völlig faktenfreie Behauptung. Es gibt keinerlei konkrete Hinweise dafür, dass Schüsslersalze die Mineralstoffe dorthin leiten, wo sie gebraucht werden. Es handelt sich hier um eine dogmatische Setzung, die in der „Szene“ nicht in Frage gestellt wird, und die man glauben kann oder nicht. Zur Wirksamkeit von Schüsslersalzen gibt es keine Studien. Da diese Präparate vom Wirksamkeitsnachweis befreit sind, brauchen die Hersteller nicht in Forschung zu investieren.

Und warum berichten AnwenderInnen von „konventionellen“ und „schüsslerischen“ Magnesiumpräparaten dann von Besserungen?

Dafür dürften eine ganze Reihe von Faktoren verantwortlich sein: Placeboeffekt, anderweite Einflüsse (Lebensweise? Ernährung?) natürliche Schwankungen in der Intensität der Beschwerden.

Die Schlussfolgerung, dass eine spezifische Wirksamkeit der Präparate für die Besserung verantwortlich ist, dürfte wohl auf einem Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss beruhen.

Ausserdem:

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Dazu kommt noch eine selektive Berichterstattung, wie sie schon Georg Christoph Lichtenberg (1792 -1799) beschrieben hat:

„Wenn man einmal Nachrichten von Patienten gäbe, denen gewisse Bäder und Gesundheitbrunnen nicht geholfen haben, und zwar, mit eben der Sorgfalt, womit man das Gegenteil tut, es würde niemand mehr hingehen, wenigstens kein Kranker.“

(aus: Aphorismen, Sudelbücher Heft K, 262)

Zudem haben solche Präparate den Vorteil, dass sie uns aus der Ohnmacht herausholen: Man kann etwas tun. Allein das schon bewirkt eine veränderte Wahrnehmung der Beschwerden und verschafft oft Erleichterung. Und das ist nicht nichts.

Was darüber hinaus bei Wadenkrämpfen noch bleibt sind unspektakuläre Tipps zur nicht-medikamentösen Behandlung:

„Im akuten Anfall kann der Fuss rückwärts in Richtung Schienbein gebeugt werden. Auch Kühlen oder Wärmen, Massieren und Umhergehen hilft. Ob Stretching eine zuverlässig vorbeugende Wirkung hat, ist umstritten. Es kann im akuten Anfall die Beschwerden lindern. Es wurde empfohlen, so zu schlafen, dass der Fuss wie beim Stehen im rechten Winkel zum Bein steht, zum Beispiel durch Anlehnen an den Bettrahmen.“

Quelle des Zitats: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Naechtliche_Wadenkraempfe

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Heilpflanzen von Maria Treben gegen Tumore?

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Ich werde immer wieder mal gefragt, was ich von den Heilkräutern halte, die Maria Treben gegen Tumore empfiehlt.

Daher soll es hier wieder einmal gesagt sein:

Die Empfehlungen von Maria Treben gegen Krebs entbehren jeder Grundlage.

Maria Treben (1907 – 1991) ging davon aus, dass sich jede Krankheit mit Heilpflanzen heilen lässt. Das ist ein fundamentaler Irrtum. Heilpflanzen haben eine ganze Palette von sinnvollen Anwendungsbereichen, doch haben sie auch ihre Grenzen. Wer diese Grenzen wie Maria Treben ausblendet, läuft in eine riskante Richtung und gefährdet das Leben von Patientinnen und Patienten.

Das Tumorzentrum der Universitätsklinik Freiburg schreibt mit gutem Grund:

„Treben behauptet, mit Hinweis auf Sebastian Kneipp, dass “das Zinnkraut jeden gut- oder bösartigen Tumor zum Stillstand bringt und ihn langsam auflöst”. Weitere “Wundermittel” sind Schwedenkräuter, intern oder als Umschlag angewendet, Spitz- oder Breitwegerichbrei, Ringelblumensalbe und vieles anderes. Gegenüber den “Ratschlägen und Erfahrungen mit Heilkräutern” der Maria Treben ist Skepsis und Zurückhaltung geboten. Einer vernünftigen zusätzlichen Anwendung solcher Präparate ist nichts entgegenzuhalten, zum Beispiel dem Einreiben einer Operationsnarbe nach Mastektomie mit Ringelblumensalbe. Gefährlich sind Ratschläge, primär gut operable und damit heilbare Tumoren zuerst versuchsweise mit Kräutern zu behandeln, z. B. Hodenkrebs mit Spitzwegerichumschlägen. Damit geht bei diesem heute heilbaren Tumor viel Zeit und möglicherweise die Heilungschance verloren.“

Quelle:

http://www.uniklinik-freiburg.de/fileadmin/mediapool/09_zentren/cccf/pdf/Broschüren/Final-Patientenratgeber_Komplementäre_Verfahren.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Nicht alles glauben, was über Wirkungen von Heilpflanzen erzählt und geschrieben wird. Wie man kritisch nachfragt und Aussagen und Versprechungen auf ihren Gehalt hin prüft, können Sie in meinen Lehrgängen lernen (Heilpflanzen-Seminar, Phytotherapie-Ausbildung).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Cannabis als Arznei

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Das Kölner Verwaltungsgericht hat vor kurzem entschieden, dass chronische Kranke (z. B. Schmerzpatienten) in Ausnahmefällen künftig für den therapeutischen Eigenbedarf Cannabis bei sich zu Hause anbauen dürfen. Die erfolgreichen Kläger in diesem Verfahren nehmen die Cannabis zur Schmerzlinderung –was eines der Hauptanwendungsgebiete dieser Pflanze in der Medizin ist.

Cannabis hat aber eine ganze Reihe von nützlichen Wirkungen, durch welche die Pflanze aus medizinischer Sicht interessant wird.

Cannabis soll Schmerzen lindern, den Appetit fördern, Übelkeit oder Brechreiz entgegenwirken, Krämpfe und Muskelverspannungen (Spastik) lösen und die Stimmung verbessern.

Die Datenlage für die meisten Anwendungen sei dünn, schreibt Spiegel online in einem Überblick. Wissenschaftler beklagen zum Teil, dass der Goldstandard der medizinischen Studie, der doppelblinde placebokontrollierte Versuch, häufig bereits daran scheitert, dass man die Patienten schlecht „verblinden“ kann. Sie merken eben, ob sie nur ein Placebo bekommen oder eine auf das Bewusstsein wirkende Droge. Cannabis als Heilpflanzen ist zudem nicht sehr interessant für die Forschung, weil man sie nicht patentieren kann, Darum fliest nicht viel Geld in diese Forschung und die Studien sind eher klein und damit nur beschränkt aussagekräftig. Die meisten Studien werden zudem mit isolierten Inhaltsstoffen wie THC und / oder Cannabidiol durchgeführt und nur wenige mit dem „ganzen“ Cannabis. Cannabis enthält aber eine vielfältige Palette an Inhaltsstoffen und es gibt Patienten, denen das ganze Kraut besser hilft als isoliertes THC.

Dass Cannabis den Appetit steigert, ist schon lange bekannt. Dieser Effekt kann – verbunden mit der Reduktion des Brechreizes – hauptsächlich für Krebspatienten segensreich sein, die unter einer belastenden Chemotherapie abmagern.

Auch Aids-Patienten können von der appetitanregenden und Übelkeit hemmenden Wirkung profitieren, da ihre Krankheit oft mit Gewichtsverlust einhergeht. Darüber hinaus könnte ihren die stimmungsaufhellende Wirkung von Cannabis helfen. In einer Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration von 2013 stellen Wissenschaftler allerdings fest, dass Langzeituntersuchungen fehlen.

Quelle:

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD005175.pub3/abstract

Da Cannabis Spastiken vermindert, wird es zudem bei Multipler Sklerose angewendet und kann die Bewegungsfähigkeit der Betroffenen wieder verbessern. Das Fortschreiten der Krankheit kann die Pflanze jedoch nicht verlangsamen. Die Behandlung ist ausschliesslich symptomatisch. Allerdings kann Cannabis auch die mit der Krankheit auftretenden Schmerzen reduzieren.

Es gibt eine Reihe weiterer Krankheiten, bei denen Cannabis angewendet werden kann, darunter das Tourette-Syndrom. Viele Betroffene berichten über eine Abnahme der störenden Tics, schreibt Spiegel online. Auch beim Glaukom (Grüner Star) könne Cannabis oder einzelne Inhaltsstoffe helfen, indem sie den Augeninnendruck reduzieren, der bei dieser Krankheit nach und nach den Sehnerv zerstört. Dieser Effekt trete aber nicht bei allen Betroffenen auf. Und weil Cannabis die Bronchien weite, könne es auch für Menschen mit Asthma nützlich sein – allerdings nicht als Joint, der geraucht wird.

Quelle:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/cannabis-bei-krebs-ms-oder-aids-kann-die-droge-helfen-a-982282.html

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/medizinisches-marihuana-notloesung-aus-dem-blumentopf-1.2059898

Kommentar & Ergänzung:

Zum Entscheid des Kölner Verwaltungsgericht und zur Situation betreffend der legalen Anwendung von Cannabis als Arznei in der Schweiz siehe hier:

Gericht erlaubt Schmerzpatienten Eigenanbau von Cannabis

Zum Thema Cannabis bei Glaukom habe ich vor einiger Zeit mit einem Augenarzt gesprochen, der sich intensiv mit Phytotherapie in der Augenheilkunde befasst hat (und heute allerdings nicht mehr praktiziert). Aussage: Für eine relevante Wirkung brauche es hohe Dosierungen und zwar geraucht, weil der Wirkstoff so rascher in den Körper gelangt und dieser starke Initialimpuls offenbar nötig ist, um den Augeninnendruck zu senken. Peroral – also über den Verdauungstrakt appliziert – steigt der Spiegel langsamer, was offenbar nicht ausreichend sein soll.

Wenn das stimmt, scheint mir die Anwendung von Cannabis bei Glaukom nicht sehr sinnvoll, da es zu diesem Zweck ja eine Langzeitanwendung braucht. Und eine Langzeitanwendung von Cannabis in höheren Dosen und dann noch als Joint? – Da dürften die üblichen augenmedizinischen Augeninnendrucksenker sinnvoller sein.

Gegen die Spastik, zum Beispiel bei Multipler Sklerose, oder zur Linderung von Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen bei Krebserkrankungen bzw. Krebstherapien, halte ich die Anwendung für plausibel bei Patientinnen und Patienten, die gut darauf ansprechen.

Siehe auch:

Cannabis-Eigenanbau: Pharmazeutische Bedenken

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Malaria-Forschung: Afrikanische Heilpflanzen im Fokus

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Die überwiegende Mehrzahl der gegenwärtigen Malaria-Therapien basiert auf dem Wirkstoff Artemisinin, einem Pflanzenstoff, der in den Blüten und Blättern des Einjährigen Beifußes (Artemisia annua) vorkommt. Immer mehr Malaria-Parasiten sind jedoch resistent gegen Artemisinin.

Die Resistenz der Malaria-Parasiten gegen Artemisinin breitet sich in Südostasien immer stärker aus und einiges spricht dafür, dass sie auch Südamerika bereits erreicht hat. In Afrika könnte es in wenigen Jahren soweit sein, dass Artemisinin seine Wirksamkeit gegen Malaria-Parasiten verliert.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Veterinärmedizinischen Universität Wien, der Medizinischen Universität Wien und der Universität Ouagadougou in Burkina Faso erforschen in einem gemeinsamen Projekt Heilpflanzen aus der traditionellen afrikanischen Medizin, die bei Malaria eingesetzt werden.

Sie gehen davon aus, dass die Resistenzentwickklung in spätestens fünf Jahren soweit ist, dass es neue Medikamente braucht, die auf einem anderen Wirkstoff als Artemisinin basieren.

Aline Lamien Meda aus Burkina Faso, die an der Vetmeduni Vienna im Rahmen eines APPEAR-Projekts (Austrian Partnership Programme in Higher Education and Research for Development) an der Entwicklung eines Arzneibuchs traditioneller Malariamedikamente arbeitet, untersucht gemeinsam mit Harald Nödl, Malaria-Experte der MedUni Wien, rund 50 Pflanzen und Kräuter, die in der traditionellen afrikanischen Medizin bei Malaria angewendet werden, auf ihre Wirksamkeit und ihr mögliches Potenzial als Malaria-Medikament. Bei einigen dieser Kräuter sei bekannt, dass sie die Symptome der Malaria bekämpfen, nicht aber, ob sie den Malaria-Parasiten wirkungsvoll bekämpfen können, sagt Nödl.

Untersucht wird die Wirksamkeit im Labor an gezüchteten Malaria-Parasiten. Es sei zu erwarten, erklärt Nödl, dass nur eine Handvoll der untersuchten Pflanzen für eine sinnvolle, kommerzielle Verwendung in der Malaria-Therapie geeignet ist.

 

Täglich 2000 Malaria-Opfer

Täglich sterben rund 2000 Menschen an Malaria (total etwa 655 000 jährlich), einer Krankheit, die hauptsächlich mit Armut assoziiert ist. Die meisten Opfer fordert Malaria in Afrika und hier vor allem unter den Schwächsten, den Kindern. In den meisten Fällen verläuft die Krankheit ohne Komplikationen, wenn sie rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Kommt es allerdings zu Komplikationen, ist die Sterblichkeit nach wie vor extrem hoch. Malaria ist auch heute noch, hauptsächlich in Afrika, Asien und Lateinamerika, eine der häufigsten Todesursachen von Kindern unter fünf Jahren.

Quelle:

http://www.meduniwien.ac.at/homepage/news-und-topstories/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=4711&cHash=96e5436e4a284f425834c7d392f9807f

Kommentar & Ergänzung:

Die Malaria-Forschung verdient und braucht angesichts der weltweiten gesundheitlichen und ökonomischen Bedeutung dieser Krankheit hohe Priorität. Von Malaria sind vor allem arme Menschen betroffen, die über wenig Kaufkraft verfügen. Für Pharmakonzerne ist das kein attraktiver Markt. Ökonomisch lohnt es sich für diese Firmen viel mehr, in die Forschung zu investieren bei Krankheiten der Reichen, obwohl dies vergleichsweise weniger dringlich ist. Als Reaktion auf die mangelnde finanzielle Unterstützung der Malaria-Forschung hat Bill Gates 2005 angekündigt, dass er zu diesem Zweck 258,3 Millionen Dollar zur Verfügung stellen werde.

Zu Artemisinin siehe auch:

Malaria: Artemisia-Pflanze möglicherweise wirksamer als isoliertes Artemisinin

 

Heilpflanzen der traditionellen afrikanischen Medizin

Dass nun in Wien Malariapflanzen der traditionellen afrikanischen Medizin untersucht werden, ist sehr sinnvoll. Tradition irrt sich zwar auch oft – siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

Doch gibt es immer wieder auch überzeugende Beispiele für Heilpflanzen-Anwendungen, die auf traditioneller Erfahrung basieren.

Der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) mit seinem Inhaltsstoff Artemisinin gehört dazu.

Wenn nun traditionelle Heilpflanzen aus Afrika auf ihre Eignung zur Malariabehandlung untersucht werden, so bleibt zu hoffen, dass daraus nicht ein weiteres Beispiel für Biopiraterie entsteht. Unter Biopiraterie versteht man die kommerzielle Weiterentwicklung natürlich vorkommender biologischer Materialien, wie zum Beispiel pflanzliche Substanzen oder genetische Zelllinien, durch ein technologisch fortgeschrittenes Land oder eine Organisation ohne eine faire Entschädigung der Länder bzw. Völker, auf deren Territorium diese Materialien ursprünglich entdeckt wurden.

(Siehe Wikipedia-Artikel Biopiraterie)

Die schwierige Lage bezüglich Malariabehandlung – zum Beispiel die mangelnden finanziellen Ressourcen, die desolaten Gesundheitssysteme – schaffen ideale Bedingungen für Scharlatane aller Art, die simple Lösungen für anspruchsvolle Probleme anpreisen.

Forschung ist dazu ganz und gar unnötig. Es reicht Selbstüberschätzung, Verblendung und eine gehörige Portion Dreistigkeit. Beispiele dafür gibt es zuhauf: Manche Homöopathinnen und Homöopathen, die zur Vorbeugung und Behandlung von Malaria Globuli empfehlen und damit Leben und Gesundheit von Menschen aufs Spiel setzen – zum Beispiel die unsäglichen „Homöopathen ohne Grenzen“, aber auch Jim Humbel mit seinem vermeintlichen Wundermittel MMS (Miracle Mineral Supplement), das neben Malaria gleich auch noch Krebs, Autismus, AIDS, Tuberkulose, Demenz und vieles andere mehr heilen soll – eine ziemlich grosse Aufgabe für ein Präparat, das ganz simpel aus dem Bleich- und Desinfektionsmittel Natriumchlorit besteht.

Siehe dazu auch:

Artikel zu Miracle Mineral Supplement im Verbraucherschutzportel Psiram.

Warnung vor Miracle Mineral Supplement (MMS) 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

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