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Storchenschnabeltinktur zur Aktivierung des Lymphflusses?

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Ich höre immer wieder einmal den Hinweis, dass Storchenschnabeltinktur (aus Geranium robertianum) den Lymphfluss aktivieren soll.

Es gibt allerdings keinerlei auch nur ansatzweise plausible Argumente für eine solche Wirkung. Keine Studien, keine Wirkstoffe im Storchenschnabel, die eine solche Wirkung nahelegen würden, rein gar nichts.

Allfällige Anekdoten, wonach es Menschen nach Einnahme von Storschenschnabeltinktur besser gegangen wäre, können nicht aussagekräftig sein.

Anekdoten können nicht belegen, dass eine Besserung durch die Storchenschnabeltinktur und durch Aktivierung des Lymphflusses zustande gekommen ist.

Es spricht sehr viel dafür, dass diese Empfehlung der Fantasie eines Herstellers von Storchenschnabeltinktur entsprungen ist, der damit Werbung für seine Produkte macht.

Ich bin immer wieder beeindruckt, wie unkritisch solche faktenfreie Heilungsversprechungen auch von manchen Drogerien und Apotheken weiterverbreitet werden. Hauptsache, man hat etwas anzubieten.

Für Konsumentinnen und Konsumenten ist es meiner Ansicht nach wichtig sich klar zu machen, dass nicht unbedingt diejenigen Anbieter am seriösesten sind, die für jedes gesundheitliche Problem eine Lösung versprechen. Es ist eher ein Zeichen für Seriosität, wenn ein Anbieter auch Grenzen seiner Methoden sichtbar macht.

Wenn zu einem Anwendungsbereich einer Heilpflanze keine Belege und Studien vorliegen, heisst das allerdings nicht sicher, dass keine Wirkung vorhanden ist. Vielleicht hat sich ja einfach niemand um Belege und Studien gekümmert.

Das bedeutet aber nicht, dass im Gegenzug jede willkürliche Behauptung wahr ist. Ein paar handfeste und glaubwürdige Argumente müsste ein Hersteller schon liefern, wenn er sein Produkt für eine bestimmte Indikation verkaufen will. Solche Argumente fehlen komplett, wenn es um die Wirksamkeit von Storchenschnabeltinktur zur Aktivierung des Lymphflusses geht.

Gäbe es solche Argumente, wäre Storchenschnabeltinktur für diesen Anwendungsbereich schon längst in der Phytotherapie-Fachliteratur aufgetaucht und würde dort empfohlen oder zu mindestens diskutiert.

Wer Heilpflanzen anwenden will tut gut daran, sich fundierte Kenntnisse anzueignen, sich einen kritischen Blick anzugewöhnen und nicht jede Versprechung unbesehen zu glauben.

Hier dazu ein paar Beiträge:

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung

Naturheilkunde: Sorgfältig prüfen lernen

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Naturheilkunde: Woran erkennen sie fragwürdige Aussagen?

 

 

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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Wissenschaftler wollen von Heilern in Afrika lernen

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Forscher der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen zu diesem Zweck deren medizinisch genutzte Pflanzen.

Untersucht werden sollen Pflanzen aus Äthiopien, Botswana und Tansania mit dem Ziel, Aids, Tuberkulose und Wurmerkrankungen zu bekämpfen. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung über vier Jahre mit 800.000 Euro gefördert, beteiligt sind auch Hochschulen und Unternehmen in Afrika.

Projektleiter Peter Imming vom Institut für Pharmazie der Uni Halle erklärt dazu:

«Wir wollen ökologisch gefährdete, therapeutisch wirksame und kommerziell nutzbare Pflanzen zunächst identifizieren und schließlich kultivieren. Unser Ziel ist, wissenschaftlich zu begründen, welche Inhaltsstoffe für die Wirkung der Arzneipflanzen verantwortlich sind.»

Wenn sich die gewünschten Arzneipflanzen tatsächlich kultivieren lassen, wollen die Forscher sie für den kommerziellen Anbau in den afrikanischen Partnerländern empfehlen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68916

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Forschungsprojekte sind auch für die Phytotherapie in Europa interessant, hat sie doch immer wieder Arzneipflanzen aus anderen Weltgegenden in ihre Behandlungskonzepte integriert, wenn entsprechende Wirkungen zu erwarten sind.

Beispiele dafür sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie) aus Afrika,

Ginseng, Ginkgo, Curcuma (Gelbwurz) und Indischer Weihrauch aus Asien,

Echinacea, Hamamelis (Zaubernuss) und Traubensilberkerze (Cimicifuga) aus Nordamerika,

Passionsblume, Cayennepfeffer und Ratanhia aus Südamerika.

Die traditionelle Pflanzenheilkunde – ob in Afrika, Europa oder sonstwo – bringt wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen mit, enthält aber auch immer wieder Irrtümer, die sich über Jahrhunderte hartnäckig halten können.

Nötig im Umgang mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist daher eine offene, interessierte, aber zugleich auch kritisch-prüfende Grundhaltung.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ingwertee als „Energiebooster“?

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Ingwer scheint gerade sehr im Trend zu liegen. Laufend treffe ich auf Empfehlungen, wozu Ingwer alles gut sein soll. Tatsächlich ist Ingwer ein interessantes Gewürz und eine wirksame Heilpflanze. Aber wie so oft bei derartigen Hypes kommen die Empfehlungen manchmal etwas schwammig und übertrieben daher.

Auf Focus online hat gerade ein Gesundheitsexperte Ingwer empfohlen. Schauen wir uns das etwas genauer an:

„Mit Ingwertee können Sie ganz ohne Koffein fit in den Tag starten……

Die Wurzel verfeinert nicht nicht nur Ihr Essen, sondern kurbelt Ihren Stoffwechsel an, lindert Halsschmerzen und hilft bei Magen und Darmbeschwerden. Probieren Sie doch mal Ingwertee. Schneiden Sie dazu den Ingwer in dünne Scheiben und geben diese anschließend in heißes Wasser…….

Egal, ob Sie den Ingwertee am Morgen als Kaffeeersatz oder als Energie Booster unterm Tag trinken: Sie tun Ihrem Körper etwas Gutes. Die scharfe Wurzel beruhigt Ihren Bauch und hilft bei Durchfall und Magenbeschwerden.

Wenn das noch nicht genug wäre, wirkt Ingwer zudem noch antiseptisch. Kratzt es Ihnen im Hals, empfiehlt es sich deshalb auf einem kleinen Stück Ingwer zu kauen.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/videos/ingwertee-darum-sollten-sie-ihn-vor-dem-fruehstueck-trinken_id_6867281.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Energiebooster – das tönt wirklich stark. Energiebooster ist ein trendigerer Ausdruck für Energydrink. Das sind Getränke, die wach machen und dem Organismus Energie zuführen oder Energiereserven mobilisieren sollen. Das machen sie in der Regel mit viel Koffein und viel Kohlenhydraten (insbesondere Zucker). Ingwertee – sofern ungesüsst getrunken – führt kaum Kohlenhydrate zu und enthält weder Koffein noch koffeinähnlich wirkende Inhaltsstoffe.

Pharmakologisch ist von Ingwertee keine „Energiebooster“-Wirkung zu erwarten, wobei aber auch fraglich ist, ob all die vermarkteten Energie-Booster-Präparate ihre Versprechungen erfüllen können. In Vergleich zu diesen oft wenig glaubwürdig zusammengesetzten Energydrinks ist Ingwertee wohl immerhin die gesündere Variante.

Vorstellen kann ich mir beim Trinken von Ingwertee am Morgen einen sinnlich-psychologischen Wachmacher-Effekt. Ingwer enthält Scharfstoffe. Auf der sensorischen Ebene könnte dadurch ähnlich wie bei Kräutertees mit hohem Bitterstoffgehalt die Aufmerksamkeit geweckt werden im Sinne von „Was kommt denn da?“ – während der Organismus auf irgendeine fade Flüssigkeit kaum reagieren wird.

Sehr eigenartig ist die Vorstellung, dass Ingwertee den Stoffwechsel ankurbeln soll. Aber auch das tönt natürlich toll…

Der Stoffwechsel, das ist die Gesamtheit der chemischen Prozesse in einem Lebewesen.

Den Stoffwechsel kann man einteilen in katabole Reaktionen, welche durch den Abbau von chemisch komplexen Nahrungsstoffen zu einfacheren Stoffen Energie liefern (Katabolismus), und anabole Reaktionen, welche unter Energieverbrauch körpereigene Stoffe aus einfachen Bausteinen aufbauen (Anabolismus).

Wenn Ingwertee nun einfach generell den Stoffwechsel ankurbelt, werden alle chemischen Prozesse in Organismus beschleunigt. Wollen wir wetten, dass das nicht gut ausgeht?

Hier müsste nachgefragt werden, welche Prozesse genau durch Ingwer angekurbelt werden, doch ist eher unwahrscheinlich, dass auf diese Frage eine fundierte Antwort kommt. Solche wohlklingenden Ausdrücke wie „Energie Booster“ oder „kurbelt Ihren Stoffwechsel an“ leben davon, dass sie vage und dadurch kaum zu fassen sind.

Dass viele Menschen Ingwer bei Halsschmerzen oder anderen Erkältungskrankheiten als wohltuend empfinden, ist schon seit langem bekannt. Wie diese Wirkung zustande kommt, ist nicht wirklich geklärt. Im Labor wirken Ingwer-Wirkstoffe antibakteriell und antiviral, aber ob diese Wirkungen auch beim Trinken von Ingwertee im Mund-Rachenraum zustande kommen, kann daraus nicht mit Sicherheit geschlossen werden. Durch die Erregung der Wärmerezeptoren in der Mundschleimhaut wird ein Hitzegefühl ausgelöst und vermutlich reflektorisch die Speichelsekretion angeregt. Diese Wirkungen entstehen durch die Scharfstoffe und könnten zum wohltuenden Effekt eines Ingwertees bei Erkältungen beitragen.

Dass Ingwer gegen Durchfall helfen soll ist eine ungewöhnliche Empfehlung, die in der Phytotherapie-Fachliteratur nirgends vorkommt, und die Empfehlung bei Magenbeschwerden und Darmbeschwerden ist vage. Das kann fast alles umfassen, was im Verdauungstrakt schiefläuft. Hier wären präzisere Angaben wünschenswert.

Ingwer fördert den Speichelfluss, die Magensaftsekretion und den Gallenfluss. Daraus kann eine verdauungsfördernde Wirkung gegen Völlegefühl abgeleiteet werden, was gut zur Verwendung als Gewürz passt. In der Phytotherapie am besten untersucht und am häufigsten empfohlen ist allerdings die Anwendung von Ingwerwurzel-Pulver zur Vorbeugung von Reisekrankheit. Ob Ingwertee hier auch eine Wirkung zeigt, ist ungeklärt. In den Experimenten zeigten vor allem lipophile Inhaltsstoffe diese Wirkung, während ein wässriger Ingwer-Extrakt versagte.

Zu diskutieren wäre die Angabe, dass Ingwer den Bauch beruhigt. Immerhin steigert Ingwer den Tonus und die Peristaltik im Darm. Da könnte man eher daraus schliessen, dass Ingwer den Bauch „wach“ macht.

Wie vielfältig Ingwer als Heilpflanze ist, zeigt folgende Ausstellung:

Öko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als gut bewertet

Ingweröl gegen Erbrechen?

Ingwer – wie eine tolle Heilpflanze unseriös als Wundermittel gegen Krebs vermarktet wird

 

Metaanalyse: Ingwer reduziert Menstruationsschmerzen

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

 

 

Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

 

Schwangerschaftsübelkeit: Ingwer, Frischluft und Vitamin B6

Ingwer bei Erkältungen

Ingwertee gegen Übelkeit

 

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen?

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

 

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pfefferminzöl als Hausmittel gegen Kopfschmerzen

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Der Tipp ist nicht neu und die Studien dazu auch nicht. Aber weil es bei Spannungskopfschmerzen nach wie vor einen Versuch wert ist und das Magazin „Stern“ wieder einmal darauf hinweist:

„Eine leichte Massage mit zehnprozentigem Pfefferminzöl in alkoholischer Lösung an Schläfe, Scheitel und Nacken kann zusätzlich Linderung verschaffen. Großflächig auf Stirn und Schläfe aufgetragen, verringert das Minzöl die Kopfschmerzen nach etwa 15 Minuten. Bei Spannungskopfschmerzen ist die Wirkung der Pfefferminzölbehandlung mit der einer Paracetamoltablette vergleichbar; mehrere Studien haben dies nachgewiesen. Mit Pfefferminzöl können Sie auch Kinder über sechs Jahren behandeln.“

Quelle:

http://www.stern.de/gesundheit/kopfschmerz/therapie/hausmittel-gegen-kopfschmerzen-ins-bad-oder-ins-bett-3261842.html

Kommentar & Ergänzung:

10%ige Pfefferminzöl-Lösung bekommt man in Apotheken und Drogerien.

Pfefferminzöl wirkt örtlich angewandt auch lindernd bei Juckreiz. Dazu sollte aber die Konzentration tiefer sein und etwa bei 1% liegen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schüssler-Salze gegen Warzen?

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Ich bin immer wieder verblüfft über die Unverfrorenheit, mit der irgendwelche Behauptungen über fragwürdige Heilwirkungen herumgeboten werden.

Noch mehr verblüfft mich aber, wie selten solche Behauptungen in Frage gestellt werden.

Jetzt bin ich gerade über eine Aussage in der Drogistenzeitung „D-inside“ gestossen, die sich mit der Behandlung von Warzen befasst (Ausgabe April 2017).

Naturheilkundlich lasse sich eine Warze mit Schüssler-Salz Nr. 4 zur Bindung des Papillomavirus behandeln sowie mit Schüssler-Salz Nr. 10, das die Virenausscheidung verbessere, schreibt die Autorin unter Bezugnahme auf Aussagen einer Naturheilpraktikerin.

Was wird hier genau versprochen:

Schüssler-Salz Nr. 4 soll also das Papillomavirus binden, das für die Entstehung von Warzen verantwortlich ist. Eine steile Behauptung. Eine solche Wirkung kann man nicht einfach von aussen beobachten.

Um eine solche Wirkung festzustellen, braucht es deshalb ein Experiment zumindestens im Reagenzglas, wobei dann allerdings noch nicht klar wäre, ob der Vorgang auch in einer veritablen Warze funktionieren würde.

Nun sind aber bisher keinerlei derartige Studien bekannt geworden.

Gibt es womöglich eine geheime Studie? Das wäre sehr komisch, denn das Ergebnis wäre sensationell und würde den Umsatz vervielfachen. Zudem ist kaum vorstellbar, dass die Wirkung sich auf Papillomaviren beschränken würde. Schüssler-Salz Nr. 4 wäre dann die Lösung für unzählige gefährliche Virenkrankheiten und der Entdecker dieses Wundermittels ein heisser Kandidat für den Nobelpreis in Medizin.

Da liegt es schon sehr nahe, dass die Studie eben darum geheim bleibt, weil es sie gar nicht gibt.

Schüssler-Salz Nr. 4 enthält 1 g Kaliumchlorid auf 1000 kg Milchzucker.

Kaliumchlorid ist als Geschmacksverstärker unter der Bezeichnung E 508 im Handel. Wollen wir wetten, dass der grösste Teil der Schüssler-Salz Nr. 4-Konsumenten im Laden einen weiten Bogen macht um all die teuflischen E-Nummern? E 508 und damit auch Kaliumchlorid ist enthalten in Fertiggerichten, Würzmitteln und diätetischen Lebensmitteln – viel billiger und auch in grösseren Mengen als im Schüssler-Salz Nr. 4.

Die Apothekerin Susana Niedan-Feichtinger von der Firma Adler Pharma, einer Herstellerin von Schüsslersalzen, schreibt in der Österreichischen Apothekerzeitung (Nr. 24 /2010, S. 1419):

„Alle Mineralwasser-Konsumenten nehmen pro Tag mehr Mineralstoffe auf, als es über Schüßler Salze überhaupt möglich wäre…..“

Das gilt genauso für Trinkwasser-Konsumenten.

So: Und dieses Schüssler-Salz Nr. 4, das 1 g Kaliumchlorid pro 1000 kg Schüssler-Salz enthält, soll in der Warze die Papillomaviren binden? Wie genau muss ich mir das vorstellen?

Zudem soll Schüssler-Salz Nr. 10 noch die Virenausscheidung verbessern. Wie werden denn Viren überhaupt ausgeschieden? Ich habe bisher eigentlich gedacht, dass Viren von Fresszellen des Immunsystems vertilgt werden.

Auch die verbesserte Virenausscheidung kann man nicht sehen und damit eine solche Aussage gemacht werden kann, müssten Daten aus einem Experiment oder einer Studie vorliegen. Das wäre auch in diesem Fall Nobelpreis-würdig, wenn es dazu Belege geben würde……

Schüssler-Salz Nr. 10 enthält 1 g Natriumsulfat (Glaubersalz) auf 1000 kg Milchzucker.

Natriumsulfat ist als Lebensmittelzusatzstoff Nummer E 514 ohne Höchstmengenbeschränkung für Lebensmittel allgemein zugelassen.

Es dient als Festigungsmittel, Säureregulator und Trägersubstanz.

Und auch hier führen wir Natriumionen und Sulfationen mit dem Trinkwasser in viel grösseren Mengen zu, als dies mit Schüssler-Salz Nr. 10 je möglich wäre:

„Grundwässer in sulfatarmen Gesteinen enthalten üblicherweise bis ca. 30 mg/l Sulfat…. Wesentlich höhere Gehalte (bis mehrere 100 mg/l) sind jedoch für Wässer aus sulfathaltigen Gesteinen typisch.“

Quelle:

http://www.umwelt.niedersachsen.de/grundwasser/grundwasserbericht/grundwasserbeschaffenheit/gueteparameter/grundprogramm/sulfat/sulfat-137612.html

Ein Liter Trinkwasser enthält also zwischen 30 mg und mehreren 100 mg Sulfat. Eine Tablette Schüssler-Salz enthält 0.25 Millionstelgramm Natriumsulfat (Quelle: Pharmawiki).

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Die_Schuessler_Luege

In Dosen von 10 – 30 Gramm wird Glaubersalz als Abführmittel bei Verstopfung und zur Darmentleerung vor Fastenkuren eingesetzt.

Und nun zurück zu den Warzen. Die Aussagen in der Drogistenzeitung bezüglich Virenbindung und Virenausscheidung durch Schüssler-Salze Nr. 4 und 10 sind völlig faktenfrei. Warzen sind aber in der Regel selbstlimitierend – sie heilen nach einer gewissen Zeit auch ohne Behandlung – und sie reagieren häufig sehr gut auf Suggestion bzw. Placebo.

Es wird daher während der Behandlung mit diesen Schüssler-Salzen in einer respektablen Zahl der Fälle zu einem Verschwinden der Warze kommen. Und dann kann man ja durchaus den Schluss ziehen, dass es keine Rolle spielt, ob der Effekt durch Suggestion oder durch eine spezifische Wirkung der Schüssler-Salze zustande kommt.

Verwerflich und störend finde ich nur die völlig aus der Luft gegriffenen Behauptungen spezifischer Wirkungen wie „Virenbindung“ und „Virenausscheidung“, die man eigentlich nur als Bullshit bezeichnen kann.

In der Pflanzenheilkunde wird gegen Warzen gerne der Schöllkrautsaft verwendet.

Siehe dazu:

Hilft Schöllkraut gegen Warzen?

Schöllkraut enthält im Milchsaft eiweissspaltende Enzyme sowie die Alkaloide Berberin und Sanguinarin, die mit der DNA reagieren und deshalb zelltoxisch und antiviral wirken. Dadurch könnte eventuell (!) eine Wirkung gegen Warzen erklärt werden, wenn der Schöllkrautsaft 2 mal täglich auf die Warze aufgetragen wird. Da diese Wirkungen aber nur im Labor belegt sind, lässt sich daraus keine sichere Aussage über eine Wirksamkeit an konkreten Warzen lebender Menschen machen.

Wenn eine Warze nach der Anwendung von Schöllkrautsaft verschwindet, kann ich daher nie mit Sicherheit wissen, ob dieser Effekt durch eine spezifische Wirkung der Schöllkraut-Inhaltsstoffe erfolgt ist, durch Suggestion oder durch ein zufälliges Zusammenfallen der Behandlung mit dem Zeitpunkt, an dem die Warze sowieso verschwunden wäre.

Für den Warzenträger oder die Warzenträgerin spielt das in diesem Fall keine wesentliche Rolle. Es ist aber meines Erachtens eine Frage der Wahrhaftigkeit, die Ungewissheit über den eigentlichen Wirkfaktor anzuerkennen und sich nicht im Brustton der Überzeugung mit leeren, aber eindrücklich klingenden Behauptungen zu schmücken – zum Beispiel betreffend Virenbindung und Virenausscheidung.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Bärlauch zur Entgiftung?

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Bärlauch wirke entgiftend, binde Schadstoffe und habe dementsprechend einen reinigenden Effekt auf Bindegewebe und Haut. So steht es auf einer skurrilen österreichischen Gesundheitsplattform, die ich hier nicht nenne, um sie nicht noch bekannter zu machen.

Bärlauch zur Entgiftung – diese Aussage trifft man allerdings immer wieder im Internet.

Und man hört sie wahrscheinlich so oft, weil sie einfach so gut tönt. Entgiftung klingt ja rundum positiv. Wer kann das nicht brauchen. Eine Wunschphantasie wird hier bedient.

Wer behauptet, Bärlauch entgifte und binde Schadstoffe, sollte auch in der Lage sein zu nennen, um welche Gifte und Schadstoffe es sich handelt.

Und es müsste erklärt werden können, wie genau diese Entgiftung vonstatten gehen soll.

Derart konkrete Angaben sucht man bei diesen Versprechungen allerdings vergeblich.

Um eine Behauptung wie „Bärlauch entgiftet“ auf ihre Glaubwürdigkeit zu überprüfen, muss ich den genauen Weg kennen, wie sie zustande gekommen ist. Wer hat was genau, wie und wann festgestellt? Ohne solche Angaben kann man eine Behauptung nur blind schlucken oder blind ablehnen, was beides unbefriedigend ist.

In der Phytotherapie-Fachliteratur taucht das Thema „Entgiftung durch Bärlauch“ nicht auf, weil es dazu keine fundierten Erkenntnisse gibt.

Bärlauch enthält sehr ähnliche Wirkstoffe wie Knoblauch – insbesondere schwefelhaltige Substanzen wie Alliin, das bei der Verarbeitung der Pflanze oder beim Zerkauen durch das Enzym Alliinase zu Allicin umgesetzt wird.

Allicin zeigt im Labor antibakterielle Wirkungen, die aber im menschlichen Organismus lokal begrenzt sein dürften, zum Beispiel auf den Verdauungstrakt.

Im Kreislaufbereich ist bei der Einnahme von Bärlauch ähnlich wie bei Knoblauch eine leichte Cholesterinsenkung, eine leichte Blutdrucksenkung und eine leichte Verbesserung der Blutfliesseigenschaften denkbar. Klinische Untersuchungen an Menschen gibt es dazu allerdings nicht und man müsste Bärlauch wohl regelmässig über Wochen oder Monate in relativ hohen Dosen einnehmen, damit solche Effekte erwarten werden können. Diesem Langzeitgebrauch dürften zudem „soziale Nebenwirkungen“ im Wege stehen, weil Bärlauchduft zwar in einem „Pesto“ angenehm sein kann, als Dauerphänomen aber von der mitmenschlichen Umgebung oft nicht so gut goutiert wird.

Zur Wirkung von Bärlauch siehe zudem hier:

Zur Wirkung von Bärlauch (Allium ursinum)

Knoblauch, Bärlauch, Zwiebel & Co.

Wer Bärlauch selber sammelt, muss gut Bescheid wissen über Verwechslungsmöglichkeiten mit Maiglöckchen und Herbstzeitlose:

Unterscheidungsmerkmale: Bärlauch – Maiglöckchen – Herbstzeitlose

Tödliche Verwechslungen von Bärlauch und Herbstzeitlose

Skurril zudem:

Bärlauchtinktur für mehr Durchsetzungskraft

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie bei Reizmagensyndrom

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Die Pharmazeutische Zeitung hat gerade einen Artikel publiziert zum Thema „Reizmagen und Reizdarm“.

Zum „Reizmagen“ werden darin auch konkrete Hinweise auf Phytopharmaka aufgeführt, auf die ich hier kurz eingehen will.

Statt vom „Reizmagen“ spricht man eigentlich besser vom „Reizmagensyndrom“ (RMS), da es sich in den meisten Fällen um mehrere Symptome handelt. Im internationalen Sprachgebrauch ist die Bezeichnung „funktionelle Dyspepsie“ (FD) gebräuchlich.

Ein Reizmagensyndrom ist gemäß den sogenannten Rom-IV-Kriterien charakterisiert durch eines oder mehrere der folgenden belästigenden, das heißt alltägliche Aktivitäten beeinträchtigenden Symptome:

Völlegefühl nach den Mahlzeiten,

Vorzeitiges Sättigungsgefühl,

Im Oberbauch lokalisierte Schmerzen,

Im Oberbauch lokalisiertes Brennen.

Von einem RMS spricht man aber erst, wenn diese Symptome nach einer routinemäßigen klinischen Abklärung einschließlich Ösophago-Gastro-Duodenoskopie nicht hinreichend erklärbar sind. Ausserdem müssen die Symptome seit mindestens drei Monaten vorliegen mit einem Symptombeginn, der sechs Monate oder ­länger zurückliegt.

Und was sagt nun der Beitrag zu den phytotherapeutischen Möglichkeiten bei RMS?

Zitat:

„Daten zur Wirksamkeit aus kontrollierten Studien gibt es auch für Phytopharmaka wie STW-5, eine Phytokombination auf der Basis von Iberis amara, oder die Kombination aus Pfefferminzöl und Kümmelöl….“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68591

Kommentar & Ergänzung:

STW-5 ist bei Reizmagen ein bewährtes und durch Studien gut belegtes Phytopharmakon, das unter dem Namen „Iberogast“ im Handel ist.

Iberogast ist ein Kombi-Präparat aus neun verschiedenen Heilpflanzen:

Bittere Schleifenblume (Iberis amara), Angelikawurzel (Engelwurz), Kamillenblüten, Kümmelfrüchte, Mariendistelfrüchte, Melissenblätter, Pfefferminzblätter, Schöllkraut und Süßholzwurzel.

In der neueren Phytotherapie ist es eher unüblich, dass ein Präparat aus so vielen Heilpflanzen zusammengesetzt ist. Offenbar ergänzen die Bestandteile sich aber gut.

Zu STW-5 siehe auch:

Kinderheilkunde: Heilpflanzen-Kombination gegen Bauchbeschwerden

Phytotherapie bei funktionellen Magenbeschwerden

Phytotherapie als Standardtherapie bei funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen

Etwas eigenartig ist die Empfehlung der Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl bei RMS. Hier ist zweifellos vom Präparat Carmenthin® die Rede, das diese Zusammensetzung aufweist. Allerdings handelt es sich dabei um magensaftresistente Kapseln, die sich erst im Dünndarm auflösen. Etwas spät für eine Wirkung bei Reizmagen….

Carmenthin® eignet sich hingegen gut für Reizdarm und wirkt dort gegen Blähungen und Darmkrämpfe. Das Präparat stammt aus Deutschland und ist in der Schweiz nicht als Arzneimittel registriert.

Der Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung geht auch auf das Reizdarmsyndrom (RDS) ein:

„Unter einem Reizdarmsyndrom (RDS) versteht man länger als drei Monate anhaltende oder wiederkehrende Symptome, die die Lebensqualität einschränken und deren Ursprung im Darm vermutet wird: Stuhlunregelmäßigkeiten wie Durchfall und Verstopfung, die auch im Wechsel auftreten können, Schmerzen oder Druckgefühl im Bauch und Blähungen. Diese Symptome können allein oder in Kombination auftreten. Voraussetzung für die Annahme eines Reizdarmsyndroms ist der Ausschluss einer anderen organischen Krankheit.“

Unter den Therapieoptionen beim Reizdarmsyndrom werden auch zwei Phytotherapeutika aufgeführt, und zwar bei den Leitsymptomen Blähungen, abdominelle Distension und Flatulenz (Evidenzgrad A und B) und beim Leitsymptom Verstopfung (Evidenzgrad A). Leider werden aber weder die Präparate noch die darin enthaltenen Heilpflanzen konkret genannt.

Gemeint sind aber wohl

– Carmenthin®, die Kapsel aus Kümmelöl und Pfefferminzöl,

– Colpermin®, eine magensaftresistente Kapsel mit Pfefferminzöl zur Linderung von Darmkrämpfen,

– Flohsamen-Präparate als Stuhlregulans bei Verstopfung und/oder Durchfall.

Zu den phytotherapeutischen Optionen bei Reizdarmsyndrom siehe auch:

Phyto-Kombi mit Pfefferminzöl und Kümmelöl bei Reizdarm

Reizdarmsyndrom: Kümmel, Anis und Fenchel als Tee?

Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl lindert Reizdarmsyndrom

Ballaststoffe beim Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

Heilpflanzen-Anwendungen bei Reizdarmsyndrom

Dronabinol (THC) vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten

 

Pfefferminzöl bei Reizdarm schmerzlindernd

Pflanzenheilkunde bei Reizdarm – Pfefferminze, Kümmel, Fenchel, Anis, Flohsamen

Phytotherapie bei Reizdarm

Reizdarmsyndrom: Flohsamen und Pfefferminzöl top – Kleie flop

 

 

 

Phytotherapie: Wirksame Behandlung bei Reizdarm und funktioneller Dyspepsie

Ballaststoffe bessern Reizdarmsyndrom

Phytotherapie: Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

Phytotherapie bewährt bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)

 

 

 

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Was ist „Chäslichrut“?

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„Chäslichrut“ ist ein in der Schweiz verbreiteter Volksname für Malva silvestris (Wald-Malve, Wilde Malve, Grosses Chäslichrut“) und Malva neglecta (Weg-Malve, Kleines Chäslichrut).

Chäslichrut hat seinen Namen von den Früchten, die flach und rund sind wie ein Käselaib.

Traditionell verwendet werden die Blätter des Grossen und Kleinen Chäslichruts zur Behandlung von Wunden – und die Blüten des Grossen Chäslichruts als Tee bei trockenem Husten.

Chäslichrut enthält Gerbstoffe und Schleimstoffe.

Es gehört zur grossen Pflanzenfamilie der Malvengewächse (Malvaceen). Die mehr als 4000 Arten umfasst.

Zu den Malvengewächsen gehören beliebte Zierpflanzen, zum Beispiel aus den Gattungen Hibiscus und Stockrosen (Alcea), aber auch Nutzpflanzen wie die Kolabäume (Cola), der Kakaobaum (Theobroma cacao) und die Baumwollpflanze (Gossypium). Die früher eigenständige Pflanzenfamilie der Lindengewächse wurde inzwischen aufgrund von molekulargenetischen Untersuchungen in die Familie der Malvaceen eingegliedert. Eine durchaus illustere Verwandtschaft also für das Chäslichrut.

Ein schönes Foto der Käselaib-förmigen Chäslichrut-Früchte von Malva silvestris können Sie hier sehen auf Wikipedia.

Siehe auch:

Blick ins Pflanzenlexikon: Malven

 

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Meisterwurztinktur bei Schwächezuständen?

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Meisterwurztinktur helfe allen Menschen bei Schwächezuständen, schreibt ein Verkäufer von Meisterwurztinktur (den ich hier nicht nenne, weil ich ihn nicht noch kostenlos bekannter machen will).

Nichts gegen Meisterwurz (Peucedanum ostruthium). Er hat in der traditionellen Pflanzenheilkunde einen grossen Ruf und riecht eindrücklich aromatisch durch den Gehalt an ätherischen Ölen.

An der erwähnten Aussage lässt sich jedoch vor allem zeigen, woran sich unseriöse Heilungsversprechungen erkennen lassen.

Meisterwurztinktur hilft also angeblich allen Menschen mit Schwächezuständen.

Zwei Punkte sind an dieser Aussage kritisch:

  1. Das Wort „alle“.

Diese Verallgemeinerung kommt einer Garantie gleich. Garantien sind in der Heilkunde immer ein Grund zu Skepsis. Der menschliche Organismus ist zu komplex für Garantien. Bei einem Staubsauger ist eine Garantie angemessen, beim Menschen nicht.

  1. „allen Menschen mit Schwächezuständen.“

Das bedeutet dann auch: Bei allen Arten von Schwächezuständen.

Schwächezustände können aber ganz unterschiedliche Ursachen haben. Es ist kaum vorstellbar, dass Meisterwurztinktur in allen Fällen helfen kann, unabhängig von der zugrunde liegenden Ursache.

Aber nun einmal abgesehen von der unseriösen absoluten Formulierung des Herstellers: Kann Meisterwurztinktur bei Schwächezuständen helfen?

Dazu gibt es keine verlässlichen Daten. In der Phytotherapie taucht Meisterwurz kaum auf und schon gar nicht mit der Indikation „Schwächezustände“.

In der Antike war Meisterwurz als Heilpflanze unbekannt. Im 16. Und 17. Jahrhundert dagegen galt die Wurzel dagegen als Universalmittel und wurde in den Kräuterbüchern oft genannt.

Matthiolus (1500 – 1577) schreibt zum Beispiel:

„Sie zertheilen und verzehren die groben, zähen, kalten flüsse im Leibe. Dienen wider den Husten. Sie zertrennen auch den schleimigen Lungenkoder und fürdern ihn zum aussreuspern.“

Quelle: „Arzneipflanzen in der Traditionellen Medizin“, Kooperation Phytopharmaka (Hrsg.), 2000.

Husten ist in den alten Kräuterbüchern ein häufig genanntes Anwendungsgebiet für Meisterwurz. Die Pflanze ist aber auch ein gern eingesetzter Bestandteil von Kräuterschnäpsen.

Aufgrund ihres Gehalts an ätherischem Öl und Bitterstoffen ist eine verdauungsfördernde Wirkung plausibel.

Und die Schwächezustände? Denkbar wäre eine anregende Wirkung des ätherischen Öls im Sinne einer Aromatherapie, aber das ist reine Spekulation und experimentell zeigt die Pflanze offenbar eher leicht beruhigende Effekte (nach „Handbuch Phytotherapie“ von Jänicke / Grünwald / Brendler (2003).

 

Es spricht viel dafür, dass die Indikation „Schwächezustände“ für die Meisterwurztinktur eher auf der verkaufsfördernden Fantasie des Verkäufers beruht als auf fundierten Erkenntnissen. Denn wer fühlt sich schon nicht gelegentlich schlapp und könnte dann eine solche Pflanzentinktur brauchen?

Und abschliessend: Wenn schon Meisterwurz, dann würde ich den Tee der Tinktur vorziehen. Er ist günstiger zu kaufen und führt mehr Wirkstoffe zu.

Siehe dazu:

Pflanzentinkturen oder Kräutertees?

Und ausserdem:

Meisterwurz (Imperatoria) als Antidot?

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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Meerrettichwein gegen Verdauungsprobleme

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Der Bayerische Rundfunk berichtete kürzlich sehr informativ über Meerrettich und seine Wirkungen. Dabei kam die Rede auch auf den Meerrettichwein:

„Auch bei Verdauungsproblemen kann Meerrettich helfen. Gerieben mit dem Lieblingswein mischen – acht Tage im Dunkeln lagern, gelegentlich schwenken. Fertig ist der Verdauungstrunk.“

Quelle:

http://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/gesundheit/meerrettich-heilpflanze-gesundheit-100.html

Kommentar & Ergänzung:

Meerrettichwein ist ein altes Hausmittel, das vor allem als schleimlösendes Mittel bei Husten und Bronchitis eingesetzt wird.

Die Empfehlung bei „Verdauungsproblemen“ ist nachvollziehbar, aber sehr vage. Als „Verdauungsprobleme“ können sehr unterschiedliche Beschwerden bezeichnet werden.

Meerrettich regt die Verdauungssäfte an und soll deshalb gegen Appetitlosigkeit wirken.

Meerrettichwurzel enthält Senfölglykoside (Glukosinolate), die reizend und durchblutungsfördernd auf Haut und Schleimhäute wirken. Im Magen-Darm-Trakt könnten Senfölglykoside dadurch zu einer gesteigerten Magen- und Darmperistaltik führen. Das kennt man aus Studien mit dem Präparat Iberogast, das ebenfalls Senfölglykoside enthält (aus Iberis amara, Bittere Schleifenblume). Das legt die Vermutung nahe, dass Meerrettichwein auch bei Völlegefühl wirksam sein könnte. Genauer untersucht wurde die Wirkung von Meerrettichwein allerdings nicht.

Der Tipp des Bayerischen Rundfunks hält sich etwas knapp mit Angaben zur Zubereitung und Dosierung des Meerrettichweins. Wieviel Meerrettich pro Liter Wein? Wieviel Meerrettichwein pro Tag?

Glukosinolate und andere Scharfstoffe werden allerdings von Menschen unterschiedlich vertragen. Ich würde jedenfalls beim ersten Versuch zurückhaltend sein mit der Menge an zugegebener Meerrettichwurzel. Falls das Produkt dann zu schwach wirkt, lässt sich die Menge bei der nächsten Zubereitung immer noch steigern.

Siehe auch:

Meerrettich als „Penicillin des Gartens“?

Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse hemmen Grippeviren vom Typ H1N1

Meerrettich: Breitbandantibiotikum aus der Natur

Phytotherapie: Senföl aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenzaviren

Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und Blasenentzündung

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