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Heilpflanzen-Präparate: Fragwürdige Bezugsquellen, fehlende Transparenz!

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Das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic und der Apothekerverband PharmaSuisse warnten kürzlich vor dem Bezug von Medikamenten via Internet. Diese Warnung gilt für synthetische Arzneimittel wie auch für Heilpflanzen-Präparate:

“Leider nimmt mit wachsenden Angeboten die Bereitschaft zu, Medikamente aus dem Ausland über Internet zu beziehen. Bei solchen Bezügen ist das Risiko sehr gross, ein gefälschtes Medikament zu erhalten. Im Internet werden zahlreiche gefälschte, ungeprüfte, verfallene, qualitativ schlechte und wirkungslose Arzneimittel oder rezeptpflichtige Präparate ohne ärztliche Verschreibung angeboten. Oft werden irreführende Versprechungen über die positiven Wirkungen, jedoch keine Angaben zu möglichen Risiken gemacht. Aufgrund der ungenügenden, oft gefährlichen Qualität riskiert jeder, der Medikamente über Internet bestellt, seine Gesundheit.”
(Quelle: www.stop-piracy.ch)

Die Warnung ist mehr als berechtigt. Die Heilsversprechungen im Internet sind oft haarsträubend, bei synthetischen Medikamenten genauso wie bei Naturheilmitteln. Das Risiko von Fälschungen oder von mangelhafter Qualität und den damit verbundenen Gefahren ist real. Die Kampagne empfiehlt selbstverständlich den Bezug von Medikamenten “aus legalen Quellen wie Apotheken, Drogerien und in gewissen Kantonen Arztpraxen….”.

Da fragt sich allerdings, inwieweit das Vertrauen in diese legalen Kanäle gerechtfertigt ist. Klar scheint mir: Das Risiko von Fälschungen oder von unerlaubten, gefährlichen Bestandteilen ist in den offiziellen Kanälen von Apotheken und Drogerien sehr gering.

Deutliche Fragezeichen würde ich setzen, wenn es um die fachliche Beratungsqualität geht. In unserer Phytotherapie-Ausbildung am “Seminar für Integrative Phytotherapie” gibt es immer wieder Lerngruppen, die sich zu Testzwecken in Apotheken oder Drogerien bezüglich Heilpflanzen-Produkten beraten lassen. Das ist aus fachlicher Sicht leider ziemlich häufig ein peinliches Desaster. Es zeigt sich dabei oft das völlige Fehlen von Kenntnissen der neueren Fachliteratur im Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde. Und es sieht in vielen Fällen sehr danach aus, dass die “Weiterbildung” der MitarbeiterInnen sich auf den Besuch von “Schulungsseminaren” der Herstellerfirmen beschränkt. Das sind dann in der Regel fast reine Verkaufveranstaltungen, die frei sind von jeglicher kritischer Reflexion.
Und wenn der Apothekenverband PharmaSuisse bemängelt, dass man im Internet “ungeprüfte,…wirkungslose Arzneimittel” bekommt und “irreführende Versprechungen über die positiven Wirkungen…” gemacht werden, dann müsste er sich schon auch ein bisschen selber an der Nase nehmen.

Im Bereich von Naturheilkunde & Pflanzenheilkunde verkaufen die Apotheken und Drogerien nämlich ohne mit der Wimper zu zucken Produkte, die zwar als Heilmittel über den Ladentisch gehen, deren Wirkungen aber ungeprüft und in keiner Art belegt sind. Das gilt beispielsweise für den riesigen Markt der Nahrungsergänzungsmittel, die sich intensiv um ein Heilmittel-Image bemühen, aber keinerlei Wirksamkeit belegen müssen. Sie unterstehen auch nicht der Heilmittelkontrolle Swissmedic, sondern wie andere Lebensmittel auch dem Bundesamt für Gesundheit (BAG). Die Swissmedic wiederum befreit manche Heilmittelgruppen generell von jedem Wirksamkeitsnachweis. Das gilt beispielsweise für alle Homöopathika, Schüssler-Salze, Bachblüten-Tropfen, Frischpflanzentinkturen nach Homöopathischem Arzneibuch sowie für spagyrische Mittel.
Dass Apotheken und Drogerien solche Produkte auf Verlangen der Kundschaft verkaufen, scheint mir unproblematisch. Propagieren sie aber solche Produkte aktiv, unterscheiden sie sich nicht mehr gross von den Anbietern ungeprüfter und möglicherweise wirkungsloser Präparate im Internet. Die Kritik des Apothekerverbandes PharmaSuisse fällt deshalb teilweise auf die Apotheken selbst zurück.
Ich behaupte nun nicht, alle diese Produkte seien wertlos. Aber die Konsumentinnen und Konsumenten sollten meines Erachtens wissen, dass es in diesen Bereichen in der Regel keine fundierten Dokumentationen oder gar Studien gibt, die eine Wirksamkeit belegen. In den Regalen von Apotheken und Drogerien stehen oft Nahrungsergänzungsmittel, vom Wirkungsnachweis befreite Heilmittel und Heilmittel mit dokumentierter, belegter Wirkung nebeneinander. Das ist vom Standpunkt der Transparenz völlig unbefriedigend. Konsumentinnen und Konsumenten wird es dadurch sehr schwer gemacht, sich auf der Basis einer fundierten Meinungsbildung für ein bestimmtes Produkt zu entscheiden.

Daraus folgt meines Erachtens dreierlei:

1. Wer solche Produkte kauft, muss sich selber kundig machen und prüfen, wie seriös das erworbene Naturheilmittel ist. Andernfalls bleibt nur, sich blind auf die Aussagen und Versprechungen der Hersteller und Verkäufer zu verlassen.

2. Apotheken und Drogerien sollten bei ihren Beratungsgesprächen transparent machen, ob und wie gut die Wirksamkeit der empfohlenen Naturheilmittel durch fundierte Dokumentationen oder Studien belegt ist. Das ist leider im Beratungsgespräch sehr selten ein Thema, gerade auch, wenn es um Komplementärmedizin geht. Es gibt im Bereich Phytotherapie zum Beispiel durchaus Präparate, die sich in qualitativ überzeugenden Studien mit Patienten bewährt haben. Es gibt sogar Phytopharmaka, die so gut dokumentiert sind, dass sie von den Krankenkassen aus der Grundversicherung bezahlt werden müssen, wenn ein Arzt oder eine Ärztin sie verschreibt.

3. Je ernsthafter die Krankheit, desto mehr müssten bei Beratungen Präparate im Vordergrund stehen, deren Wirksamkeit ausreichend dokumentiert ist.

Ich gehe mit der Kampagne von Swissmedic und PharmaSuisse einig an dem Punkt, dass ich niemals Heilmittel aus irgendeiner obskuren Quelle im Internet kaufen würde. Darüber hinaus finde ich aber, dass auch das Sortiment, die Beratungsleistung und die Versprechungen von Apotheken und Drogerien im Bereich der Naturheilmittel durchaus kritisch unter die Lupe genommen werden müssten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Phytotherapie: Passionsblume als Angstlöser

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Über Jahre hinweg galt in Phytotherapie & Pflanzenheilkunde der Wurzelstock der Kava-Kava-Pflanze als Angstlöser der ersten Wahl. Seine Wirkung war wissenschaftlich gut belegt. Nachdem die Arzneimittelbehörden Heilpflanzen-Präparate aus Kava-Kava wegen einiger ungeklärter Verdachtsfälle auf Leberschädigung aus dem Markt genommen haben, klafft hier eine therapeutische Lücke.
Die Passionsblume (Passiflora incarnata) ist eine der Heilpflanzen, die seither auf eine mögliche angstlösende Wirkung genauer untersucht wurden.
Ein Artikel in der Österreichischen Apotheker-Zeitung (21/2008) stellt die Passionsblume umfassend vor. Die Autorin Michaela Döll, Diplom-Biologin mit Lehrauftrag im Fachbereich Lebensmittelchemie / Pharmazie an der Universität Braunschweig, geht auf die Symbolik der Passionsblumenblüte und auf die Geschichte dieser faszinierenden Heilpflanze ein. Dann fasst sie den aktuellen Wissensstand bezüglich Inhaltsstoffe und Wirkungen der Passionsblume zusammen. Interessant sind in dieser Hinsicht vor allem zwei Studien mit Patientinnen und Patienten.
In einer placebokontrollierten Doppelblindstudie wurde Passiflora bei Personen mit Angststörungen untersucht. Dabei wurde ein wässrig-alkoholischer Auszug von Passionsblumenkraut zusammen mit einem Placebo gegen den Tranquilizer Oxazepam (30mg/Tag), ebenfalls zusammen mit einem Placebo, verabreicht. Der Wirkungseintritt erfolgte in der Passiflora-Gruppe erst ab dem 7. Tag, während er unter der Anwendung von Oxazepam bereits nach 4 Tagen eintrat. Ab dem 7. Tag bis zum Studienende am 28. Tag war zwischen Passiflora- und Oxacepam-Wirkungen kein relevanter Unterschied in der beruhigenden Wirkung mehr ersichtlich.
Eine weitere Studie am Universitätsklinikum in Liège (Belgien) verglich Passiflora (400mg Trockenextrakt) bei Patienten mit Angststörungen mit diversen Benzodiazepinen (Diazepam, Lorazepam, Flunitrazepam). Der Passionsblumenkraut-Extrakt zeigte hinsichtlich seiner beruhigenden Eigenschaften eine gute Wirkung, die jener der getesteten Benzodiazepine sogar überlegen war. Mit nur 10 Teilnehmenden war diese Studie allerdings sehr klein.
Eine randomisierte, kontrollierte Doppelblindstudie untersuchte die Wirkung von Passionsblumenextrakt auf Entzugserscheinungen bei 65 opiatabhängigen Personen.
Getestet wurde Passionsblumenextrakt plus Clonidin gegen Clonidin plus Placebo. Die Entzugserscheinungen wurden während eines zweiwöchigen Beobachtungszeitraums erfasst. Die Beurteilung der physischen Symptome zeigte in den beiden Gruppen keine Unterschiede. Betreffend der psychischen Entzugssymptome ergab sich aber ein deutlicher Vorteil der Passiflora-Gruppe gegenüber der Placebo-Gruppe.
Leider enthält der Artikel in der Österreichischen Apotheker-Zeitung wenig konkrete Angaben zu den beschriebenen Studien, so dass deren Qualität nicht wirklich beurteilt werden kann.
Es gibt aber auch positive Empfehlungen von phytotherapeutischen Fachkommissionen (Kommission E, ESCOP) für die Wirksamkeit der Passionsblume. Im Vordergrund steht dabei die Behandlung von nervösen Unruhezuständen am Tag sowie bei nervös bedingten Schlafstörungen. Gewöhnungseffekte und eine klassisch sedierende Wirkung sind nicht zu erwarten. Passionsblumenkraut beruhigt ohne zu ermüden und entspannt bei voller Konzentration.
Entsprechend den Empfehlungen der phytotherapeutischen Fachkommissionen ist auf eine ausreichende Tages-Dosierung zu achten (ca. 1000mg Passionsblumen-Trockenextrakt entsprechend einem Auszug aus etwa 6g Passionsblumenkraut).
(Quelle: http://www.oeaz.at/zeitung.html)
Es spricht also einiges dafür, dass Passionsblumenkraut als milder Angstlöser Potenzial hat.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Pflanzenheillkunde: „Erfahrung“ allein genügt nicht zur Begründung

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Komplementärmedizin, Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde – viele Vertreterinnen und Vertreter dieser Bereiche verstehen ihre Methoden hauptsächlich als Erfahrungsheilkunde. Aussagen über Wirkungen von Heilpflanzen werden mit „Erfahrung“ begründet: “Die Erfahrung zeigt doch, dass es wirkt!”
Dies geschieht oft in starker Absetzung zu Erkenntnissen, die auf wissenschaftlichen Studien basieren. Im Extremfall führt das zu Sprüchen wie: “Wer heilt hat recht!” – Nun soll hier keinesfalls der Wert von „Erfahrung“ klein geredet werden. Mir fällt aber immer wieder auf, dass im Bereich von Komplementärmedizin, Naturheilkunde und Pflanzenheilkunde oft eine sehr naive Vorstellung von Erfahrung herrscht. Das geht auf Kosten der Sicherheit von Patientinnen und Patienten.
Erfahrung führt nicht auf direktem Weg zur Erkenntnis. Es gibt keine reine Erfahrung, die uns ungetrübt vermittelt, was „Sache ist“.
Erfahrung ist – ob uns das bewusst ist oder nicht – immer theoriegeleitet. Sie muss interpretiert, verknüpft und eingeordnet werden und ist deshalb sehr anfällig für (Selbst-) Täuschungen und Irrtümer. Auch die Erfahrungen im Umgang mit Heilpflanzen.
Aufgrund langjähriger Erfahrungen (!) steht für mich fest: Es braucht im Bereich von Komplementärmedizin, Naturheilkunde und Pflanzenheilkunde einen sorgfältigeren, kritischeren Umgang mit den Begriffen „Erfahrung“ und „Erfahrungsheilkunde“.
Erfahrungen müssen sorgfältig dokumentiert, zusammengefasst, mit anderen Menschen ausgetauscht und verglichen werden. Und sie müssen kritischen Auseinandersetzungen standhalten. Wer solche Klärungsprozesse unterlässt und sich nur verbal auf “Erfahrung” beruft, macht es sich zu einfach. Ein sorgfältiger Umgang mit Erfahrungen ist eine Voraussetzung für Professionalität, auch im Bereich der Pflanzenheilkunde.

“Wir glauben, Erfahrungen zu machen, aber die Erfahrungen machen uns”
(Eugène Ionesco, 1909 – 1994, französischer Autor und Dramatiker)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pflanzenheilkunde: Hoch fragwürdige esoterische Theorien – ein Beispiel

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Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl – Beiträge zur Debatte 1

Es gibt meiner Ansicht nach ein Ausmass an esoterischen Verirrungen in der Pflanzenheilkunde, das mir sehr problematisch scheint und das ich an einem Beispiel illustrieren möchte. Ich schildere es hier, weil ich glaube, dass die Auseinandersetzung damit lehrreich sein kann für den Umgang mit Heilpflanzen und mit dem ganzen Feld von Pflanzenheilkunde & Naturheilkunde. Nehmen Sie sich ein bisschen Zeit, wenn Sie sich auf diese Auseinandersetzung einlassen möchten. Kommentare wie immer erwünscht.

Ich habe in mehreren Texten das Buch “Borreliose natürlich heilen” von Wolf-Dieter Storl an zahlreichen Punkten kritisiert, weil ich es für ausgesprochen gefährlich und fahrlässig halte. Weder Peter Wanner vom AT-Verlag noch Wolf-Dieter Storl vom AT-Verlag sind auf die detaillierte Kritik eingegangen.
Interessierte können die Texte hier nachlesen:

Dieses Buch kann Ihre Gesundheit gefährden: “Borreliose natürlich heilen” von Wolf-Dieter Storl:
www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/125713_Borreliose-Storl-Karde-1.pdf

Karde gegen Borreliose – Heilungsversprechungen der fragwürdigsten Art:
http://www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/125527_Storl-Karde-Borreliose.pdf

Karde – kein Kraut gegen Borreliose!
www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/110646_Karde-Kraut-Borreliose.pdf

Karde gegen Borreliose: Immer noch wirre Behauptungen statt fundierte Begründungen!
http://www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/132919_Karde-Kraut-Borreliose-wirre.pdf

Sehr eindrücklich sind für mich die Reaktionen auf diese Kritik. So erreichte mich zum Beispiel vor kurzem ein E-Mail der Leiterin einer “Akademie”, an der Kräuterheilkundige ausgebildet werden. Ich zitiere dieses Mail hier vollständig, aber anonymisiert:

“Guten Tag Herr Koradi

Vielleicht interessiert es Sie, dass Herr Dr. Storl von der Natur als Naturgelehrter akzeptiert wird. Also kann er nicht so falsch liegen. Und im Endeffekt hilft uns Menschen das, was wir glauben. Eine Freundin von mir wurde mit Kardentinktur gesund, was den behandelnden Arzt sehr gewundert hat. Und meine Studierenden lernen bereits in der ersten Lektion, dass es keine allgemein gültigen Regeln gibt. Und dann beachten Sie bitte, wie viele angebliche Giftpflanzen und Nebenwirkungen die atheistische Wissenschaft gezaubert hat, weil sie immer noch nicht begriffen hat, dass sich die Natur weder normen noch standardisieren, noch beherrschen lässt. Die Quittung für unser Tun werden wir nun erhalten. Und ebenfalls ist eine Tatsache, dass Herr Dr. Storl um einiges weiter sieht als sogenannt normale Menschen, da er auch die intuitive Ebene braucht. Darum würde ich sagen, dass sein Weg und Ihr Weg eine Berechtigung hat, da alles aus dem selben Licht geschaffen ist. Das oberste göttliche Prinzip ist übrigens, dass der Mensch den freien Willen hat, das zu wählen, was er als richtig erachtet. Mit kollegialen Grüssen
X. Y.”

Auf dieses Mail möchte ich im Sinne einer Antwort nun genauer eingehen.

Guten Tag Frau X. Y.

Schade, dass Sie an keinem Punkt auf meine detaillierte fachliche Kritik eingehen. Diese Abschottung gegen jede kritische Reflexion, wie sie auch Peter Wanner als Verleger und Besitzer des AT-Verlages und Wolf-Dieter Storl als Autor betreiben, halte ich auf einer politischen Ebene für höchst besorgniserregend. Glauben Sie auch im politischen Bereich so vollkommen blind und ungeprüft jeder wunderbaren Behauptung? Dann kann ich nur hoffen, dass sich diese Haltung nicht noch mehr ausbreitet. Sonst “Gute Nacht, Demokratie”. Demokratie lebt nämlich von der kritischen Auseinandersetzung und Prüfung.
In diesem Sinne denke ich gerne über Ihr Mail nach:

Sie schreiben:
“Vielleicht interessiert es Sie, dass Herr Dr. Storl von der Natur als Naturgelehrter akzeptiert wird. Also kann er nicht so falsch liegen.”

Wie genau hat denn die Natur Ihnen mitgeteilt, dass sie Wolf-Dieter Storl als Naturgelehrten akzeptiert? Spricht die Natur in Ihrem Verständnis mit einer ungeteilten Stimme? Keine Differenzen in der Natur? Keine Widersprüche? Die Natur ist eins? Eine Person gar? – Mir scheint, es gibt durchaus unterschiedliche Positionen in der Natur, zum Beispiel zwischen der Krähe und den Eiern der Kohlmeise, die sie gerade frisst. Oder zwischen der Kohlmeise und der Schwalbenschwanzraupe, die verspeist wird. Aber für Sie ist alles eins?
Bezüglich Naturvorstellung liegen tatsächlich Welten zwischen mir und den Positionen von Ihnen und Wolf-Dieter Storl. Dieser behauptet ja: “Ich bin ein Teil des Waldes!” – Aber er fliegt als Teil des Waldes problemlos nach Mallorca oder sonstwohin, um ein Seminar zu leiten. Kann man da einfach als Teil des Waldes kurz mal aussteigen? – Wer behauptet, er sei ein Teil des Waldes, den würde ich auch fragen: “Wer frisst Dich?” – Denn mindestens in einem Wald im ökologischen Gleichgewicht wird wohl jeder Teil von einem anderen gefressen. Die Natur kennt keine Ehrfurcht vor dem Leben, hat Albert Schweitzer gesagt. Wie schön, dass man sich da als Teil des Waldes bei Bedarf wieder in die gute Stube zurückziehen kann. Ich finde solch hohle Phrasen zum Schreien.
Mir scheint, dass Sie die Natur als göttliche Instanz hinstellen, wenn Sie schreiben, dass “Dr. Storl” von der Natur als Naturgelehrter akzeptiert worden ist. Das halte ich an sich schon für hoch fragwürdig. Wie erkennen Sie denn genau, was diese vergöttlichte Natur will? Eine Tumorerkrankung ist ja auch Natur. Darf man da eingreifen oder will es die göttliche Natur, dass der Krebs wächst und sich entwickelt? Auch das AIDS-Virus ist Natur. Würden Sie eine Behandlung als unnatürlich ablehnen? Eine Lungenentzündung? Die Bakterien sind Natur, die Antibiotika stammen von der “atheistischen” Wissenschaft. Patient sterben lassen als Naturprozess? Ich meine diese Fragen sehr ernst.

“Und im Endeffekt hilft uns Menschen das, was wir glauben.”

Da wäre ich mir nicht so sicher. In den 30er- und 40er-Jahren des letzen Jahrhunderts haben viele Menschen an Adolf Hitler geglaubt, leider gerade auch viele Menschen im Umfeld von Esoterik und Naturheilkunde, dort waren die führenden Nationalsozialisten nämlich geistig zuhause (siehe: http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/07/27/naturheilkunde-und-nationalsozialismus-eine-kaum-bekannte-unheilsame-verbindung.html).
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es diesen hitlergläubigen Menschen beispielsweise geholfen hat, bei den Bombardierungen von Dresden während des Feuersturms im Keller zu verbrennen. Was die Menschen glauben, kann sie zu edelsten Taten motivieren, aber auch ins totale Verderben stürzen oder zum Kriegsverbrecher werden lassen. Genau darum müssen wir sorgfältig prüfen, was wir glauben.
Oder um ein Beispiel aus der Medizin zu nehmen: Finden Sie es akzeptabel, wenn Zeugen Jehovas ihrem Kind eine lebensrettende Bluttransfusion nach einem Unfall wegen ihres Glaubens verweigern? Kein ethisches Problem?

“Eine Freundin von mir wurde mit Kardentinktur gesund, was den behandelnden Arzt sehr gewundert hat”

Das ist wieder so eine schöne Anekdote, wie ich sie schon in meiner Kritik des Storl-Buches in Frage gestellt habe. Warum verschweigt ihr Dr. Storl eigentlich in seinen wundersamen Heilungsberichten konsequent, dass der überwiegende Teil der Borreliosen von selbst zum Stillstand kommt? Vielleicht gehört ja ihre Freundin zu dieser glücklichen Gruppe. Pech hat ja nur der Rest, bei dem die Krankheit weitergeht, wenn man sich statt einer Antibiotika-Therapie auf die famosen Tipps des Wolf-Dieter Storl verlässt. Diese gutgläubigen Leute riskieren dann Dauerschäden bis hin zur Invalidität. Das nenne ich fahrlässige Heilsversprechungen.
Warum verschweigt ihr Dr. Storl bei seinen Heilungsversprechungen, dass es bei chronischen Borreliosen in der Regel von Natur aus (!) einen schwankenden Verlauf gibt, und dass man darum nicht jede Besserung zum Beispiel einer Kardentherapie zuschreiben kann.
Warum verschliessen Sie und Ihr Dr. Storl die Augen davor, dass bei jeder Therapie und gerade auch bei Schmerzbehandlungen ein grosser Teil der Wirkung auf einem Placebo-Effekt beruht und dass man dies bei der Beurteilung von Heilerfolgen berücksichtigen müsste?
Warum verschweigt Wolf-Dieter Storl, dass die Karde das Wachstum von Borrelien nicht hemmt, sondern allenfalls sogar eher fördert – untersucht im Labor an der Hochschule Wädenswil, zugegeben, aber es liegt an Storl, die von ihm behauptete Wirkung plausibel zu dokumentieren. Man könnte ja diese Untersuchungen von Prof. Sievers zumindestens erwähnen und allenfalls kritisch kommentieren. Dann könnten sich die Leute eine eigene Meinung bilden. Aber warum verschweigen?
Warum liegt auch nach Jahren der Heilungsversprechungen von Storl noch kein einziger publizierter Krankheitsverlauf vor: Eingangsbefund und -diagnose, Krankheitsverlauf, Begleitmedikation, Abschlussbefund und -diagnose. Das wäre der Minimalststandard, damit Fachleute sich damit auseinandersetzen können. Es bleibt aber bisher bei Schlagworten im Stil von: Schon wieder eine wunderbare Heilung!
Warum dieses eklatante Desinteresse an sorgfältiger Dokumentation. Warum das Abschieben von Misserfolgen mit der Kardentherapie, im Buch zum Beispiel auf eine Beziehungsstörung der Patientin. Vielleicht weil von “der Natur” akzeptierte Naturgelehrte solch banalen Pipifax wie Dokumentation und Begründung nicht nötig haben?
Ich bin interessiert an einer detaillierten Krankengeschichte ihrer Freundin, aber nicht nur an einer schönen Geschichte, es müssten schon Facts sein. Oder wie wärs mit einem Bericht des behandelnden Arztes, wenn der doch so verwundert war?

“Und meine Studierenden lernen bereits in der ersten Lektion, dass es keine allgemein gültigen Regeln gibt”

Meiner Meinung nach ist es ziemlich schwierig, etwas zu lehren oder zu lernen, wenn es keine allgemein gültigen Regeln gibt. Wie stellen Sie das wohl an? Ich kann mich natürlich ganz darauf beschränken, was die Heilpflanze in mir auslöst. Das kann dann jede und jeder so machen und es mag durchaus schön sein, aber irgendwie bleiben ja dabei alle ganz in ihrer Welt isoliert. Und vielleicht hat dann das Erlebte viel mehr mit dem Erlebenden zu tun als mit der Heilpflanze. Das kann eine gute Selbsterfahrung sein, wenn damit sorgfältig umgegangen wird – wobei dann wohl wichtig wäre, dass die Leiterin eine fundierte psychotherapeutische Ausbildung hat – und nicht einfach in der Psyche herumfuhrwerkt, wie das im Eso-Bereich meiner Erfahrung nach ziemlich üblich ist.
Im übrigen finde ich Ihre Behauptung, dass es keine allgemein gültigen Regeln gibt, sehr gewagt. Orientieren Sie sich nicht an Verkehrsregeln? Gesetze? In meinem Leben gibt es durchaus allgemeingültige Regeln. Wenn ich meinen Kugelschreiber von Tisch schubse, fällt er immer runter – zweifellos eine allgemein gültige Regel auf der Erde. Und ausgerechnet im Bereich der Heilkunde soll es keine allgemein gültigen Regeln geben? Wie halten Sie es zum Beispiel in Ihrer Schule für Heilpflanzenkundige mit Dosierungsangaben – das wären allgemeine Regeln, die es Ihrer Ansicht nach nicht gibt. Werden Dosierungen von Heilpflanzen immer “intuitiv” festgelegt? Wenn ja: Warum profitieren Sie nicht von den Erfahrungen anderer Menschen, die zu allgemeinen Regeln geführt haben? Regeln selbstverständlich, die auch Ausnahmen kennen und sich verändern im Verlaufe der Zeit.
Meines Erachtens vertreten Sie an diesem Punkt einen verheerenden Relativismus
(siehe: www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/10/17/pflanzenheilkunde-die-falle-der-beliebigkeit-vermeiden.html ).
Das scheint mir sehr fragwürdig und auch riskant, wenn es um Patientinnen und Patienten geht.

“Und dann beachten Sie bitte, wie viele angebliche Giftpflanzen und Nebenwirkungen die atheistische Wissenschaft gezaubert hat, weil sie immer noch nicht begriffen hat, dass sich die Natur weder normen noch standardisieren, noch beherrschen lässt.”

Sie spielen darauf an, dass in den letzten Jahren in einigen Heilpflanzen auch giftige Stoffe gefunden wurden. Das ist nicht weiter überraschend. Schliesslich produzieren Heilpflanzen ihre Wirkstoffe nicht für unsere Gesundheit, sondern weil sie nicht gefressen werden wollen. Dieser Aspekt der Natur passt aber wohl nicht in Ihre harmonizistische Vorstellung der Beziehung zwischen Menschen und Heilpflanzen.
Ob die gefundenen giftigen Stoffe in therapeutischer Dosis für den Menschen riskant sein können, ist nicht einfach zu entscheiden, und wohl bei jeder betroffenen Pflanze wieder etwas anders zu beurteilen. Immerhin gibt es von solchen Stoffen auch ernste bis tödliche Vergiftungen bei Weidevieh. Über ein allfälliges Risiko für den Menschen müsste man differenziert nachdenken und nicht einfach in einer hochgradigen Idealisierung der Heilpflanzen jede mögliche Gefährdung dogmatisch ausschliessen.
Sie bieten auf Ihrer Website ja auch einen Vortrag an, in dem Sie darlegen, warum Heilpflanzen keine Nebenwirkungen haben können. Noch nie etwas gehört beispielsweise von Allergien auf Ringelblumentinktur? Kommt selten vor, aber das gibt‘s. Bauchkrämpfe bei pflanzlichen Abführtees? Oder schon mal etwas gehört von den Nierenversagen nach Langzeit-Einnahme von chinesischen Heilpflanzen durch den Inhaltsstoff Aristolochiasäure in Belgien in den 1990er Jahren? Diese sehr ernsten Fälle sind gut dokumentiert. Die europäischen Arzneimittelbehörden haben aristolochiasäurehaltige Heilpflanzen anfangs der 80er Jahre vorsichtshalber aus dem Verkehr gezogen. Unter grossem Protest der Naturheilkunde-Szene, die behauptete, dass nur die isolierte Aristolochiasäure schädlich sei im Laborversuch, nicht aber die ganze, harmonisch ausbalancierte Heilpflanze. Nun ja, haben Sie daraus nichts gelernt oder haben Sie sich damals noch nicht mit Heilpflanzen befasst. In der Phytotherapie-Fachliteratur werden diese tragischen Vergiftungen beschrieben. Kein Interesse an solchen Berichten? Gefährdet das Ihre harmonisch-idealisierte Vorstellung von Heilpflanze?
Es macht den Anschein, dass Sie glauben, Heilpflanzen würden uns ausschliesslich heilen. Das halte ich für eine einseitige Idealisierung. Meiner Meinung nach kann, was erwünschte Wirkungen hat, auch unerwünschte Nebenwirkungen haben.
Was meinen Sie genau mit der “atheistischen Wissenschaft”. Ja klar, die Wissenschaft verzichtet auf einen “Gott” als Erklärungsprinzip. Sollte ihrer Meinung nach die Wissenschaft abgeschafft werden oder stellen Sie sich eine Wissenschaft inklusive Erklärungsprinzip “Gott” vor. Wie würde unsere Kultur und unsere Wissenschaft dann aussehen? Was sagen Sie dazu, dass es auch viele gläubige Wissenschaftler gibt?
Ich empfinde Ihre Beschreibung der Wissenschaft sehr eng und pauschal. Mir erscheint die Wissenschaft vielfältiger. Es gibt in ihr intensive Diskussionen, Auseinandersetzungen und unterschiedliche Standpunkte. Das ist mir oft viel sympathischer als der Dogmatismus und Relativismus, denen ich so häufig in der Naturheilkunde begegne. Ich kenne niemanden, der so pauschal “die Natur” standardisieren will. Es gibt aber das Bestreben, Extrakte aus Pflanzen auf einen möglichst gleichbleibenden Wirkstoffgehalt einzustellen, damit der Patient oder die Patientin Gewähr hat auf eine verlässliche, gleichbleibende Wirkung. Was ist so schlimm daran? Ich kenne auch niemanden, der so generell “die Natur” beherrschen will. Es gibt konkrete Eingriffe in die Natur und wir müssen politisch entscheiden, welche wir zulässig finden und welche nicht. Es gibt auch Eingriffe in die Natur, die meiner Ansicht nach zu weit gehen. Aber eine Tumortherapie strebt auch nach Herrschaft über einen Teil der Natur, nämlich den Tumor. Akzeptabel oder nicht? Ich selber sehe von Natur aus sehr schlecht und muss die Natur korrigieren mit Kontaktlinsen. Ein Frevel? Vielleicht will “die Natur” ja meine Kurzsichtigkeit. Kontaktlinsen wird sie wohl kaum vorgesehen haben. Meine Nasenscheidewand war von Natur aus sehr verkrümmt und behinderte zunehmend meine Nasenatmung. Ich habe diese meine Natur via Operation normiert und bin dankbar dafür. Habe ich der Natur ins Handwerk gepfuscht? Bekomme ich dafür einmal eine Quittung?
Ich finde, dass vieles in der Welt (in der Natur) viel ambivalenter ist als Sie das darstellen. Warum so einseitig im Gut-Schlecht-Schema?

“Die Quittung für unser Tun werden wir nun erhalten”

Was meinen Sie genau mit dieser Drohung. Was genau meinen Sie mit “unser Tun” und welche “Quittung”.

“Und ebenfalls ist eine Tatsache, dass Herr Dr. Storl um einiges weiter sieht als sogenannt normale Menschen, da er auch die intuitive Ebene braucht”

Intuition ist eine spannende und wichtige Erkenntnisquelle. Nur: Auch wenn mir eine spontan einfallende Erkenntnis als unbedingt wahr vorkommt, kann ich mich grässlich täuschen. Oder schreiben Sie Wolf-Dieter Storl Unfehlbarkeit zu? Intuition kann in die Irre führen. Die Rassentheorien der Nationalsozialisten waren zum grossen Teil intuitiv begründet. Rudolf Steiner, auch einer, der überzeugt war, das er weiter sehen konnte als andere, sah in dieser Anderswelt auch, dass Indianer ein dekadenter Zweig in der Entwicklung der Menschheit seien und ein Zwischenwesen zwischen Menschen und Affen. Teilen Sie diese Ansicht oder gehen Sie mit mir einig, dass sich auch sogenannt intuitive Erkenntnisse kritischen Prüfungen stellen müssen?
Oder können sogenannt normale Menschen die “intuitiven” Erkenntnisse des Dr. Storl gar nicht nachprüfen? – Das würde die starre Resistenz gegen jede Kritik erklären, die Peter Wanner und Wolf-Dieter Storl an den Tag legen. Diese Haltung scheint mir aber auch ziemlich guruhaft und demokratiefeindlich, weil Demokratie vom Austausch von Argumenten lebt. Wenn einer behauptet, er habe Erkenntnisse, zu denen andere, sogenannt normale Menschen keinen Zugang haben, dann können seine Behauptungen nicht auf ihre Wahrheit überprüft werden. Wehe, wenn eine solche Person Macht bekommt. Wo kämen wir hin, wenn alle Entscheidungen auf dieser Basis fallen würden? – In einer solchen undemokratischen, intransparenten und vielleicht sogar totalitären Welt möchte ich lieber nicht leben.

Darum würde ich sagen, dass sein Weg und Ihr Weg eine Berechtigung hat, da alles aus dem selben Licht geschaffen ist”

Da haben wir ihn wieder, diesen Relativismus
(siehe: www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/10/17/pflanzenheilkunde-die-falle-der-beliebigkeit-vermeiden.html
Wir müssen sorgfältig und fundiert urteilen lernen und nicht alles gleich-gültig finden.
Was finden Sie an meinem Weg gut und was halten Sie daran für fragwürdig?
Was finden Sie an Storls Weg gut und was halten Sie daran für fragwürdig?
Aber bitte so detailliert wie möglich!
Was meinen Sie genau damit, dass “alles aus dem selben Licht geschaffen ist”.
Was wollen Sie damit sagen? Dass alles eins ist? – Warum verwischen Sie Unterschiede?

“Das oberste göttliche Prinzip ist übrigens, dass der Mensch den freien Willen hat, das zu wählen, was er als richtig erachtet”

Woher wissen Sie so genau, was das oberste göttliche Prinzip ist? Ziemlich dogmatische Aussage. Ich selber würde mich nicht als religiösen Menschen bezeichnen, erinnere mich aber aus meiner Ministrantenzeit an Aussagen, wonach das oberste göttliche Prinzip die Liebe sei. Was stimmt denn nun?
Und was den freien Willen des Menschen betrifft, machen Sie es sich meines Erachtens sehr einfach. So klar, wie Sie das darstelle, ist der Punkt mit dem freien Willen nicht. Ob der Mensch einen freien Willen hat oder nicht, wird zur Zeit heftig diskutiert. Kein Interesse an solchen Auseinandersetzungen? Sie wissen ja schon, wie es ist?
Schade. Aber auch wenn wir annehmen, dass der Mensch einen freien Willen hat (ich hoffe jedenfalls, dass es so etwas ähnliches gibt), dann liegt doch sehr auf der Hand, dass dieser freie Wille auch eingeschränkt und geprägt wird von kulturellen und gesellschaftlichen Einflüssen.

“Mit kollegialen Grüssen”

Ich glaube, dass Sie sich schwer täuschen. Wir leben auf vollkommen unterschiedlichen Planeten und haben wohl kaum eine kollegiale Ebene – und das sage ich nicht aus Hochmut, sondern um Differenzen nicht unter den Tisch zu wischen…..
..aber ich freue mich, wenn Sie meine Kritik ihrerseits in Frage stellen.
Die Kommentarfunktion steht Ihnen offen.

P.S: Sie schreiben auf der Website Ihrer Schule für Heilpflanzenkundige, dass esoterisch orientierte Menschen, die von Licht und Liebe reden und die Schattenseiten nur bei anderen sehen wollen, von der Natur nicht akzeptiert werden. Und dass diejenigen, welche esoterische Bücher gelesen haben, grosse Mühe bekunden.

Da stellen sich für mich gerade nochmals unzählige Fragen:

– Woher wissen Sie so genau, dass die Natur esoterische Menschen nicht akzeptiert?
– Woher weiss “die Natur”, wer ein esoterischer Mensch ist und wer nicht – und nach welchen Kriterien entscheidet “die Natur” das?
– Sie schreiben doch selber vom Licht, aus dem alles geschaffen ist. Trifft das Verdikt “der Natur” nicht auch Sie selber?
– Ich entnehme Ihrem Mail und Ihrer Website, dass Sie die Schattenseiten ausschliesslich bei Wissenschaft, Medizin, Verstand etc. sehen, die Natur dagegen als vollkommen heil, wunderbar und lichterfüllt. Machen Sie nicht selber eine dieser Spaltungen in Hell und Dunkel, welche “die Natur” Ihrer Meinung nach ablehnt?
– Ihr Mail und Ihre Website erscheinen mir als Esoterik pur. Wo sehen Sie selber den Unterschied zwischen Ihren Positionen und einer Esoterik, welche “die Natur” Ihrer Meinung nach nicht akzeptiert?
– Wieso bekunden Leute, welche esoterische Bücher gelesen haben, in Ihren Ausbildungen grosse Mühe? Sie bedienen doch gerade deren Bedürfnisse. Diese Klientel sollte sich doch bei Ihnen gerade zuhause fühlen? Oder gibt es nur eine richtige esoterische Theorie, Ihre?

Weitere Beiträge zur Debatte:

Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl: Beiträge zur Debatte 2
http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/12/07/borreliose-therapie-nach-wolf-dieter-storl-beitraege-zur-debatte.html

Karde & Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl: Beiträge zur Debatte 3
www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/12/11/karde-borreliose-therapie-nach-wolf-dieter-storl-beitraege-zur-debatte-3.html

Karde & Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl: Beiträge zur Debatte 4
http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/02/25/karde-borreliose-therapie-nach-storl-beitraege-zur-debatte-4.html

Karde & Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl: Beiträge zur Debatte 5:

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2010/07/14/karde-borreliose-therapie-nach-wolf-dieter-storl-beitrage-zur-debatte-5.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Antibiotika zunehmend wirkungsloser gegen Erreger

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Die Resultate der ersten umfassenden Bestandsaufnahme zu Verbrauch und Wirkung von Antibiotika in Deutschland sind beunruhigend: Krankmachende Bakterien werden immer unempfindlicher gegen entsprechende Medikamente – eine gefährliche Entwicklung, weil die Einführung neuer Medikamente stagniert. Meiner Ansicht nach liegt darin eine Chance für die Pflanzenheilkunde / Phytotherapie. Damit diese Chance genutzt werden kann, ist allerdings differenziertes Denken nötig. Das würde bedeuten: Keine pauschale Feindbild-Haltung gegenüber Antibiotika. Sie sollen immer dann zum Zuge kommen, wenn es sie braucht, um Gesundheitsschäden oder gar den Tod abzuwenden. Wo Antibiotika aber nicht zwingend nötig sind, kann die Phytotherapie mit ihren Heilpflanzen-Präparaten oft sinnvolle Ersatzmöglichkeiten anbieten. Dass wir mit der Anwendung von Antibiotika ein ernsthaftes Problem haben, zeigte kürzlich der Antibiotika-Resistenzatlas “Germap 2008”.

Das „Super-Bakterium“ Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, kurz MRSA genannt, ist eine der häufigsten Gründe für im Krankenhaus erworbene Infektionen. Pro Jahr sind davon etwa 50 000 Menschen betroffen, rund 1 500 sterben an den Folgen.
In Deutschland werden täglich über 700 Kilogramm Antibiotika eingesetzt. Das ist mit Risiken für die Gesundheit verbunden: Bei einzelnen Krankheitserregern wie Staphylokokken, Kolibakterien und Enterokokken ist ein deutlicher Anstieg der Resistenzen zu beobachten. Dadurch wird die Wirkung von Antibiotika eingeschränkt und die Therapiemöglichkeiten verschlechtert. Zu diesem Resultat kommt eine erste umfassende wissenschaftliche Bestandsaufnahme über Verbrauch und Wirkung von Antibiotika in Deutschland, die in Bonn präsentiert wurde.
Diese Entwicklung ist nach Darstellung der Studienautoren umso gefährlicher, als gleichzeitig die Einführung neuer Antibiotika stagniere. Deren Entwicklung sei für Pharmafirmen weniger profitabel als andere Mittel. Deshalb sei es besonders wichtig, die Wirksamkeit der verfügbaren Mittel zu erhalten. Der Resistenzbildung müsse stärker entgegen gesteuert werden, verlangten die Fachleute und Mitverfasser bei der Vorstellung des ersten Antibiotika-Resistenzatlas “Germap 2008”.??Dazu sei eine bessere Hygiene in Krankenhäusern nötig sowie auch genauere Diagnosen von Ärzten, die nicht vorschnell Antibiotika verschreiben sollten. “Jedes überflüssige Antibiotikum begünstigt die Entwicklung von Resistenzen”, erklärte der Vizepräsident der Paul- Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG), Prof. Eberhard Straube. Patienten sollten die Dosierungsvorgaben einhalten.

Bei ambulant – also außerhalb eines Krankenhausaufenthalts – erworbenen Infektionen veränderte sich die Resistenzlage nach den Daten in den vergangenen 10 bis 15 Jahren wenig. Auffälligster Befund sei der kontinuierliche Anstieg der Resistenz gegen sogenannte Makrolide bei den Pneumokokken gewesen, der inzwischen jedoch gestoppt sei. Weitere Resistenzbildungen zeigten sich bei der Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten wie der Gonorrhö (”Tripper”) und Salmonellen. Bei Patienten in Krankenhäusern kam es seit den 90er Jahren vor allem zu einer starke Zunahme von Multiresistenzen bei Staphylokokken (MRSA).

In der Humanmedizin werden nach der Datensammlung in Deutschland gegenwärtig jährlich rund 250 bis 300 Tonnen Antibiotika verbraucht. Dabei betreffen etwa 85 Prozent der Verordnungen den ambulanten Bereich. Der Atlas ist eine gemeinsame Publikation des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG) und der Infektiologie am Universitätsklinikum Freiburg.
Ein zusätzliches großes Problem sind auch Resistenzen beim Antibotika-Einsatz in der Nutztierhaltung. Solche Resistenzen können möglicherweise auch Antibiotika-Therapien beim Menschen beeinträchtigen . Auch wenn hier in den vergangenen Jahren kein gravierender Anstieg der Resistenzen zu beobachten sei, müsse unbedingt ein verantwortungsvoller und sachgerechter Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung beachtet werden, sagte BVL-Fachmann Jürgen Wallmann. “Antibiotika sind kein Mittel, um schlechte Haltungsbedingungen, Managementfehler oder mangelhafte Hygiene zu kompensieren.”
Quelle: Die Welt online, 9. Okt. 2008
Mehr Informationen im Netz: www.bvl.bund.de/germap2008

Kommentar: Die Situation in der Schweiz dürfte vergleichbar sein. Es steht für mich ausser Frage, dass es Situationen gibt, in denen Antibiotika notwendig sind. Jede unnötige Antibiotika-Gabe ist aber eine zuviel. Sorgfältig und professionell eingesetzte Heilpflanzen-Präparate könnten in manchen Fällen zur Reduktion des Antibiotika-Verbrauchs beitragen. Ein Beispiel dafür ist der Preiselbeersaft. Er kann nach einer Blasenentzündung die Rückfallquote senken, wodurch sich Antibiotika sparen lassen. Phytotherapie und Medizin können dabei gut Hand in Hand arbeiten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Integrative Phytotherapie verbindet Medizin und Naturheilkunde

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Zwischen Medizin und Naturheilkunde existieren über weite Strecken gegenseitige Feindbilder. Diese Fronten haben fast immer negative Folgen für Patientinnen und Patienten. Am “Seminar für Integrative Phytotherapie” (SIP) in Winterthur werden Brücken gebaut zwischen Medizin und Naturheilkunde. Doch wie verbindet man zwei Lager, die oft durch tiefe Gräben getrennt sind?

Weiterbildung in Phytotherapie für die Krankenpflege – Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care……

Den Lehrgang für “Integrative Phytotherapie” am SIP absolvieren viele Teilnehmende aus der Krankenpflege. Sie arbeiten in der spitalexternen Krankenpflege (Spitex), in Pflegeheimen oder Kliniken. Da muss die Kooperation mit medizinischen Diensten jederzeit gewährleistet sein.

Phytotherapie – eine fundierte Form der Pflanzenheilkunde

Phytotherapie verbindet traditionelle Heilpflanzenkunde mit moderner Arzneipflanzenforschung. Im Zentrum steht dabei die Anwendung von Heilpflanzen zum Beispiel in Form von Tees, Tinkturen, Extrakten, Salben, Inhalationen und Wickeln. Phytotherapie orientiert sich an Wirkstoffen und strebt danach, die Möglichkeiten und Grenzen der Heilpflanzen wo möglich auch durch wissenschaftlich fundierte Studien zu klären. Dadurch ist die Phytotherapie innerhalb der Komplementärmedizin diejenige Methode, welche “normalen” Ärztinnen und Ärzten am besten zu vermitteln ist. Man könnte sogar sagen, dass die Phytotherapie genau zwischen Medizin und Komplementärmedizin bzw. Naturheilkunde steht. Daraus folgt, dass sich Phytotherapie ideal als Brückenbauerin eignet.
Ob eine solche Verbindung gelingt, hängt nun allerdings entscheidend von der Grundhaltung ab, mit der die Phytotherapie gelehrt oder praktiziert wird. Hier kommt der Begriff ,Integrative‘ Phytotherapie ins Spiel. Integrative Phytotherapie, wie sie am SIP vermittelt wird, nimmt aktiv eine eigenständige Position zwischen den beiden Lagern ein. Was heisst das konkret?

Zentral ist vor allem eine bewusste Vermeidung mit Feindbildern. Es gibt genauso viele Feindbild-Haltungen und Vorurteile von Seiten der Naturheilkunde gegenüber der Medizin wie umgekehrt. Also ist differenziertes Denken gegenüber beiden Lagern angezeigt. Integrative Phytotherapie steht grundsätzlich positiv zur Medizin, was jedoch nicht mit Kritiklosigkeit gleichzusetzen ist. Kritik muss allerdings differenziert sein und wissen, wovon sie spricht. Das gilt genauso für das Verhältnis von Integrativer Phytotherapie und Naturheilkunde.
Am “Seminar für Integrative Phytotherapie” wird niemand mit Feindbildern gefüttert. Statt dessen wird ein grundsätzlich wohlwollendes, aber zugleich auch kritisch-differenziertes Denken gegenüber Medizin und Naturheilkunde gelehrt.
Die Integrative Phytotherapie stellt zudem jedes Allmachtsdenken in Frage. Wer aufmerksam in die Welt blickt, kann solche Grössenphantasien sowohl in der Medizin als auch in der Naturheilkunde beobachten. Es geht jedoch immer darum, Möglichkeiten und Grenzen einer Therapie zu kennen. Wir vertreten daher eine selbstkritische Phytotherapie, die ihre Stärken kennt, aber auch weiss, wann eine medizinische Behandlung nötig ist.

Auf der Basis solcher Grundsätze gelingt es zunehmend, mit professionellen Heilpflanzen-Anwendungen Brücken zu schlagen zwischen Medizin und Naturheilkunde.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen-Kurse: Die Checkliste – so prüfen Sie die Qualität!

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Heilpflanzen stossen erfreulicherweise auf zunehmendes Interesse. Entsprechend gross ist das Angebot an Heilpflanzen-Kursen. Allerdings gibt es bei diesen Angeboten kaum Qualitätskontrollen. Ich selber gebe seit über 25 Jahren Heilpflanzen-Kurse in verschiedensten Institutionen. In dieser Zeit hat noch nie eine Schulleitung die Qualität dessen überprüft, was ich da an Wissen vermittle. Die Schulleitungen wären auch gar nicht in der Lage gewesen, diese Prüfung durchzuführen. Dazu fehlte das Fachwissen. Ich finde das ziemlich erschütternd. Wer Heilpflanzen-Kurse besuchen will, muss darum entweder total blind vertrauen oder das Angebot selber unter die Lupe nehmen.
Hier finden Sie eine Checkliste von sieben Punkten, die ihnen dabei helfen können:

1. Heilpflanzen-Kurse sollten von ausgebildeten Fachleuten geleitet werden.

Das scheint eigentlich selbstverständlich, ist es aber ganz und gar nicht. Offenbar trauen sich viele Leute auch mit wenig oder gar keiner Ausbildung zu, Heilpflanzen-Kurse anzubieten. Prüfen Sie die Angaben in den Kursausschreibungen.
Aus der Kursausschreibung sollten Art und Umfang der Ausbildung des Leiters / der Leiterin ersichtlich werden. Eine Bezeichnung wie “Heilpraktikerin” oder “Naturarzt” reicht nicht, weil es bei Ausbildungen in diesem Bereich betreffend Umfang und Qualität riesige Unterschiede gibt. Titel wie “Phytotherapeutin” sind nichts wert, weil sie nirgends anerkannt sind und es dafür keine einheitlichen Ausbildungsgänge gibt. Auch ein “dipl.” davor macht die Sache nicht besser. Ein solches Diplom kann jeder und jede ausstellen, schon nach einem Wochenendkurs. Mich machen dann solche Hochstapeleien eher skeptisch.
Es ist also ganz und gar nicht einfach, die Qualität von Ausbildungen in diesem Bereich zu beurteilen. Trotzdem lohnt es sich, diesen Punkt anzuschauen. Sie würden ja auch nicht in einen Bus steigen mit einem Fahrer, der keine Prüfung abgelegt hat. Na also – und bei Heilpflanzen-Kursen, wo es immerhin um Gesundheit und Krankheit geht, soll die Ausbildung egal sein?

2. Heilpflanzen-Kurse sollen Möglichkeiten und Grenzen aufzeigen

Wenn Ihnen der Eindruck vermittelt wird, dass sich mit Heilpflanzen alle gesundheitlichen Probleme lösen lassen, ist etwas faul. Ebenso wenn nie von unerwünschten Nebenwirkungen die Rede ist. Es spricht sehr viel dafür, dass alles was Wirkungen hat, auch unerwünschte Nebenwirkungen zeigen kann. Wer das ausblendet, blendet einfach etwas aus…..
Wie in jedem Wissensbereich auch, sind in der Heilpflanzenkunde zahlreiche Fragen ungeklärt. Wer als LeiterIn eines Heilpflanzen-Kurses auf jede Frage eine eindeutige Antwort gibt, hat wohl dieses Fachgebiet nur oberflächlich verstanden und macht sich und den Teilnehmenden etwas vor. Lücken und offene, ungeklärte Fragen dürfen nicht ausgeklammert werden, weil sonst ein unzutreffendes, abgeschlossenes Bild entsteht. Die Heilpflanzenkunde entwickelt sich aber gerade entlang dieser ungeklärten Fragen ständig weiter.

3. Heilpflanzen-Kurse sollen nicht zur Identifizierung mit Heilpflanzen und ihren Kräften beitragen.

Wer die unbegrenzten Möglichkeiten der Heilpflanzen in den schönsten Farben ausmalt, ohne auf die Grenzen hinzuweisen, idealisiert sie. Das passiert vor allem Menschen, die sich sehr stark mit den Heilpflanzen und ihren Kräften identifizieren. Und wer sich zu stark identifiziert, verliert jede Distanz, die nötig wäre, um zwischendurch auch mal einen kritischen Gedanken zum eigenen Gebiet zu fassen. Darum wäre ich sehr skeptisch, wenn LeiterInnen von Heilpflanzen-Kursen sich zu 150% mit den Heilpflanzen und ihren Kräften identifizieren. Wer seine Identität so vollständig auf der eigenen Rolle als Heilpflanzenmensch aufbaut, wird sich bei jeder kritischen Bemerkung zu Heilpflanzen persönlich angegriffen fühlen. So wird ein differenzierter Umgang mit Heilpflanzen fast unmöglich. LeiterInnen von Heilpflanzen-Kursen dürfen und sollen durchaus von ihrem Gebiet überzeugt sein, aber zwischendurch auch genug Distanz haben, um Grenzen, offene Fragen und heikle Punkte in der Pflanzenheilkunde zu erkennen.

3. Heilpflanzen-Kurse sollen keine Feindbilder aufbauen

Die Heilpflanzenkunde hat keine eigene Diagnostik. Ohne genaue Diagnose ist aber sehr oft keine sorgfältige Therapie möglich. Darum braucht die Heilpflanzenkunde immer wieder eine Kooperation mit dem medizinischen System, wenn sie seriös bleiben will. Wenn Ihnen in einem Heilpflanzen-Kurs ein Schwarz-Weiss-Bild vermittelt wird: Hier die helle, lebens- und menschenfreundliche Naturheilkunde, dort die schädliche, menschenfeindliche Medizin, dann ist diese Feindbild-Konstellation kontraproduktiv. Sinnvoller wäre dagegen, wenn Ihnen Optionen gezeigt und vermittelt werden, also Wahlmöglichkeiten. Je nach Situation ist manchmal eine medizinische, und manchmal eine heilpflanzenkundliche Therapie angemessener. Es gibt in der Pflanzenheilkunde dogmatisch-fundamentalistische Strömungen, welche solche Wahlmöglichkeiten nicht wahrnehmen können. Das kann gefährlich werden, wenn eine medizinische Therapie notwendig wäre. Eine grundsätzliche Kooperationsbereitschaft mit dem medizinischen System ist aber nicht gleichzusetzen mit Kritiklosigkeit.

4. Heilpflanzen-Kurse sollen nicht mit wohlklingenden, aber nichtssagenden Worthülsen manipulieren.

Manche Ausschreibungen für Heilpflanzen-Kurse sind gespickt mit wohlklingenden, aber nichtssagenden Worthülsen wie: Ganzheitlich, Schwingungen, Energie, Wesen der Pflanzen, etc.
Das Problem mit solchen Worthülsen ist, dass sie bei einer bestimmten Klientel diffuse Bedürfnisse ansprechen und darum sehr verkaufsfördernd sind. Gleichzeitig sind sie aber so nichtssagend oder vage, dass jeder und jede sich darunter etwas ganz anderes vorstellt. So kann man sich über lange Zeit bestens darüber unterhalten und gleichzeitig vollkommen aneinander vorbeireden, weil jeder in seinen eigenen Vorstellungen gefangen ist. Falls Sie in einem Heilpflanzen-Kurs mit solchen Worthülsen traktiert werden, fragen Sie so lange genau nach, bis Ihnen bei jedem Wort präzis vermittelt wurde, in welchem Sinn es von der DozentIn gemeint ist.
Meiner Erfahrung nach bekommt man beim Nachfragen oft nur wirre Auskünfte und Erklärungen. Das wäre dann wohl ein Hinweis darauf, dass mit solch nebulösen Begriffen ein Mangel an detailliertem Wissen verdeckt wird.

5. Heilpflanzen-Kurse sollen Begründungen liefern und nicht nur Behauptungen aufstellen.

Im Bereich von Naturheilkunde & Pflanzenheilkunde werden immer wieder Behauptungen über Heilwirkungen aufgestellt, ohne dass auch nur der kleinste Versuch gemacht wird, sie zu begründen. Als Zuhörer oder Leser kann ich solche Aussagen nur entweder glauben oder nicht. Ein fundierteres Urteil kann ich mir nur machen, wenn die Behauptung begründet wird. Ich muss dazu wissen, wie jemand zu einer Aussage gekommen ist, welche Erfahrungen, Beobachtungen oder Gedanken dazu geführt haben. Wer keine Begründung liefert, verlangt blinden Glauben.

6. Heilpflanzen-Kurse sollen die Quellen offenlegen, aus denen das vermittelte Wissen stammt.

Wird klar, woher der Leiter / die Leiterin eines Heilpflanzen-Kurses das dargestellte Wissen hat? Erweckt er oder sie den Eindruck, das ganze beschriebene Wissen selber entdeckt zu haben? – Das ist sehr fragwürdig. Überzeugender ist es, wenn ein Leiter / eine Leiterin Wissen darstellt, das sich in Diskussionen innerhalb der Phytotherapie-Fachwelt behaupten konnte. Nur was auch kritischen Einwänden standgehalten hat, kann als bewährt gelten, während sich individuelle “Entdeckungen” nicht selten als hoch spekulativ erweisen.

7. Heilpflanzen-Kurse sollen nicht zum narzisstischen & anthropozentrischen

Missbrauch der Pflanzenwelt beitragen.

In der Pflanzenheilkunde gibt es eine “Szene”, welche die Heilpflanzen und ihre Kräfte sehr stark als auf den Menschen hin ausgerichtet darstellen. Das ist meines Erachtens hoch fragwürdig. Ein Beispiel dafür ist die Theorie, dass jede Pflanze, die in meinen Garten kommt, zu mir kommt, weil ich sie gerade nötig habe. Das ist natürlich eine schöne Vorstellung, weil da jemand kommt, der sich um mich kümmert, ohne grosse Ansprüche zu stellen. Dabei steht allerdings der Mensch ziemlich stark im Zentrum der “Veranstaltung” und er übersieht dabei, dass die Pflanze in seinen Garten kommt, weil die Bedingungen dort für sie günstig sind.
Ein ähnlich anthropozentrisches Weltbild (= der Mensch im Mittelpunkt) findet sich in den Beschreibungen von “Signaturen” der Heilpflanzen. Farben und Formen der Pflanzen sollen uns Hinweise geben, wozu die Pflanze für uns gut ist. Auch hier ist die Pflanze ihrem Wesen nach auf den Menschen gerichtet. Sie meldet sich quasi mit ihren Signaturen, um uns eine Mitteilung zu machen. Dabei wird die Position des Menschen grob überschätzt. Farben und Formen entwickeln Pflanzen für sich. Die Blüten richten sich voll und ganze an die Insekten. Was uns natürlich nicht daran hindern soll, uns an ihnen zu freuen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Aspirin schützt offenbar nicht vor (erstem) Herzinfarkt

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Aspirin kann die Fliesseigenschaften des Blutes verbessern und wird daher oft eingenommen zur Vorbeugung gegen Herzinfarkt und Schlaganfall. Eine neue Studie zeigt nun, dass die vorbeugende Einnahme von Aspirin zum Schutz vor Erst-Infarkten nutzlos ist und sogar schaden kann. Das Risiko von Magen- und Darmblutungen und Nierenschäden steigt.
Wissenschaftler um Prof. Jill Belch vom Cardiovascular Research Institute der Dundee University (Schottland) stellten im British Medical Journal eine Studie vor, die den Nutzen von Aspirin zur Infarktpropylaxe untersuchte.
Dazu wurden 1276 Diabetes-Patienten über 40 Jahren mit Arterienerkrankungen untersucht, die bisher noch keinen Herzinfarkt hatten. Sie wurden in Aspirin- und Placebo-Gruppen eingeteilt und acht Jahre beobachtet.
Das Ergebnis: Von den Patienten in der Aspirin-Gruppe (2 mal täglich 100mg) bekamen 116 einen Infarkt, in der Placebo-Gruppe waren es 117.
Statistisch ist dieser Unterschied irrelevant.
Zusätzlich zeigte die Studie keinerlei vorbeugenden Effekt auf die Verhinderung von Schlaganfällen oder Todesfälle durch Herzerkrankungen. Studienautorin Belch warnt aufgrund ihrer Ergebnisse vor einer eigenmächtigen Vorsorge mithilfe von Aspirin.
Sie weist aber gleichzeitig darauf hin, dass die Therapie nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall mit Aspirin gesichert sei. Insofern wäre es sinnvoll einem zweiten Ereignis mithilfe der Medikation entgegenzuwirken, wohingegen der erste Herzinfarkt oder Schlaganfall durch präventiv gegebenes Aspirin nicht verhindert werden kann.
Quellen:
http://www.scienceblogs.de/medlog/2008/10/aspirin-senkt-herzinfarktrisiko-nicht.php http://www.bmj.com/cgi/content/abstract/337/oct16_2/a1840

P.S.: Ähnliche Wirkstoffe wie im Aspirin kommen auch in einigen Heilpflanzen vor, zum Beispiel in der Weidenrinde. Die Phytotherapie verwendet Extrakte aus der Weidenrinde deshalb als leichtes und gut verträgliches Schmerzmittel. Allerdings unterscheiden sich die Wirkstoffe der Weidenrinde an einem entscheidenden Punkt von der Acetylsalicylsäure im Aspirin. Wegen diesem Unterschied muss man davon ausgehen, dass die Weidenrinde unwirksam ist zur Verbesserung der Fliesseigenschaften des Blutes. Es gibt immer wieder fachlich nicht sattelfeste Leute im Bereich Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde, welche Weidenrinde (oder Heilpflanzen mit ähnlichen Wirkstoffen) als Ersatz für Aspirin Cardio empfehlen. Das könnte riskant werden in Fällen, in denen die Aspirin-Therapie nötig ist.

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Heilpflanzen-Bücher: Qualität prüfen – aber wie?

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Heilpflanzen-Bücher gibt es fast wie Sand am Meer, und sie könnten kaum unterschiedlicher sein. Grundsätzlich kann jeder Mensch seine Ideen und Erfahrungen zum Thema Heilpflanzen publizieren – dafür sorgt die Meinungs- und Pressefreiheit. Das ist auch gut so. Allerdings folgt daraus, dass die Qualität von Heilpflanzen-Büchern ausserordentlich unterschiedlich ist. Nur die wenigsten Verlage sind fähig oder willens, eine präzise Qualitätskontrolle zu machen, wenn es um Heilpflanzen-Bücher geht.
Für Laien und Fachleute im Bereich der Pflanzenheilkunde ist das eine heikle Situation. Immerhin steht ja die Gesundheit auf dem Spiel. Da ist es nötig genau zu prüfen, auf welche Informationen man sich stützt.
Wie lassen sich aber nun seriöse, fundierte Heilpflanzen-Bücher unterscheiden von den ungesicherten Spekulationen mancher VerfasserInnen?
Die folgende Checkliste kann vielleicht dabei helfen:

1. Welchen beruflichen Background hat der Autor / die Autorin?

Sind die Ausbildung und die aktuelle berufliche Tätigkeit im Buch ersichtlich und haben sie einen Zusammenhang mit dem Thema “Heilpflanzen”? – Lässt sich daraus auf eine fundierte, längerdauernde Auseinandersetzung mit der Pflanzenheilkunde schliessen?

2. Hat der Verlag Fachwissen & Erfahrung im Bereich Heilpflanzen & Medizin?

Ein Fachverlag mit Erfahrung bezüglich Publikation von Büchern in den Bereichen Medizin & Heilpflanzenkunde wird eher ein kompetentes Lektorat haben, das die Qualität eines angebotenen Manuskriptes beurteilen kann. Einem Verlag, der nur ausnahmsweise Bücher im Bereich Pflanzenheilkunde & Medizin produziert, fehlt möglicherweise das nötige Know-how, um einen irrlichternden Autor mit seinen fachlichen Schwächen und Macken zu konfrontieren. So wird dann halt publiziert, was auf dem Markt gut ankommt, und das ist oft nicht von überzeugender Qualität.

3. Wie transparent sind die Quellen?

Wird klar, woher der Autor / die Autorin das dargestellte Wissen über Heilpflanzen hat? Erweckt er oder sie den Eindruck, das ganze beschriebene Wissen selber entdeckt zu haben? – Das ist sehr fragwürdig. Überzeugender ist es, wenn ein Autor / eine Autorin Wissen darstellt, das sich in Diskussionen innerhalb der Phytotherapie-Fachwelt behaupten konnte. Nur was auch kritischen Einwänden standgehalten hat, kann als bewährt gelten, während sich individuelle “Entdeckungen” nicht selten als hoch spekulativ erweisen.

4. Bemüht sich der Autor / die Autorin um eine möglichst klare Sprache oder dominieren leere Worthülsen?

Viele populäre Heilpflanzen-Bücher strotzen nur so von wohlklingenden, aber nichtssagenden Ausdrücken. Da ist vom “Wesen der Pflanzen” die Rede, das für die Wirkungen der Pflanzen verantwortlich sein soll, ohne dass dieser hoch komplexe Begriff des Wesens auch nur annähernd geklärt wird. Heilpflanzen wirken “ganzheitlich”, “schützend”, “harmonisierend”, “energetisierend”, sie “gleichen Schwingungen aus” oder “wirken feinstofflich”. Das sind alles Wörter, die noch kaum etwas Konkretes aussagen, aber diffuse Bedürfnisse von Lesenden ansprechen. Und es würde grosse Anstrengungen brauchen, um genau zu klären, was die schreibende Person damit gemeint hat (falls sie das selber überhaupt weiss…). Oft verdecken solche ausgesprochen vagen Begriffe nämlich nur Wissenslücken. Wer so nebulös daherschreibt, dürfte sich kaum mit den konkreten Details auseinandergesetzt haben. Da bleibt man dann doch lieber möglichst allgemein-wolkig.

5. Zeigt der Autor / die Autorin auch Grenzen und Schwächen der Pflanzenheilkunde?

Oder vermittelt das Buch den Eindruck, mit Heilpflanzen seinen alle gesundheitlichen Probleme zu lösen?
Wenn sich ein Autor / eine Autorin mit Haut und Haaren mit den Heilpflanzen identifiziert, fehlt oft die nötige Distanz, um auch Schwächen und Grenzen der Pflanzenheilkunde wahrzunehmen. Dann sind zum Beispiel unerwünschte Nebenwirkungen durch Pflanzen nirgends ein Thema und der Grundtenor eines solchen Heilpflanzen-Buches lautet: Gegen jede Krankheit ist ein Kräutchen gewachsen (was eben höchstwahrscheinlich nicht stimmt, sondern eine Wunschphantasie ist).

6. Begründungen oder Behauptungen?

Bemüht sich der Autor / die Autorin darum, Aussagen über Heilwirkungen von Pflanzen zu begründen? Beschreibt er/sie, welche Überlegungen, Erfahrungen oder Untersuchungen konkret hinter einer Aussage stehen? Oder dominieren einfach blanke Behauptungen, die man nur blind glauben kann oder nicht?

Wer solche Fragen prüft, bekommt meiner Ansicht nach ein präziseres Bild von der Qualität eines Heilpflanzen-Buches.

Ausgewählte und fundierte Bücher aus den Bereichen Pflanzenheilkunde / Phytotherapie finden Sie im Heilpflanzen-Buchshop.

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Spagyrik: Nachfragen bei nebulösen Aussagen!

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Spagyrik boomt in vielen Apotheken, Drogerien und Naturheilpraxen. Doch es gibt kaum eine Sparte der Pflanzenheilkunde mit derart schwammigen und zugleich wohltönenden Aussagen. Jede dieser Aussagen ist meiner Ansicht nach eine Aufforderung, sehr genau und detailliert nachzuhaken.
So erklärte mir vor kurzem ein Spagyrik-Vertreter, dass spagyrische Heilmittel ganzheitlicher und tiefer wirken würden als “gewöhnliche” Phytotherapie.
Ganzheitlicher und tiefer tönt natürlich immer gut, doch mir scheint, dass wir es hier mit typischen Worthülsen zu tun haben.
Ich fragte nach, wie genau denn die Spagyrik ganzheitlicher wirke. Die Antwort war, dass sie eben gleichzeitig auf Geist, Seele und Körper wirke. Ich fragte nach, wie denn genau die Wirkung auf den Geist sei und bekam sehr verworrene Antworten wie “heilend” und “harmonisierend”.
Wenn ich spagyrische Mittel einnehmen würde und diese Aussagen ernstnähme, wäre ich sehr beunruhigt. Hier wird eine Wirkung auf meinen Geist behauptet, aber niemand weiss offenbar, was genau das Mittel dort auslöst. Es scheint so, als ob das Mittel von selber wüsste, was es in meinem Geist tun soll, und diesen “Job” selbständig erledigt. Na bravo, das ist ja sehr effizient. Weder der Patient noch die behandelnde Person müssen sich da noch gross anstrengen, geschweige denn sich mit dem “Geist” auseinandersetzen.
Ich habe dann noch nachgefragt, wie genau die Wirkung der Spagyrik auf der seelischen Ebene zustande komme, und wieder nur ausgesprochen vage Antworten bekommen. Hier muss man sich als TherapeutIn offenbar nicht ernsthaft mit der Psyche des behandelten Menschen auseinandersetzen oder gar eine psychotherapeutische Ausbildung haben – und trotzdem kann man “tief” in die Seele einwirken.
Auch hier hatte ich den Eindruck: Wenn all diese tiefen seelischen Wirkungen real wären, aber niemand eine genauere Ahnung davon hat, was da genau passiert in der Psyche, dann wäre das höchst problematisch. Vergleichbar schiene mir das mit einer Operation durch einen blinden Chirurgen – ein kriminelles Vorgehen!
Keine Angst vor Schäden, Risiken und Nebenwirkungen in der Psyche? Oder kann man da gar nie etwas falsch machen? Das wäre dann wirklich wunderbar.
Aber ich will nicht dramatisieren: Für mich deutet nichts darauf hin, dass Spagyrik in dieser Art auf Geist und Psyche wirkt. Wer aber an solche Effekte glaubt, muss sich auch fragen lassen, was er da genau in Geist und Seele auslöst. In diesen Bereichen kann man doch nicht so einfach herumfuhrwerken. Auch stellt sich die Frage, wie denn individuell auf Geist und Psyche der behandelten Person eingegangen wird, wenn doch die Vorstellungen derart vage und nebulös bleiben. Für die Naturheilkunde ist es ja ein oft postuliertes Anliegen, den Menschen individuell zu behandeln. Hier aber – ohne fundiertes Wissen über Psyche und Geist der behandelten Person, kann die Therapie ja nur ausgesprochen pauschal ausfallen.

Ich habe dann darauf verzichtet, meinen Spagyrik-Vertreter noch zu fragen, wie genau die “tiefe” Wirkung zustande kommt oder was genau er damit meint. Aber “tief” ist auch so ein Allerweltswort, das immer gut tönt und noch gar nichts aussagt.

Fragen Sie hartnäckig nach, wenn ihnen solche Worte serviert werden – in der Naturheilkunde, in der Pflanzenheilkunde, oder auch sonst im Alltag.
Nichts konkretes aussagen, kein Inhalt, aber eine wohltönende Hülle. Das ist meines Erachtens Manipulation pur.

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