Beiträge

Johanniskraut: Wissenschaftliche Analyse zeigt Wirksamkeit einzelner Extrakte

Diesen Artikel teilen:
FacebookTwitterGoogle+ Share

Die wissenschaftliche Aufarbeitung pflanzlicher Arzneimittel hat in den letzten Jahren starke Forschritte gemacht. Dabei wird aber die richtige Beurteilung einzelner pflanzlicher Präparate durch eine spezielle Eigenschaft der Phytopharmaka kompliziert: Sie sind in ihrer Vielfalt nur schwer einzeln fassbar. Im Unterschied zu den chemisch definierten Einzelsubstanzen der “normalen” Medikamente sind Heilpflanzen-Präparate Vielstoffgemische. Je nach Qualität der verwendeten Pflanzen und den unterschiedlichen Herstellungsverfahren ergeben sich Produkte, deren Wirkungen stark voneinander abweichen können. Das zeigt sich zum Beispiel deutlich beim Johanniskraut (Hypericum perforatum), das in der Pflanzenheilkunde eine lange Tradition besitzt und inzwischen zu den am besten untersuchten Heilpflanzen gehört. Es sind mehrere Johanniskraut-Extrakte auf dem Markt, die sich so stark unterscheiden, dass ihre Wirkungen nicht einfach gleich gesetzt werden können. Darum kann man genau genommen nicht einfach generell sagen: Johanniskraut wirkt gegen Depressionen. Es kommt sehr darauf an, welcher Extrakt verwendet wird.
PD Dr. Klaus Linde, Autor der Cochrane-Dokumentation ”Johanniskraut”, hat darum die vorhandenen klinischen Studien (= Patientenstudien) im Hinblick auf Wirksamkeit und Bedeutung einzelner Johanniskrautextrakte analysiert.
Auf Anregung von Phytoexperten wurde vor einem Jahr ein hochkarätig besetztes interdisziplinäres, wissenschaftliches Gremium ins Leben gerufen, das den aktuellen Stand klinischer Forschung nach EBM-Kriterien und auf die einzelnen Pflanzenextrakte bezogen untersucht. Die ”Kommission Qualität und Transparenz von Phytopharmaka” wird vom “Komitee Forschende Naturmedizin” unterstützt.
Mit dem ersten Auftrag der Kommission wurde PD Dr. Klaus Linde vom Zentrum für naturheilkundliche Forschung der TU München betraut. Der Autor des Cochranreviews ”St. John™s wort for depression” (The Cochrane Database of Systematic Reviews 2005, issue 2. Art.No: CD000448) untersuchte die vorhandene Wirkung randomisierter Studien zur Wirksamkeit einzelner Johanniskraut-Extrakte bei Depressionen verglichen mit Placebo oder synthetischen Antidepressiva.
In einer ersten Übersicht prüfte Dr. Linde, für welche auf dem deutschen Markt als Antidepressiva eingesetzten Hypericum-Extrakte klinische Studien existieren. Dabei berücksichtigte er in seiner Analyse ausschliesslich Studien mit randomisiertem und doppelblindem Studiendesign, insgesamt 42 an der Zahl. Zu jedem der zum Zeitpunkt der Übersicht (Februar bis Oktober 2006) auf dem deutschen Markt erhältlichen Präparat wurde eine deskriptive Bewertung der Evidenzlage erstellt. Die im Dezember 2006 abgeschlossene Arbeit umfasst 53 Seiten und trägt den Titel ”Johanniskraut bei Depression – eine Übersicht der randomisierten Studien bezogen auf einzelne Extrakte”. Sie ist im Internet unter www.phytotherapie-komitee.de/Forschung/kfn_hyperic_281206.pdf abrufbar.
Die Arbeit von Klaus Linde zeigt: Es gibt Johanniskraut-Präparate mit gut belegter Wirksamkeit und solche, die in den Patientenstudien kaum über einen Placebo-Effekt hinaus kommen. Für betroffene Patientinnen und Patienten sind diese Unterschiede wesentlich.
Die Untersuchung bezieht sich zwar auf Johanniskrautpräparate aus Deutschland, doch sind die entsprechenden Extrakte zum Teil unter anderen Namen auch in der Schweiz erhältlich. Wenn Sie sich Kenntnisse erwerben möchten, die bei der fundierten Beurteilung solcher Präparate helfen, empfehle ich Ihnen den Phytotherapie-Lehrgang oder das Heilpflanzen-Seminar (www.phytotherapie-seminare.ch). Ohne solche Kenntnisse ist man im Bereich der Pflanzenheilkunde nämlich den Aussagen und Versprechungen der Hersteller und Verkäufer ziemlich ausgeliefert.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Bestätigung für Phytotherapie funktioneller Magen-Darm-Beschwerden

Diesen Artikel teilen:

Rund ein Viertel der Bevölkerung leidet unter immer wiederkehrenden Magenschmerzen, Sodbrennen, Völlegefühl und Krämpfen. Zur Behandlung solcher als “funktionelle Dyspepsie” oder “Reizmagen” bezeichneten Missempfindungen werden mit zunehmendem Erfolg Heilpflanzen-Präparate eingesetzt.
Die Auslöser von funktionellen Verdauungsbeschwerden sind vielfältig: Störungen der Magen- und Darmbeweglichkeit gehören ebenso dazu wie eine Überempfindlichkeit, Entzündungsprozesse oder eine überschießende Produktion von Magensäure. Mit synthetischen Arzneimitteln lassen sich nur einzelne Symptome beeinflussen: Mit Monopräparaten kann
– die Produktion von Magensäure blockiert,
– die Säure mit Antazida gebunden,
– die Bewegungen von Magen und Darm mit Prokinetika stimuliert oder
– die Schmerzen mit krampflösenden Mitteln gelindert werden.
Diese Therapien sind nicht nur kostspielig, sondern gehen häufig auch mit beträchtlichen Nebenwirkungen einher.
Dagegen entfaltet eine pflanzliche Kombination aus Extrakten von Iberis amara (Bittere Schleifenblume) Angelikawurzel, Kamillenblüten, Kümmel, Schöllkraut, Mariendistel, Melisse, Süßholz und Pfefferminze auf alle diese Teilbereiche gleichzeitig ihre günstige Wirkung, ohne aber ähnliche Nebenwirkungen auszulösen wie die synthetischen Monopräparate. Die Kombination beeinflusst im Sinne einer Multi-Target-Therapie durch additive und synergistische Effekte der einzelnen pflanzlichen Wirkstoffe die verschiedenen Symptome.
Von einer Arbeitsgruppe am Universitätsklinikums Magdeburg wurde dazu eine klinische Studie durchgeführt und im angesehenen “American Journal of Gastroenterology” veröffentlicht (Am J Gastroenterol. 2007 Jun; 102(6):1268-75). Die Wissenschaftler um Dr. Ulrike von Arnim wiesen in der placebokontrollierten, doppelblinden Multicenterstudie an 315 Patienten nach, dass das pflanzliche Arzneimittel die vielfältigen Magen-Darm-Beschwerden schon nach zwei Wochen zuverlässig bessert. Diese Studie veranlasste selbst das gegenüber Phytopharmaka besonders skeptisch eingestellte “American College of Gastroenterology”, in seinem Organ “Journal Nature/Clinical Practice” (Nat Clin Pract Gastroenterol Hepatol. 2008 Mar;5(3):136-7) dazu, das untersuchte Heilpflanzen-Präparat als “eine sichere und effektive therapeutische Option” zur Behandlung von funktioneller Dyspepsie zu bezeichnen.
(Quelle: http://www.medcom24.de / Komitee Forschende Naturmedizin)

Das ist ein weiterer Beleg für die Wirksamkeit der Phytotherapie bei funktionellen Magen-Darm-Beschwerden. Und es ist ein gutes Beispiel dafür, dass eine Kombination mehrerer Heilpflanzen durch die gleichzeitige Einwirkung auf verschiedene Körpervorgänge bzw. Symptome (Multi-Target-Therapie) gegenüber der Anwendung einer Einzelsubstanz überlegen sein kann. Hier zeigt sich eine Stärke der Phytotherapie / Pflanzenheilkunde.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Landschaft und Natur – Faktoren innerer Stabilität

Diesen Artikel teilen:

Gibt es eine Landschaft, mit der Sie besonders verbunden sind? Kennen Sie die Landschaft in Ihrer näheren Umgebung? Ist sie noch irgendwo zu sehen oder wird sie von einem Strassen- und Häusermeer zugedeckt? Und wenn das so ist: Wo taucht wenigstens ein Zipfel Landschaft aus dem Beton- und Asphaltmeer auf?
Vieles deutet darauf hin, dass in unserer Kultur die Beziehung zur Landschaft immer mehr verloren geht, und das nicht etwa nur in den Städten. Landschaft wird nur noch von wenigen Menschen wirklich mit den Sinnen erfahren und im Herzen erlebt. Allenfalls noch im Urlaub – weit weg vom Alltag – lassen sich Menschen von Landschaften berühren. Am Wohnort und in seinem nächsten Umkreis findet dieser Kontakt immer seltener statt. Das hat tiefgreifende Folgen: Wer sich mit einer Landschaft verbunden fühlt, ist dort verwurzelt und beheimatet. Das kann viel Kraft geben in einer Zeit des rasanten Umbruchs, wie wir sie heute erleben. Verwurzelung trägt wesentlich zur Gesunderhaltung bei. Sie wirkt im Sinne eines Resistenzfaktors, der schädlichen Einflüssen entgegenwirken kann. Entwurzelung und Isolierung von Landschaft und Natur dagegen bedrohen letztlich unsere innere Stabilität und unsere Gesundheit.
Wie aber lässt sich nun eine Beziehung zu einer Landschaft aufbauen und verstärken?
Nötig ist dazu bestimmt etwas Zeit. Wir sind grösstenteils wohl viel zu schnell unterwegs, um Landschaft in uns aufzunehmen. Zudem lässt sich Landschaft kaum im Fahren erfahren, viel eher schon zu Fuss. Isoliert durch Blech und Plexiglas, gleitet der automobile Mensch reibungs- und mühelos, aber auch kontaktlos durch die Gegend.
Gehend erfahren wir Landschaft viel direkter und intensiver. Sie setzt uns Widerstand entgegen durch Aufstiege, Abstiege und Hindernisse verschiedenster Art. Das fördert den Kontakt mit dem Gelände und die Wahrnehmung, falls es uns gelingt, gehend in der Gegenwart zu bleiben und nicht innerlich schon an ein Ziel vorauszueilen.
Gönnen Sie sich doch von Zeit zu Zeit einen langsamen Streifzug in die nähere Umgebung. Es muss nicht unbedingt eine intakte Landschaft sein, denn es ist auch wichtig, dass wir unsere Wahrnehmung schärfen dafür, wie wir Menschen mit Landschaft umgehen. Passt sich eine Strasse dem Gelände an oder zerschneidet sie es gnadenlos? Passt ein Haus in seine Umgebung oder steht es da wie eine zufällig verlorene Schuhschachtel?
Wertvoll und anregend kann es auch sein, ein kleines Stück Land während eines Jahres, von Monat zu Monat zu beobachten: den Frost und die Eisstarre danach, das Auftauen der Erde, im Frühjahr die ersten Wildblumen und Heilpflanzen, die ihre leuchtenden Farben entfalten, später das üppige Wachsen, die Käfer auf den Blättern und die Blattläuse, der Boden, der vor Trockenheit rissig wird oder schwer vor Nässe, das Wachsen und Welken der Blätter und ihr Fall, während die neuen Knospen sich schon wieder bereit machen für das nächste Jahr.
Auf diese Art zu beobachten kann Kinder und Erwachsene näher zur Landschaft und zur Natur führen. Der Herbst ist eine gute Jahreszeit, um sich ein solches Stückchen Erde zu suchen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Naturheilkunde: Kritische Fragen unerwünscht?

Diesen Artikel teilen:

Mit kritischen Fragen zu Naturheilmethoden kann man sich ganz schön in die Nesseln setzen. Oft reagieren Anhängerinnen und Anhänger der betroffenen Methoden sehr heftig und fühlen sich persönlich angegriffen. Schnell wird der kritische Frager zum Verräter gestempelt und in die “schulmedizinische Ecke” abgeschoben.
Woher das wohl kommt?
Ich glaube vom allzu ausgeprägten Schwarz-Weiss-Denken: Hier die gute, reine, heilsame, gesunde Naturheilkunde – dort die giftige, gefährliche Schulmedizin mit ihrer “Chemie”. Wer kritische Einwände zu einer Naturheilmethode anbringt, wird von solchen Schwarz-Weiss-Denkern sofort ins gegnerische oder gar feindliche Lager gestellt. In ihren Augen muss offenbar die Naturheilkunde um jeden Preis vollständig heil, gut und unbefleckt gehalten werden. Vielleicht deshalb, weil ihnen sonst in der Welt nicht mehr viel heil und intakt vorkommt. So wäre denn die Vorstellung von der absolut positiven, reinen, guten Naturheilkunde für diese Menschen sehr verführerisch.
Mir scheint diese Haltung allerdings wie alle Schwarz-Weiss-Bilder als viel zu einseitig. Diese Einseitigkeit zeigt sich zum Beispiel in der Vorstellung, dass Heilpflanzen niemals schaden können und dass jede Krankheit mit Kräutern geheilt werden kann. Beides ist allzu schön, um wahr zu sein. Wer an dem absolut positiven, hellen Bild der Naturheilkunde festhält,
-klammert oft aus, dass auch Naturheilmethoden unerwünschte Nebenwirkungen und Risiken haben können;
– ist anfälliger für übertriebene Heilungsversprechungen, die in der Naturheilkunde nicht selten anzutreffen sind;
– kann die Grenzen, die jede Methode hat, viel schlechter abschätzen;
– macht sich meist zu wenig bewusst, dass im Zuge des Naturheilmittelbooms auch vieles produziert und vermarktet wird, das mit grosser Wahrscheinlichkeit unnütz und überflüssig ist.
Dies alles trägt nicht gerade zu einem zweckmässigen, der jeweiligen Situation angemessenen Umgang mit Naturheilmethoden bei.
Wer die Naturheilkunde ernst nimmt, stellt sie nicht unter eine Glasglocke, um sie vor jeder Kritik zu schützen. Wir brauchen die konstruktiv-kritische Auseinandersetzung mit den eigenen und anderen Methoden – auch im Bereich der Pflanzenheilkunde.
Nur so werden mit der Zeit die Stärken und Schwächen einer Methode deutlicher. Die Befürchtung, dass dadurch die Naturheilkunde geschwächt wird, teile ich gar nicht. Im Gegenteil: Sie bekommt sichereren Boden, ein gefestigteres Fundament. Durch die konstruktiv-kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Methoden gewinnt die Naturheilkunde an innerer Stärke. Und wer sich stark genug fühlt, kann auch Schwächen und Grenzen seiner Methoden sehen und zugeben. Nur wer selber auf schwachen Füssen steht, muss sich oder seine Methoden als in jeder Hinsicht perfekt und vollkommen hinstellen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Bach-Blüten im Schnellverfahren……

Diesen Artikel teilen:

Vor kurzem berichtete mir eine Kursteilnehmerin aus dem Thurgau folgendes:
Wenn ihr Sohn gesundheitliche Beschwerden habe, schicke sie ihn zu einer Bach-Blüten-Therapeutin im oberen Stock. Das Kind greift dort in ein Körbchen mit den 38 Bach-Blüten und zieht daraus ein Fläschchen heraus. Dieses herausgegriffene Mittel soll dann für die gegenwärtigen Beschwerden das geeignete Heilmittel sein. Wir haben der Teilnehmerin dann geraten, sich dieses Körbchen doch einmal auszuleihen und das Auswahlverfahren mehrere Male hintereinander durchzuführen. Prompt kam beim zweiten Ziehen ein anderes Ergebnis heraus. Wer nun dieses Verfahren “retten” will kann natürlich sagen, dass das Kind zur Zeit halt beide gezogenen Bach-Blüten brauche. Sehr überzeugend scheint mir diese Argumentation aber nicht.
Schaut man sich das Prozedere dieser Bach-Blüten-Therapeutin etwas genauer an, hat es für die “Heilerin” zweifellos einige Vorteile:
1. Wenn man die Annahme akzeptiert, dass das Kind “intuitiv” immer die richtige Wahl trifft, so schliesst dieses Verfahren jeden Zweifel aus. Das ist ein grosser Vorteil gegenüber allen seriösen Therapeutinnen und Therapeuten, die sich immer wieder dem Zweifel stellen müssen, ob die angewandte Behandlung auch die richtige sei.
2. Das Verfahren kommt ganz ohne Kenntnisse über Bau und Funktion des menschlichen Organismus und über seine Krankheiten aus. Jede und jeder kann es ohne die geringste Ausbildung anwenden. Der Begründer der Bach-Blüten-Therapie, Eduard Bach, hat im übrigen genau diese Ansicht vertreten: “Ohne Kenntnisse der Medizin kann ihre Anwendung so leicht verstanden werden, dass sie in jedem Haushalt benutzt werden können……Wieder möchte ich Ihnen einprägen, dass keinerlei wissenschaftliche Kenntnisse notwendig sind, um mit diesen Pflanzen zu heilen – nicht einmal der Name der Krankheit oder des Leidens ist wichtig. Was zählt, ist nicht die Krankheit, sondern der Patient.” (Vortrag in Wallingford an Bachs 50. Geburtstag).
Hier wird einem Vorgehen das Wort geredet, das gänzlich ohne Wissen und Ausbildung auskommt (fragwürdig ist zudem das Auseinanderreissen von “Patient” und “Krankheit”).
Dieses Minimal-Verfahren kommt Personen entgegen, die geistig zu träge sind, um sich fundierte Kenntnisse anzueignen, was Zeit braucht und manchmal auch anstrengend sein kann.
3. Die Methode ist ausgesprochen schnell. Während der Medizin gerade aus Kreisen der Naturheilkunde manchmal (zu Recht oder zu Unrecht) eine Fünf-Minuten-Medizin vorgeworfen wird, handelt es sich hier bestenfalls um eine Dreissig-Sekunden-Therapie, bei der eine Auseinandersetzung mit der zu behandelnden Person vollkommen überflüssig ist.

Fazit: Wir haben hier ein Vorgehen, das perfekt in unsere Zeit passt – schnell, ohne Aufwand für Behandelnde und Behandelte, sowie glatt, das heisst ohne Tücken, Widersprüche, Unebenheiten, Nebenwirkungen. Fast-food-mässig eben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Ein kurzer Steckbrief: Phytotherapie – was ist das eigentlich?

Diesen Artikel teilen:

Ich werde immer wieder gefragt, was denn Phytotherapie genau sei. Darum hier ein kleiner Versuch, mit wenigen Zeilen eine Antwort darauf zu geben.
Grossmutter‘s Heilkräuterapotheke – darunter kann man sich etwas vorstellen. Phytotherapie ist quasi die neuzeitliche und professionelle Variante davon.

Heilpflanzen begleiten den Menschen seit seinen Anfängen durch alle Zeitalter hindurch bis in die Gegenwart. Phytotherapie verbindet die jahrtausendealte Erfahrung traditioneller Heilkräuterkunde mit den Ergebnissen neuzeitlicher Arzneipflanzenforschung. Dieser weite historische Bogen ist ein spannender Aspekt der Phytotherapie und macht sie zudem zur idealen Brücke zwischen Medizin und Naturheilkunde.

Phytotherapie eignet sich zur Vorbeugung und Behandlung zahlreicher gesundheitlicher Störungen und Krankheiten. Sie muss sich aber meiner Ansicht nach auch immer wieder selbstkritisch mit ihren Grenzen auseinandersetzen. Das bedingt ein grundsätzlich kooperatives Verhältnis zur Medizin (was jedoch nicht Kritiklosigkeit bedeuten muss).

Phytotherapie bringt Heilpflanzen in vielfältigen Formen zur Anwendung, zum Beispiel als Tee, Tinktur, Extrakt oder Salbe, inhalativ als ätherisches Öl, als Bad oder Wickel usw..

Phytotherapie orientiert sich an Wirkstoffen und unterscheidet sich damit von anderen komplementärmedizinischen Heilverfahren wie Homöopathie, Bachblüten-Therapie, Anthroposophischer Medizin, Schüsslersalzen, Spagyrik, TCM etc.- die ihrerseits auf eigenen Weltbildern und Theoriesystemen basieren.

Phytotherapie bietet faszinierende Gelegenheiten zum Kontakt mit Heilpflanzen in der Natur – zum Beispiel auf Exkursionen in den Bergen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Die Noni-Frucht – dürftige Belege für grosse Versprechungen

Diesen Artikel teilen:

Im Internet wird er in den höchsten Tönen gelobt. Dem Noni-Saft werden sagenhafte Heilwirkungen zugeschrieben. Gehört Noni in die Kategorie “Scharlatanerie” oder zu den ernstzunehmenden Heilpflanzen?

Noni hat sich in kurzer Zeit von einem ethnomedizinischen “Mauerblümchen” zu einem weltweit vermarkteten Nahrungsergänzungsmittel gemausert. Seit der ersten Publikation 1985 über eine potenzielle therapeutische Wirkung der Noni-Frucht (Morinda citrifolia) stieg die Zahl der verkauften Produkte markant an und es erschienen inzwischen auch viele Veröffentlichungen über die Pflanze und ihre Inhaltsstoffe.
Was aber lässt sich denn über Noni Verlässliches aussagen?

Morinda citrifolia ist ein 3 – 6 m hoher immergrüner Baum oder Strauch, der im gesamten indopazifischen Raum heimisch ist. Die Noni-Früchte werden bis zu 12 cm gross, sind im reifen Zustand weisslich gelb, sehr weich und von einem unangenehmen käsig-buttersäureartigen Geruch und seifigen Geschmack. Wahrscheinlich ist dieser schlechte Geruch dafür verantwortlich, dass die Frucht von der einheimischen Bevölkerung in Polynesien nur in Hungerzeiten gegessen wurde.
Unter den Heilpflanzen im Indopazifik hat Noni hingegen eine lange Tradition. Alle Teile der Pflanze werden eingesetzt, um Verbrennungen, Abszesse, Entzündungen, Verstopfung, Durchfall und Pilzinfektionen zu behandeln. Für die gegenwärtige Verwendung als Nahrungsergänzungsmittel wird der gepresste Saft der reifen Früchte verwendet.
Der Noni-Saft wurde im Labor untersucht, wobei aber viele Berichte darüber nur als Kongressbeiträge vorliegen. Sie wurden also nicht in Fachzeitschriften publiziert. Damit fehlt auch die Kontrolle, die mit der Veröffentlichung in einer renommierten Fachzeitschrift verbunden ist. Oft handelte es sich bei diesen Laboruntersuchungen um Experimente am Tier, die für einen Vergleich mit der Situation beim Menschen nicht mehr aussagekräftig sind.
Untersucht wurden hauptsächlich Wirkungen in drei Gebieten:
– Krebserkrankungen: Noni-Saft zeigte bei Mäusen und in menschlichen Zellkulturen Effekte, die als krebswidrig gedeutet werden können.
– Entzündungen: An Rattenpfoten reduzierte der Saftextrakt künstlich ausgelöste Entzündungen.
– Stoffwechselstörungen: Im Reagenzglas zeigten Inhaltsstoffe des Noni-Saftes Effekte auf die Blutfette, bei Rauchern senkte der Noni-Saft die Serumwerte für Cholesterin und Triglyceride. Bei Ratten wirkte Noni antithrombotisch auf Thrombosen, die künstlich ausgelöst worden waren.

Das sind alles in allem kaum überzeugende Belege für Wirkungen am Menschen. Und klinische Studien mit Patienten sind äusserst rar. Vorläufige Ergebnisse einer Phase-1-Studie des US-amerikanischen National Center for Complementary and Alternative Medicine an Krebspatienten zeigen eine Schmerzabnahme bei Bewegung und einen dosisabhängigen Effekt auf den Gesamtgesundheitsstatus. Allerdings bildeten sich die Tumore nicht zurück. Die Studie ist zudem noch nicht abgeschlossen, was ihre Aussagekraft sehr reduziert.
Immerhin sprechen Laboruntersuchungen für eine gute Sicherheit und Verträglichkeit des Noni-Saftes.

Die hohe Popularität des Noni-Saftes als Nahrungsergänzung steht aber in krassem Gegensatz zur schwachen Faktenlage bezüglich seiner allfälligen Heilwirkungen.
Hier müsste sich noch sehr viel ändern, bis Noni in der Pflanzenheilkunde zu den anerkannten Heilpflanzen gezählt würde.

Quelle:
Zeitschrift für Phytotherapie 4 / 2008:
Ulrike Andres, Was ist dran an der Noni-Frucht?

Originalarbeit:
Planta Med 2007; 73: 191 – 199:
Potterat O, Hamburger M; Morinda citrifolia (Noni) fruit – phytochemistry, pharmacology, safety

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Naturheilkunde: Sorgfältig prüfen lernen!

Diesen Artikel teilen:

Naturheilkunde boomt. Dabei werden die verschiedenen Methoden allerdings oft sehr oberflächlich und unkritisch konsumiert. Es fehlt weit gehend an einer fundierten Auseinandersetzung.

Fernsehsendungen, Zeitschriften, Internet – wir werden überschwemmt mit Informationen, Empfehlungen, Ratschlägen, Behauptungen und Versprechungen zu naturheilkundlichen Fragen – auch im Bereich der Heilpflanzen. Es gibt drei grundverschiedene Wege, mit dieser Flut umzugehen:

1. Alles ablehnen oder ignorieren.
Damit entfällt jeder Aufwand, den eine sorgfältige Prüfung mit sich brächte, aber auch jede Chance, etwas Neues zu lernen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

2. Alles kritiklos für wahr halten und keine Fragen stellen.
Auch damit entfällt jeder Aufwand, den eine sorgfältige Prüfung mit sich brächte. Alle Behauptungen stehen gleich-gültig nebeneinander. Mit Ludwig Marcuse lässt sich dieser Zustand beschreiben als “Faulheit des kritiklosen Für-wahr-Haltens”.

3. Den Versuch wagen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Das ist nicht einfach und braucht Zeit.

Ich plädiere mit Nachdruck für Weg Nr. 3: Wir müssen gerade in der Naturheilkunde lernen, sorgfältig zu prüfen und kritische Fragen zu stellen, Widersprüche zu erkennen und anzusprechen. Es fehlt in der Naturheilkunde weitestgehend an einer institutionalisierten Qualitätssicherung. Weil wissenschaftliche Kriterien in weiten Bereichen der Naturheilkunde als nicht relevant gelten, stehen alle Behauptungen grösstenteils ungeprüft nebeneinander. Darum würde es als Ersatz mindestens die kritische Diskussion auf der Basis von Argumenten brauchen. Leider fehlt eine solche Diskussionskultur in der Naturheilkunde fast vollkommen. Es ist mir ein wichtiges Anliegen, diese Art der sorgfältig-kritischen Auseinandersetzung im Bereich der Phytotherapie / Pflanzenheilkunde zu führen und in meinen Kursen und Ausbildungen zu lehren. Glücklicherweise existiert innerhalb der Phytotherapie eine “Szene”, welche diese kritische Diskussionskultur unter Einbezug wissenschaftlicher Erkenntnisse pflegt. Nur so können wir meines Erachtens die Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten der Heilpflanzen Schritt für Schritt fundiert klären und damit unsere Verantwortung gegenüber Patientinnen und Patienten wahrnehmen. Wer nur blind alles glaubt und nachplappert macht es sich einfach und nimmt die Verpflichtung zu professionellem Handeln nicht ernst.

Ein weiterer Beitrag zu diesem Thema:
Naturheilkunde-Ausbildung: Mehr kritisches Denken – weniger blinden Dogmatismus

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Übermedikalisierung – ein Problem in Medizin und Naturheilkunde

Diesen Artikel teilen:

Während langer Perioden der Menschheitsgeschichte waren Arzneimittel rar und teuer. Das hatte zwar den gravierenden Nachteil, dass ärmere Bevölkerungsschichten sich eine Behandlung oftmals gar nicht leisten konnten. Vorteilhaft daran war jedoch, dass solch teure Arzneimittel wohl auch sparsamer und gezielter eingesetzt wurden.
Während Arzneimittelknappheit in vielen Weltgegenden auch heute noch ein bitteres Problem ist, werden wir in Mitteleuropa von Medikamenten geradezu überschwemmt. Sie werden nicht mehr nur zur Heilung bestimmter Krankheiten eingesetzt, sondern in zunehmendem Masse auch zur Lebensbewältigung im Alltag: Diese Medikalisierung des Alltags hat dank industrieller Produktion und Massenvertrieb der Heilmittel inzwischen bedenkliche Ausmasse erreicht. Stark zugenommen hat die Einstellung, dass der eigene Körper, die eigene Psyche und das eigene Wohlbefinden medikamentös beliebig, rasch und ohne Bedenken manipuliert werden können.
Muskelaufbaupräparate, Vitaminpillen, Appetitzügler, Stimmungsaufheller, Bräunungspillen, Abführmittel, Angstlöser, Schlafbringer, Muntermacher, Entspanner, Schmerzstiller, Konzentrationsförderer, Leistungsverbesserer, Stressbewältiger….. – sie alle sollen dazu beitragen, Körper und Psyche stärker in den Griff zu bekommen. Wofür eigentlich? Um besser zu funktionieren? Perfektere Leistungen zu erbringen? Begehrter zu sein auf dem Arbeits- oder Partnerschaftsmarkt?
Mir scheint diese Entwicklung ungesund. Sie wird ständig gefördert durch eine Industrie, die laufend neue Produkte lanciert. Selbst viele Naturheilmittel versprechen mehr oder weniger deutlich, dass wir mit ihrer Hilfe Körper und Psyche besser in den Griff bekommen. Wenn mir beispielsweise eine Bekannte erzählt, dass sie sich nicht mehr vorstellen kann, wie sie ihren Alltag ohne Schüssler Salze bewältigen könnte, dann scheint mir das eine ausgewachsene psychische Abhängigkeit zu sein. Im Bereich der Heilpflanzen verspricht zum Beispiel der Aloe-vera-Boom umfassende Problemlösungen und entwickelt zunehmend Züge einer Heilslehre.
Sehr bedenklich ist, dass die Einnahme von Medikamenten in den letzten Jahren immer stärker auch bei Kindern und Jugendlichen zur verbreiteten Problemlösungsstrategie wurde. Wenn Säuglinge nicht schlafen wollen; wenn Schulkinder unruhig sind, sich nicht konzentrieren können oder unter Schulstress leiden; wenn Jugendliche über Kopfschmerzen oder Nervosität klagen: Immer häufiger wird die Störung durch Einnahme von Medikamenten behoben. Und das geschieht auch oft mit Naturheilmitteln. Ein Kind kann kaum mehr den Ellbogen am Tisch anschlagen, ohne dass Sekunden später mehrere Leute mit Globuli und Notfall-Tropfen von Dr. Bach dastehen. Ein Notfall? Natürlich sind Globuli und Notfall-Tropfen unschädlich. Aber mit dieser Übermedikalisierung gibt man dem Kind zu verstehen, dass es bei jedem geringsten Zwischenfall Hilfe von aussen braucht. Kinder lernen so frühzeitig, dass es möglich und üblich ist, Unpässlichkeiten, Spannungszustände oder Verstimmungen durch bestimmte Stoffe zu manipulieren. Man unterminiert damit schon früh ihr Vertrauen, dass sie solche Situationen auch selber bewältigen können. Die damit etablierte Überzeugung, auf irgendwelche Mittelchen angewiesen zu sein, könnte als Wegbereiter dienen für späteren Medikamentenmissbrauch.
Nichts gegen den gezielten, verantwortungsbewussten Einsatz von Arzneimitteln, seien es nun solche aus Heilpflanzen oder aus synthetischen Substanzen. Die ungesunde Übermedikalisierung unseres Alltages aber dient wohl vor allem der Stabilisierung krankmachender Verhältnisse. Was in Familie, Schule, Arbeitswelt und Gesellschaft schief läuft, soll durch Medikamente zumindestens erträglich gemacht werden. Anstatt die Übel an der Wurzel zu packen und krankmachende Verhältnisse soweit wie möglich zu verändern, werden Körper und Psyche medikamentös in den Griff genommen, damit sie sich den ungünstigen Bedingungen anpassen. Gesünder wäre wohl genau das Gegenteil: Dass wir uns medikamentös weniger in den Griff nehmen und stattdessen unseren Alltag möglichst lebensfreundlich gestalten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Phytotherapie: Arnika-Gel erfolgreich bei schmerzhaften Handarthrosen getestet

Diesen Artikel teilen:

Arthrosen sind die häufigsten Gelenkerkrankungen, wobei Beteiligungen im Bereich der Hand etwa 20 % erreichen. Mit dem Ziel einer Reduktion der Schmerzen, der Funktionsverbesserung und der Verzögerung von degenerativen Spätschäden werden neben chirurgischen und physikalischen Massnahmen vor allem schmerzstillende und entzündungswidrige Medikamente eingesetzt. Die Einnahme solcher Medikamente ist aber oft mit arzneimitteltypischen Nebenwirkungen hauptsächlich im Magen-Darm-Bereich verbunden. Die äusserliche Anwendung durch die Haut ist darum eine interessante Alternative. Als synthetischer Entzündungshemmer wird häufig der Wirkstoff Ibuprofen in Gel-Form eingesetzt.
Arnika gehört zu den Heilpflanzen mit entzündungswidriger Wirkung.
In der Pflanzenheilkunde haben Einreibungen mit Arnika-Extrakten zur Behandlung von Verstauchungen aber auch von entzündlichen Gelenkerkrankungen eine jahrhundertealte Tradition. Eine kontrollierte Studie mit 198 Patienten untersuchte die Wirksamkeit und Verträglichkeit eines Arnika-Gels bei schmerzhaften Arthrosen der Hand im Vergleich zur Behandlung mit einem Ibuprofen-Gel. 100 Patienten wurden mit Arnika-Gel behandelt, 98 mit Ibuprofen-Gel. Beide Gruppen bestanden aus rund zwei Dritteln Frauen und einem Drittel Männern. Die Studie war randomisiert, das heisst, die Teilnehmenden wurden per Zufall der Arnika-Gruppe oder der Ibuprofen-Gruppe zugeteilt. Beteiligt an der Durchführung waren 20 Schweizer Kliniken und Arztpraxen.
Die Studie zeigte die Gleichwertigkeit der beiden Gel-Präparate: Schmerzintensität und Handfunktion wurden unter der Therapie in beiden Gruppen klinisch relevant verbessert. Arnika gehört damit zweifellos zu den Heilpflanzen, die in der Therapie arthrotischer Beschwerden der Hand eine wertvolle Rolle spielen können.

Quelle:

Volker Schulz; Schmerzhafte Arthrosen im Bereich der Hand: Arnika-Gel wirkäquivalent mit Ibuprofen-Gel.
Zeitschrift für Phytotherapie 4/2008

Originalarbeit:
Widrig R, Suter A, Saller R, Melzer J; Choosing between NSAID and arnica for topical treatment of hand osteoarthritis in a randomised, double-blind study.
Rheumatol Int 2007; 27: 585 – 591

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen: