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Auch natürliche Duftstoffe und ätherische Öle können Allergien auslösen

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Natürlich“ wird häufig mit gesund oder ungefährlich gleich gesetzt. Dass dies gerade bei Duftstoffen nicht immer zutrifft, zeigt die Dissertation von Lina Hagvallan von der Universität Göteborg.

Die Wissenschaftlerin konzentrierte sich in ihrer Arbeit auf Geraniol – ein Duftstoff, der in vielen Parfums enthalten ist und ihnen die „blumige“ Note verleiht. Geraniol selbst ist nur ein schwaches Kontaktallergen. In Verbindung mit Luftsauerstoff entstehen aber Autooxidationsprodukte, die eine wesentlich stärkere allergene Wirkung entfalten können. Hagvallan zeigt in ihrer Dissertation zwei verschieden Wege, auf denen Geraniol durch den umgebenden Luftsauerstoff oxidiert.
In einem anderen Teil ihrer Arbeit testete Hagvallan, ob ätherische Öle natürlicherweise vor Oxidationsreaktionen geschützt sind. Zu diesem Zweck untersuchte sie Lavendelöl sowie dessen zwei charakteristische Hauptkomponenten: Linalylacetat und Linalool. Der Autooxidationsvorgang aber im Lavendelöl setzte ebenso ein wie bei den isolierten Duftstoffen.
Natürliches Lavendelöl ist daher nicht besser vor Oxidation geschützt als seine isolierten Duftstoffe.
Auch wenn viele Parfums selbst nicht stark allergen seien, ihre Oxidationsprodukte können es in sich haben, hält die Forscherin fest.

Quelle: www.aerztlichepraxis.de, 4. 2. 2009
Originalquelle: Universität Göteborg

Kommentar:
Dass viele ätherische Öle mit Luftsauerstoff leicht oxidieren, ist für die Phytotherapie und für die Aromatherapie nicht neu. Aus diesem Grund wird empfohlen, ätherische Öle nicht in halbleeren Fläschchen über längere Zeit aufzubewahren. Weil in der halbleeren Flasche das Sauerstoffangebot sehr gross ist, kommt es besonders leicht zu Oxidationsprozessen.
Die Dissertation aus Göteborg unterstreicht nun die Wichtigkeit dieser Empfehlung, auch im Hinblick auf die Prävention von Kontaktallergien.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Grüntee: Unerwünschte Wechselwirkung mit Krebsmedikament

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Grüntee wird intensiv erforscht. Aus diesem Grund erscheinen immer wieder Meldungen in den Medien über vermutete, bestätigte oder widerlegte Grüntee-Wirkungen.
Grüntee – eine neue Waffe gegen Krebs?
Unterstützt Grüntee die Tumorbehandlung?
So oder ähnlich lauten die Schlagzeilen, wobei es oft alles andere als einfach ist, die zugrunde liegenden Studien zu interpretieren.
Gerade weil Grüntee immer wieder im Umfeld der Onkologie / Krebstherapie auftaucht oder gar als Krebsheilmittel propagiert wird, scheint mir die folgende Meldung wichtig:

Ein Inhaltsstoff aus Grüntee hebt den Effekt des Zytostatikums Bortezomib vollständig auf. Zu diesem Resultat kommen Forscher der University of Southern California (USC). Wie sie in der Fachzeitschrift «Blood» (Doi: 10.1182/blood-2008-07-171389) darlegen, geht die Substanz Epigallocatechin-3-gallat (EGCG) eine chemische Bindung mit Bortezomib (Velcade®) ein. Dadurch kann der Proteasom-Inhibitor, der beim Multiplen Myleom zum Einsatz kommt, nicht mehr an seine Zielstruktur im Inneren der Tumorzelle andocken. Die publizierten Resultate basieren auf Untersuchungen in-vitro (= im Reagenzglas) und auf Tierversuchen mit krebskranken Mäusen. Klinische Studien, welche die Ergebnisse beim krebskranken Menschen verifizieren würden, wären wegen des vorhersehbaren negativen Effekts in der Grüntee-Gruppe unethisch.

Auch für die US-Forscher waren die Resultate ihrer Untersuchung überraschend. Ihre Hypothese war nämlich, dass das Polyphenol EGCG die Antitumor-Wirkung des Zytostatikums verstärkt. Es zeigte sich aber das Gegenteil. Daher rät Professor Dr. Axel H. Schönthal von der USC Bortezomib-Patienten, Grünen Tee oder Präparate mit Grüntee-Extrakt zu meiden. Diese Information müsse sich nicht nur bei Patienten, sondern auch bei den Heilberuflern herumsprechen. Der Studienleiter betont ausserdem, dass Patienten Grünen Tee beziehungsweise Extrakte daraus oft einnehmen, um die Nebenwirkungen der Krebstherapie zu vermindern. «Wenn Bortezomib nicht mehr an die Zellen herankommt, dann löst es auch keine Nebenwirkungen mehr aus», hält Schönthal fest. Die Patienten fühlen sich dadurch besser. Das liege jedoch nicht daran, dass der Grüntee gegen die Nebenwirkungen wirkt, sondern daran, dass Bortezomib nicht wirkt.

Quelle: www. pharmazeutische-zeitung.de, 04.02.2009

Kommentar:

Dieses Ergebnis zeigt, dass man auch Heilpflanzen sehr differenziert betrachten muss. Zwar kann man von Tierversuchen nicht direkt auf eine identische Wirkung beim Menschen schliessen. Die Krebstherapie ist aber ein zu ernstes Terrain, als dass man eine solche mögliche Wechselwirkung (Interaktion) einfach negieren könnte.

Leider wird es aber nun in der Naturheilkunde mit Sicherheit genug blinde Grüntee-Verteidiger geben, die mit dem Argument ins Feld ziehen, dass Grüntee in seiner Ganzheit angewendet so ausbalanciert ist, dass er niemals schaden kann. Und dass es Probleme nur gibt mit isolierten Einzelsubstanzen in hohen Dosen am Tier. So läuft die Verteidigung in solchen Fällen in der Regel, ohne dass aber nur im Ansatz geklärt ist, ob die Argumentation auch stimmt. Es ist dies eine ziemlich blinde Argumentation von Leuten, für welche Heilpflanzen immer und ausschliesslich heil und gut sein müssten.

Wir haben es hier mit einer leider weit verbreiteten Blindheit des Schwarz-Weiss-Denkens zu tun. Hier die heilenden, uns wohlgesinnten Heilpflanzen, dort die böse “Chemie”.
Es ist diese hoch einseitige Haltung, die mir in über 25jähriger Lehrtätigkeit im Bereich der Naturheilkunde immer wieder begegnet ist, und die in mir einen zunehmend kritischeren Blick geschärft hat gegenüber dieser “Szene”.

Meiner Ansicht nach braucht die Naturheilkunde mehr Ambivalenz-Toleranz.
Das würde heissen: Es gibt nicht nur Gut und Bös. Und was Heilwirkungen hat, kann auch unerwünschte Nebenwirkungen haben und in bestimmten Fällen auch schaden. Dass ein Mittel nur und ausschliesslich heilt, aber niemals Probleme macht, das scheint mir dagegen eine hochgradige Idealisierung.

Also befassen wir uns doch weiterhin mit Grüntee (und anderen Heilpflanzen).
Wann, bei wem und in welcher Form ist Grüntee heilsam – und wann nicht.

Dieser Ambivalenz, diesen Widersprüchlichkeiten muss sich meines Erachtens stellen, wer verantwortungsbewusst Pflanzenheilkunde betreiben will. Das ist allerdings viel anspruchsvoller als das einseitige Schwarz-Weiss-Denken, welches Heilpflanzen ohne weiter darüber nachzudenken idealisiert oder diffamiert (blinde Diffamierung gibt es natürlich auch).

Ambivalenz-Toleranz setzt eine ernsthafte, sorgfältige Auseinandersetzung voraus. Die chronischen Schwarz-Weiss-Denker dagegen können sich jede seriöse Auseinandersetzung sparen, weil sie immer schon im vorneherein wissen, was gut und was schlecht ist. Das reicht ihnen dann.

Immerhin: Wer sich differenziert mit den Heilpflanzen und ihren Wirkungen auseinandersetzt, lernt mehr dabei und hält sich dabei geistig wach.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Phytotherapie: Verstopfung in der Schwangerschaft

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Die Cochrane Collaboration hat eine Studienübersicht publiziert zur Frage der Wirksamkeit von Abführmitteln bei Verstopfung in der Schwangerschaft. Sie kommt zum Schluss, dass milde Abführmittel bei diesen Beschwerden von Nutzen sind.

In der Zusammenfassung schreiben die Autoren:

Verstopfung ist ein häufiges Problem in der späten Schwangerschaft. Der Anstieg des Hormons Progesteron führt wahrscheinlich dazu, dass die Nahrung im zweiten und letzten Drittel der Schwangerschaft für die Passage durch den Magen-Darm-Trakt länger braucht. Eine ballaststoffreiche Ernährung führt zu häufigeren Darmentleerungen und weicherem Stuhlgang. Diese Studienübersicht zeigt, dass Abführmittel, die den Darm anregen, wirksamer sind als solche mit Quellmitteln, jedoch haben sie mehr unerwünschte Nebenwirkungen, wie z.B. Durchfall und Bauchweh. Ballaststoffe sind wirksam und scheinen keine Nebenwirkungen zu haben.

Quelle:
Jewell DJ, Young G. Interventions for treating constipation in pregnancy. Art. No.: CD001142. DOI: 10.1002/14651858.CD001142.

Kommentar:
Die Studie empfiehlt milde Abführmittel auf der Basis von Quellmitteln / Ballaststoffen. In der Phytotherapie bzw. Pflanzenheilkunde werden in diesem Bereich vor allem die folgenden drei Heilpflanzen eingesetzt:
Leinsamen (von Linum usitatissimum)
Indische Flohsamen (von Plantago ovata)
Flohsamen (von Plantago psyllium)

Bei den in der Zusammenfassung erwähnten Darm-anregenden Abführmitteln dürfte es sich um Anthranoid-Pflanzen handeln wie:
Sennesblätter / Sennesfrüchte (von Cassia senna)
Faulbaumrinde (von Frangula alnus)

Diese anthranoidhaltigen Heilpflanzen werden in der Phytotherapie / Pflanzenheilkunde allerdings in der Schwangerschaft nicht empfohlen. Die Phytotherapie-Fachbücher führen bei Senna und Faulbaum die Schwangerschaft als Kontraindikation auf.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Entschlackung – illusionäre Hoffnung auf Gewichtsreduktion

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Attraktiv sah es aus, das Schaufenster der Apotheke in Bern. Ausgestellt und propagiert wurde eine Spezialität des Hauses: Der “Wunderfigurtee” zur Entschlackung. Mit Versprechungen lehnte sich die Apotheke sehr weit zum Fenster hinaus: “Beim Trinken von 1 Liter täglich, kommen Sie Ihrer Traumfigur 2 – 3 Kilo pro Woche näher!” Aufgeführt war zudem die Zusammensetzung des sensationellen Schlankmachers. Als wirksame Bestandteile enthielt er ausschliesslich Pflanzen mit entwässernder und abführender Wirkung. Aus fachlicher Sicht ist klar: Damit lässt sich kein Übergewicht abbauen. Und sollte es trotzdem zu einer Gewichtsreduktion kommen, wäre das ganz simpel ein Wasserverlust. Das ergäbe dann allenfalls eine Traumfigur Marke “Dörrobst”. Gesund wäre das aber keineswegs, und schon gar nicht bei 2 – 3 Kilo Erleichterung pro Woche.
Aufmerksam gemacht auf diesen Wunderfigurtee hatte mich eine Teilnehmerin des Lehrganges für Integrative Phytotherapie. Ich halte solche Angebote für Betrug am Kunden bzw. wohl häufiger an der Kundin. Dementsprechend meldete ich diesen Fall dem Kantonsapotheker, welcher bei der betreffenden Apotheke dann auch prompt interveniert hat.
Allein steht die Apotheke in Bern allerdings nicht da – die Entschlackungswelle rollt jeden Frühling durch‘s Land. Um was für Schlacken es dabei genau gehen soll, darüber gibt es nirgends eine handfeste Auskunft. Alles deutet darauf hin, dass hier zuerst Gespenster erfunden und dann mit grossem Tamtam vertrieben werden.

Wie kann man sich vor solchen Täuschungen schützen?

Wer als Konsumentin oder Konsument auf Naturheilmittel vertraut, tut wohl gut daran, sich ein eigenes Grundwissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen anzueignen. Denn nach wie vor fehlt es in der Naturheilkunde an einer wirksamen Qualitätskontrolle.
Wie also kann man sich also eine unabhängige, eigene Meinung bilden? Wie lassen sich Versprechungen und Behauptungen überprüfen? Das “Seminar für Integrative Phytotherapie” in Winterthur vermittelt Wissen und Methoden für diese kritische Auseinandersetzung. Wer sich für Heilpflanzenkunde interessiert, kann in Lehrgängen oder kürzeren Kursen die Fähigkeit erwerben, sicherer zwischen illusionären Versprechungen und verlässlichen Informationen zu unterscheiden. Das ist beispielsweise sehr wichtig für Berufsleute aus Krankenpflege, Heilpraktik, Medizin, Pharmazie und Drogerie, aber auch für Laien, welche Heilpflanzen im privaten Umfeld anwenden wollen. Informationen zu diesem Angebot von Ausbildung und Weiterbildung sind erhältlich über www.phytotherapie-seminare.ch. Sie finden dort auch eine grosse Bildergalerie mit Fotos von Heilpflanzen und Alpenblumen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pflanzenheilkunde, Naturerleben und Naturbeziehung

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Wer Heilpflanzenkunde nur am Pult oder vor dem Computer betreibt, verpasst einen ganz wesentlichen Aspekt: Heilpflanzen muss man auch in ihrem Lebensraum kennen lernen. Nur so entwickelt sich ein anregender Kontakt und eine lebendige Beziehung. Es geht dabei aber nicht um ein abgehobenes “Eso-Gesäusel”. Es geht nicht um eine fragwürdige “Vermenschung” der Pflanzen, die ihnen Dialogfähigkeit, Sprachfähigkeit und Emotionalität unterschiebt. Mensch bleibt Mensch und Pflanze bleibt Pflanze. Sehr unterschiedliche Welten. Trotzdem können wir in Kontakt treten, Beziehung aufnehmen, uns auf eine anregende Begegnung einlassen. Vielleicht machen gerade die Unterschiede zwischen Mensch und Pflanze die Qualität dieser Beziehung aus. Kontakt entsteht aus der Wertschätzung der Unterschiede (sagt die Gestalttherapie), und das Spezielle an der Natur ist, dass sie keine Meinung über uns hat (sagt Nietzsche):

Die freie Natur. – Wir sind so gern in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat.
Friedrich Nietzsche, 1844 – 1900, Philosoph,
aus: Menschliches, Allzumenschliches I,

Wer sich nun achtsam auf der Suche nach Heilpflanzen in der Natur bewegt, wird hoffentlich irgendwann merken, dass es ganz viele Pflanzen gibt, die keine heilkundliche Bedeutung besitzen. Ist es nicht eigenartig, wenn wir uns nur isoliert für Heilpflanzen interessieren, also für das, wovon wir uns einen direkten Nutzen versprechen? Daran schliessen sich knifflige Fragen an: Warum sind Heilpflanzen Heilpflanzen geworden und Nicht-Heilpflanzen Nicht-Heilpflanzen geblieben? Antworten darauf in meinem Kurs „Die Heilkräfte der Pflanzen im Wandel der Zeit“:
www.phytotherapie-seminare.ch/index.php
Mein Wunsch wäre es, dass wir nicht ausschliesslich mit einem Nützlichkeitsblick durch die Natur streifen. Dass wir Nicht-Heilpflanzen mit gleich viel Interesse beachten wie Heilpflanzen. Und wer das nicht ganz ohne Eigennutz vermag: Zu mindestens ästhetisch bieten uns auch die Nicht-Heilpflanzen sehr viel Genuss.

Wer sich nun also nicht nur auf die Heilpflanzen fixiert, sondern offen ist für die Pflanzenwelt überhaupt, wird irgendwann hoffentlich bemerken: Mit und auf den Pflanzen und um sie herum gibt es ganz viel zu entdecken, was da “kreucht und fleucht”. Wunderschöne oder schlichtere Schmetterlinge….. die muss man ja nicht alle mit Namen ansprechen können (es gibt rund 3000 Arten in Mitteleuropa). Aber warum kennen sehr viele Menschen – auch naturheilkundlich interessierte – nicht einmal mehr die häufigsten und auffälligsten Arten? Schmetterlinge sind faszinierend von ihrer Lebensweise her und mit ihren Farben und Formen eine Augenweide. Immerhin sind sie im Reich der Insekten für die Menschen noch so etwas wie Sympathieträger.

Aber Käfer? – Da kommen wir schon in schwierigere Gefilde. Auch hier gilt: Man muss sie nicht alle mit Namen ansprechen können (es gibt mehr als 8000 Käferarten in Mitteleuropa). Aber wenn man sich einmal die Zeit nimmt und einen Käfer aus der Nähe betrachtet – zum Beispiel die Fühler unter der Lupe oder mit dem Binokular-Mikroskop: Eine ganz neue Welt tut sich da auf. Wunderbare Formen und schillernde Farben.

Und erst die Wanzen! – Wanzen? – Ja genau – die verdanken ihren schlechten Ruf der Bettwanze…wäh. Auf den Pflanzen gibt es jedoch ganz harmlose Wanzen mit einem exzellenten Farbdesign. Schauen Sie sich hier mal die Streifenwanze an:
www.phytotherapie-seminare.ch/detail_fotos.php
Sie könnte locker einen Design-Wettbewerb gewinnen. Aber auch hier muss sich niemand einen Stress daraus machen, alle Wanzen zu kennen (es gibt etwa 700 Wanzenarten in Mitteleuropa, darunter auch einige ausgesprochene “beauties”).

Und jetzt noch die Spinnen. Hier kommen wir beziehungsmässig in ziemlich desolates Gelände. Spinnenfreunde lassen sich meist an einer Hand abzählen (Spinnenfreundinnen an einer halben). Aber ehrlich: Was wissen Spinnenverächter überhaupt von Spinnen? Zum Beispiel von den hoch faszinierenden Jagdstrategien, den perfekten Balzritualen für ein “unfallfreies” Rendez-vous (Spinnenmännchen müssen ihrer Angebeteten klar machen, dass es jetzt nicht ums Fressen geht….), von der eindrücklichen Netzbaukunst. Und wer schon mal einer Spinne in ihre acht Augen geschaut hat….das kann ausprobieren, wer Lust hat: Mein Binokular-Mikroskop, das ich auf Exkursionen dabei habe, hat schon manche Spinnenabneigung in unverhohlene Faszination verwandelt. Und schlussendlich: Haben Sie die Springspinne schon gesehen, die sehr wahrscheinlich in Ihrer Wohnung lebt? Die Zitterspinne? Die grosse Hauswinkelspinne? Alles sehr regelmässige Nachbarn des Menschen mit interessanter Lebensweise. Warum eigentlich sind Mensch und Spinne sich so fremd?

Zur Beziehung zwischen Mensch und Spinne hat Gottfried Keller das folgende Gedicht geschrieben:

Friede der Kreatur (1878)

Spinnen waren mir auch zuwider
All meine jungen Jahre,
Liessen sich von der Decke nieder
In die Scheitelhaare,
Sassen verdächtig in den Ecken
Oder rannten, mich zu erschrecken,
Über Tischgefild und Hände,
Und das Töten nahm kein Ende.

Erst als schon die Haare grauten,
Begann ich sie zu schonen,
Mit den ruhiger Angeschauten
Brüderlich zu wohnen;
Jetzt mit ihren kleinen Sorgen
Halten sie sich still geborgen,
Lässt sich einmal eine sehen,
Lassen wir uns weislich gehen.

Hätt ich nun ein Kind, ein kleines,
In väterlichen Ehren,
Recht ein liebliches und feines,
Würd ich‘s mutig lehren,
Spinnen mit dem Händchen fassen
Und sie freundlich zu entlassen;
Früher lernt‘ es Frieden halten,
Als es mir gelang, dem Alten!

Gottfried Keller (1819 – 1890), Schweizer Dichter und Politiker

Ich wollte mit diesem Beitrag zeigen: Pflanzenheilkunde kann auch ein Einstieg und ein Weg sein, um die Vielfalt der Natur genauer wahrzunehmen, um Beziehungen zu knüpfen zu unterschiedlich Lebewesen aus Pflanzen- und Tierwelt. Das führt schliesslich über die erweiterte Wahrnehmung zu einer Bereicherung der Welt, in der wir leben.

Nicht die Welt wird reicher – sie ist heute schon voller kleiner Wunder am Wegrand – nur laufen die meisten Menschen ziemlich blind durch die Gegend. Wer Pflanzen und Tiere aber einmal genau wahrgenommen hat, wird ihnen immer wieder begegnen. Dadurch kann sich auch eine tragfähigere Verankerung in der Welt entwickeln, eine Beheimatung in der Natur sozusagen.
Aus diesen Gründen scheint es mir wichtig, dass auf Heilpflanzen-Exkursionen zwar die Heilpflanzen (und andere Pflanzen) im Zentrum stehen, dass wir aber auch die Augen offen halten für die kleinen Wunder aus der Tierwelt.

m Kurskalender auf www.phytotherapie-seminare.ch/index.php finden Sie ein vielfältiges Exkursionsprogramm. Wer Lust und Interesse hat an Entdeckungsreisen in der Natur, verbunden mit Heilpflanzenkunde, kann auf diesen Exkursionen Faszinierendes erleben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen & Alpenblumen entdecken an der Lenk

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Haben Sie Lust auf eine Entdeckungsreise zu Heilpflanzen und Alpenblumen an der Lenk im Simmental?
Seit 1986 führe ich dort jeden Sommer naturliebende Gäste in die Zauberwelt der Alpenblumen ein. Neben dem Erkennen der Pflanzen geht es dabei auch um ihre traditionelle Bedeutung im Volksglauben, um Heilwirkungen und um Spannendes über ihre Lebensweise. Kräuterwanderungen wecken die Entdeckerfreude und schärfen die Wahrnehmung. Wer eine Pflanze einmal genau angeschaut hat, trifft sie plötzlich an anderen Orten wieder. Das bereichert immer wieder die Welt, in der wir uns bewegen.

Alpenblumen sind für unsere Sinne besonders attraktiv: Der hohen UV-Strahlung verdanken sie ihre intensiv leuchtenden Farben. Im Gebirge sind die bestäubenden Insekten oft rar. Gut ausssehen oder fein riechen ist hier jedenfalls ein entscheidender Vorteil – und freut ganz nebenbei auch die menschlichen Besucher. Alpenblumen sind in jeder Hinsicht Könner, denn wer als Pflanze in diesen Regionen überleben will, muss sich perfekt anpassen.

Die Lenk im Simmental ist bekannt als Wintersportort. Dass sie im Sommer als Alpenblumen-Paradies und Wanderdestination mindestens ebensoviel zu bieten hat, ist dagegen immer noch fast ein Geheimtipp. Die Iffigenalp, die Kraterlandschaft Stübleni, die Moorlandschaft Haslerberg, die Langermatte, die Region Metsch – landschaftlich und botanisch ist die Lenk quasi umzingelt von Naturschönheiten. Zu bewundern ist hier zudem einer der schönsten Talabschlüsse im Alpenraum, die Simmenquelle “Siebebrünne” und die imposanten Simmenfälle. Auf www.phytotherapie-seminare.ch finden Sie im Kurskalender weitere Informationen zu Heilpflanzen- und Alpenblumen-Kursen und in der Bildergalerie Fotos der schönsten Landschaften und Alpenblumen an der Lenk. Es braucht für diese Exkursions-Kurse übrigens keine Vorkenntnisse.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen

P.S.: Nachfolgend einige Beispiele für die überaus vielfältige Pflanzenwelt, die wir in den Heilpflanzen- und Alpenblumen-Kursen an der Lenk antreffen.

Zahlreiche Orchideen-Arten, wie zum Beispiel:
Fuchs‘ Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii)
Mücken-Handwurz (Langspornige Handwurz, Gymnadenia conopsea)
Kugelorchis (Traunsteinera globosa)
Zwergknabenkraut (Zwergorchis, Chamorchis alpina)
Zweiblättrige Waldhyazinthe (Platanthera bifolia, Zweiblättriges Breitkölbchen)
Brand-Orchis (Angebranntes Knabenkraut, Orchis ustulata)
Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera)
Männertreu (heisst botanisch eigentlich „Schwarzes Kohlröschen“, Nigritella nigra)
Rotes Waldvögelein (Cephalanthera rubra)
Braunrote Sumpfwurz ( Epipactis atrorubens)
Weisse Sumpfwurz (Epipactis palustris)
Grüne Hohlzunge (Coeloglossum viride)
Nestwurz (Neottia nidus-avis)
Widerbart (Epipogium aphyllum, mit einer guten Portion Glück, weil nur alle paar Jahre ein paar Tage lang blühend)
Grosses Zweiblatt (Listera ovata)
Kleines Zweiblatt (Listera cordata)
Weisszunge (Pseudorchis albida)
Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis)
Fleischrotes Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata)
Männliches Knabenkraut (Orchis mascula)

Aus der grossen Vielfalt an Alpenpflanzen beispielsweise:
Alpen-Aster (Aster alpinus)
Bärtige Glockenblume (Campanula barbata)
Niedliche Glockenblume (Campanula cochleariifolia)
Straussblütige Glockenblume (Campanula thyrsoides)
Scheuchzers Glockenblume (Campanula scheuchzeri)
Gemeine Mondraute (Botrychium lunaria)
Trollblume (Trollius europaeus)
Alpen-Akelei (Aquilegia alpina)
Dunkle Akelei (Aquilegia atrata)
Gelber Eisenhut (Aconitum vulparia, starke Giftpflanze!)
Blauer Eisenhut (Aconitum napellus, starke Giftpflanze!)
Narzissenblütige Anemone (Anemone narcissiflora)
Alpen-Anemone ( Pulsatilla alpina)
Alpen-Hahnenfuss (Ranunculus alpestris)
Akeleiblättrige Wiesenraute (Thalictrum aquilegiifolium)
Gemeines Sonnenröschen (Helianthemum nummularium)
Alpen-Sonnenröschen (Helianthemum alpestre)
Gelbes Bergveilchen (Viola biflora, Zweiblütiges Veilchen)
Langsporniges Stiefmütterchen (Viola calcarata)
Alpen-Gemskresse (Pritzelago alpina)
Rundblättriges Täschelkraut (Thlapsi rotundifolia)
Alpenazalee (Loiseleuria procumbens)
Bewimperte Alpenrose (Rhododendron hirsutum)
Rostblättrige Alpenrose (Rhododendron ferrugineum)
Moosauge (Moneses uniflora)
Flühblümchen (Primula auricula, Aurikel)
Bewimperter Mannsschild (Androsace chamaejasme, Zwerg-Mannsschild)
Grosses Alpenglöckchen (Soldanella alpina, Soldanelle)
Weisser Mauerpfeffer (Sedum album, Futterpflanze der Raupe des Grossen Apollo-Falters)
Dunkler Mauerpfeffer (Sedum atratum)
Trauben-Steinbrech (Saxifraga paniculata)
Blaugrüner Steinbrech (Saxifraga caesia)
Sternblütiger Steinbrech (Saxifraga stellaris)
Bewimperter Steinbrech (Saxifraga aizoides)
Rundblättriger Steinbrech (Saxifraga rotundifolia)
Silberwurz (Dryas octapetala)
Gletscherlinse (Astragulus frigidus)
Alpen-Spitzkiel (Oxytropis campestris)
Berg-Spitzkiel (Oxytropis jacquini)
Grosse Sterndolde (Astrantia major)
Hahnenfussartiges Hasenohr (Bupleurum ranunculoides)
Augenwurz (Athamanta cretensis)
Alpen-Liebstock (Ligusticum mutellina)
Moorenzian (Swertia perennis)
Purpur-Enzian (Gentiana purpurea)
Clusius‘ Enzian (Gentiana clusii)
Koch‘scher Enzian (Gentiana acaulis)
Frühlings-Enzian (Gentiana verna)
Bayrischer Enzian (Gentiana bavarica)
Schnee-Enzian (Gentiana nivalis)
Feld-Enzian (Gentiana campestris)
Alpen-Leinkraut (Linaria alpina)
Quirlblättriges Läusekraut (Pedicularis verticillata)
Blattreiches Läusekraut (Pedicularis foliosa)
Zwerg-Augentrost (Euphrasia minima)
Berg-Augentrost (Euphrasia montana)
Gemeines Fettblatt (Pinguicula vulgaris, Gemeines Fettkraut, insektenfressend)
Alpen-Fettblatt (Pinguicula alpina, Alpen-Fettkraut, insekenfressend)
Herzblättrige Kugelblume (Globularia cordifolia)
Berg-Baldrian (Valeriana monatana)
Dreiblatt-Baldrian (Valeriana tripteris)
Alpen-Goldrute (Solidago alpestris)
Edelweiss (Leontopodium alpinum)
Gemeines Katzenpfötchen (Antennaria dioica)
Norwegisches Ruhrkraut (Gnaphalium norvegicum)
Hallers Schafgarbe (Achillea atrata)
Echte Edelraute (Artemisia umbelliformis)
Alpen-Pestwurz (Petasites paradoxus)
Grossköpfige Gemswurz (Doronicum grandiflorum)
Orangerotes Habichtskraut (Hieracium aurantiacum)
Weisser Germer (Veratrum album)
Türkenbund (Lilium bulbiferum)
Weisse Trichterlilie (Paradisea liliastrum, Paradieslilie)
Kelch-Liliensimse (Tofieldia calyculata)
Allermannsharnisch (Allium victorialis)
..und andere mehr.

Aus der grossen Vielfalt an Heilpflanzen beispielsweise:
Schöllkraut (Chelidonium majus)
Gemeines Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Geflecktes Johanniskraut (Hypericum maculatum)
Echtes Stiefmütterchen (Viola tricolor)
Gemeines Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris)
Immergrüne Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi)
Heidelbeere (Vaccinium myrtillus)
Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea)
Frühlings-Schlüsselblume (Primula veris)
Moor-Geissbart (Filipendula ulmaria, Spierstaude, Mädesüss)
Gänse-Fingerkraut (Potentilla anserina)
Blutwurz (Potentilla erecta, Tormentill, Aufrechtes Fingerkraut)
Frauenmantel (Alchemilla vulgaris)
Silbermantel (Alchemilla alpina)
Zweigriffliger Weissdorn (Crataegus laeviga)
Gebräuchlicher Honigklee (Melilotus officinalis, Echter Honigklee, Steinklee)
Gemeiner Wundklee (Anthyllis vulneraria)
Kümmel (Carum carvi)
Grosse Bibernelle (Pimpinella major)
Brustwurz (Angelica silvestris)
Meisterwurz (Peucedanum ostruthium)
Gelber Enzian (Gentiana lutea, tausende!)
Echte Wallwurz (Symphytum officinale, Beinwell)
Feld-Thymian (Thymus serphyllum)
Gebräuchlicher Augentrost (Euphrasia rostkoviana)
Gebräuchlicher Baldrian (Valeriana officinalis)
Echte Goldrute (Solidago virgaurea)
Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium)
Gemeine Pestwurz (Petasites hybridus)
Huflattich (Tussilago farfara)
Arnika (Arnica montana)
Schnittlauch (Allium schoenoprasum)
…und andere mehr.

Presseartikel von den Heilpflanzen- und Alpenblumenkursen an der Lenk:

Radiosendung Espresso „Kräuterwandern“

Gegen Kräuter-Koradi ist kein Kraut gewachsen / Berner Zeitung

Zauberhafter Bergsommer – Kräuterwanderungen an der Lenk / Modeblatt

Mit Kräuterexperte Koradi die Alpenflora entdecken / Berner Zeitung

Von schönen Blumen, heilenden Pflanzen und Volksglauben
/ Der Bund

Was blüht denn da? Kräuterwanderkurse an der Lenk / Schweizer Familie

Unterwegs mit dem Kräuterfachmann – Kräuterwanderungen an der Lenk / Wanderrevue

In Kursen Kräuter erkennen lernen – Kräuterwanderungen an der Lenk / Berner Zeitung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Weidenrinden-Extrakte lindern Arthritis

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Wirkung durch Salicin und entzündungswidrige Polyphenole

Weidenrinde wird in der traditionellen Pflanzenheilkunde zur Behandlung bei entzündlichen Schmerzzuständen verwendet. Die Phytotherapie-Forschung hat die Wirksamkeit von Weidenrinden-Extrakten inzwischen durch mehrere Studien belegt.

Laut Aussagen von Professor Jürgen Metz von der Uni Heidelberg haben standardisierte Weidenrinden-Gesamtextrakte seit 1996 in mehreren kontrollierten klinischen Studien und Anwendungsbeobachtungen bei schmerzhaften entzündlichen Gelenkbeschwerden eine gute entzündungswidrige und schmerzstillende Wirksamkeit gezeigt – und das auch noch bei guter Verträglichkeit.

Entzündungshemmende Polyphenole

Inzwischen gelte es als gesichert, dass nicht nur das ursprünglich als wirksamer Hauptbestandteil betrachtete Phenolglykosid Salicin, sondern mehrere Polyphenole zum entzündungswidrigen Effekt beitragen.
Polyphenole sind eine sehr vielfältige Stoffgruppe. Sie kommen in Pflanzen zum Beispiel als Farb- und Geschmacksstoffe sowie als Gerbstoffe vor.

Das Phenolglykosid Salicin wird im Körper genauso wie Acetylsalicylsäure (Aspirin) zu Salicylsäure umgewandelt. Salicin wirkt daher genauso wie Acetylsalicylsäure schmerzstillend und entzündungswidrig.

Salicin vs. Acetylsalicylsäure

Die Salicinumwandlung dauert zwar länger, dafür hält der entzündungshemmende und schmerzlindernde Effekt aber länger an. Metz präsentierte bei einer Veranstaltung des Komitees Forschung Naturmedizin e.V. in München Resultate von In-vitro-Versuchsreihen: In Kulturen mit aktivierten humanen Monozyten hemmte ein standardisierter wässriger Weidenrinden-Extrakt typische Vorgänge der Entzündungskaskade. Er wirkte dabei auf die Aktivität der TNF-alfa- und Cox-2-Gene und so auf die Syntheserate dieser Proteine oder auf die NO-Freisetzung so effektiv wie die Vergleichssubstanz Diclofenac. Wurde anstelle des Gesamtextraktes eine polyphenolreiche, aber salicinfreie Extraktfraktion verwendet, war die Hemmung der Entzündungsprozesse ähnlich gut. Metz bezeichnete standardisierte Weidenrinden-Extrakte als gut verträgliche Option, welche bei unterschiedlichen schmerzhaften Erkrankungen des Bewegungsapparates wie Arthrose, Arthritis oder Weichteilrheumatismus allein oder auch kombiniert mit NSAR immer einen Versuch Wert seien.

Für die Dauertherapie geeignet

Speziell in der Dauertherapie und bei NSAR-Risikopatienten wie Älteren, Diabetikern, Hypertonikern, Magen-Darm-, Herz- oder Nierenpatienten sollte eine solche NSAR-sparende Behandlungsmöglichkeit genutzt werden, empfahl Metz.

Quelle: www.aerztewoche.at

Kommentar:

Traditionelle Pflanzenheilkunde und neuere Phytotherapie kennen eine ganze Anzahl von Heilpflanzen, die im Bereich von rheumatischen Erkrankungen empfohlen werden. Nicht alle dieser Heilpflanzen haben einer kritischen Überprüfung Stand gehalten. Die Wirkung der Weidenrinde dagegen konnte zunehmend besser auch durch Studien mit Rheuma-Patienten geklärt und belegt werden. Auch Heilpflanzen-Präparate aus Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) und Weihrauch (Olibanum) sind Gegenstand der Phytotherapie-Forschung und zeigen interessante Wirkungen.

Bei den äusserlichen Anwendungen gibt es neuere Forschungen mit Arnika-Gel und Beinwell-Salbe, die beide gute Resultate zeigten.

Wichtig ist allerdings, dass bei der Anwendung von Heilpflanzen im Bereich Rheuma differenziert vorgegangen wird. Wenn in einem Kräuterbuch einfach steht, dass eine bestimmte Heilpflanze gegen Rheuma hilft, dann ist das genau genommen viel zu pauschal. Arthrose, chronische Polyarthritis, Gicht, Weichteilrheumatismus – das sind sehr unterschiedliche Erkrankungen, die nicht einfach in den Sammeltopf “Rheuma” geworfen werden dürfen. Es stellt sich dann die Frage, welche der Rheuma-Heilpflanzen denn nun am besten bei Arthrose wirkt, welche bei Polyarthritis etc.

Wichtig ist zudem, in welcher Form die Heilpflanzen angewendet werden, z. B. als Tee, Tinktur oder Extrakt. Hier gibt es grosse Unterschiede in der Wirksamkeit.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Scharfe Gewürze gegen Reisedurchfall

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Häufig wird in Ländern mit tiefen Hygienestandards sehr scharf gegessen. Das hängt nicht nur mit den regionalen Geschmacksunterschieden der Menschen zusammen. Es hat durchaus auch einen Schutz-Charakter. „Scharfe Gewürze wirken wunderbar gegen Reisediarrhö in den Tropen“, erklärt Privatdozent Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf.
„Wenn man richtig scharf isst oder vor dem Essen einen Whisky trinkt, setzt man einen Schmerzreiz auf die Schleimhaut“, stellt der Reisemediziner fest. Das ärgere den Magen, und er produziere vermehrt Magensäure.
Magensäure sei gut in den Tropen, weil sie Krankheitserreger abtötet. Darum könne man scharfes Essen und den Whisky vor dem Essen nur empfehlen. Für die Standardhygieneregeln in den Tropen sei das allerdings kein Ersatz, sondern nur eine Ergänzung.

Quelle: www.aerztezeitung.de, 28. 1. 2009

Kommentar:
Heilpflanzen mit Scharfstoffen spielen in der traditionellen Pflanzenheilkunde und in der neueren Phytotherapie eine bedeutende Rolle. Erwähnt seien Paprika, Cayennepfeffer, Muskatnuss, Gelbwurz (Curcuma), Galgant, Pfeffer, Ingwer, Zitwer, Senf, Meerrettich, Knoblauch und Zwiebel.

Die Scharfwirkung kommt durch Erregung der Thermo- und/oder Schmerz-Rezeptoren zustande. Die Inhaltsstoffe von Ingwer und Pfeffer erregen nur die Thermorezeptoren und wirken dadurch nicht entzündungserregend.

Ergänzend zum Text der Ärzte-Zeitung würde ich noch anfügen:
Allzu heftige scharfe Gewürze können natürlich auch Durchfall erzeugen, vor allem wenn der Darm noch nicht an diese Schärfe gewöhnt ist. Ich selber reise regelmässig in China und manchmal bekommt man dort bei aller Vorsicht halt doch eine zu intensiv gewürzte Speise vorgesetzt.
Mir helfen in solchen Fällen gerbstoffreiche Heilpflanzen wie Blutwurz (Tormentill), Schwarztee, Ratanhia oder getrocknete Heidelbeeren.

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Pflanzenheilkunde: Preiselbeersaft wirkt gegen Blasenentzündung

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Blasenentzündungen sind ein typisches Frauenleiden. Sie treten auf, wenn Bakterien, Pilze und immer häufiger auch Viren durch die Harnröhre aufsteigen und sich in der Blase vermehren. Zwar reagieren die meisten Blasenentzündungen prompt auf eine ärztlich verordnete antibiotische Behandlung. Doch oft ist die Ruhe nur von kurzer Dauer. Viele Frauen leiden an wiederkehrenden Blaseninfekten. Wer davon betroffen ist, sollte dieses Problem ernst nehmen. Denn bei mehr als drei Blaseninfekten pro Jahr besteht langfristig die Gefahr, dass das Leiden chronisch wird. In solchen Fällen kann Preiselbeersaft sehr nützlich sein. Er enthält Proanthocyanidine. Diese Substanzen sind zum einen für die Farbe und zum anderen für die therapeutische Wirksamkeit der Preiselbeere verantwortlich. Sie hemmen die Anheftung der Krankheitserreger an den Schleimhäuten des Harntraktes. Dadurch können sich die Bakterien viel schlechter in Blase und Niere festsetzen und werden mit dem Urin ausgeschwemmt. Eine sich anbahnende Infektion wird so oft schon im Vorfeld verhindert. Mehrere Studien haben gezeigt, dass sich die Rückfallquote nach einer Blasenentzündung durch Einnahme von Preiselbeersaft deutlich senken lässt. Das haben inzwischen auch viele Spitäler und Pflegeheime erkannt. Sie bieten gefährdeten Patientinnen den Preiselbeersaft zur Vorbeugung an. Die Anwendung von Preiselbeersaft ist ein gutes Beispiel für Nutzen und Wirksamkeit der Phytotherapie / Pflanzenheilkunde. Eine tiefere Rückfallquote verringert nicht nur Schmerzen, sie spart auch Kosten und reduziert den Verbrauch von Antibiotika.
Wichtig ist allerdings zu wissen, dass es Preiselbeer-Präparate in sehr unterschiedlicher Qualität im Handel gibt, und dass auch gewisse Anwendungsrichtlinien zu beachten sind. In diesem Sinne braucht der wirksame Einsatz von Preiselbeersaft auch Fachwissen.

Siehe auch:

Test: Cranberry-Produkte oft unterdosiert

Phytotherapie: Canberry-Saft wirkt wie Teflon

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Pflanzenheilkunde: Pfefferminze lindert Übelkeit

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Die Pfefferminze (Mentha piperita) enthält ein ätherisches Öl mit dem Hauptbestandteil Menthol. Diese Substanz kann die Magenschleimhaut unempfindlicher machen und dadurch den Brechreiz lindern. Verstärkt wird diese Wirkung, wenn der Pfefferminztee gekühlt getrunken wird (aus dem Kühlschrank). Bei Brechreiz während Chemotherapien und nach Operationen bewähren sich Eiswürfel aus Pfefferminztee. Im Verdauungstrakt zeigt Pfefferminztee gallenflussfördernde, krampflösende und blähungswidrige Eigenschaften. Das reine Pfefferminzöl hilft häufig bei Spannungskopfschmerzen. Dazu reibt man einige Tropfen des ätherischen Öls auf die schmerzenden Stellen ein. Pfefferminzöl ist zudem wirksam gegen Herpes-Viren (Fieberbläschen), wenn es schon bei den ersten Anzeichen angewendet wird. Die Pfefferminze eignet sich also nicht nur als Genusstee. Sie hat einen bedeutenden Platz in der Phytotherapie / Pflanzenheilkunde, wobei es allerdings wichtig ist, ihre Wirkungen, Möglichkeiten und Grenzen präzis zu kennen.
Wer sich ein fundiertes Wissen über Heilpflanzen erwerben will, findet dazu auf www.phytotherapie-seminare.ch ein reichhaltiges Angebot an Lehrgängen, Kursen und Exkursionen.

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