Beiträge

Modedroge Spice: Hauptwirkstoff der Kräutermischung gefunden

Diesen Artikel teilen:
FacebookTwitterGoogle+ Share

Forscher der Freiburger Universität konnten den mutmasslichen Hauptwirkstoff der Modedroge Spice identifizieren. Spice, bisher als Kräutermischung oder Räucherwerk verkauft, enthalte eine leicht veränderte Variante des synthetischen Cannabinoids CP-47,497. Seine Struktur ähnele dem Hauptwirkstoff der Cannabispflanze, sagte Volker Auwärter. Er leitet seit Oktober vergangenen Jahres ein Projekt am rechtsmedizinischen Institut der Universität Freiburg (Deutschland) zur Untersuchung der Modedroge. Der nun entdeckte Wirkstoff sei sowohl bezüglich Wirksamkeit wie auch bezüglich Wirkdauer wesentlich aggressiver als der im Dezember von dem Frankfurter Pharmaunternehmen THC-Pharm in Spice gefundene Wirkstoff JWH-018. Volker Auwärter glaubt, dass die Frankfurter Forscher den nun in Freiburg identifizierten Hauptwirkstoff als Aromakomponente von Spice missverstanden haben.

Das rechtsmedizinische Institut warnte zusammen mit dem Bundeskriminalamt (BKA) «eindringlich» vor dem Konsum von Spice und vergleichbaren Produkten. Sie sehen darin eine grosse Suchtgefahr. Außerdem könnten sich beim Rauchen von Spice krebserregende Stoffe entwickeln. Für Konsumenten und Konsumenten sei nicht erkennbar, ob den Kräutermischungen synthetische, hochwirksame Wirkstoffe zugesetzt wurden. Die Wissenschaftler hatten den Wirkstoff CP-47,497 mit Hilfe chemischer Untersuchungen an rund 30 Proben von Spice und ähnlichen Produkten identifiziert. Er sei in deutlich höheren Konzentrationen in der Modedroge vorhanden als JWH-018. Manche Spice-Proben waren sogar frei von JWH-018.

Quelle: www.pharmazeutische-zeitung.de / 19.01.2009 l dpa

Kommentar:
Die Kräutermischung Spice gehört zwar nicht zur Pflanzenheilkunde. Trotzdem ist sie ein gutes Beispiel dafür, dass nicht alles, was als pure Natur daher kommt, auch pure Natur enthält. Immer wieder werden vor allem in Heilpflanzen-Präparaten aus dem asiatischen Raum, die via Internet bezogen werden, synthetische Zusätze entdeckt. Das ist nicht immer harmlos und zudem Betrug, wenn der Käufer oder die Käuferin im Glauben gelassen wird, es handle sich um ein Naturprodukt.
Kaufen Sie keine Naturprodukte aus dubiosen Quellen. Wer sicher gehen will hält sich für Heilpflanzen-Präparate an Apotheken und Drogerien. Zwar ist es meiner Ansicht nach ein grosses Problem, dass ein bedeutender Teil der in Apotheken und Drogerien verkauften Naturprodukte bezüglich Wirksamkeit von ausgesprochen fragwürdiger Qualität sind. Das Risiko aber, mit gefährlichen Präparaten eingedeckt zu werden, ist in Apotheken und Drogerien sehr gering.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

„Antenna“ erforscht traditionelles Heilpflanzen-Wissen

Diesen Artikel teilen:

Ein Grossteil der Bevölkerung der Länder des Südens nutzt bei der Behandlung von Krankheiten traditionelle Heilmittel. Diese Tatsache veranlasste die Nichtregierungsorganisation “Antenna Technologies” ihre wissenschaftliche Vorgehensweise in den Dienst solcher traditioneller Praktiken zu stellen. So untersuchte sie beispielsweise Malaria-Behandlungsmethoden in abgelegenen Regionen von Afrika, in denen keine medikamentösen Behandlungen erhältlich sind. Die ForscherInnen von Antenna erfassten in einem isolierten Dorf in Mali gängige Heilpflanzen-Rezepturen, welche sich bereits bei Malaria-Erkrankungen bewährt haben. Das Ziel dieser Arbeit war es, die Rezepte mit wissenschaftlichen Methoden zu bestätigen und verbesserte Rezepte zu entwickeln, welche von der Dorfbevölkerung auf einfache Art genutzt werden können.
Aus hunderten solcher Rezepte konnten sechs Pflanzen identifiziert werden, deren Eigenschaften am Schweizerischen Tropeninstitut in Basel in Kooperation mit dem Gesundheitsministerium in Mali genauer untersucht wurden. Mittels verschiedener Anwendungskriterien (Verfügbarkeit, geringes Verwechslungsrisiko mit gefährlichen Pflanzen) wurde die Pflanze Argemone mexicana ausgewählt – ein Unkraut, das mit dem Mais aus Amerika eingeführt wurde und in allen tropischen Gegenden wächst. Die vor Ort durchgeführten klinischen Studien konnten zeigen, dass in isolierten Gegenden Westafrikas mit hohen Malaria-Übertragungsraten Kräutertees auf der Grundlage von Argemone eine gute Erstlinienbehandlung gegen eine einfache Form der Malaria darstellen. Auf der Basis dieser Arbeiten konnte das Gesundheitsministerium von Mali ein in den Städten verfügbares “verbessertes traditionelles Arzneimittel” entwickeln und in den Dörfern die Anwendung von Kräutertees fördern. In einer nächsten Phase will Antenna untersuchen, ob die Wirkstoffe der Heilpflanze auch in anderen Pflanzenarten und in anderen Gegenden zu finden sind, in denen die Malaria grassiert.

Quelle: EvB Dokumentation 01/2009 (Erklärung von Bern), www.evb.ch
www.antenna.ch

Kommentar:
Die Erforschung traditioneller Heilpflanzen und traditionellen Heilwissens aus verschiedensten Regionen der Welt ist eine hoch interessante Angelegenheit.
Drei Punkte müssen dabei aber berücksichtigt werden:

1. Es darf nicht nur um die Ausbeutung von traditionellem Wissen gehen, das anschliessend von Grosskonzernen patentiert und exklusiv vermarktet wird. Das wäre eine Form von Diebstahl und wird heute als “Biopiraterie” bezeichnet. Wird traditionelles Wissen genutzt, muss eine angemessene Entschädigung an die ursprünglichen TrägerInnen dieses Wissens zurückfliessen.

2. Das Sammeln oder der Anbau solcher Heilpflanzen muss die Kriterien der Nachhaltigkeit berücksichtigen. Es darf nicht zur Gefährdung oder gar Ausrottung von Arten kommen.

3. Die Wirksamkeit traditioneller Heilpflanzen-Rezepte muss mit angemessenen wissenschaftlichen Methoden glaubwürdig gemacht werden. In vielen traditionellen Rezepten halten sich Irrtümer über Jahrhunderte. Es ist sehr naiv anzunehmen, in jedem althergebrachten Heilpflanzen-Rezept stecke die unantastbare Weisheit. Allzu oft wird sehr unkritisch alles als Ausdruck tiefster Wahrheit aufgefasst, was traditionell ist und einen gewissen “Exotik-Touch” aufweist. Es gibt “Perlen” im traditionellen Wissen, sie müssen aber zuerst gefunden werden unter einer grossen Masse von mittelmässig bis gar nicht wirksamen Rezepten.

Bei dem beschriebenen Projekt in Mali scheinen diese drei Kriterien jedenfalls erfüllt zu sein. Optimal ist es jedenfalls, wenn die Erkenntnisse direkt an die lokale Bevölkerung zurückfliessen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Übersichts-Studie zu Umckaloabo zieht positives Fazit

Diesen Artikel teilen:

Extrakte aus Umckaloabo, der Kapland-Pelargonie, werden seit einiger Zeit erforscht und eingesetzt gegen akute Infektionen der Atemwege. Die Cochrane Collaboration publizierte eine Übersichts-Studie zur Wirksamkeit von Umckaloabo (Pelargonium sidoides). Die 6 Autoren ziehen daraus folgende Schlüsse:

“Wir haben 8 randomisierte klinische Studien untersucht mit akzeptierter Methodik. Zwei Studien zeigten, dass P. sidoides effektiv alle Symptome, insbesondere Husten und Auswurf bei Erwachsenen mit akuter Bronchitis lindert. Eine 3. Studie zeigte hingegen lediglich eine effektive Verbesserung des Auswurfes. In ähnlicher Weise beseitigte P. sidoides in 2 von 3 Studien bei Kindern und Jugendlichen die Symptome einer akuten Bronchitis.

Bei akuter Sinusitis und Erkältung konnte P. sidoides effektiv alle Symptome, einschliesslich Kopfschmerzen und Schnupfen bei Erwachsenen beseitigen, wenn es über einen längeren Zeitraum genommen wurde. Unerwünschte Ereignisse traten unter P. sidoides häufiger auf, aber keines war schwer. Es existiert begrenzte Evidenz für die Wirksamkeit von P. sidoides in der Behandlung von Infektionen der oberen Atemwege. Die pflanzliche Zubereitung kann effektiv sein in der Linderung der Symptome der akuten Bronchitis bei Erwachsenen und Kindern und der Sinusitis bei Erwachsenen.”

Zum Anwendungsbereich von Umckaloabo schreiben die Autoren:

„Der Extrakt wird zur Behandlung von akuten Atemwegsinfektionen verwendet, bei denen Antibiotika nicht notwendig sind. Im Licht des unsachgemässen Einsatzes von Antibiotika und steigender Resistenzraten weltweit ist eine wirksame therapeutische Alternative für diese Krankheitszustände absolut notwendig.“

Quelle: Zeitschrift für Phytotherapie Nr. 6/2008

Originalveröffentlichung:
Timmer A, Günther J, Motschall E, Antes G, Kern WV, Pelargonium sidoides extract for acute respiratory tract infections. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 3. Art. No. CD006323. DOI: 10.1002/14651858.CD006323.pub2

Kommentar:
Wie bei anderen Heilpflanzen auch, gibt es bei Umckaloabo-Präparaten sehr grosse Qualitätsunterschiede. Die positiven Schlussfolgerungen aus dieser Übersichts-Studie gelten daher nur für diejenigen Extrakte, welche in den verschiedenen Untersuchungen verwendet wurden.
Das gilt generell für Aussagen im Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde.
Genau genommen kann man nicht einfach sagen:
Umckaloabo wirkt gegen Bronchitis und Stirnhöhlenentzündung;
Johanniskraut wirkt gegen Depressionen;
Weissdorn stärkt das Herz;
Bärentraube bekämpft Blasenentzündungen;
Baldrian hilft gegen Schlafstörungen etc. etc.

Genauso wichtig ist die Frage, in welcher Form die jeweilige Pflanze wirksam ist:
Als Tee? Mit welcher Art von Teezubereitung?
Als Tinktur? Welche Art von Tinktur? Welche Dosierung?
Als Extrakt? Welche Art von Extrakt?

Es gibt sehr viele pflanzliche Produkte mit fragwürdiger Wirksamkeit und eine Minderzahl von hochwertigen Präparaten. Doch wie unterscheidet man zwischen Fragwürdigem und Hochwertigem?
Kriterien für diese wichtige Unterscheidung können Sie in meinen Heilpflanzen-Kursen und in der Phytotherapie-Ausbildung lernen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Naturheilkunde und Medizin – kein Entweder-Oder!

Diesen Artikel teilen:

In meiner über 25jährigen Lehrtätigkeit im Umfeld der Naturheilkunde bin ich deutlich skeptischer geworden gegenüber diesem Bereich. Der Hauptgrund dafür: Ich habe eindeutig zu viele Leute getroffen, die sehr einseitig unkritisch alles toll fanden, was als natürlich daher kommt, und alles “medizinische” als schlecht oder gar böse. Diese Schlagseite scheint mir sehr problematisch. Vorzuziehen wäre eine optionale Haltung, welche Wahlmöglichkeiten anbietet: Je nach Situation kann eine medizinische oder naturheilkundliche Behandlung angemessener sein.

Von Nietzsche (1844 – 1900) gibt es ein Zitat, das mir zu diesem Thema passend scheint:

“Gewöhnlich strebt man darnach, für alle Lebenslagen und Ereignisse eine Haltung des Gemüts, eine Gattung von Ansichten zu erwerben, das nennt man vornehmlich philosophisch gesinnt sein. Aber für die Bereicherung der Erkenntnis mag es höheren Wert haben, nicht in dieser Weise sich zu uniformieren, sondern auf die leise Stimme der verschiedenen Lebenslagen zu hören; diese bringen ihre eigenen Ansichten mit sich. So nimmt man erkennenden Anteil am Leben und Wesen vieler, in dem man sich selber nicht als starres beständiges eines Individuum behandelt.”

(Friedrich Nietzsche, Werke I, Ullstein Verlag, Frankfurt am Main, 1979, Menschliches, Allzumenschliches, Nr. 618, S. 719)

Mir gibt es in der Naturheilkunde entschieden zu viele Leute, die nicht auf die leise Stimme der verschiedenen Lebenslagen hören, sondern apodiktische Urteile fällen wie: Niemals Cortison! Auf keinen Fall Antibiotika! Keine Chemotherapie! – Das halte ich in vielen Fällen für grob fahrlässig und solche “Heilerinnen” oder “Heiler” verursachen zum Teil schwere Erkrankungen oder Todesfälle. Blinde Verteidiger der Naturheilkunde werden darauf erwidern: Und die Probleme mit Antibiotika und Cortison? Die Nebenwirkungen der Chemotherapie? Die Todesfälle durch Fehler der Medizin? – Mag schon sein und ich propagiere ganz und gar nicht Kritiklosigkeit gegenüber Auswüchsen und Risiken der Medizin. Aber rechtfertigen sich dadurch die Probleme der Naturheilkunde? Etwa nach dem Motto kleiner Kinder: Ich nicht, aber er auch!

Meiner Meinung nach muss die Naturheilkunde mit Nachdruck vor der eigenen Türe wischen. Dazu braucht es eine interne Kritikkultur, die einseitige und grössenwahnsinnige Haltungen und Dogmen in der eigenen “Szene” verstärkt in Frage stellt. Diese kritische Auseinandersetzung ist vor allem auch deshalb so notwendig, weil es in den Bereichen Naturheilkunde / Komplementärmedizin ganz fundamental an Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle mangelt.
Eine optionale Grundhaltung und die kritische Auseinandersetzung im eigenen “Lager” sind meines Erachtens die unabdingbare Basis für eine positive Entwicklung von Naturheilkunde bzw. Komplementärmedizin.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Chefarzt stellt „Gesundheitsreligion“ in Frage

Diesen Artikel teilen:

Gesundheit hat sich nach Meinung des Kölner Psychiaters und Chefarztes Manfred Lütz zu einer eigenen Religion entwickelt: „Gesundheitsratgeber sind die heiligen Schriften, Kliniken die Kathedralen und Ärzte die Halbgötter in Weiß. Die Gläubigen nehmen sogar Pilgerfahrten auf sich – zum Spezialisten.“
Lütz führt den Gesundheits- und Fitnesskult auf den unbewussten Wunsch nach ewigem Leben zurück: „Das ist eine uralte Sehnsucht des Menschen, darauf deuten schon Höhlenzeichnungen hin. Und das lebt sich jetzt bei uns im Gesundheitssystem aus. Man redet den Leuten ein: ,Wenn ihr nur wenig und gesund esst und viel Sport macht, dann lebt ihr ewig.‘ Ergebnis: Die Leute leben nur noch vorbeugend – und sterben dann gesund“. Wenn man als Arzt einem richtigen Gesundheitsfanatiker die Diagnose Krebs mitteilen müsse, reagiere dieser oft mit völligem Unverständnis. Solche Menschen hätten sich erfolgreich eingeredet, dass sie gegen Krankheit und Tod immun seien.
Die „Gesundheitsreligion“ habe unmerklich unser Menschenbild verändert. Nur noch die Gesunden würden als vollwertig gelten: „Behinderte, chronisch Kranke oder unheilbar Kranke sind Menschen zweiter oder dritter Klasse.“ Wer den Tod vor Augen habe, dem erscheine das Leben nicht mehr lebenswert. Dabei liege gerade in der Endlichkeit der Reiz unserer menschlichen Existenz: „Nur dadurch, dass wir sterben, wird jeder Moment unseres Lebens unwiederholbar wichtig und kostbar. Wenn ich Ihnen das Datum Ihres Todes sagen könnte, dann würden Sie morgen schon anders leben, nämlich bewusster. Wer den Tod verdrängt, verpasst das Leben.“
Gesundheit sei ein hohes Gut, stellte Lütz klar, es sei jedoch nicht das höchste: „Das Wichtigste ist nicht Gesundheit, sondern ein erfülltes, glückliches Leben. Viele Lachfalten im Gesicht, das ist doch das Schönste. Und nicht ewige Jugend.“

Quelle: Ärztezeitung online, 23. 12. 2008

Kommentar:

Manfred Lütz ist Theologe, Philosoph und Mediziner. Mir scheint, dass er hier ein wichtiges Thema anspricht. Und zwar nicht nur für die Medizin, sondern genauso für die Bereiche Naturheilkunde / Komplementärmedizin / Pflanzenheilkunde. Auch hier findet man nicht selten eine starke Überhöhung der Gesundheitsvorstellungen, Anflüge von Heilslehren und sektenhaftes Getue. Einfach eine andere Sparte der Gesundheitsreligion.
Grandiose Heilungsversprechungen gaukeln vor, dass Gesundheit in jedem Fall erreichbar ist, wenn man nur die richtige Heilmethode, das passende “Chügeli”, das ganz spezielle Heilpflanzen-Präparat findet. Auch damit wird oft die schmerzliche Erkenntnis überspielt, dass wir Menschen zerbrechliche Wesen sind und dass Krankheit genauso zum Leben gehört wie Gesundheit.
Genauer ausgeführt hat Lütz übrigens seine Gedanken in einem Radiovortrag, den Sie hier in schriftlicher Form finden:

http://www.kultur-punkt.ch/gesundheit/swr2-luetz-wellnesswahn05-2.htm

Es geht mir keinesfalls darum, Krankheit zum Idealzustand hoch zu stilisieren. Aber Gesundheit als absoluter Idealzustand ist genauso fragwürdig. Vor allem wenn damit grenzenlose Versprechungen auf Heilung verbunden sind.
Mir scheint es sehr wichtig, dass wir uns auch im Kontext der Pflanzenheilkunde immer wieder mit solchen grundsätzlichen und eher philosophischen Fragen rund um Gesundheit, Krankheit und Heilen auseinandersetzen. Und uns nicht einfach nur darauf beschränken, wie wunderbar doch die Heilpflanze X. gegen Beschwerde Z. hilft.
Sorgfältige Reflexion und Auseinandersetzung mit diesen Themen schützt davor, blind jedem Propagandisten der Gesundheitsreligion auf den Leim zu kriechen oder selber solch gesundheitsmissionarische Züge zu entwickeln.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Scheidungsgründen bei Blaumeisen auf der Spur…..

Diesen Artikel teilen:

Scheidungen gibt es nicht nur bei Menschen, sondern – für viele vielleicht überraschend – auch bei sozial monogamen Vögeln wie der Blaumeise. Die Verhaltensökologen Mihaj Valcu und Bart Kempenaers vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen haben bei einer Langzeitstudie an Blaumeisen Trennungsraten von über 50 Prozent festgestellt. Doch aus welchen Gründen trennen sich die Paare wieder? Um das herauszufinden ist es nützlich zu wissen, welcher der beiden ehemaligen Partner Leidtragender ist und wer von der Trennung profitiert. (Animal Behaviour, 23. April 2008)

Lesen Sie hier die neuesten Erkenntnisse zum Scheidungsverhalten der Blaumeisen. Und im Kommentar dann Anmerkungen zu den manchmal verwickelten Beziehungen der Menschen zur Vogelwelt, zur Natur, zur Pflanzenwelt und zu den Heilpflanzen.

Frühere Studien an kleinen Sperlingsvögeln, zu denen auch die Blaumeise gehört, haben gezeigt, dass Weibchen offenbar stärker von einer Scheidung profitieren: Sie hatten danach jedenfalls mit einem neuen Partner mehr überlebende Nachkommen. „Nach diesen Erkenntnissen sollten es die Weibchen sein, welche die Initiative zum Verlassen eines Partners ergreifen“, kommentiert Bart Kempenaers. Er ist Direktor der Abteilung Verhaltensökologie und Evolutionäre Genetik am Max-Planck-Institut für Ornithologie.

In ihrer Untersuchung kommen Kempenaers und sein Mitarbeiter Mihaj Valcu allerdings zum Schluss, dass sich der höhere Bruterfolg durch den mit der Trennung einhergehenden Wechsel des Territoriums und weniger durch die Scheidung an sich erklären lässt: Denn nur wenn die Weibchen ihr bisheriges Territorium verlassen und an einen besseren Platz ziehen, steigert sich auch die Zahl der Nachkommen. Die Männchen dagegen bleiben fast ausschließlich in ihrem angestammten Territorium.

Die Max-Planck-Forscher haben darum nun Blaumeisenweibchen untersucht, die nach der Trennung auch am oder zumindest in der Nähe ihres bisherigen Standortes blieben, um den Einfluss des Territoriumwechsels vom Effekt der Scheidung zu trennen. Es zeigte sich, dass in diesem Fall nicht die Weibchen, sondern die Männchen ihren Bruterfolg nach einer Scheidung erhöhten: Sie paarten sich mit größeren Weibchen und erzielten einen höheren Bruterfolg als die ehemalige Partnerin.

Daraus ergibt sich wiederum die Frage, ob möglicherweise die Männchen den ersten Schritt zur Trennung machen. „Wir können nur spekulieren“ sagt Kempenaers. „Aber unsere Hypothese ist, dass ein größeres, stärkeres Weibchen die ursprüngliche Partnerin vertreibt und das Männchen samt Territorium übernimmt.“
Als Auslöser für die Trennung und damit als Scheidungsgrund ins Blickfeld käme dann die Konkurrenz zwischen den Weibchen um einen guten Paarungspartner.

Quelle: Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft?zur Förderung?der Wissenschaften e.V., München.
Originalveröffentlichung:??Mihai Valcu and Bart Kempenaers,?Causes and consequences of breeding dispersal and divorce in a blue tit (Cyanistes caeruleus) population, ?Animal Behaviour, 23. April 2008?

Kommentar:

Immer wieder erstaunlich, was man so alles untersuchen kann….
Das Thema hat im Übrigen aber auch eine historisch und philosophisch spannende Seite. Die oben vorgestellte Studie beschreibt das Scheidungsverhalten der Blaumeisen ja ziemlich neutral. Das war nicht immer so.

Als im 19. Jahrhundert Vogelschutzbewegungen aufkamen, wurden die gefiederten Freunde noch sehr nach moralischen Kriterien gewertet. Es gab ansprechende und weniger ansprechende Vogelarten. Ansprechende Vögel waren Singvögel mit farbenprächtigem Gefieder, die sich von Unkraut und Insekten ernährten. Die meisten von ihnen bauten kunstvolle Nester, paarten sich diskret einmal jährlich und störten andere Vogelarten nicht. Viele kehrten Jahr für Jahr treulich zum alten Nest zurück – und zwar, wie man hoffte, möglichst mit dem gleichen Weibchen oder Männchen. Bei diesen Vögeln sah man vorbildhaft die Mittelklassetugenden: Heimatliebe, Familienzusammenhalt, emsiger Fleiss und Treue. Viele von ihnen zeigten sogar Heldenmut im Kampf gegen andere, unerfreuliche Vogelarten.
Unerfreuliche Vogelarten hatte man in Schach zu halten, weil sie nach dem Massstab menschlicher Moral ein verwerfliches Leben führten. Es waren oft Raubvögel, die andere angriffen oder sich von Fleisch oder Aas ernährten. Schlimm waren auch Arten wie der Kuckuck, der seine Eier in fremde Nester legt, ohne seine Elternpflichten wahrzunehmen.
Für höchst verwerflich hielt man aber das Leben der Spatzen. Sie hatten nur raue und gar nicht wohlklingende Stimmen, sahen struppig und schnutzig-grau aus, waren Gassenvögel mit Herdenmentalität, die sich über Pferdemist hermachten. Proletarier eben. Sie waren aggressiv, lärmend, hemmungslos, verjagten bescheidenere Vögel, paarten sich unaufhörlich und öffentlich und bauten liederliche Nester.

Um wie viel moralischer und edler waren da beispielsweise die Schwäne mit ihrer lebenslangen Treue.

Dieses Beispiel zeigt hervorragend die menschliche Neigung, die Natur und alle Vorgänge in ihr ganz und gar nach menschlichen Wünschen, Ideen, Bedürfnissen, Vorstellungen etc. zu interpretieren.
Diese anthropomorphen Deutungen haben den moralisch positiv gewerteten Vögeln sicher viel genützt. Sie wurden entsprechend gefördert, geschätzt und behütet. Die Anthropomorphisierung bewirkt, dass man sich in die solcher Massen vermenschlichten Tiere sehr gut einfühlen kann. Das war eine wichtige Quelle für Mitleid mit den Tieren.
Moralisch als minderwertig betrachtete Vögel wurden dagegen gnadenlos verfolgt und zum Teil ausgerottet.

Weil solche Anthropomorphismen unseren Wünschen und Bedürfnissen so nahe kommen, beziehungsweise mit ihnen im Grunde identisch sind, bekommen sie eine ungeheure Stärke und sind kaum aufzulösen.

Befreit man sich aber von diesem Wunschgebäude und schaut genauer hin, fällt es rasch in sich zusammen.
So hat auch die idealisierende Anthropomorphisierung der Vögel durch die ornithologische Forschung inzwischen einige Kratzer abbekommen.
Klar ist zum Beispiel: Es gibt nicht nur die Ewig-Treuen und die Lasterhaften. Die Vogelwelt kennt “Familienformen” in jeder Variante. Es gibt Vogelarten mit lebenslanger Monogamie, mit Saison-Monogamie, aber auch Varianten von “ein Männchen mit mehreren Weibchen” genauso wie “ein Weibchen mit mehreren Männchen”.
Das Spektrum der “Beziehungsformen” ist also von Art zu Art unterschiedlich und sehr vielfältig.
Seit genetische Untersuchungen möglich sind, hat zudem das Image der “ewig-treuen” Vogelarten arg gelitten, weil klar wurde, dass ein erheblicher Teil des Nachwuchses aus Seitensprüngen entsteht.
Alle Klisches sprengt sodann die Beobachtung homosexueller Partnerschaften bei vielen Vogelarten.
Und nun noch das: hohe Scheidungsraten bei den niedlichen Blaumeisen!
Was lernen wir daraus?
Wir sollten meines Erachtens sehr vorsichtig damit sein, der Tierwelt menschliche Züge und Wertungen unterzuschieben. Erfahrungsgemäss legen wir damit nämlich nur unsere eigenen Vorstellungen hinein und lesen sie dann von dort wieder heraus. So kann man sich dann beruhigt einreden, dass die eigenen Vorstellungen und Werte ja auch von der Natur bestätigt werden. Ein “Pfahlbauer-Trick” sondergleichen.

Und warum erzähle ich das alles?
Weil es im Bereich der Pflanzenheilkunde auch eine Tendenz zur Anthropomorphisierung der Pflanzen gibt.

Dazu gehören Vorstellungen, dass die Heilpflanzen uns heilen wollen.
So vertrat zum Beispiel Eduard Bach, der Begründer der Bach-Blütentherapie, die Ansicht, dass die von ihm als Heilmittel ausgewählten Pflanzen das Bedürfnis haben, uns zu heilen.
Auch die Vorstellung, dass Heilpflanzen uns durch ihre Formen und Farben, durch ihre “Signatur”, mitteilen, wofür sie gut sind, hat anthropomorphen Charakter.
Ebenso die Rede vom “Wesen” der Pflanzen. Schaut man sich diese angeblichen Wesensbeschreibungen genauer an, sind sie vollgepackt mit anthropomorphen Elementen. Wenn das “Wesen” des Gänseblümchens darin bestehen soll, dass es uns von physischer und psychischer Gewalterfahrung heilt, wird die Pflanze zu unserer Dienstmagd. Das “Wesen”, das eigentlich ihr eigenes Inneres sein sollte (falls es ein solches Wesen überhaupt gibt), wird – schwups – in unseren Dienst gestellt. Weil dadurch die Pflanzen in ihrem Wesen auf den Menschen hin ausgerichtet sind, steht der Mensch hier im Zentrum der “Veranstaltung”. Wir haben es deshalb nicht nur mit anthropomorphen Elementen zu tun, sondern genauso mit anthropozentrischen Denkmustern.
Mehr zum Thema “Wesen der Pflanzen” hier:
www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/08/15/pflanzenheilkunde-nebuloese-aussagen-vom-wesen-der-pflanzen.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Pflanzenheilkunde schafft Zugang zur Natur

Diesen Artikel teilen:

Viele Menschen in unserer Kultur leben enorm weit weg von jedem direkten Naturkontakt. Dabei könnte eine gute Naturverbundenheit den Alltag bereichern und zur seelischen und körperlichen Gesundheit beitragen. Jakob Janssen schrieb dazu bereits 1969:

“Nur verhältnismässig wenige Menschen haben heute noch die Möglichkeit, die Schönheiten und Kostbarkeiten unserer Pflanzenwelt in der freien Natur zu bewundern. Viele von uns sind durch Arbeit und Beruf festgehalten. Manchmal sind auch die Standorte vor allem bei den seltenen Pflanzen nicht genügend bekannt oder nur aus grösserer Entfernung erreichbar. Hinzu kommt, dass die Einengung der pflanzlichen Lebensräume durch Kultivierung weiterer Naturlandschaften fortschreitet und dadurch immer wieder Pflanzenstandorte verschwinden. Zwar bemühen sich viele staatliche und ehrenamtliche Stellen und Naturfreunde ständig um die Erhaltung der noch vorhandenen natürlichen Lebensräume unserer Pflanzen, doch können diese Anstrengungen auf die Dauer nur Erfolg haben, wenn der Schutzgedanke selbstverständliches Allgemeingut eines jeden von uns geworden ist…….Im Grunde ihres Wesens fühlen sich die meisten Menschen mit der Natur verbunden. Sie gibt ihnen innere Ruhe und Ausgeglichenheit, Besinnung auf sich selbst und auf das Schöne in der Welt – und sei es nur während weniger Stunden bei einem Wochenendausflug ins Grüne. Manchmal bedarf es zur Erkenntnis der uns angeborenen Naturverbundenheit lediglich einer kleinen Anregung.”
(aus: Kostbarkeiten unserer Pflanzenwelt, Fagus-Verlag 1969)

Die Pflanzenheilkunde bietet eine gute Möglichkeit, den Faden zur Natur aufzunehmen und zu verstärken. Wer interessiert ist an einer kürzeren oder längeren Lehrzeit in der Natur, findet dazu viele Gelegenheiten auf meinen Exkursionen zu Heilpflanzen, Alpenblumen und Orchideen. Informationen dazu auf www.phytotherapie-seminare.ch im Kurskalender.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

Diesen Artikel teilen:

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen ein Enzym, das bei Entzündungen eine zentrale Rolle spielt. Das haben Forscher der Uni Würzburg in Laborversuchen entdeckt. Ihre Resultate sind möglicherweise für die Behandlung von entzündlichen Darmerkrankungen von Bedeutung.

„Viele Menschen, die an entzündlichen Darmbeschwerden leiden, fühlen sich besser, wenn sie größere Mengen Heidelbeeren essen“, sagt der Würzburger Lebensmittelchemiker Bastian Knaup. Was könnte das wirksame Element in den Beeren sein? Dieser Frage ist Knaup in seiner Doktorarbeit nachgegangen. Dabei nahm er spezielle Farbstoffe unter die Lupe: die so genannten Anthocyane, welche den Heidelbeeren ihre intensive Färbung geben.

In der Fachzeitschrift Molecular Nutrition & Food Research stellte Bastian Knaup die Resultate jetzt gemeinsam mit Anett Oehme und mit seinen Betreuern Professor Peter Schreier und Anagnostis Valotis vor.

Die Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen im Laborexperiment das Enzym Lipoxygenase unterschiedlich deutlich. Dieses Enzym spielt bei Entzündungsprozessen eine bedeutende Rolle. Besonders stark wird es von dem Farbstoff Delphinidin gehemmt, der für diesen Effekt mit jeweils einem Molekül der Zucker Glucose oder Galactose verknüpft sein muss.

Die Würzburger Lebensmittelchemiker sind der Ansicht, dass auf diesem Weg die Anthocyane eine gesundheitsfördernde Wirkung entfalten könnten. Diesen Schluss ziehen sie aus ihren Laborversuchen; direkt am Menschen ist ihre Vermutung jedoch noch nicht belegt. Dennoch halten sie es für möglich, dass ihre Erkenntnisse einen vielversprechenden Ansatz für die Medizin sein könnten – zur Vorbeugung und Behandlung entzündlicher Darmerkrankungen wie zum Beispiel Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn.

Heidelbeer-Farbstoffe sind im Darm wenig stabil

Bastian Knaup hat bei seiner Doktorarbeit allerdings auch festgestellt, dass die Farbstoffe der Heidelbeeren im Darm sehr unterschiedlich stabil sind – abhängig von ihrer chemischen Struktur. Gerade auch jener Farbstoff, der das Enzym Lipoxygenase am stärksten hemmt, hat sich als nicht sonderlich beständig erwiesen.

Zusätzliche Untersuchungen sind also nötig. In der Würzburger Lebensmittelchemie forschen nun weitere Doktoranden danach, wie sich die interessanten Stoffe aus Heidelbeeren stabiler machen lassen. Den hemmenden Effekt auf das Enzym Lipoxygenase dürfen die Stoffe dadurch natürlich nicht verlieren.

Diese Arbeiten gehören zu einem größeren Projekt, das vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziell gefördert wird. Mehrere Universitäten und Industriepartner erforschen dabei den Einfluss pflanzlicher Inhaltsstoffe auf den Menschen.

Quelle: Pressemitteilung Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 08.01.2009

Originalveröffentlichung:
„Anthocyanins as lipoxygenase inhibitors (p NA)2, Bastian Knaup, Anett Oehme, Anagnostis Valotis, Peter Schreier, Molecular Nutrition & Food Research, online publiziert am 15. Dezember 2008, DOI: 10.1002/mnfr.200800234

Kommentar:
Getrocknete Heidelbeeren gehören traditionell zu den Heilpflanzen, denen eine Wirkung gegen Durchfälle zugeschrieben werden. Begründet wird dies vor allem mit dem Gehalt an Gerbstoffen. Dass auch die Anthocyane an der positiven Wirkung auf den Darm beteiligt sein könnten, wurde in der Phytotherapie immer wieder einmal diskutiert.
Die Untersuchungen an der Universität Würzburg sind ein weiterer Hinweis in diese Richtung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Weiterbildung: Heilpflanzen für eine gesunde Krankenpflege

Diesen Artikel teilen:

Wer kennt sie nicht, die guten, alten Hausmittel: den Fencheltee gegen Bauchweh oder das Lavendelbad nach einem stressreichen Arbeitstag. Weniger bekannt ist dagegen, dass pflanzliche Heilmittel auch in der professionellen Krankenpflege mit Erfolg angewendet werden können – und sollen. Die vom “Seminar für Integrative Phytotherapie” (SIP) getragene “Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege” (IGPP) setzt sich dafür ein, dass die Anwendung von Heilpflanzen in Pflege- und Altersheimen, in Spitälern und der Spitex an Bedeutung gewinnt und einen professionellen Rahmen findet.

Unter “Phytotherapie” verstehen wir dabei die medizinische Anwendung von Heilpflanzen auf einer wissenschaftlich gesicherten Grundlage, aber unter Integration von bewährten traditionellen Hausmitteln.

Phytotherapie in der Pflege bietet genau das, was von vielen Fachleuten und Laien immer wieder gefordert wird: Eine kooperative Vernetzung von Medizin und Naturheilkunde auf einem professionellen, seriösen Fundament.
Damit wird auch ein verbreitetes Bedürfnis in der Bevölkerung aufgenommen. In Umfragen wünscht jeweils ein grosser Teil der Befragten eine vermehrte Berücksichtigung von komplementärmedizinischen Methoden in den Institutionen der Krankenpflege. In einer Umfrage der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich waren es 80 % (Tages-Anzeiger vom 31. 8. 2002). Es spricht nichts dafür, dass dieser Anteil inzwischen kleiner geworden ist.

Phytotherapie eignet sich wohl von allen naturheilkundlichen Methoden am besten für diesen Brückenschlag zwischen Medizin und Naturheilkunde. Viele Wirkungen von Heilpflanzen sind auch aus wissenschaftlicher Sicht gut belegt und der phytotherapeutische Ansatz ist auch ärztlichem Denken zugänglich.

Die Wirksamkeit der Behandlungen und der persönlichere Umgang mit den Patienteninnen und Patienten sind zwei wichtige Argumente der Befürworter einer stärkeren Verankerung der Pflanzenheilkunde in der Pflege. Hinzu kommt, dass eine phytotherapeutische Weiterbildung und Tätigkeit auch die Arbeit der Pflegenden bereichert und den Handlungsspielraum im Pflegeberuf erweitern kann. Professionell und in Ergänzung zur Schulmedizin in der Pflege eingesetzte Phytotherapie, so sind Fachleute überzeugt, ist eine Bereicherung und eine zukunftsträchtige Entwicklung für Patienten und Pflegende zugleich.

Zudem erreicht man oft mit einfachen und kostengünstigen pflanzlichen Massnahmen den gleichen Effekt wie mit wesentlich teureren konventionellen Behandlungen.

Weiterbildung Phytotherapie für Spitex, Pflegeheim, Klinik

Wer mehr über Heilpflanzen wissen möchte, Heilkräuter in der Natur auf Exkursionen kennen lernen will oder eine Phytotherapie-Ausbildung ins Auge fasst, findet Informationen dazu auf unserer Homepage www.phytotherapie-seminare.ch.
Beispiel für die Umsetzung von Heilpflanzen-Anwendungen in der Krankenpflege finden Sie auch im “Presse-Echo” und im „Dokument Phytotherapie & Pflege“ auf www.ig-pp.ch
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Dunkle Schokolade sättigt stärker

Diesen Artikel teilen:

Weniger Hunger auf Süßes und Fettiges als nach Milchschokolade

Wissenschaftler haben in Experimenten festgestellt, dass dunkle Schokolade den Hunger auf Süßes oder Fettiges weitaus wirksamer stillt als Milchschokolade.

Schon seit einigen Jahren verdichten sich die Hinweise darauf, dass Schokolade mit einem höheren Kakaogehalt gesünder ist als Milchschokolade. Sie enthält weniger Zucker und im Kakao sind Inhaltsstoffe enthalten, die unter anderem den Abbau schädlicher Oxidantien im Körper fördern. Jetzt aber entdeckten Wissenschaftler der Universität von Kopenhagen eine weitere positive Wirkung der dunklen Schokolade.

Um den Effekt von dunkler und Milchschokolade sowohl auf den Appetit als auch auf die folgende Kalorienaufnahme direkt vergleichen zu können, führten die Forscher Tests mit 16 gesunden jungen Männern von etwa dem selben Körpergewicht durch.

Alle Teilnehmer wurden für zwei Versuchsdurchgänge eingeladen, bei denen sie jeweils entweder 100 Gramm Vollmilchschokolade oder aber die gleiche Menge Zartbitterschokolade innert 15 Minuten verzehren sollten. Die Versuchspersonen hatten als Vorbereitung auf den Durchgang zuvor jeweils zwölf Stunden gefastet. Der Energiegehalt der verschiedenen Schokoladen war etwa gleich.

Die Wissenschaftler baten die Männer dann, in den folgenden fünf Stunden alle dreisssig Minuten einen Fragebogen zu ihrem augenblicklichen Appetit, vor allem ihrem Hunger auf Süßes, aber auch andere kalorienhaltige Nahrung wie zum Beispiel “Junk Food” detailliert aufzuschreiben. Zweieinhalb Stunden nach der Schokomahlzeit wurde den Teilnehmern Pizza “bis zum Abwinken” offeriert. Sie durften essen, bis sie vollkommen satt waren. Nach der Mahlzeit hielten die Forscher fest, wie viel jeder gegessen und wie viele Kalorien er damit aufgenommen hatte.

Die Resultate waren eindeutig: Die Versuchspersonen, welche zuvor die dunkle Schokolade gegessen hatten, aßen deutlich weniger Pizza als die nach der Milchschokolade. Etwa 15 Prozent weniger Kalorien hatten sie dadurch durchschnittlich aufgenommen. Auch die subjektiven Resultate zeigten ähnliches: In den Protokollbögen notierten die Männer, dass sie nach der dunklen Schokolade weniger Lust auf Süßes oder Fettiges hatten.

Nach Ansicht der Forscher zeigen diese Ergebnisse, dass die dunkle Schokolade nicht nur gesünder ist als Milchschokolade, sondern zudem auch noch dabei helfen kann, uns von allzu viel ungesundem Essen fernzuhalten.
(Quelle: http://www.scinexx.de/medizin.html, 23. 12. 2008)

Kommentar:
Interessant wäre nun noch die Frage, wie genau die appetithemmende Wirkung von dunkler Schokolade zustande kommt. Vielleicht liegt es an den Bitterstoffen. Einige Hinweise sprechen nämlich dafür, dass Bitterstoffe, wenn man sie direkt zum Essen nimmt, den Appetit hemmen.
Bei mir selber habe ich mit Überraschung festgestellt, dass (wenig) dunkle Schokolade meine Lust auf (mehr) Milchschokolade vertreibt. Und zwar irgendwie auch langfristig. Diese Beobachtung fand ich sehr spannend.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen: