Artikel mit Schlagwort ‘Krampfadern’

Heraufziehende Erkältung mit warmem Fussbad eindämmen

Samstag, Oktober 22nd, 2011

Die Erkältungszeit hat angefangen. Wenn die Nase läuft, muss jedoch nicht immer direkt zum Medikament gegriffen werden. Ein warmes Fußbad kann die Erkältung oft ebenso gut eindämmen. Wie das funktioniert, wird hier erläutert.

Eine heraufziehende Erkältung lässt sich häufig mit Hausmitteln eindämmen. Bei einer so unkomplizierten Erkrankung sollte man nicht allzu raschl zu Medikamenten greifen, sondern zuerst versuchen, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu stärken, empfiehlt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in Berlin. Infrage komme hierfür beispielsweise ein Fußbad.

Benötigt werden für ein solches Fussbad zwei Fußwannen oder -schüsseln. Zuerst werden die Füße etwa während 8 bis 12 Minuten in einer Wanne mit 39 Grad heißem Wasser gebadet. Danach werden die Füße einige Sekunden lang in der zweiten Wanne in kaltes Wasser getaucht. Danach trocknet man die Haut gut ab, zieht Wollsocken an und legt sich für 20 Minuten ins warme Bett.

Quelle:

http://www.weser-kurier.de/Artikel/Ratgeber/Gesundheit/467885/Heraufziehende-Erkaeltung-mit-Fussbad-eindaemmen.html

Kommentar & Ergänzung:

Aus Sicht der Phytotherapie könnte man das warme Fussbad gegen Erkältungen noch verstärken durch Zugabe von 1 – 2 Tropfen Eukalyptusöl oder Thymianöl, wobei diese ätherischen Öle zuerst mit etwas Kaffeerahm (Kaffeesahne) oder Vollmilch gemischt und dann dem Fussbad beigegeben wird.

Eine intensivere Variante ist das Senfmehl-Fussbad.

Senfmehl enthält Glucosinolate ( = Senfölglykoside) mit hyperämisierender (= durchblutungssteigernder) Wirkung.

Siehe dazu:

Senf als Heilpflanze

Senfmehl stammt vom Schwarzen Senf (Brassica nigra).

Wikipedia schreibt zum Senfmehl:

„ In der Naturheilkunde gilt Senfmehl (gemahlene Samen des Schwarzen Senfs) in lauwarmem Wasser angerührt oder Senfspiritus bei äußerlicher Anwendung als “altes Hausmittel”. Es wirkt entzündungshemmend, krampflösend und schmerzstillend, sollte jedoch nicht lange mit der Haut in Berührung bleiben (Gefahr von Hautreizungen bis hin zu Blasen- oder gar Geschwürbildung; Wirkung mit zeitlicher Verzögerung). Während der Schwangerschaft oder der Stillzeit sowie bei Kindern sollte Schwarzer Senf nicht angewandt werden. Tabu ist er auch bei Kreislaufstörungen, Venenleiden (Krampfadern) sowie bei Asthmatikern (wegen des ausströmenden Geruchs).“

Das Wikipedia-Zitat bezieht sich aber auf die Anwendung von Senfmehl als Senfwickel / Senfmehlauflage / Senfkompresse.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Pharmawiki: Rosskastanien-Extrakt bei Venenleiden

Samstag, Oktober 15th, 2011

Im „Pharmawiki“ ist in der Rubrik Heilpflanzen ein neuer Beitrag über Rosskastanien erschienen. Hier ein paar Zitate aus dem informativen und fundierten Text (kursiv), jeweils mit Ergänzungen und Anmerkungen von mir:

„ Extrakte aus den Samen der Rosskastanie Aesculus hippocastanum haben gefässabdichtende und venenstärkende Eigenschaften. Die Arzneimittel werden hauptsächlich zur innerlichen und äusserlichen Behandlung von Venenleiden eingesetzt. Weitere Anwendungsgebiete sind Hämorrhoiden, Sportverletzungen und Wadenkrämpfe“

Rosskastanien-Extrakt sorgt durch die gefässabdichtende Wirkung vor allem für den Abbau von venösen Ödemen (Wasseransammlungen im Gewebe).

„ Rosskastanien-Extrakte sind in Form von topischen Zubereitungen wie Gelen und Salben sowie als orale Formen wie Tabletten, Dragées, Kapseln, Tinkturen und Tropfen erhältlich…. Neben den Extrakten wird auch der Inhaltsstoff Aescin zu Arzneimitteln verarbeitet.“

Belegt ist die Wirkung gegen venöse Ödeme allerdings nur bei Rosskastanien-Präparaten, die eingenommen werden, nicht jedoch bei topischer Anwendung, also bei Venensalben und Venengelen aus Rosskastanien bzw. Aescin.

Venenpräparate ausschliesslich mit dem reinen Wirkstoffgemisch Aescin sind unter dem Namen Reparil im Handel.

„Als relevanter Inhaltsstoff wird vor allem das Triterpensaponin-Gemisch Aescin angesehen. Daneben enthalten die Samen unter anderem Flavonoide, Cumarine, Gerbstoffe und Nährstoffe.“

Bisher wurde bei den Rosskastaniensamen ausschliesslich Aescin als Wirkstoff gründlich untersucht.

„ In Untersuchungen mit Rosskastanien-Extrakten wurden antiexsudative, gefässabdichtende, venentonisierende, ödemprotektive, entzündungshemmende und antioxidative Wirkungen nachgewiesen. Zur tatsächlichen Wirksamkeit können wir keine Aussage machen. Pittler und Ernst kommen in ihrer umfangreichen Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2006 zum Schluss, dass Rosskastanien-Extrakte wahrscheinlich für die Kurzzeitbehandlung der chronisch-venösen Insuffizienz geeignet sind.“

Der Ausdruck Kurzzeitbehandlung könnte etwas irreführend sein.

Eine Sofortwirkung ist vom Rosskastanienextrakt jedenfalls nicht zu erwarten. Klinische Studien, welche die Wirkung belegen, wurden über 4 Wochen durchgeführt. Das scheint mir eine empfehlenswerte Mindestanwendungsdauer. Hört man mit der Einnahme des Rosskastanien-Präparates auf, geht auch die Wirkung wieder weg.

„Rosskastanien-Extrakte werden heute vorwiegend zur Behandlung von Venenbeschwerden eingesetzt, also bei Krampfadern, Schmerzen, Juckreiz, Schwellungen und müden Beinen. Weitere Anwendungsgebiete sind Wadenkrämpfe, Blutergüsse, Sportverletzungen, Hämorrhoiden und Hauterkrankungen.“

Bei Blutergüssen und Sportverletzungen würde ich äusserlich Arnikagel, Arnikasalbe oder verdünnte Arnikatinktur empfehlen, weil der Rosskastanien-Wirkstoff Aescin durch die Haut nicht aufgenommen wird.

Für Sportverletzungen eignet sich auch Beinwell (Wallwurz) in Form von Beinwellsalbe / Beinwellgel.

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Rosskastanie

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Venenschwäche: Hilft Rosskastanien-Salbe?

Dienstag, August 9th, 2011

Die Österreichische Apotheker-Zeitung ( Nr. 16 / 2011) publizierte einen Beitrag über die Behandlung von Veneninsuffizienz (Venenschwäche, CVI). Ein Abschnitt drehte sich dabei um die Frage, ob die äusserliche Anwendung in Form von Venensalbe oder Venengel eine günstige Wirkung zeigt:

„Bei Schmerzen im Bewegungsapparat hat die Lokalbehandlung mit Externa einen traditionell hohen Stellenwert. Das gilt auch für die Varikosis. Während die Kunden beim Einreiben Erleichterung empfinden, steht für die Pharmakologen die Hautbarriere und die Molekülgröße einer perkutanen Aufnahme der Flavonoide und Triterpensaponine im Wege. Dies gilt nicht für Heparin und Heparinoide, die zur Behandlung oberflächiger Venenentzündungen eingesetzt werden. Man kann als Apotheker den Expertenstreit nicht entscheiden und überlässt das Urteil am besten den Kunden. Wenn sie eine Linderung verspüren, werden sie das Medikament nachkaufen. Ältere Venenpatienten leiden sehr oft an trockener Haut. Ist dies der Fall, sollte man eher zu Salben als zu alkoholhältigen Gelen greifen. Bei jüngeren fällt dieser Vorbehalt weg und die kühlende Wirkung verschafft bei Hitze wohltuende Linderung.“

Quelle:

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2011/OAZ-2011-16.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Das bestätigt mir eine Skepsis, die ich schon seit längerem äussere:

Dass nämlich bei Venensalben und Venengelen sehr fraglich ist, ob die Wirkstoffe durch die Haut in den Körper aufgenommen werden. Vor allem bei den Rosskastanien-Salben mit dem Triterpensaponin Aescin und dem Salben aus Rotem Weinlaub mit ihren Flavonoiden. Eine lindernde Wirkung dieser Salben und Gele dürfte auf den Massageeffekt zurückzuführen sein.

Unsinnig sind Versprechungen, dass man mit solchen Salben oder Gelen Krampfadern zum Verschwinden bringe.

Belegt ist die Wirksamkeit von Rosskastanien-Extrakt und von Extrakten aus Rotem Weinlaub bei innerlicher Anwendung.

Interessant ist zudem, dass Heparin und Heparinoide offenbar durch die Haut aufgenommen werden.

Dass man bei trockener Haut zu Venensalben rät und wenn mehr ein kühlender Effekt erwünscht ist zu Venengelen, halte ich für sinnvoll.

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Phytotherapie: Mariendistel unterstützend bei Lebererkrankungen

Sonntag, Juli 10th, 2011

Die Österreichische Apothekerzeitung publizierte vor einiger Zeit eine gute Zusammenfassung der Wirkung von Mariendistel (Silybum marianum) bzw. deren Wirkstoffe Silymarin / Silibinin:

„Lebererkrankungen können mit Ausnahme bestimmter viraler Hepatitiden nicht kausal, sondern nur symptomatisch behandelt werden, darüber sollte auch die große Zahl auf dem Markt befindlicher Leberpräparate nicht hinwegtäuschen. Prominentester Vertreter in dieser Sparte sind Silymarin-Präparate, deren Wirkstoff aus Mariendisteln gewonnen wird. Sie werden sowohl bei toxischen Leberschäden als auch als Adjuvans bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen angewendet. Silymarin scheint die RNA-Polymerase in den Leberzellen zu stimulieren und damit die Eiweißproduktion zu steigern. Der Wirkmechanismus ist jedoch nicht vollständig geklärt. Ferner wird angenommen, dass Silibinin, der Hauptbestandteil des Silymarin, die Zellmembran der Leberzellen stabilisiert, sodass Gifte diese schlechter durchdringen können. In einer klinischen Doppelblind-Studie konnte die Überlebensrate von Patienten mit alkoholbedingter Leberzirrhose durch die Gabe von Silymarin deutlich erhöht werden.“

Quelle:

Oe Apo 7 / 2011

http://www3.apoverlag.at/dynasite.cfm?dsmid=103020&j=8&a=1138

Kommentar & Ergänzung:

Mariendistel gehört zu den gut verträglichen Heilpflanzen, die sich auch für Langzeitanwendung eignen. Um eine Wirkung zu erreichen, braucht es aber ausreichende Mengen an Silymarin / Silibinin.

Das ist nicht zu erreichen mit Mariendisteltee (Silimarin / Silibinin ist schlecht wasserlöslich) oder Mariendisteltinktur (zu tiefer Gehalt an Silimarin / Silibinin).

Woher stammt die Mariendistel?

Mariendistel ist in Südeuropa, Kleinasien und Nordafrika heimisch. Sie ist in Nordamerika und Südamerika sowie in Südaustralien eingebürgert und kommt in Mitteleuropa verwildert auf Schuttunkrautfluren und Viehweiden vor. Mariendistel wird auch als Zierpflanze in Gärten kultiviert und als Arzneipflanze angebaut.

Wikipedia umschreibt die medizinische Anwendung der Mariendistel so:

„ Der Wirkstoffkomplex Silibinin soll leberschützend (hepatoprotektiv)[1], leberstärkend, entgiftend und den Gallenfluss sowie die Zirkulation anregend wirken.“

(Quelle: Wikipedia)

Begriffe wie „leberstärkend“, „entgiftend“ und „Zirkulation anregend“ sind zu nebulös und zu vage, um eine nützliche Aussage zu machen.

Ob Mariendistel wirklich den Gallenfluss anregt, ist ungeklärt.

„Lebervergiftungen (beispielsweise durch den Verzehr von Knollenblätterpilzen hervorgerufen) sowie Hirnödeme können mit Silybin (synonym Silibinin, Silymarin I), das aus den Früchten der Distel gewonnen wird, behandelt werden. Silymarin soll die Struktur der äußeren Zellmembran der Hepatozyten derart verändern, dass Lebergifte nicht in das Zellinnere eindringen können. Sie wirken als Radikalfänger stabilisierend und schützen die Hepatozyten durch das Verhindern der Membranlipid-Oxidation. Weiterhin hemmt Silychristin (syn. Silymarin II) die Peroxidase und Lipogenase. Silymarin soll die Aktivität der nukleolären Polymerase A stimulieren, so dass es zur gesteigerten ribosomalen Proteinsynthese kommt. Dadurch soll die Regeneration der Leber erhöht werden.

Weitere Wirkstoffe der Pflanze sind: Bitterstoffe, Biogene Amine, Gerbstoff, Farbstoffe, in geringem Anteil auch ätherische Öle, unbekannte scharfe Substanzen und Harze.“

(Quelle: wikipedia)

Das ist soweit nachvollziehbar.

„Weitere Anwendungen: Gallenbeschwerden, dyspeptische Beschwerden, Migräne, Reisekrankheit, evtl. Trigeminusneuralgie, Krampfadern, Pfortaderstauung.“

Diese Angeben sind ungeklärt und sehr spekulativ.

„Mariendistelfrüchte werden auch im Bereich der Nutztierfütterung eingesetzt, wobei hier vor allem die lebertherapeutische Wirkung im Vordergrund steht.“

(Quelle: Wikipedia)

Das schadet den Tieren ganz bestimmt nicht, aber warum haben die das nötig?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Sonntag, Juli 10th, 2011

Im Phyto-Forum der Ärzte-Zeitung wurde vor kurzem folgende Frage gestellt:

„Blaue Beeren wie Heidelbeeren sollen blutdrucksenkend wirken. Ist etwas über den Mechanismus bekannt? Nachfrage: Muss bei Hypertonikern die Blutdruckmedikation angepasst werden, wenn sie in der Saison gerne zu blauen Früchten greifen? Wenn ja, gibt es eine Richtschnur zur Orientierung?“

Darauf antwortete der Experte Dr. Rainer C. Görne:

„Die charakteristischen Bestandteile von Blaubeeren, mancherorts auch Heidelbeeren genannt, sind vor allem Anthocyane, die den Beeren ihre tiefblaue Farbe verleihen. Die eigentliche Aufgabe dieser Farbstoffe ist es, die Pflanzenfrüchte vor der UV-Strahlung zu schützen.

In verschiedenen Laboruntersuchungen hat man seit den siebziger Jahren zeigen können, dass Extrakte aus Blaubeeren über antioxidative und gefäßschützende Eigenschaften verfügen. Vor diesem Hintergrund ist auch eine gewisse blutdrucksenkende Wirkung denkbar, die bislang jedoch klinisch noch nicht belegt ist.

Ebenso existieren keinerlei Untersuchungen darüber, ob und inwieweit der Genuss von Blaubeeren oder anderen Anthocyan-haltigen Früchten wie Auberginen, blauen Weintrauben, Kirschen und Rotkohl zu Wechselwirkungen mit Blutdruckmedikamenten führt.“

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/656850/phyto-forum-blaubeeren-bluthochdruck.html

Kommentar & Ergänzung:

Zum Thema „Anthocyane“ gibt es eine rege Forschungstätigkeit.

Beispiele dazu hier:

Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt

Parkinson vorbeugen durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Auberginen?

Polyphenole aus Beeren gegen degenerative Gehirnerkrankungen?

Anthocyane als Entzündungshemmer

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

Wenig bekannt ist, dass es ein rezeptpflichtiges Fertigarzneimittel (Myrtaven®) gibt auf der Basis von Heidelbeer-Anthocyanen.

Es handelt sich dabei um ein Kapillarschutzmittel. Der Wirkstoff von Myrtaven ist ein Komplex von Anthocyanosiden / Anthocyanen, die aus der schwarzen Heidelbeere gewonnen werden. Myrtaven wird für die Therapie von verschiedenen Krankheiten der Blutgefässe angewendet: Kapillarbrüchigkeit, Blutgefässkrankheiten (Venenentzündung, Krampfadern, usw.), Mikroangiopathien (z.B. Diabetes mellitus, Venenleiden), Hämorrhoiden.
In der Augenheilkunde: Netzhauterkrankung und Nachtblindheit.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Krampfadern und Ödeme

Montag, Mai 2nd, 2011

Basistherapie zur Vorbeugung und bei manifester Venenschwäche ist die Kompression. Gerade bei störenden Symptomen wie Beinschwellungen und Juckreiz können Patienten häufig auch von Venenmitteln als Begleitmaßnahme profitieren.

Im Mittelpunkt der Behandlung bei venösen Erkrankungen steht nach wie vor die konsequente Kompressionsbehandlung mittels Verbänden oder Strümpfen. Entscheidend für den Behandlungserfolg ist, dass die Kompressionsstrümpfe regelmäßig getragen werden, was allerdings nur etwa die Hälfte der Betroffenen befolgt.

Hauptsächlich Patienten in niedrigen Stadien der CVI (Chronisch-venöse Insuffizienz, Venenschwäche) mit wenig Beschwerden weisen eine geringe Compliance auf. Eine Ergänzung der Behandlung mit systemischen Venenmitteln (Ödemprotektiva), deren Wirksamkeit nachgewiesen ist, kann daher sinnvoll sein.

Gerade im Anfangsstadium und in den CVI-Stadien I und II lassen sich oft Beschwerden wie geschwollene, schwere Beine und Juckreiz mit den zumeist pflanzlichen Präparaten bessern. Damit kann auch dem Wunsch zahlreicher Patienten, selbst noch etwas zu tun, nachgekommen werden.

Für die interne Anwendung stehen dabei grundsätzlich Substanzen zur Verfügung, welche ödemprotektive, vasoaktiv/venentonisierende, ödemausschwemmende und gerinnungshemmende Wirkungen haben. Gute Studiendaten gibt es dabei für Rosskastaniensamenextrakte (standardisiert auf Aescin), Rutoside (z.B. Oxerutin), flavonoidreiches rotes Weinlaub und saponinhaltige Mäusedornwurzelstocktrockenextrakte (standardisiert auf Gesamtruscogenine) bei CVI, wenn Beschwerden wie Schmerzen und Schwellungen in den Beinen, Juckreiz und nächtliche Wadenkrämpfe vorliegen.

In einer aktuellen kontrollierten Multicenterstudie wurde beispielsweise die Wirksamkeit des roten Weinlaubextraktes an 248 Probanden mit CVI untersuch (Eur J Vasc & Endovasc Surg 2011, 4, 41, 540). Nach drei Monaten hatte sich mit Verum – also dem Roten Weinlaubextrakt – im Vergleich zu Placebo das Unterschenkelvolumen signifikant vermindert. Auch die Schmerzen in den Beinen gingen zurück.

Für nachweisbare Effekte ist es ratsam, orale Zubereitungen über mindestens drei Monate zu verordnen. Die Patienten sollten darüber informiert werden, dass die volle Wirkung erst nach etwa vier bis sechs Wochen eintritt. Um die Verträglichkeit steigern, hilft zudem der Tipp, die Präparate am besten vor oder zu den Mahlzeiten und bei aufrechter Körperhaltung einzunehmen.

Externa (Venensalbe, Venengel) mit den gerinnungshemmenden Substanzen Heparin und Hirudin sind nur bei oberflächlicher Venenentzündung indiziert. Sie können durch den Kühl- und Massageeffekt jedoch ebenfalls eine subjektive Linderung bewirken. Zur perkutanen Permeation (Durchdringung der Haut) und zur Wirksamkeit liegen allerdings nur ungenügende Kenntnisse vor.

Quellen:

http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gp_specials/special-otc/article/648283/krampfadern-oedemen-paroli-bieten.html?sh=310&h=-1436656583

http://www.ejves.com/article/S1078-5884(10)00755-0/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Der Beitrag erwähnt und empfiehlt die wichtigsten Heilpflanzen-Präparate gegen Venenleiden:

Rosskastaniensamen-Extrakt, Mäusedorn-Extrakt, Rotes Weinlaub und Rutoside, wobei bei letzterem noch als konkretes Beispiel Buchweizenkraut aufgeführt werden könnte.

Die günstige Wirkung dieser Heilpflanzen-Präparate bei Venenschwäche ist gut dokumentiert, allerdings wie erwähnt bei längerdauernder  und peroraler Anwendung, also bei Einnahme.

Viel unklarer ist die Situation bei äusserlichen Anwendungen als  Venensalbe oder Venengel. Solche äusserlichen Anwendungen sind zwar bei Patientinnen und Patienten sehr beliebt, wobei der kühlende Effekt zumindestens bei Gelen eine Rolle spielen dürfte.

Im Beitrag wird denn auch zurecht zumindestens für Heparin und Hirudin festgestellt, dass bezüglich einer Wirksamkeit durch die Haut nur ungenügende Kenntnisse vorliegen. Das dürfte auch für pflanzliche Venensalben / Venengele gelten.

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Abschnitt aus den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie:

„3.6. Lokale medikamentöse Therapie:

Patienten mit chronischer venöser Insuffizienz sind in Abhängigkeit von der Dauer und dem Schweregrad ihrer Erkrankung in bis zu 80% gegen Bestandteile der zuvor lokal angewendeten Substanzen sensibilisiert. Das kann auch Kortikosteroide und Wundauflagen betreffen. Zusätzlich können nichtallergische Unverträglichkeitsreaktionen auftreten. Aus diesem Grund soll die Indikation zur Anwendung von Externa streng gestellt werden.“

Quelle:

http://www.phlebology.de/Deutsche-Gesellschaft-fur-Phlebologie/leitlinie-diagnostik-und-therapie-der-chronischen-venoesen-insuffizienz-cvi.html

Hier wir also empfohlen, wegen hoher Allergisierungstendenzen bei Patienten mit chronisch venöser Insuffizienz zurückhaltend zu sein mit der Anwendung von Venensalben / Venengele.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Schüssler-Salz Kalium chloratum D6 – ein Wunderheiler?

Dienstag, Februar 22nd, 2011

Das Schüssler-Salz Nr. 4,  Kalium chloratum, kann man nach den Angaben einer Schüsslersalz-Website für folgende Anwendungsgebiete einsetzen:

Adenoide Vegetationen, Adipositas, Adnexitis, Akne, Angina, Apoplex, Appendicitis chronica, Asthma, Atemnot, Augenentzündung, Ausleitung, Badeotitis, Bauchspeicheldrüsen-Entzündung, Benignes Prostatasyndrom, Besenreiser, Blasenentzündung, Bronchialasthma, Bronchitis, Brustfellentzündung, COPD, Candida, Cerumen obturans, Cholangitis, Cholezystitis, Chronische Blinddarmentzündung, Chronische Bronchitis, Chronische Gaumenmandel-Entzündung, Chronische Hepatitis, Chronische Leberentzündung, Couperose, Darm-Soor, Darmentzündung, Dickdarmentzündung, Drüsenschwellung, Dünndarmentzündung, Eierstockentzündung, Eileiterentzündung, Eileiterentzündung,

Embolie, Emphysem, Entzündungen, Epilepsie, Fatigue-Syndrom, Fettsucht, Fibromyalgie, Fliess-Schnupfen, Flugangst, Frostbeulen, Fusspilz, Gallenblasenentzündung, Gallenwegsentzündung, Ganglion, Gehörgangsentzündungen, Gelbsucht, Gelenkentzündung, Gelenkrheumatismus, Geschwulst, Gicht, Giftstoffe-Abbau, Gingivitis, Glomerulonephritis, Grind, Halsschmerzen, Hautausschlag, Hautauswüchse, Hautfalten-Entzündung, Hautgriess, Hautmykose, Hautpilz, Hautwucherungen, Hefepilz-Befall, Heiserkeit, Heisshunger, Hepatitis, Herpes, Heuschnupfen, Hodgkin-Lymphom, Husten, Hypochondrie, Hämorrhoiden, Hühneraugen, Ikterus, Impffolgen, Infektiöse Mononukleose, Kandida, Kapillar-Verkrampfung, Kehlkopfentzündung, Keuchhusten, Klarheit, Kleieflechte, Kleiepilz, Kniegelenksentzündung, Kopfekzem, Kopfgrind, Kopfschuppen, Krampfadern, Kreislaufschwäche, Krupp, Laryngitis, Lauf-Schnupfen, Laufnase, Leberentzündung, Leberflecken, Lidrandentzündung, Lungenentzündung,

Lymphangitis, Lymphdrüsenschwellung, Lymphgefässentzündung, Lymphknoteneiterung, Lymphknotenentzündung, Lymphknotenkrebs, Lymphknotenschwellungen, Lymphogranulomatose, Lymphom, Magenbrennen, Mandelentzündung, Mandelschwellung, Mandelvereiterung, Mandelvergrösserung, Milchschorf, Mittelohr-Vereiterung, Mittelohrentzündung, Morbus Bechterew, Morbus Crohn, Morbus Hodgkin, Mumps, Mund-Soor, Muskelrheuma, Mykose, Myogelose, Myom, Myringitis, Müdigkeits-Syndrom, Nagelpilz, Narbenpflege, Nasenlaufen, Nasenpolypen, Nebenhöhlenentzündung, Neurodermitis, Nierenbeckenentzündung, Nierenentzündung, Nierenstauung, Offenheit, Ohrenausfluss, Ohrenekzem, Ohrenentzündung, Ohrenlaufen, Ohrenschmalz, Ohrenschmalzpfropf, Ohrenschmerzen, Ohrknorpelentzündung, Ohrmuschelekzem, Ohrmuschelentzündung, Oophoritis, Operationsvorbereitung,

Otitis, Otitis externa, Parotitis, Parotitis epidemica, Periarthropathie, Perichondritis, Pfeiffersches Drüsenfieber, Pharyngitis, Phlebitis, Pickel, Pityriasis versicolor, Platzangst, Pockenimpfung-Nachbehandlung, Polyarthritis, Polypen, Prostataadenom, Prostatabeschwerden, Prostatahyperplasie, Prostatahypertrophie,

Prostatavergrösserung, Pseudo-Krupp, Psoriasis, Pusteln, Pyelonephritis, Rachengeschwür, Rachenmandel-Vergrösserung, Rheuma, Rhinitis, SMS-Daumen,

Salpingitis, Schlaganfall, Schleimbeutelentzündung, Schleimhaut-Pilze, Schleudertrauma, Schluckschmerzen, Schuppenflechte, Schwerhörigkeit, Seborrhoisches Ekzem, Sehnenscheidenentzündung, Sensibilität, Sinusitis, Soor,

Sorgen, Souveränität, Speicheldrüsenentzündung, Stockschnupfen, Surferohr, Taucherohr, Thrombophlebitis, Thrombose, Traumatische Arthritis, Trommelfellentzündung, Tumor, Vergrösserte Mandeln, Warzen, Weichteilrheumatismus, Weissfluss, Wucherungen, Zahnfleischentzündung, Zeruminalpfropf, Ziegenpeter, Zungenbelag, Zwanghaftigkeit, Zwänge, Zyste, Zystitis, Zöliakie.

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/mittel/kalium-chloratum.htm

Kommentar & Ergänzung:

1. Das ist eine Verarschung sondergleichen, doch was soll man dazu schon sagen, wenn so viele Leute sich offenbar verarschen lassen wollen und keinerlei Fragen stellen.

Dass so viele Leute keinerlei Fragen stellen ist allerdings ein spannendes Phänomen. Interessant ist genauer gesagt die Frage, welche Bedürfnisse durch solch absolut simple Wunderheiler gedeckt werden.

2. Wir haben es hier mit einem extremen Beispiel für Indikationslyrik zu tun. Ein Mittel, das für derart viele und unterschiedlichste Krankheiten helfen soll, hilft wohl vor allem gegen die Angst vor Krankheiten.

Nicht zuletzt bietet solche Indikationslyrik aber auch unbegrenzte Anwendungsbereiche und traumhafte Umsatzmöglichkeiten. Bestimmt finden Sie auf der obenstehenden Anwendungsliste ein paar Beschwerden, die auch für Sie relevant sind. Jede/r findet das. Also kann jeder/r Schüssler Salz Kalium chloratum D6 brauchen. Aber damit nicht genug: Das trifft auch auf alle anderen Schüssler-Salze zu. Fazit: Jede/r braucht alle Schüssler-Salze!

3. Es stehen reinste Behauptungen da, keinerlei Begründungen für irgendeine der Heilwirkungen. Das braucht es auch nicht. Schüssler-Salz-AnhängerInnen verlangen offenbar keine Begründungen und stellen keine Fragen. Sie schlucken brav ihre Tabletten. Wo bitte bleibt da der mündige Patient oder die mündige Patientin? Ich dachte ursprünglich einmal – sehr lange ist es her – Komplementärmedizin strebe nach einem partnerschaftlicheren Verhältnis zwischen der kranken Person und der Fachperson für’s Heilen. Doch bei Schüssler-Salzen braucht es ja nicht einmal mehr eine Fachperson. Die simple Anleitung genügt und eine gläubige Beziehung zur Herstellerfirma. Höriger und „fast-food-mässiger“ geht’s kaum mehr. Alternatives Heilen muss schnell und leicht gehen, ohne Auseinandersetzung mit sich oder dem Heilmittel und vor allem ohne Nachdenken. Das passt optimal zum Zeitgeist.

4. Es soll mir bitte jemand genauer erklären, wie Kalium chloratum D6 gegen Krebs, Sinusitis, Pfeifersches Drüsenfieber, Morbus Crohn, Platzangst und Hüheraugen wirkt. Nur diese sechs Beispiele. Was genau bewirkt Kalium chloratum bei Pfeifferschem Drüsenfieber?

Und wie wär’s mit ein paar vollständig dokumentierten Behandlungsverläufen? – Solchen Aufwand betreiben die Schüssler-Salz-Propagandisten nicht. Ist auch unnötig, solange die Tabletten-Schlucker keine Fragen stellen.

5. Kalium chloratum ist übrigens als Geschmacksverstärker unter der Bezeichnung E 508 im Handel. Wollen wir wetten, dass der grösste Teil der Schüssler-Salz-Tabletten-Schlucker im Laden einen weiten Bogen macht um all die teuflischen E-Nummern? Ein Tipp für die sparsame Hausfrau: E 508 und damit auch Kalium chloratum ist enthalten in Fertiggerichten, Würzmitteln und diätetischen Lebensmitteln – viel billiger und auch in grösseren Mengen als im Schüssler-Salz Nr. 4, da Kalium chloratum dort ja 1 : 1 000 000 mal verdünnt wurde. Allerdings fehlt im Diätsalz die Laktose (Milchzucker), aus der die Schüssler-Salze bekanntermassen bestehen. Aber es ist immer noch viel billiger, die Laktose separat zu kaufen, wenn man schon Laktose schlucken will.

6. Von Tabletten der herkömmlichen Pharmaindustrie werden meist drei pro Tag geschluckt und die Firmen entwickeln zunehmend Präparate zur Einmal-Einnahme. Von Produkten der Alternativ-Pharma schlucken viele Schüssler-Salz-Konsumenten 10, 20 oder mehr Tabletten pro Tag. Beispiel:

„Manche begeisterte Schüsslersalz-Anwender verwenden auch erheblich grössere Mengen der Schüssler-Salze. Dabei handelt es sich um die sogenannte Hochdosierung. Bei der Hochdosierung werden in kurzen Abständen bis zu 100 Tabletten am Tag im Munde zergehen lassen.“

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/anwendung

Das glauben Sie nicht?

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Österreich überprüfte die Beratung bezüglich Schüssler Salze in Apotheken:

„Eine Testperson mit Reizmagen-, Reizdarm- bzw. Reizblasensyndrom suchte im Rahmen eines Praxistests sieben Apotheken auf und ließ sich bezüglich Schüssler-Salze beraten…… Im extremsten Fall wurde ….zur Einnahme von elf der zwölf möglichen Schüssler-Salze in Form von beachtlichen 140 Tabletten pro Tag geraten -  um einen Gesamtpreis von 190 Euro.“

Quelle: http://derstandard.at/1285042414537/Beratung-in-Apotheken-Schuessler-Salze-im-Test

Offenbar gilt hier das Motto: „Je mehr desto besser“ oder „nimm soviel du bekommen kannst“.

Auch diese Haltung passt so schön zum Zeitgeist. Fragt sich nur, was denn so alternativ sein soll an derartigen Tabletten-Orgien.

7. Auffallend bei Schüssler-Salzen ist die grosse Beliebigkeit. Es kommt sozusagen auf gar nichts drauf an:

„Von den Schüssler-Salzen können Sie mehrere verschiedene Mittel innerhalb eines Tages verwenden. Wieviele verschiedene Schüssler-Salze jedoch am besten sind, da gehen die Meinungen auseinander. Manch nehmen soviele Salzsorten, wie möglich. Alle Salze, die irgendwie passen, werden zur Behandlung eingesetzt. Andere bevorzugen nur drei Mittel auf einmal einzusetzen. Wenn mehr Mittel passen würden, werden die besten drei ausgewählt. Wieder andere setzen am liebsten nur ein Mittel gleichzeitig ein, das sind vor allem Menschen, die auch gerne mit homöopathischen Mitteln arbeiten. In diesem Fall sucht man sich das Mittel aus, das am besten passt. Wieviele Mittel Sie gleichzeitig einsetzen, bleibt Ihnen überlassen.“

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/anwendung

Auch diese Beliebigkeit und Gleich-Gültigkeit zeigte sich bei den Testkäufen des VKI in Wiener Apotheken:

„Der Test ergab eine Vielfalt an unterschiedlichen Zusammenstellungen von Schüßler Salzen, bei denen zum Teil weder Salze noch Dosierung übereinstimmten.“

Quelle: http://derstandard.at/1285042414537/Beratung-in-Apotheken-Schuessler-Salze-im-Test

Diese absolute Beliebigkeit ist meines Erachtens ein Symptom für hochgradige Scharlatanerie. Aber irgendwie ist es ja auch konsequent. Schliesslich bestehen alle Schüsslersalze aus dem gleichen Stoff: Milchzucker (oder eine andere Trägersubstanz). Die zugesetzten Salze sind soweit verdünnt, meist 1 : 1 000 000 oder 1 : 000 000 000 000, dass von Vorhandensein ernsthaft nicht mehr die Rede sein kann. Weshalb soll es da wichtig sein, welches Schüssler-Salz man schluckt?

Solche Beliebigkeit hat unbestreitbare Vorteile: Es braucht dazu keine Theorie, kein Wissen, kein Nachdenken und keinerlei ernsthaften Lernprozess – wenn es doch sowieso gleichgültig ist, was, wieviel und in welcher Kombination geschluckt wird.

Dieser Relativismus passt ebenfalls perfekt zu unsere Zeit.

8. Dass viele Apotheken und Drogerien so kräftig Schüssler-Salze propagieren und verkaufen, und damit ihren Kundinnen und Kunden vorgaukeln, dass es sich dabei um Medikamente handle, grenzt meines Erachtens an Betrug. Ich würde einen weiten Bogen um solche Geschäfte machen und sie betreffend Glaubwürdigkeit tiefer einstufen als einen Kiosk.

Zu Schüssler-Salzen siehe auch:

Schüssler-Salze: Mineralwasser wirksamer, günstiger, zahnschonender

Schüssler-Salze wirksam?

Das Scharlatan-O-Meter

Schüssler-Salz Calcium phosphoricum D6 – ein Wunderheiler?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Teebaumöl – ein Naturheilmittel macht Karriere

Sonntag, Februar 20th, 2011

Teebaumöl wird in Aromatherapie und Phytotherapie oft eingesetzt und ist immer wieder Thema in meinen Phytotherapie-Ausbildungen und Heilpflanzenkursen. Hier eine Zusammenfassung aus Wikipedia mit anschliessendem Kommentar:

Teebaumöl – was ist das?

„Teebaumöl ist eine flüssige, lipophile Substanz (siehe auch Ätherische Öle), die durch Wasserdampfdestillation aus den Blättern und Zweigen des in Australien heimischen Australischen Teebaums (Melaleuca alternifolia), dann Australisches Teebaumöl, oder aus mehreren anderen Teebaum-Arten aus verschiedenen Gattungen in der Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae) gewonnen wird. Der Hauptwirkstoff des Öls ist Terpinen-4-ol; für offizinelle Nutzung sollte ein Teebaumöl mindestens 30 % dieses Hauptwirkstoffs enthalten.“

Teebaumöl und seine Geschichte

„Die australischen Ureinwohner verwendeten einen Teebaumölextrakt bei offenen Wunden, Hautinfektionen, Erkältungskrankheiten, Zahnfleischentzündungen und beim Läusebefall. Auch die europäischen Einwanderer benutzten Teebaumöl. Ebenso war es Bestandteil aller Erste-Hilfe-Ausrüstungen in den Tropen stationierter australischer Truppen während des Zweiten Weltkrieges. Jedoch geriet es nach dem Zweiten Weltkrieg, als Penicillin und sehr bald auch andere Antibiotika zur Verfügung standen, in Vergessenheit. Erst als man bemerkte, dass sich durch den häufigen Einsatz von Antibiotika Resistenzen bildeten, entdeckte man auf der Suche nach Alternativen Teebaumöl wieder.“

Zur Wirkung von Teebaumöl

„Neben der belegten antimikrobiellen Wirkung von Teebaumöl werden weitere Wirkungen behauptet, wie das Abfangen überschießender Immunreaktionen nach Insektenstichen. Teebaumöl angewendet in zu niedrigen Dosen kann die Widerstandsfähigkeit und Resistenzen von Bakterien gegenüber Antibiotika fördern. Teebaumöl ist nicht als Arzneimittel zugelassen und wird als Risikosubstanz für das Auftreten von Kontakt-Dermatitiden gewertet. Unverdünntes Teebaumöl ist daher als gesundheitsschädliche Substanz eingestuft.“

Zusammensetzung von Teebaumöl

„Unterzieht man Teebaumöl einer gaschromatografischen Analyse, so erkennt man, dass Teebaumöl ein Gemisch aus ca. 100 Substanzen ist. Hervorzuheben sind (+)-Terpinen-4-ol (etwa 40%), α-Terpinen (etwa 20 %), Terpinolen, Terpineol (jeweils 3 bis 4 %), Pinen, Myrcen, Phellandren, p-Cymen, Limonen, 1,8-Cineol. Teebaumöl hat eine sehr starke antimikrobielle Wirkung. Im Vergleich zum relativ giftigen Phenol ist das Teebaumöl 11 bis 13 Mal wirksamer und damit beispielsweise viel stärker bakterizid als Eukalyptusöl (Phenolkoeffizient etwa 3,5).“

Anwendung von Teebaumöl

„Teebaumöl findet aufgrund seiner antiseptischen, bakteriziden und fungiziden Wirkung Verwendung in der Dermatologie (z. B. in der Therapie von Akne, Schuppen und Schuppenflechte, Pilzerkrankungen, Dellwarzen) sowie bei Muskelschmerzen, offenen Wunden, Rheuma, Raucherhusten und Krampfadern. Es ist im Europäischen Arzneibuch aufgeführt, jedoch gibt es aufgrund von fehlenden Fertigarzneien keine gesicherte Indikation.

Teebaumöl wird in vielen dermatologischen Präparaten verwendet: in Shampoos, Hand- und Körpercremes (besonders bei unreiner Haut, wie Akne), in Deodorants, Badezusätzen, Seifen, Zahnpasta, Mundwässern. Bei Pilz- und Bakterienbefall der Haut (z.B. bei Akne, Fußpilz) werden zumeist Zubereitungen mit 5 bis 10% Teebaumöl verwendet. Bei Anwendungen im Mundraum muss Teebaumöl sehr stark verdünnt werden. Die Konservierung von vielen kosmetischen Produkten ist mit Teebaumöl möglich.

Auch in der Tierpflege sind äußere Anwendungen von Teebaumöl bekannt, wobei wie beim Menschen Überdosierungen oder sehr häufige Behandlungen vermieden werden sollten. Will man Teebaumöl an Tieren anwenden, ist unbedingt der Tierarzt zu Rate zu ziehen. Durch den Gehalt an Terpenen und Phenolen ist das Teebaumöl genau wie andere ätherischen Öle zum Beispiel für Haustiere toxisch. Die Anwendung endet nicht selten tödlich für das Tier. Typische Symptome der ‚Teebaumöl-Vergiftungen’ sind Zittern, Taumeln, Unruhe und allgemeine Schwäche.“

Risiken von Teebaumöl

„Als kritisch wird das Risiko der Entwicklung von Kontaktallergien angesehen. Auslöser sind dabei unterschiedliche Anteile des Öls (d-Limonen und α-Terpinen) und deren Oxidationsprodukte Ascaridol und 1,2,4-Trihydroxymenthan. Je älter das Öl ist, desto größer wird das Risiko. Bereits nach vier Tagen beginnt der Oxidationsprozess des Öls. Teebaumöl sollte lichtgeschützt bei Temperaturen unter 25°C aufbewahrt werden. Die Allergenmenge steigt an und besonders auf vorerkrankter Haut kann es zu Kontaktekzemen kommen. Bis zu drei Prozent der getesteten Personen waren 2003 auf Teebaumöl sensibilisiert. Kontaktekzeme entwickeln sich sehr häufig, wenn Teebaumöl unverdünnt und über einen längeren Zeitraum (etwa 3 Jahre) auf die Haut aufgetragen wird.

Bei Jungen, die sich noch nicht in der Pubertät befinden, kann die Anwendung von Teebaum- und Lavendelöl zum Wachstum der Brustdrüsen (Gynäkomastie) führen. Dies wird auf eine östrogene und anti-androgene Aktivität des Teebaumöls zurückgeführt.“

Artverwandte ätherische Öle

„Artverwandte Öle mit pilztötender Wirkung von verwandten Arten sind neben Teebaumöl mit absteigender Wirksamkeit:

Manukaöl, Kanukaöl, Eukalyptusöl, Cajeputöl“

(Quelle: Wikipedia)

Kommentar & Ergänzung:

- Teebaumöl ist einerseits von seiner Geschichte und seiner Wirkung her ein interessantes ätherisches Öl. Andererseits wird es sehr stark propagiert und dabei geht dann ein wenig unter, dass es in vielen Anwendungsbereichen auch andere ätherische Öle mit gleichwertiger oder gar besserer Wirkung gibt. Daher ist meine Empfehlung, sich nicht auf Teebaumöl zu versteifen und eine breitere Palette an ätherischen Ölen in Betracht zu ziehen.

- Teebaumöl kann sehr leicht oxidieren, das heisst, es verändert sich bei Kontakt mit Sauerstoff und auch unter Lichteinfluss. Dadurch steigt das Risiko von Hautreizungen und allergischen Reaktionen. Teebaumöl soll daher so gut wie möglich vor Licht und Sauerstoff geschützt aufbewahrt werden. Beginnt das Teebaumöl sich grünlich-bräunlich zu verfärben und nach Terpentin zu riechen, sollten Sie es rasch entsorgen.

- Teebaumöl wird für eine sehr grosse Zahl von Beschwerden und Erkrankungen propagiert. Das ist ein typisches Beispiel für “Indikationslyrik”. In solchen Fällen ist es wichtig, die Spreu vom Weizen zu trennen, also zu prüfen, welche Empfehlungen sinnvoll sind und welche nicht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Phytotherapie: wo sie helfen kann….

Mittwoch, Oktober 20th, 2010

Die Grundlage unseres gegenwärtigen Wissensstandes über die Anwendung pflanzlicher Arzneimittel ist die oft Jahrhunderte lange traditionelle Anwendung von Heilpflanzen in der Volksmedizin. In einer modernen, wissenschaftlich orientierten Therapieform reicht dies jedoch nicht als Wirksamkeitsbeweis. Darum strebt die Arzneipflanzenforschung danach, von modellhaften Labortests bis hin zu klinischen Studien an Patienten Fakten für den therapeutischen Wert und die Unbedenklichkeit von Phytopharmaka zu liefern.

Im „Kleinen Wörterbuch der Pflanzenmedizin“ wird aufgeführt, in welchen Einsatzbereichen sich die Phytotherapie, alleine oder in Kombination mit anderen therapeutischen Maßnahmen bewährt. Hier eine modifizierte Übersicht auf der Basis dieser Publikation:

1. Vorbeugung von Krankheiten

- Stärkung des Immunsystems:

Roter Sonnenhut, Echinacea purpurea

- Schwitzkuren bei beginnenden grippalen Infekten:

Holunderblüten, Sambucus nigra

Lindenblüten, Tilia – Arten (Tilia cordata, Tilia platyphyllos)

2. Befindlichkeitsstörungen im Verdauungstrakt

- Entzündungen im Bereich der Mundhöhle:

Salbei, Salvia officinalis

- Blähungstreibend, krampflösend:

Kamille, Matricaria recutita

Kümmel, Carum carvi

Fenchel, Foeniculum vulgare

Pfefferminze, Mentha piperita

- Appetitanregend:

Arzneipflanzen mit Bitterstoffen:

Enzian, Gentiana-Arten, vor allem Gelber Enzian, Gentiana lutea

Tausendguldenkraut, Centaurium erythraea

Fieberklee, Menyanthes trifoliata

Arzneipflanzen mit aromatisch-

bitterem Geschmack:

Wermut, Artemisia absinthium

Schafgarbe, Achillea millefolium

- Übersäuerung des Magens:

Käsepappel, Malva – Arten (Chäslichrut, Malva silvestris, Malva neglecta)

- Lebererkrankungen:

Mariendistel, Silybum marianum

- Erkrankungen der Galle:

Artischocke, Cynara scolymus

Löwenzahn, Taraxacum officinale

- Durchfallerkrankungen:

Tormentillwurzel, Potentilla erecta

Heidelbeeren (getrocknet!), Vaccinium myrtillus

- Verstopfung:

Faulbaum, Frangula alnus

Senna, Cassia – Arten

Rhabarber, Rheum palmatum

Leinsamen, Linum usitatissimum

Flohsamen, Plantago ovata

3. Erkrankungen im Bereich der Atemwege:

- Reizhusten: Tees mit schleimhaltigen Heilpflanzen:

Eibisch, Althaea officinalis

Isländische Flechte (Isländisches Moos), Cetraria islandica

- Auswurffördernde Hustenmittel:

Arzneipflanzen mit ätherischem Öl:

Thymian, Thymus vulgaris

Anis, Pimpinella anisum

Eukalyptus, Eucalyptus globulus

Latschenkiefer, Pinus mugo

Arzneipflanzen mit Saponinen:

Schlüsselblume, Primula veris

Efeu, Hedera helix

- Arzneipflanzen mit anderen Wirkstoffen:

Sonnentau, Drosera rotundifolia

4. Erkrankungen im Urogenitaltrakt:

- Erhöhung der Harnmenge, besonders bei Steinleiden oder Entzündungen der ableitenden Harnwege:

Birke, Betula pendula

Hauhechel, Ononis spinosa

Schachtelhalm, Equisetum arvense

Wacholder, Juniperus communis

- Unterstützung bei gutartiger Vergrößerung der Prostata (Prostatahyperplasie):

Weidenröschen, Epilobium angustifolium

Sägepalme, Serenoa repens (Sabal serrulata)

5. Herz- Kreislaufbeschwerden

- Leichte Herzmuskelschwäche, „Altersherz“:

Weißdorn, Crataegus-Arten, vor allem Crataegus oxyacantha und Crataegus monogyna)

- Krampfadern:

Rosskastanie, Aesculus hippocastanum

- Durchblutungsstörungen:

Ginkgo, Ginkgo biloba

- Vorbeugung gegen Arteriosklerose (= „Verkalkung“):

Knoblauch, Allium sativum

6. Nervöse Störungen

- Leichte und mittelschwere Depressionen:

Johanniskraut, Hypericum perforatum

- Einschlafstörungen:

Baldrian, Valeriana officinalis

Melisse, Melissa officinalis

Hopfen, Humulus lupulus

Lavendel, Lavandula angustifolia

7. Gynäkologische Erkrankungen

- Prämenstruelles Syndrom (PMS), klimakterische Beschwerden (z. B. Wallungen):

Mönchspfeffer, Vitex agnus-castus

Nordamerikanisches Wanzenkraut ( = Traubensilberkerze), Cimicifuga racemosa

8. Hauterkrankungen / Wunden:

Ringelblume, Calendula officinalis

Arnika, Arnica montana

Quelle:

Kleines Wörterbuch der Pflanzenmedizin,

herausgegeben von Pharmig, der Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen, Wien

in Zusammenarbeit mit dem Institut für Pharmakognosie der Universität Wien

www.pharmig.at

Kommentar & Ergänzung:

Die Aufstellung im „Kleinen Wörterbuch der Pflanzenmedizin“ gibt einen guten Überblick, führt aber natürlich längst nicht alle wichtigen Heilpflanzen der Phytotherapie auf.

Wichtig zu wissen ist aber auch, dass es nicht nur darauf ankommt, welche Heilpflanze bei welcher Krankheit eingesetzt werden kann. Mindestens so entscheidend ist auch die Frage, in welcher Arzneiform die jeweilige Heilpflanze optimal zur Wirkung kommt, zum Beispiel als Tee, Tinktur, Extrakt, Frischpflanzenpresssaft etc.

Vollständig vergessen ging in der Übersicht der Bereich Rheuma / Arthrose. Hier gibt es interessante und bewährte Heilpflanzen, die auch mit Patientenstudien erforscht werden, zum Beispiel Teufelskralle (Harpagophytum procumbens), Weidenrinde (Salix-Arten), Weihrauch (Olibanum), Paprika (Capsaicin), Hagebutte.

Interessant ist, dass die Publikation von Pharmig herausgegeben wird, der Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen. Es gibt in der Komplementärmedizin ein weit verbreitetes Feindbild, wonach die „Pharmaindustrie“ die Naturheilmittel kaputt machen will. Das ist ziemlich naiv, weil die Hersteller komplementärmedizinischer und phytotherapeutischer Präparate längst ein Teil der Pharmaindustrie sind. Sie sind bestens in die entsprechenden Branchenverbände eingebettet. Das pauschale Feinbild „Pharmaindustrie“ ist zwar unsinnig, doch soll die Absage an pauschale Feindbilder nicht davon abhalten, konkrete Pharmafirmen für konkrete Missstände zu kritisieren, wo dies nötig ist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Krampfadern: Viel Bewegung und frühzeitig zum Arzt

Sonntag, Mai 2nd, 2010

Wenn sich Krampfadern, so genannte Varizen, bilden, empfinden viele Menschen dies zunächst als optisches Problem und nicht als eine Erkrankung. Um ein Fortschreiten der Krampfadern zu vermeiden und Komplikationen vorzubeugen, sollte jedoch frühzeitig ein Arzt aufgesucht werden, empfielt Dr. Wolfgang Wesiack, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI). In einem frühen Stadium kann häufig durch einfache Maßnahmen einer Verschlimmerung des Krampfader-Leidens entgegengewirkt werden. Häufiges Sitzen und Stehen wirken sich ungünstig auf die Venen aus. Durch einfaches Fußwippen zwischendurch kann man jedoch die Wadenmuskulatur bereits sehr gut anregen und den Rückfluss des Blutes fördern. Außerdem sollte man beim Sitzen so oft wie möglich die Beine hochlegen, rät Dr. Wesiack.

Mit Pflanzenextrakten aus der Rosskastanie oder dem Weinlaub kann der Rückfluss des Blutes aus den Venen zusätzlich gefördert werden. Regelmäßige Bewegung trägt zur Gesundheit der Venen bei. Vor allem Menschen mit stehenden oder sitzenden Berufen sollten sich in der Freizeit unbedingt einen Ausgleich etwa durch Ausdauersport wie Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking verschaffen. Sportarten mit abrupten Stopp-Bewegungen wie Tennis oder Badminton sowie Kraftsport belasten das Venensystem allerdings, erläutert Dr. Wesiack. Wechselduschen und Kaltwasseranwendungen können die Blutzirkulation verbessern. Menschen, die zu Krampfadern neigen, sollten zudem beengende Kleidung vermeiden. Socken und Strümpfe sollten die Beine nicht einschnüren, Hosen im Schritt- und Leistenbereich nicht zu eng geschnitten sein, empfiehlt der BDI-Experte. Auch hohe Absätze beeinträchtigen die Arbeit der Venen. Deshalb sollte man lieber flache bequeme Schuhe tragen. Am besten für die Muskulatur und damit für die Venen sei es, barfuß zu laufen.

Meist sind Krampfadern bereits längere Zeit sichtbar, bevor die ersten Beschwerden auftreten. Die ersten Symptome sind ein Schwere-, Müdigkeits- oder Spannungsgefühl in den Beinen, das sich beim Hochlegen der Beine oder bei Bewegung bessert. Bei warmem Wetter sind die Beeinträchtigungen stärker. Das gleiche gilt bei Frauen vor Beginn der Menstruation, hält Dr. Wesiack fest. Im Frühstadium der Erkrankung kommt es oft zu nächtlichen Fuß- oder Wadenkrämpfen.

In 90% der Fälle sind Kampfadern an den Beinen zu finden, grundsätzlich können sich jedoch in nahezu allen Körperregionen Varizen entwickeln. Bei der großen Mehrheit der Betroffenen liegt die Ursache für die Entstehung von Krampfadern in einer angeborenen oder altersbedingten Schwäche der Venenwände oder Venenklappen. Es kommt zu Stauung des Blutes in den Venen, wodurch diese dauerhaft gedehnt werden.
Krampfader-Leiden zählen zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland. Rund 25 -50% der Bevölkerung sind von einer leichten Form betroffen, bei 5 bis 15% ist die Erkrankung bereits fortgeschritten. Bei Frauen treten Krampfadern 3-mal häufiger auf als bei Männern.

Quelle:
www.internisten-im-netz.de

Kommentar & Ergänzung:

Schön, dass der Bundesverband Deutscher Internisten Extrakte aus Rosskastanien oder Weinlaub empfiehlt. Das sind zwei Heilpflanzen mit gut dokumentierter Wirkung  gegen venöse Stauungen.
Aber auch Bewegung und Wasseranwendungen sind bewährte Elemente aus der Naturheilkunde.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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