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Test zeigt grosse Unterschiede in der Qualität von Ernährungsberatung

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Ernährungsberatung ist sehr gefragt, doch die Qualität lässt nicht selten zu wünschen übrig.

Zu diesem Schluss kam ein Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) in Wien. Zwei Testpersonen überprüften 16 Wiener Anbieter.

Die Testpersonen wurden nur von drei Anbietern sehr gut beraten. Ihre Ernährungsempfehlungen entsprachen in beiden Szenarien dem Stand der Wissenschaft, berichtete der VKI.

Fünfmal beurteilten die Fachleute die Beratung mit „gut“, dreimal mit „weniger zufriedenstellend“ und fünfmal mit „nicht zufriedenstellend“.

Der VKI kritisiert, dass teilweise abstruse Ernährungsempfehlungen abgegeben wurden.

So meinten zum Beispiel einige Ernährungsberater, Obst und Gemüse solle besser nicht zu spät am Abend oder dann nur in geringen Mengen gegessen werden, da sonst Leberschäden drohen könnten. Dafür gibt es keinerlei wissenschaftliche Belege. Etliche Berater rieten zum Verzicht auf Weizen und Gluten. Gluten, ein Klebereiweiss in Getreide, sei als ‚eines der schlimmsten Lebensmittel überhaupt’ dargestellt worden und von Weizen wurde behauptet, dass er den Darm „verkleben und verschlacken“ soll. Außerdem erfuhren die staunenden Testerpersonen, dass „die meisten Menschen heute auf Weizen schlecht reagieren, da dieser so verändert ist“. Die Konsumentenschützer kritisieren, dass zuerst ärztlich abgeklärt werden müsse, ob überhaupt eine Unverträglichkeit gegenüber Gluten vorliege, bevor zum Verzicht auf Gluten geraten wird.

Auch die Bildung von „Schlacken“ im Körper war in einigen der getesteten Ernährungsberatungen ein Thema. Solche vermeintlichen Rückstände aus dem Stoffwechsel seien jedoch im Körper nicht nachweisbar. Kritik äusserte der VKI weiters an „nutzlosen Testverfahren“ wie Bioresonanz oder Autonome Regulations-Testung, die zum Feststellen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten vollkommen ungeeignet seien.

Quelle:

http://derstandard.at/2000063393576/Test-Wiener-Ernaehrungsberater-zwischen-sehr-gut-und-abstrus

https://www.konsument.at/ernaehrungsberatung092017

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Test fand zwar in Wien statt, doch dürfte das Ergebnis in der Schweiz sehr ähnlich aussehen. Ernährungsberater und Ernährungsberaterin sind keine geschützen Titel. So kann sich jede und jeder nennen. Dadurch müssen Patientinnen und Patienten mit sehr grossen Qualitätsunterschieden rechnen. Verschärft wird die Lage noch dadurch, dass Ernährung inwischen mehr und mehr zu einer Art von Religionsersatz und Heilsbringer geworden ist.

In der Schweiz gibt es den gesetzlich geschützten Titel „Ernährungsberaterin/Ernährungsberater SVDE“. Er garantiert für eine wissenschaftlich fundierte und praktisch erprobte ernährungsberaterische und ernährungstherapeutische Ausbildung. Mehr dazu auf der Website des

Schweizerischen Verbands der Ernährungsberater/innen SVDE

Zu zwei Stichworten in den Testkäufen noch ein paar Anmerkungen:

Schlacken: Die Kritik des KVI ist nachvollziehbar. Schlacken entstehen im Hochofen. Auf den menschlichen Organismus bezogen ist der Begriff höchst fragwürdig und wohl ein Phantasieprodukt. Ich hätte jedenfalls kein Vertrauen in BeraterInnen, TherapeutInnen oder VerkäuferInnen, die mir „Schlacken“ einreden wollen.

Siehe dazu:

Schlackenstoffe ein Phantom macht Karriere

Entgiften und entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

Gluten: Die Kritik des KVI ist sehr zu unterstreichen. Wer an Zöliakie leidet, muss Gluten meiden. Solche Personen leiden an einer Überempfindlichkeit gegenüber Gluten (Klebereiweiss), die zum Teil erblich bedingt ist, lebenslang bestehen bleibt und zur Zeit nicht ursächlich behandelt werden kann. Kontakt mit Gluten führt bei Zöliakie zu einer chronischen Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Weizen ist ein wichtiger Lieferant von Gluten, das aber auch in Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel und Grünkern nachgewiesen wurde. Die Häufigkeitsangaben für Zöliakie schwanken von Land zu Land beträchtlich. Es handelt sich aber um eine sehr seltene Erkrankung – etwa ein Prozent der Bevölkerung dürfte grosszügig gerechnet sein – und es ist unsinnig, wenn Menschen, die nicht an Zöliakie leiden, auf glutenfreie Nahrung umstellen. Das ist nämlich nicht nur erheblich teuerer, sondern möglicherweise für Gesunde auch ungesünder. „Glutenfrei“ ist inzwischen zu einer Art Lifestyle geworden und ein Milliardenmarkt.

Es gebe aktuell keine Hinweise, dass eine glutenfreie Ernährung einen gesundheitsfördernden Effekt hat“, sagt Daniel C. Baumgart, Oberarzt am Zentrum für Innere Medizin an der Charité in Berlin: „Wenn man keine Zöliakie hat, gibt es keinen Grund für diese nicht ganz einfach einzuhaltende Diät.“ Auch Maria Boumezrag von der Deutschen Zöliakigesellschaft (DZG) sieht das so: „Eine glutenfreie Ernährung braucht ein normaler Mensch nicht. Das wirkt sich weder positiv noch negativ aus – es ist einfach unnötig.“

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/ernaehrung-in-der-glutenfrei-falle-1.2678505

Trotzdem lebt zum Beispiel jeder zehnte US-Haushalt glutenfrei und jeder vierte Amerikaner glaubt, dass Ernährung ohne Gluten für jedermann gesund sei.

Eine US-Studie, die im „British Medical Journal“ veröffentlicht wurde (http://www.bmj.com/content/357/bmj.j1892) hat jedoch gezeigt, dass eine glutenfreie Kost für die Herzgesundheit keine Vorteile bringt. Möglicherweise wirkt das Weglassen von Gluten sogar ungünstig, weil viele Menschen mit dem Gluten zugleich auch ihren Vollkornkonsum reduzieren, der das Herz zu schützen scheint. Ballaststoffe aus Vollkorn sind zudem wichtig für die Darmflora, regulieren die Darmtätigkeit und lassen den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen.

Siehe auch:

Fragwürdiger Hype um Nahrungsmittel-Unverträglichkeit

Nicht gerade einfach ist im Bereich der Ernährungsberatung, dass die Empfehlungen im Laufe der Zeit immer wieder einmal ändern. Das führt nicht selten zu Verwirrung, ist aber auch ein Stück weit charakteristisch für die Wissenschaft. Sie stellt die eigenen Erkenntnisse immer wieder kritisch auf den Prüfstand und nutzt damit die Chance, Irrtümmer aufzudecken. Nur dogmatische Lehren verkünden ewige Wahrheiten.

Erschwerend kommt für die Ernährungsberatung allerdings noch hinzu, dass die Ernährungswissenschaft oft nicht gerade eindeutige Ergebnisse liefert. Das liegt auch daran, dass es nicht einfach ist, qualitativ hochstehende und aussagekräftige Ernährungsstudien durchzuführen.

Siehe dazu:

Ernährungswissenschaft: Fragwürdige Studien stiften mehr Verwirrung als Nutzen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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Bullshit zu Aromapflege und Aromatherapie

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Bullshit redet, wer wohlklingende Worte äussert, die nichts aussagen. Ein Beispiel für solchen Bullshit sind meines Erachtens folgende Sätze über Aromapflege und Aromatherapie:

„Aromapflege und Aromatherapie folgen den Prinzipien der Naturheilkunde. Sie wollen die Lebenskraft und Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken. Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht. Sie bewirken eine seelische Umstimmung, regulieren aus der Balance Geratenes und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden. Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“

Quelle:

http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/komplementaermedizin/?full=50130

Kommentar und Ergänzung:

Hier werden wohlklingende Begriffe aneinandergereiht, die kaum irgendwelche konkreten Inhalte haben.

⇒ Die „Prinzipien der Naturheilkunde“ sind nicht so klar definiert, wie das hier aussieht. Der Autor müsste konkrete Beispiele bringen um zu illustrieren, was genau er damit meint. Aber wenn man konkret wird, stösst man schnell an Grenzen oder verwickelt sich in Widersprüche. Bleibt man schön im wohlklingenden Allgemeinen, lässt sich diese Schwierigkeit vermeiden.

„Lebenskraft“ ist ein schillernder Begriff, der spontan oft klar und einleuchtend klingt, aber sofort schwierig wird, wenn man genau erklären soll, was damit gemeint ist.

Wikipedia schreibt dazu:

„Der Begriff Lebenskraft war in seiner Entstehungszeit sehr populär und wurde oft auch wenig spezifisch gebraucht, als weit verbreiteter Platzhalterbegriff für unverstandene körperliche Vorgänge……

Die Vorstellung einer Lebenskraft wurde als Gesundheits- und Krankheitskonzeption von Christoph Wilhelm Hufeland Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts differenziert beschrieben…..

Hufeland sah als Grundursache aller Lebensvorgänge und als Selbsterhaltungsprinzip des Organismus eine allgemeine Lebenskraft mit weiteren Teilkräften:

  • eine erhaltende Kraft,
  • eine regenerierende und neubildende Kraft,
  • eine besondere Lebenskraft des Blutes,
  • eine Nervenkraft,
  • eine Kraft, die eine allgemeine Reizfähigkeit des Körpers bewirke, sowie
  • eine Kraft, die eine spezifische Reizfähigkeit des Körpers bewirke.

Krankheit sei eine Beeinträchtigung der Lebenskraft beziehungsweise der Lebenskräfte durch krankmachende Reize. Sichtbare Zeichen der Krankheit seien Heilreaktionen der Lebenskraft auf solche Krankheitsreize. Die Heilkraft der Natur (vis medicatrix naturae) und die Lebenskraft seien wesensgleich, wenn nicht identisch. Jedes therapeutische Handeln des Arztes wie auch jede Selbstbehandlung durch den Patienten solle die individuelle Lebenskraft unterstützen. Insgesamt habe sich das ärztliche Handeln am Prinzip des contraria contrariis zu orientieren. Dabei empfahl Hufeland neben der vorsichtigen Anwendung von Medikamenten die Beachtung diätetischer Regeln und physikalische Therapien (zum Beispiel als Wasseranwendungen).

Auf Hufelands Konzept gehen Impulse für die Entwicklung der Naturheilkunde im 19. Jahrhundert zurück.“

⇒  Die „Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken“ tönt auch immer gut. Die Selbstheilung des Menschen ist faszinierend. Daran wirken aber tausende von Vorgängen im Organismus mit, die sich je nach Krankheit beträchtlich unterscheiden können. Die Selbstheilungskräfte als feststehende Grösse wird es daher kaum geben. Auch hier wären detaillierte Angaben vorzuziehen. Welche Prozesse beeinflusst das ätherische Öl genau und wie? Aber auch hier gilt: Sobald man genaue Aussagen macht, können diese auch in Frage gestellt, kritisiert und widerlegt werden. „Die Selbstheilungskräfte“ dagegen bieten keine Angriffsfläche für konkrete Einwände.

 „Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht.“ – „Tief“ tönt immer gut. Aber was heisst „tief“ genau in diesem Zusammenhang? Eingreifend? Tief eingreifend in die Psyche? Könnte das, wenn es stimmt, nicht gefährlich werden? Oder ist nur immer und ausschliesslich eine positive Wirkung zu erwarten im Sinne einer Förderung des Gleichgewichts. Ist das nicht etwas gar viel Wunschdenken?

 „Sie bewirken eine seelische Umstimmung…“  Wenn das stimmt, kann das nicht auch schiefgehen? Oder muss ich mir das einfach immer positiv vorstellen? In Sinne von: Das ätherische Öl weiss schon, was es machen muss? Ist das nicht allzu schön um plausibel zu sein?

„…regulieren aus der Balance Geratenes…“ Da haben wir sie wieder, die umfassende Regulation. Damit kann man nie schiefliegen.

 „…und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden.“    Das ist eine sehr weitreichende Versprechung. Wie machen die ätherischen Öle das und was sollen wir verstehen unter dem „eigentlichen Nährboden“ einer Krankheit: Auch hier: Wer nicht konkret wird, versteckt sich vor möglichen konkreten Einwänden.

„Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“ Das tönt immer gut, sagt aber auch nichts Konkretes aus.

Diese Kritik richtet sich nicht generell gegen Aromatherapie und Aromapflege. Ätherische Öle sind im vielen Bereichen interessante und wirksame Heilmittel. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass ich in Texten über Aromatherapie und Aromapflege auf derartigen Worthülsen treffe.

Das ist meines Erachtens immer ein Anlass für genaues, kritisches Nachfragen, auch wenn es um andere Bereiche als Aromapflege und Aromatherapie geht – zum Beispiel um Texte in der Pflanzenheilkunde.

Vorgänge und Begriffe möglichst genau zu beschreiben ist eine Grundvoraussetzung guter Kommunikation und fachlicher Auseinandersetzung. Mit schwammigen Begriffen wie sie das oben aufgeführte Zitat enthält, redet man weitgehend aneinander vorbei. Das gilt auch für Vorträge, Kurse und Ausbildungen. Haken Sie nach, wenn Sie in Lehrveranstaltungen mit wohlklingenden, aber schwammigen Begriffen „gefüttert“ werden.

Wer leere Worthülsen einfach schluckt, weil sie so gut tönend daherkommen, lässt sich einlullen oder lullt sich selber ein. Wer dagegen genau nachfragt, klärt die Begriffe so weit es geht und bekommt dadurch einen stabileren Stand in der Welt.

Der amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt hat übrigens ein lesenswertes Büchlein geschrieben mit dem Titel „Bullshit“ (Suhrkamp Verlag).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Saathafer – die Arzneipflanze des Jahres 2017

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Der Saathafer wurde vom Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2017 gewählt.

Der Saathafer (Avena sativa) ist ein Getreide und zählt zu den Süßgräsern (Poaceae oder Gramineae). Er bildet im Gegensatz zu Weizen, Roggen und Gerste seine Körner nicht in Ähren, sondern in vielfach verzweigten Rispen aus.

Die Haferkörner sind von Spelzen umschlossen, die durch einen speziellen Mahlgang entfernt werden müssen. Der Hafer liefert zwar tiefere Hektar-Erträge als Weizen, Roggen und Gerste, doch ist er diesen gegenüber beim Nährwert und nicht zuletzt beim Geschmack überlegen. Zudem ist Hafer weniger anspruchsvoll, denn er gedeiht auch auf kargen Böden und bei feuchter Witterung.

Drei Pflanzenteile des Saathafers stossen auf pharmazeutisches Interesse:

Haferstroh (Avenae stramentum) wird als Abkochung für Bäder bei Hautverletzungen und Juckreiz verwendet.

Für die Gewinnung von Haferkraut (Avenae herba) wird der Hafer vor seiner Blüte geerntet. Haferkraut ist reich an Flavonoiden, Saponinen und Mineralien (Kalium, Calcium, Magnesium), wobei den Flavonoiden entzündungshemmende und den Saponinen immunmodulierende Eigenschaften zugesprochen werden.

Haferkraut-Extrakte kommen daher bei trockener Haut und bei atopischer Dermatitis zur Anwendung.

In den Neunzigerjahren wurde in Frankreich durch Selektion eine Hafersorte mit einem besonders hohen Anteil an Flavonoiden und Saponinen gezüchtet, die schon sehr jung geerntet und durch ein besonderes Verfahren extrahiert wird. Der aufgereinigte Extrakt ist frei von Proteinen und wird für Hautpflegemittel wie Cremes, Körpermilch und Badezusätze eingesetzt, die für Allergiker speziell gut verträglich sein sollen. Seine Bedeutung für die Dermatologie wurde schon in neueren Fachpublikationen gezeigt. Haferkrautextrakt-Produkte werden aber auch zur Pflege von empfindlicher Haut (Babys, Senioren) und zur Behandlung von Wunden, Rosacea und nicht zuletzt von Psoriasis eingesetzt.

Das Haferkorn (Avenae fructus), aus dem die allseits bekannten Haferflocken hergestellt werden, ist reich an Ballaststoffen (Polysacchariden), von denen die löslichen β-Glucane etwa die Hälfte ausmachen.

In 100 Gramm Haferflocken sind etwa 4,5 Gramm β-Glucane enthalten, in der Haferkleie sind es sogar mehr als 8 Gramm pro 100 Gramm. Die β-Glucane geben dem Haferschleim seine Konsistenz. Indem sie die Verdauung und den Stoffwechsel beeinflussen, wirken sie sich günstig auf den Cholesterinspiegel und den Blutzuckerspiegel aus.

Die Fähigkeit der β-Glucane, Gallensäuren zu binden, führt wahrscheinlich zur Ausscheidung von Cholesterol und zur Reduktion des Gesamtcholesterol- und des LDL-Cholesterol-Spiegels, was einer Atherosklerose vorbeugen kann. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat im Jahr 2011 bestätigt, dass die Einnahme von Hafer-β-Glucanen zur Reduktion des Cholesterolspiegels beitragen kann.

Die unlöslichen Ballaststoffe regulierend ausserdem die Verdauungstätigkeit. Da sie die Aufnahme der Nährstoffe aus dem Darm in den Körper verzögern, steigt der Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit zeitverzögert an, was eine geringere Ausschüttung von Insulin zur Folge hat. Schon vor 100 Jahren wurden daher diätetische „Hafertage“ für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 eingeführt. Eine neuere Studie am Diabetologikum in Berlin hat gezeigt, dass die Insulindosis bei Patienten mit einem hohen Insulinbedarf nach zwei Hafertagen um bis zu 30 Prozent reduziert werden kann. Dieser günstige Effekt soll bis zu vier Wochen nachweisbar sein.

Haferflocken zeigen aber auch günstige Auswirkungen auf die Verdauungsorgane selbst. Die Darmwand wird durch die viskösen löslichen Ballaststoffe vor Reizen aus dem Darmlumen geschützt und ein empfindlicher Magen beruhigt.

Umstritten ist noch, ob Menschen mit Zöliakie zu Haferprodukten greifen können. Bei der Zöliakie entzündet sich die Schleimhaut des Darms nach dem Verzehr von Gluten, dem Kleber-Eiweiß in verschiedenen Getreidekörnern.

Gluten ist die dominierende Eiweissfraktion im Weizenkorn, Im Haferkorn herrscht dagegen das Globulin Avenalin mit 80% vor, während Gluten nur einen Anteil von 15 Prozent hat. Hirse, Mais und Reis gelten dagegen als glutenfrei.

Die Zusammensetzung des Glutens unterscheidet sich in den einzelnen Getreidearten und ihren Sorten. Allgemein besteht Gluten aus den Proteingemischen der Prolamine und Gluteline, die wegen ihres hohen Anteils an den Aminosäuren Prolin und Glutaminsäure so benannt worden sind.

Krankheitsauslösend sind bei der Zöliakie die Prolamine, allerdings mit unterschiedlicher Intensität. Für zahlreiche Zöliakie-Patienten ist zwar das Weizen-Prolamin Gliadin, nicht jedoch das Hafer-Prolamin Avenin unverträglich. Und die relative Unverträglichkeit des Avenins hängt zudem noch von der Hafersorte ab; es gibt Hafersorten, die sogar für eine glutenfreie Ernährung infrage kommen.

Mehrere Studien zur Verträglichkeit des Hafers bei Zöliakie-Patienten haben gezeigt, dass kleinere Mengen Hafer im allgemeinen gut vertragen werden. In Schweden und Finnland gilt die Aufnahme von bis zu 50 g Hafer pro Tag als unbedenklich. Es muss sich dabei jedoch um „nicht-kontaminierten Hafer“ handeln, der nicht mit anderem Getreide verunreinigt sein darf und speziell für diesen Zweck angebaut wird.

Der Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ ist überzeugt davon, dass das diätetische und therapeutische Potenzial des Hafers noch nicht ausgeschöpft ist und hofft, dass die Arzneipflanze des Jahres 2017 Gegenstand weiterer Forschungen sein wird.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/10/28/noch-viel-potenzial-bei-hautkrankheiten-und-zoeliakie

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine ungewöhnliche Wahl, zählt doch der Hafer seit je her zu den Nahrungsmitteln und nicht zu den typischen Heilpflanzen. Nimmt man ihn aber aus der Perspektive der Heilwirkungen in den Blick, steht er in einem Übergangsbereich zwischen Phytotherapie und Ernährungstherapie. Und dieser Übergangsbereich ist durchaus interessant.

Wie gewohnt begründet der Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ seine Wahl der Arzneipflanze des Jahres 2017 auch dieses Mal fundiert.

2016 war der Kümmel Arzneipflanze des Jahres, 2015 das Johanniskraut, 20114 der Spitzwegerich, 2013 die Kapuzinerkresse und 2012 das Süssholz.

Hier geht’s zur Website des Studienkreises:

http://www.welterbe-klostermedizin.de/index.php

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kieselsäure / Kieselerde zur Stärkung von Nägeln, Haaren und Knochen?

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Silizium-Präparate wie Kieselerde sollen die Knochen stärken, Nägel und Haare festigen und die Haut elastischer machen.

Bei brüchigen Nägeln zum Beispiel wird häufig Kieselerde empfohlen.

Kieselerde ist ein unscharf verwendeter Begriff, der Mineralien und Sedimente mit hohem Gehalt an natürlichen Siliziumverbindungen umfasst.

Nach Angaben im Internet wird Kieselerde zum Aufbau von Zähnen, Knochen, Gewebe und für alle schnellwachsenden Körperzellen benötigt, zum Beispiel für schöne Haut, gesunde Haare oder stabile Nägel. Kieselerde beuge einem Kieselsäuremangel vor und schütze vor Osteoporose, heisst es.

Vor vielen Jahren als Drogist habe ich immer wieder Kieselsäure-Präparate verkauft. Später versuchte ich herauszufinden, ob ein Kieselsäuremangel tatsächlich existiert und ob die versprochenen positiven Wirkungen dieser Produkte auf Nägel, Haut, Haare und Knochen auch real sind.

Das Ergebnis war ernüchternd. Plausible Belege fand ich keine.

Es war und ist bis heute nicht einmal klar, ob unser Organismus Silizium überhaupt benötigt.

Vor kurzem nun hat sich die österreichische Plattform „Medizin transparent“ mit der Frage befasst, ob die Einnahme von Silizium-Verbindungen gesundheitliche Vorteile bringe.

Auch „Medizin transparent“ kommt zum Schluss: Antwort unklar.

Ein Nachweis, dass Silizium-Verbindungen die Gesundheit fördern können, fehle bisher. Zudem sei unklar, ob Silizium als Spurenelement im Körper überhaupt eine biologische Rolle spiele.

Ein Siliziummangel sei in der medizinischen Fachliteratur nicht bekannt. Möglicherweise sei Silizium für den Körper sogar nutzlos. Folgerichtig gebe es auch keine Empfehlungen für eine tägliche Mindestmenge.

Es sei zwar richtig, dass größere Mengen des Elements besonders in Haaren, Nägeln und der Haut zu finden seien. Im Körper eines Erwachsenen finden sich insgesamt ein bis zwei Gramm Silizium. Das sei jedoch kein Beweis dafür, dass Silizium ein für die Gesundheit essentielles Spurenelement ist.

Möglicherweise habe die Forschung die biologische Aufgabe von Silizium bloß noch nicht entdeckt. Genauso denkbar sei jedoch, dass sich das Element nur zufällig im Körper ansammelt. Schließlich nehme der Mensch mit der Nahrung täglich zwischen zehn und 25 Milligramm pro Tag zu sich – auch ohne auf Nahrungsergänzungsmittel zurückzugreifen.

Der Grund liege darin, dass wasserlösliche Siliziumverbindungen in unserer Nahrung relativ verbreitet seien. Sie kommen in Wasser genauso vor wie in Getreide, vielen Früchten und Gemüsesorten. Einen relativ großen Anteil an gelöstem Silizium habe übrigens Bier.

Ein wissenschaftlicher Nachweis für gesundheitliche Vorteile von Silizium-Verbindungen existiere nicht, schreibt „Medizin transparent“:

„Beispielsweise finden sich zur möglichen Wirkung von Silizium auf die Knochen lediglich zwei klinische Studien. Beide sind von so geringer Aussagekraft, dass nach wie vor unklar bleibt, ob lösliche Siliziumverbindungen überhaupt eine Auswirkung auf die Knochendichte haben.“

Ebenfalls unbelegt sei die Behauptung, Silizium könne die Haarstruktur verbessern, die Haut verjüngen oder die Brüchigkeit von Fingernägeln vermindern. Zwei Studien dazu seien von zu geringer Qualität, um diese Behauptungen zu bestätigen.

Es kursieren auch Versprechungen, dass Siliziumverbindungen die Fähigkeit haben, Alzheimer vorzubeugen oder zu bessern. Sie sollen Aluminium-Ablagerungen im Gehirn verhindern können, die angeblich die Ursache für die Demenzerkrankung sind. Die Verlässlichkeit der einzigen bisher dazu durchgeführten Studie ist sei aber zu gering, um diese Theorie zu stützen, schreibt das Team von „Medizin transparent“. Allerdings könne die momentane Studienlage nicht einmal bestätigen, dass Aluminium überhaupt an der Entstehung von Alzheimer beteiligt ist.

Auch Behauptungen, denen zufolge Silizium die Herzgesundheit fördern soll, den Magen vor zu viel Magensäure schützt oder die Bildung von Kollagen und Bindegewebe unterstützt, bleiben unbelegt.

Quelle: http://www.medizin-transparent.at/silizium

(dort weitere Informationen und die Studien im Detail)

Kommentar & Ergänzung:

Kieselerde besteht in der Regel aus Schalen abgestorbener Kieselalgen, die v.a. aus Siliziumdioxid bestehen. Als reines chemisches Element kommt Silizium kaum vor, in Form chemischer Verbindungen ist es auf der Erde aber weitverbreitet.

Die Recherche von „Medizin transparent“ zum Stand des Wissens bezüglich Kieselerde kommt zu harten Schlüssen. Es gibt keine gesicherten Erkenntnisse über einen gesundheitlichen Nutzen von Kieselerde. Gemessen an den grossen Versprechungen, mit denen diese Produkte vermarktet werden, ist das niederschmetternd.

Und es gibt sogar Hinweise darauf, dass die Langzeiteinnahme von Kieselerde für  die Nieren schädlich sein könnte:

„Schon vor mehr als zehn Jahren beurteilte eine Kommission des damaligen Bundesgesundheitsamtes Kieselsäure (bzw. Siliziumdioxid) negativ: ‚Aufgrund des fehlenden klinischen Erkenntnismaterials, insbesondere zu Dosierung und Dauer der Anwendung, kann Siliciumdioxyd zur Therapie für die beanspruchten Anwendungsgebiete nicht empfohlen werden.'(2) Gleichzeitig warnte die Kommission vor einer möglichen Nierenschädigung, wenn Kieselerde langfristig und hoch dosiert eingenommen wird: ‚In Einzelfällen (ist) die Bildung von siliciumhaltigen Nierensteinen möglich‘.(2)

(2) Aufbereitungsmonographie Siliciumdioxyd: Pharmaz. Ztg. 1994; 139: 482″

Quelle: http://gutepillen-schlechtepillen.de/actilife-kieselerde-und-radioaktivitaet/

 

Siehe auch:

Bier – eine gute Quelle für Kieselsäure

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Detox-Kuren: Eingebildete Lösungen für nicht exisitierende Probleme

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Entschlackungskuren und Entgiftungskuren sind sehr im Trend – inzwischen auch unter der Modebezeichnung „Detox“.

Diesem Thema hat sich nun das Portal „Medizin transparent“ angenommen und fragt:

„Sind wir alle vergiftet? Sollen auch gesunde Menschen gelegentlich eine Detox-Kur einschieben, um den Körper von gefährlichen Stoffen zu befreien? Was hat es mit den immer wiederkehrenden Entgiftungstrends auf sich?“

„Medizin-transparent“ fand keine Studien, die einen gesundheitlichen Nutzen von „Detox“ belegen würden. Der Begriff sei in der Alternativmedizin nicht genau definiert.

Um eine Frage sauber beantworten zu können, müsse klar sein, um was es genau gehe – jeder wichtige Begriff müsse genau definiert sein. Wenn also jeder unter dem Begriff „Detox“ etwas anderes verstehe, könne die Frage nach der Wirksamkeit nicht allgemeingültig beantwortet werden. Und eine klare Definition von Detox fehle tatsächlich.

Die Idee hinter dem Detox-Boom sei, dass selbst gesunde Menschen gelegentlich ihren Körper von Giften befreien sollten.

Um welche Art von Giften es sich genau handle und wie die mit Hilfe des jeweiligen Programms genau entfernt werden sollen, sei meistens nicht genauer beschrieben

Als Gründe, warum solche Entgiftungskuren angeblich notwendig sein sollen, werde oft aufgeführt:

„Umweltbelastungen durch Schadstoffe oder Pestizide, ungesunde Ernährung und gesundheitsbedrohliche Verhaltensweisen wie Rauchen oder Alkoholkonsum.“

Durch all diese Dinge sammle sich angeblich Gift im Körper an und könne mit tausenden angepriesenen Detox-Kuren wieder entfernt werden.

Medizin-transparent schreibt, es bestehe kein Zweifel daran, dass wir regelmässig Giftstoffe in gewissen Dosen aufnehmen.

Ob sich bestimmte Giftstoffe jedoch im Körper ansammeln und ob Detox-Kuren diese ausscheiden können, sei unklar.

„Die Entgiftungsorgane erledigen ihre Aufgabe bei Gesunden mit Bravour, es sammeln sich kaum Gifte und mit Sicherheit keine Schlacken im Körper an. Mit „Schlacken“ bezeichnet man Rückstände bei Verbrennungs- und Metallverarbeitungsprozessen, der Begriff kommt aus der Metall-, Öl- und Kohleindustrie. Die alternativmedizinischen Behauptungen rund um Detox sind zu wenig konkret, es werden ungezählte Schadstoffe angenommen, die mit Hilfe von Detox auf unbekannten Wegen entfernt werden sollen. Es wird weder nachgewiesen, ob diese sogenannten Schlacken überhaupt im Körper angesammelt werden und es ohne Detox überhaupt zu gesundheitlichen Problemen kommt – noch ob mögliche Schadstoffe dadurch wirklich entfernt werden können.“

So wie das Problem zumeist dargestellt werde, existiere es nicht.

„Wir haben keine Studien gefunden, die einen gesundheitlichen Vorteil von Detox-Kuren nachweisen. Um überhaupt einen Nachweis zu erbringen, müsste ein Detox-Programm klar beschreiben, welche Gifte – oder was mit Schlacken überhaupt gemeint ist – entfernt werden und wie der gesundheitliche Nutzen aussieht.“

Der menschliche Körper habe zahlreiche Fertigkeiten, um mit den Belastungen durch schädliche Substanzen zu Recht zu kommen. Die wichtigsten Entgiftungsorgane seien Leber, Niere und Darm, auch Haut und Lunge spielen wichtige Rollen.

Quelle;

http://www.medizin-transparent.at/detox-der-mythos-vom-entgiften#more-6179

Kommentar & Ergänzung:

„Detox“ macht tatsächlich Versprechungen, die ohne realen Boden sind. Aber warum kommen diese Vorstellungen so gut an?

Offenbar tut die Vorstellung einfach gut, all den Schmutz, die angesammelten Gifte und Schlacken, eliminieren zu können.

Medizin-transparent weißt sehr zu Recht darauf hin, dass überhaupt nicht klar ist, um welche Arten von Schlacken oder Giften es sich handeln könnte.

Die Verwendung von unklar definierten Begriffen ist ein verbreitetes Problem in Alternativmedizin und Komplementärmedizin („Energie“, „Schwingungen“, das „Wesen“ der Pflanzen u. ä.). In solchen Fällen ist es sehr notwendig, genau nachzufragen, was damit gemeint ist.

Siehe auch:

Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde: Nachfragen statt blind glauben

Detox-Rezepturen: „Entgiftungsmittel“ meiden

Michèle Binswanger im Tages-Anzeiger über Entgiftung und Detox

 

Entgiftungsdiäten / Detoxdiäten: Bodenlose Versprechungen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Patientenratgeber Multimedikation

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Nicht immer lässt sich die Einnahme vieler Medikamente vermeiden, aber manchmal sind einige unnötig. Bei der Einnahme mehrerer Arzneimittel ist nicht mehr vorhersehbar, was im Körper an Wirkungen, Wechselwirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen passiert.

In der Fachsprache nennt man die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente Multimedikation oder Polypharmazie. Heikel dabei ist, dass mit steigender Anzahl der eingenommenen Medikamente auch mehr unerwünschte Wirkungen auftreten wie Übelkeit, Verstopfung, Kopfschmerzen, Benommenheit oder Blutungen.

Auch eine Behandlung im Spital und schlimmstenfalls der Tod können eine Folge von Multimedikation sein.

Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) hat im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Bundesärztekammer (BÄK) einen Patientenratgeber zur Multimedikation veröffentlicht. Hier geht’s zum Patientenratgeber.

http://www.patienten-information.de/mdb/downloads/kip/aezq-version-kip-multimedikation.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Bei diesem Thema ist es meiner Ansicht nach sinnvoll, auch über „Multimedikation“ bei Naturheilmitteln und bei Präparaten der Komplementärmedizin oder Alternativmedizin nachzudenken.

Bei Phytopharmaka beispielsweise: Zwar zeichnen sich pflanzliche Arzneien oft durch „Gutmütigkeit“ aus, doch gibt es auch Heilpflanzen, bei denen mit Wechselwirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen gerechnet werden muss. Das wohl bekannteste Beispiel dafür sind Johanniskraut-Präparate. Sie können den Abbau von gewissen Medikamenten in der Leber beschleunigen und dadurch deren Wirkung abschwächen.

Keine Wechselwirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen gibt es bei Homöopathika, Bachblüten-Tropfen und Schüssler-Salzen, weil diese Präparate keine Wirkstoffe enthalten. Wo keine Wirkstoffe drin sind, gibt es auch keine Wechselwirkungen oder unerwünschten Nebenwirkungen.

Trotzdem sind aber auch bei Homöopathika, Bachblüten-Tropfen und Schüssler Salzen fragwürdige Formen der „Multimedikation“ zu beobachten, wenn für jede Lebens- und Gemütslage eine ganze Reihe von Produkten angeboten und konsumiert wird.

Das führt nicht selten zu einer Art von Gewöhnung, wenn bei jeder Gelegenheit solche „kleinen Helferlein“ eingeworfen werden.

Längerfristig wird dadurch das Vertrauen in die eigenen Regulationsfähigkeiten unterminiert. Dass unser Körper oder unsere Psyche in der Lage sind, kleinere Befindlichkeitsstörungen und leichtere Beschwerden selber auszugleichen, gerät so mehr und mehr in Vergessenheit.

Im Bereich der Phytotherapie bin ich für eng gesteckte Grenzen: Es gibt nicht für jede Befindlichkeitsstörung eine wirksame und zugleich sinnvolle Heilpflanze.

Liebeskummer, Einsamkeit, Trauer beim Verlust eines Haustieres, Nervosität beim Schulanfang usw. – das Internet ist voll von Angeboten aus Komplementärmedizin und Alternativmedizin zur Behandlung solcher Lebenslagen.

Diese ausufernden Therapieversprechungen sind nicht nur von der Wirksamkeit her fragwürdig, sondern auch von der zugrundeliegenden Haltung. Der Mensch wird dadurch letztendlich aufgefasst als behandlungsbedürftig von der Wiege bis zur Bahre – und das ist alles andere als eine gesunde Vorstellung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Meisterwurz (Imperatoria) als Antidot?

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Im Internet findet man zu jeder Heilpflanze eine riesige und unübersichtliche Zahl von Angaben bezüglich ihrer Wirkungen und Anwendungsbereiche. Dabei ist es oft nicht einfach, die Glaubwürdigkeit der Aussagen zu prüfen.

Ich bin aber sehr überzeugt davon, dass es für Konsumentinnen und Konsumenten wichtig wäre, zu lernen, wie man solche Empfehlungen und Versprechungen prüft.

Konsumentinnen und Konsumenten werden sonst schlicht und einfach abgezockt.

Ein Beispiel soll das genauer illustrieren:

Vor einiger Zeit bin ich auf der Website einer Drogerie auf folgende Aussage über den Meisterwurz (Imperatoria) gestossen:

„Meisterwurz ist ein äusserst potentes Antidot gegen verschiedenste Giftwirkungen.“

Und:

„Imperatoria hilft bei akuten Vergiftungserscheinungen (ausgelöst durch verdorbene Nahrungsmittel, Giftpflanzen, Umweltgifte)“

(Anmerkung: Antidot = Gegenmittel gegen Gifte)

Diese Behauptung stammt ursprünglich von einem Hersteller von Pflanzentinkturen und fällt sehr aus dem Rahmen, denn in der Phytotherapie-Fachliteratur ist von einer Wirksamkeit der Meisterwurz als „äusserst potentes Antidot“ nichts bekannt. Im Internet kann aber jeder alles behaupten.

Darum habe ich bei diesem Drogisten nachgefragt, gegen welche Gifte genau Meisterwurz ein „äusserst potentes Antidot“ sei, bekam aber nur sehr ausweichende Antworten.

Das ist eigenartig. Wenn ich weiss, dass Meisterwurz ein „äusserst potentes Antidot gegen verschiedenen Giftwirkungen“ ist, dann müsste ich auch wissen, gegen welche Gifte es wirkt. Sonst kann ich eine solche Aussage gar nicht machen. Ein paar detaillierte Fallberichte müsste es dazu doch mindestens geben.

Für den „Behaupter“ ist es aber natürlich vorteilhaft, im allgemeinen zu bleiben und keine konkrete Aussage zu machen, gegen welche Gifte Imperatoria helfen soll. Tollkirsche? Nikotin? Abflussreiniger? Blausäure? DDT? Quecksilber?….

Sobald konkret ein Giftstoff genannt würde, könnte man kritisch Nachfragen. Wie kommt die Wirkung zustande? Wie stark ist sie? Wie schnell tritt sie ein? Wie stark muss Imperatoria dosiert werden? In welcher Form muss es eingesetzt werden (Meisterwurztee, Meisterwurztinktur, Meisterwurzextrakt)?

Dann würde schnell klar, dass es äusserst unwahrscheinlich ist, dass eine Pflanzenart gegen viele ganz verschieden wirkende Gifte wirksam sein kann.

Es gibt Pflanzeninhaltsstoffe, die als Antidot wirken können. Gerbstoffe, die zum Beispiel im Schwarztee vorhanden sind, binden Alkaloide wie beispielsweise das Atropin aus der Tollkirsche. Das funktioniert allerdings nur beschränkt und vor allem nur solange, wie die Alkaloide noch im Verdauungstrakt liegen. Wurden sie aus dem Verdauungstrakt in den Körper aufgenommen, können sie mit den Gerbstoffen, die im Verdauungstrakt bleiben, nicht mehr „zusammen kommen“.

Die Behauptung, dass Meisterwurz ein „äusserst starkes Antidot“ gegen viele Gifte ist, kommt umfassend und zugleich ausgesprochen vage daher.

Damit kann man alle weit verbreiteten Ängste vor vergifteter Nahrung und vor anderen Umweltgiften ansprechen und damit ausbeuten.

Vage und zugleich umfassende Versprechungen machen – das ist eine erfolgreiche Verkaufsstrategie.

Fazit: Konsumentinnen und Konsumenten werden in vielen Apotheken und Drogerien ausgenommen, solange sie nicht gelernt haben, Behauptungen und Versprechungen in Frage zu stellen.

Ausbildungen und Weiterbildungen im Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde sollten daher nicht nur Wissen weitergeben, sondern auch vermitteln, wie sich Informationen prüfen und sortieren lassen.

Es geht darum die Fähigkeit zu vermitteln, Informationen mit präzisen Fragen auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen.

Siehe auch:

Naturheilkunde – so erkennen Sie fragwürdige Aussagen

P.S. Meisterwurz (Peucedanum ostruthium, Doldenblütler) enthält im Wurzelstock (Imperatoriae rhizoma) 1,4 % ätherisches Öl und Bitterstoffe. Sie riecht sehr aromatisch. Aus der traditionellen Verwendung und aus den Inhaltstoffen lässt sich plausibel eine verdauungsfördernde Wirkung und eine schleimlösende Wirkung bei produktivem Husten ableiten.

In den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts war die Meisterwurz allerdings ein Universalheilmittel.

Solche Universalheilmittel (Panazeen = Allheilmittel) gab und gibt es in der Geschichte der Heilkunde in vielerlei Varianten. Das spricht für ein menschliches Bedürfnis nach Schutz und Heilung und hat daher weniger mit den Pflanzen und mehr mit den Menschen zu tun.

Hier ein paar Ausschnitte aus alten Kräuterbüchern zum Meisterwurz:

„..ist gut für alle kalten pesten des kalten Magen….Dienet wol zu der kalten Lungen, Keichen und feuchten Husten…bewegt den Schweiss.“

(Hieronymus Bock, 1489 -1554)

„Sie zertheilen und verzehren die groben, zähen, kalten flüsse im Leibe. Dienen wider den Husten. Sie zertrennen auch den schleimigen Lungenkoder und fürdern ihn zum aussreuspern.“

(Matthiolus, 1500 – 1577)

„…ist gut dem geschwollenen Magen…räumet die Brust, ist gut für langwirigen Husten.“

(Adam Lonicerus, 1528 – 1586)

„Er dient auch wider die Erkaltung der Brust und Lungen, vertreibt das Keichen und den kalten Husten…

Meisterwurtz stärcket und erwärmet den kalten schleimigen Magen….stärcket die Däuung….“

(Jakob Theodor Tabernaemontanus, gestorben 1590)

 

Historische Zitate aus: Arzneipflanzen in der Traditionellen Medizin; J. Benedum, D. Loew, H. Schilcher; Kooperation Phytopharmaka (Hrsg.), 2000.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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[Buchtipp] Verbesserte Körper – gutes Leben? Bioethik, Enhancement und die Disability Studies, von Miriam Eilers, Katrin Grüber, Christoph Rehmann-Sutter

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verbesserte_koerper_gutes_lebenVerlagsbeschreibung:

Enhancement (= „Verbesserung“) – Behinderung – gutes Leben.

Der Band verknüpft diese drei Themen und entwickelt einen breiten Zugang zur Debatte um die biotechnologischen Möglichkeiten zur Verbesserung des menschlichen Körpers. Die Beiträge gehen von der Arbeitshypothese aus, dass die Erfahrungen von Menschen mit Behinderungen wichtig sind, um ethische Fragen, die sich bei Enhancement-Projekten stellen, konkreter – und so besser – zu verstehen.

Eine zweite Hypothese ist, dass die Sprache der Rechte, Pflichten und Verbote nicht ausreicht, um zu erfassen, worum es im Kern der Fragen zum Enhancement in ethischer Hinsicht geht. Stattdessen muss geklärt werden, inwieweit mit einer möglichen Verbesserung auch eine Steigerung des menschlichen Wohls verbunden ist und welche Veränderungen im Kontext eines guten Lebens wünschenswert sind.  Zum Shop

Inhaltsverzeichnis:

Inhalt:

Miriam Eilers / Katrin Grüber / Christoph Rehmann-Sutter: Einleitung.

Alfred Nordmann: Die unheimliche Wirklichkeit des Möglichen: Kritik der zukunftsverliebten Technikbewertung.

Christina Schües: Menschliche Natur, glückliche Leben und zukünftige Ethik. Anthropologische und ethische Hinterfragungen.

Christoph Rehmann-Sutter: Können und wünschen können.

Katrin Grüber: Bedingungen für ein gutes Leben mit Behinderung.

Stuart Blume: Ethikdebatte und gesellschaftlicher Prozess: Lehren aus der Geschichte des Cochlea-Implantats.

Sigrid Bosteels / Stuart Blume: Über Konstruktion und Dekonstruktion von Gehörlosigkeit bei Kindern.

Jackie Leach Scully: Auf moralisch unsicherem Terrain: Über Embodiment, Enhancement, und Normativität.

Miriam Eilers: «Fünfundzwanzigstündiger Arbeitstag – denn ne Prothese wird nie müde.» Normative und selektive Implikationen der Prothetik nach dem Ersten Weltkrieg.

Birgit Stammberger: Posthumane Verkörperungen in einer Post-Gender Welt? Kulturelle Dimensionen der kosmetischen Chirurgie.

Trijsje Franssen: Prometheus steigt herab: Beeinträchtigung oder Enhancement?

Lisa Forsberg: Mood-Enhancement und die Authentizität der Erfahrung: Ethische Überlegungen.

Annika den Dikken: Die ethische Relevanz von Körperbildern für die Enhancement-Debatte.

Morten Hillgaard Bülow: Das gute alte Hirn. Wie die Sorgen um eine alternde Gesellschaft und die Ideen zum kognitiven Enhancement in den Neurowissenschaften interagieren.

Nicolai Münch: Körperverachtung oder Phänomenologie der Leiblichkeit? Eine Kritik am Transhumanismus.

Natasha Burns: Nootropika, Smart Drugs und das Problem der Governance.

Kommentar von Martin Koradi zu diesem Buch:

– Gentechnik und Stammzellentherapie

– Nanotechnologie, Prothetik, Implantate (z. B. Hirnschrittmacher)

– Künstliche Intelligenz (z. B. Gehirn-Computer-Schnittstellen)

– Pharma-Enhacement (Leitungssteigernde und moralfördernde Substanzen)

– Upload aller Daten vom Gehirn auf einen Computer zwecks “Unsterblichkeit”.

Mit solchen Verfahren und Technologien propagiert der sogenannte Transhumanismus die Optimierung und schlussendlich Überwindung des Menschen.

Dabei stellen sich aber eine ganze Reihe von kritischen Fragen, die bisher nur unzureichend thematisiert wurden. Das Buch „Verbesserte Körper – gutes Leben?“ stellt solche Fragen und beleuchtet zum Beispiel die gesellschaftlichen Folgen der transhumanistischen Optimierungsstrategien.

Weitere Informationen zu diesen Themen im Blog Transhumanismus & Kritik.

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Detox-Rezepturen & Entgiftungsmittel meiden

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Das Magazin „Focus“ präsentiert 50 Regeln des amerikanischen Krebsarztes David Agus für ein langes und gesundes Leben. In Regel 41 wendet sich Agus gegen Detox-Kuren und Entgiftungsmittel:

„Ihr Körper versteht es, dank Nieren, Leber, Schweißdrüsen, Lunge und Verdauungssystem hervorragend zu entgiften. Detox-Rezepturen und andere Entgiftungsmittel braucht er dafür sicher nicht. Diese Mittel sind Unsinn, manche von ihnen sogar gefährlich. Reinigen sollten wir nur unsere Haut, Haare, Zähne – und gelegentlich wohl auch unsere Garagen.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/gesundleben/antiaging/50-regeln-fuer-ein-laengeres-leben-was-sie-vermeiden-sollten_id_3763476.html

Kommentar & Ergänzung:

Dem ist meines Erachtens nur beizupflichten. Der ganze Detox-Kult ist ausgesprochen fragwürdig. Lustig ist allerdings, dass „Focus“ auf der Website unmittelbar unter diesem Abschnitt themenverwandte Beiträge einblendet. Und was steht da?

„Detox – Reinigung von Körper und Seele: Legen Sie für Ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden den Hebel um und schalten Sie auf Detox! In unserem handlichen PDF finden Sie Tipps für Entgiftungskuren und alles Wichtige rund ums Fasten. Klicken Sie HIER für mehr Informationen und den Download.“

Was stimmt denn nun, liebe Focus-Redaktion? Anything goes? So oder so, das ist egal – Hauptsache, wir haben darüber geschrieben?

Der Download der angepriesenen Tipps über Entgiftungskuren kostet übrigens eine Kleinigkeit…..

Hier finden Sie ein paar Gratisinformationen über Detox, Entgiftung, Entschlackung etc.:

Michèle Binswanger im Tagesanzeiger über Entgiftung und Detox für Deppen

Entgiftungsdiäten / Detox-Diäten: Bodenlose Versprechungen

Darmreinigung: Mehr Schaden als Nutzen durch Entgiftungskur

Darmreinigung ist überflüssig bis gefährlich

Fasten & Entschlacken

Entgiften und entschlacken — höchst fragwürdige Versprechungen

Entschlackung – was ist das?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Garcinia cambogia – ein fragwürdiges Schlankheitsmittel

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Garcinia cambogia gehört zur Pflanzenfamilie der Clusiaceae und ist ein mittelgrosser, zwischen 5-20 Meter hoher, immergrüner Baum, der in Indien und Sri Lanka heimisch ist.

Extrakte aus den Früchten von Garcinia cambogia werden in zahlreichen Ländern als Schlankheitsmittel vermarktet.

Eine grosse Anzahl von Präparaten wird vor allem im Internet verbunden mit unrealistischen Erfolgsversprechungen beworben.

Der Pharmavista-Newsletter hat soeben dazu einen kritischen Text veröffentlicht:

„Der gewünschte Gewichts- und Fettverlust wird der Wirkung der Hydroxycitronensäure (HCA, hydroxycitric acid) zugeschrieben. Der HCA-Gehalt in Pflanzenextrakten kann bis 50% betragen. HCA hemmt die ATP-abhängige Citratlyase, welche im Fettstoffwechsel eine wichtige Rolle spielt. Zurzeit fehlen allerdings aussagekräftige klinische Studien, welche die Wirksamkeit eindeutig bestätigen.“

In der Schweiz gibt es keine registrierten Produkte mit Garcinia cambogia.

In Frankreich darf die Pflanze in der Apotheke seit 2012 nicht mehr zur Produktion von Schlankheitsmitteln verwendet werden. Laut einem Expertenbericht wird Garcinia cambogia wegen seiner hypoglykämischen und hypolipämischen Eigenschaften als Medikament eingestuft. Die Pharmakovigilanz dieser Pflanze wurde verstärkt, das heisst: Sie steht unter verstärkter Beobachtung hinsichtlich allfällige Nebenwirkungen.

Es wird vermutet, dass Präparate aus Garcinia cambogia zu hepatischen und muskulären Nebenwirkungen sowie Konvulsionen führen können.

Der Text im Newsletter schliesst mit der Aussage:

„Produkte mit Garcinia cambogia, welche nicht der behördlichen Kontrolle unterliegen, werden weiterhin via Internet vertrieben. Vom Konsum wird jedoch strikt abgeraten.“

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=4993&NMID=4993&LANGID=2

Kommentar & Ergänzung:

Fundierte Aussagen zu Wirkungen und Nebenwirkungen von Garcinia cambogia sind in der Fachliteratur tatsächlich ausgesprochen rar.

Es gibt ein paar Laboruntersuchungen, die eine Wirksamkeit nahelegen:

„Hydroxycitronensäure (engl. hydroxycitric acid, HCA; 1,2-Dihydroxypropan-1,2,3-tricarbonsäure) wurde in verschiedenen tropischen Pflanzen nachgewiesen, z.B. in den citrusähnlichen Früchten der südostasiatischen Garcinia cambogia (Tamarinde) sowie Hibiscus subdariffa, einer Hibiskus-Art. Das Diastereomer (2S,3R)-HCA hemmt in vitro die α-Amylase der Bauchspeicheldrüse und die α-Glucosidase und damit den Kohlenhydrat-Metabolismus inklusive der nachgeschalteten Liponeogenese (Umwandlung von Kohlenhydraten in körpereigenes Fett). Es wird auch über eine Hemmung der ATP-abhängigen Citrat-Lyase (EC 4.1.3.6) berichtet. Die Citrat-Lyase katalysiert die Spaltung von Citrat in Oxalacetat und Acetyl-Coenzym A (AcCoA) im so genannten Citrat-Malat-Pyruvat-Cyclus. AcCoA ist als zentrale Stoffwechseldrehscheibe auch die Ausgangssubstanz für die Biosynthese von Fetten. Aufgrund dieser Laborbeobachtungen werden Garcinia cambogia-Extrakte und HCA als diätunterstützendes Nahrungsergänzungsmittel angeboten.“

Quelle: http://www.chemgapedia.de/vsengine/glossary/de/hydroxy_00045citronens_00228ure.glos.html

Laboruntersuchungen sagen aber noch kaum etwas darüber aus, ob die im Reagenzglas festgestellten Effekte auch im menschlichen Körper in vergleichbarer Weise auftreten.

Und solide klinische Untersuchungen an Menschen existieren nicht.

Interessant ist der Hinweis auf Hydroxycitronensäure in Hibiscus sabdariffa („subdariffa“ ist wohl ein Druckfehler), der Karkade (Afrikanische Malve). Für diese Pflanze gibt es nämlich passend dazu Hinweise auf hypolipämische Effekte (allerdings aus Tierexperimenten):

Hibiskus (Karkade) gegen erhöhtes Cholesterin

Zu möglichen Nebenwirkungen von Hydroxycitronensäure schreibt Chemgapedia:

„Aufgrund der strukturtellen Ähnlichkeit mit der Stammverbindung Citronensäure ist es wahrscheinlich, das HCA in erhöhten Dosierungen ebenfalls als Chelatbildner fungiert und somit die Resorption essentieller Mineralstoffe und Spurenelemente stört.“

In den USA warnte die Food and Drug Administration (FDA) bereits im Jahr 2009 vor Garcinia-cambogia-haltigen Präparaten aufgrund von Fallberichten über Leberschädigungen.

Siehe zum Beispiel hier:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3952288/

Fallberichte belegen allerdings noch keinen ursächlichen Zusammenhang.

Trotzdem ist es schon erstaunlich, mit welch grossartigen Versprechungen Präparate vermarktet werden, bei denen weder Wirksamkeit noch Sicherheit geklärt sind.

Dazu kommt noch, dass im Internet jede Qualitätskontrolle fehlt: Konsumentinnen und Konsumenten haben keinerlei Gewissheit, dass in den Präparaten auch drin ist, was drauf steht – und dass nur drin ist, was drauf steht.

Jedenfalls gibt es immer wieder angeblich rein pflanzliche Schlankheitsmittel, die riskante Appetitzügler wie Sibutramin enthalten.

Zum Beispiel:

Kriminelle, „rein pflanzliche“ Schlankheitsmittel im Internet

Angeblich pflanzliche Potenzmittel und Schlankheitsmittel mit unerlaubten Wirkstoffen

Warnung vor illegalem Schlankheitsmittel „Ultra-effect“

Angeblich pflanzliche Schlankheitsmittel mit gefährlichen Inhaltsstoffen

Warnung vor chinesischem Schlankheitsmittel

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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