Artikel mit Schlagwort ‘Kopfschmerzen’

Komplementärmedizin: Populistische Sprüche aus der Politik

Sonntag, August 15th, 2010

Wie in der Schweiz, ist auch in Deutschland der Bereich Komplementärmedizin auf der politischen Ebene überwiegend in der Hand von Populistinnen und Populisten.

Es herrscht eine ziemlich naive und undifferenzierte Vorstellung von der sanften, wunderbaren Komplementärmedizin, die nur Gutes tut und ach so menschenfreundlich ist.

Ein Beispiel dafür lieferte vor kurzem die Gesundheitsministerin von Sachsen. „Bild“ berichtete:

„Gesundheitsministerin Christine Clauß (CDU) sieht Homöopathie auf dem Vormarsch. ‚Die Alternativmedizin hat sich innerhalb von 40 Jahren in der deutschen Gesellschaft positiv und fest verankert. Ein Trend, der nach wie vor andauert’, erklärte sie anlässlich der nach dem Begründer der Homöopathie benannten 14. ‚Meißner Hahnemanntage’ am Wochenende. Viele Menschen vertrauten etwa bei der Behandlung von Erkältungen, Kopfschmerzen, Kreislaufstörungen und Hautkrankheiten auch auf alternative Heilmethoden. Entscheidend sei, was dem Patienten hilft – und ‚nicht die Frage Schul- oder Komplementärmedizin’. Clauß nannte dies ‚zwei Wege, ein Ziel’.“

Quelle:

http://www.bild.de/BILD/regional/leipzig/dpa/2010/04/11/ministerin-sieht-homoeopathie-auf-dem-vormarsch.html

Kommentar & Ergänzung:

Entscheidend sei, was dem Patienten hilft. Das ist einer von diesen tollen, gut klingenden Politikersprüchen, die konkret kaum etwas aussagen und die man auch in die Runde werfen kann ohne vorgängige Auseinandersetzung mit dem Thema.

Entscheidend wäre nämlich die Frage:

Wie stellt man fest, was dem Patienten hilft?

Bei jeder Behandlung trägt ein Placebo-Effekt mehr oder weniger stark zur Besserung bei.

Der überwiegende Anteil der Beschwerden bessert auch ohne Behandlung.

Gerade bei den von Christine Glauss als erfolgreiche Beispiele aufgeführten Erkältungen und  Kopfschmerzen handelt es sich normalerweise um selbstlimitierende Krankheiten. Sie bessern auch ohne Therapie. Auch Kreislaufstörungen verschwinden normalerweise wieder, andernfalls landet man ziemlich schnell auf einer Intensivstation.

Und zu chronischen Verläufen gehört erfahrungsgemäss ein Auf und Ab. – beispielsweise bei den von Glauss erwähnten Hauterkrankungen. Ob eine Besserung der Therapie zu verdanken ist oder nur einer natürlichen vorübergehenden Aufhellung im Krankheitsverlauf, lässt sich in der Regel nicht so einfach feststellen.

Werden nun alle diese Faktoren einfach der angewandten Behandlungsmethode gut geschrieben, ist das nicht sauber und nicht ehrlich. Genau dies geschieht aber sehr oft im Bereich Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin. Vermieden wird damit eine differenzierende Betrachtungsweise, auch von Politikerinnen und Politikern, die pauschalisierend und simplizisitisch verkünden, dass schon richtig sei, was dem Patienten hilft.

Noch komplexer wird die Sache, wenn es darum geht, ob eine Methode von den Krankenkassen via Grundversicherung bezahlt werden soll. Gilt hier auch der naive Grundsatz, dass bezahlt wird, was dem Patienten hilft? Ohne weitere Kriterien?  Ohne Differenzierung zwischen  Effekten, die ein Medikament bzw. eine Therapie für sich bewirkt, und Besserung bringenden Kontextfaktoren wie Placebo-Effekt, Selbstheilkung, schwankender Krankheitsverlauf?

Dann würde ich sagen: Mir hilft Pilates, also möchte ich Pilates von der Grundversicherung bezahlt haben. Anderen tut vielleicht eine Wallfahrt nach Lourdes gut. Wenn entscheidend ist, was dem Patienten hilft, müsste die Wallfahrt von den Krankenkassen bezahlt werden.

Entscheidend wäre eine offene, transparente Diskussion der Kriterien, nach denen entschieden wird, ob eine Therapie bzw. ein Heilmittel  von der Grundversicherung bezahlt wird. Politikerinnen und Politiker, welche nur immer wieder den simplen Satz wiederholen, dass es nur darauf ankommt, was dem Patienten hilft, vermeiden diese komplexen Diskussionen und  beschränken sich auf billigen Populismus.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen

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Phytotherapie: Traubensilberkerze gegen Beschwerden in den Wechseljahren

Mittwoch, Juli 28th, 2010

Die Diskussion um Nutzen und Risiken einer Hormonersatztherapie bei Wechseljahresbeschwerden hat zahlreiche Frauen verunsichert und dazu geführt, dass sich diese nach hormonfreien Alternativen umsehen. Ein Beispiel dafür aus der Phytotherapie sind Extrakte aus Traubensilberkerze, die gegen neurovegetative Symptome im Klimakterium, wie Schweißausbrüche oder Hitzewallungen, angewendet werden.

Für die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) gibt es vielfältige andere Bezeichnungen. Aussehen, Eigenschaften und Verwendung der Pflanze spiegeln sich in der Namengebung wider: Silberkerze, Wanzenkraut, Frauenwurzel, Nordamerikanische Schlangenwurzel oder Schwarze Schlangenwurzel sind einige Beispiele dafür.

Eine Eigenschaft, die maßgeblich zur Namengebung Cimicifuga (lat. Cimex = Wanze und lat. Fuga = flucht) beigetragen hat, ist die Beobachtung, dass Insekten und vor allem Blattwanzen die Pflanze aufgrund ihres strengen Geruchs meiden.

Das Wort „racemosa” bedeutet traubig und bezieht sich auf den Blütenstand.

Die Traubensilberkerze ist in den nährstoffreichen Wäldern Kanadas und der USA heimisch. Das Hahnenfußgewächs wächst in Wäldern, an Waldrändern, auf Lichtungen sowie an Böschungen.

Das Ausgangsmaterial für die Produktion von Traubensilberkerze-Präparaten stammt meist aus Wildsammlungen. Wenigen Herstellern ist es bisher gelungen, Cimicifuga für den großflächigen Arzneipflanzenanbau gezielt anzubauen.

Cimicifuga racemosa wird als Arzneipflanze schon lange verwendet. Eingesetzt werden die nach der Fruchtreife gesammelten und zerschnittenen Wurzelstöcke und Wurzeln. In der Volksmedizin vergangener Jahrhunderte finden sich viele Anwendungsgebiete für die Traubensilberkerze.

Neben der gegenwärtigen arzneilichen Verwendung bei Wechseljahresbeschwerden behandelten die Indianer Nordamerikas Infektionen der Bronchien, Rheuma, Verstopfung, Kopfschmerzen und Rückenschmerzen, Schlafstörungen oder Schlangenbisse mit Extrakten aus Cimicifuga racemosa.

Im 20. Jahrhundert etablierte sich das Phytotherapeutikum zur Behandlung bestimmter Erkrankungen in der Gynäkologie. Die Kommission E des Bundesgesundheitsamtes in Deutschland bewertete 1989 Cimicifuga-Extrakte aus dem Wurzelstock bei Menstruationsbeschwerden (prämenstruell und dysmenorrhoisch) sowie bei neurovegetativen Begleiterscheinungen, welche durch die Wechseljahre bedingt sind, als positiv.

Die Monografien der WHO (World Health Organisation) aus dem Jahre 2002 und der ESCOP (The European Scientific Cooperative on Phytotherapy) von 2003 führen nur noch klimakterische Symptome als Indikation auf.

Quelle:

http://www.springer-gup.de

Kommentar & Ergänzung:

Für Beschwerden in den Wechseljahren sind die günstigen Wirkungen von Heilpflanzen-Präparaten aus Traubensilberkerze-Extrakten  inzwischen gut erforscht und dokumentiert.  Sie eignen sich vor allem bei Hitzewallungen, weniger dagegen im Frühklimakterium. Zu beachten ist allerdings, dass es Traubensilberkerze-Präparate in sehr unterschiedlicher Qualität gibt.

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Heilpflanzen-Präparate bei Frauen-Beschwerden wirksam

Donnerstag, Mai 13th, 2010

Fundierte Empfehlungen zur Wirkung von Heilpflanzen bei gynäkologischen Beschwerden wie PMS oder Hitzewallungen veröffentlichte vor kurzem der „Kurier“.
Hier eine überarbeitete Zusammenfassung mit anschliessender Ergänzung:

Rund 150 Symptome werden unter dem Begriff “Prämenstruelles Syndrom” (PMS) zusammengefasst. Gemeint sind damit körperliche und psychische Beschwerden kurz vor der Menstruation. Früher auch von Gynäkologen oft als nicht behandlungswürdig abgetan, wird PMS heute akzeptiert – zumal es auch gut therapierbar ist.

”PMS ist eine Veränderung, die Frauen wirklich belastet”, erklärt Univ.-Prof. Doris Gruber von der Universitäts-Frauenklinik am Wiener AKH. Ein sehr typisches Symptom seien etwa Stimmungsschwankungen. Aber auch Kopfschmerzen, schmerzhaftes Brustspannen (Mastodynie) sowie Schlafstörungen können den Alltag vor der Monatsblutung stark trüben.

“Manche Frauen mit Beschwerden sind froh, wenn sie hören, dass es so etwas wie ein Krankheitsbild gibt und man etwas dagegen tun kann”, stellt auch die Wiener Gynäkologin Silvia Artner fest. Mehr als die Hälfte der Frauen im fruchtbaren Alter leiden an PMS-Beschwerden, am häufigsten treten sie im Alter zwischen 30 und 45 Jahren auf. Bei rund zwei bis zehn Prozent der betroffenen Frauen wird eine sehr starke Form, die Prämenstruelle Dysphorische Störung (PMDS), diagnostiziert. Silvia Artner: “In meiner Praxis erlebe ich auch Frauen, die im Alltag völlig außer Gefecht gesetzt sind.”

Es gibt verschiedene Erklärungsmodelle für diese monatlich wiederkehrende Störung.

Als eine Ursache wird heute der zyklusbedingte Mangel des Gelbkörperhormons (Progesteron) nach dem Eisprung vermutet. “Das könnte auch Reizbarkeit und depressive Verstimmungen erklären, da Progesteron im Gehirn eine stimmungsaufhellende Wirkung hat, die in der zweiten Zyklushälfte eben fehlt”, sagt Prof. Doris Gruber.

Früher verschrieben Ärzte auch bei PMS oft Hormonpräparate. Gruber erklärt dazu: “Damit ist man heute deutlich zurückhaltender. Die Verordnung der Pille kann aber tatsächlich zu günstigen Ergebnissen führen.”
In den vergangenen Jahren setzen zahlreiche Gynäkologen verstärkt auf Präparate aus Heilpflanzen (Phytopharmaka), weil Hormonpräparate wegen der möglichen Gefahr, Brustkrebs auszulösen, ins Gerede gekommen sind. 



Mönchspfeffer bei PMS

Mönchspfefferextrakte (in Kapselform erhältlich) zum Beispiel fördern die Progesteronbildung. “In Studien erzielte Mönchspfeffer eine gleich gute Wirksamkeit wie Verhütungsmittel – sowohl gegen körperliche als auch psychische PMS-Symptome.” Artner setzt in ihrer Praxis neben Mönchspfeffer auch auf Yamswurzel und Nachtkerzenöl, die beide ähnlich wirken. “Bei jeder Patientin steht ein anderes Symptom im Vordergrund. Darauf wird die Behandlung abgestimmt. Eine Wirkung ist dann meistens nach drei Monaten erkennbar.”

Bei leichtem PMS hilft häufig schon eine Umstellung der Lebensgewohnheiten. “Eine kohlehydratreiche Ernährung mit Vollkornprodukten, Gemüse und Obst ist wesentlich besser als rotes Fleisch, viel Kaffee und Alkohol”, erklärt Artner. Stress sollte wenn möglich in der zweiten Zyklushälfte vermindert werden. Und auch Bewegung wirke bei PMS wie ein Medikament: “Es ist wissenschaftlich belegt, dass PMS bei Frauen, die zwei Mal pro Woche Sport betreiben, wesentlich seltener auftritt, als bei anderen. Der Unterleib wird besser durchblutet, deshalb kommt es seltener zu Krämpfen. Auch Endorphine werden ausgeschüttet. Sport ist also eine sehr gute PMS-Prophylaxe.”

Phytohormone vermindern Hitzewallungen

Die Beschwerden zahlreicher Frauen während der Menopause, auch Wechseljahre oder Klimakterium genannt, sind wie beim PMS hormonell bedingt. Allerdings ausgelöst durch einen starken Östrogenmangel, weil die Eierstöcke ihre Produktion einstellen. Betroffene Frauen klagen oft über Hitzewallungen und depressive Verstimmungen, aber auch über Schmerzen beim Sex. “Das geht bis zu massiven Einbußen in der Lebensqualität. Manche Patientinnen haben bis zu 80 Hitzewallungen pro Tag”, erklärt die Wiener Gynäkologin Silvia Artner.

Diese Beschwerden durch Hormonpräparate auszugleichen wird heute differenzierter gesehen: “Ein Zusammenhang zwischen Brustkrebs und einer Hormonersatztherapie besteht. Wenn schon, dann so gering und so kurz wie möglich einsetzen. Früher wurde sie teilweise zehn Jahre durchgehend verordnet. Aufklärung und eine gute Brustkrebsvorsorge sind ebenso wesentlich.

“

Sehr bewährt hätten sich jedoch sogenannte Phytohormone mit ähnlicher Wirkung, aber auf pflanzlicher Basis und dadurch ohne Nebenwirkungen. Artner erklärt dazu: “Hier gibt es mittlerweile eine Menge an Präparaten im Apothekenhandel.”
Ob also Soja-, Rotklee- oder Traubensilberkerzenextrakt – Artner hält sie für wirksam: “Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass sie alle gute Wirkungen zeigen. Hitzewallungen können etwa ganz verschwinden oder zumindest um 20 bis 30 Prozent reduziert werden.”


Quelle:
www.kurier.at

Kommentar & Ergänzung:

Im Bereich der Gynäkologie hat die Phytotherapie-Forschung in den letzten Jahrzehnten grosse Fortschritte gemacht. Vor allem die Wirkung von Mönchspfeffer und Traubensilberkerze sind inzwischen gut belegt.

Fundierte Beiträge zu Themen aus dem Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde sind in der Presse allerdings ausgesprochen selten. Dieser Artikel im „Kurier“ ist erfreulicherweise wieder einmal ein solcher Text.
Ergänzt werden könnte nur noch:

– Bei PMS ist die Wirkung von Mönchspfeffer ( = Keuschlamm, = Vitex agnus-castus) deutlich besser dokumentiert als die Wirkung von Nachtkerzenöl und Yamswurzel.

– Bei Hitzewallungen scheint mir die Wirkung von Extrakten aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) besser dokumentiert als die Wirkung von Rotklee-Extrakt oder Soja-Extrakt. Auch könnte grundsätzlich auch die Anwendung von Phytohormonen bzw. Phytoöstrogenen mit einem Risiko bezüglich Förderung von Brustkrebs verbunden sein. Extrakte aus Taubensilberkerze gelten in der Phytotherapie-Fachliteratur in dieser Hinsicht als sicher.


– Im Frühklimakterium ist statt Traubensilberkerze Mönchspfeffer sinnvoll, wenn zuerst die Progesteron-Werte sinken und dadurch ein relativer Östrogenüberschuss entsteht, zum Beispiel bei Stimmungseinbrüchen und PMS-ähnlichen Symptomen. Wenn Hitzewallungen auftreten, steht allerdings wieder klar die Traubensilberkerze im Vordergrund.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Verdauungsbeschwerden durch Fruktoseunverträglichkeit

Dienstag, Mai 4th, 2010

Wenn Menschen nach dem Konsum von Fruchtsaft oder Obst Bauchschmerzen und Durchfall und übel riechende Blähungen bekommen, so leiden sie möglicherweise unter einer Fruktose-Unverträglichkeit. „Auch andere Getränke, gesüßte Milchprodukte, viele Fertiggerichte und in Marinaden eingelegte Lebensmittel enthalten sehr häufig Fruchtzucker und können bei Personen mit einer Fruktose-Unverträglichkeit Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen, Müdigkeit und sogar Depressionen verursachen.

Tauchen diese Symptome im Zusammenhang mit dem Verzehr von Fruchtsäure enthaltenden Lebensmittel auf, sollte ärztlich abgeklärt werden, ob eine Fruktose-Unverträglichkeit vorliegt”, empfiehlt Prof. Richard Raedsch vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Mit Hilfe eines Wasserstoffatemtests und einer Messung des Fruktose-Spiegels im Blut kann die Fruchtzucker-Unverträglichkeit gut festgestellt werden.

Einer Fruktose-Unverträglichkeit (Fructose-Intoleranz) liegt eine Störung der Fruktoseaufnahme im Dünndarm zugrunde, eine so genannte Fruktose-Malabsorption. Dadurch steigert sich die Fruktose-Konzentration im gesamten Darm. Der Fruchtzucker im Darm zieht Wasser aus umgebenden Regionen an, so dass es zu Durchfall kommt. Im Darm wird die Fruktose von Mikroorganismen verarbeitet, wobei sich Gase entwickeln, die zu Blähungen führen. „Der Zuckeraustauschstoff Sorbit, der häufig in Süßigkeiten wie zum Beispiel Kaugummi zu finden ist, sowie Laktose aus Milchprodukten hemmen die Aufnahme von Fruktose, so dass es zu einer Verstärkung der Symptome kommt”, erklärt Prof. Raedsch.

Mit der Zeit können sich die Bakterien, welche den Fruchtzucker vergären, stark vermehren und auch den Dünndarm besiedeln. „Die Symptome werden dann oftmals immer schlimmer, obwohl sich der Betroffene mit reichlich Obst und Gemüse eigentlich gesund ernährt”, erläutert Prof. Raedsch. Eine mangelhafte Verdauung von Fruchtzucker geht auch mit einer reduzierten Aufnahme von Tryptophan einher. Diese Substanz braucht der Organismus, um den Neurotransmitter Serotonin zu produzieren. Die Folgen eines Serotonin-Mangels können depressive Verstimmungen und ständiger Hunger auf Süßes sein.

Die Beschwerden gehen meist zurück, wenn man stark Fruktose-haltige Lebensmittel meidet. „In welchem Umfang dies geschehen sollte, ist von der Ausprägung der Fruktose-Malabsorption abhängig, und sollte daher in enger Absprache mit dem Arzt geklärt werden”, rät der BDI-Experte. Meist hilft es, weniger Säfte zu trinken und vorzugsweise fruktosearmes Obst wie zum Beispiel Aprikosen, Bananen und Orangen zu verzehren. Gemüsesorten, die wenig Fruktose enthalten, sind Zum Beispiel Mangold, Spinat, Feldsalat, Endivie. „Häufig sind beträchtliche Mengen an Fruktose in Diät-Produkten zu finden, die mit dem Argument propagiert werden, ‚ohne Haushaltszucker’ oder ‚nur mit Fruchtzucker’ hergestellt zu sein. Auch auf diese Lebensmittel sollte man bei einer fruktosearmen Ernährung nur in geringen Mengen zurückgreifen”, empfiehlt Prof. Raedsch.

Rund 30% der Bevölkerung in Mitteleuropa haben eine beeinträchtigte Fruktoseaufnahme. Etwa die Hälfte dieser Menschen zeigen auch Symptome.

Quelle:
http://www.internisten-im-netz.de

Kommentar & Ergänzung:

Die Fruktose-Unverträglichkeit ist ein gutes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, länger anhaltende Verdauungsbeschwerden diagnostisch genau abzuklären.
Das ist auch ein wichtiger Punkt auch für den Bereich Naturheilkunde / Komplementärmedizin.
Meiner Erfahrung nach wird nicht selten zu lange ohne sorgfältige diagnostische Abklärung herumtherapiert. Das ist manchmal einfach unsinnig und in gewissen Fällen gefährlich.
Die heiklen Punkte im Bereich Naturheilkunde / Komplementärmedizin liegen mehr im Bereich mangelhafter oder gar fehlender Diagnostik als im Bereich der Therapie.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Pflanzenheilkunde: Zimt gegen Diabetes kontrovers beurteilt

Samstag, Mai 1st, 2010

Zimt wird seit einiger Zeit als Heilmittel gegen Diabetes („Zuckerkrankheit“) empfohlen, gleichzeitig aber auch sehr  kontrovers beurteilt. Dabei fällt auf, dass sowohl Befürworter als auch Skeptiker der Zimt-Anwendung ziemlich undifferenziert  Stellung nehmen.

Im Internet und in Kreisen der Komplementärmedizin wird Zimt zum Teil ohne jede Einschränkung als Diabetes-Heilmittel propagiert. Absurderweise wird sogar Einlagesohlen mit Zimt eine Wirksamkeit gegen Diabetes zugeschrieben.
Andererseits ist auch die Kritik an der Verwendung von Zimt gegen Diabetes meist ziemlich undifferenziert.

In der „Welt“ (online 28. April 2010) kommt Prof. Rüdiger Landgraf von der Deutschen Diabetes-Stiftung in Düsseldorf zu Wort.

„In Online-Foren wird heiß diskutiert, welche Wundermittel gegen Diabetes die Natur bereithält. Ob Zimt, Grüner Tee oder spezielle japanische Heilpilze: ‚Es gibt bis heute noch keine Studien, die die positiven Wirkungen belegen’, sagt Landgraf. Er warnt besonders vor der Dauereinnahme von Zimt: ‚Es gibt keine Dosierungsempfehlung. Außerdem kann Zimt auf Dauer die Leber schädigen und sogar das Krebsrisiko erhöhen.’“

Zu präzisieren wäre da: Es gibt durchaus positive Zimt-Studien, doch ist die Wirksamkeit gegen Diabetes nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin tatsächlich nicht belegt.
Eine gute Zusammenfassung findet sich bei Wikipedia im Artikel über ZImt (Literaturangaben dort):

„Eine mögliche blutzuckersenkende Wirkung von Zimt in frühen Stadien des Diabetes mellitus wird in der modernen Medizin kontrovers diskutiert. In einer ersten Pilotstudie wurde die Wirksamkeit größerer Dosen Zimt (1–6 Gramm) auf Blutzucker- und Blutfettwerte untersucht. Hier konnte eine mögliche Senkung des Nüchternblutzuckers, der Triglyceride, des Gesamt- und des LDL-Cholesterins beobachtet werden. In einer weiteren Studie an 79 Patienten konnte eine Senkung des Blutzuckerspiegels, aber nicht des als “Langzeitblutzuckerspiegel” geltenden HbA1c-Werts und der Blutfettwerte beobachtet werden. Ein Wirksamkeitsnachweis der Anwendung von Zimt bei Diabetes mellitus nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin steht noch aus.“

Es gibt experimentelle und klinische Hinweise auf eine Wirksamkeit von Zimt, aber keine eindeutigen Belege.
Zur Diskussion steht aufgrund des gegenwärtigen Wissensstand nur der Diabetes-Typ-2, nicht der Diabetes-Typ1.

Die Warnung vor Langzeiteinnahme müsste differenziert werden. Heikel ist aufgrund des hohen Cumaringehalts der chinesische Zimt. Wikipedia dazu:

„In Zimt – vor allem im billigeren Cassia-Zimt (auch: chinesischer Zimt) – ist das als gesundheitsschädlich geltende Cumarin enthalten. In Fertigprodukten wird fast ausschließlich dieser aus China, Indonesien oder Vietnam stammende Cassia-Zimt verarbeitet. Der Cumarin-Anteil beider Zimtsorten unterscheidet sich erheblich: Während er bei dem Cassia-Zimt bei ca. 2 g Cumarin pro kg liegt, finden sich in der gleichen Menge Ceylon-Zimt nur ca. 0,02 g Cumarin.
Cumarin kann bei Einnahme in den Blutkreislauf Kopfschmerzen, Leberschäden, Leberentzündungen und, wie in wahrscheinlich nur bedingt auf den Menschen übertragbaren Tierversuchen mit Ratten festgestellt wurde, in sehr hohen Dosierungen sogar Krebs verursachen.“

Im „Leitfaden Phytotherapie“ (2007) schreiben Heinz Schilcher / Susanne Kammerer / Tankred Wegener:
„Der Ceylonzimt besitzt gegenüber dem chinesischen Zimt ein runderes Aroma, enthält keine oder nur in Spuren Cumarine und ist daher auch die verwendete Arzneibuchzimtrinde. Mit Ceylonzimt werden die erlaubten 0,1 mg Cumarin / kgKG nicht überschritten. Als Nahrungsergänzungsmittel zur begleiteten Diät bei Diabetes mellitus sollten nur wässrige Extrakte des Ceylonzimts verwendet werden.“

Im „Leitfaden Phytotherapie“ gibt es eine vorsichtige Empfehlung von Zimt zur unterstützenden Behandlung bei Diabetes.
Andere Phytotherapie-Fachautoren sind aber skeptischer, zum Beispiel Karl Hiller & Dieter Löw (in Max Wichtl, Teedrogen und Phytopharmaka, 2009):

„Eine blutzuckersenkende Wirkung von wasserlöslichen Inhaltsstoffen der Zimtrinde ist zwar wahrscheinlich, doch reichen die bisherigen Befunde nicht  aus, die Anwendung als Antidiabetikum zu empfehlen, hierzu bedarf es noch wesentlich umfangreicherer klinischer Studien, sowohl bezüglich der Patientenzahlen als auch der untersuchten Parameter.“

Es gibt also noch viele offene Fragen zur Anwendung von Zimt bei Diabetes. Unkritische Zimt-Propaganda scheint mir daher genauso wenig angebracht wie fundamental-undifferenzierte Verdammung.

Sehr wichtig im Beitrag auf www.welt.de scheint mir folgender Hinweis:

„Statt auf die Rettung durch Nahrungsergänzungsmittel zu hoffen, sollten Diabetiker regelmäßig in die Sportschuhe schlüpfen. Walken, Joggen, Radfahren oder Schwimmen.“

Die Hoffnung auf irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel aus Zimt, Grüntee oder anderem kann die notwendigen Umstellungen im Lebensstil nicht ersetzen.
Professor Thomas Haak vom Diabetes Zentrum Mergentheim erklärt dazu: „Bewegung ist neben der Ernährung die wichtigste Säule der Therapie.“
Je nach Konstitution und Gewicht solle unter ärztlicher Anleitung ein Trainingsplan erstellt werden. „Stark übergewichtige Menschen müssen natürlich langsam anfangen.“

Quelle: http://www.welt.de/wissenschaft/medizin/article7373687/Diabetes-auch-ohne-Medikamente-behandelbar.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Yamswurzel-Gel bei PMS und Wechseljahrbeschwerden?

Freitag, März 26th, 2010

Yamswurzelpräparate werden in der Presse häufig als “natürliche Hormonpräparate” zur Behandlung von menopausalen und prämenstruellen Beschwerden angepriesen. Die Wirkung wird dem Steroidsaponin Diosgenin zugeschrieben, welches industriell zur partialsynthetischen Herstellung von Progesteron genutzt wird. Ob eine enzymatische Umwandlung von Diosgenin zu Progesteron auch im menschlichen Organismus stattfindet, ist nicht erwiesen.

Einer Anwendungsbeobachtunge zufolge soll die lokale Anwendung von Yamswurzelgel insbesondere prämenstruelle Beschwerden lindern:
Die Frauen im Alter zwischen 37 und 53 Jahren litten an prämenstruellen Symptomen (z.B. Brustspannen) oder menopausalen Beschwerden (z.B. Hitzewallungen). Das Yamswurzelgel (10%) wurde ein- bis zweimal täglich auf die Innenseite der Arme, Brust, Bauch oder Oberschenkel aufgetragen.

Alle Frauen mit ausschliesslich prämenstruellen Beschwerden beobachteten eine Verbesserung, d.h. weniger Brustspannen und Wassereinlagerungen, Abschwächung psychischer Symptome.
Die Anwenderinnen mit Wechseljahrsbeschwerden stellten nur vereinzelt einen positiven Effekt fest.
Das Ansprechen auf eine lokale Anwendung von Yamswurzelgel scheint je nach Beschwerden stark zu variieren. Zurzeit fehlen jedoch kontrollierte, klinische Studien, welche die Wirksamkeit von Yamswurzelgel eindeutig belegen.

Quelle:
www.pharmavista.net
Ars Medici, Thema Phytotherapie, 6/2009/p10; Heide Fischer, Yamswurzelgel 10% bei Frauen mit menopausalen und prämenstruellen Beschwerden, Ergebnisse einer Anwendungsbeobachtung

Kommentare & Ergänzungen:

Die Frage, ob Yamsgel bzw. Yamscreme sich zur Linderung von PMS-Beschwerden und Wechseljahrbeschwerden eignet, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Deshalb hier einige weitere Aspekte:

1. Hintergrund-Info zu Yams:
Yams (Dioscorea) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Yamswurzelgewächse (Dioscoreaceae). Yams ist vor allem in den Tropen verbreitet. Die einzigen in Mitteleuropa heimischen Dioscorea-Arten sind die Schmerwurz (Dioscorea communis) und die Balkan-Schmerwurz (Dioscorea balcanica).

Einige Yams-Arten und deren Ausleseformen sind Nutzpflanzen als bedeutende Nahrungspflanzen und auch als Heilpflanzen. Viele Yams-Arten werden wegen ihrer essbaren Wurzelknollen als Nahrungsmittel kultiviert.
Yamswurzeln ähneln geschmacklich und optisch den Süßkartoffeln, sind jedoch nicht mit ihnen verwandt. In Südamerika, Afrika und der Karibik ist Yams weit verbreitet, in Europa dagegen im Gegensatz zur Süßkartoffel nur selten zu erwerben. Des weiteren ist Yams in den Tropen ein bedeutender Stärke-Lieferant.

In der Naturheilkunde wird wilder Yams zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden, gegen PMS und sowohl zur Empfängnisverhütung als auch bei unerfülltem Kinderwunsch empfohlen. Die Yams-Anwendung ist aber umstritten und heikel. Es kommt offenbar entscheidend darauf an, wie der Yams dosiert wird. Die wilde Yamswurzel enthält bedeutende Mengen Diosgenin, eine Substanz, die dem Gelbkörperhormon ähnlich ist und in verschiedenen Publikationen auch als “natürliches” Progesteron bezeichnet wird. Doch obwohl Diosgenin natürlicher Herkunft ist, unterscheidet es sich stark vom Gelbkörperhormon, welches im Körper der Frau produziert wird.
(Quelle: Wikipedia)

2. Yamswurzel-Gel in der Pflanzenheilkunde
Die Werbung für Yams-Produkte verspricht, dass der Organismus aus der Hormonvorstufe Diosgenin je nach dem, was ihm gerade fehlt, Östrogen oder Progesteron herstellen kann. Das tönt ideal, doch ist ungeklärt, ob diese schöne Vorstellung auch real ist.

3. Die Idee, fehlende Hormone über die Haut zuzuführen, ist bestechend. Die Wirksamkeit von Hormonpflastern zeigt auch, dass dies grundsätzlich möglich ist. Darum scheint es nicht abwegig, dass auch der Hormongrundstoff Diosgenin aus einem Yamsgel via Haut appliziert werden könnte.

4. Genauere Angaben aus der erwähnten Anwendungsbeobachtung mit Yamsgel:
(Quelle: http://www.rosenfluh.ch/rosenfluh/articles/download/912/Yamswurzelgel.pdf)

Die Arbeitshypothese dieser Anwendungsbeobachtung lautete:
“ Yamswurzel-Präparate können über ihren Gehalt an Diosgenin, einem progesteronähnlichen Wirkstoff, die Gelbkörperphase im weiblichen Zyklus unterstützen und entsprechend bei prämenstruellen Beschwerden hilfreich sein. Es wäre denkbar, dass der Körper aus Diosgenin auch Östrogen synthetisieren kann, womit die Yamswurzel auch Wechseljahresbeschwerden lindern könnte. Die Hersteller von Wildyamprodukten bewerben beide Indikationen.”

Ab der Anwendungsbeobachtung nahmen 16 Patientinnen im Alter zwischen 37 und 53 Jahren während zweier Monate
teil.:

“8 Patientinnen litten an Beschwerden des menopausalen Formenkreises wie Hitzewallungen, gelegentlich verstärkte oder unregelmässige Regelblutung, Schlafstörungen, nervöse Unruhe, verminderte Libido, Gewichtszunahme, Haut- und Schleimhauttrockenheit. Ihr Alter lag zwischen 48 und 53 Jahren. Die anderen 8 Frauen klagten über prämenstruelle Beschwerden wie Brustspannen, Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen,Schmierblutungen und Stimmungsschwankungen. Das Alter dieser Gruppe lag zwischen 37 und 45 Jahren. Bei insgesamt 3 Frauen lagen Myome vor.
Die Anwendungsanweisung lautete: vom 10. bis zum 26. Zyklustag (bei menopausalen Frauen, die bereits keinen regelmässigen Zyklus mehr hatten, vom 10. bis zum 30. Tag eines Kalendermonats) ein- bis zweimal täglich eine kirschkern- bis haselnussgrosse Portion auf die Innenseite der Arme, Brust, Bauch oder die oberen Beine auftragen.”

Die Resultate bei menopausalen Beschwerden:

“Bei den menopausalen Beschwerden wurden nur bei 2 Frauen die typischen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen positiv beeinflusst. 2 Frauen berichteten über eine Gewichtsabnahme, 2 über eine Verbesserung ihrer sexuellen Lust.
Das Beschwerdebild überlappte sich zum Teil mit den prämenstruellen Symptomen. Frauen, die davon betroffen waren, verspürten alle eine Linderung bis hin zum völligen Verschwinden der prämenstruellen Beschwerden wie zum Beispiel Brustspannen und so weiter. Ein Myomwachstum konnte nicht festgestellt werden.”

Die Resultate bei prämenstruellen Beschwerden (PMS):

“Alle Frauen mit ausschliesslich prämenstruellen Beschwerden erfuhren eine deutliche Verbesserung: Brustspannen und Wassereinlagerungen verringerten sich, Schmierblutungen verschwanden. Eine Verbesserung wurde auch bei seelischen Symptomen wie Unruhe und Stimmungsschwankungen festgestellt, ebenso wie bei Kältegefühl.”

Die Autorin fasst zusammen:

“ Eine Verbesserung der Wechseljahresbeschwerden unter transdermaler Anwendung von 10-prozentigem Yamswurzelgel, hergestellt aus einem Fluidextrakt der Trockendroge, gelang nur teilweise, während Frauen mit prämenstruellen Beschwerden unter dieser Therapie einhellig eine Linderung erfuhren.”

Anzufügen ist hier:

16 teilnehmende Frauen, wovon 8 mit PMS und 8 mit Wechseljahrsbeschwerden, das sind sehr kleine Zahlen.
Auch fehlt natürlich hier ein Vergleich mit Placebo. Bereits die Teilnahme an einer Studie hat oft eine günstige Wirkung. Und das Einreiben eines Gels oder einer Salbe tut schon unabhängig von allfälligen Yams-Wirkungen gut.
Insofern ist die Aussagekraft dieser Anwendungsbeobachtung sehr begrenzt.
Interessant ist aber schon, dass Effekte bei PMS festgestellt wurden, kaum dagegen bei Wechseljahrbeschwerden. Das scheint mir eher auf eine Umwandlung von Diosgenin zu Progesteron hinzuweisen und weniger auf eine Umwandlung in Richtung Östrogen – falls überhaupt eine solche Umwandlung stattfindet.

Ergänzt werden müsste noch, dass es in der Schweiz und in Deutschland keine als Arzneimittel zugelassenen Yamsprodukte auf dem Markt gibt. Yams-Gel oder Yams-Creme wird nur als kosmetisches Produkt verkauft. Dadurch ist es schwierig, die Qualität solcher Angebote zu beurteilen.

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Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und Blasenentzündung

Samstag, Januar 30th, 2010

Der scharfe Geschmack des Meerrettichs (syn. Armoracia rusticana) ist den meisten aus der Küche bekannt. Die Pfahlwurzel wird sowohl zum Verfeinern von verschiedenen Speisen als auch zu medizinischen Zwecken eingesetzt. Der Name Meerrettich bedeutet “über das Meer zu uns gekommener Rettich”, wobei damit die fremdländische Herkunft und nicht das Meer an sich gemeint ist.

Der Meerrettich wächst in fast ganz Europa und zieht dabei feuchte Standorte vor. Die frische, unverletzte Wurzel enthält unter anderem als Inhaltsstoffe die Glucosinolate (Senfölglykoside) Gluconasturtin und Sinigrin. Bei Verletzung kommen die geruchlosen Senfölglykoside in Kontakt mit abbauenden Enzymen (Myrosinasen), wodurch scharf schmeckende Senföle (ca. 90% Allylsenföl) entstehen.
Die Glukosinolate besitzen antimikrobielle, krampflösende, zytotoxische und hautreizende Eigenschaften. Ebenso vielfältig sind die Indikationen:
Äusserlich wird Meerrettich bei Katarrhen der Atemwege, Myalgien und leichten Muskelschmerzen eingesetzt. Bei der innerlichen Anwendung steht die Behandlung von Atemwegserkrankungen im Vordergrund. Bei Harnwegserkrankungen (Blasenentzündung) wird Meerrettich unterstützend angewendet.

In der Volksmedizin wird die Heilpflanze auch bei Gicht, Rheuma und Erkrankungen von Leber und Galle angewendet.
Meerrettich ist Bestandteil von verschiedenen Naturheilmitteln, zum Beispiel Kernosan Meerrettich Elixier, Angocin N (Deutschland)).
Meerrettich-Honig, ein altes Hausmittel, soll bei zähem Bronchialschleim wirksam sein: 1 Teelöffel frisch geraspelte Meerrettichwurzel mit 3 Teelöffeln Honig vermischen und 3- bis 5-mal täglich je 1 Teelöffel voll einnehmen.

Literatur:
_Zeitschrift für Phytotherapie, 6/2008/p299
_Jaenicke et al.; Handbuch Phytotherapie; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2003; p356
_Van Wyk et al.; Handbuch der Arzneipflanzen; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart2004; p52

Quelle:
http://www.pharmavista.net

Kommentar & Ergänzung:

Meerrettich wird in Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde und Phytotherapie zur Behandlung von akuter Bronchitis und akuter Blasenentzündung geschätzt.
Meerrettich wirkt vor allem schleimlösend und antibakteriell bei produktivem Husten.
Für diese Indikationen wird die Meerrettichwurzel eingenommen, was aber Wissen über Dosierungen und Zubereitungsarten erfordert.
Das gilt auch für die äusserliche Anwendung als Meerrettichauflage beispielsweise bei Stirnhöhlenentzündung, Kieferhöhlenentzündung oder Kopfschmerzen. Da Meerrettich stark hautreizend wirkt, braucht die Anwendung Sorgfalt und Know-how.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
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Phytotherapie: Mutterkraut gegen Migräne

Freitag, Januar 29th, 2010

Mutterkraut, Feverfew, Falsche Kamille: Die volkstümlichen Bezeichnungen lassen schon das Aussehen und die verschiedenen Anwendungsbereiche des Mutterkrauts erahnen. In der Tat wird Tanacetum parthenium L. (= Chrysanthemum parthenium) von Laien wegen der Ähnlichkeit der Blüten und des campherartigen Geruchs oft mit der Echten Kamille (Matricaria recutita) verwechselt.
Tanacetum parthenium L. zählt zur Familie der Asteraceae (Korbblütler), stammt ursprünglich aus Südosteuropa und ist in ganz Europa, Australien und Nordamerika verbreitet. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind ätherisches Öl mit L-Campher als Hauptbestandteil und Sesquiterpenlactone wie Parthenolid. Für Heilzwecke genutzt werden die getrockneten, ganzen oder geschnittenen oberirdischen Pflanzenteile. Die Europäische Pharmakopöe schreibt einen Mindestgehalt von 0.2% Parthenolid bezogen auf die getrocknete Heilpflanze vor.
Mutterkrautextrakte wirken unter anderem entzündnungswidrig und antibakteriell. Parthenolid und Mutterkraut-Extrakte reduzieren die Thrombozytenaggregation, die Prostaglandinsynthese, die Histaminfreisetzung aus Mastzellen und die Kontraktiliät der glatten Gefässmuskulatur.
Hauptanwendungsbereiche sind Migräne, Arthritis und rheumatische Erkrankungen. Seit dem Altertum wird Mutterkraut auch bei Frauenleiden eingesetzt (unter anderem gegen Menstruationsbeschwerden).
Im Brennpunkt des Interesses steht gegenwärtig die Verwendung zur Migräneprophylaxe. Diese Wirkung wird dem Parthenolid zugeschrieben, wobei der Wirkmechanismus noch nicht vollständig bekannt ist. Die Indikation Migräneprophylaxe ist in der ESCOP-Monografie aufgeführt (European Scientific Cooperative On Phytotherapy). In der Schweiz ist ein entsprechendes Präparat erhältlich.
Parthenolid und die anderen Sesquiterpenlactone sind allerdings potente Allergene. Hautkontakt mit Mutterkraut löst nicht selten eine Kontaktdermatitis aus. Personen mit einer Kontaktallergie gegen Asteraceae (Korbblütler) ist von der Anwendung von Mutterkraut abzuraten. Schwangerschaft und Stillzeit sind ebenfalls Kontraindikationen für Mutterkraut.
Literatur:
_PTA-Forum 12/2009/p34
_M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; 5. Auflage 2009; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart; p650
_D. Frohne; Heilpflanzenlexikon; 8. Auflage 2006; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart; p483
_Jänicke et al.; Handbuch Phytotherapie; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart; p375

Quelle:
http://www.pharmavista.net

Kommentar & Ergänzung:

Mutterkraut wurde schon von Dioskurides im 1. Jahrhundert als Heilpflanze beschrieben. Im Mittelalter wurde es gegen Fieber und Kopfschmerzen verwendet. Der Name kommt von seiner früheren Verwendung bei Erkrankungen der Mutter (Gebärmutter). Mutterkraut soll Schwangerschaftsbeschwerden lindern, die Menstruation auslösen und die Ablösung der Plazenta bewirken.
Diese gynäkologischen Indikationen sind aber nicht belegt, während es für die Anwendung zur Migräneprophylaxe einige wissenschaftliche Studien gibt.

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Melisse (Melissa officinalis) bei Autismus?

Dienstag, Januar 12th, 2010

Vielversprechende Resultate einer Beobachtung

Tiefgreifende Entwicklungsstörungen wie Autismus werden durch qualitative Beeinträchtigungen in der gegenseitigen Interaktion, der verbalen und nonverbalen Kommunikation charakterisiert und durch ein
merklich beschränktes Repertoire von Aktivitäten und Interessen.
Eine Publikation in der Zeitschrift ProMed komplementär 4/2009 beschreibt eine kleine Beobachtungsstudie zur Anwendung von Melissenextrakt bei Autismus. Hier eine Zusammenfassung:

Melisse, so wird berichtet, besitze eine beruhigende und ordnende Wirkung. Aus dem Grund vermuten die Autoren der Studie, dass Melissenextrakt vielleicht wirksam sein könnte bei der Behandlung von Autismus.
.
An der Beobachtungsstudie nahmen drei ambulante männliche Patienten teil (16.1-17.3 Jahre; mean=16.7 Jahre; SD=0.4-Jahre). Ihre Intelligenzquotienten bewegten sich zwischen 56 und 88 (72+/?16), gemessen mit der Wechsler Intelligence Scale. Die Diagnose wurde unabhängig voneinander von zwei Psychologen gestellt und bestätigt. Alle Patienten waren frei von zusätzlichen medizinischen oder neurologische Erkrankungen und zudem wenigstens für einen Monat medikamentenfrei. Einer war vorgängig mit Methylphenidat, der andere mit Neuroleptika behandelt worden, beide mit ungünstigem Wirkungs-Nebenwirkungs-Verhältnis. Die Sprache eines Patienten bestand aus einsilbigen Wörtern, die der anderen aus einzelnen Wörtern (10-Wort-Vokabular). Eltern und Mentoren (= die Personen, die den Patienten im Alltag betreuten) bewerteten die Symptome mit der Verhaltens- (ABC) und Symptomkontrolliste. Melissenblätter-Trockenextrakt, (5.0-6.2:1, Auszugsmittel Wasser) in der Dosierung von 2 x 225 mg (2 x 1 Tbl.) wurde einen Monat lang verabreicht. Die pädagogischen Interventionen blieben vor, während und nach dieser Beobachtungsstudie gleich.
Die Bewertungen (Durchschnittswert beider Bewerter) wurden vor und am Ende von der Behandlungsperiode erstellt, wobei zwei Patienten zuerst Melisse, nach einer vierwöchigen Pause Placebo und ein Patient zuerst Placebo, nach einer vier- wöchigen Pause Melisse bekam.
Melisse verbesserte signifikant die ABC-Faktoren Reizbarkeit, Überaktivität, inadaequater Blickkontakt und unpassende Sprache. Die Symptomkontrollistenresultate zeigten eine signifikante Zunahme an Schläfrigkeit, verminderte Aktivität. Kein Patient klagte über Kopfschmerzen oder Magenschmerzen. Obwohl diese kleine Beobachtungsstudie nur einen bescheidenen therapeutischen Effekt von Melisse im akuten Management von Autismus-Patienten zeigte, so wurde doch eine leichte Verbesserung dieser schwer behandelbaren Symptome evident. Weiterführende diesbezügliche Untersuchungen wären nach Meinung der Autoren des Artikels wünschenswert.
Für die Praxis ziehen sie folgendes Fazit:

“Mangelnder Blickkontakt und vor allem die fehlende soziale Interaktion reduzieren die Effizienz pädagogischer Interventionen bei Patienten mit tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Aus dem Grund sind auch zusätzliche psychopharmakologische Therapien unerlässlich, um die Symptome zu verbessern.
Wir beobachteten bei drei männlichen autistischen Patienten, diagnostiziert nach den ICD-10 Kriterien, den Effekt von Melisse. Die Patienten wurden eingeschlossen, wenn ihr Augenkontakt und ihre Sprache inadäquat für ihren Entwicklungsstand waren.
Reizbarkeit und Stereotypien verbesserten sich leicht während Behandlung mit Melisse.
Zusammenfassend: Melisse war in der kurzfristigen Behandlung bei einigen autistischen Patienten gering, aber doch wirksam.”

Quelle:
http://www.springermedizin.at
H. Niederhofer, ProMed komplementär 4/2009

Kommentar & Ergänzung:

Das ist natürlich tatsächlich eine sehr kleine Studien mit beschränkter Aussagekraft. Die Autoren stellen das selber fest und sind vorsichtig mit ihren Aussagen.
Aus Sicht der Phytotherapie scheint mir interessant, dass hier ein Melissen-Extrakt peroral angewendet wurde. Ich hätte bei dieser Indikation eher die inhalative Anwendung von Melissenöl erwartet.

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Phytotherapie: Weidenrinde gegen Kopfschmerzen, Fieber, Rheuma-Beschwerden

Dienstag, Januar 12th, 2010

Die in vielen Schmerzmitteln (z. B. im Aspirin) enthaltene Acetylsalicylsäure macht einem empfindlichen Magen häufig zu schaffen. Bei Fieber oder Kopfschmerzen kann deshalb Weidenrindenextrakt eine Alternative sein.

Dies erklärte Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg. Die Rinde zahlreicher Weidenarten weise Salicin auf, das in der Leber zu Salicylsäure umgebildet werde. Dieser Wirkstoff aus der Weidenrinde könne Entzündungen hemmen, Kopfschmerzen lindern, Fieber senken und Schmerzen bei rheumatischen Beschwerden reduzieren.
Laut Mayer wird meist die Rinde der Purpurweide (Salix purpurea) und der Silberweide (Salix alba) als Arzneimittel eingesetzt. «Weidenrindenextrakt wird als Präparat angeboten, man kann aber auch einen Tee aus Weidenrinde zubereiten, die in der Apotheke erhältlich sind.»
Dazu werden zwei bis drei Gramm – das sind zwei Teelöffel – der fein geschnittenen oder grob gepulverten Weidenrinde mit einer Tasse kaltem Wasser angesetzt und zum Sieden erhitzt. Nach fünf Minuten wird das Gebräu abgesiebt und ist zum Trinken bereit.
Davon dürfen täglich maximal fünf Tassen getrunken werden. Bei Asthma bronchiale, spastischer Bronchitis, Neigung zu Magen-Darm-Geschwüren und vorgeschädigter Niere sollten keine Weidenrindenextrakte genommen werden, ergänzt Johannes Gottfried Mayer.

Quelle:
http://de.news.yahoo.com

Kommentar & Ergänzung:

Ein wichtiger Unterschied soll hier noch angefügt werden:
Aspirin verbessert die Blutfliesseigenschaften durch Hemmung der Thrombozytenaggregation (Zusammenballung der Blutplättchen).
Diesen Effekt zeigt das Salicin aus der Weidenrinde nicht.
Weidenrinde ersetzt also nicht Aspirin Cardio in der Prävention von (wiederholtem) Herzinfarkt, Schlaganfall sowie Angina pectoris.

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