Artikel mit Schlagwort ‘Knoblauch’

Anti-Aging mit Salbei?

Dienstag, August 17th, 2010

„Salbei: Hervorragende Anti-Aging-Substanz“, so titelt die österreichische Zeitung „Die Presse“.

Schauen wir uns doch einmal genauer an, was sich hinter diesem etwas gar  reisserischen Titel versteckt.

Hier zuerst eine bearbeitete Zusammenfassung und anschliessend einen Kommentar:

„Rosmarin, Thymian und Co bekämpfen freie Radikale und Entzündungen. Reichlicher und regelmäßiger Gebrauch ist aber Voraussetzung. Auch Tee und Olivenöl haben viele positive Wirkungen“, so beginnt der Text, und fährt dann fort:

„’Wie kann ein Mann sterben, der Salbei in seinem Garten hat?’, fragte sich einst Avicenna, einer der größten persischen Ärzte, um das Jahr 1000. Salbei ist in der Tat ein wahrer Gesundheitsstar unter den Gewürzen, weiß die heutige Wissenschaft, die immer mehr Pflanzen immer öfter mit modernen Methoden analysiert.“

„Salbei ist wirklich eine hervorragende Anti-Aging-Substanz“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Markus Metka. „Wahrscheinlich“, ergänzt der Präsident der Anti-Aging-Gesellschaft Österreichs, „liegt das Geheimnis der Langlebigkeit von Kretern nicht nur in Olivenöl, Fisch, Gemüse und Rotwein; die gesunden Wirkungen von Gewürzen wurden bisher viel zu wenig beachtet.“

Auch Schutz vor Krebs?

Neben Salbei sollen auch noch Rosmarin, Thymian und Knoblauch besonders wertvolle gesundheitliche Vorteile für uns Menschen aufweisen. Aber auch die meisten anderen Gewürze haben günstige Effekte. Die beruhen, grob gesagt, auf drei Wirkmechanismen: Ihre sekundären Pflanzeninhaltsstoffe sind antioxidativ, bekämpfen also schädliche freie Radikale, und wirken antientzündlich. Metka sagt dazu: „Erst in den letzten Jahren ist bewusst geworden, dass permanente stille, schleichende Entzündungen im Körper mit den Jahren fatale Folgen haben können, von Diabetes und Herzinfarkt über Schlaganfall bis zu Alzheimer und Krebs.“ Aus der antioxidativen und antiinflammatorischen (=entzündungshemmenden) Wirkung heraus folge auch ein Schutz vor Krebserkrankungen (Chemoprävention).

Antidiabetikum Oregano

Grundsätzlich sollen mehr oder weniger alle Gewürze diese dreifache Gesundheitswirkung aufweisen, die einen mehr, die anderen weniger, Salbei etwas viel mehr. Allerdings: „Mit einer Prise ist’s nicht getan, diese Menge ist medizinisch absolut wirkungslos. Erst der reichliche und regelmäßige Gebrauch von Gewürzen bringt einen Nutzen hinsichtlich Anti-Aging und Krankheitsvorbeugung“, hält Metka fest.

Zu den kraftvollen Gewürzen gehören auch Zimt und Oregano, „die sind quasi Antidiabetika und beeinflussen den Glukosestoffwechsel äußerst positiv.“ Aber auch indische Gewürze wie etwa Kurkuma zählen zur Kategorie „Würzmedizin“ (Kurkuma kann bis zu einem gewissen Grad Darmkrebs und Morbus Alzheimer vorbeugen).

Und beim Grüntee-Inhaltsstoff Epigallat kommt Metka fast ins Schwärmen: „Unglaublich antioxidativ, großartig antiinflammatorisch, stark in der Chemoprävention.“ Wobei – so der Fachmann – der Schwarztee „nicht schlecht ist“, der Grüne Tee „schon sehr gut“ und der Matcha (der hochwertigste Tee Japans, zu Pulver gemahlener Grüntee) „der absolute Star“ sei. Matcha soll in seiner antioxidativen und antientzündlichen Wirkung zehnmal stärker als der normale Grüntee sein. Matcha, in Japan traditionell für die Teezeremonie eingesetzt, sei wahrscheinlich einer der wesentlichen Gründe, weshalb die Japaner die höchste Lebenserwartung haben.

Olivenöl gegen Schmerzen

In der Riege der gesunden Pflanzen dürfe freilich die Olive, respektive das Olivenöl, nicht fehlen. „Sein Inhaltsstoff Hydroxityrosol bekämpft freie Radikale 100-mal stärker als etwa Vitamin C. Außerdem ist diese Substanz enorm entzündungshemmend, kann sogar als Schmerzmittel verwendet werden“, erklärt Metka. Allerdings könne das nur ein qualitativ wirklich hochwertiges Öl mit reichlich Polyphenolen. Woran jedoch erkennt man die gesundheitsfördernde Qualität?

„Eine neue Dimension in Bezug auf Qualität und gesundheitsfördernde sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe sind die nach der Veronelli-Methode produzierten sortenreinen Jahrgangs-Olivenöle“, sagt Metka. Das Entscheidende an dieser Methode sei aber, dass die Oliven vor der Pressung entkernt werden. „Diese aufwendige Methode wurde bereits in der Antike wegen der wesentlich längeren Haltbarkeit des Olivenöls angewendet. Heute gilt als wissenschaftlich bewiesen, dass Olivenöl von entkernten Oliven wesentlich höhere Anteile an gesundheitsfördernden Polyphenolen aufweist als konventionell produziertes Olivenöl, bis zum zehnfachen Wert allein an Hydroxytyrosolen. Es gilt als gesichert, dass der Kern der Olive Enzyme beinhaltet, die sich negativ auf den Polyphenolgehalt auswirken.“

Auch am Preis könne man gute Öle erkennen, betont Metka: Unter 15,20 Euro pro Liter sei ein gesundheitlich hochwertiges Olivenöl nicht zu bekommen. Außerdem sei bei guten Ölen der Gehalt von Polyphenolen angegeben.

Quelle:

http://diepresse.com/home/gesundheit/545008/index.do?_vl_backlink=/home/gesundheit/index.do

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Artikel scheint mir erstens ziemlich reisserisch und zweitens auch noch völlig „wischiwaschi“.

Es ist nur schon sehr fraglich, ob man einfach so allgemein sagen kann, Rosmarin, Thymian, Salbei und Co. seien gesund. Grundsätzlich, generell gesund. Sie sind allenfalls gesund in einem bestimmten Bereich, bezogen auf bestimmte Beschwerden. Thymian beispielsweise bei produktivem Husten, Salbei bei Schleimhautentzündungen im Mund oder bei Halsschmerzen.

Und dass nun auch noch die Heilpflanzen und die unschuldige Salbei für das unsägliche Anti-Aging-Theater herhalten müssen, das musste ja so kommen.

Mit Salbei kann man sich also gegen das Älterwerden stemmen? Wie denn genau? Dreimal täglich gurgeln? Oder sich überwiegend von Salbei ernähren?

Und wie genau vertreibt Salbei das Alter?

Im Text wird vor allem auf antioxidative Eigenschaften hingewiesen (Radikalfänger).

Nun sind die Radikalfänger seit einigen Jahren der Renner im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel. Ihnen wird alles zugetraut. Sie sollen gegen Krebs und  viele andere Krankheiten schützen und halt auch allgemein vor dem Alterungsprozess. Die Forschungsergebnisse sind da wesentlich weniger eindeutig als die Versprechungen. Inzwischen weiss man, dass die vielgescholtenen freien Radikale auch positive Eigenschaften haben und dass allzu hohe Dosen von Antioxidantien  schädlich wirken können.

Ausserdem strotzen Früchte und Gemüse vor Antioxidantien und am gesündesten ist wohl einfach die Vielfalt, wenn man es schon so pauschal ausdrücken will.

Reisserisch ist auch der Abschnitt über Antidiabetika. Bei Zimt gibt es positive Hinweise auf eine günstige Wirkung bei Altersdiabetes, was aber noch weiterer Prüfung bedarf. Die Empfehlung von Oregano schwebt irgendwo in der Luft ohne fundierte Belege.

Skeptisch machen sollten in diesem Artikel die vielen Superlative:

Hervorragende Anti-Aging-Substanz, äusserst positiv, unglaublich antioxidativ, großartig antiinflammatorisch, stark in der Chemoprävention, enorm entzündungshemmend, der absolute Star.

So reden Verkäufer, Propagandisten, allenfalls Missionare. Täusche ich mich, oder ist der Artikel ein Werbetext für ein bestimmtes Olivenöl?

Dieser Text ist meines Erachtens ein Beispiel dafür, wie kritisch man Gesundheitsinformationen lesen sollte, weil in den meisten Medien jede Qualitätskontrolle fehlt.

Übrigens: Meines Wissens folgt in einem alten Kräuterbuch auf den beliebten Satz: „Warum soll der Mensch sterben, wenn doch Salbei in seinem Garten wächst“, der Nachsatz: „Gegen den Tod ist kein Kräutchen gewachsen.“ Womit die Sache wieder in die richtige –menschliche – Relation gerückt wird. Quelle habe ich allerdings nicht mehr gefunden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Knoblauch, Bärlauch, Zwiebel & Co

Samstag, Juli 10th, 2010

Beim Bau der ägyptischen Pyramiden sollen die Arbeiter mit Zwiebeln und Rettich versorgt worden sein, um die Schwerstarbeit leisten zu können. Denn Zwiebeln galten und gelten zum Teil bis heute als Geheimnis der Vitalität und Stärke. Und bis in die Gegenwart hat sich der Ruf der Zwiebel als Lebenselixier erhalten.

Allium cepa, die Küchenzwiebel, zählt wie der Spargel zu den Liliengewächsen. Die Lauchgewächse, zu denen auch Knoblauch, Porrée, Schnittlauch oder Bärlauch gehören, enthalten ein Lauch- und Senföl mit organisch gebundenem Schwefel, außerdem: schwefelhaltige Aminosäuren. Aus diesen entstehen, bei Zerkleinerung, durch Enzymeinwirkung Stoffe mit bakterienhemmender Wirkung. Darüber hinaus enthalten Zwiebeln Rhodanverbindungen, Phosphor, Fluor, Kalium, Kieselsäure, Glukokinine sowie die Vitamine B und C.

Zwiebeln üben eine starke Reizwirkung auf das Verdauungssystem aus, vor allem auf Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse. Sie enthalten jedoch auch selbst den pflanzlichen Wirkstoff Glucokinin, der ähnlich wie das Insulin der Bauchspeicheldrüse den Zuckerstoffwechsel fördert und so den Zuckergehalt im Blut reduziert.

Die desinfizierende Wirkung der Zwiebel wurde schon im Mittelalter zum Schutz gegen Pest und Cholera genutzt. Aber auch heute noch sind die Zwiebel und ihre würzig schmeckenden Verwandten für medizinische Überraschungen gut:

* Die schwefelhaltigen Wirkstoffe aus Zwiebel und Knoblauch schützen Zellwände und Cholesterin vor dem Angriff Freier Radikale und vermindern so das Risiko von Gefäßverschlüssen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.

* Knoblauch und Zwiebeln entfalten durch ihre Inhaltsstoffe Allicin und Ajoen eine ähnliche Wirkung wie Acetylsalicylsäure, die heute von vielen Menschen in geringer Dosierung als Vorbeugung gegen Thrombosen und Herzinfarkt eingenommen wird.

* Zwiebeln oder Knoblauch sollen auch helfen, radioaktive Strahlung besser zu verkraften. Nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl hatten russische Forscher festgestellt, dass schon relativ geringe Strahlendosen Veränderungen in den Blutgefäßen wie Arteriosklerose und Störungen im Fettstoffwechsel zur Folge haben. Sie empfahlen dagegen Zwiebel und Knoblauch, weil deren Inhaltsstoffe die Fließfähigkeit des Blutes steigern und die Cholesterinwerte reduzieren.

* Die schwefelhaltigen Zwiebelwirkstoffe wirken in der Leber direkt auf die Cholesterinbildung: Sie hemmen die Bildung des „schlechten” LDL und fördern das „gute” HDL.

* Forscher vom East Birmingham Krankenhaus in England sind der Meinung, dass Zinkmangel ein Mitgrund für das Entstehen der Altersflecken ist. Bei Verzehr zinkreicher Nahrungsmittel, wie zum Beispiel Zwiebeln, könnten solche Flecken wieder verschwinden.

* Zwiebel-Wirkstoffe sorgen für unauffällige Narben nach Verletzungen oder Operationen. Ab der 9. Woche nach der Wundversorgung muss regelmäßige Narbenpflege mit einem Gel aus Zwiebelextrakt durchgeführt werden. Das Gel wird zweimal pro Tag für 10 bis 20 Minuten in die Narbenregion einmassiert.

Anwendungsbeispiele für die Zwiebel als Heilpflanze:

Zwiebelsirup zur Behandlung von Husten und Erkältung: Mehrere große Zwiebeln werden in Scheiben geschnitten, mit braunem Zucker vermischt und zwölf Stunden ziehen gelassen. Der Saft, der sich dabei bildet, wird mehrmals täglich esslöffelweise eingenommen. Alternative: Die Zwiebeln werden mit Kandiszucker gedämpft und der entstehende Sirup teelöffelweise stündlich eingenommen.

Zwiebelbrei zur äußerlichen Anwendung (bei Entzündungen, Hämorrhoiden, Abszessen): Gehackte Zwiebeln roh mit etwas Wasser zu einem Brei anrühren und auf die betreffenden Körperregionen auftragen.

Quelle:

http://derstandard.at

Kommentar & Ergänzung:

Knoblauch gehört tatsächlich zu den ältesten  und interessantesten Heilpflanzen. Medizinisch gut dokumentiert sind antimikrobielle Wirkungen, ebenso günstige Effekte auf den Cholesterinspiegel, den Blutdruck und die Fliesseigenschaften des Blutes. Für die letzteren drei braucht es allerdings die Einnahme von relativ hohen Dosierungen über längere Zeit, was dann zu „sozialen Nebenwirkungen“ führen kann.

Fraglich scheinen mir die im Artikel des „Standards“ erwähnten Effekte gegen die Auswirkungen von Radioaktivität und gegen Altersflecken. Hier sind die Begründungen doch eher schwach bis sehr schwach.

Bei der Zwiebel macht ihre grosse Bedeutung als Hausmittel bei Erkältungskrankheiten Eindruck, zum Beispiel als Zwiebelsirup oder Zwiebelwickel.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Rotwein und Schokolade – gegen Krebs wirksamer als Chemotherapie?

Dienstag, Februar 23rd, 2010

Die Meldung wurde von den Nachrichtenagenturen AFP und SDA verbreitet und in zahlreichen Medien völlig unkritisch abgedruckt:

Rotwein, Schokolade, Knoblauch, Petersilie, Rote Trauben, Heidelbeeren und Soja wirken gegen Krebs gleich gut oder gar noch besser als Chemotherapie.

Die Meldung wirft zahlreiche Fragen auf und ist meines Erachtens eine totale Verarschung der Leserinnen und Leser. Doch schauen wir uns den Text (kursiv gesetzt) Schritt für Schritt an (Quelle: Tages-Anzeiger online):

Der “Tages-Anzeiger” bringt die Meldung unter dem Titel
“Die tägliche Chemotherapie”.

Das lässt aufhorchen: Rotwein, Schokolade; Heidelbeeren Co ersetzen also eine Chemotherapie?
Die Fortsetzung ist in zahlreichen Online-Medien praktisch identisch publiziert worden:

“Rotwein und Schokolade können neuen Forschungen zufolge Krebszellen regelrecht bekämpfen. Rote Trauben, dunkle Schokolade und Heidelbeeren, Knoblauch und Soja können Krebszellen «aushungern».”

Was bedeutet “neue Forschungen”? Wer hat was genau, wo und wann erforscht? In welcher Fachzeitschrift wurde diese Forschung veröffentlicht (falls überhaupt)?
Komisch auch, dass wir Schweizer als Weltmeister im Schokoladekonsum überhaupt noch an Krebs erkranken. Und die Franzosen mit dem Wein erst, und die Japaner mit ihrem Sojakonsum. Eigenartig, dass es überhaupt noch Krebs gibt auf dieser Welt. Oder wieviel Schokolade muss ich essen, um eine Chemotherapie zu ersetzen?

“‘Wir bewerten Lebensmittel nach ihrer Fähigkeit, Krebs zu bekämpfen‘, sagte der Forscher William Li auf einer Konferenz in Long Beach im US-Bundesstaat Kalifornien. ,Unser Essen ist unsere dreimal tägliche Chemotherapie.‘”

“Forscher” kann sich jeder nennen. Bei tatsächlichen oder angeblichen Experten ist immer zu prüfen, ob sie auch wirklich kompetent sind für die Frage, zu der sie gerade Stellung nehmen.

Um welche Art von Konferenz handelt es sich da? Eine Pressekonferenz oder eine Konferenz von Wissenschaftlern – das macht schon einen Unterschied punkto Glaubwürdigkeit. Unter welchem Thema stand die Konferenz? Wer hat sie organisiert und gesponsert? Sollte Forscher William Li tatsächlich gesagt haben, dass unser Essen unsere dreimal tägliche Chemotherapie ist, spricht das nicht gerade für seine Seriosität.
Glaubt der Mann wirklich, dass man Chemotherapie gegen Krebs einfach durch Essen ersetzen kann? Wir essen doch alle und viele von uns zudem die aufgeführten Nahrungsmittel gar nicht zu knapp. Warum also gibt es überhaupt noch Krebs?
Auf Tages-Anzeiger online hat ein Leser den Bericht treffend kommentiert:

“ Wer glaubt wird selig. Meine Frau und ich essen und trinken seit Jahrzehnten unbewusst dieser ,Studie‘ genau auch diese Lebensmittel täglich. Wir beide sind seit 2 resp.5 Jahren an Krebs erkrankt. Solche ungesicherte Daten geben nur falsche Hoffnungen .Wer hat die Studie bezahlt ? Wahrscheinlich die Hersteller dieser Ware- wie so oft.”

“Die Angiogenesis Foundation aus Massachusetts habe Lebensmittel ermittelt, die chemische Substanzen enthalten, mit denen die Blutversorgung von Tumoren geradezu abgeschnitten werde. Als Beispiel nannte Li auch eine Studie der Harvard Medical School, wonach Männer, die mehrmals pro Woche gegarte Tomaten essen, 30 bis 50 Prozent weniger unter Prostatakrebs litten.”

Was ist die “Angiogenesis Foundation”?

Als Angiogenese bezeichnet man das Wachstum von kleinen Blutgefäßen (Kapillaren). Tumore sind abhängig von einem mitwachsenden Kapillarnetz, das den Tumor mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Entsprechend versuchen anti-angiogenetische Therapieansätze (Antiangiogenese), die Gefäßversorgung und damit die Durchblutung eines Tumors zu vermindern oder zu blockieren.

Laut ihrer Website http://www.angio.org/ beschäftigt sich die “Angiogenesis Foundation” mit diesem Thema. Begriffe wie Rotwein, Schokolade, Petersilie, Soja, Heidelbeeren oder Knoblauch finde ich dort allerdings nicht, dafür jedoch zahlreiche Medikamente.

Der Hinweis von William Li auf die Wirkung gegarter Tomaten gegen Prostatakrebs stellt die Situation einseitig dar.
Es gibt zwar eine Untersuchung von Giovannuci, E. et al. (2002), die einen positiven Effekt nahelegten (A Prospective Study of Tomato Products, Lycopene and Prostate Cancer Risk. In: J. Natl. Cancer. Inst. Bd. 94, S. 391-398).

Wikipedia schreibt dazu:

“Es gab Hinweise, dass der Konsum von Lycopin zu einem reduzierten Risiko führt, an Herz-Kreislauf-Erkrankung, Krebs (vor allem Prostatakrebs), Diabetes mellitus, Osteoporose und Unfruchtbarkeit zu leiden.”

Wikipedia fährt aber fort:
“Eine neuere, große Studie mit ca. 28.000 Probanden lässt jedoch vermuten, dass kein Zusammenhang zwischen Lycopin und Krebsrisiko besteht. Vielmehr zeigte sich, dass das verwandte Antioxidant ?-Carotin das Risiko für Prostatakrebs erhöht.”
(American Association for Cancer Research. No Magic Tomato? Study Breaks Link between Lycopene and Prostate Cancer Prevention , Science Daily, May 17, 2007.
http://www.sciencedaily.com/releases/2007/05/070517063011.htm)
Davon sagt William Li offenbar nichts.

“‘Überall geschieht eine medizinische Revolution‘, sagte Li. ,Wenn wir recht haben, dann wird das Auswirkungen auf Konsumentenfortbildung, Lebensmittelherstellung, die Volksgesundheit und sogar auf die Versicherungen haben.‘”

Da scheinen Heilsvorstellungen herumzugeistern. Mein Eindruck – auch von der Website der “Angiogenesis Foundation”: Da wird sehr viel aufgehängt am Thema “Angiogenese”. Wenn für so viele Probleme eine einzige Lösung propagiert wird – wie hier das Thema “Angiogenese” – ist Skepsis immer angebracht.

“Besser als Medikamente”

Dieser Titel des “Tages-Anzeigers” ist ziemlich gewagt.

“In Test verglichen Forscher der Foundation die Wirkung zugelassener Medikamente mit der von Petersilie, Weintrauben, Beeren und anderen Lebensmitteln. Dabei stellten sie fest, dass die Lebensmittel genauso gut oder besser gegen Krebszellen wirkten.”

Da fragt sich erstens, mit welchen Medikamenten denn verglichen wurde. Chemotherapeutika?
Da wurde offenbar etwas im Labor untersucht, aber man kann ja nicht einfach Petersilie und Krebszellen vermanschen und dann schauen, ob Krebszellen zugrunde gehen und das schlussendlich auf Krebspatienten übertragen. Völlig wirr.

Auch ist “und andere Lebensmittel” keine sehr präzise Angabe. Wenn so viele Lebensmittel besser gegen Krebszellen wirken wie Krebsmedikamente, warum brauchen wir dann eigentlich noch Chemotherapien und Onkologie-Abteilungen an Spitälern. Alles überflüssig?

“‘Für viele Menschen kann die ernährungsmässige Behandlung von Krebs die einzige Lösung sein, denn nicht jeder kann sich Krebsmedikamente leisten.‘”

Na super, essen müssen wir ja sowieso. Billiger kann eine Behandlung wirklich nicht sein. Endlich die Lösung für die explodierenden Gesundheitskosten. Krebstherapien nur noch für Privatpatienten! Die Allgemeinversicherten und auch Patienten in Afrika oder so sollen sich doch mit Rotwein und Schokolade heilen. Letzteres gibt für die Schweiz unerwartete Exportmöglichkeiten in alle Welt. Schokolade auf Rezept und auf Kosten der Krankenkasse! Ich fasse es kaum.

“Die krebsbekämpfenden Eigenschaften der Lebensmittel könnten auch dazu dienen, Körperfett schmelzen zu lassen, fügte Li hinzu. Denn auch Fett sei auf den Blutstrom angewiesen, den die Bestandteile dieser Lebensmittel beeinflussen.”

Das fehlt gerade noch. Besser kann es gar nicht mehr kommen! Auch gegen Übergewicht wirksam! Körperfett lässt sich mit Schokolade oder Rotwein wegschmelzen! Ganz einfach durch Hemmung der Angiogenese! Super!

Dringende Anfrage: Wieviel Schokolade muss ich essen oder wieviel Rotwein trinken, um meine Fettpölsterchen wegzuschmelzen? Und wie finde ich eine Schokolade, die intelligent genug ist, damit sie weiss, welche Partien meines Körpers sie aushungern soll? Wenn da nur nichts schief läuft und die falschen Regionen weggeschmolzen werden! Vielleicht sicherheitshalber mal bei Lindt Sprüngli nachfragen…..

Und der Satz: “Die krebsbekämpfenden Eigenschaften der Lebensmittel könnten auch dazu dienen, Körperfett schmelzen zu lassen”, ist ein Unding.
Oder liegt der Grund für diesen von A bis Z verunglückten Text einfach in einer miserablen Übersetzung?

Ich verwende nur selten solch harte Ausdrücke, aber dass Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, Blick, Thurgauer Zeitung, 20 Minuten, Schweizerbauer und Berner Zeitung solchen Bullshit veröffentlichen, ist ausgesprochen peinlich.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Schweinegrippe: Heilpflanzen als Neuraminidase-Hemmer wirksam?

Sonntag, November 8th, 2009

In den Diskussionen rund um Vorbeugung und Therapie der Schweinegrippe taucht immer wieder die Frage nach Heilpflanzen auf, die ähnlich wie der Neuraminidase-Hemmer Tamiflu® wirken könnten. Tatsächlich wurden zahlreiche Heilkräuter, die in der traditionellen Pflanzenheilkunde gegen Erkältungskrankheiten und Grippe eingesetzt wurden oder werden, auf allfällige Wirkungen als Neuraminidase-Hemmer untersucht. Aus diesen Untersuchungen lassen sich allerdings keine fundierten Empfehlungen betreffend einer wirksamen Vorbeugung oder Behandlung der Schweinegrippe ableiten. Trotzdem scheinen mir diese Ergebnisse interessant und der Kenntnisnahme wert.

Hier also eine kurze Erklärung zu den Neuraminidase-Hemmern generell, gefolgt von einer Zusammenstellung der Forschungsresultate bezüglich Heilpflanzen mit Hemmeffekt auf die Neuraminidase.

Neuraminidase und Neuraminidase-Hemmer

Neuraminidase-Hemmer bzw. Hemmstoffe der Neuraminidase sind virustatisch wirkende Arzneimittel, welche jenes Oberflächenprotein hemmen, das die Antigenität verschiedener Bakterien und Viren mitbestimmt. Das Influenzavirus (Grippevirus) bindet über virales Hämagglutinin an die Oberfläche der Wirtszelle, dringt in die Zelle ein und vermehrt sich im Zellinneren. Die neugebildeten Viren knospen an der Zelloberfläche aus, bleiben aber über Rezeptoren an die Zelle gebunden. Mit Hilfe der viralen Neuraminidase wird die Bindung gespalten. Die Viren werden freigesetzt und können weitere Zellen infizieren. Neuraminidasehemmer blockieren die Neuraminidase, so dass sich die Viren nicht von der Wirtszelle lösen können und sich nicht weiter im Körper ausbreiten.
Der bekannteste Neuraminidase-Hemmer ist Oseltamivir, vertrieben als Tamiflu® von Roche.

Heilpflanzen als Neuraminidase-Hemmer

Die “Zeitschrift für Phytotherapie” (2008; 29: 65-70) veröffentlichte eine Studie zur “Wirkung von Pflanzenextrakten auf die Neuraminidase-Aktivität”.

Danach zeigten folgende Heilpflanzen-Extrakte starke Hemmwirkung:

Die wässrigen Extrakte von Achillea millefolium (Gemeine Schafgarbe), Camellia sinensis (Teepflanze), Cistus incanus (Zistrose), Eucalyptus globulus (Eukalyptus), Geranium sanguineum (Blutroter Storchenschnabel), Ginkgo biloba, Melissa officinalis (Zitronenmelisse), Rubus idaeus (Himbeere), Salvia officinalis (Garten-Salbei), Sanicula europaea (Sanikel), Scutellaria baicalensis (Baikal-Helmkraut) und Thymus vulgaris (Garten-Thymian).

Außerdem zählten die methanolischen Extrakte von Achillea millefolium, Chelidonium majus (Schöllkraut), Melissa officinalis, Phytolacca americana (Amerikanische Kermesbeere), Rubus idaeus, Salvia officinalis, Sanicula europaea, Scutellaria baicalensis und Thymus vulgaris zu dieser Gruppe.

Die methanolischen Extrakte von Geranium sanguineum, Eucalyptus globulus, Ginkgo biloba und der ethanolische Extrakt von Bergenia ligulata (Kaschmir-Bergenie) zeigten eine besonders starke Hemmaktivität. Darüber hinaus wies auch der frische Milchsaft von Chelidonium majus (Schöllkraut) eine starke Hemmaktivität auf.

Mittlere Hemmaktivität zeigten folgende Heilpflanzen-Extrakte:

Wässrige Extrakte von Chelidonium majus, Datura stramonium (Gemeiner Stechapfel), Phytolacca americana, Sambucus nigra (Schwarzer Holunder) und Sutherlandia frutescens (Ballonerbse).

Auch die methanolischen Extrakte von Datura stramonium, Sambucus nigra und Sutherlandia frutescens sowie der wässrige und methanolische Extrakt des Milchsaftes von Chelidonium majus (Schöllkraut).

Schwache Hemmaktivität zeigen folgende Heilpflanzen-Extrakte:

Die wässrigen Extrakte von Allium sativum (Knoblauch), Echinacea angustifolia (Schmalblättriger Sonnenhut), Eleuterococcus senticosus (Taigawurzel), Eupatorium cannabinum (Gewöhnlicher Wasserdost) und Zingiber officinale (Ingwer) sowie die methanolischen Extrakte von Allium sativum (Knoblauch), Echinacea angustifolia, Eleuterococcus senticosus, Eupatorium cannabinum (Gewöhnlicher Wasserdost) und Zingiber officinale (Ingwer).
Ebenfalls schwach wirkten die untersuchten ätherischen Öle.

Die Autoren des Artikels in der “Zeitschrift für Phytotherapie”, Sverre Morten Schwerdtfeger und Matthias F. Melzig, schreiben zu diesen Ergebnissen:

“Alle getesteten ätherischen Öle zeigten nur schwache Hemmaktivität auf die Neuraminidase. Mögliche antivirale Wirkungen müssen daher auf anderen Mechanismen als der Inhibierung dieses Enzyms beruhen. Eine Antiinfluenza-Eigenschaft jener pflanzlichen Extrakte mit schwacher Hemmaktivität lässt sich weiterhin nicht ausschließen, liegt jedoch nicht in der Neuraminidase-Inhibierung begründet. Auch eine allgemeine Stimulierung des Immunsystems kommt für die Nutzung in der Volksmedizin bei Grippe oder grippalen Infekten in Betracht.”

Die Autoren gehen dann speziell noch auf Heilpflanzen-Extrakte ein, die in dieser Untersuchung die stärksten Effekte als Neuraminidase-Hemmer zeigten. Es sind dies:
– Bergenia ligulata

– Eukalyptus globulus
Eukalyptusöl war aber nicht wirksam, die Autoren vermuten Flavonoide als potenteste Substanzen

– Geranium sanguineum
Allerdings konnte die in vitro (im Reagenzglas) beobachtete starke antivirale Wirkung nicht in dem gleichen Umfang in vivo (im lebenden Organismus = Tier) nachgewiesen werden.

– Ginkgo biloba

– Scutellaria baicalensis

Im Ausblick schreiben die Autoren:

“Da die Influenzaviren über Aerosole zuerst mit den Schleimhäuten der Mund- und Nasenhöhlen sowie des Epi- und Mesopharynx in Kontakt treten, bietet sich hier eine erste antivirale Therapie an, da eine Neuraminidase-Inhibierung innerhalb der ersten 48 Stunden nach Infektion erfolgen muss, um eine effektive Grippebehandlung zu bewirken. Gurgellösungen, Lutschpastillen, Nasentropfen oder Sprays können einen Schutzfilm über dem Epithel bilden, treten folglich als Erstes mit den Viren in Kontakt und nützten damit effektiv das schmale Zeitfenster einer erfolgreichen Therapie bei einfacher Applikation. Zugleich kommen dadurch auch hochmolekulare Substanzen zum Einsatz, die das Lungenepithel nicht erreichen bzw. vom Darmepithel nur schlecht oder gar nicht resorbiert werden, wie es bei Geranium sanguineum der Fall zu sein scheint.”

Kommentar & Ergänzung:

Das sind interessante Ergebnisse, doch muss festgehalten werden, dass es sich um Laborresultate handelt. Die Autoren haben die kritischen Punkte bereits angesprochen. Sind die wichtigsten Inhaltsstoffe aus dem Verdauungstrakt überhaupt in relevanter Menge resorbierbar? Lässt sich damit überhaupt eine wirksame Konzentration im Organismus erreichen?

Im Reagenzglas ist es nämlich immer ziemlich einfach, irgendwelche Ergebnisse zu erzielen. Ob sich ein Resultat aber auch positiv am kranken Menschen zeigt, ist eine ganz andere Sache. Das hat sich offenbar beim Blutroten Storchenschnabel gezeigt, der zwar im Labor einen starken Hemmeffekt entfaltete, dessen Wirkstoffe aber offenbar kaum resorbiert werden.

So bleibt dann noch die von den Autoren aufgeworfene Idee mit Gurgelungen und Spülungen im Mund-Rachenraum oder von Lutschpastillen und Nasensprays.
Als einfachste Variante wären dann Spülungen / Gurgelungen zum Beispiel mit Grüntee / Schwarztee denkbar, weil Camellia sinensis als wässriger Effekt starke Hemmwirkung zeigte. Dabei müsste man den Tee dann wohl 8 – 10 Minuten ziehen lassen, um eine hohe Konzentration an Polyphenolen zu erreichen.
Und die Anwendung müsste wahrscheinlich vorbeugend geschehen, weil eine Neuraminidase-Hemmung nur in den ersten Phasen der Infektion Sinn macht. Die Nase als Eintrittspforte bleibt dabei unberücksichtigt. Nasenspülungen mit starkem Schwarztee / Grünttee kann ich mir nicht so recht vorstellen. Spülungen mit Kochsalzlösung wären hier aber ziemlich sicher nützlich

Siehe dazu:
Schweinegrippe – was bieten die Heilpflanzen?
(mit Infos zur Kochsalzlösung)

Eine komplexe und ungesicherte Sache also, diese Neuraminidase-Hemmung mit Heilpflanzen, wenn man sie konkret unter die Lupe nimmt. Spekulation auf der Basis von experimentellen Ergebnissen halt, aber immerhin eine preisgünstige und aller Voraussicht nach unschädliche Spekulation.

Eine Impfung – sollte sie nochwendig sein – lässt sich meines Erachtens damit allerdings nicht ersetzen.

Interessant ist an den geschilderten Ergebnissen auch, dass die gegen Schweinegrippe stark propagierte Zistrose (Cistus incanus) bezüglich Neuraminidase-Hemmung zwar gut abgeschnitten hat, aber gar nicht so allein auf weiter Flur dasteht, wie das die Werbung darstellt.

Zu Cistus incanus siehe auch:
Cistus incanus – Grippemittel mit vielen offenen Fragen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
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Knoblauch gegen Erkältungen

Freitag, November 6th, 2009

Wer regelmäßig Knoblauch oder Knoblauchpräparate einnimmt, schützt sich damit möglicherweise gegen Erkältungen.

Ein australisches Wissenschaftlerteam hat die Literatur nach Daten zu Präventions- und Therapieeffekten des Knoblauchs gegen banale Erkältungen untersucht. Von fünf Studien, welche infrage kamen, erfüllte nur eine die strengen Bedingungen der Forscher. 145 Freiwillige hatten über drei Monate täglich entweder eine Knoblauchpille mit 180 mg Allicin oder ein Scheinmedikament zu sich genommen. In der Knoblauchgruppe erkrankten in dieser Zeit 24 Personen an einer Erkältung, unter Placebo waren es dagegen 65. ??Aus dieser einen Studie Schlüsse auf die allgemeine Effektivität des Knoblauchs zur Erkältungsprophylaxe zu ziehen, halten die Autoren in der Cochrane-Publikation allerdings für gewagt. Es müssten weitere Untersuchungen her, um diese ersten Daten zu untermauern. ??

Quelle:
http://www.medical-tribune.de/patienten/news/24695/

Originalpublikation:
Elizabeth Lissiman et al., The Cochrane Library 2009; online first

Kommentar & Ergänzung:

Der Knoblauch ist wohl eine der ältesten Heilpflanzen.
Allicin gilt als einer der Hauptwirkstoffe des Knoblauchs. In Laborstudien zeigte Knoblauch antibakterielle und antivirale Effekte. Er wird in der traditionellen Pflanzenheilkunde seit Jahrhunderten zur Abwehr von Infektionskrankheiten eingesetzt, zum Beispiel gegen Grippe, aber auch gegen Pest und Cholera. Über eine allfällige Wirksamkeit lässt sich im Nachhinein nichts Fundiertes aussagen. Darum ist es interessant, wenn der Nutzen von Knoblauch nun unter kontrollierten Bedingungen untersucht wird. Nicht ganz einfach dürfte es allerdings sein, solche Knoblauch-Studien zu verblinden, das heisst sicherzustellen, dass die Versuchsperson nicht weiss, ob sie ein Placebo einnimmt oder ein Knoblauch-Präparat. Der Knoblauchduft ist in solchen Situationen ziemlich verräterisch….

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Auch bei Heilpflanzen-Präparaten auf Wechselwirkungen achten

Dienstag, September 15th, 2009

Die Einnahme von Medikamenten aus Heilpflanzen (Phytotherapeutika) ist bei vielen Beschwerden eine wirksame Behandlungsmöglichkeit.

Jedoch können auch diese natürlich vorkommenden Wirkstoffe, wenn sie kombiniert mit anderen Medikamenten eingenommen werden, unerwünschte oder sogar gefährliche Nebenwirkungen auslösen.

“So kann beispielsweise ein Johanniskraut-Präparat die Wirkung verschiedener Medikamente herabsetzen. Daher sollten Patienten, die Cyclosporin, Tacrolimus, Proteaseinhibitoren oder Zytostatika einnehmen, Johanniskraut vermeiden. Bei bestimmten Antidepressiva, Benzodiazepinen, Methadon, Simvastatin, Theophyllin, Midazolam, Triptanen und Warfarin ist nach gegenwärtigem Kenntnisstand besondere Aufmerksamkeit geboten”, betont Prof. Karin Kraft vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI).

“Die häufiger behauptete Herabsetzung der Wirksamkeit von hormonellen Kontrazeptiva durch Johanniskraut konnte dagegen in kontrollierten Studien bisher nicht bestätigt werden. Hier ist allenfalls ein Risiko für sehr niedrig dosierte Hormon-Präparate zu diskutieren.”

Auch bei anderen weit verbreiteten Heilpflanzen-Präparaten kann es zu Interaktionen mit anderen Arzneistoffen kommen. “So könnten hoch dosierte Extrakte aus Knoblauch, Ginseng oder Ingwer bei Patienten, die Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure, Warfarin oder Clopidogrel einnehmen, das Risiko von Blutungen erhöhen”, hält Prof. Kraft fest, die Inhaberin des Lehrstuhls für Naturheilkunde der Universität Rostock.

“Am besten ist es daher, auch die Einnahme von pflanzlichen Arzneimitteln und die weitere Selbstmedikation mit einem Arzt abzusprechen, insbesondere wenn eine Medikation umgestellt wird oder ein operativer Eingriff bevorsteht”, rät die BDI-Expertin. “Einige Präparate sollten vierzehn Tage vor einer geplanten Operation abgesetzt werden, da sie möglicherweise die Blutgerinnung, die Narkose oder den Blutdruck beeinflussen können.”

Quelle:
http://www.internisten-im-netz.de

Kommentar & Ergänzung:

Das Thema möglicher Wechselwirkungen (Interaktionen) von Heilpflanzen-Präparaten mit anderen Arzneimitteln ist wichtig für die Phytotherapie und verdient Aufmerksamkeit.
Und wie schon von Prof. Kraft erwähnt: Wer Heilpflanzen-Präparate einnimmt, sollte dies dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin mitteilen. Nur so kann ein allfälliges Interaktionsrisiko erkannt und vermieden werden.

Es gilt meines Erachtens, einerseits mögliche Wechselwirkungen genau im Auge zu behalten und andererseits aber auch an diesem Punkt nicht unnötigerweise zu dramatisieren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

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Knoblauch entspannt Blutgefässe dank Schwefelwasserstoff

Sonntag, September 13th, 2009

Dem Wirkmechanismus von Knoblauch auf der Spur

US-Wissenschaftler haben die lange bekannte, aber bisher nicht ergründete Heilwirkung von Knoblauch aufgeklärt. Demnach werden die Knoblauch-Inhaltsstoffe von den roten Blutkörperchen des Menschen in Schwefelwasserstoff (H2S) verwandelt.

Schwefelwasserstoff entspannt die Blutgefäße und verbessert dadurch die Blutzirkulation im Körper, wie Gloria Benavides und Kollegen von der Universität von Alabama in Birmingham jüngst berichtet haben (PNAS online; Fachartikel-Identifikationsnummer: DOI: 10.1073/pnas.0705710104).

Den Forschern zufolge reduziert Knoblauch das Risiko für Herzerkrankungen durch Bluthochdruck, Hypercholesterinämie und andere Faktoren. In Bevölkerungsgruppen, die viel Knoblauch verzehren, gebe es weit weniger Probleme mit hohem Blutdruck, heißt es in dem Fachartikel. Jetzt mehrten sich die Hinweise darauf, dass die günstige Wirkung dem Schwefelwasserstoff-Effekt zuzuschreiben sei.

Das Benavides-Team machte im Labor die Probe aufs Exempel und gab Spuren von Knoblauchsaft zu roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Diese sonderten unverzüglich den Botenstoff H2S ab, wie die Wissenschaftler berichten. Weitere Experimente zeigten, dass sich der Umwandlungsprozess vor allem in der Membran der roten Blutkörperchen abspielt.
(Quelle: www.aerztlichepraxis.de)

Kommentar & Ergänzung:

Die Hinweise verdichten sich, dass Schwefelwasserstoff für die Wirksamkeit von Knoblauch im Bereich des Kreislaufs eine wichtige Rolle spielt. Allerdings ist nicht auszuschliessen, dass es daneben noch andere relevante Wirkungsmechanismen gibt. Schliesslich handelt es sich beim Knoblauch wie bei anderen Heilpflanzen auch um ein Vielstoffgemisch. Auch ist die Wirkung von Knoblauch vielfältig.

Ein Effekt gegen Bluthochdruck lässt sich durch eine relaxierende Wirkung des Schwefelwasserstoffs auf die Blutgefässe nachvollziehen. Beim günstigen Effekt des Knoblauchs auf die Fliesseigenschaften des Blutes (Thrombozythenaggragations-Hemmung) und auf die Hypercholesterinämie (Cholesterinsenkung) dürften aber andere Faktoren entscheidend sein.

Eine weiter Meldung auf dem Yahoo-Newsportal hat aber vor kurzem die Bedeutung des Schwefelwasserstoffs unterstrichen:

Nur frischer Knoblauch schützt das Herz

Frischer Knoblauch verleiht nicht nur vielen Speisen eine typische Geschmacksnote. Er hat zudem einen günstigen Einfluss auf die Herzgesundheit. Getrocknet oder gekocht, weist Knoblauch diese Wirkung laut US-Wissenschaftlern aber nicht auf.

Bisher wurde vermutet, die im Knoblauch enthaltenen Antioxidantien würden das Herz stärken. Das Team um Dipak K. von der University of Connecticut School of Medicine hat nun in einer Studie an Ratten aber nachgewiesen, dass die günstige Wirkung von einer anderen Substanz ausgeht: Schwefelwasserstoff. Diese chemische Verbindung erfüllt im Organismus verschiedene Aufgaben, sie wirkt sich unter anderem günstig auf den Blutfluss aus. Schwefelwasserstoff entwickelt sich, wenn frischer Knoblauch geschnitten, gehackt oder gepresst wird. Im Gegensatz dazu kann getrockneter oder gekochter Knoblauch keinen Schwefelwasserstoff bilden. Ihre Forschungsresultate publizierten die Experten im Fachmagazins “Journal of Agricultural and Food Chemistry”.

Kommentar & Ergänzung:

Damit ist die Wirksamkeit am Menschen allerdings immer noch nicht geklärt, wenn auch Untersuchungen an Ratten mehr aussagen als reine Laborexperimente mit roten Blutkörperchen, wie sie die US-Wissenschaftler an der Universität von Alabama durchführten.

Nach einer Meldung der “Berliner Morgenpost” soll der Schwefelwasserstoff in den Tierversuchen die Durchblutung des Herzens nach einem indizierten Infarkt verbessert haben. Auch hier bleibt unklar, wieweit sich solche Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen und ob diese Experimente ethisch verantwortbar waren.
Obwohl sehr viele Fragen offen sind, spricht nun schon eine ganze Reihe von Indizien für eine Bedeutsamkeit des Schwefelwasserstoffs beim Knoblauch-Effekt.

Interessant scheint mir der Hinweis, dass nur bei frischem Knoblauch ein Schwefelwasserstoff-Effekt zu erwarten ist. Sollte diese Aussagen stimmen, stellen sich kritische Fragen bezüglich der Wirksamkeit von Knoblauch-Präparaten in Kapselform.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Reizdarm: ausgewogene Kost und Entspannung hilft

Samstag, September 12th, 2009

Menschen, die unter Bauchschmerzen und Stuhlunregelmäßigkeiten infolge eines Reizdarmsyndroms leiden, können ihre Beschwerden häufig lindern, indem sie auf eine ausgewogene, faserreiche Ernährung achten.

“Naturbelassene Lebensmittel, frisches Obst, Gemüse und Salat regen den Darm zu einer guten Verdauungsleistung an. Auch Ballaststoffe sind wichtig, die Menge an Ballaststoffen sollte jedoch langsam gesteigert werden, da diese zu Blähungen führen können. Besonders geeignet sind Haferflocken, Leinsamen oder Flohsamen, da sie die Gleitfähigkeit des Stuhls erhöhen”, erläutert Prof. Richard Raedsch vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI).

Nahrungsmittel, welche man nicht gut verträgt, sollten gemieden werden. Meist sind dies Lebensmittel, die das Verdauungssystem belasten, wie beispielsweise blähendes Kohlgemüse, Bohnen, Zwiebeln, Knoblauch, aber auch Kaffee oder scharfe Gewürze. “In Ruhe essen, sorgfältig kauen, reichlich trinken und viel Bewegung erleichtern die optimale Darmfunktion”, sagt Prof. Raedsch.

Bei sehr vielen Betroffenen mit einem Reizdarmsyndrom werden die Beschwerden von emotionalem Stress hervorgerufen. “Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Yoga-Übungen helfen oftmals Stress abzubauen und zu einem inneren Gleichgewicht zu finden. In schwierigen Lebenssituationen können dem Patienten auch psychotherapeutische Maßnahmen, wie eine Gesprächs- oder Verhaltenstherapie helfen”, empfiehlt der BDI-Experte.

“Viele Patienten befürchten, dass sich aus einem Reizdarmsyndrom Darmkrebs entwickeln kann. Diese Befürchtung ist jedoch unbegründet, denn ein Reizdarmsyndrom erhöht das Risiko dafür nicht. Wichtig ist aber, dass bei anhaltenden Darmbeschwerden zunächst andere Ursachen wie zum Beispiel Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen ausgeschlossen werden.”
Wenn diese allgemeinen Maßnahmen nicht genügen, können auch Arzneimittel zur Therapie eines Reizdarmsyndroms eingesetzt werden. “Krampflösende Mittel wie zum Beispiel Pfefferminzöl wirken Bauchschmerzen entgegen. Bei starkem Durchfall oder Verstopfung können Antidiarrhoika beziehungsweise Laxantien verwendet werden”, erläutert Prof. Raedsch. “Da ausgeprägte Symptome eines Reizdarmsyndroms häufig mit depressiven Verstimmungen oder Ängsten vergesellschaftet sind, haben sich auch sehr niedrig dosierte Antidepressiva zur Therapie bewährt.”

Quelle:
http://www.internisten-im-netz.de

Kommentar & Ergänzung:

Die krampflösende Wirkung von Pfefferminzöl bei Reizdarmbeschwerden ist inzwischen gut dokumentiert, wobei es allerdings in Form von dünndarmlöslichen Kapseln verabreicht werden sollte.
Leinsamen und Flohsamen als Stuhlregulans sind gut bewährte Mittel. Vor allem Flohsamen eignet sich sowohl gegen Verstopfung als auch gegen Durchfall, und zwar abhängig von der Wassermenge, mit der zusammen die Heilpflanze eingenommen wird.
Wenn Prof. Raedsch in manchen Fällen sehr niedrig dosierte Antidepressiva empfiehlt, denke ich als Phytotherapie-Dozent natürlich an Johanniskraut-Präparate.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Ginseng und Knoblauch – Schutz vor Darmkrebs

Dienstag, Juli 14th, 2009

Heilpflanzen-Produkte wie Knoblauch, Ingwer, Ginseng oder Soja vermindern das Darmkrebsrisiko. Eine Übersicht dazu wurde publiziert in Current Colorectal Cancer Reports 4, 2008, 34. Knoblauch beispielsweise war in vitro, bei Tieren, in epidemiologischen und klinischen Studien wirksam.

Gesunde Kost beugt sogar Rückfällen vor

Selbst noch nach einer Darmkrebserkrankung wirkt sich eine Ernährung, die arm ist an Fleisch, Fett, Weißbrot und Süßigkeiten günstig aus. So waren die Rückfall- und Sterberaten bei Studienteilnehmern, die am meisten von solchen Nahrungsmitteln verzehrten, innerhalb von fünf Jahren dreimal höher als bei Patienten, die am wenigsten davon aßen (JAMA 298, 2007, 754).

www.aerztezeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

– Mit “in vitro” (lateinisch, im Glas) bezeichnet man organische Vorgänge, welche außerhalb eines lebenden Organismus stattfinden, im Gegensatz zu solchen, die im lebenden Organismus (in vivo) ablaufen.

– Natürlich bringen Knoblauch, Ingwer, Ginseng oder Soja keinen 100%igen Schutz vor Darmkrebs. Die Unterschiede werden zweifellos gering sein. Man muss hier die Relationen wahren, um nicht unseriös überzogene Hoffnungen zu wecken.

Aber immerhin zeigen solche Ergebnisse immer wieder, dass altbewährte Heilpflanzen und auch Nahrungsmittel günstige Effekte auf unseren Organismus ausüben können. Und darum lohnt es sich alleweil, ihre Wirkungen kennen und nutzen zu lernen.
In diesem Sinne:
Alles Gute mit Knoblauch, Ginseng, Ingwer, Soja & Co.!

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Phytotherapie bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen – ein Überblick

Mittwoch, Juni 3rd, 2009

Phytotherapie bzw. Pflanzenheilkunde hat eine lange Tradition bei Erkrankungen und Beschwerden im Bereich Herz-Kreislauf. Hier eine überarbeitete und gekürzte Zusammenstellung aus der Universität Duisburg-Essen mit den wichtigsten Heilpflanzen für Funktionelle Herzbeschwerden, Bluthochdruck, Herzschwäche, Arteriosklerose-Prophylaxe und Venenerkrankungen.

Funktionelle Herzbeschwerden
Geeignet ist die Anwendung von Heilpflanzen als Tee oder in Verbindung mit hydrotherapeutischen Maßnahmen (Teilbad, Dreiviertelbad – nicht zu heiß).
Bewährt haben sich
– Weißdorn (Crataegus monogyna, Crataegus oxyacantha)
– Herzgespannkraut (Leonurus cardiaca)
– Melissenblätter (Zitronenmelisse, Melissa officinalis)
– Rosmarin (bei niederem Blutdruck, Hypotonie, Rosmarinus officinalis)
– Besenginster (Sarothamnus scoparius, syn. Cytisus scoparius)

Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)
Schlangenwurz (Rauwolfia serpentina) in freier Rezeptur ist heute nicht mehr gebräuchlich wegen der bekannten Neben- und Wechselwirkungen der Rauwolfia-Alkaloide.

Heilpflanzen mit erfahrungsmedizinischem Ansatz sind
– Arnika (Arnica montana)
– Mistelkraut (Viscum album; orale Anwendung – nicht vergleichbar mit den
Mistelzubereitungen in der Krebsbehandlung)
– Ölbaum (Olea europaea)
Knoblauch (Allium sativum) wirkt gefäßschützend und ist daher bei Hypertonie
geeignet, um eine Arteriosklerose zu bremsen, senkt jedoch auch selbst den Blutdruck bei
ausreichend hoher Dosierung. Allerdings sind die durch Phytotherapeutika zu
erreichenden Blutdrucksenkungen insgesamt schwach.

Beginnende chronische Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
Evidenzbasiert:
– Weißdorn (Crataegus monogyna und Crataegus oxyacantha)

Erfahrungsmedizin:
Mit dem Digitalis verwandte Alkaloide ähnlich kleiner therapeutischer Breite sind
enthalten in
– Adonisröschen (Adonis vernalis)
– Maiglöckchen (Convallaria majalis)
– Meerzwiebel (Scilla maritima)
– Oleander (Nerium oleander)
– Zahnstocherkraut (Ammi visnaga, Bischofskraut, Khellakraut)
Entsprechende Präparate sind exakt zu dosieren.

Arteriosklerose-Prophylaxe
Knoblauch (Allium sativum) und Artischocke (Cynarae folium) wirken günstig auf
den Fettstoffwechsel, müssen aber regelmäßig eingenommen und ausreichend hoch dosiert werden. Außerdem reduziert Grüntee den LDL-Anteil des Cholesterins.

Venenbeschwerden

Bei chronisch venöser Insuffizienz bewähren sich Heilpflanzen mit antiexsudativer Wirkung,
die hauptsächlich innerlich angewandt werden sollten. Sie lindern Beschwerden wie
schwere, müde Beine und Schwellungen und sollten schon in frühen Stadien –
zusätzlich z.B. zur Kompression – eingesetzt werden.
– Rosskastaniensamen (Aesculus hippocastanum)
– Mäusedornwurzelstock (Ruscus aculeatus)
– Buchweizenkraut (Fagopyrum esculentum)
– Steinkleekraut (Melilotus officinalis)

Quelle:
http://www.uni-due.de/naturheilkunde/de/uploads/8_Phytotherapie.pdf

Kommentar:
Diese Übersicht der Universität Duisburg-Essen fasst die wirksamsten Heilpflanzen und Indikationen für den Bereich Herz-Kreislauferkrankungen im Grossen und Ganzen gut zusammen, auch wenn sie natürlich nicht vollständig ist und über einzelne Punkte immer diskutiert werden kann.
Ergänzt werden soll hier noch:
– Besenginster würde ich so generell nicht empfehlen. Die Unterlagen dazu sind nicht eindeutig genug.
– Schlangenwurz (Rauwolfia) ist heute tatsächlich nicht mehr gebräuchlich und wenn es noch angewendet werden soll, gehört es in die Hand eines Arztes oder einer Ärztin mit Erfahrung in der Anwendung dieser Heilpflanze.
– Hypertonie ist ein schwieriges Gebiet für die Phytotherapie. Arnika sollte meines Erachtens innerlich gar nicht eingesetzt werden. Auch Mistel und die Blätter des Ölbaumes sind gegen Bluthochdruck nicht überzeugend. Eine leichte blutdrucksenkende Wirkung dürfte dem Knoblauch zukommen und einer neueren Studie zufolge wohl auf der Karkade.
Zur Karkade siehe:
Karkade-Tee senkt systolischen Blutdruck um 13 mmHg
– Bei leichten Formen der Herzschwäche (Herzinsuffizienz) steht in der Phytotherapie Weissdorn sehr im Vordergrund.
Die als Verwandte des Digitalis erwähnten Adonisröschen, Meerzwiebel, Maiglöckchen, Oleander und Zahnstocherkraut sind heute überholt und wären zudem verschreibungspflichtig.

Ausserdem hat es hier in der Übersicht der Universität Duisburg-Essen zwei Irrtümer:
Adonisröschen, Meerzwiebel, Maiglöckchen, Oleander und Zahnstocherkraut enthalten keine Alkaloide, sondern mit den Digitalis-Wirkstoffen verwandte Glykoside.
Die Wirkstoffe im Zahnstockerkraut gehören ebenfalls nicht zu den Alkaloiden, sondern zu den Furanocumarinen (z. B. Khellin).
Und zudem: Zahnstocherkraut wurde nicht bei Herzschwäche eingesetzt, sondern gegen Angina pectoris. Extrakte aus dem Zahnstocherkraut gelten aber nicht mehr als sicher, seit es Hinweise gibt auf negative Nebenwirkungen wie pseudoallergische Reaktionen, Schlaflosigkeit und reversible Leberbeschwerden.

Abschliessend zu diesem Überblick der Universität Duisburg-Essen kann allerdings nicht genug betont werden, dass es nicht nur darauf ankommt, die richtige Heilpflanze für eine bestimmte Krankheit zu finden. Ebenso wichtig ist es, in welcher Form die Heilpflanze zur Anwendung kommt (z. B. Tee, verschiedene Varianten von Tinktur oder Extrakt).
Es ist nämlich eine ganze Anzahl von Heilpflanzen-Präparaten im Handel, von denen ausgesprochen fragwürdig ist, ob sie überhaupt eine Wirkung haben – neben fundierten Produkten, die es natürlich auch gibt.

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