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Lymphe reinigen mit Schachtelhalm?

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Kürzlich wurde ich gefragt, ob es stimme, dass man mit Schachtelhalm die Lymphe reinigen könne. Auf meine Gegenfrage, woher sie diese Idee habe, sagte die Person nur, sie habe das so in ihrer Naturheilpraktiker-Ausbildung gelernt.

In der Phytotherapie-Fachliteratur, die sich auf Studien und dokumentierte Erfahrungen stützt taucht bei Schachtelhalm nirgends eine Wirksamkeit zur Reinigung der Lymphe auf. Im Internet findet man diese Angabe aber nicht selten, allerdings immer ohne nähere Erklärung dazu, wie dieser Effekt zustande kommen soll – und ohne eine auch nur einigermassen plausible Begründung.

Um die Glaubwürdigkeit einer solchen Behauptung beurteilen zu können, müsste ich den Weg wissen, wie sie zustande gekommen ist. Wer hat eine solche Wirkung von Schachtelhalm auf die Lymphe festgestellt? Mit welchen Methoden? Wie soll die Wirkung zustande kommen? Von welchen Schadstoffen soll der Schachtelhalm die Lymphe reinigen? Welche Wirkstoffe sollen an dieser Wirkung beteiligt sein?

Mit solchen Fragen läuft man beim Thema „Lymphe reinigen mit Schachtelhalm“ völlig ins Leere.

Die Phytotherapie-Fachliteratur schreibt dem Schachtelhalm eine leicht harntreibende Wirkung zu (genauer: Die Ausscheidung von Wasser steigt). Darüber hinaus ist ein hoher Gehalt an Kieselsäure für den Schachtelhalm charakteristisch. Der Kieselsäure wird eine stärkende Wirkung auf Bindegewebe zugeschrieben, was aber fraglich ist. Überzeugende Argumente dafür fehlen jedenfalls. Eine Reinigung der Lymphe lässt sich damit nicht begründen.

Das ist zusammengefasst ziemlich unspektakulär und bescheiden. Da tönt es schon viel bedeutender, wenn gesagt wird, dass Schachtelhalm die Lymphe reinigt.

Aber darf man einfach ungeprüft etwas erzählen, nur damit Bedeutsamkeit erreicht wird? Darf eine Heilpflanze nicht auch unspektakulär und bescheiden daher kommen? Muss alles super toll sein?

Interessant sind die Schachtelhalme durch ihre wichtige Rolle in der Entwicklung der Pflanzenwelt. Sie schafften es zusammen mit Farnen und Bärlappgewächsen, in grossem Stil die Landmassen der Erde zu besiedeln und damit der Pflanzenwelt den Sprung vom Meer aufs Land zu ermöglichen. Vor etwa 300 Millionen Jahren in der „Karbon-Zeit“ gab es Schachtelhalme und Farne mit 30 Metern Höhe und 1 m Stammdurchmesser. Aus den Überresten dieser Wälder entstanden Steinkohlelager (Daher: Karbon-Zeit). Wie die Farne und die Bärlappe bilden die Schachtelhalme keine Blüten und Samen, was auf ihr hohes entwicklungsgeschichtliches Alter hinweist. Erst die später folgenden Nadelhölzer entwickelten Blüten & Samen.

Der Kieselsäuregehalt der Schachtelhalme hat zur Folge, dass man sie als milde Scheuermittel verwenden kann, zum Beispiel zur Reinigung von Pfannen – daher kommt der Volksname Zinnkraut für den Schachtelhalm.

Als Heilpflanzen wir übrigens nur der Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense) verwendet.

An feuchteren Stellen trifft man den Sumpf-Schachtelhalm an (= Equisetum palustris), der für Weidevieh giftig ist. Wikipedia schreibt dazu:

„Der Sumpf-Schachtelhalm ist aufgrund seiner Inhaltsstoffe für Weidevieh giftig. Für die Giftwirkung sind hauptsächlich zwei Stoffe verantwortlich: Erstens eine Thiaminase, die das Vitamin B1 zerstört und vor allem auf Pferde giftig wirkt und ein Taumeln der Tiere auslöst. Zweitens das Piperidin-Alkaloid Palustrin (0,01–0,3 %), das auch im Heu über Jahre hinweg erhalten bleibt und das bei Rindern zur Abnahme des Milchertrags und zu Lähmungserscheinungen führt.

Beim Menschen sind keine Vergiftungen bekannt; trotzdem sollte der Sumpf-Schachtelhalm nicht in Tee-Mischungen enthalten sein.“

Hübsch anzusehen ist der Riesen-Schachtelhalm (Equisetum maximum, Equisetum telmateia). Mit einer Grösse von bis zu 150 cm ist er die grösste in Mitteleuropa heimische Schachtelhalm-Art.

P.S. Wenn Sie diese Schachtelhalmarten unterscheiden lernen wollen, dann zeige ich Ihnen die Erkennungsmerkmale gerne auf einer Kräuterwanderung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Kieselsäure / Kieselerde zur Stärkung von Nägeln, Haaren und Knochen?

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Silizium-Präparate wie Kieselerde sollen die Knochen stärken, Nägel und Haare festigen und die Haut elastischer machen.

Bei brüchigen Nägeln zum Beispiel wird häufig Kieselerde empfohlen.

Kieselerde ist ein unscharf verwendeter Begriff, der Mineralien und Sedimente mit hohem Gehalt an natürlichen Siliziumverbindungen umfasst.

Nach Angaben im Internet wird Kieselerde zum Aufbau von Zähnen, Knochen, Gewebe und für alle schnellwachsenden Körperzellen benötigt, zum Beispiel für schöne Haut, gesunde Haare oder stabile Nägel. Kieselerde beuge einem Kieselsäuremangel vor und schütze vor Osteoporose, heisst es.

Vor vielen Jahren als Drogist habe ich immer wieder Kieselsäure-Präparate verkauft. Später versuchte ich herauszufinden, ob ein Kieselsäuremangel tatsächlich existiert und ob die versprochenen positiven Wirkungen dieser Produkte auf Nägel, Haut, Haare und Knochen auch real sind.

Das Ergebnis war ernüchternd. Plausible Belege fand ich keine.

Es war und ist bis heute nicht einmal klar, ob unser Organismus Silizium überhaupt benötigt.

Vor kurzem nun hat sich die österreichische Plattform „Medizin transparent“ mit der Frage befasst, ob die Einnahme von Silizium-Verbindungen gesundheitliche Vorteile bringe.

Auch „Medizin transparent“ kommt zum Schluss: Antwort unklar.

Ein Nachweis, dass Silizium-Verbindungen die Gesundheit fördern können, fehle bisher. Zudem sei unklar, ob Silizium als Spurenelement im Körper überhaupt eine biologische Rolle spiele.

Ein Siliziummangel sei in der medizinischen Fachliteratur nicht bekannt. Möglicherweise sei Silizium für den Körper sogar nutzlos. Folgerichtig gebe es auch keine Empfehlungen für eine tägliche Mindestmenge.

Es sei zwar richtig, dass größere Mengen des Elements besonders in Haaren, Nägeln und der Haut zu finden seien. Im Körper eines Erwachsenen finden sich insgesamt ein bis zwei Gramm Silizium. Das sei jedoch kein Beweis dafür, dass Silizium ein für die Gesundheit essentielles Spurenelement ist.

Möglicherweise habe die Forschung die biologische Aufgabe von Silizium bloß noch nicht entdeckt. Genauso denkbar sei jedoch, dass sich das Element nur zufällig im Körper ansammelt. Schließlich nehme der Mensch mit der Nahrung täglich zwischen zehn und 25 Milligramm pro Tag zu sich – auch ohne auf Nahrungsergänzungsmittel zurückzugreifen.

Der Grund liege darin, dass wasserlösliche Siliziumverbindungen in unserer Nahrung relativ verbreitet seien. Sie kommen in Wasser genauso vor wie in Getreide, vielen Früchten und Gemüsesorten. Einen relativ großen Anteil an gelöstem Silizium habe übrigens Bier.

Ein wissenschaftlicher Nachweis für gesundheitliche Vorteile von Silizium-Verbindungen existiere nicht, schreibt „Medizin transparent“:

„Beispielsweise finden sich zur möglichen Wirkung von Silizium auf die Knochen lediglich zwei klinische Studien. Beide sind von so geringer Aussagekraft, dass nach wie vor unklar bleibt, ob lösliche Siliziumverbindungen überhaupt eine Auswirkung auf die Knochendichte haben.“

Ebenfalls unbelegt sei die Behauptung, Silizium könne die Haarstruktur verbessern, die Haut verjüngen oder die Brüchigkeit von Fingernägeln vermindern. Zwei Studien dazu seien von zu geringer Qualität, um diese Behauptungen zu bestätigen.

Es kursieren auch Versprechungen, dass Siliziumverbindungen die Fähigkeit haben, Alzheimer vorzubeugen oder zu bessern. Sie sollen Aluminium-Ablagerungen im Gehirn verhindern können, die angeblich die Ursache für die Demenzerkrankung sind. Die Verlässlichkeit der einzigen bisher dazu durchgeführten Studie ist sei aber zu gering, um diese Theorie zu stützen, schreibt das Team von „Medizin transparent“. Allerdings könne die momentane Studienlage nicht einmal bestätigen, dass Aluminium überhaupt an der Entstehung von Alzheimer beteiligt ist.

Auch Behauptungen, denen zufolge Silizium die Herzgesundheit fördern soll, den Magen vor zu viel Magensäure schützt oder die Bildung von Kollagen und Bindegewebe unterstützt, bleiben unbelegt.

Quelle: http://www.medizin-transparent.at/silizium

(dort weitere Informationen und die Studien im Detail)

Kommentar & Ergänzung:

Kieselerde besteht in der Regel aus Schalen abgestorbener Kieselalgen, die v.a. aus Siliziumdioxid bestehen. Als reines chemisches Element kommt Silizium kaum vor, in Form chemischer Verbindungen ist es auf der Erde aber weitverbreitet.

Die Recherche von „Medizin transparent“ zum Stand des Wissens bezüglich Kieselerde kommt zu harten Schlüssen. Es gibt keine gesicherten Erkenntnisse über einen gesundheitlichen Nutzen von Kieselerde. Gemessen an den grossen Versprechungen, mit denen diese Produkte vermarktet werden, ist das niederschmetternd.

Und es gibt sogar Hinweise darauf, dass die Langzeiteinnahme von Kieselerde für  die Nieren schädlich sein könnte:

„Schon vor mehr als zehn Jahren beurteilte eine Kommission des damaligen Bundesgesundheitsamtes Kieselsäure (bzw. Siliziumdioxid) negativ: ‚Aufgrund des fehlenden klinischen Erkenntnismaterials, insbesondere zu Dosierung und Dauer der Anwendung, kann Siliciumdioxyd zur Therapie für die beanspruchten Anwendungsgebiete nicht empfohlen werden.'(2) Gleichzeitig warnte die Kommission vor einer möglichen Nierenschädigung, wenn Kieselerde langfristig und hoch dosiert eingenommen wird: ‚In Einzelfällen (ist) die Bildung von siliciumhaltigen Nierensteinen möglich‘.(2)

(2) Aufbereitungsmonographie Siliciumdioxyd: Pharmaz. Ztg. 1994; 139: 482″

Quelle: http://gutepillen-schlechtepillen.de/actilife-kieselerde-und-radioaktivitaet/

 

Siehe auch:

Bier – eine gute Quelle für Kieselsäure

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Zeolithe zur Entgiftung?

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Zeolithe kommen in der Natur hauptsächlich als Vulkangesteine vor, werden aber auch synthetisch hergestellt.  Bei den klassischen Zeolithen handelt es sich um Aluminiumsilikate, die wie Tonminerale eine grosse innere Oberfläche besitzen, an die sich kleine Moleküle und Ionen anlagern können.

Zeolithe werden in vielen Varianten technisch vielseitig angewendet. Sie binden zum Beispiel Gerüche, Schwermetalle oder Kalzium im Waschwasser.

Seit etwa dem Jahr 2000 werden Nahrungsergänzungsmittel auf der Basis von gemahlenem Zeolith zur Entgiftung des Organismus propagiert.  Diese Präparate sollen gegen eine grosse Palette von Krankheiten wirken – von Krebs, Schizophrenie, Infektionen, Parkinson bis Herzinfarkt.

Wundermittel, die gegen fast alle Krankheiten helfen, sind immer suspekt. Sie schützen wohl vor allem gegen die Angst von Krankheiten.

Das Magazin „Stern“ berichtet gerade über dieses Thema und schreibt:

„Findige Geschäftsleute vermarkten neuerdings Zeolithe zur Entgiftung von innen. Man soll sich die aluminiumhaltigen Kieselsäuresalze zum Beispiel in den Joghurt rühren, als Pulver zu 60 Euro das Kilo. Auch in Form von Kapseln oder Salben sind sie erhältlich. Mal werden sie als Medizinprodukt angeboten, mal ohne nähere Bezeichnung. Einen Wirksamkeitsnachweis müssen Hersteller in keinem Fall erbringen.“

Der Artikel endet mit dem Fazit, es habe nie jemand systematisch an Menschen untersucht, wie viel Zeolith man schlucken muss, um sich wovon auch immer zu entgiften:

„Es gibt keine Patientenstudien dazu, vor welchen Krankheiten die Mineralien schützen. Immerhin scheint sich abzuzeichnen, dass man sich daran wohl nicht vergiften wird. Man wird nur um ein paar Euro ärmer – und scheidet das Pulver wieder aus.“

Quelle:

http://www.stern.de/gesundheit/teure-mineralien-was-zeolithe-zur-entgiftung-taugen-2096313.html

Kommentar & Ergänzung:

Immer, wenn Ihnen jemand dringend eine „Entgiftung“ nahelegt, würde ich genau nachfragen, welche Giftstoffe entfernt werden sollen, auf welchem Weg das geschehen soll und wie das Entgiftungsmittel „weiss“ welche Stoffe  es als Giftstoffe entfernen und welche lebenswichtigen Substanzen es keinesfalls eliminieren soll.

Das Thema Zeolithe ist ein gutes Beispiel dafür, wie mit aufgeblasenen Versprechungen und ohne auch nur einigermassen fundierte Belege Geld gemacht wird.

Dieser sich laufend ausdehnende Alternativmedizin-Markt, in dem jede Qualitätskontrolle fehlt, braucht meines Erachtens dringend mehr kritische Auseinandersetzung.

Weitere Infos:

– Wikipedia zur Verwendung von Zeolith

– Psiram zum Thema Zeolith

Zeolith – ein angeblicher Wunderheiler gegen Krebs

Ergänzung zum angeblichen Krebswundermittel Zeolith

(zu möglichen Risiken und Nebenwirkungen von Zeolith)

Entgiften und Entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Blick ins Pflanzenlexikon: Schachtelhalm

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Die Schachtelhalme gehören botanisch zu den Farnen.

Ein Charakteristikum der Schachtelhalme ist die Einlagerung von Silizium (als Ligninersatz) in die Zellwand. Schachtelhalme enthalten bis zu 7 % Kieselsäure.

Diese Kieselsäure-Einlagerungen machen Schachtelhalme zu einem sanften Scheuermittel (Zinnkraut).

Interessant ist die Paläobotanik der Schachtelhalme:

„Die heutigen Schachtelhalme sind die letzten Überlebenden einer ehemals artenreichen Gruppe innerhalb der Gefäßsporenpflanzen (Pteridophyta), der Equisetopsida. Zu diesem Taxon gehörten die Calamiten (Calamitaceae), die durch Fossilien aus dem Perm und Karbon bekannt sind. Sie waren verholzt, erreichten Wuchshöhen von bis zu 30 Metern und 1 Meter Stammdurchmesser und bildeten einen wichtigen Bestandteil der Steinkohlenwälder. Die ersten Schachtelhalme traten im oberen Devon vor etwa 375 Mio. Jahren auf (Pseudobornia bronni). Die Schachtelhalme können deshalb als ‚lebende Fossilien’ bezeichnet werden.“

(Quelle: Wikipedia)

Aus Farnen und Schachtelhalmen bildete sich also später die Steinkohle. Die erdgeschichtliche Epoche vor etwa 300 Millionen Jahren, in welcher Farne und Schachtelhalme dominierten, heisst daher Karbonzeit.

Farne und Schachtelhalme waren wichtig bei der Besiedelung des Festlandes durch die Pflanzenwelt.

Einige wichtige Schachtelhalm-Arten:

Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense), auch Zinnkraut oder Katzenschwanz genannt, wird als einzige Schachtelhalmart als Heilpflanze verwendet. Wirkt harntreibend und wird zum Beispiel zur Durchspülungstherapie bei Harnwegsinfekten empfohlen.

Foto auf Wikipedia

Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre)

Sumpf-Schachtelhalm ist wegen seiner Inhaltsstoffe für Weidevieh giftig. Für die Giftwirkung sind vor allem zwei Stoffe verantwortlich: Erstens eine Thiaminase, die das Vitamin B1 zerstört und hauptsächlich auf Pferde giftig wirkt und ein Taumeln der Tiere auslöst. Zweitens das Piperidin-Alkaloid Palustrin (0,01-0,3 %), das auch im Heu über Jahre hinweg erhalten bleibt und das bei Rindern zur Verminderung des Milchertrags und zu Lähmungserscheinungen führt.

Beim Menschen sind keine Vergiftungen durch Sumpf-Schachtelhalm bekannt; trotzdem sollte  diese Pflanze nicht in Tee-Mischungen enthalten sein. Auch das Alkaloid Nikotin ist im Sumpf-Schachtelhalm enthalten.

Riesen-Schachtelhalm (Equisetum telmateia). Größte einheimische Schachtelhalm-Art.

Foto auf Wikipedia

Vor allem der Acker-Schachtelhalm kommt gerne in Gärten vor und ist dort nur noch schwer zu vertreiben.

Die Zeitschrift „Bioterra“ hat vor einiger Zeit vier Ansätze zusammengefasst, wie man den Schachtelhalm wieder los wird:

„- Jäten und nochmals jäten. Möglichst tief graben und alle Wurzelstücke sauber entfernen. Kleine Pflänzchen gar nicht erst hoch kommen lassen.

– Abgraben der Kulturerde auf mindestens 50 cm Tiefe. Abführen der Erde oder in einer Gartenecke deponieren, wo sich der Schachtelhalm aufhalten darf. Einlegen eines Trennflieses über dem Unterboden. Einbringen von Kies (Wandkies oder Kiesschotter), Schichtdicke 50 cm. Vereinzelt können immer noch Pflanzen spriessen, diese ausjäten.

– Die Fläche umgraben und möglichst viele Wurzelteile herauslesen. Abdecken der Fläche für ein Jahr mit einer regendurchlässigen schwarzen PE-Folie. Durch die Hitzeeinwirkung trocknen die verbliebenen Wurzelstücke aus. Im zweiten Jahr die Fläche mit einer gut deckenden Pflanze bestellen, z.B. Kartoffeln dicht gepflanzt, Roggen oder Phacelia-Einsaat (hilft auch gegen andere Wurzel-Kräuter wie Schnürgras oder Sonchus-Arten).

– Eine Drainschicht (Kies) einbauen und die Humusschicht verbessern (Humus und Kompost). Dann den Boden mit rasch wachsenden Kleinsträuchern und Stauden bepflanzen.“

Quelle:

http://www.bioterra.ch/site/index.php?option=com_content&view=article&id=170:umgang-mit..

Kommentar & Ergänzung:

Wer Schachtelhalm als Heilpflanze verwenden will, sollte vor allem den Acker-Schachtelhalm vom Sumpf-Schachtelhalm unterscheiden können.

Solche Unterschiede zwischen verwechselbaren Pflanzenarten kann man am besten auf Kräuterexkursionen kennen lernen. Die aktuellen Daten und Orte finden Sie im Kurskalender.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Was ist Braunhirse?

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Seit einiger Zeit wird in der Alternativmedizin-Szene Braunhirse gegen alle möglichen Beschwerden angeboten.

Was ist Braunhirse?

„Braunhirse ist ein Getreide aus der Familie der Süssgräser (Poaceae). Die Samen werden ungeschält mit Spelze und Schale zu einem Vollwertmehl verarbeitet. Das Pulver enthält unter anderem Eiweiss, Kohlenhydrate, Mineralstoffe und Kieselsäure mit einem hohen Anteil an Silicium. In der Alternativmedizin und in der Werbung wird es gegen zahlreiche Erkrankungen empfohlen, unter anderem gegen Arthrose, Osteoporose, Karies, Nagel- und Haarerkrankungen. Die Wirksamkeit in diesen Anwendungsgebieten ist nicht nachgewiesen und über mögliche Risiken und unerwünschte Wirkungen einer Behandlung ist nicht ausreichend bekannt. Braunhirse ist nicht als Arzneimittel zugelassen und wird als Nahrungsmittelergänzung verkauft.“

(Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Braunhirse)

Kommentar & Ergänzung:

Die Heilungsversprechungen bezüglich Braunhirse überschlagen sich geradezu und umfassen unterschiedlichste Erkrankungen. Das müsste eigentlich immer Anlass zu Skepsis sein und ist ein Beispiel für Indikationslyrik.

Wie andere Getreide auch, enthält Braunhirse verhältnismässig viel Mineralstoffe, darunter Kieselsäure. Diese besteht zu etwa einem Drittel aus Silizium, einem Spurenelement, das eine wichtige Rolle als Nährstoff und Aufbaustoff für Knorpelmasse, Bindegewebe, Haut, Haare und Nägel spielt und zur Mineralisation der Knochen beiträgt. Wahrscheinlich resultiert hieraus das Werbeversprechen, Braunhirse würde bei brüchigen Haaren und Nägeln, schlaffer Haut, Bindegewebsschwäche, Osteoporose und Arthrose helfen. Allerdings deckt eine normale Mischkost den Bedarf an Silicium problemlos.

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Sind Vitamin B5, Hirse-Extrakt und L-Cystin wirksam gegen Haarausfall?

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Im Phytoforum der „Aerztezeitung“ wurde folgende Frage gestellt:

„Hirse-Extrakt (öliger) wird zusammen mit der Aminosäure L-Cystin und Vitamin B5, der Pantothensäure, für die Indikation Haarausfall vermarktet.

Welche Erkenntnisse bestehen zu dieser Kombination? Gibt es darüber hinaus Daten zu der Wirksamkeit und dem Wirkmechanismus? Wie sieht es bei männlichem oder weiblichem genetischen Haarausfall aus?“

Die Antwort von Prof. Karin Kraft (Lehrstuhl für Naturheilkunde der Universität Rostock):

„Zur ersten Frage: In einem Beitrag haben Privatdozentin Daniela Höller Obrigkeit von der Hautklinik der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen und ihre Mitarbeiter 2006 in einer in vitro Studie an Keratinozyten gezeigt: Die Kombination aus L-Cystin, Pantothensäure und dem aus der Hirse gewonnenen Phytoöstrogen Miliacin steigert das Zellwachstum synergistisch (Cutan Ocul Toxicol 2006; 25(1): 13-22).

Zur zweiten Frage: Über den zugrunde liegenden Mechanismus, über die Wirksamkeit in vivo und mögliche Wirkungen in besonderen Patientengruppen ist allerdings keine Aussage möglich.“

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/haut-krankheiten/article/803888/hilft-hirse-haarausfall.html?sh=225&h=-1654632450

Kommentar & Ergänzung:

Bei den untersuchten Substanzen der Studie aus Aachen handelt es sich um Inhaltsstoffe des Haarwuchsmittels PRIORIN®. Beteiligt an der Studie war die Pharmafirma Roche, während Priorin heute von Bayer verkauft wird. Es handelt sich um Kapseln zum Einnehmen.

So interessant solche Laborergebnisse manchmal auch sein mögen: Karin Kraft schreibt sehr zu recht, dass die Resultate dieser Studie keine Aussagen über mögliche Wirkungen in vivo (am lebenden Menschen) erlauben.

Eine gut dokumentierte Wirksamkeit sieht jedenfalls anders aus.

Priorin gibt es daneben auch zur äusserlichen Anwendung mit den Inhaltsstoffen Melatonin, Ginkgo biloba und Biotin (Vitamin B7).

Die Priorin-Website trägt in Bezug auf Wissenschaftlichkeit ziemlich dick auf:

„ Priorin® LF wurde in der Schweiz in Zusammenarbeit mit mehreren internationalen dermatologischen Kliniken und Universitäten entwickelt und geprüft. Es ist das Resultat von über 10 Jahren Forschung und Entwicklung, u.a. an der ETH Zürich und der dermatologischen Klinik in Zürich.

Die Wirksamkeit und die Verträglichkeit von Priorin® LF wurde in verschiedenen Studien in mehreren Ländern gezeigt. Die Untersuchungen wurden an Männern und Frauen verschiedensten Alters durchgeführt.“

(Quelle: http://www.priorinlf.ch/de/studien.html)

Wenn man die Wissenschaftlichkeit so ins Zentrum rückt, sollte man meines Erachtens auch die Quellenangeben angeben, also offenlegen, in welchen Fachzeitschriften die Forschungsresultate publiziert wurden. Schöne Behauptungen kann nämlich jeder aufstellen. Die Website enthält als Beleg nur Vorher/Nachher-Fotos. Das ist als Beleg nichts wert.

Basis der Priorin-Kapseln ist ein Goldhirse-Totalextrakt. Hirse ist ein wertvolles Getreide:

„ Hirse ist das mineralstoffreichste Getreide. In Hirse sind Fluor, Schwefel, Phosphor, Magnesium, Kalium und besonders viel Silizium (Kieselsäure) und Eisen enthalten. Im Handel üblich ist die von Schalen befreite Goldhirse. Es gibt daneben die ungeschälte Braunhirse, in der die meisten an den Schalen haftenden Mineralstoffe und Spurenelemente erhalten sind. Möglicherweise ist jedoch der Blausäuregehalt besonders bei roher Hirse nicht ganz unbedenklich. Hirse kann zur Herstellung glutenfreier Backwaren verwendet werden. In vielen Gebieten Afrikas und Asiens sind die unterschiedlichen Hirsearten Hauptnahrungsmittel, werden allerdings zunehmend durch Mais verdrängt. Kolbenhirse dient als Nahrung und in Osteuropa als Viehfutter, in Europa und Nordamerika zudem als Vogelfutter für die Ziervogelhaltung.

Hirse ist darüber hinaus die Grundlage einiger traditioneller Biere, zum Beispiel Dolo in Westafrika, Pombe in Ostafrika und Merisa im Sudan. In Äthiopien ist die Hirseart Teff (Eragrostis tef) die wichtigste Nahrungspflanze der Menschen. Industriell wird Hirse von einigen spezialisierten Brauereien zur Herstellung von glutenfreiem Bier für Menschen mit Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) genutzt. In China werden aus Hirse eine Reihe von Spirituosen gebrannt, die Baijiu genannt werden, der bekannteste chinesische Hirseschnaps ist Maotai.“

(Quelle: Wikipedia)

Interessant ist auch die Nutzungsgeschichte der Hirse:

„ Die beiden ältesten Funde von Rispenhirse in Deutschland (Nähe Leipzig und Kreis Hadersleben) stammen aus der Zeit der Linienbandkeramik (Altneolithikum 5500–4900 v. Chr.). Im Altertum und Mittelalter zählten die unterschiedlichen Hirsearten zum meistangebauten Getreide. Durch Ausgrabungen in Mittel- und Norddeutschland ist ebenso der Hirseanbau in der vorrömischen Eisenzeit (Hallstatt- und Latènezeit) sowie der römischen Zeit (1.–3. Jahrhundert n. Chr.) belegt. In der frühen Neuzeit wurden sie in Europa durch die Einfuhr von Kartoffel und Mais fast völlig verdrängt. Im Himalayagebiet wird aus verschiedenen Sorten ein schwachalkoholisches Bier gebraut. Gästen des Hunnenkönigs Attila wurde ausschließlich Hirse gereicht. Um die Gesundheit und Kraft zu stärken, empfahl der griechische Philosoph Pythagoras die Hirse.“

(Quelle: Wikipedia)

Meine Vermutung: Die wichtigsten Inhaltsstoffe von Priorin bekommt man gesünder und billiger via Hirse oder via andere Getreide. Das Produkt scheint mir unnötig (als Drogist, der ich einmal war, würde ich heute mit einer solchen Einstellung allerdings wohl Pleite gehen….).

Ob Ginkgo biloba im Priorin® LF via äusserlicher Anwendung auf der Kopfhaut einen positiven Effekt gegen Haarausfall hat, scheint mir auch fraglich.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Frühjahrskur mit Brennnessel – fragwürdige Tipps der Kronen-Zeitung

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Nichts gegen die Brennnessel!  Die Kronen-Zeitung bietet aber wieder einmal  ein Beispiel für unseriöse Gesundheitsinformation.

Alle Jahre wieder kommen die Ratschläge zum innerlichen Frühjahrsputz. Auch die Kronen-Zeitung setzt sich für mehr interne Sauberkeit ein – und veräppelt ihre Leserinnen und Leser mit wirren und nebulösen Ratschlägen.

Als Beispiel die Empfehlungen zur Brennnessel:

Brennnessel

Die Brennnessel regt den gesamten Stoffwechsel an. Sie ist durchblutungsfördernd und eine Heilpflanze für den arteriellen Blutkreislauf. Sie ist eine der Pflanzen, der man die Fähigkeit nachsagt, die Blutbildung anzuregen. Sie ist auch ein typisches Entwässerungskraut – das heißt, wenn man viel Brennnesseltee trinkt, Brennnesseln als Gemüse oder Frischsaft isst oder trinkt, steigern sich Harnmenge und Harnfluss erheblich.

Inhaltsstoffe: Ameisensäure (sie ist verantwortlich für das „Brennen“, wenn wir die Pflanze berühren; sitzt an der Spitze der Brennhaare), Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe, mit unseren Hormonen vergleichbar), Karotinoide (Vorstufen zu Vitamin A), reichlich Vitamin C, Vitamin E, Kieselsäure, in den Brennhaaren Histamine und Serotonin (das Hormon, das uns glücklich macht).

Verwendung: Die ganzen, jungen Schösslinge als Blutreinigungstee, entweder bereits getrocknet oder auch frisch. Entweder mit anderen Kräutern mischen oder alleine verwenden. Faustregel bei frischer Brennnessel: für eine Tasse eine lockere Handvoll nehmen. Faustregel bei getrockneter Brennnessel: Für eine Tasse so viel nehmen, wie zwischen zwei Finger passt. Brennnesselkuren kann man eigentlich immer durchführen, nicht nur im Frühling.“

Quelle:

http://www.krone.at/Gesund-Fit/Kraeuter_fuer_den_Fruehjahrsputz_von_innen-Fruehjahrskur-Story-253748

Kommentar & Ergänzung:

Schauen wir uns diese Aussagen genauer an.

„Die Brennnessel regt den gesamten Stoffwechsel an“

Ganz generell? Alle Stoffwechselvorgänge? Das könnte gefährlich werden, geht es doch beim Stoffwechsel um den Auf- und Abbau von Stoffen im Organismus. Eine generelle Anregung kann also kaum sinnvoll sein. Derart pauschale Angaben tönen gut, sind aber ohne konkreten Nutzen.

„Sie ist durchblutungsfördernd….“

Ja, bei äusserlicher Anwendung….(„Brennnesselpeitschungen“)

„…..und eine Heilpflanze für den arteriellen Blutkreislauf.“

Was heisst denn ‚für den arteriellen Blutkreislauf’? Das sagt nichts aus darüber, was Brennnessel im arteriellen Blutkreislauf genau bewirkt.

Ausserdem ist von einer Wirkung der Brennnessel auf den arteriellen Blutkreislauf in der Phytotherapie-Fachliteratur nichts bekannt. Höchstwahrscheinlich eine leere Behauptung. Aber schreiben darf man halt, was einem in den Sinn kommt.

„Sie ist eine der Pflanzen, der man die Fähigkeit nachsagt, die Blutbildung anzuregen.“

Ja, das sagt man der Brennnessel nach. Mehr aber auch nicht.

„Sie ist auch ein typisches Entwässerungskraut – das heißt, wenn man viel Brennnesseltee trinkt, Brennnesseln als Gemüse oder Frischsaft isst oder trinkt, steigern sich Harnmenge und Harnfluss erheblich.“

Das ist nicht präzis. Brennnessel fördert die Wasserdiurese. Der Harn wird verdünnt.

„Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe, mit unseren Hormonen vergleichbar)“

Das ist Unsinn. Menschliche Hormone sind weder mit Flavonoiden noch mit sekundären Pflanzenstoffen vergleichbar.

„Serotonin (das Hormon, das uns glücklich macht).“

Ja, aber nicht, wenn es in den Brennhaaren der Brennnessel steckt…

Ausserdem: Serotonin kann die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden und muss als „Glückshormon“ im Gehirn selber gebildet werden. Serotonin-Zufuhr durch Brennnesselkonsum wird also kaum glücklich machen. Dieser Hinweis ist irreführend.

„….als Blutreinigungstee,“

Wovon genau soll Brennnesseltee das Blut reinigen?

Der Ausdruck „Blutreinigungstee“ ist schon an sich hoch fragwürdig.

Siehe:

Naturheilmittel: Ärgernis Blutreinigungstee

Pflanzenheilkunde: Fragwürdige Blutreinigungstees

Viel pauschale, vage und falsche Angaben also in diesem Beitrag der Kronen-Zeitung.

Und ausgerechnet das interessanteste Ergebnis der Brennnessel-Forschung fehlt: Die entzündungswidrige Wirkung von Brennnessel-Extrakt und Brennnesselmus bei Rheuma bzw. Arthritis.

Siehe dazu:

Brennnessel-Kur gegen Rheuma

Mit derart leeren Behauptungen und pauschal-vagen Beschreibungen, wie sie die Kronen-Zeitung hier auftischt,  werden die Leserinnen und Leser veräppelt. Mehr Sorgfalt im Umgang mit Informationen wäre nötig.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

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Naturheilmittel bei Husten

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Die „Bild“-Zeitung veröffentlichte Naturheilkunde-Tipps gegen Husten, basierend auf Empfehlungen der „TV-Ärztin“ Franziska Rubin:

„Bronchialtee: Einen Teelöffel frischen oder getrockneten Thymian in eine Tasse heißes Wasser geben, zehn Minuten ziehen lassen. Bis zu dreimal täglich trinken. Wirkt krampflösend, desinfizierend.“

Thymian ist in der Phytotherapie eine der wichtigsten Heilpflanzen gegen krampfartigen und produktiven Husten. Ob Thymiantee allerdings immer die geeignetste Anwendungsform ist, würde ich in Frage stellen. Für die desinfizierende Wirkung von Thymian ist das ätherische Öl (= Thymianöl) verantwortlich, das sich jedoch im wässrigen Tee nicht optimal löst. Zudem gelangt das ätherische Öl nach der Aufnahme in den Körper zuerst in die Leber, wird dort teilweise umgebaut und via Niere ausgeschieden. Daher ist sehr fraglich, ob aus dem Thymiantee schlussendlich ausreichend Thymianöl in die Bronchien gelangt, um dort desinfizierend zu wirken.

Möglicherweise wäre hier die Inhaltation mit Thymiankraut oder Thymianöl besser, weil das ätherische Öl so direkt in die Atemwege gelangt.

„Zwiebelsirup: Altes Hausmittel – frische Zwiebel klein schneiden, in ein Glas geben, mit Zucker überstreuen, ziehen lassen. Von dem Sirup, der sich bildet, dreimal täglich ein bis zwei Teelöffel zu sich nehmen.“

Zwiebelsirup ist tatsächlich ein altbewährtes Naturheilmittel und Hausmittel gegen Husten, das offenbar vor allem schleimlösend wirkt. Niemand weiss allerdings genau, wie die Wirkung zustande kommt. Möglicherweise durch eine Steigerung der Schleimproduktion in den Bronchien durch eine Reizung der Magenschleimhaut („gastropulmonaler Reflex“). Zwiebel wird auch antimikrobiell, doch ist auch hier fraglich, ob bei Einnahme von Zwiebelsirup genügend Wirkstoffkonzentration in den Atemwegen erreicht wird.

„Wärmewickel mit Bienenwachs: Gut vor allem für Kinder. Eine Bienenwachsplatte mit dem Fön erhitzen, auf einen Wickel geben und diesen auf die Brust des ­Kindes legen, zwei bis drei Stunden oder über Nacht. Achtung: aufpassen, dass die Wickel nicht zu warm ist.“

Ein ähnlich guter Wärmespeicherer wie Bienenwachs ist der Kartoffelwickel.

„Erkältungssirup: Zwei Esslöffel getrockneten oder frischen Spitzwegerich (enthält Kieselsäure) zerkleinern, mit zwei Esslöffel Wasser aufkochen. Abkühlen lassen und im Verhältnis 1:1 in cremigen Honig einrühren. Stündlich einen Teelöffel nehmen. Besonders gut bei festsitzendem Husten.“

‚Festsitzender Husten’ ist kein sehr klarer Begriff. Ist festsitzender Schleim gemeint?

Es gibt keine handfesten Argumente dafür, dass Spitzwegerich festsitzenden Schleim löst. Spitzwegerich gilt in der Phytotherapie eher als Heilpflanze gegen trockenen Reizhusten (wegen seinem Schleimgehalt).

Zum Schluss noch die Warnung:

„Achtung: Gehen Sie zum Arzt, wenn der Husten nach drei Tagen nicht aufhört, wenn hohes Fieber oder blutiger Auswurf dazukommt.“

Quelle:

http://www.bild.de/BILD/ratgeber/gesund-fit/2011/01/29/die-besten-hausmittel-teil-2/ohne-medikamente-gesund-werden.html

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Was sind Schüssler-Salze?

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Schüssler-Salze erleben im Bereich Alternativmedizin / Komplementärmedizin / Naturheilkunde gerade einen ziemlichen Boom. Gleichzeitig wissen aber die wenigsten Anwenderinnen und Anwender genauer über diese Präparate Bescheid.
Es folgt darum hier eine Zusamenfassung aus Wikipedia und daran anschliessend ein ergänzender Kommentar:

Schüßler-Salze sind Präparate von Mineralsalzen in homöopathischer Dosierung (Potenzierung), die zur Alternativmedizin gezählt werden Die Behandlung mit ihnen basiert auf der Annahme, Krankheiten entstünden allgemein durch Störungen des Mineralhaushalts der Körperzellen und könnten durch homöopathische Gaben von Mineralien geheilt werden. Diese Annahmen und Vorstellungen sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Eine Wirksamkeit der Schüßler-Salze ist weder experimentell noch klinisch nachgewiesen.

Der homöopathische Arzt Wilhelm Heinrich Schüßler (1821–1898) publizierte in der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung 1873 den Artikel „Eine abgekürzte Homöopathische Therapie“, in dem er eine Therapieform namens „Biochemische Heilweise“ vorstellte. Seine Abkürzung bestand darin, dass er statt der etwa tausend Mittel in der Homöopathie nur zwölf Salze, „Schüßler-Salze“ genannt, zur Behandlung fast aller Krankheiten für ausreichend hielt. Schüßler ging davon aus, dass Krankheiten auf der Basis gestörter biochemischer Vorgänge entstehen. Er ging davon aus, dass Krankheiten zu einem großen Teil auf der Grundlage eines „gestörten Mineralhaushaltes“ entstehen, wobei das Fehlen eines bestimmten Minerals den gesamten Stoffwechsel beeinträchtige. Schüßler betonte, sein Verfahren sei „kein homöopathisches“, weil es nicht auf dem von Samuel Hahnemann propagierten Simile-Prinzip („Ähnliches kann durch Ähnliches geheilt werden“) beruhe, sondern auf physiologisch-chemische Vorgänge im menschlichen Organismus zurückzuführen sei. Aus diesem Grund lehnte Schüssler auch die in der Homöopathie üblichen Arzneimittelprüfungen an gesunden Probanden als „grundfalsch“ ab.

Der Vizepräsident des Biochemischen Bund Deutschlands e. V., Hans-Heinrich Jörgensen, vertritt allerdings die Auffassung, dass sich Schüßler-Salze nicht nur zum Ausgleich von Mangelerscheinungen, sondern auch gemäß dem homöopathischen Ähnlichkeitsprinzip anwenden lassen: „Beides ist möglich und funktioniert auch, denn schließlich sind die Salze ja nach den Regeln der Homöopathie aufbereitet. Aber die Indikationsansprüche, die Zielrichtung, die Erscheinungen, die behandelt werden sollen, sind andere, ob ich mit meiner Arznei schlicht Mineralmängel beseitigen will, oder ob ich entsprechend dem homöopathischen Arzneibild Konstitutionen verändern will.“

Bei den biochemischen Präparaten nach Schüßler handelt es sich um homöopathische Arzneimittel im Sinne des deutschen Arzneimittelgesetzes (AMG), die nach einem vereinfachten Genehmigungsverfahren („Registrierung“) in den Verkehr gebracht werden. Im Gegensatz zur „Zulassung“ von Arzneimitteln (Synthetika, Phytopharmaka) brauchen Wirksamkeit und Unbedenklichkeit bei der „Registrierung“ homöopathischer Arzneimittel nicht nachgewiesen zu werden; im Gegenzug dürfen allerdings auch keine Anwendungsgebiete (Indikationen) aufgeführt werden. Die im Zusammenhang mit der Verabreichung von Schüssler-Salzen manchmal durchgeführte so genannte Antlitzdiagnostik bzw. Antlitzanalyse ist nach wissenschaftlichen Kriterien nicht haltbar.

Schüssler-Salze werden nach homöopathischer Verfahrensweise durch Schütteln, Reiben oder Zerkleinern verdünnt und haben entsprechende Verdünnungsbezeichnungen: D1 bedeutet, dass es sich um eine Verdünnung von 1:10 handelt, Dx allgemein eine Verdünnung von 1:10x. Die Salze sind in der Regel D6 = 1:1.000.000 oder D12 = 1:1.000.000.000.000 verdünnt.

Die „Biochemie nach Schüßler“ ist vor allem durch Heilpraktiker als Behandlungsform erhalten geblieben. Sie wird in Fachschulen gelehrt und viele Heilpraktiker arbeiten täglich in der Praxis mit Schüssler-Salzen. Vor der gesetzlichen Festschreibung der Berufsbezeichnung Heilpraktiker (1939) in Deutschland wurde Schüßlers Lehre wesentlich durch Laienbewegungen verbreitet. Einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Schüssler-Methode leistete Kurt Hickethier, welcher zwei Kurhäuser zur Behandlung seiner Patienten errichtete. Der erste „biochemische Verein“ wurde im Jahre 1885 in Oldenburg gegründet. Heute (2004) existieren in Deutschland etwa 70 „biochemische Vereine“ und weitere im Ausland. Die Schüßler-Salze werden von interessierten Menschen bei verschiedensten Krankheitsbildern eingesetzt.

Wirksamkeit der Schüssler-Salze

Schüßler-Salze haben keinerlei wissenschaftlich belegte Wirkung. Die Stiftung Warentest kommt zu dem Schluss: „Biochemie nach Schüßler ist zur Behandlung von Krankheiten nicht geeignet.“ Der Professor für Alternativmedizin Edzard Ernst stellt fest: „Die Behandlungskostenübernahme durch einige deutsche Krankenkassen ändert nichts daran, dass diese ‚Therapie’ als eine nicht wirksam bewertete Behandlung einzustufen ist“.

Die „Biochemie“ nach Schüßler

Wilhelm Heinrich Schüßler distanzierte sich mit seiner Therapiemethode strikt von der Homöopathie. Es gab zu Schüssler’s Lebzeiten viele Auseinandersetzungen mit Homöopathen, die seine Behandlungsmethode schon allein wegen ihrer Einfachheit nicht akzeptierten und verächtlich von Düngemitteln sprachen. In seinem Artikel „Eine abgekürzte Homöopathische Therapie“ schreibt Schüßler selbst: „Die Grundlage meiner Forschung waren Histologie, die darauf bezügliche Chemie, die anorganischen Bestandteile der Gewebe und die physiologischen Wirkungen oder Funktionen dieser Bestandteile.“

Bei seinen Untersuchungen fand er nach eigenen Angaben zwölf verschiedene Verbindungen, die im menschlichen Organismus vorkämen, die sogenannten Schüßler-Salze. Nach Schüßlers Ansicht bewirkt ein pathogener Reiz die Verstärkung der Funktion einer Zelle, weil die Zelle bemüht ist, den Reiz abzustoßen. Wegen dieser Tätigkeit verliere sie einen Teil ihrer mineralischen Funktionsmittel. Schüssler glaubte, diese Zellen seien dann pathogen verändert, was das Wesen einer Krankheit sei.

Durch die Zufuhr dieser nun fehlenden Mineralstoffe könnten die Krankheiten bekämpft werden. Dazu sei die Potenzierung der Salze nötig, um Mängel innerhalb einer Zelle aufzufüllen. Nach Schüssler’s Ansicht gelangen die hoch verdünnten „feinstofflichen“ Mineralstoffe, also die einzelnen Moleküle, direkt in das Zellinnere. Die Mängel außerhalb der Zellen seien durch eine nährstoff- und basenreiche Ernährung aufzufüllen, weil ein gewisses Gleichgewicht zwischen Zellinnerem und Extrazellularraum nötig sei.
Merkmale im Gesicht ließen Schüssler die verschiedenen fehlenden Mineralstoffe feststellen und so eine entsprechende Dosierung der Salze vornehmen.

Kurt Hickethier erweiterte die von Schüßler eingeführte „Antlitzanalyse“ und nannte sie zu seiner Zeit „Sonnerschau“. So ist nach Hickethier zum Beispiel ein Mangel am Schüssler-Salz Nr. 3 (Ferrum phosphoricum) unter anderem an den inneren Augenwinkeln durch eine dunklere, blauschwarze bis schwarze Färbung zu erkennen. Durch die darauf folgende Einnahme des entsprechenden Mineralstoffs konnte Hickethier nach eigenen Angaben einen Rückgang der antlitzanalytischen Zeichen im Gesicht feststellen.
Praktische Anwendung der Schüssler-Salze
Schüßler-Salze sollen als „homöopathisch aufbereitete“, das heisst potenzierte Mittel in Tablettenform angewendet werden, die man dann im Mund langsam zergehen lässt. Die Mineralstoffe sollen dann über die Mundschleimhaut vom Organismus aufgenommen werden. Für jedes Schüssler-Salz gibt es eine sogenannte Regelpotenz. Für die Schüssler-Salze Nr. 1, 3 und 11 wird in der Regel D12 genommen. Für die übrigen Schüssler-Salze gilt D6 als Regelpotenz.

Zur Anzahl der Tabletten pro Tag existieren verschiedene Ansätze. Ein Teil der Heilpraktiker empfiehlt eine Dosierung von etwa drei bis sechs Stück täglich von nur zwei bis drei verschiedenen Schüßler-Salzen, der andere Teil wiederum empfiehlt auch mehr verschiedene Salze und höhere Dosen bis insgesamt etwa 150 Pastillen pro Tag. Wahrscheinlich sind die Dosierungen darum so unterschiedlich, weil manche Anwender die Aussagen von Schüßler und Hickethier unterschiedlich interpretieren. Manche Heilpraktiker sehen die Heilweise auch als Reizheilweise, während Schüßler selbst sie in seiner „abgekürzten Therapie“ als Substitutionsheilweise bezeichnet.

Durch den Wandel der Zeit und einen möglichen erhöhten Bedarf an Mineralstoffen, durch Stress und falsche Ernährung sind nach der Ansicht einiger heutiger Heilpraktiker größere Gaben von Mineralstoffen nötig.
Die Vorstellung, dass die Verwendung großer Mengen Schüßler-Salze einen Mineralstoffmangel besser beheben könne als die Verabreichung nur weniger Tabletten pro Tag, steht allerdings im Widerspruch zu der Tatsache, dass bei der Potenz D6 selbst 1000 Tabletten immer noch weniger als ein Milligramm des zugrundeliegenden Minerals enthalten.
Kurt Hickethier schreibt, dass er um etwa 1910 bei seinen Patienten meist nur zwei bis drei verschiedene nennenswerte Salzmängel in einem Antlitz feststellen konnte. Manche Mangelanzeichen traten laut seinen Angaben sehr selten auf, weil sie einen überaus starken, langjährigen Mangel eines Mineralstoffes voraussetzen. Heute seien diese von ihm beschriebenen, damals seltenen Anzeichen aber häufig anzutreffen. Auch die Anzahl und Ausprägung der Mängel, welche in einem Gesicht zu erkennen seien, sei viel größer geworden. Hickethier selbst rät: „In schweren Fällen und bei großen Mängeln erscheint es gerechtfertigt, kurze Zeit hindurch alle Minuten eine Gabe der üblichen Verdünnung (laut Schüßler) zu geben.“ Schüßler war in seiner abgekürzten Therapie offen für unterschiedliche Dosierungen seiner Salze und schrieb, dass jeder Arzt nach eigenem Ermessen die Dosis wählen solle.

Einnahmearten der Schüssler-Salze

Die Schüßler-Pastillen werden einzeln, können jedoch auch bis zu etwa fünf Stück gleichzeitig im Mund gelutscht werden. Die Schüssler-Salze sollen dabei über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Weil die Pastillen fast nur aus Milchzucker (Laktose) bestehen, ist bei einer Laktoseintoleranz Vorsicht angezeigt. Die Pastillen können in Leitungswasser aufgelöst werden, wobei nicht umgerührt werden soll, damit der Milchzucker am Boden der Tasse nicht verworfen wird. Diese Lösung wird dann schluckweise getrunken. Hierbei wird nur eine verhältnismäsig geringe Menge von Milchzucker eingenommen. Auch gibt es inzwischen in Alkohol aufgelöste Schüßler-Salze, welche laktosefrei sind.

Sehr bekannt ist die Einnahme des Schüssler-Salzes Nr. 7, Magnesium phosphoricum, als „heiße Sieben“. Bei akuten Schmerzzuständen sollen 10 Tabletten in einer Tasse in kochend heißem Wasser aufgelöst werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Lösung nicht mit einem Metallgegenstand umgerührt wird. Die Milchzuckerlösung wird so warm wie möglich getrunken, wobei jeder Schluck lange im Mund behalten werden soll, um die Aufnahme durch die Mundschleimhäute zu verbessern. Auch die Einnahme der anderen Schüßler-Salze kann sowohl als heiße Lösung wie auch durch Auflösen in einem Glas abgekochtem Wasser geschehen. Eine Anwendung soll auch in Salbenform möglich sein (etwa Ferrum phosphoricum „biochemisch“ für Entzündungen).

Die 12 „Funktionsmittel“ der Schüssler-Salze

Calcium fluoratum D12
Calcium phosphoricum D6
Ferrum phosphoricum D12
Kalium chloratum D6
Kalium phosphoricum D6
Kalium sulfuricum D6
Magnesium phosphoricum D6
Natrium chloratum D6 (Kochsalz)
Natrium phosphoricum D6
Natrium sulfuricum D6
Silicea D12 (Kieselsäure)
(Calcium sulfuricum D6)

Diese 12 ursprünglichen Schüßler-Salze reduzierte Schüßler im Jahr 1895 auf elf; er schrieb: „Da der schwefelsaure Kalk nicht in die konstante Zusammensetzung des Organismus eingeht, so muss er von der biochemischen Bildfläche verschwinden. Statt seiner kommt Natrium phosphoricum resp. Silicea in Betracht.“
Später wurden von verschiedenen Autoren zusätzliche Mineralstoffe eingeführt, welche heute unter der Bezeichnung „Ergänzungsmittel“ zusammengefasst werden.

Die 15 „Ergänzungsmittel“ der Schüssler-Salze

Kalium arsenicosum D6
Kalium bromatum D6
Kalium jodatum D6
Lithium chloratum D6
Manganum sulfuricum D6
Calcium sulfuratum D6
Cuprum arsenicosum D6
Kalium-Aluminium sulfuricum D6
Zincum chloratum D6
Calcium carbonicum D6
Natrium bicarbonicum D6
Arsenum jodatum D6
Aurum Chloratum Natronatum D6
Selenium D6 (Selen)
Kalium bichromicum D12

Ergänzende biochemische Mittel nach Joachim Broy

Natrium fluoratum D6
Magnesium fluoratum D6
Calcium chloratum D6
Ferrum chloratum D6
Ferrum sulfuricum D3
Magnesium chloratum D6
Magnesium sulfuricum D6

Geschichte der „Biochemie nach Schüßler“

Schüßler, welcher bis zu Beginn der 1870er Jahre der „klassischen“ Homöopathie mehr oder weniger treu geblieben war, wurde nach der Erstveröffentlichung seiner „neuen“ Therapie in der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung (1873) heftig von Homöopathen kritisiert, welche Verrat an der gemeinsamen Sache witterten. Ein Jahr später publizierte er sein grundlegendes Werk „Eine abgekürzte Therapie gegründet auf Histologie und Cellularpathologie“, welches auf knapp 16 Seiten die Grundzüge seiner Lehre enthielt. Dabei grenzte er sich deutlich von der Homöopathie ab. Im Vorwort zu späteren Auflagen bekannte er sich zu den Einflüssen, welche der Physiologe Jakob M. Moleschott und der Pathologe Rudolf Virchow auf seine Theorie hatten.

Die heftigen Auseinandersetzungen mit führenden Vertretern der Homöopathie brachten Schüßler 1876 zum Austritt aus dem „Centralverein homöopathischer Ärzte“. Der polemische Schlagabtausch ging allerdings über Jahrzehnte weiter. Die naturwissenschaftliche Medizin nahm dagegen kaum Kenntnis vom neuen „biochemischen“ Verfahren. Im deutschen Kaiserreich wurde es zwar von den meisten Gesundheitsbehörden im Rahmen der gesetzlich verankerten Kurierfreiheit toleriert, jedoch nicht gefördert.

Geschichte der biochemischen Verbände

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts existierten drei konkurrierende Verbände: der „Verband biochemischer Vereine für das Deutsche Reich“, der „Schüssler-Bund“ und der „Jade-Verband“. In den 1920er Jahren zählte die biochemische Bewegung mehr als achthundert ehrenamtliche „Krankenbehandler“. Diese wurden von Ärzten, die in ihnen Kurpfuscher sahen, nicht selten wegen fahrlässiger Körperverletzung oder gar Tötung angezeigt. Die meisten Gerichtsverfahren endeten jedoch mit Freispruch.
Durch die Reichsarbeitsgemeinschaft der Volksverbände wurden die biochemischen Vereine 1922 zwangs-zusammengeschlossen zum „Biochemischen Bund Deutschlands“, der 1928 bereits 184.672 Mitglieder zählte und straff organisiert war. 1929 umfasste die Bundesgeschäftsstelle 22 hauptamtliche Mitarbeiter. In einem eigenen Verlag in Potsdam erschienen die „Zeitschrift für Biochemie. Volkstümliches Fachorgan für Mineralstofflehre“ mit einer Auflage von mehr als 200.000 Exemplaren sowie vielen Informationsschriften.

Zur Zeit des Nationalsozialismus stieg die „Biochemie“ zu einer anerkannten Heilweise auf. Die „Krankenbehandler“, welche bisher am Rande der Legalität praktiziert hatten, bekamen den Status von Heilpraktikern. Außerdem konnten im „Dritten Reich“ erstmals mit staatlicher Billigung und Förderung Untersuchungen durchgeführt werden, in denen die behauptete Wirksamkeit „biochemischer“ Arzneimittel überprüft wurde. Solche Menschen-Versuche fanden auch in den Konzentrationslagern Dachau und Auschwitz statt, unter Leitung des Reichsarztes SS Ernst-Robert Grawitz. Dabei wurden unter anderem künstlich herbeigeführte Fälle von Blutvergiftung und Malaria weitgehend erfolglos „therapiert“. Für die Häftlinge nahmen diese grausamen Experimente in den meisten Fällen einen tödlichen Ausgang.

Der „Biochemische Bund“ steuerte nach 1933 mehr und mehr ins nationalsozialistische Fahrwasser. Eine interne Gleichschaltung führte zum Ausschluss unerwünschter, hauptsächlich „nichtarischer“ Mitglieder. Ab 1934 findet man in der Mitgliederzeitschrift die Rubrik „Volk und Rasse“ und an der Spitze der Bundesleitung stehen linientreue Parteigenossen. 1935 wurde der „Biochemische Bund“  zwangsweise in die „Reichsarbeitsgemeinschaft der Verbände für naturgemäße Lebens- und Heilweise“ eingegliedert. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der „Bund“ aufgelöst, jedoch schon 1946 neu konstituiert. 1949 gab er wieder eine Mitgliederzeitschrift heraus („Gesundes Volk“, später „Weg zur Gesundheit“), konnte jedoch nicht wieder an die frühere Bedeutung anknüpfen. Aus einem verbandseigenen Kurhaus, welches 1936 in Hahnenklee im Harz in Betrieb genommen wurde, ging 1949 ein „Dr. Schüssler-Sanatorium“ hervor. Im Jahr 2004 existierten in Deutschland wieder etwa 70 biochemische Vereine, weitere im Ausland.

Komplex-Biochemie

Die Komplex-Biochemie ist eine seit den 1920er Jahren bestehende Sonderform der Behandlung mit Schüßler-Salzen. Sie wurde entwickelt von dem Berliner Arzt Konrad Grams. Die etwa dreissig Präparate der Komplex-Biochemie werden seither unter dem Namen „JSO Bicomplexe“ produziert und vermarktet, die Zusammensetzung ist nur unwesentlich verändert worden. Konrad Grams entwickelte damit – dem Zeitgeist folgend – aus der Schüßler-Biochemie ein deutlich laienfreundlicheres Selbstbehandlungs-System – die „Komplex-Biochemie“: „Unter Komplex-Biochemie verstehen wir die Vereinigung mehrerer Mineralsalze zu einem Mittel, welches zu den erkrankten Geweben oder dem erkrankten Körperteil in Beziehung steht. Es deckt gewissermaßen alle Krankheitserscheinungen der betreffenden Krankheit.“ Grams selbst hängt in seinen Publikationen auch weiterhin der pseudomaterialistischen Defizit-Hypothese an („Die Komplex-Biochemie ist […] eine Ernährungstherapie.“)

Die Komplex-Biochemie nach Grams umfasst 30 sehr einfache Konzepte, welche die Wahl des Mittels leicht machen (bei Durchfall das „Darmmittel“, bei „Husten“ das „Hustenmittel“ etc.). Auch wenn etliche Heilpraktiker die Behandlung mit komplex-biochemischen Mitteln anbieten, ist das System hauptsächlich zur Selbstmedikation gedacht.
Allerdings ist aufgrund arzneimittelrechtlicher Vorschriften die Angabe einer Indikation nur noch für zugelassene, nicht aber für registrierte homöopathische Arzneimittel erlaubt, so dass Angaben wie „Hustenmittel“ auf der Packung der – lediglich registrierten – JSO Bicomplexe nicht mehr zugelassen sind. Die Erteilung einer Zulassung (statt der ebenfalls zulässigen Registrierung) würde aber Wirksamkeitsnachweise für die beanspruchte Indikation voraussetzen, welche die „Schüssler-Salze“ nicht vorweisen können.

Quelle: Wikipedia (Literaturangaben dort)

Kommentar & Ergänzung:

Diese Wikipedia-Informationen rufen nur an wenigen Stellen nach einer Ergänzung oder Präzisierungen. Ich versuche hier, ein paar offene Punkte bzw. Fragen aufzuführen.

– Schüssler-Salze werden von den Arzneimittelbehörden gleich behandelt wie Präparate aus Homöopathie und Anthroposophischer Medizin. Sie sind daher wie diese vom Nachweis einer Wirksamkeit befreit. Dadurch besteht auch keine Notwendigkeit, Wirkungen fundiert zu dokumentieren.
Daher ist es nicht erstaunlich, dass experimentelle oder klinische Belege für eine Wirksamkeit fehlen.

– Ausser Frage steht, dass viele AnwenderInnen von Schüssler-Salzen von positiven Wirkungen berichten. Dabei kann es sich aber auch um Effekte handeln, welche durch die Erwartungshaltung ausgelöst wurden, oder um Verbesserungen aufgrund des natürlichen Verlaufs der Beschwerden (Selbstheilungskräfte). Vor kurzen erklärte mir eine Bekannte, dass sie sich gar nicht mehr vorstellen könne, ohne Schüssler-Salze Nr. X, Y und Z ihren Alltag zu bewältigen. Ich halte solche Aussagen für ein Symptom psychischer Abhängigkeit und beobachte ähnliche Phänomene im Umfeld der Schüssler-Salze nicht selten.

– Schüssler-Salze im Sinne einer Substitutionsbehandlung als Mineralstofftherapie zu bezeichnen, halte ich für eine Konsumententäuschung. Bei Verdünnungen von D6 (1: 1 000 000) und D12 (1:1 000 000 000 000) sind von ursprünglich vorhandenen Mineral nur noch äusserst minimale Spuren vorhanden.

– Die mit der Anwendung von Schüssler-Salzen oft verknüpfte „Antlitzanalyse“ (Physiognomik) ist hoch fragwürdig und problematisch. Sie eignet sich bestens als Transportmittel für Vorurteile, Projektionen und Unterstellungen.

– Das Konzept von Schüssler, alle Krankheiten auf Mineralstoffmängel zurückzuführen, ist ausgesprochen einseitig und zudem sehr mechanistisch.

– Die Tiroler Apotheken führten am 7. Mai der „1. Schüssler Tag“ durch. Die Ankündigung dafür ist meines Erachtens ein gutes Beispiel für unseriöse Propaganda.

Beispiel 1:
„ Die Salze, die von dem Arzt Wilhelm Schüßler vor über hundert Jahren erforscht wurden, sollen genau jene Mineralstoffe beinhalten, die Körperzellen brauchen. Kommt es zu einem Mangel einzelner Mineralstoffe im Körper, kann diese „Betriebsstörung“ durch die Einnahme der Schüßler Salze ausgeglichen werden.“ (Quelle: www.tt.com)
Es gibt keinen einzigen Hinweis, dass Schüssler-Salze einen Mangel an Mineralstoffen ausgleichen können. Wie schon weiter oben erwähnt: Als Substitutionstherapie bei Mineralstoffmangel sind Schüsslersalze unsinnig. Allenfalls dienen sie als indirekte Substitutionstherapie bei Mangelzuständen in Apothekerkassen…..

Beispiel 2:
„’Diese alte Form der Alternativmedizin erfährt zurzeit eine Renaissance’, betonte Apothekerkammer-Präsident Martin Hochstöger am Montag bei einer Pressekonferenz. Das sei vor allem darauf zurückzuführen, dass es sich um ein natürliches und risikoloses Behandlungsmodell handelt, bestätigte auch Monika Winkler, Pharmazeutin der Stadtapotheke Innsbruck. Bei der Anwendung könne man nichts falsch machen.“ (Quelle: www.tt.com)
Natürlich und risikolos – das kommt immer gut an. Wirksamkeit ist dagegen für die Apotheker kein Thema. Und eine Heilmethode, bei der man nichts falsch machen kann, entspricht ebenfalls dem Zeitgeist. Dann muss man sich ja auch nicht vertiefter damit auseinandersetzen und kann einfach mal rumprobieren. So erlebe ich jedenfalls nicht wenige Anwenderinnen und Anwender von Schüssler-Salzen. Ein Wochenendkurs, und man hat Gesundheit und Krankheit im Griff – bei sich selber und bei Patientinnen und Patienten. Eine ziemliche Fast-Food-Haltung, was mir da oft entgegen kommt. Und eine masslose (Selbst-) Überschätzung.

Beispiel 3:
„Die Einsatzmöglichkeiten sind sehr breit gestreut. ‚Jetzt im Frühjahr kämpfen viele Tiroler mit Pollenallergien, grippalen Infekten und Erkältungen. Da sind die homöopathisch zubereiteten Mineralstoffe eine wichtige Stütze für den menschlichen Organismus. Schüßler Salze können jedoch auch schon vorbeugend und in jedem Alter zur Gesundheitsvorsorge angewendet werden’, erklärte Susana Niedan-Feichtinger, Geschäftsführerin der Adler Pharma.“ (Quelle: www.tt.com)

Das ist ja schön für Adler Pharma als Markführerin im Bereich Schüssler-Salz in Österreich. Eigentlich heisst das: Schüssler Salze kann man immer einnehmen – ob gesund oder krank, alt oder jung – Schüssler-Salze braucht’s immer. Die perfekte Medikalisierung des Lebens, was ein unerschöpfliches Marktpotenzial mit sich bringt.
Zu einem professionellen Umgang mit Naturheilmitteln gehört wie auch bei anderen Medikamenten eine Einschränkung des Anwendungsbereiches auf Indikationen, bei denen der Nutzen überzeugend dokumentiert ist.
Leider sieht man bei Apotheken und Drogerien zunehmend, dass die fachlich-professionelle Haltung von kommerziellen Interessen völlig überdeckt wird.

„Mehr Wissen über die Salze von Dr. Schüssler“ verspricht die Ankündigung des „1. Schüssler Tages“ im Titel. Nach dem „Wörterbuch der philosophischen Grundbegriffe“ (Meiner Verlag 1998) ist „Wissen“ die auf „subjektiv und objektiv zureichenden Gründen  beruhende Überzeugung vom tatsächlichen Bestehen von Gegenständen, Vorgängen oder Sachverhalten“. Gründe für die gemachten Versprechungen sind in dieser Ankündigung aber nicht ersichtlich. Statt von „Wissen“ wäre es deshalb m. E.  angebrachter, von Behauptungen zu sprechen.

Mag sein, dass meine Kritik gerade ziemlich hart daherkommt. Ich will eigentlich gar keine „Standpauke“ halten.
Ich finde es aber unakzeptabel, wenn Apotheker ihr fachliches Renommee ins Feld führen, um mit derart fadenscheinigen und irreführenden Aussagen auf Kundenfang zu gehen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ackerschachtelhalm bei Harnwegsentzündungen

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Der Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) zählt zu den Heilpflanzen, deren medizinische Wirkung hauptsächlich auf ihrem hohen Mineraliengehalt beruht. Das erklärt Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg.

Die größten Anteile an den Mineralien im Schachtelhalm haben Kieselsäure und Kaliumsalz. Innerlich als Tee angewendet, dient die Heilpflanze zum Durchspülen bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege. Auch bei Nierengrieß, Gichtattacken und Ödemen kommt Schachtelhalm als Tee zur Anwendung. Äußerlich wird der Ackerschachtelhalm eingesetzt, um schlecht heilende Wunden zu behandeln – er beeinflusst die Gewebeversorgung günstig, erklärt Mayer.

Der Schachtelhalm gehört als naher Verwandter der Farne zu den ältesten noch lebenden Pflanzenarten. Optisch gleicht er entfernt einer Flaschenbürste. Für Heilzwecke genutzt werden seine oberirdischen Teile, das «Kraut».

Quelle:
http://de.news.yahoo.com

Kommentar & Ergänzung:

– Schachtelhalm ist auch bekannt unter den Namen Zinnkraut oder Katzenschwanz.

– Ackerschachtelhalm kann auch selbst gesammelt werden. Allerdings sollte man ihn so gut kennen, dass Verwechslungen mit dem potenziell giftigen Sumpfschachtelhalm (Equisetum palustre) ausgeschlossen sind. Vom Sumpfschachtelhalm liegen Berichte von Tiervergiftungen vor. Er enthält Thiaminase, welche Thiamin (Vitamin B1) abbaut. Vergiftungserscheinungen stimmen daher weitgehend mit denjenigen eines Vitamin-B1-Mangels überein.
Die Unterscheidungsmerkmale von Ackerschachtelhalm und Sumpfschachtelhalm (sowie weiterer Schachtelhalmarten) lernt man am besten direkt in der Natur kennen. Wer diese und andere Heilpflanzen sicher erkennen will, kann dies in meinen Heilkräuter-Exkursionen. Infos im
Kurskalender: www.phytotherapie-seminare.ch/index.php).

– Für die leicht harntreibende Wirkung könnten Flavonoide verantwortlich sein.

– Die Schachtelhalme existierten bereits im Karbon und erreichten damals offenbar eine Höhe von 30 m und bis zu einem Meter Stammdurchmesser.

– Die Angabe von “Oedemen” als Indikation für Heilpflanzen ist meines Erachtens immer zu unpräzis und daher fragwürdig. Es gibt Oedeme mit ganz unterschiedlichem Hintergrund. Bei Oedemen, die durch Erkrankungen der Venen, des Herzens, der Nieren oder der Leber ausgelöst werden, ist ein Nutzen von Schachtelhalmtee nicht erkennbar. Empfohlen wird Schachtelhalm auch in der Phytotherapie-Fachliteratur manchmal bei posttraumatischen Ödemen, doch fehlen selbst hier überzeugende Belege. Ich würde diese vage und eher irreführende Indikation weglassen.

– Für eine Durchspülungstee-Kur bei Harnwegsinfekten wie zum Beispiel einer Blasenentzündung scheinen mir Goldrute (Solidago virgaurea) oder Birkenblätter geeigneter. Und zudem müssten bei einer Blasenentzündung nicht nur Durchspülungspflanzen (Aquaretika) angewendet, sondern auch antimikrobielle Heilpflanzen eingesetzt werden. Beispielsweise Bärentraubenblätter, Preiselbeersaft, Meerrettich. Solche Empfehlungen aus dem Bereich Pflanzenheilkunde / Phytotherapie sind nur bei leichteren Harnwegsentzündungen ausreichen wirksam. Bei Blasenentzündung sind Antibiotika oft eine sinnvolle und manchmal sogar eine notwendige Medikation, auch wenn das “Heilkräuter-Fundis” vielleicht nicht gerne hören.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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