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Schwarztee hemmt Karies

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Das Magazin „Focus“ stellt 10 Irrtümer über Zahnpflege richtig.

Irrtum Nr. 10: „Teetrinken schadet den Zähnen“.

Zitat:

„Schwarzer Tee kann zwar zu unschönen Verfärbungen führen. In dem aromatischen Getränk stecken aber äußerst zahnfreundliche Stoffe. Dazu gehören neben Fluor auch die sogenannten Tannine. Diese Bitterstoffe hemmen das Enzym Amylase, das im Speichel vorhanden ist und Stärke zu kariesförderndem Zucker umwandelt.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/zaehne/vorbeugung/irrtuemer/teetrinken-ist-schlecht-fuer-die-zaehne_aid_15608.html

Kommentar & Ergänzung:

Stimmt wahrscheinlich, dass Schwarztee karieshemmend wirkt, jedenfalls wenn man ihn regelmässig trinkt. Allerdings lösen sich die Tannine nur langsam im Teewasser und man muss den Schwarztee daher lange ziehen lassen, um einen hohen Tannin-Gehalt zu bekommen (8 – 10 Minuten). Ein Genusstee ist das dadurch entstehende Getränk für die meisten Menschen dann aber wohl kaum mehr. Je bitterer der Schwarztee, desto höher der Tannin-Gehalt und desto höher die karieshemmende Wirkung.

Die karieshemmenden Tannine im Schwarztee bewirken zwar eine bittere Geschmacksempfindung, laufen phytotherapeutisch allerdings nicht unter der Wirkstoffgruppe „Bitterstoffe“, sondern unter „Gerbstoffe“. Sie verbinden sich mit Eiweiss. Und weil das Enzym Amylase auch zu den Eiweissen gehört, ist ein karieshemmender Effekt auf diesem Weg denkbar.

Gerbstoffe aus Schwarztee (und aus Grüntee) hemmen zudem die Gluconyltransferase. Mit diesem Enzym produziert das Kariesbakterium Streptococcus mutans Dextrane. Die klebrigen Dextrane helfen dem Bakterium, sich an der spiegelglatten Zahnoberfläche festzumachen. Mindestens ein Teil der Antikaries-Wirkung von Schwarztee und Grüntee dürfte also darauf zurückzuführen sein, dass die plaquebildenden Kariesbakterien weniger gut anhaften können.

Dass Teetrinker weniger unter Karies leiden, dafür sprechen mehrere epidemiologische Studien, wobei meines Wissens vor allem Grüntee erfasst wurde.

Solche Studien haben aber immer einen Haken:

Wenn bei Grüntee-Trinkern weniger Karies auftritt

( = Korrelation, gleichzeitiges Auftreten von zwei Faktoren: Hoher Grünteekonsum, wenig Karies),

…..dann heisst das noch nicht, dass weniger Karies wegen dem Grünteekonsum auftritt (Kausalität).

Es könnte sein, dass ein dritter, unbeachteter Faktor mitspielt, der für den verminderten Kariesbefall verantwortlich ist.

Beispiel: Grünteetrinker konsumieren vielleicht weniger zuckerhaltige Cola. Für den tieferen Kariesbefall könnte dann der Wegfall von Cola-Getränke auslösend sein, und nicht der Grünteekonsum.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Studie stellt Beurteilung der Lebertoxizität von Pflanzenextrakten in Frage

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In den letzten Jahren gab es immer wieder Diskussionen über mögliche Lebertoxizität von Heilpflanzen. Beispielsweise bezüglich Kava-Kava oder Umckaloabo.

Siehe dazu:

Leberschäden durch Umckaloabo?

Umckaloabo wegen möglicher Leberschäden unter Kritik

Umckaloabo®: Leberschäden unwahrscheinlich

Das Thema potenzieller Lebertoxizität ist nicht einfach.

Einerseits gehört es zum sorgfältigen Umgang mit Heilpflanzen, dass man sich auch mit allfälligen Risiken auseinandersetzt.

Andererseits sollten aber Risiken auch nicht unnötigerweise aufgebauscht werden. Was meinem Eindruck nach nicht selten vorkommt.

Eine interessante Studie aus Frankfurt hat nun überprüft, wie zuverlässig die bisherigeBeurteilung der Lebertoxizität von Pflanzenextrakten ist.

Die Studie unter Beteiligung des Frankfurter Universitätsklinikums belegt, dass die gängigen Algorithmen, mit denen leberschädigende pflanzliche Substanzen identifiziert werden, nicht zuverlässig sind. Publiziert wurde die Studie im März im Fachmagazin „Expert Opinion on Drug Safety“.

Die Leber wird oft durch Nahrungsbestandteile, Arzneimittel, Gifte oder Infektionen beeinträchtigt. Die Identifizierung solcher Stoffe ist jedoch nicht immer zuverlässig.

Um die Qualität der Einschätzungen zu prüfen, haben sich die Wissenschaftler publizierte Fälle angeschaut, in denen ein bestimmter Pflanzenextrakt als Auslöser für Leberschäden angegeben wurde. Die Wissenschaftler kamen dabei zum Schluss, dass viele Beurteilungen fehlerhaft sind. So wurden zum Teil falsche Substanzen als problematisch bewertet, während wirklich schädliche möglicherweise unentdeckt geblieben sind.

Ursachenzusammenhänge sind schwierig einzuschätzen

Die ersten charakteristischen Anzeichen einer Leberschädigung – das Ansteigen der Serumkonzentrationen von Leberenzymen – sind sehr unspezifisch. Sie kommen so oft vor, dass sie nur als Indikatoren nützlich sind. Die Bandbreite der Auslöser für einen solchen Anstieg reicht von Infektionen über Entzündungen, Stoffwechselstörungen, Ernährungsbesonderheiten, Gallensteinen und Giften bis zur Medikamenteneinnahme. Um zu belegen, dass ein Arzneimittel oder ein Pflanzeninhaltsstoff für einen Leberschaden verantwortlich ist, genügt ein einfacher zeitlicher Zusammenhang nicht. Eine gute Bewertung verlangt zusätzlich den Ausschluss von anderen Ursachen. Diese Prüfungen nennt man Kausalitätsbewertungen.

Eine gute Grundlage, um ein Pflanzenpräparat vom Markt zu nehmen oder ergänzende Gebrauchseinschränkungen in der Packungsbeilage zu machen besteht dann, wenn gut belegte Fälle eines gesicherten oder sehr wahrscheinlichen Zusammenhangs zwischen dem spezifischen Produkt und einer Leberschädigung bekannt sind. Wenige, aber gut belegte Fälle seien dabei aussagekräftiger als eine große Anzahl von unzuverlässig bewerteten Fällen, erläutert Prof. Johannes Schulze vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt und einer der Autoren der Studie. Fehleinschätzungen wiederum können ernsthafte Konsequenzen haben. Im schlimmsten Fall werde dabei eine lebertoxische Substanz übersehen, in der falschen Annahme, die ursächliche Substanz gefunden zu haben. Die nicht erkannte Gefährdung bestehe dann weiter, warnt Prof. Schulze.

Studie stellt gegenwärtigen Prüfverfahren schlechtes Zeugnis aus

Die jetzt publizierte Studie kommt zu dem Resultat, dass bei den untersuchten Fällen zahlreiche Fehleinstufungen vorlagen, häufig wegen ungenauer Beschreibungen oder einer unvollständigen Präsentation der Datenlage. Alternative Auslöser wie Hepatitis oder Alkoholmissbrauch wurden nur unvollständig oder gar nicht ausgeschlossen. Die publizierten Schlussfolgerungen zur Kausalität waren in zahlreichen Fällen nicht nachvollziehbar. In Einzelfällen liess sich der angeblich erkannte Zusammenhang sogar ausschliessen.

Empfehlung für zuverlässigere Tests

Die Autoren zeigen in der Studie auch, wie sich die Beurteilungen verbessern lassen. Die Beurteilung von leberschädigenden Substanzen soll durch ein nachvollziehbares Verfahren geschehen. Sie empfehlen dazu einen als CIOMS-Skala bezeichneten Algorithmus, der von jedem Arzt auch selbstständig angewendet werden kann. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, eine Kausalitätsbewertung durch das Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt vornehmen zu lassen.

Die Studie:

Rolf Teschke, Alexander Schwarzenboeck, Axel Eickhoff et al.

Clinical and causality assessment in herbal hepatotoxicity. Expert Opinion on Drug Safety, posted online on March 5th 2013, doi:10.1517/14740338.2013.774371

Quelle:

Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M.

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=40258

Kommentar & Ergänzung:

Interessant ist die Kausalitätsbewertung. Hier geschieht oft eine Verwechslung von Korrelation mit Kausalität

Wenn 100 000 Menschen ein synthetisches oder pflanzliches Medikament X nehmen, dann wird ein gewisser Prozentsatz dieser Menschen innert eines Jahres eine Lebererkrankung bekommen, einfach deshalb, weil von 100 000 Menschen innert eines Jahres dieser Prozentsatz eine Lebererkrankung bekommt. Es besteht nun aber ein durchaus reales Risiko, dass ungerechtfertigterweise das Medikament für die Lebererkrankung verantwortlich gemacht wird. Das Zusammentreffen (die Korrelation) der Medikamenteneinnahme und der Lebererkrankung ist in diesem Fall zufällig, nicht kausal in dem Sinne, dass das Medikament die Ursache der Lebererkrankung ist.

Wird Korrelation irrtümlich als Kausalität eingestuft, haben wir es mit einem Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss zu tun, und den zu verstehen und zu vermeiden kann ziemlich wichtig sein  Leben.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss

Ein Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss liegt aber nicht nur vor, wenn einem Medikament wie oben geschildert ungerechtfertigterweise eine unerwünschte Nebenwirkung zugeschrieben wird, sondern auch, wenn einem Medikament ungerechtfertigterweise eine erwünschte Wirkung zugeschrieben wird.

Beispiel: Ich bin krank, ich nehme ein Heilmittel XY, ich werde gesund. Schlussfolgerung: Heilmittel XY hat mich gesund gemacht. Das kann stimmen. Dann liegt Kausalität vor. Oder es kann nicht stimmen, weil andere Faktoren wie beispielsweise meine Selbstheilungskräfte mich gesund gemacht haben – das dürfte bei vielen einfacheren Beschwerden die Regel sein. Wer automatisch einen Kausalitätsschluss zieht, negiert daher andere mögliche Faktoren wie eben beispielsweise die Selbstheilungskräfte.

Aus diesem Grund ist auch der oft benutzte „Kampfspruch“ „Wer heilt hat Recht“ in der Regel eine fragwürdige Simplifizierung. Wer heilt hat nur Recht, wenn alle anderen Faktoren ausser der therapeutischen Intervention als Ursache der Besserung ausgeschlossen wurden.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht?

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht? (2)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Ist zuviel Vitamin D ungesund?

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Nicht nur tiefe, sondern auch hohe Werte von Vitamin D im Blut sind offenbar ungesund. Das berichten Wissenschaftler der Universität von Kopenhagen.

Sie haben die Resultate der Blutproben von 247.574 Menschen aus der dänischen Hauptstadt untersucht. Danach war im Vergleich zu normalen Vitamin-D-Werten bei tieferen Werten unter 10 nmol pro Liter Serum die Sterberate um das 2,31-Fache höher.

Bei hohen Werten von mehr als 140 nmol/l war die Sterberate 1,42-fach erhöht. Bei 50 nmol/l war die Sterberate am niedrigsten.

Quellen:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/ernaehrung/article/814474/zuviel-vitamin-d-offenbar-ungesund.html?sh=6&h=-1179570343

J Clin Endocrinol & Metabol 2012; online 9. Mai.

http://jcem.endojournals.org/content/early/2012/05/09/jc.2012-1176.abstracti

Kommentar & Ergänzung:

Gegenüber den Versprechungen der Vitaminproduzenten ist eine gesunde Portion Skepsis angebracht. Nicht nur, dass der wohl grössere Teil der versprochenen Wirkungen nicht annähernd belegt ist. Es gibt auch zunehmend Hinweise darauf, dass ein zuviel an Vitaminpräparaten schädlich wirken kann. Diese Studie weckt diesen Verdacht bezüglich Vitamin D.

Allerdings muss dabei beachtet werden, dass eine Korrelation noch keine Kausalität belegt. Oder einfacher ausgedruckt: Wenn ein hoher Vitamin-D-Spiegel und eine hohe Sterblichkeit zusammen auftreten (Korrelation), heisst das noch nicht, dass der hohe Vitamin-D-Spiegel für die erhöhte Sterblichkeit auch ursächlich (Kausal) verantwortlich ist. Es könnten mit dem erhöhten Vitamin-D-Spiegel verbundene unbekannte Faktoren die erhöhte Sterblichkeit bewirken.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Macht Schokolade wirklich schlank?

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„Schokolade macht schlank“. So oder ähnlich betitelten verschiedene Tageszeitungen und Wochenmagazine vor kurzem Berichte über eine einschlägige Studie der Universität von Kalifornien in San Diego / USA:

„Die Präventionsmedizinerin Beatrice Golomb hat gemeinsam mit Kollegen von der University of California in La Jolla mehr als tausend Erwachsene untersucht und nach ihren Schokoladen-Gewohnheiten gefragt. Dabei zeigte sich, dass jene Probanden, die häufiger Schokolade aßen, im Durchschnitt schlanker waren. Wer sogar mehrmals in der Woche zur süßen Tafel griff, so das überraschende Ergebnis, war und blieb dünner.

Die Forscher vermuten, dass sich Inhaltsstoffe der Kakaobohne positiv auf den Stoffwechsel auswirken und das Gewicht günstig beeinflussen.“

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/ernaehrung-schokolade-kann-schlank-machen-1.1318798

Nun kann allerdings eine solche Studie zwar mögliche Zusammenhänge aufzeigen (Korrelation: wer Schokolade isst, ist schlanker), nie aber einen ursächlichen Zusammenhang belegen (Kausalität: Schokolade macht schlank). Während solche Einschränkungen in den Studien selber in der Regel erwähnt werden, fehlen sie bei der Weiterverbreitung in den Medien sehr häufig.

Dass Korrelation nicht das Gleiche ist wie Kausalität, hat am Beispiel der erwähnten Studie eine Pressemitteilung der Aktion „Unstatistik des Monats“ anschaulich erläutert.

Während eine Korrelation nur eine Beziehung zwischen Merkmalen beschreibt, handelt es sich bei der Kausalität um einen ursächlichen Zusammenhang, also um Ursache und Wirkung. Zwei Merkmale nennt man dabei „positiv korreliert“, wenn sie sich mehr oder weniger systematisch in die selbe Richtung bewegen: Steigt die eine, steigt in der Regel auch die andere. Fällt die eine, fällt auch die andere. Ein Beispiel für eine positive Korrelation ist das Verhältnis von Körpergröße und Gewicht. Große Menschen wiegen im Allgemeinen mehr als kleine; nicht zwingend in jedem Einzelfall, jedoch im großen und ganzen schon. Eine negative Korrelation liegt dagegen immer dann vor, wenn hohe Werte des einen Merkmals mit tiefen des anderen zusammengehen und umgekehrt. So zeigt sich etwa bei Männern eine hohe negative Korrelation zwischen dem Einkommen und der Zahl der Haare auf dem Kopf: Je weniger Haare, desto mehr Geld.

Daraus folgt jedoch nicht, dass Männer durch Haarausfall ihr Einkommen steigern können, also ein kausaler Zusammenhang besteht. Diese negative Korrelation entsteht dadurch, dass bei Männern mit wachsendem Alter in der Regel das Einkommen steigt und die Haare ausfallen. Eine dritte Variable im Hintergrund, das Lebensalter, wirkt also ursächlich auf Einkommen und Haare ein. Zwischen den beiden Ausgangsvariablen selbst dagegen existiert keinerlei Kausalzusammenhang.

Ähnlich könnte es sich auch mit der Häufigkeit des Schokoladenkonsums und dem Gewicht verhalten. Möglicherweise belohnen sich manche Menschen für einen Verzicht auf eine Currywurst oder fette Schweinesteaks mit einem kleinen Bissen Schokolade? Auf diese und ähnliche Hintergrundvariablen, die eine solche negative Korrelation verursachen könnten, weisen die Autoren der Studie durchaus hin. Aber wie bei so vielen wissenschaftlichen Untersuchungen werden diese Zusatzinformationen in der medialen Aufarbeitung weggelassen.

Sollte tatsächlich eine Kausalbeziehung existieren, wäre die eher in umgekehrter Richtung zu vermuten: dicke Menschen versuchen, die Kalorienzufuhr da zu vermeiden, wo es ihnen eher leicht fällt, und essen darum weniger Schokolade.

Quelle:

http://www.rwi-essen.de/forschung-und-beratung/fdz-ruhr/unstatistik-des-monats/

Kommentar & Ergänzung:

Bei der Beurteilung der Aussagekraft von Studien ist es zentral zu unterscheiden, ob es sich  um eine Beobachtungsstudie, die nur Korrelationen aufzeigen kann, oder um eine klinische Studie (Randomisiert, placebokontrolliert, doppelblind), die Kausalitäten aufzeigt.

Und was genau ist die Aktion „Unstatistik des Monats“?

„Der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Bochumer Ökonom Thomas Bauer und der Dortmunder Statistiker Walter Krämer haben im Jahr 2012 die Aktion „Unstatistik des Monats“ ins Leben gerufen. Sie werden jeden Monat sowohl jüngst publizierten Zahlen als auch deren Interpretationen hinterfragen. Die Aktion will so dazu beitragen, mit Daten und Fakten vernünftig umzugehen, in Zahlen gefasste Abbilder der Wirklichkeit korrekt zu interpretieren und eine immer komplexere Welt und Umwelt sinnvoller zu beschreiben.“

Quelle: http://www.rwi-essen.de/forschung-und-beratung/fdz-ruhr/unstatistik-des-monats/

Allerdings scheint mir die Bezeichnung „Unstatistik“ für die beschriebene „Schokolade-Studie“ nicht passend. Aus der Pressemitteilung geht jedenfalls nichts hervor, was auf schlechte Statistik hindeuten würde. Problematisch ist hier die verkürzte Wiedergabe der Studie in den Medien.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Mit Nahrungsergänzungsmitteln höheres Sterberisiko

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Erneut kommt eine Studie zu dem Resultat, dass die Einnahme von Vitaminen und Spurenelementen Menschen ohne Mangelzustände mehr schadet als nutzt.

Eine Auswertung der Iowa Women’s Health Study zeigt in den Archives of Internal Medicine (2011; 171: 1625-1633) für mehrere Nahrungsergänzungsmittel sogar eine Steigerung der Sterblichkeit.

Einzige Ausnahme war Kalzium, deren Einnahme mit einem reduzierten Sterberisiko älterer Frauen verbunden war.

Die Iowa Women’s Health Study (IWHS) startete im Jahr 1986. Die Kohorte umfasst 41.836 postmenopausale Frauen, die beim Start der Studie 55 bis 69 Jahre alt waren. Die prospektive Beobachtungsstudie will den Einfluss von Ernährung und Lebensgewohnheiten auf chronische Erkrankungen untersuchen.

Zum gegenwärtigen American Way of Life zählt die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, von denen sich die Bevölkerung gesundheitliche Vorteile verspricht. Hauptsächlich ältere Frauen greifen gerne zu den Produkten aus Drogerie oder Supermarkt. Beim Start der IWHS hatten 66 Prozent der Teilnehmerinnen der Women’s Health Study wenigstens ein Präparat eingenommen. Bis ins Jahr 2004 erhöhte sich der Anteil auf 85 Prozent. Jede vierte Teilnehmerin konsumierte vier oder mehr Mittelchen, in der Regel ohne dass ein Arzt einen Mangel diagnostiziert hatte.

Doch das zugrunde liegende Motto „Mehr hilft mehr“ gilt für die lebenswichtigen Vitamine ebenso wenig wie für die im Organismus nur in Spuren enthaltenen Mineralien. Im Gegenteil: Jaakko Mursu von der Universität von Minnesota in Minneapolis ermittelte gleich für mehrere Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel) ein signifikant höheres Sterberisiko von durchaus bedeutsamem Ausmaß.

Die Einnahme von Multivitaminen steigerte das Sterberisiko absolut um 2,4 Prozentpunkte. Für Vitamin B6 fanden die Forscher einen Anstieg um 4,1 Prozentpunkte. Bei Folsäure zeigte sich ein Anstieg um 5,9 Prozentpunkte, beim Magnesium um 3,6 Prozentpunkte und beim Zink um 3,0 Prozentpunkte. Für Eisen wurde ein Anstieg um 3,9 Prozentpunkte festgestellt. Der Anstieg war dosisabhängig, was eine mögliche Kausalität unterstreicht.

Einen endgültigen Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang kann eine prospektive Beobachtungsstudie allerdings nicht liefern. Der wichtigste und auch plausible Kritikpunkt lautet, dass die Teilnehmerinnen im Fall einer Krankheit eher zu den Präparaten greifen als bei völliger Gesundheit.

Klarheit können hier nur randomisierte klinische Studien bringen: Studien also mit zufallbestimmten ( = Randomisierung) Verteilung der Teilnehmenden auf zwei Gruppen, wovon die eine Nahrungsergänzungsmittel bekommt und die andere ein Placebopräparat. Es hat allerdings in den letzten Jahren gleich mehrere derartige Studien gegeben, die ein steigendes Sterberisiko bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln feststellten. Dazu zählt die Alpha-Tocopherol, Beta-Carotene Cancer Prevention oder ATBC-Studie, in der Raucher nach der regelmässigen Einnahme von Beta-Carotin häufiger an Lungenkrebs erkrankten.

Im Norwegian Vitamin Trial und dem Western Norway B Vitamin Intervention Trial erkrankten Koronarpatienten öfter an Krebs, wenn sie mit Folsäure oder Vitamin B12 behandelt worden waren. Schließlich ergab eine Meta-Analyse randomisierter klinischer Studien ein erhöhtes Sterberisiko für Beta-Carotin, Vitamin A und Vitamin E. Diese Aufzählung ließe sich noch fortsetzen. Andererseits existieren jedoch auch klinische Studien, die eine Schutzwirkung einzelner Vitamine oder Spurenelemente zeigten.

Dies war auch in der aktuellen Beobachtungsstudie der Universität Minnesota der Fall. Die Einnahme von Kalzium-Supplementen war mit einer Reduktion des Sterberisikos um 3,8 Prozentpunkte verbunden. Da es sich bei den Teilnehmerinnen um ältere Frauen handelt, die ein höheres Osteoporoserisiko haben, ist dieses Resultat nachvollziehbar.

Der Editorialist Goran Bjelakovic von der Universität Kopenhagen verweist allerdings auf eine jüngst im Britischen Ärzteblatt veröffentlichte Meta-Analyse, die auf ein erhöhtes Herzinfarktrisiko nach Kalziumsubstitution hingewiesen hatte. Die alleinige und unkritische Kalziumsubstitution steht seither im Verdacht, die Einlagerung von Kalk in den Gefäßwänden und damit die Atherosklerose zu begünstigen.

Die meisten Fachleute raten daher, Kalzium nicht ohne medizinische Indikation einzunehmen und im Bedarfsfall mit Vitamin D zu kombinieren, damit das Mineral seinen Bestimmungsort Knochen auch wirklich erreicht.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/47640/Vitamine_und_Eisen_verkuerzen_das_Leben_aelterer_Frauen.htm

http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/short/171/18/1625

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin sehr skeptisch, was den Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln anbelangt. Wir werden von einer ganzen „Gesundheitsindustrie“ krank geredet. Uns wird auf allen Kanälen suggeriert, dass wir ohne zusätzliche Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Schüssler Salze, Heilpflanzen und was weiss ich nicht noch alles unmöglich gesund bleiben oder gesund werden können.

Diese Studie bestärkt mich grundsätzlich in meiner Skepsis.

Aber:

Die Einwände gegen die Studie sind sehr bedenkenswert: Es ist nahe liegend, dass Teilnehmerinnen, die krank sind, verstärkt zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen und zugleich ein höheres Sterberisiko haben. Damit wird möglicherweise eine ursächliche Beziehung zwischen dem Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln und dem erhöhten Sterberisiko suggeriert, die gar nicht vorhanden ist.

Das „Aerzteblatt“ weißt zu Recht darauf hin, dass sich durch diese Art von Studien kein ursächlicher Zusammenhang belegen lässt und dass dazu randomisierte Studien mit Kontrollgruppe nötig wären. Sehr zu Recht wird aber auch darauf hingewiesen, dass mehrere wichtige randomisierte Studien ein erhöhtes Sterberisiko bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln aufgezeigt haben. Die Steigerung war dabei zwar nicht dramatisch hoch, aber „heinomol“ – wer ein Nahrungsergänzungmittel schluckt in der Erwartung, damit etwas Gutes für seine Gesundheit zu tun, dabei aber seine Sterblichkeit erhöht, wird doch verarscht (Tschuldigung). Es müsste ein klarer Nutzen belegt sein und das ohne Risiko. Der Haken ist hier aber, dass Nahrungsergänzungsmittel im Gegensatz zu den meisten Medikamenten ihre Wirksamkeit nicht belegen müssen. Das öffnet der Propaganda alle Tore.

Gesundheitsversprechungen kritisch unter die Lupe zu nehmen ist daher unumgänglich, wenn man nicht über den Tisch gezogen werden will.

Wie man solche Aussagen prüft und sich eine eigene fundierte Meinung dazu bildet können Sie lernen bei mir im Heilpflanzen-Seminar, in der Phytotherapie-Ausbildung oder im Tagesseminar „Komplementärmedizin – Kriterien zur Orientierung im überquellenden Angebot“.

Wer sich unbedingt mit Nahrungsergänzungsmitteln beruhigen muss, soll doch die vorgeschlagene Dosierung halbieren (sofern nicht ein Mangelzustand eindeutig diagnostiziert ist). Das halbiert dann die Kosten und vielleicht auch das Risiko.

Noch raffinierter wäre es, auf Schüssler-Salze umzustellen. Sie bestehen aus Laktose (Milchzucker) oder einer anderen Substanz, die in den verwendeten Dosierungen garantiert keine spezifischen Wirkungen zeigt. Und was keine spezifischen Wirkungen hat, wird auch keine spezifischen Nebenwirkungen oder Risiken haben. Wer also unbedingt das Ritual der täglichen Pilleneinnahme braucht, ist mit den Schüssler-Salzen auf der sichereren Seite als mit vitamin- und mineralstoffhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln. Allerdings ist die Laktose in den Schüssler-Salzen massiv überteuert. Und zum täglichen Ritual der Pilleneinnahme gäbe es auch noch einige Fragen zu stellen. Irgendwie scheint es ja viele Leute zu geben, die um synthetische Pillen der „Pharmaindustrie“ einen weiten Bogen machen (manchmal zu Recht), aber offenbar stark am Ritual der Pilleneinnahme hängen. Die schlucken dann Vitaminpillen oder Schüssler-Salze, sind überzeugt davon, dass sie sich damit etwas Gutes tun und unterstützten damit genauso die „Pharmaindustrie“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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