Artikel mit Schlagwort ‘Kap-Aloe’

Aloe – welche Pflanzenteile werden genutzt?

Mittwoch, August 10th, 2011

Bei der Aloe-Pflanze gibt es immer wieder Unklarheiten darüber, welche Pflanzenteile genutzt werden.

Unterschieden werden müssen zwei verschiedene Produkte:

1. Eingetrockneter „Aloesaft“

„Der Gattungsname Aloe, lateinisch und griechisch belegt, wird mit „berühmt für Ihre Bitterkeit“ übersetzt. Die Bitterkeit ist auf den gelben „Aloesaft“ zurückzuführen, der aus den fleischigen Blättern ausläuft, wenn man sie am Blattgrund abschneidet und schräg lagert. Pro Blatt fließen 5 bis 10 g Saft ab. Dieser erstarrt beim Trocknen zu einer harten, tiefbraunen, undurchsichtigen Masse, die, als ‚Aloe’ bezeichnet, arzneilich verwendet wird.“

Für die Gewinnung dieses Produktes werden zwei Aloe-Arten genutzt, die Echte Aloe (Aloe vera, Syn. Aloe barbadensis) und die Kap-Aloe (Aloe ferox).

Der eingetrocknete Aloe-Saft kommt als Arzneimittel in den Handel und zeigt eine drastische Wirkung als Abführmittel bei Verstopfung.

Dabei kann Aloe auch unerwünschte Nebenwirkungen auslösen. Deshalb wird sie kaum mehr als Abfühmittel eingesetzt, ist aber Bestandteil von Schwedenkräutern / Schwedenbitter.

Für die abführende Wirkung des eingetrockneten Aloe-Saftes sind Anthranoide (Aloin) zuständig.

2. Aloe-Gel

„Genutzt wird auch das Wasserspeichergewebe der Blätter der Echten Aloe. Es besteht aus dünnwandigen Zellen, in denen das Wasser in Form eines Schleims gehalten wird. Dieses schleimige Parenchym, als Aloe-vera-Gel bezeichnet, wird durch „Filetieren“ der Blätter gewonnen. Dabei wird zunächst das Blatt an der Basis und an der Spitze quer abgeschnitten und dann das Gel wie ein Filet herausgeschnitten. Die Filets werden gewaschen, um sie von Resten des bitteren Blattsafts zu befreien, und dann zu einem naturtrüben Saft verarbeitet. Gehandelt werden auch aufkonzentrierte Saftprodukte in Form von Trockenkonzentraten oder auch die frischen Filets selbst, zerkleinert als Würfel. Die Aloe-vera-Gel-Produkte werden sowohl als Saft innerlich eingenommen als auch zur äußeren Anwendung in Kosmetika eingearbeitet. Volkstümlich umgibt das Aloe-vera-Gel die Aura eines Allerheilmittels.“

Aloe-Gel ist nicht als Arzneimittel im Handel. Diese Produkte sind als Kosmetika zugelassen, was zu sehr grossen Qualitätsunterschieden führt. Aloe-Gel wird eingesetzt zur Wundheilung und gegen Hautentzündungen, zum Beispiel bei Sonnenbrand.

Quelle der Zitate:

http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/aloe.php

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Aloe vera – gegen Verstopfung und zur Wundheilung

Montag, August 1st, 2011

Die Pharmaceutical Tribune veröffentlichte kürzlich einen Beitrag zur Wirkung von Aloe.

Der Text beschreibt zuerst die Anwendung von Aloe-Extrakt bzw. Aloin bei Obstipation (Verstopfung):

„Zur arzneilichen Anwendung sind zwei Arten vorgesehen: Aloe barbadensis (vera), die Curacao-Aloe vorwiegend aus Mittelamerika, und Aloe capensis (ferox), die aus dem afrikanischen Raum exportiert wird. Beide Arten sind im europäischen Arzneibuch beschrieben. Das standardisierte Aloe-Extrakt (Aloes extractum siccum normatum) zur Herstellung von Zubereitungen besteht aus der Mischung der Extrakte von Curacao und Kap-Aloe und ist ebenfalls im Arzneibuch als Monographie enthalten. Aloe ist ein stark dickdarmwirksames Laxans und wird zur kurzfristigen Anwendung bei Obstipation verwendet. Verantwortlich für diese Wirkung sind die im Extrakt bis zu 40 Prozent enthaltenen Aloine (Aloe barbadensis). Es handelt sich um 1,8-Dihydroxyanthracenderivate mit glycosylisch gebundenem Zuckeranteil. Die laxierende Wirkung ist äußerst kaliumfordernd, sollte nur unter Rücksprache mit dem Arzt erfolgen und gilt heute als obsolet.“

Wegen seiner drastischen Wirkung ist die Herstellung und die pharmazeutische Anwendung des Aloe-Extrakts als Laxans (Abführmittel) in den letzten Jahren stark rückläufig.

Der Text geht dann auch die gegenwärtig wichtigere örtliche ( = topische) Anwendung in Form von Aloe-vera-Gel ein:

„Aktuell steht die topische Verwendung des Aloe-vera-Gels im Vordergrund. In der Volksheilkunde Mittelamerikas werden frisch geteilte Blätter der Aloe vera zur raschen Linderung der Beschwerden bei Verbrennungen und oberflächlichen Wunden aufgelegt. Für Kosmetika wird Aloe-Gel durch Heißwasserextraktion gewonnen. Dieses ist frei von eventuell allergenen, lipophilen Aloinen und Aloeharzen. Aloe-vera- Gel zeichnet sich durch juckreizstillenden, feuchtigkeitsbindenden und kühlenden Effekt aus. Die antioxidative, entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung des Gels konnte pharmakologisch nachgewiesen werden. Im Vergleich mit Ascorbinsäure war der antioxidative Effekt in vitro um ein Fünffaches höher. Die stärkste Wirkung erzielten Gele aus Pflanzen, die im dritten Wachstumsjahr extrahiert wurden. Auch eine fungizide Wirkung des Gels wurde bestätigt. Hauptverantwortlich für die positive Wundheilung sind Polysaccharide wie Glucomannan und Acemanan sowie Enzyme (Carboxypeptidase and Bradykinase). Aloe-vera-Gel ist daher ein potenter Feuchtigkeitsspeicher, wirkt sich postiv auf die Wundheilung aus und reduziert den durch Zerstörung der Haut verursachten oxidativen Stress im Gewebe.“

Quellen:

Pharmaceutical Tribune Nr. 9 / 2011

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=108941&dspaid=937570

Kommentar & Ergänzung:

Rund um Aloe vera ist in den letzten Jahren ein absurder Rummel entstanden. Aloe vera wurde zum Wundermittel gegen alles und jedes hoch stilisiert und ist jetzt auch in Waschpulver,  Strumpfhosen (für schöne Beine) etc. enthalten. Mit dem Zusatz von Aloe vera lässt sich einfach alles besser vermarkten……

Die phytotherapeutisch relevanten Aspekte von Aloe vera – also jenseits des aufgeblasenen Hypes – bringt der Artikel gut auf den Punkt: Die Anwendung gegen Verstopfung ist „out“, weil die Wirkung zu drastisch ist und bei chronischer Einnahme Kaliummangel auftreten kann.

Die Anwendung im Bereich der Wundheilung dagegen ist eine ernstzunehmende Option.

Festzuhalten wäre dazu allerdings, dass es keine registrierten Heilmittel gibt unter den Aloesalben und Aloegelen – sie sind nur als Kosmetika zugelassen. Der Gehalt an Wirkstoffen und die Qualität kann daher stark schwanken.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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