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Phytotherapie: Pflanzenmedizin gegen Husten

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ ( Nr. 7 / 2012) fasst aktuelle Empfehlungen bezüglich Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten zusammen:

„Atemwegsinfekte sind der häufigste Anlass für Krankschreibungen. Gerade gegen Husten bietet die Pflanzenmedizin aber gut verträgliche Hilfen an, deren Evidenz inzwischen auch in Leitlinien wissenschaftlicher Gremien Anerkennung fand. So hat die Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin gleich zwei Pflanzenkombinationen in ihre Therapieempfehlungen aufgenommen, die in der Leitlinie zu »Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten« genannt werden. Sie stufte die Wirksamkeit von Thymiankraut und Efeublättern und Thymiankraut und Primelwurzeln als wissenschaftlich nachgewiesen ein. Ursache eines akuten Hustens sind fast immer Viren. Eine antibiotische Therapie – die bekanntlich nur gegen Bakterien wirken kann – ist deshalb nur in Ausnahmefällen indiziert. Die pflanzlichen Präparate bewirken dagegen erwiesenermaßen eine schnellere Linderung des Hustens im Vergleich zu Placebo.

Als schleimlösende Mittel (Expectorantien) werden von den Lungen- und Atemwegsspezialisten Extrakte aus Anis, Myrtol, Pfefferminz, Eukalyptus, Thymian, Efeublättern und Primelwurzeln aufgezählt. Hustenstillende Eigenschaften weisen laut Leitlinie Extrakte aus Thymian, Spitzwegerich, Drosera und Wollblumen auf. Allerdings entsprechen längst nicht alle Präparate, die derartige Pflanzen enthalten, den geforderten wissenschaftlichen Qualitätskriterien. Fragen Sie dazu Ihren Apotheker. Pflanzliche Hustenmittel gelten auch in der Behandlung von Kindern als besonders geeignet.“

Kommentar & Ergänzung:

Diese Empfehlungen in den Leitlinien sind erfreulich und nachvollziehbar. Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten können es jedenfalls oft auch aus einem wissenschaftlichen Blickwinkel bei einer Gesamtbetrachtung durchaus mit synthetischen Präparaten aufnehmen.

Bei den synthetischen Expectorantien (Schleimlöser) ist zum Beispiel beim Klassiker N-Acetylcystein (Fluimucil) die Studienlage sehr widersprüchlich und die Wirksamkeit nicht eindeutig belegt, obwohl das Präparat oft verkauft und eingenommen wird.

Bei den synthetischen Antitussiva (Hustenstiller) unterscheidet man Opioide (Wirksamkeit ungenügend geklärt, Risiko von Nebenwirkungen) und Nicht-Opioide (Wirksamkeit ungenügend geklärt):

– Opioide Antitussiva wie Codein, Dextromethorphan, Dihydrocodein, Pholcodin, Hydrocodon, Noscapin, Ethylmorphin und Opium sollen den Hustenreiz zentral im Gehirn blockieren. Insbesondere Codein und Dextromethorphan sind in zahlreichen Medikamenten enthalten und werden oft angewendet. Ob sie jedoch tatsächlich wirksam sind, ist umstritten und in klinischen Studien bisher nicht zweifelsfrei belegt. Opioide können unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Atemdepression und Verstopfung verursachen. Ausserdem kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.

– Nicht-opioide Antitussiva wie Butamirat, Butetamat, Levodropropizin und Morclofon sind chemisch nicht mit den Opioiden verwandt und sind daher frei von opioiden unerwünschten Wirkungen. Sie sind jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend dokumentiert und moderne Zulassungsstudien fehlen.

Berücksichtigt man sowohl Wirkungen als auch unerwünschte Nebenwirkungen für die Beurteilung, so schneiden die erwähnten Heilpflanzen-Anwendungen im Vergleich zu den synthetischen Substanzen gut ab.

Allerdings stimmt auch der Hinweis im Zitat, dass längst nicht alle Präparate, welche die erwähnten Heilpflanzen enthalten, den geforderten Qualitätskriterien genügen.

Es gibt sehr grosse Qualitätsunterschiede bei Heilpflanzen-Präparaten.

P.S.

– Mit Drosera ist Sonnentau gemeint, eine insektenfressende Pflanze, die im Hochmoor wächst.

– Efeublätter nicht als Tee verwenden, sondern nur als Fertigpräparat, das auf einen bestimmten Wirkstoffgehalt eingestellt ist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Aromatherapie / Phytotherapie: Spiköl – was ist das?

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Spiköl wird gewonnen mittels Wasserdampfdestillation aus Lavandula latifolia.

Der Spiklavendel ist im Mittelmeergebiet heimisch und zählt zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).

Die Zusammensetzung des Spiköls unterscheidet sich deutlich vom Lavendelöl aus Lavandula angustifolia, obwohl auch Spiköl aus einer Lavendelart gewonnen wird.

Spiköl enthält als Hauptbestandteile Linalool (30 – 50 %), 1,8-Cineol (20 – 35%), Kampfer (1 – 20%).

Es wirkt nicht beruhigend, wie das Lavendelöl aus Lavandula angustifolia, sondern fördert den Auswurf von Schleim bei produktivem Husten.

Dafür dürfte wesentlich der Inhaltsstoff Cineol verantwortlich sein.

Zur Wirkung von Cineol siehe auch:

Wirkstoffkunde: Was ist Cineol / 1,8-Cineol?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Was ist Minzöl / Japanisches Pfefferminzöl?

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Minzöl („Japanisches Pfefferminzöl“) ist ein ätherisches Öl, das aus dem Kraut bestimmter Ackerminzen gewonnen wird. Es wird als kostengünstige Alternative zu dem höherwertigen Pfefferminzöl in ähnlichen Einsatzbereichen angewendet.

Herstellung von Minzöl

Minzöl wird mittels Wasserdampfdestillation aus dem Kraut mentholreicher Kulturformen der Ackerminze gewonnen. Für pharmazeutische Qualitäten des Öls (Menthae arvensis aetherolum) sind Mentha arvensis L. var. piperascens MALINV. ex HOLMES (Japanische Minze) sowie Mentha canadensis L. zugelassene Stammpflanzen. Aus dem primär gewonnenen sehr mentholreichen dickflüssigen ätherischen Öl (Mentholgehalt bis zu 90 %) wird ein Teil des Menthols nach Kristallisation durch Filtration abgetrennt und nach Rektifikation das Minzöl erhalten.

Ein naturbelassenes Minzöl existiert nicht, da der natürliche Mentholgehalt für eine Anwendung zu hoch ist und somit vermindert werden muss. Die Ackerminze wird zur Gewinnung natürlichen Menthols für die Arznei- und Kosmetikindustrie genutzt. Von Mentha arvensis gibt es unterschiedliche Pflanzenzüchtungen, die das Ziel haben, den Mentholgehalt und die ätherische Ölausbeute zu steigern. So liegt der Mentholgehalt neuerer Pflanzenzüchtungen bei ca. 90 % der gesamten Menge an ätherischem Minzöl.

Inhaltsstoffe des Minzöls

Minzöl enthält etwa 30 – 50 % Menthol, etwa 17 – 35 % Menthon, etwa 5 – 13 % Isomenthon und etwa 1,5 – 7 % Menthylacetat, sowie weitere Terpene.

Wirkung des Minzöls

Der chemische Hauptbestandteil des Minzöls ist Menthol. In höherer Dosierung wirkt das ätherische Öl darum lokal betäubend (anästhesierend) und schmerzunterdrückend (analgetisch), die Wirkung entspricht dem des (echten) Pfefferminzöls aus Mentha piperita.

Menthol wirkt am Kälte-Menthol-Rezeptor (TRPM8), deshalb hat das Öl eine (scheinbar) kühlende Wirkung, die Körpertemperatur wird aber nicht beeinflusst. Diese Wirkung ist vergleichbar mit dem Hitzereiz des Alkaloids Capsaicin aus Paprika.

Anwendung des Minzöls

Innerlich wird Minzöl bei Blähungen (Meteorismus), funktionellen Magenbeschwerden, Darmbeschwerden (Reizdarm) und Gallenbeschwerden und Katarrhen der oberen Luftwege angewendet. Die äußerliche Anwendung des Minzöls erfolgt auf den Schläfen bei Kopfschmerzen und zur Linderung der Symptome von Erkältungen. Mit Hilfe von Inhalation können bei Husten festsitzender Schleim gelöst und die oberen Atemwege frei gemacht werden. Das Einreiben verspannter Muskelpartien mit Minzöl kann die Beschwerden lindern.

Minzöl kommt zudem als Aroma in Lebensmitteln und Mundpflegemitteln zum Einsatz. Hinsichtlich Geruchqualität und Geschmacksqualität ist das Minzöl dem echten Pfefferminzöl unterlegen.

Anwendungsbeschränkung für Minzöl

Minzöl und minzölhaltige Zubereitungen dürfen nicht bei Kleinkindern und Säuglingen eingesetzt werden, weil dies mit dem Risiko lebensbedrohlicher Atemnotzustände verbunden ist.

Quelle:

http://de.wikipedia.org/wiki/Minzöl

Kommentar & Ergänzung:

Gegen Spannungskopfschmerzen wird Minzöl in 10%iger Konzentration eingerieben, zum Beispiel gemischt mit fettem Öl (bspw. Mandelöl).

Oft wird aber zu diesem Zweck Pfefferminzöl aus Mentha piperita verwendet.

Siehe dazu:

Pfefferminzöl gegen Kopfschmerzen

Phytotherapie: Pfefferminzöl gegen Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl lindert Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen

Spannungskopfschmerzen lindern mit Pfefferminzöl oder Tigerbalsam

Ebenfalls gegen Kopfschmerzen eingesetzt wird China Kopfwehöl, das aus Pfefferminzöl, Kampfer, Menthol, Eucalyptusöl, Methylsalicylat und Thymol besteht.

Siehe:

Was ist China Kopfwehöl?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Zitat: Peter Bieri über Bildung und Neugierde

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„Bildung beginnt mit Neugierde. Man töte in jemandem die Neugierde ab, und man stiehlt ihm die Chance, sich zu bilden. Neugierde ist der unersättliche Wunsch, zu erfahren, was es in der Welt alles gibt. Sie kann in ganz verschiedene Richtungen gehen: hinauf zu den Gestirnen und hinunter zu den Atomen und Quanten; hinaus zu der Vielfalt der natürlichen Arten und hinein in die phantastische Komplexität eines menschlichen Organismus; zurück in die Geschichte von Weltall, Erde und menschlicher Gesellschaft, und nach vorn zu der Frage, wie es mit unserem Planeten, unseren Lebensformen und Selbstbildern weitergehen könnte.

Stets geht es um zweierlei: zuwissen, was der Fall ist, und zu verstehen, warum es der Fall ist. Die Menge von dem, was es zu wissen und zu verstehen gibt, ist gigantisch, und sie wächst mit jedem Tag. Sich zu bilden, kann nicht heissen, ausser Atem hinter allem herzulaufen. Die Lösung ist, sich eine grobe Landkarte des Wissbaren und Verstehbaren zurechtzulegen und zu lernen, wie man über die einzelnen Provinzen mehr lernen könnte. Bildung ist also ein doppeltes Lernen: Man lernt die Welt kennen, und man lernt das Lernen kennen.“

Quelle:

http://www.hwr-berlin.de/fileadmin/downloads_internet/publikationen/Birie_Gebildet_sein.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Peter Bieri formuliert im obenstehenden Zitat Grundsätze zu Bildung und Neugier, die auch gut zur Phytotherapie-Ausbildung oder zum Heilpflanzen-Seminar passen. Der unersättliche Wunsch zu erfahren, was es in der Welt der Heilpflanzen alles gibt, ist eine gute Voraussetzung für ergiebige Lernprozesse.

Zu wissen, was der Fall ist, und zu verstehen, warum es der Fall ist – das ist ein gutes Ziel.

Es gibt eine Tendenz, Ausbildungen oder Weiterbildungen eher als Unterhaltungsveranstaltungen zu sehen, als Events quasi. Dadurch werden sie aber zu Seichtgebieten und verlieren an Tiefe und Engagement. Das Zitat von Peter Bieri stammt aus einer Rede, die sich gegen diese Verflachung wendet.

Zu Peter Bieri:

Peter Bieri (* 23. Juni 1944 in Bern, Pseudonym: Pascal Mercier) ist ein Schweizer Philosoph und Schriftsteller. Am bekanntesten ist Peter Bieris Buch „Das Handwerk der Freiheit“ mit der Kernthese:

„Auch wenn die Naturgesetze bestimmen, was wir tun und denken, können wir uns unter Berücksichtigung der jedem Menschen gegebenen Bedingtheiten als frei verstehen. Frei sind wir in diesem Sinne genau dann, wenn wir unseren eigenen Überzeugungen gemäß handeln können. Ein solcher Freiheitsbegriff, der ein bewusstes Reflektieren und eine bewusste Entscheidung voraussetzt, aber auch für möglich hält, steht nicht im Gegensatz zum Determinismus. Die Idee einer ‚absoluten Freiheit’, die gegen den Determinismus gerichtet ist, ist begrifflich inkohärent.“

(Quelle: Wikipedia)

Es braucht auch im Bereich von Gesundheit und Krankheit vermehrt philosophische Reflexion. Angebote dazu finden sie im Bereich

Naturheilkunde und Philosophie

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Inserat:

Martin Koradi

Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
Ausbildungen in Phytotherapie / Weiterbildung Pflanzenheilkunde

Winterthur, Kanton Zürich, Schweiz

www.phytotherapie-seminare.ch

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Blick ins Pflanzenlexikon: Artemisia

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Artemisia ist der Name einer Pflanzengattung, zu der viele Heilpflanzen und Gewürzpflanzen gehören. Bekannte Vertreter der Gattung Artemisia sind Beifuß, Estragon und Wermut. Wermut ist beispielsweise als Heilpflanze bekannt, er enthält jedoch auch ein ätherisches Öl mit dem  Nervengift Thujon. Da Wermut (Artemisia absinthium) ein Bestandteil von Absinth ist, war der grünliche Branntwein jahrelang verboten.

Die meisten Pflanzen der Gattung Artemisia riechen sehr stark aromatisch und enthalten ätherische Öle. Zahlreiche Arten wurden schon in der Antike zum Würzen von Speisen verwendet oder wegen ihres Aromas in Duftsäckchen aufbewahrt.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=47762&drn:date=1312279200

Kommentar & Ergänzung:

Es fehlt hier noch die Erklärung zur Herkunft des Namens „Artemisia“:

„Artemisia wurde bereits bei Dioskurides und Plinius erwähnt, die damit Artemisia vulgaris und ähnliche Arten beschrieben. Angeblich stammt der Name der Gattung vom Namen der griechischen Göttin Artemis Ilithyia, der Geburtshelferin, wegen der Wirksamkeit bei Frauenkrankheiten, oder von der Königin Artemisia, Gattin des Mausolos von Halikarnassos, die die Heilkräfte bekannt gemacht haben soll.“

(Quelle: Wikipedia)

Die Gattung Artemisia gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und umfasst rund 250 – 500 Pflanzenarten.

Wikipedia führt als Auswahl auf:

Eberraute (Artemisia abrotanum)

Wermutkraut (Artemisia absinthium)

Indianer-Wermut oder Räucherwermut (Artemisia afra)

Einjähriger Beifuß (Artemisia annua)

Madeira-Beifuß (Artemisia argentea)

Duft-Beifuß (Artemisia aromatica) ?

Österreichischer Beifuß (Artemisia austriaca)

Zweijähriger Beifuß (Artemisia biennis)

Kalifornischer Beifuß (Artemisia californica)

Feld-Beifuß (Artemisia campestris)

Wurmsamen (Artemisia. cina)

Moxakraut (Artemisia douglasiana)

Russischer Estragon (Artemisia dracunculoides)

Deutscher Estragon (Artemisia dracunculus)

Ährige Edelraute auch Schwarze Edelraute (Artemisia genipi)

Heiligenbeifuß (Artemisia gmelinii)

Schlitzblättriger Beifuß (Artemisia laciniata)

Strand-Beifuß (Artemisia. maritima)

Waldsteppen-Beifuß (Artemisia. pancicii)

Pontischer Beifuß (Artemisia pontica)

Dünen-Beifuß (Artemisia pycnocephala)

Felsen-Beifuß (Artemisia rupestris)

Besen-Beifuß (Artemisia scoparia)

Sivers Beifuß (Artemisia siversiana)

Armenischer Beifuß (Artemisia. tournefortiana)

Wüsten-Beifuß (Artemisia tridentata)

Echte Edelraute (Artemisia umbelliformis, Syn.: Artemisia mutellina)

Kamtschatka-Beifuß (Artemisia verlotiorum)

Gewöhnlicher Beifuß (Artemisia vulgaris)

Cola-Strauch (Artemisia camphorata)

Elfenraute / Weißer China-Beifuß (Artemisia lactiflora)

Die bekannteste Heilpflanze aus der Gattung Artemisia ist der Wermut (Artemisia absinthium). Er gehört zu den Amara-Aromatica, das sind Heilpflanzen, die ätherische Öle enthalten und zugleich Bitterstoffe. Wermuttee hilft bei verschiedenen Verdauungsbeschwerden und bei Appetitlosigkeit.

Intensiv duftende Wermutvorkommen können Sie beispielsweise auf den Kräuterexkursionen in Jeizinen erleben.

Der Feld-Beifuss kommt an warmen, trockenen Stellen vor. Ihn treffe ich ebenfalls in Jeizinen und auch in Feldis.

Etwas ganz besonderes sind die Edelrauten. Sie duften absolut betörend. Schwarze Edelraute und Echte Edelraute treffen wir auf den Alpenblumenexkursionen auf der Birg in Mürren. Die Birg ist die Station zwischen Mürren und dem Schilthorn.

Das Moxakraut (Artemisia douglasiana) stammt aus Nordamerika von den Vereinigten Staaten bis Mexiko. Bei zahlreichen indianischen Stämmen hat die aromatische Pflanze eine ähnlich hohe kulturelle Bedeutung wie der Wüstenbeifuss. Neben den Räucherungen, welche unwillkommene Geister und Dämonen abhalten sollen, sind auch Schwitzbäder beliebt, um Erkältungen, Fieber und Kopfschmerzen entgegen zu wirken.

Der Name „Moxakraut“ bezieht sich auf die Moxibustion (auch Moxa-Therapie oder kurz „Moxen“ genannt). Dieses Verfahren wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) oft angewendet. Bei der Moxibustion werden kleinere Mengen von getrockneten, feinen Beifußfasern (Moxa) auf oder über bestimmten, auf den Meridianen liegenden Therapiepunkten abgebrannt. In Ostasien werden dazu allerdings verschiedene Beifuss-Arten verwendet.

Der Wüstenbeifuss (Artemisia tridentata) (englischer Trivialname: Sagebrush) wird auch Steppen-Beifuß oder Wüstensalbei genannt.

Für zahlreiche nordamerikanische Indianer ist der Wüsten-Beifuß eine der heiligsten Pflanzen. Sie verbrennen Wüsten-Beifuss in Zeremonien, im Glauben, dass dies böse Geister fernhalten und die Gedanken reinigen würde. Der Wüsten-Beifuß ist zudem die National-Blume des US-Bundesstaates Nevada.

Der Einjährige Beifuss (Artemisia annua) enthält Artemisinin, ein Wirkstoff, der weltweit zur Behandlung von Infektionen mit multiresistenten Stämmen von Plasmodium falciparum, dem Erreger der Malaria tropica, eingesetzt wird.

Zum Absinth-Schnaps siehe auch:

Absinth – was ist das genau?

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Bittergurken wirksam gegen Diabetes?

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Bittergurken enthalten Stoffe, die bei Typ-2-Diabetes günstig wirken könnten. Dafür gibt es Hinweise aus Studien. Die Forschungen streben nun danach, eine Bittergurke mit einer maximalen antidiabetischen Wirkung zu kreieren.

Die Bittergurke (Momordica charantia L.) soll antidiabetisch wirken. Das haben gemeinsame Forschungsarbeiten des Internationalen Gemüseforschungszentrums AVRDC und der Universität Gießen gezeigt, teilt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit.

Mit einer eigenen Webseite informiert das AVRDC über diese Forschungsergebnisse.

Bisherige Studien legten nahe, dass der Konsum von Bittergurken – als ganze Frucht, Saft oder Extrakt – für die glykämische Kontrolle bei Diabetes von Bedeutung sein könnte, erklärt das AVRDS.

Dabei ergebe sich der antidiabetische Effekt der Bittergurke aus dem Zusammenwirken mehrerer Inhaltsstoffe der Bittergurken-Frucht.

Ein bei Diabetes bedeutsamer Inhaltsstoff könnte dabei p-Insulin sein. p-Insulin mit hoher Homologie zu bovinem Insulin aber immunologisch nicht kreuzreaktiv, reduziert bei Injektion ebenfalls den Blutzucker (ÖAZ 2004; 3: 111).

Es brauche weitere Studien, lässt das AVRDS verlauten, um Empfehlungen zum Verzehr von Bittergurken bei Typ-2-Diabetes auf eine sichere Basis zu stellen.

Das AVRDC und die Universität Gießen werden die Forschung zur Bittergurke (Momordica charantia L.) intensiviert fortsetzen, schreibt das GIZ in einer Mitteilung. Es seien über 100 Bittergurkensorten bekannt.

Die Wissenschaftler am AVRDC und der Universität Gießen untersuchten, welche Sorten gegen Typ-2-Diabetes besonders wirksam sind. Ziel der Forschungen ist es, mit einer veränderten Bittergurke, die mehr antidiabetische Substanzen enthält als die gegenwärtig bekannten Sorten, ein Nahrungsmittel mit antidiabetischer Wirkung auch für Entwicklungsländer zur Verfügung zu haben.

Gegenwärtig gibt es weltweit etwa 285 Millionen Menschen, die an Diabetes erkrankt sind, schreibt das AVRDS auf seiner Website; 80 Prozent dieser Diabetes-Kranken lebten in Staaten mit niedrigen oder mittlerem durchschnittlichem Einkommen.

Im Jahr 2030 wird es nach Schätzungen mehr als 370 Millionen Menschen geben, die an Typ-2-Diabetes leiden. Die meisten Diabetiker gibt es mit 31,7 Millionen (Zahl vom Jahr 2000) in Indien, schreibt das AVRDS. Im Jahr 2030 könnte diese Zahl auf 79,4 Millionen ansteigen.

Die Forschungsarbeiten werden unterstützt von der Beratungsgruppe für Entwicklungsorientierte Agrarforschung (BEAF) der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/diabetes/article/664690/helfen-bittergurken-diabetes.html?sh=4&h=354933868

http://www3.apoverlag.at/dynasite.cfm?q=bittergurke+2004+Prinz+&dsmid=103928&entqr=0&output=xml_no_dtd&sort=date%3AD%3AL%3Ad1&ud=1&client=apooaz&oe=UTF-8&ie=UTF-8&filter=0&proxystylesheet=apooaz&site=OAZ&proxyreload=1

Kommentar & Ergänzung:

In der Geschichte der Pflanzenheilkunde wurden unzählige Heilpflanzen gegen Diabetes eingesetzt, aber keine hat bisher wirklich überzeugt. Darum sind die Forschungen betreffend der Bittergurke interessant, auch wenn noch sehr viele Fragen offen sind.

Und was ist genau die Bittergurke?

„Die Bittermelone (Momordica charantia, auch Bittergurke, Balsambirne oder Bittere Spring-Gurke; In Japan und vor allem Okinawa als Goya bekannt, in Indien als Karela) ist eine tropische Pflanzenart aus der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae). Die Gemüsefrüchte der Bittermelone sind ein seit Jahrhunderten in vielen Ländern und besonders im asiatischen Raum beliebtes Lebens- und Heilmittel. Die Anbaugebiete sind Afrika, Asien, Südamerika und die Karibik.“

(Quelle: Wikipedia)

Dass noch sehr viele Fragen offen sind, zeigt der Artikel zur Pharmakologie der Bittergurke in Wikipedia:

„Im Jahr 2004 veröffentlichte die Österreichische Apothekerzeitung einen Artikel, der zu dem Schluss kam:

‚Momordica charantia wird im amerikanischen Raum, wie zahlreiche Patente beweisen, zur Zeit im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel und Supplemente propagiert. In der Forschung werden verschiedene Wirkstoffe u.a. in der HIV-Behandlung oder wegen ihrer antikanzerogenen Wirkung näher untersucht. Der Blutzucker senkenden Wirkung von M. charantia bei Typ II-Diabetikern stehen einerseits noch die schlechte klinische Datenlage und andererseits eine meist ungenügende Standardisierung und Deklaration allfälliger am Markt erhältlicher Produkte gegenüber. In Österreich und Deutschland existieren derzeit keine Arzneispezialitäten. Als Nicht-Arzneimittel sind in Österreich z. B. »charantea«, ein Tee aus getrockneten Samen und Früchten für Diabetiker, in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel (z. B. Glukokine) oder als Diätetisches Lebensmittel für Diabetiker erhältlich. Die additive Anwendung von M. charantia ist zusätzlich zu medikamentöser Therapie, Ernährungsmaßnahmen und einem sinnvollen Bewegungsprogramm bei Typ II-Diabetikern immer unter Aufsicht des behandelnden Arztes durchzuführen.‘

Es gibt nach wie vor nur wenige klinische Studien, die positive Wirkungen der Bittermelone belegen. Folgende Wirkungen sind seit 2004 wissenschaftlich in Laborstudien und Tierversuchen gezeigt worden:

– sie wirkt anthelmintisch gegen Wurmbefall mit Caenorhabditis elegans und bei viralen Erkrankungen mit Sindbis und Herpes simplex Typ I;

– der Saft hat einen schützenden Effekt auf die Magenschleimhaut von Ratten;

– sie ist möglicherweise bei Ratten gegen Fettsucht wirksam durch Eingriff in den Fettstoffwechsel;

– durch antiandrogene Wirkung werden bei Ratten Spermien geschädigt;

– Linolensäuren aus den Samen erzeugten Zelltod in bestimmten Krebszellen;

– die Pflanze enthält antifungal wirksame Stoffe, auf die die Pilze Candida albicans, Trichophyton rubrum und Cryptococcus neoformans empfindlich sind.“

Schöne Ergebnisse aus Laborergebnissen und Tierversuchen lassen sich bekanntlich nicht einfach auf die Situation bei Patientinnen und Patienten übertragen. Gleichzeitig müsste aber doch geklärt sein, ob eine antiandrogene Wirkung bei Ratten für Menschen bei Langzeitkonsum unbedenklich ist.

Zu Nebenwirkungen der Bittergurke schreibt Wikipedia:

„Im Falle einer Überdosierung kann es zu Magen- und Bauchschmerzen oder zu Durchfall kommen. Auch leichte Blutvergiftungen können kurzfristig auftreten. Der Tee sollte so zubereitet werden, dass er schmeckt und nicht zu bitter ist. Vor allem bei Diabetes und Durchblutungsstörungen wird eine Menge von einem Liter täglich pro Kapsel oder Portion empfohlen. Schwangeren wird vom Gebrauch abgeraten, da einzelne Inhaltsstoffe fruchtschädigende Wirkung zeigten.“

…was ebenfalls Fragen bezüglich der Unbedenklichkeit bei Langzeitanwendung aufwirft.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen: Schafgarbe (Achillea millefolium)

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Die Pharmaceutical Tribune veröffentlichte kürzlich einen interessanten Beitrag zur Schafgarbe. Hier ein paar Auszüge mit dazwischen gesetzten Kommentaren von mir:

„Äußerlich werden Umschläge aus zerquetschtem Kraut als Auflage bei Verletzungen empfohlen. Sitzbäder mit Schafgarbenaufguss können auf Grund der adstringierenden Wirkung Linderung bei Wunden im Anal- oder Dammbereich bringen…….Laut Kneipp entspricht das Potenzial der Schafgarbe dem des Johanniskrauts.“

Schafgarbe (Achillea millefolium) hat in der traditionellen Pflanzenheilkunde einen soliden Ruf als Wundheilpflanze. Sie wurde auch Soldatenkraut und Zimmermannskraut genannt.

Eine wundheilende Wirkung könnte auf das ätherische Öl mit dem Bestandteil Chamazulen zurückzuführen sein. Schafgarbenöl gleicht an diesem Punkt dem Kamillenöl, das seine tiefblaue Farbe dem Chamazulen verdankt.

Wenn Sebastian Kneipp das Potential der Schafgarbe mit demjenigen des Johanniskrautes vergleicht, meint er das sicherlich bezüglich der wundheilenden Wirkung, und nicht bezogen auf die heute viel bekanntere Wirkung des Johanniskrautes gegen Depressionen.

„Die wirksamen Inhaltsstoffe sind vielfältig. Bis zu 1 % ätherisches Öl ist im Kraut enthalten. Laut Arzneibuch beträgt der geforderte Mindestgehalt der Arzneidroge 0,3 %. Dieses kann je nach Ursprung azulenhaltig (bis zu 40 %) oder azulenfrei sein.“

Bei der Schafgarbe (Achillea millefolium) gibt es mehrere Unterarten, die sich im Wirkstoffgehalt stark unterscheiden. Das drückt sich auch in der grossen Spannweite des Azulen-Gehaltes aus – von Null bis zu 40%.

„Die enthaltenen Sesquiterpenlaktone wirken als Bitterstoffe krampflösend auf den Verdauungstrakt und fördern die Gallensekretion.(1)“

Schafgarbe gehört zu den Amara-Aromatica, das sind Heilpflanzen, die sowohl ätherische Öle als auch Bitterstoffe einthalten.

„Das ätherische Öl ist antibakteriell und fungistatisch.“

Fungistatisch = pilzhemmend

„Untersuchungen belegen die choleretische Wirkung für diese Inhaltstoffgruppe anhand methanolischer Extrakte im Vergleich zu Zynarin. (2)“

Choleretisch = regt die Gallensaftproduktion in der Leber an.

Zynarin meint wohl Cynarin, den Bitterstoff aus den Artischockenblättern.

„In hohen Anteilen sind Flavonoidglykoside vom Luteolin- und Apigenintyp sowie Phenolkarbonsäuren im Schafgarbenkraut enthalten. Sie wirken entzündungshemmend und gefäßstabilisierend. Sowohl als wässriger Aufguss als auch in Form einer Tinktur hat Millefolii herba entzündungshemmende und krampflösende Wirkung.(3)“

Traditionell wird die krampflösende Wirkung von Schafgarbentee angewendet zur Linderung von Menstruationskrämpfen. Das könnte allerdings besser dokumentiert sein – doch würde ich das durchaus mal ausprobieren, wenn ich Menstruationskrämpfe hätte….Für diesen Anwendungsbereich würde ich Schafgarbentee gegenüber der Schafgarbentinktur vorziehen. Als Bittermittel bei Verdauungsschwäche ist Schafgarbentinktur dagegen ebenbürtig.

„Regelmäßige Bäder mit Schafgarbenextrakten bei schlecht heilenden Läsionen am diabetischen Fuß konnten die Wundheilung verbessern. Cave: Korbblütlerallergie!“

Für die Korbblütlerallergie sind die Sesquiterpenlactone verantwortlich. Wer auf sie allergisch ist, wird auch Probleme haben mit den meisten anderen Pflanzen aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae), zum Beispiel mit Kamille und Arnika.

„Als Apotheker können wir eigene Varianten empfehlen – Schafgarbenextrakt als entzündungshemmenden Zusatz für Sitzbäder gegen Hämorrhoiden und Analfissuren oder einen krampflösenden Tee bei verdauungs- oder menstruationsbedingten Beschwerden im Unterbauch. Auch Kinder ab zwei Jahren profitieren vom Schafgarbentee bei unspezifischen Bauchschmerzen, man sollte ihn nur mit Honig verfeinern.“

Bei Hämorrhoiden und Analfissuren würde ich alllerdings Heilpflanzen mit hohem Gerbstoffgehalt vorziehen, vor allem Eichenrinde oder stark ausgezogenen Schwarztee. Allenfalls liesse sich das aber kombinieren mit den Kamillenblüten / Schafgarbe.

Quelle für die Zitate:

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=109691&dspaid=946279

1 Z Naturforsch; 2002: 976–982, 2 Phytomed; 2006: 702–706, 3 BS Vet Med J; 2007: 86–92

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Honig als Wundheilmittel

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Im Phyto-Forum der „Ärztezeitung“  wurde kürzlich folgende Frage gestellt:

„Ich habe von Honig zur Wundheilung gelesen. Gibt es zugelassene Honigzubereitungen – und wie erfolgt die Zulassung?“

Antwort darauf gab Dr. Barbara Steinhoff:

„Zum Thema Honig und Wundheilung gibt es einige Presseberichte, aber meines Wissens kein zugelassenes Arzneimittel. Vor der Vermarktung als Arzneimittel muss entweder eine Zulassung mit dem Nachweis von Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit erfolgen bzw. eine Registrierung als traditionelles Arzneimittel mit dem Nachweis von Qualität, Unbedenklichkeit und traditioneller Anwendung.

Dies erfordert in beiden Fällen umfangreiche Unterlagen. Eine andere Möglichkeit wäre, Honig als Medizinprodukt zur äußerlichen Anwendung in den Markt zu bringen, dann gelten die Voraussetzungen des Medizinproduktegesetzes.“

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/schmerz/article/648939/phyto-forum-salizylsaeure-acetyl-salizylsaeure-sehr-aehnlich.html?sh=285&h=-1436656583

Kommentar & Ergänzung:

Meines Erachtens gibt es in Deutschland und in der Schweiz ein zugelassenes Honig-Präparat: Medihoney

Siehe:

Honig – altes Wundheilmittel im Aufwind (hier vor allem der Hinweis auf Medihoney)

Honig verkürzt Wundheilung bei Brandwunden

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Leberschäden durch Umckaloabo?

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Kann der bei akuter Bronchitis eingesetzte Wurzelextrakt aus Pelargonium sidoides, enthalten im Heilpflanzen-Präparat Umckaloabo®, die Leber schädigen? Der Hersteller hält das für unwahrscheinlich. Das pharmakritische „arznei-telegramm“ spricht dagegen von 20 Verdachtsberichten und versucht in seiner Juli-Ausgabe mit der Schilderung eines Fallberichts die Problematik zu verdeutlichen, geht dabei allerdings nicht auf die Begleitmedikation mit teilweise lebertoxischem Potenzial ein.

Im Gespräch mit der Deutschen Apotheker Zeitung nahm Dr. Traugott Ullrich, Geschäftsführer der Spitzner Arzneimittel, Ettlingen, Stellung zu den Fragen, die sich im Zusammenhang mit der Darstellung im arznei-telegramm und den Positionen des Herstellers ergeben. Während das  „arznei-telegramm“ die 20 dem BfArM vorliegenden Verdachtsmeldungen auf Leberschädigung durch Umckaloabo als ein Risikosignal  interpretiert, kommt der Hersteller nach Sichtung aller vorliegenden Daten zu diesen Fällen zu dem Schluss, dass es keinen einzigen „wahrscheinlichen“ oder „gesicherten“ Fall erhöhter Leberwerte als Folge einer Behandlung mit Umckaloabo® gibt.

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2011/07/21/leberschaeden-durch-umckaloabo.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Interpretation solcher Meldungen ist sehr anspruchsvoll. Die ziemlich naive, aber nicht seltene Ansicht, dass Heilpflanzen niemals schaden können, teile ich ganz und gar nicht. Ein Arzneimittel, das wirksam ist, kann potentiell auch unerwünschte Nebenwirkungen haben, das gilt auch für Heilpflanzen-Präparate.

Meldungen zu möglichen Nebenwirkungen sind daher ernst zu nehmen.

Allerdings ist die Situation meistens nicht so klar, wie es vielleicht scheinen mag.

Wenn eine Million Menschen Umckaloabo-Präparate einnehmen, und 20 davon während der Einnahmezeit Leberstörungen erleiden, ist damit Umckaloabo als Ursache noch keineswegs gesichert. Von einer Million Menschen wird ein gewisser Prozentsatz auch aus anderen Gründen Leberstörungen entwickeln.

Wir Menschen neigen dazu, zeitlich zusammen fallende Ereignisse in einen ursächlichen Zusammenhang zu stellen, der gar nicht vorhanden sein muss.

Man nennt dies etwas umständlich den „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlsschluss“.

Zu diesem Fehlschluss neigen wir oft auch bei der Beurteilung von Heilwirkungen:

Ich leide an Krankheit Z

Ich nehme Präparat XY

Mir geht es besser

Schlussfolgerung: XY  ist wirksam gegen Krankheit Z

Alle anderen Einflüsse, die zu meiner Gesundung beigetragen haben könnten, werden mit diesem Kurzschluss ausgeklammert (zum Beispiel Selbstheilungskräfte, Veränderungen in den Lebensumständen, andere therapeutische Massnahmen, Placebo-Effekte).

Und genauso gibt es den „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ bezüglich unerwünschter Nebenwirkungen:

Ich nehme Arzneimittel X

Ich bekomme Beschwerden Z

Schlussfolgerung: Arzneimittel X ist Auslöser der Beschwerden Z

Alle anderen Einflüsse, die zu den Beschwerden Z geführt haben könnten, werden ausgeklammert (zum Beispiel andere Medikamente, Veränderungen in den Lebensumständen, Infektionen, Nocebo-Effekte).

Der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ ist der wichtigste Grund dafür, dass die Beurteilung von Heilwirkungen und Nebenwirkungen von Arzneimitteln so komplex ist, und dafür, dass einzelne Erfahrungen in dieser Hinsicht meistens wenig aussagen.

Das gilt für synthetische Medikamente, Phytotherapeutika, Präparate aus der Komplementärmedizin etc.

Der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ ist ein wichtiger Grund für den Versuch, Wirkungen von Arzneimitteln mittels systematischeren Untersuchungen zu klären, zum Beispiel in Form von Doppelblind-Studien.

Aber selbst Doppelblind-Studien können zu unterschiedlichen und widersprüchlichen Resultaten kommen.

Daher fasst man dann mehrere Doppelblind-Studien zu einer Metastudie zusammen, um auf diese Art und Weise fundiertere Schlüsse ziehen zu können. Das macht zum Beispiel die renommierte Cochrane Collaboration.

Aber selbst Metastudien können sich widersprechen….

zum Beispiel weil die Studien, welche man zur Auswertung in eine Metastudie einschliesst, mittels unterschiedlicher Kriterien ausgewählt wurden.

So müssen wir wohl oder übel auf die endgültige und umfassende Gewissheit in den allermeisten Fällen verzichten, denn die Beurteilung von therapeutischen Wirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen ist eben sehr komplex.

Was uns aber meines Erachtens nicht davon abhalten sollte, nach möglichst viel vorläufiger und notgedrungen bruchstückhafter Erkenntnis zu streben.

Weitere Informationen um Thema Umckaloabo & mögliche Leberschädigungen finden Sie hier:

Umckaloabo wegen möglicher Leberschäden unter Kritik

(im zweiten Teil dieses Beitrages finden Sie Informationen zu Leberschädigungen durch Medikamente generell)

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2011/08/04/umckaloabo-wegen-moglicher-leberschaden-unter-kritik.html

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Informationen über die Steinböcke in der Schweiz

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2011 begeht die Schweiz das 100jährige Jubiläum der Wiederansiedlung des Steinbockes in den Schweizeralpen. Der Bund, die Bergkantone, das Weisstannental und nationale Organisationen, die sich um die Wieder-Ansiedlung verdient gemacht haben, wollen in diesem Jubiläumsjahr die Leistung aller Beteiligten in Erinnerung rufen und würdigen.

Darüber hinaus soll auch informiert werden über die Biologie des Alpensteinbocks und über die gegenwärtige Situation in den Steinbockkolonien der Schweiz.

Der Steinbock wurde in weiten Teilen der Alpen durch die Menschen ausgerottet, so auch in der Schweiz. Bis ins 19. Jahrhundert hinein überlebte der Alpensteinbock einzig am Gran Paradiso.

Illegal eingeführte Steinböcke, die der St. Galler Wildpark „Peter und Paul“ ab 1906 züchtete, sind dann erstmals am 8. Mai 1911 am Rappenloch im Weisstannental (SG) ausgesetzt worden. Die Wiederansiedlung des Alpensteinbockes in der Schweiz ist geglückt. In unserer Zeit ist der Steinbock wieder in weiten Teilen der Alpen heimisch. Es handelt sich wohl um den weltweit grössten Erfolg der Wiederansiedlung einer fast ausgerotteten Gross-Säugerart in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet.

Steinbock-Bestand heute:

In den Alpen leben gegenwärtig über 40‘000 Steinböcke. Am meisten Steinböcke leben zur Zeit in der Schweiz und in Italien. Die Steinbock-Bestände dieser beiden Länder machen mit jeweils 15‘000 Tieren drei Viertel der Gesamtpopulation aus. Einige Tausend Tiere leben zudem in Frankreich und in Österreich. Im Fürstentum Liechtenstein, in Deutschland und in Slowenien ist der Bestand an frei lebenden Alpensteinböcken auf wenige Tiere beschränkt, weil die Grösse des dort verfügbaren Steinbock-Lebensraumes sehr limitiert ist.

Quelle:

http://www.steinbock2011.ch/index.php

(hier gibt es Infos zur Lebensweise der Steinböcke)

Kommentar & Ergänzung:

Interessant ist auch die Geschichte des Steinbocks als Quelle von Heilmitteln:

„Schuld an der gnadenlosen Jagd auf den Steinbock war nicht nur das Wildbret und das prächtige Gehörn des Steinbocks, sondern vor allem der mittelalterliche Volksglaube an den Steinbock als Lieferant von Wunderheilmitteln. Es gab kaum einen Körperteil dem keine heilkräftige Wirkung zugesprochen wurde: Die Hörner lieferten Fingerringe gegen vielerlei Krankheiten, sein Blut sollte ein Mittel gegen Blasensteine sein, die Bezoarsteine (kleine Kugeln die sich im Magen des Steinbock aus Haaren, Steinchen, Harzen u. ä. zusammenballen) sollten Heilkräfte besitzen, dem zermahlenen Horn sagte man potenzfördernde Eigenschaften nach und geheime Wunderwirkungen erhoffte man sich von den herzförmig verknöcherten Sehnen der Herzmuskeln, dem Herzkreuzchen. Sogar die Losung des Steinbocks war angebliches Heilmittel. So ist es kein Wunder, dass Wilderer erbarmungslos Jagd auf die Tiere machten.

Als 1683 der Leibarzt des Fürsterzbischofs aus Salzburg die Wirksamkeit der Steinwildarzneien bestätigte, begann ein richtiger Run auf das Steinwild und es entbrannten blutige Wildererkriege die einen hohen Blutzoll forderten. Um den Wildererkriegen ein Ende zu machen,  gab Fürsterzbischof Graf Thun (Salzburg) um 1700 seinen Jägern den Auftrag alles Steinwild zu erlegen. Etwa um 1706 wurden die letzten Steinböcke im Ostalpenraum erlegt. Um etwa 1820 war der Steinbock im Alpenraum, bis auf einige wenige Exemplare im italienischen Gran Paradiso ausgerottet.“

(Quelle: http://www.weilburg-lahn.info/freizeit/tiestei.htm)

Tierische Heilmittel hatten in der traditionellen europäischen Medizin immer einen grossen Stellenwert.

Wenn heute aus Marketing-Gründen oder aus Überzeugung eine „Traditionelle Europäische Naturheilkunde“ (TEM) propagiert wird, dann wird dieser Teil der Tradition konsequent ausgeblendet.

Nicht dass ich dafür wäre, wieder auf die „Apotheke Alpensteinbock“ oder auf andere tierische Naturheilmittel zurückzugreifen. Aber es scheint mir wichtig zu sehen, dass uns hier eine sehr selektionierte und damit nicht gerade autentische Tradition präsentiert wird.

Steinböcke haben wir auf meinen Alpenblumenkursen in diesem Sommer schön beobachten können auf der Birg oberhalb von Mürren. Birg ist die Station zwischen Mürren und dem Schilthorn.

Die Wiederansiedlung von Alpensteinböcken fand und findet in der Regel breite Unterstützung innerhalb der Bevölkerung, da ein Bestand von Steinböcken häufig in der touristischen Vermarktung von alpinen Ferienorten genutzt wird. Der Kanton Graubünden hat den Steinbock sogar in seinem Wappen und macht gegenwärtig Fernsehwerbung mit den Tieren.

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