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Thymian zur Duftpflanze des Jahres 2013 gewählt – aber fragwürdig beschrieben…

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Thymian sei ein Tausendsassa unter den Kräutern, titelt Claudia Richter in „Die Presse“. Ein bisschen reisserisch zwar, aber schauen wir uns den Text doch mal genauer an

(Zitate kursiv).

Thymian wurde von der österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie und Aromapflege und von Vaga, der österreichischen Vereinigung für Aromapflege und gewerbliche Aromapraktiker, zur Duftpflanze des Jahres 2013 gewählt. Aha.

Thymian ist tatsächlich eine wichtige Ätherisch-Öl-Pflanze und die Wahl daher nachvollziehbar.

Was aber da über den Thymian geschrieben steht, kommt zum Teil sehr geschwurbelt daher.

Thymian bekämpfe Husten, Schmerzen und Bakterien, schreibt die Autorin.

Tatsächlich schreibt die Phytotherapie-Fachliteratur dem Thymian eine schleimlösende Wirkung zu. Das kann sich positiv auswirken bei produktivem Husten, ist aber wenig nützlich bei trockenem Reizhusten. Eine Differenzierung wäre hier sinnvoll.

Thymian wirkt auch gegen Bakterien, aber es wäre wichtig zu wissen, wo und in welcher Form. So pauschal ist die Aussage nicht sehr nützlich.

Dass Thymian gegen Schmerzen wirken soll, ist der Fachliteratur nicht bekannt. Wie soll denn das genau gehen und gegen welche Schmerzen bitte?

Es kommt aber noch schlimmer:

Thymian „ist ein altbewährtes Hausmittel gegen Husten, hilft bei der Fettverbrennung, kräftigt das Immunsystem, wirkt verjüngend auf den Gehirn- und Nervenstoffwechsel und hemmt Entzündungen sowie Schmerzen.“

Das mit dem „altbewährten Hausmittel“ sehe ich auch so. aber was soll der Unfug mit der Behauptung, Thymian helfe bei der Fettverbrennung? Wie genau macht er das denn? Schlank mit Thymian? Das funktioniert vielleicht, wenn ich nur noch Thymiantee zu mir nehme. Das reduziert natürlich die Kalorienzufuhr auf quasi Null, ist aber nicht gerade praktikabel. Und so ist es wohl auch nicht gemeint.

Und die Aussage, Thymian kräftige das Immunsystem, ist genauso windig. Was genau soll da passieren im Immunsystem und wie wurde das festgestellt? Und falls tatsächlich Veränderungen in irgendeinem Teil des komplexen Immunsystems stattfinden, ist immer noch die Frage, ob der betreffende Mensch auch so davon profitiert, dass er weniger krank wird. Alles ungeklärt, tönt aber toll.

Verjüngend auf den Gehirn- und Nervenstoffwechsel soll der Thymian auch noch wirken. Wer hätte das denn nicht gerne. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Verjüngung nicht gleich zurück bis in die Pubertät geht, weil in dieser Lebensphase das Gehirn ja immerhin ein bisschen anders tickt und die lieben Mitmenschen mit dieser Retro-Veränderung vielleicht ihre liebe Mühe hätten.

Dass Thymian Entzündungen hemmt, ist vorstellbar (Lamiaceen-Gerbstoff). Aber auch hier wäre eine Präzisierung wichtig. Wann, wo und in welcher Form angewandt?

Schauen wir uns ein weiteres Zitat an:

„So wurde in zahlreichen Studien – unter anderem auch an der Universität Graz – nachgewiesen, dass die ätherischen Öle des Thymians antibakteriell und fungizid, also pilzabwehrend, wirken. ‚Man kann diese Öle daher zur Raumbeduftung verwenden. Die in der Luft zirkulierenden Moleküle können dann Bakterien oder Pilzsporen schwächen oder beseitigen’, erwähnt Karner. ‚Das wird pflegerisch auf einigen Krankenhausstationen eingesetzt.’ Erste Hinweise zeigen, dass die ätherischen Thymian-Öle auch eine schwache antivirale Wirkung haben könnten.“

Dass Thymianöl antibakteriell und fungizid wirkt, ist tatsächlich gut mit Studien belegt. Allerdings hauptsächlich mit Bakterien- und Pilzkulturen im Labor. Wenn nun hier unter weglassen der Präzisierung „im Labor“ geschrieben wird, eine antibakterielle und fungizide Wirkung sei nachgewiesen, und dann übergangslos diese antimikrobiellen Effekte auf die Anwendung von Thymianöl als Raumbeduftung übertragen werden, dann ist dies ziemlich irreführend.

In der Kultur im Labor erreicht man locker eine viel höhere Konzentration an Thymianöl als in der Luft.

Weiter:

„Karner persönlich bereitet in Grippezeiten oder für Verwandte, die ins Spital müssen, immer ein Deo aus einer Mischung aus ätherischen Thymianölen und Hydrolaten oder Alkohol vor, um so das Risiko einer bakteriellen Infektion (zum Beispiel Ansteckung mit Grippe oder Krankenhauskeimen) zu reduzieren. ‚Das ist in der wissenschaftlichen Theorie nicht nachgewiesen, aber in der gelebten Praxis hundertfach erprobt.’“

Grippe ist allerdings keine bakterielle Infektion sondern viral bedingt – und gegen Viren ist die Wirkung von Thymianöl weniger gut belegt als gegen Bakterien. Aber solche Unterschiede sind wohl nicht in diesem Artikel nicht so wichtig.

Ein besonderes „Highlight“ ist der Satz: „Das ist in der wissenschaftlichen Theorie nicht nachgewiesen, aber in der gelebten Praxis hundertfach erprobt.“

Ich würde mal davon ausgehen, dass man in der wissenschaftlichen Theorie gar nichts nachweisen kann. Nachgewiesen wird allenfalls etwas in einem Experiment, das heisst in einer kontrollierten Erfahrung. Und der Verweis auf die hundertfache erprobte gelebte Praxis ist eine leere Worthülse. Hier wird einfach ausgeblendet, wie sehr uns Erfahrung täuschen kann.

Siehe dazu:

Naturheilkunde: Erfahrung genügt nicht als Begründung

Naturheilkunde: Vom sorgfältigen Umgang mit Erfahrung

Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung

Und weiter:

„Wirkungsvoll wie Antibiotika

Ganz wissenschaftlich ging es der deutsche Chemiker Erich Schmidt an: Er und Kollegen analysierten in ihrer wissenschaftlichen Arbeit die chemische Zusammensetzung der vier Chemotypen des ätherischen Öls von Thymian vulgaris und prüften ihre antibakteriellen Eigenschaften. ‚Die höchste Aktivität zeigt der Chemotyp Thymol, er kann es hinsichtlich Wirkstärke mit etlichen künstlich hergestellten Antibiotika aufnehmen‘, sagt Wolfgang Steflitsch, Lungenfacharzt und Präsident der österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie und Aromapflege.“

(Schreibfehler Thymian vulgaris statt Thymus vulgaris im Original)

Thymol wirkt tatsächlich ausgezeichnet antibakteriell.

Aber: Verglichen mit Antibiotika wird seine Wirkung in der Regel in Bakterienkulturen im Labor. Aussagen wie „Wirkungsvoll wie Antibiotika“ und „kann es hinsichtlich Wirkstärke mit etlichen künstlich hergestellten Antibiotika aufnehmen“ unterstellen aber eine Ebenbürtigkeit in der therapeutischen Situation im Patienten und sich daher irreführend.

„Seine Öle können die Stimmung aufhellen, wirken ausgleichend und konzentrationsfördernd.“ Derlei könne man mit Duftlampen oder Inhalationen erreichen.

Als Indikation für die Anwendung von Thymianöl werden ausserdem aufgeführt „Angstzustände“, „Durchblutungsstörungen“ und „Stress“

Angstzustände – für diese Empfehlung von Thymianöl gibt es keine fundierte Belege, im Gegensatz zum Lavendelöl (Lasea®), für welches zur Anwendung bei leichteren Angstzuständen positive Studien vorhanden sind.

Durchblutungsstörungen –  bei welcher Art von Durchblutungsstörungen soll Thymianöl denn helfen? Und in welcher Form soll es angewendet werden? – Sehr unplausibel und nebulös.

Stress  – diese Empfehlung bleibt eine Behauptung ohne Boden.

In dem Artikel wird zudem versprochen, dass Thymianöle die Stimmung aufhellen sowie ausgleichend und konzentrationsfördernd wirken können.

Die Stimmung aufhellen und konzentrationsfördernd wirken – das können Thymianöle möglicherweise, doch sind dies wohl sehr individuelle Reaktionen, die bei manchen Menschen auftreten und bei anderen nicht. Und „ausgleichend“ ist eine nebulöse Aussage – was ist damit genau gemeint und wie soll diese Wirkung zustande kommen?

Quelle:

http://diepresse.com/home/gesundheit/1335717/Thymian-ein-Tausendsassa-unter-den-Kraeutern?_vl_backlink=/home/gesundheit/index.do

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Pestizide bedrohen Amphibien

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Auch für Tiere wie Kröten und Frösche wurde eine tödliche Gefahr durch Pflanzenschutzmittel laut Fachleuten bisher unterschätzt. Das müsse sich unbedingt ändern, fordern die Experten.

Pestizide bedrohen einer Studie zufolge die Amphibien in Deutschland. Die Resultate deuteten darauf hin, dass der Einsatz solcher Mittel in der Landwirtschaft mitverantwortlich für den Rückgang der Amphibien sei, erklärte das Umweltbundesamt (UBA) in Dessau-Roßlau. Es sei deshalb nötig, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft weiter zu vermindern.

Die Fachleute empfehlen, den ökologischen Landbau auszuweiten, der auf chemische Pestizide verzichtet. Laut Umweltbundesamt steht in Deutschland mehr als die Hälfte der Frösche, Kröten und Molche auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten. Amphibien seien die weltweit am stärksten gefährdeten Wirbeltiere, teilen die Experten mit.

UBA-Präsident Jochen Flasbarth verlangte einen stärkeren Schutz von Amphibien bei der Zulassung von Pestiziden in Europa.

Die Studie war von Wissenschaftlern der Universität Koblenz-Landau im Auftrag des Umweltbundesamtes durchgeführt worden. Die Resultate sind im britischen Online-Fachjournal „Scientific Reports“ (Nature-Verlag) publiziert worden. Die Forscher hatten demnach bei Versuchen entdeckt, dass bereits die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in üblichen Mengen bei Grasfröschen zu einer Sterblichkeitsrate von 20 bis 100 Prozent führt.

Für den Schutz von Bienen ist die EU-Kommission inzwischen aktiv geworden. Sie will den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die Insekten gefährden könnten, stark einschränken und schlug den EU-Staaten vor, die Mittel nicht mehr für Pflanzen zuzulassen, die die Bienen besonders gerne ansteuern.

Die Kommission zieht damit die Konsequenzen aus einem Gutachten, das die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) publiziert hat. Das Gutachten kommt zum Schluss, dass für Bienen ein hohes, akutes Risiko besteht wegen der drei Stoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam.

Quelle:

http://www.n-tv.de/wissen/Pestizide-gefaehrden-Amphibien-article10055861.html

Kommentar & Ergänzung:

Seit einiger Zeit gibt es eine Kontroverse über die Frage, ob Lebensmittel aus biologischem Anbau gesünder seien als konventionell produzierte oder nicht.

Unabhängig davon gibt es gute Hinweise dafür, dass ein biologischer Anbau durch den verminderten Gebrauch von Pestiziden sich positiv auf die Tierwelt auswirkt.

Das scheint mir das stärkste Argument für die Förderung des Biolandbaus.

Für den Schutz von Amphibien (Salamander, Kröten, Frösche, Molche) und Reptilien (Eidechsen, Schlangen) ist in der Schweiz die Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz (KARCH) zuständig. Die KARCH besteht seit 1979 und wird von Bund, den meisten Kantonen und privaten Organisationen (Pronatura, WWF, STS) finanziert. Die KARCH hat eine informative Website: www.karch.ch

Hier die Amphibienarten der Schweiz:

Feuersalamander, Alpensalamander, Bergmolch, Fadenmolch, Reichmolch, Kammmolch, Alpenmolch, Geburtshelferkröte, Gelbbauchunke, Knoblauchkröte, Erdkröte, Kreuzkröte, Wechselkröte, Laubfrosch, Kleiner Wasserfrosch, Teichfrosch,  Seefrosch, Grasfrosch, Moorfrosch, Springfrosch, Italienischer Frosch.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen-Exkursionen als ästhetische Bildung

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Tönt vielleicht ein bisschen hochgestochen, dieser Titel. Aber eigentlich ist etwas einfaches damit gemeint.

Auf Heilpflanzen-Exkursionen lernt man, woran man die Pflanzen erkennen kann und wofür sie gut sind. Das ist ziemlich direkt Nutzen orientiert und drückt sich aus in der auf Exkursionen relativ häufigen Frage: „Und wofür kann man diese Heilpflanze brauchen?“ – Dagegen ist auch nichts einzuwenden.

Allerdings scheint mir, dass diese Nutzenorientierung nicht der einzige Aspekt sein sollte, um den sich auf einer Heilpflanzen-Exkursion alles dreht.

Genauso wichtig finde ich, was Rolf Göppel so formuliert hat:

„Ich möchte also unter „ästhetischer Bildung“ hier etwas sehr Grundlegendes verstehen: Die Erziehung zur Wahrnehmungs-, Empfindungs- und Genussfähigkeit, die Pflege der Fähigkeit zu staunen, die Sensibilisierung der Aufmerksamkeit dafür, welche Umgebung „der eigenen Seele gut tut“, die Ausbildung eines liebevoll-achtsamen Verhältnisses zu den natürlichen Erscheinungen, die einem zum Beispiel den Duft einer Blume oder den Gesang eines Vogels wertvoll sein lassen, auch wenn diese ‚zu nichts nütze’ sind und die einem die Beobachtung der Fortbewegungsart einer Raupe oder des Baus eines Spinnennetzes zum spannenden Erlebnis werden lassen, auch wenn dabei herzlich wenig ‚action’ geschieht.“

Rolf Göppel, Umwelterziehung, in: Walter Sauer (Hrsg.); Verlassene Wege zur Natur, Die Graue Edition 1992

Dieses Zitat drückt ganz präzis aus, was mir bei Exkursionen in der Natur wichtig und wertvoll ist und über den direkten Nutzen hinausgeht.

Ein nutzenorientierter Umgang mit der Natur zeigt sich in verschiedenen Varianten, nicht nur in der direkten Frage, wofür eine bestimmte Heilpflanze gut ist. Viel subtiler ist eine weit heute weit verbreitete, esoterisch eingefärbte Nutzenorientierung gegenüber der Natur.

Im Zentrum steht dabei eine Haltung, die von der Natur Ratschläge und Hinweise aller Art erwartet. Die Natur soll uns mitteilen, was für uns gut ist, was uns gesund macht oder unsere Entwicklung fördert. Überall in der Natur sollen uns Pflanzendevas oder Pflanzensignaturen geheime Zeichen geben, die es nur zu erkennen gibt. Die Natur soll uns zudem Energie und Lebenssinn liefern.

Ich halte das – mit Verlaub gesagt – für eine ziemlich ausgeprägte Konsumhaltung. Und der Mensch stellt sich nach meinem Geschmack dabei viel zu stark in den Mittelpunkt.

Siehe auch:

Signaturen der Pflanzen – Bemerkungen zu Bedeutung und Hintergründen

Rolf Göppel beschreibt eine ganz andere Art des Kontaktes zur Natur. Hier wird nicht passiv Hilfe, Rat, Gesundheit und Energie erwartet. Die Entwicklung, welche wir in und mit der Natur machen können, entsteht aus dem Kontakt, aus der Begegnung mit Pflanzen und Tieren. Sie entsteht in uns selber, insofern wir uns auf die Natur einlassen. Mir scheint, dass diese Haltung reifer, konstruktiver und in einem guten Sinn bereichernd ist. Und ich begleite auf meinen Heilpflanzen-Exkursionen und Natur-Seminaren sehr gerne Menschen, die auf solche Art Kontakt und Begegnung mit  Pflanzen, Tieren und Landschaften suchen. Das ist für ein wichtigster Aspekt, den ich mit den Exkursionen vermitteln möchte.

Alle aktuellen Exkursionsdaten finden Sie im „Kurskalender“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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WHO-Empfehlung: Salzkonsum möglichst tief halten

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Ohne Salz funktioniert der Wasser- und Nährstoffhaushalt des menschlichen Organismus nicht. Doch ein zu hoher Salzkonsum ist ungesund.

Erwachsene sollten nicht mehr als fünf Gramm Salz täglich konsumieren. So lautet die neue Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. In fünf Gramm (g) Salz sind 2000 Milligramm (mg) Natrium enthalten. In Deutschland haben Fachleute bislang empfohlen, nicht mehr als sechs Gramm Salz täglich einzunehmen.
Die WHO empfiehlt Erwachsenen zudem, mindestens 3510 Milligramm Kalium pro Tag aufzunehmen. Wer zu viel Natrium und zu wenig Kalium aufnimmt, läuft nämlich Gefahr, dass sein Blutdruck sich erhöht. Das steigere das Risiko von Herzerkrankungen und Schlaganfällen, den häufigsten Ursachen für Tod und Behinderung.

Viel Natrium steckt hauptsächlich in verarbeiteten Lebensmitteln und Fertigprodukten. Brot enthält gemäss den Angaben der  WHO etwa 250 mg Natrium pro 100 g, dieselben Mengen Schinken oder Popcorn rund 1500 mg und Sojasoße etwa 7000 mg. Auch unverarbeitete Lebensmittel enthalten Natrium, allerdings in kleinerem Maß, beispielsweise Milch oder Eier (etwa 50 beziehungsweise 80 mg pro 100 g).

Kaliumreich sind hauptsächlich Hülsenfrüchte (Erbsen und Bohnen etwa 1300 mg pro 100 g), Nüsse (zirka 600 mg pro 100 g) oder Gemüse wie Spinat oder Kohl (etwa 550 mg pro 100 g). Sobald Lebensmittel industriell verarbeitet werden, reduziert sich der Kaliumgehalt, schreibt die WHO.

Quelle:

http://www.cellesche-zeitung.de/website.php/website/story/342861

Kommentar & Ergänzung:

Keine Frage, dass vor allem Fertigprodukte eigentliche „Kochsalzbomben“ sind und dass der durchschnittliche Salzkonsum in Mitteleuropa ungesund hoch ist.

Wirklich notwendig ist eine Zufuhr von nur einem Gramm Kochsalz pro Tag.

Ein bisschen mehr Zurückhaltung beim Salzkonsum dürfte also sinnvoll sein.

Eine salzarme Ernährung bedeutet allerdings für viele Menschen eine große Umstellung. Viele Gerichte können jedoch auch ohne Salz ganz hervorragend schmecken. Zahlreiche pflanzliche Gewürze können das Salz überflüssig machen und häufig noch feiner und stärker als Salz wirken. Eine Vielfalt an Möglichkeiten bieten bereits Ingwer, Dill und Senf. Möglich ist auch das Würzen mit speziellen kochsalzsparenden Diätsalzen.

Es spricht allerdings auch einiges dafür, dass beim Thema Blutdrucksteigerung durch Kochsalzzufuhr nicht jeder Mensch gleichermassen empfindlich reagiert.

Jeder zweite Bluthochdruck-Betroffene reagiert auf eine salzarme Ernährung. Durch eine Reduktion der Kochsalzzufuhr auf etwa 5-6 g/Tag sinkt der Blutdruck bei diesen kochsalzsensitiven Personen etwa um 5 bis 8 mmHg.

Die These, dass Kochsalz generell für einen hohen Blutdruck mitverantwortlich ist, und darum unbedingt reduziert werden muss, wird deshalb heute in Frage gestellt. Bluthochdruck-Patienten sollten daher testen, ob sie zur kochsalzsensitiven Gruppe gehören.

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Tschechien: Parlament gibt Cannabis auf Rezept frei

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Cannabis darf in Tschechien in Zukunft für medizinische Zwecke genutzt werden. Der Senat als zweite Parlamentskammer hat einer entsprechenden Gesetzesänderung zugestimmt. Nun braucht es noch die Unterschrift des Präsidenten. Es isei ein Heilmittel, das unerträgliche und chronische Schmerzen zu ertragen helfe, erklärte der konservative Abgeordnete und Arzt Pavel Bem, welcher die Vorlage eingebracht hatte. Menschen, die schwer erkrankt sind – beispielsweise an Krebs oder Multipler Sklerose – bekommen Cannabis-Medikamente künftig auf ärztliches Rezept. Für die Kosten müssen sie jedoch selber aufkommen.

Quelle:

http://news.search.ch/ausland/2013-01-30/parlament-gibt-cannabis-auf-rezept-frei

Kommentar & Ergänzung:

Menschen, die an Krebs oder Multipler Sklerose erkrankt sind, dürfen nicht kriminalisiert werden, wenn sie mit Cannabis ihre Beschwerden lindern können. Dass solchen Patientinnen und Patienten immer noch derartige Hürden in den Weg gestellt werden ist meines Erachtens ein politischer Skandal, für den aber in der Schweiz letztlich die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger verantwortlich sind.

Tschechien ist uns da offenbar einen Schritt voraus.

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Thromboembolie-Risiko: Frankreich nimmt Diane®-35 vom Markt

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Die französische Arzneimittelaufsicht (ANSM) hat entschieden, die Zulassung des oft als Verhütungsmittel verschriebenen Akne-Medikaments „Diane®-35“ (Bayer) zu sistieren. Die ANSM liess dazu verlauten, dass neue Daten ein vierfach erhöhtes Risiko von Thromboembolien zeigten. Zur Behandlung von Akne gebe es auch Alternativen. Die Behörde sieht allerdings eine Übergangszeit von drei Monaten vor, um den Patientinnen den Umstieg zu erleichtern.

Das Bayer-Medikament enthält eine Wirkstoffkombination aus Ethinylestradiol und Cyproteron und besitzt eine Zulassung zur Anwendung bei Frauen mit Akne, leicht verstärkter Körperbehaarung und bei Haarausfall. Weil Diane®-35 wegen der enthaltenen Hormone zudem eine empfängnisverhütende Wirkung hat, wird es aber auch als Antibabypille eingenommen. Damit einher geht allerdings das erhöhte Risiko von Thrombosen.

Die ANSM hatte ein Neubewertungsverfahren eingeleitet, nachdem in Frankreich vier Todesfälle mit der Einnahme des Medikaments in Zusammenhang gebracht wurden. Nun verkündete die Behörde als Resultat ihrer Überprüfung, dass das  Risiko den Nutzen überwiege. Sie beschloss deshalb die Aussetzung der Genehmigungen für das Inverkehrbringen des Akne-Mittels sowie seiner Nachahmerpräparate (Generika) nach Ablauf von drei Monaten.

Patientinnen sollten die Behandlung mit Diane®-35 nicht abrupt abbrechen, empfiehlt die Behörde, sondern die nächsten Schritte mit ihrem Arzt bzw. ihrer Ärztin besprechen. Bis zum nächsten Konsultation könnten sie weiterhin ihre gewohnte Behandlung fortsetzen.

Hersteller Bayer hatte am Sonntagabend in einer Erklärung betont, dass Diane 35 nur zur Behandlung von Akne verschrieben werden dürfe. Als Mittel zur Empfängnisverhütung werde das Präparat nicht empfohlen. Der Beipackzettel von Diane 35 weise zudem deutlich auf das Risiko einer Thrombose hin. Bei Thrombosen handelt es sich um Blutgerinnsel, die Lungenembolien und Schlaganfälle verursachen können.

Diane 35 ist weltweit in 135 Ländern zugelassen – auch in der Schweiz. Dass die Einnahme von Antibabypillen das Thromboserisiko steigern kann, ist grundsätzlich bekannt.

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2013/01/30/dianeR-35-wird-in-frankreich-vom-markt-genommen/9311.html

http://bazonline.ch/wissen/medizin-und-psychologie/Frankreich-verbietet-Antibabypille-Diane-35/story/30593041

Kommentar & Ergänzung:

Dass Medikamente, die stark in den Organismus eingreifen, auch ein grösseres Risiko für ernsthafte Nebenwirkungen mit sich bringen, geht manchmal etwas vergessen.

Dieses Risiko spricht nicht grundsätzlich und fundamental gegen stark eingreifende Medikamente, aber jeder gravierende Zwischenfall verdeutlicht, dass Nutzen und Risiko sorgfältig abgewogen und wenn möglich risikoärmere Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden müssen.

Dazu gehören in vielen Fällen auch Phytopharmaka.

Allerdings sollte man bezüglich „Naturmedizin“ nicht in Naivität schwelgen. Auch Pflanzenmedizin kann Nebenwirkungen auslösen, wenn auch bei fachlich sorgfältiger Anwendung selten in schwerem Ausmass.

Sehr kritisch betrachten würde ich komplementärmedizinische Präparate, die als gänzlich nebenwirkungsfrei angepriesen werden. Es spricht nämlich sehr viel dafür, dass auch keinerlei therapeutische Wirkung hat, was grundsätzlich und absolut frei von Nebenwirkungen sein soll.

Diese Einsicht hat es allerdings nicht leicht, den der Wunsch nach einem hochwirksamen, aber zugleich gänzlich sanften, risikofreien Heilmittel scheint sehr stark und weit verbreitet.

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Roche mauert weiterhin mit Tamiflu-Studiendaten

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Der Pharmakonzern Roche hält weiterhin wichtige Daten zu Tamiflu-Studien zurück. Ich habe in diesem Blog schon davon berichtet:

Boykottaufruf gegen Roche wegen Tamiflu-Datenverheimlichung

Tamiflu® – Roche verheimlicht weiterhin Studiendaten

Tamiflu nicht wirksamer als Placebo

Roche vernebelt diesen eklatanten Verstoss gegen wissenschaftliche Grundsätze zudem darüber hinaus noch mit oberlausigen Ausreden.

Geradezu ungeheuerlich finde ich, dass Roche den Forschern der Cochrane-Collaboration offenbar Einsicht in die Daten nur gewähren wollte gegen Unterzeichnung einer Schweigevereinbarung. Das heisst so viel wie: Wir lassen Euch die Daten sehen, aber nur, wenn ihr eure Erkenntnisse daraus nicht weitergebt.

Das British Medical Journal (BJM) hat nun den Briefwechsel mit Roche in dieser Angelegenheit ins Internet gestellt:

http://www.bmj.com/tamiflu

Im Tages-Anzeiger berichtete vor kurzem Urs P. Gasche über die neuste Entwicklung (hier).

Und im Skeptiker-Blog nimmt Marko Kovic dazu Stellung und zieht den Schluss:

„Ab und an mag der Eindruck entstehen, Skeptikerinnen und Skeptiker schiessten sich nur auf  «Alternativmedizin» ein und ignorierten Probleme in weniger anrüchigen Forschungsgebieten. Dem ist nicht so: Für medizinische Forschung müssen einheitliche Standards der Prüfung vermuteter Wirkungen eingehalten werden. Es gibt demgemäss auch keine Kategorien wie «Schulmedizin», «Alternativmedizin», «Komplementärmedizin», sondern nur Mittel und Verfahren, deren medizinische Wirksamkeit aufgrund der verfügbaren Datenlage gestützt ist, sowie Mittel und Verfahren, deren medizinische Wirksamkeit ungestützt oder gar widerlegt ist.“

Dem kann ich nur zustimmen.

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Durchfallmittel Perenterol® von UCB an Medice verkauft

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Die Pharmafirma Medice kaufte vor kurzem die Lizenzrechte am Durchfallmittel Perenterol vom belgischen Pharmaunternehmen UCB.

Perenterol® enthält die Hefeart Saccharomyces boulardii und wird zur Anwendung gegen Durchfall und Akne beworben.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/unternehmen/article/830318/antidiarrhoika-medice-erwirbt-hefepraeparat-ucb.html?sh=13&h=-73577342

Kommentar & Ergänzung:

Dass Perenterol gegen Akne wirksam ist, scheint mir fraglich. Gegen Durchfall ist Saccharomyces boulardii besser fundiert.

Was ist Saccharomyces boulardii?

Saccharomyces boulardii ist ein Hefepilz, der als Präparat zur Vorbeugung und Behandlung von Durchfallerkrankungen verschiedener Ursachen zugelassen ist. Der Pilz ist ein naher Verwandter der Backhefe und zeigt antitoxische, entzündungshemmende, antimikrobielle und immunmodulierende Eigenschaften. Unerwünschte Wirkungen treten nur  selten auf. Saccharomyces boulardii kann im Gegensatz zu anderen Probiotika (z. B. Bioflorin®) mit Antibiotika kombiniert eingenommen werden.

In der Schweiz ist Saccharomyces boulardii seit 1990 unter dem Namen Perenterol® zugelassen. In Europa kommt der Hefe-Pilz seit den 1950er Jahren als Probiotikum zur Anwendung. Im Jahr 2012 wurde in der Schweiz das Analogpräparat Mephenterol® registriert.

Saccharomyces boulardii ist zur Vorbeugung und Therapie von Durchfallerkrankungen verschiedener Ursachen zugelassen. Die Präparate können beispielsweise beim Reisedurchfall oder Durchfall infolge einer Antibiotikabehandlung eingesetzt werden.

Antimykotika können die Hefe-Pilze abtöten und so die Wirksamkeit des Arzneimittels vermindern.

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Wirkstoffkunde: Was ist Aktivkohle?

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Medizinische Kohle oder Aktivkohle ist eine aus Pflanzen gewonnene Kohle mit der Fähigkeit,  Substanzen und Gifte an sich zu binden und so zu neutralisieren. Aktivkohle wird zur Therapie von Vergiftungen angewendet. Kohle gilt ausserdem als altes Hausmittel zur Behandlung von Durchfall, wobei die Wirksamkeit allerdings umstritten ist.

Wer Aktivkohle einnimmt sollte Medikamente nicht gleichzeitig, sondern in einem Abstand von 2-3 Stunden einnehmen. Es kann sonst durch Bindung dieser Medikamente zu einer verminderten Aufnahme in den Körper und damit zu einer Abschwächung der Wirkung kommen.

Aktivkohle besteht hauptsächlich aus Kohlenstoff (meist über 90 %) mit hochporöser Struktur, wobei die Poren wie bei einem Schwamm untereinander verbunden sind (offenporig). Die innere Oberfläche der Aktivkohle beträgt zwischen 300 und 2000 m²/g, damit entspricht die innere Oberfläche von vier Gramm Aktivkohle etwa der Fläche eines Fußballfeldes.

Diese hochporöse Struktur und die damit verbundene riesige Oberfläche sind Voraussetzung für die Fähigkeit der Aktivkohle, Giftstoffe und viele andere Substanzen zu binden.

In der Lebensmittelindustrie kommt Aktivkohle als Farbstoff E 153 zur Anwendung. E 153 wird in Fruchtsaftkonzentraten, Gelees, Marmeladen, Süßwaren und in schwarzen Wachsüberzügen bei Käse eingesetzt.

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Malaria: Artemisia-Pflanze möglicherweise wirksamer als isoliertes Artemisinin

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Die Artemisia-Pflanze (Einjährige Beifuß, Artemisia annua) wirkt möglicherweise weit besser gegen Malaria als das auf diesem Kraut hergestellte Medikament mit isoliertem Artemisinin.

Eine US-Studie mit Mäusen zeigt, dass die zermahlenen Blätter von Artemisia annua die Malaria-Erreger eher abtöten als der isolierte Wirkstoff im Medikament. Diese Erkenntnis könne die Malaria-Behandlung wesentlich günstiger machen und Entwicklungsländern auch eine ökonomische Perspektive bieten, schreiben die Wissenschaftler um Stephen Rich von der University of Massachusetts in Amherst in der Zeitschrift „PLOS ONE“.

Hunderte Millionen Menschen leiden weltweit an einer Infektion mit Malaria-Parasiten der Gattung Plasmodium. Im Jahr 2009 starben nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mindestens etwa 800.000 Menschen an der Krankheit. Zur Therapie angewendet werden hauptsächlich auch Präparate mit dem Wirkstoff Artemisinin, der auf dem Einjährigen Beifuß (Artemisia annua) basiert. Zur Produktion dieser Medikamente wird Artemisinin aus der Pflanze in einem aufwendigen Verfahren isoliert. Die Medikamente, die häufig noch mit anderen Wirkstoffen kombiniert werden, sind gerade für Entwicklungsländer zu teuer. Deshalb prüften die Wissenschaftler, wie gut die natürliche Pflanze gegen die Infektionskrankheit hilft.

Dazu verglichen sie die Wirkung von reinem Artemisinin und getrockneten zermahlenen Blättern von Artemisia annua an Mäusen, die den Erreger Plasmodium chabaudi trugen. Dieser befällt zwar Nagetiere, teilt jedoch zahlreiche Eigenschaften mit den Erregern, die den Menschen infizieren. Nach der Einnahme tötete das Naturprodukt in den Mäusen im Zeitraum von 12 bis 72 Stunden deutlich mehr Parasiten ab als reines Artemisinin – bei identischem Wirkstoffgehalt.

Die Wissenschaftler führen dies zum einen darauf zurück, dass nach Gabe des Pflanzenmittels im Vergleich zum Pharmaprodukt etwa 40 Mal mehr Artemisinin im Blut der Nager zirkulierte. Darüber hinaus weisen sie darauf hin, dass in den Blättern der Pflanze neben Artemisinin auch noch andere Substanzen vorkommen, die gegen Malaria wirken.

Die an der Studie beteiligte Biologin Pamela Weathers vom Worcester Polytecnic Institute sagt, dass die Blätter von Artemisia eine Vielzahl von Stoffen enthalten, die interessant sind wegen ihrer offenkundigen, aber schwächeren Wirkung gegen Malaria. Dazu zählen nach ihren Angaben mindestens sechs Flavonoide, von denen gezeigt worden sei, dass sie mit Artemisinin zusammenwirken, um Malaria-Parasiten abzutöten. Die verschiedenen Wirstoffe könnten sich in ihrem Effekt gegenseitig verstärken, schreiben die Wissenschaftler.

Zudem betonen sie, dass der Einsatz zermahlener Blätter auch wesentlich kostengünstiger sei als der Kauf teurer Medikamente. Artemisia könne in den meisten Klimazonen angebaut und die Blätter gut geerntet, getrocknet, auf ihren Wirkstoffgehalt untersucht und in Kapseln verpackt werden. Dies könnte Menschen in Entwicklungsländern eine Perspektive geben und auch die dortige Wirtschaft fördern.

Quelle:

http://www.n-tv.de/wissen/Pflanze-uebertrumpft-Medikament-article9867161.html

Kommentar & Ergänzung:

Diese Studie ist sehr interessant für die Phytotherapie.

Die „normale“ Arzneimittelforschung neigt stark dazu, synthetische oder auch pflanzliche Wirkstoffe isoliert zu untersuchen und anzuwenden. Das kann Vorteile bieten, zum Beispiel bei Arzneistoffen mit kleiner therapeutischer Breite, wenn also die wirksame Dosis und die toxische Dosis nahe beieinander liegen. Ein isolierter Wirkstoff lässt sich genauer dosieren als Extrakte aus der ganzen Pflanze.

In der Phytotherapie kommt in der Regel ein ganzes „Team“ von Wirkstoffen zur Anwendung.

In diesem Zusammenhang ist oft die Rede von einer Multi-Target-Therapie.

Siehe dazu:

Phytotherapie – auf die Mischung kommt es an

Die beschriebene US-Studie scheint jedenfalls als Beispiel zugunsten der Multi-Target-Therapie zu sprechen. Wobei allerdings bei einer Studie mit Mäusen noch offen bleibt. Ob und wie weit sich die Ergebnisse auch auf die Anwendung am Menschen übertragen lassen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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