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Waffen für die Ukraine

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Ich bin für Diplomatie, Diplomatie und nochmal Diplomatie. Darum schreibe ich das nun gar nicht gerne: Es braucht jetzt Waffenlieferungen an die Ukraine. Angela Merkel sagt zwar, dass Waffenlieferungen ein falsches Signal wären. Sie würden den Eindruck erwecken, dass es für diesen Konflikt eine militärische Lösung gebe. Kann sein. Aber Putin erzwingt eine militärische Lösung.

Es ist auch ein problematisches Signal, Appelle endlos zu wiederholen, wenn schon längst klar geworden ist, dass sie nichts fruchten. Putin reagiert nicht auf Appelle. Der Mann hat sich mit einer sehr raffinierten Strategie ein Stück eines souveränen Nachbarlandes unter die Nägel gerissen und lügt die Weltöffentlichkeit seit Monaten schamlos an.

Einfache Lösungen sind nicht in Sicht. Zu Recht will auf westlicher Seite niemand in diesen Krieg ziehen. Aber was tun, wenn Appelle nicht fruchten und Sanktionen die Russen vielleicht gar eher noch zusammen schweissen?

Putin als skrupelloser Machtmensch wird sich holen, was er zum Aufbau eines neuerstandenen russischen Reiches zu brauchen glaubt. Russland hat schon bei der Destabilisierung von Moldawien (Transnistrien) und Georgien (Südossetien, Abchasien) mitgezündelt.

Und in Estland gibt es wie in der Ukraine eine starke russische Minderheit (25,48%), für die Russland plötzlich als „Beschützer“ auftreten könnte, ebenso in Lettland (27%).

Putin hat mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Grossrussland im Kopf, was Europa an verschiedenen Punkten destabilisieren könnte. Dem kann eine verantwortungsvolle Politik nicht einfach zuschauen. Das wäre eine Appeasement-Politik (Beschwichtigungspolitik) wie im Vorfeld des 2. Weltkriegs. Dem Autokraten und Menschenrechtsfeind Putin ist einiges zuzutrauen.

Den Putin’schen Expansionsdrang zu stoppen, ohne in eine direkte kriegerische Auseinandersetzung zu stolpern, ist aber auch ein diffiziles Unterfangen.

Putin wird wohl nur zurückkrebsen, wenn die „Heimatfront“ wankt. Dazu muss der wirtschaftliche Preis sehr hoch sein – oder – und das ist die leider wahrscheinlichere Variante – es müssen mehr und mehr gefallene Soldaten nach Russland zurückkehren.

Das könnte Druck machen auf Putin. Die russische Bevölkerung steht zwar hinter Putin, aber sie will keinen Krieg in der Ukraine.

Es gibt eine ganze Reihe von Hinweisen darauf, dass Regierungsstellen in Russland alles tun, damit der Tod von russischen Soldaten in der Ukraine im eigenen Land nicht bekannt wird. Denn davor hat Putin offenbar Angst.

Das „Komitee russischer Soldatenmütter“ geht davon aus, dass in den letzten zwei Monaten insgesamt 10 000 bis 15 000 Soldaten in die Ukraine geschickt wurden, wovon aktuell noch 7000 bis 8000 im Einsatz sein sollen. Die Zahl der getöteten Soldaten gehe offenbar inzwischen in die Hunderte. Man kann das Engagement dieser Gruppen nicht hoch genug schätzen, vor allem auch auf dem Hintergrund der in Russland herrschenden Repression.

„Das russische Justizministerium stufte die Gruppe am Freitag als «ausländische Agenten» ein. Mit der Vergabe dieses Status‘ können die russischen Behörden den Spielraum kritischer Nichtregierungsorganisationen einschränken.“

Siehe:

Bis zu 15 000 russische Soldaten wurden in die Ukraine geschickt

Wir leben hier in Europa seit ein paar Wochen in einer markant veränderten politischen und militärischen Situation. Das verlangt Aufmerksamkeit.

Der Tages-Anzeiger publizierte ein Interview mit Jeronim Perovic, Professor für Osteuropäische Geschichte an der Universität Zürich.

Auszug:

„Im Westen, auch in der Schweiz, gibt es Kreise, die für Putins Vorgehen Verständnis zeigen. Ist der Vorwurf gerechtfertigt, dass die EU und die Nato Putin provoziert haben?


Perovic: Vielleicht hat sich Brüssel wirklich nicht so geschickt verhalten in der ganzen Frage der EU-Assoziation der Ukraine und dem Fall Janukowitsch. Aber dies rechtfertigt keinesfalls das russische Vorgehen. Das sind zwei Dinge, die unbedingt auseinandergehalten werden müssen. Der Westen ist für die Krise in der Ukraine nicht verantwortlich!“

Quelle:

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Putin-kann-es-sich-nicht-erlauben-dass-Kiew-siegt/story/17251347

Und ausserdem: keine Fussball-WM 2018 in Russland!

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Grüntee und Schwarztee ohne Milch gesünder

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Milch macht gefäßschützende Katechine unwirksam.

Wer Schwarztee oder Grüntee mit Milch trinkt, macht deren günstige Wirkungen auf das Blutgefäßsystem zunichte. Eine Studie zeigte, dass die Proteine in der Milch die gesundheitsfördernden Katechine im Tee inaktivieren – und damit auch die Schutzwirkung gegen Herzerkrankungen.

Der Konsum von Tee hat eine entspannende und erweiternde Wirkung auf die Arterien. Untersuchungen an gesunden Testpersonen haben gezeigt, dass dieser Effekt ausbleibt, wenn dem Getränk Milch beigegeben wird. Entsprechende Resultate brachten auch zusätzliche Experimente an Zellkulturen. Dass sich Tee günstig auf das Gefäßsystem auswirkt, wurde durch Studien inzwischen gut belegt. Er kann beispielsweise vor Gefäßverkalkung und koronarer Herzerkrankung schützen und besitzt antioxidative und entzündungshemmende Wirkungen. Tee habe sehr vielfältige gesundheitsfördernde Effekte, sagt Studienleiterin Professor Verena Stangl von der Klinik für Kardiologie und Angiologie der Charité in Berlin.

Bisher war jedoch nicht klar, dass Milch diese Effekte vermindert.

Für die Studie haben Probanden entweder Schwarztee ohne Milchzusatz oder mit einer in England üblichen Dosis Milch getrunken. Zur Kontrolle wurde Testpersonen warmes Wasser zu trinken gegeben. Jeweils eine Stunde vor und bis zwei Stunden nach dem Konsum wurden am Unterarm Ultraschallmessungen durchgeführt. Das Resultat: Nach dem Trinken von Wasser war keine Veränderung festzustellen. Beim Konsum von Tee ohne Milch hingegen haben sich die Arterien aller Probanden erweitert, wodurch der Blutfluss verbessert wird. Beim Hinzufügen von Milch zeigte sich diese Wirkung nicht.

 

Erklären lässt sich dieser Effekt mit den Proteinen der Milch, den so genannten Kaseinen. Sie bewirken, dass das im Tee enthaltene Katechin seine Wirkung verliert. Den Katechinen wird unter anderem eine antithrombotische und antientzündliche Wirkung zugeschrieben.

 

Es sei nicht ausgeschlossen, dass Milch die ebenfalls erwiesene Antikrebswirkung von Tee beeinträchtigen könnte, sagt Dr. Mario Lorenz, der die Studie durchgeführt hat. Das Resultat der Studie ist seiner Ansicht nach eine Erklärung dafür, dass in Ländern wie England, wo der Tee üblicherweise mit Milch getrunken wird, dessen Schutzwirkung gegen Herzerkrankung ausbleiben könnte.

 

Epidemiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass Herzerkrankungen in Asien seltener auftreten. Dr. Lorenz sieht einen Zusammenhang mit seiner Studie. Er argumentiert, dass in Asien traditionell viel Tee konsumiert wird, und zwar ohne Milch.

 

Die Arbeitsgruppe von Prof. Stangl wird untersuchen, ob Grüntee aufgrund seines höheren Katechingehalts wirkungsvoller ist als Schwarztee. Ausserdem soll erforscht werden, ob Teeinhaltsstoffe möglicherweise auch der Wiederverengung von Blutgefäßen nach einer Katheterbehandlung entgegen wirken können.

 

Quelle:

Charité-Universitätsmedizin Berlin

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-5910-2007-01-11.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Grüntee und Schwarztee unterscheiden sich zwar in der Zusammensetzung ihrer Polyphenole, doch sind sie wahrscheinlich etwa ähnlich gesund.

Weitere Informationen:

Wirkstoffkunde: Theaflavine aus Schwarztee 

Schwarztee senkt Blutdruck  

Grüntee oder Schwarztee?

Grüntee und Schwarztee – Schutz vor Schlaganfall

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Good news: NPD fliegt in Sachsen aus dem Landtag

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Die NPD hat in Sachsen den Einzug in den Landtag verpasst – allerdings nur knapp.

Zitat Spiegel online:

„Die NPD hat den Einzug in Sachsen knapp verpasst – eine empfindliche Niederlage für die Rechtsextremen in ihrer Hochburg, zumal sie Tausende Stimmen an die AfD abgeben müssen. Erledigt sind sie deshalb aber noch nicht.“

Quelle:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/npd-in-sachsen-rechtsextremisten-erleiden-herbe-niederlage-a-989138.html

Unterstützen in Sachsen:

Aktion Zivilcourage e. V.

Kulturbüro Sachsen e. V.

Und über Sachsen hinaus:

Amadeu-Antonio-Stiftung

P. S.: Solche Organisationen wünsche ich mir auch in der Schweiz. Wenn es darum geht, Demokratie und Rechtsstaat gegen extremistische Bewegungen zu schützen, dann ist die Zivilgesellschaft gefordert. Und zwar unabhängig davon, ob es sich bei den Feinden von Demokratie und Rechtsstaat um Neonazis, Islamisten oder anderweitig Ver(w)irrten handelt. Das ist ja oft – wie man bei uns in der Schweiz sagt – „ghupft wie gschprunge“.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen bei Diabetes

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Diabetes ist ein schwieriges Gebiet für die Phytotherapie. Es schwirren zwar viele Ideen herum, aber es sind wenige fundierte Daten dazu vorhanden.

Soll ich dazu überhaupt einen Beitrag verfassen oder es bleiben lassen?

Meiner Ansicht nach ist es unseriös, immer nur Tolles zu berichten, und die Widersprüche, die offenen Fragen und die schwierigeren Terrains einfach auszulassen.

So verhalten sich jedenfalls eher manche Verkäufer oder Missionare.

Ein eigenständiges, realitätsnahes Bild kann sich aber nur machen, wer umfassend und differenziert über ein Gebiet informiert ist. Und dazu gehören eben auch Widersprüche, Lücken, offene Fragen etc.

 

Und daher lesen Sie hier manchmal auch kritische Texte, in denen Grenzen der Pflanzenheilkunde aufscheinen.

Wer nämlich immer nur tolle Heilungsgeschichten vorgesetzt bekommt, wird an der Nase herumgeführt.

 

Und nun zum Thema „Heilpflanzen und Diabetes“.

Professor Edzard Ernst aus Exeter in Großbritannien präsentierte beim Diabeteskongress in Berlin eine Reihe systematischer Reviews zur Wirksamkeit von komplementärmedizinischer Ansätzen bei Diabetes mellitus.

Ernst bezeichnete das Vorgehen vieler Befürworter der Komplementärmedizin, erwünschte Schlussfolgerungen aus Studien überzubetonen und widersprechende Evidenz nicht zu berücksichtigen, als „Rosinenpickerei“.

Ausserdem kritisierte er, dass meist nur Daten aus In-vitro-Untersuchungen und Tiermodellen vorlägen, bzw. dass die Studien von schlechter Qualität seien und nur geringe Effektgrößen zeigten.

Valide klinische Studien in diesem Bereich seien Mangelware.

Und was bleibt dann noch übrig:

 

„Ein systematisches Review, das 31 Studien (meist schlechter Qualität) einschloss, zeigte einen potenziellen Benefit bei Diabetes für Chrom, Ballaststoffe, Grünen Tee und Bockshornklee. Suksomboon et al. (J Ethnopharmacol 2011) konnten Effekte auf den HbA1c-Wert für Mariendistel und Bockshornklee, nicht aber für Süßkartoffel und Zimt zeigen. Eine Cochrane-Analyse von 7 randomisierten klinischen Studien zu ayurvedischen Ansätzen, kam zu dem Schluss, dass aufgrund der methodischen Defizite der Untersuchungen keine Bewertung möglich sei.“

 

Quelle:

 

http://www.springermedizin.de/ddg-kongress_valide-daten-zu-alternativen-behandlungsoptionen-sind-mangelware/5152590.html

(mehr Quellenangaben dort)

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Bei Diabetes sind eine adäquate Ernährungsgestaltung, Reduktion von Übergewicht und ausgiebige Bewegung wichtiger als Heilpflanzen-Anwendungen. Das sind aber eigentlich auch Bereiche der Naturheilkunde.

Ballaststoffe sind im Zitat oben pauschal aufgeführt. Sie verlangsamen die Aufnahme von Glukose. Gemeint sein könnten zum Beispiel:

– Haferkleie:

„Hafer-Beta-Glucan bildet im Magen und Dünndarm eine zähflüssige Konsistenz, die eine verlangsamte Resorption der Nährstoffe aus der gelartigen Masse zur Folge hat. Dies führt zu einem weniger starken und zeitverzögerten Anstieg des Blutglucosespiegels.“

(Quelle: Wikipedia)

– Guarkernmehl

– Johannisbrotkernmehl

– Flohsamen

– Bockshornkleesamen

 

Mariendistel ist bekannt als Leberschutzpflanze und zur unterstützenden Behandlung bei chronischen Lebererkrankungen, wobei allerdings nur Präparate wirksam sind, die einen hohen Wirkstoffgehalt aufweisen (hochkonzentrierte Extrakte, reine Silymarin-Präparate). Mariendisteltee und Mariendisteltinktur liegen mit ihrem Silymaringehalt deutlich zu tief.

 

Interessant und neu für mich ist die Erwähnung der Mariendistel im Zusammenhang mit Diabetes bzw. dem HbA1c-Wert.

 

Was ist der HbA1c-Wert:

„HbA1c ist ein Glykohämoglobin, das heißt eine Form des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin), an den Glukose gebunden ist (Glykierung). Die Kopplung von Glukose an das Hämoglobin A findet ohne Enzyme statt (Amadori-Umlagerung), daher handelt es sich nicht um eine Glykosylierung.

Der Anteil des HbA1c am gesamten Hämoglobin (Hb) kann bei Blutuntersuchungen festgestellt werden. Er gibt Auskunft über die Blutzuckerwerte der letzten vier bis zwölf Wochen (im Durchschnitt acht Wochen, das ist ungefähr das mittlere Alter der Erythrozyten) und wird daher umgangssprachlich auch als Langzeit-Blutzucker oder Blutzuckergedächtnis bezeichnet.“

(Quelle: Wikipedia)

Zu Zimt & Diabetes siehe:

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2014/06/06/zimt-zur-senkung-des-blutzuckers-bei-diabetes.html

Zum Thema „Rosinenpicken“ hier ein Zitat von Goethe und ein paar Erläuterungen zum Single-Study-Syndrom.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Informationen zur generalisierten Angststörung

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Menschen mit einer generalisierten Angststörung machen sich praktisch über alles Sorgen – über große wie kleine und sogar über völlig belanglose Dinge. Und manchmal fürchten sie sogar die Angst selbst.

Wann sind Ängste behandlungsbedürftig?

Manche Ängste sind berechtigt – weil Gefahr droht. Und manche Ängste gehören bis zu einem gewissen Grad zum Leben – zum Beispiel als Begleiterscheinung neuer Erfahrungen – etwa einem ersten öffentlichen Auftritt oder ähnlichem.

Angst ist also nicht immer pathologisch und damit nicht immer behandlungsbedürftig.

Es braucht nicht immer starke Medikamente gegen Angst.

Es braucht aber auch nicht bei jeder kleinen Aufregung oder Befindlichkeitsstörung Globuli, „Notfalltropfen“, Schüssler-Salze oder gar Storchenschnabeltinktur (die ohne reale Grundlage und rein „phantasiebasiert“ gegen „Schock“ propagiert wird).

Storchenschnabeltinktur gegen Schock?

Solchen Pseudointerventionen fördern psychische Abhängigkeit. Sie vermitteln die Botschaft, dass es in jeder Lebenslage irgendein Mittelchen von aussen braucht, das man einwerfen kann. Die Migros beispielsweise verkauft jetzt Bachblütenpräparate mit Bezeichungen wie „Extreme Situationen“, „Prüfungssituation“ oder „Hoffnung“. Schön, dass man „Hoffnung“ jetzt in der Migros kaufen kann.

Das sind meines Erachtens ziemlich dekadente Auswüchse.

 

Behandlungsbedürftige Angststörungen

Es gibt allerdings auch ernsthafte Angststörungen, und auf die möchte ich nun zurück kommen.

Wenn Ängste zunehmend den Alltag einschränken und die Lebensqualität relevant beeinträchtigen, dann empfiehlt sich frühzeitig eine adäquate Therapie, weil chronifizierte Ängste schwieriger zu behandeln sind. Mit Nachdruck abraten würde ich von irgendwelchen boomenden esoterischen Pseudotherapien. Mir sträuben sich oft alle Haare, wenn ich sehe, wie Leute ohne fundierte psychotherapeutische Ausbildung dilettantisch in der Psyche von Menschen herumstochern.

Wobei es allerdings nicht immer einfach ist, eine fachlich qualifizierte Person zu finden. Eine gute Anlaufstelle ist oft – falls vorhanden – der Hausarzt oder die Hausärztin, weil sie geeignete Kontakte vermitteln können.

Gute Informationen zur generalisierten Angststörungen gibt es auf der Website www.gesundheitsinformationen.de

Dort werden als Behandlungsansätze empfohlen:

„- Psychologische und psychotherapeutische Behandlungen: Hierzu gehören Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie. Mit ihrer Hilfe kann man lernen, seine Gedanken und Ängste zu steuern und zu verändern.

– Entspannungstechniken wie das autogene Training und die progressive Muskelentspannung können helfen, sich zu entspannen und mit Stress besser umzugehen. Sie werden oft auch im Rahmen psychotherapeutischer Behandlungen eingesetzt.

– Medikamente: Bei einer Angststörung kommen vor allem bestimmte Antidepressiva und angstlösende Mittel infrage. Manche Menschen wenden auch pflanzliche Beruhigungsmittel wie Baldrian an.

– Maßnahmen zur Selbsthilfe: In Selbsthilfegruppen besteht die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen. Manchen Menschen hilft es auch, sich gut über die Erkrankung zu informieren – ob mit Büchern, Broschüren oder im Internet.“

Interessant ist aus Sicht der Phytotherapie der Hinweis auf Baldrian als Beruhigungsmittel. Dazu braucht es allerdings eine ausreichende Dosierung für den Baldrianextrakt und eine genügend lange Anwendungsdauer (mindestens 2 – 4 Wochen).

Ergänzt werden muss an diesem Punkt noch, dass in der Phytotherapie bei Ängstlichkeit neben Baldrianwurzel-Extrakt vor allem Lavendelöl (Lasea Kapseln).

Siehe:

Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln (Lasea) bei Angststörungen

Auch der Kava-Kava-Extrakt wirkt als angstlösendes Mittel (Anxiolyticum) bei generalisierten Angststörungen. Er ist aber zur Zeit nicht im Handel.

Zum aktuellen Stand um Kava-Kava siehe:

Kava-Kava: Verwaltungsgericht Köln beurteilt Widerruf der Zulassung als rechtswidrig

Ausserdem als Informationsquelle und für Beratung:

Angst- und Panikhilfe Schweiz

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kann man Studien noch trauen?

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Es gibt Studien, die nicht vollständig offengelegt werden. Und Studien, die gar nicht publiziert werden, weil die Resultate den Sponsoren nicht genehm sind. Dann gibt es einfach schlecht gemachte, fehlerhafte Studien etc. etc.

Daher liegt die Frage auf der Hand: Kann man Studien noch trauen?

In einem Interview für die Zeitung „Der Standard“ hat Gerald Gartlehner zu diesem Thema Stellung genommen. Er ist Experte für Evidenzbasierte Medizin (EBM):

„Ja, wenn man die Gesamtheit der Studien betrachtet. Deshalb ist es so wichtig, die Industrie zu zwingen, alle Daten auf den Tisch zu legen. Auch ethisch betrachtet. Patienten, die an Studien teilnehmen, tun es ja im Glauben, die Wissenschaft zu fördern. Wenn Ergebnisse verschwinden, werden Patienten irregeführt. Das Fehlen von Evidenz mit Nichtwirksamkeit gleichzusetzen, ist aber auch ein kompletter Irrtum. Es bedeutet nur, dass es keine Studien gibt. Man muss sich bewusst sein, dass es viel Unsicherheit in der Medizin gibt. Wichtig ist es deshalb, Dinge laufend zu hinterfragen.“

Quelle:

http://derstandard.at/2000004271664/Evidenzbasierte-Medizin-Den-Wohlfuehlfaktor-erhoehen

Kommentar & Ergänzung:

Die Gesamtheit der Studien betrachten, nicht nur einzelne „Rosinen“ picken. Das ist tatsächlich ein zentraler Grundsatz.

Siehe dazu auch:

Zitat von Johann Wolfgang Goethe (u. a. zum Single-Study-Syndrom)

Dass alle Daten von Studien auf den Tisch müssen, verlangt eine Petition von alltrials.

Mehr dazu hier:

Medizinische Forschung: Petition fordert volle Transparenz

(mit Informationen zum „Publikationsbias“)

Wichtig ist aus meiner Sicht vor allem noch dieser Abschnitt:

„Das Fehlen von Evidenz mit Nichtwirksamkeit gleichzusetzen, ist aber auch ein kompletter Irrtum. Es bedeutet nur, dass es keine Studien gibt. Man muss sich bewusst sein, dass es viel Unsicherheit in der Medizin gibt. Wichtig ist es deshalb, Dinge laufend zu hinterfragen.“

Wir haben nämlich in der Phytotherapie Bereiche, in denen es Studien gibt, und Bereiche, in denen Studien fehlen. Oft sind es eher günstige, einfache Zubereitungen wie Kräutertees, für die keine Studien gemacht werden, weil sie nicht patentierbar sind.

Für Johanniskraut-Extrakte zum Beispiel gibt es Patente und damit Firmen, die in Studien investieren, weil der Forschungsaufwand dem Produkt wieder zugute kommt Für Johanniskrauttee investiert niemand relevant in die Forschung, weil er nicht patentierbar ist.

Es ist daher wichtig festzuhalten, dass die Nicht-Existenz von Studien noch nicht bedeutet, dass keine Wirkung vorhanden ist, sondern nur, dass man diesbezüglich wenig Sicheres weiss. Und gerade in diesem Bereich, wenn keine Studien vorliegen, ist es aber auch wichtig, kritisch zu hinterfragen, weil man sonst leicht Fremd- und Selbsttäuschungen unterliegt.

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Zitat des Tages zum Krieg in der Ukraine

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Kommentar der konservativen Tageszeitung „Neatkariga Rita Avize“ aus Lettland zur Verschärfung des Konflikts in der Ukraine:

„In Europa herrscht Krieg. Man kann so tun, als ob es sich nur um einen weiteren lokalen Konflikt handelt. Doch die Situation ist viel ernster. Das Fundament der existierenden Weltordnung ist zerstört. Internationale Rechtsnormen zählen fast gar nichts mehr. Die Welt kehrt zurück zur Machtpolitik, bei der alles vom militärischen Potenzial bestimmt wird und von der Bereitschaft, dieses anzuwenden. Russische Panzer dringen in den Süden der Ukraine ein. Allein diejenigen, die sich hartnäckig weigern, das Offensichtliche anzuerkennen, bewahren sich die Möglichkeit, weiterhin den Kopf in den Sand zu stecken.“

Quelle:

http://www.focus.de/politik/ausland/ukraine-im-news-ticker-obama-wuetet-gegen-putin-will-aber-nicht-eingreifen_id_4093825.html

Putin bezeichnet die eroberten Gebiete in der Ostukraine inzwischen offen als „Neurussland“. Neue Ehrlichkeit ausgebrochen nach Monaten der Verschleierung und der Lügen?

Meiner Ansicht nach wäre nun eine breite Bewegung aus der Zivilgesellschaft angebracht, um Putin auf der sportlichen Ebene zu isolieren.

Dem Warlord Putin sollte keine Plattform geboten werden – zum Beispiel an der Fussball-WM 2018 in Russland. Die FIFA soll die Austragung an ein anderes Land vergeben. Das wäre zwar nur von symbolischer Bedeutung, aber auch ein deutliches Zeichen ist besser als keine Reaktion. Schweigen passt jedenfalls nicht mehr.

Hier geht’s zum Kontaktformular der FIFA, mit dem Sie dieses Anliegen dem Fussballverband mitteilen können:

http://de.fifa.com/contact/form.html

 

Wichtig wäre aber auch, die Sponsoren unter Druck zu setzen und zu fragen, ob sie wirklich in diesem kriegerischen Umfeld werben wollen:

Coca-Cola, Adidas, Hyundai, Visa.

Und ideal wäre eigentlich ein Netzwerk von Gruppen, die diesen Druck aufbauen. Und als Kern dieses Netzwerks wäre eine fussballnahe Gruppe ideal.

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Erwachen jetzt Putins Freunde endlich?

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Seit dem Beginn des Krieges in der Ostukraine verfolge ich die Online-Kommentare in den Zeitungen zu diesem Thema. Dabei befremdet mich sehr, wie viele vollkommen unkritische Putinfreunde sich da äussern.

Inzwischen ist mir klargeworden, dass Russland offenbar sehr viel investiert in propagandistische Fake-Einträge:

„Hunderte bezahlte Manipulatoren versuchen, weltweit die Meinung in sozialen Netzwerken und in Kommentar-Bereichen wie auch bei Süddeutsche.de im Sinne des Kreml zu beeinflussen. Das bestätigen erstmals Strategiepapiere, die Hacker abgefangen haben.“

Quelle:

http://www.sueddeutsche.de/politik/propaganda-aus-russland-putins-trolle-1.1997470

Mir scheint aber, dass dieser Propagandakrieg nicht alle Kommentare erklärt, die Putin so gerne in den A. kriechen (sorry). Es gibt eine offenbar weitverbreitete, pauschale und blinde Hasshaltung gegenüber allem, was nur schon nach Europa oder USA riecht. Und auf dem Boden dieser blinden, pauschalen Haltung identifizieren sich manche Leute offenbar gerne und leicht mit jedem, der sich als Gegner von Europa und USA profiliert. Auch wenn das ein durchtriebener, verlogener, machtbesessener Ex-KGB-Agent wie Putin ist, ein Kriegstreiber und Okkupator, der Meinungsfreiheit und Bürgerrechte massiv einschränkt und jede Opposition bedroht.

Niemand, der einiger massen klar im Kopf ist, wird bestreiten, dass es in Europa und in den USA vieles zu kritisieren gibt. Aber das ist doch kein Grund, einen Putin zu umarmen, der alle Werte verhöhnt, die für Europa und die USA immer noch eine gewisse Bedeutung haben.

 

Die Ukraine ist verraten worden. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion besass das Land Atomwaffen, die es im Gegenzug zu internationalen Garantien betreffend der Unverletzbarkeit seiner Grenzen abgegeben hat. Auch Russland hat sich zur Respektierung der Grenzen verpflichtet, und nun trotzdem die Krim annektiert und Krieg im Osten des Landes entfacht.

 

Heute sollte aufgrund der Nachrichtenlage jedem und jeder endgültig klar geworden sein, dass Russland in der Ukraine Krieg führt. Dieser Tabubruch im Zusammenleben der Völker in Europa verlangt eine starke, unmissverständliche Reaktion. Weitere Telefonanrufe von Angela Merkel bei Putin werden es nicht richten.

 

Dass die Nato nicht militärisch intervenieren will, zeigt den Unterschied in den Werten zu Russland, doch wird diese Zurückhaltung von Putin skrupellos ausgenutzt.

Das macht die Lage ausgesprochen schwierig.

Meines Erachtens braucht es harte, umfassende und konsequente Wirtschaftssanktionen – auch von Seiten der Schweiz – und auch wenn es der eigenen Wirtschaft weh tut. Das wird aber nicht reichen.

Europa – und auch die Schweiz als Teil Europas – sollten sich so rasch wie möglich und so radikal wie möglich von russischem Erdgas und Erdöl unabhängig machen. Nur damit ist Russland empfindlich zu treffen.

Selbstverständlich scheint mir, dass unter diesen kriegerischen Umständen die Fussball-WM 2018 in Russland abgesagt wird – auch wenn das natürlich nur symbolischen Wert hat.

Berthold Kohler schreibt heute in der „FAZ“:

„Doch geht es in diesem Konflikt um mehr: um die Prinzipien des friedlichen Zusammenlebens in ganz Europa, die von Putin als nicht mehr bindend betrachtet werden. Es ist in der Tat fraglich, ob der russische Präsident mit ökonomischen Sanktionen zur Rückkehr in diese Ordnung gebracht werden kann. Umso wichtiger ist es, ihm mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu zeigen, dass der Westen den Teil Europas zu schützen weiß, der sich für die Freiheit, die Demokratie und den Rechtsstaat entschieden hat.

Es ist sehr zu wünschen, dass Russland eines Tages dazugehört. Unter Putin aber bewegt es sich in die Gegenrichtung – nicht aus Versehen oder weil EU und Nato zu viele ‚Fehler’ gemacht hätten, sondern weil das sein Traum von Russland ist. Dieser Wahrheit muss sich der Westen endlich stellen, wenn er sich nicht länger von Putin an der Nase herumführen lassen will.“

Quelle:

http://www.faz.net/aktuell/politik/verbrannte-erde-in-der-ukraine-putins-krieg-13123000.html

 

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Zitat des Tages von Eckart von Hirschhausen

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Eckart von Hirschhausen ist Arzt und Kabarettist. Dem Tagesspiegel gab er kürzlich ein Interview.

Zitat:

„Dieses Rumhacken auf der ‚doofen Schulmedizin’ mache ich nicht mit. Wir sind extrem undankbar für die medizinischen Erfolge der letzten 100 Jahre, weil die uns so selbstverständlich erscheinen. Was verloren ging: der Wert von Zuwendung und Gespräch. Deshalb erzähle ich viel aus der Placebo-Forschung. Und selbst Operationen haben einen Voodoo-Effekt. Eine der spannendsten Studien der letzten Jahre betrifft tatsächlich Schein-Operationen am Knie. Die Erwartung ist immer ein großer Teil der Behandlung. Und in Amerika kam ein Unfallchirurg auf den genialen Gedanken, Knieoperationen zu testen, in dem er die Leute in zwei Gruppen einteilt. Natürlich, ohne dass sie es wussten. Die eine Gruppe wurde richtig operiert, bei der anderen nur ein Hautschnitt gemacht und etwas am Knie rumgeruckelt. Die Pointe ist, dass es auch zwei Jahre später keinen Unterschied beim Heilungserfolg beider Gruppen gab.“

Quelle:

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/dr-eckart-von-hirschhausen-verglichen-mit-van-gogh-geht-es-mir-blendend/10370898.html

Kommentar & Ergänzung:

Eckart von Hirschhausen ist immer wieder erfrischend, wenn er sich zu Themen wie „Schulmedizin“, „Komplementärmedizin“ oder „Alternativmedizin“ äussert.

Er zeigt darin oft eine Fähigkeit, alle diese Bereiche zugleich kritisch, neugierig und mit einer Prise Humor zu betrachten. Es braucht kritische Fragen in alle Richtungen und je mehr Leute nicht einfach blindlings in einem „Lager“ stehen, desto besser.

Und ja, ich finde auch, dass die Erfolge der „Schulmedizin“ heute oft nicht mehr geschätzt werden, weil sie für uns selbstverständlich geworden sind.

Insbesondere aus manchen „Szenen“ der „Alternativmedizin“ bzw. „Komplementärmedizin“ kommt ein fortwährendes, pauschales Diffamieren der „Schulmedizin“, was mir oft sehr anmassend erscheint.

Dieses pauschale und oft auch einfach denkfaule Verteufeln ist nicht zu verwechseln mit präziser Kritik auf der Basis von Argumenten an konkreten Punkten, die sehr wohl nötig ist.

Die auch immer wieder zu hörenden Beteuerungen, dass man ja nicht gegen die „Schulmedizin“ sei und dass man „ergänzende“ Methoden und Produkte anbiete, sind meiner Erfahrung nach oft Anbiederungen und nur zum Teil ernst zu nehmen. Zu oft höre ich von den selben Leuten dann wieder anmassende Aussagen wie: „Die ‚Schulmedizin’ behandelt nur Symptome, wir dagegen die Ursachen.“

Und ja, es gibt eine ganze Reihe von Operationen, die nicht wirksamer sind als Placebo-Operationen. Das wirft viele ethische Fragen auf.

Zum Thema Placebo / Nocebo:

Placebo – auch ohne Täuschung wirksam 

Überraschender Placebo-Erfolg bei Schmerztherapie

Placeboforschung: Tablettenschlucken bereits als Ritual wirksam bei Migräne

Interessantes zum Nocebo-Effekt

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

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Meta-Analyse bestätigt Nutzen von Ginkgo-Extrakt bei Alzheimer

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Eine Meta-Analyse von 21 klinischen Studien bestätigt, dass Ginkgo-Extrakt bei Patienten mit Alzheimerdemenz die Kognition verbessert und die Alltagsaktivitäten erleichtert.

Dr. Mengmeng Yang und Kollegen vom Tangdu Hospital in Xi’an untersucht durchforsteten Datenbanken nach Studien und bezogen 21 mit ausreichender Qualität in ihre Meta-Analyse ein.

Die Wissenschaftler fanden von Ginkgo biloba abgesehen für andere Behandlungsformen entweder nur minimale Effekte oder Studien, deren Qualität gering war.

Die Meta-Analyse kam zu folgenden Hauptresultaten: Verglichen mit Placebo hatte Ginkgo-Extrakt einen günstigen Effekt auf die Kognition von Alzheimer-Patienten. Bis auf eine Studie zeigten alle anderen einen deutlichen positiven Effekt auf die Kognition.

Vier Studien zeigten darüber hinaus zudem einen günstigen Effekt von Ginkgo auf die Alltagsaktivitäten der Patienten.

Die Autoren der Meta-Analyse weisen zudem daraufhin, dass eine Reihe randomisierter kontrollierter Studien bei Patienten mit unterschiedlichen Demenzformen ebenfalls günstige Effekte von Ginkgo biloba gezeigt hätten.

Diese Studien wurden in die aktuelle Meta-Analyse nicht aufgenommen, weil der Fokus auf Alzheimer-Demenz lag.

Yang und Kollegen erwähnen zudem, dass in zwei Studien Ginkgo biloba (EGb761®, Tebonin®, in CH: Tebofortin®, Tebokan®) mit dem Cholinesterasehemmer Donepezil bei Patienten mit leichter bis moderater Alzheimer-Demenz verglichen wurde. Hier hätten sich keine Differenzen zwischen den Wirkstoffen gezeigt.

Nach Ansicht der Studienautoren weist das daraufhin, dass die Effektivität von Ginkgo-Extrakt durch dessen modulierenden Einfluss auf das cholinerge System erklärt werden kann.

Zudem habe der Ginkgo-biloba-Extrakt EGb761® in mehreren präklinischen Studien fast alle Aspekte der neuronalen Plastizität verbessert.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/demenz/article/866654/phytotherapie-nutzen-ginkgo-alzheimer-bestaetigt.html?sh=5&h=392834615

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24871648

(Am J Chin Med 2014; 42: 505-521)

http://www.worldscientific.com/doi/abs/10.1142/S0192415X14500335

 

Kommentar & Ergänzung:

Erfreulich positiv, diese Meta-Analyse, deren Qualität ich allerdings nicht beurteilen kann.

(Was eine „Metaanalyse“ist, erklärt hier Wikipedia)

Das IQWiG war in seinem Bericht zur Studienlage bei Ginkgo zurückhaltender. Es sah Belege für eine positive Wirkung auf die „Aktivitäten des täglichen Lebens“ bei einer Dosis von 240 mg Trockenextrakt pro Tag. Für eine Verbesserung der geistigen Fähigkeiten, der psychischen Verfassung und der Lebensqualität von betreuenden Angehörigen sieht das IQWiG allerdings nur Hinweise, keine eindeutigen Belege.

Siehe dazu:

Metastudie zeigt: Alzheimer-Kranke können von Ginkgo-Extrakt profitieren

Ausserdem:

Demenz: Ginkgo-Extrakt bessert Kognition und Verhalten

Die Ginkgo-Forschung zeigt deutlich, dass die Wirkung dosisabhängig ist, und dass es hochkonzentrierte Extrakte braucht, wenn man von den Präparaten im Frühstadium von Demenz eine Wirkung erwartet.

Die Anwendung von Kräutertee ist gegenüber einem Extrakt nicht immer unterlegen – bei Ginkgo biloba aber schon. Ginkgotee enthält zuwenig Wirkstoffe und zudem noch unerwünschte Substanzen (Ginkgolsäuren mit allergenem Potenzial), die bei der Extraktherstellung entfernt werden.

Siehe:

Ginkgotee nicht ohne Risiko

Auch Ginkgotinktur ist unterdosiert.

Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang allerdings auch, dass jede medikamentöse Beeinflussung von Alzheimer oder von anderen Demenzformen leider in der Wirkung sehr limitiert ist.

Nicht nachvollziehen kann ich, wenn die Autoren aus einer vergleichbaren Wirkung von Ginkgo-Extrakt und dem Cholinesterasehemmer Donepezil den Schluss ziehen, dass Ginkgo ebenfalls via cholinerges System wirkt. Eine klinische Wirkung kann identisch sein, auch wenn die Wirkungsmechanismen sich unterscheiden. Theoretisch ist sogar denkbar, dass beide – Ginkgo-Extrakt und Donepezil – nur einen Placeboeffekt haben – dann wären sie ebenfalls vergleichbar wirksam. Es gibt allerdings pharmakologische Untersuchungen, die eine Wirkung via Cholinesterasehemmung nahelegen.

 

Vorbeugende Wirkung von Ginkgo fraglich

Ginkgo ist eine sehr interessante Heilpflanze, bei der allerdings noch viele Fragen zur Wirkung und zu den geeigneten Anwendungsbereichen offen sind.

Viele Konsumentinnen und Konsumenten nehmen Ginkgo-Präparate vorbeugend, weil sie Angst davor haben, an Demenz zu erkranken.

Doch genau diese vorbeugende Wirkung konnte bisher nicht in Studien belegt werden.

Siehe dazu:

Ginkgo-Studie findet keine vorbeugende Wirkung

Auch ist es fraglich, ob ein gesundes Gehirn mit Ginkgo in relevantem Mass in seiner Leistung verbessert werden kann. Der Traum vieler Studentinnen und Studenten nach einem völlig unschädlichen, rein natürlichen und zugleich hoch wirksamen Hirndoping-Mittel ist wohl generell nicht sehr realistisch. Zu Ginkgo-Extrakt gibt es für diesen Anwendungsbereich widersprüchliche Studien, die insgesamt – und vor allem gemessen an den Erwartungen der Konsumentinnen und Konsumenten – bisher nicht überzeugend sind.

 

Als Vorteil kann allerdings gelten, dass dem Ginkgo-Extrakt die Risiken der häufig zu Hirndoping-Zwecken missbrauchten synthetischen Substanzen wie Methylphenidat (z.B. Ritalin®) und Modafinil völlig abgehen.

Siehe dazu:

Warnung vor Hirndoping 

Hirndoping: Forscher befürchten langfristig negative Folgen 

Hirndoping an Universitäten verbreitet

Die Einnahme von psychoaktiven Substanzen mit dem Ziel der geistigen Leistungssteigerung wird auch unter dem Begriff pharmakologisches Neuro-Enhacement diskutiert. Einen Überblick dazu gibt Wikipedia (auch zu den ethischen Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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