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Kümmelöl-Leibauflagen beim Reizdarmsyndrom

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Etwa 10 und 15 % der Bevölkerung in Europa leiden unter dem Reizdarmsyndrom. Bei den Betroffenen kommt es zu Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung oder Durchfall, Unterbauchschmerzen, Völlegefühl oder übermäßig auftretenden Blähungen. Da eine ursächliche Behandlung nicht möglich ist, bieten sich nur Therapiemaßnahmen auf der Symptomenebene an. Vor allem phytotherapeutische Maßnahmen wie die Gabe von Pfefferminzöl und Kümmelöl in Kapselform sowie von Flohsamen haben sich bereits als effektiv in der Bekämpfung einzelner Beschwerden erwiesen.

Ein Team der Universität Duisburg-Essen untersuchte nun die Wirksamkeit von Kümmelölleibauflagen, wie sie in der Kneipptherapie angewandt werden, bei Reizdarm-Patienten.

Die an der Studie beteiligten Reizdarm-Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen aufgeteilt, die unterschiedliche Behandlungen bekamen, wobei aber nach dem Rotationsprinzip jeder Proband jede der drei Interventionen erhielt.

Jede der Behandlungen wurde über einen Zeitraum von drei Wochen appliziert, und zwar täglich für jeweils ca. 30 Minuten.

So sahen die drei Behandlungsgruppen aus:

1.)     Die zu prüfende Leibauflage mit Kümmelöl (2 %ig mit Olivenöl) und eine Moor-Wärmeauflage.

2.)     Eine erwärmte Leibauflage mit Olivenöl.

3.)     Eine körperwarme, nicht erwärmte Auflage mit Olivenöl.

Die Gruppen 2 und 3 dienten als Kontrollgruppen. Sie sollten es ermöglichen, die spezifischen Effekte des Kümmelöls sowie die Rolle der Wärme für eine potenzielle Linderung der Symptome zu unterscheiden.

Die Auflagen mit Kümmelöl zeigten sich den anderen Behandlungen deutlich überlegen, was die Zufriedenheit der Patienten und die Linderung der Symptome anbelangt. Die Kümmelölleibauflagen waren gut verträglich und wurden von den meisten der Patienten als angenehm und hilfreich bei der Linderung der Symptome beurteilt.

Quellen:

– http://www.carstens-stiftung.de/artikel/kuemmeloelleibauflagen-beim-reizdarm-endlich-ruhe-im-bauch.html

– Zeitschrift für Phytotherapie 2015; 36(06): 244-246

DOI: 10.1055/s-0041-109742

– Digestion. 2015;92(1):22-31. doi: 10.1159/000398790. Epub 2015 Jun 5.

Efficacy of Caraway Oil Poultices in Treating Irritable Bowel Syndrome–A Randomized Controlled Cross-Over Trial.

Lauche R1, Janzen A, Lüdtke R, Cramer H, Dobos G, Langhorst J.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?filters=&orig_db=PubMed&cmd=Search&term=92%2A%5Bvolume%5D%20AND%2022%5Bpage%5D%20AND%202015%5Bpdat%5D%20AND%20Lauche%20R%5Bauth%5D

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie war zwar klein (48 Patienten, wovon 40 Frauen, Durchschnittsalter 53,9 Jahre) und nicht verblindet. Das schränkt die Aussagekraft ein.

Es ist aber schwierig, für einfache, billige, nicht patentierbare Massnahmen grosse Forschungsgelder für umfangreiche Studien zu finden.

Daher sind auch schon derart kleine Studien willkommen.

Auch ist es generell schwierig, Wickel, Auflagen und ätherische Öle zu verblinden.

Bei einer Tablette ist das einfacher. Man kann sie wirkstoffrei herstellen und hat voilà – ein identisch aussehendes Placebo (Scheinpräparat) für die Kontrollgruppe.

Aber wie lässt sich ein Placebo herstellen für eine Kümmelölleibauflage, ein wirkstoffloses Scheinpräparat, das aussieht, sich anfühlt und riecht wie eine Kümmelölleibauflage?

Wenn etwas so riecht, sich anfühlt und aussieht wie eine Kümmelölleibauflage, dann ist es eine Kümmelölleibauflage.

Die mangelnde Verblindung kann man also nicht den Forschern und nicht der Kümmelölleibauflage zum Vorwurf machen. Sie folgt aus der Komplexität der Intervention.

In der Zeitschrift für Phytotherapie (6/2015) werden die Resultate der Studie so zusammengefasst:

„Ein signifikanter Unterschied bezüglich der Symptome zugunsten der Kümmelölleibauflage wurde im Vergleich zur körperwarmen Auflage identifiziert (Differenz –38,4 Punkte; p = 0,033), nicht jedoch im Vergleich zur erwärmten Auflage mit Olivenöl (Differenz –24,3 Punkte; p = 0,139). Die Anzahl der Therapieansprecher (mindestens 50 Punkte Symptomreduktion) war in der Gruppe der Patienten mit Kümmelölleibauflage (43,9 %) signifikant höher im Vergleich zu maximal 20 % in den anderen beiden Gruppen.“

Signifikant war der Unterschied zugunsten der Kümmelölauflage also nur im Vergleich zur körperwarmen Auflage mit Olivenöl, nicht jedoch zur erwärmten Auflage. Das unterstreicht die Bedeutung der Wärmeanwendung. Offensichtlich waren die Patienten aber mit der Kümmelölleibauflage zufriedener. Da könnte auch der Duft eine Rolle spielen, der eine Massnahme wirksamer erscheinen lässt.

Und wie macht man nun eine Kümmelölleibauflage praktisch. Der Betrag in der „Zeitschrift für Phytotherapie“ (6/2015) gibt dazu eine Anleitung:

„Für die Kümmelölleibauflage benötigen Sie eine Wärmeauflage (Wärmeflasche, Moor-Wärmeauflage), ein Geschirrtuch, ein großes Frotteetuch sowie eine Mischung aus Kümmel- und Olivenöl (2–10 % Kümmelölanteil, erhältlich z. B. in der Apotheke) und einen Löffel.

Tränken Sie das Geschirrtuch in heißem Wasser, und wringen Sie es gut aus. Nehmen Sie einen Teelöffel des Ölgemisches und reiben Sie es mit kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn auf den Bauch ein. Darüber legen Sie dann das feuchtwarme Geschirrtuch und fixieren das Ganze mit dem großen Frotteetuch. Legen Sie dann die Wärmeauflage oben auf. Danach begeben Sie sich für ca. 30 Minuten mit der Auflage ins Bett oder auf die Couch.

Wichtig: Prüfen Sie unbedingt die Temperatur der Auflage im Vorfeld, z. B. am Unterarm. Besondere Vorsicht ist bei Kindern oder älteren Menschen geboten, insbesondere wenn die Temperaturwahrnehmung gestört ist. Bei empfindlicher Haut können Sie den Anteil des Kümmelöls zudem reduzieren.

Sollten bei der Anwendung Unverträglichkeitsreaktionen auftreten (Juckreiz, Rötung), entfernen Sie die Auflage und reinigen Sie die Haut gründlich mit warmem Wasser. In diesem Fall sehen Sie von weiteren Anwendungen ab.“

Zum Reizdarmsyndrom siehe auch:

Phyto-Kombi mit Pefferminzöl und Kümmelöl bei Reizdarm

Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl lindert Reizdarmsyndrom

Ballaststoffe beim Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

 

Heilpflanzen-Anwendungen bei Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarm schmerzlindernd

Pflanzenheilkunde bei Reizdarm: Pfefferminze, Kümmel, Fenchel, Anis, Flohsamen

Reizdarmsyndrom: Flohsamen und Pfefferminzöl top – Kleie flop

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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Storchenschnabeltinktur zur Aktivierung des Lymphflusses?

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Ich höre immer wieder einmal den Hinweis, dass Storchenschnabeltinktur (aus Geranium robertianum) den Lymphfluss aktivieren soll.

Es gibt allerdings keinerlei auch nur ansatzweise plausible Argumente für eine solche Wirkung. Keine Studien, keine Wirkstoffe im Storchenschnabel, die eine solche Wirkung nahelegen würden, rein gar nichts.

Allfällige Anekdoten, wonach es Menschen nach Einnahme von Storschenschnabeltinktur besser gegangen wäre, können nicht aussagekräftig sein.

Anekdoten können nicht belegen, dass eine Besserung durch die Storchenschnabeltinktur und durch Aktivierung des Lymphflusses zustande gekommen ist.

Es spricht sehr viel dafür, dass diese Empfehlung der Fantasie eines Herstellers von Storchenschnabeltinktur entsprungen ist, der damit Werbung für seine Produkte macht.

Ich bin immer wieder beeindruckt, wie unkritisch solche faktenfreie Heilungsversprechungen auch von manchen Drogerien und Apotheken weiterverbreitet werden. Hauptsache, man hat etwas anzubieten.

Für Konsumentinnen und Konsumenten ist es meiner Ansicht nach wichtig sich klar zu machen, dass nicht unbedingt diejenigen Anbieter am seriösesten sind, die für jedes gesundheitliche Problem eine Lösung versprechen. Es ist eher ein Zeichen für Seriosität, wenn ein Anbieter auch Grenzen seiner Methoden sichtbar macht.

Wenn zu einem Anwendungsbereich einer Heilpflanze keine Belege und Studien vorliegen, heisst das allerdings nicht sicher, dass keine Wirkung vorhanden ist. Vielleicht hat sich ja einfach niemand um Belege und Studien gekümmert.

Das bedeutet aber nicht, dass im Gegenzug jede willkürliche Behauptung wahr ist. Ein paar handfeste und glaubwürdige Argumente müsste ein Hersteller schon liefern, wenn er sein Produkt für eine bestimmte Indikation verkaufen will. Solche Argumente fehlen komplett, wenn es um die Wirksamkeit von Storchenschnabeltinktur zur Aktivierung des Lymphflusses geht.

Gäbe es solche Argumente, wäre Storchenschnabeltinktur für diesen Anwendungsbereich schon längst in der Phytotherapie-Fachliteratur aufgetaucht und würde dort empfohlen oder zu mindestens diskutiert.

Wer Heilpflanzen anwenden will tut gut daran, sich fundierte Kenntnisse anzueignen, sich einen kritischen Blick anzugewöhnen und nicht jede Versprechung unbesehen zu glauben.

Hier dazu ein paar Beiträge:

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung

Naturheilkunde: Sorgfältig prüfen lernen

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Naturheilkunde: Woran erkennen sie fragwürdige Aussagen?

 

 

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wissenschaftler wollen von Heilern in Afrika lernen

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Forscher der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen zu diesem Zweck deren medizinisch genutzte Pflanzen.

Untersucht werden sollen Pflanzen aus Äthiopien, Botswana und Tansania mit dem Ziel, Aids, Tuberkulose und Wurmerkrankungen zu bekämpfen. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung über vier Jahre mit 800.000 Euro gefördert, beteiligt sind auch Hochschulen und Unternehmen in Afrika.

Projektleiter Peter Imming vom Institut für Pharmazie der Uni Halle erklärt dazu:

«Wir wollen ökologisch gefährdete, therapeutisch wirksame und kommerziell nutzbare Pflanzen zunächst identifizieren und schließlich kultivieren. Unser Ziel ist, wissenschaftlich zu begründen, welche Inhaltsstoffe für die Wirkung der Arzneipflanzen verantwortlich sind.»

Wenn sich die gewünschten Arzneipflanzen tatsächlich kultivieren lassen, wollen die Forscher sie für den kommerziellen Anbau in den afrikanischen Partnerländern empfehlen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68916

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Forschungsprojekte sind auch für die Phytotherapie in Europa interessant, hat sie doch immer wieder Arzneipflanzen aus anderen Weltgegenden in ihre Behandlungskonzepte integriert, wenn entsprechende Wirkungen zu erwarten sind.

Beispiele dafür sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie) aus Afrika,

Ginseng, Ginkgo, Curcuma (Gelbwurz) und Indischer Weihrauch aus Asien,

Echinacea, Hamamelis (Zaubernuss) und Traubensilberkerze (Cimicifuga) aus Nordamerika,

Passionsblume, Cayennepfeffer und Ratanhia aus Südamerika.

Die traditionelle Pflanzenheilkunde – ob in Afrika, Europa oder sonstwo – bringt wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen mit, enthält aber auch immer wieder Irrtümer, die sich über Jahrhunderte hartnäckig halten können.

Nötig im Umgang mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist daher eine offene, interessierte, aber zugleich auch kritisch-prüfende Grundhaltung.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ingwertee als „Energiebooster“?

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Ingwer scheint gerade sehr im Trend zu liegen. Laufend treffe ich auf Empfehlungen, wozu Ingwer alles gut sein soll. Tatsächlich ist Ingwer ein interessantes Gewürz und eine wirksame Heilpflanze. Aber wie so oft bei derartigen Hypes kommen die Empfehlungen manchmal etwas schwammig und übertrieben daher.

Auf Focus online hat gerade ein Gesundheitsexperte Ingwer empfohlen. Schauen wir uns das etwas genauer an:

„Mit Ingwertee können Sie ganz ohne Koffein fit in den Tag starten……

Die Wurzel verfeinert nicht nicht nur Ihr Essen, sondern kurbelt Ihren Stoffwechsel an, lindert Halsschmerzen und hilft bei Magen und Darmbeschwerden. Probieren Sie doch mal Ingwertee. Schneiden Sie dazu den Ingwer in dünne Scheiben und geben diese anschließend in heißes Wasser…….

Egal, ob Sie den Ingwertee am Morgen als Kaffeeersatz oder als Energie Booster unterm Tag trinken: Sie tun Ihrem Körper etwas Gutes. Die scharfe Wurzel beruhigt Ihren Bauch und hilft bei Durchfall und Magenbeschwerden.

Wenn das noch nicht genug wäre, wirkt Ingwer zudem noch antiseptisch. Kratzt es Ihnen im Hals, empfiehlt es sich deshalb auf einem kleinen Stück Ingwer zu kauen.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/videos/ingwertee-darum-sollten-sie-ihn-vor-dem-fruehstueck-trinken_id_6867281.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Energiebooster – das tönt wirklich stark. Energiebooster ist ein trendigerer Ausdruck für Energydrink. Das sind Getränke, die wach machen und dem Organismus Energie zuführen oder Energiereserven mobilisieren sollen. Das machen sie in der Regel mit viel Koffein und viel Kohlenhydraten (insbesondere Zucker). Ingwertee – sofern ungesüsst getrunken – führt kaum Kohlenhydrate zu und enthält weder Koffein noch koffeinähnlich wirkende Inhaltsstoffe.

Pharmakologisch ist von Ingwertee keine „Energiebooster“-Wirkung zu erwarten, wobei aber auch fraglich ist, ob all die vermarkteten Energie-Booster-Präparate ihre Versprechungen erfüllen können. In Vergleich zu diesen oft wenig glaubwürdig zusammengesetzten Energydrinks ist Ingwertee wohl immerhin die gesündere Variante.

Vorstellen kann ich mir beim Trinken von Ingwertee am Morgen einen sinnlich-psychologischen Wachmacher-Effekt. Ingwer enthält Scharfstoffe. Auf der sensorischen Ebene könnte dadurch ähnlich wie bei Kräutertees mit hohem Bitterstoffgehalt die Aufmerksamkeit geweckt werden im Sinne von „Was kommt denn da?“ – während der Organismus auf irgendeine fade Flüssigkeit kaum reagieren wird.

Sehr eigenartig ist die Vorstellung, dass Ingwertee den Stoffwechsel ankurbeln soll. Aber auch das tönt natürlich toll…

Der Stoffwechsel, das ist die Gesamtheit der chemischen Prozesse in einem Lebewesen.

Den Stoffwechsel kann man einteilen in katabole Reaktionen, welche durch den Abbau von chemisch komplexen Nahrungsstoffen zu einfacheren Stoffen Energie liefern (Katabolismus), und anabole Reaktionen, welche unter Energieverbrauch körpereigene Stoffe aus einfachen Bausteinen aufbauen (Anabolismus).

Wenn Ingwertee nun einfach generell den Stoffwechsel ankurbelt, werden alle chemischen Prozesse in Organismus beschleunigt. Wollen wir wetten, dass das nicht gut ausgeht?

Hier müsste nachgefragt werden, welche Prozesse genau durch Ingwer angekurbelt werden, doch ist eher unwahrscheinlich, dass auf diese Frage eine fundierte Antwort kommt. Solche wohlklingenden Ausdrücke wie „Energie Booster“ oder „kurbelt Ihren Stoffwechsel an“ leben davon, dass sie vage und dadurch kaum zu fassen sind.

Dass viele Menschen Ingwer bei Halsschmerzen oder anderen Erkältungskrankheiten als wohltuend empfinden, ist schon seit langem bekannt. Wie diese Wirkung zustande kommt, ist nicht wirklich geklärt. Im Labor wirken Ingwer-Wirkstoffe antibakteriell und antiviral, aber ob diese Wirkungen auch beim Trinken von Ingwertee im Mund-Rachenraum zustande kommen, kann daraus nicht mit Sicherheit geschlossen werden. Durch die Erregung der Wärmerezeptoren in der Mundschleimhaut wird ein Hitzegefühl ausgelöst und vermutlich reflektorisch die Speichelsekretion angeregt. Diese Wirkungen entstehen durch die Scharfstoffe und könnten zum wohltuenden Effekt eines Ingwertees bei Erkältungen beitragen.

Dass Ingwer gegen Durchfall helfen soll ist eine ungewöhnliche Empfehlung, die in der Phytotherapie-Fachliteratur nirgends vorkommt, und die Empfehlung bei Magenbeschwerden und Darmbeschwerden ist vage. Das kann fast alles umfassen, was im Verdauungstrakt schiefläuft. Hier wären präzisere Angaben wünschenswert.

Ingwer fördert den Speichelfluss, die Magensaftsekretion und den Gallenfluss. Daraus kann eine verdauungsfördernde Wirkung gegen Völlegefühl abgeleiteet werden, was gut zur Verwendung als Gewürz passt. In der Phytotherapie am besten untersucht und am häufigsten empfohlen ist allerdings die Anwendung von Ingwerwurzel-Pulver zur Vorbeugung von Reisekrankheit. Ob Ingwertee hier auch eine Wirkung zeigt, ist ungeklärt. In den Experimenten zeigten vor allem lipophile Inhaltsstoffe diese Wirkung, während ein wässriger Ingwer-Extrakt versagte.

Zu diskutieren wäre die Angabe, dass Ingwer den Bauch beruhigt. Immerhin steigert Ingwer den Tonus und die Peristaltik im Darm. Da könnte man eher daraus schliessen, dass Ingwer den Bauch „wach“ macht.

Wie vielfältig Ingwer als Heilpflanze ist, zeigt folgende Ausstellung:

Öko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als gut bewertet

Ingweröl gegen Erbrechen?

Ingwer – wie eine tolle Heilpflanze unseriös als Wundermittel gegen Krebs vermarktet wird

 

Metaanalyse: Ingwer reduziert Menstruationsschmerzen

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

 

 

Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

 

Schwangerschaftsübelkeit: Ingwer, Frischluft und Vitamin B6

Ingwer bei Erkältungen

Ingwertee gegen Übelkeit

 

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen?

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

 

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

 

 

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Pfefferminzöl als Hausmittel gegen Kopfschmerzen

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Der Tipp ist nicht neu und die Studien dazu auch nicht. Aber weil es bei Spannungskopfschmerzen nach wie vor einen Versuch wert ist und das Magazin „Stern“ wieder einmal darauf hinweist:

„Eine leichte Massage mit zehnprozentigem Pfefferminzöl in alkoholischer Lösung an Schläfe, Scheitel und Nacken kann zusätzlich Linderung verschaffen. Großflächig auf Stirn und Schläfe aufgetragen, verringert das Minzöl die Kopfschmerzen nach etwa 15 Minuten. Bei Spannungskopfschmerzen ist die Wirkung der Pfefferminzölbehandlung mit der einer Paracetamoltablette vergleichbar; mehrere Studien haben dies nachgewiesen. Mit Pfefferminzöl können Sie auch Kinder über sechs Jahren behandeln.“

Quelle:

http://www.stern.de/gesundheit/kopfschmerz/therapie/hausmittel-gegen-kopfschmerzen-ins-bad-oder-ins-bett-3261842.html

Kommentar & Ergänzung:

10%ige Pfefferminzöl-Lösung bekommt man in Apotheken und Drogerien.

Pfefferminzöl wirkt örtlich angewandt auch lindernd bei Juckreiz. Dazu sollte aber die Konzentration tiefer sein und etwa bei 1% liegen.

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Hopfen bei Schlafstörungen

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Die österreichische Zeitung „Kurier“ berichtet über Kräuter gegen Schlafstörungen.

Zum Stichwort „Hopfen“ heisst es da:

„Stammt von den Hanfgewächsen ab und kommt, wie der Baldrian, auf feuchtem Boden im Halbschatten vor. Einen Aufguss von Hopfenblüten und Tinkturen zur Förderung eines gesunden Schlafes kann man selber herstellen. Hopfen regt auch die Verdauung an.“

Quelle:

https://kurier.at/wellness/die-fuenf-besten-schlafkraeuter/252.547.803

Kommentar & Ergänzung:

Die Formulierung „Stammt von den Hanfgewächsen ab“ ist etwas sonderbar. Hopfen gehört zur Pflanzenfamilie der Hanfgewächse (Cannabaceae), die beinahe weltweit verbreitet ist. Sie umfasst etwa 170 Pflanzenarten in etwa elf Gattungen, darunter die Gattungen Hanf (Cannabis) und Hopfen (Humulus).

Hopfen (Humulus lupulus) wächst als Kletterpflanze gerne in Auenwäldern. Wer Hopfen in der Natur kennenlernen möchte, kann das zum Beispiel auf meinen Kräuterwanderungen in die Rheinschlucht (Graubünden), in die „Petite Camargue“ bei Basel und in die Thurauen am Zusammenfluss von Rhein und Thur zwischen den Kantonen Zürich und Schaffhausen.

Hopfen ist zweihäusig – das heisst, es gibt weibliche und männliche Hopfenpflanzen. Nur die weiblichen Hopfenpflanzen entwickeln Blütenstände (Hopfenzapfen), die zur Bierproduktion und als Heilpflanze verwendet werden.

Hopfentee als Aufguss von Hopfenblüten lässt sich tatsächlich gut selber herstellen. Er enthält allerdings starke Bitterstoffe und wird darum nicht gerade von vielen Menschen gerne getrunken.

Hopfentinktur ist dem Hopfentee bezüglich Wirkstoffgehalt unterlegen.

Eine weitere Anwendungsform ist das Hopfenkissen als Einschlafhilfe. Am häufigsten zum Einsatz kommt aber Hopfenextrakt in Kombination mit Baldrianextrakt (in der Schweiz als Redormin®), oder in Kombination mit Passionsblume oder Melisse.

Das Herbal Medicinal Product Committee (HMPC) hat eine Kombination von Hopfen und Baldrianwurzel in Form von Trockenextrakten zur Besserung von Schlafstörungen als „medizinisch allgemein anerkannt“ (well established use“) akzeptiert.

ESCOP und Kommission E bestätigen als Anwendungsgebiete von Hopfen Unruhe, Angstzustände und Schlafstörungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kräuterwanderungen in der Schweiz – Programm 2016 online

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Wie jeden Sommer seit 1986 biete ich auch 2016 eine vielfältige Auswahl an Kräuterwanderungen in landschaftlich schönen und botanisch reichhaltigen Gegenden der Schweiz an.

Soeben ist das vollständige Programm dazu online gestellt worden – mit den Daten und Orten.

Im Sommer 2016 erkunden wir die Pflanzenwelt in folgenden Regionen:

1. Mai: Quinten am Walensee (Kanton St. Gallen)

5. Mai: Dättnauertal & Rumstal bei Winterthur

8. Mai: Trin – Versam (Rheinschlucht, Graubünden)

14. Mai: Sihltal / Sihlsprung

16. Mai: Randen im Kanton Schaffhausen

22. Mai: Petite Camargue bei Basel

29. Mai: Jeizinen – Leuk (Wallis)

11. Juni: Wildhaus – Voralpsee (Toggenburg / St. Gallen)

12. Juni: Gasterntal bei Kandersteg (Berner Oberland)

2. Juli: Feldis (Domleschg, Graubünden)

17. Juli: Gumen ob Braunwald (Glarnerland)

23. Juli: Thurauen & Alter Rhein (Grenzgebiet zwischen den Kantonen Zürich & Schaffhausen)

24. Juli: Chäserugg & Schwendiseen (Toggenburg, Kanton St. Gallen)

Dazu kommen noch die Kräuterwanderwochen im Berner Oberland):

3. – 8. Juli 2016: Lenk im Simmental

10. – 15. Juli 2016: Mürren im Lauterbrunnental

Die vollständigen Ausschreibungen finden Sie im Kursprogramm:

Kräuterwanderungen in der Schweiz

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ADHS: Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren hilfreich?

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Die Zeitschrift „Vista“ ( Nr. 6 / 2014) befasst sich mit Möglichkeiten der Naturheilkunde bei ADHS und schreibt:

„Zu den wichtigsten Präparaten aus der Natur, die bei Hyperaktivität gern verwendet werden, gehören Omega-3-Fischöl und Omega-6-Nachtkerzenöl……In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass die Gabe von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren eine deutliche Verbesserung in Bezug auf die Lernfähigkeit hyperaktiver Kinder brachte.“

Kommentar & Ergänzung:

„In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass….“

Wenn eine solche Formulierung in einer Gesundheitszeitschrift auftaucht, ist eine gehörige Portion Skepsis angebracht.

Studien gibt es nämlich in sehr unterschiedlicher Qualität. Eine schlechte Studie beweist gar nichts. Auch mehrere schlechte Studien beweisen nichts.

Die Qualität der Studien ist entscheidend und um diese beurteilen zu können, sind Quellenangaben nötig. Wo wurden die Studien veröffentlicht? Wer hat sie durchgeführt?

Weil einzelne Studien immer fehleranfällig sind, werden mehrere Studien zur gleichen Fragestellung zusammengefasst und in einer Metaanalyse ausgewertet.

Auf dieser Basis hat sich das Portal medizin-transparent.at mit der Frage befasst, ob Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren günstig wirken bei ADHS:

„Bei Kindern, die an ADHS leiden, wurde in einigen Studien ein niedrigerer Spiegel an Omega-3 & 6 – Fettsäuren festgestellt. Daher vermuteten manche Forscher, dass ein Ausgleich des Omega-3/6-Mangels die Symptome von ADHS mildern könnte.

In einer systematischen Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration wurden alle relevanten, bisher veröffentlichten klinischen Studien zu dieser Fragestellung zusammengefasst. Insgesamt wurde in 13 Studien an etwas mehr als 1000 kleinen ADHS-Patienten die Wirksamkeit von Omega-3/6-Fettsäuren untersucht. Ob sich die Auffälligkeiten und Probleme der Kinder gebessert hatte, wurde dabei sowohl von den Kindern selbst, deren Lehrer und Eltern als auch von Ärzten beurteilt. Im Vergleich zu Kindern, die nur ein Scheinpräparat (Placebo) bekamen, zeigte sich bei der Einnahme der Omega-3/6-Fettsäure-Präparate keine eindeutige Besserung.“

Die Resultate der analysierten Studien seien allerdings nur bedingt aussagekräftig, vor allem aufgrund der geringen Teilnehmerzahl, schreibt „medizin-transparent.at“ – und fährt fort:

„In vielen Fällen wurden Teilergebnisse nicht berichtet, die eine Wirksamkeit der Mittel möglicherweise in Frage gestellt hätten. Zudem wurden viele der Studien von den Herstellern der untersuchten Nahrungsergänzungsmittel finanziert. Die Autoren der Übersichtsarbeit kamen daher zu dem Schluss, dass die derzeit vorhandenen Studienergebnisse nicht ausreichen, um auf einen vorteilhaften Effekt von Omega-3/6-Fettsären bei ADHS schließen zu können.“

Es gebe keine aussagekräftigen Hinweise, dass die zusätzliche Einnahme von Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren zu Verbesserungen bei ADHS führe, schreiben die Autoren von „medizin-transparent“.

Quelle:

http://www.medizin-transparent.at/omega-fettsauren-hilfe-fur-zappelphilipps-fragwurdig

Für die Empfehlung von Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren als Naturheilmittel bei ADHS in der Gesundheitszeitschrift „Vista“ fehlt eine solide Grundlage. Die Aussage, dass in mehreren Studien ein günstiger Effekt dieser Präparate nachgewiesen worden sei, wird durch die Metaanalyse der Cochrane Collaboration nicht gestützt.

„Vista“ ist keine verlässliche Informationsquelle für Gesundheitsfragen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen von Maria Treben gegen Tumore?

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Ich werde immer wieder mal gefragt, was ich von den Heilkräutern halte, die Maria Treben gegen Tumore empfiehlt.

Daher soll es hier wieder einmal gesagt sein:

Die Empfehlungen von Maria Treben gegen Krebs entbehren jeder Grundlage.

Maria Treben (1907 – 1991) ging davon aus, dass sich jede Krankheit mit Heilpflanzen heilen lässt. Das ist ein fundamentaler Irrtum. Heilpflanzen haben eine ganze Palette von sinnvollen Anwendungsbereichen, doch haben sie auch ihre Grenzen. Wer diese Grenzen wie Maria Treben ausblendet, läuft in eine riskante Richtung und gefährdet das Leben von Patientinnen und Patienten.

Das Tumorzentrum der Universitätsklinik Freiburg schreibt mit gutem Grund:

„Treben behauptet, mit Hinweis auf Sebastian Kneipp, dass “das Zinnkraut jeden gut- oder bösartigen Tumor zum Stillstand bringt und ihn langsam auflöst”. Weitere “Wundermittel” sind Schwedenkräuter, intern oder als Umschlag angewendet, Spitz- oder Breitwegerichbrei, Ringelblumensalbe und vieles anderes. Gegenüber den “Ratschlägen und Erfahrungen mit Heilkräutern” der Maria Treben ist Skepsis und Zurückhaltung geboten. Einer vernünftigen zusätzlichen Anwendung solcher Präparate ist nichts entgegenzuhalten, zum Beispiel dem Einreiben einer Operationsnarbe nach Mastektomie mit Ringelblumensalbe. Gefährlich sind Ratschläge, primär gut operable und damit heilbare Tumoren zuerst versuchsweise mit Kräutern zu behandeln, z. B. Hodenkrebs mit Spitzwegerichumschlägen. Damit geht bei diesem heute heilbaren Tumor viel Zeit und möglicherweise die Heilungschance verloren.“

Quelle:

http://www.uniklinik-freiburg.de/fileadmin/mediapool/09_zentren/cccf/pdf/Broschüren/Final-Patientenratgeber_Komplementäre_Verfahren.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Nicht alles glauben, was über Wirkungen von Heilpflanzen erzählt und geschrieben wird. Wie man kritisch nachfragt und Aussagen und Versprechungen auf ihren Gehalt hin prüft, können Sie in meinen Lehrgängen lernen (Heilpflanzen-Seminar, Phytotherapie-Ausbildung).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

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Zitronengrasöl wirksam gegen Hautpilz

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Die Kleienpilzflechte (Pityriasis versicolor) wird durch Malassezia-Hefen ausgelöst. Die Erkrankung verursacht zwar keine gravierenden Beschwerden, doch der Leidensdruck bei Betroffenen ist trotzdem hoch.

Forscher untersuchten daher in einer Studie, ob sich die Pilzinfektion durch eine spezielle Zubereitung aus Zitronengras (Cymbopogon citratus) lindern lässt. Patienten, die Shampoos und Cremes mit Zusatz von Zitronengrasöl auf der betroffenen Kopfhaut verwendeten, profitierten von der pflanzlichen Behandlung ebensosehr wie Patienten in der Kontrollgruppe, die ein herkömmliches Antipilzmittel (Ketoconazol) einsetzten.

Besonders für Menschen mit Unverträglichkeiten der üblich eingesetzten antimykotischen Präparate biete sich ein Versuch mit dem gut verträglichen Zitronengrasöl in äußerlicher Anwendung an.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/zitronengras-lindert-hautpilz.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23793205

Carmo ES, Cavalcante NM, Oliveira Lima E de, Oliveira Pereira F de, Gayoso CW. Treatment of pityriasis versicolor with topical application of essential oil of Cymbopogon citratus (DC) Stapf – therapeutic pilot study. An Bras Dermatol 2013; 88(3): 381-385

 

Kommentar & Ergänzung:

Zitronengras ( = Lemongras) stammt vermutlich aus Südindien und Sri Lanka und wird inzwischen in vielen Teilen der Welt angebaut. Aus der orientalischen Küche ist es nicht wegzudenken (Indien, Thailand). Lemongrasöl enthält grosse Mengen am Citral (Geranial, Neral) und viele weitere Monoterpene. Lipophile Monoterpene interagieren mit zellulären Biomembranen und können die Aktivität von Membranproteinen modifizieren, vor allem von Ionenkanälen und Rezeptoren. Diese Eigenschaften könnten antimikrobielle Wirkungen des Zitronengrasöls erklären. Eine antimykotische (= pilzhemmende) Wirkung ist deshalb plausibel. Allerdings zeigen viele ätherische Öle antimikrobielle Wirkungen (z. B. Lavendelöl, Korianderöl, Teebaumöl, Thymianöl, Eukalyptusöl, Kümmelöl).

Bei der Anwendung auf der Haut spielt neben der Stärke der antimikrobiellen Wirkung auch die Verträglichkeit eine Rolle. In dieser Hinsicht sind Lavendelöl und Korianderöl meine Favoriten.

Siehe auch:

Ätherische Öle bei Mykosen / Pilzinfektionen

Zur Wirkung von Korianderöl

Aromatherapie / Phytotherapie: Zur Wirkung von Teebaumöl 

Phytotherapie bei Hautpilzen

Jasminöl, Teebaumöl und Minzöl gegen Scheidenpilz untersucht

Lavendelöl wirksam gegen Hautpilze

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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