Ob bei Erkältungen, Durchfall, Allergien oder bei Zahnungsbeschwerden: Wenn ihre Kinder erkrankt sind, greifen zahlreiche Eltern zu Heilpflanzen-Präparaten. Nicht alle Eltern teilen dies allerdings ihrem Kinderarzt mit. Und nur wenigen Vätern und Müttern ist klar, dass sich ärztlich verordnete Medikamente und Naturheilmittel nicht immer problemlos vertragen. Dies geht aus einer in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ veröffentlichten Elternumfrage (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2010) hervor.
An den Kinderkliniken der Universitäten Leipzig und München sowie bei zwei Kinderärzten in Leipzig füllten 413 Eltern einen Fragebogen zu ihrem Einsatz von Arzneimitteln aus Heilpflanzen aus: 85 Prozent gaben ihrem Kind ein oder mehrere davon – zusätzlich zu den Medikamenten, welche der Arzt verschrieben hatte. Der Anteil sei deutlich höher als in anderen Ländern, stellt Professor Wieland Kiess von der Universitätsklinik Leipzig fest. In den USA hätten in einer vergleichbaren Umfrage nur zehn Prozent der Eltern Phytotherapeutika angewendet, in Großbritannien waren es 28 Prozent, in der Türkei 44 Prozent.
Auch in Deutschland zeigte die Umfrage Unterschiede. In den Städten verwendeten Eltern häufiger Heilpflanzen-Präparate als auf dem Land. In den neuen Bundesländern sind sie beliebter als in den alten, möglicherweise eine Folge der geringen Verfügbarkeit solcher Mittel vor der Wiedervereinigung, mutmasst Professor Kiess. Auch höherer Bildungsstand und höheres Nettoeinkommen fördern die Beliebtheit von Heilpflanzen-Präparaten. Die Motivation sei dabei keinesfalls in einer Unzufriedenheit mit der Schulmedizin zu suchen, stellt der Experte fest. Im Gegenteil: Zahlreiche Eltern waren mit ihrem Kinderarzt zufrieden, 80 Prozent der Eltern gaben ihn sogar als Informationsquelle bezüglich Phytotherapie an.
Die Eltern sehen in Kamille, Fenchel, Eukalyptus, Salbei und Thymian eine natürliche Ergänzung zu den Arzneimitteln der Schulmedizin. Hier beginnen nach Ansicht von Professor Kiess allerdings die Schwierigkeiten: Zahlreiche der aus den Pflanzen gewonnenen Wirkstoffe seien keineswegs harmlos. Einige könnten die Wirkung der Medikamente, die der Arzt verschreibt, verstärken oder abschwächen, warnt der Kinderarzt. Diese Gefahr war den meisten Eltern nicht klar: Drei Viertel glaubten, dass Naturheilmittel keine nachteiligen Wirkungen hätten. Zu den Beweggründen für die Verwendung von Heilpflanzen-Präparaten zählte mit 72 Prozent die Überzeugung, sie seien natürlicher und 65 Prozent glaubten, sie seien nebenwirkungsärmer als die vom Arzt verschriebenen Arzneien.
Die meisten Eltern sahen darum auch keine Notwendigkeit, die Mediziner über die Begleitbehandlung zu informieren: Nur 22 Prozent der Eltern hatten den Kinderarzt in Kenntnis gesetzt. Professor Kiess empfiehlt darum Ärzten, gezielt nach dem Gebrauch von pflanzlicher Medizin zu fragen und die Eltern auf mögliche Risiken und Nebenwirkungen hinzuweisen. Dies verbessere letztlich die Sicherheit und Effektivität der schulmedizinischen Therapie.
Quelle: Pressemeldung Georg Thieme Verlag
Orgiginalquelle:
M. Hümer et al.:
Phytotherapie in der Kinderheilkunde. Prävalenz, Indikationen und Motivation.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2010; 135 (19): S. 959-964
Kommentar & Ergänzung:
Die Resultate einer Umfrage in der Schweiz wären wohl vergleichbar mit den hier präsentierten Ergebnissen in Deutschland.
Das grosse Vertrauen von Eltern in Heilpflanzen-Präparate ist erfreulich. Es fragt sich allerdings, ob es auch in jeder Hinsicht gerechtfertigt ist. Bei den Naturheilmitteln gibt es nämlich ausgesprochen grosse Unterschiede in der Qualität. Beispielsweise dürfen alle Präparate aus den Bereichen Homöopathie, Anthroposophische Medizin und Spagyrik in Apotheken und Drogerien als Heilmittel verkauft werden, ohne dass ihre Wirksamkeit belegt werden muss. Der Unterschied zu Phytotherapeutika, welche ihre Wirksamkeit genauso belegen und dokumentieren müssen wie synthetische Medikamente, ist vielen Eltern nicht klar.
Und wenn drei Viertel der Eltern der Überzeugung sind, dass Naturheilmittel keine nachteiligen Wirkungen haben, so stimmt dies nur teilweise. Gerade bei Kindern sind bei einigen Heilpflanzen-Anwendungen auch allfällige Nebenwirkungen zu beachten.
Es fragt sich auch, wo Eltern zu verlässlichen Informationen über Heilpflanzen-Präparate und Naturheilmittel kommen.
Nur eine Minderheit der Ärztinnen und Ärzte ist zum Beispiel über Arzneimittel aus dem Bereich der Phytotherapie fundiert im Bilde. Und Apotheken und Drogerien verkaufen eine grosse Zahl von Naturheilmittel, bei denen jeder fundierte Hinweis auf eine Wirksamkeit fehlt.
Gesundheitszeitschriften als Infoquelle sind in der Regel sehr von Inserenten abhängig – und zwar nicht nur von den Herstellern synthetischer Medikamente, sondern genauso von den Produzenten aus dem Bereich der Komplementärmedizin. Das verhindert weitgehend eine kritische Berichterstattung und fördert undifferenzierte Propagandaberichte.
Und auf dem Buchmarkt gibt es sowieso keine wasserdichte Qualitätskontrolle. Die meisten Buchverlage publizieren, was sich gut verkauft. Eine harte fachliche Qualitätskontrolle ist dem Verkaufserfolg oft sogar eher hinderlich.
Meine zwei Empfehlungen:
- Fundierte Bücher zum Bereich Pflanzenheilkunde / Phytotherapie finden Sie in meinem Buchshop – und zwar mit ergänzendem Kommentar.
- Der beste Weg für Konsumentinnen und Konsumenten von Naturheilmitteln ist meines Erachtens, sich selber schlau zu machen. Eine Möglichkeit, sich vertieftes Wissen vor allem für die Anwendung von Heilpflanzen im familiären Umfeld anzueignen, ist das Heilpflanzen-Seminar über sechs Wochenenden. Hier werden die Grundlagen vermittelt für eine fundiertere Beurteilung der Qualität von Heilpflanzen-Präparaten.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie wird von vielen Leuten immer noch verwechselt und in einen Topf geschmissen mit Homöopathie, Bachblüten, Spagyrik oder ähnlichen Methoden.
Dabei unterscheiden sich die theoretischen Grundlagen, die Weltbilder und der Forschungsstand dieser Verfahren fundamental. Längst nicht alle Naturheilmittel aus Heilpflanzen zählen zur Phytotherapie. Nur wer differenzieren kann ist auch in der Lage, eine fundierte Wahl zu treffen.
Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) brachte am 20. September 2009 unter “Doku Gesundheitsthemen” einen Bericht über die moderne Phytotherapie. Als Expertin Auskunft gibt Prof. Karin Kraft vom Lehrstuhl für Naturheilkunde in Rostock, eine ausgewiesene Kennerin der Phytotherapie.
Die Sendung ist in sechs Teilen auf youtube veröffentlicht worden. Hier die Links und eine kurze Beschreibung des Inhalts.
Moderne Phytotherapie Teil 1: www.youtube.com/watch Beinwell (Wallwurz) bei Verstauchungen, Knochenbrüchen, Gelenkerkrankungen, Prellungen, Zerrungen. Johanniskraut als wirksames Antidepressivum. Heilpflanzen-Anbau (Johanniskraut, Brennessel). Herstellung von Heilpflanzen-Präparaten.
Weissdorn-Versuchsplantage. Weissdorn bei leichten Formen der Herzinsuffizienz und leichten Formen von Herzrhythmusstörungen. Interview mit Dr. Axel Bolland, Arzt für Balneologie und Naturheilkunde. Wert des Sammelns von Heilpflanzen. Wiesengeissbart (Mädesüss), Holunder.
Holunder gegen Erkältungskrankheiten und Fieber. Kamille zur Wundheilung, gegen Magen-Darm-Beschwerden. Brombeerblätter gegen leichte Durchfälle, Entzündungen im Mund. Zitate aus den Schriften Hildegard von Bingen‘s. Johanniskraut-Analyse.
Johanniskraut-Analyse. Johanniskraut bei schwerer bis mittelschwerer Depression gut belegt nach Aussage von Prof. Karin Kraft. Kamillenblüten (Anbau). Ginkgo-Anbau, Heilpflanzen-Forschung. Löwenzahn.
Heilpflanzen-Forschung, Lavendelöl, Heilpflanzen-Sammeln, Kamillen-Dampfinhalation, Baldrian, Melisse, Hopfen für Beruhigungsbad. Zwiebel bei Insektenstichen. Pflanzenmedizin fördert Verlangsamung, Zuwendung, Achtsamkeit.
Kommentar & Ergänzung:
Für Phytotherapie-Fachleute bietet die Sendung wohl kaum neue Erkenntnisse.
Für Laien gibt sie aber einen guten Einblick in die verschiedensten Bereiche der Phytotherapie. Der Heilpflanzen-Anbau, die Heilpflanzen-Forschung, die Produktion von Arzneimitteln aus Heilpflanzen und verschiedene Anwendungsbereiche werden vorgestellt.
Darüber hinaus zeigt der Film aber auch, dass die Auseinandersetzung mit der Pflanzenheilkunde die Beziehung zur Natur stärken und die Eigenkompetenz der Menschen fördern kann. Diese wichtigen Vorzüge sollten meiner Ansicht nach erhalten und gepflegt werden. Falls Sie Heilpflanzen auf Exkursionen kennenlernen oder ihr Wissen über die Heilkräfte der Pflanzen vertiefen wollen, dann schauen Sie doch einmal in meinen Kurskalender: www.phytotherapie-seminare.ch/index.php
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen www.phytotherapie-seminare.ch
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Wissenschaftler der Uniklinik Köln entwickeln www.adhs.info für das Bundesministerium für Gesundheit. Hier die Infos dazu und anschliessend Ergänzungen zum Thema Phytotherapie & ADHS.
Heute wurde das neue ADHS Infoportal online geschaltet. Das Portal bietet Informationen, welche auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten sind: betroffene Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie Bezugspersonen und Pädagogen. Die neue Informationsseite wurde durch das “zentrale adhs-netz” unter Federführung von Professor Döpfner aus der Kölner Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie aufgebaut.
Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und / oder Impulsivität sind bei Kindern oft zu erleben. Nur wenn alle drei Auffälligkeiten über längere Zeit stark ausgeprägt zusammen auftreten, kann das als psychische Störung unter dem Begriff der Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, diagnostiziert werden. Rund um ADHS gibt es seit einigen Jahren eine intensive gesellschaftliche Debatte. Nach wie vor fehlen aber Hilfen für Betroffene und ihre Bezugspersonen. Diese Lücke will die neue Informations-Seite http://www.adhs.info schließen.
Als erster von fünf Bereichen ist nun der Bereich für Eltern und Bezugspersonen von betroffenen Kindern und Jugendlichen abrufbar. Schritt für Schritt wird im Laufe des Jahres 2010 die Freischaltung der anderen Bereiche für Pädagogen, betroffene Kinder, betroffene Jugendliche und betroffene Erwachsene erfolgen. Die Aufklärung über alle Aspekte von ADHS ist ein wichtiges Anliegen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) und Bestandteil der Strategie der Bundesregierung zur Förderung der Kindergesundheit.
Die Informationen auf der ADHS-Seite orientieren sich streng an empirischer Evidenz. Das bedeutet, sie basieren auf wissenschaftlichen Studien und Leitlinien von Fachgesellschaften und Expertengruppen. Durch eine zielgruppenspezifische Informationsaufbereitung soll damit eine einfach nutzbare, verlässliche und unabhängige Informationsbasis zum Störungsbild der ADHS für Betroffene und ihre Bezugspersonen geboten werden.
Hintergrund-Info zu ADHS:
Fast jedes Kind durchlebt im Laufe seiner Entwicklung Phasen erhöhter Ablenkbarkeit, hoher Aktivität und auch Zeiten heftiger Impulsivität. Erst ab einem bestimmten Grad der Auffälligkeit ist von einer Störung die Rede. In dieser Hinsicht unterscheidet sich ADHS nicht von anderen psychischen Störungen (bspw. Depression) oder körperlichen Erkrankungen (bspw. Bluthochdruck), welche ebenfalls mehr oder weniger stark ausgeprägt sein können. Menschen mit einer starken Ausprägung der Kernsymptome Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität, erfahren dadurch bedeutende Einschränkungen in ihrem Alltag.
Die Anzahl der von ADHS betroffenen Kinder und Jugendlichen in Deutschland variiert in Studien zwischen zwei und etwa sechs Prozent. Insgesamt kann man aber repräsentativen Studien zufolge davon ausgehen, dass etwa 500 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland von ADHS betroffen sind. Knaben sind dabei gegenüber Mädchen insgesamt zwei bis viermal häufiger betroffen.
In der Öffentlichkeit wird das Thema ADHS auch heute noch sehr kontrovers diskutiert, was bei Betroffenen, ihren Eltern, Partnern oder anderen Angehörigen und Betreuern oft Verunsicherungen auslöst. Das “zentrale adhs-netz” als bundesweites Netzwerk zur Verbesserung der Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit ADHS hat es sich zum Ziel gesetzt, Unterstützung für ein umfassendes Gesundheitsmanagement für Menschen mit ADHS anzubieten.
Die interdisziplinäre Leitungsgruppe des “zentralen adhs-netzes” setzt sich zusammen aus:
– Prof. Dr. Manfred Döpfner, Leiter des Netzes; Diplom-Psychologe, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut und Psychologischer Psychotherapeut, Uniklinik Köln – Prof. Dr. Dr. Tobias Banaschewski, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim – Dr. Johanna Krause, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychoanalyse, Fachärztin für Neurologie, Ottobrunn und – Dr. Klaus Skrodzki, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderkardiologe, Forchheim.
Quelle: http://idw-online.de
Kommentar & Ergänzung:
In der Öffentlichkeit am umstrittensten beim Thema ADHS ist die Therapie mit Ritalin. Dieser Punkt polarisiert sehr stark. In diesem wie auch in vielen anderen Bereichen scheint es mir wichtig, fundamentalistische Positionen zu vermeiden. Es kann nicht sinnvoll sein, Ritalin “grossflächig” einzusetzen. Genauso fragwürdig ist aber auch die Verteufelung von Ritalin mit der Forderung “Ritalin nie!”.
Anstelle von einseitigem Schwarz-Weiss-Denken geht es meines Erachtens darum, für jede Situation die bestmögliche Option zu finden. Das kann in manchen Fällen auch Ritalin sein, doch muss der Sinn und Zweck einer solchen Behandlung sehr sorgfältig geklärt werden. Aus den Bereichen Naturheilkunde bzw. Komplementärmedizin gibt es zur ADHS-Behandlung zwar viele Ideen, aber leider kaum Belege für eine überzeugende Wirkung. Hier ein paar Stichworte zum Thema Phytotherapie / Pflanzenheilkunde & ADHS:
- Hopfen und ADHS
Die Zeitschrift für Phytotherapie (4/2009) berichtet von einer Einzelfallbeobachtung: “Psychostimulantien und Clonidin sowie – als zweite Wahl – Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer und SSRI sind effektiv in der Behandlung der ADHS. Aber auch Phytotherapeutika wie Kamille, Hopfen, Baldrian oder gar Ginkgo scheinen in der Behandlung dieser Störung wirksam zu sein. Aus diesem Grund wurde der Effekt von Hopfen bei ADHS untersucht.”
Zur Methode:
“Wir verabreichten dem 14-jährigen Patienten nach einer Auswaschphase für 4 Wochen pulverisierte Hopfenzapfen als Kapseln in der Dosierung von 2 × 150 mg (Fertigpräparat; BioNaturis, Schweiz) und nach einer 4-wöchigen Pause für weitere 4 Wochen Placebo. Der Patient und die Beurteiler waren nicht über die Verum/Placebo-Phase informiert. Der Patient…litt seit 11 Jahren an ADHS. Methylphenidat, das er über 14 Monate eingenommen hatte, brachte eine deutliche Besserung. Diese Medikation wurde 4 Wochen vor der Beobachtungsphase abgesetzt.”
Die Evaluation der Symptome wurde mittels klinischem Interview und einer Rating Scala durchgeführt.
Zu den Resultaten:
“Bezüglich Unaufmerksamkeit konnten wir eine Verbesserung von 24 auf 13 Punkte, bezüglich Hyperaktivität eine von 21 auf 16, und zusammen eine von 45 auf 29 beobachten. In der darauffolgenden 4-wöchigenmedikationsfreien Zeit stiegen der Hyperaktivitätswert wieder auf 22, der Aufmerksamkeitsstörungswert auf 20 und der Summenscore auf 42 an. Das anschließend für ebenfalls 4 Wochen verabreichte Placebo brachte Werte von 21/20/41.”
Der Autor kommt zum Schluss:
“Obwohl die Generalisierung einer Einzelfallbeobachtung nicht möglich ist, so legt das Ergebnis unserer Beobachtung doch eine zumindest supportive Wirkung von Hopfen nahe….. Die Symptomreduktion ist deutlich geringer als die 50-60%ige mittels Psychostimulantien erreichbare, ähnelt aber der von Nicht-Psychostimulantien, wie z.B. Desipramin, einem trizyklischen Antidepressivum.” Tatsächlich lassen sich aus einer Einzelbeobachtung keine fundierten Schlüsse ziehen. Es scheint mir auch nahe liegend, dass während der ersten vier Wochen (Verum-Phase) der Placebo-Effekt stärker vorhanden war als in der später folgenden Placebo-Phase. Allein schon die Tatsache der Intervention erzeigt eine Erwartungshaltung, doch dürfte sich dieser Effekt beim zweiten Mal (Placebo-Phase) abschwächen.
- Johanniskraut & ADHS
Die Zeitschrift für Phytotherapie (6/2008) berichtete von einer randomisierten Doppelblindstudie mit Johanniskraut-Extrakt bei ADHS, allerdings mit negativem Ergebnis:
“Weder bei der ADHD-RS-IV-Skala noch bei der CGI ergaben sich signifikante Gruppenunterschiede zwischen Verum und Placebo innerhalb der 8-wöchigen Behandlungsperiode.” I m Kommentar weißt Prof. Dr. Volker Schulz allerdings auf problematische Aspekte der Studie hin:
“Die Autoren weisen bei der Diskussion ihrer Ergebnisse selbst darauf hin, das die Wahl des Prüfpräparates möglicherweise limitierend für die Studie gewesen sein könnte. Offenbar erfolgte erst nachträglich eine chemische Analyse. Diese ergab, dass der verwendete Johanniskraut-Extrakt zum Zeitpunkt der Beendigung der Studie nicht die vom Hersteller deklarierten 0,3%, sondern nur noch 0,13% Hypericin enthielt. Der gleichzeitig gemessene Gehalt an Hyperforin betrug nur 0,14% und damit weniger als ein Zehntel dessen, was bei der Mehrzahl derjenigen Extrakte enthalten war, die in kontrollierten Studien zur antidepressiven Wirksamkeit verwendet worden waren.”
Und er fügt eine grundsätzliche Anmerkung bei:
“Ungeachtet dieses Mangels bei der Extrakt-Wahl stellt sich die Frage, ob – gemessen an den klinische Erfahrungen bei der antidepressiven Therapie – das ADHS besonders geeignet für eine Therapiestudie mit Johanniskraut-Extrakt als Monotherapie war. Der mutmaßliche Wirkmechanismus im Sinne einer Steigerung der Dopaminkonzentration im Bereich zentraler Synapsen beruht auch bei Antidepressiva nur auf vorklinischen Untersuchungen, mehrheitlich solchen in vitro. Nach klinischen Erfahrungen werden jedoch die Johanniskraut-Extrakte eher den »aktivierenden« und nicht den (beim ADHS sicherlich günstigeren) sedierenden Antidepressiva zugeordnet. Vor diesem Hintergrund wäre das Ergebnis der Studie selbst bei besserer Wahl des Extrakts weniger überraschend gewesen. Für zukünftige Studien mit Phytopharmaka beim ADHS sollten vielleicht besser Zubereitungen mit beruhigenden Drogen wie Lavendel oder Baldrian, ggf. in Kombination mit Johanniskraut, verwendet werden.”
- Ginkgo biloba und ADHS
Wikipedia dazu:
“Bei ADHS scheint Ginkgo biloba jedoch dann eine Wirkung zu besitzen, wenn es mit Ginseng kombiniert wird. Kinder im Alter von 3-17 Jahren, die an Aufmerksamkeits-Defizit-und-Hyperaktivititäts-Syndrom (ADHS) litten, wurden in der Pilotstudie von Lyon et al. nach vierwöchiger Behandlungsdauer durchaus erfolgreich behandelt. Sie hatten amerikanischen Ginseng (Panax quinquefolium) in einer Dosierung von 200 mg pro Kapsel + 50 mg Gingko biloba zweimal täglich auf nüchternen Magen eingenommen. Fünf der 36 Kinder zeigten leichte Nebenwirkungen, wobei zwei Fälle direkt auf die Ginsengmedikation zurückgeführt werden konnten. Ein analoges Produkt war bereits ein Jahr früher von Wesnes et al. in einem randomisierten Doppelblindversuch an 256 gesunden Freiwilligen ausprobiert worden. Anhand eines Beurteilungsschemas (Index of Memory Quality) stellte sich eine Verbesserung der Gedächtnisleistung nach 12wöchiger Einnahme heraus.”
Ausserdem gibt es eine Studie von H. Frei (Phytotherapie 1/2002), in welcher Ginkgo an 50 ADHS-Kindern geprüft wurde. 28 der 50 Kinder (56%) sprachen gut auf Ginkgo biloba an. Dabei war die Resonderrate allerdings ungünstiger als bei Ritalin und die Wirkung insgesamt schwächer, insbesondere bezüglich Unruhe und Konzentration. Es fehlt hier der Vergleich mit einer Placebo-Gruppe.
Vor kurzem wurde ich an einem Vortrag gefragt, warum ich die Wirkung von Phytotherapie bzw. Naturheilkunde bei ADHS so kritisch einschätze. Ganz einfach: Ich sehe meine Aufgabe nicht in der “Heilkräuter-Propaganda”. Ich bin kein “Kräuterpfarrer” mit missionarischen Ambitionen, der in allen Fällen immer Heilpflanzen “verkaufen” will. Wer sich nämlich so stark mit einem Bereich überidentifiziert, verliert tatsächlich jede kritische Distanz.
Meine Aufgabe sehe ich eher in der fundierten, differenzierten Beratung. Dazu gehört selbstverständlich auch die Berücksichtigung von Grenzen und Schwächen der Heilpflanzenkunde sowie die Darstellung anderer Optionen. Die Stärken der Heilpflanzenkunde kommen dabei nicht zu kurz und auch nicht die Freude an den Heilpflanzen in der Natur.
Wer einen unkritisch-naiven Heilkräuter-Propagandisten sucht, ist bei mir aber wahrscheinlich an der falschen Adresse.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen www.phytotherapie-seminare.ch
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Es muss nicht immer Nasenspray sein. Auf www.bild.de empfiehlt Prof. Volker Schulz, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Phytotherapie: “Ätherische Öle wie Eukalyptus, Latschenkiefer oder Pfefferminze schaffen Durchzug.” Wer eine “Laufnase” habe, solle viel trinken. Schulz: “Gut geeignet sind warme Tees, etwa mit Kamille oder Thymian:”
Quelle: http://www.bild.de
Kommentar & Ergänzung: – Vor allem Pfefferminzöl und Eukalyptusöl stimulieren die Kälterezeptoren in der Nasenschleimhaut, wodurch der Luftstrom in der Nase intensiver wahrgenommen wird. Dadurch entsteht einer Empfindung von “freier Nase”, ohne dass dazu wirklich mehr Luft durch die Nase zieht. – Ätherische Öle bei Säuglingen und Kleinkindern nie konzentriert in der Nähe von Atemöffnungen anwenden. – Die Latschenkiefer (Pinus mugo subsp. Mugo, Latsche, Legföhre, Krüppelkiefer) ist eine Unterart der Bergkiefer (Pinus mugo). Sie wächst meist strauchartig und erreicht Wuchshöhen zwischen 1 und 3 m. Die Latschenkiefer ist gekennzeichnet durch ihren krummen Wuchs mit niederliegenden bis bogig aufsteigenden Stämmen und Ästen, diese bilden häufig ein undurchdringliches Gewirr (Latschenfilz oder Latschenfeld). Der Stamm der Latsche ist lang, liegt jedoch am Boden und ist kaum erkennbar. Die Hauptvorkommen der Latschenkiefer liegen in den Pyrenäen, Alpen, dem Erzgebirge, den Karpaten, sowie dem nördlichen Apennin bis zum Balkan in Höhenlagen von 1000 m bis 2700 m (Quelle: Wikipedia) Aus frischen Nadeln, Zweigspitzen und Ästen gewinnt man Latschenkiefernöl. Es dient zur äußerlichen sowie innerlichen Anwendung bei Katarrhen der oberen und unteren Atemwegen (Husten, Schnupfen). In medizinischen Bädern wird es zur unterstützenden Behandlung bei Rheuma-Erkrankungen im nicht akuten Stadium eingesetzt. Latschenkiefernöl verströmt einen sehr angenehmen, balsamisch-süssen, würzig-holzigen anhaltenden Duft. In den Gebirgsregionen wird Latschenkiefernöl traditionell als Bestandteil von Franzbranntwein gegen Rheuma-Beschwerden eingesetzt. Franzbranntwein (spiritus vini gallici) ist eine alkoholische Lösung, vor allem bestehend aus reinem Alkohol, Kampfer, Menthol und verschiedenen ätherischen Ölen wie Fichtennadelöl oder Latschenkiefernöl.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen www.phytotherapie-seminare.ch
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Mutterkraut, Feverfew, Falsche Kamille: Die volkstümlichen Bezeichnungen lassen schon das Aussehen und die verschiedenen Anwendungsbereiche des Mutterkrauts erahnen. In der Tat wird Tanacetum parthenium L. (= Chrysanthemum parthenium) von Laien wegen der Ähnlichkeit der Blüten und des campherartigen Geruchs oft mit der Echten Kamille (Matricaria recutita) verwechselt. Tanacetum parthenium L. zählt zur Familie der Asteraceae (Korbblütler), stammt ursprünglich aus Südosteuropa und ist in ganz Europa, Australien und Nordamerika verbreitet. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind ätherisches Öl mit L-Campher als Hauptbestandteil und Sesquiterpenlactone wie Parthenolid. Für Heilzwecke genutzt werden die getrockneten, ganzen oder geschnittenen oberirdischen Pflanzenteile. Die Europäische Pharmakopöe schreibt einen Mindestgehalt von 0.2% Parthenolid bezogen auf die getrocknete Heilpflanze vor. Mutterkrautextrakte wirken unter anderem entzündnungswidrig und antibakteriell. Parthenolid und Mutterkraut-Extrakte reduzieren die Thrombozytenaggregation, die Prostaglandinsynthese, die Histaminfreisetzung aus Mastzellen und die Kontraktiliät der glatten Gefässmuskulatur. Hauptanwendungsbereiche sind Migräne, Arthritis und rheumatische Erkrankungen. Seit dem Altertum wird Mutterkraut auch bei Frauenleiden eingesetzt (unter anderem gegen Menstruationsbeschwerden). Im Brennpunkt des Interesses steht gegenwärtig die Verwendung zur Migräneprophylaxe. Diese Wirkung wird dem Parthenolid zugeschrieben, wobei der Wirkmechanismus noch nicht vollständig bekannt ist. Die Indikation Migräneprophylaxe ist in der ESCOP-Monografie aufgeführt (European Scientific Cooperative On Phytotherapy). In der Schweiz ist ein entsprechendes Präparat erhältlich. Parthenolid und die anderen Sesquiterpenlactone sind allerdings potente Allergene. Hautkontakt mit Mutterkraut löst nicht selten eine Kontaktdermatitis aus. Personen mit einer Kontaktallergie gegen Asteraceae (Korbblütler) ist von der Anwendung von Mutterkraut abzuraten. Schwangerschaft und Stillzeit sind ebenfalls Kontraindikationen für Mutterkraut. Literatur: _PTA-Forum 12/2009/p34 _M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; 5. Auflage 2009; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart; p650 _D. Frohne; Heilpflanzenlexikon; 8. Auflage 2006; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart; p483 _Jänicke et al.; Handbuch Phytotherapie; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart; p375
Quelle: http://www.pharmavista.net
Kommentar & Ergänzung:
Mutterkraut wurde schon von Dioskurides im 1. Jahrhundert als Heilpflanze beschrieben. Im Mittelalter wurde es gegen Fieber und Kopfschmerzen verwendet. Der Name kommt von seiner früheren Verwendung bei Erkrankungen der Mutter (Gebärmutter). Mutterkraut soll Schwangerschaftsbeschwerden lindern, die Menstruation auslösen und die Ablösung der Plazenta bewirken. Diese gynäkologischen Indikationen sind aber nicht belegt, während es für die Anwendung zur Migräneprophylaxe einige wissenschaftliche Studien gibt.
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Bei Erkältungen sind Hausmittel oder Heilpflanzen-Anwendungen oft ausreichend, um die Symptome zu lindern. Auf Bayern 1 erklärte die Biologin Martina kürzlich die unterschiedlichen Wirkungen von Heilpflanzen bei Erkältungskrankheiten.
Es wird im Internet und generell in den Medien sehr viel Unsinn und sehr viel Fragwürdiges geschrieben in den Bereichen Naturheilkunde bzw. Pflanzenheilkunde. Der Text auf Bayern 1 ist hier eine löbliche Ausnahme, weil er dem Stand des Wissens in der Phytotherapie entspricht……..und hier darum eine kurze, modifizierte Zusammenfassung:
“Es gibt Studien, die zeigen, dass pflanzliche Mittel wirksam sind. Sie lindern die Symptome und helfen bei der Heilung”, sagt Martina Rüffer, Biologin am Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie an der Münchner Universität.
Immunstimulation
Die meisten Erkältungskrankheiten kündigen sich durch unangenehmes Halskratzen an. Dagegen wirkt Echinacea, auch bekannt als Sonnenhut. “Die Echinacea wirkt als Immunstimulanz. So werden die Abwehrkräfte gestärkt.” Ebenfalls günstig für die Abwehrkräfte: ein heißes Bad mit Kiefernnadelöl oder Eukalyptusöl. Das Bad wirkt erweiternd auf die Poren. Dadurch können die ätherischen Öle besser aufgenommen werden.
Husten
Bei Husten lassen sich zwei Arten unterscheiden: Es gibt trockenen Reizhusten und den sogenannten produktiven Husten, bei welchem Schleim abgehustet wird. Gegen trockenen Reizhusten helfen Heilpflanzen, die Schleim enthalten, wie Eibisch, Wollblumen (Königskerze), Malvenblüten, Huflattichblätter oder Spitzwegerichkraut. “Man nimmt an, dass ihre Schleime die trockenen Schleimhäute überziehen und so den Hustenreiz lindern”, erläutert die Biologin. Hustentees mit Anis, Thymian oder Fenchel eignen sich für produktiven Husten. Sie vermehren die Sekretproduktion, dadurch löst sich der Schleim besser und das Abhusten wird erleichtert.
Schnupfen
Trockene, angeschwollene Schleimhäute zu bekämpfen ist das Ziel bei der Anwendung von Nasensprays. Allerdings tritt hier rasch ein Gewöhnungseffekt ein. Die Schleimhäute lassen sich auch auf natürliche Art befeuchten – durch Inhalieren. Dazu werden Kamillenblüten mit kochendem Wasser übergossen. Zum Inhalieren der Kamillendämpfe beugt man sich über die Schüssel und legt sich ein Handtuch über den Kopf. Geeignet für Inhalationen sind auch Eukalyptusöl oder Kampferöl sowie Menthol. “Auch wenn Sie die Erkältung damit nicht verkürzen können, werden die Symptome gelindert”, empfiehlt die Expertin. “Gerade der Kamille sind heilende und entzündungshemmende Effekte bescheinigt.”
Quelle: http://www.br-online.de
Kommentar & Ergänzung:
Trotz der guten Qualität des Bayern-1-Textes hier noch ein paar Ergänzungen:
– Bei Bädern mit ätherischen Ölen, hier empfohlen Eukalyptusöl oder Kiefernnadelöl, unbedingt das ätherische Öl mit Kafferahm oder Vollmilch emulgieren. Andernfalls schwimmt eine konzentrierte Schicht der ätherischen Öle in der Badewanne auf der Wasseroberfläche und kann Hautreizungen verursachen.
– Mit Huflattichblättern wäre ich vorsichtig, weil sie Pyrrolizidinalkaloide enthalten können , welche u. a. die Leber schädigen. Huflattichtee darum nicht länger als 6 Wochen pro Jahr einnehmen und während Schwangerschaft und Stillzeit ganz meiden. Am besten ersetzen durch Malvenblütentee oder Eibischwurzeltee.
– Eibischwurzeltee kalt ansetzen, also nicht erhitzen.
– Inhalationen mit Eukalyptusöl, Kampferöl oder Menthol nicht für Kleinkinder.
– Als altes Hausmittel bei Schnupfen bewährt sich immer wieder die Zwiebel (aufschneiden und im Raum aufstellen), bei Husten Zwiebelsirup oder Zwiebelwickel.
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Unter dem Titel “Kräuterkissen als sanfte Schlafhelfer” berichtet das Yahoo-Nachrichtenportal über die Wirkung von Heilpflanzen als Kräuterkissen gegen Schlafstörungen:
“Düfte können eine starke Wirkung auf den Menschen haben. Die Gerüche einiger Pflanzen wirken beruhigend und werden deshalb seit langer Zeit als Einschlafhilfen genutzt.”
Das stimmt – und es trifft vor allem auf Heilpflanzen mit ätherischen Ölen zu. Yahoo-News erklärt dann, wie sich ein Kräuterkissen für eine geruhsame Nacht leicht selbst herstellen lässt:
“Benötigt wird ein sauberer Kissenbezug in der Größe 15 mal 15 Zentimeter. In diesen werden die Kräuter gefüllt, die zum Einsatz kommen sollen. Sinnvoll ist es, eine Mischung herzustellen, die eine Gesamtmenge von 50 bis 150 Gramm Kräuter ergibt.”
Kein Einwand. Fragwürdig wird der Text, sobald es um die geeigneten Heilpflanzen geht:
“Eine beruhigende Wirkung haben beispielsweise getrocknete Lavendelblüten. Auch Ringelblumen, Johanniskraut, Hopfen und Scharfgabe können dem gesunden Schlaf dienen. Weitere Zutaten wirken gegen gesundheitliche Probleme, darunter Pfefferminze oder Rosmarin bei Kopfschmerzen sowie Kamille bei Schnupfen.”
Dazu ist ein Kommentar nötig:
Klar dokumentiert ist die beruhigende Wirkung von Lavendelblüten bzw. Lavendelöl via Duftanwendung. Lavendelsäckchen haben sich zudem in einer langen Tradition bewährt.
Auch Hopfen enthält flüchtige Inhaltsstoffe mit beruhigender Wirkung. Es handelt sich um Abbauprodukte, die während der Lagerung aus den Bitterstoffen entstehen. Traditionelle Hopfenkissen haben also durchaus ihre Berechtigung.
Ringelblume (Calendula) ist ein bewährtes Wundheilmittel. Eine beruhigende Wirkung ist aus der Phytotherapie-Fachliteratur nirgends ersichtlich und sehr unwahrscheinlich. Schon gar nicht auf inhalativem Weg, wenn man den tiefen Gehalt an ätherischem Öl bedenkt (0,2%). In Teemischungen und Kräuterkissen hat Ringelblume eher einen Effekt zur “Teeverschönerung”.
Johanniskraut wird gegen leichte bis mittelschwere Depressionen. Seine Wirkung ist in diesem Bereich gut dokumentiert. Für Beruhigende Eigenschaften fehlen aber Belege. Ausserdem dürften die entscheidenden Inhaltsstoffe nicht flüchtig sein, wodurch eine Wirkung via Inhalation sehr unwahrscheinlich ist.
Eine völlige Neuentdeckung ist die “Scharfgabe”……Im Ernst, es ist bestimmt die Schafgarbe gemeint. Sie wird als Heilpflanze bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt und als traditionelles Mittel gegen Menstruationskrämpfe. Schafgarbe als Beruhigungsmittel (Sedativum) zu empfehlen ist sehr unüblich und nicht durch die Phytotherapie-Fachliteratur zu stützen. Schafgarbe hat zwar ein ätherisches Öl, das wie Kamillenöl als Bestandteil Chamazulen enthält und für Kamillenöl gibt es Hinweise auf einen sedativen Effekt aus EEG-Untersuchungen. Aber erstens ist unklar, ob für den sedierenden Effekt von Kamillenöl Chamazulen verantwortlich ist und zweitens – wenn dem so wäre – entsteht das Chamazulen erst bei der Destillation des ätherischen Öles und fehlt daher im Kräuterkissen. So ist also die Anwendung von Schafgarben im Kräuterkissen sehr spekulativ.
Pfefferminze zeigt in Form von Pfefferminzöl zum Einreiben eine gute Wirkung bei Spannungskopfschmerzen. Dafür ist aber ein direkter Kontakt des Pfefferminzöls mit der Haut erforderlich. Ob sich die Anwendung von Pfefferminz in einem Kräuterkissen gegen Kopfschmerzen so generell empfehlen lässt, ist sehr fraglich.
Und Rosmarinöl hat eher eine anregende Wirkung, wodurch die Zugabe von Rosmarin in ein Kräuterkissen für gesunden Schlaf eher problematisch erscheint.
Unerwähnt bleiben im Yahoo-Text die Cumarin-Pflanzen Waldmeister und Steinklee, welche in der traditionellen Pflanzenheilkunde als beruhigende Kräuterkissen angewendet wurden. Cumarin ist jedenfalls flüchtig und als Heuduft sehr bekannt. Genauer dokumentiert ist diese Wirkung nicht. Cumarin als Reinsubstanz zeigt zentral sedative Wirkung.
Zusammengefasst kann man nur festhalten, dass die phytotherapeutischen Angaben auf Yahoo-News hier ziemlich wirr sind. Das ist ein Beispiel dafür, dass man im Bereich Naturheilkunde bzw. Pflanzenheilkunde genau hinschauen muss und nicht alles blind glauben soll, was geschrieben oder erzählt wird. Schreiben und Erzählen unterliegen hier kaum je einer Qualitätskontrolle.
Kräuterkissen sind ein interessantes, angenehmes, gut verträgliches und in vielen Fällen wohl auch wirksames Mittel gegen Schlafstörungen. Ich würde mich aber beschränken auf ein Lavendelkissen, allenfalls je nach individueller Vorliebe auf Lavendelblüten / Hopfenzapfen als Mischung. Auch ein Zusatz von Steinklee oder Waldmeister scheint mir gut vertretbar.
Keine Einwände habe ich zu machen bei den Anwendungsempfehlungen von Yahoo-News:
“Die Kräuter werden vor dem Einfüllen in das Kissen zerkleinert. Das Kräuterkissen wird dann unter den Nacken gelegt. Durch die Körperwärme werden die ätherischen Öle der Kräuter freigesetzt und können ihre Wirkung entfalten…..Außerdem sollten die Kissen nicht bei schweren, andauernden Schlafstörungen verwendet werden. In einem solchen Fall ist ein Arzt zu Rate zu ziehen.”
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen www.phytotherapie-seminare.ch
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Im Bereich Gynäkologie / Frauenheilkunde werden verschiedenste Heilpflanzen-Präparate empfohlen und angewendet.
Hier als Überblick eine überarbeitete und gekürzte Zusammenstellung aus der Universität Duisburg-Essen mit den wichtigsten Heilpflanzen bei Prämenstruellem Syndrom (PMS), Dysmenorrhoe (Schmerzhafte Menstruation), Wechseljahrbeschwerden, Schwangerschaftserbrechen, Milchstau und Mastalgie.
Prämenstruelles Syndrom (PMS), Dysmenorrhoe
Geeignet sind Heilpflanzen mit hormonähnlicher Wirkung sowie Pflanzen, welche die Beschwerden wie Krämpfe günstig beeinflussen. Die hormonähnlich wirkenden Heilpflanzen Mönchspfeffer und Traubensilberkerze sollten nur über einen begrenzten Zeitraum angewendet werden. Vorsicht ist bei anamnestisch bekannten Mammakarzinom (Brustkrebs) geboten.
Gegen Nervosität, Reizbarkeit, Schlafstörungen werden die jeweils dort genannten Phytotherapeutika gewählt. Die östrogenartige Wirkung, die einigen Pflanzen zugesprochen wird, z.B. Soja, Rotklee, befindet sich noch in der Erforschung.
Im Vordergrund bei Prämenstruellem Syndrom (PMS) steht Mönchspfeffer. Der Vorsichtshinweis auf vorbestehende Brustkrebserkrankungen bezieht sich auf Heilpflanzen mit Phytoöstrogen-Gehalt. Von den hier aufgeführten Heilpflanzen betrifft diese Diskussion Traubensilberkerze, Soja und Rotklee. In der Phytotherapie-Fachliteratur wird von Traubensilberkerzen-Extrakten berichtet, die sich bei entsprechenden Studien als sicher erwiesen. Das heisst: Es soll bei diesen Präparaten kein Risiko einer Förderung von östrogenabhängigen Brustkrebserkrankungen bestehen. Zum Thema Phytotherapie im Klimakterium könnte noch angefügt werden, dass im Frühstadium tendenziell eher Mönchspfeffer, bei späteren Stadien (Wallungen) Traubensilberkerze bevorzugt wird. Bei leichteren Depressionen im Klimakterium und bei depressiven Verstimmungen beim Prämenstruellen Syndrom (PMS) kommen zudem Extrakte aus Johanniskraut (Hypericum perforatum) in Betracht.
Abschliessend zu diesem Überblick der Universität Duisburg-Essen soll noch betont werden, dass es nicht nur darauf ankommt, die richtige Heilpflanze für eine bestimmte Krankheit zu finden. Ebenso wichtig ist es, in welcher Form die Heilpflanze zur Anwendung kommt (z. B. Tee, verschiedene Varianten von Tinktur oder Extrakt). Es ist nämlich eine ganze Anzahl von Heilpflanzen-Präparaten im Handel, von denen ausgesprochen fragwürdig ist, ob sie überhaupt eine Wirkung haben – neben fundierten Produkten, die es natürlich auch gibt.
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Heilpflanzen-Präparate lindern Symptome, sind gut verträglich, kostenneutral, und sie haben hohe Akzeptanz bei den Patienten.
Nach wie vor sind Heilpflanzen gegen Erkältungskrankheiten in der Bevölkerung sehr beliebt. Zur Linderung der Beschwerden werden sie schon seit dem Altertum eingesetzt. Heute ist das Auswahl an Heilpflanzen-Präparaten (Phytopharmaka) fast unüberschaubar groß. Sie stehen in Form von Säften, Tropfen, Sirupen, Tabletten, Kapseln und Dragees zum Einnehmen, als Salben und Balsame zum Einreiben und zum Inhalieren sowie für begleitende Maßnahmen in Form von Erkältungsbädern oder Tee zur Verfügung. Aus der scheinbaren Fülle kristallisieren sich aber einige wenige therapeutische Ansatzpunkte heraus. Zu den wichtigsten zählt die Hilfe bei quälendem Husten und zähem Schleim.
Spitzwegerich lindert Hustenreiz
Auch bei den Phytopharmaka kann zwischen Antitussiva zur Linderung des Hustenreizes und Expektoranzien zur Förderung eines produktiven Hustens unterschieden werden. Hustenlindernd wirken beispielsweise Spitzwegerich, Eibischwurzel und Huflattich. Zu den Antitussiva gehören aber auch Pfefferminzöl, Cajeputöl und Eukalyptusöl zu den Antitussiva. Zu den pflanzlichen Erkältungsmitteln mit schleimlösender Wirkung zählen Zubereitungen aus Thymiankraut, Efeublättern, Eucalyptusöl, Andornkraut, Fichtensprossen oder Fichtenspitzen und Myrtol. Außerdem existieren verschiedene Kombinationen zum Einnehmen, zum Inhalieren, als Badezusätze oder als Tee. Bei Säuglingen und Kleinkindern sollten allerdings stark riechende ätherische Öle nicht angewendet werden. Vor allem Campher, Cineol oder Menthol (z. B. in Pfefferminzöl und Eukalyptusöl) können bei den Kleinen einen Kratschmer-Reflex auslösen.
Salbei beruhigt Schleimhäute
Als schleimlösend und zudem als antiviral und antibakteriell hat sich ein Extrakt aus Pelargonium-sidoides-Wurzeln (Umckaloabo, Kapland-Pelargonie) erwiesen. Auch der hustenlindernde Spitzwegerich soll antibakterielle Eigenschaften besitzen. Schleimhautberuhigende und gleichzeitig entzündungshemmende Eigenschaften zeigen Kamille und Salbei. Echinacea-Präparate sollen mit ihrem immunstimulierenden Potenzial vor allem in der Infektionsprophylaxe hilfreich sein.
Quelle: www.aerztezeitung.de
Kommentar & Ergänzung:
Bei trockenem Reizhusten würde ich als Schleimpflanze vor allem noch den Malvenblüten-Tee empfehlen. Beim Huflattichtee dagegen empfiehlt sich Zurückhaltung. Blätter und Blüten des Huflattichs können Pyrrolizidinalkaloide enthalten, die bei längerer Anwendung beispielsweise die Leber schädigen könnten. Darum Huflattichtee nicht länger als 4 Wochen pro Jahr, nicht während der Schwangerschaft und nicht während der Stillzeit einnehmen. Ich selber empfehle anstelle des Huflattichtees den Malvenblütentee. Efeublätter sollten nicht als Kräutertee eingesetzt werden, sondern nur in Form von Fertigpräparaten auf der Basis von Efeu-Extrakten (bessere Dosierbarkeit).
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In Anfangsstadien lassen sich Beschwerden durch Hämorrhoiden mit rezeptfreien Heilmitteln wirkungsvoll lindern. Dabei lassen sie sich besser mit Salben und Cremes therapieren als mit speziellen Zäpfchen. Das erklärt der Bundesverbandes der Coloproktologen. Die äußerlich aufzutragenden Präparate enthalten Wirkstoffe, die den Schmerz lindern und den Juckreiz stillen.
Zinksalbe hilft zum Beispiel der Haut, sich zu erholen. Auch Arnika und Kamille sind bewährte Mittel. Eine Kortisonsalbe sollte vom Arzt verschrieben und nur kurzfristig angewendet werden.
Ab einem bestimmten Erkrankungsstadium geht vergrößertes Hämorrhoidalgewebe durch Cremes oder Salben jedoch nicht mehr zurück und muss vom Facharzt behandelt und gegebenenfalls entfernt werden. Um das Problem nicht zu verschlimmern, sollten die betroffenen Personen in allen Hämorrhoiden-Stadien darauf achten, dass der Stuhl nicht verhärtet ist und ohne übermäßiges Pressen entleert werden kann.
Hämorrhoiden sind erweiterte Blutgefäßknoten unter der Schleimhaut des Enddarms vor dem After. Sie machen sich häufig durch hellrotes Blut auf dem Stuhl bemerkbar. Eine gesunde Lebensweise – hauptsächlich ausreichend Bewegung – hilft dabei, Hämorrhoiden-Beschwerden vorzubeugen.
Quelle:
http://www.frauenaerzte-im-netz.de
Kommentar & Ergänzung:
Ich würde aus Sicht der Phytotherapie ergänzend zu Kamille und Arnika als Salbe für die Hämorrhoiden-Behandlung noch Hamamelis-Salbe erwähnen. Zur Weichhaltung des Stuhles eigenen sich Quellmittel wie Weizenkleie, Leinsamen oder Flohsamen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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