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Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) verteidigt Homöopathie

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Achtung, Achtung: Wichtige Durchsage für alle Verschwörungstheoretiker, die daran glauben, dass die böse „Pharmaindustrie“ Krieg führt gegen die sanften Naturheilmittel und diese mit aller Macht unterdrücken und ausrotten will……

Unerhörtes ist nämlich passiert, und ausgerechnet die „Pharmazeutische Zeitung“ und die „Ärzte Zeitung“ berichten davon:

Nachdem Professor Josef Hecken, Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses, sich in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ dafür ausgesprochen hat, Homöopathie als Kassenleistung wegen fehlender Evidenz zu verbieten, verteidigt ausgerechnet der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) die Homöopathie. BPI-Hauptgeschäftsführer Henning Fahrenkamp verlangt, auch in Zukunft Satzungsleistungen anzubieten. Es gebe zahlreiche Erkrankungen, bei denen homöopathische Arzneimittel eingesetzt werden können, schreibt der BPI. Auch der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) widerspricht Heckens Vorschlag. Ärzten, Apothekern und Patienten sollte eine möglichst große Vielfalt von Arzneimitteln zur Verfügung stehen, verlangt BAH-Geschäftsführer Elmar Kroth.

Quellen für die Stellungnahmen von BPI und BAH:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=64860

http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/krankenkassen/article/918270/todesfaelle-krebszentrumhecken-watscht-homoeopathie-ab.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Diese neue Situation fordert nun alle Verschwörungstheoretiker heraus, ihre Konstrukte und Konzepte so anzupassen, dass das bewährte Feindbild weiterhin intakt bleibt.

Hier kann nur angedeutet werden, in welche Richtung die Neuinterpretation gehen könnte: Es kann sich bei diesen Stellungnahmen von BPI und BAH eigentlich nur um eine Finte handeln. Der Feind will uns täuschen und in Sicherheit wiegen……

Jetzt aber im Ernst:

Der Vorfall zeigt exemplarisch, dass es die scharfe Trennung zwischen der „Pharmaindustrie“ und den Naturheilmittelherstellern so nicht gibt. Hersteller von Homöopathika und auch von Phytopharmaka sind bestens in die Verbände der Pharmaindustrie integriert, die ihre Interessen vertreten. In Deutschland sind das der BPI und der BAH.

Unabhängig davon, ob man die Homöopathie als spezifisch wirksam ansieht oder nicht, kann man an diesem Beispiel feststellen: Der „Pharmaindustrie“ geht es nicht um einen ideologischen Krieg gegen die Naturheilmittel. Ihr kommt es auch nicht darauf an, ob ein Präparat „chemisch“ oder „natürlich“, wirksam oder unwirksam ist. Entscheidend dürfte eher sein, ob sich ein Produkt mit angemessenem Gewinn unter dem Begriff Arzneimittel verkaufen lässt. Bewährt sich ein Naturheilmittel und erreicht es einen bedeutenden Marktanteil, wird die „Pharmaindustrie“ nicht einen geheimen Vernichtungsfeldzug starten, sondern in diesem Mark mit Konkurrenzprodukten aktiv werden (1) oder Naturheilmittel-Hersteller aufkaufen(2).

Beispiele für (1) sind:

– Die Firma Sandoz, eine Generika-Tochter von Novartis, die einen Ginkgo-Extrakt verkauft und mit Sanabronch einen Hustensirup auf der Basis von Efeublätter-Extrakt.

– Die Firma Viforpharma mit den Präparaten Faros (Weissdorn-Extrkt), Jarsin (Johanniskraut-Extrakt), Feminelle (Traubensilberkerzen-Extrakt), Hepa-S (Artischocken-Extrakt) und Colosan mite (Sterculia).

Beispiele für (2) sind:

– Die mehr als 100 Jahre alte Marke Abtei, die 1996 unter das Dach der SmithKlineBeecham kam, der heutigen GlaxoSmithKline, und 2012 von der Abtei OP Pharma GmbH übernommen wurde, einer Tochter der Omega Pharma, einem belgischen Pharmazieunternehmen.

– Die Baldriparan-Präparate – Beruhigungsmittel auf der Basis von Baldrian, Melisse und Hopfen – die zum Pharmakonzern Pfizer gehören.

– Die Kytta Beinwellsalbe, die schon vor längerem in den Pharmakonzern Merck integriert wurde.

– Die Phytopharmaka-Herstellerin Steigerwald, die 2013 von Bayer aufgekauft worden ist, eine freundliche Übernahme übrigens – die Besitzer wollten an Bayer verkaufen. Siehe dazu: Bayer übernimmt Phytopharmaka-Hersteller Steigerwald.

Daneben gibt es natürlich immer noch eine ganze Reihe von Naturheilmittel-Herstellern, die unabhängig unterwegs sind. In Deutschland zum Beispiel die Dr. Willmar Schwabe Gruppe in Karlsruhe oder Bionorica in Neumarkt, in der Schweiz die Firmen Zeller in Romanshorn oder Bioforce in Roggwil.

Ich habe diese Hintergründe hier aufgeführt um zu zeigen, dass die Verbindungen zwischen Naturheilmittel-Herstellern und der „Pharmaindustrie“ vielfältig sind und sich diese „Landschaft“ nicht so simpel in ein Schwarz-Weiss-Schema einteilen lässt, wie es von den Verschwörungstheoretikern gerne gepflegt wird.

Ich habe mich dabei auf die Phytopharmaka-Hersteller konzentriert, weil ich die besser kenne. Über die Besitzverhältnisse der Homöopathika-Hersteller weiss ich nicht so genau Bescheid.

Der Homöopathika-Hersteller Heel aber zum Beispiel ist eine Tochtergesellschaft der Delton-Gruppe, die zu 100% dem BMW-Grossaktionär Stefan Quandt gehört, ein Umfeld also, das je eigentlich nicht so recht zum sanft naturnahen Image passt. Heel finanzierte zudem zusammen mit der Deutschen Homöopathie-Union (DHU) und den Firmen Staufen Pharma, WALA Heilmittel, Weleda und Hevert einen Schreiber, der im Internet Kritiker komplementärmedizinischer Verfahren systematisch diffamierte, ein ausserordentlich rüdes Vorgehen, das man eher der bösen Pharmaindustrie zutrauen würde. Siehe dazu den Bericht der „Süddeutschen“:

Homöopathie-Lobby im Netz: Schmutzige Methoden der sanften Medizin

Auch hier: Der schlichte Gegensatz – da die sanften, selbstlosen, menschenfreundlichen Hersteller von Naturheilmitteln und Homöopathika, dort dagegen die bösen, ausschliesslich kommerzgetriebenen Pharmakonzerne – funktioniert einfach nicht.

Anstatt die „Welt“ schön und klar in die Guten und die Bösen einzuteilen wäre es sinnvoller, allen kritisch auf die Finger zu schauen – den Naturheilmittel-Herstellern genauso wie der „chemischen“ Pharmaindustrie.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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S3-Leitlinie bestätigt Empfehlung für Johanniskraut als Erstlinientherapie der unipolaren Depression

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Nach ihrer ersten Publikation im November 2009 wurde nun in der S3-Leitlinie/NVL Unipolare Depression wiederum die Empfehlung bestätigt, Johanniskraut-Präparate für die Neueinstellung von Patienten mit leichter oder mittelschwerer Depression einzusetzen. Im 5. Update vom Juni 2015 bestätigt das aus beinahe 30 Fachgesellschaften Deutschlands bestehende Expertengremium sein positives Fazit für das pflanzliche Antidepressivum.

Dass Johanniskraut-Präparate damit in eine Reihe mit synthetischen Antidepressiva gestellt werden, verdanken sie ihrer klinisch belegten Wirksamkeit und guten Verträglichkeit, die als wichtigste Kriterien bei der Auswahl eines Präparates gelten. Bedingung für die S3-Empfehlung ist allerdings, dass ausschließlich Johanniskraut-Extrakte „zur Therapie einer leichten und mittelgradigen depressiven Symptomatik eingesetzt werden, für die eine klinische Wirksamkeit durch eigene Studien belegt ist“.

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=46428

Kommentar & Ergänzung:

Im folgenden Zitate aus der erwähnten Leitlinie mit kurzen Kommentaren von mir (gekennzeichnet mit M.K.).

Seite 34:

Zitat Leitlinie: „Wenn bei leichten oder mittelgradigen depressiven Episoden eine Pharmakotherapie erwogen wird, kann bei Beachtung der spezifischen Nebenwirkungen und Interaktionen ein erster Therapieversuch auch mit Johanniskraut unternommen werden.

Patienten, die Johanniskraut einnehmen, sollten über die unterschiedliche Wirkstärke der verfügbaren Zubereitungen und die sich daraus ergebenden Unsicherheiten informiert werden. Sie sollten ebenfalls aufgeklärt werden über mögliche schwere Wechselwirkungen von Johanniskraut mit anderen Medikamenten (einschließlich oraler Kontrazeptiva, Antikoagulantien und Antiepileptika).“

M.K.: Ja, es ist sehr zentral sich klar zu machen, dass die verfügbaren Johanniskraut-Zubereitungen sich sehr in der Wirkstärke unterscheiden. Johanniskrauttee, Johanniskrauttinktur, Johanniskraut-Extrakt sind nicht identische Anwendungen.

Und ja, die Information über Wechselwirkungen ist wichtig, und zwar nicht nur von Arzt zu Patient, sondern auch umgekehrt: Wer Johanniskraut-Präparate auf eigene Faust einnimmt, soll seinen Arzt, seine Ärztin darüber informieren, wenn andere Medikamente verschrieben werden, damit allfällige Wechselwirkungen erkannt werden können.

Seite 96:

Zitat Leitlinie: „Bei der Behandlung depressiver Störungen mit Phytopharmaka spielen nur Johanniskrautextrakte (Hypericum perforatum) aufgrund ihrer häufigen Verordnung in Deutschland eine Rolle. Sie werden häufig wegen ihrer vermeintlich geringeren Nebenwirkungen für die Behandlung leichter bis mittelschwerer Depressionen eingesetzt.“

M.K.: Die Formulierung der „vermeintlich“ geringeren Nebenwirkungen von Johanniskraut scheint mir nicht angemessen. Die Nebenwirkungen der synthetischen Antidepressiva variieren je nach Stoffklasse, doch zeigen Johanniskraut-Präparate vergleichsweise ein sehr günstiges Nebenwirkungsprofil. Die geringeren Nebenwirkungen sind nicht „vermeintlich“.

Zitat Leitlinie: „Die Wirksamkeit von Johanniskraut in der Therapie der Depression ist allerdings umstritten. Es gibt sowohl klinische Studien, die eine Wirksamkeit belegen, als auch solche, die keine Überlegenheit gegenüber Placebo zeigen. Eine neue Metaanalyse kommt zum Ergebnis, dass Johanniskrautextrakte bei der Behandlung von leichter und mittelgradiger depressiver Symptomatik wirksam sind. Für schwere oder chronisch verlaufende Depressionen sind keine Effekte belegt.“

M.K.: Leider sind die Unterschiede zu Placebo bei den qualitativ guten Studien grösser und bei den Studien besserer Qualität kleiner. Dieses Phänomen gibt es allerdings nicht nur bei Johanniskraut-Studien, sondern bei vielen Medikamentenstudien.Je besser die Qualität der Studie, desto geringer der Nutzen des untersuchten Präparats.

Bei den qualitativ guten Studien wirkt Johanniskraut nur wenig besser als Placebo. Das lässt sich aber auch von synthetischen Antidepressiva sagen, zum Beispiel bei SSRI:

„So ist bei leichtgradigen Depressionen häufig keine statistisch nachweisbare Überlegenheit gegenüber der Gabe von Scheinmedikamenten (Placebo) festzustellen.“

Quelle: Wikipedia

Auf diesem Hintergrund spricht das bessere Nebenwirkungsprofil oft für Johaniskraut.

Zitat Leitlinie: „Hauptproblem ist, dass für diese pflanzlichen Präparationen erhebliche Standardisierungsprobleme mit stark schwankenden Dosen der möglicherweise bioaktiven Substanzen (u. a. Hyperforin und Hypericin) bestehen. So ist nicht hinreichend bekannt, welche Konstituenten des Johanniskrautextrakts bei welchen Konzentrationen über welchen Wirkungsmechanismus für die antidepressive Wirkung verantwortlich sind. Daher sollten nur Präparate zur Therapie einer leichten und mittelgradigen depressiven Symptomatik eingesetzt werden, für die eine klinische Wirksamkeit durch eigene Studien belegt ist.“

M.K.: Ja, über den Anteil einzelner Inhaltsstoffe an der Johanniskraut-Wirkung ist wenig Gesichertes bekannt. Daher gilt der Gesamtextrakt als Wirkstoff. Und ja, es gibt bei Naturprodukten naturgemäss Schwankungen. Die guten Hersteller grenzen diese Schwankungen aber durch Standardisierung auf eine Leitsubstanz ein. Von erheblichen Standardisierungsproblemen zu sprechen ist meines Erachtens überzogen und ziemlich theoretisch. Belege, dass dadurch reale Probleme entstehen, sind mir jedenfalls nicht bekannt.

Einverstanden: Für jedes Johanniskraut-Präparat muss die klinische Wirksamkeit separat belegt werden und Präparate, die diese Belege liefern, sind vorzuziehen, wenn es um die Behandlung einer depressiven Symptomatik geht. Allerdings kommen dann nur patentierte Johanniskraut-Extrakte in Frage, weil nur für diese Zubereitungsart klinische Studien vorliegen. Für Johanniskrauttinktur fehlen relevante Studien und ihr Wirkstoffgehalt dürfte weit unter dem nötigen Niveau liegen. Für Johanniskrauttee gibt es ebenfalls keine Studien, doch kann ich mir hier vorstellen, dass eine relevante Wirkstoffzufuhr möglich ist.

Zitat Leitlinie: „Unerwünschte Wirkungen…..: Johanniskrautpräparate haben sich in den publizierten Studien als sehr gut verträglich erwiesen, obwohl die Ergebnisse der meist kleinen Studien für seltenere und evtl. auch schwerere Neben- oder Wechselwirkungen nur von sehr limitierter Aussagekraft sind. Zur oft erwähnten Phototoxizität existieren nur vereinzelte Berichte. Von gesicherter klinischer Relevanz ist jedoch, dass Johanniskraut als Induktor von Isoenzymen des Cytochroms P450 zur Wirkungsbeeinträchtigung (inkl. oraler Kontrazeption) und ggf. bei Absetzen zur erhöhten Toxizität zahlreicher Wirkstoffe mit geringer therapeutischer Breite, wie z.B. Ciclosporin, Tacrolimus, Digoxin, Theophyllin, Antidepressiva (Amitriptylin, Nortriptylin), Antikoagulantien, Antikonvulsiva und mehreren HIV-wirksamen Medikamenten, führen kann.“

M.K.: Die verstärkte Lichtempfindlichkeit (Phototoxizität) unter Johanniskraut-Einnahme ist tatsächlich nur schwach belegt. Dieser Aspekt sollte nicht dramatisiert, aber auch nicht völlig negiert werden. Während der Johanniskraut-Einnahme ist starke Sonnenbestrahlung zu meiden (wie sonst auch). Die beschriebenen Wechselwirkungen sind dagegen viel klarer relevant. Johanniskraut aktiviert in der Leber gewisse Enzyme, die bestimmte Fremdstoffe abbauen. Dadurch sinken die Blutspiegel mancher Medikamente und ihre Wirkung kann sich verringern.

Zitat Leitlinie: „Wegen der Unsicherheiten über die richtige Dosierung, der variablen Zusammensetzung der Extrakte und insbesondere der möglichen schweren Wechselwirkungen mit anderen verschriebenen Medikamenten wird Johanniskraut nicht als chemischen Antidepressiva überlegen angesehen. Da die Präparate aber von manchen Patienten als ‚natürliches Produkt’ eher akzeptiert werden als chemisch definierte Antidepressiva, kann einer solchen Patientenpräferenz bei leichten bis mittelschweren Depressionen als erster Behandlungsversuch gefolgt werden. Es ist wichtig, Patienten, die Johanniskraut einnehmen möchten, über die unterschiedliche Wirkstärke der verfügbaren Zubereitungen und die sich daraus ergebenden Unsicherheiten der Dosierung zu informieren. Außerdem ist eine Aufklärung über mögliche schwere Wechselwirkungen von Johanniskraut mit anderen Medikamenten (einschließlich oraler Kontrazeptiva, Antikoagulantien und Antiepileptika) notwendig, ebenso eine ärztliche Betreuung von Patienten, die Johanniskraut einnehmen.“

M.K.: Es kommt nicht darauf an, ob Johanniskraut-Präparate synthetischen Antidepressiva überlegen sind oder nicht. Johanniskraut ist in manchen Situationen einfach eine gute Option (und in manchen nicht).

Mir fehlt in dieser Leitlinie der Hinweis, dass Johanniskraut-Präparate erst nach etwa 14 Tagen ihre Wirksamkeit entfalten. Diese Information ist wichtig für Patientinnen und Patienten.

Quelle der Zitate:

http://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/depression/depression-1aufl-vers5-lang.pdf

In den Zitaten fehlen die im Original aufgeführten Literaturangaben.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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www.phytotherapie-seminare.ch

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Johanniskraut: Hyperforin als Basis für neue Antidepressiva im Fokus

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Der antidepressive Wirkstoff Hyperforin aus Johanniskraut (Hypericum perforatum) soll weiterentwickelt werden, teilt die Universität Erlangen-Nürnberg mit.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstütze das Vorhaben im europäischen Forschungsverbund „HYPZITRP“ für die kommenden drei Jahre mit 184.000 Euro.

Hyperforin unterscheidet sich im Wirkungsmechanismus von den anderen Antidepressiva, die sich gegenwärtig auf dem Markt befinden. Es reguliert Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin, indem es einen Ionenkanal, den TRPC6-Kanal, aktiviert.

Allerdings ist Johanniskraut-Extrakt nicht so intensiv wirksam, dass er auch starke Depressionen lindert, sondern maximal mittlere. Außerdem verstärkt er die Bildung des Enzyms CYP3A4 in der Leber, das Fremdstoffe abbaut. Dadurch kann es zu problematischen Wechselwirkungen mit manchen Medikamenten kommen, die schneller abgebaut werden. Zudem ist Hyperforin instabil, wenn es aus dem Extrakt isoliert wird.

Deshalb wollen die Wissenschaftler Hyperforin-Analoga entwickeln, die deutlich stabiler und wirksamer sind als der natürliche Wirkstoff und weniger Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zeigen.

Die Wirksamkeit soll unter anderem an Zellmodellen und im Tierversuch untersucht werden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/depressionen/article/870103/depression-johanniskraut-basis-neue-antidepressiva.html?sh=8&h=1429287594

 

Kommentar & Ergänzung:

Bin sehr gespannt, wie das raus kommt.

In der Phytotherapie werden in der Regel die Wirkstoffe einer Heilpflanze als „Team“ oder als „Orchester“ eingesetzt.

Dadurch können mehrere Zielstrukturen im Organismus beeinflusst werden. In diesem Zusammenhang ist häufig die Rede von einer Multi-Target-Therapie (Target = Ziel). Dieser breite Ansatz bei moderater Intensität könnte ein Grund sein für Vorteile von Phytopharmaka in Bezug auf die Verträglichkeit. Die Forscher in Erlangen-Nürnberg wollen also nun einen „Solisten“ aus dem „Wirkstoffteam“ des Johanniskrautes – Hyperforin – isoliert optimieren. Die Phytotherapie dagegen orientiert sich am Grundsatz: „Der Extrakt ist der Wirkstoff“. An der antidepressiven Gesamtwirkung des Johanniskraut-Extraktes sind mehrere Inhaltsstoffe mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen verantwortlich. Neben Hyperforin tragen auch Hypericin und Pseudohypericin zur Wirkung bei. Proanthocyanidine, Flavonolglykoside und das Biflavonoid Amentoflavon unterstützen die Gesamtwirkung zum Beispiel durch Lösungsvermittlung. Der Gesamtextrakt ist daher offenbar in der Wirksamkeit einzelnen Inhaltsstoffen mit klarem pharmakologischem Profil überlegen.

Daraus folgt meines Erachtens:

Falls es den Forschern an der Universität Erlangen-Nürnberg tatsächlich gelingen sollte, aus einem veränderten Hyperforin-Molekül ein neues Antidepressivum zu entwickeln – was noch ein langer Weg ist – dann wird sich dieses Medikaments fundamental in seiner Wirkung von Johanniskraut-Extrakt unterscheiden. Es wird ein anderes Wirkungsprofil haben, vielleicht stärker wirken, aber möglicherweise auch Nebenwirkungen aufweisen, die beim Hyperforin im Kontext des Johanniskraut-Extraktes nicht auftreten.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Sport hilft gegen Depressionen

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Sport löst Veränderungen im Gehirn aus, die sonst nur durch Medikamente bewirkt werden

Ein internationales Team von Forschern unter Mitwirkung der Universität Bern hat alle verfügbaren Metaanalysen zum Thema Sport und Depressionen zusammengefasst und deren günstige Wirkung auf Depressionen ausgewertet.

In den westlichen Industrienationen leidet mindestens jede zehnte Person im Verlauf ihres Lebens einmal an Depressionen. Damit handelt es sich bei den Depressionen um die am häufigsten diagnostizierte psychische Erkrankung. Sie beeinflussen die körperliche Gesundheit stärker als Diabetes oder Arthritis.

 

Die Behandlung von Depressionen geschieht üblicherweise mit Medikamenten (Antidepressiva) und Psychotherapie.

Eine aktuelle Veröffentlichung zeigt aber nun, dass Sport und körperliche Aktivität teilweise die gleichen neurophysiologischen Veränderungen anstossen wie Antidepressiva. Eine Vielzahl von Metaanalysen zeigte eine positive Wirkung von Sport und körperlicher Aktivität auf Depressionen.

Sport und körperliche Aktivität bewirken durch neurobiologische Anpassungen verschiedene Veränderungen im Gehirn, die sonst nur durch Medikamente erzielt werden. Arzneimittel zur Therapie von Depressionen setzen ähnlich wie Sport und körperliche Aktivität an der Serotoninaufnahmefähigkeit des Gehirns an. Sie intensivieren die Epinephrinaktivität und bewirken die Ausschüttung verschiedener Faktoren für das Nervenwachstum.

 

Diese Faktoren begünstigen das Zellwachstum im Gehirn und verhindern das Absterben von Zellen im Hippocampus, welches sonst durch Depressionen ausgelöst wird. Sport und körperliche Aktivität führen mit diesen Veränderungen auch zu einer reduzierten Aktivität des Stresshormons Cortisol und wirken damit zum Teil ähnlich wie Psychopharmaka.

Die Wissenschaftler schränken ein, dass die Metaanalysen keine Schlüsse zulassen, wie oft und wie lange wöchentlich Sport getrieben werden sollte. Feststellen konnten sie dagegen, dass die Wirksamkeit von Sport bei Depressionsstörungen größer ist als zum Beispiel bei Angststörungen.

Regelmäßiges Sporttreiben scheint daher gemäss bisherigem Stand der Forschung ein geeignetes Mittel zu sein, um Depressionssymptome zu lindern. Ein Mittel zudem, das kostengünstig ist und nur wenige Nebenwirkungen hat.

 

Ob und in welchem Maß Sport und körperliche Aktivität eine Ergänzung oder sogar Alternative zu Antidepressiva bei leichten Depressionen sein können, muss allerdings noch untersucht werden.

 

Quelle:

http://derstandard.at/2000005634313/Sport-und-koerperliche-Aktivitaet-helfen-gegen-Depressionen

 

Abstract
CNS & Neurological Disorders: Effects of Exercise on Anxiety and Depression Disorders – Review of Meta- Analyses and Neurobiological Mechanisms

 

http://www.eurekaselect.com/122692/article

 

Kommentar & Ergänzung:

Das ist dann also eine Metaanalyse der Metaanalysen – eine Meta-Metaanalyse quasi. Schön, dass es so etwas auch noch gibt.

Im Ernst:

Dass Sport bei Depressionen helfen kann, ist gut dokumentiert. Bei schweren Depressionen dürfte das nicht reichen und ein Hauptproblem des Ansatzes „Sport gegen Depressionen“ liegt darin, dass Depressive krankheitsbedingt oft nicht gerade einfach für Bewegung zu motivieren sind. Bei leichten Depressionen funktioniert das besser und mir scheint vor allem auch wichtig zu beachten, dass regelmässige Bewegung auch eine vorbeugende Wirkung haben könnte.

Bewegung ist im Übrigen ein Grundpfeiler der klassischen Naturheilkunde.

Siehe: Naturheilkunde: Was ist das?

Phytotherapeutisch ist bei leichten und mittelschweren Depressionen auch an Johanniskraut-Extrakt zu denken. Bei den Johanniskrautpräparaten gibt es allerdings grosse Qualitätsunterschiede, die zu beachten sind.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kann man Studien noch trauen?

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Es gibt Studien, die nicht vollständig offengelegt werden. Und Studien, die gar nicht publiziert werden, weil die Resultate den Sponsoren nicht genehm sind. Dann gibt es einfach schlecht gemachte, fehlerhafte Studien etc. etc.

Daher liegt die Frage auf der Hand: Kann man Studien noch trauen?

In einem Interview für die Zeitung „Der Standard“ hat Gerald Gartlehner zu diesem Thema Stellung genommen. Er ist Experte für Evidenzbasierte Medizin (EBM):

„Ja, wenn man die Gesamtheit der Studien betrachtet. Deshalb ist es so wichtig, die Industrie zu zwingen, alle Daten auf den Tisch zu legen. Auch ethisch betrachtet. Patienten, die an Studien teilnehmen, tun es ja im Glauben, die Wissenschaft zu fördern. Wenn Ergebnisse verschwinden, werden Patienten irregeführt. Das Fehlen von Evidenz mit Nichtwirksamkeit gleichzusetzen, ist aber auch ein kompletter Irrtum. Es bedeutet nur, dass es keine Studien gibt. Man muss sich bewusst sein, dass es viel Unsicherheit in der Medizin gibt. Wichtig ist es deshalb, Dinge laufend zu hinterfragen.“

Quelle:

http://derstandard.at/2000004271664/Evidenzbasierte-Medizin-Den-Wohlfuehlfaktor-erhoehen

Kommentar & Ergänzung:

Die Gesamtheit der Studien betrachten, nicht nur einzelne „Rosinen“ picken. Das ist tatsächlich ein zentraler Grundsatz.

Siehe dazu auch:

Zitat von Johann Wolfgang Goethe (u. a. zum Single-Study-Syndrom)

Dass alle Daten von Studien auf den Tisch müssen, verlangt eine Petition von alltrials.

Mehr dazu hier:

Medizinische Forschung: Petition fordert volle Transparenz

(mit Informationen zum „Publikationsbias“)

Wichtig ist aus meiner Sicht vor allem noch dieser Abschnitt:

„Das Fehlen von Evidenz mit Nichtwirksamkeit gleichzusetzen, ist aber auch ein kompletter Irrtum. Es bedeutet nur, dass es keine Studien gibt. Man muss sich bewusst sein, dass es viel Unsicherheit in der Medizin gibt. Wichtig ist es deshalb, Dinge laufend zu hinterfragen.“

Wir haben nämlich in der Phytotherapie Bereiche, in denen es Studien gibt, und Bereiche, in denen Studien fehlen. Oft sind es eher günstige, einfache Zubereitungen wie Kräutertees, für die keine Studien gemacht werden, weil sie nicht patentierbar sind.

Für Johanniskraut-Extrakte zum Beispiel gibt es Patente und damit Firmen, die in Studien investieren, weil der Forschungsaufwand dem Produkt wieder zugute kommt Für Johanniskrauttee investiert niemand relevant in die Forschung, weil er nicht patentierbar ist.

Es ist daher wichtig festzuhalten, dass die Nicht-Existenz von Studien noch nicht bedeutet, dass keine Wirkung vorhanden ist, sondern nur, dass man diesbezüglich wenig Sicheres weiss. Und gerade in diesem Bereich, wenn keine Studien vorliegen, ist es aber auch wichtig, kritisch zu hinterfragen, weil man sonst leicht Fremd- und Selbsttäuschungen unterliegt.

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Antidepressiva als Analgetika

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Die Österreichische Apothekerzeitung befasst sich in der Ausgabe Nr. 16 / 2014 unter anderem mit Psychopharmaka. Herausheben und kurz kommentieren möchte ich daraus die folgende Passage:

„Univ.-Prof. Dr. Michael Bach, Chiemseeblick Fachklinik für Psychosomatik, beleuchtete das Thema Psychopharmaka und Schmerz und räumte mit so manchen falschen Annahmen vor allem in Bezug auf Antidepressiva als Analgetika auf. So impliziert eine klinisch signifikante Schmerzreduktion durch ein Antidepressivum keineswegs eine „Psychogenese“ des Schmerzsyndroms; vielmehr sind die antinozizeptiven Eigenschaften unabhängig von der Ätiologie des Schmerzes.“

Quelle:

ÖAZ 16 / 2014-08-15

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2014/OAZ-2014-16.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Schon niedrige Dosierungen von Antidepressiva können bei chronischen Schmerzen analgetisch (schmerzstillend) wirken. Offenbar verändern diese Substanzen über komplexe chemische Vorgänge die Schmerzempfindlichkeit der Nervenfasern oder hemmen Übertragungsvorgänge an den Umschaltstationen des Rückenmarks. Die analgetischen Wirkungen der Antidepressiva treten in der Regel schon bei Dosierungen auf, die weit unterhalb derjenigen liegen, die man für eine antidepressive Wirkung braucht.

In diesem Zusammenhang werden bei chronischen Schmerzen manchmal auch Johanniskraut-Extrakte empfohlen, die man als phytotherapeutische Antidepressiva bezeichnen kann. Allerdings sind mir keine Studien bekannt, die speziell eine analgetische Wirkung von Johanniskrautpräparaten untersucht hätten. Die antidepressive Wirkung von Johanniskraut-Extrakt wurde dagegen in zahlreichen Studien dokumentiert.

Nun zu obigem Zitat:

Verschreibt oder empfiehlt man Antidepressiva bzw. auch Johanniskraut bei chronischen Schmerzen mit einer analgetischen Absicht, braucht es dazu eine klare Kommunikation.

Allzu leicht kommt bei den Betroffenen nämlich die Botschaft an, ihr Leiden sei „nur psychisch“. Chronische Schmerzpatienten haben oft einen langen Leidensweg hinter sich, auf dem sie in verschiedenen Formen immer wieder zu hören bekommen, dass bei ihnen keine klare körperliche Ursache fassbar sei. Statt „wir finden nichts“ kommt dann mit der Zeit nicht selten an: „Sie haben nichts“ – und die Betroffenen fühlen sich in die „Psycho-Ecke“ geschoben (wobei aber natürlich auch psychische Leiden real sind).

Verordnet oder empfiehlt man in solchen Schmerzsituationen ohne genauere Erläuterungen ein Antidepressivum, schlägt das in die gleiche Kerbe. Es kommt als „Psychologisierung“ an.

Darum muss in diesen Fällen die Absicht präzis erklärt werden: Dass es um eine Modulation der Schmerzverarbeitung geht – und nicht um einen antidepressiven Effekt.

Genau diesen Unterschied drückt das Zitat aus der „Österreichischen Apothekerzeitung“ aus.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Wirkungsmechanismen von Johanniskraut (Hypericum perforatum)

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In der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie (Nr. 5 / 2012) veröffentliche Prof. Dr. Kristina Leuner (Universität Erlangen-Nürnberg) Angaben zum Wirkungsmechanismus von Johanniskraut:

„ Für Hypericum perforatum konnte der wirksame Inhaltsstoff Hyperforin identifiziert werden. Hyperforin (ein Phloroglucinolderivat) aktiviert selektiv einen nicht-selektiven Kationenkanal und vermittelt hierüber seine antidepressiven Effekte wie z. B. die Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmung und die Verbesserung der synaptischen Plastizität……..Neben dem nicht-selektiven Kationenkanal wurde auch der Pregnan-X-Rezeptor als Wirkstruktur von Hyperforin definiert und somit die Ursache für die CYP3A4-Induktion durch Hyperforin bzw. Johanniskraut-Extrakt identifiziert.“

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Zitat ist ohne Fachkenntnisse nicht einfach zu verstehen. Es geht um die Wirkung des Inhaltsstoffes Hyperforin auf Überträgersubstanzen (Serotonin, Noradrenalin) im Gehirn.

Hyperforin als wichtiger Inhaltsstoff von Johanniskraut ist zu Recht Gegenstand intensiver Forschung. Es spricht allerdings einiges dafür, dass neben Hyperforin noch andere Inhaltsstoffe für die Wirkung des Johanniskrautes mitverantwortlich sind. Jedenfalls ist der Gesamtextrakt wirksamer als die entsprechende Menge reines Hyperforin.

Ausserdem gibt es auch hyperforinarme Johanniskraut-Extrakte, die ebenfalls wirksam sind.

Für die Interaktionen (Wechselwirkungen) von Johanniskraut-Extrakt mit verschiedenen Medikamenten soll aber das Hyperforin verantwortlich sein.

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Zur Studienlage: Johanniskraut bei Depressionen

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Der „Spiegel“ publizierte im Juni eine informativen Beitrag zum Thema Johanniskraut & Depressionen.

Hier ein paar zentrale Aussagen als Zitat:

„Der Mechanismus der antidepressiven Wirkung des Johanniskrauts ist bis heute ungeklärt. ‚Es gibt mehr als nur einen aktiven Inhaltsstoff und es ist nicht völlig klar, welche Inhaltsstoffe die wichtigsten für welche Wirkung sind‘, sagt Edzard Ernst, Professor für Alternativmedizin in Exeter im Südwesten Englands.“

Als meistdiskutierte Inhaltsstoffe gelten Hypericin und Hyperforin, aber der Johanniskraut-Extrakt ist wirksamer als die isolierten Inhaltsstoffe Hypericin und Hyperforin.

Johnniskraut hemmt laut Untersuchungen die Wiederaufnahme verschiedener Transmitter-Substanzen (Serotonin, Noradrenalin, Dpoamin) in den Synapsen. Aber es ist tatsächlich nicht eindeutig belegt, dass diese Vorgänge zentral sind für die Wirksamkeit von Johanniskraut-Extakten.

Und wie steht es mit der Studienlage?

„Die antidepressive Wirkung des Johanniskrauts wurde lange unterschätzt. 2009 untersuchte Klaus Linde vom Zentrum für naturheilkundliche Forschung der TU München in einer Meta-Analyse für die Cochrane Collaboration 29 Studien an insgesamt 5489 Depressionspatienten. Sein Fazit: Johanniskraut ist Standard-Antidepressiva ebenbürtig und zeigt weniger Nebenwirkungen. Zu den typischen zählen Kopfschmerzen, Unruhe, Müdigkeit und eine gesteigerte Lichtempfindlichkeit der Haut. Allerdings ist das Kraut nur bei leichten bis mittelschweren Depressionen hilfreich, bei schweren Fällen versagt es.“

Andere Studien zeigten auch eine Überlegenheit von Johanniskraut-Extrakt gegenüber Placebo.

„Doch gibt es bei all diesen Studien ein Problem: Es wurden verschiedene Johanniskraut-Präparate verglichen und auch noch in unterschiedlicher Dosierung. „Die Studien liefern nicht genug Daten, um unterschiedliche Extrakte miteinander vergleichen zu können oder eine optimale Dosierung mit ausreichender Sicherheit zu ermitteln“, resümiert das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) daher.“

Das ist ein wichtiger Punkt: Die verschiedenen Johanniskraut-Extrakte unterscheiden sich in ihren Inhaltsstoffen. Ein  positives Studienresultat gilt daher streng genommen nur für das untersuchte Präparat. Die einzelnen Johanniskraut-Präparate unterschieden sich höchstwahrscheinlich nicht nur bezüglich Wirksamkeit, sondern auch bezüglich allfälliger Interaktionen (Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten).

Belege für eine Wirksamkeit gibt es zudem nur für Johanniskraut-Extrakte, nicht aber für Johanniskrauttee und Johanniskrauttinktur. Vor allem bei der Johanniskrauttinktur ist meines Erachtens sehr fraglich, ob die Konzentration der Inhaltsstoffe ausreicht für eine Wirksamkeit. Bei 3 – 4 Tassen Johanniskrauttee pro Tag kann ich mir das eher vorstellen.

Beim Johanniskrauttee fehlen Studien, weil keine Firma Geld für die Forschung investiert, wenn sie das untersuchte Produkt nicht patientieren kann. Das gilt auch für Pflanzentinkturen nach den Vorschriften des Arzneibuchs.

Und Frischpflanzentinkturen nach den Vorschriften des homöopathischen Arzneibuchs (HAB) werden in der Regel bei den Arzneimittelbehörden als Homöopathika angemeldet. Da Homöopathika generell von Wirksamkeitsnachweis befreit sind, entfällt für die Hersteller die Motivation zur Bereitstellung von Forschungsgeldern. So bleiben als Träger der Johanniskraut-Forschung nur die Hersteller von Johanniskraut-Extrakten, die  verpflichtet sind, die Wirksamkeit ihrer Präparate in Studien nachzuweisen.

Quelle der Zitate:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/johanniskraut-pflanzliches-mittel-hilft-gegen-depressionen-a-823206.html

Hier gibt’s eine Zusammenstellung einiger Johanniskraut-Texte aus diesem Blog.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Edzard Ernst zur Pflanzenheilkunde

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Edzard Ernst hat als Professor für Alternativmedizin (Universität Exeter) 18 Jahre lang erforscht, welche alternativen Heilmethoden wirken. Nun geht er in Pension und beantwortete im Interview Fragen der „Sonntagszeitung“. Hier ein Ausschnitt aus dem Gespräch:

„Gibt es alternativmedizinische Behandlungen, die wirken?

Ja natürlich, vor allem im Bereich der Pflanzenheilkunde findet sich einiges: Rosskastanie bei
Venenleiden, Weissdorn bei Herzinsuffizienz, Teufelskralle gegen Schmerzen und vieles mehr.

Welche komplementärmedizinischen Behandlungen würden Sie bei sich anwenden?

Hätte ich Depressionen, würde ich Johanniskraut-Extrakt einnehmen. Noch besser gegen
depressive Verstimmungen hilft aber körperliche Aktivität. Ich selbst nehme täglich eine Kapsel Omega-3-Fettsäuren ein, weil da die Wirksamkeit sehr gut ist, um kardiovaskulären Erkrankungen vorzubeugen.“

Quelle:

http://www.sonntagszeitung.ch/wissen/artikel-detailseite/?newsid=199734

Kommentar & Ergänzung:

Prof. Edzard Ernst hat sich immer interessiert, aber auch kritisch mit den verschiedensten Methoden der Komplementärmedizin auseinandergesetzt. Er ist dafür aus Kreisen der Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin oft angefeindet worden. Und das wie es in dieser „Szene“ leider häufig vorkommt, vor allem durch Diffamierungsversuche auf der persönlichen Ebene, kaum je durch Argumente.

Ich möchte hier daher eine Lanze brechen für den kritischen Ansatz von Edzard Ernst. Es gibt einen unüberschaubaren Dschungel  an Produkten und Versprechungen im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin,  darunter auch eine sehr grosse Zahl von Hirngespinsten, die zwar den Bedürfnissen, Ängsten und Hoffnungen der Menschen entgegen kommen, aber keinerlei reale Basis haben. Es braucht nur schon aus Gründen des Konsumentenschutzes qualifizierte Instanzen, die solche Heilungsversprechen auf ihren Wahrheitsgehalt hin abklopfen.

Die staatlichen Arzneimittelbehörden haben sich aufgrund von politischen Vorgaben aus diesem Bereich zurückgezogen. Ganze Branchen sind kollektiv von der sonst üblichen Pflicht zum Wirksamkeitsnachweis befreit, zum Beispiel Präparate der Richtungen Homöopathie und Anthroposophische Medizin. Eine Firma wie „Similasan“ kann praktisch beliebig Produkte als Arzneimittel auf den Markt bringen, ohne relevanten Forschung- und Entwicklungsaufwand und ohne den Nutzen für die Konsumentinnen dokumentieren zu müssen. Für die Konsumentinnen und Konsumenten fehlt hier jede Transparenz.

Um so wichtiger sind unabhängige „Instanzen“ wie Edzard Ernst. Leider werden zunehmend Lehrstühle für komplementärmedizinische Forschung an Universitäten eingerichtet, die von der komplementärmedizinischen Pharmaindustrie finanziert werden. Solche Verflechtungen machen unabhängig-kritische Forschung nicht leichter.

Natürlich freut es mich, dass Prof. Edzard Ernst mit Weissdorn, Teufelskralle, Rosskastanie und Johanniskraut nach 18 Jahren Forschung vor allem Anwendungen aus der Phytotherapie Wirksamkeit bescheinigt. Dazu braucht es aber noch ein paar Ergänzungen:

1. Solche Bestätigungen sind schön, doch darf darüber nicht vergessen werden, dass es immer wieder auch negative Forschungsresultate gibt, also Studien, in denen Heilpflanzen-Extrakte die Wirkungen, die man sich erhoffte, nicht gezeigt haben. Es ist nämlich eine verbreitete „Seuche“ vor allem im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin, quasi mit der Lupe hoch motiviert nach Bestätigung zu suchen, negative Ergebnisse aber auszublenden oder schönzureden. Das ist eine komplett einseitige Buchhaltung, die nicht gerade vertrauenserweckend wirkt. Auch wenn’s dem Herzen manchmal weh tut: Beide Seiten müssen gleichwertig beachtet werden.

2. Genau genommen kann man in der Phytotherapie nicht sagen, Weissdorn wirkt bei Herzinsuffizienz, Teufelskralle gegen Schmerzen, Rosskastanie bei Venenleiden, Johanniskraut gegen Depressionen. Man müsst immer noch präzisieren, in welcher Arzneiform die betreffende Heilpflanze zu Wirkung kommen kann, zum Beispiel als Tee, Tinktur oder Extrakt.

3. Im Gespräch mit der Sonntagszeitung geht eine wichtige Differenzierung verloren. Ernst wird gefragt, ob es alternativmedizinische Behandlungen gibt, die wirken, und welche komplementärmedizinischen Behandlungen er bei sich selber anwenden würde. Auf beide Fragen antwortet er mit phytotherapeutischen Optionen.

Meines Erachtens gibt es aber kein auch nur einigermassen plausibles Argument, weshalb Phytotherapie zur Alternativmedizin oder zur Komplementärmedizin gezählt werden sollte.

Siehe dazu:

Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

Wenn man die Phytotherapie irgendwo einordnen will, dann gehört sie zur Naturheilkunde und diese ist ein randständiger Bereich der Medizin.

Siehe:

Naturheilkunde – was ist das?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe / Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde  Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

www.phytotherapie-seminare.ch

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen?  www.patientenseminare.ch

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Modewort „Burn-out“ ist zu ungenau

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Vor einem inflationären Gebrauch des Modewortes „Burn-out“ warnt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe. „Auch wenn zu begrüßen ist, dass hierdurch die große Bedeutung psychischer Erkrankungen deutlicher und die diesbezügliche Sensibilität erhöht wird, so wird der inflationäre Gebrauch des schwammigen Begriffs Burn-out von vielen Betroffenen und Experten aus mehreren Gründen als Verwirrung stiftend, irreführend und längerfristig Stigma verstärkend eingeschätzt“, schreibt die Stiftung.

Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, betonte in diesem Zusammenhang, dass der Begriff „Burn-out“ nicht klar definiert sei. Daher gäbe es für die psychischen Störungen, die unter dem Begriff Burn-out zusammengefasst würden, auch keine Behandlungen mit Wirksamkeitsbelegen aus methodisch guten Studien.

Ein Großteil der Patientinnen und Patienten, die wegen „Burn-out“ eine längere Auszeit nähmen, litten in Wahrheit an einer depressiven Erkrankung. Dazu zähle auch das Gefühl tiefer Erschöpftheit.

Problematisch und nicht selten in gefährlicher Weise irreführend ist nach Aussagen der Stiftung, dass der Begriff „Burn-out“ eine Selbstüberforderung oder Überforderung von außen als Ursache suggeriert.
Denn auch wenn ausnahmslos jede Depression mit dem tiefen Gefühl der Erschöpftheit einhergehe, sei nur bei einer Minderheit der depressiv Erkrankten eine tatsächliche Überforderung der Auslöser der Erkrankung.

Mit dem Begriff Burn-out sei oft die Vorstellung verknüpft, dass ein ruhigerer Lebensstil eine gute Bewältigungsstrategie sei, also zum Beispiel eine längere Nachtruhe und ein Urlaub. Verberge sich hinter dem Begriff „Burn-out“ jedoch eine Depression, so seien das keine empfehlenswerten und häufig sogar gefährliche Gegenmaßnahmen. Menschen mit depressiven Erkrankungen reagierten beispielsweise auf längeren Schlaf und eine längere Bettzeit nicht selten mit Zunahme der Erschöpftheit und mit einer Stimmungsverschlechterung.

Auch ein Urlaub sei jedem depressiv Erkrankten dringend abzuraten, weil die Depression mitreise und der depressive Mensch den eigenen Zustand mit Antriebsstörung und der Unfähigkeit, Freude zu empfinden, im Urlaub als besonders bedrückend und schmerzlich erlebe. Ausserdem führe eine Vermengung von Stress, Burn-out und Depression zu einer Verharmlosung der Depression. „Stress, gelegentliche Überforderungen und Trauer sind Teil des oft auch bitteren und schwierigen Lebens und müssen nicht medizinisch behandelt werden“, schreibt die Stiftung. Depressionen seien im Gegensatz dazu schwere, häufig lebensbedrohliche Erkrankung. Die Verharmlosung der Depression fördere das Unverständnis gegenüber depressiv Erkrankten und das damit assoziierte Stigma. „Der beste Weg zu einem optimalen Umgang mit der Erkrankung Depression ist es, eine Depression auch Depression zu nennen“, erklärt Ulrich Hegerl.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/47913/Modewort_Burn-out_ist_zu_unpraesize.htm

http://www.deutsche-depressionshilfe.de/

Kommentar & Ergänzung:

Der sehr inflationäre und schwammige Gebrauch des  Begriffs „Burn-out“ ist tatsächlich problematisch. Die Klarstellungen der Stiftung Deutsche Depressionshilfe sind daher wertvoll und sehr zu begrüssen.

Im Bereich der Pflanzenheilkunde gibt es eine ähnliche Begriffsvermischung im Umgang mit Johanniskraut. Es wird zu ungenau unterschieden zwischen Verstimmung, Trauer und Depression.

Bei leichten und mittleren Depressionen gilt Johanniskraut-Extrakt als mögliche Alternative zu synthetischen Antidepressiva.

Temporäre Verstimmungen und Trauer sind aber keine Indikationen für eine Johanniskraut-Therapie. Sie brauchen andere Umgangsweisen.

Ich kann an diesem Punkt die Aussage der Stiftung Deutsche Depressionshilfe nur unterstreichen:

„Stress, gelegentliche Überforderungen und Trauer sind Teil des oft auch bitteren und schwierigen Lebens und müssen nicht medizinisch behandelt werden“.

Es braucht in solchen Situationen kein Johanniskraut (dessen Wirksamkeit bei leichten und mittleren Depressionen aber als belegt gilt). Es braucht aber auch keine Scheinheilmittel wie Bachblüten, Schüsslersalze, Burgerstein-Pillen…..

Diesen Boom, jede Unebenheit im Leben mit einem Präparat aus Medizin oder Komplementärmedizin ausbügeln zu wollen,  halte ich für völlig krank. Er ist ein Ausdruck von Konsumdenken und von sehr überzogenen Ansprüchen an das Leben.

Anstelle der suchtartigen Gier nach immer mehr Medizin und Komplementärmedizin wäre es meiner Ansicht nach sinnvoller, wenn wir uns vertieft Gedanken machen würden über unseren Umgang mit Gesundheit und Krankheit. Und über nichtmedikamentöse Arten des Umgangs mit den Unebenheiten des Lebens.

(was aber nicht ausschliesst, dass es selbstverständlich Patientinnen und Patienten gibt, die eine medizinische Behandlung brauchen).

Leider ist diese Position nicht sehr lukrativ, weil man damit nicht viel verkaufen kann………..

Ausser Kurse und Weiterbildungen – solange es Menschen gibt, die nicht nur wundersame Heilsversprechungen hören,  sondern sich umfassender mit Gesundheit und Krankheit auseinandersetzen wollen.

Ein solches Angebot finden Sie bei mir zum Beispiel auf www.patientenseminare.ch oder via www.heilpflanzen-info.ch/cms/kurse

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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