Artikel mit Schlagwort ‘Johanniskraut’

Europäische Pflanzenmonografie: Johanniskraut gegen Depressionen

Freitag, August 13th, 2010

Die Medical Tribune Österreich berichtete kürzlich über die Entstehung der Europäischen Pflanzenmonografie für Johanniskraut. Der Text ist wohl nicht ganz einfach zu verstehen, wenn man mit dem Thema nicht vertraut ist, aber er enthält interessante Informationen. Nachfolgend deshalb eine modifizierte Zusammenfassung dieses Artikels mit anschliessendem Kommentar:

Nach jahrelangen Kontroversen liegt nun eine Europäische Pflanzenmonographie für Johanniskraut (Hypericum perforatum) vor. Sie gründet auf dem Bewertungsbericht von Univ.-Doz. Dr. Reinhard Länger vom AGESPharmMed- Institut Zulassung & LifeCycle-Management.

Die Mehrheit der EU-Mitgliedsländer gab Ende letzten Jahres die Zustimmung für eine Europäische Pflanzenmonographie zu Johanniskraut sowohl für die medizinische als auch für die traditionelle Verwendung. Bisher waren Johanniskrautpräparate innerhalb der EU sehr unterschiedlich im Markt erhältlich, nämlich entweder als Nahrungsergänzungsmittel oder als Arzneimittel. Es gab Länder, die überhaupt die Evidenz der Wirksamkeit für die Behandlung von Depressionen anzweifelten – obwohl ausreichend methodisch gute Studien vorliegen. Ein aktueller Cochrane Review lieferte zudem wichtige Unterstützung bei der Interpretation der klinischen Datenlage zu Hyperici herba. In dieser Metaanalyse wurden nur jene Studien berücksichtigt, in welche ausschließlich Depressive mit einer Major Depression eingeschlossen waren.

Das Resultat: Die Therapie mit Johanniskraut-Trockenextrakten war in Summe Plazebo überlegen und gleich wirksam wie eine Behandlung mit synthetischen Antidepressiva.

Weshalb dauerte es trotz überzeugender Datenlage so lange bis zu einer EU-weiten Harmonisierung? „Das hat mehrere Gründe“, erläutert Experte und Rapporteur Doz. Länger. „Zunächst ist der Prozess der Harmonisierung sehr jung. Das Herbal Committee, welches für die Harmonisierung zuständig ist, arbeitet erst seit 2004. Die Monographien, die dort ausgearbeitet werden, sollen für die Zulassungswerber eine gemeinsame Basis bilden. Im Sinne von: Wenn mein Produkt der Monographie entspricht, dann bekomme ich sicher eine Zulassung. Es geht um ,Barrierefreiheit‘ für den Markt der pflanzlichen Arzneimittel.“

Ein weiterer Grund für die lange Dauer bis zu einer Harmonisierung seien die unterschiedlichen Traditionen der EU-Länder. „In Skandinavien werden überhaupt keine pflanzlichen Arzneimittel verwendet“, erklärt Doz. Länger. „In Mitteleuropa wiederum haben wir eine ganz starke Tradition.“ Und er nennt darüber hinaus noch politische Gründe, weshalb nationale Behörden so unterschiedliche Zugangsweisen haben. „Zum Beispiel Vertriebswege. Jedes Land hat seinen eigenen Vertriebsweg für pflanzliche Produkte. In manchen Ländern kommen sie gar nicht in die Apotheke. Gibt es nun eine Zulassung, ist das Produkt apothekenpflichtig.“

Was ist nun das Besondere an seinem Bewertungsbericht, welcher die Grundlage für die Harmonisierung war? „Zum einen war es sicher das bisher umfassendste Projekt des Herbal Commitee. Zum anderen habe ich es als Rapporteur mit großer Vehemenz vertreten“, sagt Doz. Länger. Das bedeutete auch, sich mit Argumenten der Vertreter der synthetischen Antidepressiva auseinandersetzen zu müssen.

Natürlich existieren nicht nur Studien, welche die Wirksamkeit von Johanniskraut belegen, sondern auch solche mit einem negativen Ergebnis. Doz. Länger erklärt dazu: „Fairerweise muss man dazu sagen, dass in der methodisch am besten durchgeführten Studie mit negativem Ausgang vor allem Patienten mit ausgeprägter schwerer Depression eingeschlossen waren. Patienten, die seit mehr als zehn Jahren darunter leiden und wo zum Teil andere Therapieansätze ohne Erfolg geblieben waren. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass etablierte Antidepressiva in dieser Studie genauso schlecht abgeschnitten hätten“.

Ein wichtiger Punkt in der EU-Harmonisierung war die Frage nach den pharmakokinetischen Interaktionen (Wechselwirkungen) von Johanniskraut – denn das Interaktionspotenzial der Heilpflanze ist bewiesen. Hyperforin ist – dosisabhängig – der für die Wechselwirkungen verantwortliche Inhaltsstoff von Johanniskraut.

Die Induktion der Enzyme CYP3A4, CYP2C9, CYP2C19 und von p-Glykoprotein geschieht innerhalb weniger Tage nach den Beginn der Behandlung. Nach Absetzen der Johanniskraut-Medikation normalisieren sich in rund 5 Tagen die Werte wieder. Das bedeutet bei einer, wie im Fall von Depressionen, lang andauernden Behandlung mit hyperforinhaltigen Johanniskraut-Zubereitungen ist mit Wechselwirkungen zu rechnen.

„Es senkt den Plasmaspiegel von anderen Medikamenten“, erläutert der Experte Reinhard Länger. Allerdings betont Länger, dass auch synthetische Antidepressiva Interaktionspotenzial besitzen. „Was für das Johanniskraut spricht, ist seine bessere Verträglichkeit und deutlich geringere Häufigkeit und Schwere von Nebenwirkungen.“ Doch zurück zu den Wechselwirkungen. Es gibt Medikamente, die einen gleichbleibenden Plasmaspiegel brauchen und wo eine Co-Medikation mit Johanniskrautpräparaten kontraindiziert ist. Bei allen anderen Wirkstoffen, die über die genannten Enzyme metabolisieren, ist besondere Vorsicht geboten.

Weil Depressionen sehr oft von anderen Störungen begleitet werden und daher ein einziges Medikament selten ausreichend ist, muss man sich dieser Wechselwirkungen bewusst zu sein. „Eine mögliche Lösung könnte in einer Dosisanpassung liegen“, erklärt Doz. Länger. Interaktionsstudien kamen nämlich zum Schluss, dass für einen Zeitraum von zwei Wochen keine Enzyminduktion festgestellt werden konnte – sofern die täglich aufgenommene Hypericinmenge unter 5 mg lag. Und das wiederum ist zum Beispiel beim Johanniskraut-Tee der Fall, der fast hyperforinfrei ist. Was nicht heisst, dass er keine Wirkung hat. Trinkt man den Johanniskrauttee länger als zwei Wochen, gilt die selbe Vorsicht vor Wechselwirkungen wie bei den Hypericum-Trockenextrakten.

Quelle:

http://www.medical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=104128&dspaid=870658

Kommentar & Ergänzung:

Nun also ein paar stichwortartige Anmerkungen zu diesen interessanten Informationen aus der „Medical Tribune“:

- Die Erarbeitung einer Europäischen Pflanzenmonografie ist eine Massnahme der Qualitätssicherung in der Phytotherapie. Dazu wird alles verfügbare gesicherte Wissen über eine Heilpflanze zusammengetragen und bewertet – im vorliegenden Beispiel also zum Thema Johanniskraut. Heilpflanzen-Monografien werden auch erarbeitet von der ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy, www.escop.com) und von der WHO. Diese Heilpflanzen-Monografien sind das Ergebnis intensiver Konsensverfahren zwischen den zuständigen Phytotherapie-Fachleuten. Sie sind nicht als endgültig-abschliessendes Urteil über eine Heilpflanze zu verstehen, sondern als Stand des gegenwärtigen Wissens in der Phytotherapie. Sie stellen dadurch wichtige Orientierungspunkte dar. Zu beachten ist allerdings, dass Phytotherapie kein geschützter Begriff ist. Es gibt daher im Bereich Komplementärmedizin bzw. Naturheilkunde auch viele BehandlerInnen, welche sich eher durch ihre eigenen Vorstellungen von den Wirkungen der Heilpflanzen leiten lassen und die Qualitätssicherungsmassnahmen von ESCOP und WHO kaum zur Kenntnis nehmen. Das ist sehr schade, weil die Therapievorschläge nach meiner Erfahrung dadurch oft sehr willkürlich werden, was sich für Patientinnen und Patienten negativ auswirken kann.

Vor allem die ESCOP-Monografien fliessen auch in die anerkannte Phytotherapie-Fachliteratur ein.

Beispielsweise:

Leitfaden Phytotherapie (eher für Personen aus medizinischen Berufen)

Grüne Apotheke (auch für Leute ohne medizinische Kenntnisse)

Anhand solcher Phytotherapie-Fachliteratur lässt sich überprüfen, ob Aussagen von Heilpflanzen-Büchern, Phytotherapie-Kursleitern etc. dem aktuellen Stand des Wissens entsprechen..

- Erklärung zum Begriff „Cochrane Review“: Studien können zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Daher sagt eine einzelne Studie oft gar nicht so viel aus. Deshalb werden alle erreichbaren qualitativ guten Studien zusammengefasst, um daraus Schlüsse zu ziehen. Die Cochrane Collaboration erstellt solche Metastudien. Sie ist ein weltweites Netz von Wissenschaftlern und Ärzten. Ziel der Cochrane Collaboration ist es, systematische Übersichtsarbeiten (systematic reviews) zur Bewertung von medizinischen Therapien zu erstellen, aktuell zu halten und zu verbreiten.

- In folgendem Satz hat sich offenbar im Text der „Medical Tribune“ ein Fehler eingeschlichen:

„Interaktionsstudien kamen nämlich zum Schluss, dass für einen Zeitraum von zwei Wochen keine Enzyminduktion festgestellt werden konnte – sofern die täglich aufgenommene Hypericinmenge unter 5 mg lag.“ Es müsste sich hier meinem Eindruck nach um Hyperforin handeln, weil nach gegenwärtigem Stand Hyperforin die Enzyminduktion auslöst. Im nächsten Fall wird zudem auf den Johanniskrauttee verwiesen, der praktisch hyperforinfrei sei.

- Die Erkenntnis, dass Wechselwirkungen bei hyperforinarmen Zubereitungen erst nach zwei Wochen auftreten, sollte meines Erachtens nicht zu Kurztherapien mit Johanniskraut verleiten, denn bis zum Eintreten der Wirkung dauert es, wenn man die Studien mit Johanniskraut-Extrkten erst nimmt, auch etwa 10 – 14 Tage.

- Hyperforin ist zwar nicht der einzige relevante Inhaltsstoff von Johanniskaut, scheint aber doch wichtig zu sein. Wenn Johanniskrauttee praktisch hyperforinfrei ist, dann fragt sich, ob dadurch die Wirkung schlechter, gleich gut oder gar besser ist als bei hyperforinreichen Extrakt-Präparaten. Leider gibt es kontrollierten Patientenstudien zum Thema Johanniskraut gegen Depressionen nur mit Johanniskraut-Extrakten, nicht aber mit Johanniskrauttee.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pflanzenheilkunde bei Frauenleiden…..

Dienstag, August 10th, 2010

Mit diesem Thema befasst sich die Boulevardzeitung „Krone“. Ein Beispiel für „Halbfalschheiten“ bzw. „Halbrichtigkeiten“, wie sie bei Medienberichten über Heilpflanzen nicht selten anzutreffen sind.

Die „Krone“ titelt: „Frauenleiden und die Pflanzen, die dagegen helfen“.

Und sie fährt fort:

„ Als Frau empfindet man die Einnahme von Medikamenten bei vielen Leiden oft als Belastung und macht sich Gedanken über die viele Chemie, die man einnimmt. Über pflanzliche Alternativen wissen wir leider oft nur ungenau oder nicht Bescheid und würden uns wünschen, einen Arzt zu haben, der darüber aufklärt und möglicherweise neben Medikamenten auch eine sanfte Therapie anbietet.“

Soweit einverstanden. Dann folgt ein Ausrutscher:

„ Sei es das Johanniskraut bei Depressionen oder Bärentraubenblätter bei einer Blasenentzündung – für jede Erkrankung kennen Forscher das passende Heilmittelchen.“

Die Angaben zum Johanniskraut und zur Bärentraube stimmen, aber dass die Forscher für jede Erkrankung das passende Heilmittelchen kennen, ist eine oft gehörte Übertreibung, die auch mit unzähligen Wiederholungen  nicht wahrer wird. Das wäre allzu schön, um wahr zu sein. Und es wäre seriöser, auf solche Aufplusterungen zu verzichten.

Dann präsentiert die „Krone“ „ein paar typische Frauenleiden und Pflanzen, die dagegen helfen“.

Ich kommentiere die Empfehlungen nachstehend:

- Blasenentzündung
Bärentraubenblätter als Tee oder Fertigarzneimittel
Johanniskraut als Tee, Tinktur oder Fertigarzneimittel“

Kommentar: Bärentraubenblätter sind bei akuter Blasenentzündung wirksam, für Johanniskraut allerdings fehlt jeder Beleg für eine Wirksamkeit bei Blasenentzündung. In der Phytotherapie-Fachliteratur taucht der Anwendungsbereich „Blasenentzündung“ beim Johanniskraut nicht auf. Das schliesst eine Wirksamkeit nicht aus, doch müssten solche aus dem Rahmen fallenden Empfehlungen detailliert begründet werden.

- Brustschmerzen
Mönchspfeffer als Fertigarznei in Tropfen oder Tablettenform
Wolfstrappkraut als Fertigarznei in Tropfen oder Tablettenform.“

Kommentar: „Brustschmerzen“ ist als Indikation viel zu ungenau. Darunter könnte man zum Beispiel auch Angina pectoris verstehen. Im Zusammenhang mit dem Mönchspfeffer geht es um Brustspannen bei Prämenstruellem Syndrom (PMS). In diesem Bereich ist Mönchspfeffer als wirksame Heilpflanze anerkannt.

Dem Wolfstrappkraut hat die Kommission E als Indikation Mastodynie zugestanden, also schmerzhafte und geschwollene Brüste. Überzeugende Studien dazu fehlen allerdings. Da Wolfstrappkraut die Aktivität der Schilddrüse  beeinflusst, ist seine Anwendung zudem nicht ganz unproblematisch.

- Depression
Johanniskraut als Fertigarznei“

Kommentar: Korrekt. Leichte und mittelschwere Depressionen wäre genauer.

- Harnwegsinfekt
Sägepalme als Fertigarznei in Tropfen oder Kapseln“

Kommentar: Unsinnig. Die Wirksamkeit gewissen Extrakte aus der Sägepalme ist gut dokumentiert bei gutartiger Prostatavergrösserung der älteren Männer. Allenfalls könnte die Sägepalme auch Beschwerden bei Reizblase der Frau lindern, doch ist dies nicht gesichert. Für eine Wirksamkeit bei Harnwegsinfekten gibt es in der Phytotherapie-Fachliteratur meines Wissens keine Hinweise. Die Begriffe „Harnwegsinfekt“ und „Blasenentzündung“ überschneiden sich zudem, was eher verwirrlich ist.

- Klimakterische Beschwerden
Traubensilberkerze als Fertigarznei in Tropfen oder Tablettenform“

Kommentar: Okay, allerdings nicht im Frühklimakterium, sondern spezifisch bei Wallungen.

- Prämenstruelles Syndrom
Mönchspfeffer als Fertigarznei in Tropfen oder Tablettenform
Johanniskraut als Fertigarznei“

Kommentar: Ja, Mönchspfeffer bei Prämentruellem Syndrom, vor allem wenn verbunden mit Brustspannen (Mastodynie). Überschneidung mit Punkt „Brustschmerzen“. Johanniskraut nur bei Prämenstruellem Syndrom Typ D, also mit depressiver Symptomatik.

- Schlafstörungen
Passionsblume als Tee, Fertigarznei oder alkoholische Lösung“

Kommentar: Okay, mindestens so wirksam wären allerdings Kombinationen von Baldrian mit Hopfen.

- „Schmerzhafte Regelblutung
Gänsefingerkraut als Tee“

Kommentar: Gänsefingerkraut bei Menstruationsbeschwerden (Dysmenorrhoe) ist schlecht dokumentiert, kann Frau aber gut probieren.

- Zyklusstörungen
Mönchspfeffer als Fertigarznei“

Kommentar: Zyklusstörungen als Indikation ist zu ungenau. Präziser wäre: Zyklusstörungen infolge Gelbkörperinsuffizienz.

Abschliessend: Ein unsorgfältiger, wirrer, fehlerhafter Artikel, der wieder einmal zeigt, wie wenig die Qualitätssicherung in diesem Bereich der Medien greift. Den Konsumentinnen und Konsumenten kann man nur raten, nicht einfach zu glauben, was auf Papier gedruckt oder im Internet veröffentlicht wird, sondern sich selber schlau zu machen.

Phytotherapie hat im Bereich Gynäkologie einiges zu bieten. Präzise Infos dazu zum Beispiel im Heilpflanzen-Seminar oder im Phytotherapie-Lehrgang.

Quellenangabe zum Krone-Artikel:

http://www.krone.at/Gesund-Fit/Frauenleiden_und_die_Pflanzen._die_dagegen_helfen-Kraeutermedizin-Story-212575, medical press (tönt doch seriös, oder?)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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[Buchtipp] Blütenpflanzen und ihre Gäste, Band 2, von Helmut Hintermeier

Donnerstag, August 5th, 2010

Verlagsbeschreibung

Neben Gartenblumen von hohem Zierwert werden häufige und verbreitete Wildpflanzen und Obstgewächse vorgestellt. Die Pflanzenporträts enthalten auch Informationen über die Bedeutung der jeweiligen Pflanze in der Volksmedizin, in Brauchtum, Aberglaube und Mythologie. Zum Shop

Kommentar:

Blütenpflanzen und ihre Gäste, Teil 2

Teil 2 stellt weitere 51 Pflanzen mit ihren Beziehungen zur Tierwelt vor. Von den Heilpflanzen werden beschrieben Weissdorn, Wegerich, Schafgarbe, Wegwarte, Johanniskraut, Weidenröschen, Baldrian, Fingerhut, Brennessel, Faulbaum, Efeu und Eiche.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde, Leiter von Heilpflanzen- und Naturkursen

Grosse Qualitätsunterschiede bei Heilpflanzen-Präparaten

Sonntag, August 1st, 2010

Die Zeitschrift „Viamedici“ spricht ein wichtiges Thema an: Die Qualitätsunterschiede bei Heilpflanzen-Präparaten:

„ Johanniskraut gegen Depressionen, Mistel bei Krebs, Weißdorn bei Herzinsuffizienz … – so oder ähnlich lauten die Headlines in naturheilkundlichen Ärztezeitschriften. “Gesundheitssendungen” im Fernsehen schüren das Interesse der Patienten und erwecken oft ungerechtfertigte Hoffnungen. Gerade im Bereich der Phytotherapie die Spreu vom Weizen trennen zu können, ist keine leichte Aufgabe für Ärztin oder Arzt. Es gibt durchaus Phytotherapeutika, deren klinische Wirksamkeit und Unbedenklichkeit weitgehend nach schulmedizinischen Kriterien nachgewiesen sind. Ein Problem bei der Bewertung von Pflanzenpräparaten ist jedoch die Standardisierung. Denn die Pflanzenextrakte sind Vielstoffgemische, die von Präparat zu Präparat variieren – je nach Zusammensetzung, Konzentration und Extraktionsverfahren. Johanniskrautpräparat ist also nicht gleich Johanniskrautpräparat. Auf einen standardisierten Extrakt, eine klare Deklaration der Inhaltsstoffe und eine exakte Dosierung kommt es an.“

Quelle:

http://www.thieme.de/viamedici/medizin/alternativ/phytotherapie1.html#anker2

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Hinweis ist für die Phytotherapie sehr wesentlich. Genau genommen kann man also nicht sagen:

Johanniskraut wirkt gegen Depressionen

Weissdorn lindert Herzschwäche

Echinacea steigert die Aktivität des Immunsystems

Mariendistel schützt die Leber

Etc…….

Man müsste sagen: Weissdorn in dieser bestimmten Form (Tinktur, Extrakt, Tee), dieser bestimmten Konzentration und Dosierung, verbessert die Arbeit des Herzmuskels.

Das heisst: Es geht in der Phytotherapie nicht nur darum zu lernen, welche Heilpflanze gegen welches Leiden wirksam ist. Wir müssen (oder dürfen) uns auch sehr genau damit auseinandersetzen, in welcher Form die entsprechende Heilpflanze optimal zur Anwendung kommen soll. Die Wichtigkeit dieser Frage ist aber vielen Leuten nicht klar. Daher werden auch zahlreiche Heilpflanzen-Präparate entwickelt, verkauft und konsumiert, die in ihrer Wirksamkeit sehr fraglich sind.

Falls Sie lernen wollen, wie sich die Spreu vom Weizen unterscheiden lässt, empfehle ich meine Lehrgänge „Heilpflanzen-Seminar“ oder „Integrative Phytotherapie“.

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Johanniskraut & Sonnenlicht

Montag, Juli 26th, 2010

Das photosensibilisierende Potenzial von Johanniskraut (Hypericum perforatum) werde dramatisch überschätzt, schreibt die Firma Steigerwald in einer Pressemitteilung.

Nur bei wiederholter Einnahme sehr hoher Hypericum-Extrakt-Konzentrationen, wie sie beispielsweise in der antiviralen Therapie von HIV-Patienten zum Einsatz kommen, könnte mit einer gesteigerten Lichtempfindlichkeit der Haut, also einer Photosensibilisierung, zu rechnen sein. Dieser spezifische Indikationsbereich benötigt allerdings ein Mehrfaches der für Johanniskraut zugelassenen Tagesdosis, nämlich mindestens 2000 mg. Die für die Therapie von Depressionen behandlungsrelevanten Dosierungen seien hingegen in aller Regel viel zu tief, um eine phototoxische ­Reaktion hervorrufen zu können.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=34095&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Text basiert zwar auf einer Pressemitteilung von Steigerwald, einem Hersteller von Heilpflanzen-Präparaten auf der Basis von Johanniskraut-Extrakt. Es gibt aber schon seit einiger Zeit Hinweise aus anderen Quellen, wonach die Photosensibilisierung durch Johanniskraut-Extrakte nicht so stark ist, wie dies oft dargestellt wird.

Klar ist aber, dass sinnvollerweise während einer Johanniskraut-Behandlung intensive Sonnenbestrahlung vermieden werden sollten – das ist sowieso empfehlenswert auch ohne Johanniskraut-Einnahme.

Der Hinweis im Text auf eine antivirale Therapie bei HIV-Patienten mit Hypericum-Extrakt ist meines Erachtens fragwürdig, weil er falsche Hoffnungen machen kann.

Setzt man HIV-verseuchten Blutkonserven den Johanniskraut-Wirkstoff Hypericin zu und setzt man diese anschliessend einer kurzen Lichtbestrahlung aus, so werden die HIV-viren inaktiviert. Was im Labor prompt funktioniert, lässt sich aber nicht so einfach auf HIV-Patienten übertragen. Bereits 1999 wurde eine erste klinische Studie publiziert, in welcher sich unter Hypericin-Therapie die Viruslast bei HIV-Patienten nicht reduzierte, hingegen kam es bei den meisten teilnehmenden Personen zu schweren phototoxischen Reaktionen.

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Phytotherapie: Neueste Erkenntnisse zum Johanniskraut

Mittwoch, Juni 16th, 2010

Mit weit mehr als drei Millionen verkaufter Packungen pro Jahr nimmt Deutschland in Sachen Johanniskraut den europäischen Spitzenplatz ein.

Die Wirksamkeit von Johanniskraut (Hypericum perforatum) gegen depressive Erkrankungen ist inzwischen so ziemlich über jeden Zweifel erhaben. Dieser Effekt wurde in pharmakologischen Modellen nachgewiesen und durch umfangreiche klinische Studien bestätigt. Neben diesem primären Anwendungsbereich gibt es noch weitere Indikationen wie psychovegetative Symptome, Angst, nervöse Unruhe oder somatoforme Beschwerden (z.B. Müdigkeit und Erschöpfung), die allerdings weniger gut belegt sind, wie Privatdozent Dr. Klaus Linde vom Zentrum für naturheilkundliche Forschung der TU München in der Zeitschrift „Forschende Komplementärmedizin“ erläutert.

Der antidepressive Wirkmechanismus des Phytopharmakons ist noch immer nicht im Detail geklärt. Die meisten synthetischen Antidepressiva wirken über eine Hemmung der Wiederaufnahme von Monoaminen (Noradrenalin, Serotonin, Dopamin) oder über die Hemmung des Enzyms Monoaminooxidase. Letzteres wurde zunächst auch als Wirkprinzip von Johanniskraut vermutet. Heute gibt es aber wissenschaftliche Belege dafür, dass bestimmte Johanniskraut-Inhaltsstoffe als potente Wiederaufnahmehemmer der Monoamine fungieren.

Die klinische Wirksamkeit von Johanniskraut-Präparaten zu prüfen, stellt allerdings keine leichte Aufgabe dar. Bei einer Durchforstung der Roten Liste (Arzneimittelverzeichnis für Deutschland) im Jahr 2006 fand Klaus Linde 40 Präparationen von 28 verschiedenen Firmen unter der Indikation „Antidepressiva“. Nicht nur die Zusammensetzung der Mittel (zumeist Trockenextrakte) war unterschiedlich, sondern auch die angegebenen Dosierungen. Sie reichten von 80 bis 1700 mg Johanniskraut-Extrakt pro Tag. Hinzu kamen 60 Johanniskraut-Präparate, die außerhalb von Apotheken verkauft werden. Bei ihnen liegen Konzentrationen und Tagesdosen häufig weit unter dem, was für eine relevante antidepressive Wirkung nötig wäre, so der Mediziner.
Wie steht es nun mit den wissenschaftlichen Belegen  betreffend Johanniskraut?

Insgesamt 50 kontrollierte Studien wurden publiziert zu Hypericum (Johanniskraut) in der Therapie depressiver Störungen. Frühe Untersuchungen (bis Mitte der Neunzigerjahre) verglichen den Effekt meist mit Placebo (Scheinarzneimittel), seltener mit trizyklischen Antidepressiva. Zudem waren neben Patienten mit klassischer Depression auch solche mit Anpassungsstörung, akuter Stressreaktion oder neurotischen Störungen in die Studien eingeschlossen. Damit verlieren diese zwar an Aussagekraft, bilden jedoch wahrscheinlich den „typischen Johanniskraut-Patienten im klinischen Alltag“ realistischer ab.

Zusammengefasst belegen die heute verfügbaren Daten: Johanniskraut wirkt bei leichten bis mittelschweren Depressionen deutlich besser als Placebo und ähnlich gut wie Standard-Antidepressiva – bei besserer Verträglichkeit.

Interessant dabei ist, dass die Vielzahl der Studien aus Deutschland zu eindeutig besseren Resultaten kommt als Untersuchungen aus anderen Ländern. Dies mag daran liegen, dass die deutschen Studien meist in Hausarztpraxen durchgeführt wurden (in anderen Ländern öfters in psychiatrischen Zentren) und hier der Effekt womöglich etwas überschätzt wurde, mutmasst Klaus Linde.

Die meisten Studien widmen sich der Akutbehandlung depressiver Störungen (6 – 12 Wochen). Es mangelt an Daten zum Einsatz bei Kindern und Jugendlichen, wenn auch Johanniskraut gerne bei milder bis moderater Depression im jugendlichen Alter (> 12 Jahre) angewendet wird.

Quelle:

MTD, Ausgabe 8 / 2010 S.20,

http://www.medical-tribune.de/patienten/ magazin/25976/

Originalpublikation:

Klaus Linde, Forschende Komplementärmedizin 2009; online first

Kommentar & Ergänzung:

Der Text weißt sehr zu Recht auf die unterschiedliche Qualität der im Handel erhältlichen Johanniskraut-Präparate hin. Diese grossen Qualitätsunterschiede finden sich generell bei Heilpflanzen-Präparaten und anderen Produkten aus dem Bereich Naturheilkunde / Komplementärmedizin.

Wenn Sie sich mehr Kompetenz erwerben wollen um die Qualität solcher Heilmittel zu beurteilen, dann bekommen Sie Grundlagen dazu in meinen Phytotherapie-Lehrgängen oder im Heilpflanzen-Seminar.

Infos:

Phytotherapie-Ausbildung für Personen aus medizinischen Grundberufen.

Heilpflanzen-Seminar für alle am Thema interessierten Personen.

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Beruhigungsmittel können Wirkung der Pille vermindern

Freitag, April 30th, 2010

Werden neben der Anti-Baby-Pille weitere Medikamente eingenommen, kann es durch Wechselwirkungen (Interaktionen) zu einem verminderten Empfängnisschutz kommen. „Die Wirksamkeit hormoneller Verhütungsmittel kann durch verschiedene pharmakologische Substanzen herabgesetzt werden, weil sie einen gesteigerten Abbau der Wirkstoffe hervorrufen können. Dazu zählen beispielsweise Tranquilizer, Neuroleptika, Hypnotika oder Sedativa. Daher sollten Frauen, die regelmäßig oder auch kurzfristig andere Arzneien einnehmen, sich zu möglichen Wechselwirkungen unbedingt von ihrem Arzt beraten lassen”, rät Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF).

Wechselwirkungen sind dann nicht nur bei der Anti-Baby-Pille möglich, sondern generell bei hormonellen Verhütungsmitteln wie dem Hormonpflaster, Hormonimplantaten oder dem Hormonring zu erwarten. Während der gleichzeitigen Einnahme dieser Medikamente ist es deshalb sinnvoll, zusätzlich mit Kondomen zu verhüten, wenn ein sicherer Empfängnisschutz gewünscht wird.

Unter den Arzneimitteln, welche die Wirkung von Empfängnisverhütungsmitteln vermindern, sind auch Anti-Epileptika wie zum Beispiel Phenytoin oder Topiramat. Zahlreiche ungewollte Schwangerschaften sind auch auf die gleichzeitige Anwendung von Antibiotika wie Penicillinen, Tetracyclinen sowie Cephalosporinen und Chloramphenicol zurückzuführen. „Während einer Antibiotika-Therapie sind daher ebenso mechanische Verhütungsmethoden in der Zeit der Einnahme sowie bis zu 14 Tage danach zu empfehlen”, erklärt der niedergelassene Gynäkologe aus Hannover.

Auch Johanniskraut kann die Empfängnisverhütung durch Hormone vermindern – allerdings nur, wenn es sich um konzentrierte Johanniskraut-Präparate handelt. Teezubereitungen aus Johanniskraut beeinträchtigen den Schutz der Pille nicht. „Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Verhütung können Zwischen- und Abbruchblutungen sein”, sagt Dr. Albring. Solche Zyklusunregelmäßigkeiten sollten dann mit dem Frauenarzt oder der Frauenärztin besprochen werden.

Quelle:
http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_news_652_1_837.html

Kommentar & Ergänzung:

Das Thema „Johanniskraut & Pille“ ist seit Jahren in der Diskussion. Interessant am vorliegenden Text ist meines Erachtens, dass er klar macht, dass solche Wechselwirkungen bei vielen anderen Medikamenten auftreten können.
Schön zu hören. Manchmal entstand in den letzten Jahren nämlich schon ein wenig der Eindruck, dass solche Effekte nur vom Johanniskraut zu befürchten sind.

Ich will damit aber nicht das Thema „Johanniskraut & Pille“ unter den Tisch wischen, auch wenn verschiedene Untersuchungen darauf hindeuten, dass diese Wechselwirkungen vielleicht nicht so stark sind, wie es manchmal dargestellt wird.

Siehe:
Johanniskraut und Pille: Warnungen gerechtfertigt?
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/07/04/johanniskraut-und-anti-baby-pille-warnungen-gerechtfertigt.html

Trotzdem: Vor einer allfälligen Einnahmen von Johanniskraut-Präparaten zusammen mit der Anti-Baby-Pille sollte der Gynäkologe bzw. die Gynäkologin konsultiert werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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ZDF-Doku: Was ist Phytotherapie?

Donnerstag, März 18th, 2010

Phytotherapie wird von vielen Leuten immer noch verwechselt und in einen Topf geschmissen mit Homöopathie, Bachblüten, Spagyrik oder ähnlichen Methoden.

Dabei unterscheiden sich die theoretischen Grundlagen, die Weltbilder und der Forschungsstand dieser Verfahren fundamental. Längst nicht alle Naturheilmittel aus Heilpflanzen zählen zur Phytotherapie.
Nur wer differenzieren kann ist auch in der Lage, eine fundierte Wahl zu treffen.

Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) brachte am 20. September 2009 unter “Doku Gesundheitsthemen” einen Bericht über die moderne Phytotherapie.
Als Expertin Auskunft gibt Prof. Karin Kraft vom Lehrstuhl für Naturheilkunde in Rostock, eine ausgewiesene Kennerin der Phytotherapie.

Die Sendung ist in sechs Teilen auf youtube veröffentlicht worden.
Hier die Links und eine kurze Beschreibung des Inhalts.

Moderne Phytotherapie Teil 1:
www.youtube.com/watch

Beinwell (Wallwurz) bei Verstauchungen, Knochenbrüchen, Gelenkerkrankungen,
Prellungen, Zerrungen.
Johanniskraut als wirksames Antidepressivum.
Heilpflanzen-Anbau (Johanniskraut, Brennessel).
Herstellung von Heilpflanzen-Präparaten.

Moderne Phytotherapie Teil 2:
www.youtube.com/watch

Anbau von Sonnenhut (Echinacea).
Weissdorn bei Herzbeschwerden und Herzschwäche.
Weissdorn-Versuchsplantage.

Moderne Phytotherapie Teil 3:
www.youtube.com/watch

Weissdorn-Versuchsplantage.
Weissdorn bei leichten Formen der Herzinsuffizienz und leichten Formen von Herzrhythmusstörungen.
Interview mit Dr. Axel Bolland, Arzt für Balneologie und Naturheilkunde.
Wert des Sammelns von Heilpflanzen.
Wiesengeissbart (Mädesüss), Holunder.

Moderne Phytotherapie Teil 4:
www.youtube.com/watch

Holunder gegen Erkältungskrankheiten und Fieber.
Kamille zur Wundheilung, gegen Magen-Darm-Beschwerden.
Brombeerblätter gegen leichte Durchfälle, Entzündungen im Mund.
Zitate aus den Schriften Hildegard von Bingen‘s.
Johanniskraut-Analyse.

Moderne Phytotherapie Teil 5:
www.youtube.com/watch

Johanniskraut-Analyse.
Johanniskraut bei schwerer bis mittelschwerer Depression gut belegt nach Aussage von Prof. Karin Kraft.
Kamillenblüten (Anbau).
Ginkgo-Anbau, Heilpflanzen-Forschung.
Löwenzahn.

Moderne Phytotherapie 6
www.youtube.com/watch

Heilpflanzen-Forschung, Lavendelöl, Heilpflanzen-Sammeln,
Kamillen-Dampfinhalation,
Baldrian, Melisse, Hopfen für Beruhigungsbad.
Zwiebel bei Insektenstichen.
Pflanzenmedizin fördert Verlangsamung, Zuwendung, Achtsamkeit.

Kommentar & Ergänzung:

Für Phytotherapie-Fachleute bietet die Sendung wohl kaum neue Erkenntnisse.

Für Laien gibt sie aber einen guten Einblick in die verschiedensten Bereiche der Phytotherapie. Der Heilpflanzen-Anbau, die Heilpflanzen-Forschung, die Produktion von Arzneimitteln aus Heilpflanzen und verschiedene Anwendungsbereiche werden vorgestellt.

Darüber hinaus zeigt der Film aber auch, dass die Auseinandersetzung mit der Pflanzenheilkunde die Beziehung zur Natur stärken und die Eigenkompetenz der Menschen fördern kann. Diese wichtigen Vorzüge sollten meiner Ansicht nach erhalten und gepflegt werden. Falls Sie Heilpflanzen auf Exkursionen kennenlernen oder ihr Wissen über die Heilkräfte der Pflanzen vertiefen wollen, dann schauen Sie doch einmal in meinen Kurskalender:
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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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ADHS-Infoportal geht online

Dienstag, März 2nd, 2010

Wissenschaftler der Uniklinik Köln entwickeln www.adhs.info für das Bundesministerium für Gesundheit. Hier die Infos dazu und anschliessend Ergänzungen zum Thema Phytotherapie & ADHS.

Heute wurde das neue ADHS Infoportal online geschaltet. Das Portal bietet Informationen, welche auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten sind: betroffene Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie Bezugspersonen und Pädagogen. Die neue Informationsseite wurde durch das “zentrale adhs-netz” unter Federführung von Professor Döpfner aus der Kölner Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie aufgebaut.

Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und / oder Impulsivität sind bei Kindern oft zu erleben. Nur wenn alle drei Auffälligkeiten über längere Zeit stark ausgeprägt zusammen auftreten, kann das als psychische Störung unter dem Begriff der Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, diagnostiziert werden. Rund um ADHS gibt es seit einigen Jahren eine intensive gesellschaftliche Debatte. Nach wie vor fehlen aber Hilfen für Betroffene und ihre Bezugspersonen. Diese Lücke will die neue Informations-Seite http://www.adhs.info schließen.

Als erster von fünf Bereichen ist nun der Bereich für Eltern und Bezugspersonen von betroffenen Kindern und Jugendlichen abrufbar. Schritt für Schritt wird im Laufe des Jahres 2010 die Freischaltung der anderen Bereiche für Pädagogen, betroffene Kinder, betroffene Jugendliche und betroffene Erwachsene erfolgen. Die Aufklärung über alle Aspekte von ADHS ist ein wichtiges Anliegen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) und Bestandteil der Strategie der Bundesregierung zur Förderung der Kindergesundheit.

Die Informationen auf der ADHS-Seite orientieren sich streng an empirischer Evidenz. Das bedeutet, sie basieren auf wissenschaftlichen Studien und Leitlinien von Fachgesellschaften und Expertengruppen. Durch eine zielgruppenspezifische Informationsaufbereitung soll damit eine einfach nutzbare, verlässliche und unabhängige Informationsbasis zum Störungsbild der ADHS für Betroffene und ihre Bezugspersonen geboten werden.

Hintergrund-Info zu ADHS:

Fast jedes Kind durchlebt im Laufe seiner Entwicklung Phasen erhöhter Ablenkbarkeit, hoher Aktivität und auch Zeiten heftiger Impulsivität. Erst ab einem bestimmten Grad der Auffälligkeit ist von einer Störung die Rede. In dieser Hinsicht unterscheidet sich ADHS nicht von anderen psychischen Störungen (bspw. Depression) oder körperlichen Erkrankungen (bspw. Bluthochdruck), welche ebenfalls mehr oder weniger stark ausgeprägt sein können. Menschen mit einer starken Ausprägung der Kernsymptome Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität, erfahren dadurch bedeutende Einschränkungen in ihrem Alltag.

Die Anzahl der von ADHS betroffenen Kinder und Jugendlichen in Deutschland variiert in Studien zwischen zwei und etwa sechs Prozent. Insgesamt kann man aber repräsentativen Studien zufolge davon ausgehen, dass etwa 500 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland von ADHS betroffen sind. Knaben sind dabei gegenüber Mädchen insgesamt zwei bis viermal häufiger betroffen.

In der Öffentlichkeit wird das Thema ADHS auch heute noch sehr kontrovers diskutiert, was bei Betroffenen, ihren Eltern, Partnern oder anderen Angehörigen und Betreuern oft Verunsicherungen auslöst. Das “zentrale adhs-netz” als bundesweites Netzwerk zur Verbesserung der Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit ADHS hat es sich zum Ziel gesetzt, Unterstützung für ein umfassendes Gesundheitsmanagement für Menschen mit ADHS anzubieten.

Die interdisziplinäre Leitungsgruppe des “zentralen adhs-netzes” setzt sich zusammen aus:

– Prof. Dr. Manfred Döpfner, Leiter des Netzes; Diplom-Psychologe, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut und Psychologischer Psychotherapeut, Uniklinik Köln
– Prof. Dr. Dr. Tobias Banaschewski, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim
– Dr. Johanna Krause, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychoanalyse, Fachärztin für Neurologie, Ottobrunn und
– Dr. Klaus Skrodzki, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderkardiologe, Forchheim.

Quelle:
http://idw-online.de

Kommentar & Ergänzung:

In der Öffentlichkeit am umstrittensten beim Thema ADHS ist die Therapie mit Ritalin. Dieser Punkt polarisiert sehr stark. In diesem wie auch in vielen anderen Bereichen scheint es mir wichtig, fundamentalistische Positionen zu vermeiden. Es kann nicht sinnvoll sein, Ritalin “grossflächig” einzusetzen. Genauso fragwürdig ist aber auch die Verteufelung von Ritalin mit der Forderung “Ritalin nie!”.

Anstelle von einseitigem Schwarz-Weiss-Denken geht es meines Erachtens darum, für jede Situation die bestmögliche Option zu finden. Das kann in manchen Fällen auch Ritalin sein, doch muss der Sinn und Zweck einer solchen Behandlung sehr sorgfältig geklärt werden.
Aus den Bereichen Naturheilkunde bzw. Komplementärmedizin gibt es zur ADHS-Behandlung zwar viele Ideen, aber leider kaum Belege für eine überzeugende Wirkung.
Hier ein paar Stichworte zum Thema Phytotherapie / Pflanzenheilkunde & ADHS:

- Hopfen und ADHS

Die Zeitschrift für Phytotherapie (4/2009) berichtet von einer Einzelfallbeobachtung:
“Psychostimulantien und Clonidin sowie – als zweite Wahl – Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer und SSRI sind effektiv in der Behandlung der ADHS. Aber auch Phytotherapeutika wie Kamille, Hopfen, Baldrian oder gar Ginkgo scheinen in der Behandlung dieser Störung wirksam zu sein. Aus diesem Grund wurde der Effekt von Hopfen bei ADHS untersucht.”

Zur Methode:

“Wir verabreichten dem 14-jährigen Patienten nach einer Auswaschphase für 4 Wochen pulverisierte Hopfenzapfen als Kapseln in der Dosierung von 2 × 150 mg (Fertigpräparat; BioNaturis, Schweiz) und nach einer 4-wöchigen Pause für weitere 4 Wochen Placebo. Der Patient und die Beurteiler waren nicht über die Verum/Placebo-Phase informiert. Der Patient…litt seit 11 Jahren an ADHS. Methylphenidat, das er über 14 Monate eingenommen hatte, brachte eine deutliche Besserung. Diese Medikation wurde 4 Wochen vor der Beobachtungsphase abgesetzt.”

Die Evaluation der Symptome wurde mittels klinischem Interview und einer Rating Scala durchgeführt.

Zu den Resultaten:

“Bezüglich Unaufmerksamkeit konnten wir eine Verbesserung von 24 auf 13 Punkte, bezüglich Hyperaktivität eine von 21 auf 16, und zusammen eine von 45 auf 29 beobachten. In der darauffolgenden 4-wöchigenmedikationsfreien Zeit stiegen der Hyperaktivitätswert wieder auf 22, der Aufmerksamkeitsstörungswert auf 20 und der Summenscore auf 42 an. Das anschließend für ebenfalls 4 Wochen verabreichte Placebo brachte Werte von 21/20/41.”

Der Autor kommt zum Schluss:

“Obwohl die Generalisierung einer Einzelfallbeobachtung nicht möglich ist, so legt das Ergebnis unserer Beobachtung doch eine zumindest supportive Wirkung von Hopfen nahe….. Die Symptomreduktion ist deutlich geringer als die 50-60%ige mittels Psychostimulantien erreichbare, ähnelt aber der von Nicht-Psychostimulantien, wie z.B. Desipramin, einem trizyklischen Antidepressivum.”
Tatsächlich lassen sich aus einer Einzelbeobachtung keine fundierten Schlüsse ziehen. Es scheint mir auch nahe liegend, dass während der ersten vier Wochen (Verum-Phase) der Placebo-Effekt stärker vorhanden war als in der später folgenden Placebo-Phase. Allein schon die Tatsache der Intervention erzeigt eine Erwartungshaltung, doch dürfte sich dieser Effekt beim zweiten Mal (Placebo-Phase) abschwächen.

- Johanniskraut & ADHS

Die Zeitschrift für Phytotherapie (6/2008) berichtete von einer randomisierten Doppelblindstudie mit Johanniskraut-Extrakt bei ADHS, allerdings mit negativem Ergebnis:

“Weder bei der ADHD-RS-IV-Skala noch bei der CGI ergaben sich signifikante Gruppenunterschiede zwischen Verum und Placebo innerhalb der 8-wöchigen Behandlungsperiode.”
I
m Kommentar weißt Prof. Dr. Volker Schulz allerdings auf problematische Aspekte der Studie hin:

“Die Autoren weisen bei der Diskussion ihrer Ergebnisse selbst darauf hin, das die Wahl des Prüfpräparates möglicherweise limitierend für die Studie gewesen sein könnte. Offenbar erfolgte erst nachträglich eine chemische Analyse. Diese ergab, dass der verwendete Johanniskraut-Extrakt zum Zeitpunkt der Beendigung der Studie nicht die vom Hersteller deklarierten 0,3%, sondern nur noch 0,13% Hypericin enthielt. Der gleichzeitig gemessene Gehalt an Hyperforin betrug nur 0,14% und damit weniger als ein Zehntel dessen, was bei der Mehrzahl derjenigen Extrakte enthalten war, die in kontrollierten Studien zur antidepressiven Wirksamkeit verwendet worden waren.”

Und er fügt eine grundsätzliche Anmerkung bei:

“Ungeachtet dieses Mangels bei der Extrakt-Wahl stellt sich die Frage, ob – gemessen an den klinische Erfahrungen bei der antidepressiven Therapie – das ADHS besonders geeignet für eine Therapiestudie mit Johanniskraut-Extrakt als Monotherapie war. Der mutmaßliche Wirkmechanismus im Sinne einer Steigerung der Dopaminkonzentration im Bereich zentraler Synapsen beruht auch bei Antidepressiva nur auf vorklinischen Untersuchungen, mehrheitlich solchen in vitro. Nach klinischen Erfahrungen werden jedoch die Johanniskraut-Extrakte eher den »aktivierenden« und nicht den (beim ADHS sicherlich günstigeren) sedierenden Antidepressiva zugeordnet. Vor diesem Hintergrund wäre das Ergebnis der Studie selbst bei besserer Wahl des Extrakts weniger überraschend gewesen. Für zukünftige Studien mit Phytopharmaka beim ADHS sollten vielleicht besser Zubereitungen mit beruhigenden Drogen wie Lavendel oder Baldrian, ggf. in Kombination mit Johanniskraut, verwendet werden.”

- Ginkgo biloba und ADHS

Wikipedia dazu:

“Bei ADHS scheint Ginkgo biloba jedoch dann eine Wirkung zu besitzen, wenn es mit Ginseng kombiniert wird.
Kinder im Alter von 3-17 Jahren, die an Aufmerksamkeits-Defizit-und-Hyperaktivititäts-Syndrom (ADHS) litten, wurden in der Pilotstudie von Lyon et al. nach vierwöchiger Behandlungsdauer durchaus erfolgreich behandelt. Sie hatten amerikanischen Ginseng (Panax quinquefolium) in einer Dosierung von 200 mg pro Kapsel + 50 mg Gingko biloba zweimal täglich auf nüchternen Magen eingenommen. Fünf der 36 Kinder zeigten leichte Nebenwirkungen, wobei zwei Fälle direkt auf die Ginsengmedikation zurückgeführt werden konnten.
Ein analoges Produkt war bereits ein Jahr früher von Wesnes et al. in einem randomisierten Doppelblindversuch an 256 gesunden Freiwilligen ausprobiert worden. Anhand eines Beurteilungsschemas (Index of Memory Quality) stellte sich eine Verbesserung der Gedächtnisleistung nach 12wöchiger Einnahme heraus.”

Ausserdem gibt es eine Studie von H. Frei (Phytotherapie 1/2002), in welcher Ginkgo an 50 ADHS-Kindern geprüft wurde. 28 der 50 Kinder (56%) sprachen gut auf Ginkgo biloba an. Dabei war die Resonderrate allerdings ungünstiger als bei Ritalin und die Wirkung insgesamt schwächer, insbesondere bezüglich Unruhe und Konzentration. Es fehlt hier der Vergleich mit einer Placebo-Gruppe.

Vor kurzem wurde ich an einem Vortrag gefragt, warum ich die Wirkung von Phytotherapie bzw. Naturheilkunde bei ADHS so kritisch einschätze.
Ganz einfach: Ich sehe meine Aufgabe nicht in der “Heilkräuter-Propaganda”. Ich bin kein “Kräuterpfarrer” mit missionarischen Ambitionen, der in allen Fällen immer Heilpflanzen “verkaufen” will. Wer sich nämlich so stark mit einem Bereich überidentifiziert, verliert tatsächlich jede kritische Distanz.

Meine Aufgabe sehe ich eher in der fundierten, differenzierten Beratung. Dazu gehört selbstverständlich auch die Berücksichtigung von Grenzen und Schwächen der Heilpflanzenkunde sowie die Darstellung anderer Optionen. Die Stärken der Heilpflanzenkunde kommen dabei nicht zu kurz und auch nicht die Freude an den Heilpflanzen in der Natur.

Wer einen unkritisch-naiven Heilkräuter-Propagandisten sucht, ist bei mir aber wahrscheinlich an der falschen Adresse.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Tageslicht gegen Winterdepression

Donnerstag, Februar 11th, 2010

Regelmässige Spaziergänge helfen gegen Winterdepressionen. Denn Mangel an Tageslicht ist die wichtigste Ursache der saisonal abhängigen Depression (SAD), erläutert Gunther Carl vom Berufsverband Deutscher Neurologen & Psychiater in Krefeld. Als Alternative dazu kann eine Lichttherapie durchgeführt werden. Dabei setzen sich Patienten dreissig Minuten vor 10.000 Lux helle Lampen. Empfehlenswert sind zehn Sitzungen im Verlaufe von zwei Wochen. Nach etwa einer Woche sollte der Effekt spürbar sein.
Bei einer leichten Winterdepression genügt die Therapie mit Licht laut Gunther Carl. Schwere Fälle müssen dagegen häufig mit Medikamenten behandelt werden. Diese wirken jedoch in der Kombination mit Licht besser. Als Alternative zu Medikamenten können von einer Winterdepression Betroffene hoch dosiertes Johanniskraut einnehmen. Eine SAD unterscheidet sich grundlegend von einer üblichen Depression, hält Gunther Carl fest. SAD-Patienten haben beispielsweise keine Schlafstörungen und statt Appetitlosigkeit häufig Heißhunger auf Süßes.

Quelle: http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de

Kommentar & Ergänzung:
Für die Variante Spaziergang spricht, dass sie Licht mit Bewegung verbindet. Beides sind übrigens wichtige Elemente der Naturheilkunde.
Siehe dazu:
Naturheilkunde – was ist das?

Einen weiteren Beitrag zum Wert von Bewegung für die Gesundheit:
Bewegung stärkt psychische Gesundheit

Zum Thema Bewegung & (psychische) Gesundheit gibt es übrigens ein schönes Zitat von

Sören Kierkegaard:

“Ich laufe mir jeden Tag mein tägliches Wohlbefinden an und entlaufe so jeder Krankheit; ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen, und kenne keinen, der so schwer wäre, dass man ihn nicht beim Gehen loswürde. Ist man so am Gehen, so geht es schon.”

Sören Kierkegaard, dänischer Philosoph, 1813 – 1855

Unterschreiben kann ich natürlich den Hinweis auf Johanniskraut-Extrakte als Alternative zu synthetischen Antidepressiva bei Winterdepression. Und es braucht dazu wie erwähnt hoch dosierte Johanniskraut-Präparate.

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