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Öko-Test beurteilt Schleimlöser bei Husten: Heilpflanzen-Präparate top

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Öko-Test hat 24 frei verkäufliche Arzneimittel gegen Husten unter die Lupe genommen, davon 9 Hustenreizdämpfer und 15 Schleimlöser.

Die Fachleute halten nur für wenige Produkte eine lindernde Wirkung aus wissenschaftlicher Sicht hinreichend belegt. Darum schneidet die Mehrzahl der Hustenmittel im Test auch nur „ausreichend“ und schlechter ab.

Auffallend und erfreulich ist aber, dass bei den Schleimlösern Heilpflanzen-Präparate (Phytopharmaka) am besten abschneiden:

«Bei den Schleimlösern ist die Auswahl an sehr guten Produkten schon etwas größer: „Bronchipret TP, Filmtabletten“ (9,90 Euro/20 Stück), „GeloMyrtol Forte, Weichkapseln“ (10,19 Euro/20 Stück), „Soledum Kapseln Forte“ (9,90 Euro/20 Stück). Für die „Umckaloabo-Tropfen hat es immerhin noch für ein „gut“ gereicht (10,20 Euro/20 ml).»

Quelle:

https://www.n-tv.de/ratgeber/Diese-Mittel-helfen-bei-Husten-article20206388.html

Kommentar & Ergänzung:

Wir haben es hier mit ganz unterschiedlichen Phytopharmaka zu tun, die aber alle gut durch Studien in ihrer Wirksamkeit belegt sind.

– Bronchpret Filmtabletten enthalten Thymiankraut-Trockenextrakt und Primelwurzel-Trockenextrakt.

– GeloMyrtol Forte enthält ein ein Destillat aus einer Mischung von Eukalyptusöl, Süssorangenöl, Myrtenöl und Zitronenöl enthält. In der Schweiz gibt es dazu eine kassenzulässige Variante: GeloDurat (wird von der Grundversicherung bezahlt, wenn ärztlich verschrieben).

– Soledum Kapseln Forte besteht zu 100% aus Cineol, dem Hauptbestandteil von Eukalyptusöl. Dieses Präparat ist in Deutschland auf dem Markt, nicht jedoch in der Schweiz.

– Umckaloabo (flüssig) ist da einzige mit Studien belegte Präparat aus Kapland-Pelargonie. In der Schweiz gibt es dazu eine kassenzulässige Variante: Kaloabo (wird von der Grundversicherung bezahlt, wenn ärztlich verschrieben).

„Mangelhaft“ abgeschnitten haben synthetische Schleimlöser auf der Basis von ACC bzw. NAC (Acetylcystein) – nicht ganz unerwartet, weil ihre Wirksamkeit nur mangelhaft belegt ist.

Wikipedia schreibt zu ACC:

„Die Wirksamkeit hinsichtlich einer schleimverflüssigenden Wirkung von Acetylcystein ist für einfache Atemwegsinfekte nicht belegt. Die therapeutische Wirksamkeit bei Bronchitis ist umstritten, da die aus den 1980er Jahren stammenden Studien heutigen Ansprüchen an ein Studiendesign nicht standhalten. Dementsprechend gibt es nach der DEGAM-Leitlinie auch keine Empfehlung für ACC bei der Behandlung eines grippalen Infektes oder einer akuten Bronchitis, da in randomisierten doppelblinden placebokontrollierten Studien keine signifikanten Effekte auf Lungenfunktion, Bronchialschleim, systemische Oxygenierung und/oder Beatmungsnotwendigkeit nachgewiesen werden konnten. Der Einsatz von ACC als Schleimlöser wird aus medizinischer Sicht deshalb kritisch hinterfragt.“

Das ist bemerkenswert, weil ACC-Präparate sehr oft gegen Husten verkauft werden. Wikipedia führt als Präparate auf:

Monopräparate

ACC (D, A, CH), Acemuc (D), Acemucol (CH), Acetyst (D), Aeromuc (A), Dynamucil (CH), Ecomucyl (CH), Fluimucil (D, A, CH), Helvetussin (CH), Mucobene (A), Mucofluid (CH), Myxofat (D), NAC (D), Secresol (CH), Solmucol (CH), diverse Generika (D, CH)

Kombinationspräparate

Alvesin (D), Aminopäd (D), Aminoplasmal (D), Deltamin (D), Infesol (D), Nephrotec (D), Periplasmal (D, A), Pädamin (A), Rinofluimucil (CH), Salviamin (D), Solmucalm (CH)

 

Bei den Schleimlösern wird also den Phytopharmaka von „Öko-Test“ eine besser belegte Wirksamkeit attestiert als den synthetischen Präparaten. Diese Beurteilungen und Belege gelten allerdings nur für die entsprechenden Produkte und können nicht auf andere Heilpflanzen-Anwendungen übertragen werden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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Hausmittel: Rettichsirup gegen Husten

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Rettichsirup ist ein altbewährtes Hausmittel gegen Husten. Das Magazin „Focus“ hat dazu ein Rezept veröffentlicht:

„Von innen können Sie den Husten mit selbstgemachtem Hustensaft lindern. Ein Beispiel dafür ist der Rettich-Honig. Dafür schneiden Sie einen schwarzen Rettich der Länge nach auf, höhlen ihn mit einem Löffel aus und füllen beide Hälften mit Honig. Anschließend lassen sie es zwölf Stunden ziehen. Dabei entzieht der Honig dem Rettich Wasser und es entsteht ein Hustensaft. Davon können Sie drei Mal täglich einen Esslöffel zu sich nehmen. Den Rest bewahren Sie im Kühlschrank auf.“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/praxistipps/video/omas-hausapotheke-aerztin-verraet-die-drei-besten-mittel-gegen-husten-stehen-schon-in-ihrer-kueche_id_7910407.html

Kommentar & Ergänzung:

Wie genau die Wirkung von Rettichsirup zustande kommt, wurde nie genauer untersucht. Umfangreichere Forschungsarbeiten sind hier qauch nicht zu erwarten. Wer investiert schon in Studien für ein Hausmittel, das sich nicht patentieren lässt, und das jeder Mensch billig selber herstellen kann.

Mehr zum Rettichsirup hier:

Hausmittel: Rettichsirup gegen Husten

Bekannt ist immerhin, dass Rettich Senfölglykoside (= Glukosinolate) enthält, die auch charakteristische Inhaltsstoffe von Meerrettich und Kapuzinerkresse sind.

Senfölglykoside bzw. Senföle wirken antimikrobiell und möglicherweise auch schleimlösend bei Husten.

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside und welche Wirkung haben sie?

Bekannt ist zudem, dass Honig den Hustenreiz lindern kann. Das haben inzwischen auch Studien bestätigt.

Siehe dazu:

Honig gegen Husten wirksam

 

Obwohl Studien fehlen, gibt es also einige Argumente, die für eine Wirksamkeit des Rettichsirups sprechen. Und weil dieses Hausmittel zudem billig und leicht verfügbar ist, kann man eigentlich nur empfehlen, es bei der nächsten Gelegenheit auszuprobieren.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Quittensirup bei Schwangerschaftsübelkeit?

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Die Carstens-Stiftung beschreibt eine iranische Studie, wonach Quittensirup schwangerschaftsinduzierte Übelkeit besser reduziert als standardmäßig verabreichtes Vitamin B6. Das ist interessant, wirft aber auch einige Fragen auf.

Acht von zehn Schwangeren leiden an Übelkeit und Erbrechen und bei besonders stark ausgeprägtem Verlauf spricht man von Hyperemesis gravidarum. Der anhaltende Brechreiz kann mehrmals täglich zur Erbrechen und infolgedessen zu teils gravierendem Flüssigkeits- und Nährstoffverlust führen. Eine Anpassung der Ernährung, der Ausgleich des entstehenden Flüssigkeits- und Nährstoffmangels und die Behandlung der Symptome mittels medikamentöser Verfahren sowie eine Vitamin B6-Supplementierung (Pyridoxin) zählen zur Standardbehandlung der Hyperemesis gravidarum. Da vor allem in der frühen Schwangerschaftsphase wegen möglicher Komplikationen und Schädigungen des ungeborenen Kindes auf synthetische Arzneimittel möglichst verzichtet werden sollte, wird zunehmend auf pflanzliche Mittel wie z.B. Pfefferminze und Ingwer zurückgegriffen, um die Schwangerschaftsübelkeit zu reduzieren

Unbekannt ist bei uns bisher die Anwendung von Quittensirup.

In der Traditionellen Iranischen Medizin wird die Quitte unter anderem als Magentonikum zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen sowie als Mittel zur Appetitanregung empfohlen. Auf dieser Basis führten iranische Wissenschaftler eine Studie durch, um die Wirkung von Quittensirup im Vergleich mit Vitamin B6 bei Frauen mit Schwangerschaftsübelkeit zu untersuchen. Die Studie wurde an fünf klinischen Zentren in Teheran und Qom durchgeführt. Aufgenommen wurden 90 Frauen in der Gestationsphase zwischen der 6. bis 14. Woche und einer therapiebedürftigen, schwangerschaftsinduzierten Übelkeit von 3 bis 12 Punkten auf der PUQE-Skala (PUQE = Pregnancy-Unique Quantification of Emesis) mit und ohne Erbrechen. Per Zufallsprinzip wurden die Studienteilnehmerinnen in eingeteilt und bekamen über die Therapiephase von einer Woche dreimal täglich jeweils vor den Mahlzeiten entweder einen Esslöffel des eigens für die Studie hergestellten Quittensirups oder aber eine Tablette mit einem Gehalt von 20 mg Vitamin B6 pro Einheit.

Die Einnahme zusätzlicher Arzneimittel war nicht gestattet. Darüber hinaus wurden die Probandinnen zu einer Vermeidung von fettem Essen und dem Verzehr regelmäßiger kleiner Mahlzeiten angehalten. Während der einwöchigen Therapiephase und der nachfolgenden, ebenfalls siebentägigen Nachbeobachtungszeit dokumentierten die teilnehmenden Frauen mittels PUQE-24-Fragebogen die Dauer, Häufigkeit und Intensität ihrer Übelkeit und des auftretenden Erbrechens. Ausserdem wurden die Probandinnen zur Erfassung auftretender Nebenwirkungen angehalten.

In die Auswertung flossen Daten von 76 Patientinnen ein. In der Quittensirup-Gruppe konnte im Vergleich mit der Vitamin B-Gruppe nach 7 Tagen schon eine klinisch signifikante Besserung um rund 4,3 Punkte auf der PUQE-Skala festgestellt werden, die noch eine Woche nach Beendigung der Behandlung anhielt. In der Vitamin B6-Gruppe betrug die Punktedifferenz nach 7 Tagen lediglich 1,1 Punkte – mit sinkender Tendenz nach 14 Tagen. Zudem wiesen die Probandinnen der Quittensirup-Gruppe zu Studienbeginn eine höhere Punktezahl auf der PUQE-Skala auf (9.55, Standardabweichung 2.05) als die Frauen in der Vitamin B-Gruppe (8.44, Standardabweichung 1.87). Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass die Quittensirup-Intervention sich auch bei schwereren Verläufen erfolgreich ist. Keine der teilnehmenden Frauen klagte über das Auftreten von Nebenwirkungen.

Quelle:

https://www.carstens-stiftung.de/artikel/gar-nicht-uebel-quittensirup-bei-schwangerschaftsuebelkeit.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28631509

 

Kommentar & Ergänzung:

Da Schwangerschaftsübelkeit für die betroffenen Frauen oft eine starke Belastung ist und Quittensirup ein billiges und darüber hinaus gesundes Mittel, kann diese Studien aus dem Iran berechtigtes Interesse wecken. Jedenfalls sind mir keine Gründe bekannt, die gegen einen Versuch mit Quittensirup sprechen würden.

Die Studie ist allerdings mit 90 teilnehmenden Frauen ziemlich klein, was ihre Aussagekraft einschränkt. Wir treffen hier auf ein Problem, das in der Forschung mit Naturheilmitteln oft vorkommt:

Für eine grosse, beweisende Studie, die entsprechend teuer und aufwendig ist, wird sich kaum ein Sponsor finden, wenn das untersuchte Produkt nicht patentierbar sondern billig im Haushalt herzustellen ist. Bei solchen Hausmitteln fehlt einfach oft (und ökonomisch nachvollziehbar) das kommerzielle Interesse für Investitionen in die Forschung.

Fragen wirft auch der Vergleich von Quittensirup versus Vitamin B6-Gabe auf.

Die Wirksamkeit von Vitamin B6 bei Schwangerschaftsübelkeit ist selber nicht zweifelsfrei geklärt. Pharmawiki schreibt dazu:

„Die Verwendung von Pyridoxin gegen Übelkeit geht vermutlich auf kleine, unkontrollierte Studien aus den 1940er Jahren zurück (z.B. Willis et al., 1942). Moderne Zulassungsstudien sind nicht verfügbar. Wir haben in der neueren wissenschaftlichen Literatur lediglich zwei kleine randomisierte und placebokontrollierte klinische Studien aus den 1990er Jahren identifiziert, ausschliesslich in der Indikation Schwangerschaftserbrechen (Sahakian, 1991; Vutyavanich, 1995). Aus unserer Sicht gibt es Hinweise für eine mögliche Wirksamkeit, sauber wissenschaftlich nachgewiesen ist sie bisher jedoch nicht. Ein Therapieversuch ist aufgrund der guten Verträglichkeit möglich.“

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Pyridoxin%20gegen%20Übelkeit

 

Und die Pharmazeutische Zeitung verweist auf eine Cochrane-Metaanalyse:

„Forscher der Cochrane Collaboration haben in einer aktuellen Übersichtsarbeit Studien zu Arzneimitteln zusammengefasst, die bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft empfohlen werden. Ihr Fazit: In Anbetracht der hohen Prävalenz der Beschwerden ist die Studienlage erstaunlich schlecht. So fanden sich beispielsweise für die vielfach empfohlenen Ingwer- oder Pyridoxinpräparate nur sehr wenige Daten aus qualitativ hochwertigen klinischen Studien. Ingwer und Pyridoxin (Vitamin B6) scheinen aber besser als Placebo morgendliche Übelkeit zu lindern. Bei der Reduktion von Erbrechen zeigte nur Ingwer einen leichten Nutzen, während sich die Symptome mit Vitamin B6 nicht eindeutig verbesserten.“

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=36523

Wenn für die Vergleichsgruppe mit der Vitamin B6-Gabe eine Intervention gewählt wird, die selber nicht eindeutig in ihrer Wirksamkeit ist, dann kann der Quittensirup diese Vergleichgruppe verhältnismässig leicht übertreffen. Aussagekräftig wäre zudem eine dritte Gruppe gewesen, die ein Placebo bekommen hätte.

Aber eben, das ist alles auch eine Frage der Ressourcen.

Interessant schein mir noch die überlegung, welcher Wirkungsvorgang der Anwendung von Quittensirup bei Schwangerschaftsbelkeit zugrunde liegen könnte.

Die Quittenfrucht enthält „viel Vitamin C, Kalium, Natrium, Zink, Eisen, Kupfer, Mangan und Fluor, Tannine (Catechin und Epicatechin), Gerbsäure, organische Säuren, viel Pektin und Schleimstoffe.“ (Quelle: Wikipedia)

Am interessantesten scheinen mit hier Pektin und Schleimstoffe zu sein. Sie könnten möglicherweise über eine Eindickung der Nahrung dem Erbrechen entgegenwirken. Das kennt man auch von Johannisbrotkernmehl (z. B. als Nestargel) gegen Erbrechen bei Säuglingen.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde werden eher die reifen Quittensamen verwendet. Unzerkleinerte Quittensamen nutzt man für die Zubereitung eines Schleims, der gegen Hustenreiz, als mildes Abführmittel und gegen Entzündungen von Haut und Schleimhäuten eingesetzt wird.

Quittensirup gibt es meines Wissens nicht als Fertigprodukt zu kaufen, doch existieren viele Rezepte zur Zubereitung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Zur Kombination Baldrian & Sanalepsi: Was ist Sanalepsi?

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In Pflegeheimen und Kliniken wird manchmal als Einschlafhilfe eine Mischung aus Sanalepsi-Tropfen und Baldriantinktur eingesetzt.

Daher kommt in meinen Kursen immer wieder einmal die Frage auf, um was es sich bei „Sanalepsi“ genau handle.

Sanalepsi N Tropfen enthalten Doxylamin, ein Antihistaminikum der 1. Generation mit antiallergischern, beruhigenden und schlaffördernden Eigenschaften.

Als Monopräparat oder kombiniert mit Baldriantinktur wird Salalepsi N in erster Linie zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt und dazu eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen eingenommen.

Die Halbwertszeit von Doxylamin beträgt etwa 10 Stunden. Das heisst, dass die Konzentration von Doxylamin im Organismus resp. im Blut nach 10 Stunden auf den halben Wert (50%) absinkt. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass Sanalepsi bei der Einnahme als Einschlafhilfe unerwünschterweise in den folgenden Tag hinein wirkt. Bei der Baldriantinktur besteht dieses Risiko nicht.

Doxylamin wird in Kombination mit Dextromethorphan (Hustenreizstiller), Ephedrin (Schleimhautabschweller) und Paracetamol (Schmerzmittel) in Kombinationspräparaten wie dem Erkältungspräparat Vicks MediNait® Saft verwendet. Solche Kombipräparate werden allerdings von vielen Fachleuten generell skeptisch beurteilt, weil damit oft Substanzen eingenommen werden, die im jeweiligen Erkältungsfall gar nicht nötig sind.

Als Einzelmittel ist Doxylamin in der Schweiz bei Einschlafstörungen zur Kurzzeitbehandlung zugelassen. Das passt aber eigentlich nicht zu einer Kombination mit Baldriantinktur, weil Baldrian erst nach einer Anwendung über mehrere Wochen wirksam wird.

Da Sanalepsi-Tropfen in Apotheken ohne Rezept erhältlich sind, werden sie oft als verhältnismässig harmlos eingeschätzt. Das ist aber wohl ein Trugschluss. In Deutschland hat das TV-Magazin „rbb Praxis“ sich mit diesem Thema befasst und dabei kamen verschiedene Fachleute zu Wort.

Der Schlafmediziner Dr. Holger Rein hält es für einen Trugschluss, wenn Patienten diese Medikamente unbedenklich finden, weil sie freiverkäuflich sind: „Das sind keine Lutschbonbons und keine Hustenbonbons. Es sind tatsächlich hochwirksame Substanzen.“

Der Pharmakologe Professor Dr. Markus Schwaninger von der Universität Lübeck sagt: „Es wirkt auf das Gehirn und kann dort verschiedene Funktionen beeinträchtigen. Nicht nur Schlaf auslösen, sondern auch das Gedächtnis und geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.“

Dass die Nachwirkungen der Substanzen auch noch am Folgetag auftreten können, bestätigt in der Sendung auch ein Anwender. Am nächsten Morgen denke und spreche man etwas langsamer und auch die Bewegungsabläufe seien verändert.

Die Internistin Dr. Jördis Hendricks aus Hamburg erklärt, dass durch die Einnahme dieser Präparate der Schlafrhythmus und die Schlafarchitektur gestört werde; der Schlaf sei nicht erholsam:„Man zahlt unter Umständen einen hohen Preis ohne einen langfristigen Nutzen.“ Und sie ergänzt: „Sie dürften auf gar keinen Fall frei verkauft werden. Das Mindeste wäre, dass man sie unter der die Rezeptpflicht stellt.“ Auch eine Marktrücknahme der Präparate ist für Hendricks denkbar.

Mögliche Nebenwirkungen von Doxylamin / Sanalepsi fasst das „Pharmawiki“ so zusammen:

„Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Müdigkeit, Verminderung der Reaktionsbereitschaft, paradoxe Reaktionen wie Erregung und Halluzinationen bei Kindern und älteren Personen, Kopfschmerzen und anticholinerge Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Akkommodationsstörungen, Verstopfung und Harnretention. Selten können Herz-Kreislauf-Reaktionen wie ein tiefer oder hoher Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen auftreten.“

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/panorama/nachricht-detail-panorama/aerztin-rezeptpflicht-fuer-otc-schlafmittel-tv-tipp-rbb-praxis/

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Doxylamin

Kommentar & Ergänzung:

Ohne zu dramatisieren lässt sich der Schluss ziehen, dass Sanalepsi-Tropfen nicht harmlos sind. Will man sie trotzdem einsetzen, dann sollte das  sehr gut überlegt und zeitlich begrenzt geschehen.

Die Kombination mit Baldriantinktur halte ich eher für fragwürdig.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Erkältung: Welche Therapien wirklich helfen

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Das Angebot an konventionellen und alternativen Präparaten zur Behandlung von Erkältungskrankheiten ist sehr gross. Die Studien zur Wirksamkeit sind aber oft nicht sehr überzeugend.

Erwachsene machen pro Jahr zwei bis vier Erkältungsepisoden durch, Kinder sogar sechs bis acht. Entsprechend umfangreich ist der Umsatz an Präparaten, mit denen Ärzte oder die Patienten selbst versuchen, den Verlauf der meist viralen Infektionen abzuschwächen und zu verkürzen. Von welchen Behandlungen nach derzeitigem Wissensstand wirklich Hilfe zu erwarten ist und von welchen eher nicht, das haben Miriam Croessmann vom Sana Klinikum Offenbach und Professor Markus Rose von der Universität Frankfurt / Main in der Fachzeitschrift „Pneumologe“ zusammengefasst (Pneumologe 2016: 13: 262–273). Dabei steht die Anwendung bei Kindern im Zentrum.

Die „Ärzte Zeitung“ hat den Text zusammengefasst.

Ich greife nachfolgend die pflanzlichen Präparate als Zitate heraus und kommentiere sie stellenweise.

Zu den schleimlösenden Mitteln (Sekretolytika / Mukolytika) steht da:

„Sie sollen bei erkältungsbedingter Bronchitis den Schleim verflüssigen und das Abhusten erleichtern. Unter Acetylcystein kann ein erhöhtes Volumen von verflüssigtem Bronchialsekret auftreten, das unter anderem von jungen Kindern schlecht abgehustet werden kann. Von Efeupräparaten ist dies nicht zu befürchten. Sekretolytika / Mukolytika sollten vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern eine strenge Indikationsstellung erfahren.“

Hier werden also das synthetische Acetylcystein und die pflanzlichen Efeupräparate erwähnt. Zur Wirksamkeit wird nichts gesagt, aber die Efeupräparate sind an einem Punkt verträglicher. Das am besten dokumentierte Efeupräparat ist Prospan® (zugelassen für Kinder ab zwei Jahren). Das beste Mukolytikum sei eine gute Befeuchtung der Atemwege und reichlich trinken, heisst es in dem Beitrag.

Dann geht es noch um ätherische Öle als Einreibemittel:

„ Vapor rub mit den Wirkkomponenten Kampfer, Menthol, Eukalytpusöl hat bei Kindern keine Wirkung auf Husten oder Schnupfen, aber Kind und Eltern schlafen besser. Eltern müssen aufgeklärt werden, dass Einreibemittel und Tropfen auf Basis ätherischer Öle zu Atemwegsreizungen bis zum Bronchospasmus führen können.“

Gemeint ist hier wohl „Wick Vaporub“ (D) bzw. „Vicks vaporub“ (CH). Menthol ist der Hauptbestandteil von Pfefferminzöl. Es löst auf der Haut und an der Nasenschleimhaut ein Kältegefühl aus, das nicht physikalisch durch tiefe Temperatur, sondern durch Bindung an einen Kälterezeptor ausgelöst wird. In der Nase wird dadurch der Luftstrom intensiver wahrgenommen, wodurch eine subjektive Empfindung des Besser-durchatmen-könnens entsteht. Sie lässt sich nicht objektivieren, das heisst, man kann nicht durch Messung nachweisen, dass mehr Luft durch die Nase geht. Aber immerhin wirkt das erleichternd auf die Beschwerden der verstopften Nase, so dass nachvollziehbar ist, dass erkältete Kinder besser schlafen. Dass auch die Eltern besser schlafen, ist wohl ein erwünschter Nebeneffekt.

Ich würde allerdings bei Säuglingen und Kleinkindern als Einreibemittel nur mentholfreie Produkte verwenden. Als Regel gilt zudem, dass bei Säuglingen und Kleinkindern ätherische Öle nicht konzentriert in der Nähe der Atemöffnungen eingesetzt werden sollten.

Interessanterweise ist die Wirksamkeit von Honig gegen Hustenreiz recht gut belegt:

„Honig: Bei Kindern im Alter über einem Jahr kann ein Löffel Honig am Abend Husten und Nachtschlaf günstig beeinflussen.“

Siehe:

Erkältungen: Honig hilft gegen Husten

Hausmittel: Heisse Milch mit Honig gegen Husten

Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser

Honig lindert Erkältungen bei Kleinkindern

 

Und dann kommt Knoblauch:

„Knoblauch: Laut einer Cochrane-Analyse können Knoblauchtabletten möglicherweise Erkältungen vorbeugen, haben aber keinen Einfluss auf die Dauer von Erkältungen.“

Diese Cochrane-Analyse ist sehr interessant. Sie basiert aber auf nur einer Studie.

Siehe:

Schützt Knoblauch vor Erkältungen?

 

Für Kinder dürfte Knoblauch zur Prophylaxe von Erkältungen geruchlich allerdings wohl etwas schwierig sein.

Dann der Klassiker der pflanzlichen Immunstimulantien: Echinacea / Sonnenhut:

„Echinacea: Es gibt keine überzeugenden Daten für den therapeutischen Einsatz von Echinacea bei Erkältungen, allenfalls für eine leichte prophylaktische Wirkung.“

Diese Einschätzung ist ziemlich ernüchternd. Sie beruht wohl auf dem Cochrane-Review von 2014:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24554461

Meinem Eindruck nach gibt es schon Leute, die von einer Echinacea-Einnahme profitieren. Klar scheint mir aber auch, dass die Erwartungen, die von der Werbung geweckt werden, durch die Studienlage nicht gedeckt sind.

Und dann weiter zu „Umckaloabo“, der alten Zulu-Heilpflanze aus Südafrika:

„Umckaloabo: Der Extrakt aus Pelargonium sidoides soll immunstimulierend, hustenstillend und schleimlösend wirken. In RCTs ist die Wirksamkeit bei Erwachsenen mit Erkältung oder akuter Rhinosinusitis sowie bei Erwachsenen und Kindern mit akuter Bronchitis gezeigt worden. Die Qualität der Evidenz sei niedrig, so Croessmann und Rose.“

„Umckaloabo“ ist auch als „Kapland-Pelargonie“ im Handel. Die relevanten Studien wurden alle mit dem Extrakt bzw. Präparat „Umckaloabo®“ durchgeführt (in der Schweiz nach ärztlicher Verordnung kassenpflichtig als Kaloabo®). Die Ergebnisse können nicht auf andere Produkte mit Kapland-Pelargonie übertragen werden, die zum Beispiel als Hausspezialitäten in Apotheken und Drogerien angeboten werden.

Bei Kindern seien günstige Effekte auf nasale Symptome und auf den Verbrauch von Dekongestiva durch Meerwasser-Spülungen dokumentiert, heisst es im Beitrag weiter (Dekongestiva hier = Abschwellende Nasentropfen).

Ausserdem wird darauf hingewiesen, dass für Vitamin C keine eindeutigen therapeutischen Effekte bei Erkältungen belegt sind. Das konnte für die Normalbevölkerung schon durch eine ganze Reihe von Studien belegt werden. Eine Ausnahme scheinen Sportler darzustellen, bei Ihnen kann die vorbeugende Einnahme die Erkältungshäufigkeit auf rund die Hälfte reduzieren. Siehe dazu auf „Medizin transparent“:

Vitamin C beinahe nutzlos gegen Erkältungen

Zum Nutzen der Luftbefeuchtung seien die Studienergebnisse widersprüchlich, wird im Artikel vermerkt.

Die Originalpublikation in der Zeitschrift „Der Pulmologe“ fasst als Ergebnis für Kinder zusammen:

„Bei Kindern gibt es für häufig als Erkältungsmittel angewandte Substanzen wie Hustensäfte oder Echinaceapräparate keine konsistente Datenlage. Potenziell nützlich sind ätherische Einreibungen (Vapor rub, cave: Reizungen), Zink, Pelargonium sidoides und Honig.“

Quellen

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/922746/erkaeltung-helfen-diese-20-therapien-wirklich.html

Der Pneumologe, Juli 2016, Volume 13, Issue 4, pp 262–273

http://link.springer.com/article/10.1007/s10405-016-0052-3

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser bewertet

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Die Deutsche Apotheker Zeitung berichtet über die Bewertung von Erkältungsmitteln durch die „Stiftung Warentest“ und vergleicht die Empfehlungen mit der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Bei den Hustenmitteln haben dabei die Phytopharmaka (Heilpflanzen-Präparate) eine überraschend gute Stellung.

Werden Schleimlöser oder Hustenstiller gewünscht, können laut Stiftung Warentest bei Reizhusten Dextromethorphan oder zur Schleimlösung Acetylcystein (ACC) oder Ambroxol zur Anwendung kommen.

ACC und Ambroxol allerdings nur mit Einschränkung, da ihre Wirksamkeit nicht bewiesen sei. Aus dem selben Grund rät die DEGAM-Leitlinie „Husten“ von ACC und Ambroxol ab, für Hustenstiller sieht sie nur in Ausnahmefällen eine Berechtigung, zum Beispiel nachts, um besser schlafen zu können.

In der Bewertung der „Stiftung Warentest“ finden sich auch Phytopharmaka, nämlich Spitzwegerichextrakt gegen Hustenreiz und Schleimlöser mit Efeu oder Thymian. Aber auch sie werden nur mit Einschränkung empfohlen, da sie nicht ausreichend erforscht seien.

Die DEGAM-Leitlinie dagegen steht den Phytopharmaka offener gegenüber. Sie anerkennt insbesondere für Myrtol Hinweise auf positive Effekte. Myrtol wird von der „Stiftung Warentest“ gar nicht erwähnt. Auch Kombipräparaten von Thymianextrakt mit Efeuextrakt beziehungsweise Thymianextrakt mit Primelwurzel-Extrakt wird in der DEGAM-Leitlinie durchaus ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis zugeschrieben. Sie schreibt deshalb, dass bei entsprechendem Therapiewunsch des Patienten diese Phytopharmaka zur moderaten Symptomlinderung bzw. – verkürzung bei Erkältungshusten bzw. akuter Bronchitis erwogen werden können.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2015/erkaltungsmittel-gut-und-gunstig-und-leitliniengerecht

Kommentar & Ergänzung:

Dann will ich mal versuchen, nachfolgend bei den aufgeführten Hustenmittteln Phytopharmaka und synthetische Mittel gegenüber zu stellen.

Die Hustenstiller:

Bei Hustenstillern und insbesondere bei Schleimlösern stehen die Phytopharmaka im Vergleich mit den synthetischen Wirkstoffen gut da, was die wissenschaftlichen Belege und die Sicherheit angeht.

Mag sein, dass Spitzwegereichextrakt als Hustenstiller nicht ausreichend erforscht ist. Aber schauen wir uns einmal die synthetische Alternative Dextromethorphan an. Die Wirksamkeit von Dextromethorphan ist zumindestens fragwürdig. Der WDR hat den Forschungsstand am 15. 12. 2014 zusammengefasst und beruft sich dabei auf die renommierte Cochrane Collabortion:

„Die Cochrane Collaboration hat insgesamt 26 Studien zu Codein- und Dextromethorphan-haltigen Präparaten beurteilt. Das Fazit: Die Studienlage ist insgesamt uneinheitlich: Oft zeigten unterschiedliche Studien widersprüchliche Ergebnisse. Daher kann das Expertengremium keine wirkliche Empfehlung für oder gegen Hustenstiller aussprechen. Zudem wirkte Honig in vielen Studien sogar besser als Dextromethorphan.“

Quelle: http://www1.wdr.de/themen/wissen/erkaeltungsmittel114.html

Sehr überzeugend tönt das nicht, wenn sogar Honig besser wirkt als Dextromethorphan.

Spielstand Hustenstiller: Spitzwegerichextrakt : Dextromethorphan 1:1

Dazu kommt aber noch die Frage nach den Risiken: Beim Spitzwegerichextrakt sind Risiken nicht bekannt und auch nicht zu erwarten.

Bei Dextromethorphan sieht das ganz anders aus:

„Nebenwirkungen treten unter Dextromethorphan in geringer Dosierung relativ selten auf. Bei einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung (je nach Quelle 1 %-10 %) findet sich jedoch eine pharmakogenetische Schwäche des Cytochrom-P450-Enzyms CYP2D6, so dass bereits bei therapeutischer Dosierung Halluzinationen, Realitätsverlust und psychotische Episoden auftreten können. Gelegentlich sind Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen zu beobachten. Bei einigen Personen kann auch eine niedrige Dosis Juckreiz auslösen. Bei einer Überdosierung kann es zu Halluzinationen und psychotischen Episoden kommen.“

Quelle: Wikipedia

Dextromethorphan zeigt zudem Wechselwirkungen insbesondere mit bestimmten Antidepressiva und mit Alkohol.

Und dann gibt es noch ein Missbrauchsrisiko:

„Dextromethorphan wird auch missbräuchlich eingenommen, da es in hohen Dosen dissoziative und anderweitig berauschende Effekte hat (ähnlich der bei niedrig dosiertem Ketamin). Der Missbrauch von Dextromethorphan kann eine Drogenpsychose nach sich ziehen, unkontrolliertes Verhalten kann zur Selbst- oder Fremdgefährdung führen. Regelmäßige missbräuchliche Einnahme kann zur Suchterkrankung führen, unter Umständen ist auch mit Hirnschäden zu rechnen.

Direkt durch Dextromethorphan bedingte Todesfälle sind theoretisch möglich, dafür aber müsste es in einer derart hohen Dosis eingenommen werden, wie es in der Praxis kaum möglich ist. In der Kombination mit Paracetamol sind jedoch Todesfälle bekannt. Zum Missbrauch vom Dextromethorphan sind nur wenige Studien verfügbar. Die bekannteste Arbeit zum Thema stellt wohl die DXM-FAQ von William E. White, einem amerikanischen Dextromethorphan-Forscher, dar. Seine Thesen stützen sich teilweise auf Berichte von mehreren Hundert Konsumenten.“

Quelle: Wikipedia

Das spricht gegen Dextromethorphan und für Spitzwegerichextrakt.

Fazit:

Spielstand Hustenstiller: Spitzwegerichextrakt : Dextromethorphan 2:1

Und nun zu den Schleimlösern:

Halten wir fest: Die Wirksamkeit der oft konsumierten synthetischen Wirkstoffe Acetylcystein und Ambroxol ist nicht belegt.

Acetylcystein ist beispielsweise enthalten in ACC Sandoz® (früher ACC eco®), Ecomucyl®, Fluimucil®, Mucostop® und Solmucol®;

Ambroxol beispielsweise in Mucosolvon® und Bisolvon Ambroxol®.

Gut belegt sind dagegen verschiedene Phytopharmaka als Schleimlöser:

Kombipräparate von Thymianextrakt mit Efeuextrakt beziehungsweise Thymianextrakt mit Primelwurzel-Extrakt, ausserdem Myrtol (enthalten in Gelomyrtol®).

Spielstand Schleimlöser: Phytopharmaka : Acetylcystein / Ambroxol 1 : 0

Fazit Hustenmittel insgesamt: Phytopharmaka : Synthetika 3 : 1

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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Eibischschleim als Schutz für die Schleimhaut

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Schleimhaltige Heilpflanzen werden schon lange zum Schutz entzündeter Schleimhäute eingesetzt, zum Beispiel bei Reizhusten oder bei Mundschleimhautentzündung. Damit verbunden ist in der Regel die Vorstellung, dass sich die Schleimstoffe passiv als Schutzschicht auf die Schleimhaut legen und darüber hinaus jedoch nichts weiteres tun. Das ist aber sehr wahrscheinlich zu einfach und zudem gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Schleimpflanzen.

Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang der Schleim aus der Eibischwurzel. Reinhard Länger hat dazu schon vor einiger Zeit geschrieben:

„Es konnte gezeigt werden, dass sich der Eibischschleim nicht nur passiv auf eine entzündete Schleimhaut legt, sondern Bindungen zwischen der Mucosa und dem Polysaccharid ausgebildet werden. Die entzündete Schleimhaut wird dadurch von einer ‚Schutzschicht‘ überzogen, der Hustenreiz tritt nicht mehr auf, die Abheilung der Entzündung wird erleichtert.“

Quelle:

PHYTOTherapie Austria Nr. 1 / 2007

http://phytotherapie.co.at/pdf/PT0107.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Die Eibischwurzel stammt von Althaea officinalis, einem Malvengewächs (Malvaceae).

Der Eibischschleim scheint eine besonders stabile Schleimschicht auf der Schleimhaut zu bilden, was seine Schutzwirkung optimiert.

Zudem gibt es Forschungsergebnisse, die zeigen, dass Polysaccharide aus dem Eibischschleim in die Schleimhautzelle aufgenommen werden, dort den Zellstoffwechsel günstig beeinflussen und das Wachstum und die Vermehrung der Schleimhautzellen anregen.

Siehe:

Phytotherapie: Polysaccharide – Wirkstoffe mit Potenzial

Phytotherapie: Eibischwurzel-Extrakt schützt Epithelzellen

Eibischwurzel gehört daher zu den besten Schleimpflanzen bei trockenem Reizhusten, aber auch bei Mundschleimhautentzündung zum Beispiel als Folge einer Chemotherapie.

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Menthol als problematischer Zusatzstoff in Zigaretten

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Die „Österreichische Apothekerzeitung“ (Nr. 24 / 2013) veröffentlichte einen informativen Artikel über die Wirkmechanismen von Monoterpenen und Sesquiterpenen als Bestandteile ätherischer Öle.

Die Autoren Mag. pharm. Anja Ilic  und Univ.-Prof. i. R. Dr. Gerhard Buchbauer gehen darin auch auf Menthol ein, dem Hauptbestandteil von Pfefferminzöl.

Sehr interessant ist dabei die Beschreibung der Menthol-Wirkung in Mentholzigaretten und mentholisierten Zigaretten:

„Nach Angaben der Tabakindustrie verleiht Menthol dem Tabak einen angenehmen Geschmack und Geruch, nicht nur in ausgewiesenen »Menthol-Zigaretten«, sondern auch in normalen, nicht mentholierten Zigaretten. Tatsächlich hat dies aber einen starken pharmakologischen Effekt. Menthol wirkt nämlich auf die so genannten TRP-Kanäle, Rezeptoren die für die Perzeption von Kälte, Wärme und Schmerz verantwortlich sind. Dadurch wird ein kühlender und schmerzstillender Effekt verursacht, was dem Raucher zunächst ein leichteres und tieferes Einatmen des Rauches ermöglicht, dann aber auch das Abhängigkeitspotenzial und Risiko von Raucherkrankheiten erhöht. Zudem verbessert Menthol die transdermale und transbukale Resorption von Substanzen im Tabak (u.a. auch des Kanzerogens Benzpyren) und unterdrückt so das Hustenbedürfnis. Weiters hemmt es auch die Oxidation von Nikotin zu Cotinin, sodass Nikotin länger im Körper verweilt. Menthol im Tabak ist also definitiv nicht nur ein Geschmacksstoff, sondern beeinflusst auch die sensorische Perzeption, das Rauchverhalten und das Suchtpotenzial.“

Quelle:

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2013/OAZ-2013-24.pdf

Kommentar und Ergänzung:

Es scheint mir schlicht ungeheuerlich, mit welch raffinierten Zusatzstoffen Zigaretten aufgemotzt werden.

Siehe dazu auch:

Zusatzstoffe im Tabak – Beispiel Johannisbrot

Das EU-Parlament in Strassburg hat im übrigen beschlossen, dass Mentholzigaretten in Europa bis ins Jahr 2022 vom Markt verschwinden müssen. Immerhin. Wobei mir unverständlich bleibt, weshalb es da noch eine neunjährige Schonfrist braucht.

Wenn Menthol tatsächlich das Hustenbedürfnis unterdrückt, dann spricht dieser Effekt für das Einatmen von Menthol oder Pfefferminzöl bei trockenem Hustenreiz. Natürlich nur über begrenzte Zeit und nicht in Form von Mentholzigaretten….

Menthol eignet sich allerdings nicht für die Anwendung bei Säuglingen und Kleinkindern.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zwiebelsirup als Hausmittel gegen Husten

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Die Zwiebel gehört zu den altbewährten Hausmitteln gegen Erkältungskrankheiten. Bei Husten und Schnupfen wird eine Zwiebel aufgeschnitten im Raum aufgestellt. Bekannt sind auch Zwiebelwickel bzw. Zwiebelauflagen.

Und dann gibt es noch den Zwiebelsirup.

Hier ein Rezept:

„Schneiden Sie eine mittelgroße Küchenzwiebel in Würfel. Geben Sie die Zwiebelstückchen in ein Glas und fügen Sie zwei Esslöffel heimischen Honig hinzu. Verrühren Sie die Zwiebelstückchen mit dem Honig. Bedecken Sie das Glas mit einer flachen Schale und drehen das Ganze um. Nach zehn Stunden setzt sich der süße Zwiebel-Hustensaft am Boden des Schälchens ab und kann mit dem Teelöffel ausgelöffelt werden. Über den Tag verteilt immer wieder einen Teelöffel einnehmen. Zusätzlich reichlich trinken. Die wertvollen Wirkstoffe der Zwiebel lindern den Hustenreiz und verflüssigen den Schleim.“

Quelle:

http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Landleben/Zwiebeln-Bewaehrtes-Hausmittel-gegen-Husten_article1383486379.html

Kommentar & Ergänzung:

Zwiebelsirup aus Zwiebelstückchen und Honig – das tönt alles andere als attraktiv.

Aber probieren Sie den Zwiebelsirup bei Gelegenheit einmal aus. So schlimm wie es tönt, schmeckt der Zwiebelsirup meinem Eindruck nach nicht.

Ausser dem möchte ich an dieser Stelle eine Lanze brechen für die alten Hausmittel. Zwar sind nicht alle Hausmittel sinnvoll. Kritische Auseinandersetzung mit den alten Traditionen ist nötig.

Viele Hausmittel sind aber durchaus nützlich und wirksam.

Die Phytotherapie eignet sich ausgezeichnet, um erneuertes, fundiertes Wissen über die Anwendung von Hausmitteln zu erhalten und zu pflegen.

Denn es ist ausgesprochen schade, dass in den letzten Jahrzehnten dieses Wissen mehr und mehr in Vergessenheit geraten ist.

Die Menschen werden dadurch auch bei leichteren Beschwerden abhängig vom medizinisch-pharmazeutischen System.

Das ist aber nicht sinnvoll.

Anzustreben wäre, dass Menschen die Kompetenz besitzen, leichte gesundheitliche Störungen mit einfachen Hausmitteln selbst zu behandeln, und dass sie gleichzeitig auch einschätzen können, wann ärztliche Behandlung nötig ist.

In meinen Kursen und Lehrgängen ist es mir ein Anliegen, diese Kompetenz zu vermitteln.

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Arzneipflanze des Jahres 2014: Spitzwegerich

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Der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) wurde vom „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2014 gewählt.

Spitzwegerich wird hauptsächlich innerlich bei Husten und gegen Entzündungen in Mund und Rachen angewendet.

Als Hauptwirkstoffe enthält er Iridoidglykoside (2–3%) wie Aucubin und Catalpol, die antibakteriell wirken, und Schleimstoffe (Polysaccharide 2–6 %), die den lästigen Hustenreiz reduzieren.

Dazu kommen noch Gerbstoffe (6,5%) mit adstringierender und blutstillender Wirkung. Spitzwegerichblätter sind Bestandteil mancher Teemischungen (Brusttee, Hustentee).

Industriell wird Spitzwegerich zu Frischpflanzenpresssaft verarbeitet oder als Fluidextrakt  in Hustensirup eingesetzt.

Äußerlich werden frische, gereinigte Spitzwegerichblätter in der traditionellen Pflanzenheilkunde auch bei Entzündungen der Haut, zur Wundversorgung und bei Insektenstichen verwendet.

Spitzwegerich taucht als „plantain“ mehrmals als Mittel gegen Hautverletzungen in Shakespeare’s Dramen auf.

Spitzwegerich wächst bei uns verbreitet an Wegrändern und auf halbtrockenen Wiesen und Rasenflächen.

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2013/09/25/spitzwegerich-ein-traditionelles-antitussivum/11098.html

Kommentar & Ergänzung:

Wie üblich eine sorgfältige Wahl und Begründung durch den „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ in Würzburg.

Arzneipflanze des Jahres 2013 ist übrigens die Kapuzinerkresse.

Arzneipflanze des Jahres 2012 war das Süssholz

Arzneipflanze des Jahre 2011: Passionsblume

Arzneipflanze des Jahres 2010: Efeu

Arzneipflanze des Jahres 2009: Fenchel

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