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Schleimlöser bei Husten: Schlüsselblumenblüten oder Schlüsselblumenwurzel?

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Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) ist eine wichtige Heilpflanze bei produktivem Husten. Sie wird bei dieseer Indikation als Schleimlöser (Expectorans) eingesetzt wird.

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass der Wirkstoffgehalt in der Schlüsselblumenwurzel deutlich höher ist als in den Schlüsselblumenblüten.

Präzis beschrieben hat dies vor kurzem ein Beitrag auf Apotheke-Adhoc:

„In der Phytotherapie finden sowohl die Blüten als auch die Wurzel Anwendung. Die Schlüsselblumenblüten enthalten jedoch weitaus weniger wirksame Inhaltsstoffe als die Wurzel. Bislang konnte nur ein geringer Anteil an Triterpensaponinen nachgewiesen werden. Ätherisches Öl ist zu etwa 0,1 Prozent enthalten, Flavonoide zu etwa 3 Prozent. Die Blüten werden volkstümlich bei Reizbarkeit, Ruhelosigkeit und Angstzuständen eingesetzt. Auch wenn die Wirksamkeit nicht belegt ist, kommen die Blüten außerdem bei Neuralgien, Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit zum Einsatz.

Die Wurzel enthält weitaus mehr Triterpensaponine, insgesamt können es bis zu 12 Prozent der Pflanzeninhaltsstoffe sein. Der Großteil bezieht sich auf das Aglykon Protoprimulagenin A und die dazugehörigen Glykoside – die Primulasaponine. Primverin und Primulaverin sind als Phenolgylkoside die Hauptkomponenten.“

Apotheke-adhoc geht auch auf den Wirkungsmechanismus der Schlüsselblume ein, also auf die Frage, wie die schleimlösende Wirkung der Saponine zustande kommt:

„Die Wirkung ist auf die Triterpensaponine zurückzuführen. Sie reizen die Magenschleimhaut und regen die Bronchialschleimhaut durch die Reizweiterleitung über Nervenfasern dazu an, mehr Schleim zu produzieren. Somit verdünnt sich das Sekret und kann leichter abgehustet werden. Als Nebenwirkungen können vereinzelt Magenreizungen oder Übelkeit auftreten. Die Wurzel kann als Expektoranz zum Beispiel mit Thymian, Spitzwegerich, Fenchel oder Süßholz kombiniert werden.“

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/arzneipflanzen-primula-veris-fruehblueher-gegen-husten/

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein fachlich kompetenter Text. Bei der Schlüsselblume steht heute tatsächlich die schleimlösende Wirkung im Zentrum.

Die erwähnten volkstümlichen Anwendungen der Schlüsselblumenblüten bei Reizbarkeit, Ruhelosigkeit, Angstzuständen, Neuralgien, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit sind nicht plausibel. Schlüsselblumenblüten eignen sich aber gut zur Teeverschönerung. Sie sind auch enthalten im Präparat „Sinupret“, das bei Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis) eingesetzt wird.

Bei Husten ist aber wegen des höheren Saponin-Gehalts mit grosser Wahrscheinlichkeit die Schlüsselblumenwurzel wirksamer. Allerdings ist sie einzeln nicht nicht fundiert auf ihre Wirksamkeit untersucht worden. Es gibt aber gute Studien zur Wirksamkeit einer Kombination von Thymianextrakt und Schlüsselblumenwurzelextrakt. Dieses Kombipräparat wird sogar in den Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) empfohlen.

Siehe dazu hier:

Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser bewertet

Schlüsselblume als Hustenmittel

 

Heilpflanzen-Extrakte aus Schlüsselblume und Thymian helfen beim abhusten

Den beschriebenen Wirkungsmechanismus der Triterpensaponine nennt man auch gastropulmonalen Reflex. Er ist nicht spezifisch für die Schlüsselblume, sondern tritt auch bei anderen Heilpflanzen auf, die Triterpensaponine enthalten.

Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) steht im Übrigen unter Naturschutz. Zu Heilzwecken kauft man sie besser in der Apotheke oder Drogerie.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

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Heilpflanze des Jahres 2017: Das Gänseblümchen

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Das Gänseblümchen (Bellis perennis) ist zur Heilpflanze des Jahres 2017 gewählt worden. Fast jeder kenne das Spiel „Liebt mich – liebt mich nicht“ mit dessen Blättern, doch über die Heilwirkungen der heimischen Blume sei wenig bekannt, schreibt der Naturheilverein NHV Theophrastus. Der Verein will aus diesem Grund stärker über die Heilkraft der Gänseblümchen informieren.

Eine Prise Gänseblümchen im Tee habe sich besonders in der Kinderheilkunde bewährt schreibt der NHV Theophrastus. Das helfe bei Schwächezuständen, Erkältung und Durchfall, heisst es in der Pressemitteilung. Zudem werde das Gänseblümchen bei Hautausschlägen, Verletzungen und als Hustenmittel genutzt.

Die Wahl zur „Heilpflanze des Jahres“ wird jeweils vom Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, durchgeführt.

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/pharmazie/nachricht-detail-pharmazie/gaensebluemchen-ist-heilpflanze-2017-heilwirkung-naturheilverein-erkaeltung-hustenmittel/

 

Kommentar & Ergänzung:

Nichts gegen das Gänseblümchen! Gar nichts!

Aber die Angaben zu den Anwendungsbereichen des Gänseblümchens als Heilpflanze sind in diesem Pressetext schwach.

Über allfällige Wirkungen des Gänseblümchens als Heilpflanze gibt es so gut wie gar keine gesicherten Erkenntnisse. Es fehlen experimentelle Untersuchungen und gut dokumentierte Erfahrungsberichte. Klinische Studien mit Patienten existieren erst recht keine. Einzig Angaben zu den Inhaltsstoffen sind zu finden. Danach enthalten die Blütenköpfchen zirka 2,7 % Saponine und etwas Flavonoide.

Keine gute Ausgangslage, wenn man das Gänseblümchen als Heilpflanze des Jahres 2017 präsentieren will.

Nun – man könnte die schwache Datenlage darlegen und für mehr Aufmerksamkeit für das Gänseblümchen und für mehr Forschung plädieren.

Oder man kann aus irgendwelchen Kräuterbüchern oder aus dem Internet Angaben zu den Anwendungsbereichen des Gänseblümchens zusammentragen und ungeprüft übernehmen. Das sieht dann zwar auf den ersten Blick besser aus, lässt aber eine fundierte Auseinandersetzung vermissen. Die Angaben zu Wirkungen und Anwendungsbereichen des Gänseblümchens im Pressetext des NHV Theophrastus machen den Eindruck, dass sie auf derart willkürliche Weise entstanden sind.

Der Gehalt an Saponinen lässt allenfalls die Anwendung als schleimlösendes Mittel bei produktivem Husten plausibel erscheinen. Eine Empfehlung als „Hustenmittel“ ist aber auf jeden Fall zu ungenau.

Und wenn Gänseblümchen in der Kinderheilkunde bei „Schwächezuständen“ helfen soll, dann stellt sich zuerst die Frage nach den Ursachen der zu behandelnden Schwächezustände. Denn Gänseblümchen – sollte es wirklich helfen – wird das ja wohl nicht in jedem Fall und unabhängig von der jeweiligen Ursache tun.

Und „Erkältungen“ als Indikation, das wirft ebenfalls Fragen auf:

Welche Art von Erkältung? Was genau soll das Gänseblümchen da bewirken?

Eine Wirksamkeit gegen „Durchfall“ ist sehr unwahrscheinlich, dazu müsste das Gänseblümchen Gerbstoffe in relevanten Mengen enthalten, was nicht der Fall ist.

Auch „Hautausschläge“ ist als Anwendungsbereich viel zu verschwommen, weil damit ganz unterschiedlich verursachte Erkrankungen bezeichnet werden können.

Kurz gesagt: Ich vermisse im Text des NHV Theophrastus kritische Auseinandersetzung und sorgfältige Urteilsbildung.

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

P.S.:

Sehr viel fundierter begründet jeweils der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg seine Wahl der „Arzneipflanze des Jahres“.

Siehe dazu: Welterbe Klostermedizin / Arzneipflanze des Jahres

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser bewertet

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Die Deutsche Apotheker Zeitung berichtet über die Bewertung von Erkältungsmitteln durch die „Stiftung Warentest“ und vergleicht die Empfehlungen mit der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Bei den Hustenmitteln haben dabei die Phytopharmaka (Heilpflanzen-Präparate) eine überraschend gute Stellung.

Werden Schleimlöser oder Hustenstiller gewünscht, können laut Stiftung Warentest bei Reizhusten Dextromethorphan oder zur Schleimlösung Acetylcystein (ACC) oder Ambroxol zur Anwendung kommen.

ACC und Ambroxol allerdings nur mit Einschränkung, da ihre Wirksamkeit nicht bewiesen sei. Aus dem selben Grund rät die DEGAM-Leitlinie „Husten“ von ACC und Ambroxol ab, für Hustenstiller sieht sie nur in Ausnahmefällen eine Berechtigung, zum Beispiel nachts, um besser schlafen zu können.

In der Bewertung der „Stiftung Warentest“ finden sich auch Phytopharmaka, nämlich Spitzwegerichextrakt gegen Hustenreiz und Schleimlöser mit Efeu oder Thymian. Aber auch sie werden nur mit Einschränkung empfohlen, da sie nicht ausreichend erforscht seien.

Die DEGAM-Leitlinie dagegen steht den Phytopharmaka offener gegenüber. Sie anerkennt insbesondere für Myrtol Hinweise auf positive Effekte. Myrtol wird von der „Stiftung Warentest“ gar nicht erwähnt. Auch Kombipräparaten von Thymianextrakt mit Efeuextrakt beziehungsweise Thymianextrakt mit Primelwurzel-Extrakt wird in der DEGAM-Leitlinie durchaus ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis zugeschrieben. Sie schreibt deshalb, dass bei entsprechendem Therapiewunsch des Patienten diese Phytopharmaka zur moderaten Symptomlinderung bzw. – verkürzung bei Erkältungshusten bzw. akuter Bronchitis erwogen werden können.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2015/erkaltungsmittel-gut-und-gunstig-und-leitliniengerecht

Kommentar & Ergänzung:

Dann will ich mal versuchen, nachfolgend bei den aufgeführten Hustenmittteln Phytopharmaka und synthetische Mittel gegenüber zu stellen.

Die Hustenstiller:

Bei Hustenstillern und insbesondere bei Schleimlösern stehen die Phytopharmaka im Vergleich mit den synthetischen Wirkstoffen gut da, was die wissenschaftlichen Belege und die Sicherheit angeht.

Mag sein, dass Spitzwegereichextrakt als Hustenstiller nicht ausreichend erforscht ist. Aber schauen wir uns einmal die synthetische Alternative Dextromethorphan an. Die Wirksamkeit von Dextromethorphan ist zumindestens fragwürdig. Der WDR hat den Forschungsstand am 15. 12. 2014 zusammengefasst und beruft sich dabei auf die renommierte Cochrane Collabortion:

„Die Cochrane Collaboration hat insgesamt 26 Studien zu Codein- und Dextromethorphan-haltigen Präparaten beurteilt. Das Fazit: Die Studienlage ist insgesamt uneinheitlich: Oft zeigten unterschiedliche Studien widersprüchliche Ergebnisse. Daher kann das Expertengremium keine wirkliche Empfehlung für oder gegen Hustenstiller aussprechen. Zudem wirkte Honig in vielen Studien sogar besser als Dextromethorphan.“

Quelle: http://www1.wdr.de/themen/wissen/erkaeltungsmittel114.html

Sehr überzeugend tönt das nicht, wenn sogar Honig besser wirkt als Dextromethorphan.

Spielstand Hustenstiller: Spitzwegerichextrakt : Dextromethorphan 1:1

Dazu kommt aber noch die Frage nach den Risiken: Beim Spitzwegerichextrakt sind Risiken nicht bekannt und auch nicht zu erwarten.

Bei Dextromethorphan sieht das ganz anders aus:

„Nebenwirkungen treten unter Dextromethorphan in geringer Dosierung relativ selten auf. Bei einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung (je nach Quelle 1 %-10 %) findet sich jedoch eine pharmakogenetische Schwäche des Cytochrom-P450-Enzyms CYP2D6, so dass bereits bei therapeutischer Dosierung Halluzinationen, Realitätsverlust und psychotische Episoden auftreten können. Gelegentlich sind Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen zu beobachten. Bei einigen Personen kann auch eine niedrige Dosis Juckreiz auslösen. Bei einer Überdosierung kann es zu Halluzinationen und psychotischen Episoden kommen.“

Quelle: Wikipedia

Dextromethorphan zeigt zudem Wechselwirkungen insbesondere mit bestimmten Antidepressiva und mit Alkohol.

Und dann gibt es noch ein Missbrauchsrisiko:

„Dextromethorphan wird auch missbräuchlich eingenommen, da es in hohen Dosen dissoziative und anderweitig berauschende Effekte hat (ähnlich der bei niedrig dosiertem Ketamin). Der Missbrauch von Dextromethorphan kann eine Drogenpsychose nach sich ziehen, unkontrolliertes Verhalten kann zur Selbst- oder Fremdgefährdung führen. Regelmäßige missbräuchliche Einnahme kann zur Suchterkrankung führen, unter Umständen ist auch mit Hirnschäden zu rechnen.

Direkt durch Dextromethorphan bedingte Todesfälle sind theoretisch möglich, dafür aber müsste es in einer derart hohen Dosis eingenommen werden, wie es in der Praxis kaum möglich ist. In der Kombination mit Paracetamol sind jedoch Todesfälle bekannt. Zum Missbrauch vom Dextromethorphan sind nur wenige Studien verfügbar. Die bekannteste Arbeit zum Thema stellt wohl die DXM-FAQ von William E. White, einem amerikanischen Dextromethorphan-Forscher, dar. Seine Thesen stützen sich teilweise auf Berichte von mehreren Hundert Konsumenten.“

Quelle: Wikipedia

Das spricht gegen Dextromethorphan und für Spitzwegerichextrakt.

Fazit:

Spielstand Hustenstiller: Spitzwegerichextrakt : Dextromethorphan 2:1

Und nun zu den Schleimlösern:

Halten wir fest: Die Wirksamkeit der oft konsumierten synthetischen Wirkstoffe Acetylcystein und Ambroxol ist nicht belegt.

Acetylcystein ist beispielsweise enthalten in ACC Sandoz® (früher ACC eco®), Ecomucyl®, Fluimucil®, Mucostop® und Solmucol®;

Ambroxol beispielsweise in Mucosolvon® und Bisolvon Ambroxol®.

Gut belegt sind dagegen verschiedene Phytopharmaka als Schleimlöser:

Kombipräparate von Thymianextrakt mit Efeuextrakt beziehungsweise Thymianextrakt mit Primelwurzel-Extrakt, ausserdem Myrtol (enthalten in Gelomyrtol®).

Spielstand Schleimlöser: Phytopharmaka : Acetylcystein / Ambroxol 1 : 0

Fazit Hustenmittel insgesamt: Phytopharmaka : Synthetika 3 : 1

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Eibischwurzel im Kaltauszug zubereiten – mit welcher Begründung?

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Eibischwurzel wird in der Phytotherapie empfohlen bei trockenem Reizhusten.

In Kräuterbüchern und in der Phytotherapie-Fachliteratur findet man oft den Hinweis, dass Tee aus der Eibischwurzel mit einem Kaltauszug hergestellt werden sollte. Und oft liest man den Hinweis, dass schleimhaltige Heilpflanzen generell kalt ausgezogen werden müssten, weil die Schleimstoffe hitzeempfindlich seien.

Was hat es damit auf sich?

Reinhard Länger hat dazu schon vor einigen Jahren in der Zeitschrift „PhytoTherapie austria“ (1 / 2007) gute Informationen weitergegeben:

„Im Zusammenhang mit schleimhaltigen Hustenmitteln war die optimale Zubereitungsart des Arzneitees über viele Jahre ein Diskussionsthema. Es wurde vermutet, dass heißes Wasser die Polysaccharide zerstören könnte. Deshalb findet man in der Literatur meist den Hinweis, dass Eibischtee mit kaltem Wasser angesetzt werden sollte. Allerdings regten sich gewisse Bedenken wegen der mikrobiellen Qualität derartiger Zubereitungen. Kaltes Wasser reduziert im Gegensatz zu heißem die natürliche Keimbesiedlung der Arzneidrogen nicht, und Polysaccharide bieten darüber hinaus einen guten Nährboden für Mikroorganismen. Eine Dissertation am Department für Pharmakognosie der Universität Wien schuf diesbezüglich Klarheit: die physikalischen Bedingungen bei der Teebereitung mit heißem Wasser schaden den langkettigen Polysacchariden nicht.“

Was bedeutet dies genau für Eibisch:

„Eibischblätter, die ohnehin meist in Mischungen mit anderen Arzneidrogen angewendet werden, können als ganz herkömmlicher Teeaufguss zubereitet werden (ca. 1 Teelöffel Tee mit 150 ml heißem Wasser übergießen, ca. 10 Minuten ziehen lassen, abseihen, nicht zu heiß trinken).

Eibischwurzel sollte, sofern sie in einer Teemischung angewendet wird, in der gleichen Art zubereitet werden. Ein Tee, der nur aus Eibischwurzel besteht, sollte hingegen mit kaltem Wasser angesetzt werden (Tagesbedarf: ca. 3 Teelöffel mit 1⁄2 Liter kaltem Wasser ansetzen, etwa 90 Minuten unter gelegentlichem Umrühren stehen lassen, abseihen, leicht erwärmt trinken). Der Grund: Eibischwurzel enthält sehr viel Stärke, die bei Kontakt mit heißem Wasser verkleistert. Die Wurzelstückchen sind daher sofort von einer „Isolierschicht“ umzogen, die wertvollen Schleime werden nur mehr zu einem Bruchteil extrahiert.“

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0107.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Diese Hinweise tragen meines Erachtens viel zur Klärung bei.

Die generelle Empfehlung, schleimhaltige Heilpflanzen kalt zuzubereiten, lässt sich nicht aufrechterhalten, wenn Schleimstoffe stabil gegen Hitze sind. Die erwähnte Dissertation am Department für Pharmakognosie der Universität Wien trägt hier tatsächlich zur Klärung bei.

Die Empfehlung, Eibischwurzel kalt anzusetzen, basiert also nicht auf der Wärmeempfindlichkeit der Schleimstoffe, sondern darauf, dass beim Erhitzen die Stärke in der Eibischwurzel verkleistert und dadurch den Auszug der Schleimstoffe reduziert. Diese Erklärung findet sich an mehreren Stellen in der Phytotherapie-Fachliteratur.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schlüsselblume als Hustenmittel

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Die Sendung „Puls“ von SRF berichtete über Heilpflanzen gegen Erkältungskrankheiten und kam dabei auch auf die Schlüsselblume zu sprechen.

Zitat:

„Von der attraktiven Frühlingsblume verwendet man die Blüten und Wurzeln für Heilzwecke. Sie reizen den Magen, dadurch bilden die Bronchien reflexartig neuen Schleim, der sich besser abhusten lässt. Vorhandenes Sekret wird verflüssigt. Besonders beliebt ist die Kombination mit Thymian.“

Quelle:

http://www.srf.ch/gesundheit/alltag-umwelt/mit-heilpflanzen-gegen-die-erkaeltung

Kommentar & Ergänzung:

Die Schlüsselblume wird vor allem bei produktivem Husten als schleimlösendes Mittel eingesetzt. Sie enthält Saponine als Hauptwirkstoffe, wobei der Gehalt in den Schlüsselblumenwurzeln etwa 4mal höher ist als in den Schlüsselblumenblüten.

Verwendet wird die Frühlings-Schlüsselblume (= Primula veris, Echte Schlüsselblume, Wiesen-Schlüsselblume) oder die Wald-Schlüsselblume ( = Primula elatior, Hohe Schlüsselblume), die in der Phytotherapie als gleichwertig gelten.

In der Natur sollten die Schlüsselblumen geschont werden. Für die Verwendung als Heilpflanze stehen Schlüsselblumen aus dem Anbau zur Verfügung.

Schlüsselblumenwurzeln und Schlüsselblumenblüten werden nur selten einzeln eingesetzt, sondern eher gemischt mit anderen Pflanzen in Hustenpräparaten wie Brusttee-Mischungen, Hustensirup, Hustentropfen etc.

Die Wirksamkeit eines Kombipräparates mit Schlüsselblumen und Thymian als Schleimlöser ist mit Studien belegt (im Gegensatz zu synthetischen Schleimlösern).

Die Wirkstoffe in den Schlüsselblumen sind nicht flüchtig und können daher nicht inhaliert werden – im Gegensatz zu Thymian. Thymianöl eignet sich gut zur Inhalation.

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Fakten zum Streitthema Homöopathie

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Beim Thema „Homöopathie“ gibt es sehr kontroverse Standpunkte und Sichtweisen. Während Homöopathie-Hersteller wie zum Beispiel Similasan genauso wie viele Homöopathinnen und Homöopathen erklären, dass die Wirksamkeit der Homöopathie schon lange wissenschaftlich bewiesen sei, bezweifeln das viele Skeptiker. Sie wenden ein, dass die Grundprinzipien der Homöopathie einer ganzen Reihe von gut belegten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen widersprechen und dass die Homöopathie in ihrer 200 jährigen Geschichte es nie geschafft habe, ihre Wirksamkeit in qualitativ guten Patientenstudien nachzuweisen.

Eine fundierte und aktuelle Zusammenfassung des gegenwärtigen Standes der Homöopathie-Forschung gibt das österreichische Portal „medizin-transparent“ hier.

Auf „medizin-transparent“ gibt es laufend neue Zusammenfassungen zu Themen aus Medizin & Komplementärmedizin.

Publiziert wurden beispielsweise bereits Beiträge zu Omega-3-Fettsäuren, Schüssler Salzen, Vitamin D und Allergie, ADHS, Neurodermitis, Rückenschmerzen, Diabetes, Thymian als Hustenmittel, Akupunktur zur Geburtsvorbereitung.

Es braucht dringend solche Portale wie „medizin-transparent“, weil die Medien uns überschwemmen mit reisserischen Berichten zu Heilverfahren aller Art, und weil dabei die Qualitätssicherung sehr oft auf der Strecke bleibt.

Wer dabei ein mündiger und informierter Patient sein oder werden will, hat es wahrlich nicht leicht. „medizin-transparent“ bietet hier unabhängige Informationen.

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Renaturierung der Moore dient auch dem Klimaschutz

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Die Renaturierung von Mooren ist nicht nur wichtig zum Schutz der Pflanzen und Tiere, die diese Lebensräume besiedeln.

Mit ihr kann auch kostengünstig CO2 einsparen werden. Zu diesem Resultat kam eine Studie der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, die vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)  gefördert wurde.

Die Renaturierung von Mooren ist hauptsächlich eine Naturschutzmaßnahme und zielt nicht direkt darauf ab, die Klimaerwärmung zu vermindern. Trotzdem wirke die Renaturierung von Mooren auch im Bereich des Klimaschutzes und das erstaunlicherweise sogar kostengünstiger als Maßnahmen, die explizit das Klima verbessern sollen, wie beispielsweise Biodiesel- oder Biogaserzeugung, erklärte BfN-Präsidentin Beate Jessel.

Die Forscher hatten untersucht, inwieweit Geld, das eigentlich für Naturschutzprojekte eingesetzt wird, gleichzeitig auch dem Klimaschutz zugute kommt.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=200233

Kommentar & Ergänzung:

Moore sind durch Entwässerung, Intensivlandwirtschaft und  Torfabbau bedroht. So wurde der allergrösste Teil der Moore in der Vergangenheit zerstört.

Glücklicherweise hat die Schweizer Stimmbevölkerung am 6. Dezember 1987 Ja gesagt zum Moorschutzartikel (Rothenturm-Initiative). Die Schweizer Moore und Moorlandschaften werden seither von der Verfassung und vom Gesetz geschützt. Drainagen, fehlende Pufferzonen zur umgebenden Landwirtschaft und illegale Bauten wie Wege und Häuser sind allerdings nach wie vor Alltag in den geschützten Moorlandschaften. Das bedroht diese einzigartigen Lebensgemeinschaften, die aus Pflanzen und Tieren bestehen, die genau an dieses Biotop angepasst ist. Zu diesen Moorspezialisten gehört im übrigen auch der Sonnentau (Drosera rotundifolia), der in der Phytotherapie als krampflösendes Hustenmittel eingesetzt wird, zum Beispiel als Sonnentautinktur oder als Bestandteil von Hustensirup. Sonnentau darf aus Naturschutz-Gründen aber nicht selber gesammelt werden.

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Phytotherapie: Pflanzenmedizin gegen Husten

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ ( Nr. 7 / 2012) fasst aktuelle Empfehlungen bezüglich Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten zusammen:

„Atemwegsinfekte sind der häufigste Anlass für Krankschreibungen. Gerade gegen Husten bietet die Pflanzenmedizin aber gut verträgliche Hilfen an, deren Evidenz inzwischen auch in Leitlinien wissenschaftlicher Gremien Anerkennung fand. So hat die Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin gleich zwei Pflanzenkombinationen in ihre Therapieempfehlungen aufgenommen, die in der Leitlinie zu »Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten« genannt werden. Sie stufte die Wirksamkeit von Thymiankraut und Efeublättern und Thymiankraut und Primelwurzeln als wissenschaftlich nachgewiesen ein. Ursache eines akuten Hustens sind fast immer Viren. Eine antibiotische Therapie – die bekanntlich nur gegen Bakterien wirken kann – ist deshalb nur in Ausnahmefällen indiziert. Die pflanzlichen Präparate bewirken dagegen erwiesenermaßen eine schnellere Linderung des Hustens im Vergleich zu Placebo.

Als schleimlösende Mittel (Expectorantien) werden von den Lungen- und Atemwegsspezialisten Extrakte aus Anis, Myrtol, Pfefferminz, Eukalyptus, Thymian, Efeublättern und Primelwurzeln aufgezählt. Hustenstillende Eigenschaften weisen laut Leitlinie Extrakte aus Thymian, Spitzwegerich, Drosera und Wollblumen auf. Allerdings entsprechen längst nicht alle Präparate, die derartige Pflanzen enthalten, den geforderten wissenschaftlichen Qualitätskriterien. Fragen Sie dazu Ihren Apotheker. Pflanzliche Hustenmittel gelten auch in der Behandlung von Kindern als besonders geeignet.“

Kommentar & Ergänzung:

Diese Empfehlungen in den Leitlinien sind erfreulich und nachvollziehbar. Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten können es jedenfalls oft auch aus einem wissenschaftlichen Blickwinkel bei einer Gesamtbetrachtung durchaus mit synthetischen Präparaten aufnehmen.

Bei den synthetischen Expectorantien (Schleimlöser) ist zum Beispiel beim Klassiker N-Acetylcystein (Fluimucil) die Studienlage sehr widersprüchlich und die Wirksamkeit nicht eindeutig belegt, obwohl das Präparat oft verkauft und eingenommen wird.

Bei den synthetischen Antitussiva (Hustenstiller) unterscheidet man Opioide (Wirksamkeit ungenügend geklärt, Risiko von Nebenwirkungen) und Nicht-Opioide (Wirksamkeit ungenügend geklärt):

– Opioide Antitussiva wie Codein, Dextromethorphan, Dihydrocodein, Pholcodin, Hydrocodon, Noscapin, Ethylmorphin und Opium sollen den Hustenreiz zentral im Gehirn blockieren. Insbesondere Codein und Dextromethorphan sind in zahlreichen Medikamenten enthalten und werden oft angewendet. Ob sie jedoch tatsächlich wirksam sind, ist umstritten und in klinischen Studien bisher nicht zweifelsfrei belegt. Opioide können unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Atemdepression und Verstopfung verursachen. Ausserdem kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.

– Nicht-opioide Antitussiva wie Butamirat, Butetamat, Levodropropizin und Morclofon sind chemisch nicht mit den Opioiden verwandt und sind daher frei von opioiden unerwünschten Wirkungen. Sie sind jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend dokumentiert und moderne Zulassungsstudien fehlen.

Berücksichtigt man sowohl Wirkungen als auch unerwünschte Nebenwirkungen für die Beurteilung, so schneiden die erwähnten Heilpflanzen-Anwendungen im Vergleich zu den synthetischen Substanzen gut ab.

Allerdings stimmt auch der Hinweis im Zitat, dass längst nicht alle Präparate, welche die erwähnten Heilpflanzen enthalten, den geforderten Qualitätskriterien genügen.

Es gibt sehr grosse Qualitätsunterschiede bei Heilpflanzen-Präparaten.

P.S.

– Mit Drosera ist Sonnentau gemeint, eine insektenfressende Pflanze, die im Hochmoor wächst.

– Efeublätter nicht als Tee verwenden, sondern nur als Fertigpräparat, das auf einen bestimmten Wirkstoffgehalt eingestellt ist.

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Heilpflanzen lindern Husten bei Kindern

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 9 / 2012) publizierte einen Abschnitt über Heilpflanzen zur Linderung von Husten bei Kindern:

„Bei Kindern gilt zu bedenken, dass die Atemwege noch eng und somit sehr empfindlich sind. Hat Ihr Kind Schwierigkeiten beim Einatmen, deutet dies auf eine Entzündung des Kehlkopfes, des Rachens oder der Luftröhre hin. Bei Problemen beim Ausatmen kann eine Bronchitis, Bronchiolitis – Entzündung der kleinsten, knorpellosen Bronchien – oder Asthma bronchiale vorliegen. Im Allgemeinen können Kinder mit Hustenmitteln versorgt werden, ein Arztbesuch ist aber notwendig, wenn Atemprobleme wie Rasseln, Husten bei körperlicher Belastung oder Husten ohne Erkältungserscheinungen auftreten. Auch wenn Ihr Kind wenig trinkt oder der Husten plötzlich beginnt, sollte dies abgeklärt werden. Denn Ihr Kind könnte auch einen Fremdkörper verschluckt haben. Auch Inhalationen in Form eines Kopfdampfbades oder Omas Zwiebelwickel können helfen. Zwiebelstreifen dazu erhitzen, in ein Leinentuch wickeln und auf Hals oder Brust legen. Achtung: Alkoholhaltige Hustensäfte über 5% sind für Kinder nicht geeignet! Besser: eine Teemischung aus Eibischwurzel, Huflattich, Thymian und Spitzwegerich. Im Allgemeinen sollten Antitussiva und Expektorantien nicht kombiniert werden. Expektorantien sollen den Schleim lösen, während Antitussiva den Hustenreiz unterdrücken – nimmt man beide ein, wird der Schleim nicht abgehustet und ein Sekretstau kann sich bilden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, tagsüber Schleimlöser einzunehmen und abends für einen besseren Schlaf Hustenreizdämpfer.“

Kommentar & Ergänzung:

Ich selber würde Huflattich durch Malvenblüten ersetzen. Huflattich enthält sehr geringe Mengen an lebertoxischen und krebsfördernden Pyrrolizidinalkaloiden. Zwar ist nicht geklärt, ob damit für den Menschen bei der Anwendung von Huflattich ein konkretes Risiko verbunden ist. Doch kann man sicherheitshalber den Huflattich durch Malvenblüten ersetzten. Sie enthalten ebenfalls Schleimstoffe, aber keine Pyrrolizidinalkaloide.

Was genau sind Antitussiva?

Antitussiva sind hustenreizlindernde Medikamente, die bei trockenem Reizhusten eingesetzt werden. Zu den am häufigsten verwendeten Substanzen zählen Codein und Dextromethorphan. Diese Wirkstoffe können unerwünschte Nebenwirkungen verursachen, sind anfällig für Arzneimittel-Wechselwirkungen und können als Rauschmittel missbraucht werden. Sie sind nicht für alle Patienten geeignet und sollen vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern mit Vorsicht oder nicht eingesetzt werden. Antitussiva sollen die Häufigkeit und Intensität von Hustenanfällen vermindern. Ob sie wirklich wirksam sind, ist umstritten.

Die wichtigsten Antitussiva:

Opioide Antitussiva wie Codein, Dextromethorphan, Dihydrocodein, Pholcodin, Hydrocodon, Noscapin, Ethylmorphin und Opium sollen den Hustenreiz zentral im Gehirn blockieren. Insbesondere Codein und Dextromethorphan sind in zahlreichen Medikamenten enthalten und werden oft angewendet. Ob sie jedoch tatsächlich wirksam sind, ist umstritten und in klinischen Studien bisher nicht zweifelsfrei belegt. Opioide können unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Atemdepression und Verstopfung verursachen. Ausserdem kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.

Nicht-opioide Antitussiva wie Butamirat, Butetamat, Levodropropizin und Morclofon sind chemisch nicht mit den Opioiden verwandt und sind daher frei von opioiden unerwünschten Wirkungen. Sie sind jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend dokumentiert und moderne Zulassungsstudien fehlen.

– Heilpflanzen mit antitussiver Wirkung:

Eibisch, Spitzwegerich, Malve, Isländisches Moos und Sonnentau sind besser verträglich als die synthetischen Wirkstoffe und eine gute Alternative, hauptsächlich bei Kindern. Auch einige pflanzliche Expektorantien wie Guaifenesin zeigen zusätzlich eine antitussive Wirkung.

– Honig:

In einer klinischen Studie bei Kindern und Jugendlichen zwischen 2 und 18 Jahren erwies sich Honig vor dem Zubettgehen als wirksamer gegen nächtlichen Husten im Vergleich zu Dextromethorphan (Paul et al., 2007). Die Dosierung lag je nach Alter bei einem halben bis zu 2 Teelöffel Buchweizenhonig. Honig soll allerdings nicht bei Kindern unter einem Jahr angewendet werden (Risiko Botulismus durch Clostridium botulinum Sporen) und den Zähnen schaden kann (Karies). Die Studienmethodik von Paul et al. wurde allerdings auch in Frage gestellt.

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Antitussiva

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Mit Thymian gegen Erkältungen

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Thymian sei kein Wundermittel. Aber er helfe gegen Erkältungen. Bei trockenem Husten wirke er am besten kombiniert mit der Eibischwurzel. Gegen Schnupfen empfehle sich das Inhalieren mit Thymianöl. Schon zwei Tropfen Thymianöl in eine Schüssel Wasser seien dafür ausreichend.

Wer seine Erkältung mit Naturheilkunde in den Griff bekommen wolle, solle zu Thymian greifen. Die Heilpflanze eigne sich dazu, verschiedene Stadien und Beschwerden einer Erkältung zu behandeln, erklärt Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg. Bei trockenem Husten empfiehlt der Experte Thymian zusammen mit einer Pflanze, die viele sogenannte Schleimstoffe besitzt, welche die angegriffenen Schleimhäute schützen. Die Eibischwurzel sei dafür zum Beispiel geeignet. Der Thymian wirke in diesem Hustenstadium krampflösend und antiviral.

Bei Husten mit Auswurf dagegen unterstütze Thymian den Abtransport des Hustensekrets. Außerdem wirke er einer bakteriellen Infektion entgegen, die zum viralen Infekt einer Erkältung hinzukommen könne, erläutert Mayer. Bei Schnupfen oder einer Nasennebenhöhlenentzündung empfiehlt er die Inhalation mit Thymianöl. Auf einen Liter heißes Wasser werden zwei Tropfen Thymianöl in eine Schüssel gegeben und mit einem Handtuch zugedeckt inhaliert. Anschliessend sollte man Zugluft meiden.

Thymian steckt in zahlreichen Heilpflanzen-Präparaten gegen Erkältungen, ist jedoch auch einzeln etwa in Hustenmitteln zu bekommen. Die Thymian enthält laut Mayer hochwirksames ätherisches Öl, Gerbstoffe und Flavonoide. Thymian-Extrakte und das Thymianöl bekämpfen Bakterien, Viren und Pilze. Das ätherische Öl und die Flavonoide wirken ausserdem krampflösend. Auch eine entzündungshemmende Wirkung sei nachgewiesen, erklärt Mayer.

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/magazin/wellness/2867626/erkaeltungen-thymian-loswerden.story

Kommentar & Ergänzung:

Thymian ist in der Phytotherapie bei produktivem Husten und krampfartigem Husten gut etabliert.  In der Wirkung mit dem Thymianöl vergleichbar sind Eukalyptusöl und Anisöl.

Auch die bei trockenem Husten von Johannes Gottfried Mayer empfohlene Eibischwurzel ist ein guter Tipp (Eibischwurzeltee als Kaltauszug zubereiten).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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