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Zur Kombination Baldrian & Sanalepsi: Was ist Sanalepsi?

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In Pflegeheimen und Kliniken wird manchmal als Einschlafhilfe eine Mischung aus Sanalepsi-Tropfen und Baldriantinktur eingesetzt.

Daher kommt in meinen Kursen immer wieder einmal die Frage auf, um was es sich bei „Sanalepsi“ genau handle.

Sanalepsi N Tropfen enthalten Doxylamin, ein Antihistaminikum der 1. Generation mit antiallergischern, beruhigenden und schlaffördernden Eigenschaften.

Als Monopräparat oder kombiniert mit Baldriantinktur wird Salalepsi N in erster Linie zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt und dazu eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen eingenommen.

Die Halbwertszeit von Doxylamin beträgt etwa 10 Stunden. Das heisst, dass die Konzentration von Doxylamin im Organismus resp. im Blut nach 10 Stunden auf den halben Wert (50%) absinkt. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass Sanalepsi bei der Einnahme als Einschlafhilfe unerwünschterweise in den folgenden Tag hinein wirkt. Bei der Baldriantinktur besteht dieses Risiko nicht.

Doxylamin wird in Kombination mit Dextromethorphan (Hustenreizstiller), Ephedrin (Schleimhautabschweller) und Paracetamol (Schmerzmittel) in Kombinationspräparaten wie dem Erkältungspräparat Vicks MediNait® Saft verwendet. Solche Kombipräparate werden allerdings von vielen Fachleuten generell skeptisch beurteilt, weil damit oft Substanzen eingenommen werden, die im jeweiligen Erkältungsfall gar nicht nötig sind.

Als Einzelmittel ist Doxylamin in der Schweiz bei Einschlafstörungen zur Kurzzeitbehandlung zugelassen. Das passt aber eigentlich nicht zu einer Kombination mit Baldriantinktur, weil Baldrian erst nach einer Anwendung über mehrere Wochen wirksam wird.

Da Sanalepsi-Tropfen in Apotheken ohne Rezept erhältlich sind, werden sie oft als verhältnismässig harmlos eingeschätzt. Das ist aber wohl ein Trugschluss. In Deutschland hat das TV-Magazin „rbb Praxis“ sich mit diesem Thema befasst und dabei kamen verschiedene Fachleute zu Wort.

Der Schlafmediziner Dr. Holger Rein hält es für einen Trugschluss, wenn Patienten diese Medikamente unbedenklich finden, weil sie freiverkäuflich sind: „Das sind keine Lutschbonbons und keine Hustenbonbons. Es sind tatsächlich hochwirksame Substanzen.“

Der Pharmakologe Professor Dr. Markus Schwaninger von der Universität Lübeck sagt: „Es wirkt auf das Gehirn und kann dort verschiedene Funktionen beeinträchtigen. Nicht nur Schlaf auslösen, sondern auch das Gedächtnis und geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.“

Dass die Nachwirkungen der Substanzen auch noch am Folgetag auftreten können, bestätigt in der Sendung auch ein Anwender. Am nächsten Morgen denke und spreche man etwas langsamer und auch die Bewegungsabläufe seien verändert.

Die Internistin Dr. Jördis Hendricks aus Hamburg erklärt, dass durch die Einnahme dieser Präparate der Schlafrhythmus und die Schlafarchitektur gestört werde; der Schlaf sei nicht erholsam:„Man zahlt unter Umständen einen hohen Preis ohne einen langfristigen Nutzen.“ Und sie ergänzt: „Sie dürften auf gar keinen Fall frei verkauft werden. Das Mindeste wäre, dass man sie unter der die Rezeptpflicht stellt.“ Auch eine Marktrücknahme der Präparate ist für Hendricks denkbar.

Mögliche Nebenwirkungen von Doxylamin / Sanalepsi fasst das „Pharmawiki“ so zusammen:

„Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Müdigkeit, Verminderung der Reaktionsbereitschaft, paradoxe Reaktionen wie Erregung und Halluzinationen bei Kindern und älteren Personen, Kopfschmerzen und anticholinerge Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Akkommodationsstörungen, Verstopfung und Harnretention. Selten können Herz-Kreislauf-Reaktionen wie ein tiefer oder hoher Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen auftreten.“

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/panorama/nachricht-detail-panorama/aerztin-rezeptpflicht-fuer-otc-schlafmittel-tv-tipp-rbb-praxis/

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Doxylamin

Kommentar & Ergänzung:

Ohne zu dramatisieren lässt sich der Schluss ziehen, dass Sanalepsi-Tropfen nicht harmlos sind. Will man sie trotzdem einsetzen, dann sollte das  sehr gut überlegt und zeitlich begrenzt geschehen.

Die Kombination mit Baldriantinktur halte ich eher für fragwürdig.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schleimlöser bei Husten: Schlüsselblumenblüten oder Schlüsselblumenwurzel?

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Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) ist eine wichtige Heilpflanze bei produktivem Husten. Sie wird bei dieseer Indikation als Schleimlöser (Expectorans) eingesetzt wird.

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass der Wirkstoffgehalt in der Schlüsselblumenwurzel deutlich höher ist als in den Schlüsselblumenblüten.

Präzis beschrieben hat dies vor kurzem ein Beitrag auf Apotheke-Adhoc:

„In der Phytotherapie finden sowohl die Blüten als auch die Wurzel Anwendung. Die Schlüsselblumenblüten enthalten jedoch weitaus weniger wirksame Inhaltsstoffe als die Wurzel. Bislang konnte nur ein geringer Anteil an Triterpensaponinen nachgewiesen werden. Ätherisches Öl ist zu etwa 0,1 Prozent enthalten, Flavonoide zu etwa 3 Prozent. Die Blüten werden volkstümlich bei Reizbarkeit, Ruhelosigkeit und Angstzuständen eingesetzt. Auch wenn die Wirksamkeit nicht belegt ist, kommen die Blüten außerdem bei Neuralgien, Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit zum Einsatz.

Die Wurzel enthält weitaus mehr Triterpensaponine, insgesamt können es bis zu 12 Prozent der Pflanzeninhaltsstoffe sein. Der Großteil bezieht sich auf das Aglykon Protoprimulagenin A und die dazugehörigen Glykoside – die Primulasaponine. Primverin und Primulaverin sind als Phenolgylkoside die Hauptkomponenten.“

Apotheke-adhoc geht auch auf den Wirkungsmechanismus der Schlüsselblume ein, also auf die Frage, wie die schleimlösende Wirkung der Saponine zustande kommt:

„Die Wirkung ist auf die Triterpensaponine zurückzuführen. Sie reizen die Magenschleimhaut und regen die Bronchialschleimhaut durch die Reizweiterleitung über Nervenfasern dazu an, mehr Schleim zu produzieren. Somit verdünnt sich das Sekret und kann leichter abgehustet werden. Als Nebenwirkungen können vereinzelt Magenreizungen oder Übelkeit auftreten. Die Wurzel kann als Expektoranz zum Beispiel mit Thymian, Spitzwegerich, Fenchel oder Süßholz kombiniert werden.“

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/arzneipflanzen-primula-veris-fruehblueher-gegen-husten/

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein fachlich kompetenter Text. Bei der Schlüsselblume steht heute tatsächlich die schleimlösende Wirkung im Zentrum.

Die erwähnten volkstümlichen Anwendungen der Schlüsselblumenblüten bei Reizbarkeit, Ruhelosigkeit, Angstzuständen, Neuralgien, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit sind nicht plausibel. Schlüsselblumenblüten eignen sich aber gut zur Teeverschönerung. Sie sind auch enthalten im Präparat „Sinupret“, das bei Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis) eingesetzt wird.

Bei Husten ist aber wegen des höheren Saponin-Gehalts mit grosser Wahrscheinlichkeit die Schlüsselblumenwurzel wirksamer. Allerdings ist sie einzeln nicht nicht fundiert auf ihre Wirksamkeit untersucht worden. Es gibt aber gute Studien zur Wirksamkeit einer Kombination von Thymianextrakt und Schlüsselblumenwurzelextrakt. Dieses Kombipräparat wird sogar in den Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) empfohlen.

Siehe dazu hier:

Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser bewertet

Schlüsselblume als Hustenmittel

 

Heilpflanzen-Extrakte aus Schlüsselblume und Thymian helfen beim abhusten

Den beschriebenen Wirkungsmechanismus der Triterpensaponine nennt man auch gastropulmonalen Reflex. Er ist nicht spezifisch für die Schlüsselblume, sondern tritt auch bei anderen Heilpflanzen auf, die Triterpensaponine enthalten.

Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) steht im Übrigen unter Naturschutz. Zu Heilzwecken kauft man sie besser in der Apotheke oder Drogerie.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Teebaumöl bei Akne

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Das ätherische Öl aus den Blättern und Zweigen des in Australien heimischen Teebaums (Melaleuca alternifolia) gilt als Geheimtipp gegen Pickel / Akne.

Das Portal „Medizin transparent“ hat recherchiert, ob die Studienlage die Wirksamkeit von Teebaumöl gegen Akne bestätigt.

Ein chinesisch-australisches Wissenschaftsteam konnte in einer umfangreichen Recherche nur eine einzige Studie zu diesem Thema finden.

Diese allerdings kleine Studie liefert zwar vorsichtige Hinweise, dass Teebaumöl gegen Pickel helfen könnte. Für wissenschaftliche Gewissheit wären jedoch weitere, gutgemachte Studien mit positivem Resultat nötig.

In dieser Untersuchung hatten die Versuchspersonen per Losentscheid entweder ein Gel mit Teebaumöl in einer 5-prozentigen Konzentration oder aber ein vergleichbares Gel ohne Wirkstoff ( = Scheinpräparat, Placebo) zugeteilt bekommen, das sie sich zweimal täglich auf die betroffenen Stellen im Gesicht auftragen sollten.

Welche der insgesamt 60 Versuchspersonen das Teebaumöl-Präparat und welche das Placebo bekamen, wurde vor den Probanden und dem Studienpersonal geheim gehalten. Durch diese „doppelte Verblindung“, wie das Geheimhalten der Zuteilung vor sowohl Teilnehmern als auch Studienpersonal genannt wird, wird sichergestellt, dass Erwartungen der an der Studie beteiligten Personen das Resultat nicht beeinflussen können. Allerdings ist nicht sicher, dass bei dieser Studie die Verblindung auch bis zum Ende der Studie aufrecht blieb, da die Wirkstoff-freien Salben eine andere Beschriftung hatten als jene mit Teebaumöl.

Nach sechs Wochen zeigten sich bei den Versuchpersonen, welche das Gel mit Teebaumöl verwendeten, durchschnittlich sieben bis acht Hautunreinheiten wie Pickel, Mitesser oder Pusteln weniger als bei jenen, die das wirkstofflose Gel aufgetragen hatten. Mit nur 60 Probanden sind diese Resultate dieser Studie allerdings nur eingeschränkt aussagekräftig. Finanziert wurde die Untersuchung durch ein Unternehmen, das Kosmetika mit Teebaumöl produziert.

Aus den Resultaten ihrer Untersuchung schlussfolgern die Studienautoren, dass ihr Teebaumöl-Präparat kaum mehr Nebenwirkungen hat als das Gel ohne Wirkstoff. „Medizin transparent“ weißt jedoch darauf hin, dass Teebaumöl nicht immer harmlos ist, und bei empfindlichen Personen zu Hautreizungen und allergischen Hautausschlägen führen kann. Das Scientific Commitee on Consumer Safety (SCCS), das auf EU-Ebene berät, warne daher vor Produkten, die über fünf Prozent Teebaumöl enthalten, und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung rate bei Kosmetika überhaupt zu einer Begrenzung auf eine Konzentration von einem Prozent.

Quelle:

https://www.medizin-transparent.at/teebaumoel-gegen-pickel

Kommentar & Ergänzung:

Teebaumöl hat eine gute antibakterielle Wirkung und da Bakterien bei Akne eine Rolle spielen, erscheint eine Wirksamkeit plausibel.

Teebaumöl wird durch Wasserdampfdestillation aus den Blättern und Zweigen des in Australien heimischen Australischen Teebaums (Melaleuca alternifolia) gewonnen.

Es besteht aus einem Gemisch von etwa 100 Substanzen, insbesondere (+)-Terpinen-4-ol (rund 40 %), α-Terpinen (rund 20 %), Terpinolen, Terpineol (jeweils 3 bis 4 %), Pinen, Myrcen, Phellandren, p-Cymen, Limonen, 1,8-Cineol.

Während die chinesisch-australische Forschergruppe nur eine einzige Studie fand, die ihren Qualitätsansprüchen genügte, geht Dr. Rainer C. Görne in der ÄrzteZeitung von fünf randomisierten Studien aus, welche die Wirksamkeit von Teebaumöl bei der Behandlung von Akne belegen sollen. Allerdings fehlen dort Quellenangaben zu diesen Studien.

Siehe: Teebaumöl gegen Akne

 

Die Verträglichkeit des Teebaumöls hängt wesentlich von den Aufbewahrungsbedingungen ab, die möglischst geschützt vor Sauerstoff sein sollten:

Teebaumöl: Korrekte Aufbewahrung reduziert Nebenwirkungen

Grundsätzlich stellt sich jedoch die Frage, ob es unbedingt Teebaumöl sein muss.

Viele ätherische Öle wirken antibakteriell. Und viele ätherische Öle sind besser hautverträglich als Teebaumöl und geruchlich angenehmer.

Besser verträgliche und geruchlich angenehmere ätherische Öle mit antibakterieller Wirkung sind zum Beispiel Korianderöl und Lavendelöl.

Siehe dazu:

Korianderöl bekämpft gefährliche Bakterien

Zur Wirkung von Korianderöl

Phytotherapie: Zur Wirkung von Koriander / Korianderöl

 

 

 

Wer typverwandte ätherische Öle als geruchliche Alternativen zu Teebaumöl sucht probiert es manchmal mit Manukaöl, Kanukaöl, Niaouliöl, Cajeputöl oder Eukalyptusöl.

Manukaöl ( aus der Südseemyrte, Leptospermum scoparium) wirkt ähnlich antibakteriell wie Teebaumöl, ist aber ebenfalls haut- und augenreizend.

Kanukaöl stammt von Leptospermum ericoides (= Kunzea ericoides) und fällt bezüglich antibakterieller Wirkung ab.

Niaouliöl wird mittels Wasserdampfdestillation gewonnen aus Melaleuca viridiflora (Myrtaceae) und gleicht in seiner Zusammensetzung dem Cajeputöl: Hauptbestandteil ist 1,8-Cineol (bis ca. 60 %), weiters Pinen und Limonen. Im Labor zeigte es antimikrobielle Wirkung.

Siehe: Was ist Niaouliöl?

Cajeputöl wird durch Wasserdampfdestillation aus den Blättern und kleineren Zweigen des Cajeputbaumes (Melaleuca leucadendra) gewonnen. Es hat einen an Eukalyptus erinnernden Duft, wirkt stark antimikrobiell, enthält in hohem Maße Terpene und ist ein Hauptbestandteil des Olbasöls.

Siehe:

Olbastropfen – ein Gemisch von ätherischen Ölen getestet auf antimikrobielle Wirkung

Eukalyptusöl stammt von Eucalyptus globulus und besteht hauptsächlich aus 1,8-Cineol (über 70 %), ausserdem 1-Pinen (Spuren bis maximal 9 %), 2-Pinen (0-1,5 %), Limonen (0-12 %), und Phellandren (0-1,5 %). Es zeigt breite antimikrobielle Aktivität, ist dabei aber in seiner Wirksamkeit dem Teebaumöl unterlegen.

Verglichen mit dem relativ giftigen Phenol ist das Teebaumöl 11 bis 13 Mal wirksamer und damit viel stärker bakterizid als Eukalyptusöl, das nur etwa 3,5mal stärker als Phenol wirkt. In der Phytotherapie wird Eukalyptusöl in Kapselform auch innerlich angwendet als schleimlösendes Mittel gegen Husten (Sibrovita N).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zwiebel gegen Bakterien wirksam?

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Das Magazin Focus beschreibt die Zwiebel als „Alleskönner“.

Zitat:

„Zwiebel besitzen zudem die Fähigkeit, Bakterien zu absorbieren. Das lässt sich zu Hause zur Luftreinigung nutzen. Mit ein paar Zwiebelscheiben, die Sie in ihren vier Wänden verteilen, können Sie die Ausbreitung von Bakterien eindämmen. Wer will, kann seine Zwiebeln über Nacht aber auch in seine Socken stecken. Das soll schon nach einigen Stunden Fieber zum Sinken bringen.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/videos/die-zwiebel-der-alleskoenner-zwiebeln-gegen-fieber-5-situation-in-denen-das-gemuese-abhilfe-schaffen-kann_id_6821554.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Dass die Zwiebel (Allium cepa) antibakteriell wirkt, lässt sich gut im Labor nachweisen. Thiosulfinate aus der Zwiebel zeigen im Lochplattentest Wirkung gegenüber Bacillus subtilis, Salmonella typhi, Pseudomonas aeruginosa und Escherichia coli.

Ob Zwiebel allerdings die Raumluft von Bakterien reinigen kann, ist eine ganz andere Frage. Dazu braucht es eine bestimmte Konzentration an Thiosulfinaten in der Luft und es wäre durchaus möglich, dass bei der nötigen Konzentration niemand sich mehr freiwillig in diesem Raum aufhalten würde – also nicht nur keine Bakterien, sondern auch keine Menschen.

Ziemlich abenteuerlich ist die Vorstellung, dass die Zwiebel Bakterien aus der Luft absorbiert. Mit welcher Kraft soll sie denn Bakterien anziehen?

Nun gilt allerdings das Aufstellen einer halbierten oder stärker zerkleinerten Zwiebel über Nacht als bewährtes Hausmittel bei Schnupfen. Immer wieder gibt es Berichte, wonach diese Massnahme die Atemwege befreit und mehr Luft verschafft.

Wie lässt sich das erklären?

Bestimmt nicht mit dem Absorbieren von Bakterien.  Schnupfen wird durch Viren ausgelöst und ob die Zwiebel da auch antiviral wirkt, ist nicht geklärt.

Plausibler scheint mir, dass dieser Effekt mit der schleimhautreizenden Wirkung der Zwiebel zusammenhängt. Dafür verantwortlich ist Propanthial-S-oxid, der Tränenreizstoff in den Zwiebeln.

Denkbar ist, dass diese Substanz über eine Schleimhautreizung in den Atemwegen die Produktion von dünnflüssigem Schleim anregt, wodurch dicklüssiger Schleim verdünnt wird. Eine Reizung der Schleimhäute kann auch die lokale Durchblutung steigern und dadurch die Abwehrkraft des Immunsystems verbessern.

Das sind allerdings nur Überlegungen. Belege für solche Wirkungsmechanismen gibt es nicht.

Dass eine über Nacht in die Socken gesteckte Zwiebel das Fieber senkt, ist im Übrigen genauso fragwürdig wie die angebliche Absorption von Bakterien.

Über Nacht sinkt das Fieber in der Regel sowieso. Darum spricht einiges dafür, dass hier ein Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss vorliegt:

Zwei zeitgleich und unabhängig voneinander ablaufende Vorgänge – in die Socken gesteckte Zwiebeln und sinkendes Fieber – werden irrtümlich in einen ursächlichen Zusammenhang gestellt: Wegen der in die Socken gesteckten Zwiebeln sinkt das Fieber.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde wird die Zwiebel aber noch in einer ganzen Reihe von Hausmitteln gegen Erkältungen eingesetzt, beispielsweise Zwiebeltee und Zwiebelsirup als schleimlösende Anwendung bei Husten. Hier könnte eine Reizwirkung der Zwiebel-Inhaltsstoffe auf die Magenschleimhaut via Vagus-Nerv zu einer verstärkten Sekretion von dünnflüssigem Schleim in den Bronchien führen, wodurch „verhockter“ Schleim gelöst wird. Auch für diesen möglichen Wirkungsmechanismus gibt es allerdings keine fundierten Belege.

Grundsätzlich enthält die Zwiebel sehr ähnliche Wirkstoffe wie der Knoblauch, insbesondere Alliine, die beim Zerkleinern der frischen Zwiebeln durch enzymatische Umwandlung mittels Alliinase in Allicin übergehen. Bei der Einnahme von Zwiebeln über längere Zeit können daher ähnliche Wirkungen erwartet werden, wie sie vom Knoblauch bekannt sind. Die Zwiebel ist aber schlechter untersucht als der Knoblauch und ihre Wirkungen dürften bei innerlicher Anwendung eher etwas schwächer sein.

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Was ist „Chäslichrut“?

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„Chäslichrut“ ist ein in der Schweiz verbreiteter Volksname für Malva silvestris (Wald-Malve, Wilde Malve, Grosses Chäslichrut“) und Malva neglecta (Weg-Malve, Kleines Chäslichrut).

Chäslichrut hat seinen Namen von den Früchten, die flach und rund sind wie ein Käselaib.

Traditionell verwendet werden die Blätter des Grossen und Kleinen Chäslichruts zur Behandlung von Wunden – und die Blüten des Grossen Chäslichruts als Tee bei trockenem Husten.

Chäslichrut enthält Gerbstoffe und Schleimstoffe.

Es gehört zur grossen Pflanzenfamilie der Malvengewächse (Malvaceen). Die mehr als 4000 Arten umfasst.

Zu den Malvengewächsen gehören beliebte Zierpflanzen, zum Beispiel aus den Gattungen Hibiscus und Stockrosen (Alcea), aber auch Nutzpflanzen wie die Kolabäume (Cola), der Kakaobaum (Theobroma cacao) und die Baumwollpflanze (Gossypium). Die früher eigenständige Pflanzenfamilie der Lindengewächse wurde inzwischen aufgrund von molekulargenetischen Untersuchungen in die Familie der Malvaceen eingegliedert. Eine durchaus illustere Verwandtschaft also für das Chäslichrut.

Ein schönes Foto der Käselaib-förmigen Chäslichrut-Früchte von Malva silvestris können Sie hier sehen auf Wikipedia.

Siehe auch:

Blick ins Pflanzenlexikon: Malven

 

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Meisterwurztinktur bei Schwächezuständen?

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Meisterwurztinktur helfe allen Menschen bei Schwächezuständen, schreibt ein Verkäufer von Meisterwurztinktur (den ich hier nicht nenne, weil ich ihn nicht noch kostenlos bekannter machen will).

Nichts gegen Meisterwurz (Peucedanum ostruthium). Er hat in der traditionellen Pflanzenheilkunde einen grossen Ruf und riecht eindrücklich aromatisch durch den Gehalt an ätherischen Ölen.

An der erwähnten Aussage lässt sich jedoch vor allem zeigen, woran sich unseriöse Heilungsversprechungen erkennen lassen.

Meisterwurztinktur hilft also angeblich allen Menschen mit Schwächezuständen.

Zwei Punkte sind an dieser Aussage kritisch:

  1. Das Wort „alle“.

Diese Verallgemeinerung kommt einer Garantie gleich. Garantien sind in der Heilkunde immer ein Grund zu Skepsis. Der menschliche Organismus ist zu komplex für Garantien. Bei einem Staubsauger ist eine Garantie angemessen, beim Menschen nicht.

  1. „allen Menschen mit Schwächezuständen.“

Das bedeutet dann auch: Bei allen Arten von Schwächezuständen.

Schwächezustände können aber ganz unterschiedliche Ursachen haben. Es ist kaum vorstellbar, dass Meisterwurztinktur in allen Fällen helfen kann, unabhängig von der zugrunde liegenden Ursache.

Aber nun einmal abgesehen von der unseriösen absoluten Formulierung des Herstellers: Kann Meisterwurztinktur bei Schwächezuständen helfen?

Dazu gibt es keine verlässlichen Daten. In der Phytotherapie taucht Meisterwurz kaum auf und schon gar nicht mit der Indikation „Schwächezustände“.

In der Antike war Meisterwurz als Heilpflanze unbekannt. Im 16. Und 17. Jahrhundert dagegen galt die Wurzel dagegen als Universalmittel und wurde in den Kräuterbüchern oft genannt.

Matthiolus (1500 – 1577) schreibt zum Beispiel:

„Sie zertheilen und verzehren die groben, zähen, kalten flüsse im Leibe. Dienen wider den Husten. Sie zertrennen auch den schleimigen Lungenkoder und fürdern ihn zum aussreuspern.“

Quelle: „Arzneipflanzen in der Traditionellen Medizin“, Kooperation Phytopharmaka (Hrsg.), 2000.

Husten ist in den alten Kräuterbüchern ein häufig genanntes Anwendungsgebiet für Meisterwurz. Die Pflanze ist aber auch ein gern eingesetzter Bestandteil von Kräuterschnäpsen.

Aufgrund ihres Gehalts an ätherischem Öl und Bitterstoffen ist eine verdauungsfördernde Wirkung plausibel.

Und die Schwächezustände? Denkbar wäre eine anregende Wirkung des ätherischen Öls im Sinne einer Aromatherapie, aber das ist reine Spekulation und experimentell zeigt die Pflanze offenbar eher leicht beruhigende Effekte (nach „Handbuch Phytotherapie“ von Jänicke / Grünwald / Brendler (2003).

 

Es spricht viel dafür, dass die Indikation „Schwächezustände“ für die Meisterwurztinktur eher auf der verkaufsfördernden Fantasie des Verkäufers beruht als auf fundierten Erkenntnissen. Denn wer fühlt sich schon nicht gelegentlich schlapp und könnte dann eine solche Pflanzentinktur brauchen?

Und abschliessend: Wenn schon Meisterwurz, dann würde ich den Tee der Tinktur vorziehen. Er ist günstiger zu kaufen und führt mehr Wirkstoffe zu.

Siehe dazu:

Pflanzentinkturen oder Kräutertees?

Und ausserdem:

Meisterwurz (Imperatoria) als Antidot?

 

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Meerrettichwein gegen Verdauungsprobleme

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Der Bayerische Rundfunk berichtete kürzlich sehr informativ über Meerrettich und seine Wirkungen. Dabei kam die Rede auch auf den Meerrettichwein:

„Auch bei Verdauungsproblemen kann Meerrettich helfen. Gerieben mit dem Lieblingswein mischen – acht Tage im Dunkeln lagern, gelegentlich schwenken. Fertig ist der Verdauungstrunk.“

Quelle:

http://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/gesundheit/meerrettich-heilpflanze-gesundheit-100.html

Kommentar & Ergänzung:

Meerrettichwein ist ein altes Hausmittel, das vor allem als schleimlösendes Mittel bei Husten und Bronchitis eingesetzt wird.

Die Empfehlung bei „Verdauungsproblemen“ ist nachvollziehbar, aber sehr vage. Als „Verdauungsprobleme“ können sehr unterschiedliche Beschwerden bezeichnet werden.

Meerrettich regt die Verdauungssäfte an und soll deshalb gegen Appetitlosigkeit wirken.

Meerrettichwurzel enthält Senfölglykoside (Glukosinolate), die reizend und durchblutungsfördernd auf Haut und Schleimhäute wirken. Im Magen-Darm-Trakt könnten Senfölglykoside dadurch zu einer gesteigerten Magen- und Darmperistaltik führen. Das kennt man aus Studien mit dem Präparat Iberogast, das ebenfalls Senfölglykoside enthält (aus Iberis amara, Bittere Schleifenblume). Das legt die Vermutung nahe, dass Meerrettichwein auch bei Völlegefühl wirksam sein könnte. Genauer untersucht wurde die Wirkung von Meerrettichwein allerdings nicht.

Der Tipp des Bayerischen Rundfunks hält sich etwas knapp mit Angaben zur Zubereitung und Dosierung des Meerrettichweins. Wieviel Meerrettich pro Liter Wein? Wieviel Meerrettichwein pro Tag?

Glukosinolate und andere Scharfstoffe werden allerdings von Menschen unterschiedlich vertragen. Ich würde jedenfalls beim ersten Versuch zurückhaltend sein mit der Menge an zugegebener Meerrettichwurzel. Falls das Produkt dann zu schwach wirkt, lässt sich die Menge bei der nächsten Zubereitung immer noch steigern.

Siehe auch:

Meerrettich als „Penicillin des Gartens“?

Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse hemmen Grippeviren vom Typ H1N1

Meerrettich: Breitbandantibiotikum aus der Natur

Phytotherapie: Senföl aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenzaviren

Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und Blasenentzündung

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Vaginalcreme mit Fenchel gegen Scheidentrockenheit

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Eine Vaginalcreme mit Fenchel reduzierte in einer Studie die Symptome postmenopausaler Scheidentrockenheit.

Während der Wechseljahre wird die Östrogenproduktion im weiblichen Organismus vermindert. Dabei kommt es bei beinahe 40 % der Frauen zu Symptomen wie Brennen, Jucken, Scheidentrockenheit und Dyspareunie (Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs). Der pH-Wert in der Vagina erhöht sich, was dazu führt, dass Krankheitserreger sich leichter ansiedeln und Entzündungen auslösen können. Sexuelle Aktivität kann dieser Entwicklung entgegen wirken, doch zahlreichen Frauen bleibt nur der Griff zu Cremes und Gleitmitteln.

Fenchelfrüchte aus Foeniculum vulgare werden sowohl in der traditionellen Medizin als auch in der modernen Phytotherapie eingesetzt. In einer Studie wurde untersucht, ob sich Scheidentrockenheit mit einer lokal anwendbaren Fenchelcreme lindern lässt.

Für die Studie wurde eine speziell hergestellte 5-prozentige Fenchelcreme an 30 postmenopausalen Frauen getestet. Die Probandinnen der Kontrollgruppe in dieser randomisierten Doppelblindstudie bekamen dagegen eine Placebo-Creme. Die Symptome Brennen, Jucken, Trockenheit, Färbung der Vagina und Dyspareunie wurden in ihrer Ausprägung vor Behandlungsbeginn sowie nach zwei, vier und acht Wochen erfasst.

Ein Abstrich diente der zytologischen Untersuchung und wurde beim Start und acht Wochen nach der Behandlung durchgeführt, ebenso wie eine Messung des pH-Wertes im Scheidenmilieu.

Im Vergleich zur Placebo-Creme führte die Fenchelcreme sowohl zu einer der Verbesserung zytologischen Parameter als auch zu einer signifikanten Verminderung der Symptome. Keine der 30 Frauen in der „Fenchelcreme-Gruppe“ litt nach der 8-wöchigen Behandlung unter Juckreiz oder Trockenheit, lediglich eine Probandin berichtete von leichtem Brennen und zwei von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Der pH-Wert, der vor der Behandlung bei allen Frauen über pH 5 lag, war am Schluss der Behandlungsphase bei allen Frauen in der Fenchelcremegruppe tiefer als pH 5.

In der Kontrollgruppe dagegen erfuhren die Studienteilnehmerinnen nur eine leichte Besserung mancher Symptome, der pH-Wert und die zytologischen Werte veränderten sich im Vergleich zu den Ausgangswerten nur geringfügig.

In keiner der beiden Gruppen zeigten sich unerwünschte Nebenwirkungen durch die Anwendung der Cremes.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/fenchelcreme-gegen-scheidentrockenheit.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26617271

Kommentar & Ergänzung:

Diese Studie ist eine Überraschung, weil Fenchel in der Phytotherapie bisher hauptsächlich zur Linderung von Verdauungsstörungen und als schleimlösendes Mittel bei Husten eingesetzt wird. Im Zusammenhang mit Scheidentrockenheit taucht Fenchel bisher nicht auf. Allerdings zeigen Inhaltsstoffe des Fenchels im Labor östrogene Eigenschaften und das dürfte auch der Hintergrund dieser Studie sein.

Die untersuchte Fenchelcreme ist bisher nicht im Handel erhältlich und leider ist aus dem Abstract nicht ersichtlich, welche Art von Fenchelzubereitung genau verwendet wurde. Eigentlich müsste Fenchelöl in einer Basiscreme passen, da die östrogenen Inhaltsstoffe Bestandteil dieses ätherischen Öls sind. Zu klären wäre dann allerdings die adäquate Konzentration. Bis auf der Basis dieser Studie ein Präparat mit belegter Wirksamkeit und geprüfter Verträglichkeit vorliegt, dürfte es also noch einige Forschungsanstrengungen brauchen.

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Holunderbeeren gegen Erkältungen

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Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) hat schon lange einen Ruf als Helfer bei Erkältungskrankheiten. In der Phytotherapie wird ein Tee aus Holunderblüten verwendet. Er soll schweisstreibend wirken bei fieberhaften Infekten, wobei diese Wirkung allerdings nicht geklärt oder gar belegt ist. Experimentelle Studien deuten zudem auf eine auswurffördernde Wirkung bei Husten hin.

Der Saft aus Holunderbeeren wird traditionell empfohlen zur Vorbeugung und Behandlung von Erkältungen.

Ein Spezialextrakt aus Holunderbeeren zeigte im Labor antivirale Aktivität gegen Influenzaviren vom Typ H1N1. Flavonoide aus den Holunderbeeren banden dabei an die Virusoberfläche und hemmten dadurch das Eindringen der Viren in die Wirtszellen.

Ob ein solcher Effekt auch im menschlichen Organismus auftritt, bleibt dabei allerdings offen. Überzeugende Daten aus Studien mit Patienten lagen bis vor kurzem nicht vor. Das könnte sich nun ein Stück weit ändern durch eine Studie, die im Jahr 2016 publiziert und in der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ erwähnt wurde:

„Auch Oma lag mit ihrem Holundertee wohl nicht so falsch. In einer Studie mit 312 Flugreisenden verringerten sich die Symptome und die Dauer von Erkältungen bei den Teilnehmern, die regelmäßig einen Extrakt aus Holunderbeeren (Sambucus nigra) zu sich genommen hatten. Holunderbeeren sind sehr vitaminhaltig; sie enthalten Kupfer, Zink und Magnesium sowie Polyphenole in beachtlichen Mengen, was den Körper bei der Auseinandersetzung mit den Schnupfenviren offensichtlich unterstützt.“

Quelle:

http://www.spektrum.de/news/hilft-huehnersuppe-gegen-erkaeltung/1432792?_ga=1.189200047.529023555.1471969798

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27023596

Nutrients. 2016 Mar 24;8(4):182. doi: 10.3390/nu8040182.

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie war doppel-blind und placebokontrolliert.

Signifikant verringerten sich die Symptome und die Dauer von Erkältungen. In der Placebogruppe traten zudem mehr Erkältungen auf als in der Holunderbeeren-Extraktgruppe (17 versus 12), doch war dieser Unterschied nicht signifikant.

„Most cold episodes occurred in the placebo group (17 vs. 12), however the difference was not significant (p = 0.4). Placebo group participants had a significantly longer duration of cold episode days (117 vs. 57, p = 0.02) and the average symptom score over these days was also significantly higher (583 vs. 247, p = 0.05). These data suggest a significant reduction of cold duration and severity in air travelers. More research is warranted to confirm this effect and to evaluate elderberry’s physical and mental health benefits.“

Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27023596

Wenn das Ergebnis statistisch „signifikant“ ist, bedeutet das, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es zufällig zustande gekommen ist, unter 5% liegt (p < 0,05).

In der Studie wurde ein standardisierter Extrakt aus Holunderbeeren verwendet. Es ist offen, wieob und wie weit sich die Ergebnisse auf andere Zubereitungen aus Holunderbeeren übertragen lassen.

Wichtig ist jedoch: Der Genuss von rohen oder ungenügend erhitzten Holunderbeeren kann zu Übelkeit und Erbrechen führen. Sie enthalten nämlich den Giftstoff Sambunigrin. Erhitzt man die Holunderfrüchte, baut sich Sambinigrin vollständig ab.

Siehe auch:

Holunderbeeren – gesund und fein

Schwarzer Holunder: Holundersaft bei Grippe und Erkältung

Giftigkeit: Schwarzer Holunder – Roter Holunder – Zwergholunder

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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Erkältung: Welche Therapien wirklich helfen

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Das Angebot an konventionellen und alternativen Präparaten zur Behandlung von Erkältungskrankheiten ist sehr gross. Die Studien zur Wirksamkeit sind aber oft nicht sehr überzeugend.

Erwachsene machen pro Jahr zwei bis vier Erkältungsepisoden durch, Kinder sogar sechs bis acht. Entsprechend umfangreich ist der Umsatz an Präparaten, mit denen Ärzte oder die Patienten selbst versuchen, den Verlauf der meist viralen Infektionen abzuschwächen und zu verkürzen. Von welchen Behandlungen nach derzeitigem Wissensstand wirklich Hilfe zu erwarten ist und von welchen eher nicht, das haben Miriam Croessmann vom Sana Klinikum Offenbach und Professor Markus Rose von der Universität Frankfurt / Main in der Fachzeitschrift „Pneumologe“ zusammengefasst (Pneumologe 2016: 13: 262–273). Dabei steht die Anwendung bei Kindern im Zentrum.

Die „Ärzte Zeitung“ hat den Text zusammengefasst.

Ich greife nachfolgend die pflanzlichen Präparate als Zitate heraus und kommentiere sie stellenweise.

Zu den schleimlösenden Mitteln (Sekretolytika / Mukolytika) steht da:

„Sie sollen bei erkältungsbedingter Bronchitis den Schleim verflüssigen und das Abhusten erleichtern. Unter Acetylcystein kann ein erhöhtes Volumen von verflüssigtem Bronchialsekret auftreten, das unter anderem von jungen Kindern schlecht abgehustet werden kann. Von Efeupräparaten ist dies nicht zu befürchten. Sekretolytika / Mukolytika sollten vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern eine strenge Indikationsstellung erfahren.“

Hier werden also das synthetische Acetylcystein und die pflanzlichen Efeupräparate erwähnt. Zur Wirksamkeit wird nichts gesagt, aber die Efeupräparate sind an einem Punkt verträglicher. Das am besten dokumentierte Efeupräparat ist Prospan® (zugelassen für Kinder ab zwei Jahren). Das beste Mukolytikum sei eine gute Befeuchtung der Atemwege und reichlich trinken, heisst es in dem Beitrag.

Dann geht es noch um ätherische Öle als Einreibemittel:

„ Vapor rub mit den Wirkkomponenten Kampfer, Menthol, Eukalytpusöl hat bei Kindern keine Wirkung auf Husten oder Schnupfen, aber Kind und Eltern schlafen besser. Eltern müssen aufgeklärt werden, dass Einreibemittel und Tropfen auf Basis ätherischer Öle zu Atemwegsreizungen bis zum Bronchospasmus führen können.“

Gemeint ist hier wohl „Wick Vaporub“ (D) bzw. „Vicks vaporub“ (CH). Menthol ist der Hauptbestandteil von Pfefferminzöl. Es löst auf der Haut und an der Nasenschleimhaut ein Kältegefühl aus, das nicht physikalisch durch tiefe Temperatur, sondern durch Bindung an einen Kälterezeptor ausgelöst wird. In der Nase wird dadurch der Luftstrom intensiver wahrgenommen, wodurch eine subjektive Empfindung des Besser-durchatmen-könnens entsteht. Sie lässt sich nicht objektivieren, das heisst, man kann nicht durch Messung nachweisen, dass mehr Luft durch die Nase geht. Aber immerhin wirkt das erleichternd auf die Beschwerden der verstopften Nase, so dass nachvollziehbar ist, dass erkältete Kinder besser schlafen. Dass auch die Eltern besser schlafen, ist wohl ein erwünschter Nebeneffekt.

Ich würde allerdings bei Säuglingen und Kleinkindern als Einreibemittel nur mentholfreie Produkte verwenden. Als Regel gilt zudem, dass bei Säuglingen und Kleinkindern ätherische Öle nicht konzentriert in der Nähe der Atemöffnungen eingesetzt werden sollten.

Interessanterweise ist die Wirksamkeit von Honig gegen Hustenreiz recht gut belegt:

„Honig: Bei Kindern im Alter über einem Jahr kann ein Löffel Honig am Abend Husten und Nachtschlaf günstig beeinflussen.“

Siehe:

Erkältungen: Honig hilft gegen Husten

Hausmittel: Heisse Milch mit Honig gegen Husten

Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser

Honig lindert Erkältungen bei Kleinkindern

 

Und dann kommt Knoblauch:

„Knoblauch: Laut einer Cochrane-Analyse können Knoblauchtabletten möglicherweise Erkältungen vorbeugen, haben aber keinen Einfluss auf die Dauer von Erkältungen.“

Diese Cochrane-Analyse ist sehr interessant. Sie basiert aber auf nur einer Studie.

Siehe:

Schützt Knoblauch vor Erkältungen?

 

Für Kinder dürfte Knoblauch zur Prophylaxe von Erkältungen geruchlich allerdings wohl etwas schwierig sein.

Dann der Klassiker der pflanzlichen Immunstimulantien: Echinacea / Sonnenhut:

„Echinacea: Es gibt keine überzeugenden Daten für den therapeutischen Einsatz von Echinacea bei Erkältungen, allenfalls für eine leichte prophylaktische Wirkung.“

Diese Einschätzung ist ziemlich ernüchternd. Sie beruht wohl auf dem Cochrane-Review von 2014:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24554461

Meinem Eindruck nach gibt es schon Leute, die von einer Echinacea-Einnahme profitieren. Klar scheint mir aber auch, dass die Erwartungen, die von der Werbung geweckt werden, durch die Studienlage nicht gedeckt sind.

Und dann weiter zu „Umckaloabo“, der alten Zulu-Heilpflanze aus Südafrika:

„Umckaloabo: Der Extrakt aus Pelargonium sidoides soll immunstimulierend, hustenstillend und schleimlösend wirken. In RCTs ist die Wirksamkeit bei Erwachsenen mit Erkältung oder akuter Rhinosinusitis sowie bei Erwachsenen und Kindern mit akuter Bronchitis gezeigt worden. Die Qualität der Evidenz sei niedrig, so Croessmann und Rose.“

„Umckaloabo“ ist auch als „Kapland-Pelargonie“ im Handel. Die relevanten Studien wurden alle mit dem Extrakt bzw. Präparat „Umckaloabo®“ durchgeführt (in der Schweiz nach ärztlicher Verordnung kassenpflichtig als Kaloabo®). Die Ergebnisse können nicht auf andere Produkte mit Kapland-Pelargonie übertragen werden, die zum Beispiel als Hausspezialitäten in Apotheken und Drogerien angeboten werden.

Bei Kindern seien günstige Effekte auf nasale Symptome und auf den Verbrauch von Dekongestiva durch Meerwasser-Spülungen dokumentiert, heisst es im Beitrag weiter (Dekongestiva hier = Abschwellende Nasentropfen).

Ausserdem wird darauf hingewiesen, dass für Vitamin C keine eindeutigen therapeutischen Effekte bei Erkältungen belegt sind. Das konnte für die Normalbevölkerung schon durch eine ganze Reihe von Studien belegt werden. Eine Ausnahme scheinen Sportler darzustellen, bei Ihnen kann die vorbeugende Einnahme die Erkältungshäufigkeit auf rund die Hälfte reduzieren. Siehe dazu auf „Medizin transparent“:

Vitamin C beinahe nutzlos gegen Erkältungen

Zum Nutzen der Luftbefeuchtung seien die Studienergebnisse widersprüchlich, wird im Artikel vermerkt.

Die Originalpublikation in der Zeitschrift „Der Pulmologe“ fasst als Ergebnis für Kinder zusammen:

„Bei Kindern gibt es für häufig als Erkältungsmittel angewandte Substanzen wie Hustensäfte oder Echinaceapräparate keine konsistente Datenlage. Potenziell nützlich sind ätherische Einreibungen (Vapor rub, cave: Reizungen), Zink, Pelargonium sidoides und Honig.“

Quellen

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/922746/erkaeltung-helfen-diese-20-therapien-wirklich.html

Der Pneumologe, Juli 2016, Volume 13, Issue 4, pp 262–273

http://link.springer.com/article/10.1007/s10405-016-0052-3

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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