Beiträge

Bullshit zu Aromapflege und Aromatherapie

Diesen Artikel teilen:
FacebookTwitterGoogle+ Share

Bullshit redet, wer wohlklingende Worte äussert, die nichts aussagen. Ein Beispiel für solchen Bullshit sind meines Erachtens folgende Sätze über Aromapflege und Aromatherapie:

„Aromapflege und Aromatherapie folgen den Prinzipien der Naturheilkunde. Sie wollen die Lebenskraft und Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken. Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht. Sie bewirken eine seelische Umstimmung, regulieren aus der Balance Geratenes und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden. Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“

Quelle:

http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/komplementaermedizin/?full=50130

Kommentar und Ergänzung:

Hier werden wohlklingende Begriffe aneinandergereiht, die kaum irgendwelche konkreten Inhalte haben.

⇒ Die „Prinzipien der Naturheilkunde“ sind nicht so klar definiert, wie das hier aussieht. Der Autor müsste konkrete Beispiele bringen um zu illustrieren, was genau er damit meint. Aber wenn man konkret wird, stösst man schnell an Grenzen oder verwickelt sich in Widersprüche. Bleibt man schön im wohlklingenden Allgemeinen, lässt sich diese Schwierigkeit vermeiden.

„Lebenskraft“ ist ein schillernder Begriff, der spontan oft klar und einleuchtend klingt, aber sofort schwierig wird, wenn man genau erklären soll, was damit gemeint ist.

Wikipedia schreibt dazu:

„Der Begriff Lebenskraft war in seiner Entstehungszeit sehr populär und wurde oft auch wenig spezifisch gebraucht, als weit verbreiteter Platzhalterbegriff für unverstandene körperliche Vorgänge……

Die Vorstellung einer Lebenskraft wurde als Gesundheits- und Krankheitskonzeption von Christoph Wilhelm Hufeland Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts differenziert beschrieben…..

Hufeland sah als Grundursache aller Lebensvorgänge und als Selbsterhaltungsprinzip des Organismus eine allgemeine Lebenskraft mit weiteren Teilkräften:

  • eine erhaltende Kraft,
  • eine regenerierende und neubildende Kraft,
  • eine besondere Lebenskraft des Blutes,
  • eine Nervenkraft,
  • eine Kraft, die eine allgemeine Reizfähigkeit des Körpers bewirke, sowie
  • eine Kraft, die eine spezifische Reizfähigkeit des Körpers bewirke.

Krankheit sei eine Beeinträchtigung der Lebenskraft beziehungsweise der Lebenskräfte durch krankmachende Reize. Sichtbare Zeichen der Krankheit seien Heilreaktionen der Lebenskraft auf solche Krankheitsreize. Die Heilkraft der Natur (vis medicatrix naturae) und die Lebenskraft seien wesensgleich, wenn nicht identisch. Jedes therapeutische Handeln des Arztes wie auch jede Selbstbehandlung durch den Patienten solle die individuelle Lebenskraft unterstützen. Insgesamt habe sich das ärztliche Handeln am Prinzip des contraria contrariis zu orientieren. Dabei empfahl Hufeland neben der vorsichtigen Anwendung von Medikamenten die Beachtung diätetischer Regeln und physikalische Therapien (zum Beispiel als Wasseranwendungen).

Auf Hufelands Konzept gehen Impulse für die Entwicklung der Naturheilkunde im 19. Jahrhundert zurück.“

⇒  Die „Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken“ tönt auch immer gut. Die Selbstheilung des Menschen ist faszinierend. Daran wirken aber tausende von Vorgängen im Organismus mit, die sich je nach Krankheit beträchtlich unterscheiden können. Die Selbstheilungskräfte als feststehende Grösse wird es daher kaum geben. Auch hier wären detaillierte Angaben vorzuziehen. Welche Prozesse beeinflusst das ätherische Öl genau und wie? Aber auch hier gilt: Sobald man genaue Aussagen macht, können diese auch in Frage gestellt, kritisiert und widerlegt werden. „Die Selbstheilungskräfte“ dagegen bieten keine Angriffsfläche für konkrete Einwände.

 „Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht.“ – „Tief“ tönt immer gut. Aber was heisst „tief“ genau in diesem Zusammenhang? Eingreifend? Tief eingreifend in die Psyche? Könnte das, wenn es stimmt, nicht gefährlich werden? Oder ist nur immer und ausschliesslich eine positive Wirkung zu erwarten im Sinne einer Förderung des Gleichgewichts. Ist das nicht etwas gar viel Wunschdenken?

 „Sie bewirken eine seelische Umstimmung…“  Wenn das stimmt, kann das nicht auch schiefgehen? Oder muss ich mir das einfach immer positiv vorstellen? In Sinne von: Das ätherische Öl weiss schon, was es machen muss? Ist das nicht allzu schön um plausibel zu sein?

„…regulieren aus der Balance Geratenes…“ Da haben wir sie wieder, die umfassende Regulation. Damit kann man nie schiefliegen.

 „…und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden.“    Das ist eine sehr weitreichende Versprechung. Wie machen die ätherischen Öle das und was sollen wir verstehen unter dem „eigentlichen Nährboden“ einer Krankheit: Auch hier: Wer nicht konkret wird, versteckt sich vor möglichen konkreten Einwänden.

„Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“ Das tönt immer gut, sagt aber auch nichts Konkretes aus.

Diese Kritik richtet sich nicht generell gegen Aromatherapie und Aromapflege. Ätherische Öle sind im vielen Bereichen interessante und wirksame Heilmittel. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass ich in Texten über Aromatherapie und Aromapflege auf derartigen Worthülsen treffe.

Das ist meines Erachtens immer ein Anlass für genaues, kritisches Nachfragen, auch wenn es um andere Bereiche als Aromapflege und Aromatherapie geht – zum Beispiel um Texte in der Pflanzenheilkunde.

Vorgänge und Begriffe möglichst genau zu beschreiben ist eine Grundvoraussetzung guter Kommunikation und fachlicher Auseinandersetzung. Mit schwammigen Begriffen wie sie das oben aufgeführte Zitat enthält, redet man weitgehend aneinander vorbei. Das gilt auch für Vorträge, Kurse und Ausbildungen. Haken Sie nach, wenn Sie in Lehrveranstaltungen mit wohlklingenden, aber schwammigen Begriffen „gefüttert“ werden.

Wer leere Worthülsen einfach schluckt, weil sie so gut tönend daherkommen, lässt sich einlullen oder lullt sich selber ein. Wer dagegen genau nachfragt, klärt die Begriffe so weit es geht und bekommt dadurch einen stabileren Stand in der Welt.

Der amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt hat übrigens ein lesenswertes Büchlein geschrieben mit dem Titel „Bullshit“ (Suhrkamp Verlag).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

Diesen Artikel teilen:

Homöopathie verbessert Lebensqualität bei Krebserkrankung

Diesen Artikel teilen:

Krebskranke, die zusätzlich zu einer onkologischen Therapie homöopathisch behandelt werden, haben eine bessere Lebensqualität und weniger Beschwerden durch chronische Müdigkeit (Fatigue). Angst und Depressivität blieben aber unbeeinflusst.

Zu diesem Resultat kam Matthias Rostock in einer Studie mit mehr als 600 Krebskranken. 380 Patienten wurden in einem onkologischen Zentrum behandelt, 259 zusätzlich homöopathisch. Bei den komplementär homöopathisch Behandelten zeigte sich eine Verbesserung der Lebensqualität schon nach drei Monaten, die nach einem Jahr noch weiter ausgebaut werden konnte.

Für seine Studie ist Rostock mit dem Hufeland-Forschungspreis ausgezeichnet worden. Die Jury erklärte, dass mit dieser Studie zum ersten Mal eine wissenschaftliche Abbildung der homöopathischen Praxis in der integrativen Onkologie vorliegt.

Quelle:

http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article2318692/Homoeopathie-verbessert-Lebensqualitaet-von-Tumorpatienten.html

http://www.hufelandgesellschaft.de/118.html

Kommentar & Ergänzung:

Menschen mit Tumorerkrankungen suchen  oft begreiflicherweise nach ergänzenden Behandlungsmöglichkeiten und nur schon eine Verbesserung der Lebensqualität kann für sie ein wertvoller Gewinn sein. Wirklich neue Erkenntnisse bringt die beschriebene Studie allerdings nicht. Dass eine Behandlung mit Homöopathie bei manchen Erkrankungen gemäss den Beurteilungen von Patientinnen und Patienten zu einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen kann, ist meinem Eindruck nach schon verschiedentlich mit Studien gezeigt worden. Und man kann sich natürlich auf den Standpunkt stellen, dass es für die Betroffenen nur auf diese Verbesserung ankommt.

Für die Forschung interessant wäre aber vor allem die Frage, ob es wirklich die Globuli sind, welche die Verbesserung bewirken. Diese Frage lässt sich mit der beschriebenen Studie nicht beantworten.  Dazu wäre eine Kontrollgruppe nötig, die zusätzlich zur onkologischen Therapie ebenfalls eine homöopathische Behandlung bekommt, bei der aber anstelle von Globuli unbehandelte Zuckerkügelchen verabreicht werden.

Eine solche Studie hat Sarah Brien in Grossbritannien mit Rheuma-Patienten durchgeführt:

Wirkt Homöopathie – und wenn ja, wie?

Sie kommt zum Schluss,  dass es die therapeutische Beziehung zwischen homöopathisch tätigem Arzt und Patient zu sein scheint, die den Unterschied macht, nicht die homöopathischen Globuli als solche. Offen bleibt dabei natürlich die Frage, ob es etwas spezifisch Wirksames an einer homöopathischen Konsultation gibt, oder ob nicht eher generell eine intensivere Beziehung zwischen Arzt und Patient zu einem größeren Behandlungserfolg führt.

Nimmt man diese Ergebnisse ernst, so stellen sich auch kritische Fragen betreffend Homöopathika wie Similasan, die ohne homöopathische Konsultation – also quasi „beziehungslos“  – über den Ladentisch verkauft werden. Hier fällt der Beziehungseffekt von vorneherein weg und es werden nur die Globuli verkauft.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Deutschland: Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ gegründet

Diesen Artikel teilen:

In Deutschland haben sich verschiedene Organisationen im Umfeld der Phytotherapie zu einem Bündnis zusammengeschlossen, das sein wichtigstes Ziel im Namen trägt: „Zukunft Phytotherapie“.

Worum geht es?

In einer Pressemitteilung des „Komitees Forschende Naturmedizin“ (KFN) steht dazu:

„Seit Jahren bestätigen alle Umfragen das große Vertrauen der Bevölkerung in die pflanzlichen Arzneimittel. Mehr als 80 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sie gut wirksam sind, jeder zweite lobt sie wegen ihrer geringen Nebenwirkungen. Die Evolution hat offenbar dafür gesorgt, dass in Heilpflanzen günstige Wirkstoff-Mischungen entstanden, die neben der Wirksamkeit auch eine gute Verträglichkeit sichern. Die meisten Phytopharmaka sind genau deshalb rezeptfrei.“

Und wodurch sieht das KFN die Zukunft der Phytotherapie bedroht?

„Ausgerechnet diese positiven Eigenschaften waren es aber, die dazu führten, dass pflanzliche Arzneimittel weitgehend aus der Leistungspflicht der Krankenkassen herausgenommen wurden: Seit 2004 werden nicht verschreibungspflichtige Medikamente – und damit auch die meisten Phytopharmaka – bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr erstattet.

Pflanzliche Arzneimittel werden aber noch von einer anderen Seite bedrängt: Es gibt immer mehr pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt. Sie sind rechtlich Lebensmittel und deshalb ausschließlich zur Erhaltung der Gesundheit geeignet, erwecken aber oft den Eindruck, als seien sie mit pflanzlichen Arzneimitteln vergleichbar. Diese Entwicklung bedroht z. Zt. die Phytotherapie in der ganzen EU massiv.“

Am Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ beteiligen sich folgende Organisationen:

– die Deutsche pharmazeutische Gesellschaft,

– die Gesellschaft für Arzneipflanzenforschung,

– die Gesellschaft für Phytotherapie,

– das Komitee Forschung Naturmedizin,

– die Kooperation Phytopharmaka,

– die Hufelandgesellschaft

– Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und

– die beiden Arzneimittelherstellerverbände BPI und BAH

Das Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ will sich intensiv mit den anstehenden Problemen beschäftigen.

Quelle:

http://www.phytotherapie-komitee.de/News/KFN_10-2011.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Pressetext spricht wichtige Herausforderungen an, denen die Phytotherapie gegenüber steht. Dazu ein paar Anmerkungen:

1. Die sehr stark eingeschränkte Erstattungsfähigkeit von Heilpflanzen-Präparaten durch die Krankenkassen scheint in Deutschland tatsächlich ein Problem zu sein.

In der Schweiz ist die Lage anders:

Viele Phytotherapeutika, welche ihre Wirksamkeit so wie synthetische Medikamente  mit Studien belegen können,  werden von der Krankenkasse aus der Grundversicherung bezahlt, wenn ein Arzt oder eine Ärztin sie verschreibt.

2. Ein grosses Problem für die Phytotherapie ist tatsächlich, dass zahlreiche Heilpflanzen-Produkte als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt kommen. Nahrungsergänzungsmittel  dürfen offiziell nicht mit Aussagen zu Heilwirkungen werben und müssen dementsprechend auch keine Wirksamkeit belegen. Darum wird für sie auch weniger in Forschung investiert. Trotzdem werden sie oft sehr intensiv mit Heilanpreisungen beworben.

Das schadet den Phytotherapeutika, die als Arzneimittel registriert sind,  dadurch stärker kontrolliert werden  und mehr Forschungsaufwand haben.

3. Auffallend ist, dass im Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ auch die Verbände der Pharma-Industrie (BPI und BAH) mitwirken.  Das zeigt unter anderem, wie absurd die Verschwörungstheorie ist, die davon ausgeht, dass die böse Pharmaindustrie nichts unversucht lässt, um die Phytotherapie fertig zu machen. Das letzte Mal ist diese Verschwörungstheorie in die mediale Öffentlichkeit gelangt im Zusammenhang mit der unsinnigen Petition gegen ein angebliches Heilpflanzenverbot in der EU.

Dieser Text des KFN über das Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ zeigt im übrigen, wo die realen Probleme und Bedrohungen einer fundierten Phytotherapie liegen: Bei den Herstellern von pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln, aus deren Kreisen auch jene sehr fragwürdige Petition lanciert wurde.

Ein Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ wäre meines Erachtens auch für die Schweiz sinnvoll.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Diesen Artikel teilen: