Artikel mit Schlagwort ‘Homöopathie’
Montag, März 12th, 2012
Die Zeckenart Rhipicephalus microplus ist ein Parasit, der in zahlreichen Regionen der Erde vorkommt und der viele Nutztierarten wie Rinder, Ziegen und Schafe befällt. Durch die Infektion verursacht die Zecke erheblichen wirtschaftlichen Schaden unter anderem als Überträger der Babesiose (Infektionskrankheit mit einzelligen Sporentierchen). In Brasilien wurde nun die vorbeugende Wirkung eines homöopathischen Nosoden-Komplexmittels und eines Knoblauchextraktes untersucht.
Für die Studie wurden jeweils 8 Kälber einen Monat lang entweder mit dem homöopathischen Komplexmittel Fator C&MC® oder mit dem pflanzlichen Präparat Enoxfre-Allium sativum® behandelt. Die Kontrollgruppe blieb ohne Behandlung. Danach wurden Zeckenlarven auf den Kälbern ausgesetzt und deren Entwicklung zu ausgewachsenen Zecken beobachtet. Die Tiere aus der Knoblauchgruppe hatten signifikant weniger Zecken und deren Gewicht war außerdem tiefer. Anzahl und Gewicht der Zecken in der Homöopathie-Gruppe unterschieden sich nicht im Vergleich zu den unbehandelten Kälbern der Kontrollgruppe.
Knoblauch enthält Schwefelverbindungen, die sich schon in verschiedenen Studien in der Parasitenbekämpfung bewährt haben. Diese Erfahrung werde in der vorliegenden Studie bestätigt, schreibt die Carstens-Stiftung, und schliesst: „Das homöopathische Präparat enthielt keine Sulphur-Potenzen und die Nosodentherapie scheint hier unwirksam zu sein. Die Anzahl der untersuchten Kälber ist allerdings klein und das Design der Studie schlecht gewählt (keine Randomisierung).“
Quelle:
http://www.carstens-stiftung.de/artikel/veterinaerhomoeopathie-zeckenvorsorge-beim-rind.html
COSTA-JÚNIOR, L. M. and FURLONG, J. (2011), Efficiency of sulphur in garlic extract and non-sulphur homeopathy in the control of the cattle tick Rhipicephalus (Boophilus) microplus. Medical and Veterinary Entomology, 25: 7–11.
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1365-2915.2010.00909.x/abstract
Kommentar & Ergänzung:
Knoblauch hat einen Ruf als Abwehrmittel gegen Parasiten. Bei Mensch und Tier soll Knoblauch Stechmücken und Bremsen abwehren. Die Schwefelverbindungen des Knoblauchs zeigten sich auch gegen verschiedene Wurmerkrankungen beim Tier als wirksam (u.a. bei Trepanidoteniose, Cestoda bei Gänsen, Syngamose bei Geflügel, Askaridose, Heteroakidose, bei Kaninchen, die mit Passalurus infiziert waren, bei Madenwürmern).
Fundierte Informationen über Heilpflanzen-Anwendungen in der Tierheilkunde enthlt das Buch:
Heilpflanzenkunde für die Veterinärpraxis
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
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Dienstag, März 6th, 2012
Wissenschaftler aus Taiwan untersuchten mit Hilfe von 65 Frauen, die nach einer Geburt unter Schlafstörungen litten, ob eine tägliche Fußreflexzonenmassage den Schlaf verbessern kann.
Die Forscher aus Taiwan teilten 65 Frauen, die nach einer Geburt über Schlafstörungen litten, nach dem Zufallsprinzip ( = Randomisierung) in zwei Gruppen ein. Die eine Gruppe erhielt fünf Tage lang täglich eine 30-minütige Fußreflexzonenmassage (FRZM), die andere erhielt keine derartige Behandlung.
Am Ende der Therapie gaben die mit Fussreflexzonen-Behandelten an, besser zu schlafen als die Patientinnen der unbehandelten Kontrollgruppe. Der Unterschied war statistisch signifikant. Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass die Fussreflexzonenmassage eine bei dieser Indikation effektive Behandlung sei.
Dass eine sanfte Fußmassage angenehm sei, entspanne und so den Schlaf in stressvollen Lebenssituationen fördere, werde wohl kaum jemand bezweifeln, schreibt Prof. Edzard Ernst (Lehrstuhl für Alternativmedizin, Universität Exter) in einem Kommentar zu der Studie: „Anhänger der FRZM gehen jedoch sehr viel weiter. Sie glauben, dass sich auf der Fußsohle Reflexzonen befinden, die direkt mit Organsystemen in Verbindung stehen. So wurde dann auch von den Therapeuten in dieser Studie versucht, durch Druck auf „spezifische“ Punkte, das Schlafzentrum zu beeinflussen.“
Da es keine anatomischen Bahnen gebe, die solche Verbindungen herstellen, zähle die Fussreflexzonenmassage zu den wenig plausiblen Methoden der Alternativmedizin, schreibt Ernst weiter.
Studien hierzu seien Mangelware:
„Daher ist die vorliegende Arbeit es Wert, beachtet zu werden. Leider erlaubt das Studiendesign jedoch keine Aussage über eine spezifische Wirksamkeit der FRZM. Es fehlt jeglicher Versuch, auf unspezifische Therapieeffekte zu kontrollieren. Somit sind die beobachteten Effekte wohl eher durch die wohltuende Entspannung einer Fußmassage zu erklären. Manche werden meinen, das sei letztlich egal, Hauptsache es hilft. Diesem Argument mag ich mich nur teilweise anschließen – denn wenn dem so ist, dann brauchen wir weder den Hokuspokus der Reflexzonen noch speziell ausgebildete FRZM-Therapeuten.“
Quelle:
http://www.springermedizin.de/fussreflexzonenmassage-mehr-als-ein-placebo/882994.html
MMW – Fortschritte der Medizin 2011/41
Kommentar & Ergänzung:
Dass Fussreflexzonenmassage wirksam sein kann, zeigt diese Studie gut. Fraglich ist nur, ob es für dieses Resultat die Behandlung ganz spezifischer Punkte braucht, welche die Fussreflexzonen-Theorie vorsieht.
Ähnliche Phänomene sind bekannt aus Akupunktur-Studien, die zeigten: Akupunktur ist in manchen Fällen eine wirksame Methode, doch ebenso wirksam ist Scheinakupunktur, bei der an falschen Stellen gestochen wird:
Kopfschmerzen & Migräne: Akupunktur und Scheinakupunktur wirksamer als Medikamente
Akupunktur wirkt gegen Übelkeit nach Bestrahlung – Scheinakupunktur aber auch
In-vitro-Fertilisation: Scheinakupunktur besser als echte Akupunktur
Ähnlich auch eine Studie zur Homöopathie bei Rheuma, die zum Schluss kommt, dass Rheumapatienten von einer homöopathischen Behandlung (zusätzlich zur medizinischen Therapie) profitieren, dass es aber nicht die Globuli sind, die wirken:
Wirkt Homöopathie, und wenn ja, wie?
Offenbar ist es nicht selten, dass eine Therapie zwar wirkt, aber nicht aufgrund derjenigen Faktoren, von deren Wirksamkeit ihre VertreterInnen überzeugt sind.
Siehe dazu auch:
Warum wir gesund werden?
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Montag, Januar 30th, 2012
Menthol kommt in Pflanzen der Gattung Mentha (Minzen) vor. Es ist der Hauptbestandteil im ätherischen Öl der Pfefferminze (Mentha piperita, Lamiaceae). Menthol wird synthetisch hergestellt oder aus der japanischen Minze (Mentha arvensis var. piperascens) gewonnen.
Menthol wird in zahlreichen Präparaten eingesetzt, die bei Schnupfen „Luft“ geben sollen. Interessant daran ist, dass nicht wirklich mehr Luft durch die Nase geht, sondern nur die Empfindung einer freieren Nase ausgelöst wird.
„Pharmawiki“ beschreibt diesen Effekt so:
„Bei Schnupfen und verstopfter Nase in Form von Inhalierstiften, Nasenmitteln oder Erkältungsbalsamen. Menthol löst bei der Inhalation ein Frischegefühl in der Nase aus und hat einen subjektiv (aber nicht objektivierbaren) befreienden Effekt. Es sollte nicht bei Säuglingen oder Kleinkindern angewendet werden, da dies zu einem Atemstillstand führen kann.“
Quelle:
http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Menthol
Kommentar & Ergänzung:
Menthol reizt die Kälterezeptoren in der Nasenschleimhaut, wodurch der Eindruck entsteht, dass die Nase freier wird:
„Es wirkt am Kälte-Menthol-Rezeptor (TRPM8), daher hat Menthol einen (scheinbar) kühlenden Effekt beim Auftragen auf die Haut, die Körpertemperatur wird jedoch nicht beeinflusst. Diese Wirkung ist vergleichbar mit der von Capsaicin (scheinbar heißer Effekt).“
(Quelle: Wikipedia)
Menthol wird auch eingesetzt als Lokalanästhetikum bei Juckreiz.
Menthol bzw. Pfefferminzöl bewähren sich auch bei Spannungskopfschmerzen.
Weiteres zu Menthol:
Pfefferminzöl lindert Spannungskopfschmerzen
Hilft Menthol gegen medikamenteninduzierte Polyneuropathie bei Chemotherapie?
Pfefferminzöl bei Reizdarm schmerzlindernd
Menthol & Kampfer – warum nicht zusammen mit Homöopathie?
Schnupfen: Eukalyptusöl, Pfefferminzöl, Latschenkiefernöl
Spannungskopfschmerzen lindern mit Pfefferminzöl oder Tigerbalsam
Phytotherapie: Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom
Pflanzenheilkunde: Pfefferminze lindert Übelkeit
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Freitag, Januar 27th, 2012
Arnika (Arnica montana) ist eine der bekanntesten Heilpflanzen. Sie wird vor allem eingesetzt als Arnikagel / Arnikasalbe oder als (verdünnte) Arnikatinktur.
Folgende Anwendungsbereiche gelten in der Phytotherapie als anerkannt:
„Zur äußerlichen Anwendung bei Verletzungs- und Unfallfolgen, z.B. bei Hämatomen, Distorsionen, Prellungen, Quetschungen, Frakturödemen; außerdem bei rheumatischen Muskel- und Gelenkbeschwerden. Entzündungen der Schleimhäute von Mund- und Rachenraum; Furunkulose und Entzündungen als Folge von Insektenstichen; oberflächliche Venenentzündung (Kommission E); äußerlich bei Blutergüssen Verstauchungen und Entzündungen infolge von Insektenstichen; bei Mundschleimhautentzündungen, aphthenartigen Geschwüren; zur symptomatischen Behandlung von rheumatischen Beschwerden (ESCOP).“
Quelle: http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/arnika.php
Kommentar & Ergänzung:
Arnika gehört zu den bekanntesten Alpenpflanzen und wächst auf sauren Böden.
Eine gute Übersicht zu den Wirkungen von Arnika gibt Wikipedia:
„Den antiken Schriftstellern war Arnika als Heilpflanze nicht bekannt. Die wohl früheste Erwähnung findet sich bei Hildegard von Bingen. Bei der von ihr als „Wolfsgelegena“ bezeichneten Pflanze könnte es sich um die Arnika handeln. Ab dem 18. Jahrhundert wurde Arnika tatsächlich bei Beschwerden und Krankheiten eingesetzt. Das Anwendungsspektrum war weit gefächert, neben Blutergüssen und allgemeinen Verletzungen wurden auch Krampfadern, Venenentzündungen, Gicht und Rheuma behandelt. Außerdem fand eine Verwendung als Analeptikum und Stimulans statt. Häufig wurde es auch missbräuchlich als Abortivum benutzt.
Heutzutage wird Arnika zur äußeren Anwendung bei Verletzungen und bei rheumatischen Muskel- und Gelenkbeschwerden verwendet. Die Anwendung ist dabei zugelassen und klinisch belegt.
Bei der äußeren Anwendung wird am häufigsten eine (alkoholische) Tinktur hergestellt. Hierbei gehen die meisten Sesquiterpenlactone in Lösung. Auf Wasserbasis kann man auch einen wässrigen Auszug verwenden, bei dem 75 % der Sesquiterpenlactone in Lösung gelangen. Tinkturen bzw. Auszüge zur äußeren Anwendung wirken antimikrobiell und antiphlogistisch. Arnika-Salben bzw. Arnika-Gele können auch bei Veneninsuffizienz einen therapeutischen Effekt erzielen.
Da die innere Anwendung nicht zugelassen ist, wurden sehr viele Teepräparate vom Markt genommen. Nur zur äußeren Anwendung sind diese erlaubt, wenngleich nicht zum Dauergebrauch. Hierbei wurden Arnikablüten mit kochendem Wasser überbrüht und ausgesiebt. Heutzutage ist die Teebereitung indes nicht mehr so gebräuchlich.
Besonders in der Homöopathie werden Arnika-Potenzen häufig bei Blessuren eingesetzt. Zahlreiche wissenschaftliche Studien konnten keinen Nutzeffekt dieser Präparate feststellen.“
(Quelle: Wikipedia)
Mit „Arnika-Potenzen“ sind homöopathische Globuli gemeint. Erkennbar sind diese Produkte an den Verdünnungsstufen, die dem Namen “Arnica” folgen. Also zum Beispiel Arnica D6, Arnica C30, Arnica C200.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Freitag, Januar 6th, 2012
Wir Menschen neigen dazu, zeitlich zusammen fallende Ereignisse in einen ursächlichen Zusammenhang zu stellen, der gar nicht vorhanden sein muss.
Man nennt dies etwas umständlich den „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlsschluss“.
Zu diesem Fehlschluss neigen wir häufig auch bei der Beurteilung von Heilwirkungen:
Ich leide an Krankheit Z
Ich nehme Präparat XY
Mir geht es besser
Schlussfolgerung: XY ist wirksam gegen Krankheit Z
Alle anderen Einflüsse, die zu meiner Gesundung beigetragen haben könnten, werden mit diesem Kurzschluss ausgeklammert (besipielsweise Selbstheilungskräfte, Veränderungen in den Lebensumständen, andere therapeutische Massnahmen, Placebo-Effekte).
Und genauso gibt es den „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ bezüglich unerwünschter Nebenwirkungen:
Ich nehme Arzneimittel X
Ich bekomme Beschwerden Z
Schlussfolgerung: Arzneimittel X ist Auslöser der Beschwerden Z
Alle anderen Einflüsse, die zu den Beschwerden Z geführt haben könnten, werden ausgeklammert (beispielsweise andere Medikamente, Veränderungen in den Lebensumständen, Infektionen, Nocebo-Effekte).
Der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ ist der wichtigste Grund dafür, dass die Beurteilung von Heilwirkungen und Nebenwirkungen von Arzneimitteln so komplex ist, und dafür, dass einzelne Erfahrungen in dieser Hinsicht meistens wenig aussagen. Vor allem in der Komplementärmedizin hört man oft das Schlagwort „Wer heilt hat Recht!“. Dass die Realität nicht so simpel ist, dafür sorgt der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“. Wer heilt hat nämlich nur Recht, wenn das entsprechende Heilmittel tatsächlich für die Besserung oder Heilung verantwortlich ist. Das gilt natürlich nicht nur für die Komplementärmedizin.
Es gilt für synthetische Medikamente, Phytotherapeutika, Präparate aus Homöopathie oder Anthroposophischer Medizin etc.
Siehe auch:
Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht?
Der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ ist ein starkes Argument für das Bestreben, Wirkungen von Arzneimitteln mittels systematischeren Untersuchungen zu klären, zum Beispiel in Form von Doppelblind-Studien.
Aber selbst Doppelblind-Studien können zu unterschiedlichen und widersprüchlichen Resultaten kommen.
Daher fasst man dann mehrere Doppelblind-Studien zu einer Metastudie zusammen, um auf diese Art und Weise fundiertere Schlüsse ziehen zu können. Das macht zum Beispiel die renommierte Cochrane Collaboration.
Aber selbst Metastudien können sich widersprechen….
zum Beispiel weil die Studien, welche man zur Auswertung in eine Metastudie einschliesst, mittels unterschiedlicher Kriterien ausgewählt wurden.
So müssen wir wohl oder übel auf die endgültige und umfassende Gewissheit in den allermeisten Fällen verzichten, denn die Beurteilung von therapeutischen Wirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen ist eben sehr komplex. Was uns aber nicht davon abhalten sollte, nach vorläufiger und notgedrungen bruchstückhafter Erkenntnis zu streben. Suchen ist manchmal wichtiger als Finden.
Keine kritischen Fragen stellen und jede Behauptung und Heilungsversprechung unbesehen für bare Münze zu nehmen ist jedenfalls keine Alternative.
Entscheidend scheint mir dabei ein sorgfältiger Umgang mit dem Begriff „Erfahrung“.
Siehe dazu:
Naturheilkunde – vom sorgfältigen Umgang mit Erfahrung
Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung
Naturheilkunde: Erfahrung genügt nicht als Begründung
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Sonntag, Januar 1st, 2012
Zusammen mit Methoden der Komplementärmedizin wie Homöopathie, Traditioneller Chinesischer Medizin und Anthroposophischer Medizin wird seit Jahresbeginn 2012 auch die Phytotherapie provisorisch wieder aus der Grundversicherung vergütet. Was ändert sich dadurch für Patientinnen und Patienten?
Für die Phytotherapie ist die vielleicht überraschende Antwort: Nichts.
Durch diese Änderung wird keine Patientin und kein Patient auch nur einen Franken sparen. Bisher lief es so: Der Arzt oder die Ärztin macht eine normale medizinische Diagnostik und rechnet diese auch so ab. Am Schluss wird beispielsweise entschieden, statt einem synthetischen Schlafmittel ein pflanzliches zu verordnen. Ist die Wirksamkeit dieses Pflanzenpräparates belegt, zahlt es die Grundversicherung. Das war bisher so und daran wird sich im neuen Jahr nichts ändern.
Im Vorfeld der Abstimmung vom Mai 2009 über den Verfassungsartikel zur Förderung der Komplementärmedizin wurden von den Befürwortern irreführende Versprechungen gemacht wurden. Das rächt sich nun bei der konkreten Umsetzung und wird zwangsläufig zu Enttäuschungen führen.
Irreführend ist auch, dass die Phytotherapie in dieser politischen Diskussion zur Komplementärmedizin gerechnet wird. Phytotherapie gehört zur Naturheilkunde und diese ist ein randständiger Bereich der Medizin. Fachlich gesehen gibt es kein plausibles Argument, Phytotherapie zur Komplementärmedizin zu zählen. Wenn die Politik dies trotzdem so handhabt, dann geht es dabei um Lobbying, um Einflussnahme, nicht aber um das Wohl der Patientinnen und Patienten.
Siehe auch:
Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?
Phytotherapie als Komplementärmedizin-Methode in die Grundversicherung – was bringt’s?
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Sonntag, Januar 1st, 2012
Edzard Ernst hat als Professor für Alternativmedizin (Universität Exeter) 18 Jahre lang erforscht, welche alternativen Heilmethoden wirken. Nun geht er in Pension und beantwortete im Interview Fragen der „Sonntagszeitung“. Hier ein Ausschnitt aus dem Gespräch:
„Gibt es alternativmedizinische Behandlungen, die wirken?
Ja natürlich, vor allem im Bereich der Pflanzenheilkunde findet sich einiges: Rosskastanie bei
Venenleiden, Weissdorn bei Herzinsuffizienz, Teufelskralle gegen Schmerzen und vieles mehr.
Welche komplementärmedizinischen Behandlungen würden Sie bei sich anwenden?
Hätte ich Depressionen, würde ich Johanniskraut-Extrakt einnehmen. Noch besser gegen
depressive Verstimmungen hilft aber körperliche Aktivität. Ich selbst nehme täglich eine Kapsel Omega-3-Fettsäuren ein, weil da die Wirksamkeit sehr gut ist, um kardiovaskulären Erkrankungen vorzubeugen.“
Quelle:
http://www.sonntagszeitung.ch/wissen/artikel-detailseite/?newsid=199734
Kommentar & Ergänzung:
Prof. Edzard Ernst hat sich immer interessiert, aber auch kritisch mit den verschiedensten Methoden der Komplementärmedizin auseinandergesetzt. Er ist dafür aus Kreisen der Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin oft angefeindet worden. Und das wie es in dieser „Szene“ leider häufig vorkommt, vor allem durch Diffamierungsversuche auf der persönlichen Ebene, kaum je durch Argumente.
Ich möchte hier daher eine Lanze brechen für den kritischen Ansatz von Edzard Ernst. Es gibt einen unüberschaubaren Dschungel an Produkten und Versprechungen im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin, darunter auch eine sehr grosse Zahl von Hirngespinsten, die zwar den Bedürfnissen, Ängsten und Hoffnungen der Menschen entgegen kommen, aber keinerlei reale Basis haben. Es braucht nur schon aus Gründen des Konsumentenschutzes qualifizierte Instanzen, die solche Heilungsversprechen auf ihren Wahrheitsgehalt hin abklopfen.
Die staatlichen Arzneimittelbehörden haben sich aufgrund von politischen Vorgaben aus diesem Bereich zurückgezogen. Ganze Branchen sind kollektiv von der sonst üblichen Pflicht zum Wirksamkeitsnachweis befreit, zum Beispiel Präparate der Richtungen Homöopathie und Anthroposophische Medizin. Eine Firma wie „Similasan“ kann praktisch beliebig Produkte als Arzneimittel auf den Markt bringen, ohne relevanten Forschung- und Entwicklungsaufwand und ohne den Nutzen für die Konsumentinnen dokumentieren zu müssen. Für die Konsumentinnen und Konsumenten fehlt hier jede Transparenz.
Um so wichtiger sind unabhängige „Instanzen“ wie Edzard Ernst. Leider werden zunehmend Lehrstühle für komplementärmedizinische Forschung an Universitäten eingerichtet, die von der komplementärmedizinischen Pharmaindustrie finanziert werden. Solche Verflechtungen machen unabhängig-kritische Forschung nicht leichter.
Natürlich freut es mich, dass Prof. Edzard Ernst mit Weissdorn, Teufelskralle, Rosskastanie und Johanniskraut nach 18 Jahren Forschung vor allem Anwendungen aus der Phytotherapie Wirksamkeit bescheinigt. Dazu braucht es aber noch ein paar Ergänzungen:
1. Solche Bestätigungen sind schön, doch darf darüber nicht vergessen werden, dass es immer wieder auch negative Forschungsresultate gibt, also Studien, in denen Heilpflanzen-Extrakte die Wirkungen, die man sich erhoffte, nicht gezeigt haben. Es ist nämlich eine verbreitete „Seuche“ vor allem im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin, quasi mit der Lupe hoch motiviert nach Bestätigung zu suchen, negative Ergebnisse aber auszublenden oder schönzureden. Das ist eine komplett einseitige Buchhaltung, die nicht gerade vertrauenserweckend wirkt. Auch wenn’s dem Herzen manchmal weh tut: Beide Seiten müssen gleichwertig beachtet werden.
2. Genau genommen kann man in der Phytotherapie nicht sagen, Weissdorn wirkt bei Herzinsuffizienz, Teufelskralle gegen Schmerzen, Rosskastanie bei Venenleiden, Johanniskraut gegen Depressionen. Man müsst immer noch präzisieren, in welcher Arzneiform die betreffende Heilpflanze zu Wirkung kommen kann, zum Beispiel als Tee, Tinktur oder Extrakt.
3. Im Gespräch mit der Sonntagszeitung geht eine wichtige Differenzierung verloren. Ernst wird gefragt, ob es alternativmedizinische Behandlungen gibt, die wirken, und welche komplementärmedizinischen Behandlungen er bei sich selber anwenden würde. Auf beide Fragen antwortet er mit phytotherapeutischen Optionen.
Meines Erachtens gibt es aber kein auch nur einigermassen plausibles Argument, weshalb Phytotherapie zur Alternativmedizin oder zur Komplementärmedizin gezählt werden sollte.
Siehe dazu:
Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?
Wenn man die Phytotherapie irgendwo einordnen will, dann gehört sie zur Naturheilkunde und diese ist ein randständiger Bereich der Medizin.
Siehe:
Naturheilkunde – was ist das?
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Samstag, Dezember 17th, 2011
Die Begriffe Schulmedizin, Komplementärmedizin und Alternativmedizin sind zugegebenermassen schwierig und fragwürdig. Was sich aber die österreichische Boulevardzeitung „Kurier“ in diesem Bereich an Begriffssalat leistet, ist bemerkenswert.
Da erklärt der „Kurier“ also in einem ausgesprochen populistischen Artikel mit dem Titel „Der Boom der sanften Medizin“ die Unterschiede zwischen Schulmedizin, Komplementärmedizin und Alternativmedizin so:
„Info: Verschiedene Medizinsysteme
Schulmedizin Auch: Evidenzbasierte Medizin. Sie ist durch Wirkungsnachweise wissenschaftlich anerkannt. Krankheiten werden nach ihren Symptomen behandelt.
Komplementärmedizin Der Begriff setzt sich im deutschsprachigen Raum für ergänzende Methoden zur naturwissenschaftlichen Medizin durch. Sie sollen die Selbstheilungskräfte anregen. Dazu zählen u. a. Akupunktur, TCM, Homöopathie.
Alternativmedizin Lehnt Schulmedizin ab, Wirkungsnachweise fehlen häufig. Oft mit pseudomedizinischen Methoden.“
Quelle:
http://kurier.at/nachrichten/gesundheit/4309119.php
Kommentar & Ergänzung:
Diese Darstellung ist irreführend und tendenziös. Genau nachfragen bringt mehr Klarheit.
Zum Abschnitt „Schulmedizin“:
Schon der Begriff „Schulmedizin“ ist fragwürdig. Was genau ist gemeint mit „Schul“-Medizin? Was meint „Schul“? „Schulmedizin“ ist ein Kampfbegriff aus den Anfängen der Homöopathie gegen die damalige dogmatisierte Medizin (Humoralpathologie).
Siehe dazu:
Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck
„Schulmedizin“ ist nicht gleich „evidenzbasierte Medizin“. Evidenzbasierte Medizin ist eine jüngere Entwicklungsrichtung in der Medizin.
Es sind nicht alle Vorgehendweisen in der Medizin wissenschaftlich anerkannt, aber man könnte sagen, dass die Medizin danach strebt, ihre Interventionen wissenschaftlich zu überprüfen und wo nötig zu revidieren.
Merkwürdig ist der Satz: „Krankheiten werden nach ihren Symptomen behandelt.“ Was soll damit genau gesagt werden?
Die Medizin kennt eindeutig symptomatische Therapien, zum Beispiel im Bereich der Schmerztherapie. Es gibt aber auch ursächlich ansetzende Therapien, wie die Antibiotika-Therapie bei Infektionen. Natürlich kann man sagen, die Infektion ist nicht die eigentliche Ursache, dahinter steckt erst die eigentliche Ursache, die zur Infektion führt. So kommt man aber nie an ein Ende, weil jede Ursache wieder eine oder mehrere Ursachen hat.
Wahrscheinlich steckt hinter dem Satz „Krankheiten werden nach ihren Symptomen behandelt“ die oft gehörte Aussage, die Schulmedizin behandle Symptome, die Komplementärmedizin aber die Ursachen. Die Ursachenbehandlung für sich exklusiv zu beanspruchen, ist allerdings eine ziemliche Anmassung der Komplementärmedizin. De facto wird nämlich dabei meist eine Ursache zuerst dogmatische festgelegt (Übersäuerung! Verschlackung etc.) und dann die entsprechende Therapie verabreicht. So kann man sich darüber hinweg täuschen, dass die Ursachenlage vieler Erkrankungen ausgesprochen komplex und schwer durchschaubar ist.
Der „Kurier“ nagelt also die „Schulmedizin“ einseitig auf Symptombehandlung fest, erwähnt aber eigenartigerweise nicht, dass beispielsweise die Homöopathie als Verfahren der „Komplementärmedizin“ sich nur nach Symptomen ausrichtet und sich um Ursachen von Krankheiten nicht kümmert.
Warum diese verzerrte Darstellung im “Kurier”?
Zum Abschnitt Komplementärmedizin:
Mit dem Begriff „naturwissenschaftliche Medizin“ wird die Medizin einseitig verengt dargestellt. Medizin basiert zwar in vielen Bereichen auf naturwissenschaftlichen Grundlagen, aber das ist bei weitem nicht alles. Und wenn der „Kurier“ schreibt, die Komplementärmedizin wolle die Selbstheilungskräfte anregen, dann müsste auch gesagt werden, dass beispielsweise die chinesische Medizin (TCM, Akupunktur) Selbstheilungskräfte nicht kennt.
Dazu der Sinologe und Medizinhistoriker Paul U. Unschuld in „Was ist Medizin – Westliche und östliche Wege der Heilkunst“:
„China kennt kein Vertrauen in das selbst regulierende Potential eines Organismus – weder des gesellschaftlichen noch des körperlichen….Die Selbstheilungskräfte waren kein Thema.“
(S. 121)
„Die Selbstheilungskräfte waren ihnen unbekannt….Wer an die Selbstheilungskräfte glaubt, der könnte zu lange warten. Das haben die Mediziner nicht gerne. Die chinesischen haben sich unter dem Einfluss konfuzianischer Früheingreifmaximen nie darauf eingelassen.“ (S. 250)
Weshalb diese einseitige, idealisierte Darstellung im „Kurier“?
Zum Abschnitt „Alternativmedizin“:
„Wirkungsnachweise fehlen häufig“ – Aha. Das gilt aber meistens für die Komplementärmedizin genauso. Sonst wären nämlich die Methoden der Komplementärmedizin in der Medizin.
Warum also wird der fehlende Wirkungsnachweis in’s Terrain der „Alternativmedizin“ abgeschoben?
Und im Bereich der „Alternativmedizin“ findet man also oft pseudomedizinische Methoden? Aha. Also Schein-Medizin.
Im Bereich der Komplementärmedizin gibt es die nicht?
Das ist eigenartig. Schliesslich ist nicht einmal klar, was denn zur Komplementärmedizin zählen soll. In Frage kommen da mehrere hundert Methoden, die zum Teil sehr skurril erscheinen.
Offenbar geht es hier darum, für alles Unseriöse eine Schublade „Alternativmedizin“ bereitzustellen, damit der Bereich „Komplementärmedizin“ umso besser, sauberer und seriöser dasteht.
Der „Kurier“ hat sich offenbar für diesen Artikel einseitig und ausschliesslich von Lobbyisten der Komplementärmedizin füttern lassen. Unabhängige und seriöse Berichterstattung sieht anders aus.
Wenn eine Zeitung nicht einfach nur Lautsprecher für Lobbyisten-Vereinigungen sein will, muss sie bei jedem Thema an gewissen Punkten kritisch nachhaken. Auch in den Bereichen Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin. Druckt eine Zeitung (wie der Kurier in diesem Artikel) nur wirre, irreführende, unkritische Lobhudeleien ab, ist sie ihren Preis nicht wert.
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Dienstag, November 29th, 2011
„Alkaloide sind im Pflanzenreich sehr verbreitet, von heilsam bis tödlich ist dabei alles vertreten. So reichen schon fünf bis zehn Milligramm des aus dem Eisenhut gewonnenen Aconitin, um einen Menschen zu töten. Das gleiche Gift entfaltet jedoch in geringeren Dosen durchaus eine heilsame Wirkung: Es kann beispielsweise als schweißtreibendes Mittel eingesetzt werden. Ebenso giftig, aber dabei auf das Nervensystem wirkend, sind Alkaloide wie Strychnin. Die in den Samen der Brechnuss enthaltene Verbindung führt bei Säugetieren und beim Menschen zu heftigsten Krämpfen. Das Gift führt dazu, dass die hemmenden Synapsen, im Nervensystem gewissermaßen die ‚Sicherungen’ gegen Überreizungen, ausfallen. Umgekehrt bewirkt das Chelidonin aus dem Milchsaft des Schöllkrauts das Gegenteil: Es lindert Krämpfe bei Epilepsie und wird auch als Schmerzmittel eingesetzt.
Ein ‚Januskopf’ unter den Alkaloiden ist das Opium, gewonnen aus dem getrockneten Milchsaft des Schlafmohns. Als Suchtmittel verschrien, geht in der modernen Schmerzmedizin jedoch kaum mehr etwas ohne Opiate. Nahezu jede Narkose oder örtliche Betäubung beruht auf der Wirkung eines Opium-Abkömmlings. Opium, das Rohmaterial sowohl für Suchtmittel als auch für Schmerzmittel, ist zu 20 bis 25 Prozent ein Gemisch verschiedener Alkaloide, darunter Morphin (Morphium), Noskapin, Thebain, Codein, Papaverin und Narcein.
Weitere bekannte Alkaloide sind die Solanine, die in den grünen Teilen der Nachtschattengewächsen, wie in den Früchten der Kartoffelpflanze oder vergrünten Kartoffelknollen, in unreifen, grünen Tomate oder der Tollkirsche, enthalten sind. Tödlich, wenn geschluckt oder getrunken, helfen sie rein äußerlich angewendet jedoch gut gegen Ekzeme.
Und auch in unserer täglichen Tasse Tee oder Kaffee geht es nicht ohne Alkaloid: Auch Koffein und Teein gehören zu diesen Pflanzeninhaltsstoffen.
Quelle:
http://www.scinexx.de/dossier-detail-340-8.html
Kommentar & Ergänzung:
Alkaloide sind wichtige Pflanzeninhaltsstoffe, doch haben viele Alkaloide eine kleine therapeutische Breite. Das heisst: Die wirksame und die giftige Dosis liegen nahe beieinander. Viele Alkaloid-Pflanzen eigenen sich daher nicht für die Selbstbehandlung. So soll bitte niemand auf die Idee kommen, mit Eisenhut bzw. Aconitin zu experimentieren. Blauer Eisenhut wird nur in der Homöopathie verwendet. Dort wird die Giftpflanze aber so stark verdünnt, dass gar nicht mehr drin ist, was auf der Etikette drauf steht.
Bei Aconitum D6 mit einer Verdünnung von 1: 1 Million und auch bei Aconitum D12 mit einer Verdünnung von 1 : 1 000 000 000 000 sind noch minimale Spuren zu finden. Bei Aconitum C30 (30 mal 1: 100 verdünnt) und Aconitum C200 (200 mal 1: 100 verdünnt) ist in dem Präparat kein Molekül aus dem Eisenhut mehr vorhanden.
So verschwindet jede Giftigkeit, allerdings gibt es auch keine Belege für eine spezifische Wirksamkeit.
Sehr giftig ist auch das Alkaloid Colchicin aus der Herbstzeitlose (Colchicum autumnale).
Auch Chelidonin aus dem Schöllkraut gegen Epilepsie und als Schmerzmittel einzusetzen, ist ganz und gar nicht zu empfehlen. Schöllkraut wird aber in der traditionellen Pflanzenheilkunde gern äusserlich gegen Warzen eingesetzt (Schöllkrautsaft auftragen).
Opium wird aus dem Schlafmohn gewonnen und ist ein Gemisch verschiedener Alkaloide.
Tollkirsche (Atropa belladonna) enthält nicht die erwähnten Solanine, sondern die Tropanalkaloide Hyoscyamin (Atropin), Scopolamin, Apoatropin, Belladonnin und Scopoletin.
Zu den Alkaloiden gehört auch die Droge Kokain.
Und bei Koffein und Teein handelt es sich um identische Stoffe.
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Sonntag, November 20th, 2011
Die NZZ am Sonntag meldet heute:
„Für die Befürworter der Komplementärmedizin brechen wieder bessere Zeiten an. Ab Januar werden Homöopathie, Neuraltherapie und drei weitere Behandlungsmethoden provisorisch für sechs Jahre wieder von der obligatorischen Grundversicherung vergütet. So hat es Gesundheitsminister Didier Burkhalter dieses Jahr entschieden.“
Kommentar:
Pauschale „Befürworter der Komplementärmedizin“ sind etwa so naiv wie Leute, die pauschal alle Pilze für essbar halten.
„Komplementärmedizin“ ist eine Worthülse mit sehr unklar definiertem Inhalt. Man muss die einzelnen Methoden anschauen und den leeren „Verpackungsbegriff“ Komplementärmedizin zur Seite legen.
Siehe:
Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff
Zu den erwähnten drei weiteren Behandlungsmethoden, die ab Januar wieder provisorisch von der Grundversicherung vergütet werden, gehört auch die Phytotherapie. Allerdings werden Patientinnen und Patienten davon nicht profitieren.
Siehe dazu:
Phytotherapie als Komplementärmedizin-Methode in die Grundversicherung – was bringt’s?
Dass Phytotherapie in dieses 5er-Päckli der Komplementärmedizin-Methoden integriert wurde, war wohl eher ein Lobbying-Trick, um mehr Befürworter für dieses Päckli zu gewinnen.
Täuschung der Stimmberechtigten, würde ich sagen.
„Was Burkhalter nicht kommuniziert hat: Für den grössten Teil der Neuraltherapie ist diese Aufnahme nicht limitiert, sondern unbeschränkt….Zudem wollen die Neuraltherapeuten mit ihren bisherigen Mitstreitern aus der Komplementärmedizin zu tun haben. Wie nun auch der Bund bestätige, gehörten grosse Teile ihrer Disziplin zur Schulmedizin, sagt Hausammann. Man wolle darum im politischen Streit um die Alternativmedizin nicht länger erwähnt werden.“
Kommentar:
Die Neuraltherapeuten haben sich schon vor einiger Zeit vom Komplementärmedizin-Dachverband getrennt:
„Die Schweizerische Ärztegesellschaft für Neuraltherapie hat die Zusammenarbeit mit dem Dachverband für Komplementärmedizin aufgekündigt. Laut einer geharnischten Mitteilung vom Samstag liegt der Grund für die Trennung im Konfrontationskurs, den der Dachverband gegenüber der eidgenössischen Leistungskommission (ELGK) und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) unter Bundesrat Didier Burkhalter einschlagen will.“
Quelle:
http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/alternativmediziner_im_bruderzwist_1.8496007.html
Kommentar:
Die Neuraltherapeuten kritisieren meines Erachtens zur Recht den polemischen Kurs des Dachverbandes Komplementärmedizin.
Und wenn die Neuraltherapeuten betonen, dass ihre Methode grossenteils zur Schulmedizin gehöre, dann ist dazu zu sagen:
1. Das trifft auch auf die Phytotherapie zu. Bisher habe ich noch kein auch nur ansatzweise plausibles Argument gehört, weshalb Phytotherapie zur Komplementärmedizin zählen soll.
Siehe dazu:
Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?
2. Auch der Begriff „Schulmedizin“ ist ausgesprochen fragwürdig und sollte meines Erachtens wo immer möglich vermieden werden.
Siehe dazu:
Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck
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